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[Medienjournalismus und Medienkritik... ]

Started by lemonhorse, August 04, 2008, 01:48:45 PM

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"Welches Erbe soll es sein?" Dirk Peitz (28. Mai 2025)
Holger Friedrich, Verleger der "Berliner Zeitung", hat die sagenumwobene Zeitschrift "Die Weltbühne" wieder aufgelegt. Doch dagegen wehrt sich nun der Enkel des Gründers. ...
https://www.zeit.de/kultur/2025-05/die-weltbuehne-zeitschrift-holger-friedrich-nicholas-jacobsohn/komplettansicht

QuoteTherac-25
vor 12 Stunden

Hmm, man kann das ganze auch pointierter und lesbarer zusammenfassen:

"Kleines Wurstblatt in großen Fußstapfen" Klaus Hillenbrand (26.5.2025)
Der Berliner Zeitungsverleger Holger Friedrich bringt ,,Die Weltbühne" neu raus. An das legendäre Blatt der Weimarer Republik kommt sie lange nicht ran. ... Erstmals seit Jahrzehnten ist Die Weltbühne im deutschen Blätterwald wieder erschienen, der Titel mit derselben Schrifttype wie früher gesetzt. ,,Gegründet von Siegfried Jacobsohn" steht darunter geschrieben, als hätten wir das Frühjahr 1925, und, das ist neu, ,,Herausgegeben von Thomas Fasbender und Behzad Karim Khani". Gilt es, die Wiederauferstehung dieses Zentralorgans der Intellektuellen in der Weimarer Republik zu feiern? Einen Titel kann man kaufen. Jacobsohn kann sich nicht mehr wehren. ...
https://taz.de/Die-Weltbuehne-wird-neu-verlegt/!6087025/

Da wurde halt mal wieder ein Name gekauft um den eigenen verschwurbelten Ansichten mehr Gewicht zu geben, Glaube nicht, daß das funktioniert.


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Mit ihren kleinen roten Heften galt Die Weltbühne in der Weimarer Republik als das Forum der radikaldemokratischen bürgerlichen Linken. ...
https://de.wikipedia.org/wiki/Die_Weltb%C3%BChne


Siegfried Jacobsohn (* 28. Januar 1881 in Berlin; † 3. Dezember 1926 ebenda) war ein deutscher Journalist, Herausgeber und Theaterkritiker. Er gründete 1905 die Zeitschrift Die Schaubühne und nannte sie 1918 in Die Weltbühne um, deren Herausgeber er bis zu seinem Tode blieb. ...
https://de.wikipedia.org/wiki/Siegfried_Jacobsohn


Kurt Tucholsky (* 9. Januar 1890 in Berlin; † 21. Dezember 1935 in Göteborg) war ein deutscher Schriftsteller, der zu den bedeutendsten Publizisten der Weimarer Republik zählte. ...
https://de.wikipedia.org/wiki/Kurt_Tucholsky


Carl von Ossietzky (* 3. Oktober 1889 in Hamburg; † 4. Mai 1938 in Berlin) war ein deutscher Journalist, Schriftsteller und Pazifist. ...
https://de.wikipedia.org/wiki/Carl_von_Ossietzky

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"Verhältnis der Deutschen zu Israel: Streit bei ,,Zeit" über Löschung der Maxim-Biller-Kolumne" Anne Fromm (1.7.2025)
Autor Maxim Biller hat in der ,,Zeit" eine scharfe Kolumne über das Verhältnis der Deutschen zu Israel veröffentlicht. Die ,,Zeit" löschte den Text. Wie kam es dazu? ...
https://taz.de/Verhaeltnis-der-Deutschen-zu-Israel/!6097567/

QuoteB. Iotox

Klar, notwendig. Rein defensiv. Pathologischer, psychologisch belastender Horrortrip. Billers Text spricht für sich, und die Veröffentlichung in der Zeit ebenfalls.

Die Depublikation ist der maximal ungeschickte, gar schädliche Versuch von Teilen der Redaktion zu retten was nicht mehr zu retten ist.



Quotestarsheep

Ich bin noch nicht bereit für strategische Unmenschlichkeit und hoffe, dass man mir verzeiht.


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Quote[....] Der US-Präsident hat in der Zeit seiner gefühlten Verbannung ans neunte Loch seines Golfplatzes in Mar-a-Lago, also nach seiner Wahlniederlage im Jahr 2020 gegen Joe Biden, die Trump Media Technology Group (TMTG) gegründet und an die Börse gebracht. Deren neuestes Produkt ist nun ein Streamingdienst. Seit Montag ist er in Europa erhältlich, als App auf Telefon oder Tablet, und der Name könnte nicht treffender sein: Truth+, was so viel wie "erweiterte Wahrheit" bedeutet.

Stellvertretend für die erweiterte Wahrheit von Truth+ steht derzeit ein recht bekannter US-amerikanischer Fernsehsender aus dem rechten Spektrum. Nein, es handelt sich nicht um Fox News, sondern um einen nahen Verwandten namens Newsmax. Seit mehr als zehn Jahren heuert Newsmax ehemalige Moderatoren und Journalisten von Fox News an, Leute, die dort nicht mehr wohlgelitten waren. Sie sollten Newsmax dabei helfen, und das kann nicht überraschen, Fox News als Lieblingssender des republikanischen und mehr noch des MAGA-verehrenden Publikums abzulösen.

... Was die Zuschauer dort erwartet, führte ihnen Newsmax-Moderator Michael Savage kürzlich in seiner Late-Night-Sendung vor. Anlass waren Berichte des Nachrichtensenders CNN, denen zufolge die bunkerbrechenden Bomben der USA das Atomprogramm des Iran nur um Monate zurückgeworfen haben könnten. Savage selbst sprach dagegen von dem "erfolgreichsten Bombardement der Geschichte" (ohne das belegen zu können) und geiferte über die Eigentümer von CNN: Man solle dieses "Ungeziefer" wegen "Aufruhr und Landesverrats" einsperren. Gemeint waren die Chefs des Medienkonzerns Warner Bros. Discovery, zu dem neben CNN auch die Verlagsgruppe Time und der Bezahl-TV-Sender HBO gehören, alle drei Ikonen des liberalen Amerikas.

Truth+ ist in diesem Sinne ein Ausdruck einer Zeit, in der sich gruppenspezifische Wirklichkeiten schneller ausbreiten und festsetzen, als man die berühmten Worte von Rudolf Augstein aussprechen kann: Sagen, was ist.

Wie lässt sich dieser Trump'sche, dieser alternative Zugang zur Realität auf einen Begriff bringen, um ihn zu fassen zu kriegen? "Fake-News" hat sich überholt, "Desinformation" beschreibt vor allem staatliche Propaganda. "Lügen" erfasst die medial-technische Dimension des Phänomens nicht. Doch nun haben Autoren des US-amerikanischen Magazins The Atlantic einen geradezu genialen Vorschlag für ein neues Verb gemacht. Sie schreiben (hier eingedeutscht) von "truth socialn", abgeleitet von dem gleichnamigen sozialen Netzwerk, das ebenfalls von Donald Trump gegründet wurde: Truth Social.

Truth socialn hat wunderbar viele Dimensionen. In dem Wort steckt die Freiwilligkeit, mit der sich Menschen einer Wirklichkeit wie der von MAGA anschließen. Es verweist auf die Netzwerke und Plattformen, in denen truth socialn gedeiht, und es betont das soziale Umfeld, in dem gruppenspezifische Wirklichkeiten existieren, die nur hier und da an der Realität oder an wissenschaftlichen Fakten haften.

Trump und die Seinen, aber eben nicht nur sie, erreichen Menschen durch die Filter ihrer persönlichen Streams, durch Freunde, durch die von ihnen selbst unmerklich trainierten und dann auf sie eingestellten Algorithmen von TikTok, YouTube oder Instagram. In den USA ist das Phänomen ausgeprägter als in Deutschland, das ist seit Jahren gut erforscht und offensichtlich. Dennoch ist die Entwicklung auch hierzulande zu beobachten. Sie ist den großen Plattformen und Netzwerken einprogrammiert, und natürlich steht es jedem frei, verlässliche Nachrichtenquellen aktiv zu suchen und zu wählen, aber auch die Neigung, daran zu glauben, dass einen die wichtigsten Nachrichten schon irgendwie erreichen, nimmt eher zu. Je mehr sich ein Mensch darauf verlässt, umso eher lässt sich sein Zugang zur Welt als truth socialn beschreiben.

Google verstärkt diese Entwicklung derzeit noch. Aus der Suchmaschine wird durch die von KI zusammengestellten Informationen gerade eine Antwortmaschine, die mal mehr, mal weniger erhellende oder präzise, aber in jedem Fall kurze Antworten gibt, die sich ganz oben und über der üblichen Ergebnisliste befinden. Erste Statistiken aus den USA deuten darauf hin, dass recht viele Menschen sich mit der von der KI gelieferten Antwort begnügen und seltener auf die zugehörigen oder auf die weiter unten aufgeführten Links klicken, um ein Dokument oder einen Artikel selbst zu lesen, auf den sich die KI-Antwort bezieht. Für diese Nutzer steht als Ergebnis eine verkürzte Antwort, und durch die in die KI hineinprogrammierten Wertvorstellungen eben auch eine soziale Wahrheit. Wer so googelt, truth socialt schon halb.

20 Jahre lang war Googeln ein Sinnbild für die Suche nach Erkenntnis. Googeln stand für einen freieren Zugang zu Wissen, als es ihn je zuvor gegeben hatte. Nun war auch das immer nur ein Ideal, das von bezahlten Links und Suchmaschinenoptimierern beeinflusst wurde, die auf die eine oder andere Weise die Reihenfolge der Links veränderten. Aber es blieb eine Suche, die sich nun durch die KI in eine kümmerliche Antwort verwandelt, wo sich Menschen mit ihr begnügen. Und wer weiß, vielleicht wird darüber sogar das Verb googeln verblassen und seinen Platz für truth socialn freimachen, als Verb unserer Gegenwart.

In dieser Gegenwart hat Truth+ seinen Platz, nun auch in Europa, und denkbar wie folgerichtig wäre es, wenn sich hiesige rechtspopulistische Nischensender bei Truth+ darum bewerben, dass sie aufgenommen werden. Aus Deutschland käme Nius TV des ehemaligen Bild-Chefredakteurs Julian Reichelt infrage. Und ein paar Podcasts fänden sich auch. So könnte Truth+ zum Sammelbecken für gruppenspezifische Wirklichkeiten aus dem rechten Spektrum werden, die derzeit über Plattformen und Netzwerke verteilt sind. Wie man es wendet, Truth+ ist schon jetzt ein Symbol unserer Zeit.


Aus: "Trumps Wahrheiten, jetzt hier downloaden" Götz Hamann (11. Juli 2025)
Quelle: https://www.zeit.de/kultur/2025-07/truth-donald-trump-streamingdienst-europa-newsmax/komplettansicht

QuoteClément Ferrault

fun fact: Das Zentralorgan der KPdSU hieß "Prawda" - zu deutsch "Wahrheit"


QuoteAustriaca5

Wenn man mit der Realität nicht zurecht kommt, dann flüchtet man sich in Parallelwelten mit eigenen Regeln und eigenen Lösungsmöglichkeiten. Und einem Leader, der einem die Last der Eigenverantwortung abnimmt.

Trump macht dieses Angebot und sahnt ab.

Für die großen Probleme dieser Welt ist das eine Katastrophe.


QuoteG Shock

Es funktioniert - alle Dekaden wieder.


QuoteGries67

Wir brauchen gar nicht so zu tun - wir haben die BILD.


QuoteDrest Dark

Wobei das Boulevard Blatt mit 4 Buchstaben, das so eklig ist das man einen Fisch beleidigt wenn amn ihn darin einwickelt (wie ein Kabarettist mal so treffend formulierte), eher mit Fox zu vergleichen ist.

Newsmax ist dann eher Nius, die billigere und noch rechtere Variante die erst durch den großen Bruder ermöglicht wurde.


QuoteHLMännchen

warum berichtet ihr über diesen Scheiß?!


QuoteStephanMeyer

Weil wir mit beiden Beinen mittendrin stehen und es uns bald am Hals steht!


QuoteSepp1848

Weil es bei uns in Deutschland doch schon genauso in der Medienlandschaft ist. Die ganzen Tichys, Focus, Welt, TAZ, Nius, Bayernkurier, Compact, RTL 2 und Co. zersetzen doch schon seit Jahren den gesunden Menschenverstand im Vaterland der Dichter und Denker - Mitforist StephanMeyer hat vollkommen Recht, wir stehen mit beiden Beinen schon längst drin in dieser Kakophonie der postfaktischen Zeit...


QuoteCornelPanic

Konfuzius sagt: "Wer den Kopf in den Sand steckt, bringt seinen Hintern in eine bedrohliche Position." ...


QuoteNicht-Zwei

Dieses MAGA-Netzwerk ist das eine. Darüber brauchen wir eigentlich keine Worte verlieren. Danke für den Artikel. Was mich aber wirklich verstimmt und deprimiert, ist das Publikum, das sich mit diesen Algorithmen und diesen kurzen Antworten auf Google zufrieden gibt. Haben die Menschen denn alle ihre Ansprüche über Bord geworfen, um nur noch in einer trüben Suppe von Satzfetzen mitzuschwimmen?


QuoteP4trick

Wie so oft bei Rechten, Faschisten und anderen Verblendeten:
Information -> gefällt mir -> wahr
Information -> gefällt mir nicht -> Lüge!

Also genau die richtige App für diese Leute. ...


QuoteEinFriese

Sobald Lügen zur eigenen Meinung passen, sind sie keine Lügen mehr, sondern alternative Wahrheiten, die von den Massenmedien totgeschwiegen werden.

Hach, kann das Leben einfach sein...


QuoteSchlaupilz

"Gruppenbezogene Wirklichkeit" das trifft den Nagel auf den Kopf.


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#184
"ProSiebenSat.1-Führung spricht sich für Übernahme durch Berlusconi aus"
Die Führung von ProSiebenSat.1 bezeichnet das Angebot der Berlusconi-Holding als "angemessen". Zuvor hatte sie eine Übernahme noch abgelehnt. Aktualisiert am 6. August 2025
https://www.zeit.de/wirtschaft/unternehmen/2025-08/medienunternehmens-prosiebensat-1-uebernahme-konzerns

QuoteEckig aber Rund

Was für eine Schlagzeile! Einen kurzen Moment dachte ich, er wäre auferstanden. Halleluja!


Quotepeter_schäfer

Der deutschsprachige Raum braucht unbedingt mehr Milliardärsmedien, denn NZZ, Springer, Burda, Vius dringen immer noch nicht flächendeckend genug durch, um den Gemeinwohlgedanken ein für alle Mal aus den Köpfen zu tilgen.


Quotejupp.kabuwski

Richtig! Bunga-Bunga für alle!


QuoteHeimweh04

Genau deswegen ist der ÖR als Gegengewicht zu solchen Oligarchen-Konglomeraten so wichtig.


Quotebrean-reloaded

Einer der beiden größten Komnerz-TV-Konzerne an eine konservativ-extremistische Gruppe verkaufen. What could probably go wrong?


QuoteAndY K.

Willkommen im Kapitalismus.


Quotemerkaii

Mehr Monopolisierung ist mehr besser. Weiß man.


QuoteSargnadel

Muss man sich auch nicht mit so vielen verschiedenen Ansichten auseinandersetzen. Strengt eh nur an.


QuoteZeit12.5

Da geht zusammen, was zusammen gehört :)


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"Deutscher Medienmarkt in Bewegung: Berlusconis verfehlen vorerst ProSiebenSat1-Übernahme" Doris Priesching (18. August 2025)
Die ProSiebenSat1-Aktionäre haben von Dienstag an noch einmal zwei Wochen Zeit, ihre Anteile den Italienern anzudienen.
Die Berlusconi-Familienholding Media For Europe (MFE) hat im ersten Anlauf die Mehrheit am deutschen Fernsehkonzern ProSiebenSat1 verfehlt, zu dem in Österreich ProSiebenSat1Puls4 (Puls 4, ATV, ATV 2, Puls 24) gehört. Zum Ablauf der Annahmefrist für das gut 1,8 Milliarden Euro schwere Übernahmeangebot habe sich MFE knapp 43,6 Prozent der Anteile an der Senderkette gesichert, teilte das Unternehmen am Montag mit. ...
https://www.derstandard.at/story/3000000283790/berlusconi-familienholdung-verfehlt-vorerst-prosiebensat1-uebernahme

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"Berlusconi-Holding übernimmt Pro Sieben Sat.1" Christian Schubert, Rom (28.08.2025)
Der zweitgrößte Aktionär des deutschen Senders, PPF, gibt auf und verkauft seine Aktien an MFE aus Italien. Pier Silvio Berlusconi, der Sohn des früheren italienischen Ministerpräsidenten, ist am Ziel. ...
https://www.faz.net/aktuell/wirtschaft/unternehmen/italiens-berlusconi-holding-media-for-europe-uebernimmt-pro-sieben-sat-1-accg-110658382.html


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"Echokammern statt Einfluss: Das Dilemma sogenannter alternativer Medien" Harald Neuber (13. August 2025)
Alternative Medien stehen vor einem Dilemma. Sie agieren in Echokammern. Das führt zu so schweren wie typischen Missverständnissen. Ein Telepolis-Leitartikel. ... Sowohl Journalisten als auch politische Aktivisten streben danach, öffentliche Diskurse zu prägen – das ist unbestritten. Der entscheidende Unterschied liegt jedoch in der Methode. ...
https://www.telepolis.de/features/Echokammern-statt-Einfluss-Das-Dilemma-sogenannter-alternativer-Medien-10519604.html

https://www.telepolis.de/forum/Telepolis/Kommentare/Echokammern-statt-Einfluss-Das-Dilemma-sogenannter-alternativer-Medien/forum-566517/

QuoteMZC, 13.08.2025 01:39

Ich mach mir die Welt, wie sie mir gefällt ...

Und so liefern die Medien nur noch jene Welt, die gefällt und bestärken damit die Weltsicht ihrer Leser und Seher.
Mit dem Effekt das diese noch weniger jede abweichende oder andere Meinung ertragen (tolerieren) können. Willkommen in der heutigen Blasenwelt (Echokammern).

Und in dieser wird in jeder Blase alles was stören könnte ausgeblendet, ja ausgemerzt. ...


QuoteBournouter, 13.08.2025 08:30

Der mündige Leser - Boris Reitschuster steckt fest in seiner Verachtung gegen alles Russische. Telepolis befindet sich beim Thema Klimawandel in der Mainstream-Echokammer (Hitzeostern). Die Achse kann nicht neutral über das Geschehen in Gaza berichten. Auf RT steht viel Mist und die Kommentare unter den Artikeln sind zum Teil widerwärtig. Aber wenn ich über den Frontverlauf im Ukraine-Krieg informiert sein will, muss ich zu RT und auf die Karte vom ISW schauen.
Der Röper vom Anti-Spiegel bringt mit seinen Übersetzungen von TASS-Meldungen auch nur die russische Seite auf sein Tableau. Aber er hat zum Beispiel vor allen Anderen den Abgang von Biden prognostiziert.

Und es gibt viele weitere Beispiele...

Trotz all dieser Schwächen, sind alle diese Seiten für mich wichtige Informationsquellen.

Das Wichtigste bei der Suche nach Wahrheit in allen Medien, ist der mündige Leser. Ich halte es da durchaus mit Albrecht Müller, wenn er sagt: "Hinterfrage alles, glaube wenig", dazu noch Wissen über die wichtigsten Manipulationstechniken, etwas argumentative Robustheit, Quellen im Original lesen, Hintergründe von Autoren beleuchten und die Fähigkeit sich nicht von Panik anstecken zu lassen. Dann ist man auch auch im Alternativmediendschungel ganz gut gerüstet.

Wichtig ist auch die Erkenntnis, das nicht das Gesamtwerk eines Autors infrage gestellt werden muss, nur weil er ein- oder zweimal aus Sicht seiner Leser Blödsinn verzapft hat.


QuoteDer_Ronny, 13.08.2025 10:18

Re: Der mündige Leser

Man muß ja nicht unbedingt auf die ganzen 'alternativen Schmuddelkinder' zurückgreifen. Manchmal reicht es auch schon, einfach nur die wichtigsten Medien anderer Länder zu nutzen - natürlich werden auch die ihre eigenen Narrative und Ansichten haben, aber sie zeigen zumindest andere Perspektiven auf ein Thema auf. Eine South China Morning Post oder eine Hindu Times werden andere Facetten von weltpolitischen Geschehnissen aufzeigen, die bei unseren Medien als weniger relevant beachtet werden.

Das ist ja so ein Problem bei journalistischer Arbeit: es wird in den Redaktionsstuben entschieden, was für den Leser relevant ist - oder eben nur glaubt, was für ihn relevant sein könnte (von bewußter Manipulation will ich hier noch nicht einmal sprechen). Woher wissen sie denn, was für den Leser interessant ist? Wird er gefragt? Kommentare und Leserbriefe (schweigende Mehrheit <-> laute Minderheiten)? Klickzahlen? Abonnierte/gekaufte Artikel? Google Analytics? Dann werden halt nur Inhalte gebracht, die sich gut verkaufen - und somit schafft man sich auch seine eigene Filterblase: durch Gier (oder finanzielle Notwendigkeit).

Das größte Problem ist aber der mündige Leser - den gibt es viel zu selten. Zu selten, um auch gesellschaftlich von Belang zu sein. Die oben erwähnte Medienrundschau, seien es die Schmuddelkinder oder ausländischen Medien, braucht vor allem eines: Zeit. Es macht schlicht und ergreifend viel Mühe und braucht viel Zeit (und Interesse!), alle Quellen abzuarbeiten und die für sich relevanten Infos heraus zu ziehen. Die meisten Leute haben ihre eigenen Probleme, gehen ihrem Alltag nach, Arbeit, Familie. Da wollen und können sie sich nicht noch mit diesem Zusatzaufwand belasten - dafür wären ja eigentlich die Journalisten da: Infos sammeln, aufbereiten, kurz, prägnant und vor allem verständlich präsentieren. Das ist nicht einfach, man gleitet da zu schnell in 'einfache Antworten auf komplexe Fragen' ab. Aber das ist eben die Kunst bei gutem Journalismus - eine Kunst, die in letzter Zeit verlorengegangen zu sein scheint (oder durch Manipulation ersetzt wurde).


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"Politische Extreme: Selbst schuld?" Jens Jessen (ZEIT Nr. 37/2025 Aktualisiert am 28. August 2025)
Leider kämpft die politische Linke nicht mehr um die Mitte, sondern gegen sie. Zur Freude der Rechten. ... Welchen Anteil hat die politische Linke am Aufstieg der Rechten? Einen bedeutenden, schreibt unser Autor. Denn sie kämpfe nicht mehr um die Mitte, sondern gegen sie. ...
https://www.zeit.de/2025/37/politische-extreme-polarisierung-linke-afd-protest

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"Linken-Bashing in der ,,Zeit": Vom bürgerlichen Drang, über Mitte und Norm zu herrschen" (6.9.2025)
Kolumne Ernsthaft? - von Ulrike Winkelmann
Erstaunlich, dass der Grandseigneur des Zeit-Feuilletons zur Beschreibung der Lage bloß Klischees zusammenfegt und meint, der Sache sei Genüge getan.
O b die Linken ,,selber schuld" seien, fragte die Zeit auf ihrem Titel Ende August, und der Haupt-Essay im Blatt antwortete mit Ja. Interessant war aber weniger, dass hier ein früherer Feuilleton-Chef aufschrieb, dass die Linken den Aufstieg der Autoritär-Nationalen und Rechtsradikalen erst verursacht hätten – sondern vor allem, wie er das tat. ...
https://taz.de/Linken-Bashing-in-der-Zeit/!6108870/

QuoteVerboten
heute, 00:23 Uhr

Das progressive Lager ist doch längst in der Mitte des Bürgertums angekommen. In meiner linken Sozialisation der 90er Jahre gab es schon den Begriff des "Ökospießers".

Um die Welt retten zu können muss man sich eben bestimmte Dinge auch erstmal leisten können. Ein Lastenfahrrad kostet soviel wie ein Gebrauchtwagen, ein Elektroauto ist viel teurer als ein Benziner, auch sämtliche Bio- und Fairtrade Produkte sind für viele gar nicht bezahlbar. Und die Solarpanele auf dem Dach des Eigenheims müssen auch erstmal bezahlt werden.

Die notwendige Bildung um überheblich auf die vermeintlich moralisch Schwachen herabsehen zu können, gibt es gratis per akademischen Elternhaus geliefert.

Linke Lebenslügen sind allgegenwärtig. Aber die größte davon ist keine Mitverantwortung für den Aufstieg der AfD zu haben.


QuoteJanix

Wer Jessens Artikel in der ZEIT alle kennt, weiß, dass da jemand unbedingt irgendwie '(groß-)bürgerlich' sein will und das nicht immer von 'blasiert' getrennt hält. Schade, denn es gibt auch kluge Gedanken Jessens, klügere als sein Aufmacher, dass doch Linke irgendwie schuld wären. ...


QuotePhilippo1000
gestern, 00:16 Uhr

Danke für diesen Artikel.

Das ist leider eine Negativentwicklung, die den derzeitigen Zustand unserer Gesellschaft beschreibt.

Die Ampel war noch der Versuch, ein Bündnis über Gesellschaftsschichten hinweg zu schmieden.

Der deutliche Unterschied in den Positionen der jetzigen Regierung zeigt, dass es sich nur um eine Notlösung handelt.

Die SPD versucht einige Projekte zu retten, die Union scheint in erster Linie die Zeit um 30 Jahre zurück drehen zu wollen.

Probleme von Heute werden aber nicht durch Ignorieren gelöst.

Ein Landwirtschaftsminister, der das Klima nicht berücksichtigt, schadet nicht nur der Umwelt, sondern auch den Landwirten. Dürre ist nicht mit (begrenztem) Trinkwasser zu begegnen.
Eine Wirtschaftsministerin, die erneuerbare Energien abwürgt, schadet einem wachsenden Wirtschaftszweig.
Ein Innenminister, der Grenzer spielt, macht unser Land unattraktiv für benötigte Zuwanderung. Merz will von den Armen nehmen und den Reichen geben.

Da ist dann schon eine deutliche Mehrheit der Deutschen anderer Meinung.
Die Rückschritte schaden dem ganzen Land.
Merz' Union ist von gestern, damit ist die Zukunft nicht zu gewinnen.
Notwendigen Wandel lächerlich zu machen, ist kindisch.


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Quote[...] Der Rechtsruck oder, wie es in der Zeit gern heißt, der ,,Vibe-Shift", ist kein Feuilletonspiel. Es geht um real gelebtes Leben: reaktionäre Einbindung ins Völkische versus gesellschaftliche Emanzipation. Da ist es auch erschreckend, wenn Politiker*innen und Journalist*innen, die in den derzeitigen politischen Verhältnissen die Macht hinter sich haben, nicht klarmachen, auf welcher Seite sie im Zweifel stehen.

Werden sie die antifaschistischen Initiativen, die mutigen Theaterleute, die Universitäten, die queeren Jugendclubs verteidigen, wenn die AfD – etwa nächstes Jahr in Sachsen-Anhalt – noch mehr Einfluss bekommen sollte? Das wüsste man von der Nach-Merkel-Mitte gern, nicht nur, welche Anti-woke- und Anti-links-Ressentiments sie hegt.


Aus: "Rechtsruck bei aktuellen Debatten - Gesellschaftspolitisch rückwärtsgewandt und hilflos"
Kommentar von Dirk Knipphals (30.8.2025)
Quelle: https://taz.de/Rechtsruck-bei-aktuellen-Debatten/!6107492/


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Quote[...] Julia Ruhs (* 1994 in Ludwigsburg)[1] ist eine deutsche Journalistin.

Ruhs wuchs als eine von zwei Töchtern einer Krankenschwester und eines Bankkaufmanns bei Ludwigsburg auf. Nach einem Freiwilligen Sozialen Jahr in einem Krankenhaus ging sie ein halbes Jahr nach Costa Rica.[2] Sie studierte in Passau, Rom und Regensburg Demokratiewissenschaft und Kommunikationswissenschaft und war Stipendiatin der journalistischen Nachwuchsförderung der Konrad-Adenauer-Stiftung.[3] Ihre Masterarbeit schrieb sie über Russlands Desinformationspolitik gegen den Westen. Sie erhielt dafür den Sonderpreis der Bayerischen Staatsregierung und den ersten Nachwuchspreis des Dialogforums Sicherheitspolitik.[2]

Ab 2020[2] absolvierte sie ein Volontariat beim Bayerischen Rundfunk.[4] Sie ist freiberufliche Journalistin und arbeitet vor allem für den Bayerischen Rundfunk.[5] Sie schreibt Kolumnen für Focus Online zu gesellschaftspolitischen Themen[6] und betrieb den Podcast Kriegskind, in dem sie eine Zeitzeugin des Zweiten Weltkriegs ihre Geschichten erzählen ließ.[7]

2025 erschien Ruhs' erstes Buch mit dem Titel Links-grüne Meinungsmacht – die Spaltung unseres Landes im Langen Müller Verlag.[8]

Kontroverse um ARD-Reportage (2025):

Bekanntheit erreichte Ruhs durch die erste von drei Pilotfolgen des vom Bayerischen Rundfunk (BR) und Norddeutschen Rundfunk (NDR) produzierten ARD-Reportageformats Klar – Was Deutschland bewegt vom 9. April 2025.[9] Die Sendung Migration: Was falsch läuft warf einen kritischen Blick auf Folgen der Asylpolitik. Behörden seien überfordert, immer mehr Gemeinden und Städte am Limit. Verbrechen wurden aus der Sicht von Betroffenen erzählt: Die Autoren begleiten Michael Kyrath, dessen Tochter bei der Messerattacke in Brokstedt 2023 von einem Asylbewerber erstochen wurde.[10] Die Sendung wurde kontrovers diskutiert.[11][12][13]

Die Ausgabe fand ein kritisches Echo in Jan Böhmermanns Late-Night-Show ZDF Magazin Royale. Die Nichtregierungsorganisation (NGO) Neue deutsche Medienmacher*innen erhob den Vorwurf, dass man keine faktenbasierte, differenzierte und lösungsorientierte Berichterstattung biete.[14][15] Die Frankfurter Allgemeine Zeitung hingegen nannte die Kritik an der Sendung ,,maßlos überzogen".[16] Michael Hanfeld bezeichnete dort Böhmermanns Einlassung als ,,unqualifizierten Beitrag" eines ,,mit öffentlichem Geld überbezahlten ZDF-Clowns" und bezeichnete die Neue deutsche Medienmacher*innen als eine ,,staatlich finanzierte Aufpasser-NGO". ,,Im Netz formieren sich Berufsmobber mit dem Ziel, Sendung und Moderatorin hinwegzufegen."[17] 250 NDR-Mitarbeiter distanzierten sich in einem offenen Brief vom Inhalt der Sendung, die ,,zu einem Generalverdacht gegenüber migrantisch gelesenen Menschen beitrage".[18] Das Magazin Cicero schrieb von einer Mobbingkampagne von NDR-Mitarbeitern gegen eine ,,konservative Journalistin" und nannte Ruhs die ,,bürgerliche Nachwuchshoffnung des BR".[19]

Am 17. September 2025 gab der Norddeutsche Rundfunk bekannt, Klar ab 2026 eigenständig zu moderieren. Ruhs werde nur für vom Bayerischen Rundfunk produzierte Folgen antreten.[20] Die Welt hatte bereits am Vortag entsprechende Absichten vermeldet.[21]

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Schriften

    Links-grüne Meinungsmacht. Die Spaltung unseres Landes. LMV, München 2025, ISBN 978-3-7844-3749-1.

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Quelle: "Julia Ruhs", Datum der letzten Bearbeitung: 19. September 2025, 07:19 UTC
Versions-ID der Seite: 259868324
Permanentlink: https://de.wikipedia.org/w/index.php?title=Julia_Ruhs&oldid=259868324
Datum des Abrufs: 19. September 2025, 08:16 UTC
https://de.wikipedia.org/wiki/Julia_Ruhs

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Quote[...] Die Fraktionsvorsitzende der Linken im Bundestag, Heidi Reichinnek, hat sich im Interview mit dem ,,Spiegel" zu der Debatte um die konservative Moderatorin Julia Ruhs geäußert. Der NDR hatte entschieden, Ruhs nicht mehr in seinem Format ,,Klar" einzusetzen. Reichinnek kritisierte die Entscheidung: ,,Es ist halt wirklich hochproblematisch, wenn auf Druck von irgendeiner Seite etwas abgesetzt wird." Die Linken-Politikerin räumte zwar ein, sie habe die Sendung selbst ,,sehr schlecht" gefunden. Es sei aber falsch, politische oder wirtschaftliche Einflussnahme auf die Medien zuzulassen. Sie betonte: ,,Medien haben nicht die Aufgabe, Meinung zu machen. Sie sollen Austausch und Information ermöglichen, möglichst neutral, damit die Leute auch was davon mitnehmen."

Ruhs wirft dem NDR ,,Intrigen" vor, die zu ihrer Ablösung geführt hätten. ,,Ich glaube, für den NDR bin ich zu rechts. Für den Bayerischen Rundfunk nicht, die stehen hinter mir", sagte sie am Donnerstag im Podcast ,,Table Today" von Table Media.

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Aus: "Linken-Fraktionsvorsitzende: ,,Hochproblematisch" – Reichinnek kritisiert NDR-Entscheidung zu Sendung ,,Klar"" (18.09.2025)
https://www.welt.de/kultur/medien/article68cbe6ccc914d40a280ec71e/Fall-Julia-Ruhs-Reichinnek-nennt-Absetzung-von-NDR-Sendung-hochproblematisch.html

QuoteNorbert D.

Natürlich ist der NDR für Vielfalt. Solange sich diese innerhalb des linksgrünen Spektrums abspielt. Die nächsten NDR Folgen werden es zeigen.


QuoteDr. med. Ulrich T.

Wer schaut denn noch ARD und ZDF. Linkslastige Sendeanstalten, die ich leider mit meinen Zwangsgebühren bezahlen muss.


QuoteJan B.

Ach ... und dass politische Aktivistinnen wie Ruhs einfach nicht die Richtlinien und journalistischen Standards einhalten und deshalb dem geforderten qualitativen Leistungsniveau von seriösem Journalismus nicht gerecht werden - das ist natürlich irrelevant und Schwurbler die den von uns bezahlten ÖRR als Multiplikator verwenden um ihre privaten Publikationen zu pushen - das müssen wir dann hinnehmen und haben keinen Anspruch auf seriösen Journalismus weil eine geschwurbelte 'Meinung' gleichzusetzen ist mit echter journalistischer Arbeit ...? Ruhs macht doch sowieso mehr außerhalb des ÖRR in privater Sache, als dass sie für die Gemeinschaft arbeiten würde ... Also wo ist das Problem? Für diejenigen die sich nun beschweren sind doch Fakten und Qualitätsjournalismus 'Lügenpresse' und von Milliardären privat finanzierte Medien der Meinungsindustrie das Nonplusultra - also kann sie ja problemlos dort weitermachen, muss nicht mehr den 'Regime-Medien' hörig sein und kann nun 'die ganze Wahrheit' berichten ...


QuoteThomas R.

Ich denke, das letzte was Frau Ruhs braucht ist die Unterstützung durch die Reichinnek.


QuoteUdo L.

Wie Recht FJS damals schon hatte. Rotfunk. Die ÖRR Journaille ist nun wirklich obsolet und ohnehin überhonoriert. 


usw.

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"Konflikt um NDR-Format: ,,Klar"Julia Ruhs als Moderatorin abgesetzt"  Jonas Kähler und Wlada Froschgeiser (17.9.2025)
Nach Kritik am Reportageformat ,,Klar" muss Moderatorin Julia Ruhs gehen. Rechte wittern eine Kampagne des angeblich links-grünen öffentlich-rechtlichen Rundfunks. ... Laut Welt tobt nun seit Monaten innerhalb des NDR ein ,,erbittert geführter Kampf um redaktionelle Freiheit und das journalistische Programm". Kolleg*innen aus anderen Redaktionen hätten ,,Klar" vorgeworfen, mit undifferenzierten Beiträgen rechte Stimmung im Land zu verbreiten. Bereits nach der ersten Sendung über Migration soll es in einer NDR-internen Besprechung zu ,,einer knapp drei Stunden langen knallharten Abrechnung mit Ruhs und ihrem Team" gekommen sein. In einem offenen Brief haben sich laut Welt fast 250 Mitarbeiter*innen des Senders von ,,Klar" distanziert. ...
https://taz.de/Konflikt-um-NDR-Format-Klar/!6114127/

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Quote[...] Mit der Sendung "Klar" will der NDR auch konservative Zuschauer ansprechen. Doch bereits nach der ersten Folge regt sich intern Widerstand: Viele Mitarbeiter distanzieren sich von der Produktion. Wenige Monate später setzt der Sender die Moderatorin Julia Ruhs ab - und die Sendung wird ohne sie fortgesetzt. ... Nach Angaben mehrerer Mitarbeiter des NDR heißt es in dem an Geschäftsführung, Programmdirektion und Chefredakteure gerichteten Brief, dass die Auftaktsendung zu Migration einer "Reihe von Grundsätzen unserer journalistischen Arbeit" und dem "öffentlich-rechtlichen Auftrag gemäß NDR-Staatsvertrag" nicht nachkomme. "Wir distanzieren uns von dieser Produktion und wünschen uns eine Aufarbeitung der Entscheidungen, die dazu geführt haben, dass dieser Film so über den Sender gegangen ist." ...Die Absetzung der Moderatorin rief deutliche Kritik hervor. Schleswig-Holsteins Ministerpräsident Daniel Günther sprach von einem "extrem schlechten Signal". Ähnlich äußerte sich Bayerns Regierungschef Markus Söder. Auch Unionsfraktionschef Jens Spahn und CDU-Generalsekretär Carsten Linnemann kritisierten die Entscheidung des NDR. Der parteilose Kulturstaatsminister Weimer sagte dem TV-Sender Welt: "Wir haben in weiten Teilen der Bevölkerung den Eindruck, dass die öffentlich-rechtlichen Sender politisch einseitig berichten". Insbesondere unter Ostdeutschen sei "dieser Eindruck in den letzten Jahren und letzten Monaten verstärkt entstanden", ergänzte Weimer. Das sei "ein Problem, weil die Öffentlich-Rechtlichen von großer Akzeptanz leben". ...


Aus: "NDR-Moderatorin abgesetzt: Zahlreiche Kollegen protestierten gegen Julia Ruhs' Sendung" (18.09.2025)
Quelle: https://www.n-tv.de/panorama/Zahlreiche-Kollegen-protestierten-gegen-Julia-Ruhs-Sendung-article26042277.html

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Link

"Journalist Franz Josef Wagner ist tot" (7. Oktober 2025)
Jahrzehntelang prägte er den deutschen Boulevardjournalismus. Nun ist "Bild"-Kolumnist Franz Josef Wagner im Alter von 82 Jahren gestorben. ...
https://www.zeit.de/kultur/2025-10/franz-josef-wagner-gestorben-bild-kolumnist-gxe

Quotekezman

Entfernt. Im Interesse aller wünschen wir uns konstruktive und sachliche Diskussionen. Bitte tragen Sie ausschließlich mit konstruktiven und inhaltlich passenden Kommentaren dazu bei. Danke, die Redaktion/nc


QuoteTsai-Tung

Entfernt. Bitte verzichten Sie auf überzogene Polemik. Danke, die Redaktion/mf


Quotequantosoph

Franz Josef Wagner ist tot – und mit ihm endet ein Kapitel Boulevardjournalismus, das nie Ruhm, aber viel Schaden hinterlassen hat. Seine Kolumnen waren selten Aufklärung, meist Anklage aus dem Bauch, oft Herablassung mit Pathos. Er schrieb, wie andere grölen: laut, rücksichtslos, selbstverliebt.

Er verstand es, Menschen zu beschämen, zu verhöhnen oder in Sentimentalität zu ertränken – ein Stil, der den Zynismus zum Markenzeichen der Bild-Kultur machte. Wagner war das Feuilleton des Stammtisches, der Mann fürs Pseudo-Menschliche zwischen Schlagzeilen über Angst, Hass und Sex.

Sein Tod ist menschlich bedauerlich, journalistisch jedoch kein Verlust. Denn wer mit Sprache Verantwortung trägt, darf sie nicht als Waffe gegen die Schwächeren einsetzen. Wagners Vermächtnis bleibt ein Lehrstück darüber, wie gefährlich es wird, wenn Journalismus seine moralische Mitte verliert.


QuoteTDUSO2024

Seine Kolumne habe ich mit Neugierde gelesen - häufig war es bester Boulevard: auf dem Punkt, emotional und relevant. Und manchmal war es total daneben. Aber wo gearbeitet wird, werden eben auch Fehler gemacht.

Mir wird er fehlen.


QuoteRavenhorst

Schwierig, Beileid für jemanden auszudrücken, der sein Brot mit Häme, Hass und Hetze verdient hat. Also lasse ich es mal lieber.


Quoteottonis

Tatsächlich habe ich Wagners kleine Kolumne in der online Ausgabe der BILD zwar nicht regelmäßig, aber recht oft gelesen. Herr Wagner hatte dabei ein einzigartiges Gespür, die emotionale Essenz eines Geschehens oder einer Person auf den Punkt zu bringen - auch wenn man ihm inhaltlich nicht immer zustimmen mochte. ...


QuoteErnst Acht

Wohl das beste Beispiel dafür, dass die springersche Spaltung und Hetze aus einer bürgerlichen Mitte stammt. Danke dafür Franz Josef Wagner.


QuoteIngrid Karin

De mortuis nihil nisi bene... Leider muss ich aber sagen, dass ich Herrn Wagner wegen seiner Menschenverachtung auch verachtet habe. Schlagzeilen zählten für ihn mehr als Wahrheiten.


QuoteSpinus

Den Boulevardjournalismus zu prägen heißt: Meilenweit von echten, vom guten Journalismus entfernt zu sein.
Deutlicher will ich (ernst gemeint!) angesichts der Nähe des Todeszeitpunktes nicht werden.


QuotePaya-Qu

Für ihn als Menschen wünsche ich, dass er in Frieden ruht. Als Schriftsteller möge der Platz, den Wagner in der Bild inne hatte, leer bleiben. Davon profitieren wir als Gesellschaft.


QuoteTheBlind

Er war BILD und das ist auch sein Vermächtnis. Mehr möchte ich zu der Person nicht sagen.


QuoteSepp1848

Ich liebte diese Zeile "Franzi van Speck – als Molch holt man kein Gold". Einfach perfekt die damalige Verfassung einer Athletin auf den Punkt gebracht. Herrlich. Ruhe in Frieden.


QuoteMaibaumbluete

... Frau van Almsick hatte offenbar gute Menschen um sich herum. Nicht auszudenken, sie hätte sich wie andere Opfer der BILD das Leben genommen.


QuoteSepp1848

Was war daran gemein? Das muss ein Spitzensportler aushalten können und müssen. Was van Almsick damals auch ausgehalten hat. Sie musste ja bereits auf dem Weg der sportlichen Karriereleiter nach oben die Ellenbogen ausfahren, um im Sport die Nummer 1 zu werden. Damals hatte sie ein Formtief, was F.J. Wagner satirisch und mit reichlich Ironie in eine Zeile schrieb.


QuoteMoghul

"Liebe Leserinnen und Leser,im Kommentarbereich dieses Artikels wollen wir Ihnen mit einem Kondolenzbuch die Möglichkeit geben, Ihre Erinnerungen und Gedanken zu teilen. Die Wahrung der Pietät ist uns bei Todesfällen wichtig, weswegen alle Kommentare vor der Veröffentlichung geprüft werden."

Dies schreibt die Zeit unter den Artikel. Deshalb will ich mich bei diesem Versuch daran halten.

Unvergessen sind mir die Erzählungen eines Freundes, der aus journalistischer Geldnot beim Burda Verlag anfing und berichtete, wie er dazu gedrängt wurde, irreführende und gesundheitsschädliche Produkte über den Klee zu loben, die von einem Freund des Verstorbenen vertrieben wurden.

Unvergessen sind mir diverse Kolumnen, die die Bild selber nicht mehr im Online Archiv veröffentlicht haben darf wegen Rufmord, falschen Tatsachenbehauptungen usw.

Der Verstorbene hat also den Boulevard Journalismus in Deutschland mitgeprägt. Na dann eine letzte Meldung über die Scheidung von Harry und Megan. Den Widerruf muss er ja nicht mehr abdrucken.


QuoteDominik Schreiber

Lieber Franz Josef Wagner,

du warst Kolumnist,
Kriegsreporter in Vietnam,
Ghostwriter von Becker und Beckenbauer,
Kneipenkumpel von Bader,
Bestsellerautor,
Wochenlang in Grönland,
Chefredakteur der Bunte,
als Kind bettelarm.

Du warst Mann aus einem anderen Jahrhundert,
hattest ein bewegtes Leben,
hast Menschen bewegt,
und aufgeregt.

Tschüss FJW


QuoteIF6WAS9

Der König der Larmoyanz und Botschafter der Scheinheiligkeit ist von uns gegangen, Ruhen Sie in Frieden, Franz Josef Wagner.


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Quote[...] Das Krawallportal "Nius" ist mutmaßlich Ziel einer kriminellen Attacke geworden. Jetzt sorgen sich manche Abonnenten, weil sich über sie so einiges herausfinden lässt.

Daten von Tausenden Abonnenten des rechtspopulistischen Portals nius.de stehen seit dem Wochenende im Netz. Darunter sind die Namen, zum Teil mehrere E-Mail-Adressen pro Nutzer, Bankverbindung und auch private Anschrift. t-online konnte bei einzelnen Betroffenen die Echtheit verifizieren.

Der zuständigen Berliner Datenschutzbeauftragten wurde der Fall bis zum Montagabend nicht gemeldet, hieß es dort zunächst. Das muss nach Bekanntwerden einer solchen Datenpanne binnen 72 Stunden passieren. Später bestätigte die Behörde heise.de, dass die Datenpanne gemeldet wurde.**

Der Datenschutzbeauftragte der Firma Vius SE & Co. KGaA, die das Portal verantwortet, teilte t-online auf Anfrage lediglich mit, "wegen laufender Ermittlungen" könnten keine Angaben gemacht werden. Offenbar hatte das Unternehmen jedoch bereits in der Nacht zum Montag Betroffene angeschrieben und darauf aufmerksam gemacht, dass ihre Daten öffentlich zugänglich gemacht wurden.

Einzelne von t-online kontaktierte Nutzer aus der Datei wollten sich nicht dazu äußern, andere zeigten sich schockiert und befürchteten, nun auf "Feindeslisten" zu landen. t-online sprach auch mit einem Abonnenten, der erklärte, er halte politisch nichts von dem "braunen Mist", habe das Abonnement aber, um über die Arbeit des Portals informiert zu sein. "In meinem politischen Bekanntenkreis würde das bestimmt zuerst einmal viele Fragen auslösen, wenn dort bekannt wird, dass ich ein Abonnement habe."

In der Vergangenheit sind schon häufiger Kundenlisten politisch exponierter Verlage oder Händler genutzt worden, um Gegner zu markieren. Entsprechende Befürchtungen sind also nicht vollkommen abwegig.

Das vermutlich bekannteste Beispiel ist eine bei den Sicherheitsbehörden als "25.000er-Liste" bekannte Datensammlung, die angeblich die Namen von Linksextremisten enthalten sollte. Dabei handelte es sich um Kunden des Duisburger Internethandels Impact Mailorder, dessen Sortiment sich insbesondere an die Punk- und linksalternative Subkultur richtet, aber auch ein breiteres unpolitisches Publikum anspricht. Eine extrem rechte Hackergruppe hatte die Kundendatei 2015 erbeutet und Vergeltung für linke Hacks angekündigt. Später wurde sie bei mehreren Razzien bei rechtsextremistischen Gruppierungen entdeckt, wo sie als eine Art "Todesliste" galt.

Nach 2017 zog diese Liste noch einmal größere Kreise, weil der damalige AfD-Landtagsabgeordnete Heiner Merz sie an Fraktionsmitglieder in Baden-Württemberg verschickte. Er forderte AfD-Anhänger in einem Schreiben auf, nach Personen auf der Liste in ihrer Gegend zu schauen und diese Personen bei ihren Arbeitgebern zu denunzieren. "Der Fantasie sind wenig Grenzen gesetzt", schrieb Merz. Später sagte er, er sei über den Inhalt getäuscht worden und habe nicht gewusst, dass es eine Kundendatei sei.

Stattdessen habe er geglaubt, es handele sich um die Veröffentlichung eines Aussteigers aus der linksextremen Szene, erklärte Heiner Merz der "Stuttgarter Zeitung". Das Missbrauchspotenzial sei ihm nicht bewusst gewesen. "Dass diese Listen verbrecherisch verwendet wurden, das bestürzt mich ebenso wie jeden vernünftigen und normalen anderen", sagte Merz, der 2020 seinen Austritt aus der AfD erklärte. Verhörprotokolle des Bundeskriminalamts (BKA) zeigen, dass Daten aus der Liste auch für Anschlagsüberlegungen der rechtsextremen Gruppe "Nordkreuz" dienten.

Umgekehrt sind auch linke Hacker mehrfach an Kundendateien von rechten Versandhändlern gelangt und haben diese veröffentlicht. Auf der einschlägigen Seite linksunten.indymedia wurden zudem die Teilnehmerlisten von zwei Parteitagen der AfD in Bremen 2015 und Stuttgart 2016 veröffentlicht, auf denen insgesamt fast 5.000 Namen und Adressen von AfD-Mitgliedern zu finden waren.

Dass die Daten von rund 5.700 "Nius"-Kunden veröffentlicht wurden, hat zuerst heise.de berichtet. t-online hat die Daten danach abgerufen und selbst sichten können. Darunter finden sich in einem zweiten Teil auch externe Autoren, an die die E-Mail-Adresse @vius.com vergeben wurde.

Eine entsprechende E-Mail-Adresse erhielten etwa die frühere FDP**-Bundestagsabgeordnete Katja Adler, der ehemalige Verfassungsschutzchef Hans-Georg Maaßen, der aus der SPD ausgeschlossene Thilo Sarrazin und der Jurist Ulrich Vosgerau, der vielfach für die AfD als Anwalt arbeitete und durch seine Teilnahme am rechtsextremen "Potsdamer Treffen" mit Martin Sellner bekannt wurde. Nach t-online-Informationen war zumindest ein Teil der Betroffenen nur einmalig als Gastautor tätig und wusste nichts von diesen E-Mail-Adressen von Vius, die im System angelegt wurden. Vius hat eine t-online-Anfrage dazu bislang nicht beantwortet.

Der Link zu den Daten fand sich vielfach auf dem Portal selbst: Die Original-Überschriften von "Nius" waren durch eine URL-Internetadresse ersetzt worden, die zu dem Daten-Leak führte. Offenbar hatte ein Eingriff von außen auf das Redaktionssystem stattgefunden.

Der Datensatz gibt auch Aufschluss darüber, welche Einnahmen das Portal durch Abonnements erzielt. Demnach haben 46 Nutzer ein Abo über 199,99 Euro jährlich abgeschlossen, bei dem ihnen zusätzlich kaum noch etwas von der ohnehin spärlichen Werbung angezeigt wird. Mit dem Abonnement Insider für 99,99 Euro Jahresbeitrag finden sich 351 Nutzer, 235 weitere mit 100 Euro Jahresbeitrag. Dazu kommen die Nutzer, von denen sich mehrfache monatliche Zahlungen von 9,99 Euro oder 10 Euro finden.

Das Portal ist nach allen Informationen bislang ein Zuschussgeschäft, der Unternehmer Frank Gotthardt hat in zweistelliger Millionenhöhe Geld in "Nius" gepumpt. Dem Jahresabschluss für das Jahr 2023 zufolge hatte VIUS SE & Co. KGaA bei einer Bilanzsumme von rund 6,4 Millionen einen Fehlbetrag von 13,8 Millionen Euro, der am von Gotthardt bereitgestellten Eigenkapital fraß.

Gotthardt und Familie kamen zu ihrem zeitweise milliardenschweren Vermögen als Hauptgesellschafter der CompuGroup Medical/CGM. Das Unternehmen ist auf Praxissoftware und Gesundheitsdaten spezialisiert und galt zuletzt als zu wenig innovativ und durch Übernahmen finanziell belastet. Inzwischen ist der Finanzinvestor CVC eingestiegen. Frank Gotthardt und seine Frau hatten vor der Bundestagswahl größere Beträge an CDU und FDP gespendet. Zu seinem Investment in "Nius" hatte er erklärt: Er glaube, "dass unsere Medienlandschaft eine Ergänzung im konservativen Bereich braucht".

Chefredakteur und einer von drei geschäftsführenden Direktoren ist der frühere "Bild"-Chefredakteur Julian Reichelt, der seine Stelle bei Springer wegen seines Umgangs mit Frauen verloren hat. Reichelt macht keinen Hehl daraus, dass er mit dem Portal eine politische Mission verfolgt – nämlich die Politik, und dabei vor allem die Union, nach rechts zu rücken. Darstellungen sind oft verzerrend und blenden für das Verständnis relevante Informationen aus. Zuletzt galt "Nius" als ein Treiber dafür, dass die von der Koalitionsspitze aus Union und SPD angestrebte Wahl von Frauke Brosius-Gersdorf zur Richterin am Bundesverfassungsgericht abgesetzt werden musste.


*Wir hatten an dieser Stelle versehentlich "AfD-Bundestagsabgeordnete" geschrieben. Katja Adler gehört der FDP an.
**Der Text wurde an dieser Stelle nachträglich mit der Information aktualisiert, dass Vius den Fall gemeldet hat.




Aus: "Hacker veröffentlichen Kundendaten von "Nius"" Lars Wienand (17.07.2025)
Quelle: https://www.t-online.de/nachrichten/panorama/gesellschaft/id_100819618/nius-reichelt-plattform-gehackt-kundendaten-im-netz.html


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"BBC in der Vertrauenskrise: Die Krone hängt schief" Aus London Daniel Zylbersztajn-Lewandowski (15.11.2025)
Nach der Verletzung journalistischer Standards tritt die BBC-Führung zurück, der Sender entschuldigt sich bei Trump. Doch die Kritik geht darüber hinaus. ...
https://taz.de/BBC-in-der-Vertrauenskrise/!6123681/



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Quote[...] Erneut ist es passiert. Schüsse in der Nacht, eine verunsicherte Nachbarschaft am nächsten Morgen trifft auf Kamerateams. Viel ist noch nicht bekannt: In der Nacht zum Montag gab es einen Polizeieinsatz in Bochum. Ein vermisst gemeldetes Mädchen wurde gesucht, nun liegt es schwer verletzt im Krankenhaus. Ein oder mehrere Polizeischüsse trafen seinen Bauch.

Schnell stellt sich die drängende Frage: Hätte es keine anderen Mittel geben können? Waren das polizeiliche Schnellschüsse?

Die ersten Schüsse sind real. Die zweite Schusssalve, sie folgt zuverlässig. Es sind die öffentlichen Mitteilungen der Polizei. Am Montagmorgen, 10.30 Uhr [https://www.presseportal.de/blaulicht/pm/11562/6159755], verschickt sie ihre Version. Für Journalist*innen ist es Berufsalltag, damit umzugehen. Rasant wird diese Version zum einzigen Bezugspunkt für die Geschichte: eine Vermisste, 12 Jahre alt, deutsch-serbisch, gehörlos, erkrankt und auf lebenswichtige Medikamente angewiesen. Eine Mutter, ebenfalls gehörlos, der das Sorgerecht entzogen wurde. Eine Wohnung, in der das Mädchen ,,nicht hätte sein dürfen". Eine Tür, die sich zunächst nicht öffnet. Und dann: ein Mädchen ,,mit zwei Messern in der Hand", ,,geht auf die Polizisten zu", Taser und Schusswaffe wurden ,,zeitgleich" eingesetzt. In der Pressemitteilung [https://www.presseportal.de/blaulicht/pm/11562/6159755] der Polizei klingt das schlicht und sachlich.

Die wenigen Sätze reichen. Lokale Journalist*innen machen sich auf den Weg zur veröffentlichten Adresse des Tatorts, überregionale Portale kleistern unmittelbar plakative Überschriften. Oft wortgleich.

,,12-Jährige greift Polizisten mit Messern an." ,,Mädchen (12) geht mit Messern auf Polizisten los – Beamte eröffnen das Feuer!" Verdachtsberichterstattung gibt es nicht für Opfer von Polizeigewalt. Die Zwölfjährige wird zur Täterin erklärt["Akten im Fall Lorenz A.Ein Lehrstück der Täter-Opfer-Umkehr" Lange bevor die Ermittlungen im Fall Lorenz A. beendet waren, verfestigte sich das Narrativ vom gefährlichen Kriminellen. Die Polizei trug dazu bei ... Die Staatsanwaltschaft Oldenburg erhebt Anklage wegen fahrlässiger Tötung gegen den Polizisten, der den 21-jährigen Lorenz A. am Ostersonntag mit mehreren Schüssen von hinten tötete. Die Rechtsbeistände kritisieren die Ermittlungen und fordern Anklage wegen Totschlags. (6.11.2025): https://taz.de/Akten-im-Fall-Lorenz-A/!6127725/].

Der Ton ist verräterisch: Dem Kind werden Tatsachen zugeschrieben, sie ,,ging auf die Polizisten zu", während gegenüber der Polizei ,,schwere Vorwürfe im Raum stehen". Das Opfer hat gehandelt, die Polizei ,,musste reagieren". Die Zwölfjährige liegt mit Schussverletzungen im Bauch auf der Intensivstation, und über sie wird gesprochen, als habe sie eine Entscheidung getroffen.

Erst später am Tag, nach der ersten Flut der Täter-Opfer-verkehrenden Berichte, stoßen Kolleg*innen auf Schusswaffenregeln im Polizeigesetz des Landes NRW: ,,Gegen Personen, die dem äußeren Eindruck nach noch nicht 14 Jahre alt sind, dürfen Schusswaffen nicht gebraucht werden", heißt es in Paragraf 63.

Die Polizei hingegen bleibt in ihrem narrativen Erzählen im Passiv: ,,Es kam zum Schusswaffengebrauch."

Das Narrativ hat System. Beim Tod von Mouhamed Dramé in Dortmund war die erste Version: Dramé sei ,,ein ,,Angreifer". Im Gerichtsverfahren Jahre später zeigte sich: Glasklare Falschdarstellung [https://taz.de/Todestag-von-Mouhamed-Drame/!6105662/].

Beim Tod von Lorenz A. in Oldenburg schreiben viele Medien, A. habe die Polizei mit einem Messer angegriffen. Auch das war falsch. Bevor dies öffentlich von der Staatsanwaltschaft gerade gerückt wurde, geisterte es durch die Mehrzahl der Überschriften. In Bochum dasselbe: ein Messer, zwei Messer, ein Angriff – und schon ist klar, wie die Rollen verteilt sind.

Es ist brutale Normalität, dass bei einem schwer verletzten Kind davon gesprochen wird, einen ,,Messerangriff abgewehrt" zu haben – und nicht von einem Polizeieinsatz, der ein Kind fast getötet hätte.

Der Druck zur Schnelligkeit und die Konkurrenz zu anderen Medien sorgen dafür, dass die Medien bei diesem Narrativ mitschießen. Wer schnell als Erstes die Polizeimeldung mitnimmt, erspart sich eine unbequeme Entscheidung: die Polizei als das zu behandeln, was sie in solchen Lagen ist: eine Akteurin. Der Deutsche Journalistenverband schreibt seit Jahren, dass die Polizei keine bevorzugte Quelle sein darf – erst recht nicht in Fällen, in denen ihr Fehlverhalten vorgeworfen werden kann [https://netzpolitik.org/2022/fragwuerdige-pressearbeit-die-polizei-ist-keine-privilegierte-quelle/].

Außerdem sind in Bochum noch so viele Fragen offen: Wie haben die Beamten mit der gehörlosen Zwölfjährigen und ihrer gehörlosen Mutter in der hoch angespannten Lage kommuniziert? Warum wurde niemand hinzugezogen, der Gebärdensprache beherrscht?

Wurden Gesten versucht, wurde Zeit gewonnen, Distanz hergestellt? Gab es eine Option, sich zurückzuziehen, die Tür zu schließen, zu warten, anstatt in einem engen Wohnraum Taser und Schusswaffe gleichzeitig einzusetzen?

Nichts davon findet sich in den ersten medialen Darstellungen. Die Polizei gibt das Narrativ vor, die Agenturen übersetzen es, die Schlagzeilen laufen. Der Job der Journalisten wäre aber nachzufragen und abzuwarten. In der Praxis gilt weiter das Gegenteil: Die Polizei ist die Quelle und das Opfer wird zum Verdachtsfall.


Aus: "Nachplappern statt nachfragen" Friedrich Kraft (18.11.2025)
Quelle: https://taz.de/Polizeischuesse-in-Bochum/!6126322/


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#192
"Auf allen Kanälen: Kein Freiwild" David Hunziker (Nr. 50 – 11. Dezember 2025)
Die Sexarbeiterin Salomé Balthus gewinnt vor Gericht gegen die «Weltwoche». Möglicherweise wird das Blatt auch Gewinn zurückzahlen müssen. ... Die «Weltwoche» hat die Persönlichkeitsrechte der Sexarbeiterin Salomé Balthus verletzt, so lautet das Urteil des Bezirksgerichts Zürich von Ende November. Der fragliche Artikel von Roman Zeller ist am 5. Dezember 2019 auf fast drei Seiten erschienen, unter der Überschrift «Rendezvous mit Salomé Balthus». Der Autor hatte, nachdem er mit einer Interviewanfrage abgeblitzt war, über deren Agentur ein bezahltes «Kennenlern-Dinner» gebucht. Auf der Basis des Treffens in einem Berliner Restaurant verfasste er ein Porträt über Balthus, ohne ihre Zustimmung einzuholen oder ihre Zitate von ihr autorisieren zu lassen.
Fünfeinhalb Jahre sind vergangen, seit Balthus Klage gegen die «Weltwoche» eingereicht hat. Auf Anfrage zeigt sie sich über das Urteil erfreut: «Für mich persönlich bedeutet das sehr viel», sagt sie. «Ich muss nicht alles ertragen, weil ich mich in die Öffentlichkeit begeben habe. Ich bin auch als Prostituierte kein Freiwild und keine Projektionsfläche für boulevardjournalistische Fantasien.» ...
https://www.woz.ch/2550/auf-allen-kanaelen/kein-freiwild/!M81KJFKS2PYV




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Quote[....] afp | Der Deutsche Presserat hat im Zusammenhang mit der Berichterstattung über den Krieg in Nahost mehrere Rügen erteilt. In einem Fall befasste sich das Gremium nach Angaben vom Montag auf seinen Sitzungen im Dezember mit einer Massenbeschwerde über einen Text auf Bild.de über den Fall des in Gaza getöteten Al-Jazeera-Korrespondenten Anas Al-Scharif. Eine außergewöhnlich hohe Zahl von 328 Menschen hatte sich demnach darüber beschwert.

In dem Text habe es geheißen, der israelischen Armee zufolge sei Al-Scharif ,,Anführer einer Zelle der Terrororganisation Hamas" gewesen. In der Überschrift habe das Medium diese Darstellung jedoch ohne hinreichende Belege zur Tatsache erhoben, was der Presserat als grobe Missachtung der journalistischen Sorgfaltspflicht und gravierende Verletzung der persönlichen Ehre des Journalisten wertete.

Weitere Rügen wurden gegen Bild.de und Welt.de wegen nicht belegter Angaben zu Fotos unterernährter Kinder in Gaza erteilt. Die Wochenzeitung Die Zeit und Zeit.de erhielten eine Rüge wegen einer Kolumne zum Nahostkonflikt.

Der Krieg im Gazastreifen war durch den Hamas-Überfall auf Israel am 7. Oktober 2023 ausgelöst worden. Israel startete daraufhin eine Offensive im Gazastreifen. Seit Oktober 2023 gingen beim Presserat insgesamt mehr als 650 einzelne Beschwerden über die Berichterstattung zu dem Thema ein, die mehr als 200 einzelne Artikel betrafen. Allein in diesem Jahr waren es 429 Beschwerden. Moniert wurden nicht dabei nur die Politik- und Kriegsberichterstattung, sondern auch Artikel über innerdeutsche Debatten und Proteste.

Insgesamt erteilte der Presserat im Dezember 14 Rügen. Dabei ging es unter anderem auch um irreführende Aussagen über EU-Förderverträge für Nichtregierungsorganisationen, Schleichwerbung für Proteinriegel und Polstermöbel sowie Panikmache angesichts der Sichtung von Riesenhaien vor der spanischen Küste.



Aus: "Presserat erteilt mehrere Rügen zu Nahost-Berichterstattung" (15.12.2025)
Quelle: https://taz.de/Bild-Welt-Zeit/!6138266/

15.12.2025 - Mehr als 300 Zuschriften: Presserat entscheidet über Massenbeschwerde zu Nahost-Berichterstattung
https://www.presserat.de/presse-nachrichten-details/presserat-entscheidet-ueber-massenbeschwerde.html

https://www.presserat.de/presse-nachrichten-details/mehrere-ruegen-fuer-nahost-berichterstattung.html

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#194
Treffen von Rechtsextremisten in Potsdam 2023
... Das Treffen von Rechtsextremisten in Potsdam war eine Zusammenkunft in der Villa Adlon am Lehnitzsee in Potsdam, die am 25. November 2023 stattfand und Mitte Januar 2024 durch einen Bericht des Medienunternehmens Correctiv publik wurde. Auf der Veranstaltung stellte der Rechtsextremist Martin Sellner als ,,Masterplan zur Remigration" bezeichnete Überlegungen vor. Unter anderem sollen laut Sellner drei Gruppen Deutschland verlassen: Asylbewerber, Ausländer mit Bleiberecht und ,,nicht assimilierte" (deutsche) Staatsbürger; letztere sollten durch ,,maßgeschneiderte Gesetze" und ,,hohen Anpassungsdruck" zur Auswanderung bewegt werden. ...
https://de.wikipedia.org/wiki/Treffen_von_Rechtsextremisten_in_Potsdam_2023#Verhandlung_vor_dem_Landgericht_Hamburg

https://de.wikipedia.org/wiki/Correctiv

"Umstrittene ,,Correctiv"-Enthüllung zur ,,Remigration": Ein Urteil über einen Fall, zu dem jeder seine Wahrheit hat"
Anfang 2024 berichtete ,,Correctiv" über ein Treffen Rechter in Potsdam und einen angeblichen ,,Masterplan zur Ausweisung von deutschen Staatsbürgern". Am Freitag befasst sich das Hamburger Landgericht mit dem Inhalt.
Von Jost Müller-Neuhof (18.12.2025)
https://www.tagesspiegel.de/politik/umstrittene-correctiv-enthullung-zur-remigration-ein-urteil-uber-einen-fall-zu-dem-jeder-seine-wahrheit-hat-15059842.html

QuotePaul_Kalbautzke
18.12.25 12:44

    Anfang 2024 berichtete ,,Correctiv" über ein Treffen Rechter in Potsdam und einen angeblichen ,,Masterplan zur Ausweisung von deutschen Staatsbürgern". .... Die Reportage erweckte den Eindruck, in dem Potsdamer Hotel sei die massenhafte Vertreibung von Menschen mit Migrationshintergrund verabredet worden. Und das, obwohl sie deutsche Staatsangehörige sind. Entsprechend schockiert reagierten Politik und Medien.


Und dabei hat Correctiv selbst schon in einem Gerichtsverfahren im Februar 2024 erklärt, dass dieser Eindruck den die Correctiv Reportage erweckt hat falsch war (1). Warum auch immer dieser Eindruck, auf den Poltik und Medien schockiert reagiert haben, vorher erweckt worden ist.

1) Correctiv selbst erklärte schon im Februar 2024 in einem Gerichtsverfahren, dass auf dem Potsdamer Treffen nicht über Ausweisungen von Deutschen gesprochen worden sei. ,,Im Gegenteil: Die deutsche Staatsbürgerschaft hat Sellner ausdrücklich als juristische Sperre für eine Ausweisung anerkannt", heißt es im Schriftsatz des Correctiv-Anwalts, ,,dementsprechend entwickelte sich unter den Teilnehmern auch keine Diskussion darüber.

"Klagen gegen Correctiv-Recherche: Rechtsstreits zum Rechtsextremen-Treffen"
Wer behauptet, beim Potsdamer Treffen sei es um die ,,Ausweisung" von Deutschen gegangen, wird verklagt. Das bedeutet nicht, dass es harmlos war.  Von Christian Rath (10.1.2025)
https://taz.de/Klagen-gegen-Correctiv-Recherche/!6060879/



QuoteMartin_Kniffke
18.12.25 12:23

Die Verteidigungsstrategie der völkischen Doch-Bloß-National-Konservativen ist erwartbar durchsichtig. Selbstverständlich werden sie erst äusserst gesetzestreu mit massgeschneiderten Gesetzen die ethnischen und sozialen Säuberungsprogramme durchführen.

Denn wie sagt man in ihren Kreisen "Gesetze sind nicht in Stein gemeisselt" und hat man einmal die parlamentarische Mehrheit, verabschiedet man eben mit diesen Mehrheiten die Rassengesetze.

Sowas will vorbereitet sein. Und solange man nicht sicher sein kann es auch durchzusetzen, bestreitet man natürlich es überhaupt zu wollen.

Während man gleichzeitig dem Widerspruch unterliegt, dass die mobilisiertere Anhängerschaft natürlich jetzt schon die offensive Vertretung ihrer Herrenmenschen, "Leitkultur" Volksgemeinschaftsphantasien will.

Was solche Kreise der "Konservativen Revolution" für eine ausgefeilt kluge Strategie halten,
ist ja in Wahrheit das ganz alte Muster zwischen Feigheit und Listigkeit der rechtsautoritär-wirtschaftslibertären Akteure.

Selbstverständlich war das Treffen in Potsdam nicht die Veranstaltung, in der der terroristische Plan Remigration erdacht, organisiert oder beschlossen wurde.

Das brauchte diese eine Veranstaltung im Rahmen und Kontext der Organisierung, Werbung und Unterstützung des terroristisches Plans Remigration auch nicht sein. Sie ist ja bloß eine Veranstaltung im Kontext des terroristischen Plans Remigration, die über den detaillierten Bericht, die Offenlegung ihrer Teilnehmer und Referenten besondere Aufmerksamkeit erfuhr.


Quotetorsten379
18.12.25 12:00

Nicht nur im "stark rechten Milieu", sondern in der Mitte der Gesellschaft haben die meisten Bürger mitbekommen, wie es um den Wahrheitsgehalt der "Correctiv-Recherche" steht. Die daran beteiligten Aktivisten tragen eine Mitverantwortung dafür, dass die AfD laut Umfragen mittlerweile zur stärksten Partei Deutschlands geworden ist. Es gäbe so viele Möglichkeiten, die inhaltlichen Defizite der Blauen (z.B. Klimawandel, Russland, Wirtschaft) aufzuzeigen - warum musste es so eine durchschaubare Kampagne sein, die auf Lügen und Halbwahrheiten basierte!


QuoteOligopluto
18.12.25 12:14

Man sollte dieses rechtsradikale Wortgedrechsel als das zurückweisen was es ist: als vernebelnde Sophistik. Jeder weiss, was beabsichtigt ist, sollten die parlamentarischen Arme dieser Typen an die Macht kommen. Dieses Treffen war der Auftakt zu einer späteren Wannsee-2-Konferenz, nichts anderes. Meine Hochachtung vor dem Mut der Correctiv-Journalisten vor Ort.


QuoteUweG_aus_Nk
18.12.25 11:53

Meinetwegen können alle Streitereien beendet werden, wenn Correctiv erklärt, dass nicht über Tatsachen berichtet wurde, sondern nur durch Correctiv eine Interpretation vorgenommen wurde.

Ein linkes Medium hat seine Freiheit zur Meinungsäußerung wahrgenommen, die in weiten Teilen nichts mit dem wirklich Gesagtem zu tun hat. Die Meinungsfreiheit ist sehr weit auszulegen. Diese Auslegung gilt dann für alle, Teilnehmer und linke Correctiv-"Informationseinordner".


QuotePuschel69
18.12.25 11:52

Welchem Zweck dient dieses Semantik - Seminar vor dem Landgericht Hamburg?
Spätestens seit der Reichspogromnacht sollte doch jedem klar sein, dass "maßgeschneiderte Gesetze" Gesetze sind, die ausschließlich auf den Ebenen Schikane und Angst beruhen. Rechtsextreme hatten mit der Vertreibung also aktiv gar nichts zu tun? Wer es glaubt wird selig. Die Juden und andere Verfolgte sind damals aus freien Willen und ohne psychischen Zwang in die USA oder die Schweiz emigriert? Für wie blöd halten die uns?


QuoteMostrichmeister
18.12.25 12:43
@Puschel69 am 18.12.25 11:52

    Welchem Zweck dient dieses Semantik - Seminar vor dem Landgericht Hamburg?

Der Wahrheitsfindung?


QuoteKasano
18.12.25 13:12
@Mostrichmeister am 18.12.25 12:43

LOL, gaaanz bestimmt. Es dient eher der Verschwurbelung und Verteidigung.


QuoteBR
18.12.25 11:48

"aus seiner Sicht nicht assimilierte Migranten mit ,,maßgeschneiderten Gesetzen" Druck auszuüben".

Nicht assimilierte, aus seiner Sicht? Ah - wer wäre das denn wohl?
Bis in die wievielte Generation gilt jemand als Migrant?

Maßgeschneiderte Gesetze, soso.
Hatten wir schonmal (Sept.1935), die Unterscheidung in verschiedene Wertigkeit von Menschen, die damals Privilegierten schlossen die anderen aus und danach die Daumenschrauben an, zwecks "freiwilliger" Ausreise.
Was folgte ist bekannt. ...


Quotetorsten379
18.12.25 12:56
@BR am 18.12.25 11:48

Was "nicht assimilierte Migranten" sind, ist nicht schwer zu erklären: Menschen mit ausländischen Wurzeln , die nicht bereit sind, sich in Deutschland zu integrieren und die Werteordnung des Grundgesetzes zu akzeptieren. Diese Leute mit den Deutschen zu vergleichen, die durch die Nürnberger Gesetze zu Bürgern zweiter Klasse erklärt wurden, ist ahistorisch und unzutreffend. Während die seit Jahrhunderten in ihrer Heimat verwurzelten deutschen Juden an vorderster Stelle die Spitzenleistungen unserer Wirtschaft, Wissenschaft und Kultur mitverantworteten, verachten antisemitische Anhänger der Scharia oder mehrfach vorbestrafte Clanmitglieder unsere pluralistische Gesellschaft. Unter den Migranten stellt dieser Personenkreis eine verschwindend kleine Minderheit dar, denn die meisten Einwanderer sind froh über Möglichkeit, in einem freien, rechtsstaatlichen Land zu leben.


QuoteKasano
18.12.25 13:33
@torsten379 am 18.12.25 12:56

    Was "nicht assimilierte Migranten" sind, ist nicht schwer zu erklären: Menschen mit ausländischen Wurzeln , die nicht bereit sind, sich in Deutschland zu integrieren und die Werteordnung des Grundgesetzes zu akzeptieren.


Und wer das sein soll, definieren die Rechtsextremen?


QuoteBR
18.12.25 13:36
@torsten379 am 18.12.25 12:56

Ja, jüdische Deutsche, die seit Jahrhunderten verwurzelt waren und an vorderster Stelle die Spitzenleistungen unserer Wirtschaft, Wissenschaft und Kultur mitverantworteten, waren ebenso betroffen wie aus osteuropäischen Ländern migrierte, arme, jiddischsprechende Juden.
Auch damals gab es keine einheitliche Community und auch damals haben assimilierte Juden die Neuzuwanderer abgelehnt.


QuoteDieterGamsa
18.12.25 11:31

Der Bericht dieser linken Aktivistengruppe hat ihrer Sache einen absoluten Bärendienst erwiesen, und sie merken es offenbar immernoch nicht. Unglaublich eigentlich...

Bis auf die Anhänger der eigenen Bubble (die man ja nicht überzeugen muss) weiß im Grunde jeder, dass dieser Bericht über sehr wenig Substanz, dafür aber umso mehr Meinung, individuelle Interpretation und Wunschdenken verfügte. Es wurde auch teilweise schlicht die Unwahrheit behauptet.

Und Vosgerau ist kein Leichtgewicht. Der ist überaus kompetent, und u.a. ihm ist es zu verdanken, dass die Wahrheit ans Licht kam.


QuoteMcSchreck
18.12.25 11:54
@DieterGamsa am 18.12.25 11:31

Das ist leider nicht der Fall, ich bewege mich in völlig "normalen" Kreisen und dort hat kaum jemand von den späteren gerichtlichen Entscheidungen mitbekommen und ich selbst auch nur, weil ich regelmäßig lto lese mit aktuellen Urteilen.


QuoteDr.Vogel
18.12.25 12:22
@DieterGamsa am 18.12.25 11:31

Nun ist es allerdings so, dass aus der Mitte der betreffenden Partei dauernd Forderungen kommen, irgendwelche hier lebenden Mitmenschen abzuschieben. Insofern kann es wohl doch nicht alles erfunden sein.
Oder gibt es irgendeine Aussage aus der AfD, wonach diese multikulturelle Gesellschaft inzwischen bejaht? Bitte mal hier eintippen, lieber Herr Gamsa.


QuoteDirk_Weller
18.12.25 13:09
@Dr.Vogel am 18.12.25 12:22

Es geht hier nicht um die "betreffende Partei" namens AfD, sondern ausschließlich um die Frage, ob bei der "Potsdam Konferenz" tatsächlich das besprochen wurde, was CORRECTIV behauptet hat, oder ob Correctiv schlicht gelogen hat, um leichtgläubige über den Tisch zu ziehen.

Denn Beweise ist CORRECTIV bisher schuldig geblieben.


QuoteFugazo
18.12.25 12:57
@DieterGamsa am 18.12.25 11:31

Wenn man Kommentare in Socialmedia liest, von AFD Anhängern, so weiß man, dass da nichts erfunden ist. Die freuen sich wortwörtlich auf die Machtergreifung und wie es dann allen, die nicht ins Schema passen, an den Kragen gehen soll.

Ich stimme aber soweit zu, dass man aus genannten Gründen sehr darauf achten sollte, sauber zu arbeiten bei Recherchen.

Ansonsten dreht sich der Effekt um und alle wiederholen die Leier, alles nicht so schlimm, alles nicht so gemeint.


Quotegoethe2000
18.12.25 11:30

Wer sich mit "politisch interessierten" Leuten wie Sellner zum Gespräch über "Remigration" trifft, hat den demokratischen Diskursraum verlassen. Vosgerau wusste worauf er sich da einlässt. Seine Klagen und Rechtfertigungen zeugen von fehlenden ethischen Grundtugenden.


QuoteMcSchreck
18.12.25 11:53
@goethe2000 am 18.12.25 11:30

wenn man nicht duldet, dass Lügen über einen verbreitet werden, fehlen ethische Grundtugenden? Ich würde eher sagen, dass die denen fehlen, die lügen.


QuoteKasano
18.12.25 12:18
@McSchreck am 18.12.25 11:53

Es wurde nicht "gelogen". Das, was Sie und andere betreiben, ist pure Wortklauberei.


QuoteMcSchreck
18.12.25 12:31
@Kasano am 18.12.25 12:18

Anderer Auffassung [es gibt] diverse Gerichtsurteile, die Correktiv zu "Textanpassungen" gezwungen haben.


QuoteKasano
18.12.25 13:14
@McSchreck am 18.12.25 12:31

Ich sagte ja: nur Wortklauberei. Vom Inhalt her ist es grundsätzlich richtig wiedergegeben. Interessant, wie sehr Sie sich hier (mal wieder) ins Zeug schmeissen.


QuoteMcSchreck
18.12.25 13:28
@Kasano am 18.12.25 13:14

es ist überaus ehrbar von mir, für Wahrheit und Gerechtigkeit einzutreten, das ist eben meine Natur.


QuoteEnix98
18.12.25 10:14

Zunächst bleibt festzustellen, dass es die rechtspopulistische Seite den Begriff Remigration zu institutionalisieren und keiner regt sich mehr darüber auf. Dabei ist zu bedenken, dass der Begriff völlig falsch genutzt wird, da m.E. Remigration eine aktive Beteiligung des Betroffenen erfordert- bei den Vorstellungen der "Freunde" aus dem rechtsextremen Lager handelt es sich aber hauptsächlich um Abschiebung oder Deportation. Und es ist erst der Anfang der Hirngespinste dieser fehlgeleiteten Zweibeiner. Denn ist der Deportationsstein erst zum Rollen gebracht, kann man die weiteren missliebigen Mitmenschen mit und ohne deutschen Pass auch entsorgen. Diese Vorstellungen sind bei dem unsäglichen Sellner tagtäglich in seinen Posts in den asozial Medien nachzulesen,in denen er die Auslöschung der weißen Rasse beklagt und Maßnahmen dagegen einfordert.

Mir macht die Normalisierung und Hinnahme solcher kranker Vorstellungen Angst.


QuoteMcSchreck
18.12.25 11:01
@Enix98 am 18.12.25 10:14

Tatsache ist zunächst, dass bis zu diesem Bericht der Begriff ein Fachbegriff war, der in vielen öffentlichen Behörden verwendet wurde, wenn es um die Unterstützung von Personen ging, die freiwillig in die Heimat zurückkehren wollten. "Remigrations-Förderung bzw. -management".

Tatsache ist weiter, dass man mit gerichtlicher Billigung feststellen darf, dass Correktiv gelogen hat in diesen Berichten. Dafür ist dem unter Fachleuten recht bekannten Juristen Vosgerau zu danken, der sich nicht alles hat bieten lassen, was an Unwahrheiten über ihn erzählt wurde.

Worum es jetzt noch geht, ob einige der Aussagen, die nicht wahr sind, als "Wertung" gelten können und daher trotzdem unter die Meinungsfreiheit fallen und daher nicht verboten werden - oder ob Vosgerau darauf klagen kann, dass diese unterbleiben.

Im übrigen muss man nicht "rechten Kreisen" angehören, um Lügen bzw. bestimmtes Framing zum Zweck der Panikmache abzulehnen. Es genügt, dass man ein gesundes Verhältnis zur Wahrheit hat und der Zweck nicht die Mittel heiligt.


QuoteCaldoverde
18.12.25 11:46
@McSchreck am 18.12.25 11:01

Der Anwalt Herr Vosgerau ist sehr umstritten.

So distanziert sich zum Beispiel die Staatsrechtlehrvereinigung öffentich von ihm, weil er rechtsextreme Kräfte in Verfassungsfragen begleitet.

    Wir distanzieren uns davon, dass ein Mitglied der Staatsrechtslehrervereinigung seine Expertise jenen Kräften zur Verfügung stellt, die dieses Wissen dazu nutzen, die freiheitlich-demokratische Verfassungsordnung im rechtsextremen Sinne zu unterminieren.


QuoteDirk_Weller
18.12.25 13:20
@Caldoverde am 18.12.25 11:46

    Der Anwalt Herr Vosgerau ist sehr umstritten.

Umstritten ist CORRECTIV auch, vor allem weil die Organisation einseitig linke bzw. linksextreme Ideologien unterstützt. Nach der Blamage mit der Potsdamer Konferenz ist deren Ansehen zusätzlich massivst beschädigt.


Quotewaschi
18.12.25 12:08
@McSchreck am 18.12.25 11:01

    Tatsache ist weiter, dass man mit gerichtlicher Billigung feststellen darf, dass Correktiv gelogen hat in diesen Berichten.

Ist das so?

Im Text steht etwas anderes.

"Die Rede von der angeblich geplanten ,,Ausweisung deutscher Staatsbürger" und Sellners ,,Ausbürgerungsidee", die vor zwei Jahren so viel Empörung ausgelöst hat, wäre dann nur die wertende Umschreibung dafür gewesen, dass Sellners schon länger bekannte Thesen in Potsdam Zuhörer und möglicherweise auch einen gewissen Anklang fanden. Sachlich wenig Neues also. Medien, die aus der angeblichen ,,Ausweisung" harte Fakten machten, hätten dagegen Pech gehabt – sie hätten den Text genauer studieren sollen."


QuoteMcSchreck
18.12.25 12:16
@waschi am 18.12.25 12:08

Das ist doch in meinem Beitrag erklärt. Dass es die Unwahrheit war, steht fest. Unklar ist nur, ob es - im Sinne des BVerfG - ausreichend als "Wertung" zu betrachten ist, dass man es trotzdem behaupten darf.

Warum hat Correktiv den Text wohl - natürlich als das große Medienecho vorbei war und weil es Gerichtsurteile gab, die die früheren Aussagen als Lügen identifizierten - "Textanpassungen" vorgenommen, wie der Artikel ja auch feststellt. Weil die alten Texte verboten waren - weil sie unwahr waren.

hier ein Link, wo es noch besser erklärt ist:

https://www.lto.de/recht/hintergruende/h/correctiv-verhandlung-lg-hamburg-masterplan

    viele Bürger verstanden dies offenbar so, dass in Potsdam tatsächlich die Ausweisung oder Abschiebung deutscher Staatsbürger mit Migrationshintergrund geplant wurde,....In Potsdam wurde über die Ausweisung und Abschiebung deutscher Staatsbürger nicht einmal diskutiert, geschweige denn ein entsprechender Plan vorgestellt. Dies hat Correctiv in anderen Gerichtsverfahren selbst eingeräumt. Es sei "zutreffend", dass in Potsdam nicht über rechtswidrige Abschiebungen diskutiert wurde. Im "Gegenteil" habe der Rechtsextremist Martin Sellner, der den Remigrationsplan vorstellte, die deutsche Staatsbürgerschaft "ausdrücklich als juristische Sperre für eine Ausweisung anerkannt"

... Natürlich sind Höcke und Sellner keine anständigen Menschen - trotzdem bekämpft man sie besser nicht mit Lügen, sondern mit der Wahrheit. Lügen holen denjenigen immer ein, der sie verbreitet - und dann ist die Wirkung genau das Gegenteil von dem, was man wollte.


QuoteKasano
18.12.25 12:00
@McSchreck am 18.12.25 11:40

Warum winden auch Sie sich so? Die Wahrheit ist, dass die Rechtsextremen gegen eine bestimmte, ihnen ungeliebte Gruppe so vorgehen möchte, dass diese das Land verlassen. Es ist gelogen, wenn man jetzt so tut, als wäre das "freiwillig". Die Intention der Rechtsextremen ist eindutig und bekannt.


QuoteDieterGamsa
18.12.25 12:17
@Kasano am 18.12.25 12:00

Inwiefern ,,windet" man sich, wenn man sich verbittet, dass schlichte Unwahrheiten und Lügen in die Welt gesetzt werden?

Oder möchten Sie lieber nach dem Motto ,,der Zweck heiligt die Mittel" verfahren?


...

"Bericht über ,,Geheimplan" für Ausweisungen: Gericht weist Klagen gegen Rechercheplattform ,,Correctiv" ab" (19.12.2025)
Das Landgericht Hamburg hat die Klagen gegen die Rechercheplattform ,,Correctiv" wegen des Berichts über das sogenannte Potsdamer Treffen abgewiesen. Unter dem Titel ,,Geheimplan gegen Deutschland" hatte ,,Correctiv" im Januar 2024 über eine Zusammenkunft von Rechtsextremen, Politikern von AfD und CDU sowie Unternehmern in einer Potsdamer Villa im November 2023 berichtet. In dem Text wurden bei dem Treffen geäußerte Überlegungen für einen ,,Masterplan" öffentlich gemacht, unter dem Konzept der ,,Remigration" auch Millionen Menschen mit Migrationshintergrund aus Deutschland auszuweisen, die die deutsche Staatsbürgerschaft besitzen. Die Klagen auf Unterlassung dieser Aussage durch den Initiator des Treffens, Mörig, und den Juristen Vosgerau haben die Hamburger Richter nun zurückgewiesen. Der Chefredakteur von ,,Correctiv", von Daniels, wertete das Urteil als starkes Signal für die Pressefreiheit.
Nach der Veröffentlichung des Berichts hatten deutschlandweit hunderttausende Menschen gegen die Remigrationspläne demonstriert.
https://www.deutschlandfunk.de/gericht-weist-klagen-gegen-rechercheplattform-correctiv-ab-102.html

-

"Masterplan zur "Remigration": "Correctiv" gewinnt Prozess um Potsdamer Geheimtreffen"
Lars Wienand (19.12.2025)
Teilnehmer wollten den "Kern" der Berichterstattung von "Correctiv" über das Potsdamer Geheimtreffen zur "Remigration" kippen. Doch das Investigativportal hat damit nicht gelogen, stellt das Landgericht Hamburg fast zwei Jahre später fest. ...
https://www.t-online.de/nachrichten/deutschland/gesellschaft/id_101051092/-geheimtreffen-in-potsdam-correctiv-siegt-vor-gericht-gegen-vosgerau.html



Link

#195
Quote[...] Vor einigen Jahren gab es mal eine ziemlich gute Werbekampagne. An allen möglichen Bushaltestellen, an Litfaßsäulen und Häuserwänden hingen damals Plakate. Mahatma Gandhi war darauf zu sehen, Alice Schwarzer und Martin Luther King. Darunter stand immer derselbe Satz: Jede Wahrheit braucht einen Mutigen, der sie ausspricht.
Nun geht es bei der folgenden Geschichte nicht um Gandhi, sondern um Günther. Daniel Günther, um genau zu sein, CDU-Ministerpräsident von Schleswig-Holstein. Aber es geht auch um den Mut, eine Wahrheit – oder sagen wir nüchterner: eine Tatsache – auszusprechen. Günther hat das in der vergangenen Woche getan, und seitdem ist einiges los: Die Bild-Zeitung – die seinerzeit noch die Mutigen plakatiert hatte – forderte seinen Rücktritt. Die Welt widmete ihm in den vergangenen Tagen ganze zwölf Beiträge. Es rollt also eine Welle, die aufschlussreich ist, um zu verstehen, wo die politischen Konfliktlinien in Deutschland Anfang 2026 verlaufen.

Anlass der Debatte war ein Fernsehauftritt von Daniel Günther in der ZDF-Talkshow von Markus Lanz. Mehr als eine Stunde sprach die Runde über die USA, Venezuela, das Völkerrecht. Erst in den letzten Minuten dann über die AfD, die Meinungsfreiheit, Social Media und sogenannte Alternativmedien. Aus diesen zehn Minuten geisterten dann verkürzte und manipulativ geschnittene Miniclips durch das Internet – die perfekten Zutaten also für eine sogenannte Debatte, bei der am Ende eigentlich niemand mehr so genau weiß, worüber eigentlich debattiert wird.
Es lohnt sich gerade deshalb, im Detail nachzuhören, was Günther wirklich gesagt hat, was er nicht gesagt hat – und was aus all dem gemacht wurde.

Günther sagte zur Rolle der sozialen Medien für die Demokratie: "Wir lassen zu, dass wir über Social Media unsere Bevölkerung infiltrieren." Er sprach von Tech-Konzernen, die es "nicht gut meinen mit unserer Demokratie". "Das ist ein Kampf, den wir führen müssen, nicht nur gegen die AfD." Er sprach sich für eine Regulierung der Tech-Konzerne aus, für ein Mindestalter für die Nutzung sozialer Medien. "Wenn JD Vance das hört, haben wir morgen den nächsten Ärger", entgegnete Lanz. Günther antwortete: "Ja, machen wir uns nichts vor, der steckt doch mit dahinter." Man sehe doch, dass die Vereinigten Staaten gerade nicht Demokratien stärken wollten, sondern ihre Machtinteressen vertreten.

Kurzes Zwischenfazit: Günther spricht hier etwas aus, was die Mehrheit in Deutschland denkt. 59 Prozent sind laut einer aktuellen YouGov-Umfrage für eine stärkere Regulierung der Tech-Konzerne, selbst 47 Prozent der 14- bis 17-Jährigen sind für ein Mindestalter für soziale Medien.

Natürlich würde man sich wünschen, dass Günther zum Beispiel das Wort von "unserer Demokratie" mit mehr Substanz füllen würde. Wodurch genau zeichnet sich "unsere Demokratie" aus, inwiefern wird sie durch Tech-Unternehmen bedroht? Und durch welche überhaupt?
Aber erstens ist eine Talkshow eine Talkshow. Dass unfertige Sätze gesprochen werden, ist Teil des Konzepts. Und zweitens hat Daniel Günther in der Sache recht. In einem mittlerweile berühmten Interview wurde dem Silicon-Valley-Fixstern Peter Thiel die Frage gestellt: "Wollen Sie, dass die menschliche Spezies überlebt?" Er musste sehr lange überlegen, ehe er die Frage bejahte. Wenn man wiederum das "techno-optimistische Manifest" des ideologisch ambitionierten Großinvestors Marc Andreessen liest, kann man sich fragen, welche Rolle in dessen Weltbild demokratische Mitbestimmung oder gewählte Regierungsvertreter spielen. Kleiner Spoiler: Sie stehen eigentlich nur im Weg. Selbst der nicht gerade unter Linksverdacht stehende Trump-Ideologe Steve Bannon sagt über die Tech-Oligarchen: "Sie geben einen Scheiß auf das menschliche Wesen. Und sie müssen unbedingt gestoppt werden."

Was Daniel Günther bei Markus Lanz also sagt, ist keine sonderlich verwegene These. Dass sie politisch meistens zurückhaltend adressiert wird, hat mit einer tief sitzenden Angst unter deutschen Politikern zu tun. Vor JD Vance, davor, dass die Amerikaner ihre Atomwaffen abziehen, wenn die Europäer Social Media regulieren. Und überhaupt vor all jenen, die das Wort der "Meinungsfreiheit" als Waffe im Kampf um politische Macht entdeckt haben.

Dieser erste Mutanfall von Daniel Günther wurde dann aber von einem zweiten, noch brisanteren Thema übertrumpft. Nachdem er sich einmal warmgeredet hatte, sprach er in einer ähnlichen Tonlage über sogenannte Alternativmedien, namentlich das Portal Nius. Das wird von dem früheren Bild-Chefredakteur Julian Reichelt geführt und hat – wie man in unlängst veröffentlichten Abrufzahlen nachlesen konnte – weniger Leser als eine durchschnittliche Lokalzeitung, dafür aber einigen Einfluss auf den politischen Betrieb.

Rechtspopulistische Medien wie Nius würden, sagte Günther, "politische Agitation betreiben und keinen Journalismus mehr machen". Wen meinen Sie? Sagen Sie es mal deutlich, hakte Lanz nach. Günther drückte sich ein bisschen um die Antwort. Er sagte: "Es gibt Abgeordnete meiner Union, die so was in WhatsApp-Gruppen verteilen. Und ich glaube, wir müssen viel mehr aufwachen, dass das unsere Gegner und auch die Feinde von Demokratie sind. Und ich glaube, wenn wir nicht aufwachen (...), werden wir unsere Demokratie in zehn Jahren in Deutschland nicht wiedererkennen."

Lanz: "Also, was Sie jetzt gerade sagen, ist, wir müssen das regulieren, wir müssen das zensieren und im Notfall sogar verbieten."

Darauf Günther: "Ja. (Pause) Social Media darf bis 16-Jährigen nicht mehr zugänglich gemacht werden."
Lanz: "Was ist mit dem Rest? Wenn Sie sagen, da gibt es Portale, die agitieren (...). An welchem Punkt greifen wir dann ein in so etwas Wichtiges wie Meinungsfreiheit?"

Günther: "Ich glaube, dass es innerhalb der Medien eine Diskussion darüber geben muss, welche Qualitätskriterien Medien erfüllen müssen. Wir haben ja bei uns zum Glück Pressefreiheit, Meinungsfreiheit. Aber wenn man einen solchen Einfluss hat wie Medien, muss man auch bestimmte Qualitätskriterien einhalten." In bestimmten Nius-Artikeln stimme in der Regel nichts, ergänzte Günther dann noch.

Berechtigterweise kann man auch an diesem Wortwechsel kritisieren, dass Günther begrifflich so großkalibrig wie ungenau unterwegs ist. Ist die Gegenüberstellung von den guten Demokraten und den Feinden der Demokratie nicht arg schematisch? Haben nicht auch die guten Demokraten zuletzt ein paar Fehler gemacht? Kommt der Demokratie gerade nicht mindestens so sehr von innen die Legitimation abhanden, wie sie von außen angegriffen wird? Sollte ein Politiker nicht sofort in den Zurückweisungsmodus wechseln, wenn der Moderator das Wort "Zensur" in den Mund nimmt? Und schließlich: Ist es überhaupt eine gute Idee, wenn Politiker beginnen, über Qualitätschecks bei Medien nachzudenken, die sie ihrer Funktion nach kontrollieren sollen?

Das alles sind richtige Einwände. Der entscheidende Punkt ist aber ein anderer. Die CDU wird gerade unter Feuer genommen. Sie ist das Ziel von Angriffen, die eines erreichen sollen: die liberalen Kräfte in der Partei zu schwächen und die Union in Richtung AfD zu öffnen.

Nius ist hier nicht der einzige Akteur, aber vermutlich der lauteste. Der Chefredakteur Julian Reichelt nennt die Brandmauer der Union zur AfD eine "Lebensgefahr", weil so weiterhin angeblich ungeregelte Migration nach Deutschland erfolge. Er schreibt Texte, in denen er der AfD strategische Ratschläge gibt, was sie tun muss, um bald mit der Union regieren zu können. Und in einem Gespräch mit Alexander Gauland (AfD) gab er jüngst unumwunden zu, dass es etwas gibt, "was ich mir sehnlichst wünsche, nämlich die Wiedervereinigung des bürgerlichen Lagers". Das bürgerliche Lager meint hier wohlgemerkt: AfD und CDU.

Das Prinzip von Nius besteht nicht nur darin, zuzuspitzen, sondern vor allem darin, sich Dinge zurechtzubiegen. So hat die Plattform in den zurückliegenden Monaten Zitate verbreitet, die so nie gefallen sind. Markus Söder etwa soll Nius angeblich als "Mitte der Gesellschaft" bezeichnet haben. Ein Satz, der in einem ganz anderen Kontext gesagt wurde.

Genauso verfuhr Nius auch in der Causa Günther. Das Portal veröffentlichte einen Clip des Gesprächs, der so zusammengeschnitten ist, dass man meinen musste, Günther wolle Medien zensieren. Andere Medien verbreiteten eine ähnliche Lesart. Auch in der ZEIT schrieben zwei Juristinnen in einem Gastbeitrag, Günther habe die Presse- und Meinungsfreiheit angegriffen.

Vielleicht ist es eine Schublade zu hoch gegriffen, in Nius direkt "Feinde der Demokratie" auszumachen. Aber das ist ja das Schöne an der Meinungsfreiheit: Jeder darf sagen, was er denkt, auch wenn es andere für Unsinn halten.

In der Union gibt es übrigens viele, die die Sache so sehen wie Günther. Sie haben den Eindruck, dass gerade an einem schwarz-blauen Projekt gearbeitet wird (übrigens längst nicht nur von Nius) – und dass sie bei diesem Projekt im Weg stehen. In vertraulichen Gesprächen äußern viele ihre Sorgen. Öffentlich allerdings spricht niemand darüber. Manche, weil sie das Phänomen nicht noch größer machen wollen. Die meisten aber, weil sie Angst haben, das nächste Ziel der Angriffe zu werden.

Und genau deshalb muss man froh sein, dass es in Deutschland Politiker wie Daniel Günther gibt. Von der Bild-Zeitung wird er nun "brandgefährlich" genannt, auch die Welt nennt seine Ansichten "eine Gefahr für die Demokratie". Andere Politiker geben in solchen Situationen Exklusiv-Interviews in einer der beiden Zeitungen, um, wie es in der Beratersprache heißt, die Sache "auszutreten". Günther hingegen legte noch einmal nach. "Ein Verbot oder eine Zensur von Medienportalen habe ich zu keinem Zeitpunkt thematisiert", sagte er. Um danach seine zentralen Aussagen zu bekräftigen: Aktivismus sei kein Journalismus. Und im Übrigen würden die wüsten Gegenangriffe seine These bestätigen.

Keine Entschuldigung für etwas, das er nicht gesagt hatte. Kein Wegwieseln. Vielleicht ist das die Standhaftigkeit von einem, der in der Bundespolitik nichts werden will. Aber in jedem Fall ist es: Standhaftigkeit.

Daniel Günther übrigens hat bei der vergangenen Landtagswahl in Schleswig-Holstein ein Ergebnis geholt, von dem, sagen wir, Markus Söder nur träumen kann, nämlich 43,4 Prozent. Sein ähnlich liberaler Parteikollege Hendrik Wüst steht in Umfragen in Nordrhein-Westfalen auch blendend da, irgendwo zwischen 36 und 39 Prozent.

Die liberale CDU ist gerade die erfolgreichste CDU. Und vielleicht ist es das, was all jene so wütend macht, die eigentlich ganz andere Pläne haben.


Aus: "Er legt sich mit den Richtigen an" Ein Kommentar von Robert Pausch (15. Januar 2026)
Quelle: https://www.zeit.de/politik/deutschland/2026-01/daniel-guenther-cdu-social-media-meinungsfreiheit-medien

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"CDU-Ministerpräsident bei ,,Markus Lanz"" Martin Rücker (13. Januar 2026)
Daniel Günther hat keine Zensur gefordert – auch wenn ,,Nius" und ,,Bild" das behaupten - Ein Auftritt des schleswig-holsteinischen Ministerpräsidenten bei ,,Markus Lanz" im ZDF erhitzt seit Tagen die Gemüter. Angeblich wolle der CDU-Politiker Medien zensieren und das Portal ,,Nius" verbieten – das stimmt zwar nicht, aber die Empörung ist grenzenlos. ... Was Günthers Auftritt dagegen schon war: ein Frontalangriff auf ,,Nius". Und man könnte über die Ironie schmunzeln, dass nun ausgerechnet jene, die ihren Krawall als Kreuzzug für die Meinungsfreiheit vermarkten, wegen einer starken kritischen Meinung derart auf die Palme gehen. ...
https://uebermedien.de/112966/daniel-guenther-hat-keine-zensur-gefordert-auch-wenn-nius-und-bild-das-behaupten/

Link

#196
Quote[...] Two events, juxtaposed, tell us a great deal about what is rapidly taking shape in the US. In one, Melania Trump releases a glossy documentary, Melania, an account of her return to the White House. Amazon outbid others to secure the rights to the documentary, spending $75m (£54m) in total, and ticket sales so far suggest that this was, shall we say, not a purely commercial venture.

In the other, the Washington Post is set to cut up to 200 jobs early this month, including the majority of its foreign staff and a sizeable chunk of its newsroom. Both Melania and the Washington Post are backed by Jeff Bezos. His two decisions, to invest in state propaganda and divest from the fourth estate that supposedly holds power to account, reveal much about how capital and authoritarianism join forces to decide what audiences read and see.

Trouble is afoot at another legacy US media outlet, CBS News. In July of last year, tech billionaire and Donald Trump ally Larry Ellison and his Hollywood producer son, David, took over Paramount, which oversees CBS News. The former New York Times columnist and, more recently, founder of anti-woke blog the Free Press, Bari Weiss, was parachuted in to run CBS News. She promptly ran into trouble, as she took on veterans of a channel that produces such storied programmes as 60 Minutes, and tried to justify editorial decisions that were seen as slanted in favour of the Trump administration. Weiss is now also expected to make cuts to the newsroom.

The telling thing is what will remain in these institutions, what is to be emphasised. Weiss has announced that she has added a host of opinion writers and wants to put "huge emphasis on scoops ... crucially scoops of ideas. Scoops of explanation." In short: more heat, less light. The opinion section of the Washington Post is also of interest to Bezos, who announced last year that its pages would "be writing every day in support and defence of two pillars: personal liberties and free markets ... viewpoints opposing those pillars will be left to be published by others".

Not, as a columnist, to be a turkey voting for Christmas, but this fetishisation of opinion writing is a bad sign. Points of view should sit in tandem with domestic and global news coverage. News coverage should not be used for partisan ends or cannibalised for commentary. But, more than anything else, the pivot is a symptom of a rightwing-owned media that no longer seeks to report on the world as it is, but creates the world as it wishes it to be.

Trump regime talking points in favour of "domestic terrorists" being deservedly killed on US streets are treated as matters of opinion that simply must be aired. Reality itself has become twisted and contestable. What people have witnessed with their eyes and ears is questioned by rolling commentary of lies and conjecture, given the imprimatur of truth through being shown or printed on credible platforms.

But this move from news to opinion is part of something wider. Politics has become a performance of narrative about who is friend and who is foe. It taps into the public's emotions by agitating and provoking fear. Channelling and emphasising these feelings then becomes the business of the media. All the while, actual power structures remain unchallenged. This is what Walter Benjamin called the "aestheticisation of politics" under fascism.

Everywhere you look in this age of tech-mogul-owned media, decisions follow these fascistic tastes. What use is foreign coverage, an expensive and time-intensive effort, when the wider world is viewed as a place of enemies and freeloaders that must either be cut off or brought to heel? Who cares about long-form investigations into abuses of power? Or features exploring the details of people's lives elsewhere?

The impact is a degradation of the very way humans communicate with and about each other. Knowledge about and affinity with others are things to be excised under authoritarianism. So, too, is artistic expression, as with Trump's takeover of what was the Kennedy Center and the assault on the Smithsonian. What some see as old and venerable US institutions, the right sees as organs of an ancien regime to be repurposed. This is what happens in coups – all that is associated with the values and style of the old order is uprooted.

Autocracy slowly grinds and spits out all that is impertinent. Billionaires, who have amassed way more money and power than is healthy for a democracy, own the machines. Those who service them are misfits, useful idiots and attention seekers. This grinding will be sold as pragmatism, simply giving readers and viewers what they want. In a world where legacy media finances are unsustainable and attention spans are frazzled, they will say that reporting is too demanding of institutional resources and audiences.

These problems are real – journalism is a struggling industry and technology is degrading our ability to learn and think – but it's interesting that the solutions to these issues trend towards the introduction of more rightwing voices, the privileging of expression over reporting and the diminishing capacities for bearing witness to a global human experience.

It is not an accident that tech moguls entrusted with the solutions happen to be close to, or associated with, those who have links to the Trump administration. And that government is one that has waged war on journalism, with its "fake news", and is now even arresting journalists. In no way are the Ellisons or Bezos good-faith stewards of the media, concerned only with the viability of journalism in a changing world. It all stinks to high heaven.


From: "Propaganda in cinemas, newsrooms slashed: this is the US media under Trump and his tech barons" Nesrine Malik
Opinion - Trump administration (Mon 2 Feb 2026 07.00 CET)
Source: https://www.theguardian.com/commentisfree/2026/feb/02/propaganda-in-cinemas-newsrooms-slashed-this-is-the-us-media-under-trump-and-his-tech-barons

Quoteeamonmcc

'the pivot is a symptom of a rightwing-owned media that no longer seeks to report on the world as it is, but creates the world as it wishes it to be'

I don't think we were ever very objective and/or we were never keen on being objective.  One of the first steps on the objectivity road is to recognize ignorance in ourselves; fat chance, as our digital communication channels feed us the idea that we are little emperors and empresses of knowledge.

I think the things Nesrine describes are a natural evolution (or 'de-evolution') of what we, the masses in the west, have become over the decades - pre-Enlightenment and pre-Scientific Revolution and an accompanying realisation that medieval times weren't so bad after all.  Hence 'King' Trump and all the other Napoleons who would rule over us and who take their caps off to the legacy of overmighty medieval monarchs.

Welcome to our brand-new medieval world, which doesn't feel medieval simply because they didn't have shiny digital devices called smartphones in the 13th century.


QuoteHak_a_dalan

... The US has been down this path for quite some time ..... long before the current overtly fascistic MAGA movement came to prominence. Indeed, the attack on journalism and the gutting of the US press has been foundational to its rise, with its success predicated on the removal from the civic space of a shared set of facts around which constructive debate can be had and the drip feeding of lies and poison into the body politic at the local and regional level. It was only a matter of time before it reached national primetime.

What we are witnessing now is the final throttling of the great American experiment in democracy. The US constitution – trotted out with masturbatory reverence when convenient – has, as we all know, a first amendment. It states;

    "Congress shall make no law respecting an establishment of religion, or prohibiting the free exercise thereof; or abridging the freedom of speech, or of the press; or the right of the people peaceably to assemble, and to petition the Government for a redress of grievances".

The press is the only industry explicitly mentioned in the US Constitution. It was recognised almost 250 years ago that journalism is foundational. A vibrant press, seeking truth, holding power to account, and disseminating this information as widely as possible is an absolute prerequisite for success. Without it, the experiment in democracy is doomed to failure.

And now we are seeing how. And not just in the US.

This fine article by Ms Malik ends, with the observation that the solutions to the challenges facing journalism "trend towards the introduction of more right-wing voices, the privileging of expression over reporting and the diminishing capacities for bearing witness to a global human experience."

That's not a coincidence.

Fascism seeks to instil fear and appeals to a confected sense of national identity. It is a lie and a threat rolled into one. The required narrative is brutish and ignorant .... and, as such, relatively easy. It requires no courage. It invariably provides good sensationalist copy and is an excellent return on your investment dollar. Once the networks are established (as they have been in the US), the output is cheap and relentless. The advent of the internet age has made it even cheaper .... and the algorithmic control of the plumbing has made it even more ubiquitous.

Reporting and bearing witness, on the other hand, will always be expensive and slow. Speaking truth to power will always require courage. The building of a story that is measured, fair, and rooted in reality will always be laborious and time-consuming, the quest for understanding always arduous. Detail and nuance are never anything but messy, with the end result often painfully unsatisfying. It is a service as much as it is a product and, as such, not a good return on your investment dollar. The status that newspaper ownership once conferred to compensate for that now no longer exists.

Building anything meaningful will always be more difficult than simply tearing it down. And in the US, at least, it has all been torn down.


QuoteMaxyMillions

Sadly my country, Australia, spawned one of the biggest contributors to the malaise of objective journalism. As Wikipedia tells us "News Limited was established in 1923 by James Edward Davidson and funded by the Collins Group mining empire for the purpose of publishing anti-union propaganda." The Murdochs, Keith first, then Rupert, took this even further and eventually created a massive propaganda/media empire pushing their agenda. Not only are publications and broadcasts filled with jaundiced opinion pieces but also apparently straight reports are skewed by clear political bias. It is a business and political model copied by others and is a major contributor to the disintegration of democratic institutions throughout the world.




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Quote[...] [Übersetzung: "Propaganda in cinemas, newsrooms slashed: this is the US media under Trump and his tech barons"
Nesrine Malik (Mon 2 Feb 2026 07.00 CET)]

Zwei Ereignisse, einander gegenübergestellt, verraten uns viel über die rasante Entwicklung in den USA. Zum einen veröffentlicht Melania Trump die aufwendig produzierte Dokumentation ,,Melania", die ihre Rückkehr ins Weiße Haus schildert. Amazon sicherte sich die Rechte an der Dokumentation für insgesamt 75 Millionen Dollar (54 Millionen Pfund) und überbot die Konkurrenz. Die bisherigen Ticketverkäufe lassen vermuten, dass es sich hierbei, sagen wir mal, nicht um ein rein kommerzielles Projekt handelte.

Im anderen Fall plant die Washington Post, Anfang des Monats bis zu 200 Stellen abzubauen, darunter den Großteil ihrer Auslandskorrespondenten und einen beträchtlichen Teil der Redaktion. Sowohl Melania als auch die Washington Post werden von Jeff Bezos unterstützt. Seine beiden Entscheidungen – in Staatspropaganda zu investieren und sich von der vierten Gewalt, die die Macht angeblich kontrolliert, zu trennen – offenbaren viel darüber, wie Kapital und Autoritarismus zusammenwirken, um zu bestimmen, was das Publikum liest und sieht.

Auch bei einem anderen traditionsreichen US-Medienunternehmen, CBS News, braut sich etwas zusammen. Im Juli letzten Jahres übernahmen der Tech-Milliardär und Donald-Trump-Vertraute Larry Ellison und sein Sohn, der Hollywood-Produzent David Ellison, Paramount, zu dem CBS News gehört. Die ehemalige Kolumnistin der New York Times und Gründerin des Anti-Woke-Blogs ,,The Free Press", Bari Weiss, wurde als neue Leiterin von CBS News eingesetzt. Sie geriet jedoch schnell in Schwierigkeiten, da sie sich mit erfahrenen Mitarbeitern des Senders anlegte, der so traditionsreiche Sendungen wie ,,60 Minutes" produziert, und redaktionelle Entscheidungen zu rechtfertigen versuchte, die als zugunsten der Trump-Regierung voreingenommen galten. Es wird nun erwartet, dass Weiss auch Stellenstreichungen in der Redaktion vornehmen wird.

Entscheidend ist, was in diesen Institutionen bestehen bleibt, worauf der Schwerpunkt liegen soll. Weiss hat angekündigt, zahlreiche Meinungsautoren eingestellt zu haben und ,,großen Wert auf Exklusivmeldungen zu legen ... vor allem auf Ideen und Erklärungen". Kurz gesagt: mehr Aufregung, weniger Klarheit. Auch für Bezos ist der Meinungsbereich der Washington Post von Interesse. Er kündigte letztes Jahr an, dass dort ,,täglich zur Unterstützung und Verteidigung zweier Säulen geschrieben wird: persönliche Freiheiten und freie Märkte ... Standpunkte, die diesen Säulen widersprechen, werden von anderen veröffentlicht".

Ich will als Kolumnist nicht die Axt an dem Ast anlegen auf dem ich sitze, aber diese Fetischisierung von Meinungsbeiträgen ist ein schlechtes Zeichen. Standpunkte sollten im Einklang mit der nationalen und internationalen Berichterstattung stehen. Nachrichten sollten nicht für parteipolitische Zwecke missbraucht oder für Kommentare instrumentalisiert werden. Vor allem aber ist diese Kehrtwende ein Symptom für rechtsgerichtete Medien, die nicht mehr die Welt so darstellen, wie sie ist, sondern sie nach ihren Vorstellungen gestalten.

Die Argumente des Trump-Regimes, die die Tötung von ,,inländischen Terroristen" auf US-amerikanischen Straßen rechtfertigen, werden als Meinungsäußerungen behandelt, die unbedingt geäußert werden müssen. Die Realität selbst wird verzerrt und infrage gestellt. Was die Menschen mit eigenen Augen und Ohren gesehen haben, wird durch einen Strom von Lügen und Spekulationen infrage gestellt, denen durch die Veröffentlichung auf glaubwürdigen Plattformen der Anschein von Wahrheit verliehen wird.

Doch dieser Wandel von Nachrichten zu Meinungen ist Teil eines größeren Problems. Politik ist zu einer Inszenierung von Erzählungen über Freund und Feind verkommen. Sie manipuliert die Emotionen der Öffentlichkeit, indem sie Angst schürt und provoziert. Die Kanalisierung und Verstärkung dieser Gefühle wird so zur Aufgabe der Medien. Die bestehenden Machtstrukturen bleiben dabei unangefochten. Walter Benjamin nannte dies die ,,Ästhetisierung der Politik" im Faschismus.

In diesem Zeitalter der von Tech-Mogulen beherrschten Medien folgen Entscheidungen überall diesen faschistischen Tendenzen. Welchen Nutzen hat Auslandsberichterstattung, ein kostspieliges und zeitaufwändiges Unterfangen, wenn die übrige Welt als ein Hort von Feinden und Trittbrettfahrern betrachtet wird, die entweder isoliert oder gezähmt werden müssen? Wen interessieren schon ausführliche Recherchen zu Machtmissbrauch? Oder Reportagen, die Details aus dem Leben von Menschen anderswo beleuchten?

Die Folgen sind eine Verschlechterung der Art und Weise, wie Menschen miteinander und übereinander kommunizieren. Wissen über und Verbundenheit mit anderen werden im Autoritarismus ausgelöscht. Dasselbe gilt für künstlerischen Ausdruck, wie Trumps Übernahme des ehemaligen Kennedy Centers und der Angriff auf das Smithsonian-Institut zeigen. Was manche als altehrwürdige US-Institutionen betrachten, sieht die Rechte als Organe eines alten Regimes, die umfunktioniert werden sollen. Genau das geschieht bei Staatsstreichen – alles, was mit den Werten und dem Stil der alten Ordnung verbunden ist, wird entwurzelt.

Die Autokratie zermalmt langsam alles Unangemessene und spuckt es aus. Milliardäre, die weit mehr Geld und Macht angehäuft haben, als einer Demokratie guttut, beherrschen die Maschinerie. Diejenigen, die sie bedienen, sind Außenseiter, nützliche Idioten und Geltungssüchtige. Dieses Zermalmen wird als Pragmatismus verkauft, als ob man Lesern und Zuschauern einfach das gäbe, was sie wollen. In einer Welt, in der die Finanzen der etablierten Medien prekärer werden und die Aufmerksamkeitsspanne der Leser immer kürzer, wird behauptet, ausführliche Berichterstattung sei zu anspruchsvoll und verbrauche zu viele institutionelle Ressourcen.

Diese Probleme sind real – der Journalismus ist eine angeschlagene Branche und die Technologie beeinträchtigt unsere Fähigkeit zu lernen und zu denken – aber es ist interessant, dass die Lösungsansätze für diese Probleme tendenziell in Richtung der Einführung von mehr rechtsgerichteten Stimmen, der Bevorzugung von Meinungsäußerung gegenüber Berichterstattung und der abnehmenden Fähigkeit, Zeugnis von einer globalen menschlichen Erfahrung abzulegen, gehen.

Es ist kein Zufall, dass die Tech-Mogule, denen die Lösungen anvertraut wurden, enge Verbindungen zu Personen haben, die mit der Trump-Regierung in Kontakt stehen. Und diese Regierung hat mit ihren ,,Fake News" den Krieg gegen den Journalismus geführt und verhaftet nun sogar Journalisten. Die Ellisons und Bezos sind keineswegs wohlmeinende Hüter der Medien, denen allein das Überleben des Journalismus in einer sich wandelnden Welt am Herzen liegt. Das Ganze stinkt zum Himmel.


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Quote[...] Die US-amerikanische Zeitung Washington Post von Jeff Bezos entlässt ein Drittel ihrer Belegschaft. Die Kündigungen beträfen alle Abteilungen und nicht nur die Redaktion, teilte Chefredakteur Matt Murray in einer Videokonferenz mit den Mitarbeitern mit. Im Rahmen der Sparmaßnahmen sollen vor allem in der Sportredaktion, bei den Lokalnachrichten und im Literaturressort sowie in der Auslandsberichterstattung zahlreiche Stellen entfallen.

Eine Gesamtzahl der Kündigungen nannte Murray nicht. Zuvor hatten US-Medien unter Berufung auf Insider berichtet, dass bis zu 300 der 800 Journalisten der Zeitung betroffen seien. Die Kürzungen seien ein Schock, gestand Murray ein. Man habe aber das Ziel, eine Zeitung zu schaffen, die wieder wachsen und erfolgreich sein könne. Mitarbeitenden der Redaktion wurde mitgeteilt, sie würden via E-Mail darüber informiert, ob ihre Stelle gestrichen werde oder nicht.

Die Maßnahmen werden seit einigen Wochen erwartet, nachdem bekannt geworden war, dass die Washington Post keine Sportreporter zu den Olympischen Winterspielen in Italien entsenden wolle. Nachdem das Vorhaben öffentlich bekannt geworden war, kündigte die Zeitung an, ein kleineres Team zu schicken. Nach Informationen der Nachrichtenagentur AFP müssen zudem viele Auslandskorrespondenten der Zeitung gehen. Auch das Berliner Büro der Washington Post wird geschlossen, wie dessen Leiter Aaron Wiener auf X mitteilte.

In den vergangenen Wochen hatten sich viele Mitarbeiter der Washington Post direkt an Eigentümer Jeff Bezos gewandt. Der Amazon-Gründer hatte die Zeitung 2013 gekauft. Die Mitarbeitergewerkschaft, die Washington Post Guild, rief die Öffentlichkeit auf, Bezos eine Botschaft zu senden: "Es reicht! Ohne die Mitarbeiter der Washington Post gibt es keine Washington Post."

Die Washington Post gehört zu den wichtigsten Zeitungen der USA und ist mit ihrem Alter von fast 150 Jahren ein Traditionsblatt. So war etwa der Watergate-Skandal von Journalisten der Zeitung aufgedeckt worden. Während der ersten Amtszeit von US-Präsident Donald Trump hatte das Blatt vier Jahre lang akribisch Zehntausende Falschbehauptungen Trumps dokumentiert. Wie viele Abonnenten die Washington Post insgesamt hat, ist unbekannt, es dürften allerdings etwa zwei Millionen sein.

Als Ursache der wirtschaftlichen Probleme bei der Zeitung gilt nicht zuletzt der Kurs von Eigentümer Bezos. Der Amazon-Gründer hatte sich vor Trumps erstem Wahlsieg noch gegen den Republikaner ausgesprochen. Wie andere US-Digitalmilliardäre, etwa Meta-Gründer Mark Zuckerberg, Apple-Chef Tim Cook sowie SpaceX- und Tesla-Chef Elon Musk, hat sich Bezos inzwischen jedoch zu einem Unterstützer Trumps entwickelt.

Bereits im Vorfeld der Wahl 2024 hatte die Washington Post auf Bezos' Druck entgegen ihrer Tradition darauf verzichtet, eine Wahlempfehlung – in dem Fall für die demokratische Gegenkandidatin Kamala Harris – auszusprechen. Bei großen US-Medien sind Wahlempfehlungen, anders als in Europa, üblich. Der Verzicht auf eine Positionierung gegen Trump löste unter vielen Lesern der Zeitung Empörung aus, 200.000 Abonnenten hatten deswegen ihre Verträge gekündigt.

Auch der Umbau des Meinungsressorts in der Zeitung, das sich auf persönlichen Wunsch von Bezos künftig auf "persönliche Freiheiten und freie Märkte" konzentrieren soll, sorgte für Kritik. Gegenüber der einst vergleichbaren Zeitung New York Times hat die Washington Post dadurch in den vergangenen Jahren stark an Bedeutung eingebüßt.
 

Aus: ""Washington Post" plant großen Stellenabbau" (4. Februar 2026)
Quelle: https://www.zeit.de/wirtschaft/unternehmen/2026-02/washington-post-entlassungen-jeff-bezos-sparmassnahmen

QuoteBaujahr 61

Der arme Jeff Bezos muss sparen.


QuoteGernehier

Diese Zeitung hätte niemals in die Hand eines einzelnen Menschen geraten dürfen, der einzig durch seine Milliarden Macht anstrebt. Nichts macht Bezos zu einem Publizisten und schon gar nicht zu jemandem, dem unabhängiger Qualitätsjournalismus ein Anliegen ist.


QuoteMamaBear

Ich hoffe der US Arbeitnehmer macht sich das mal voll bewusst: Da schmiert einer den Präsidenten in dem er der Ehefrau einen Kinofilm + Millionengage schenkt und gleichzeitig ist nicht genug Geld da, für eine handvoll Mitarbeiter? ...


QuoteNur wenn es um was geht

... Das muss dieser ominöse "Markt" sein, von dem alle reden...


QuoteStefan_one

Dieselbe Strategie bei dem Kennedy-Center: MAGA übernimmt die Institutionen, baut sie um, die alte Zielgruppe wendet sich ab, dann werden sie geschlossen.


QuotePaul.Lafargue

[...MAGA übernimmt die Institutionen ...]

So wie bei Twitter.


QuoteCosaba

Die Oligarchen kaufen die ganze Republik und die sogenannte 4 Gewalt. Jeff Bezos müsste niemanden entlassen, die Verluste der Washington Post würde er nicht mal merken.

Nein, es ist der liberale, demokratische, investigative Geist, der sukzessive, bis zur endgültigen Zerschlagung der Post, zerstört werden soll.

...


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#197
"Holger Friedrichs ,,Berliner Zeitung": Der Systemsprenger" Nicholas Potter (12.7.2025)
Die ,,Berliner Zeitung" wird 80. Zum Geburtstag wächst intern der Unmut über den Verleger Holger Friedrich. Über die Abgründe eines Medienimperiums. ... Die taz hat mit knapp 20 ehemaligen und aktuellen Mitarbeiter*innen des Berliner Verlags gesprochen. Sie arbeiten oder arbeiteten in unterschiedlichen Abteilungen und Ressorts, auf unterschiedlichen Ebenen, manche seit vielen Jahren, einige waren Führungskräfte. Für alle, die den Verlag inzwischen verlassen haben, war seine Entwicklung unter Friedrich ein Grund. Alle wollen anonym bleiben. Einige sagen, sie hätten Angst vor Holger Friedrich.
Die taz hat auch Holger Friedrich um ein Interview gebeten, er hat sich im Mai und Juni dazu mehrfach bereit erklärt. Er bot unter anderem an, dass die taz ihn vom Flughafen in Berlin abholen könne. Den von ihm vorgeschlagenen Termin Ende Juni im Verlagshaus am Alexanderplatz sagte er wieder ab.
Die taz hätte in der Vergangenheit die mit Abstand unhöflichsten und unsachlichsten Texte über ihn und den Berliner Verlag veröffentlicht, schreibt er in einer E-Mail. ...
https://taz.de/Holger-Friedrichs-Berliner-Zeitung/!6097068/

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"Florian Warweg wechselt zur ,,OAZ": Holger Friedrichs Jungpionier" (9.2.2026)
Erst RT und die Nachdenkseiten, nun Holger Friedrichs neues ostdeutsches Blatt: Florian Warweg wird parlamentarischer Berichterstatter der ,,OAZ".
https://taz.de/Florian-Warweg-wechselt-zur-OAZ/!6152599/

Florian Warweg (* Juli 1979 in Magdeburg) ist ein deutscher Journalist und Autor. Er war von 2014 bis 2022 einer der Online-Chefs (Chef vom Dienst) des russischen Propagandasenders RT DE und von 2022 bis 2026 Redakteur des verschwörungstheoretischen Blogs NachDenkSeiten. Seit 2026 ist er Redakteur der Ostdeutschen Allgemeinen Zeitung.
https://de.wikipedia.org/wiki/Florian_Warweg

NachDenkSeiten mit dem Untertitel Die kritische Website ist ein deutsches Blog, auf dem politische und gesellschaftliche Themen kommentiert werden. Ursprünglich als wichtiger Bestandteil einer ,,Gegenöffentlichkeit" gelobt, wird der Website seit etwa 2015 jedoch vorgeworfen, Verschwörungstheorien zu verbreiten, etwa zum Russisch-Ukrainischen Krieg seit 2014 oder zur Corona-Pandemie. Herausgeber ist der ehemalige SPD-Politiker Albrecht Müller, welcher auch selbst zahlreiche Beiträge veröffentlicht.
https://de.wikipedia.org/wiki/NachDenkSeiten

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",,heute journal" zu ICEMit dem Zweiten ... sieht man KI-Videos" Martin Seng (17.2.2026)
Das ZDF nutzte für US-Berichterstattung ein KI-Video. Das verletzt journalistische Standards und ist ein gefundenes Fressen für die Rechten. ... Am vergangenen Sonntag, dem 15. Februar, berichtete das ,,heute journal" des ZDF über die gewalttätigen, willkürlichen Abschiebungen der ICE-Behörde in den USA. ,,Sie führen Eltern vor den Augen ihrer Kinder ab oder nehmen Minderjährige vor ihren Schulen mit", sagt die Stimme aus dem Off.
Das ist faktisch richtig, doch zeigte das ,,heute journal" dazu Bilder einer Mutter in den Händen eines ICE-Agenten, während ihr weinendes Kind sie umarmt. Das Problem: Am oberen und rechten Bildrand steht klar erkennbar das Wasserzeichen Sora.
Dabei handelt es sich um die Video-KI des US-Unternehmens OpenAI, das hinter ChatGPT steht. Das Wasserzeichen entlarvt das Video als KI-generiert und somit als Fälschung. Dass ZDF und ,,heute journal" solche Videos für ihre Berichterstattung nutzen – und die Nutzung im Originalbeitrag nicht kennzeichneten – ist ein schwerer Fehler. ...
https://taz.de/heute-journal-zu-ICE/!6155436/



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"Palantir klagt gegen die Republik" Daniel Binswanger und Adrienne Fichter (14.02.2026)
Recherchen zum Unternehmen Palantir, die von der Republik und dem Recherchekollektiv WAV gemacht wurden, haben internationales Medienecho ausgelöst. Nun klagt das US-Unternehmen gegen die Republik auf Gegendarstellung. Der Fall liegt beim Zürcher Handelsgericht. ...
https://www.republik.ch/2026/02/14/palantir-klagt-gegen-die-republik