Author Topic: Medienjournalismus und Medienkritik...  (Read 22485 times)

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Medienjournalismus und Medienkritik...
« Reply #80 on: February 01, 2018, 11:43:33 AM »
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[...] Vor kurzem förderte das Edelman Trust Barometer 2018 zu Tage, dass traditionelle Medien wie Zeitungen und TV-Sender sowie seriöse Online-Medien deutlich an Vertrauen gewinnen. Susanne Marell, CEO der Kommunikationsagentur, sagte dazu im Tagesspiegel-Interview: „Damit einher geht auch ein klarer Anstieg des Vertrauens in Journalisten. In einer Welt der Verunsicherung sehnen sich die Menschen verstärkt nach Fakten und Einordnung. Von Experten, die ihre Profession gelernt haben.“

Dazu passen die neuesten Befunde der Langzeitstudie „Medienvertrauen“ des Instituts für Publizistik der Johannes Gutenberg-Universität: Die „Lügenpresse“-Hysterie ebbt ab. So haben 2017 nur noch 13 Prozent der Deutschen die Aussage bejaht, dass die Bevölkerung von den Medien systematisch belogen werde. Ein Jahr zuvor seien es noch fast 20 Prozent gewesen. Auch bei der Aussage „Die Medien und die Politik arbeiten Hand in Hand, um die Bevölkerungsmeinung zu manipulieren“ ist die Zustimmung gesunken – von 15 auf zwölf Prozent.
Zudem zeigen die repräsentativen Daten, dass 42 Prozent der Deutschen den etablierten Medien in wichtigen Fragen vertrauen. Nur 17 Prozent äußern grundsätzliches Misstrauen, weitere 41 Prozent nehmen eine Zwischenposition ein. 2016 war der bisherige Tiefpunkt erreicht: Da waren 22 Prozent voller Misstrauen, der Teils/Teils-Pegel lag bei 37 Prozent.

Der öffentlich-rechtliche Rundfunk und die Tagespresse genießen bei etwa zwei Dritteln Vertrauen, sagte die Studie aus. Nur jeweils fünf Prozent sind bei diesen Medien grundsätzlich misstrauisch.

Die anhaltende Fake-News-Diskussion hat beim Internet einen regelrechten Vertrauenssturz ausgelöst. Nur noch zehn Prozent der Bürger halten Online im Allgemeinen für vertrauenswürdig – das ist ein Rückgang um 14 Prozentpunkte. „Der Mehrheit ist offenbar bewusst“, schreiben die Mainzer Forscher, „dass im Internet, das als Hybridmedium ganz unterschiedliche Angebote vereint, besondere Vorsicht und Aufmerksamkeit geboten ist, ob eine Quelle seriös ist.“ Nur etwa zwei bis drei Prozent hielten Nachrichten in den Sozialen Netzwerken für vertrauenswürdig.

Fake News und Hasskommentare: Deutliche Mehrheiten von zwei Dritteln bis drei Vierteln der Deutschen sehen in beiden Phänomenen eine echte Gefahr für die Gesellschaft. Jeweils 69 Prozent erwarten von der Politik gesetzgeberisches Handeln, um sowohl Fake News als auch Hasskommentare zu bekämpfen.

Allen Trendzahlen zum gewachsenen Medienvertrauen zum Trotz findet sich ein beachtlicher Teil der Bevölkerung in der Berichterstattung der Medien nicht wieder. So kritisieren 36 Prozent, dass sie „die gesellschaftlichen Zustände in ihrem Umfeld ganz anders wahrnehmen, als sie von den Medien dargestellt werden“. 24 Prozent sagen, dass die Themen, die ihnen wichtig sind, von den Medien nicht ernst genommen werden. Weiterführende Analysen der Langzeitstudie zeigen, dass sich vor allem diejenigen Menschen von den Medien entfremdet fühlen, die mit der Politik und Demokratie sowie ihrer eigenen wirtschaftlichen Situation unzufrieden sind, die eine hohe Sympathie für die AfD haben.

Dazu gehören auch Menschen, die häufig Kommentare auf den Facebook-Seiten etablierter Medien lesen und schreiben.

Zudem führt die Studie aus, dass zwar die Mehrheit der Bevölkerung über ein in wichtigen Punkten zutreffendes Wissen über Arbeit und Aufgabe des Journalismus verfügt. Gleichwohl existieren hier große Potenziale für Medienbildung und Aufklärungskampagnen. Nach den Daten der Mainzer Forscher stehen vor allem Menschen, die über wenig Medienwissen verfügen, den etablierten Medien besonders kritisch gegenüber. Wer zum Beispiel (fälschlicherweise) glaubt, Journalisten müssten ihre Berichte vor der Publikation von Behörden prüfen lassen oder der Staat würde darüber entscheiden, wer Journalist werden dürfe, schenkt den Medien auch kein Vertrauen. Das sind jeweils erschreckende elf Prozent.

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ObjekTief 01.02.2018, 10:47 Uhr

Alles wird gut!



Aus: "Deutsche vertrauen Medien wieder stärker" Joachim Huber (31.01.2018)
Quelle: http://www.tagesspiegel.de/medien/luegenpresse-hysterie-ebbt-ab-deutsche-vertrauen-medien-wieder-staerker/20911992.html


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Medienjournalismus und Medienkritik...
« Reply #81 on: February 01, 2018, 11:48:09 AM »
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[...] Medien enthalten dem Publikum zentrale Informationen vor und stellen Zusammenhänge interessengeleitet einseitig verkürzt und damit falsch dar. Es gibt keine Öffentlichkeit mehr, dafür eine Vielzahl von Teilöffentlichkeiten. Das Publikum ist schwach organisiert. Den strukturellen Schieflagen im Mediensystem muss schleunigst entgegengewirkt werden. Das waren nur einige der Erkenntnisse, die die Teilnehmer der Konferenz „Krieg und Frieden in den Medien“ am vergangenen Wochenende diskutierten. Organisiert hatte die Veranstaltung, die in der CROSS Jugendkulturkirche Kassel stattfand, die Juristenvereinigung IALANA in Kooperation u.a. mit dem Zentrum Oekumene der Ev. Kirche Hessen und Nassau sowie der Ev. Kirche von Kurhessen und Waldeck. Die Veranstaltung, an der gut 350 Personen teilnahmen, stand unter der Frage: „Kann man ein Leitbild ‚Friedensjournalismus‘ für eine der Wahrheit verpflichtete und deeskalierende Berichterstattung etablieren?“

Die Gräben zwischen Vertretern großer Medien und ihren Kritikern sind offenbar tief. Das ist eine ernüchternde Beobachtung, die man am Wochenende in Kassel hat machen können. Sie ergab sich allerdings nicht daraus, dass es bei der hochkarätig besetzten Konferenz, an der auch der „Anstalts-Kabarettist“ Max Uthoff und die ehemalige ARD-Russland-Korrespondentin Gabriele Krone-Schmalz teilnahmen, etwa zu wilden Wortgefechten zwischen „etablierten“ Journalisten und Kritikern an ihrer Berichterstattung gekommen wäre. Dazu konnte es nämlich gar nicht kommen. Denn: Laut Aussage der Veranstalter fanden sich trotz Einladung keine Vertreter großer etablierter Medien zu der Konferenz ein. [...]

Bei Lichte betrachtet dürfte das Interesse von so manchem Vertreter der Leitmedien an einer sachlichen Diskussion mit ihren Kritikern bei etwa null liegen. Zumindest liegt dieser Eindruck sehr nahe. Weder findet die Diskussion innerhalb der großen öffentlichen Diskursplätze der Polit-Talkshows statt, noch bisher, von wenigen Ausnahmen abgesehen, an einem anderen Ort. Der Grund liegt nahe und das hat die Veranstaltung in Kassel in aller Deutlichkeit gezeigt: Es geht bei der gegenwärtigen Medienkritik nicht um Lappalien. Es geht nicht darum, dass irgendein Journalist oder irgendein Medium hin und wieder irgendeinen Fehler macht. Die Medienkritik, die spätestens seit der Ukraine-Krise immer lauter geworden ist und auch auf der Kasseler Konferenz zu Wort kam, durchdringt die Oberflächen-Wahrnehmung von Journalismus und Mediensystem. Genauso die Medienkritik in Kassel: Sie bot weder Platz für ein allgemeines Journalisten-Bashing, noch ging es ihr um eine pauschale Verurteilung oder gar um eine Verteufelung von Medien. Zugleich scheuten Referenten und Tagungsteilnehmer aber auch nicht davor zurück, Missstände klar und präzise zu benennen, Ursachen in den Blick zu nehmen und, wie der aus Genf angereiste Korrespondent der taz, Andreas Zumach, provokante Vorschläge für Strukturveränderungen in den Medien zu präsentieren (Öffentlich-rechtliche Stiftungen für Zeitungen).

Da war etwa der Leipziger Journalismusforscher Uwe Krüger. Mit seiner 2013 publizierten Dissertation, die sich mit den Netzwerken von Alpha-Journalisten auseinandersetzt, hat Krüger für einigen Wirbel in der Medienwelt gesorgt. Teile seiner Arbeit hatte gar „Die Anstalt“ übernommen, um auf die Verflechtungen von Spitzenjournalisten mit Denkfabriken und Elitezirkeln im Bereich der Außen- und Sicherheitspolitik aufmerksam zu machen. Das Eingebundensein von Spitzenjournalisten in Elitezirkel, die etwa als Leitartikler die große Weltpolitik dem Leser interessengeleitet nahebringen, interessiert das Publikum, das wurde aus der Resonanz auf seine Arbeit deutlich.

Der Vortrag Krügers in Kassel war dem Thema gewidmet: „Woran man Propaganda erkennt.“ Krüger wollte, wie er zum Publikum sagte, „gleich mit der Tür ins Haus fallen“ und führte eingangs „die zehn Prinzipien der Kriegspropaganda [an], wie sie Lord Arthur Ponsonby, ein britischer Politiker, Schriftsteller und Friedensaktivist, während des Ersten Weltkriegs erkannte“:

 1   Wir wollen den Krieg nicht.
 2  Das gegnerische Lager trägt die Verantwortung.
 3  Der Führer des Gegners ist ein Teufel.
 4  Wir kämpfen für eine gute Sache.
 5  Der Gegner kämpft mit unerlaubten Waffen.
 6  Der Gegner begeht mit Absicht Grausamkeiten, wir nur versehentlich.
 7  Unsere Verluste sind gering, die des Gegners enorm.
 8  Künstler und Intellektuelle unterstützen unsere Sache.
 9  Unsere Mission ist heilig.
10 Wer unsere Berichterstattung in Zweifel zieht, ist ein Verräter.

Ponsonbys Prinzipien zirkulieren seit geraumer Zeit im Internet – insbesondere auch im Zusammenhang mit den Spannungen, die es zwischen den Nato-Staaten und Russland gibt.

Krügers Absicht wird im weiteren Verlauf des Vortrags deutlich: Ihm geht es, ganz im Sinne der Frage, die die Veranstalter für die Tagung aufgeworfen haben, darum, dass Mediennutzer ihre Sinne schärfen. Dabei unterlässt er als Kommunikationswissenschaftler aber auch nicht den Blick zu den Journalisten selbst und weist auf ihre schwierigen Arbeitsbedingungen hin.

Krüger, der sein Volontariat bei der Leipziger Volkszeitung absolvierte, widmet sich beispielhaft einem sehr interessanten Beitrag von Ulrich Wickert aus einem 1976 publizierten Buch. Wickert, der ehemalige Moderator der ARD-Tagesthemen, der später als Testimonial  2005  für den Werbespot der neoliberalen „Du-bist-Deutschland-Kampagne“ Pate stand, beschrieb darin, so Krüger, „wie er als junger Redakteur des Politmagazins Monitor immer mal wieder für seine inhaltliche Hartnäckigkeit kritisiert wurde und wie sich dies auf seine journalistische Haltung allmählich auswirkte und darin niederschlug. 1976 habe er noch einmal das Manuskript seines Hörfunkfeatures zur Hand genommen, das er 1970 geschrieben hatte. Der Titel lautete: «Die bundesdeutsche Propagandamaschine», es ging um die Öffentlichkeitsarbeit der Bundesregierung.“

Wickert:

    „Bei der Lektüre stellte ich mit Erschrecken fest, dass ich heute das Thema wahrscheinlich milder und unkritischer beschrieben hätte. Innerhalb von sechs Jahren also hatten kleine Vorkommnisse (…) meine Unbefangenheit beseitigt.» (Wickert 1976, S. 142)


Am Rande sei angemerkt: Die Ausführungen von Wickert untermauern den Verdacht, dass im Laufe der Zeit im journalistischen Feld ein Anpassungsprozess stattfindet. Dieser kann dazu führen, dass selbst kritische Journalisten oft genug solange geschliffen werden, bis von den „subversiven Momenten“ ihrer Kritik an Politik und Staat nicht mehr viel übrigbleibt.

Uwe Krüger verwies ferner auf das Propagandamodell des US-amerikanischen Sprachwissenschaftlers Noam Chomsky und des Ökonomen Edward Herman, die sich intensiv mit den Medien in ihrem Land auseinandergesetzt haben. „Ihre wichtigste These“, so Krüger, „lautet, dass die Medien nicht alle Opfer von staatlicher Repression und Gewalt gleichbehandeln, sondern zwischen wertvollen und wertlosen Opfern unterscheiden – je nachdem, ob die Gewalt von den USA, Kanada, anderen kapitalistischen Demokratien oder einem befreundeten Regime ausgeht oder aber von offiziellen Feindstaaten der USA.“

In den von Krüger präsentierten Zitaten Chomskys heißt es auch, dass sich bei Gräueltaten jener Länder, die mit den USA verbunden seien, in den Medien von den Journalisten ganz überwiegend eine länderspezifisch freundliche und damit einseitige Berichterstattung erwartet werde: „Wir erwarten unkritische Akzeptanz von bestimmten Prämissen, wenn es um uns und unsere Freunde geht – etwa, dass wir Frieden und Demokratie wollen, Terrorismus bekämpfen und die Wahrheit sagen – Prämissen, die bei Feindstaaten nicht angenommen werden.“

Mit anderen Worten also: Die Medien mögen bitte dabei mithelfen, die Schandtaten der eigenen Regierung und des Militärs zu verdecken, während sie bei Verbrechen der Feindstaaten die gesamte Klaviatur des kritischen Journalismus spielen dürfen.

„Spielen bei Kriegen auch PR-Agenturen eine Rolle, die also einen Krieg „promoten“, sprich: Propaganda für Regierungen betreiben?“ fragte der Politikwissenschaftler Jörg Becker. Provokant formulierte er den Titel seines Vortrages: „Wie die Public-Relations-Industrie mitregiert“ und legte somit zugleich nahe, dass PR-Agenturen einen großen Einfluss bei der Politikgestaltung haben können. Einige von ihnen seien zu „großmächtigen transnationalen Konzernen mutiert“; vier dieser „gigantischen PR-Verbundsysteme“ dominierten „die gesamte Welt der Werbung, der Public Relations, der Medien und des Consultings“ (die US-amerikanische Omnicom-Gruppe, die englische WWP-Gruppe, die französische Publicis-Gruppe und die US-amerikanische Interpublic-Gruppe). Mit einem Jahresumsatz von geschätzten 7 bis 20 Milliarden US-Dollar übersteige dieser gar den Staatshaushalt einzelner Länder.

Sieben von ihm recherchierte Beispielsfälle führt Becker an, in denen Staaten gezielt Werbeagenturen bei Kriegen um Unterstützung baten. Die so genannte „Brutkastenlüge“, die 1990 von der PR-Agentur Hill & Knowlton erfunden wurde, ist einer davon. Sie war dabei behilflich, ein emotionales und politisches Klima zu schaffen, das es den USA erlauben sollte, militärisch gegen den Irak vorzugehen und dafür vorab eine Mehrheit im UN-Sicherheitsrat zu gewinnen.

Becker resümiert, dass in Kriegen heute in weitem Maße „PR-Agenturen (und auch Medienanstalten) nicht nur Produzenten und Vermittler von Bildern und Texten“ seien, sondern auch „Kriegsakteure.“ Wie etwa ein etabliertes journalistisches Medium selbst zur Kriegspartei werden kann, illustrierte Becker an dem Beispiel des TV-Senders CNN. Dieser habe rechtzeitig vor „der Landung der US-Truppen an einem Strand in Somalia 1992 einen Vertrag mit dem Pentagon geschlossen“, so dass „die TV-Übertragung dieser Truppenlandung nur bei ihm und in der Prime Time stattfinden müsse, was dann vertragsgerecht auch geschah.“ Die Entwicklung in Sachen PR-Industrie vollziehe sich in einer Zeit, in der die bürgerliche Öffentlichkeit zunehmend zerfallen sei und nur noch Teilöffentlichkeiten vorhanden seien, so Becker.

Auch Albrecht Müller, Gründer und Herausgeber der NachDenkSeiten, widmete sich in seinem Vortrag (Anmerkung der Redaktion: Der komplette Vortrag von Albrecht Müller wird zeitnah auf den NachDenkSeiten veröffentlicht) dem Thema „Propaganda“. „Wie können wir uns gegen eine Manipulation unserer Einstellungen, Überzeugungen und Meinungen schützen?“, fragte er und wies auf häufig genutzte Methoden der Desinformation hin, die man erkennen, dokumentieren und kritisieren müsse: zum Beispiel Weglassen und Verschweigen wichtiger Tatsachen, unzulässige Simplifizierung und Verkürzung historischer Zusammenhänge und Entwicklungen, einseitige Instrumentalisierung des Leidens von Opfern mit dem Ziel einer trickreichen tendenziösen Beeinflussung der Gefühle der Leser und Zuschauer. „Manipulationen“, so Müller, sind vielfach „eher auf der Tagesordnung als ehrliche Aussagen.“ Es gehe darum, Manipulationen in den Medien zu erkennen und ein Verständnis dafür zu entwickeln, dass hinter den Versuchen der Beeinflussung vielfach ausgeklügelte Kampagnen stünden.

[...] Man müsse deshalb als kritischer Zeitgenosse in diesem Zusammenhang die „imperialen und geostrategischen und wirtschaftlichen Interessen des Westens sichtbar machen“. Dabei könne man erkennen, dass, wenn von einem Regime-Change die Rede sei, es längst nicht immer um Menschenrechte und Demokratie gehe. Einen kritischen Blick auf die Medien-Berichterstattung zu Russland warf auch Gabriele Krone-Schmalz, die ehemalige Russland-Korrespondentin der ARD. Sie wurde im Zuge der Ukraine-Krise dafür bekannt, dass sie die Berichterstattung deutscher Medien kritisierte und davor warnte, Russland als Feind darzustellen.

[...] Krone-Schmalz betonte, dass man von den Mediennutzern nicht erwarten könne, auf diese Unterscheidung von alleine zu kommen, aber von Journalisten müssten diese Zusammenhänge dargestellt werden. ...

Die als Referenten eingeladenen ehemaligen Mitarbeiter des Norddeutschen Rundfunks (NDR) Volker Bräutigam und Friedrich Klinkhammer legten den Fokus ihrer Tagungsbeiträge auf ein bekanntes deutsches Medium: die ARD-Tagesschau. Unter dem Titel „Können wir uns wehren? – Was nützen Programmbeschwerden, Durchsetzung von Gegendarstellungen, gerichtliche einstweilige Anordnungen pp“ trugen beide mit trockenem Humor ihre Kritik an dem Medium vor. Seit der Ukraine-Krise haben Bräutigam und Klinkhammer nach eigenen Angaben über 400 Programmbeschwerden wegen unzureichender Berichterstattung in der Tagesschau eingereicht. Nicht einer habe der NDR-Rundfunkrat stattgegeben. Eigentlich, so Bräutigam, obläge es dem Rat, dass er einer seiner wichtigsten Aufgaben, die ihm der Rundfunkstaatsvertrag zuschreibe, nachkomme, sprich: „die Einhaltung der Programmrichtlinien zu überwachen.“ Im Programm müsse umfassend informiert werden, die Berichterstattung habe sachlich und wahrheitsgemäß zu sein, die Völkerverständigung müsse gefördert werden und sie müsse die Bürger zum selbständigen Urteilen befähigen.

Für beide Referenten steht nach ihren Erfahrungen fest: „De facto… bedient der Rat…nur die Partikular-Interessen von CDU und SPD, mit allen schändlichen Konsequenzen fürs Programm.“ Die Mitglieder des Rates tagten hinter verschlossenen Türen. „Ihre Sitzungen und deren Ergebnisse lassen sie vom Management desselben Hauses organisieren und realisieren, dessen Produktqualität und Programmpolitik sie eigentlich überwachen sollten.“

Sichtlich schockiert war das Publikum, als Bräutigam am Beispiel einer mangelhaften Recherche darlegte, was die Motivation der beiden gefördert hat, so unermüdlich Programmbeschwerden an den Sender zu schicken.

Bräutigam, der 21 Jahre beim NDR angestellt war, las die folgenden Zeilen vor:

    „Nahe bei Aleppo griffen al-Qaida-Milizionäre einen palästinensischen Jungen auf. Er war zwölf Jahre alt. Die Männer ernannten ihn zum ‚Kindersoldaten Assads‘, fesselten ihn und warfen ihn auf einen Kleinlaster. Unter dem Gegröle der Kumpanei riss einer dem Kind den Kopf zurück und säbelte ihm den Hals durch. Das ging nicht glatt, es dauerte etwas. Den Kopf, nachdem der endlich abgeschnitten war, warf der Mann achtlos beiseite. Den Kopf eines zwölfjährigen Kindes.“

Nach dieser Schilderung fügte Bräutigam zum Publikum gewandt hinzu, um die Recherche-Defizite deutlich zu machen: „Sie werden es nicht glauben: Von solchen Leuten bezog Volker Schwenck, Chef des ARD-Büros in Kairo, regelmäßig das Material für seine ‚aktuellen‘ Berichte über die Kämpfe im 1000 Kilometer entfernten Aleppo.“ Und Bräutigam weiter: „Eigenrecherche in Aleppo, so hieß es verständnisheischend seitens der ARD, sei oft unmöglich, weil zu gefährlich. Das Fremdmaterial habe Schwenck jedoch immer äußerst sorgfältig geprüft. Ja freilich.“

„Uns wurde angst und bange“, das sagte der Polit-Satiriker Max Uthoff, der ebenfalls bei der Veranstaltung auftrat, im Hinblick auf die Berichterstattung zur Ukraine-Krise.

Der Anstalts-Kabarettist, der zusammen mit Claus von Wagner Monat für Monat ein Millionenpublikum an die Bildschirme lockt, sprach unter anderem mit den Moderatoren Daniela Dahn und Peter Becker darüber, wie er und von Wagner die Berichterstattung führender Leitmedien erlebt haben. Dies sei auch der Grund gewesen, dass sie in ihrer „Nummer“ das Verhalten der Leitmedien aus einem Schützengraben dargestellt hätten. Dies sei zu dem Zeitpunkt notwendig gewesen „und zwar in der Dramatik, auch in der Hektik, die sie vermittelt“, so Uthoff.

„Es sollte aussehen wie ein Kriegsfilm…, weil damals – das haben wir uns ja nicht ausgedacht, tatsächlich auch Der Spiegel, Die Zeit und andere unfassbar militaristisch zu Werke gegangen sind. Der Spiegel vor allem – die alte Landserpostille aus Hamburg – und auch Die Zeit, war da ganz vorne dabei…“ Fast müsse er der Springer-Presse Respekt zollen „vor der Phantasie und der Mühsal“, die Welt und Bild an den Tag legten, „um möglichst irgendwann dann doch mal einen Kriegsgrund gegen Putin zusammenzuzimmern.“

Uthoff zeigte aber auch Grund zur Freude auf, denn: Schon öfter sei es vorgekommen, dass Lehrer ihm und seinem Kabarett-Kollegen Claus von Wagner eröffnet hätten, sie zeigten komplette Folgen der Anstalt auch in ihren Klassenzimmern und diskutierten darüber mit ihren Schülern – „was uns freut wie Bolle, weil ich nicht glaube, dass wir subversiver wirken könnten als auf diese Art und Weise.“

Mit dem Begriff „subversiv“ lieferte Uthoff vielleicht auch ein gutes Stichwort, um zu erklären, warum die Kassler Medientagung der IALANA in der Berichterstattung augenscheinlich nicht vorgekommen ist. Eine Medienkritik, die, wie in der Veranstaltung gezeigt, mit Fachkenntnis in die Tiefe bohrt und auch nicht davor zurückscheut, herrschaftsnahe Wirklichkeitskonstruktionen in der Berichterstattung zu hinterfragen, verabscheut so mancher Alphajournalist. „Subversion“, hier verstanden als eine, im demokratischen Sinne, wahrlich kritische (und nicht pseudokritische) Hinterfragung von Politik und Gesellschaft: das scheint für so manches Medium nicht notwendig. Das zeigt die Berichterstattung zu oft. Dort herrscht der Tenor vor: „Uns“ geht es doch „gut“.


Aus: "IALANA-Medientagung: Fundierte Medienkritik und Medienvertreter auf Tauchstation" Marcus Klöckner (31. Januar 2018)
IALANA-Medientagung: Fundierte Medienkritik und Medienvertreter auf Tauchstation
Veröffentlicht in: Friedenspolitik, Medien und Medienanalyse, Medienkritik, Strategien der Meinungsmache, Veranstaltungshinweise / Veranstaltungen
http://www.nachdenkseiten.de/?p=42173

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« Reply #82 on: March 01, 2018, 12:08:09 PM »
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[...] Michael Meyen " ... Über Politik und Wirtschaft wird nicht nur weniger berichtet, sondern auch ganz anders als vor 30 Jahren. Negativer, emotionaler, stärker an Prominenten und Experten aufgehängt und vor allem an Konflikten. Wenn sich zwei streiten, die mächtig sind, dann wird das ein Medienthema. Man konnte das schön sehen, als die Gespräche zwischen SPD und CDU beendet waren. Schulz gegen Gabriel gegen Nahles. Persönliche Befindlichkeiten, Küchenpsychologie. Was sich die beiden Parteien vorgenommen haben, ging dabei völlig unter. ... Der Souverän braucht Aufklärung und Wissen und bekommt stattdessen Aufregung und Ablenkung. Die Frankfurter Schule würde sagen: Die Kulturindustrie sorgt dafür, dass wir uns über unsere wahre Lage täuschen, und produziert so Zustimmung. ... Gut aussehen und gut rüberkommen. Das ist [ ] nicht das, worum es zum Beispiel in der Schule eigentlich gehen sollte oder in der Politik. ... Medien reden von Objektivität und Neutralität, von Ausgewogenheit und Vollständigkeit, produzieren aber genau das Gegenteil: Drama, Story, Meinung. Mein Vorschlag ist: Werft die alten Qualitätskriterien über Bord und konzentriert euch auf Transparenz. Woher ist das Material, wem hilft es möglicherweise, wie steht ihr selbst dazu. ... Welche Schwachstellen sehen Sie?... die Nähe zu den Mächtigen und ein Selbstverständnis, das eher auf Mitgestaltung zielt als auf Beobachtung. Uwe Krüger hat das ja in seinen Büchern gut analysiert. Wir sollten aber nicht den Fehler machen, nur auf die Journalisten zu schimpfen. Die Strukturen machen es ihnen nicht leicht. Allein das Bundespresseamt beschäftigt mehr als 400 gut bezahlte Menschen, die nichts anderes machen, als die Welt darüber zu informieren, was Angela Merkel und ihre Minister so tun. Mehr als 400 Menschen, die Nachrichten produzieren, Dossiers, zitierfähige Sätze und die sich auch sonst in jeder Hinsicht darum kümmern, dass Politik und Politiker gut dastehen da draußen. Die Presseleute der Ministerien, der Parteien und der Abgeordneten sind da noch gar nicht mitgerechnet. Auch deshalb tut der politische Journalismus gut daran, sich neu zu erfinden und darüber zu reden, wie man die öffentliche Aufgabe erfüllen kann in einer Welt, die vom Imperativ der Aufmerksamkeit beherrscht wird. ..."


Aus: ""Medien reden von Objektivität und Neutralität, produzieren aber genau das Gegenteil"" Marcus Klöckner (01. März 2018)
https://www.heise.de/tp/features/Medien-reden-von-Objektivitaet-und-Neutralitaet-produzieren-aber-genau-das-Gegenteil-3978378.html

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"ALANA-Medientagung in Kassel war erfolgreich" (02.02.2018 )
Medien, Krieg, Frieden Auf der dreitägigen Veranstaltung in Kassel ging es um das Thema „Krieg und Frieden in den Medien“
asansörpress35 | Community, Bei diesem Beitrag handelt es sich um ein Blog aus der Freitag-Community
Wo blieben die „richtigen, die etablierten Medien?", wie sich Albrecht Müller (Herausgeber NachDenkSeiten) ausdrückte, auf dieser Medientagung? Der Organisatoren, hieß es, haben sie und auch die öffentlich-rechtlichen Medien eingeladen. Gesehen hat man sie nicht. Möglicherweise waren Zeitungsleute da? Schade....
http://literaturkritik.de/carstensen-schmid-die-literatur-der-lebensreform-kuehne-thesen,23105.html


« Last Edit: March 01, 2018, 02:25:54 PM by Link »

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« Reply #83 on: April 26, 2018, 10:50:32 AM »
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[...] Das war über Jahre das liebgewonnene Bild. Die Feinde der Pressefreiheit sitzen weit weg, in Turkmenistan, in Nordkorea und in Eritrea. Regelmäßig machten Länder wie diese die Schlussränge in der Rangliste der Pressefreiheit unter sich aus.

Es brauchte dann aber gar nicht die Festnahmen in der Türkei wie von Deniz Yücel und weiteren hundert professionellen Journalisten, um zu zeigen: Die Pressefreiheit ist nicht hinter den sieben Bergen, sondern an den Rändern und jetzt auch in Europa selbst gefährdet. Die Rangliste der Organisation Reporter ohne Grenzen (ROG) zeigt auf, dass vier der fünf Länder, deren Platzierung sich in den 180 untersuchten Staaten am meisten verschlechtert hat, in Europa liegen. Serbien (Platz 76), die EU-Mitglieder Malta (65), Tschechien (34) und die Slowakei (27).

In Malta, nur zum Beispiel, hat der Mord an der Investigativjournalistin Daphne Caruana Galizia offenbart, wie eng in dem EU-Land Politik, Wirtschaft und Justiz miteinander verflochten sind. Da stört jede journalistische Investigation, da wird enormer Druck aufgebaut. Laut ROG lagen gegen Caruana im Moment ihrer Ermordung mehr als 40 Verleumdungsklagen vor.

Zum Einzelfall gehört das systemische Vorgehen. In zahlreichen osteuropäischen Ländern polemisieren, ja hetzen autoritäre Regierungen gegen kritische Journalisten als „Verräter“ oder „Terroristen“. Die offene Diffamierung ist die eine Methode, es geht aber noch effizienter und subtiler. In Polen hat die national-konservative Regierung den öffentlich-rechtlichen Rundfunk unter ihre Kontrolle gebracht, in Ungarn wurden die letzten unabhängigen Regionalzeitungen von Unternehmern aufgekauft, die mit der Regierung von Viktor Orban befreundet sind. Gerade wurde „Magyar Nemzet“ zur Aufgabe gezwungen.

Und es ist nicht so, als hätten die Mächtigen in Polen, in der Slowakei oder in Ungarn beim türkischen Sultan Recep Tayyip Erdogan (Platz 157) nach Vorbildern suchen müssen, wie vielfältige Medien zu einfältigen verformt werden können. US-Präsident Donald Trump hat die Medien in den USA (Platz 45), die ihn und seine Politik kritisieren, wieder und wieder als „Fake News“-Lieferanten beschimpft. Das ist nicht weniger als ein Angriff auf die Pressefreiheit, weil die ureigenste Informationsaufgabe der Medien in eine simple persönliche Für-oder-gegen-mich Bewertung herabgewürdigt wird. Kein Journalist wird sagen können, er sei unfehlbar – böse und gefährlich aber wird es, wenn ihm gewollte Fehlbarkeit unterstellt wird. Wer die Presse als „lügnerisch“ diffamiert, der diffamiert die Pressefreiheit als Unwert.

Eine Gesellschaft braucht unabhängige Medien, wenn sie pluralistisch und demokratisch sein will – und frei. Keine Überraschung also, dass sich an der Spitze der ROG-Rangliste Norwegen, Schweden und die Niederlande finden, Deutschland liegt auf Rang 15.

Schweden und die Niederlande sind EU-Mitglieder wie Polen und Ungarn. Die Tabelle aber illustriert, dass die Pressefreiheit in der EU so lange teil- und verkleinerbar ist, bis ein Viktor Orban zufrieden ist. Als sei Pressefreiheit nur ein Wort und keine Praxis, als sei die EU Sonntag und nicht Alltag.

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Mercur 09:42 Uhr

    Wer den Medien vorsätzliche Falschberichte unterstellt, diffamiert die Pressefreiheit als Unwert und gefährdet Freiheit und Demokratie.

Ein  Satz zum Nachdenken! ... Zeitungen  haben  doch ein  Profil,   auch eine politische  Richtung.   TAZ versus WELT  z.B. Das heisst, Zeitungen  versuchen  auch Meinungen zu machen und zu beeinflussen. Ich  denke, dass ist  Konsens. Zeitungen  sind  keine beliebigen  Aneinanderreihungen  von  „ NEWS“ - Deshalb besteht  die Kunst in der Kunst  des Weglassens  von Informationen. Wenn  seit Jahren  Meldungen und Kommentare in vielen Zeitungen dergestalt  sind, als ob  Merkels Politik alternativlos ist oder Europa  oder bestimmte Entwicklungen angeblich unvermeidlich, dann wenden sich reflektierte Leser ab von  solchen Medien. Sie fühlen sich  dann einseitig informiert und manipuliert. Besonders wenn sie im Alltag eine große Diskrepanz  zwischen  Zeitungsmeldungen  und ihrem persönlichen  Erleben  feststellen.


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cz284 09:39 Uhr

Manche verstehen unter Pressefreiheit das, was den Regierenden genehm ist. Pressefreiheit sollte auch Kritik sein, auch neutrale Positionen haben. Der mündige Bürger ist klüger, als so manche Behörde denkt und durchaus in der Lage sich seine eigene, fundierte Meinung zu bilden. Fakenews entlarven letztlich deren Erfinder.


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nochnefrage 09:00 Uhr
Nicht dreiste Falschmeldungen sind das Problem. Der Schimpf Lügenpresse ist unrichtig.

Die Bezeichnung "Lückenpresse" trifft das Problem eher: Was nicht gemeldet wird, was ausgewählt und im Umfang ausgewalzt wird, während anderes ausgewalzt wird - das gibt zu denken.

Und natürlich haben alle in der Medienbranche ihre Agenda: zwar wollen alle Leser und Zuschauer bekommen, aber nicht um jeden Preis. Die MedienbesitzerInnen möchten ein gutes Verhältnis zur Bundesregierung, und da fällt dann eine vorteilhafte Steuerregelung ab.

Im Öff.-Rechtlichen Milieu geht es um Posten, und diese werden letztlich von den Regierungsparteien vergeben.


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ingoleit 25.04.2018, 20:57 Uhr
Es wäre schön,
würden die Journalisten und ihre Chefs nicht nur mit dem Finger auf andere zeigen, sondern einmal selbstkritisch ihre Arbeit betrachten. Aber darauf werden wir wohl sehr lange warten müssen und  viele viele weitere solcher Artikel zu lesen bekommen.


...


Aus: "Rangliste zur Pressefreiheit: Bis Orban zufrieden ist" (25.04.2018)
Quelle: https://www.tagesspiegel.de/medien/rangliste-zur-pressefreiheit-bis-orban-zufrieden-ist/21214412.html

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Medienjournalismus und Medienkritik...
« Reply #84 on: June 07, 2018, 09:35:31 AM »
"Wenn Medien-Neutralität zum Kampfwort wird" Marietta Slomka (6. Juni 2018)
Überall in Europa hat sich die Pressefreiheit verschlechtert. Gegen den Angriff der Politik müssen sich Journalisten auch damit wehren, dass sie ihr Tun besser erklären. Plädoyer anlässlich der Medienenquete. ...
https://derstandard.at/2000081099341/Wenn-Medien-Neutralitaet-zum-Kampfwort-wird

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[...] Bei ihrem zweitägigen Treffen in Kanada haben sich die G7-Länder auf die Entwicklung eines neuen Systems verständigt, das gezielte Fehlinformationen verhindern soll. Der sogenannte Rapid Response Mechanism (RRM) soll eine koordinierte und schnellere Reaktion auf Wahlmanipulationen, Propagandaattacken und andere "inakzeptable Handlungen" ermöglichen.

Mehrere US-Geheimdienste beschuldigen Russland, im US-Präsidentschaftswahlkampf 2016 mit Hackerangriffen der demokratischen Kandidatin Hillary Clinton geschadet zu haben. In Deutschland wird Russland vorgeworfen, gezielt Fehlinformationen zu streuen, um die öffentliche Meinung zu beeinflussen. Als Beispiele gelten der Fall Lisa – die angebliche Vergewaltigung eines deutsch-russischen Mädchens – und eine Kampagne, die darauf abzielte, Bundeswehrsoldaten in Litauen in Misskredit zu bringen. Als problematisch werden von den G7 zudem offensichtliche Versuche gewertet, die EU-feindliche Parteien und Bewegungen unterstützen.

Über das neue Abwehrsystem sollen Informationen über solche Angriffe systematisch analysiert und ausgetauscht werden. Der nächste Schritt wäre laut dem Bericht im Idealfall eine koordinierte Reaktion, die von Gegenkampagnen bis zu Sanktionen reichen könnte.

Ein Unterstützer des "Rapid Response Mechanism" ist der französische Präsident Emmanuel Macron. Im französischen Präsidentschaftswahlkampf Ende 2016 und Anfang 2017 litt er selbst unter Falschinformationen, die unter anderem von Medien, die aus Russland finanziert werden, verbreitet wurden. In den letzten Tagen des Wahlkampfs wurde in europäischen Medien spekuliert, ob Macron schwul sei und ein illegales Bankkonto auf den Bahamas unterhalte. Seine Gegenkandidatin um das wichtigste französische Amt, Marine Le Pen, griff die Vermutung, Macron lege sein Geld auf den Bahamas an, sogar im letzten TV-Duell auf.

Ein Unterstützer des "Rapid Response Mechanism" ist der französische Präsident Emmanuel Macron. Im französischen Präsidentschaftswahlkampf Ende 2016 und Anfang 2017 litt er selbst unter Falschinformationen, die unter anderem von Medien, die aus Russland finanziert werden, verbreitet wurden. In den letzten Tagen des Wahlkampfs wurde in europäischen Medien spekuliert, ob Macron schwul sei und ein illegales Bankkonto auf den Bahamas unterhalte. Seine Gegenkandidatin um das wichtigste französische Amt, Marine Le Pen, griff die Vermutung, Macron lege sein Geld auf den Bahamas an, sogar im letzten TV-Duell auf.




Aus: "G7 wollen Abwehrsystem gegen Fake-News" (9. Juni 2018)
Quelle: https://www.zeit.de/politik/ausland/2018-06/g7-abwehrsystem-fake-news-russland


Click and elect: how fake news helped Donald Trump win a real election
Hannah Jane Parkinson ( Mon 14 Nov 2016 16.27 GMT
Last modified on Fri 9 Feb 2018 19.01 GMT)
https://www.theguardian.com/commentisfree/2016/nov/14/fake-news-donald-trump-election-alt-right-social-media-tech-companies


Pentagon veröffentlicht Joint Vision 2020
Georg Schöfbänker (08.06.2000)
Neue Perspektiven für den militärischen Informationskrieg
https://www.heise.de/tp/features/Pentagon-veroeffentlicht-Joint-Vision-2020-3447269.html

US-Cyber-Krieg über Facebook und Co. Angriff der Sockenpuppen (Donnerstag, 17.03.2011)
Schlachten werden auch über Facebook und Twitter geschlagen - das haben die Revolutionen Arabiens bewiesen. Cyber-Krieger im Pentagon haben nun Software bestellt, mit der sie Meinung im Netz manipulieren können - in Farsi, Arabisch, Urdu und Paschtu. In den USA selbst wäre das illegal.
http://www.spiegel.de/netzwelt/netzpolitik/us-cyber-krieg-ueber-facebook-und-co-angriff-der-sockenpuppen-a-751567.html


"Einmischungsversuche in Wahlen werden oft unterschätzt"
Dov H. Levin (23. Februar 2017)
 Russen und Amerikaner haben immer wieder versucht, fremde Wahlen zu beeinflussen. Auch in Deutschland. Wissenschaftler Dov H. Levin erklärt die Hintergründe. Interview von Tahir Chaudhry und Moritz Matzner
http://www.sueddeutsche.de/politik/wahlforscher-das-sollte-nicht-verharmlost-werden-1.3390497



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Medienjournalismus und Medienkritik...
« Reply #85 on: Yesterday at 08:28:48 PM »
The Holberg Debate 2017: "Propaganda, Facts and Fake News" with J. Assange, J. Pilger & J. Heawood
At the 2017 Holberg Debate, Julian Assange, John Pilger and Jonathan Heawood discussed the presence of propaganda in news and social media, and its democratic implications.
The Holberg Debate 2017 is a collaboration between the Holberg Prize, the Fritt Ord Foundation and Norwegian PEN (Western Norway).
https://www.youtube.com/watch?v=LqEtKyuyngs

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John Pilger (* 9. Oktober 1939 in Sydney, Australien) ist ein australischer Journalist und Dokumentarfilmer. ...
https://de.wikipedia.org/wiki/John_Pilger

"John Pilger says what the other Press is too scared to say it" (08.04.2018 veröffentlicht)
https://youtu.be/pcAvyZpydNw

https://youtu.be/JfbTkwVp6nc

https://youtu.be/58ROlPPV9W8






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