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[Archive | Zeitgeschen im Netz | Notizen ... ]

Started by lemonhorse, January 16, 2013, 12:04:38 PM

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#20
"Späte Aufarbeitung: Datenbank gibt erstmals tausenden Opfern von NS-Experimenten Namen" Karin Krichmayr (18. August 2025)
"Euthanasie"-Opfer, aber auch andere Verfolgte des NS-Regimes wurden im Nationalsozialismus für medizinische Forschung missbraucht. Nun wurden etliche Fälle rekonstruiert. ... Insgesamt listet die Opferdatenbank die Profile von rund 16.500 Menschen, die nachweislich Opfer der NS-Zwangsforschung wurden, zusätzlich wurden mehr als 13.000 Profile eingepflegt, bei denen die Forschung noch nicht abgeschlossen ist. Aktuell sind 659 Profile in Österreich geborenen Personen zugeordnet. Neben ausgewählten Biografien macht eine interaktive Karte der beteiligten Institutionen das Ausmaß der Verbrechen und des damit verbundenen Systems auch geografisch sichtbar. ...
https://www.derstandard.at/story/3000000283779/datenbank-gibt-erstmals-tausenden-opfern-von-ns-experimenten-namen

Victims of Biomedical Research under National Socialism
 Between 1933 and 1945, under National Socialist rule, countless individuals became victims of coerced and unethical biomedical research. They were stripped of their rights, anonymized, and dehumanized – reduced to numbers, file references, and "cases." These practices were part of a system that bureaucratized crimes and profoundly disrupted personal lives – even to the point of their eradication.
Purpose of this Website: This website serves as a place of remembrance, research, and historical reflection. At its core is a database that provides essential information about thousands of individuals who were disenfranchised, harmed, and murdered in the context of coerced research. ...
https://ns-medical-victims.org/

https://www.derstandard.at/story/3000000272039/gewebeproben-von-ns-opfern-in-wien-identifiziert

https://www.derstandard.at/story/3000000206537/die-grauenhaften-verbrechen-des-doktor-karl-brandt

https://www.derstandard.at/story/3000000217017/max-de-crinis-der-steirische-mediziner-hinter-den-ns-patientenmorden

https://www.derstandard.at/story/2000146492402/das-dunkle-erbe-der-ns-hirnforschung

https://www.derstandard.at/story/3000000254370/karte-der-erinnerung-fuer-opfer-des-ns-regimes

https://www.derstandard.at/story/3000000272039/gewebeproben-von-ns-opfern-in-wien-identifiziert

QuoteApnoetaucher

Das sind Folgen gesellschaftlicher Strömungen, wo Mensch aufhören, andere Menschen als Menschen zu sehen, als ihresgleichen.
Es sind fließende Übergänge, die meisten landen nicht am anderen Ende der Skala der puren Entmenschlichung. Aber sie sind massgeblich am Milieu beteiligt, das solchem Denken und Handeln Raum gibt.
Das Betroffensein, das solche Datenbanken vermitteln können und sollen, sollte uns bewusst machen, so entfernt ist das nicht.


QuoteRalph John

Weiterführende Literatur zu den widerlichen, abscheulichen und menschenverachtenden Experimenten finden sich auch im Buch "Medizin ohne Menschlichkeit" von Alexander Mitscherlich wieder. ISBN: 978-3-596-22003-8

Vorsicht, dies ist keine leichte Kost!


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Quote[...] Eine Klage über 600 Millionen US-Dollar von US-Plattenlabels hätte das Internet Archive finanziell ruinieren können. Jetzt gibt es eine Einigung. Details, etwa zum möglichen Fortbestehen der beanstandeten Schallplattensammlung, sind noch unklar.

Hätte die Klage von US-Plattenlabels wie UMG Recordings, Sony Music Entertainment oder Capitol Records Erfolg gehabt, hätte das wohl das Aus für das Internet Archive bedeutet. Denn die Vertreter:innen der Musikindustrie wollten bis zu 600 Millionen Dollar von der Online-Bibliothek.

Die Klage ist jetzt offenbar vom Tisch. Wie es in einer Mitteilung der beteiligten Parteien heißt, habe man sich geeinigt und werde in den folgenden Tagen einen förmlichen Antrag auf Abweisung der Klage stellen.

Hintergrund des Rechtsstreits ist das sogenannte Great 78 Project, in dessen Rahmen das Internet Archive seit 2006 rund 200.000 Schellackplatten mit mehr als 400.000 Musikstücken digitalisiert und kostenfrei zum Abruf bereitgestellt hat. Die digitalisierten Aufnahmen beinhalten Songs von Ella Fitzgerald, Billie Holiday oder Frank Sinatra.

Das Internet Archive sieht die Digitalisierung der vom Verfall bedrohten Platten, die im Zeitraum zwischen 1898 und den 1950er-Jahren aufgenommen wurden, als wichtigen Beitrag zum Erhalt dieser historischen Aufnahmen. Die Musikindustrie stufte das Projekt dagegen als illegale Download-Plattform ein.

Eine Einschätzung, gegen die sich Ende 2024 rund 350 Musiker:innen in einem offenen Brief stemmten. Darin hieß es, dass die Unterzeichner:innen nicht der Meinung seien, ,,dass das Internet Archive in unserem Namen zerstört werden sollte".

Die Musikindustrie solle sich vielmehr darauf konzentrieren, dass Streaming-Dienste wie Spotify Steuern zahlen müssten, mit denen Musikförderprogramme finanziert werden sollen. Außerdem sollten die großen Plattenfirmen ihre Investitionen in Plattformen wie Spotify beenden.

Inwieweit die Intervention der Künstler:innen letztlich zur Einigung zwischen Internet Archive und der Musikindustrie beigetragen hat, ist nicht bekannt. Ebenso wenig bekannt ist derzeit über die Details der Beilegung des Rechtsstreits.

So hat keine der Parteien mitgeteilt, ob das Internet Archive eine Abschlagszahlung leisten muss – und wenn ja, wie hoch diese ausfällt. Unklar ist zudem, wie es mit dem Great 78 Project weitergeht. Dazu, ob die Aufnahmen weiterhin zur Verfügung stehen, gibt es noch keine Informationen.



Aus: "Plattenlabels verzichten auf 600 Millionen Dollar – und retten damit das Internet Archive"
Jörn Brien (20.09.2025)
https://t3n.de/news/plattenlabels-verzichten-auf-600-millionen-dollar-und-retten-damit-das-internet-archiv-1707939/

https://www.heise.de/news/Plattenlabel-vs-Internet-Archive-Rechtsstreit-beigelegt-Details-unklar-10646903.html

"Internet Archive kann den Rechtsstreit mit der Musikindustrie beilegen" Christian Kahle (16.09.2025)
Das Internet Archive hat einen langwierigen Urheberrechtsstreit mit führenden Musikkonzernen wie Universal Music beigelegt. Damit endet ein viel beachtetes Verfahren um die Rechte an historischen Tonträgern.
https://winfuture.de/news,153642.html

"Viele Musiker stellen sich in 621-Mio.-$-Klage hinters Internet Archive" Christian Kahle (10.12.2024)
Über 300 Musiker haben das Internet Archive gegen eine 621-Millionen-Dollar-Klage wegen Urheberrechtsverletzungen verteidigt. In dem Rechtsstreit geht es um das "Great 78 Project", in dessen Rahmen alte Schallplatten digitalisiert und bereitgestellt werden.
https://winfuture.de/news,147409.html


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#22
Archiv der DDR-Opposition
Das Archiv der DDR-Opposition sammelt, bewahrt und erschließt Materialien zu Opposition und Widerstand gegen die kommunistische Diktatur in der DDR. Es ist entstanden aus dem Zusammenschluss von drei Archiven der ostdeutschen Oppositions- und Bürgerbewegung. Unter dem Dach der Robert-Havemann-Gesellschaft hat es sich zu einem der bedeutendsten Archive für DDR-Oppositionsgeschichte entwickelt. ...
https://www.havemann-gesellschaft.de/archiv-der-ddr-opposition/startseite/

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Willkommen im Katalog der Bibliothek der Rosa-Luxemburg-Stiftung!
https://library.rosalux.de/cgi-bin/koha/opac-main.pl


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Medienarchiv Bielefeld: Die Aufgaben und Ziele
Mit der Sammlung von Filmen hat sich Frank Becker einen Kindheitstraum erfüllt. Bereits als Jugendlicher hatte er davon geträumt, ein eigenes Kino zu betreiben. Früh begann er Filme, Kinotechnik oder auch Tonträgern zu sammeln.
Aus dem Kindheitstraum entwickelte sich eine Leidenschaft, die nach mehr als 30 Jahren zu der wohl größten privaten Filmsammlung in Deutschland geführt hat. Im Laufe der Zeit nutzte Frank Becker sein Renomee in der Filmwelt , seine Sammlungen in vielen kleinen Schritten auszubauen. �Die Frank-Becker-Stiftung hat das Ziel, die Film- und Kino-Kultur
- zu sammeln,
- zu bewahren,
- zu restaurieren
sowie Herkunft/Entwicklung der Kino-Kultur lebendig zu halten ...
https://www.medienarchiv-bielefeld.de/


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#24
The Public Domain Review
Online journal dedicated to showcasing the most interesting and unusual out-of-copyright works available on the web
Founded in 2011, The Public Domain Review is an online journal and not-for-profit project dedicated to the exploration of curious and compelling works from the history of art, literature, and ideas.
As our name suggests, the focus is on works now fallen into the public domain, that vast commons of out-of-copyright material that everyone is free to enjoy, share, and build upon without restriction. Our aim is to promote and celebrate the public domain in all its abundance and diversity, and help our readers explore its rich terrain – like a small exhibition gallery at the entrance to an immense network of archives and storage rooms that lie beyond.
With a focus on the surprising, the strange, and the beautiful, we hope to provide an ever-growing cabinet of curiosities for the digital age, a kind of hyperlinked Wunderkammer – an archive of content which truly celebrates the breadth and diversity of our shared cultural commons and the minds that have made it.
https://publicdomainreview.org/

https://pdimagearchive.org/galleries/all/random/desc

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#25
Internet Luminaries Unite to Defend the Open Web: "Let's Have a Game with Many Winners"
Posted on November 10, 2025 by Chris Freeland
At Wayback to the Future: Celebrating the Open Web in Washington D.C., some of the internet's founding figures gathered to reflect on what went wrong—and what might still be saved.
Hosted by the Foundation for American Innovation in the historic Riggs Library at Georgetown University, the panel brought together Vint Cerf (Google), Cindy Cohn (EFF), Jon Stokes (Ars Technica), and the Internet Archive's Brewster Kahle.
... The conversation, moderated by Luke Hogg, focused on what the group called the "three Cs" behind the web's decline: centralization, copyright, and competition. While the early web promised connection and creativity, today's internet, they warned, is increasingly fragmented, paywalled, and dominated by a few powerful platforms.
Watch the discussion ...
https://blog.archive.org/2025/11/10/internet-luminaries-unite-to-defend-the-open-web-lets-have-a-game-with-many-winners/

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"Inside the old church where one trillion webpages are being saved" (16.11.2025)
The Internet Archive has been saving web history for nearly 30 years. CNN's Hadas Gold goes inside its headquarters to see how the archive is innovating for the AI age and protecting itself from both political and physical threats. ...
https://edition.cnn.com/2025/11/16/business/video/internet-archive-wayback-machine-church-digvid

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#26
Chuck Darwin @cdarwin@c.im 31. Dez. 2025, 22:38:
The Trump administration is closing NASA's largest research library on Friday,
a facility that houses tens of thousands of books, documents and journals
— many of them not digitized or available anywhere else.

https://c.im/@cdarwin/115816338726921817

"NASA's Largest Library Is Closing Amid Staff and Lab Cuts"
Holdings from the library at the Goddard Space Flight Center, which includes unique documents from the early 20th century to the Soviet space race, will be warehoused or thrown out.
https://www.nytimes.com/2025/12/31/climate/nasa-goddard-library-closing.html

"NASA's Largest Library To Permanently Close On Jan 2, Books Will Be 'Tossed Away'" Edited by: Abhinav Singh (Jan 01, 2026)
NASA's largest library at the Goddard Space Flight Center will close permanently on Jan 2 under the Trump administration's reorganisation plans. ...
https://www.ndtv.com/world-news/nasas-largest-library-to-permanently-close-on-jan-2-books-will-be-tossed-away-10170584


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"Archive von Unternehmen: Ach, ins Archiv? Können Sie leider gerade nicht rein"
Manche Privatunternehmer blockieren die kritische Aufarbeitung ihrer Geschichte. Das muss sich ändern.
Ein Gastbeitrag von Jürgen Zimmerer, Hamburg
24. Februar 2026
... Klaus-Michael Kühne und auch Claus Hagenbeck sind für den heutigen Umgang mit der Geschichte ihrer Unternehmen sehr wohl in die Pflicht zu nehmen. ... Wir brauchen ein Archivgesetz, das auch Unternehmen verpflichtet, ihre Hinterlassenschaften der Forschung frei zugänglich zu machen oder in öffentliche Archive zu überstellen. Bis dahin sollte man von öffentlicher Hand keine Kooperationen eingehen und keine Schenkungen annehmen von Personen und Unternehmen, die ihre Transparenz nicht unter Beweis gestellt haben. ...
https://www.zeit.de/hamburg/2026-02/archive-unternehmen-vergangenheit-hagenbeck-kuehne-juergen-zimmerer/komplettansicht

Quotestüsü

Besteht Angst vor Forderungen nach Wiedergutmachung? Man sucht sich seine Familie nicht aus. Aber man steht in der Verantwortung für den Umgang mit der Vergangenheit.


QuoteLatrino Royale

Nazirestaurateur Adenauer forderte schon Anfang der 1950er Jahre, "die Nazi-Riecherei muss endlich aufhören". ...


QuoteLucyMafalda

Vielen Dank dem Autor für die klaren Worte! Die Entrüstung und Enttäuschung über den Umgang mit "historischem Erbe" bzw. "Geschichte" Teile ich. Die "altehrwürdigen" Kaufmannsfamilien sonnen sich gerne im Lichte des wirtschaftlichen Erfolgs ihrer Vorfahren. Sie sollten dann auch die Größe haben, zuzulassen, dass dieser Erfolg Retrospektive kontextualisiert wird. Einfach zu sagen:"das haben früher alle gemacht" oder "das waren eben die Zeiten" ist feige.

Das Verhalten dieser Herren ist exemplarisch für eine Gesellschaft, die die Augen verschließen möchte vor den Greueln der Vergangenheit. Ich sehe das so: würden sie die Aufarbeitung zulassen und die Verantwortung der Vorfahren eingestehen, könnten sie sich davon distanzieren. Durch ihre Verweigerungshaltung laden sie sich die Bürde der historischen Verantwortung auf. Das genau ist doch der Sinn der "Aufarbeitung". Dass wir uns eingestehen können, dass es falsch war, so zu handeln. Auch, wenn "es alle so gemacht haben".

Das Agieren unserer Politiker ist beschämend!


QuoteLutz Lohweber

Wenn ich den Text von Herrn Zimmer so lese, kann ich das Verhalten von C. Hagenbeck gut nachvollziehen.


QuoteTeacher_for_Future

Aufarbeitung ist notwendig!

Putin verklärt eine glorreiche Vergangenheit (in der durch Stalins Regime Millionen gestorben sind), die AgD verklärt eine Vergangenheit, in der ... siehe oben.

Die fossile Lobby will Reiche reich machen. Nicht wahr, Katharina?

Die Autolobby sagte, dass Anschnallen die Freiheit gefährden würde.

Die Zuckerlobby stemmt sich gegen eine gesunde Bevölkerung (weil gegen Zuckersteuer).

Die Freiheit wird mit E-Fuels verteidigt (von wem nochmal?), während die Argumente für diese maximal ineffizienten Energiestoffe hirnverbrannt sind.

Die Regeln für neue Heizungen werden wieder gelockert.

Ja - und die historische Aufarbeitung ist so wichtig, um die eigene Historie (als Gesellschaft) zu verstehen und dann auch auf den ganzen anderen Quatsch nicht hereinzufallen!

Überall ist Aufarbeitung so dringend notwendig!


QuoteLatrino Royale

Natürlich, denn da kann er sicher sein kein Gefälligkeitsgutachten zu bekommen. Das mag so jemand nicht.


QuoteAntje55

... Teile die Forderung von Jürgen Zimmerer. Sollte eigentlich selbstverständlich sein.


QuoteLukas23

Da passt es ins Bild, dass das Staatsarchiv Hamburg gerade massiv Akten/Quellen nach Stade verlagert, weil man in Hamburg angeblich keinen Platz für die Lagerung hat. Ein unglaublicher Vorgang, der umfassend Forschungen - gezielt - be- und vielfach - verhindert! Soweit zum Thema ,,Erinnerungskultur" in der FHH! Wenn werden übrigens die Forschungen zu den Abgeordneten der Bürgerschaft nach 1946 endlich veröffentlicht?


QuoteEmoika

Das mit dem Auslagern nach Stade steht hier: Volles Hamburger Staatsarchiv: Erweiterungsbau geplant (ndr.de)
Ich finde es schon irritierend, dass man da kein Platz innerhalb der Grenzen von HH gefunden hat; auch wenn HH ein Stadtstaat ist.

Und dass das Archiv nicht bzw. nur eingeschränkt nutzbar ist, wenn es ausgelagert ist, erscheint mir nicht überraschend.


QuoteWA52

Ein Unternehmensarchiv ist ein Privatarchiv. Es kann den Zugang zu seinem Archiv selber regeln, auch die Modalitäten seiner Nutzung (dazu gehört z.B. auch der Datenschutz bei personenbezogenen Daten, das ist aber in einem Staatsarchiv auch nicht anders, da kriegen Sie auch heute vom Bundesarchiv nicht die Ergebnisse der Gyn-Untersuchungen der SS-Bräute). Das ist auch so bei Privatpersonen, zu denen auch der Adel gehört. Außerdem müssen Sie ein berechtigtes Interesse nachweisen. Juristisch oder wissenschaftlich.

Wissenschaftlich ist bei Herrn Zimmerer gegeben. Allerdings ist es ein sensibles Feld, und ein Auftreten à la "Jetzt weis ich mal all Eure Verbrechen nach" wird nicht auf Gegenliebe stoßen, denn das Unternehmensarchiv muss potentiell Geschäftsschädigendes nicht freiwillig rausrücken.

Übrigens kann Herr Zimmerer dann auf Akteneinsicht klagen. Andererseits gab es mal den Grundsatz in der Geschichtswissenschaft "sine ira et studio" - ohne Zorn und Eifer, nämlich nicht das als Ergebnis abzuliefern, das man selbst gerne sehen würde, sondern das Ergebnis als Ende eines Prozesses zu sehen. Herr Zimmerer tritt aber gerne schon mal als Staatsanwalt auf und nicht, um im Bild zu bleiben, als Richter, der alle Aspekte einbezieht und dann am Ende zu einem Urteil kommt. Das ist es, was Hagenbeck meint.

In dem Fall würde ich raten, IfZ zu beauftragen oder ZZF in Potsdam.


QuoteJessnett

Es ist nicht gut, wenn private Unternehmen ihre Archive verschlossen halten, insbesondere auch, wenn es um ihre Rolle in der Zeit des Nationalsozialismus, der deutschen Kolonialpolitik, der DDR-Geschichte und anderen historischen Zusammenhängen geht. Ohne die Mitwirkung von Firmen wären das Ausmaß der Deportationen mit der Eisenbahn, die Herstellung und der Profit aus Eisenbahnwagen, die Produktion tödlicher Chemikalien wie Zyklon B, Zwangsarbeit sowie koloniale Ausbeutung mit deren Auswirkung bis heuteund weitere Gewalt in diesem Umfang nicht möglich gewesen. Mechanismen, die in solchen Zeiten ohne Rücksicht auf Menschenrechte ausgenutzt wurden, müssen thematisiert werden – auch und gerade, wenn sie damals als normal galten. Nur so können wir für eine bessere Zukunft lernen. Wer Archive verschließt, verhindert die Aufarbeitung der Geschichte. Wirtschaftliche Interessen dürfen nicht wichtiger sein als das Recht der Gesellschaft und der damaligen Opfer auf Wahrheit und Erinnerung. Gerade bei schweren Menschenrechtsverletzungen braucht es Offenheit und Transparenz. Diese Archive gehören nicht nur den Unternehmen, sondern auch zur gemeinsamen Geschichte. Sie zu öffnen heißt, Verantwortung zu übernehmen – auch wenn es manchmal wehtut. Deutschland kann stolz auf die bisherige Aufarbeitung sein und sollte diesen Weg weitergehen.


QuoteDer.nicht.so.allmächtige

Dass der rot-grüne Senat ihm die Gelder gestrichen hat, deutet darauf hin, dass er an mehreren Stellen angeeckt hat.


QuoteSphinxfutter

Würde man sich ja von einem Historiker auch erhoffen.


QuoteIHDEM

Herr Zimmerer hat schon Recht. Tut sich aber keinen Gefallen mit mancher Wortwahl, fürchte ich,auch wenn ich den Frust verstehen kann.


Quotekastner63

Aus irgendeinem Grund scheinen viele Kommentatoren der Ansicht zu sein, dass Geschichtsforschung kein legitimer Zweig der Wissenschaften sind. Angesichts der Tatsache, dass die Deutschen im heutigen Namibia Anfang des 20. Jahrhunderts große Teile der Herero und Nama (etwa 50.000 Menschen) ermordeten, ist die Aufarbeitung dieser Epoche, für die Herr Zimmerer schon enorm viel geleistet hat, außerordentlich wichtig. Und ja, Aufarbeitung ist das richtige Wort, denn das Bild der Untaten und Taten muss häufig aus Puzzlestücken zusammengesetzt werden, für die alle Archive zur Verfügung stehen müssen, um ein klares Bild zu erhalten. Und wenn der Nachkomme eines Zoogründers vom Range Hagenbecks so tut, als ob er mit seinen Archiven - den Archiven aus der Zeit der Zurschaustellung von Menschen, als seien sie einfach nur höhere Tiere - machen kann, was er will, dann ist das aus der Sicht des Historikers ein Skandal. Wie tief die Altnazis noch bis in die 70er Jahre hinein in der deutschen Gesellschaft saßen, hat man auch erst herausgefunden, als endlich die einzelnen Behörden, einschließlich Kliniken, und die Unternehmen ihre Vergangenheit erforschen ließen.


QuoteRenarinis

Was wurde eigentlich aus den armen Menschen, die so zur Schau gestellt wurden? Haben sie die deutschen Viren und Bakterien überlebt? Wenn ja, wurden sie nach Hause zurückgebracht? Kann ich mir fast nicht vorstellen ... Aber was passierte mit ihnen ,,danach"?


QuoteViola_Granger

Sehr gute Frage. Das würde ich auch gern wissen.


QuoteJessnett

Und gerade das wäre ja wieder eine interessante Forschung! Unter Mithilfe von Hagenbeck...


QuoteZeiTolliver

Mir ist es eigentlich viel wichtiger, wie sich Unternehmen heute benehmen. Manchmal habe ich das Gefühl, dass diese ewige Forderung nach "Aufarbeitung" auch nur dazu dient, eine eigene (Sensations-)Lust zu befriedigen: die Lust, andere zum Kotau zu nötigen.


Quotejcwendt

Das Eine (heutiges Benehmen) hängt meiner Überzeugung nach allerdings aufs Engste mit dem Anderen (damaliges Benehmen vulgo Schuld der Vorfahren) aufs Engst zusammen. Worin ich Ihnen zustimme, ist: "Aufarbeiten" ist eine dumme Floskel, zugleich zu groß und zu instrumentell. Ich würde bescheidener, aber präziser, von Anerkennen sprechen wollen.


QuoteEugéne

    "die kritische Aufarbeitung ihrer Geschichte".

Als ob es darum geht.

Es geht darum, Menschen, die längst tot sind und unter den damaligen Zwängen leben mussten, was anzuhängen. Was oft erst nachträglich als Normen angekündigt wurde und jetzt längst wieder beerdigt wurden (regelbasierte Weltordnung).

Ein Prinzip des Rechts ist, es muss für alle gleich gelten.


Quoteannikablohm

Hat dieses Prinzip des Rechts denn schon immer sehr gut funktioniert?
Ich denke, ein ehrlich interessierter Blick in die Geschichte könnte in der Frage zu dem einen oder anderen Aha-Moment führen.

Verwechseln Sie nicht laufende Gerichtsverfahren und Geschichtswissenschaft.


QuotePaul-Michell

Heutige Privatbesitzer und auch Besitzerinnen profitieren immer noch von den Handlungen ihrer Vorfahren ... die in genannten Fällen extrem verwerflich bis rechtswidrig sind und auch damals schon waren.

Eine Begründung 'das war Zeitgeist' ist nicht annehmbar.

Es wäre ja so als wenn die Erben von Kaiser Wilhelm (Kriegstreiber des WK1) oder Goebels (Kriegshetzer des WK2) oder heutigen Verbrecherclans allen geplünderten, enteigneten, gestohlenen Besitz behalten könnten.


QuoteBrudervomProfilinhaber

Flick, Quandt/klatten, Porsche/Piech sind auch so Kandidaten neben Herr Kühne. Oetker und Reimann haben ja veröffentlicht.


QuoteZeiTolliver

"Eine Begründung 'das war Zeitgeist' ist nicht annehmbar."

Doch, ist es bis zu einem gewissen Grad. Von "Glotzen" zu sprechen ist relativ einfach, wenn man in einer Welt lebt, in der jeder noch so abgelegene Winkel theoretisch in ein paar Stunden per Flugzeug (ihhh, Fliegen) zu erreichen ist, man - rein aus unschuldigem Interesse natürlich - nur mal eben ins Internet gucken muss, wenn man Informationen über fremde Völker (uhhh!) und deren Bräuche recherchieren will - alles schön aufgearbeitet mit Bewegtbildern oder live per Webcam, alles vom Sofa erreichbar. Was waren das dagegen doch alles für neugierige Trottel damals, die Geschichten in der Zeitung gelesen oder von Bekannten und Verwandten über fremde Länder und Leute gehört haben und sich nicht mit maximal ein paar schlechten Schwarz-weiß-Abdrucken in der Postille und vielleicht ein oder zwei Büchern zufrieden gegeben haben oder nicht einfach eine wochenlange Schiffspassage auf sich nehmen wollten? Da kommen sie einfach glotzen, wenn sie die Möglichkeit haben, Menschen, die anders sind, live und in Farbe zu sehen.

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Mit den heutigen Möglichkeiten die gleichen Maßstäbe an Leute anzulegen, die die gleichen Bedürfnisse, aber eben nicht die gleichen Möglichkeiten hatten, ist arm. Wer weiß, wie einst über unseren Umgang mit was auch immer "gerichtet" wird. Wollen Sie dann aus den aktuellen Lebensumständen isoliert bewertet werden? ...


Quoteannikablohm

Antwort auf @ZeiTolliver

Ich bin in der Tat der Überzeugung, es gibt gewisse zeitlose Grundhaltungen, die nie verkehrt sind, auch wenn sich gesellschaftliche Konstellationen und Bedingungen um sie herum verändern. Wenn man sich die erzählten und aufgeschriebenen Geschichten und und Philosophien und Gebote von Gut und Böse und Wahnsinn über die Jahrhunderte hinweg und in der Welt verbreitet anschaut, dann gibt es da so eine oder andere Tugend, die zum Dauerbrenner geworden ist.
Wenn es Ihnen sehr wichtig ist, dass nicht gleich das nächste Jahrhundert Welt als Ganzes schlecht von Ihnen denkt, dann können Sie dort vielleicht Inspiration finden.

... Ich verrate Ihnen gerne, dass ich sogar sehr fest davon ausgehe, dass weder heutige Maßstäbe (was auch immer das sein mag) universell korrekt sind noch mein Lebensstil.


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