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[Archive | Zeitgeschen im Netz | Notizen ... ]

Started by lemonhorse, January 16, 2013, 12:04:38 PM

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#20
"Späte Aufarbeitung: Datenbank gibt erstmals tausenden Opfern von NS-Experimenten Namen" Karin Krichmayr (18. August 2025)
"Euthanasie"-Opfer, aber auch andere Verfolgte des NS-Regimes wurden im Nationalsozialismus für medizinische Forschung missbraucht. Nun wurden etliche Fälle rekonstruiert. ... Insgesamt listet die Opferdatenbank die Profile von rund 16.500 Menschen, die nachweislich Opfer der NS-Zwangsforschung wurden, zusätzlich wurden mehr als 13.000 Profile eingepflegt, bei denen die Forschung noch nicht abgeschlossen ist. Aktuell sind 659 Profile in Österreich geborenen Personen zugeordnet. Neben ausgewählten Biografien macht eine interaktive Karte der beteiligten Institutionen das Ausmaß der Verbrechen und des damit verbundenen Systems auch geografisch sichtbar. ...
https://www.derstandard.at/story/3000000283779/datenbank-gibt-erstmals-tausenden-opfern-von-ns-experimenten-namen

Victims of Biomedical Research under National Socialism
 Between 1933 and 1945, under National Socialist rule, countless individuals became victims of coerced and unethical biomedical research. They were stripped of their rights, anonymized, and dehumanized – reduced to numbers, file references, and "cases." These practices were part of a system that bureaucratized crimes and profoundly disrupted personal lives – even to the point of their eradication.
Purpose of this Website: This website serves as a place of remembrance, research, and historical reflection. At its core is a database that provides essential information about thousands of individuals who were disenfranchised, harmed, and murdered in the context of coerced research. ...
https://ns-medical-victims.org/

https://www.derstandard.at/story/3000000272039/gewebeproben-von-ns-opfern-in-wien-identifiziert

https://www.derstandard.at/story/3000000206537/die-grauenhaften-verbrechen-des-doktor-karl-brandt

https://www.derstandard.at/story/3000000217017/max-de-crinis-der-steirische-mediziner-hinter-den-ns-patientenmorden

https://www.derstandard.at/story/2000146492402/das-dunkle-erbe-der-ns-hirnforschung

https://www.derstandard.at/story/3000000254370/karte-der-erinnerung-fuer-opfer-des-ns-regimes

https://www.derstandard.at/story/3000000272039/gewebeproben-von-ns-opfern-in-wien-identifiziert

QuoteApnoetaucher

Das sind Folgen gesellschaftlicher Strömungen, wo Mensch aufhören, andere Menschen als Menschen zu sehen, als ihresgleichen.
Es sind fließende Übergänge, die meisten landen nicht am anderen Ende der Skala der puren Entmenschlichung. Aber sie sind massgeblich am Milieu beteiligt, das solchem Denken und Handeln Raum gibt.
Das Betroffensein, das solche Datenbanken vermitteln können und sollen, sollte uns bewusst machen, so entfernt ist das nicht.


QuoteRalph John

Weiterführende Literatur zu den widerlichen, abscheulichen und menschenverachtenden Experimenten finden sich auch im Buch "Medizin ohne Menschlichkeit" von Alexander Mitscherlich wieder. ISBN: 978-3-596-22003-8

Vorsicht, dies ist keine leichte Kost!


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Quote[...] Eine Klage über 600 Millionen US-Dollar von US-Plattenlabels hätte das Internet Archive finanziell ruinieren können. Jetzt gibt es eine Einigung. Details, etwa zum möglichen Fortbestehen der beanstandeten Schallplattensammlung, sind noch unklar.

Hätte die Klage von US-Plattenlabels wie UMG Recordings, Sony Music Entertainment oder Capitol Records Erfolg gehabt, hätte das wohl das Aus für das Internet Archive bedeutet. Denn die Vertreter:innen der Musikindustrie wollten bis zu 600 Millionen Dollar von der Online-Bibliothek.

Die Klage ist jetzt offenbar vom Tisch. Wie es in einer Mitteilung der beteiligten Parteien heißt, habe man sich geeinigt und werde in den folgenden Tagen einen förmlichen Antrag auf Abweisung der Klage stellen.

Hintergrund des Rechtsstreits ist das sogenannte Great 78 Project, in dessen Rahmen das Internet Archive seit 2006 rund 200.000 Schellackplatten mit mehr als 400.000 Musikstücken digitalisiert und kostenfrei zum Abruf bereitgestellt hat. Die digitalisierten Aufnahmen beinhalten Songs von Ella Fitzgerald, Billie Holiday oder Frank Sinatra.

Das Internet Archive sieht die Digitalisierung der vom Verfall bedrohten Platten, die im Zeitraum zwischen 1898 und den 1950er-Jahren aufgenommen wurden, als wichtigen Beitrag zum Erhalt dieser historischen Aufnahmen. Die Musikindustrie stufte das Projekt dagegen als illegale Download-Plattform ein.

Eine Einschätzung, gegen die sich Ende 2024 rund 350 Musiker:innen in einem offenen Brief stemmten. Darin hieß es, dass die Unterzeichner:innen nicht der Meinung seien, ,,dass das Internet Archive in unserem Namen zerstört werden sollte".

Die Musikindustrie solle sich vielmehr darauf konzentrieren, dass Streaming-Dienste wie Spotify Steuern zahlen müssten, mit denen Musikförderprogramme finanziert werden sollen. Außerdem sollten die großen Plattenfirmen ihre Investitionen in Plattformen wie Spotify beenden.

Inwieweit die Intervention der Künstler:innen letztlich zur Einigung zwischen Internet Archive und der Musikindustrie beigetragen hat, ist nicht bekannt. Ebenso wenig bekannt ist derzeit über die Details der Beilegung des Rechtsstreits.

So hat keine der Parteien mitgeteilt, ob das Internet Archive eine Abschlagszahlung leisten muss – und wenn ja, wie hoch diese ausfällt. Unklar ist zudem, wie es mit dem Great 78 Project weitergeht. Dazu, ob die Aufnahmen weiterhin zur Verfügung stehen, gibt es noch keine Informationen.



Aus: "Plattenlabels verzichten auf 600 Millionen Dollar – und retten damit das Internet Archive"
Jörn Brien (20.09.2025)
https://t3n.de/news/plattenlabels-verzichten-auf-600-millionen-dollar-und-retten-damit-das-internet-archiv-1707939/

https://www.heise.de/news/Plattenlabel-vs-Internet-Archive-Rechtsstreit-beigelegt-Details-unklar-10646903.html

"Internet Archive kann den Rechtsstreit mit der Musikindustrie beilegen" Christian Kahle (16.09.2025)
Das Internet Archive hat einen langwierigen Urheberrechtsstreit mit führenden Musikkonzernen wie Universal Music beigelegt. Damit endet ein viel beachtetes Verfahren um die Rechte an historischen Tonträgern.
https://winfuture.de/news,153642.html

"Viele Musiker stellen sich in 621-Mio.-$-Klage hinters Internet Archive" Christian Kahle (10.12.2024)
Über 300 Musiker haben das Internet Archive gegen eine 621-Millionen-Dollar-Klage wegen Urheberrechtsverletzungen verteidigt. In dem Rechtsstreit geht es um das "Great 78 Project", in dessen Rahmen alte Schallplatten digitalisiert und bereitgestellt werden.
https://winfuture.de/news,147409.html


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#22
Archiv der DDR-Opposition
Das Archiv der DDR-Opposition sammelt, bewahrt und erschließt Materialien zu Opposition und Widerstand gegen die kommunistische Diktatur in der DDR. Es ist entstanden aus dem Zusammenschluss von drei Archiven der ostdeutschen Oppositions- und Bürgerbewegung. Unter dem Dach der Robert-Havemann-Gesellschaft hat es sich zu einem der bedeutendsten Archive für DDR-Oppositionsgeschichte entwickelt. ...
https://www.havemann-gesellschaft.de/archiv-der-ddr-opposition/startseite/

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Willkommen im Katalog der Bibliothek der Rosa-Luxemburg-Stiftung!
https://library.rosalux.de/cgi-bin/koha/opac-main.pl


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#23
Medienarchiv Bielefeld: Die Aufgaben und Ziele
Mit der Sammlung von Filmen hat sich Frank Becker einen Kindheitstraum erfüllt. Bereits als Jugendlicher hatte er davon geträumt, ein eigenes Kino zu betreiben. Früh begann er Filme, Kinotechnik oder auch Tonträgern zu sammeln.
Aus dem Kindheitstraum entwickelte sich eine Leidenschaft, die nach mehr als 30 Jahren zu der wohl größten privaten Filmsammlung in Deutschland geführt hat. Im Laufe der Zeit nutzte Frank Becker sein Renomee in der Filmwelt , seine Sammlungen in vielen kleinen Schritten auszubauen. Die Frank-Becker-Stiftung hat das Ziel, die Film- und Kino-Kultur
- zu sammeln,
- zu bewahren,
- zu restaurieren
sowie Herkunft/Entwicklung der Kino-Kultur lebendig zu halten ...
https://www.medienarchiv-bielefeld.de/


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#24
The Public Domain Review
Online journal dedicated to showcasing the most interesting and unusual out-of-copyright works available on the web
Founded in 2011, The Public Domain Review is an online journal and not-for-profit project dedicated to the exploration of curious and compelling works from the history of art, literature, and ideas.
As our name suggests, the focus is on works now fallen into the public domain, that vast commons of out-of-copyright material that everyone is free to enjoy, share, and build upon without restriction. Our aim is to promote and celebrate the public domain in all its abundance and diversity, and help our readers explore its rich terrain – like a small exhibition gallery at the entrance to an immense network of archives and storage rooms that lie beyond.
With a focus on the surprising, the strange, and the beautiful, we hope to provide an ever-growing cabinet of curiosities for the digital age, a kind of hyperlinked Wunderkammer – an archive of content which truly celebrates the breadth and diversity of our shared cultural commons and the minds that have made it.
https://publicdomainreview.org/

https://pdimagearchive.org/galleries/all/random/desc

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#25
Internet Luminaries Unite to Defend the Open Web: "Let's Have a Game with Many Winners"
Posted on November 10, 2025 by Chris Freeland
At Wayback to the Future: Celebrating the Open Web in Washington D.C., some of the internet's founding figures gathered to reflect on what went wrong—and what might still be saved.
Hosted by the Foundation for American Innovation in the historic Riggs Library at Georgetown University, the panel brought together Vint Cerf (Google), Cindy Cohn (EFF), Jon Stokes (Ars Technica), and the Internet Archive's Brewster Kahle.
... The conversation, moderated by Luke Hogg, focused on what the group called the "three Cs" behind the web's decline: centralization, copyright, and competition. While the early web promised connection and creativity, today's internet, they warned, is increasingly fragmented, paywalled, and dominated by a few powerful platforms.
Watch the discussion ...
https://blog.archive.org/2025/11/10/internet-luminaries-unite-to-defend-the-open-web-lets-have-a-game-with-many-winners/

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"Inside the old church where one trillion webpages are being saved" (16.11.2025)
The Internet Archive has been saving web history for nearly 30 years. CNN's Hadas Gold goes inside its headquarters to see how the archive is innovating for the AI age and protecting itself from both political and physical threats. ...
https://edition.cnn.com/2025/11/16/business/video/internet-archive-wayback-machine-church-digvid

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#26
Chuck Darwin @cdarwin@c.im 31. Dez. 2025, 22:38:
The Trump administration is closing NASA's largest research library on Friday,
a facility that houses tens of thousands of books, documents and journals
— many of them not digitized or available anywhere else.

https://c.im/@cdarwin/115816338726921817

"NASA's Largest Library Is Closing Amid Staff and Lab Cuts"
Holdings from the library at the Goddard Space Flight Center, which includes unique documents from the early 20th century to the Soviet space race, will be warehoused or thrown out.
https://www.nytimes.com/2025/12/31/climate/nasa-goddard-library-closing.html

"NASA's Largest Library To Permanently Close On Jan 2, Books Will Be 'Tossed Away'" Edited by: Abhinav Singh (Jan 01, 2026)
NASA's largest library at the Goddard Space Flight Center will close permanently on Jan 2 under the Trump administration's reorganisation plans. ...
https://www.ndtv.com/world-news/nasas-largest-library-to-permanently-close-on-jan-2-books-will-be-tossed-away-10170584


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"Archive von Unternehmen: Ach, ins Archiv? Können Sie leider gerade nicht rein"
Manche Privatunternehmer blockieren die kritische Aufarbeitung ihrer Geschichte. Das muss sich ändern.
Ein Gastbeitrag von Jürgen Zimmerer, Hamburg
24. Februar 2026
... Klaus-Michael Kühne und auch Claus Hagenbeck sind für den heutigen Umgang mit der Geschichte ihrer Unternehmen sehr wohl in die Pflicht zu nehmen. ... Wir brauchen ein Archivgesetz, das auch Unternehmen verpflichtet, ihre Hinterlassenschaften der Forschung frei zugänglich zu machen oder in öffentliche Archive zu überstellen. Bis dahin sollte man von öffentlicher Hand keine Kooperationen eingehen und keine Schenkungen annehmen von Personen und Unternehmen, die ihre Transparenz nicht unter Beweis gestellt haben. ...
https://www.zeit.de/hamburg/2026-02/archive-unternehmen-vergangenheit-hagenbeck-kuehne-juergen-zimmerer/komplettansicht

Quotestüsü

Besteht Angst vor Forderungen nach Wiedergutmachung? Man sucht sich seine Familie nicht aus. Aber man steht in der Verantwortung für den Umgang mit der Vergangenheit.


QuoteLatrino Royale

Nazirestaurateur Adenauer forderte schon Anfang der 1950er Jahre, "die Nazi-Riecherei muss endlich aufhören". ...


QuoteLucyMafalda

Vielen Dank dem Autor für die klaren Worte! Die Entrüstung und Enttäuschung über den Umgang mit "historischem Erbe" bzw. "Geschichte" Teile ich. Die "altehrwürdigen" Kaufmannsfamilien sonnen sich gerne im Lichte des wirtschaftlichen Erfolgs ihrer Vorfahren. Sie sollten dann auch die Größe haben, zuzulassen, dass dieser Erfolg Retrospektive kontextualisiert wird. Einfach zu sagen:"das haben früher alle gemacht" oder "das waren eben die Zeiten" ist feige.

Das Verhalten dieser Herren ist exemplarisch für eine Gesellschaft, die die Augen verschließen möchte vor den Greueln der Vergangenheit. Ich sehe das so: würden sie die Aufarbeitung zulassen und die Verantwortung der Vorfahren eingestehen, könnten sie sich davon distanzieren. Durch ihre Verweigerungshaltung laden sie sich die Bürde der historischen Verantwortung auf. Das genau ist doch der Sinn der "Aufarbeitung". Dass wir uns eingestehen können, dass es falsch war, so zu handeln. Auch, wenn "es alle so gemacht haben".

Das Agieren unserer Politiker ist beschämend!


QuoteLutz Lohweber

Wenn ich den Text von Herrn Zimmer so lese, kann ich das Verhalten von C. Hagenbeck gut nachvollziehen.


QuoteTeacher_for_Future

Aufarbeitung ist notwendig!

Putin verklärt eine glorreiche Vergangenheit (in der durch Stalins Regime Millionen gestorben sind), die AgD verklärt eine Vergangenheit, in der ... siehe oben.

Die fossile Lobby will Reiche reich machen. Nicht wahr, Katharina?

Die Autolobby sagte, dass Anschnallen die Freiheit gefährden würde.

Die Zuckerlobby stemmt sich gegen eine gesunde Bevölkerung (weil gegen Zuckersteuer).

Die Freiheit wird mit E-Fuels verteidigt (von wem nochmal?), während die Argumente für diese maximal ineffizienten Energiestoffe hirnverbrannt sind.

Die Regeln für neue Heizungen werden wieder gelockert.

Ja - und die historische Aufarbeitung ist so wichtig, um die eigene Historie (als Gesellschaft) zu verstehen und dann auch auf den ganzen anderen Quatsch nicht hereinzufallen!

Überall ist Aufarbeitung so dringend notwendig!


QuoteLatrino Royale

Natürlich, denn da kann er sicher sein kein Gefälligkeitsgutachten zu bekommen. Das mag so jemand nicht.


QuoteAntje55

... Teile die Forderung von Jürgen Zimmerer. Sollte eigentlich selbstverständlich sein.


QuoteLukas23

Da passt es ins Bild, dass das Staatsarchiv Hamburg gerade massiv Akten/Quellen nach Stade verlagert, weil man in Hamburg angeblich keinen Platz für die Lagerung hat. Ein unglaublicher Vorgang, der umfassend Forschungen - gezielt - be- und vielfach - verhindert! Soweit zum Thema ,,Erinnerungskultur" in der FHH! Wenn werden übrigens die Forschungen zu den Abgeordneten der Bürgerschaft nach 1946 endlich veröffentlicht?


QuoteEmoika

Das mit dem Auslagern nach Stade steht hier: Volles Hamburger Staatsarchiv: Erweiterungsbau geplant (ndr.de)
Ich finde es schon irritierend, dass man da kein Platz innerhalb der Grenzen von HH gefunden hat; auch wenn HH ein Stadtstaat ist.

Und dass das Archiv nicht bzw. nur eingeschränkt nutzbar ist, wenn es ausgelagert ist, erscheint mir nicht überraschend.


QuoteWA52

Ein Unternehmensarchiv ist ein Privatarchiv. Es kann den Zugang zu seinem Archiv selber regeln, auch die Modalitäten seiner Nutzung (dazu gehört z.B. auch der Datenschutz bei personenbezogenen Daten, das ist aber in einem Staatsarchiv auch nicht anders, da kriegen Sie auch heute vom Bundesarchiv nicht die Ergebnisse der Gyn-Untersuchungen der SS-Bräute). Das ist auch so bei Privatpersonen, zu denen auch der Adel gehört. Außerdem müssen Sie ein berechtigtes Interesse nachweisen. Juristisch oder wissenschaftlich.

Wissenschaftlich ist bei Herrn Zimmerer gegeben. Allerdings ist es ein sensibles Feld, und ein Auftreten à la "Jetzt weis ich mal all Eure Verbrechen nach" wird nicht auf Gegenliebe stoßen, denn das Unternehmensarchiv muss potentiell Geschäftsschädigendes nicht freiwillig rausrücken.

Übrigens kann Herr Zimmerer dann auf Akteneinsicht klagen. Andererseits gab es mal den Grundsatz in der Geschichtswissenschaft "sine ira et studio" - ohne Zorn und Eifer, nämlich nicht das als Ergebnis abzuliefern, das man selbst gerne sehen würde, sondern das Ergebnis als Ende eines Prozesses zu sehen. Herr Zimmerer tritt aber gerne schon mal als Staatsanwalt auf und nicht, um im Bild zu bleiben, als Richter, der alle Aspekte einbezieht und dann am Ende zu einem Urteil kommt. Das ist es, was Hagenbeck meint.

In dem Fall würde ich raten, IfZ zu beauftragen oder ZZF in Potsdam.


QuoteJessnett

Es ist nicht gut, wenn private Unternehmen ihre Archive verschlossen halten, insbesondere auch, wenn es um ihre Rolle in der Zeit des Nationalsozialismus, der deutschen Kolonialpolitik, der DDR-Geschichte und anderen historischen Zusammenhängen geht. Ohne die Mitwirkung von Firmen wären das Ausmaß der Deportationen mit der Eisenbahn, die Herstellung und der Profit aus Eisenbahnwagen, die Produktion tödlicher Chemikalien wie Zyklon B, Zwangsarbeit sowie koloniale Ausbeutung mit deren Auswirkung bis heuteund weitere Gewalt in diesem Umfang nicht möglich gewesen. Mechanismen, die in solchen Zeiten ohne Rücksicht auf Menschenrechte ausgenutzt wurden, müssen thematisiert werden – auch und gerade, wenn sie damals als normal galten. Nur so können wir für eine bessere Zukunft lernen. Wer Archive verschließt, verhindert die Aufarbeitung der Geschichte. Wirtschaftliche Interessen dürfen nicht wichtiger sein als das Recht der Gesellschaft und der damaligen Opfer auf Wahrheit und Erinnerung. Gerade bei schweren Menschenrechtsverletzungen braucht es Offenheit und Transparenz. Diese Archive gehören nicht nur den Unternehmen, sondern auch zur gemeinsamen Geschichte. Sie zu öffnen heißt, Verantwortung zu übernehmen – auch wenn es manchmal wehtut. Deutschland kann stolz auf die bisherige Aufarbeitung sein und sollte diesen Weg weitergehen.


QuoteDer.nicht.so.allmächtige

Dass der rot-grüne Senat ihm die Gelder gestrichen hat, deutet darauf hin, dass er an mehreren Stellen angeeckt hat.


QuoteSphinxfutter

Würde man sich ja von einem Historiker auch erhoffen.


QuoteIHDEM

Herr Zimmerer hat schon Recht. Tut sich aber keinen Gefallen mit mancher Wortwahl, fürchte ich,auch wenn ich den Frust verstehen kann.


Quotekastner63

Aus irgendeinem Grund scheinen viele Kommentatoren der Ansicht zu sein, dass Geschichtsforschung kein legitimer Zweig der Wissenschaften sind. Angesichts der Tatsache, dass die Deutschen im heutigen Namibia Anfang des 20. Jahrhunderts große Teile der Herero und Nama (etwa 50.000 Menschen) ermordeten, ist die Aufarbeitung dieser Epoche, für die Herr Zimmerer schon enorm viel geleistet hat, außerordentlich wichtig. Und ja, Aufarbeitung ist das richtige Wort, denn das Bild der Untaten und Taten muss häufig aus Puzzlestücken zusammengesetzt werden, für die alle Archive zur Verfügung stehen müssen, um ein klares Bild zu erhalten. Und wenn der Nachkomme eines Zoogründers vom Range Hagenbecks so tut, als ob er mit seinen Archiven - den Archiven aus der Zeit der Zurschaustellung von Menschen, als seien sie einfach nur höhere Tiere - machen kann, was er will, dann ist das aus der Sicht des Historikers ein Skandal. Wie tief die Altnazis noch bis in die 70er Jahre hinein in der deutschen Gesellschaft saßen, hat man auch erst herausgefunden, als endlich die einzelnen Behörden, einschließlich Kliniken, und die Unternehmen ihre Vergangenheit erforschen ließen.


QuoteRenarinis

Was wurde eigentlich aus den armen Menschen, die so zur Schau gestellt wurden? Haben sie die deutschen Viren und Bakterien überlebt? Wenn ja, wurden sie nach Hause zurückgebracht? Kann ich mir fast nicht vorstellen ... Aber was passierte mit ihnen ,,danach"?


QuoteViola_Granger

Sehr gute Frage. Das würde ich auch gern wissen.


QuoteJessnett

Und gerade das wäre ja wieder eine interessante Forschung! Unter Mithilfe von Hagenbeck...


QuoteZeiTolliver

Mir ist es eigentlich viel wichtiger, wie sich Unternehmen heute benehmen. Manchmal habe ich das Gefühl, dass diese ewige Forderung nach "Aufarbeitung" auch nur dazu dient, eine eigene (Sensations-)Lust zu befriedigen: die Lust, andere zum Kotau zu nötigen.


Quotejcwendt

Das Eine (heutiges Benehmen) hängt meiner Überzeugung nach allerdings aufs Engste mit dem Anderen (damaliges Benehmen vulgo Schuld der Vorfahren) aufs Engst zusammen. Worin ich Ihnen zustimme, ist: "Aufarbeiten" ist eine dumme Floskel, zugleich zu groß und zu instrumentell. Ich würde bescheidener, aber präziser, von Anerkennen sprechen wollen.


QuoteEugéne

    "die kritische Aufarbeitung ihrer Geschichte".

Als ob es darum geht.

Es geht darum, Menschen, die längst tot sind und unter den damaligen Zwängen leben mussten, was anzuhängen. Was oft erst nachträglich als Normen angekündigt wurde und jetzt längst wieder beerdigt wurden (regelbasierte Weltordnung).

Ein Prinzip des Rechts ist, es muss für alle gleich gelten.


Quoteannikablohm

Hat dieses Prinzip des Rechts denn schon immer sehr gut funktioniert?
Ich denke, ein ehrlich interessierter Blick in die Geschichte könnte in der Frage zu dem einen oder anderen Aha-Moment führen.

Verwechseln Sie nicht laufende Gerichtsverfahren und Geschichtswissenschaft.


QuotePaul-Michell

Heutige Privatbesitzer und auch Besitzerinnen profitieren immer noch von den Handlungen ihrer Vorfahren ... die in genannten Fällen extrem verwerflich bis rechtswidrig sind und auch damals schon waren.

Eine Begründung 'das war Zeitgeist' ist nicht annehmbar.

Es wäre ja so als wenn die Erben von Kaiser Wilhelm (Kriegstreiber des WK1) oder Goebels (Kriegshetzer des WK2) oder heutigen Verbrecherclans allen geplünderten, enteigneten, gestohlenen Besitz behalten könnten.


QuoteBrudervomProfilinhaber

Flick, Quandt/klatten, Porsche/Piech sind auch so Kandidaten neben Herr Kühne. Oetker und Reimann haben ja veröffentlicht.


QuoteZeiTolliver

"Eine Begründung 'das war Zeitgeist' ist nicht annehmbar."

Doch, ist es bis zu einem gewissen Grad. Von "Glotzen" zu sprechen ist relativ einfach, wenn man in einer Welt lebt, in der jeder noch so abgelegene Winkel theoretisch in ein paar Stunden per Flugzeug (ihhh, Fliegen) zu erreichen ist, man - rein aus unschuldigem Interesse natürlich - nur mal eben ins Internet gucken muss, wenn man Informationen über fremde Völker (uhhh!) und deren Bräuche recherchieren will - alles schön aufgearbeitet mit Bewegtbildern oder live per Webcam, alles vom Sofa erreichbar. Was waren das dagegen doch alles für neugierige Trottel damals, die Geschichten in der Zeitung gelesen oder von Bekannten und Verwandten über fremde Länder und Leute gehört haben und sich nicht mit maximal ein paar schlechten Schwarz-weiß-Abdrucken in der Postille und vielleicht ein oder zwei Büchern zufrieden gegeben haben oder nicht einfach eine wochenlange Schiffspassage auf sich nehmen wollten? Da kommen sie einfach glotzen, wenn sie die Möglichkeit haben, Menschen, die anders sind, live und in Farbe zu sehen.

...

Mit den heutigen Möglichkeiten die gleichen Maßstäbe an Leute anzulegen, die die gleichen Bedürfnisse, aber eben nicht die gleichen Möglichkeiten hatten, ist arm. Wer weiß, wie einst über unseren Umgang mit was auch immer "gerichtet" wird. Wollen Sie dann aus den aktuellen Lebensumständen isoliert bewertet werden? ...


Quoteannikablohm

Antwort auf @ZeiTolliver

Ich bin in der Tat der Überzeugung, es gibt gewisse zeitlose Grundhaltungen, die nie verkehrt sind, auch wenn sich gesellschaftliche Konstellationen und Bedingungen um sie herum verändern. Wenn man sich die erzählten und aufgeschriebenen Geschichten und und Philosophien und Gebote von Gut und Böse und Wahnsinn über die Jahrhunderte hinweg und in der Welt verbreitet anschaut, dann gibt es da so eine oder andere Tugend, die zum Dauerbrenner geworden ist.
Wenn es Ihnen sehr wichtig ist, dass nicht gleich das nächste Jahrhundert Welt als Ganzes schlecht von Ihnen denkt, dann können Sie dort vielleicht Inspiration finden.

... Ich verrate Ihnen gerne, dass ich sogar sehr fest davon ausgehe, dass weder heutige Maßstäbe (was auch immer das sein mag) universell korrekt sind noch mein Lebensstil.


...

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#28
... Experten betonen, dass der Verkauf solcher Items ethische Bedenken aufwirft, da sie Leid und Verbrechen kommerzialisieren. Gleichzeitig argumentieren Sammler und Historiker, dass die Sicherung und Erhaltung dieser Dokumente für die historische Aufarbeitung unerlässlich ist. Die Diskussion darüber, ob solche Fotos in privaten Händen oder in öffentlichen Archiven besser aufgehoben sind, bleibt kontrovers. ...

Quote[...] In einem bemerkenswerten und zugleich erschütternden Fund sind zwölf vergilbte Fotografien aufgetaucht, die eines der schwersten Kriegsverbrechen der deutschen Wehrmacht im besetzten Griechenland dokumentieren. Die Aufnahmen zeigen eine Massenhinrichtung von etwa 200 Männern aus dem Konzentrationslager Chaidari in der Nähe von Athen. Diese historischen Bilder wurden kürzlich auf der Online-Plattform Ebay entdeckt und für die beachtliche Summe von rund 100.000 Euro versteigert.

Die Fotos bieten einen direkten und ungeschönten Blick auf die Gräueltaten, die während der deutschen Besatzung in Griechenland verübt wurden. Das Massaker fand unter der Leitung eines Offiziers statt, der später als Vater einer bekannten ,,Tatort"-Legende identifiziert wurde. Diese Verbindung zwischen persönlicher Familiengeschichte und historischer Schuld wirft tiefgreifende Fragen auf und unterstreicht die anhaltende Relevanz dieser dunklen Kapitel der Geschichte.

Die Aufnahmen sind nicht nur aufgrund ihres Inhalts von großer Bedeutung, sondern auch wegen ihres Zustands und ihrer Seltenheit. Als originale Dokumente aus der Zeit des Zweiten Weltkriegs bieten sie Historikern und der Öffentlichkeit einen einzigartigen Zugang zu Ereignissen, die oft nur durch schriftliche Berichte überliefert sind. Ihr Erscheinen auf Ebay hat eine breite Diskussion über den Umgang mit solchen Artefakten und ihren ethischen sowie finanziellen Wert ausgelöst.

Der Verkaufspreis von 100.000 Euro spiegelt mehrere Faktoren wider. Historische Bedeutung: Die Fotos dokumentieren ein konkretes und gut belegtes Kriegsverbrechen, was ihren Wert als Beweismittel und Erinnerungsstück erhöht. Seltenheit: Solche originalen visuellen Aufnahmen aus dieser Zeit sind äußerst rar und oft nur in Archiven zugänglich. Öffentliches Interesse: Die Verbindung zur ,,Tatort"-Legende hat zusätzliche mediale Aufmerksamkeit erzeugt, was den Marktwert steigerte.

Experten betonen, dass der Verkauf solcher Items ethische Bedenken aufwirft, da sie Leid und Verbrechen kommerzialisieren. Gleichzeitig argumentieren Sammler und Historiker, dass die Sicherung und Erhaltung dieser Dokumente für die historische Aufarbeitung unerlässlich ist. Die Diskussion darüber, ob solche Fotos in privaten Händen oder in öffentlichen Archiven besser aufgehoben sind, bleibt kontrovers.

Insgesamt unterstreicht dieser Fund die anhaltende Notwendigkeit, sich mit der Vergangenheit auseinanderzusetzen und die Erinnerung an die Opfer zu wahren. Die Fotos dienen als mahnende Zeugnisse, die uns daran erinnern, dass Geschichte nicht vergessen werden darf.

...


Aus: "Wehrmachts-Verbrechen bei Ebay versteigert: Historische Fotos für 100.000 Euro verkauft" (05.03.2026)
Quelle: https://deutschpost24.com/kultur/kulturerbe/wehrmachts-fotos-bei-ebay-fr-100000-euro-versteigert.html


Quote[...] Erstmalig dokumentieren auf privater Verkaufsplattform aufgetauchte Fotos die Massenerschießung durch deutsche Truppen am 1. Mai 1944 in Kesariani. ... Am 1. Mai 1944, wenige Augenblicke vor den Erschießungen von 200 Kommunisten, als »Sühnemaßnahme« für ein Attentat, bei dem der deutsche General Franz Krech sowie drei weitere Soldaten von Partisanen getötet worden waren – vollzogen nach der zynischen »Sühnequote« eins zu 50. ... Die griechische Tageszeitung Efsyn beispielsweise veröffentlichte innerhalb von 48 Stunden 20 Artikel, die sich nur mit den Fotos befassten.

Was lässt sich da alles schreiben, mag sich mancher fragen. Einschätzungen von Historikern über die Echtheit, ausführliche Erläuterung der Geschichte, Aufforderungen von Politikern und allen Oppositionsparteien des Mitte-links-Spektrums an die Regierung, die Fotos zu erwerben, Preisentwicklung auf Ebay – zuletzt lag der Preis für eines der Fotos bei über 2.000 Euro –, Identifikationen von Hingerichteten, Interview mit dem Händler, Empörung über den Handel mit Dokumenten eines Massenverbrechens, biographische Hintergründe der »200«, Gedenkkundgebung der Kommunistischen Partei Griechenlands (KKE) in Kesariani, Stellungnahme des Premierministers; kurz: einiges. Die Reaktion ließ bedauerlicherweise auch nicht lange auf sich warten – Unbekannte beschädigten wenige Stunden nach Veröffentlichung der Fotos die Gedenktafel mit den Namen der Opfer am ehemaligen Schießstand von Kesariani, der 1984 zu einem historischen Gedenkort erklärt wurde.

Und die Fotos? Wer die Anzeigen auf Ebay suchte, tat dies vergeblich. Der Verkäufer zog sie zurück, erklärte sich jedoch offen für Gespräche über den Verbleib. Am Mittwoch vergangener Woche erklärte das griechische Kulturministerium die gesamte Sammlung mit insgesamt 262 Fotos offiziell zum Denkmal. Damit erhält der griechische Staat die gesetzliche Grundlage, die Sammlung einzufordern und zu erwerben. Experten des Kulturministeriums reisten am Freitag nach Belgien zum Sammler, um die Echtheit der Fotos vor Ort zu überprüfen und Verhandlungen aufzunehmen. Experten bestätigten vor Ort die Authentizität, und ein Vorvertrag wurde unterzeichnet.

Laut der griechischen Zeitung Proto Thema beläuft sich die vereinbarte Summe für das gesamte Album auf 100.000 Euro; ein absurder Preis, den der griechische Staat für den Kauf zahlen muss – für Beweise eines Verbrechens an seinen Bürgern. Und dann ist da noch die Frage, wo die Fotografien aufbewahrt werden sollen in Zukunft. Wenn es nach der Regierung geht, wäre das Parlament der richtige Aufbewahrungsort. Die Kommunistische Partei Griechenlands (KKE) hat verständlicherweise etwas anderes im Sinn: das Museum des nationalen Widerstands der EAM (Nationale Befreiungsfront, wichtigste Widerstandsorganisation im besetzten Griechenland 1941 bis 1944). Das – wohl nicht ganz zufällig – in Kesariani liegt. Diese und weitere Vorschläge stehen nun zur Debatte.

 Wenn man von den »200 des 1. Mai« spricht, wissen die meisten Griechen, worum es geht. Denn nicht nur in die Geschichtsschreibung fanden die Ereignisse Eingang, sondern auch etliche Kunstschaffende haben sie aufgegriffen. Um nur einige Beispiele zu nennen: Der Kommunist und Schriftsteller Themos Kornaros überlebte Chaidari und verfasste 1945 ein Buch über seine dortige Haftzeit; der 1. Mai 1944 bildet den traurigen Höhepunkt seines historischen Romans. Das Werk erschien unter dem Titel »Leben auf Widerruf« ebenfalls in der DDR. Im heutigen Deutschland höchstens noch in der einen oder anderen Bibliothek zu finden, wird es in Griechenland hingegen immer wieder neu verlegt. Einige Jahrzehnte später – Mitte der 1970erJahre – erschien ein von Mikis Theodorakis komponiertes Lied, in dem die Erschießungen thematisiert werden. Dutzende weitere Lieder tun es ebenfalls, direkt oder indirekt. Und auch die jüngere Generation kennt dieses Kapitel der Geschichte. Dazu beigetragen haben mag auch der sehenswerte Spielfilm »Der Übersetzer« des renommierten Regisseurs Pantelis Voulgaris aus dem Jahr 2017 – in Athen aktuell wieder im Kinosaal zu sehen.

Es ist zugegebenermaßen keine Seltenheit, dass ein Fotoalbum auftaucht, das von einem Deutschen auf »Dienstreise« im Besatzungsgebiet zusammengestellt wurde und die von seiner Truppe begangenen mörderischen Verbrechen dokumentiert. Welche Motivationen dahinter steckten, darüber lässt sich meist nur spekulieren. So auch im Falle eines anderen in Griechenland entstandenen Fotoalbums: 2002 fand Andreas Assael, Sohn eines jüdischen Überlebenden aus Thessaloniki, auf einem Münchner Flohmarkt eine Fotosammlung mit mehr als 400 Aufnahmen aus der Besatzungszeit, darunter etwa 80 Fotografien aus Karya.

 Der Ort war bis vor wenigen Jahren gänzlich unbekannt, selbst unter Historikern. Hier fand während der deutschen Besatzung ein grausames Verbrechen statt: Der »Vernichtung durch Arbeit« waren etwa 300 bis 500 jüdische Männer aus Thessaloniki ausgeliefert. Diejenigen, die diese Hölle überlebten, wurden nicht viel später nach Auschwitz deportiert. Aus dieser Fotosammlung hervorgegangen ist die Ausstellung »Karya 1943«, die im vergangenen Jahr in Athen, Berlin und Leipzig zu sehen war. So dürfte dieses nicht allzu bekannte Kapitel der deutschen Verbrechen doch wenigstens ein klein wenig der Vergessenheit entrissen worden sein.

Obwohl solche Fotofunde also nicht einzigartig sind, ist die öffentliche Aufmerksamkeit enorm. Denn die »200 des 1. Mai« sind durch Literatur, Musik, Film und bildende Kunst tief im kollektiven Gedächtnis Griechenlands verankert. Doch die Erinnerungskultur wirft auch Fragen auf: Während der kommunistische Widerstand gegen die deutsche Besatzung heute tief im kollektiven Gedächtnis der Linken verankert ist – eine Anerkennung, die in der antikommunistisch geprägten Nachkriegsgesellschaft offiziell verweigert wurde und erst nach dem Fall der Junta 1974 möglich wurde –, bleibt das Schicksal der jüdischen Opfer sowie ihre Rolle im Widerstand weiterhin oft im Schatten. Der Fall Karya, der erst kürzlich Bekanntheit erlangte, zeigt dies exemplarisch. Wer provozieren möchte, würde jetzt vielleicht spitz resümieren, dass es schön wäre, wenn in Griechenland den ermordeten jüdischen Mitbürgern derselbe Platz in der Erinnerungskultur eingeräumt würde wie den erschossenen Kommunisten. Aber das ist ein anderes Kapitel.

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Aus: "Deutsche Verbrechen in Griechenland: Beweise für Massaker" Lara Glessen (Ausgabe vom 25.02.2026, Seite 15)
Quelle: https://www.jungewelt.de/artikel/518172.deutsche-verbrechen-in-griechenland-beweise-f%C3%BCr-massaker.html

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Konzentrationslager Chaidari
Das Konzentrationslager Chaidari, kurz KZ Chaidari, war während des Zweiten Weltkriegs zunächst ein italienisches, dann ein deutsches Konzentrationslager, das während der deutschen Besatzung Griechenlands im Athener Ortsteil Chaidari von der Schutzstaffel (SS) mit Unterstützung von Wehrmacht und Gestapo betrieben wurde. ... Das zunächst ab dem 3. September 1943 von der italienischen Besatzungsmacht als zentrales Gefängnis und Gefangenenlager (campo di concentramento Chaidari) nordwestlich der griechischen Hauptstadt Athen auf einem Militärgelände in Chaidari betriebene Lager wurde nach der Kapitulation Italiens am 8. September 1943 an die deutsche Wehrmacht übergeben. Am 20. Oktober 1943 wurde es der SS unter dem für Griechenland zuständigen Befehlshaber der Sicherheitspolizei und des SD (BdS) Walter Blume unterstellt.  ... Das Lager diente vor allem der Aufnahme der zahlreichen Gefangenen, die bei den häufigen Razzien in verschiedenen Teilen Athens zur Unterbindung des Widerstands verhaftet wurden. ... Die durchschnittliche Zahl der Gefangenen belief sich auf 2.000 Personen. Insgesamt waren während der ein Jahr währenden Benutzung im Lager etwa 20.000 Häftlinge gefangen. Viele davon wurden nach Deutschland deportiert, 1.900 am Schießstand von Kesariani oder in Dafni ermordet. ... Viele Athener Juden, aber auch Juden aus anderen Teilen Griechenlands – so etwa allein aus Rhodos fast 1.700 Menschen – wurden von Chaidari aus in das Vernichtungslager Auschwitz-Birkenau zur Ermordung deportiert. Im Lager Chaidari waren Unterernährung, Zwangsarbeit und Folterungen an der Tagesordnung. ...
https://de.wikipedia.org/wiki/Konzentrationslager_Chaidari

... Mehrere spätere Ermittlungsverfahren und gerichtlichen Untersuchungen in den 1950er und 1960er Jahren durch unterschiedliche Staatsanwaltschaften der BRD wurde ab einem bestimmten Ermittlungsergebnis nicht weiter verfolgt. ...
https://de.wikipedia.org/wiki/Walter_Blume_(SS-Mitglied)

https://de.wikipedia.org/wiki/Paul_Otto_Radomski

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Quote[...] Wer mehr über die Nazi-Vergangenheit seiner Vorfahren herausfinden will, kann etwa im Bundesarchiv in Berlin auf die Suche gehen. Nun geht das Ganze aber viel einfacher - im Internet. Das US-Nationalarchiv ermöglicht das Durchforsten zweier NSDAP-Karteien.

Mehr als 80 Jahre nach dem Ende der Nazi-Herrschaft in Deutschland ermöglicht das US-amerikanische Nationalarchiv eine historische Familienforschung über das Internet. Auf der Suche nach den eigenen Großeltern kann sich jeder ohne vorherige Anmeldung durch Millionen Einträge klicken - und zwar hier: https://catalog.archives.gov/id/12044361.

Dazu eine Einordnung und Anleitung:

Die USA ermöglichen im Gegensatz zu Deutschland einen Zugang zu einer vollständigen digitalen Kopie der mikroverfilmten NSDAP-Zentralkartei sowie NSDAP-Ortsgruppenkartei. Damit stehen mehr als 16 Millionen digitale Objekte wie Fotos auf mehr als 5000 digitalisierten Mikrofilmrollen frei zur Verfügung. Diese enthalten die Daten Millionen Deutscher, die bis 1945 Mitglied in der Nationalsozialistischen Deutschen Arbeiterpartei (NSDAP) waren. Nach Angaben des Deutschen Historischen Museums war 1945 "jeder fünfte erwachsene Deutsche einer von insgesamt 8,5 Millionen Parteigenossen" und hat damit zumindest auf dem Papier das Unrechtssystem unterstützt.

Es sei nicht ungewöhnlich, dass solche Bestände im US-Nationalarchiv liegen und dort digital zugänglich sind, sagt Historiker Martin Winter von der Universität Leipzig. "Das hat eine transatlantische Geschichte - die Unterlagen wurden nach dem Krieg für Entnazifizierung und Prozesse genutzt." Auch im Bundesarchiv Berlin gibt es digitale Kopien des Materials. Aus rechtlichen Gründen ist ihre Nutzung aber nur viel eingeschränkter möglich.

Kern der US-Sammlung ist die sogenannte Master File, die mehrere zentrale Karteien vereint. Dazu gehört die Ortsgruppenkartei mit rund 6,6 Millionen Mitgliedskarten, die detaillierte Angaben wie Name, Geburtsdatum, Beruf, Parteieintritt und Wohnort enthalten. Ergänzend existiert die Zentralkartei mit etwa 4,3 Millionen Karten, die zwischen 1929 und 1943 angelegt wurden und auch führende NS-Funktionäre wie Adolf Hitler, Heinrich Himmler und Rudolf Heß erfassen.

Dazu kommen mehr als 200.000 Fragebögen von NSDAP-Mitgliedern im Großraum Berlin und Materialien zu angeschlossenen Organisationen wie dem Nationalsozialistischen Lehrerbund oder der Reichsärztekammer.

Dass die von den Nazis akribisch verfassten Karteien ihrer Parteimitglieder überhaupt noch existieren, ist Hanns Huber, Geschäftsführer einer Papierfabrik nördlich von München, zu verdanken. Er widersetzte sich kurz vor Ende des Zweiten Weltkriegs dem Befehl, insgesamt 65 Tonnen Papier einzustampfen. So bewahrte er das umfangreiche Beweismaterial vor der Vernichtung.

Das Münchner Zentralinstitut für Kunstgeschichte bezeichnet das rückblickend als "mutige Entscheidung von politischer Tragweite". Im Herbst 1945 erkannte die US-Militärregierung schließlich die Relevanz der zu großen Haufen aufgetürmten Karten und Akten in der Papierfabrik und brachte sie im neu eingerichteten Berlin Document Center (BDC) unter.

Forschende und auch Privatpersonen können das Archiv nun online nutzen. Historiker Winter betont, es handle sich um einen Zugang zu sehr umfangreichen Archivbeständen: "Es ist eben keine "Nazisuchmaschine", wo man Namen eingibt und sofort alles herausfindet."

Solche großen Datensätze seien etwa für Historiker sehr hilfreich, weil man nach Namen suchen kann, aber mit anderen Suchbegriffen auch neue Personen findet, auf die man sonst gar nicht gekommen wäre, sagt Winter, der an der Universität Leipzig zum Thema "Unternehmenskultur, Zwangsarbeit und Judenmord beim Leipziger Rüstungskonzern HASAG" forscht.

Wer auf der Internetseite des US-Nationalarchivs NSDAP-Mitglieder finden will, muss zuerst auf der Startseite die Suche aktivieren ("Search within this Series"). Dann erhält der Nutzer Zugriff auf die Dokumente.

Ähnlich, aber komplizierter als bei einer Google-Suche, gilt es, diese einzuschränken - und das geht so: Wer etwa nur nach "Müller" sucht, bekommt knapp 200 Treffer angezeigt. Was hilft, ist die Suche nach dem Schema Nachname, Vorname und dazu idealerweise dem damaligen Wohnort zu begrenzen. Die besten Ergebnisse liefert die Maschine durch die zusätzliche Eingabe des Geburtsdatums ohne das damalige Jahrhundert - also etwa 10.06.18.

Wer dann im Idealfall nur einen Treffer übrig hat, ist trotzdem lange nicht am Ziel: Hinter dem Dokument verstecken sich oft mehrere Tausend Seiten digitalisierten Mikrofilms. Historiker Winter umschreibt den folgenden Prozess des Durcharbeitens als "deutlich langwieriger als man denkt". Im Idealfall sollte eine Liste der Suchergebnisse innerhalb des Mikrofilms angezeigt werden. Diese kann hilfreich sein: Grün hinterlegte Karten sollten die Suchbegriffe enthalten.

Findet man einen Namen im Archiv, sollte man nicht voreilig Schlüsse ziehen. Die Mitgliedschaft in der Partei zeige vorerst nur, dass jemand eingetreten sei und sage wenig darüber aus, wie sich die Person im Nationalsozialismus verhalten habe, erklärt Winter und betont: "Allerdings hat man durch den Beitritt auf jeden Fall eine Zustimmung signalisiert." Umgekehrt bedeute es aber auch nicht, dass jemand ohne Treffer im Archiv nichts mit dem Nationalsozialismus zu tun hatte.

Ob es trotzdem zu Diskussionen am Familientisch führen könnte? Das wäre "ein begrüßenswerter Impuls, denn es gibt durchaus eine Verantwortung, sich mit der eigenen Familiengeschichte auseinanderzusetzen", meint Winter. Zugleich betont der Historiker: "Niemand muss heute die moralische Verantwortung für die Taten des Urgroßvaters übernehmen."

Quelle: ntv.de, Marc Fleischmann und Sabina Crisan, dpa



Aus: "USA machen Online-Recherche zu Nazis in der eigenen Familie möglich" (18.03.2026)
Quelle: https://www.n-tv.de/politik/USA-machen-Online-Recherche-zu-Nazis-in-der-eigenen-Familie-moeglich-id30485435.html

Mehr als 80 Jahre nach dem Ende der Nazi-Herrschaft in Deutschland ermöglicht das US-amerikanische Nationalarchiv eine historische Familienforschung über das Internet. Auf der Suche nach den eigenen Großeltern kann sich jeder ohne vorherige Anmeldung durch Millionen Einträge klicken - und zwar hier:
https://catalog.archives.gov/id/12044361.

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"Blocking the Internet Archive Won't Stop AI, But It Will Erase the Web's Historical Record" By Joe Mullin (March 16, 2026)
Imagine a newspaper publisher announcing it will no longer allow libraries to keep copies of its paper. That's effectively what's begun happening online in the last few months. The Internet Archive—the world's largest digital library—has preserved newspapers since it went online in the mid-1990s. The Archive's mission is to preserve the web and make it accessible to the public. To that end, the organization operates the Wayback Machine, which now contains more than one trillion archived web pages and is used daily by journalists, researchers, and courts. But in recent months The New York Times began blocking the Archive from crawling its website, using technical measures that go beyond the web's traditional robots.txt rules. That risks cutting off a record that historians and journalists have relied on for decades. Other newspapers, including The Guardian, seem to be following suit. For nearly three decades, historians, journalists, and the public have relied on the Internet Archive to preserve news sites as they appeared online. Those archived pages are often the only reliable record of how stories were originally published. In many cases, articles get edited, changed, or removed—sometimes openly, sometimes not. The Internet Archive often becomes the only source for seeing those changes. When major publishers block the Archive's crawlers, that historical record starts to disappear. ...
https://www.eff.org/deeplinks/2026/03/blocking-internet-archive-wont-stop-ai-it-will-erase-webs-historical-record

https://blog.archive.org/trillion/

https://theintercept.com/2023/09/17/new-york-times-website-internet-archive/