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[Philosophie (Gedanken über Gedanken ...) ... ]

Started by lemonhorse, August 04, 2008, 12:01:56 PM

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"Flucht vor den Nazis: Als das Denken auszog"  Michael Hesse (15.03.2023)
Ernst Cassirer ging im März 1933 ins Exil. Walter Benjamin nahm sich 1940 auf der Flucht das Leben. Theodor W. Adorno verließ 1938 endgültig das Deutsche Reich und siedelte in die USA über. Dort wartete bereits Max Horkheimer auf ihn. Hannah Arendt kam 1941 in New York an. Auch Rudolf Carnap verließ 1935 Deutschland und lehrte auf Vermittlung des Logikers und analytischen Philosophen Willard Orman Quine an der University of Chicago.
Die Machtübernahme der Nationalsozialisten in Deutschland und ihr radikaler Antisemitismus hatte unter Philosophen und Philosophinnen einen massiven Exodus zur Folge. Die großen Namen des Wiener Kreises oder der Frankfurter Schule sind bekannt, die fortan ihr Glück in fremden Ländern suchen mussten. Doch wie viele Hochschulprofessoren – in der Philosophie lehrten fast ausschließlich Männer – das Land tatsächlich verließen, welche nicht-akademisch tätigen Philosophen und Philosophinnen emigrierten, ist nach wie vor unbekannt.
Die Universität Jena plant nun ein Datenbankprojekt, mit dem die Emigration aus dem Bereich der Philosophie vollständig erfasst werden soll: Die ,,Digitale Datenbank Exilphilosophie" (DDEP), die von den Philosophen Max Beck, Nicholas Coomann und Roman Yos umgesetzt wird. Interessierte sollen auf einer Karte entdecken können, wohin es die Philosophen und Philosophinnen zog, ob sie wiederkehrten und wenn ja, wohin. Noch steckt das Vorhaben in den Kinderschuhen, es werde einige Jahre dauern, bis man alle Daten gesammelt habe, sagte einer der Projektleiter, Max Beck, im Gespräch mit der Frankfurter Rundschau. ...
... Aktuell geht das Projektteam von 300 bis 500 exilierten Philosophinnen und Philosophen aus. Die Zahl könne noch anwachsen, ,,bei Archivrecherchen trifft man immer wieder auf neue Namen", erzählt Beck. ... Fest steht bislang nur, dass der Nationalsozialismus in Deutschland für einen historisch beispiellosen Exodus des Geistes sorgte. Die Folgen davon sind bis heute zu spüren. So war eine Gruppe von Philosophen besonders betroffen, die in den 1920er Jahren im deutschsprachigen Raum für Aufmerksamkeit gesorgt hatten. Die Rede ist vom sogenannten Wiener Kreis und der Berliner Gruppe. Zu ihren Mitgliedern zählten Rudolf Carnap, Otto Neurath, Moritz Schlick, Alfred Tarski, Carl Gustav Hempel oder Hans Reichenbach. Während Schlick den Wiener Kreis begründete, rief Reichenbach die Berliner Gruppe ins Leben. Ihr Programm war eine ,,Wissenschaftliche Weltauffassung", ein Begriff, der selbst umstritten war, da das Konzept an die ,,Weltanschauung" erinnerte und damit unwissenschaftlich erschien. Was sie aber einte, war eine tiefe Skepsis gegenüber der philosophischen Spekulation. Das Paradebeispiel hierfür lieferte aus ihrer Sicht Martin Heidegger mit seiner Existenzialontologie. Dessen kuriose Wortschöpfungen hielt Carnap für sinnfreien Blödsinn. ... Wie sehr sich die Nazi-Zeit auf die Vertreter der Weltweisheitslehren ausgewirkt hat, wird die Uni Jena in einigen Jahren exakt darlegen. ...
https://www.fr.de/kultur/gesellschaft/flucht-vor-den-nazis-als-das-denken-auszog-92147667.html

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"Wurde das Denken 1945 befreit? Kontinuitäten und Zerrbilder der Philosophie in Deutschland" Veröffentlicht am 20. September 2023 Von David Palme
... Die Philosophie kann doch weder befreit noch besiegt werden. Schließlich hat sie ja gar nicht gekämpft – oder doch? Bei der Frage nach Befreiung oder Niederlage geht es darum, dass ,,die Mehrheit der Deutschen [...] die Naziherrschaft unterstützt hatte." Wie verhielt sich das in der Philosophie? ...
https://philosophie-indebate.de/wurde-das-denken-1945-befreit-kontinuitaeten-und-zerrbilder-der-philosophie-in-deutschland/