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[Medienjournalismus und Medienkritik... ]

Started by lemonhorse, August 04, 2008, 01:48:45 PM

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"Welches Erbe soll es sein?" Dirk Peitz (28. Mai 2025)
Holger Friedrich, Verleger der "Berliner Zeitung", hat die sagenumwobene Zeitschrift "Die Weltbühne" wieder aufgelegt. Doch dagegen wehrt sich nun der Enkel des Gründers. ...
https://www.zeit.de/kultur/2025-05/die-weltbuehne-zeitschrift-holger-friedrich-nicholas-jacobsohn/komplettansicht

QuoteTherac-25
vor 12 Stunden

Hmm, man kann das ganze auch pointierter und lesbarer zusammenfassen:

"Kleines Wurstblatt in großen Fußstapfen" Klaus Hillenbrand (26.5.2025)
Der Berliner Zeitungsverleger Holger Friedrich bringt ,,Die Weltbühne" neu raus. An das legendäre Blatt der Weimarer Republik kommt sie lange nicht ran. ... Erstmals seit Jahrzehnten ist Die Weltbühne im deutschen Blätterwald wieder erschienen, der Titel mit derselben Schrifttype wie früher gesetzt. ,,Gegründet von Siegfried Jacobsohn" steht darunter geschrieben, als hätten wir das Frühjahr 1925, und, das ist neu, ,,Herausgegeben von Thomas Fasbender und Behzad Karim Khani". Gilt es, die Wiederauferstehung dieses Zentralorgans der Intellektuellen in der Weimarer Republik zu feiern? Einen Titel kann man kaufen. Jacobsohn kann sich nicht mehr wehren. ...
https://taz.de/Die-Weltbuehne-wird-neu-verlegt/!6087025/

Da wurde halt mal wieder ein Name gekauft um den eigenen verschwurbelten Ansichten mehr Gewicht zu geben, Glaube nicht, daß das funktioniert.


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Mit ihren kleinen roten Heften galt Die Weltbühne in der Weimarer Republik als das Forum der radikaldemokratischen bürgerlichen Linken. ...
https://de.wikipedia.org/wiki/Die_Weltb%C3%BChne


Siegfried Jacobsohn (* 28. Januar 1881 in Berlin; † 3. Dezember 1926 ebenda) war ein deutscher Journalist, Herausgeber und Theaterkritiker. Er gründete 1905 die Zeitschrift Die Schaubühne und nannte sie 1918 in Die Weltbühne um, deren Herausgeber er bis zu seinem Tode blieb. ...
https://de.wikipedia.org/wiki/Siegfried_Jacobsohn


Kurt Tucholsky (* 9. Januar 1890 in Berlin; † 21. Dezember 1935 in Göteborg) war ein deutscher Schriftsteller, der zu den bedeutendsten Publizisten der Weimarer Republik zählte. ...
https://de.wikipedia.org/wiki/Kurt_Tucholsky


Carl von Ossietzky (* 3. Oktober 1889 in Hamburg; † 4. Mai 1938 in Berlin) war ein deutscher Journalist, Schriftsteller und Pazifist. ...
https://de.wikipedia.org/wiki/Carl_von_Ossietzky

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"Verhältnis der Deutschen zu Israel: Streit bei ,,Zeit" über Löschung der Maxim-Biller-Kolumne" Anne Fromm (1.7.2025)
Autor Maxim Biller hat in der ,,Zeit" eine scharfe Kolumne über das Verhältnis der Deutschen zu Israel veröffentlicht. Die ,,Zeit" löschte den Text. Wie kam es dazu? ...
https://taz.de/Verhaeltnis-der-Deutschen-zu-Israel/!6097567/

QuoteB. Iotox

Klar, notwendig. Rein defensiv. Pathologischer, psychologisch belastender Horrortrip. Billers Text spricht für sich, und die Veröffentlichung in der Zeit ebenfalls.

Die Depublikation ist der maximal ungeschickte, gar schädliche Versuch von Teilen der Redaktion zu retten was nicht mehr zu retten ist.



Quotestarsheep

Ich bin noch nicht bereit für strategische Unmenschlichkeit und hoffe, dass man mir verzeiht.


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Quote[....] Der US-Präsident hat in der Zeit seiner gefühlten Verbannung ans neunte Loch seines Golfplatzes in Mar-a-Lago, also nach seiner Wahlniederlage im Jahr 2020 gegen Joe Biden, die Trump Media Technology Group (TMTG) gegründet und an die Börse gebracht. Deren neuestes Produkt ist nun ein Streamingdienst. Seit Montag ist er in Europa erhältlich, als App auf Telefon oder Tablet, und der Name könnte nicht treffender sein: Truth+, was so viel wie "erweiterte Wahrheit" bedeutet.

Stellvertretend für die erweiterte Wahrheit von Truth+ steht derzeit ein recht bekannter US-amerikanischer Fernsehsender aus dem rechten Spektrum. Nein, es handelt sich nicht um Fox News, sondern um einen nahen Verwandten namens Newsmax. Seit mehr als zehn Jahren heuert Newsmax ehemalige Moderatoren und Journalisten von Fox News an, Leute, die dort nicht mehr wohlgelitten waren. Sie sollten Newsmax dabei helfen, und das kann nicht überraschen, Fox News als Lieblingssender des republikanischen und mehr noch des MAGA-verehrenden Publikums abzulösen.

... Was die Zuschauer dort erwartet, führte ihnen Newsmax-Moderator Michael Savage kürzlich in seiner Late-Night-Sendung vor. Anlass waren Berichte des Nachrichtensenders CNN, denen zufolge die bunkerbrechenden Bomben der USA das Atomprogramm des Iran nur um Monate zurückgeworfen haben könnten. Savage selbst sprach dagegen von dem "erfolgreichsten Bombardement der Geschichte" (ohne das belegen zu können) und geiferte über die Eigentümer von CNN: Man solle dieses "Ungeziefer" wegen "Aufruhr und Landesverrats" einsperren. Gemeint waren die Chefs des Medienkonzerns Warner Bros. Discovery, zu dem neben CNN auch die Verlagsgruppe Time und der Bezahl-TV-Sender HBO gehören, alle drei Ikonen des liberalen Amerikas.

Truth+ ist in diesem Sinne ein Ausdruck einer Zeit, in der sich gruppenspezifische Wirklichkeiten schneller ausbreiten und festsetzen, als man die berühmten Worte von Rudolf Augstein aussprechen kann: Sagen, was ist.

Wie lässt sich dieser Trump'sche, dieser alternative Zugang zur Realität auf einen Begriff bringen, um ihn zu fassen zu kriegen? "Fake-News" hat sich überholt, "Desinformation" beschreibt vor allem staatliche Propaganda. "Lügen" erfasst die medial-technische Dimension des Phänomens nicht. Doch nun haben Autoren des US-amerikanischen Magazins The Atlantic einen geradezu genialen Vorschlag für ein neues Verb gemacht. Sie schreiben (hier eingedeutscht) von "truth socialn", abgeleitet von dem gleichnamigen sozialen Netzwerk, das ebenfalls von Donald Trump gegründet wurde: Truth Social.

Truth socialn hat wunderbar viele Dimensionen. In dem Wort steckt die Freiwilligkeit, mit der sich Menschen einer Wirklichkeit wie der von MAGA anschließen. Es verweist auf die Netzwerke und Plattformen, in denen truth socialn gedeiht, und es betont das soziale Umfeld, in dem gruppenspezifische Wirklichkeiten existieren, die nur hier und da an der Realität oder an wissenschaftlichen Fakten haften.

Trump und die Seinen, aber eben nicht nur sie, erreichen Menschen durch die Filter ihrer persönlichen Streams, durch Freunde, durch die von ihnen selbst unmerklich trainierten und dann auf sie eingestellten Algorithmen von TikTok, YouTube oder Instagram. In den USA ist das Phänomen ausgeprägter als in Deutschland, das ist seit Jahren gut erforscht und offensichtlich. Dennoch ist die Entwicklung auch hierzulande zu beobachten. Sie ist den großen Plattformen und Netzwerken einprogrammiert, und natürlich steht es jedem frei, verlässliche Nachrichtenquellen aktiv zu suchen und zu wählen, aber auch die Neigung, daran zu glauben, dass einen die wichtigsten Nachrichten schon irgendwie erreichen, nimmt eher zu. Je mehr sich ein Mensch darauf verlässt, umso eher lässt sich sein Zugang zur Welt als truth socialn beschreiben.

Google verstärkt diese Entwicklung derzeit noch. Aus der Suchmaschine wird durch die von KI zusammengestellten Informationen gerade eine Antwortmaschine, die mal mehr, mal weniger erhellende oder präzise, aber in jedem Fall kurze Antworten gibt, die sich ganz oben und über der üblichen Ergebnisliste befinden. Erste Statistiken aus den USA deuten darauf hin, dass recht viele Menschen sich mit der von der KI gelieferten Antwort begnügen und seltener auf die zugehörigen oder auf die weiter unten aufgeführten Links klicken, um ein Dokument oder einen Artikel selbst zu lesen, auf den sich die KI-Antwort bezieht. Für diese Nutzer steht als Ergebnis eine verkürzte Antwort, und durch die in die KI hineinprogrammierten Wertvorstellungen eben auch eine soziale Wahrheit. Wer so googelt, truth socialt schon halb.

20 Jahre lang war Googeln ein Sinnbild für die Suche nach Erkenntnis. Googeln stand für einen freieren Zugang zu Wissen, als es ihn je zuvor gegeben hatte. Nun war auch das immer nur ein Ideal, das von bezahlten Links und Suchmaschinenoptimierern beeinflusst wurde, die auf die eine oder andere Weise die Reihenfolge der Links veränderten. Aber es blieb eine Suche, die sich nun durch die KI in eine kümmerliche Antwort verwandelt, wo sich Menschen mit ihr begnügen. Und wer weiß, vielleicht wird darüber sogar das Verb googeln verblassen und seinen Platz für truth socialn freimachen, als Verb unserer Gegenwart.

In dieser Gegenwart hat Truth+ seinen Platz, nun auch in Europa, und denkbar wie folgerichtig wäre es, wenn sich hiesige rechtspopulistische Nischensender bei Truth+ darum bewerben, dass sie aufgenommen werden. Aus Deutschland käme Nius TV des ehemaligen Bild-Chefredakteurs Julian Reichelt infrage. Und ein paar Podcasts fänden sich auch. So könnte Truth+ zum Sammelbecken für gruppenspezifische Wirklichkeiten aus dem rechten Spektrum werden, die derzeit über Plattformen und Netzwerke verteilt sind. Wie man es wendet, Truth+ ist schon jetzt ein Symbol unserer Zeit.


Aus: "Trumps Wahrheiten, jetzt hier downloaden" Götz Hamann (11. Juli 2025)
Quelle: https://www.zeit.de/kultur/2025-07/truth-donald-trump-streamingdienst-europa-newsmax/komplettansicht

QuoteClément Ferrault

fun fact: Das Zentralorgan der KPdSU hieß "Prawda" - zu deutsch "Wahrheit"


QuoteAustriaca5

Wenn man mit der Realität nicht zurecht kommt, dann flüchtet man sich in Parallelwelten mit eigenen Regeln und eigenen Lösungsmöglichkeiten. Und einem Leader, der einem die Last der Eigenverantwortung abnimmt.

Trump macht dieses Angebot und sahnt ab.

Für die großen Probleme dieser Welt ist das eine Katastrophe.


QuoteG Shock

Es funktioniert - alle Dekaden wieder.


QuoteGries67

Wir brauchen gar nicht so zu tun - wir haben die BILD.


QuoteDrest Dark

Wobei das Boulevard Blatt mit 4 Buchstaben, das so eklig ist das man einen Fisch beleidigt wenn amn ihn darin einwickelt (wie ein Kabarettist mal so treffend formulierte), eher mit Fox zu vergleichen ist.

Newsmax ist dann eher Nius, die billigere und noch rechtere Variante die erst durch den großen Bruder ermöglicht wurde.


QuoteHLMännchen

warum berichtet ihr über diesen Scheiß?!


QuoteStephanMeyer

Weil wir mit beiden Beinen mittendrin stehen und es uns bald am Hals steht!


QuoteSepp1848

Weil es bei uns in Deutschland doch schon genauso in der Medienlandschaft ist. Die ganzen Tichys, Focus, Welt, TAZ, Nius, Bayernkurier, Compact, RTL 2 und Co. zersetzen doch schon seit Jahren den gesunden Menschenverstand im Vaterland der Dichter und Denker - Mitforist StephanMeyer hat vollkommen Recht, wir stehen mit beiden Beinen schon längst drin in dieser Kakophonie der postfaktischen Zeit...


QuoteCornelPanic

Konfuzius sagt: "Wer den Kopf in den Sand steckt, bringt seinen Hintern in eine bedrohliche Position." ...


QuoteNicht-Zwei

Dieses MAGA-Netzwerk ist das eine. Darüber brauchen wir eigentlich keine Worte verlieren. Danke für den Artikel. Was mich aber wirklich verstimmt und deprimiert, ist das Publikum, das sich mit diesen Algorithmen und diesen kurzen Antworten auf Google zufrieden gibt. Haben die Menschen denn alle ihre Ansprüche über Bord geworfen, um nur noch in einer trüben Suppe von Satzfetzen mitzuschwimmen?


QuoteP4trick

Wie so oft bei Rechten, Faschisten und anderen Verblendeten:
Information -> gefällt mir -> wahr
Information -> gefällt mir nicht -> Lüge!

Also genau die richtige App für diese Leute. ...


QuoteEinFriese

Sobald Lügen zur eigenen Meinung passen, sind sie keine Lügen mehr, sondern alternative Wahrheiten, die von den Massenmedien totgeschwiegen werden.

Hach, kann das Leben einfach sein...


QuoteSchlaupilz

"Gruppenbezogene Wirklichkeit" das trifft den Nagel auf den Kopf.


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#184
"ProSiebenSat.1-Führung spricht sich für Übernahme durch Berlusconi aus"
Die Führung von ProSiebenSat.1 bezeichnet das Angebot der Berlusconi-Holding als "angemessen". Zuvor hatte sie eine Übernahme noch abgelehnt. Aktualisiert am 6. August 2025
https://www.zeit.de/wirtschaft/unternehmen/2025-08/medienunternehmens-prosiebensat-1-uebernahme-konzerns

QuoteEckig aber Rund

Was für eine Schlagzeile! Einen kurzen Moment dachte ich, er wäre auferstanden. Halleluja!


Quotepeter_schäfer

Der deutschsprachige Raum braucht unbedingt mehr Milliardärsmedien, denn NZZ, Springer, Burda, Vius dringen immer noch nicht flächendeckend genug durch, um den Gemeinwohlgedanken ein für alle Mal aus den Köpfen zu tilgen.


Quotejupp.kabuwski

Richtig! Bunga-Bunga für alle!


QuoteHeimweh04

Genau deswegen ist der ÖR als Gegengewicht zu solchen Oligarchen-Konglomeraten so wichtig.


Quotebrean-reloaded

Einer der beiden größten Komnerz-TV-Konzerne an eine konservativ-extremistische Gruppe verkaufen. What could probably go wrong?


QuoteAndY K.

Willkommen im Kapitalismus.


Quotemerkaii

Mehr Monopolisierung ist mehr besser. Weiß man.


QuoteSargnadel

Muss man sich auch nicht mit so vielen verschiedenen Ansichten auseinandersetzen. Strengt eh nur an.


QuoteZeit12.5

Da geht zusammen, was zusammen gehört :)


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"Deutscher Medienmarkt in Bewegung: Berlusconis verfehlen vorerst ProSiebenSat1-Übernahme" Doris Priesching (18. August 2025)
Die ProSiebenSat1-Aktionäre haben von Dienstag an noch einmal zwei Wochen Zeit, ihre Anteile den Italienern anzudienen.
Die Berlusconi-Familienholding Media For Europe (MFE) hat im ersten Anlauf die Mehrheit am deutschen Fernsehkonzern ProSiebenSat1 verfehlt, zu dem in Österreich ProSiebenSat1Puls4 (Puls 4, ATV, ATV 2, Puls 24) gehört. Zum Ablauf der Annahmefrist für das gut 1,8 Milliarden Euro schwere Übernahmeangebot habe sich MFE knapp 43,6 Prozent der Anteile an der Senderkette gesichert, teilte das Unternehmen am Montag mit. ...
https://www.derstandard.at/story/3000000283790/berlusconi-familienholdung-verfehlt-vorerst-prosiebensat1-uebernahme

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"Berlusconi-Holding übernimmt Pro Sieben Sat.1" Christian Schubert, Rom (28.08.2025)
Der zweitgrößte Aktionär des deutschen Senders, PPF, gibt auf und verkauft seine Aktien an MFE aus Italien. Pier Silvio Berlusconi, der Sohn des früheren italienischen Ministerpräsidenten, ist am Ziel. ...
https://www.faz.net/aktuell/wirtschaft/unternehmen/italiens-berlusconi-holding-media-for-europe-uebernimmt-pro-sieben-sat-1-accg-110658382.html


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"Echokammern statt Einfluss: Das Dilemma sogenannter alternativer Medien" Harald Neuber (13. August 2025)
Alternative Medien stehen vor einem Dilemma. Sie agieren in Echokammern. Das führt zu so schweren wie typischen Missverständnissen. Ein Telepolis-Leitartikel. ... Sowohl Journalisten als auch politische Aktivisten streben danach, öffentliche Diskurse zu prägen – das ist unbestritten. Der entscheidende Unterschied liegt jedoch in der Methode. ...
https://www.telepolis.de/features/Echokammern-statt-Einfluss-Das-Dilemma-sogenannter-alternativer-Medien-10519604.html

https://www.telepolis.de/forum/Telepolis/Kommentare/Echokammern-statt-Einfluss-Das-Dilemma-sogenannter-alternativer-Medien/forum-566517/

QuoteMZC, 13.08.2025 01:39

Ich mach mir die Welt, wie sie mir gefällt ...

Und so liefern die Medien nur noch jene Welt, die gefällt und bestärken damit die Weltsicht ihrer Leser und Seher.
Mit dem Effekt das diese noch weniger jede abweichende oder andere Meinung ertragen (tolerieren) können. Willkommen in der heutigen Blasenwelt (Echokammern).

Und in dieser wird in jeder Blase alles was stören könnte ausgeblendet, ja ausgemerzt. ...


QuoteBournouter, 13.08.2025 08:30

Der mündige Leser - Boris Reitschuster steckt fest in seiner Verachtung gegen alles Russische. Telepolis befindet sich beim Thema Klimawandel in der Mainstream-Echokammer (Hitzeostern). Die Achse kann nicht neutral über das Geschehen in Gaza berichten. Auf RT steht viel Mist und die Kommentare unter den Artikeln sind zum Teil widerwärtig. Aber wenn ich über den Frontverlauf im Ukraine-Krieg informiert sein will, muss ich zu RT und auf die Karte vom ISW schauen.
Der Röper vom Anti-Spiegel bringt mit seinen Übersetzungen von TASS-Meldungen auch nur die russische Seite auf sein Tableau. Aber er hat zum Beispiel vor allen Anderen den Abgang von Biden prognostiziert.

Und es gibt viele weitere Beispiele...

Trotz all dieser Schwächen, sind alle diese Seiten für mich wichtige Informationsquellen.

Das Wichtigste bei der Suche nach Wahrheit in allen Medien, ist der mündige Leser. Ich halte es da durchaus mit Albrecht Müller, wenn er sagt: "Hinterfrage alles, glaube wenig", dazu noch Wissen über die wichtigsten Manipulationstechniken, etwas argumentative Robustheit, Quellen im Original lesen, Hintergründe von Autoren beleuchten und die Fähigkeit sich nicht von Panik anstecken zu lassen. Dann ist man auch auch im Alternativmediendschungel ganz gut gerüstet.

Wichtig ist auch die Erkenntnis, das nicht das Gesamtwerk eines Autors infrage gestellt werden muss, nur weil er ein- oder zweimal aus Sicht seiner Leser Blödsinn verzapft hat.


QuoteDer_Ronny, 13.08.2025 10:18

Re: Der mündige Leser

Man muß ja nicht unbedingt auf die ganzen 'alternativen Schmuddelkinder' zurückgreifen. Manchmal reicht es auch schon, einfach nur die wichtigsten Medien anderer Länder zu nutzen - natürlich werden auch die ihre eigenen Narrative und Ansichten haben, aber sie zeigen zumindest andere Perspektiven auf ein Thema auf. Eine South China Morning Post oder eine Hindu Times werden andere Facetten von weltpolitischen Geschehnissen aufzeigen, die bei unseren Medien als weniger relevant beachtet werden.

Das ist ja so ein Problem bei journalistischer Arbeit: es wird in den Redaktionsstuben entschieden, was für den Leser relevant ist - oder eben nur glaubt, was für ihn relevant sein könnte (von bewußter Manipulation will ich hier noch nicht einmal sprechen). Woher wissen sie denn, was für den Leser interessant ist? Wird er gefragt? Kommentare und Leserbriefe (schweigende Mehrheit <-> laute Minderheiten)? Klickzahlen? Abonnierte/gekaufte Artikel? Google Analytics? Dann werden halt nur Inhalte gebracht, die sich gut verkaufen - und somit schafft man sich auch seine eigene Filterblase: durch Gier (oder finanzielle Notwendigkeit).

Das größte Problem ist aber der mündige Leser - den gibt es viel zu selten. Zu selten, um auch gesellschaftlich von Belang zu sein. Die oben erwähnte Medienrundschau, seien es die Schmuddelkinder oder ausländischen Medien, braucht vor allem eines: Zeit. Es macht schlicht und ergreifend viel Mühe und braucht viel Zeit (und Interesse!), alle Quellen abzuarbeiten und die für sich relevanten Infos heraus zu ziehen. Die meisten Leute haben ihre eigenen Probleme, gehen ihrem Alltag nach, Arbeit, Familie. Da wollen und können sie sich nicht noch mit diesem Zusatzaufwand belasten - dafür wären ja eigentlich die Journalisten da: Infos sammeln, aufbereiten, kurz, prägnant und vor allem verständlich präsentieren. Das ist nicht einfach, man gleitet da zu schnell in 'einfache Antworten auf komplexe Fragen' ab. Aber das ist eben die Kunst bei gutem Journalismus - eine Kunst, die in letzter Zeit verlorengegangen zu sein scheint (oder durch Manipulation ersetzt wurde).


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"Politische Extreme: Selbst schuld?" Jens Jessen (ZEIT Nr. 37/2025 Aktualisiert am 28. August 2025)
Leider kämpft die politische Linke nicht mehr um die Mitte, sondern gegen sie. Zur Freude der Rechten. ... Welchen Anteil hat die politische Linke am Aufstieg der Rechten? Einen bedeutenden, schreibt unser Autor. Denn sie kämpfe nicht mehr um die Mitte, sondern gegen sie. ...
https://www.zeit.de/2025/37/politische-extreme-polarisierung-linke-afd-protest

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"Linken-Bashing in der ,,Zeit": Vom bürgerlichen Drang, über Mitte und Norm zu herrschen" (6.9.2025)
Kolumne Ernsthaft? - von Ulrike Winkelmann
Erstaunlich, dass der Grandseigneur des Zeit-Feuilletons zur Beschreibung der Lage bloß Klischees zusammenfegt und meint, der Sache sei Genüge getan.
O b die Linken ,,selber schuld" seien, fragte die Zeit auf ihrem Titel Ende August, und der Haupt-Essay im Blatt antwortete mit Ja. Interessant war aber weniger, dass hier ein früherer Feuilleton-Chef aufschrieb, dass die Linken den Aufstieg der Autoritär-Nationalen und Rechtsradikalen erst verursacht hätten – sondern vor allem, wie er das tat. ...
https://taz.de/Linken-Bashing-in-der-Zeit/!6108870/

QuoteVerboten
heute, 00:23 Uhr

Das progressive Lager ist doch längst in der Mitte des Bürgertums angekommen. In meiner linken Sozialisation der 90er Jahre gab es schon den Begriff des "Ökospießers".

Um die Welt retten zu können muss man sich eben bestimmte Dinge auch erstmal leisten können. Ein Lastenfahrrad kostet soviel wie ein Gebrauchtwagen, ein Elektroauto ist viel teurer als ein Benziner, auch sämtliche Bio- und Fairtrade Produkte sind für viele gar nicht bezahlbar. Und die Solarpanele auf dem Dach des Eigenheims müssen auch erstmal bezahlt werden.

Die notwendige Bildung um überheblich auf die vermeintlich moralisch Schwachen herabsehen zu können, gibt es gratis per akademischen Elternhaus geliefert.

Linke Lebenslügen sind allgegenwärtig. Aber die größte davon ist keine Mitverantwortung für den Aufstieg der AfD zu haben.


QuoteJanix

Wer Jessens Artikel in der ZEIT alle kennt, weiß, dass da jemand unbedingt irgendwie '(groß-)bürgerlich' sein will und das nicht immer von 'blasiert' getrennt hält. Schade, denn es gibt auch kluge Gedanken Jessens, klügere als sein Aufmacher, dass doch Linke irgendwie schuld wären. ...


QuotePhilippo1000
gestern, 00:16 Uhr

Danke für diesen Artikel.

Das ist leider eine Negativentwicklung, die den derzeitigen Zustand unserer Gesellschaft beschreibt.

Die Ampel war noch der Versuch, ein Bündnis über Gesellschaftsschichten hinweg zu schmieden.

Der deutliche Unterschied in den Positionen der jetzigen Regierung zeigt, dass es sich nur um eine Notlösung handelt.

Die SPD versucht einige Projekte zu retten, die Union scheint in erster Linie die Zeit um 30 Jahre zurück drehen zu wollen.

Probleme von Heute werden aber nicht durch Ignorieren gelöst.

Ein Landwirtschaftsminister, der das Klima nicht berücksichtigt, schadet nicht nur der Umwelt, sondern auch den Landwirten. Dürre ist nicht mit (begrenztem) Trinkwasser zu begegnen.
Eine Wirtschaftsministerin, die erneuerbare Energien abwürgt, schadet einem wachsenden Wirtschaftszweig.
Ein Innenminister, der Grenzer spielt, macht unser Land unattraktiv für benötigte Zuwanderung. Merz will von den Armen nehmen und den Reichen geben.

Da ist dann schon eine deutliche Mehrheit der Deutschen anderer Meinung.
Die Rückschritte schaden dem ganzen Land.
Merz' Union ist von gestern, damit ist die Zukunft nicht zu gewinnen.
Notwendigen Wandel lächerlich zu machen, ist kindisch.


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Quote[...] Der Rechtsruck oder, wie es in der Zeit gern heißt, der ,,Vibe-Shift", ist kein Feuilletonspiel. Es geht um real gelebtes Leben: reaktionäre Einbindung ins Völkische versus gesellschaftliche Emanzipation. Da ist es auch erschreckend, wenn Politiker*innen und Journalist*innen, die in den derzeitigen politischen Verhältnissen die Macht hinter sich haben, nicht klarmachen, auf welcher Seite sie im Zweifel stehen.

Werden sie die antifaschistischen Initiativen, die mutigen Theaterleute, die Universitäten, die queeren Jugendclubs verteidigen, wenn die AfD – etwa nächstes Jahr in Sachsen-Anhalt – noch mehr Einfluss bekommen sollte? Das wüsste man von der Nach-Merkel-Mitte gern, nicht nur, welche Anti-woke- und Anti-links-Ressentiments sie hegt.


Aus: "Rechtsruck bei aktuellen Debatten - Gesellschaftspolitisch rückwärtsgewandt und hilflos"
Kommentar von Dirk Knipphals (30.8.2025)
Quelle: https://taz.de/Rechtsruck-bei-aktuellen-Debatten/!6107492/


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Quote[...] Julia Ruhs (* 1994 in Ludwigsburg)[1] ist eine deutsche Journalistin.

Ruhs wuchs als eine von zwei Töchtern einer Krankenschwester und eines Bankkaufmanns bei Ludwigsburg auf. Nach einem Freiwilligen Sozialen Jahr in einem Krankenhaus ging sie ein halbes Jahr nach Costa Rica.[2] Sie studierte in Passau, Rom und Regensburg Demokratiewissenschaft und Kommunikationswissenschaft und war Stipendiatin der journalistischen Nachwuchsförderung der Konrad-Adenauer-Stiftung.[3] Ihre Masterarbeit schrieb sie über Russlands Desinformationspolitik gegen den Westen. Sie erhielt dafür den Sonderpreis der Bayerischen Staatsregierung und den ersten Nachwuchspreis des Dialogforums Sicherheitspolitik.[2]

Ab 2020[2] absolvierte sie ein Volontariat beim Bayerischen Rundfunk.[4] Sie ist freiberufliche Journalistin und arbeitet vor allem für den Bayerischen Rundfunk.[5] Sie schreibt Kolumnen für Focus Online zu gesellschaftspolitischen Themen[6] und betrieb den Podcast Kriegskind, in dem sie eine Zeitzeugin des Zweiten Weltkriegs ihre Geschichten erzählen ließ.[7]

2025 erschien Ruhs' erstes Buch mit dem Titel Links-grüne Meinungsmacht – die Spaltung unseres Landes im Langen Müller Verlag.[8]

Kontroverse um ARD-Reportage (2025):

Bekanntheit erreichte Ruhs durch die erste von drei Pilotfolgen des vom Bayerischen Rundfunk (BR) und Norddeutschen Rundfunk (NDR) produzierten ARD-Reportageformats Klar – Was Deutschland bewegt vom 9. April 2025.[9] Die Sendung Migration: Was falsch läuft warf einen kritischen Blick auf Folgen der Asylpolitik. Behörden seien überfordert, immer mehr Gemeinden und Städte am Limit. Verbrechen wurden aus der Sicht von Betroffenen erzählt: Die Autoren begleiten Michael Kyrath, dessen Tochter bei der Messerattacke in Brokstedt 2023 von einem Asylbewerber erstochen wurde.[10] Die Sendung wurde kontrovers diskutiert.[11][12][13]

Die Ausgabe fand ein kritisches Echo in Jan Böhmermanns Late-Night-Show ZDF Magazin Royale. Die Nichtregierungsorganisation (NGO) Neue deutsche Medienmacher*innen erhob den Vorwurf, dass man keine faktenbasierte, differenzierte und lösungsorientierte Berichterstattung biete.[14][15] Die Frankfurter Allgemeine Zeitung hingegen nannte die Kritik an der Sendung ,,maßlos überzogen".[16] Michael Hanfeld bezeichnete dort Böhmermanns Einlassung als ,,unqualifizierten Beitrag" eines ,,mit öffentlichem Geld überbezahlten ZDF-Clowns" und bezeichnete die Neue deutsche Medienmacher*innen als eine ,,staatlich finanzierte Aufpasser-NGO". ,,Im Netz formieren sich Berufsmobber mit dem Ziel, Sendung und Moderatorin hinwegzufegen."[17] 250 NDR-Mitarbeiter distanzierten sich in einem offenen Brief vom Inhalt der Sendung, die ,,zu einem Generalverdacht gegenüber migrantisch gelesenen Menschen beitrage".[18] Das Magazin Cicero schrieb von einer Mobbingkampagne von NDR-Mitarbeitern gegen eine ,,konservative Journalistin" und nannte Ruhs die ,,bürgerliche Nachwuchshoffnung des BR".[19]

Am 17. September 2025 gab der Norddeutsche Rundfunk bekannt, Klar ab 2026 eigenständig zu moderieren. Ruhs werde nur für vom Bayerischen Rundfunk produzierte Folgen antreten.[20] Die Welt hatte bereits am Vortag entsprechende Absichten vermeldet.[21]

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Schriften

    Links-grüne Meinungsmacht. Die Spaltung unseres Landes. LMV, München 2025, ISBN 978-3-7844-3749-1.

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Quelle: "Julia Ruhs", Datum der letzten Bearbeitung: 19. September 2025, 07:19 UTC
Versions-ID der Seite: 259868324
Permanentlink: https://de.wikipedia.org/w/index.php?title=Julia_Ruhs&oldid=259868324
Datum des Abrufs: 19. September 2025, 08:16 UTC
https://de.wikipedia.org/wiki/Julia_Ruhs

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Quote[...] Die Fraktionsvorsitzende der Linken im Bundestag, Heidi Reichinnek, hat sich im Interview mit dem ,,Spiegel" zu der Debatte um die konservative Moderatorin Julia Ruhs geäußert. Der NDR hatte entschieden, Ruhs nicht mehr in seinem Format ,,Klar" einzusetzen. Reichinnek kritisierte die Entscheidung: ,,Es ist halt wirklich hochproblematisch, wenn auf Druck von irgendeiner Seite etwas abgesetzt wird." Die Linken-Politikerin räumte zwar ein, sie habe die Sendung selbst ,,sehr schlecht" gefunden. Es sei aber falsch, politische oder wirtschaftliche Einflussnahme auf die Medien zuzulassen. Sie betonte: ,,Medien haben nicht die Aufgabe, Meinung zu machen. Sie sollen Austausch und Information ermöglichen, möglichst neutral, damit die Leute auch was davon mitnehmen."

Ruhs wirft dem NDR ,,Intrigen" vor, die zu ihrer Ablösung geführt hätten. ,,Ich glaube, für den NDR bin ich zu rechts. Für den Bayerischen Rundfunk nicht, die stehen hinter mir", sagte sie am Donnerstag im Podcast ,,Table Today" von Table Media.

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Aus: "Linken-Fraktionsvorsitzende: ,,Hochproblematisch" – Reichinnek kritisiert NDR-Entscheidung zu Sendung ,,Klar"" (18.09.2025)
https://www.welt.de/kultur/medien/article68cbe6ccc914d40a280ec71e/Fall-Julia-Ruhs-Reichinnek-nennt-Absetzung-von-NDR-Sendung-hochproblematisch.html

QuoteNorbert D.

Natürlich ist der NDR für Vielfalt. Solange sich diese innerhalb des linksgrünen Spektrums abspielt. Die nächsten NDR Folgen werden es zeigen.


QuoteDr. med. Ulrich T.

Wer schaut denn noch ARD und ZDF. Linkslastige Sendeanstalten, die ich leider mit meinen Zwangsgebühren bezahlen muss.


QuoteJan B.

Ach ... und dass politische Aktivistinnen wie Ruhs einfach nicht die Richtlinien und journalistischen Standards einhalten und deshalb dem geforderten qualitativen Leistungsniveau von seriösem Journalismus nicht gerecht werden - das ist natürlich irrelevant und Schwurbler die den von uns bezahlten ÖRR als Multiplikator verwenden um ihre privaten Publikationen zu pushen - das müssen wir dann hinnehmen und haben keinen Anspruch auf seriösen Journalismus weil eine geschwurbelte 'Meinung' gleichzusetzen ist mit echter journalistischer Arbeit ...? Ruhs macht doch sowieso mehr außerhalb des ÖRR in privater Sache, als dass sie für die Gemeinschaft arbeiten würde ... Also wo ist das Problem? Für diejenigen die sich nun beschweren sind doch Fakten und Qualitätsjournalismus 'Lügenpresse' und von Milliardären privat finanzierte Medien der Meinungsindustrie das Nonplusultra - also kann sie ja problemlos dort weitermachen, muss nicht mehr den 'Regime-Medien' hörig sein und kann nun 'die ganze Wahrheit' berichten ...


QuoteThomas R.

Ich denke, das letzte was Frau Ruhs braucht ist die Unterstützung durch die Reichinnek.


QuoteUdo L.

Wie Recht FJS damals schon hatte. Rotfunk. Die ÖRR Journaille ist nun wirklich obsolet und ohnehin überhonoriert. 


usw.

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"Konflikt um NDR-Format: ,,Klar"Julia Ruhs als Moderatorin abgesetzt"  Jonas Kähler und Wlada Froschgeiser (17.9.2025)
Nach Kritik am Reportageformat ,,Klar" muss Moderatorin Julia Ruhs gehen. Rechte wittern eine Kampagne des angeblich links-grünen öffentlich-rechtlichen Rundfunks. ... Laut Welt tobt nun seit Monaten innerhalb des NDR ein ,,erbittert geführter Kampf um redaktionelle Freiheit und das journalistische Programm". Kolleg*innen aus anderen Redaktionen hätten ,,Klar" vorgeworfen, mit undifferenzierten Beiträgen rechte Stimmung im Land zu verbreiten. Bereits nach der ersten Sendung über Migration soll es in einer NDR-internen Besprechung zu ,,einer knapp drei Stunden langen knallharten Abrechnung mit Ruhs und ihrem Team" gekommen sein. In einem offenen Brief haben sich laut Welt fast 250 Mitarbeiter*innen des Senders von ,,Klar" distanziert. ...
https://taz.de/Konflikt-um-NDR-Format-Klar/!6114127/

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Quote[...] Mit der Sendung "Klar" will der NDR auch konservative Zuschauer ansprechen. Doch bereits nach der ersten Folge regt sich intern Widerstand: Viele Mitarbeiter distanzieren sich von der Produktion. Wenige Monate später setzt der Sender die Moderatorin Julia Ruhs ab - und die Sendung wird ohne sie fortgesetzt. ... Nach Angaben mehrerer Mitarbeiter des NDR heißt es in dem an Geschäftsführung, Programmdirektion und Chefredakteure gerichteten Brief, dass die Auftaktsendung zu Migration einer "Reihe von Grundsätzen unserer journalistischen Arbeit" und dem "öffentlich-rechtlichen Auftrag gemäß NDR-Staatsvertrag" nicht nachkomme. "Wir distanzieren uns von dieser Produktion und wünschen uns eine Aufarbeitung der Entscheidungen, die dazu geführt haben, dass dieser Film so über den Sender gegangen ist." ...Die Absetzung der Moderatorin rief deutliche Kritik hervor. Schleswig-Holsteins Ministerpräsident Daniel Günther sprach von einem "extrem schlechten Signal". Ähnlich äußerte sich Bayerns Regierungschef Markus Söder. Auch Unionsfraktionschef Jens Spahn und CDU-Generalsekretär Carsten Linnemann kritisierten die Entscheidung des NDR. Der parteilose Kulturstaatsminister Weimer sagte dem TV-Sender Welt: "Wir haben in weiten Teilen der Bevölkerung den Eindruck, dass die öffentlich-rechtlichen Sender politisch einseitig berichten". Insbesondere unter Ostdeutschen sei "dieser Eindruck in den letzten Jahren und letzten Monaten verstärkt entstanden", ergänzte Weimer. Das sei "ein Problem, weil die Öffentlich-Rechtlichen von großer Akzeptanz leben". ...


Aus: "NDR-Moderatorin abgesetzt: Zahlreiche Kollegen protestierten gegen Julia Ruhs' Sendung" (18.09.2025)
Quelle: https://www.n-tv.de/panorama/Zahlreiche-Kollegen-protestierten-gegen-Julia-Ruhs-Sendung-article26042277.html

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"Journalist Franz Josef Wagner ist tot" (7. Oktober 2025)
Jahrzehntelang prägte er den deutschen Boulevardjournalismus. Nun ist "Bild"-Kolumnist Franz Josef Wagner im Alter von 82 Jahren gestorben. ...
https://www.zeit.de/kultur/2025-10/franz-josef-wagner-gestorben-bild-kolumnist-gxe

Quotekezman

Entfernt. Im Interesse aller wünschen wir uns konstruktive und sachliche Diskussionen. Bitte tragen Sie ausschließlich mit konstruktiven und inhaltlich passenden Kommentaren dazu bei. Danke, die Redaktion/nc


QuoteTsai-Tung

Entfernt. Bitte verzichten Sie auf überzogene Polemik. Danke, die Redaktion/mf


Quotequantosoph

Franz Josef Wagner ist tot – und mit ihm endet ein Kapitel Boulevardjournalismus, das nie Ruhm, aber viel Schaden hinterlassen hat. Seine Kolumnen waren selten Aufklärung, meist Anklage aus dem Bauch, oft Herablassung mit Pathos. Er schrieb, wie andere grölen: laut, rücksichtslos, selbstverliebt.

Er verstand es, Menschen zu beschämen, zu verhöhnen oder in Sentimentalität zu ertränken – ein Stil, der den Zynismus zum Markenzeichen der Bild-Kultur machte. Wagner war das Feuilleton des Stammtisches, der Mann fürs Pseudo-Menschliche zwischen Schlagzeilen über Angst, Hass und Sex.

Sein Tod ist menschlich bedauerlich, journalistisch jedoch kein Verlust. Denn wer mit Sprache Verantwortung trägt, darf sie nicht als Waffe gegen die Schwächeren einsetzen. Wagners Vermächtnis bleibt ein Lehrstück darüber, wie gefährlich es wird, wenn Journalismus seine moralische Mitte verliert.


QuoteTDUSO2024

Seine Kolumne habe ich mit Neugierde gelesen - häufig war es bester Boulevard: auf dem Punkt, emotional und relevant. Und manchmal war es total daneben. Aber wo gearbeitet wird, werden eben auch Fehler gemacht.

Mir wird er fehlen.


QuoteRavenhorst

Schwierig, Beileid für jemanden auszudrücken, der sein Brot mit Häme, Hass und Hetze verdient hat. Also lasse ich es mal lieber.


Quoteottonis

Tatsächlich habe ich Wagners kleine Kolumne in der online Ausgabe der BILD zwar nicht regelmäßig, aber recht oft gelesen. Herr Wagner hatte dabei ein einzigartiges Gespür, die emotionale Essenz eines Geschehens oder einer Person auf den Punkt zu bringen - auch wenn man ihm inhaltlich nicht immer zustimmen mochte. ...


QuoteErnst Acht

Wohl das beste Beispiel dafür, dass die springersche Spaltung und Hetze aus einer bürgerlichen Mitte stammt. Danke dafür Franz Josef Wagner.


QuoteIngrid Karin

De mortuis nihil nisi bene... Leider muss ich aber sagen, dass ich Herrn Wagner wegen seiner Menschenverachtung auch verachtet habe. Schlagzeilen zählten für ihn mehr als Wahrheiten.


QuoteSpinus

Den Boulevardjournalismus zu prägen heißt: Meilenweit von echten, vom guten Journalismus entfernt zu sein.
Deutlicher will ich (ernst gemeint!) angesichts der Nähe des Todeszeitpunktes nicht werden.


QuotePaya-Qu

Für ihn als Menschen wünsche ich, dass er in Frieden ruht. Als Schriftsteller möge der Platz, den Wagner in der Bild inne hatte, leer bleiben. Davon profitieren wir als Gesellschaft.


QuoteTheBlind

Er war BILD und das ist auch sein Vermächtnis. Mehr möchte ich zu der Person nicht sagen.


QuoteSepp1848

Ich liebte diese Zeile "Franzi van Speck – als Molch holt man kein Gold". Einfach perfekt die damalige Verfassung einer Athletin auf den Punkt gebracht. Herrlich. Ruhe in Frieden.


QuoteMaibaumbluete

... Frau van Almsick hatte offenbar gute Menschen um sich herum. Nicht auszudenken, sie hätte sich wie andere Opfer der BILD das Leben genommen.


QuoteSepp1848

Was war daran gemein? Das muss ein Spitzensportler aushalten können und müssen. Was van Almsick damals auch ausgehalten hat. Sie musste ja bereits auf dem Weg der sportlichen Karriereleiter nach oben die Ellenbogen ausfahren, um im Sport die Nummer 1 zu werden. Damals hatte sie ein Formtief, was F.J. Wagner satirisch und mit reichlich Ironie in eine Zeile schrieb.


QuoteMoghul

"Liebe Leserinnen und Leser,im Kommentarbereich dieses Artikels wollen wir Ihnen mit einem Kondolenzbuch die Möglichkeit geben, Ihre Erinnerungen und Gedanken zu teilen. Die Wahrung der Pietät ist uns bei Todesfällen wichtig, weswegen alle Kommentare vor der Veröffentlichung geprüft werden."

Dies schreibt die Zeit unter den Artikel. Deshalb will ich mich bei diesem Versuch daran halten.

Unvergessen sind mir die Erzählungen eines Freundes, der aus journalistischer Geldnot beim Burda Verlag anfing und berichtete, wie er dazu gedrängt wurde, irreführende und gesundheitsschädliche Produkte über den Klee zu loben, die von einem Freund des Verstorbenen vertrieben wurden.

Unvergessen sind mir diverse Kolumnen, die die Bild selber nicht mehr im Online Archiv veröffentlicht haben darf wegen Rufmord, falschen Tatsachenbehauptungen usw.

Der Verstorbene hat also den Boulevard Journalismus in Deutschland mitgeprägt. Na dann eine letzte Meldung über die Scheidung von Harry und Megan. Den Widerruf muss er ja nicht mehr abdrucken.


QuoteDominik Schreiber

Lieber Franz Josef Wagner,

du warst Kolumnist,
Kriegsreporter in Vietnam,
Ghostwriter von Becker und Beckenbauer,
Kneipenkumpel von Bader,
Bestsellerautor,
Wochenlang in Grönland,
Chefredakteur der Bunte,
als Kind bettelarm.

Du warst Mann aus einem anderen Jahrhundert,
hattest ein bewegtes Leben,
hast Menschen bewegt,
und aufgeregt.

Tschüss FJW


QuoteIF6WAS9

Der König der Larmoyanz und Botschafter der Scheinheiligkeit ist von uns gegangen, Ruhen Sie in Frieden, Franz Josef Wagner.


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Quote[...] Das Krawallportal "Nius" ist mutmaßlich Ziel einer kriminellen Attacke geworden. Jetzt sorgen sich manche Abonnenten, weil sich über sie so einiges herausfinden lässt.

Daten von Tausenden Abonnenten des rechtspopulistischen Portals nius.de stehen seit dem Wochenende im Netz. Darunter sind die Namen, zum Teil mehrere E-Mail-Adressen pro Nutzer, Bankverbindung und auch private Anschrift. t-online konnte bei einzelnen Betroffenen die Echtheit verifizieren.

Der zuständigen Berliner Datenschutzbeauftragten wurde der Fall bis zum Montagabend nicht gemeldet, hieß es dort zunächst. Das muss nach Bekanntwerden einer solchen Datenpanne binnen 72 Stunden passieren. Später bestätigte die Behörde heise.de, dass die Datenpanne gemeldet wurde.**

Der Datenschutzbeauftragte der Firma Vius SE & Co. KGaA, die das Portal verantwortet, teilte t-online auf Anfrage lediglich mit, "wegen laufender Ermittlungen" könnten keine Angaben gemacht werden. Offenbar hatte das Unternehmen jedoch bereits in der Nacht zum Montag Betroffene angeschrieben und darauf aufmerksam gemacht, dass ihre Daten öffentlich zugänglich gemacht wurden.

Einzelne von t-online kontaktierte Nutzer aus der Datei wollten sich nicht dazu äußern, andere zeigten sich schockiert und befürchteten, nun auf "Feindeslisten" zu landen. t-online sprach auch mit einem Abonnenten, der erklärte, er halte politisch nichts von dem "braunen Mist", habe das Abonnement aber, um über die Arbeit des Portals informiert zu sein. "In meinem politischen Bekanntenkreis würde das bestimmt zuerst einmal viele Fragen auslösen, wenn dort bekannt wird, dass ich ein Abonnement habe."

In der Vergangenheit sind schon häufiger Kundenlisten politisch exponierter Verlage oder Händler genutzt worden, um Gegner zu markieren. Entsprechende Befürchtungen sind also nicht vollkommen abwegig.

Das vermutlich bekannteste Beispiel ist eine bei den Sicherheitsbehörden als "25.000er-Liste" bekannte Datensammlung, die angeblich die Namen von Linksextremisten enthalten sollte. Dabei handelte es sich um Kunden des Duisburger Internethandels Impact Mailorder, dessen Sortiment sich insbesondere an die Punk- und linksalternative Subkultur richtet, aber auch ein breiteres unpolitisches Publikum anspricht. Eine extrem rechte Hackergruppe hatte die Kundendatei 2015 erbeutet und Vergeltung für linke Hacks angekündigt. Später wurde sie bei mehreren Razzien bei rechtsextremistischen Gruppierungen entdeckt, wo sie als eine Art "Todesliste" galt.

Nach 2017 zog diese Liste noch einmal größere Kreise, weil der damalige AfD-Landtagsabgeordnete Heiner Merz sie an Fraktionsmitglieder in Baden-Württemberg verschickte. Er forderte AfD-Anhänger in einem Schreiben auf, nach Personen auf der Liste in ihrer Gegend zu schauen und diese Personen bei ihren Arbeitgebern zu denunzieren. "Der Fantasie sind wenig Grenzen gesetzt", schrieb Merz. Später sagte er, er sei über den Inhalt getäuscht worden und habe nicht gewusst, dass es eine Kundendatei sei.

Stattdessen habe er geglaubt, es handele sich um die Veröffentlichung eines Aussteigers aus der linksextremen Szene, erklärte Heiner Merz der "Stuttgarter Zeitung". Das Missbrauchspotenzial sei ihm nicht bewusst gewesen. "Dass diese Listen verbrecherisch verwendet wurden, das bestürzt mich ebenso wie jeden vernünftigen und normalen anderen", sagte Merz, der 2020 seinen Austritt aus der AfD erklärte. Verhörprotokolle des Bundeskriminalamts (BKA) zeigen, dass Daten aus der Liste auch für Anschlagsüberlegungen der rechtsextremen Gruppe "Nordkreuz" dienten.

Umgekehrt sind auch linke Hacker mehrfach an Kundendateien von rechten Versandhändlern gelangt und haben diese veröffentlicht. Auf der einschlägigen Seite linksunten.indymedia wurden zudem die Teilnehmerlisten von zwei Parteitagen der AfD in Bremen 2015 und Stuttgart 2016 veröffentlicht, auf denen insgesamt fast 5.000 Namen und Adressen von AfD-Mitgliedern zu finden waren.

Dass die Daten von rund 5.700 "Nius"-Kunden veröffentlicht wurden, hat zuerst heise.de berichtet. t-online hat die Daten danach abgerufen und selbst sichten können. Darunter finden sich in einem zweiten Teil auch externe Autoren, an die die E-Mail-Adresse @vius.com vergeben wurde.

Eine entsprechende E-Mail-Adresse erhielten etwa die frühere FDP**-Bundestagsabgeordnete Katja Adler, der ehemalige Verfassungsschutzchef Hans-Georg Maaßen, der aus der SPD ausgeschlossene Thilo Sarrazin und der Jurist Ulrich Vosgerau, der vielfach für die AfD als Anwalt arbeitete und durch seine Teilnahme am rechtsextremen "Potsdamer Treffen" mit Martin Sellner bekannt wurde. Nach t-online-Informationen war zumindest ein Teil der Betroffenen nur einmalig als Gastautor tätig und wusste nichts von diesen E-Mail-Adressen von Vius, die im System angelegt wurden. Vius hat eine t-online-Anfrage dazu bislang nicht beantwortet.

Der Link zu den Daten fand sich vielfach auf dem Portal selbst: Die Original-Überschriften von "Nius" waren durch eine URL-Internetadresse ersetzt worden, die zu dem Daten-Leak führte. Offenbar hatte ein Eingriff von außen auf das Redaktionssystem stattgefunden.

Der Datensatz gibt auch Aufschluss darüber, welche Einnahmen das Portal durch Abonnements erzielt. Demnach haben 46 Nutzer ein Abo über 199,99 Euro jährlich abgeschlossen, bei dem ihnen zusätzlich kaum noch etwas von der ohnehin spärlichen Werbung angezeigt wird. Mit dem Abonnement Insider für 99,99 Euro Jahresbeitrag finden sich 351 Nutzer, 235 weitere mit 100 Euro Jahresbeitrag. Dazu kommen die Nutzer, von denen sich mehrfache monatliche Zahlungen von 9,99 Euro oder 10 Euro finden.

Das Portal ist nach allen Informationen bislang ein Zuschussgeschäft, der Unternehmer Frank Gotthardt hat in zweistelliger Millionenhöhe Geld in "Nius" gepumpt. Dem Jahresabschluss für das Jahr 2023 zufolge hatte VIUS SE & Co. KGaA bei einer Bilanzsumme von rund 6,4 Millionen einen Fehlbetrag von 13,8 Millionen Euro, der am von Gotthardt bereitgestellten Eigenkapital fraß.

Gotthardt und Familie kamen zu ihrem zeitweise milliardenschweren Vermögen als Hauptgesellschafter der CompuGroup Medical/CGM. Das Unternehmen ist auf Praxissoftware und Gesundheitsdaten spezialisiert und galt zuletzt als zu wenig innovativ und durch Übernahmen finanziell belastet. Inzwischen ist der Finanzinvestor CVC eingestiegen. Frank Gotthardt und seine Frau hatten vor der Bundestagswahl größere Beträge an CDU und FDP gespendet. Zu seinem Investment in "Nius" hatte er erklärt: Er glaube, "dass unsere Medienlandschaft eine Ergänzung im konservativen Bereich braucht".

Chefredakteur und einer von drei geschäftsführenden Direktoren ist der frühere "Bild"-Chefredakteur Julian Reichelt, der seine Stelle bei Springer wegen seines Umgangs mit Frauen verloren hat. Reichelt macht keinen Hehl daraus, dass er mit dem Portal eine politische Mission verfolgt – nämlich die Politik, und dabei vor allem die Union, nach rechts zu rücken. Darstellungen sind oft verzerrend und blenden für das Verständnis relevante Informationen aus. Zuletzt galt "Nius" als ein Treiber dafür, dass die von der Koalitionsspitze aus Union und SPD angestrebte Wahl von Frauke Brosius-Gersdorf zur Richterin am Bundesverfassungsgericht abgesetzt werden musste.


*Wir hatten an dieser Stelle versehentlich "AfD-Bundestagsabgeordnete" geschrieben. Katja Adler gehört der FDP an.
**Der Text wurde an dieser Stelle nachträglich mit der Information aktualisiert, dass Vius den Fall gemeldet hat.




Aus: "Hacker veröffentlichen Kundendaten von "Nius"" Lars Wienand (17.07.2025)
Quelle: https://www.t-online.de/nachrichten/panorama/gesellschaft/id_100819618/nius-reichelt-plattform-gehackt-kundendaten-im-netz.html


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"BBC in der Vertrauenskrise: Die Krone hängt schief" Aus London Daniel Zylbersztajn-Lewandowski (15.11.2025)
Nach der Verletzung journalistischer Standards tritt die BBC-Führung zurück, der Sender entschuldigt sich bei Trump. Doch die Kritik geht darüber hinaus. ...
https://taz.de/BBC-in-der-Vertrauenskrise/!6123681/



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Quote[...] Erneut ist es passiert. Schüsse in der Nacht, eine verunsicherte Nachbarschaft am nächsten Morgen trifft auf Kamerateams. Viel ist noch nicht bekannt: In der Nacht zum Montag gab es einen Polizeieinsatz in Bochum. Ein vermisst gemeldetes Mädchen wurde gesucht, nun liegt es schwer verletzt im Krankenhaus. Ein oder mehrere Polizeischüsse trafen seinen Bauch.

Schnell stellt sich die drängende Frage: Hätte es keine anderen Mittel geben können? Waren das polizeiliche Schnellschüsse?

Die ersten Schüsse sind real. Die zweite Schusssalve, sie folgt zuverlässig. Es sind die öffentlichen Mitteilungen der Polizei. Am Montagmorgen, 10.30 Uhr [https://www.presseportal.de/blaulicht/pm/11562/6159755], verschickt sie ihre Version. Für Journalist*innen ist es Berufsalltag, damit umzugehen. Rasant wird diese Version zum einzigen Bezugspunkt für die Geschichte: eine Vermisste, 12 Jahre alt, deutsch-serbisch, gehörlos, erkrankt und auf lebenswichtige Medikamente angewiesen. Eine Mutter, ebenfalls gehörlos, der das Sorgerecht entzogen wurde. Eine Wohnung, in der das Mädchen ,,nicht hätte sein dürfen". Eine Tür, die sich zunächst nicht öffnet. Und dann: ein Mädchen ,,mit zwei Messern in der Hand", ,,geht auf die Polizisten zu", Taser und Schusswaffe wurden ,,zeitgleich" eingesetzt. In der Pressemitteilung [https://www.presseportal.de/blaulicht/pm/11562/6159755] der Polizei klingt das schlicht und sachlich.

Die wenigen Sätze reichen. Lokale Journalist*innen machen sich auf den Weg zur veröffentlichten Adresse des Tatorts, überregionale Portale kleistern unmittelbar plakative Überschriften. Oft wortgleich.

,,12-Jährige greift Polizisten mit Messern an." ,,Mädchen (12) geht mit Messern auf Polizisten los – Beamte eröffnen das Feuer!" Verdachtsberichterstattung gibt es nicht für Opfer von Polizeigewalt. Die Zwölfjährige wird zur Täterin erklärt["Akten im Fall Lorenz A.Ein Lehrstück der Täter-Opfer-Umkehr" Lange bevor die Ermittlungen im Fall Lorenz A. beendet waren, verfestigte sich das Narrativ vom gefährlichen Kriminellen. Die Polizei trug dazu bei ... Die Staatsanwaltschaft Oldenburg erhebt Anklage wegen fahrlässiger Tötung gegen den Polizisten, der den 21-jährigen Lorenz A. am Ostersonntag mit mehreren Schüssen von hinten tötete. Die Rechtsbeistände kritisieren die Ermittlungen und fordern Anklage wegen Totschlags. (6.11.2025): https://taz.de/Akten-im-Fall-Lorenz-A/!6127725/].

Der Ton ist verräterisch: Dem Kind werden Tatsachen zugeschrieben, sie ,,ging auf die Polizisten zu", während gegenüber der Polizei ,,schwere Vorwürfe im Raum stehen". Das Opfer hat gehandelt, die Polizei ,,musste reagieren". Die Zwölfjährige liegt mit Schussverletzungen im Bauch auf der Intensivstation, und über sie wird gesprochen, als habe sie eine Entscheidung getroffen.

Erst später am Tag, nach der ersten Flut der Täter-Opfer-verkehrenden Berichte, stoßen Kolleg*innen auf Schusswaffenregeln im Polizeigesetz des Landes NRW: ,,Gegen Personen, die dem äußeren Eindruck nach noch nicht 14 Jahre alt sind, dürfen Schusswaffen nicht gebraucht werden", heißt es in Paragraf 63.

Die Polizei hingegen bleibt in ihrem narrativen Erzählen im Passiv: ,,Es kam zum Schusswaffengebrauch."

Das Narrativ hat System. Beim Tod von Mouhamed Dramé in Dortmund war die erste Version: Dramé sei ,,ein ,,Angreifer". Im Gerichtsverfahren Jahre später zeigte sich: Glasklare Falschdarstellung [https://taz.de/Todestag-von-Mouhamed-Drame/!6105662/].

Beim Tod von Lorenz A. in Oldenburg schreiben viele Medien, A. habe die Polizei mit einem Messer angegriffen. Auch das war falsch. Bevor dies öffentlich von der Staatsanwaltschaft gerade gerückt wurde, geisterte es durch die Mehrzahl der Überschriften. In Bochum dasselbe: ein Messer, zwei Messer, ein Angriff – und schon ist klar, wie die Rollen verteilt sind.

Es ist brutale Normalität, dass bei einem schwer verletzten Kind davon gesprochen wird, einen ,,Messerangriff abgewehrt" zu haben – und nicht von einem Polizeieinsatz, der ein Kind fast getötet hätte.

Der Druck zur Schnelligkeit und die Konkurrenz zu anderen Medien sorgen dafür, dass die Medien bei diesem Narrativ mitschießen. Wer schnell als Erstes die Polizeimeldung mitnimmt, erspart sich eine unbequeme Entscheidung: die Polizei als das zu behandeln, was sie in solchen Lagen ist: eine Akteurin. Der Deutsche Journalistenverband schreibt seit Jahren, dass die Polizei keine bevorzugte Quelle sein darf – erst recht nicht in Fällen, in denen ihr Fehlverhalten vorgeworfen werden kann [https://netzpolitik.org/2022/fragwuerdige-pressearbeit-die-polizei-ist-keine-privilegierte-quelle/].

Außerdem sind in Bochum noch so viele Fragen offen: Wie haben die Beamten mit der gehörlosen Zwölfjährigen und ihrer gehörlosen Mutter in der hoch angespannten Lage kommuniziert? Warum wurde niemand hinzugezogen, der Gebärdensprache beherrscht?

Wurden Gesten versucht, wurde Zeit gewonnen, Distanz hergestellt? Gab es eine Option, sich zurückzuziehen, die Tür zu schließen, zu warten, anstatt in einem engen Wohnraum Taser und Schusswaffe gleichzeitig einzusetzen?

Nichts davon findet sich in den ersten medialen Darstellungen. Die Polizei gibt das Narrativ vor, die Agenturen übersetzen es, die Schlagzeilen laufen. Der Job der Journalisten wäre aber nachzufragen und abzuwarten. In der Praxis gilt weiter das Gegenteil: Die Polizei ist die Quelle und das Opfer wird zum Verdachtsfall.


Aus: "Nachplappern statt nachfragen" Friedrich Kraft (18.11.2025)
Quelle: https://taz.de/Polizeischuesse-in-Bochum/!6126322/


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#192
"Auf allen Kanälen: Kein Freiwild" David Hunziker (Nr. 50 – 11. Dezember 2025)
Die Sexarbeiterin Salomé Balthus gewinnt vor Gericht gegen die «Weltwoche». Möglicherweise wird das Blatt auch Gewinn zurückzahlen müssen. ... Die «Weltwoche» hat die Persönlichkeitsrechte der Sexarbeiterin Salomé Balthus verletzt, so lautet das Urteil des Bezirksgerichts Zürich von Ende November. Der fragliche Artikel von Roman Zeller ist am 5. Dezember 2019 auf fast drei Seiten erschienen, unter der Überschrift «Rendezvous mit Salomé Balthus». Der Autor hatte, nachdem er mit einer Interviewanfrage abgeblitzt war, über deren Agentur ein bezahltes «Kennenlern-Dinner» gebucht. Auf der Basis des Treffens in einem Berliner Restaurant verfasste er ein Porträt über Balthus, ohne ihre Zustimmung einzuholen oder ihre Zitate von ihr autorisieren zu lassen.
Fünfeinhalb Jahre sind vergangen, seit Balthus Klage gegen die «Weltwoche» eingereicht hat. Auf Anfrage zeigt sie sich über das Urteil erfreut: «Für mich persönlich bedeutet das sehr viel», sagt sie. «Ich muss nicht alles ertragen, weil ich mich in die Öffentlichkeit begeben habe. Ich bin auch als Prostituierte kein Freiwild und keine Projektionsfläche für boulevardjournalistische Fantasien.» ...
https://www.woz.ch/2550/auf-allen-kanaelen/kein-freiwild/!M81KJFKS2PYV




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Quote[....] afp | Der Deutsche Presserat hat im Zusammenhang mit der Berichterstattung über den Krieg in Nahost mehrere Rügen erteilt. In einem Fall befasste sich das Gremium nach Angaben vom Montag auf seinen Sitzungen im Dezember mit einer Massenbeschwerde über einen Text auf Bild.de über den Fall des in Gaza getöteten Al-Jazeera-Korrespondenten Anas Al-Scharif. Eine außergewöhnlich hohe Zahl von 328 Menschen hatte sich demnach darüber beschwert.

In dem Text habe es geheißen, der israelischen Armee zufolge sei Al-Scharif ,,Anführer einer Zelle der Terrororganisation Hamas" gewesen. In der Überschrift habe das Medium diese Darstellung jedoch ohne hinreichende Belege zur Tatsache erhoben, was der Presserat als grobe Missachtung der journalistischen Sorgfaltspflicht und gravierende Verletzung der persönlichen Ehre des Journalisten wertete.

Weitere Rügen wurden gegen Bild.de und Welt.de wegen nicht belegter Angaben zu Fotos unterernährter Kinder in Gaza erteilt. Die Wochenzeitung Die Zeit und Zeit.de erhielten eine Rüge wegen einer Kolumne zum Nahostkonflikt.

Der Krieg im Gazastreifen war durch den Hamas-Überfall auf Israel am 7. Oktober 2023 ausgelöst worden. Israel startete daraufhin eine Offensive im Gazastreifen. Seit Oktober 2023 gingen beim Presserat insgesamt mehr als 650 einzelne Beschwerden über die Berichterstattung zu dem Thema ein, die mehr als 200 einzelne Artikel betrafen. Allein in diesem Jahr waren es 429 Beschwerden. Moniert wurden nicht dabei nur die Politik- und Kriegsberichterstattung, sondern auch Artikel über innerdeutsche Debatten und Proteste.

Insgesamt erteilte der Presserat im Dezember 14 Rügen. Dabei ging es unter anderem auch um irreführende Aussagen über EU-Förderverträge für Nichtregierungsorganisationen, Schleichwerbung für Proteinriegel und Polstermöbel sowie Panikmache angesichts der Sichtung von Riesenhaien vor der spanischen Küste.



Aus: "Presserat erteilt mehrere Rügen zu Nahost-Berichterstattung" (15.12.2025)
Quelle: https://taz.de/Bild-Welt-Zeit/!6138266/

15.12.2025 - Mehr als 300 Zuschriften: Presserat entscheidet über Massenbeschwerde zu Nahost-Berichterstattung
https://www.presserat.de/presse-nachrichten-details/presserat-entscheidet-ueber-massenbeschwerde.html

https://www.presserat.de/presse-nachrichten-details/mehrere-ruegen-fuer-nahost-berichterstattung.html

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