Author Topic: Kapitalismus & Kapitalismuskritik (...?)  (Read 30036 times)

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Kapitalismus & Kapitalismuskritik (...?)
« Reply #20 on: September 17, 2018, 05:31:10 PM »
"Im Reich der Gier" Yanis Varoufakis | Ausgabe 35/2018
Mythos - Der Kapitalismus ist entzaubert und bringt uns das größte Faschismusproblem seit den Dreißigern. ... Die meisten meiner deutschen Freunde können es bis heute nicht verstehen: Wie konnte es passieren, dass die Deutsche Bank und der Rest der deutschen Banken 2008 praktisch pleitegingen? Wie kann eine Branche innerhalb von 24 Stunden vom Jonglieren mit Milliarden in die Insolvenz abstürzen, sodass die Steuerzahler sie retten müssen? Die Antwort ist so einfach wie niederschmetternd.
Nehmen wir die deutschen Banken und Exporteure im Sommer 2007: Deutschlands volkswirtschaftliche Gesamtrechnung weist einen großen Überschuss im Handel mit den USA aus. Genauer gesagt, liegt Deutschlands Export-Einkommen durch den Verkauf von Mercedes-Benz-Autos und ähnlichen Waren an amerikanische Verbraucher im August 2007 bei entspannten fünf Milliarden Dollar. Was die deutsche volkswirtschaftliche Gesamtrechnung aber nicht zeigt, ist das wahre Drama hinter den Kulissen: das, was wirklich vor sich ging.
Zwischen Anfang der 1990er und 2007 hatten Wall-Street-Banker Unmengen toxischer Quasi-Geld-Derivate zusammengeschustert und es geschafft, dass deren Marktpreise stark anstiegen. Die Banker in Frankfurt am Main wiederum waren scharf darauf, diese lukrativen Derivate zu kaufen. Sie taten das mit Dollars, die sie sich dafür ausliehen, und zwar von – der Wall Street.
Im August 2007 dann begann das Horrorjahr der Wall Street, das im September 2008 mit der Lehman-Pleite seinen Höhepunkt erreichte. Wie es unvermeidlich gewesen war, begann der Preis der Derivate zu fallen. Die deutschen Banker traf der Schlag, als ihre in Panik verfallenen New Yorker Kollegen ihre Dollarschulden einzutreiben begannen. Die deutschen Banker brauchten sehr schnell Dollars, aber niemand wollte den Berg an toxischen US-Derivaten, den sie gekauft hatten, haben.
Das ist der Grund dafür, dass die deutschen Banken, die auf dem Papier über Gewinne im Überfluss verfügten, von einem Augenblick zum anderen dringend Geld in einer Währung benötigten, die sie nicht besaßen. Hätten sie nicht US-Dollars von Deutschlands Exporteuren leihen können, um ihre Dollar-Obligationen zu erfüllen?
Sicher, nur reichte das bei Weitem nicht aus: Was konnten die fünf Milliarden US-Dollar aus Exporten im August helfen, wo die Außenstände der deutschen Banker bei der Wall Street doch mehr als 1.000 Milliarden US-Dollar betrugen?
Man könnte das, was hier im globalen Maßstab vor sich ging, so zusammenfassen: Einseitigen, in US-Dollar denominierten Finanzströmen, die ursprünglich aufgrund des US-Handelsdefizits gewachsen waren, „gelang“ es, sich von den sie ermöglichenden wirtschaftlichen Werten und Handelsvolumen zu lösen. Die Banker hatten toxische, in US-Dollar notierte Papiere erfunden und diese dann in ihre eigenen Bilanzen geschrieben. Dieses Vorgehen beschleunigten sie derart, dass sie die Schwerkraft fast schon überwunden hatten und ins All hochgeschossen waren – nur um 2008 dann dramatisch abzustürzen.
Von diesem Augenblick an setzten die Politiker alles daran, die Verluste von den Verursachern, den Bankern, auf unschuldige Dritte abzuwälzen: Mittelschicht-Schuldner, lohnabhängige Arbeiter und Angestellte, Erwerbslose, Menschen mit Behinderung und Steuerzahler, die es sich nicht leisten konnten, Depots in Steueroasen zu unterhalten. Vor allem in Europa wurde ein Land gegen das andere aufgehetzt – und zwar von politischen Eliten, die entschlossen waren, die Wahrheit auf den Kopf zu stellen. Aus einer von Bankern in Nord und Süd verursachten Krise machten sie einen Konflikt zwischen arbeitsscheuen Südländern und hart arbeitenden Nordeuropäern, oder eine Krise von angeblich allzu großzügigen Wohlfahrtssystemen in Deutschland, Italien oder Griechenland. Man muss kein Genie sein, um die Puzzleteile zusammenzusetzen und zu verstehen, warum – angesichts des Fehlens einer ernsthaften, wirkungsvollen, mit einer Stimme sprechenden Linken – in den USA und vor allem in Europa Nationalismus, Rassismus und eine allgemeine Menschenfeindlichkeit triumphieren.
... Wir sind an einem Punkt angelangt, der für unsere Generation den 1930er Jahren entspricht – kurz nach dem Crash, im Angesicht eines faschistischen Momentums. Die für diese Generation drängende Frage ist hart. Aber auch wenn kein junger Mensch es verdient hat, mit solch einer harten Frage konfrontiert zu werden, so haben wir alle doch kein Recht, uns ihrer Beantwortung zu entziehen: Wann und wie werden wir gegen die nationalistische Internationale aufstehen, die im gesamten Westen durch den hirnverbrannten Umgang der Technostruktur mit ihrer unvermeidlichen Krise entstanden ist?
https://www.freitag.de/autoren/der-freitag/im-reich-der-gier

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Querlenker | Community

... Jedoch, was hat das alles ursächlich mit dem Lehmann Crash von 2008 zu tun?



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Sägerei | Community

@ Querlenker

Geschichtsschreibung, Schuldzuweisung, Erklärungen, die nicht an den Herrschaftsstrukturen kratzen. Keine Zinsen mehr zu bekommen ist für die deutsche Mittelschicht die schmerzhafteste Folge von 2018, wie Mr. Varufakis ausführte. Das bleibt so bis zur nächsten Nachkriegszeit. Kapital ist jetzt wieder etwas für professionelle Kapitalisten. Für Kleinbürger auf der Suche nach dem finanziellen Perpetuum Mobile ist das Thema verbrannt. Wir sollen gefälligst arbeiten, unsere privaten Versicherungspolicen und Konsumentenkredite bezahlen. Mit dem erwirtschafteten Mehrwert sollen wir die Realwirtschaft am Laufen halten, uns aber aus dem Kapitalmarkt weitgehend heraushalten. Selbstständig machen? Nur wenn Du über Sicherheiten verfügst, die Deinen Investitionskredit doppelt und dreifach absichern. Komm, geh arbeiten und überlass die Investitionslenkung anderen.

Zu der Regulierungskrise, die Mr. Varufakis beschreibt kommt ja noch die ökologische Krise und die massive Überbevölkerung (jedenfals gemessen an unserem Lebenswandel). Auch hier punkten die Faschisten. Einerseits leugnen sie das alles aus machtstrategischen Gründen komplett, andrerseits bereiten sich die radikalsten unter ihnen auf den Tag vor, an dem die Supermärkte nicht mehr beliefert werden (sog. Prepper). Seit 40 Jahren raunt die urgrüne Weissagung der Hopi in unseren Schädeln ("wenn der letzte Fisch gefangen..."), und es spricht wirklich sehr viel dafür, dass wir mit China und Indien im selben Boot einen Punkt ohne Widerkehr überschritten haben. Für diejenigen, die individuell überleben wollen ist das Preppen ein sinnvolles Hobby. Für diejenigen, die kollektiv überleben wollen ist die Aufrechterhaltung von Ordnung das entscheidende Argument pro Faschismus. Ich glaube, dass Geheimdienste ganz ähnliche Perspektiven aus ihren Erkenntnissen ableiten. Anarchie unter Millionen von lebensuntüchtigen Wohlstandszombies (mich eingeschlossen) mag ich mir auch nicht ausmalen.

Die liberale Fraktion scheint das Thema ebenfalls aus machtstrategischen Gründen auszublenden. Bei deren federführenden Vertretern habe ich den Eindruck, dass sie komplett der US-Ostküstenelite folgen, einerseits wegen des unbeschränkten Kapitals (s. Artikel), andererseits weil dort die größte Expertise in modernem Zivilisationsmanagment zu finden ist. Diese "progressiven" Kräfte wollen alles tun was technisch und kulturell möglich ist, um ohne Zivilisationsbruch so viele Menschen wie möglich durchzubringen (aber wohin?). Mit Trump und Co. bricht ihnen sowohl das Kapital als auch die Regulierungsfähigkeit weg. Der Neofeudalismus, der da auf uns zurollt braucht keine Lösungen für irgendwas zu entwickeln. Er muss nur seine Gefolgschaft unter Kontrolle halten und alle anderen ihrem Schicksal zu überlassen.



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iDog | Community

@ Madame Fu

"Und Politik ist dazu da Ökonomie und Gesellschaft auszubalancieren, was aber leider nicht praktiziert wird - aus Unfähigkeit oder Mutwilligkeit oder beidem..."

Es ist weder Unfähigkeit noch Mutwilligkeit im eigentlich Sinne. Man kann es natürlich so interpretieren , verfehlt aber den entscheidenen Punkt dabei. Diese Interpretation entstammt eher einer überholten Auffassung von Politik.

Tatsächlich mag es in manchen Perioden zumindest scheinbar oder oberflächlich betrachtet einen gewissen Ausgleich zwischen Ökonomie und Gesellschaft über die Politik als Mittelsmann gegeben haben. Man macht sich heute aber nicht mal mehr die Mühe die offensichtliche Komplizenschaft zwischen Großinduntrie und staatlicher Dienstleistung zu kaschieren. An sich aber ist Politik = Wirtschaft.

Die historischen herleitung , bzw. Kausalkette spar ich uns jetzt mal, aber der mehr oder wenihger bekannte Status Quo ist bemerkenswert: Die Monopolisierung der globalen Wirtschaft ist in den letzten Jahrzehnten so rasant zugenommen, dass die 500 größten Firmen der Welt etwa 53 % des globalen Bruttosozialprodukts kontrollierten, die 85 Reichsten Personen der Welt besitzen 50% des Weltvermögens (Oxfam). Ein Investmentmanagment Firma wie BlackRock (das ist keine Bank udn unterlegt daher auch keiner Regel) hat mittlerweile das Verwaltungsvolumen von 6000 Millarden überschritten und ist damit praktisch Regierungsmacht in sehr vielen industrialisierten Ländern der Welt, weil sie bedeutende Anteile an jeder globalen Firma halten, Anteile an zB jeder deutschen Dax notieretn Firma, an jeder französischen CAC 40 notierten Firma usw usf.. Im Vergleich dazu das Jahresbudget Frankreichs oder Deutschland um die 360 Milliraden. Mit anderen Worten , die haben über die Finanzmacht einen viel größeren Einfluss auf alles als jede einzelne Regierung, können Regierungen im Standortwettkampf gegeneindander ausspielen, befördern ungehindert die weiter Monopolisierung und Machtakkumulation (zB. Bayer und Monsanto waren beides Firmen dis starkt von BlackRock beeinflusst und nun von BlackRock zusammengeleget wurden)....

Kurz , was früher vielleicht Unfähigkeit oder Mutwilligkeit, Opportunismus oder Korruption war oder genannt wurde, ist heute ganz offensichtlich und einfach nur noch pure Machtlosigkeit. Der Staat und seine "Politik" fallen weitfgehend unter Servicleistungen für die Großindustrie - siehe Entscheidungen zu Glyphosat, Energiepolitik etc. oder zur Steuerpolitik. Da braucht einen die Personalauswahl in der Politik nicht weiter wundern, oder?


tbc
« Last Edit: August 08, 2019, 04:20:52 PM by Link »

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Kapitalismus & Kapitalismuskritik (...?)
« Reply #21 on: September 17, 2018, 05:41:34 PM »
"Abhängigkeit vom Wirtschaftswachstum beenden!"
Gastbeitrag - Das Streben nach Wachstum um jeden Preis spaltet die Gesellschaft, schafft wirtschaftliche Instabilität, untergräbt die Demokratie. Europa muss umdenken! Ein Brandbrief --- In den vergangenen 70 Jahren war das Wachstum des Bruttoinlandsprodukts (BIP) das übergeordnete wirtschaftliche Ziel der europäischen Staaten. Während aber unsere Volkswirtschaften gewachsen sind, haben auch die negativen Auswirkungen unseres Wirtschaftens auf die Umwelt weiter zugenommen. Wir überschreiten bereits heute die ökologischen Grenzen, die der Menschheit einen sicheren Handlungsraum auf diesem Planeten geben. Es gibt keine Anzeichen dafür, dass sich die Wirtschaftstätigkeit auch nur annähernd so weit von Ressourcenverbrauch oder Umweltverschmutzung entkoppelt, wie es tatsächlich notwendig wäre. Um die sozialen Probleme in den europäischen Ländern zu lösen, brauchen wir heute kein weiteres Wachstum. Was wir brauchen, ist eine gerechtere Verteilung der Einkommen und des Reichtums, den wir bereits haben. ...
https://www.freitag.de/autoren/der-freitag/abhaengigkeit-vom-wirtschaftswachstum-beenden

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""Inside Lehmann Brothers" Drogen, Druck, Dollars"
„Jemand hat ihnen einen falschen Traum verkauft“: Eine Arte-Dokumentation erzählt vom Aufstieg und Fall von Lehman Brothers. Thomas Gehringer (17.09.2018)
https://www.tagesspiegel.de/medien/inside-lehmann-brothers-drogen-druck-dollars/23077808.html

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"„Lehman. Gier frisst Herz“ - Schnelles Geld"  Daland Segler (23.09.2018)
...Dem Regisseur Raymond Ley gelingt eine spannende Aufarbeitung des weltweit bisher größten Finanzskandals. ... „Lehman. Gier frisst Herz“ heißt der Film, und Ley und Eisfeld schaffen es, die Hektik, die Nervosität und die Brutalität eines Gewerbes zu vermitteln, dessen Krise weltweit katastrophale Folgen für unzählige Menschen hatte – nur nicht für die Verantwortlichen. Richard Fuld, zur Zeit des Konkurses von Lehman Brothers deren Vorsitzender, lässt es sich mit Boni-Millionen als Kunstsammler gutgehen. Josef Ackermann, als Chef der Deutschen Bank Mittäter, ist nicht mal vorbestraft und darf seit 2014 den Verwaltungsratspräsident der Bank of Cyprus spielen.
Ackermann wie auch andere Größen des Finanzkapitals haben ihren Auftritt in Leys Film. Denn der verbindet Fiktion mit Dokumentation – ein angemessener Umgang mit dem Thema: Soll keiner auf die Idee kommen, das sei alles erfunden. Ist es nicht.
Wer seinerzeit die Demonstrationen der Geschädigten vor den Sparkassen-Filialen gesehen hat, weiß, dass zum Beispiel die Restaurantbesitzer Claudia und Torsten Büttner (Susanne Schäfer und Oliver Stokowski) mitten aus dem Leben gegriffen sind. Wie sie haben Tausende ihr Geld auf Anraten ihrer Bank in Papieren angelegt, die mit der Lehman-Pleite nur noch das waren: Papier. Tatsächlich äußern sich auch einige Opfer des Lehman-Skandals. Ihnen allen ist gemeinsam: Sie hatten keine Ahnung vom drohenden Unheil, weil sie ihrem „Bankbeamten“ vertraut haben.
Raymond Ley vermag es, mit einer rasanten Montage (Schnitt: David Kuruc) und dokumentarisch wirkenden Szenen aus Frankfurt (Kamera: Dominik Berg) die auseinanderdriftende Lebenswirklichkeit der „normalen“ Bürger und der Investment-Banker in Bilder zu fassen. Gier regierte die Welt, und der Tanz ums Goldene Kalb wurde online aufgeführt.
Karl Dannenbaum, Ex-Geschäftsführer von Lehman Deutschland, ist real mit seiner heutigen Bewertung der Ereignisse und als fiktiver Charakter eine zentrale Figur, auch selbst ein Getriebener von den Machenschaften der Bankzentrale in den USA. Wie auch die Politiker: Selbstverständlich zeigt Ley noch einmal die leeren Versprechungen Angela Merkels und Peer Steinbrücks (damals Finanzminister), das Geld der Sparer sei „sicher“. Heute muss Steinbrück zugeben, man habe 2008 einen „Kontrollverlust“ erlitten.
Die enge Verzahnung von Realität (mit Interviews) und Schilderung des Schicksals von fiktiven Bankkunden bewahrt den Film davor, in Klischees abzugleiten. So ist Ley eine spannende Aufarbeitung des weltweit größten Finanz-Skandals gelungen, an dessen Ende sich auch das Bild des Sparkassen-Angestellten Arne Breuer radikal verändert hatte: Aus dem Bankbeamten wurde der „Bankster“.
http://www.fr.de/kultur/netz-tv-kritik-medien/tv-kritik/lehman-gier-frisst-herz-schnelles-geld-a-1588109

« Last Edit: September 24, 2018, 12:21:46 PM by Link »

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Kapitalismus & Kapitalismuskritik (...?)
« Reply #22 on: September 24, 2018, 04:14:42 PM »
"Wir Versprengten in der Kränkungsgesellschaft" (24. September 2018)
Der Bestsellerautor Hans-Peter Martin, ehemaliger "Spiegel"-Korrespondent und unabhängiger Europaparlamentarier, veröffentlicht in dieser Woche sein neues Buch "Game Over". Telepolis bringt exklusiv erste Auszüge.
https://www.heise.de/tp/features/Wir-Versprengten-in-der-Kraenkungsgesellschaft-4170961.html

GAME OVER
Wohlstand für wenige,
Demokratie für niemand,
Nationalismus für alle
und dann?
https://hpmartin.info/

Quote
     grftjx, 24.09.2018 09:41

Der Kinderglaube des Herrn Martin

Die "gute alte Zeit" der kapitalistischen Demokratien war die Zeit, als man den Leuten noch erzählen konnte, dass der Weg zur Glückseligkeit aller darin besteht, dass alle gemeinsam für Wohlstand und Wachstum arbeiten. Sicher, dabei werden einige etwas mehr am Ende haben als andere, aber erstens geht es trotzdem allen immer besser, und zweitens kann man sich ja besonders anstrengen und zu denen aufsteigen, die mehr bekommen.

Natürlich war das immer eine Lüge. Schon mit bescheidenen Mathematikkenntnissen war leicht zu sehen, dass sich bei diesem System immer mehr Vermögen in den Händen von sehr wenigen ansammeln würde, bis die Kluft zum Rest so groß wird, dass diese wenigen über absolute Macht verfügen. Und genau das war selbstverständlich auch immer das Ziel.

Wir haben dieses Ziel weitgehend erreicht, und es beginnt auch den letzten zu dämmern, dass sie einer Lüge aufgesessen sind, und dass ihr eigenes Wohlergehen in diesem abgekarteten Spiel nie die geringste Rolle gespielt hat.

Nun ist es aber schon so, dass es für jene, die jetzt absolute Macht haben, praktisch wäre, wenn man die Illusion von Demokratie noch eine Weile aufrechterhalten könnte, während man im Hintergrund die Umstellung auf totalitäre Herrschaftsausübung weiter vorbereitet. Und dafür sind Bücher wie das von Herrn Martin, wo man sich weiter an die Lügen von damals klammert, ungemein nützlich und fördernswert.


Quote
     OberstMeyer, 24.09.2018 11:07

Das alte Kriegsleiden der liberalen Linken

Nicht zuletzt durch die Manipulationen von VWL- und BWL-Lehre hält sich hartnäckig die irre Auffassung, daß Kapitalismus im Grund ganz o.k. sei, dieser nur vernünftig zu handeln und sozial zähmbar sei. Das ist auch als Hintergrund der Darlegungen des Autors zu bemerken. Dem liegt ein völliges Nichtverstehen der autarken und autonomen Abläufe in der Entwicklung der Produktionsverhältnisse, deren eigentlicher Kern der Wert ist, zugrunde. Leider erwischt diese Illusion auch leidenschaftliche Kritiker des "gegenwärtigen" Kapitalismus wie den Autor und auch den erwähnten Harald Schumann. Es gibt diesen "gegenwärtigen" Kapitalismus, der irgendwie aus dem Ruder gelaufen sei, nicht, auch keinen vernünftigen oder idealen. Es gibt nur Kapitalismus immer in einer logisch entwickelten Phase, der jetzt die kritisierten Erscheinungsformen hervorbringen muß. "Korrekturen", wie sie dem Autor vielleicht vorschweben, bringen evt. einige geschliffenere Kanten, halten den logischen Prozeß jedoch nicht auf. Dazu sei auf die Diskussion auf keimform.de verwiesen: http://keimform.de/2018/kritik-der-aufhebungs-und-keimformtheorie/
Beide mögen ja integre Personen sein, jedoch kommen sie so nie auf den Punkt und schrammen zunehmend die Hoffnungslosigkeit, zu besichtigen z.B. bei der Veranstaltung im Grips ("Fabian Scheidler, Harald Schumann im Grips Theater: Chaos. Das neue Zeitalter der Revolutionen - Am 07.03.2018 veröffentlicht

Mit: Fabian Scheidler, Autor ("Das Ende der Megamaschine. Geschichte einer scheiternden Zivilisation", "Chaos. Das neue Zeitalter der Revolutionen" (www.revolutionen.org)) und Harald Schumann, Journalist beim Tagesspiegel und bei "Investigate Europe", Buchautor ("Die Globaliserungsfalle", "Der globale Countdown"), Autor der Arte-Filme "Staatsgeheimnis Bankenrettung", "Troika: Macht ohne Kontrolle" und "Das Microsoft-Dilemma".
Fabian Scheidler und Harald Schumann diskutieren über die globalen Herausforderungen der Gegenwart und Zukunft: die Krise des Lebens auf der Erde, die zunehmende Spaltung zwischen Arm und Reich und das geopolitische Chaos, das mit dem Niedergang der US-Hegemonie und dem Aufstieg Chinas verbunden ist." ---> https://www.youtube.com/watch?v=WC6lFfinzDM [// https://de.wikipedia.org/wiki/Fabian_Scheidler], https://www.taz.de/!bo=18746e22b9cfdfa213/ [Kontext TV ist ein unabhängiges Nachrichtenmagazin mit Sitz in Berlin. Inspiriert von dem US-amerikanischen Sender Democracynow! lässt Kontext kritische Stimmen aus dem In- und Ausland zu drängenden Gegenwarts- und Zukunftsthemen wie Klima, soziale Gerechtigkeit und Krieg und Frieden zu Wort kommen. Gesendet wird über Internet und lokale TV- und Radiostationen. Zu den Gästen zählen AktivistInnen, WissenschaftlerInnen und JournalistInnen wie Noam Chomsky, Vandana Shiva, Bill McKibben, Maude Barlow, Harald Schumann, Ulrike Herrmann, Amy Goodman, Immanuel Wallerstein und Nnimmo Bassey.] ... ). Solange sie nicht auf die tatsächlichen Wertzusammenhänge stoßen, sind sie zu Resignation verurteilt.


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Kapitalismus & Kapitalismuskritik (...?)
« Reply #23 on: September 26, 2018, 12:22:00 PM »
Quote
[...] Banken verleihen Geld, das sie sich vorher selbst geliehen haben. Von Sparern oder von der Zentralbank. Soweit das Lehrbuchwissen und soweit so falsch. Denn Banken können Kreditnehmern Geld einfach so gutschreiben, ohne vorher Geld von Dritten einzusammeln. Anders als viele glauben, hat die Zentralbank deshalb kaum Möglichkeiten, die Geldmenge wirklich zu steuern.

Das ist ein Problem, meint unter anderem Thomas Mayer, ehemaliger Chefvolkswirt der Deutschen Bank. Diese Geldschöpfung durch die Banken destabilisiere immer wieder unser Finanzsystem. Selbst renommierte Volkswirtschaftsprofessoren wie Peter Bofinger haben das Problem lange nicht gesehen. Bofinger hat inzwischen sein Lehrbuch entsprechend korrigiert.

Mayer plädiert wie viele andere Kritiker für eine neue Geldordnung, zum Beispiel für ein Vollgeld-System, in dem es frisches Geld nur noch von der Zentralbank gibt. In der Schweiz haben die Bürger ein solches System allerdings im Juni abgelehnt, nachdem Banken, Vertreter der Wirtschaft und selbst die Zentralbank massiv davor gewarnt hatten.


Aus: "Wie unser Geld wirklich entsteht: Money from nothing" Vivien Leue (25.09.2018)
Quelle: https://www.deutschlandfunk.de/wie-unser-geld-wirklich-entsteht-money-from-nothing.1247.de.html?dram:article_id=425402

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Quote
[...] Heute wird die Wasserversorgung in England und Wales durch multinationale Großkonzerne betrieben. Die viel beschworene Effizienz ist dabei nicht sichtbar. In vielen Städten gibt es zahlreiche Leckagen. In einem kurz vor dem Parteitag veröffentlichten Strategiepapier mit dem Titel "Clear Water: Labour's Vision for a Modern and Transparent Publicly-Owned Water System" weist die Partei auf weitere durch die Privatisierung verursachte Probleme hin.

So seien die Kosten für den Endverbraucher im Laufe der vergangenen 25 Jahre um 40% gestiegen. Derweil hätten die Betreiberkonzerne in den letzten zehn Jahren Dividenden im Wert von 18 Milliarden Pfund an ihre Aktionäre ausgeschüttet. Dieses Geld, so argumentiert das Strategiepapier, hätte man stattdessen in die Infrastruktur stecken oder zur Senkung der Verbraucherpreise nutzen können. Stattdessen seien Investitionen in die Infrastruktur zwischen 1990 und 2018 massiv gesunken, obwohl 20% des Leitungswassers durch Leckagen verloren gehe. Für diese "Leistung" seien die Chefs der Wasserkonzerne im Durchschnitt mit einer Million Pfund pro Jahr bezahlt worden.

In seiner Parteitagsrede vom Montag, den 24. September, kündigte Labours wirtschaftspolitischer Sprecher John McDonnell die Verstaatlichung der britischen Wasserversorgung durch die nächste Labour-Regierung an. Das oben erwähnte Strategiepapier soll beschreiben, wie dies funktionieren könnte.

Angedacht ist demnach eine Regionalisierung der Wasserversorgung, die an "Regional Water Authorities" übertragen werden soll. Dies soll durch ein im Parlament beschlossenes neues Gesetz in die Wege geleitet werden. Dieses Gesetz soll außerdem Schutzklauseln enthalten, welche zukünftige Privatisierungsvorhaben verhindern sollen.

Die Labour-Partei fasst ihre Pläne unter dem Schlagwort "demokratischer öffentlicher Besitz" zusammen. Damit ist die Errichtung von Strukturen gemeint welche "Teilhabe und Rechenschaftspflicht maximieren" sollen. Teil dieser Rechenschaftspflicht soll eine für die Bevölkerung jederzeit einsehbare Veröffentlichung aller die Wasserversorgung betreffenden Behördendokumente im Internet sein. Außerdem sollen die "Regional Water Authorities" öffentlich tagen und paritätisch aus Lokalpolitikern, Gewerkschaftsvertretern sowie Mitgliedern von Nachbarschafts- und Umweltschutzgruppen bestückt werden. Den Profitgedanken möchte Labour aus der Wasserversorgung verbannen. Stattdessen will man eventuelle Überschüsse für Investitionen in Infrastruktur oder in die Kostensenkung stecken.

...


Aus: "Labour-Partei will britische Wasserversorgung verstaatlichen" Christian Bunke (27. September 2018)
Quelle: https://www.heise.de/tp/features/Labour-Partei-will-britische-Wasserversorgung-verstaatlichen-4175851.html

« Last Edit: September 27, 2018, 11:58:58 AM by Link »

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Kapitalismus & Kapitalismuskritik (...?)
« Reply #24 on: October 01, 2018, 05:27:17 PM »
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[...] „Potente“ Unternehmen „befriedigen“ ihre Gläubiger – allein die Sprache mache deutlich, welche Rolle Sexualität und Religion in unserem Verhältnis zum Geld spielen, sagt der Philologe Jochen Hörisch. Auch die Wirtschaftswissenschaft sei höchst irrational.

...

Rabhansl: 20.000 Euro auf dem Konto oder nicht 20.000 Euro – man könnte denken, das ist eine höchst rationale Zahl. Aber genau mit einem solchen Gedankenexperiment beginnen Sie Ihren Text und sagen „Stimmt nicht“. Warum nicht?

Hörisch: Man muss nicht Philologe sein, um auf die Idee zu kommen, dass das, was da liegt, eine ganz seltsame Zeichenqualität hat. Man fragt sich ja immer, ist an diesem Kontoauszug irgendetwas dran, ist das gedeckt? Und schon der Begriff der Deckung – ein Hengst kann eine Stute decken – ist eigentlich ganz eigentümlich. Und wenn man sich näher heranzoomt, merkt man, dass das Geld mit sehr irrationalen Grundbegrifflichkeiten aus der sexuellen oder aus der religiösen Sphäre, also aus Sphären, die wir ja nicht als sonderlich rational begreifen, verbunden ist. Dann hat man ein Unternehmen, das „potent“ ist. Und wenn es potent ist, dann kann ich meine Gläubiger „befriedigen“.

Was sollen solche Begriffe wie „Potenz“ oder „Gläubiger befriedigen“? Wir merken sehr schnell, auch in der Art und Weise, wie wir psychologisch das Geld besetzen, dass wir ein nicht rationales, ein gieriges, ein eher sexualisiertes, ein gläubiges, ein verrücktes Verhältnis zum Geld haben. Insofern sind die 20.000 nicht bloß eine Ziffer, sondern auch die Bezeichnung für eine eher magische Potenz.

Rabhansl: Zwischen Geld und Schuld, zwischen Schuld und Sünde, da steckt, wie Sie gerade schon gesagt haben, diese Sexualität drin, aber eben auch dieses fast religiöse Verhältnis. Und in Ihrem Text lese ich den bemerkenswerten Satz: „Geld ist gedeckt durch den Glauben an Geld“. Also, wenn Geld nur so lange etwas wert ist, wie wir dran glauben, dass das Geld etwas wert ist, dann müssten wir ja auch eigentlich anders mit Geld umgehen, oder?

Hörisch: Nein. Wir glauben ja auch daran, dass andere an Geld glauben und dann funktioniert. Zoomen wir uns zurück in das Jahr 2008 – und die Älteren unter uns haben gewiss noch in Erinnerung, wie die Bundeskanzlerin, die damals schon Merkel hieß, und der Finanzminister, der Steinbück hieß, vor die Presse traten und die Medien, und sagten, wir garantieren euch, liebe Deutsche, dass eure Einlagen bei den Banken gedeckt sind. Und das hat funktioniert, es gab keinen Bank-Run, weil alle dran geglaubt haben, dass auch andere mitmachen bei diesem Spiel. Ansonsten hätten wir natürlich einen Bankzusammenbruch im allergrößten Maßstab gehabt.

Man muss also dran glauben, dass dieses Geld eine Macht besitzt, sich in etwas anderes zu transformieren, zu wandeln. Solange ich merke, ich schieb einen 50-Euro-Schein rüber und dann ist der Tank voll, merke ich, dass aus der Zeichenhaftigkeit des Geldes was anderes geworden ist. Und das ist den Theologen ein sehr vertrautes Denkmotiv. Es ist das der Transsubstantiation, aus Zeichen, aus einer Oblate, aus Wein wird Christi Leib und Blut. Das wandelt sich, das konvertiert sich, wenn man denn daran glaubt. Und wenn wir daran glauben, dass das Geld wandelnde Kraft hat, dann funktioniert es. Wenn wir nicht dran glauben, siehe im Augenblick etwa Venezuela, dann hat das Geld seine sexuelle und eben auch seine religiöse Kompetenz und Macht eindeutig verloren.

Rabhansl: Dass Geld funktioniert, wenn wir dran glauben, das erleben wir als finanzpolitische Laien im Alltag jeden Augenblick. Aber sieht das bei den Ökonomen, den Wirtschaftswissenschaftlern, wie sie sich nennen, genauso aus?

Hörisch: Die Wirtschaftswissenschaftler werden ja nicht schamrot, wenn sie etwa als Wirtschafts-„Weise“ bezeichnet werden – ein Begriff, der ja heute ganz unzeitgemäß ist. Ich nehme viele, nicht alle, um Gottes Willen, Wirtschaftsweise als diejenigen wahr, die so irrational sind, an ihre eigenen rationalen Modelle zu glauben. Damit das mehr als ein Aperçu ist, will ich einfach erinnern, wie etwa Schrempp, der damals Vorstandssprecher war bei Daimler, mit glänzenden Augen auftrat und sagte, wir haben jetzt eine Hochzeit im Himmel, Daimler und Chrysler machen ein Joint-Venture und vereinen sich. „Hochzeit“ ist ein sexueller Begriff, „Himmel“ ist ein religiöser Begriff. Dann kommen die Wirtschaftswissenschaftler und sagen, wir haben eine Agentur eingeschaltet, nennen wir sie McKinsey oder Hayek, die haben das durchgerechnet, es gibt Skalen, Effekte, das ist eine ganz rationale Geschichte. Man muss nur hinhören und merken, da ist einer mit glänzenden Augen, der sagt „Hochzeit“ und „Himmel“.

Wir merken also, wie viel an Verrücktheit, an Fantasien, an Erlösungshoffnungen da drinsteckt. Und denken Sie an so ein Wort wie „Erlösung“. Noch im ökonomischen Wort „Erlös“, ich erziele einen Erlös, steckt ja was Religiöses. Und auch „Kredit“ und „Schuldner“ sind ja theologische Begriffe. Man hat dann eine Wert-„Schöpfungs“-Kette. Wenn man pleite ist, macht man einen „Offenbarungseid“. Man geht mit den Autos, die man produziert, zur „Messe“, und dann meint man nicht mehr das Hochamt, sondern man meint eben die Industriemesse. Wohin wir also gucken und spucken, merken wir, dass wir religiöse Begrifflichkeit haben in der ökonomischen Sphäre. Und genau das wollen eigentlich viele Wirtschaftswissenschaftler nicht zur Kenntnis nehmen.

Rabhansl: Obwohl es ja weit über solche reine Wortwahl hinausgeht. Wenn zum Beispiel Ökonomen ganz ernsthaft an die berühmte „unsichtbare Hand des Marktes“ glauben, da lese ich bei Ihnen, dass die ökonomische Aufklärung weit hinter den Stand der religiös-theologischen Aufklärung zurückfalle. Wie erklären Sie sich, dass ausgerechnet in der Ökonomie solche Glaubenssätze bestehen bleiben?

Hörisch: Eben damit, dass man Rationalität und Irrationalität verwechselt, also ernsthaft glaubt, wenn man Mathematik als die Leitwissenschaft einsetzt in einem Bereich, wo sie eigentlich nicht funktioniert, dann verfällt man einem Irrglauben. Das ist so wie das Hexeneinmaleins in Goethes „Faust“. Faust wird ja auch zu einer großen Figur, die ökonomische Reformen voranbringt. Die „Invisible hand“, das ist jedem einigermaßen historisch Gebildeten bei Adam Smith klar, ist die Übersetzung der Hand Gottes, in der wir alle sind, in die ökonomische Sphäre. Es ist also für Adam Smith noch vollkommen klar, dass da eine religiöse Metapher ins Ökonomische fällt, hineinkopiert worden ist.

Rabhansl: Das ist aber ein paar Jahre her.

Hörisch: Das ist aber ein paar Jahre her, aber das ist ein Glaube, der bis heute gilt. Versuchen Sie mal in sich als aufgeklärt begreifenden ökonomischen Milieus zu sagen, Leute, ihr glaubt so an die Invisible hand wie religiöse Leute an die Hand Gottes glauben. Ihr seid die letzten Theologen und die letzten religiösen Fundamentalisten in der wissenschaftlichen Sphäre, dann werden sie nicht auf viel Sympathie treffen. Aber genauso ist das Wort gemeint, das die ökonomische Aufklärung weit hinter der theologischen Aufklärung her ist. Man kann drauf verzichten, auf den lieben Gott zu setzen und an ihn zu glauben. Wer aber nicht an die Invisible hand des Marktes glaubt, der wird keinen Lehrstuhl in der VWL oder in der BWL bekommen.

...


Aus: "Die Irrationalität in der Ökonomie„Wir haben ein sexualisiertes, ein gläubiges Verhältnis zum Geld“"
Jochen Hörisch im Gespräch mit Christian Rabhansl (20.01.2018)
Quelle: https://www.deutschlandfunkkultur.de/die-irrationalitaet-in-der-oekonomie-wir-haben-ein.1270.de.html?dram:article_id=408796


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« Reply #25 on: October 02, 2018, 11:45:45 AM »
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[...] Zuletzt ging es zwischen den Wirtschaftsweisen nicht immer harmonisch zu. Die Nominierung eines neuen Mitglieds sorgt für erhitzte Gemüter.

Der Sachverständigenrat für Wirtschaft (SVR) gilt als wichtigstes wirtschaftspolitisches Beratergremium der Bundesregierung. Die Besetzung des Rats der sogenannten Wirtschaftsweisen ist daher immer ein Politikum. Nun wurde bekannt: Auf Vorschlag der Gewerkschaften wird im März voraussichtlich der Berliner Ökonom Achim Truger das Ratsmitglied Peter Bofinger ersetzen. Sofort hagelte es am Wochenende Protest, allerdings ungewohnt heftigen. Die Gewerkschaften „entsenden einen reinen Vertreter ihrer Interessen in den SVR“, rügte etwa Ratsmitglied Lars Feld auf Twitter.

Seit den sechziger Jahren berät der Sachverständigenrat zur Begutachtung der gesamtwirtschaftlichen Entwicklung – so der volle Name – die Bundesregierung. Zwei Mal im Jahr legt er ein Gutachten vor, in dem es nicht nur um die Konjunktur geht, sondern um alle relevanten wirtschaftspolitischen Fragen: um die Rente, den Arbeitsmarkt, um die Energiepolitik, die Mietpreisbremse oder die Euro-Krise. Der SVR legt damit eine Art offizielle Deutung der Vorgänge in der Wirtschaft vor, er erklärt die Wirklichkeit gemäß ökonomischen Modellen. Doch sind diese Modelle und Deutungen erstens auch unter Ökonomen umstritten. Zweitens geht es bei Wirtschafts- und Sozialpolitik nicht nur um theoretische Differenzen, sondern auch um praktische Interessensgegensätze, zum Beispiel von Arbeitnehmern und Arbeitgebern.

Die Regeln zur Besetzung des SVR versuchen, diesen Gegensätzen gerecht zu werden: Drei der fünf Wirtschaftsweisen beruft das Wirtschaftsministerium, ein Mitglied darf traditionsgemäß von den Unternehmerverbänden vorgeschlagen werden und eines von den Gewerkschaften. So sollen die Interessen von Arbeit und Kapital im SVR vertreten sein. Auf dem sogenannten Arbeitgeberticket sitzt derzeit Volker Wieland im Rat, auf dem Gewerkschaftsticket seit März 2004 der Würzburger Ökonom Bofinger.

Doch in den vergangenen Jahren hat sich der Rat zunehmend gespalten. Statt als Einheit treten die fünf Weisen häufig als 4+1 Weise auf: Die Ratsmehrheit auf der einen Seite, Bofinger auf der anderen. Letzterer spickte die vorgelegten Gutachten regelmäßig mit seinen „abweichenden Meinungen“.

Während Bofingers vier Kollegen warnten, die Einführung eines Mindestlohns werde viele Jobs kosten, sah er keine bedeutsamen Beschäftigungsverluste. Bofinger kritisierte das „uneingeschränkte Vertrauen, das die Mehrheit im Rat in die ordnenden Kräfte der Finanzmärkte setzt“. Er betonte das Problem der wachsenden Ungleichheit in Deutschland und schloss sich dem Lob der Ratsmehrheit für Agenda 2010 und Hartz IV nicht an. Der Schlagabtausch kulminierte vor einem Jahr, als Bofinger eine aktivere Industriepolitik in Deutschland forderte, woraufhin die anderen vier Sachverständigen ihm öffentlich Fehler vorwarfen, die „einem Profi nicht passieren sollten“.

Bofingers dritte Amtszeit läuft im März aus. Und nun haben die Gewerkschaften den Ökonomen Achim Truger als Nachfolger gewählt, berichtete das „Handelsblatt“. Das SPD-Mitglied Truger ist Experte für öffentliche Finanzen und kommt aus dem Gewerkschaftslager. Er arbeitete lange für das gewerkschaftsnahe Institut IMK und lehrt derzeit Makroökonomie an der Hochschule für Recht und Wirtschaft in Berlin. Bekannt ist Truger vor allem durch seine Kritik an der rigiden Sparpolitik in Europa und an der deutschen Schuldenbremse.

In ungewöhnlich scharfer Form kritisierten am Wochenende einige Ökonomen die Nominierung Trugers. Truger habe lange auf der Gehaltsliste der Gewerkschaften gestanden, rügte SVR-Mitglied Lars Feld die Entscheidung: „So höhlt man die gesetzlich gewährte Unabhängigkeit des Gremiums aus.“ Die Wirtschaftsweise Isabel Schnabel forderte, bei der Besetzung des Rats müsse „die wissenschaftliche Qualifikation an oberster Stelle stehen“, und diese Qualifikation zeige sich unter anderem in Publikationen in international anerkannten Fachzeitschriften.

Der Ökonom Justus Haucap kommentierte die Wahl Trugers mit: „Den Gewerkschaften ist der SVR offenbar völlig egal“. Für seinen Kollegen Philip Jung von der TU Dortmund „desavouieren die Gewerkschaften den SVR als wissenschaftliches Gremium“. Gewerkschaftsnahe Ökonomen hielten am Wochenende dagegen: „Truger kennt die deutsche Finanzpolitik wie kaum ein anderer“, so IMK-Ökonom Sebastian Gechert. Andrew Watt, Leiter der IMK-Abteilung für europäische Wirtschaftspolitik, schrieb, Bofinger sei zwar schwer zu ersetzen, aber Truger sei eine „hervorragende Wahl“.

Eine Zwischenposition nahm der Ökonom Rudolf Bachmann ein, der befürchtet, dass im SVR künftig „linke Themen noch weniger eine Rolle spielen werden, weil sie zu leicht mit Unwissenschaftlichkeit beschmiert werden können. Das können die Gewerkschaften nicht wollen.“ Bachmann hätte lieber andere Kandidaten – zum Beispiel den Düsseldorfer Ökonomen Jens Südekum – an Trugers Stelle gesehen.

Für dauerhafte Differenzen unter den Wirtschaftsweisen ist also gesorgt, sollte Truger tatsächlich berufen werden. Der Ökonom sieht darin kein Problem: „In der Volkswirtschaftslehre gibt es nicht die eine richtige Politikempfehlung“, sagte er dem „Handelsblatt“. Wenn es um ökonomische Zusammenhänge gehe, dann gebe es unterschiedliche Modelle und damit auch unterschiedliche wirtschaftspolitische Schlussfolgerungen. Er „fände es gut, wenn sich in den Schlussfolgerungen das große Spektrum der in der Volkswirtschaftslehre vertretenen Ansätze widerspiegeln würde“.


Aus: "Alle gegen einen" Stephan Kaufmann (02.10.2018)
Quelle: http://www.fr.de/wirtschaft/wirtschaftsweise-alle-gegen-einen-a-1593150

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Kapitalismus & Kapitalismuskritik (...?)
« Reply #26 on: October 18, 2018, 10:17:46 PM »
Quote
[...] David Graeber, einer der Köpfe der Occupy-Bewegung, sieht eine sinnentleerte neue Arbeitswelt – und fordert das bedingungslose Grundeinkommen.

Durch Digitalisierung und Automatisierung entstehen zunehmend sinnlose Jobs, beklagt David Graeber, Anthropologe von der London School of Economics. Der gebürtige US-Amerikaner ist als Kopf der Occupy-Bewegung berühmt geworden. In seinem kürzlich erschienenen Buch „Bullshit-Jobs“ beklagt er die sinnentleerte neue Arbeitswelt.

„Es ist offensichtlich, dass die Herstellung von Gütern produktiver und effizienter wird, wenn sie digitalisiert wird. Dann brauchen Sie weniger Mitarbeiter“, so der Forscher in einem Interview mit Technology Review. Das aber habe nicht zu sinkenden Beschäftigungszahlen geführt, sondern zur Ausweitung bei administrativen Jobs und Managertätigkeiten. Viele davon seien jedoch Bullshit-Jobs. „Das ist ein Job, von dem die Leute, die ihn machen, glauben: Wenn es diesen Job nicht gäbe, würde dies nicht auffallen, würden die Dinge sogar ein wenig besser“, sagt Graeber.

„Mir schrieb jemand, dass er 15 Jahre bei einer Bank als Effizienzexperte gearbeitet hat. Seine Aufgabe war herauszufinden, wie man überflüssige Stellen loswerden kann. Er fand heraus, dass 80 Prozent aller Arbeitsplätze in der Bank ohne Weiteres gestrichen werden können. Aber die Bank hat seine Vorschläge nie angenommen. Immer wenn er einen Vorschlag machte, bedeutete das, dass irgendwelche Manager einen Teil des Teams verlieren würden, das sie so wichtig erscheinen lässt. Also haben sie den Vorschlag blockiert. Der Mann hat irgendwann gemerkt, dass er nur da ist, damit die Bank behaupten kann, es würde sich jemand um die Unternehmenseffizienz kümmern.“

Die Ursache liegt für Graeber in einer „finanzialisierten Wirtschaft“, also im Übergewicht des Finanzwesens gegenüber der Produktion von Gütern. „Wenn Sie Unternehmen wie ExxonMobil oder JP Morgan Chase betrachten, machen diese Riesen ihre Profite, indem sie sogenannte regulierte Renten beziehen, über Steuererleichterungen oder die Finanzmärkte. Die Regierungen setzen die Rahmenbedingungen dafür. Und wenn so viel Geld zirkuliert, ist Effizienz eine schlechte Idee.“ Linke wie rechte Politiker versprechen aus nachvollziehbaren Gründen mehr Arbeitsplätze. „Keiner sagt jedoch, dass sie nur nützliche Jobs schaffen wollen.“

Für Graeber liegt die Lösung daher im bedingungslosen Grundeinkommen. "Ein Riesenproblem ist ja, dass Menschen umso weniger verdienen, je nützlicher ihr Job ist. Wenn Menschen nicht mehr gezwungen sein sollen, Bullshit-Jobs anzunehmen, sehe ich nur eine Lösung: ihnen ein bedingungsloses Grundeinkommen zu zahlen.“


Aus: "Anthropologe: "Menschen verdienen umso weniger, je nützlicher ihr Job ist."" Nils Boeing (17.10.2018)
Quelle: https://www.heise.de/newsticker/meldung/Anthropologe-Menschen-verdienen-umso-weniger-je-nuetzlicher-ihr-Job-ist-4192979.html


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Kapitalismus & Kapitalismuskritik (...?)
« Reply #27 on: November 12, 2018, 07:34:55 PM »
"Vom Segen der Privatisierung" Christian Bunke (12. November 2018)
In Großbritannien begann vor 25 Jahren der Siegeszug der Privatisierung mit der Eisenbahn, das neoliberale Versprechen kam und kommt dem Steuerzahler teuer zu stehen ...
https://www.heise.de/tp/features/Vom-Segen-der-Privatisierung-4218330.html

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"‚RIPMARK‘ von Rocco und seine Brüder & HERA – Eine Friedhof-Installation vor PRIMARK-Filiale in Berlin" (2018)
Warum sind die Preise bei vielen großen Modeketten eigentlich so verlockend billig? Vermutlich, weil andere dafür einen hohen Preis zahlen! Das Kollektiv Rocco und seine Brüder haben erstmals zusammen mit der Künstlerin HERA (von HERAKUT) eine gemeinschaftliche Kunst-Installation im öffentlichen Raum errichtet und wollen damit auf die ausbeuterischen und gefährlichen Umstände in der Textil- und Modefertigung aufmerksam machen.
https://www.notesofberlin.com/ripmark-installation-vor-primark-filiale-in-berlin/

« Last Edit: November 13, 2018, 07:37:50 AM by Link »

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Kapitalismus & Kapitalismuskritik (...?)
« Reply #28 on: December 28, 2018, 01:05:57 PM »
"35C3: Der Chaos Communication Congress, das digitale Prekariat und das bedingungslose Grundeinkommen" Detlef Borchers  (27.12.2018)
Guy Standing vom Basic Income Network eröffnete den Chaos Communication Congress in Leipzig mit einem Plädoyer für das bedingungslose Grundeinkommen. Die Hacker sind wieder in Leipzig und suchen gemeinsam nach Wegen, wie die Bewegung rund um den Chaos Computer Club "vielfältiger und ideenreicher" auftreten kann. "Refreshing Memories", den Arbeitsspeicher zwischen den Ohren auffrischen und gleichzeitig Traditionen weiterreichen, das soll das Motto des 35. Kongresses sein. Neben den üblichen Vorträgen über Sicherheits- und Gesellschaftslücken gibt es erstmals "Foundation Talks" für den Nachwuchs: Wie funktioniert nochmal das Internet und was hat es mit dieser Hackerethik auf sich? Der Kongress wurde indes mit einem ganz anderen und sehr politischen Thema eröffnet. Der britische Ökonom Guy Standing hielt ein wuchtiges Plädoyer für das bedingungslose Grundeinkommen. Gerade die Mehrheit der jungen, gut ausgebildeten Kongressbesucher gehören seiner Ansicht nach zu dem Teil des Prekariat, dass mit einem solchen Grundeinkommen sinnvolle Arbeit leisten kann und nicht in irgendwelchen Jobs versauern muss.
Auf fünf Bühnen läuft zum 35. Chaos Communication Congress ein vielfältiges Programm, das im Livestream verfolgt werden kann und recht schnell auch als Video zur Verfügung steht. Zwei Hallen voller Assemblies sind abgedunkelt, damit die Hacker im Hoodie auch am hellichten Tag den nötigen nächtlichen Flow haben, den sie suchen. Rings herum: viele neugierige Besucher, die ihren ersten Kongress besuchen und viele Fragen haben. "Sprecht miteinander, knüpft neue Freundschaften, lasst uns eine neue Erinnerung bauen, eine, die man sich für immer gern erinnert", hieß es zum Auftakt des Kongresses. ...
Der Ökonom Guy Standing beschäftigt sich seit Jahren mit dem bedingungslosen Grundeinkommen und studierte die Möglichkeiten in so unterschiedlichen Ländern wie Indien und der Schweiz. Für westliche Gesellschaften hält er an der Idee eines Prekariats fest, das mit dem Kollaps der ökonomischen Transformation seit den 80er Jahren entstand. 1994 sei es der USA gelungen, ihr System der Eigentumsrechte weltweit durchzusetzen, mit Big Pharma, Big Finance und Big Tech als tragende Säulen dieser Rechte. Von diesem System profitierten Superreiche in einem obzönen Ausmaß, erklärte Standing den Zuhörern in Leipzig.
Das Gegenstück bilde das Prekariat, dass er aus drei große Gruppen besteht: Einmal aus der abgehängten alten Arbeiterklasse, die ein verlorenes Gestern verklärt und sich für US-Präsident Trump oder den Brexit stark mache. Die zweite Gruppe bestehe aus Migranten und anderen Minderheiten, häufig traumatisisert und nur vom Wunsch beseelt, eine Heimat und wieder eine Zukunft zu haben. ...
https://www.heise.de/newsticker/meldung/35C3-Der-Chaos-Communication-Congress-das-Prekariat-und-das-bedingungslose-Grundeinkommen-4259522.html

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"The Precariat: A Disruptive Class for Disruptive Times. Why and How the Precariat will define the Global Transformation to save our planet." Guy Standing  (2018-12-27)
The combination of the ongoing technological revolution, globalisation and what are usually called 'neo-liberal' economic policies has generated a global system of rentier capitalism in which property rights have supplanted free market principles and in which a new global class structure has taken shape. The 20th century income distribution system has broken down irretrievably, and a new mass class, the precariat has been growing dramatically fast in every part of the world. What are the deeper reasons for these developments? How does an ecologically sustainable strategy look like? Is it possible to restore a balanced market economy in which inequalities and insecurities will lessen and in which the drift to populist and even neo-fascist politics will be reversed? This talk will try to provide answers. ...
https://media.ccc.de/v/35c3-10021-the_precariat_a_disruptive_class_for_disruptive_times#t=188

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"Most Americans want a 70% tax rate on earnings over $10,000,000" Cory Doctorow (9:30 am Wed Jan 16, 2019)
 During a 60 Minutes interview Alexandria Ocasio-Cortez casually mentioned that she thought that America's super-rich should pay a marginal tax-rate of 70% on annual earnings over $10,000,000 (which is a better deal than they got under Reagan); since then, the proposal has roiled the political classes and billionaire-backed news outlets, who coincidentally oppose taxing billionaires.
Though the establishments of the Democratic and Republican parties have scrambled to brand this proposal "unworkable" and "radical," there's another group of people who really like the sound of it: voters, including Republican voters.
A newly released Hill-HarrisX poll found that 59% of registered US voters support the proposal, and that breaks down to 62% of women, 55% of men, 57% of southerners, 56% of rural voters, 60% of independents, 71% of Democrats, and even 45% of Republicans.
The establishment has attributed AOC's incredible reach and influence to many factors -- her physical attractiveness, her ignorance, or some kind of witchy, indefinable charisma. ...
https://boingboing.net/2019/01/16/nowhere-to-run.html via https://www.nakedcapitalism.com/
« Last Edit: January 16, 2019, 07:13:35 PM by Link »

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Kapitalismus & Kapitalismuskritik ...
« Reply #29 on: January 31, 2019, 09:51:20 AM »
Quote
[...] Die Titel seiner Bücher sprechen für sich: "Rating-Agenturen, Einblicke in die Kapitalmacht der Gegenwart", "Heuschrecken im öffentlichen Raum – Public Private Partnership – Anatomie eines globalen Finanzinstruments". Auch in der Aufsatzsammlung "Fassadendemokratie und tiefer Staat" ist er mit einem Beitrag vertreten. Werner Rügemer, der in Bremen Philosophie studiert hat, ist ein ebenso unerschrockener wie unbequemer Analytiker, wenn es darum geht, komplexe Verflechtungen in der globalisierten Finanzwelt aufzudecken. ...

... Ein Sündenfall sei gewesen, dass die Treuhand 1990 US-amerikanische Wirtschaftsberater wie McKinsey, Ernst & Young oder Price Waterhouse Coopers eingeladen habe, zu taxieren, wie viel die rund 8000 DDR-Betriebe auf dem Weltmarkt denn wohl wert wären, sagte Rügemer. Unternehmen wie Robotron etwa wurden auf umgerechnet fünf Euro (zehn D-Mark) veranschlagt und verkauft. Die Investoren hätten durchschnittlich umgerechnet 15 Millionen Euro an Subventionen pro Fall bekommen. Dieser Ausverkauf der DDR-Unternehmen habe nach nur vier Jahren mit einem satten Minus von umgerechnet 135 Milliarden Euro geendet. "Ein Defizit, das komplett vom Bundeshaushalt übernommen wurde."

... Nach der Abwicklung der DDR-Betriebe kam die neoliberale Privatisierungsbewegung von 1995 bis 2005 in Deutschland erst so richtig in Schwung. "Es erfolgte eine Dauerbeauftragung amerikanischer Privatisierungsberater und ihrer Investoren", sagte Rügemer. In 150 deutschen Städten war ein  Ausverkauf der Infrastruktur zu verzeichnen, nach dem Prinzip "Crossborder Leasing": Beispielsweise wurde die Stromversorgung an private Unternehmen verkauft, die dann  die Strompreise stark erhöhen konnten. In Bremen wurde unter anderem in Zusammenhang mit dem Klinikum Mitte über Public Private Partnership (PPP) gestritten, auch in einer Diskussionsrunde in der Villa Ichon. "So wird der privatisierte Staat zum unmittelbaren Exekutor der minderheitlichen Interessen von privaten Eigentümern", kommentiert Rügermer die Entwicklung. Schon der Bundesrechnungshof habe davor gewarnt, dass durch die Privatisierung wichtiger Aufgaben die Gestaltungskompetenz des modernen Staates eingeschränkt werde. So wurde etwa die Kölner Kanalisation samt Stadtwerken für zwei Milliarden Euro an die Fidelity Bank in Oklahoma verkauft und dann zurück gemietet. Der Haken an der Sache laut Rügemer: Die Städte trügen trotzdem alle infrastrukturellen Risiken. Und gutgläubige Politiker hätten meist nicht einmal die bis zu 2000 Seiten dicken Verträge gelesen.

Werner Rügemer hat auch aufgedeckt, dass die drei marktbeherrschenden Rating-Agenturen Eigentum von Hedge- und Investmentfonds der Banken sind, die eben von Gefälligkeits-Bewertungen der Agenturen profitieren. Die Macht der Beraterunternehmen habe sich inzwischen verselbstständigt, kritisiert er. Ursprünglich waren sie in der Zeit des US-Präsidenten Roosevelt per Gesetz als Kontrollinstanz gegen Bilanzfälschung und als Reaktion auf den Börsencrash von 1928 ins Leben gerufen worden. Wirtschaftsberatungsunternehmen aber würden heute von denjenigen Aktiengesellschaften bezahlt, die sie prüfen sollen, sagte Rügemer. Der Geprüfte wähle den Prüfer aus, der häufig gleichzeitig der Steuerberater des Unternehmens sei und  satte Gewinne mache. "Das ist ein pervertiertes System!", schimpfte Rügemer. Und deshalb habe das Frühwarnsystem 2008 bei der großen Banken- und Weltwirtschaftskrise versagt.

Aber auch Investment-Banken wie Goldman Sachs nähmen Einfluss auf die Bundesregierung: "Jörg Kukies ging in den 15 Jahren als Chef der deutschen Niederlassung von Goldman Sachs im Bundeskanzleramt ein und aus", sagte Werner Rügemer. Selbst das "Manager Magazin" habe anlässlich der Berufung von Jörg Kukies zum Staatssekretär ins Finanzressort geschrieben: "Scholz macht Brandstifter zur Feuerwehr!"  Erster, zarter Widerstand gegen diese unguten Entwicklungen rege sich nun, sagte Rügemer und nannte Bürgerinitiativen wie "Gemeingut – Bürgerhand".


Aus: "Von der Macht der Beratungsunternehmen: Der Ausverkauf des Staates" Sigrid Schuer (23.03.2018)
Quelle: https://www.weser-kurier.de/bremen/stadtteile/stadtteile-bremen-mitte_artikel,-der-ausverkauf-des-staates-_arid,1713476.html

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Quote
[...] Am 8.1. 2019 wurde nach fünf Jahren das Gerichtsverfahren gegen den Lobby- und Privatisierungskritiker Werner Rügemer eingestellt. Telepolis sprach mit dem Autoren, der sich hierzulande einen Namen als Aufdecker heikler, meist skandalöser Bereiche im politisch-wirtschaftlichen Betriebssystem gemacht hat ...

Herr Rügemer, Sie sind von Prof. Dr. Klaus Zimmermann verklagt worden. Wer ist Herr Zimmermann, welche Posten bekleidet er und was waren seine Gründe?
Werner Rügemer: Herr Zimmermann war damals, 2013, Direktor des Instituts zur Zukunft der Arbeit, IZA, in Bonn. Das Institut war 1998 von Klaus Zumwinkel gegründet worden, Chef der Deutschen Post. Zumwinkel kam von McKinsey und hatte im Auftrag der Bundesregierung die Bundespost privatisiert. Das IZA sollte die Umgestaltung der Arbeitsverhältnisse wissenschaftlich absichern, auch bei weiteren Privatisierungen. Das IZA hat dann auch bei den Hartz-Gesetzen beraten. Zimmermann war damals einer der führenden neoliberalen Ökonomen. Er war gleichzeitig Chef des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung, DIW, in Berlin.
Ich hatte in den Blätter(n) für deutsche und internationale Politik einen Artikel veröffentlicht: "Die unterwanderte Demokratie. Lobbyisten auf dem Marsch durch die Institutionen". Darin hatte ich Unternehmensberater wie McKinsey, Wirtschaftsprüfer wie Price Waterhouse Coopers und Wirtschaftskanzleien wie Freshfields dargestellt. Sie waren zu Dauerberatern des Staates aufgerückt, gleichzeitig aber bekamen sie weiter Aufträge von privaten Unternehmen und Banken.
Als Lobbyisten, die damit nicht einfach von außen an den Staat herantreten wie etwa der Unternehmerverband BDI, sondern schon Teil des Staates sind, hatte ich auch Institute dargestellt. Sie werden von privaten Unternehmen finanziert, haben aber eine universitäre Tarnkappe. Dazu gehört das Zentrum für Arbeitsrecht und Arbeitsbeziehungen, ZAAR.
Das Zentrum, seine drei Professoren, das weitere Personal, die Bibliothek werden ausschließlich von den Arbeitgeberverbänden der Metall- und Elektroindustrie Bayerns und Baden-Württembergs und dem Arbeitgeberverband Chemie finanziert. Das Zentrum firmiert aber nach außen als Institut der staatlichen Universität München.
Ähnlich ist es beim IZA: Es wird von der Stiftung der Deutschen Post finanziert, Präsident der Stiftung ist Zumwinkel. Gleichzeitig firmiert das IZA als Einrichtung der staatlichen Universität Bonn, die für Zimmermann eine neue Professorenstelle einrichtete. Er tat sich durch Interviews und Artikel in unternehmensnahen Medien hervor, etwa mit Polemik gegen den Mindestlohn und mit der Forderung nach verlängerter Arbeitszeit. Dabei wurde seine Funktion als Direktor des IZA erwähnt, aber nicht die private Finanzierung.

TP: Was hat Herr Zimmermann konkret moniert?


Werner Rügemer: Zimmermann ließ mir und der Zeitschrift durch einstweilige Verfügung über die Pressekammer des Landgerichts Hamburg vier Aussagen verbieten:

  1)  "faktenwidrig bezeichnet sich das Institut als unabhängig."
  2)  "Von freier Wissenschaft kann hier beim besten Willen nicht gesprochen werden."
  3)  "Das IZA betreibt Lobbying zugunsten der Unternehmer."
  4)  "Die Finanzierung durch die Deutsche Post AG ist dem breiten Publikum unbekannt."


TP: Was wurde Ihnen angedroht?

Werner Rügemer: Bei Wiederholung der fraglichen Aussagen wird ein Ordnungsgeld bis zu 250.000 Euro oder eine Ordnungshaft bis zu zwei Jahren fällig. Den Streitwert legte das Gericht auf 80.000 Euro fest. Ich widersprach der Verfügung, deshalb mussten die Vorwürfe in einem Hauptverfahren geklärt werden. Zimmermann erhob eine sogenannte Hauptsachenklage.
Er ließ sich durch die Bonner Kanzlei Redeker Sellner Dahs vertreten. Das ist eine "renommierte" Großkanzlei mit einer eigenen Medienrechtsabteilung. Mandanten waren etwa Helmut Kohl, Bundespräsident Christian Wulff, Papst Benedikt XVI. und Angela Merkel. Zimmermann maß somit auch durch die Wahl der Kanzlei dem Verfahren eine gewisse Bedeutung zu.
Was viele nicht wissen: Im Medienrecht gilt der "fliegende Gerichtsstand". Eine Zeitung oder Zeitschrift kann man überall lesen. Deshalb kann überall geklagt werden. Zimmermann wählte Hamburg. Die dortige Pressekammer gilt als die unternehmerfreundlichste in Deutschland.

TP: Wie lange hat sich das Verfahren hingezogen?

Werner Rügemer: Das Verfahren zog sich fünf Jahre hin. Das Landgericht schlug in zwei Verhandlungen Vergleiche vor. Zimmermann, aber auch ich stimmten nicht zu. Deshalb landete das Verfahren beim Oberlandesgericht. Das ließ das Verfahren drei Jahre liegen.
Dann entdeckte mein Anwalt Eberhard Reinecke 2018 eine neue Klausel im Gerichts-Verfahrensgesetz: Danach kann man bei unbegründeter Verzögerung pro Jahr eine Entschädigung bis zu 1.200 Euro erhalten. Wir verlangten das. Umgehend überwies der Finanzsenator der Freien und Hansestadt Hamburg im Dezember 2018 mir die 1.200 Euro, sozusagen als unverhofftes Weihnachtsgeschenk. Der Finanzsenator bezahlte auch die Rechnung meines Anwalts.
Gleichzeitig setzte das OLG Hamburg kurzfristig einen Verhandlungstermin für den 8.1.2019 fest. Daraufhin zogen Herr Zimmermann, beziehungsweise das IZA, sofort ihre Klage zurück und zwar vollständig. Der Termin wurde aufgehoben.

...

TP: Nun hat also Professor Zimmermann die Klage zurückgezogen. Können Sie sich vorstellen warum?

Werner Rügemer: Dem Sponsor Deutsche Post wurde das Verhalten Zimmermanns während des Verfahrens zunehmend unangenehm. Zimmermann hatte die vom Landgericht vorgeschlagenen Vergleiche auf der IZA-Website jeweils sofort als seine vollständigen Siege ausgegeben. Insbesondere das Handelsblatt berichtete ausführlich über das Verfahren, berichtete auch über dubiose Gutachten des Instituts.
Zimmermann hatte 2011 als Präsident des DIW zurücktreten müssen: Der Berliner Rechnungshof hatte die Verschwendung von Fördergeldern, zu häufige Abwesenheit und Unregelmäßigkeiten bei Abrechnungen moniert. Deutsche Post und Zumwinkel und viele internationale Ökonomie-Institutionen wie die Europäische Kommission und die Weltbank hielten allerdings an ihm fest ebenso die Universität Bonn. "Unregelmäßigkeiten" und multifunktionale Selbstbereicherung scheinen organisch zu der hier vertretenen Ökonomie zu gehören.
Das Image der Deutschen Post und ihrer Stiftung standen dann doch infrage. Deshalb wurde Zimmermann Ende 2015 auch als IZA-Direktor entlassen.
Eine Rolle mag dabei auch die Solidarität gespielt haben, die ich erfuhr. Zum einen hat die aktion gegen arbeitsunrecht das Solidaritätskonto "Meinungsfreiheit in der Arbeitswelt" eingerichtet. Darauf gingen zahlreiche Spenden ein. Die mehreren tausend Euro Verfahrenskosten konnten dadurch gedeckt werden und ich konnte das Verfahren durchhalten.

Schließlich haben 53 Mitglieder des wissenschaftlichen Beirats von attac 2014 eine Solidaritätserklärung veröffentlicht, einen Offenen Brief an Professor Zimmermann: "Wir halten Rügemers Darstellung für zutreffend! Verklagen Sie uns auch!" Der Offene Brief war von Prof. Elmar Altvater initiiert worden.
Zu den Unterzeichnern gehörten u.a. Armin Bernhard, Claudia von Braunmühl, Christoph Butterwegge, Klaus Dörre, Ulrich Duchrow, Heide Gerstenberger, Peter Grottian, Andreas Fisahn, Frigga Haug, Clemens Knobloch, Lydia Krüger, Hans-Jürgen Krysmanski, Stephan Lessenich, Ingrid Lohmann, Birgit Mahnkopf, Mohssen Massarat, Jürgen Schutte, Christa Wichterich, Winfried Wolf. Auch der Schriftstellerverband PEN Deutschland hatte bei seiner Jahrestagung 2014 eine Solidaritätserklärung beschlossen.

TP:Sie sind in Ihrem Leben nicht zum ersten Mal verklagt worden. Wie oft wurde vor dem Gericht dem Kläger Recht gegeben?

Werner Rügemer: Seit 1993 wurde ich mit etwa zwei Dutzend Verleumdungsklagen und Unterlassungsforderungen überzogen, vor allem durch Politiker und Banker. Beim ersten Mal, als mir an einem Samstagvormittag zuhause durch persönlichen Boten die Klage mit einer Strafdrohung von 250.000 Mark übergeben wurde, war ich total verängstigt. Mit der Zeit entwickelte ich Routine und Gelassenheit, auch mithilfe meines Anwalts.

Das Schema bei den Klägern und bei den Gerichten ist etwa wie folgt: Die Kläger wollen ihrem Milieu demonstrieren, dass sie die "Vorwürfe" nicht auf sich sitzen lassen, fordern Unterlassung oder gehen gleich vor Gericht. Einem amtierenden Politiker und Unternehmenschef, die zudem eine strafbewehrte Eidesstattliche Erklärung beifügen, glauben deutsche Gerichte in erster Instanz immer. Meist wird auch Eilbedürftigkeit angemahnt. Deshalb wird der Beklagte wie ich erstmal nicht angehört.
Viele Beklagte wie die Blätter für deutsche und internationale Politik geben in dieser Phase auf. Sie wollen keinen Ärger, freuen sich, wenn sie mit ein paar hundert Euro Anfangskosten herauskommen und löschen die fragliche Veröffentlichung oder wiederholen sie nicht.
Das hat allerdings teilweise fatale Folgen. Die ersten harten Verfahren gegen Veröffentlichungen von mir richteten sich in den 1990er Jahren gleichzeitig gegen die Kölner StadtRevue. Sie veröffentlichte meine Titelgeschichten über den "Kölner Klüngel". Kläger waren etwa der Kölner Oberbürgermeister, der Oberstadtdirektor und der Präsident des 1. FC Köln.

Als bei der Verleumdungsklage des Oberbürgermeisters, dessen zahlreiche Nebeneinkünfte ich beschrieben hatte, ein Bußgeld von 40.000 Mark drohte, kündigte die Redaktion die Zusammenarbeit mit mir: Die sei existenzbedrohend. Das änderte sich auch nicht, als das höhere Gericht das Verfahren einstellte.
Wenn man sich wehrt, steigen die Aussichten von Instanz zu Instanz, wenn auch nicht immer. Da sind die Richter verpflichtet, sich genauer in die Materie einzuarbeiten. In den meisten Verfahren wurden die Ermittlungen gegen mich eingestellt.
In einem wichtigen Fall, einer Klage der Bank Sal. Oppenheim, damals 2006 noch die größte Privatbank Europas, ergab sich in der letzten Instanz, dem Berliner Kammergericht, ein Vergleich: Von den 22 Unterlassungsforderungen blieben 10 übrig.

Entsprechend wurden die Gesamtkosten dann aufgeteilt. Allerdings ging kurz darauf die Bank pleite, sie wurde von der Deutschen Bank aufgekauft: Die stellte den Rest der ebenfalls noch anhängigen Klagen sofort ersatzlos ein.


Aus: "Klage gegen Lobbyismus-Kritiker Rügemer zurückgezogen" Reinhard Jellen (30. Januar 2019)
Quelle: https://www.heise.de/tp/features/Klage-gegen-Lobbyismus-Kritiker-Ruegemer-zurueckgezogen-4292880.html?seite=all

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[...] Sie werfen tiefe Schatten über Friedrich Merz' Kandidatur um den CDU-Vorsitz: Seine Verbindungen zur Investmentindustrie. In der Kritik steht vor allem sein Job als Aufsichtsratschef bei BlackRock, der wohl mächtigsten Schattenbank weltweit. ... Dass CDU-Politiker enge Beziehungen zur Wirtschaft pflegen ist eigentlich nichts Neues - doch laut Rügemer und Grottian hat das Ganze im Fall Merz ein völlig neues Ausmaß angenommen. "Die Macht des Kapitals bei den CDU-Regierungen war immer mehr oder weniger irgendwie verdeckt - hat also nicht die Repräsentanz in der obersten politischen Spitze angestrebt. Und das ist jetzt mit Merz anders", so Rügemer. "Der vom größten Kapitalunternehmen der westlichen Welt zum deutschen Aufsichtsratsvorsitzenden ernannte oberste bezahlte Lobbyist soll nicht nur - wie bisher - im Kanzleramt [verkehren], sondern möchte jetzt CDU-Vorsitzender und Bundeskanzler werden." ...


Aus: "Friedrich Merz, Vertreter der Finanzwelt?" Ben Knight (01.12.2018)
Quelle: https://www.dw.com/de/friedrich-merz-vertreter-der-finanzwelt/a-46527408

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[...] Der Kölner Publizist und Vorsitzender der Aktion gegen Arbeitsunrecht referiert über US-Investoren, die sich seit Ende der 1990er Jahren unter den Regierungen von Gerhard Schröder und Angela Merkel in tausende der wichtigsten Unternehmen in Deutschland eingekauft haben. Die großen Kapitalorganisatoren vom Typ „Blackrock“ sind die Haupteigentümer aller 30 DAX-Konzerne, organisieren etwa die Fusion von Bayer und Monsanto. Private Equity-Investoren haben über 10.000 gut gehende Mittelstandsfirmen aufgekauft, verwertet, an die Börse gebracht oder weiterverkauft. Ebenso geht es in dem Vortrag um die von Werner Rügemer so genannte „zivile Privatarmee des internationalen Kapitals“ mit den Abteilungen Unternehmensberatung, Wirtschaftsprüfung, Wirtschaftsrecht und Rating. ...


Aus: "Vortrag mit Werner Rügemer über den „Blackrock-Kapitalismus“" (24. Januar 2019)
Quelle: https://www.lokalkompass.de/hagen/c-politik/vortrag-mit-werner-ruegemer-ueber-den-blackrock-kapitalismus_a1061736

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Quote
[...] Etwa zwei Dutzend Schattenbanken spielen heute in der Oberliga der westlichen Wirtschaft. Blackrock ist der größte dieser Kapitalorganisatoren, mit den etwas kleineren Vanguard und State Street bildet Blackrock die Führungsgruppe der „Big Three“.

Sie alle arbeiten mit dem Kapital der Superreichen, der Multimilliardäre und Multimillionäre. Unternehmerclans, Topmanager, Unternehmensstiftungen, Pensionsfonds und Versicherungen gehören dazu, deren flüssiges Kapital an Blackrock & Co. weitergereicht wird mit der Erwartung: Macht was draus – und zwar höheren Gewinn als in meiner bisherigen Bank oder in meinem eigenen Unternehmen!

Blackrock trägt zu Steuervermeidung im großen Stil bei. Denn wenn die Superreichen ihre Millionen Blackrock anvertrauen, der Kapitalorganisator damit etwa 7,86 Prozent der Eon-Aktien zusammenkauft und zum größten Eigentümer des Energiekonzerns wird, dann lässt Blackrock dafür 152 Blackrock-Tochterfirmen gründen. Das sind 152 Briefkastenfirmen, die über ein Dutzend Finanzoasen verteilt sind: Wilmington im winzigen US-Bundesstaat Delaware – dort hat Blackrock selbst seinen rechtlichen Sitz –, Luxemburg, die Niederlande, die britische Insel Jersey oder Singapur. Rechnet man das hoch, dürften also die Aktien, die Blackrock für seine Kunden allein in den 30 DAX-Konzernen hält, auf etwa 5.000 Briefkastenfirmen verteilt sein. Ob Bundesfinanzminister Olaf Scholz davon schon gehört hat? Was sagt sein Staatssekretär Jörg Kukies dazu? Kukies war vormals bei Goldman Sachs – Blackrock ist dort Großaktionär. ...


Aus: "Die im Dunkeln" Werner Rügemer (Ausgabe 47/2018)
Quelle: https://www.freitag.de/autoren/der-freitag/die-im-dunkeln

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Herr Keuner | Community


Ja, Blackrock ist schon ein Phänomen. DAs Unternehmen berät Politik und Wirtschaft und kann so ein für Blackrock günstiges Umfeld schaffen. Auf Grund von Insiderwissen kann es "legal" den Markt manipulieren. Kontrolliert wird es von jenen, die von dieser Praxis profitieren. Ein wirtschaftliches Perpetum Mobile, das zeigte, was passiert wenn sich Macht zu stark konzentriert. ...


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Kapitalismus & Kapitalismuskritik (...?)
« Reply #30 on: March 06, 2019, 09:13:23 AM »
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Griesoss1 #18

Wir leben in perversen Zeiten! Ein oder, global betrachtet, von mir aus mehrere Gesellschafts bzw Wirtschaftssysteme, die es erlauben, dass nicht wenige Menschen innerhalb weniger Jahre ein Vermögen von 10, 20, 30, 40 , bis hin zu über 100 Milliarden € "erarbeiten" können. Dass diese Vermögen Schwankungen unterliegen ist klar, kann man aber bei diesen Größenordnungen vernachlässigen.


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[...]  sittingbull #13

... das jährliche Schaulaufen der Forbes-Liste [ist] mit einer Fieberkurve zu vergleichen, die den Grad der Krankheit unseres wahnwitzigen Gesellschaftssystems ausdrückt.



Kommentar zu: "Milliardärs-Ranking: Mark Zuckerberg fällt in "Forbes"-Reichenliste um drei Plätze" (6. März 2019)
https://www.zeit.de/gesellschaft/zeitgeschehen/2019-03/forbes-milliardaers-ranking-mark-zuckerberg-faellt-reichenliste

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Kapitalismus & Kapitalismuskritik (...?)
« Reply #31 on: May 29, 2019, 11:19:53 AM »
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[...] Es gibt wohl nicht viele Leute, die John Hickenlooper kennen - nicht einmal in Amerika. Dabei hat sich der demokratische Präsidentschaftsbewerber und frühere Unternehmer Großes vorgenommen: "Ich trete an, um den Kapitalismus zu retten."

Das Wahlkampfversprechen des 67-jährigen Ex-Gouverneurs von Colorado scheint im Kernland der Turbomarktwirtschaft auf den ersten Blick weit hergeholt: Wenn es ein Land gibt, in dem alle glauben, es zähle vor allem die Anstrengung jedes Einzelnen und der Staat habe sich tunlichst rauszuhalten, dann die USA.

Tatsächlich aber ist in den USA eine Debatte entbrannt, die noch vor nicht allzu langer Zeit unmöglich schien: Ist unser System am Ende? Und ist der Sozialismus womöglich die bessere Wahl?

Es sind vor allem die Jüngeren, die diese ketzerischen Fragen stellen. Fast jeder Zweite in der Altersgruppe der Millennials und Generation Z erklärte kürzlich in einer Umfrage im Auftrag des Nachrichtenportals "Axios", dass er lieber in einem sozialistischen Land leben würde.

So richtig in Schwung gebracht hat die Sache aber nun ausgerechnet jemand, der in einer Kommandozentrale des sich schnell drehenden Geldes sitzt: Ray Dalio, Gründer des weltgrößten Hedgefonds Bridgewater Association, der auf ein persönliches Vermögen von geschätzt 17 Milliarden Dollar kommt. Im Vorfeld der Milken Institute Global Conference, dem jährlichen Treffen der Finanzjongleure, veröffentlichte Dalio vor einigen Wochen auf Linkedin eine vernichtende Abrechnung mit dem Wirtschaftsmodell, das ihn reich gemacht hat.

Mit zwölf Jahren sei er zum Kapitalisten geworden, schreibt er: Was er mit Zeitungsaustragen und Rasenmähen verdiente, investierte der Schüler an der Börse. Seit dieser Zeit habe ihn "das wirtschaftliche Investitionsspiel" gefesselt, bekennt der heute 69-Jährige, und dann kommt es: Für die Mehrheit der Amerikaner jedoch "funktioniert Kapitalismus heute nicht gut". Stattdessen produziere das System eine Spirale wachsender Ungleichheit. Dalios Warnung: Was sich nicht weiterentwickelt, das sterbe: "Und das trifft nun auf den Kapitalismus zu."

Der im luxuriösen Beverly Hilton versammelten Branche hat Dalio damit ein Menetekel an die Wand gemalt, auf das viele mit Schrecken starren. Amerikas Unternehmer, Banker und Börsianer stehen unter Rechtfertigungsdruck wie nie: Kommt von ihren Milliardenprofiten noch genug bei den Menschen im Land an? Je weniger die ökonomische "Trickle-down-Theorie" funktioniert, desto schneller verliert der Sozialismus seinen Schrecken.

"Trickle down" beschreibt die Idee, dass vom Wohlstand der Reichen im Wirtschaftssystem ganz automatisch bald die Armen profitieren, wenn man den Markt nur ungestört machen lasse. Doch davon ist wenig zu spüren, trotz zehnjährigem Konjunkturaufschwung ist die Finanzlage vieler Haushalte trist. 40 Prozent der Amerikaner hatten nach einer aktuellen Studie der Notenbank Fed 2017 nicht genug Ersparnisse, um eine unvorhergesehene Ausgabe von 400 Dollar zu bezahlen.

Konzerne wie General Electric und Honeywell listen in ihren Jahresberichten "negative Einstellungen gegenüber multinationalen Konzernen" und Populismus inzwischen als Risikofaktoren für ihr Geschäft auf. Die Mitgliedschaft in der linken Gruppierung Democratic Socialists of America hat sich seit Amtsantritt Trumps verzehnfacht - auf die allerdings magere Zahl von 56.000 Mitgliedern. Schwerer wiegt: Nach einer Gallup-Umfrage vom Sommer 2018 ist der Anteil der 18- bis 29-jährigen Amerikaner, die den Kapitalismus positiv sehen, seit 2010 von 68 auf 45 Prozent gestürzt.

Die wachsende Sympathie junger Leute für die sozialistische Alternative versetze die Unternehmer in Angst und Schrecken, glaubt der Präsident der Ford Foundation, Darren Walker. "Für sie ist das unglaublich furchterregend", sagte er der "Financial Times".

Jahrzehntelang haben sich Politikwissenschaftler mit der Frage gequält, wieso die USA immun gegen sozialistische Strömungen sind. Nun liegt die Antwort vor: Sie sind es nicht.

Davon profitieren zwei Politiker, die sich an die Spitze der Bewegung gesetzt haben: eine junge Frau und ein alter Mann, die sonst wenig verbindet. Alexandria Ocasio-Cortez und Bernie Sanders nennen sich beide "demokratische Sozialisten". Die 29-jährige frischgebackene New Yorker Kongressabgeordnete und der 77-jährige Senator aus Vermont haben die Koordinaten in der demokratischen Partei nach links verschoben. Im Vorwahlrennen liegt Sanders auf Platz drei von 23 Bewerbern. "Sozialismus ist cool", sorgt sich schon das konservative "Wall Street Journal".

Als Sanders jüngst beim Feindsender Fox auftrat, schalteten 2,6 Millionen ein - nicht nur seine Anhänger, sondern auch seine Gegner nehmen den weißhaarigen Politsenior ernst, der es nach der Niederlage gegen Hillary Clinton noch mal wissen will. Inwiefern der Sozialismus dem Kapitalismus überlegen sei, wurde Sanders bei einem seiner Auftritte gefragt. Wer auf Signalwörter wie die Verstaatlichung von Produktionsmitteln oder Bankenenteignungen gewartet hatte, wurde enttäuscht. Demokratischer Sozialismus bedeute für ihn, "dass wir in einer zivilisierten Gesellschaft sicherstellen, dass alle Menschen in Sicherheit und Würde leben", antwortete Sanders.

Tatsächlich kommt einem die Debatte aus deutscher Sicht wie ein semantisches Missverständnis vor: Wo in den USA Sozialismus draufsteht, ist Sozialdemokratie drin. "Meine Politik ähnelt am ehestem dem, was wir in Großbritannien, in Norwegen, in Finnland, in Schweden sehen", sagt Ocasio-Cortez selbst. Amerikas tonangebende Sozialisten wollen keinen ökonomischen Regimewechsel, sondern das, was für die meisten Europäer selbstverständlich ist: eine Krankenversicherung für jedermann, ein kostenloses Studium und höhere Steuern für diejenigen, die es sich leisten können.

Dass Amerika aber überhaupt ernsthaft über solche - milliardenteuren - Reformen streitet, ist neu. Ocasio-Cortez "ist weder ein Ausreißer noch eine Radikale. Sie ist nah am politischen Zentrum von Amerikas junger Generation", ist der Historiker Niall Ferguson überzeugt. Die jungen Wähler seien nach links gerückt, schreibt der konservative Professor in einem gemeinsamen Stück mit einem liberalen Jungwissenschaftler in "The Atlantic". Und zwar in politischen und kulturellen Fragen genauso wie in ökonomischen.

Die Elite der Demokratischen Partei setzt das unter Zugzwang. Viele Politiker vollziehen den Schwenk nach links mit, ob sie wollen oder nicht. Dass immer mehr Menschen sich desillusioniert fühlen davon, "wie Kapitalismus praktiziert wird", könnte zu einer entscheidenden Triebfeder bei der Präsidentschaftswahl 2020 werden, sagt Steve LeVine von "Axios" voraus.

So paradox es klingt: Dem republikanischen Präsidenten Donald Trump könnte das helfen. Er setzt darauf, mit dem Schreckgespenst des Sozialismus die eigene Basis und die älteren Wähler zu mobilisieren, die den Kalten Krieg aus eigener Anschauung kennen. Die Demokraten mögen Skandinavien meinen, wenn sie Sozialismus sagen - die Republikaner hören Venezuela. Also Chaos, Hunger, Diktatur. "Wir glauben an den amerikanischen Traum, nicht den sozialistischen Albtraum", polterte Trump und warnte nicht nur davor, dass die Demokraten den Amerikanern ihre Autos wegnehmen und Flugreisen streichen würden: "Du wirst keine Kühe mehr besitzen dürfen." Die Ökonomiedebatte wird zur ideologischen Twitter-Schlacht.

Die Polarisierung sorgt viele Unternehmen. "Was wirklich kommen wird, ist der Klassenkampf", warnte Alan Schwartz, Manager der Investmentbank Guggenheim Partners. Hedgefonds-Manager Dalio ist überzeugt, dass es ohne grundlegende Veränderungen nicht gehen wird. "Die meisten Kapitalisten wissen nicht, wie man den ökonomischen Kuchen gut aufteilt, und die meisten Sozialisten wissen nicht, wie man ihn gut vergrößert." Wenn es nicht gelinge, beide Seiten zusammenzubringen, dann "werden wir große Konflikte haben und irgendeine Form der Revolution, die allen schadet und den Kuchen schrumpft."

Auch Präsidentschaftskandidat Hickenlooper empfiehlt, "zu reparieren, bevor es zu spät ist". Die Wahl 2020 werde darüber entscheiden, "ob der Kapitalismus in Amerika gedeiht", glaubt er. Der Ex-Gouverneur wird daran selbst wohl nicht beteiligt sein. Seine Umfragewerte liegen bei rund einem Prozent.


Aus: "Wohlstand: Amerika zweifelt am Kapitalismus" Ines Zöttl, Washington (29.05.2019)
Quelle: https://www.spiegel.de/wirtschaft/soziales/usa-amerika-zweifelt-am-kapitalismus-a-1269693.html

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österreichischeschule heute, 09:53 Uhr
15. Linke Planspiele

Bei allem nötigen Respekt, aber in Amerika gewinnt niemand Wahlen der zu weit links steht. Mit zu weit Links ist in Amerika in der Tat die Sozialdemokratie gemeint. Bernie Sanders hätte es evtl. vor 4 Jahren schaffen können, als Trump noch ein aufziehender Albtraum war. Diese Chance haben die Demokraten aufgrund von inneren Machtkämpfen verstreichen lassen. Mit seinem "Amtsbonus" wird Trump von einen "linken" Kandidaten nicht zu schlagen sein.  ...


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dasfred 29.05.2019, 09:21 Uhr

6. Alles eine Frage der Perspektive
"Für Arme ist es nicht schlimm, arm zu sein. Für uns wäre es eine Katastrophe." so ähnlich formuliert es eine Landadlige im Film Maurice von James Ivory. Genau diese Position nimmt der weltweite Geldadel ein. Sie nehmen es als persönliches Schicksal, reich geboren zu sein. Die Armen haben ja bisher auch irgendwie überlebt, warum sollte man etwas ändern. Im Gegenteil, sie verraten ihre eigene Kaste, wenn man ihnen Brosamen zuwirft, wie Arbeit oder ein kleines bisschen Rente. Solange jeder nur den sucht, auf den er noch herabsehen kann, geht der Blick nicht nach oben. Nur dieses System verhindert die Revolution. Die Armen kämpfen gegeneinander, statt miteinander. Die Demokraten haben nur dann Erfolg, wenn sie es schaffen, Solidarität herzustellen. Wo diese fehlt, hat die reiche Oberschicht immer die Möglichkeit, mit Aussicht auf Almosen und Arbeit, Teile der Unterschicht an sich zu binden.


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saarpirat 29.05.2019, 09:55 Uhr
18.

"Die Kapitalisten wissen nicht, wie man verteilt und die Sozies nicht, wie man den Kuchen größer macht." Ist was dran. Die Kapitalisten setzen als Antrieb jedenfalls auf die menschliche Gier, die es immer gab und immer geben wird. Im Grunde ein bombensicheres Fundament. Die Sozialisten setzen auf Solidarität, was leider nicht so gut funktioniert. Sämtliche Lehren, die in diese Richtung gingen, von Jesus bis Marx sind irgenwie gescheitert. Klingt also erst einmal gut auf Kapitalismus zu setzen und den dann irgendwie zu bändigen. Wenn er durch strickte Regeln und Gesetze eingehegt ist, könnte was draus werden. Wichtig wäre eben, dass weder Konzerne, noch Einzelpersonen reich genug wären um zu mächtig zu werden, um über den Gesetzen zu stehen oder sie gar machen (lassen) zu können. Wenn das dann noch mit einem bedingungslosen (ausreichendem) Grundeinkommen und Umweltschutz kombiniert wird könnte es klappen. Wenn die Gier nicht wäre. Dass der Kapitalismus nach dem zweiten Weltkrieg bis Ende der Achtziger so human war, liegt meiner Meinung nach mehr an der Angst der Kapitalisten vor den Roten im Osten, als in ihrer Bescheidenheit. Die eigene Bevölkerung musste ja bei Laune gehalten werden, nicht dass die mit Wahlen etwas geändert hätten. Richtig enthemmt wurde er ja erst, als es diese Gefahr nicht mehr gab.


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frank-xps 29.05.2019, 10:05 Uhr
25. endlich mehr sozialismus
natürlich sind alle bisherigen Sozialismus Experimente krachend gescheitert ob nationale Sozialisten oder Internationale spielte keine Rolle. Unsere Moralischen Überlegenheitsfetischisten welche die Erkenntnis ihrer moralischen Überlegenheit einzig aus ihrer Einbildung beziehen, haben natürlich eine Erklärung für die vielen gescheiterten Experimente des real existierenden Sozialismus. Das war gar kein richtiger Sozialismus und deshalb sehen sich all die Verfechter des Wettbewerbes um die aller schönste Meinung auch unbefleckt mit weißer Weste den Stalin Mao und Pol Pot das waren ja gar keine richtigen Sozialisten :-) schon klar. Jedem Haltungssozialisten sei empfohlen seine Blicke nach Nordkorea und Venezuela zu richten. Ruinen schaffen auch ohne Waffen das ist die empirische Essenz aus sozialistischen Experimenten ...


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enforca  29.05.2019, 10:07 Uhr

28. Jetzt geht das wieder los, dass die Rednecks auf die Straße gehen und gegen eine gesetzliche Krankenversicherung demonstrieren, weil ihnen das zu kommunistisch ist... Das gab es schon zu Obamas Zeiten. Unglaublich hohl.


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syracusa 29.05.2019, 10:09 Uhr

31. Kernfrage: was ist Freiheit

Die Frage lautet im Kern: Was ist Freiheit? Das marktradikale Modell mit der vollen Verantwortung jedes Einzelnen für sich (und *nur* für sich) entartet logischerweise zu einem Recht des Stärkeren. Das Maximum an Freiheit in einer Gesellschaft kann nur durch staatliche Regulierung erreicht werden. Die Freiheit jedes einzelnen Bürgers endet nun mal an den Freiheiten und Rechten der anderen Bürger. Auch wir in Deutschland leben in einem Staat, der die Freiheiten der Wenigen über die Freiheiten vieler stellt. Warum kann man sich als Reicher aus der sozialen Verantwortung bei der Krankenversicherung stehlen? Warum muss ein Niedriglöhner von seinem wenigen Lohn in die Rentenkasse einzahlen, und hat dann im Alter exakt gar nichts davon? ...


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Emderfriese 29.05.2019, 10:10 Uhr

32. Macht
"...Jahrzehntelang haben sich Politikwissenschaftler mit der Frage gequält, wieso die USA immun gegen sozialistische Strömungen sind. Nun liegt die Antwort vor: Sie sind es nicht. …" Sie waren es auch nie. Immer wieder gab es in den USA Versuche, sozialistische/sozialdemokratische Parteien zu etablieren oder auch "nur" sozialistische Gewerkschaften einzurichten. Immer wurden letzten Endes diese Versuche mit zum Teil brutalsten Methoden verhindert. Was den USA wirklich gefehlt hat, war eben eine soziale Revolution wie die französische, aber auch wie die deutsche 1918. Die ökonomischen Machtverhältnisse wurden nie wirklich angetastet ...


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christx 29.05.2019, 10:19 Uhr

38. Ehrlich?

liebe Redaktion - was ist das denn für ein Unsinn? Absolute und leider vollkommen verkehrte Meinungsmache für die Deutschen. Ich lebe nun seit fast 25 Jahren in den USA - deutlich mehr als mein halbes Leben. Hier versucht eine kleinst Gruppierung vielleicht den Kapitalismus zu überwinden. Die Wirtschaft brummt, der Lebensstil ist genial. Jeder der einen Job haben möchte kann einen haben! Selbst als truck driver gibt es Einstiegsgehälter von 85.000$. AOC ist eine verachtete Ultra Links Politikerin die hier niemand in irgendeiner Weise ernst nimmt, auch wenn das deutsche Journalisten gerne so hätten. Die Demokraten zerlegen sich gerade wieder vollkommen selbst. Was bei den Kandidaten auch durchaus gut für unser Land ist. Aber bitte, bitte - bevor sie so einen Stuss schreiben - der sicherlich zu Klicks führt und das sehr links schlagende deutsche Herz erwärmt - gehen sie mal aus Washington DC raus und recherchieren sie in der Realität. Der Kapitalismus funktioniert ganz hervorragend. Wir brauchen keine Regierung die uns sagen will was für tun, machen, denken oder essen sollen! Die Deutschen haben mein Mitleid, sehr schade um ein ehemals wirklich schönes Land. Aber jeder bekommt das was er verdient am Ende. Ich genieße jetzt mal weiter meine Freiheit und Rechte, meinen wirklich gut bezahlten, spannenden Job - der mich alle paar Wochen auch nach Europa bringt. Und werde in wenigen Stunden mit meinem wunderschönen 5.7 Liter V8 Pick Up Truck durch unglaublich schöne, grüne und saubere Landschaften zur shooting range fahren, danach einen Burger und ein Bier genießen und mit ein paar der nettesten, freundlichsten, einfachsten und tollsten Menschen Zeit verbringen. Und wissen sie was? Hier herrscht Freiheit. Und das wird so bleiben. Viele Grüße aus Texas und bitte besser nachforschen bevor sie so einen Quatsch verbreiten.


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[...] Oft ist keine Katastrophe nötig – schon eine hohe Arztrechnung oder eine kostspielige Autoreparatur können das Leben vieler US-Amerikaner aus der Bahn werfen. Fast vier von zehn US-Bürgern können aus eigener Kraft keine unerwartete Rechnung in Höhe von 400 Dollar zahlen. Zu diesem Schluss kommt eine neue Studie der US-Zentralbank Federal Reserve (Fed). 27 Prozent der Befragten müssten sich Geld borgen oder Besitztümer verkaufen, zwölf Prozent könnten den Betrag auch dann nicht aufbringen. 17 Prozent wussten zum Zeitpunkt des Interviews schon, dass sie am Monatsende ihre Rechnungen nicht komplett würden zahlen können.

Diese Zahlen der Fed beschreiben nüchtern die harte soziale Realität in den Vereinigten Staaten. Eine Realität – so zeigt die Studie –, die für Schwarze und Hispanics besonders düster aussieht.

In den Medien und in der Tagespolitik fand das Thema bislang kaum Resonanz. Dabei könnte die Bestandsaufnahme der Fed den Demokraten eine Vorlage für den Wahlkampf gegen Donald Trump liefern. Der US-Präsident brüstet sich seit seinem Amtsantritt mit den guten Wirtschaftsdaten. Doch die Studie zeigt, dass die sozialen Verwerfungen trotz des Wirtschaftswachstums noch immer groß sind. Neben Zahlen zu Einkommen und Arbeitsverhältnissen beleuchtet die Fed-Studie auch Schulden und Lücken bei der Altersvorsorge. Die Ergebnisse machen vielfältige Probleme deutlich.

Da wären zunächst die Löhne. Laut einer im Sommer 2018 erschienenen Studie des Pew Research Center stagniert die inflationsbereinigte Kaufkraft für US-Arbeitnehmer seit 40 Jahren. Vor allem Geringverdiener sind in den vergangenen Jahrzehnten leer ausgegangen. Der bundesweite Mindestlohn ist seit 2007 nicht mehr gestiegen und liegt bei nur 7,25 Dollar. Wer so wenig verdient, kann nichts zurücklegen, auch nicht 400 Dollar für eine unvorhersehbare Ausgabe – oder für die Altersvorsorge. Auch dort zeichnet die Studie ein verheerendes Bild. Ein Viertel der US-Amerikaner hat keine privaten Pensionsrücklagen. Ein deutlich höherer Mindestlohn könnte helfen.

Das sehen offenbar auch die Demokraten und Demokratinnen so. Während sie mit ihrer moderaten Kandidatin Hillary Clinton das Thema 2016 noch weitgehend umschifften, gehört die Erhöhung des nationalen Mindestlohns auf 15 Dollar mittlerweile zu den Standardforderungen der meisten demokratischen Präsidentschaftskandidaten. Auch ein Gesetzesentwurf im Repräsentantenhaus dazu liegt vor. Gerade in trumptreuen Bundesstaaten verdienen überdurchschnittlich viele Wähler weniger als 15 Dollar. Mit dieser Forderung könnten die Demokraten den US-Präsidenten unter Druck setzen, der sich seit seinem Amtsantritt nicht mehr zu dem Thema geäußert hat.

Doch auch ein weitreichender Ausbau der staatlichen Altersvorsorge Social Security wäre notwendig, um Menschen eine stabile Rente zu ermöglichen, die Altersarmut verhindert. 9,2 Prozent der über 65-Jährigen leben trotz Social Security unterhalb der Armutsgrenze des Bundes.

Bisher haben die meisten demokratischen Kandidaten das Thema jedoch ausgespart. Lediglich der Parteilinke Bernie Sanders hat im Falle seines Wahlsiegs eine Ausweitung der staatlichen Rentenversicherung angekündigt und will die Beitragsbemessungsgrenze erhöhen. Während Arbeitnehmer bisher nur auf die ersten knapp 133.000 Dollar ihres Jahreseinkommens Rentenversicherungsbeiträge abführen müssen, sollen laut Sanders' Plan Einkommen bis 250.000 Dollar einbezogen werden. Gutverdiener müssten sich stärker als bisher an der Finanzierung von Social Security beteiligen.

Auch beim Thema Studienschulden besteht Handlungsbedarf: In den vergangenen 30 Jahren haben sich die Studiengebühren in den USA an öffentlichen Universitäten mehr als verdreifacht und an privaten Hochschulen mehr als verdoppelt. Vor allem Minderheiten besuchen wegen des hochselektiven Zulassungsverfahrens an US-Universitäten häufig gewinnorientierte sogenannte For-Profit-Colleges, die zwar bereitwillig fast alle Studenten und Studentinnen aufnehmen, aber entsprechend teurer sind. 20 Prozent der Absolventen sind laut Fed-Studie bei der Rückzahlung ihrer Studienschulden im Verzug.

Diese Studienschulden lähmen viele junge Amerikaner. Laut Fed zahlen Schuldner zwischen 200 und 299 Dollar im Monat ab – Geld, das bei der Familienplanung oder beim Kauf einer Immobilie fehlt.

Da von hohen Studienschulden vor allem die demokratische Stammwählerschaft aus gut gebildeten Großstädtern betroffen ist, haben sich fast alle ihrer Kandidaten und Kandidatinnen für 2020 für eine zumindest teilweise Abschaffung der Studiengebühren ausgesprochen. Bisher hat aber nur Elizabeth Warren, Senatorin aus Massachusetts, einen detaillierten Plan zur Tilgung von Studienschulden vorgelegt. Wer ein Haushaltseinkommen von weniger als 100.000 Dollar hat, dem erstattet der Staat bis zu 50.000 Dollar Studiengebühren. Warrens Vorschlag würde nach eigenen Angaben 640 Milliarden Dollar kosten und vor allem der Mittelschicht zugutekommen.

Zu wenig politischen Rückhalt erfährt auch das Thema Arbeitsrecht. 2018 waren gerade einmal 10,8 Prozent der Beschäftigten in Gewerkschaften organisiert – halb so viele wie 1985. Während Gewerkschaften im öffentlichen Sektor noch gut vertreten sind, sieht es im Privatsektor schwach aus. Nur 6,4 Prozent der dort Beschäftigten waren vergangenes Jahr in Gewerkschaften organisiert. Das Resultat sind unter anderem prekäre Beschäftigungsverhältnisse und mangelnde betriebliche Mitsprache. Laut Fed-Studie leidet jeder vierte Arbeitnehmer unter kurzfristigen Dienstplanänderungen.

Auch hierzu haben Elizabeth Warren und Bernie Sanders die detailliertesten Vorschläge erarbeitet. Warren will, dass in den Aufsichtsräten großer Unternehmen 40 Prozent Arbeitnehmer vertreten sind, die die Interessen der Belegschaft vertreten. Bisher ist diese in Deutschland verbreitete Form der Mitbestimmung in den USA unüblich.

Sanders fordert die Abschaffung der sogenannten Right-to-Work-Gesetze, die fast ausschließlich von Republikanern ausgehen und Gewerkschaften in vielen Bundesstaaten daran hindern, Arbeitnehmerbeiträge einzuziehen. Seit Monaten unterstützt er mit Solidaritätsaufrufen Streiks im ganzen Land, erst am Donnerstag solidarisierte Sanders sich mit Mitarbeitern der Fast-Food-Kette McDonald's, die einen Mindestlohn von 15 Dollar pro Stunde fordern. Joe Biden, der von vielen Gewerkschaften des öffentlichen Dienstes unterstützt wird, äußerte sich dagegen nicht zum Streik der McDonald's-Arbeiter.

Der Fed-Bericht zeigt auch die Probleme beim privaten Zahlungsverkehr auf. Sechs Prozent der US-Amerikaner haben demnach kein Bankkonto, weitere 16 Prozent sind trotz Konto wegen mangelnder Deckung auf alternative Finanzierungsquellen angewiesen. Dazu zählen Geschäfte mit Pfandleihern, die es in den Armenvierteln aller US-Großstädte gibt, oder aber die gefürchteten Payday Loans (Zahltagkredite). Entsprechende Anbieter vergeben Darlehen zwar auch an Kunden mit schlechter Bonität, dafür verlangen sie aber Zinsen von durchschnittlich 400 Prozent. Hier sind ebenfalls vor allem Arme und Minderheiten betroffen.

Anfang Mai hat Bernie Sanders gemeinsam mit der Kongressabgeordneten Alexandria Ocasio-Cortez ein Gesetz vorgestellt, das die Zahltagkredite stark einschränkt und die Zinsen von Kreditkartenschulden auf 15 Prozent beschränkt. Darüber hinaus würde das Gesetz die US-Post dazu auffordern, kostengünstige Bankkonten für finanzschwache Kunden bereitzustellen.

Auch Elizabeth Warren kämpft seit Jahren gegen die Payday-Loan-Industrie: zunächst ab 2010 als Architektin der unter Barack Obama gegründeten Verbraucherschutzbehörde für Finanzdienstleistungen (CFPB) und danach als Senatorin. Für viele andere Präsidentschaftskandidaten hat das Thema dagegen offenbar keine Priorität.

Angesichts der Vielzahl an Problemen bleibt die Frage, warum bisher nur wenige demokratische Kandidaten detaillierte und weitsichtige Konzepte zur Überwindung der tiefen sozialen Spaltung im Land vorgelegt haben. Aus dem Kongress kamen zwar eine Handvoll Gesetzesvorlagen, etwa zur betrieblichen Altersvorsorge und zur Überwachung der Finanzindustrie. Doch diese wenigen Initiativen reichen nicht, um den Wählern auch in der Opposition zu zeigen, dass man eine legislative Agenda im Ärmel hat, die das Leben der Menschen in den USA spürbar verbessern würde.

Stattdessen werden die Kongressarbeit und die politische Berichterstattung von Untersuchungen zum Mueller-Report, Trumps Steuerbescheiden und zahllosen Vorladungen von Vertrauten des Präsidenten geprägt. Mit den Alltagsproblemen der meisten US-Amerikaner hat das nichts zu tun.


Aus: "Zu wenig Lobby für die Mittellosen" Eine Analyse von Jörg Wimalasena, New York  (26. Mai 2019)
Quelle: https://www.zeit.de/politik/ausland/2019-05/usa-studie-fed-wirtschaftsdaten-armut-renten-finanzen-bernie-sanders/komplettansicht

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deri punkt partei #3

„Trotz guter Wirtschaftsdaten“?

Vielleicht hängt ja das eine mit dem anderen zusammen?


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manveras #3.1 

Offensichtlich: Statistisch gesehen besitzen ja selbst die Ärmsten der Armen kleine Vermögen: "Die privaten US-Haushalte besitzen derzeit ein Rekordvermögen von 107 Billionen Dollar. Doch die reichsten 0,1 Prozent haben gleich viel wie die ärmsten 90 Prozent."
https://www.contra-magazin.com/2018/09/usa-rekordvermoegen-doch-die-haelfte-besitzt-nichts/


Quote
artefaktum #11

>> Trotz guter Wirtschaftsdaten leben Millionen Amerikaner am Rande des Ruins. <<

Was soll eigentlich immer diese Verwunderung? Diese Entwicklung hat System. Da hat die Politik jahrzehntelang drauf hin gearbeitet, dass immer mehr Geld nach oben umverteilt wird. Das läuft bei uns nicht anders.


...

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Kapitalismus & Kapitalismuskritik (...?)
« Reply #32 on: June 05, 2019, 05:02:36 PM »
Quote
[...] Colin Crouch (* 1944 in London-Isleworth) ist ein britischer Politikwissenschaftler und Soziologe. Mit seiner zeitdiagnostischen Arbeit zur Postdemokratie und dem gleichnamigen Buch wurde er international bekannt. ... 2004 veröffentlichte Crouch das Werk Post-Democracy, 2008 auf Deutsch unter dem Titel Postdemokratie. Unter einem idealtypischen postdemokratischen politischen System versteht er „ein Gemeinwesen, in dem zwar nach wie vor Wahlen abgehalten werden. Es sind Wahlen, die sogar dazu führen können, daß Regierungen ihren Abschied nehmen müssen, in dem allerdings konkurrierende Teams professioneller PR-Experten die öffentliche Debatte während der Wahlkämpfe so stark kontrollieren, daß sie zu einem reinen Spektakel verkommt, bei dem man nur über eine Reihe von Problemen diskutiert, die die Experten zuvor ausgewählt haben. Die Mehrheit der Bürger spielt dabei eine passive, schweigende, ja sogar apathische Rolle, sie reagieren nur auf die Signale, die man ihnen gibt. Im Schatten dieser politischen Inszenierung wird die reale Politik hinter verschlossenen Türen gemacht: von gewählten Regierungen und Eliten, die vor allem die Interessen der Wirtschaft vertreten.“ Zur Beruhigung der Massen werde eine Scheindemokratie als Showveranstaltung inszeniert. Crouch warf im Jahr 2008 der Politik des Neoliberalismus vor: „Je mehr sich der Staat aus der Fürsorge für das Leben der normalen Menschen zurückzieht und zuläßt, daß diese in politische Apathie versinken, desto leichter können Wirtschaftsverbände ihn – mehr oder minder unbemerkt – zu einem Selbstbedienungsladen machen. In der Unfähigkeit, dies zu erkennen, liegt die fundamentale Naivität des neoliberalen Denkens.“

...


Quelle: https://de.wikipedia.org/wiki/Colin_Crouch (5. Juni 2019)

Quote
[...] Mit viel Geld lässt sich leicht Politik machen, die Zivilgesellschaft bleibt außen vor. In den USA ist das Problem allgegenwärtig, breitet sich aber auch in Europa aus.

Immer mehr Menschen stellen die Annahme infrage, Kapitalismus und Demokratie seien beste Freunde. Für diese berechtigte Skepsis gibt es zwei Hauptgründe: Erstens ist der moderne Kapitalismus ein globales Phänomen, während die Demokratie vor allem auf nationaler und lokaler Ebene stattfindet. Zweitens wird der moderne Kapitalismus von der Finanzwelt gelenkt, was zu einer wachsenden Ungleichheit führt. Größere Ungleichheit wiederum gefährdet die Demokratie.

Es steht also außer Frage, dass die Globalisierung für die Demokratie ein Problem darstellt. Die Weltwirtschaft wird entweder gar nicht oder von internationalen Organisationen reguliert, die gegenüber den Organen der Demokratie nur bedingt rechenschaftspflichtig sind. Außerdem können transnationale Firmen die Autorität der nationalen Demokratie allein schon dadurch untergraben, dass sie nur in Länder investieren, deren Wirtschaftspolitik ihnen gefällt. Das manifestiert sich am deutlichsten in den weltweit sinkenden Einnahmen aus Unternehmenssteuern, da die Staaten sich gegenseitig darin übertreffen wollen, die großzügigsten Steuergesetze zu bieten. Die Folge: Die Steuerlast wird auf den einzelnen Bürger abgewälzt und für staatliche Leistungen stehen weniger Ressourcen zur Verfügung.

Die Staaten könnten dieser Entwicklung natürlich entgegenwirken, indem sie sich der Herausforderung gemeinsam stellen. Meist ist die Versuchung jedoch zu groß, das Land mit den großzügigsten Bedingungen für internationale Konzerne zu werden. Die Europäische Union ist hier zumindest teilweise eine Ausnahme. Ihr Parlament ist das weltweit einzige Beispiel für eine transnationale Demokratie. Doch sein Einfluss ist schwach.

Die europäische Demokratie sieht sich zwei feindlichen Kräften gegenüber: der Beeinflussung der Europäischen Kommission und der einzelnen Mitgliedsstaaten durch Konzerne auf einer Ebene, die für das Parlament nicht zugänglich ist, und den Bemühungen xenophober Populisten, die Macht weg von der EU und zurück zu den Nationalstaaten zu bringen. Da die meisten Populisten in der politischen Rechten angesiedelt sind, interessiert es sie nicht, ob die Nationalstaaten gegen die Macht der Konzerne verlieren.

Grundsätzlich spielt sich Demokratie auf zwei Ebenen ab: auf der formellen Ebene der Wahlen und Parlamente und auf der informellen Ebene, auf der die Lobbyisten Druck auf die Zivilgesellschaft ausüben. Auf der ersten Ebene sind wir sehr darauf bedacht, für Gerechtigkeit zu sorgen. Jeder hat eine Stimme, egal, ob arm oder reich.

Für informelle Politik bestehen wenige Einschränkungen, und genau das ist die Grundlage für ihr Gedeihen und für unsere Freiheit. Wir können jederzeit auf vielfältige Weise Druck ausüben, um den Staat davon zu überzeugen, diese oder jene Politik zu verfolgen, solange wir nicht Korruption oder Gewalt einsetzen. Ob wir jedoch diesen Druck überhaupt ausüben können, hängt von den Ressourcen ab, über die wir verfügen. Daher begünstigt informelle Politik die Reichen und verstößt so gegen den Grundsatz der Gleichheit – einem Grundpfeiler der Demokratie.

Diese Disbalance spielt keine große Rolle, wenn die Ungleichheit in einem Land begrenzt ist oder wenn der Einfluss, der in einem Politikbereich ausgeübt wird, nicht ohne Weiteres auf einen anderen übertragen werden kann.

In den ersten drei Jahrzehnten nach dem Zweiten Weltkrieg war das weitgehend der Fall. Seither hat die Ungleichheit jedoch kontinuierlich zugenommen – nicht so sehr in der Mehrheit der Bevölkerung, sondern eher zwischen der kleinen Gruppe der Superreichen und allen anderen. Man muss schon sehr reich sein, um politischen Einfluss ausüben zu können, und diese kleine Gruppe, die vielleicht 0,1 Prozent der Bevölkerung ausmacht, ist genau in dieser Position. Ein solches Ausmaß an Ungleichheit herrscht vor allem in den USA, breitet sich aber derzeit nach Europa aus.

Der wichtigste Motor der Ungleichheit ist die Finanzialisierung der Weltwirtschaft. Was ist damit gemeint? Wer finanzielle Ressourcen besitzt und manipulieren kann, generiert Erträge, die mit keiner anderen Form menschlicher Aktivität jemals erzielt werden können. Wurde der Reichtum erst einmal erworben, kann eine Einzelperson oder ein Konzern einen Teil davon für politische Lobbyarbeit einsetzen und so staatliche Maßnahmen – wie Steuerpolitik, gesetzliche Veränderungen und Staatsaufträge – beeinflussen. Sie ermöglichen es dem Vermögensinhaber, in Zukunft noch mehr zu verdienen. Die zunehmende Ungleichheit und die Schwächung der Demokratie befinden sich so eng umklammert in einer verhängnisvollen Abwärtsspirale.

Doch eine weitere Spirale zeigt in die Gegenrichtung. Der moderne Kapitalismus ist abhängig vom Massenkonsum. Dieser wiederum hängt davon ab, dass die Einkommen der Bevölkerung in der Breite wachsen.

Im Jahr 2014 wurde in einem Arbeitspapier der Industrieländerorganistion OECD zur Beschäftigung und Migration errechnet, dass in den USA die obersten ein Prozent der Einkommensbezieher zwischen 1975 und 2007 (dem Jahr vor der Finanzkrise) fast 50 Prozent des Wachstums des Nationaleinkommens auf sich vereinten. Eine überwiegende Mehrheit der Bevölkerung verzeichnete dagegen stagnierende ober sogar rückläufige Einkommen. Trotzdem wurde weiter konsumiert. Dies war nur mithilfe einer wachsenden Verschuldung möglich, die trotz aller Risiken von einem Finanzsystem gefördert wurde, das durch die Lobbyarbeit der Banken dereguliert worden ist. Schließlich wurde die Belastung durch die hohen Ausfallrisiken zu viel für die Finanzmärkte. Es kam zu der Krise, von der wir uns immer noch nicht vollständig erholt haben.

Es stellt sich nun die Frage: Gibt es für einen vom Massenkonsum abhängigen Kapitalismus, der zunehmend Ungleichheit generiert, keinen anderen Weg, als die Haushalte erneut zu einer nicht tragbaren Schuldenlast zu ermuntern? Zum jetzigen Zeitpunkt scheint die Demokratie nicht imstande, eine Antwort auf diese Frage zu finden. Klar ist: Der globale Kapitalismus kann nur auf transnationaler Ebene gezügelt werden. Unsere politischen Parteien scheinen jedoch gespalten zwischen denen, die sich den Lobbyisten geschlagen gegeben haben und nicht an Regulierung glauben, und solchen, die sich in die begrenzte Reichweite des Nationalismus zurückziehen wollen.

Der Kapitalismus behindert so den Wirkungsgrad der Demokratie. Dennoch haben die Kapitalisten keinen Grund, mit dieser Regierungsform unzufrieden zu sein. Die Demokratie sichert Rechtsstaatlichkeit und gibt eindeutig vor, mit welchen Verfahren Gesetze geändert werden können und wie für eine vorgeschlagene Veränderung Lobbyarbeit betrieben werden kann. Dies ist für Kapitalisten attraktiv.

Auf der anderen Seite kann eine Demokratie aber auch massenweise Vorschriften zum Schutz von nicht marktbezogenen, nicht unternehmerischen Interessen produzieren. Das bevorzugte Regime der Kapitalisten ist deshalb in Wahrheit das postdemokratische, wenn alle Formen der Demokratie und allen voran der Rechtsstaat weiter fortbestehen, das Elektorat jedoch passiv geworden ist und lediglich auf die sorgfältig betriebenen Wahlkampagnen reagiert.

Aktivismus und eine dynamische Zivilgesellschaft sind dabei nicht erwünscht, da sie dann störende Kontra-Lobbys hervorbringen könnte, die mit dem stillen Wirken der wirtschaftlichen Lobbyisten auf den Fluren der Regierung konkurrieren. Das Wiederaufflammen des Nationalismus stört zwar auch diese friedliche Szenerie, da sie sich jedoch auf die eigene Nation konzentriert, spielt sie auf der globalen Ebene kaum eine Rolle. Sie liegt einfach außerhalb ihres Einflussbereichs.

Bislang sind wir noch nicht an dem Punkt angelangt, an dem die Dominanz der Konzerne über die Politik vollkommen ist, denn dann wären alle Verbraucherschutz- und Arbeitsgesetze längst abgeschafft. In diese Richtung geht jedoch die Reise – angetrieben durch die zunehmende Ungleichheit und dadurch, dass politische und wirtschaftliche Macht sich gegenseitig stärken. Die Demokratie wird dem Kapitalismus wahrscheinlich auch in Zukunft den bestmöglichen Rahmen bieten. Jedoch gilt dies umgekehrt wohl nicht mehr.

Übersetzt aus dem Englischen von Supertext Deutschland GmbH 


Aus: "Die Superreichen gefährden die Demokratie" Ein Essay von Colin Crouch (5. Juni 2019)
Quelle: https://www.zeit.de/wirtschaft/2019-04/kapitalismus-demokratie-ungleichheit-globalisierung/komplettansicht

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Đakovo #2.5 

Ich sehe, dass in großen Teilen der Bevölkerung Gier schwindet und Teilen geil ist. Und ich bin guter Dinge, dass dieser Trend sich fortsetzt.
Es ist durchaus möglich, dass Geld als etwas asoziales betrachtet wird. Noch zeigen Hochglanzmagazine die Reichen und Schönen aber das Bild wandelt sich.
Mich beeindrucken übrigens Glückliche Menschen am meisten.
Und den Trumps dieser Welt sollte man paar Atolle zur Verfügung stellen, wo sie sich aneinander berauschen können.

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Piet Vermailen #2.8

Ganz ohne Geld wird es nicht gehen, siehe Kommunismus.
Aber ich mag deinen Beitrag :)


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Gutsweib #2.7

Marktwirtschaften neigen immer zur Konzentration. Die notwendige Folge, es gibt eine steigende Zahl von Superreichen. Die seit Frau Merkel gültige Staatsdoktrin "marktkonforme Demokratie Staat statt sozialer Marktwirtschaft" fördert diese Entwicklung. Diese Politik wurde von den Medien immer bejubelt. Es soll sich also keiner beschweren.


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jaundnein #2.14

Mit einer solchen Haltung "uns geht's doch noch gut" basierend auf einem angeblichen Trend, den ich aus meinem Umfeld nicht bestätigen kann, stellen Sie den reichen 1 bis 10% doch nur einen Freibrief aus. ...

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Ghandi19 #2.19

"Diese Politik wurde von den Medien immer bejubelt. Es soll sich also keiner beschweren."

Genau so ist es! - Zuerst Merkels Politik unkritisch und stärkend begleiten
und dann über die Trumps, den Brexit und Co. schimpfen,
als wäre das alles nicht die Politik, die sie als Medien "hofierten"....
(ja, auch Trump. Denn er ist 'nur' eine Folge des Versagens der Demokraten in den USA...und das waren und sind ja unsere Freunde.)

Und: Die Klattens, Quandts, Springer und Mohns machen auch hier mit Merkels CDU ihre Politik:
"Mit viel Geld lässt sich leicht Politik machen, die Zivilgesellschaft bleibt außen vor. In den USA ist das Problem allgegenwärtig, breitet sich aber auch in Europa aus. "


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Waldschrat86 #2.47

Sie nennen's Leistungsgesellschaft, andere nicht und selbst wenn das alle täten, ist Leistung ziemlich heterogen. Als Beispiel und damit es auch nicht krumm wird, innerhelb des Segments bleibend: Bezahlter Leistungssport. Da gibt es im Fußball Unsummen, aus anderen Gründen als der erbrachtern Leistung auf dem Platz. Beim Handball, Basketball, Leichtathletik, usw. können die Sportler nur davon träumen, auch dann wenn ihr Sport, genauso viel oder gar mehr Leistung erfordert.

Hier wird auch nicht Reichtum verteufelt, sondern Superreichtum. Es gibt bettelarm. arm, saturiert, wohlhabend, reich, superreich. Ich würde mal schätzen per Leistung schafft man maximal wohlhabend, alles darüber ist nunmal system- bzw. gesellschaftsbedingt, wie eben beim Profifußballer im Gegensatz zum Profihandballer.


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Juanito alimaña #2.48

Im Kommunismus hatte jeder jede Menge Geld,aber die Regale waren leer, das ist der Unterschied.


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Deine Freiheit ist auch die der Anderen #2.49

Das Märchen, der Lokomotiven der Gesellschaft, nur wer reich ist ist Leitungsträger.
Hohle Phrasen zur Selbstermächtigung, bzw. Beweihräucherung


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Stan Laurel #2.51

"...während die Ackermänner, Jains, Winterkorns und wie sie alle heißen für die größten Scheißjobs noch Millionengehälter- und abfindungen in den Arsch geblasen kriegen.
Das ist so selten dämlich, dass es schon lächerlich ist...."

Tatsächlich ist es auch immer wieder erhellend wenn man sich die Mühe macht nachzuhalten, was eigentlich aus Spitzen-Managern geworden ist, die in ihrer Aufgabe offensichtlich gescheitert sind. Man stellt erstaunt fest dass diese auffallend oft an anderer Stelle wieder und erneut in Spitzenpositionen Beschäftigung finden. Soviel zum Prinzip Leistung.
In Wahrheit gilt das Prinzip Kaste.


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Willy Wusel #2.52

"Es gibt keine Gleichheit!"

Ach. Und ich dachte immer vor Gott und dem Gesetz sind alle Menschen gleich.
Und ich füge hinzu: bei politischen Wahlen in einer Demokratie.

...


Willy Wusel #2.53

"Jeff Bezos alleine auf einem Südsee-Atoll hätte nicht reich werden können."

Völlig richtig. Er hat ein Herr von unterbezahlten Paketboten, die hunderttausende von Stunden für ihn schuften.
Man fragt sich, wo der Unterschied zu Ludwig XIV ist. Der hatte die Bauern und das gemeine Volk, die für ihn und seinen Hof geschuftet haben.


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Deine Freiheit ist auch die der Anderen #2.54

.. zum Kenterpunkt der Egoisten, Liberalisten, Marktradikalen. Selbstermächtigung durch Eigendefinition.
Es braucht eine freie Wirtschaft keine Frage, aber keine ungezügelte Regelfreie in der bestimmte Leute sich ermächtigen in Fragen der Wirtschafts-, Finanz- und Sozialpolitik die Deutungshoheit zu haben. Zumal wenn sie wie hier mit einer Selbstgefälligkeit und Absolutheit vorgetragen wird. Wer anderes zu sagen wagt wird abgewertet, diskreditiert der wird als jemand der es nicht versteht dargestellt. ...


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Juanito alimaña #2.55

Tja...das mit Ludwig XIV und seine Umgebung war am Ende eine ziemlich kopflose Angelegenheit.Die französische Revolution war nichts anders als ein Putsch der Bourgeoisie gegen den Adel und die Kirche, aber das ist eine andere Baustelle.


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TollerTyp87 #2.78

[Vilfredo Pareto untersuchte die Verteilung des Grundbesitzes in Italien und fand heraus, dass ca. 20 % der Bevölkerung ca. 80 % des Bodens besitzen. Im Jahr 1989 wurde festgestellt, dass 20 % der Bevölkerung 82,7 % des Weltvermögens besitzen. ... Daraus leitet sich das Paretoprinzip ab. Es besagt, dass sich viele Aufgaben mit einem Mitteleinsatz von ca. 20 % erledigen lassen, so dass 80 % aller Probleme gelöst werden. Es wird häufig kritiklos für eine Vielzahl von Problemen eingesetzt, ohne dass die Anwendbarkeit im Einzelfall belegt wird. ... https://de.wikipedia.org/wiki/Paretoprinzip (24. Mai 2019)]

... das Pareto-Prinzip ist keine systemunabhängige Grundkonstante, sondern beschreibt lediglich ein statistisches Verteilungs-Phänomän. Es gibt keine empirische Grundlage, die eine solche Verteilung beim Einkommen oder Besitz begründet. Die Verteilung bleibt damit eine systemische Frage.

Wir müssen endlich die Interpretation des Kapitalismus als eine Art unumstößliches Naturgesetz überwinden. Natürlich konzentriert sich in einer Welt des "imperativen Kapitalismus" mit dem Kapital auch Macht, wodurch immer auch Einfluss auf die Politik genommen wird, egal welches politische System vorherrscht. Grafiken über die Entwicklung der Verteilung von Einkommen und Besitz belegen diesen Einfluss. Die Globalisierung und überwiegend neoliberale Politik der vergangenen Jahre sei es durch IWF oder EZB hat diese Situation weiter verschärft und den Sozialstaat ausgehöhlt, der eigentlich als eine große Errungenschaft der Moderne angesehen wurde.

Eine neoliberale Marktwirtschaft ist weder sozial noch ökologisch. Sie ist Ursache der zukünftigen Herausforderungen (Klimawandel, Massenmigration etc.) und damit ungeeignet diese zu überwinden. Der Markt ist in vielen Bereichen eben nicht perfekt und muss daher reguliert werden. Klar muss auch die Einflussnahme in einem politischen System transparenter werden. Die Anpassung des politischen Systems allein, reicht allerdings nicht aus, um die ungleichen Machtverhältnisse auszugleichen.


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Ghandi19 #3.36

"Die Lösung ist schwierig..."

Nein, es ist ganz einfach.
Der Politik fehlt nur der Wille.

...Beispiel:
Skandinavien


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Josef Fragen #3.43

Einige der Superreichen( Warren Buffett, Bill Gates u.a. ) erkennen ja mittlerweile sogar die Gefahr, die von der enormen Ungleichverteilung des Kapitals, für die westlichen Demokratien ausgeht.
Nur haben diese auch keine Idee. Etwas Wohltätigkeit da und dort ist keine Perspektive.
Damit macht man nur die Unterschicht zu Almosenempfängern.
In diesen Kreisen muss die Einsicht wachsen, dass sie selbst nichts wären, wenn es nicht Millionen andere Menschen gäbe.
Was wären Google, Microsoft, Apple, Amazon, Aramco, Alibaba, Huawei, Samsung etc. wenn es nicht Milliarden von Menschen gäbe?
Also wäre es doch eine gute Idee von all diesen Unternehmen 20% - 30% der Aktien an einen Globalen Bürgerfonds zu übergeben.
Andernfalls könnte es ja passieren, dass man diese irgendwann zerschlagen muss oder ein globaler Boykott das schnelle Ende herbeiführt.


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ikonist #4

1789


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SörenFinnKevinCataleyaChantal #4.1

Lesen Sie mal bei Piketty nach, wie vergeblich diese Revolution im Hinblick auf die Vermögensverteilung war. Im 19.Jhd lebte und starb jeder dritte Einwohner von Paris völlig mittellos. Zwischen den glamourösesten und protzigsten Superreichen des ganzen Kontinents. Und er stellt zurecht (sinngemäß) die Frage, wie sich so viele Menschen ihr ganzes Leben lang so vera*schen lassen konnten.


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ikonist #9

Die Ideologie des Neofeudalismus: Popkultur


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Deserteur 2.0 #12

Ein Artikel der mir aus dem Herzen spricht. Wenn ein System jegliche Balance verliert, wie damals die Monarchie durch den Absolutismus, ist es schneller Geschichte als es ihm lieb sein kann.
Deswegen muss sich unsere Politik unabhängiger machen, was keine leichte Aufgabe ist, wenn dann damit gedroht wird, dass man tausende von Arbeitsplätzen verlegt. ...


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Lurkling #14

Schönes Essay, dann bleibt nur zu hoffen das die junge Generation sich nicht mit gut bezahlten Jobs und vermeintlichem Erfolg abspeisen lässt wie die bisherigen und neben der Umweltkatastrophe die dieses System hervor gebracht hat auch noch das System der indirekten Beeinflussung als solches angeht.


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Furbo #23

Guter Essay. Und recht hat der Verfasser. Wie die Großindustrie die Politik bestimmt, sieht man doch auch sehr gut in Deutschland. Die deutsche Regierung ist in weiten Bereichen nur noch das Sprachrohr irgendwelcher Interessenverbände.


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Die Sieben Todsünden #24

Nick Hanauer (Milliardär) hat das übrigens schon vor fünf Jahren gesagt. Und wer könnte als Kapitalismusanbeter eigentlich einem Milliardär widersprechen, der das Geld nicht mal geerbt hat?

... You probably don’t know me, but like you I am one of those .01%ers, a proud and unapologetic capitalist. ... In fact, there is no example in human history where wealth accumulated like this and the pitchforks didn’t eventually come out. You show me a highly unequal society, and I will show you a police state. Or an uprising. There are no counterexamples.
https://www.politico.com/magazine/story/2014/06/the-pitchforks-are-coming-for-us-plutocrats-108014


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Kaffeeonkel #26

Der Text hätte auch von Kewin Kühnert sein können. Im Augenblick zählt nur noch Klimaschutz und soziale Gerechtigkeit (was immer man darunter auch verstehen mag). Es gab schon immer (Super)Reiche und wo bitte wurde in den letzten 30 Jahren in welchem Land der EU die Demokratie gefährdet oder gar abgeschafft? Professoren leben unter einer Käseglocke und malen sich immer ihren Idealzustand aus. Die haben einfach zu viel Zeit.


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Aristocats1 #26.1

Ihr Beitrag zeugt von Unwissen. Beispiel Ungarn. Dort wurden nahezu alle kritischen Medien von Freunden Orbans aufgekauft. Praktisch gibt es dort keine freie Presse mehr. Oder was sagen Sie zu den Autokonzernen in Deutschland? Sie haben jahrelang geltende Gesetze gebeugt. Bis heute gibt es für die betrogenen Autokäufer nicht mal Entschädigungen. Von Strafen in Deutschland wegen der Umweltverschmutzung ganz zu schweigen.


Quote
ah-jun #26.2

Vielleicht leben auch Kaffeeonkel in einer Blase?
Im übrigen ist im Artikel genau ausgeführt, dass die Demokratie formal aufrechterhalten wird, aber der "Kern" in einer Salamitatik unauffällig ausgehöhlt wird.
Auch das Streben nach einem "Idealzustand" für die breite Bevölkerung ist nichts verwerfliches. Auch die Superreichen arbeiten - erfolgreich - an einem Idealzustand für ihre Gruppe.


Quote
hobuk #26.4

Während Sie in wahrscheinlich 100 Jahren kein Gehör bei der Regierung finden, geht es für einen "Leistungsträger" oder "Superreichen" bestimmt etwas schneller und auf dem kurzen Dienstweg.
Man kennt und hilft sich.
Insofern befinden wir uns eigentlich schon in einer Kleptokratie.
Oder anders gefragt, wieso werden Gesetze und Maßnahmen deutlich am Wählerwillen vorbei durchgesetzt?
(Afghanistankrieg, Glyphosat, TTIP(Versuch) , Dieselgate usw...)
Nur um ein paar Schlagwörter einzuwerfen.


Quote
Kai Ne-Ahnung #26.3
Die letzten 30 Jahre haben uns dahin gebracht, wo wir in den westlichen, neo"liberalen, kapitalistischen Systemen heute gelandet sind. Es geht um den Stand heute, und der ist:
Die Superreichen gefährden die Demokratie


Quote
alice_42 #28

>> Der Kapitalismus behindert so den Wirkungsgrad der Demokratie. <<

Er zerstört sie, wenn er nicht eingehegt und reguliert wird, unweigerlich. Denn eine Demokratie, in der einige wenige finanzstarke Interessenvertreter die Richtlinien bestimmen, ist bekanntlich gar keine Demokratie mehr, sondern eine Oligarchie.

Wir sind da auf einem guten Weg :-|


Quote
Aristocats1 #28.1

Das ist traurig aber wahr. Wir sind auf dem direkten Weg zurück in den Feudalismus. Auch heute gibt es wieder zahlreiche Privilegien für die Reichen, die Dank des Geldes dann auch vererbt werden. Es sei hier nur an die große Bankenrettung gedacht, die letzendlich nichts anderes war als eine große Reichenrettung. Die Kosten dafür wurden auf die Allgemeinheit abgewälzt. Länder wie Deutschland konnten das auf Kosten einer verrotteten Infrastruktur noch so wuppen. In den ärmeren Ländern (Spanien, Griechenland, Italien) hat die Bevölkerung diese Rettungsaktion mit massiver Verarmung bezahlt.


Quote
Anthon Hofreiter II #32

Es ist leider genau andersherum, wie man sehr schön am Beispiel Berlins sehen kann.
Sobald mehr Menschen von Transferleistungen leben, also in Berlin Politiker + Lobyisten + Hartzer, funktioniert Demokratie nicht mehr.
Dann wird, zu Lasten der Produktiven, welche diese Gruppe durchfüttern muss Politik gemacht, weil die Nehmer schlicht in der Mehrheit sind.


Quote
Bitte freundlich bleiben #32.1

Der Reiche lebt auch von den Transfairleistungen der Produktiven. ;-)


Quote
Anthon Hofreiter II #32.2

Jepp, völlige Zustimmung. ...


Quote
Super-Migrant #35

Die Regierung der Superarmen - mit all ihren Supereigenschaften - macht dann alles besser, oder?
Wie wäre es wenn der Staat sich nicht ständig einmischen würde? Dazu gehört es auch, dass er sich nicht von „Reichen“ bestechen lässt. Es ist doch klar, wenn der Staat sich als allmächtiger Etatismus aufführt, der meint alles bestimmen zu dürfen, dann kauft man sich diesen auch einfach.
Weniger Etatismus, mehr Freiheit, weniger Pöbel!

Quote
ah-jun #35.1
"Es ist doch klar, wenn der Staat sich als allmächtiger Etatismus aufführt, der meint alles bestimmen zu dürfen, dann kauft man sich diesen auch einfach."

Da ist es doch besser die Superreichen bekommen den Einfluss umsonst!


Quote
Geht_so_oder_auch_nicht #36

Die Bürger haben durch ihr jahrzehntelanges Wahlverhalten die heutigen Verhältnisse herbeigewählt. Natürlich kann man diese Entwicklung zwar kritisieren, aber letztendlich beruhen sie nun einmal auf demokratischen Wahlen. Die Mehrheit will diese Entwicklung so, das hat man als Demokrat zu akzeptieren, auch wenn man persönlich andere Vorstellungen hat.


Quote
ah-jun #36.1

Da haben Sie recht. Wenn es darauf ankommet verbündet sich der Mittelstand mit den Interessen der Reichen und Superreichen gegen die Unterschicht.


Quote
Kai Ne-Ahnung#36.2

Der Wähler will also das die gewählten Parteien/Politiker vor der Wahl ständig A versprechen aber sobald die Pöstchen gesichert sind, das B der Industrie, der Wirtschaft und der Vermögenden bedienen? Natürlich nur mit "Bauchschmerzen" und so. ...


Quote
ClausM #62

Was sollen die Krokodilstränen? - Genau das war doch das allzu offensichtliche Ziel von Politik und Medien in den letzten Jahrzehnten.
Jeder Schlag, den man gegen die wirtschaftlich Schwächeren führte, wurde von frenetischem Jubel begleitet.


Quote
GoaSkin #63

Die Supperreichen mögen die Demokratie gefährden, doch die ganz einfachen Leute möchten scheinbar die Demokratie schnell hinter sich bringen - mit Hilfe der Superreichen.
Denn sie sind nicht abgeneigt, Superreiche Leute wie Trump, Berlusconi oder Farage zu wählen, um diese Entwicklung zu beschleunigen.
Paradoxerweise werden solche Leute gerade mit der Argumentation gewählt, dass geglaubt wird, die Eliten hätten sich gegen die einfachen Leute verschworen. In der Konsequenz werden dann Politiker gewählt, die wie niemand sonst für diese Klischees stehen.


Quote
konne #64

Wir leben heute in einer Scheindemokratie, Demokratie existiert nicht mehr. Wir können zwar protesitieren, frei sprechen aber das stört die Superreichen nicht. Solange man die Gehälter senken kann, Sozialleistungen streichen kann ist ihnen alles egal. Mam sieht es deutlich in Griechenland, und Spanien wo die Verarmung immer grösser wird. In Deuitschland ist man etwas diskreter ...


Quote
Rabe374 #65

Ich sehe das ziemlich unproblematisch. Es geht uns allen unterm Strich sehr gut von den Lebensumständen, auch wenn such immer mehr der Sozialneid ob der angeblich so schlimmen eigenen finanziellen Lage einschleicht.

Das Problem scheint eher zu sein, dass immer mehr Leute unzufrieden mit dem eigenen sozialen Status sind. Es kann aber nun mal nicht einfach so jeder reich und schön sein, zumindest nicht ohne entsprechende oft jahrelange Anstrengung und grundlegende Fähigkeiten.

Wenn die Leute lieber mal mit dem zufrieden wären was sie haben, wäre schon viel geholfen. Man könnte jedem Normalbürger 1.000 Euro mehr im Monat an Einkommen schenken - nach ein paar Monaten würde er sich wieder arm und ungerecht behandelt vorkommen.


Quote
Rekitsonga #65.1

>>Man könnte jedem Normalbürger 1.000 Euro mehr im Monat an Einkommen schenken - nach ein paar Monaten würde er sich wieder arm und ungerecht behandelt vorkommen.<<

Nein. Er würde sich freuen, dass er in seiner Wohnung bleiben darf, weil er die überhöhte Miete wieder bezahlen kann.


Quote
Rabe374 #65.2


„Nein. Er würde sich freuen, dass er in seiner Wohnung bleiben darf, weil er die überhöhte Miete wieder bezahlen kann.“

Die armen Mieter. Nur ausgenommen und vor die Tür gesetzt von den pöhsen Immobilien-Haien. Schon klar. Man kann sich das Leben aber auch zurecht heulen.


Quote
Flinders #67

Balsam für die Kommunistenseele. Mehr nicht.


Quote
Mix Mastermond #97

Ich bin der Meinung, dass wir keine Neid-Debatte brauchen! Die reichen Menschen sollen ruhig reich sein. Warum auch nicht?
Hauptsache die armen Menschen leben ihr Leben in Würde!


Quote
chrisbo18 #72

Je mehr ich erfahre und darüber nachdenke, desto mehr bekomme ich das Gefühl, dass diese Entwicklung kein Zufall ist, sondern mehr und mehr gesteuert wird.
Die Reichsten verfügen über Medienhäuser, Rohstoffquellen und Einflüsse in fast alle Unternehmen, die für Staaten oft eine große Abhängigkeit darstellen.
Die Gesellschaften werden ausgesaugt und müssen mehr und mehr leisten, während sich die Vermögen der Reichsten von selbst vervielfachen. Und dem ist kein Ende zu setzen!
Ich bin kein Sozialist oder Kommunist, doch plädiere ich für ein Ende dieser einseitigen Auslegung.
Auch frage ich mich, was man mit so viel Geld eigentlich will? Wie viele Häuser, Autos, Yachten oder was auch immer kann man besitzen oder gar nutzen?
Ok, das ist vielleicht eine naive Frage, doch wer erlaubt es, dass Geld über der Gesellschaft steht?
Der Kapitalismus ist nicht die schlechteste Lösung, doch was daraus gemacht wird, lässt mir graue Haare wachsen!


Quote
djborislav #74

Ich kenne berufsbedingt Superreiche. Sie haben mittlerweile privaten Wachschutz und sind in ständiger Angst, dass ihre Kinder entführt werden.
Auch wird von den Superreichen chronisch die Gefahr einer Revolution unterschätzt, die Gelbwesten haben schonmal einen Vorgeschmack geliefert. Occupy ist zwar eingeschlafen, kann aber jederzeit in anderer Form wieder aufflammen, durch das Internet lässt sich gewaltsamer Widerstand bestens vernetzen.
Aber abgesehen von staatlicher Regulierung, die sehr wohl möglich wäre (Transaktionssteuer, Abschaffung privater Schiedsgerichte, strengere Bankenaufsicht mit genug Eigenkapitalauflagen...), muss sich auch jeder Aktien- und Fondbesitzer an die eigene Nase fassen: bin ich gierig und investiere ich in destruktive Heuschrecken-Unternehmen oder lege ich nachhaltig an und verzichte u.U. auf ein paar Prozent Rendite. Die Gier ist auch kollektiviert worden und betrifft uns alle.


Quote
Hansifritz #100

"Die Superreichen gefährden die Demokratie"

Vor einem Jahr lief sowas noch unter Verschwörungstheorie.


...

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« Reply #33 on: June 12, 2019, 12:23:51 PM »
Quote
[...] Das durchschnittliche Jahresgehalt eines Vorstandsmitglieds in einem Dax-Unternehmen betrug im vergangenen Jahr 3,51 Millionen Euro und war damit 52-mal so hoch wie das Jahreseinkommen der Angestellten in den Unternehmen. Diese Zahl hat die Deutsche Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz gemeinsam mit der Technischen Universität München errechnet. Eine entsprechende Studie zur Gehaltsschere in 29 von 30 Dax-Konzernen wurde in Frankfurt vorgestellt.

Die größte Differenz zwischen dem Einkommen eines Vorstandsmitglieds und dem eines Mitarbeiters oder einer Mitarbeiterin stellte die Studie bei Volkswagen fest: Das Gehalt auf höchster Führungsebene sei um ein 97-Faches höher als der durchschnittliche Personalaufwand pro Mitarbeiter im Unternehmen – ein Vorstandsmitglied verdiente 2018 im Schnitt sechs Millionen Euro. Mit rund 5,2 Millionen, das zweithöchste Gehalt, hätten Mitglieder des Vorstands im Pharmakonzern Merck erhalten.

Den dritten Platz erreichten die Vorstände der Deutschen Bank, was ein Autor der Studie kommentierte: Das Geldinstitut befinde sich "augenscheinlich nicht auf einem Erfolgskurs". Dennoch seien die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in der Leitung des Konzerns durchschnittlich mit 5,1 Millionen Euro entlohnt worden – ein Plus von 55,2 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Das geringste Gehaltsgefälle bestehe bei der Deutschen Börse: Das Unternehmen, das den Deutschen Aktienindex herausgibt, zahle Vorständen im Schnitt einen 25-mal höheren Lohn als Angestellten.

Der Studie zufolge war das Gehaltsgefälle 2018 ebenso hoch wie im Vorjahr. Allerdings seien die Vorstandsgehälter insgesamt um 3,5 Prozent gesunken, zum ersten Mal seit mehreren Jahren.

Der Hauptgeschäftsführer der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz, Marc Tüngler, sagte: Die Aufsichtsräte müssten darauf achten, dass sich die Schere in einem Unternehmen nicht zu weit öffne. Zu befürworten sei es, wenn sich die Bezahlung eines Vorstandsmitglieds am Aktienkurs des Konzerns orientiere: "Gute Leistung soll gut vergütet werden", sagte Tüngler. "Wenn es aber schlecht läuft, muss der Vorstand dies ebenfalls im Portemonnaie spüren. Und das sehen wir oft noch nicht."

Im vergangenen Jahr habe der Teil der Bezahlung, der anhand der Aktienperformance berechnet wurde, bei knapp 30 Prozent gelegen. Ein Drittel des Geldes sei Festgehalt, der verbleibende – und größte – Posten der Gesamtvergütung für Vorstände setze sich aus variablen Bonuszahlungen zusammen.

Auch zu den Gehältern von Vorstandsvorsitzenden wurden Zahlen präsentiert: Die Chefs der Dax-Unternehmen hätten 2018 im Schnitt ein Jahresgehalt von 5,4 Millionen Euro bezogen. Am besten bezahlt worden sei SAP-Vorstandschef Bill McDermott mit mehr als 10,8 Millionen Euro. SAP ist derzeit das wertvollste Unternehmen im Dax. Auf den SAP-Chef folgten Herbert Diess, dem VW 7,9 Millionen Euro gezahlt habe, und Bernd Scheifele, der für die Leitung des Konzerns Heidelberg Cement rund 7,3 Millionen Euro bekommen habe.

Erweitere man die Menge der untersuchten Unternehmen auf die Firmen, die im MDax verzeichnet sind, liege das Spitzengehalt für Vorstandschefs noch einmal höher: Die drei Chefs des Modeversandunternehmens Zalando, Robert Gentz, David Schneider und Rubin Ritter, hätten im vergangenen Jahr jeweils knapp 19,4 Millionen Euro verdient.

Im internationalen Vergleich würden diese Summen leicht übertroffen: In Europa etwa, habe der Chef des belgischen Getränkegroßkonzerns AB InBev, Carlos Brito, im vergangenen Jahr 31,8 Millionen Euro erhalten. Der Vorstandsvorsitzende des US-Unternehmens Disney, Robert Iger, sei mit knapp 55,6 Millionen Euro entlohnt worden. Der Großteil dieser Bezüge sei jeweils an den Aktienkurs des Unternehmens gekoppelt.

In ihrer Erhebung hat die Deutsche Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz Pensionszusagen nicht berücksichtigt. Andere Studien mit anderer Methodik kämen deshalb möglicherweise zu abweichenden Ergebnissen.


Aus: "Deutsche Börsenliga: Dax-Vorstände verdienen 52-mal so viel wie ihre Angestellten" (11. Juni 2019)
Quelle: https://www.zeit.de/wirtschaft/boerse/2019-06/deutsche-boersenliga-dax-konzerne-vorstaende-gehalt-gehaltsschere

Quote
felix78 #2.2

Ach was der Vorstand bekommt sind doch Peanuts, interessant ist was die Großaktionäre so bekommen. Zum Beispiel BMW Familie Quant lässt sich so 800 Millionen pro Jahr an Dividenden auszahlen, dagegen wirken die Vorstandsgehälter wie Trinkgeld. Vorstände sind auch nur Angestellte, lasst uns endlich mehr über die Beteuerung von Kapitaleinkommen diskutieren! Ich bin ja für die Steuerliche Gleichbehandlung aller einkommensarten und dafür das auch alle Einkommensarten Sozialversicherungspflichtig werden, wie in der Schweiz. Dann könnten wir uns Pflege, Rente, Polizei, Schulen, Lehrer, Kitas, Schwimmbäder, die Instandhaltung von Straßen und Brücken und vieles mehr leisten.

Aber das wird nicht passieren, wenn es unsere Regierung seit Anfang der 2000der nicht mal schafft Cum ex und Cum Cum Betrügerreien zu unterbinden.
 

Quote
Gerne_unterwegs #2.3

Da gab es doch einmal den Wahlslogan "Leistung soll sich wieder lohnen!" War das FDP? Haben die die Quandts gemeint?


Quote
felix78 #2.5

Ich bin mir sicher die FDP hat mich als Altenpfleger gemeint. ...


Quote
GlobalPlayer5001 #8

Wo ist das Aufregerthema? Die Höhe der Vorstandsvergütung wird vom Aufsichtsrat festgelegt, dieser wiederum wird von der Hauptversammlung gewählt. Das alles ist dank Publizitätspflichten komplett transparent.

Wenn ich der Meinung bin, dass ein Vorstand zu viel verdient, kann ich ja in ein anderes Wertpapier investieren. Wenn mir das insgesamt nicht vorteilhaft erscheint, dann wird der Konzern ja immerhin so gut gemanaged, dass die Rendite trotz Vorstandsgehältern stimmt.

Also: Wo ist das Thema???


Quote
GlobalPlayer5001 #8.3

>>Das Thema ist soziale Gerechtigkeit.<<

Nein, das Thema ist Neid und (noch schlimmer) Missgunst. ...


Quote
Gnurg #8.4

Das Problem ist ja, dass einige so viel Geld verdienen, wie sie unmöglich sinnvoll ausgeben können, andere hingegen nicht genug, um sich beispielsweise gesund zu ernähren oder einmal im Jahr Urlaub machen zu können. Das hat auch nicht wirklich mit Neid zu tun (jedenfalls nicht bei mir), aber es ist halt nicht gut für die Arbeitsmoral, wenn man sich den Arsch für ein Unternehmen aufreißt und nicht dafür entsprechend vergütet wird. Beziehungsweise wenn der eigene Bonus weniger Wert ist, als das Geld, dass der Vorstand verdient, wenn er während einer Sitzung mal pinkeln geht.

Abgesehen davon haben weder Aufsichtsrat noch die Mitglieder der Hauptversammlung ein Interesse am Wohl des Arbeiters oder der moralischen Verpflichtung des Unternehmens gegenüber der Gesellschaft, sondern allein an der eigenen Bereicherung.


Quote
GlobalPlayer5001 #8.6

>>Abgesehen davon haben weder Aufsichtsrat noch die Mitglieder der Hauptversammlung ein Interesse am Wohl des Arbeiters oder der moralischen Verpflichtung des Unternehmens gegenüber der Gesellschaft, sondern allein an der eigenen Bereicherung.<<

Das sind ja auch nicht alle Samariter, sondern die Aktionäre sind Kapitalgeber, die als Gegenleistung eine angemessene Rendite auf das eingesetzte Kapital erwarten. Wenn man das Zurverfügnungstellen von Kapital nicht gleich mitkriminalisieren will, hat das nicht mehr mit "eigener Bereicherung" zu tun als die Erwartung, Zinsen aus einem Wertpapier zu erzielen. Beides ist völlig legitim.


Quote
Echse des Bösen #8.12

"Nein, das Thema ist Neid und (noch schlimmer) Missgunst."

Nein, das Thema ist die Behauptung, das sei Leistungsgerechtigkeit. Man kann das System begründen mit "es ist halt so wie es ist" oder "wenn es geht, dann wird es so gemacht", aber man sollte daraus nicht ableiten, dass es auch gut oder leistungsgerecht ist. ... Das ist im Kern auch das Problem des Neoliberalismus - er definiert alles, was sich im Markt regelt, automatisch als Gerechtigkeit. Bittere Armut und überbordender Reichtum - gerecht, wenn es der Markt regelt. Da ist der Neoliberalismus nicht anders als der christlich-fundamentalistische Calvinismus von vor 300 Jahren.


Quote
hamletmaschinist #8.21

Die "hohen Vorstandsgehälter finanzieren" in erster Linie die schlechtbezahlten Leiharbeiter und die Kunden.

Quelle > https://www.spiegel.de/wirtschaft/soziales/leiharbeit-erreicht-rekordniveau-in-deutschland-a-1111375.html [Donnerstag, 08.09.2016 ... Fast zwei von drei Leiharbeitern arbeiteten zuletzt zu besonders niedrigen Löhnen. Sie lagen unter der Niedriglohnschwelle von rund 1970 Euro, also unter dem Lohn, der zwei Drittel des mittleren Gehalts der Beschäftigten insgesamt beträgt. 5,7 Prozent der Leiharbeitnehmer haben Anspruch auf ergänzende Leistungen und stocken ihr Gehalt mit Hartz IV auf. Nur jedes vierte Leiharbeitsverhältnis besteht neun Monate oder länger. 15 Prozent dauern 15 Monate, 12 Prozent über 18 Monate. ]


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d353rt #11

... ich möchte hier eine kleine Rechnung vorführen: Wenn Sie als Arbeitnehmer das Glück haben 5000€ im Monat zu verdienen (brutto), und das, sagen wir mal, 45 Jahre lang, dann haben Sie 2,7 Millionen € (Brutto) verdient. Wenn Sie aber nur 2500€ verdienen, dann kommen Sie logischerweise auf 1,35 Millionen. Wie gesagt in 45 Jahren.

Und dann kommt so ein Vorstandschef, und kassiert 10 Millionen Euro IN EINEM JAHR. Und er spendet dann z.B. an die FDP, die dann behauptet, dass unser Rentensystem nicht mehr tragbar sei. Das ist doch der reinste Klassenkampf von oben. Unser BIP hat sich in den letzten 20 Jahren fast verdoppelt... ...


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GlobalPlayer5001 #11.1

So viel Neid und Missgunst. Sind wohl wenige Rheinländer hier im Forum: Man muss auch jönne könne ...


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DrkdD #11.5

Fakten sollte man nicht mit Neid vergleichen. Außerdem ist der Ruf "Das ist nur Neid" einer der belanglosesten Argumente gegen ein Aufkommen der Unzufriedenheit bei denen, die den Reichtum finanzieren.


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d353rt #11.6

"Ihre Wut in allen Ehren. Aber seit wann erkennen Vorstände ihren Mitarbeitern die Rente ab? Haben Sie einen konkreten Fall im Kopf?"

Ach davon gibt es mehr als nur einen Fall, es sind Millionen. Ein sehr aktuelles Beispiel: Amazon, ab heute der größte Konzern der Welt (größte Umsätze und Gewinne), der seine Angestellten über Leihfirmen einstellt, die keine Sozialabgaben bezahlen wollen, was die Rente nach unten drückt. Das nennt man dann gerne "Freiheit" und "Selbstständigkeit" . Es ging so weit, dass der Staat eingreifen musste, und ein entsprechendes Gesetz verabschiedet werden musste.
Reicht das?


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GlobalPlayer5001 #11.8

>>Es ging so weit, dass der Staat eingreifen musste, und ein entsprechendes Gesetz verabschiedet werden musste.<<

Daraus folgt ja relativ direkt, dass Amazon vor Verabschiedung des Gesetzes nichts Unrechtmäßiges getan hat, denn sonst brauchte man ja kein neues Gesetz. Und jetzt werden sie sich wohl an das neue Gesetz halten. Wofür ist dies gleich noch ein Argument?

Ein wesentlicher Grund dafür, dass Aktionäre hohe Gehälter für Spitzenmanager mittragen ist doch, dass diese im Interesse der Anteilseigner die Performance der Unternehmen verbessern. Unternehmen sind keine karitativen Einrichtungen, sondern sollen Geld für die Anteilseigner verdienen. Wenn die Ersetzung einer Belegschaft durch Leiharbeiter dazu einen Beitrag leisten kann, dann ist dies genau das, was die Aktionäre zu Recht von der Geschäftsführung erwarten.


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d353rt #11.12 

"Daraus folgt ja relativ direkt, dass Amazon vor Verabschiedung des Gesetzes nichts Unrechtmäßiges getan hat, denn sonst brauchte man ja kein neues Gesetz. Und jetzt werden sie sich wohl an das neue Gesetz halten. Wofür ist dies gleich noch ein Argument?"

1. Dafür, dass Sie allem Anschein nach nicht verstehen, dass man als Unternehmer auch in der Pflicht steht, seinen Angestellten ein Gehalt zu zahlen, von dem sie auch leben können, ohne aufstocken zu müssen.
2. Dafür, dass man genau sieht, auf wessen Rücken der Wohlstand von Amazon-Vorständen aufgebaut wird.
3. Dafür, dass einige im Jahr 2019 weiterhin an Sklaverei halten. Und damit meine ich nicht den IS (Islamischer Staat), sondern gebildete Menschen aus der westlichen Welt.
4. Dafür, dass sich diese Unternehmen auf Kosten der Allgemeinheit bereichern
5. etc.


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GlobalPlayer5001 #11.18 

>>Eine Frage: wer leistet die eigentliche Arbeit, ohne die, wie Sie bestimmt wissen, kein Unternehmen bestehen kann. Die Angestellten oder die ANTEILSEIGNER?<<

Nun ja, es ist ein klarer Deal bei den Arbeitnehmern: Lohn gegen Arbeit. Und ein genauso klarer Deal ist es bei den Anteilseignern: Kapitalüberlassung gegen Rendite. Natürlich arbeiten die Arbeitnehmer, aber sie könnten es nicht, wenn die Anteilseigner nicht zuvor das Kapital zur Schaffung der Arbeitsplätze investiert hätten.

Soweit alles klar?


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d353rt #11.19

"Natürlich arbeiten die Arbeitnehmer, aber sie könnten es nicht, wenn die Anteilseigner nicht zuvor das Kapital zur Schaffung der Arbeitsplätze investiert hätten."

Zwei drittel der ANTEILSEIGNER haben ihr Vermögen geerbt, das heißt, sie haben keinen Finger krumm gemacht. Solche Typen kenne ich: Papa war Facharbeiter, hat sein Leben lang geschuftet, und mehrere Immobilien erstanden. Jetzt ist er tot, und der geborene Sohn hat die Immobilien verkauft und "investiert". Und er setzt sich dafür ein, dass die Vollzeit-Angestellten, die oft schlicht keine andere Wahl haben, zum Hungerlohn schuften müssen, ganz anders als der Papa. und dann müssen diese Angestellten aufstocken, weil das Geld für das Frühstück für die Kids nicht reicht. Wissen Sie, wie man solche ANTEILSEIGNER nennt? Sozialschmarotzer. Parasiten.

Soweit alles klar?

Und noch etwas: ich hoffe dass man bei der nächsten Aktionärsversammlung von Daimler Benz nicht schon wieder die Polizei rufen muss, weil sich die ANTEILSEIGNER am Würstchenbuffet um die letzten Würstchen geprügelt haben.


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deri punkt partei #19

ich finde, anstatt immer wieder die Gehälter der Vorstände zu thematisieren sollten wir mehr das untere Ende der Gehaltsliste in den Focus nehmen. ...

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TottiZ #24

Und die Politik nennt es noch immer "Soziale Marktwirtschaft".


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DrkdD #24.1

Situationskomik derer die den Lobbyisten den Weg bereiten.


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Auf Krawall gebürstet #28

Jetzt aber bitte nicht wieder Klassenkampf- und Enteignungsdiskussionen. Es können halt nicht alle so viel Geld verdienen.


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GlobalPlayer5001 #28.1

Ein frommer Wunsch, allein - Sie sehen es ja - die Neid- und Missgunstfraktion ist schon wieder voll in ihrem Element. Denen ist jedes Mittel recht, auf die angeblichen "Ungerechtigkeiten" in der Einkommensverteilung hinzuweisen. Und, zugegeben, Vorstände internationaler Konzerne geben hier ja auch eine schöne Projektionsfläche zum Abarbeiten her ...


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St.Expeditus #36

Niemand wird als DAX-Vorstand geboren . Jeder hat prinzipiell die gleiche Chance.
Was man braucht ist Weitsicht. So müssen heute etwa die Autobosse entscheiden,
welche Autos sie 2040 verkaufen wollen. Eine falsche Entscheidung kann die Existenz
eines Konzerns und zehntausende Arbeitsplätze gefährden. Da sehe ich den Faktor 50 nicht als zu hoch an, wenn Balltreter oder Imkreisfahrer das zehnfache verdienen.


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artefaktum #36.1

@St.Expeditus

>> So müssen heute etwa die Autobosse entscheiden,
welche Autos sie 2040 verkaufen wollen. Eine falsche Entscheidung kann die Existenz
eines Konzerns und zehntausende Arbeitsplätze gefährden. <<

In der Tat. Aber welche Konsequenzen haben falsche Entscheidungen für den Autoboss? Goldener Fallschirm für's Management, Arbeitslosigkeit für die Belegschaft. Mit "Eigenverantwortung" hat das herzlich wenig zu tun. Die gilt immer nur für den blöden Durchschnittsarbeitnehmer.


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Klacksklacks #36.6

Josef Ackermann hat in der Tat andere Sorgen, seit die Staatsanwaltschaft ihn als Beschuldigten im cum-ex-Skandal führt.


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pöserpurche #38

Von mir aus können die auch 100-mal soviel verdienen. Verstehe das Problem nicht. Wer hat denn das zu kritisieren und/oder zu befinden, was zu viel zu wenig oder angemessen ist. Ein Komitee aus Journalisten, Robert Habeck und all die anderen Moralapostel?


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vlavo #39

Der Aufsichtsrat genehmigt die Gehälter der Vorstände, die wiederum die Gehälter der Aufsichtsräte vorschlagen. Beide zusammen beschließen die Dividendenzahlung an die Aktionäre, die wiederum die Gehälter der Aufsichtsräte und Vorstände absegnen. Ein Zirkel. Die Angestellten sind außenvor. So sagt Michael Hartmann, Soziologe und einer der renommiertesten deutschen Eilieforscher. Diese Gier erodiert unseren Staat und lässt ihn von innen heraus faulen.


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LinuxSchurke #41

Das ist doch alles Peanuts was deutsche Manager verdienen.
Tim Cook, Apple-Chef, kassierte 2017 ein Gehalt von 12,8 Millionen US-Dollar. Das Grundgehalt liegt bei rund 3 Millionen US-Dollar pro Jahr, der Rest Boni.
Gehalt 2018:
15,7 Millionen US-Dollar
Zusätzlich zum Gehalt hat der Top-Manager jedoch noch lukrative Aktien-Optionen von Apple erhalten. So erhielt er laut dem 2011 unterschriebenen Vertrag im August 2017 ein Paket von 560.000 Aktien.

Natürlich ist das zuviel aus unserer Sicht, wird aber gezahlt. Und jetzt rechnet mal aus um wieviel mal das höher ist als bei der Apple Putzfrau mit 20000$ oder dem Apple Ingenieur mit 150000$ pro Jahr


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Johanna88 #41.1

Nett von Ihnen, uns zu erklären, dass Perversion praktisch unendlich steigerbar ist.


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Flatearthler10000 #44

Ah, die typisch deutsche Neidkeule wird wieder ausgepackt.


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Klacksklacks #44.1

Nicht jede Kritik die Sie nicht verstehen gründet auf Neid.


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Rabe374 #47

Ist doch vollkommen ok. Wer das Gehalt verdienen möchte, kann ja einfach selber Vorstand werden, anstatt kleiner Angestellter zu sein. Aber vielleicht hat es doch einen Grund, weshalb es nur eine handvoll Bigplayer mit Millionengehältern gibt.


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exxkoelner #47.1

Der American Dream, vom Tellerwäscher zum Millionär, hat ja auch super geklappt - ca. 40 Mio. US-Bürger erhalten Essenmarken, 1% der Bevölkerung gehört 40% der Vermögen, 1% der Bevölkerung erhält 24% der gesamten Einkommen pro Jahr. Aktuell ist die USA bei einem Manager/Angestellten-Ratio von 380:1. Kann man ja so weiter laufen lassen und mal gucken was passiert, was soll schon schief gehen? ...


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Kanndassein #50

Bei den Vorstandsbezügen ist schon lange einiges aus den Fugen geraten, und gerade bei Aktiengesellschaften ist es erstaunlich, dass dies so hingenommen wird, selbst wenn die Unternehmensspitzen versagt haben. ...


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Flugbenzin #56

Die deutschen Vorstandsgehälter bewegen sich international im Mittelfeld. Wer gute Leute haben möchte, muss aber tief in die Tasche greifen. ...


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Johanna88 #56.1

"Wer gute Leute haben möchte, muss aber tief in die Tasche greifen."

Ah, jetzt verstehe ich das endlich!

Die Vorstände von Bayer und der Deutschen Bank waren einfach zu schlecht bezahlt.....
Na, da hätte ich auch selbst drauf kommen können, ich Dummchen...


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Sonja #57

Aufmacher wie bei der BILD-Zeitung... und auch ähnliches Niveau. Wenn jeder so viel schlauer ist und eine ähnliche Vita wie die Vorstände vorweisen kann, soll es einfach besser machen, ganz einfach.
Meist kommt dann die Ausrede: „Wenn ich denn wollte könnte ich das, aber das ist einfach unmoralisch blibla“ - jaja, man kennts. Ausreden, andere sind Schuld, vermeintliche Unfairness, Ungleichheit - das ganze Sozen-Gesabbel, anstatt einmal mit auf sich selbst zu schauen.


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exxkoelner #59

Und die Manager tragen ja auch die ganze Verantwortung, wie Herr Winterkorn z.B.:

"Der Aufsichtsratschef von VW könnte in so einem Fall gar nicht mehr anders, als von Winterkorn Schadenersatz zu verlangen. Und ihn notfalls zu verklagen. Das brächte natürlich nicht die vielen Milliarden Euro zurück, die VW die Affäre bislang gekostet hat. Aber es wäre ein Signal. Wobei offen bliebe, was bei Winterkorn noch alles zu holen wäre. Er hat als Vorstandschef bis zu 17 Millionen Euro im Jahr an Gehalt und Boni kassiert. Als die Abgasaffäre schon eine Zeitlang lief, hat Winterkorn Millionenbeträge in die Schweiz geschafft, auf ein Depot bei einer Bank. Es handele sich wahrscheinlich um ein Depot der Ehefrau, notierten die Ermittler später. Die Ermittler vermuteten, der Ex-Konzernchef könnte einen "Notgroschen" für den Fall angelegt haben, dass er in der Affäre noch persönlich belangt werde. Der Clou an der Sache, aus Sicht Winterkorns: Nach allem, was bislang bekannt ist, wäre das völlig legal gewesen. Im Wege eines komplizierten Steuersparmodells unter Eheleuten, das "Güterstandsschaukel" genannt wird."
https://www.sueddeutsche.de/wirtschaft/winterkorn-vw-prozess-dieselskandal-1.4410976-2

Bisher hat er ausgesagt, das er sich an nichts mehr erinnern kann in diesem Zusammenhang, man hat ja auch den Kopf so voll, bei der ganzen Verantwortung und so ...


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Gisbert Beaumarais #59.1

Bei Winterkorn gibt es nur drei Möglichkeiten:
a) er lügt
b) er ist unfähig
c) er ist dement


Quote
Johanna88 #59.2

"Bei Winterkorn gibt es nur drei Möglichkeiten:
a) er lügt
b) er ist unfähig
c) er ist dement"

d) unterbezahlt....haben Sie vergessen.

Lerne ich ja gerade hier im Forum. Die Gehälter deutscher Manager sind einfach Unterkante.


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Ledni Rok #60

Neid ist ein schlechter Charakterzug.


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Professor Deutlich #60.1

Gier auch.


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peterjunge #62

Irgendwie passend (oder erhellend), dass das Gehaltsgefälle gerade beim "Volks"-wagenkonzern am deutlichsten ist, bei dem ein Landesfürst der SPD einigen Einfluss hat aufgrund des Staatsanteils.


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AllesKeinProblem #64

Aber diese Leute tragen doch so viel Verantwortung und müssen für alles in ihren Unternehmen gerade stehen! Volkswagen? Ach ja...
Aber man muss doch mit hohen Gehältern um die besten Köpfe werben um die Firma auf Erfolgskurs zu bringen! Deutsche Bank? Ach ja...
Was ist dann jetzt noch übrig als Argument? Aber natürlich: "Ihr seid doch alle nur neidisch."


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Tiqqun #65

Und dennoch, sobald sich dann einer aus diesem Milieu zur Wahl stellt, all seinen Prunk zeigt, dann sehen die Menschen voller Ehrfurcht hinauf. Sei es ein Trump, ein Bloomberg, oder ein Merz. "Die haben bewiesen, dass sie es können" ...


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Badener im Ausland #68

"Der Studie zufolge war das Gehaltsgefälle 2018 ebenso hoch wie im Vorjahr. Allerdings seien die Vorstandsgehälter insgesamt um 3,5 Prozent gesunken, zum ersten Mal seit mehreren Jahren. "

Ich habe den üblichen Hinweis aus der neoliberalen Mottenkiste vermisst, dass es ein „gutes Signal“ sei, wenn „die Ungleichheit nicht weiter wächst“.


Quote
tiefstapler #77

die leiterin einer kita bekommt monatlich den betrag X - für das aufbewahren von kindern.
ein vorstand der deutschen bank bekommt monatlich das 52-fache - für das aufbewahren von geld. ...


Quote
MaxFortis #77.1

Warum ist es ein Problem des Kapitalismus, wenn den Menschen Bankgeschäfte wichtiger sind als Kindererziehung?


Quote
tiefstapler #77.2

Mit einer Weisheit, die keine Tränen kennt,
mit einer Philosophie, die nicht zu lachen versteht,
und einer Größe, die sich nicht vor Kindern verneigt,
will ich nichts zu tun haben.
( Khalil Gibran )


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no-panic #78

52 mal mehr als der Durchschnittsverdiener im Laden, also 100 mal so viel wie die, die wirklich wertschöpfend arbeiten und etwas Greifbares herstellen. Das bedeutet, dass derjenige, der das Produkt, welches den Gewinn bringt, zusammenbaut, 100 Jahre arbeiten muss, um das zu bekommen, was so ein Vorstand in einem Jahr bekommt.
Wer hier nicht erkennen möchte, dass die Relationen nicht nur schief, sondern schlicht nicht mehr existent sind, ...


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CarpeDiem0987654321 #79

... wieder so eine Neiddebatte. ...


...

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Kapitalismus & Kapitalismuskritik (...?)
« Reply #34 on: June 12, 2019, 01:31:20 PM »
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[...] Der Politiker Friedrich Merz ist Vizepräsident des Wirtschaftsrates der CDU und war früher Vorsitzender der Unionsfraktion im Bundestag. Er ist Vorsitzender des Aufsichtsrats der Fondsgesellschaft BlackRock in Deutschland und kandidierte Ende vergangenen Jahres um den CDU-Parteivorsitz.

 Deutschland geht es gut. Wir leben in einem der schönsten und wohlhabendsten Länder der Welt. ... Die Agenda 2010 der rot-grünen Bundesregierung war der Versuch, die deutsche Volkswirtschaft in einem schärfer werdenden globalen Wettbewerb zukunftsfähig und zugleich die Sozialversicherungen demografiefest zu machen. ... Marktwirtschaft heißt vor allem Kapitaleinsatz: kapitalstarke Unternehmen, Kapitalbildung in Arbeitnehmerhand, Kapitalfundierung von Teilen der Sozialversicherungen, Kapitalerträge etwa für die Bildungseinrichtungen. All dies macht den Kapitalismus im bestverstandenen Sinn des Wortes zusammen mit der sozialen Verantwortung aller Akteure zum Wesenskern der sozialen Marktwirtschaft. Die Deutschen müssen wieder neu lernen, diesen Teil der Marktwirtschaft zu verstehen, damit sie gerettet werden kann. Und retten müssen wir sie, denn ohne Kapitaleinsatz und ohne Kapitalrentabilität gibt es keinen Sozialstaat und ohne Sozialstaat gibt es keine soziale Gerechtigkeit. ... Die Zahl der Aktionäre ist in Deutschland im letzten Jahr um rund 200.000 gestiegen, sie liegt jetzt wieder über zehn Millionen. Das ist, für sich genommen, eine gute Nachricht. Damit sind aber immer noch 70 Millionen Menschen in Deutschland ohne Zugang zu den Kapitalerträgen der Unternehmen. Immer noch arbeiten Millionen deutscher Beschäftigter in börsennotierten Aktiengesellschaften, deren Erfolg von Millionen ausländischer Aktionäre vereinnahmt wird. Kaum ein börsennotiertes Unternehmen in Deutschland hat noch mehrheitlich deutsche Aktionäre. Daran muss sich etwas ändern, aber daran lässt sich nur etwas ändern, wenn in Deutschland eine neue Kultur des Aktiensparens entsteht und sich daraus eine neue Teilhabe am Erfolg der Marktwirtschaft entwickelt. Ich bin, anders als früher, heute auch der Auffassung, dass der Gesetzgeber eine Verpflichtung zur privaten, kapitalmarktorientierten Vorsorge für das Alter ernsthaft prüfen sollte, in welcher Form auch immer. ... Starke Bürger vertrauen auf ihre eigenen Kräfte und übernehmen Verantwortung für sich und andere, engagieren sich in Familie, Schule und Politik, im Betrieb oder in den vielen gesellschaftlichen Problemfeldern. Wenn in dieser Weise Kapital und Soziales, Staat und Unternehmen, Stiftungen und Verbände, Initiativen und Bürger allgemeine Projekte unterstützen und tragfähige soziale Netzwerke knüpfen, kann das ganze kreative Potenzial unserer Gesellschaft zum Tragen kommen. Die unsichtbare Hand, von der Adam Smith sprach, führt dann nicht nur zu wirtschaftlichem, sondern auch zu sozialem Reichtum. Nicht inszenierter Klassenkampf, sondern eine konstruktive Partnerschaft zwischen wirtschaftlichem und sozialem Kapital schafft ein erneuertes bürgerliches Gemeinwesen. Aber ohne oder gar gegen den Kapitalmarkt sind diese Ziele allesamt nicht zu erreichen.


Aus: "Für eine neue Kultur des Sparens" Friedrich Merz (11. Juni 2019)
Quelle: https://www.zeit.de/wirtschaft/2019-04/wirtschaftspolitik-deutschland-wohlstand-soziale-gerechtigkeit-demokratie-kapitalismuskritik/komplettansicht

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Ideosynkratisch #2

Hallo Herr Merz! Ich könnte mir Sie als Kanzler vorstellen! ...


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Polykanos #2.56

"Ich könnte mir Sie als Kanzler vorstellen!"

Ich auch - Horror!


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Einfacher Bürger #78

Die alte Kultur des Herumschwurbelns - Auch hier muss ins Deutsche übersetzt werden.

"Auf Dauer unbezahlbare soziale Leistungsversprechen und eine Übertragung der Lasten auf jüngere Generationen verstoßen gleich mehrfach gegen Vorsorgeprinzip und Nachhaltigkeit."

Runter mit den Sozialleistungen, ihr verwöhnten Blagen.

"Wenn die Zustimmung zu Demokratie und Marktwirtschaft wieder steigen soll, dann müssen aber nicht nur Zusammenhänge (besser) erklärt werden."

Ihr seid zu doof zu verstehen, dass Steuerermäßigungen für Wohlhabende gut sind.

"Ich bin ... der Auffassung, dass der Gesetzgeber eine Verpflichtung zur privaten, kapitalmarktorientierten Vorsorge für das Alter ernsthaft prüfen sollte"

Seht zu wo ihr die Kohle herbekommt. Mir doch egal.

"Starke Unternehmen verstehen sich als Wertschöpfungsgemeinschaften, die von der Gesellschaft profitieren und sich deshalb auch im Sinne der Corporate Citizenship für die Gesellschaft engagieren."

Alle Großunternehmen werden ein (steuerlich abzugsfähiges) Sommerfest für Kinder organisieren. Versprochen!

"Die unsichtbare Hand, von der Adam Smith sprach, führt dann nicht nur zu wirtschaftlichem, sondern auch zu sozialem Reichtum."

Mal gucken, wer immer noch darauf reinfällt, dass es den Menschen gut geht, wenn es den Reichen gut geht.



Sorry, aber unwählbar


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Einfacher Bürger #78.1

Ich fasse Merz' Aussagen mal zusammen: Wenn ihr glaubt, dass die Agenda 2010 schlimm war, dann lasst Euch mal von mir überraschen. Mir fallen noch ganz andere Sachen ein.


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efwe #2.70

merz die mittelstands-Atlantikbrücke, im ernst :)


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klaurot #14

Wir leben in einem der schönsten und wohlhabendsten Länder der Welt.

Wer ist "wir"? ...


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BCO #14.1

Wir = der Mittelstand (im Merz'schen Sinne).


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Bratstein #37

Der Mister Blackrock will uns die soziale Seite des Kapitalisum näherbringen. Prima! Wir sehen ja wie prächtig soziale Gerechtigkeit im Mutterland von Blackrock funktioniert. .. .


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roccco #15

Gebt mir die Kohle, zu eurem Wohle!
Der Mann von BlackRock möchte nur euer Bestes!


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mal denken mal handeln #38

Interessant, wie Merz von sozialer Gerechtigkeit zur Werbung für Aktienbesitz kommt, wofür er ja als Vorstand von Blackrock zu Zeiten der Parteivorsitzambitionen stark kritisiert wurde. ...


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till ratzeburg #39

"Wir sind uns in unserer Gesellschaft weitgehend einig, dass die Umweltpolitik vom Vorsorgeprinzip und vom Grundsatz der Nachhaltigkeit geleitet sein muss."

Wer ?
Die CDU ?
Ist das jetzt Ironie ?
Das ist genau das was die CDU nicht will. Die wollen keine Umweltpolitik. Das stört die nur. ...


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Glossolalia #42

Beim Lesen des Artikels beschleicht einen ja der Verdacht, der gute Herr Merz sei mit Marty McFly und Doc Browns deLorean direkt aus den 1980ern zu uns gekommen, um einen Essay über seine Weltsicht zu verbreiten.

Der Essay verströmt mit jedem Satz die Gewissheit, daß sich da jemand seit fast 40 Jahren kein Stück weiterentwickelt hat, sondern tatsächlich immer noch an den gleichen Kokolores erzählt, der schon vor 40 Jahren nichts als Wunschdenken war. Damals war es skurril, weil es auf der kapitalistischen Seite der gleiche weltfremde Dogmatismus war, wie die Marxismus-Leninismus Märchen der Gegenseite. Angesichts der historeischen Pleite des real existierenden Sozialismus sind diese Märchen allerdings heute eher gruselig, da sich der Verdacht erhärtet, daß auf dieser Seite (Kapitalismus) Leute tatsächlich an den törichten Quatsch glaubten, den sie verzapften...


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polarapfel #42.1

Wer seit den 80ern über 40 Jahre sein Geld statt auf dem Sparbuch, Tagesgeld oder der Lebensversicherung in Aktien investiert hat, ist jetzt reich. ...


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invoker #44

Herr Merz,
ich stimme Ihnen grundsätzlich zu. Nur: Welche konkreten Maßnahmen schlagen Sie vor? Eine Pflicht zum Aktienkauf dürfte einem Paketzusteller kaum helfen, er braucht das Kapital für seinen alltäglichen Konsum.

Eigentum verpflichtet. Amazon aber zahlt keinerlei Steuern, obwohl es reich ist und Jeff Bezos zum reichsten Mann der Welt gemacht hat.
Wie wäre es internationale Konzerne endlich wieder zu besteuern? Oder Finanzjongleure mit einer Finanztransaktionssteuer?


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Cyber200 #50

"Deutschland geht es gut. Wir leben in einem der schönsten und wohlhabendsten Länder der Welt"

...und deshalb haben wir 7 Millionen überschuldete Haushalte, Millionen Menschen die sich durch die "Tafel" ernähren müssen, kaputte Straßen und Brücken, Mindestlöhne von denen die wenigsten leben können, eine kaum einsatzfähige Bundeswehr, Menschen die die hohen Mieten nicht mehr bezahlen können, einen Pflegenotstand in den Krankenhäusern und in den Seniorenheime, eine desolate Deutsche Bahn, ein Stop and Go Verkehr auf den überlasteten Autobahnen u.v.a.m.

Vielen geht es gut bis sehr gut. Aber der gute Herr Merz, ein talentierter Politiker und Wirtschaftsjurist, sollte den Ball etwas flacher halten.


Quote
Desaguliers #63

"Wenn die Zustimmung zu Demokratie und Marktwirtschaft wieder steigen soll, dann müssen aber nicht nur Zusammenhänge (besser) erklärt werden."

Sagen Sie mal, Herr Merz, halten Sie Ihre Landsleute eigentlich für dämlich? ...


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House MD #71

"All dies macht den Kapitalismus im bestverstandenen Sinn des Wortes zusammen mit der sozialen Verantwortung aller Akteure zum Wesenskern der sozialen Marktwirtschaft. Die Deutschen müssen wieder neu lernen, diesen Teil der Marktwirtschaft zu verstehen,..."

Sorry, Herr Merz, das ist Quatsch. Die Kaste, zu der Sie gehören, muss das wieder neu lernen.

Manager, die Gesetze brechen gehören eingesperrt. Manager, die ihre Firma ruinieren (zum Beispiel, um eine tolle Fusion/Übernahme im Lebenslauf stehen zu haben) gehören gefeuert, und nicht mit Millionenabfindungen und Beraterverträgen für Gier und Inkompetenz belohnt zu werden. Wenn eine Bank sich überhebt, gehört sie genauso geschlossen, wie der Drogeriemarkt. Der Staat kann dann ruhig die Sparer auszahlen, aber nicht mit Staatsgeld das Weiterzocken ermöglichen.

Ein Manager ist genauso ein Angestellter einer Firma wie Klofrau und Pförtner. Wenn die Mist bauen, werden sie gefeuert. Gleiches Recht für alle.

Das Problem ist doch hierzulande, dass sich die selbsternannten Eliten sich das "Tragen der Verantwortung" hoch bezahlen lassen, aber das sie, wenn was schief geht, sich aus der Verantwortung stehlen und die Allgemeninheit die Kosten tragen lassen. Immer. Wenn es um Banken geht, um die Bahn, um den Diesel, um die Flüchtlinge (Waffen in Kriegsgebiete liefern ist okay, aber um die Flüchtlinge möge sich der Steuerzahler kümmern).

Und zur sozialen Marktwirtschaft gehört auch: Steuern zahlen.


Quote
House MD #86

"Erfolg deutscher Unternehmen von ausländischen Aktionären vereinnahmt"

Ja Herr Merz, das können Sie mal näher erklären. Zum Beispiel, wie es kommt, das der Erfolg von Bayer vereinnahmt wird von Monsanto, gerade rechtzeitig, wenn es darum geht, die Opfer deren Gifte zu kompensieren. Hat Ihre Firma, Blackrock, was damit zu tun, immerhin grösster oder zweitgrösster Aktionär bei beiden ?

https://www.sueddeutsche.de/wirtschaft/monsanto-und-bayer-bei-bayer-und-monsanto-reden-auf-beiden-seiten-dieselben-investoren-mit-1.3170377 [Bei Bayer und Monsanto reden auf beiden Seiten dieselben Investoren mit: An Monsanto und Bayer sind dieselben Investoren im großen Stil beteiligt: Blackrock etwa ist mit sieben Prozent Anteil der größte Aktionär bei Bayer - und mit 5,75 Prozent die Nummer zwei bei Monsanto. ... Die Verflechtungen der Großaktionäre sind auch der Monopolkommission aufgefallen. Sie machten den Fall interessant, sagte Achim Wambach, der Vorsitzende des Expertengremiums. "Insofern schließen sich hier Unternehmen zusammen, die eh zum Teil denselben Leuten gehören." ... (21. September 2016)]

... Wer seine Altersversorgung auf seinen stolzen Besitz von Bayer-Aktien oder auch der Deutschen Bank gründete, der durfte sich einmal vorzüglich gesichert glauben. Schließlich gehörten die beiden Unternehmen zu den Flaggschiffen der deutschen Wirtschaft. Heute ist er im Besitz von zwei erstklassigen Scherbenhaufen.


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Pfirsichköpfchen #101

Hoffentlich wird dieser Merz, der anscheinend noch in den 1980ern des Thatcherismus festhängt und seit den Chicagoboys nix dazu gelernt hat niemals MInister oder sogar Kanzler.
Das Ergebnis dieses Ökonomiemodells kann in GB studiert werden und die fatalen Auswirkungen auf die Durchschnittsbevölkerung.

Aber mal gefragt, warum thematisiert er nicht die 120-150 Mrd. steuerhinterzogenen Euros? Weiß der Herr Merz was über die Vermögensverteilung? Findet er den status quo gut so?
Was wird er gegen Offshorebanken, Steueroasen, CumEx Geschäfte unternehmen wollen? Da wird dem Staat Geld entzogen. Fang dort mal an, Merz, danach kannst dich dem miesmachen der unteren Einkommenshälfte widmen. Wer am Ende des Geldes noch 10 Tage Monat übrig hat, weil Vermietungsaasgeier hemmungslos plündern dürfen, der beschäftigt sich mit dem Aktienerwerb? IN der Merz Welt möglicherweise, in der Wirklichkeit geht es drum, das Giro nicht über den Dispo zu strapazieren. Sparen ist anders wo.

Dies ist der intellektuelle Offenbarungseid eines Abzockers ...


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Tordenskjold #106

Merz, Lindner, Weidel, Seeheimer Kreis.

Denk ich an Deutschland in der Nacht...


...

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Kapitalismus & Kapitalismuskritik (...?)
« Reply #35 on: June 17, 2019, 11:50:37 AM »
Quote
[...] Die unteren Bildungsschichten sind in vielen Demokratien aus der politischen Partizipation ausgestiegen. Dies gilt selbst für die kognitiv anspruchsloseste politische Beteiligungsform, nämlich Wahlen. In den USA haben 2012 bei den Präsidentschaftswahlen 80 Prozent derjenigen Personen angegeben, zur Wahl zu gehen, die über ein Haushaltseinkommen von 100.000 US-Dollar und mehr verfügten; von jenen Bürgern aber, die ein Einkommen von 15.000 Dollar und weniger hatten, erklärte nur ein Drittel seine Wahlabsicht.

Auch in Deutschland ist das untere Drittel aus der Partizipation ausgestiegen. Deutschland ist zu einer zwar stabilen, aber dafür sozial selektiven Zweidritteldemokratie geworden. Sozioökonomische Ungleichheit übersetzt sich in kapitalistischen Demokratien sehr direkt in die Ungleichheit politischer Beteiligung.

Banken, Hedgefonds und Großinvestoren diktieren direkt oder indirekt den Regierungen, wie sie besteuert werden wollen. Amazon in den USA und Google in Irland sind hier nur die spektakulärsten Fälle. Folgen die Regierungen nicht den Steuerbefreiungsforderungen der Investoren, wandern diese in Niedrigsteuerländer ab. Politiker wollen gewählt oder wiedergewählt werden. Fehlende Investitionen aber gefährden Konjunktur, Wachstum und Arbeitsplätze – und damit ihre Wiederwahl. Das Erpressungspotenzial geografisch flexiblen Anlagekapitals gegenüber demokratisch gewählten Regierungen hat zugenommen. Wie unter einem Brennglas hat sich dies in der Finanzkrise von 2007/2008 vor allem in Europa gezeigt. Die Banken erwiesen sich als too big to fail. Da der Staat die desaströsen Dominoeffekte kollabierender Banken befürchtete, rettete er viele von ihnen mit dem Steuergeld der Bürger.

In Zeiten der Globalisierung weist der Finanzkapitalismus einige Besonderheiten auf: Digitalisierung, Geschwindigkeit, Volumen, Komplexität und die räumliche Entgrenzung und Reichweite finanzieller Transaktionen. Parlamente dagegen, der institutionelle Kern der Demokratie, sind territorial begrenzt und benötigen Zeit für die Vorbereitung, Beratung und Verabschiedung von Gesetzen. So ist die Desynchronisierung von Politik und Finanzmärkten systemisch bedingt und unvermeidbar.

... Erst wenn die demokratischen Fundamente von Gleichheit und Freiheit nicht mehr durch entfesselte Märkte unterspült werden, lässt sich der Kapitalismus mit den Grundprinzipien der Demokratie versöhnen.


Aus: "Kapitalismus: Aus dem Gleichgewicht" Aus einem Essay von Wolfgang Merkel (17. Juni 2019)
Quelle: https://www.zeit.de/wirtschaft/2019-04/kapitalismus-finanzialisierung-globalisierung-demokratie-ungleichheit/komplettansicht

Quote
Zwischentöne #32 

Reagan und Thatcher fingen damit an und Blair und Schröder beendeten das Werk der neoliberalen Heilsversprecher.

Nur Sozialdemokraten waren in der Lage, das Fallbeil am solidarischen Gesellschaftssystem anzulegen, da es ohne ihren Verrat an der "Arbeiterklasse" den Neoliberalen unmöglich gewesen wäre, die soziale Marktwirtschaft zu entarten.

Bis heute haben es die "Seeheimer" in der SPD nicht kapiert, dass sie damit den Untergang ihrer Partei und den Sieg der neoliberalen Gesellschaftsveränderer beschlossen.

Der Warner (Lafontaine) wurde in die Wüste geschickt und die Totengräber
sitzen heute bei der Leiche und "versaufen die Haut" solange noch ein Tropen in der Flasche ist und der mehr Prozent als die eigene Partei hat.

Sogar ein Neoliberaler erster Güte, der ehem. Finanzminister und Kanzlerkandidat
Steinbrück, hat diesen Irrweg mittlerweile erkannt. Leider immer erst dann, wenn
ihm niemand mehr zuhört.

Noch heute schwärmen und loben diejenigen die ANGEDA-Politik der SPD und geben
der Partei gute Ratschläge, die sie am liebsten im Abgrund sähen. Und die SPD ist immer noch nicht so weit, ihr eigenes Versagen klipp und klar zu benennen und diesen Irrweg zu verlassen.

Ein entfesseltes Ungeheuer (Kapitalismus) bändigt man nicht durch immer neue Opfer sondern dadurch, dass man es in Ketten legt und die Krallen und Zähne zieht.

Es muss wieder gelten, dass der Staat den Markt regelt und nicht die unsägliche Merkel-Sicht der marktkonformen Demokratie.

[Der Kardinalfehler war der Genosse der Bosse und seine Anhänger, die die SPD okkupierten, alle Widersacher in der Partei kalt stellten, in die innere Immigration/Wahlenthaltung trieben oder zum Parteiaustritt.

Mit Schröder, Klement, Müntefering, Steinbrück, Steinmeier, Hombach und den versammelten Seeheimern hatte der Marsch der SPD in die neoliberale Mittel längst begonnen, alle waren überzeugte Anhänger des New Deal, der Entfesselung der Kapital- und Finanzmärkte und wollten lieber mit den Bossen Champagner schlürfen statt mit dem Kumpel ein Bier zu trinken.

Dies wäre durch Lafontaine und die paar Linken in der Partei nicht aufzuhalten gewesen.

Noch heute klatscht man in der SPD den Totengräbern (s.o.) mehr Beifall, als dem "gefallenen Engel" Lafontaine.]


Quote
Fritz IV #35

Wenn die Einkommens- und Vermögensunterschiede derartig krasse Formen annehmen, gibts keine Demokratie mehr.
Die Oligarchen können sich dann alles kaufen, die Regierung, die Justiz, die Presse.
Ja, sie können sogar in den Medien die Selbst-Bezeichnung "Investoren" durchsetzen.


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Bberliner #38

Die Geldschöpfung war und ist feudal organisiert, solange das so bleibt und die monetären Lebensadern der Ökonomie nicht demokratisiert werden, solange sollte die Erosion von Demokratie keinen ernsthaft verwundern?


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1971koepi #42

Das Kapital regiert. Hat jemand etwas anderes erwartet? Demokratie ist von Menschen gemacht. Menschen agieren in der Regel im Eigeninteresse und sind somit vom Kapital beeinflussbar. Sei es durch Anerkennung, schnöden Mammon, ... . Die Käuflichkeit der Herrschenden hat bisher noch jedes System kaputtgemacht.


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Strogow #46

 ... Globalisierung, damals noch Imperialismus genannt ...

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mounia #47

Es regieren die sog. Märkte.Das hat mit Demokratie nix zu tun,auch wenn es marktkonforme Demokratie genannt wird.


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skipporiginal #48

"Die Banken erwiesen sich als too big to fail. " Nein.

Erwiesen - Erweisen; in diesem Zusammenhang also Nachweisen oder Beweisen;

Einen Beweis oder Nachweis hat es nicht gegeben. Es wurde schlicht als "alternativlos" bzeichnet und verkauft ...


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Einfacher Bürger #62.1

Die Krönung ist diese Aussage: "Auch in Deutschland ist das untere Drittel aus der Partizipation ausgestiegen."

Ausgestiegen? Wohl eher rausgestossen, bei voller Fahrt. Und die Politik hat mit der Agenda 2010 noch nachgetreten.

Danke für nichts.


...

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Kapitalismus & Kapitalismuskritik (...?)
« Reply #36 on: July 18, 2019, 10:02:49 AM »
Quote
[...] Zur Demokratie gehören auch Protestbewegungen, stehen sie doch für Grundrechte und Pluralismus. Dass dabei Gewalt abgelehnt wird, zählt zu den grundlegenden Selbstverständlichkeiten. Dies wird aber in bestimmten Bereichen des Protestmilieus anders gesehen. Für Autonome ist die sogenannte Militanz konstitutiv, was auch bei den Ausschreitungen anlässlich des G20-Gipfels in Hamburg 2017 beobachtbar war. Davon konnte man nicht überrascht sein. Allein die im Internet problemlos zugänglichen Mobilisierungsvideos machten deutlich, dass manche Anreisende nicht mit friedlichen Einstellungen kommen würden. Das Ausmaß der Gewalttaten verschreckte dann selbst das Umfeld und führte zu absonderlichen Reaktionen. Diese schwankten zwischen Bejubelung und Ignoranz, es gab weniger Reflexionen und Selbstkritik. Andreas Blechschmidt, der in Hamburg in der "Roten Flora" aktiv ist, äußert sich jetzt dazu in einem eigenen Kommentar, der als "Gewalt, Macht, Widerstand. G20 – Streitschrift um Mittel und Zweck" erschien.

Wer eine Distanzierung von Gewalt erwartet, der kann gleich schon auf der ersten Seite lesen: "Es wird ausdrücklich nicht darum gehen, militante Interventionen im Konkreten oder militante Politik im Allgemeinen zu diskreditieren, sondern Militanz in Beziehung zu den gesellschaftlichen Kräfteverhältnissen zu bringen" (S. 6). Als kleine Lesehilfe sei hier schon erläutert: Die Begriffe "Gewalt" und "Militanz" werden meist synonym genutzt, wobei mit der letztgenannten Bezeichnung etwas Grundsätzlicheres gemeint ist. Die zitierte Bekundung meint indessen nur, dass Blechschmidt sich nicht von Gewalt distanzieren will, sondern nach den Kontexten fragt. Dass Gewalt ein legitimes Mittel sei, um den Kapitalismus zu überwinden, wird dabei nicht näher begründet, sondern letztendlich vorausgesetzt. Es geht mehr um das Problem der Vermittlung.

Denn Blechschmidt war schon aufgefallen, dass bestimmte Ereignisse in Hamburg nicht unbedingt Sympathien auslösten. Diese hält er denn auch um gesellschaftlicher Akzeptanzen willen für problematisch: "Wenn binnen 24 Stunden zunächst in Altona u. a. 19 Kleinwagen abgefackelt werden, parallel dazu ein Bengalo in ein Geschäft, über dem sich Wohnungen befanden, geworfen wird und dann später im Schanzenviertel versucht wird, zwei Geschäfte, über denen sich wiederum Wohnungen befinden, in Brand zu setzen ebenso wie eine Tankstelle mitten im Viertel, dann muss die Frage nach den Mitteln zum Zweck gestellt werden" (S. 51).

Dann könnten aber auch folgende Fragen gestellt werden: Was sind das für Akteure? Welche Einstellungen haben sie? Und welche Menschenfeindlichkeit ist ihnen eigen? Blechschmidt sorgt sich aber mehr um die Vermittlung, er thematisiert weniger die Gewalt als Handlungsstil an sich. Demgemäß gelingt es ihm auch nicht, zwischen angeblich legitimen und nicht-legitimen Formen begründet und trennscharf zu unterscheiden. Stattdessen beginnt er einen Ausflug in die Ideen- und Realgeschichte, da kommen mal Hannah Arendt und Johann Galtung, mal die Pariser Kommune von 1871 und mal der Pariser Mai von 1968 vor.

Dabei verstolpert sich der Autor gleich mehrfach. Wenn dann auf Gemeinsamkeiten linker und rechter Gewalt verwiesen wird, reagiert Blechschmidt allergisch: "Diese totalitäre Gleichsetzung menschenverachtender rechter Gewalt mit linker Militanz ist Ausdruck des Establishments, die bestehende kapitalistische Ordnung zu verteidigen" (S. 70). Er selbst muss aber versteckt in einer Fußnote einräumen, dass bestimmte linke Protestformen "mittlerweile rechte Gruppen" (S. 80, Fußnote 97) nutzen. Doch darüber reflektiert er nicht.

Bei den philosophischen Deutern der Gewalt kommt übrigens Georges Sorel nicht vor, der doch für Anarchisten wie Faschisten ein Klassiker wurde. Diese Gemeinsamkeiten könnten zum Nachdenken anregen. Aber dann müsste man die Gewaltfixierung ablegen, so soll sie als pseudoemanzipatorischer "Riot" legitimiert werden. Derartige Denkungsarten und Handlungen haben den Protestbewegungen erheblichen Schaden zugefügt. Man redet über Gewalt, nicht über Globalisierungskritik. Wer freut sich wohl am meisten darüber?

Andreas Blechschmidt, Gewalt, Macht, Widerstand. G20 – Streitschrift um die Mittel zum Zweck, Münster 2019 (Unrast-Verlag), 157 S.


Aus: "Kritischer Kommentar zu einem Plädoyer der Gewalt: Gewalt und Vermittlung" Armin Pfahl-Traughber (16. Jul 2019)
Quelle: https://hpd.de/artikel/gewalt-und-vermittlung-17015

Quote

Roland Fakler am 16. Juli 2019 - 16:18

Gewalt erzeugt Gegengewalt, das lernt man normalerweise im Kindergarten. Man könnte auch viele Beispiele aus der Geschichte anführen oder besser aus der Gegenwart. Anschauungsmaterial dazu bieten Syrien und Libyen.
Also: Wer dieses Land zerstören will, der wende Gewalt an, um seine Ziele durchzusetzen. Dabei sollte einem allerdings klar sein, dass es in diesem Staat sehr viele unterschiedliche Vorstellungen von der „gerechten“ Herrschaft gibt. Nicht nur Linke wollen ihren kommunistischen Staat, auch Rechte wollen ihren Führerstaat und Religiöse wollen ihren Gottesstaat….Na, dann haut einfach mal drauf los, was da wohl rauskommt. Gewalt ist nur gerechtfertigt zur Bekämpfung einer gewaltsamen Herrschaft. ....



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Kapitalismus & Kapitalismuskritik (...?)
« Reply #37 on: July 28, 2019, 08:24:09 PM »
"Eigentümer unbekannt: Wenn Investoren Wohnungen kaufen | Panorama | NDR"
ARD - Am 26.04.2019 veröffentlicht
Offenbar wechseln zahlreiche Immobilien in Deutschland den Besitzer, ohne dass Mieter und Behörden etwas davon mitbekommen. Hinter den Immobilienfirmen steht ein komplexes Geflecht.
https://youtu.be/NSkUhz5icGk


Ann Claire Richter (24.07.2019):  .... Rausgedrängt von Immobilienhaien. Nicht einmal mehr Menschen mit mittlerem Einkommen können sich die Mieten in Toronto noch leisten. Doch Toronto steht mit diesem Problem nicht allein. Die Dokumentation „Push – Für das Grundrecht auf Wohnen“ führte am Montagabend im Universum-Filmtheater eindringlich vor Augen, wie Menschen überall auf der Welt ihre Heimat verlieren, wie Städte veröden und Spekulanten immer reicher werden. ...
https://www.braunschweiger-zeitung.de/braunschweig/article226568807/Wenn-Wohnraum-Ware-ist-und-der-Mensch-nichts-zaehlt.html

Christiane Peitz (18.06.2019): ... Es gibt ein paar Zahlen und Bilder in diesem Film, die einen erschüttern. Zum Beispiel die Vervierfachung der Mieten in Toronto in den vergangenen 30 Jahren – die Einkommen sind nur um ein Drittel gestiegen. Oder das Bild vom Skelett des Londoner Grenfell Tower, der 2017 brannte. 72 Menschen starben: ein schwarzes Mahnmal für die Verdrängung gewöhnlicher Bewohner aus einem Reichenviertel. Oder das Bild vom abgesackten, noch bewohnten Haus in Valparaiso, wo ein ganzer Stadtteil Luxusappartements weichen muss.
Oder die 217 Billionen Dollar, auf die der globale Vermögenswert von Immobilien beziffert wird, mehr als doppelt so viel wie das weltweite Bruttoinlandsprodukt. Oder die London-Grafik mit den zahllosen roten Punkten. Jedes Pünktchen markiert ein Gebäude in ausländischem Besitz. 80 Prozent davon stehen leer. Einst lebendige Nachbarschaften voller Kneipen und kleiner Läden sind Geisterquartieren gewichen.
„Push – Für das Grundrecht auf Wohnen“ heißt der teils über Crowdfunding finanzierte Film des schwedischen Dokumentaristen Fredrik Gertten, der eine Weltreise überall dorthin unternimmt, wo die Wertabschöpfung von Wohnraum brutale Folgen hat. Es geht nicht um Gentrifizierung, sondern um ein weit größeres Monster, heißt es im Film: um anonyme Konzerne, die als Vermieter nur noch auf dem Papier existieren und Riesengewinne mit meist leerstehenden Wohnungen erzielen. ...
https://www.tagesspiegel.de/wirtschaft/immobilien/die-dokumentation-push-ein-kinofilm-ueber-den-ungezuegelten-kapitalismus/24433368.html


"Film der Woche: „Push“Das Menschenrecht auf Wohnen" Julian Ignatowitsch (05.06.2019)
Vermieter ohne Gesicht, Wohnungen ohne Mieter: Die Dokumentation „Push“ von Regisseur Fredrik Gertten zeigt, wie horrende Mietpreise unsere Städte zu unbewohnbaren Orten machen – und ergründet die Hintergründe. Verständlich, unterhaltsam und schonungslos.
An Farhas Seite lernen wir das Ehepaar kennen, dem – um eine Kündigung zu rechtfertigen  – kriminelle Machenschaften vorgeworfen werden; oder wir sehen das kollektive Desinteresse von Politikern, während Farhas Vortrags vor den Vereinten Nationen, wenn alle nur auf ihr Smartphone starren und nach teuren Uhren googlen. Das sind Bilder, die hängen bleiben!
Dazu greift die Dokumentation auf die Expertise von Star-Ökonom Joseph Stiglitz, Autor Roberto Saviano und Soziologin Saskia Sassen zurück, die die Sachverhalte prägnant und verständlich erklären. Die Auswirkungen der Wirtschaftskrise 2008, leerstehende Luxus-Immobilien als sekündlich gehandeltes Investment-Spielzeug, Geldwäsche und Steueroasen als Fundament der globalen Ökonomie – so die Experten.
... Fredrik Gerrten: „Das bedeutet: Wir hatten niemals einen größeren Unterschied zwischen Leuten, die in den Häusern wohnen, und denen, denen sie gehören. Die Hauseigentümer wissen oft nichts über dich, deine Stadt oder gar dein Land. Das ist etwas völlig Neues in der (Menschheits-)Geschichte.“
„Push“ spitzt manche These zu, ist dabei aber nicht reißerisch, auch wenn teilweise etwas vereinfacht wird. Der Dokumentation gelingt sogar das Kunststück trotz der frustrierenden Thematik unterhaltsam zu sein und eine positive Grundstimmung zu verbreiten, was wiederum stark mit Protagonistin Farha zu tun hat.
Was fehlt ist die Konfrontation, die Stimme der Gegenseite, also der Finanzwirtschaft. Der CEO des globalen Immobilieninvestors „Blackstone“ sagt ein Gespräch kurzfristig ab. ...
Auch Lösungsvorschläge formuliert die Dokumentation wenige. Am Ende zeigt sie immerhin wie Farha Politiker trifft, zum Beispiel die Bürgermeisterin von Barcelona, um ein Umdenken einzuleiten. Dieses Ziel hat sich Gertten auch mit seinem 700.000 Euro teuren Film gesetzt: „Dokumentationen sind Teil einer Widerstandsbewegung. Dieser Film verbreitet Wissen. Auch wenn wir kaum Geld haben für Marketing oder berühmte Schauspieler, wird der Zuschauer mehr mitnehmen als aus einem Hollywood-Film.“
https://www.deutschlandfunk.de/film-der-woche-push-das-menschenrecht-auf-wohnen.807.de.html?dram:article_id=450597

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« Reply #38 on: July 30, 2019, 02:09:48 PM »
"Datenspiegel #27: Wohin Rentner und Kapital fliehen" David Meidinger (29.07.2019)
Welche Länder hatten weltweit die meiste Zuwanderung? Wo leben deutsche Rentner? Und warum lassen sich Firmen gerne auf Mauritius nieder?
Nicht nur Rentner und Urlauber zieht es in den Süden. Auch viele Firmen schätzen tropische Inseln wie Mauritius. Zum Beispiel die US-Amerikanische Firma Aircastle. Die Leasingfirma für Flugzeuge musste dort nur 1,59% Steuern auf Geschäfte in Südafrika zahlen – dank ihrer Firmengeflechte und mit freundlicher Unterstützung von KPMG, Ernst & Young und der Deutschen Bank. Aufgedeckt wurde die Geschichte von Reportern des International Consortium of Investigative Journalists im Rahmen der Recherche »Mauritius Leaks«. Die Steuervermeiderei wird auf einer Multimedia-Seite Schritt für Schritt erklärt und ist liebevoll illustriert. ...
https://digitalpresent.tagesspiegel.de/wohin-rentner-und-kapital-fliehen

International Consortium of Investigative Journalists
Investigations    >    Mauritius Leaks ...
https://www.icij.org/investigations/mauritius-leaks/treasure-island-leak-reveals-how-mauritius-siphons-tax-from-poor-nations-to-benefit-elites/

23. Juli 2019: Gut drei Jahre nach der Veröffentlichung der "Panama-Papers" mit Enthüllungen über teils illegale Steuerflucht vor allem in der Karibik steht nun die Insel Mauritius als Steuerparadies im Fokus. Ein Netzwerk internationaler Journalisten veröffentlichte dazu am Dienstag Hinweise, die sich auf vertraulich weitergeleitete Daten eines Informanten stützen.
Sie belegen nach Angaben des Verbunds, dass gerade den Staaten Afrikas viele Steuergelder entgehen. In dem Zusammenhang wird auch der Name des prominenten Afrika-Aktivisten und Musikers Bob Geldof genannt, der sich zunächst nicht dazu äußerte. Die einstige französische Kolonie Mauritius liegt im Indischen Ozean, rund 2000 Kilometer vom afrikanischen Kontinent entfernt.

https://www.kleinezeitung.at/wirtschaft/5663806/Nach-PanamaPapers_Mauritius-als-neue-Steueroase-angeprangert

https://www.sueddeutsche.de/wirtschaft/mauritius-leaks-steueroase-offshore-1.4535869

https://www.wiwo.de/politik/ausland/mauritius-leaks-steuerparadies-mauritius-indiens-eigenes-luxemburg/24703092.html

Die Hilfsorganisation Oxfam sieht den eigentlichen Skandal in der Gesetzmäßigkeit der Steuertricks und forderte neben transparenten Steuersystemen einen weltweiten Mindeststeuersatz. "Regelmäßig werden neue schmutzige Tricks bekannt, mit denen sich internationale Konzerne und Superreiche davor drücken, ihren fairen Beitrag zum Gemeinwohl zu leisten - auf Kosten gerade auch armer Länder", meinte Oxfam-Kampagnenmanager Jörn Kalinski. Die Bundesregierung müsse beim laufenden Prozess zur Reform des globalen Steuersystems im Industrieländerklub OECD für Sanktionen gegen Steueroasen eintreten. ...
https://www.manager-magazin.de/finanzen/artikel/mauritius-auch-bob-geldof-soll-diese-steueroase-fuer-geschaefte-nutzen-a-1278611.html

https://www.icij.org/investigations/mauritius-leaks/

https://en.wikipedia.org/wiki/Mauritius_Leaks

https://en.wikipedia.org/wiki/Swiss_Leaks

https://en.wikipedia.org/wiki/Panama_Papers

https://de.wikipedia.org/wiki/Offshore-Leaks

https://en.wikipedia.org/wiki/Lagarde_list

https://en.wikipedia.org/wiki/2008_Liechtenstein_tax_affair

« Last Edit: July 30, 2019, 02:11:41 PM by Link »

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« Reply #39 on: August 14, 2019, 04:58:53 PM »
Quote
[...] Klang nach einem coolen Geschäftsmodell: Wer grad keine Zeit hat zu kochen, kann sich das Essen fix bestellen, zwischendurch, per App. Reproduktion mit einem Klick erledigt. Früher unbezahlte (weibliche) Hausarbeit wird nun auf den Markt geworfen: So entstehen sogar Jobs. Klar, für 7,50 Euro pro Stunde durch den Regen radeln, zig Stockwerke erklimmen, dabei vom Chef per App gestresst werden, das klingt uncool. Aber hey, c‘est la vie. Fahrer beschwerten sich hier und da, gaben Zeitungen Stoff für Reportagen, und das Geschäft brummte weiter. Türkise und pinke Radler überall.

Nun verschwinden erstere: Deliveroo zieht sich vom 16. August an aus Deutschland zurück, kündigte das Unternehmen an – am 12. August. Was innerhalb von vier Tagen auch verschwindet: das Einkommen der Fahrer. Kündigungsfrist gab es bei den 1.100 Freelancern keine, Anspruch auf eine Abfindung auch nicht. Aus PR-Gründen zahlt Deliveroo ihnen nun „Kulanzpakete“, basierend auf dem Tagessatz der durchschnittlichen wöchentlichen Einnahmen der letzten Wochen. Mindestens: 50 Euro.

Dass prekäre Arbeitsbedingungen super in ein Geschäftsmodell passen, das Angebot und Nachfrage just in time aufeinander abstimmen muss, ist nichts Neues. Volle Flexibilität für das Unternehmen, volle Unsicherheit für die Arbeiterinnen: das Comeback der Tagelöhner im Neoliberalismus. Wer profitiert? Die Kapitalisten!, möchte die Marxistin rufen, nur: Das stimmt nicht. Deliveroo und sein niederländischer Konkurrent Takeaway, Mutter des deutschen Lieferando, verzeichnen Jahr für Jahr Verluste. Was ist das für ein Geschäfsmodell?

Ein „sehr schlechtes“ – zitiert das Manager Magazin Takeaway-Gründer Jitse Groen selbst, „unmöglich profitabel zu betreiben“. Der „Gewinn“ von Takeaway in Deutschland lag 2018 bei minus 36,7 Millionen Euro. Besiegen konnte der Konzern Deliveroo dennoch, einfach, weil er wächst: von 2016 auf 2018 stieg der Takeaway-Umsatz von 37 auf 86 Millionen Euro. Das Unternehmen schluckte Lieferando, Foodora – und nun den britischen Lieferdienst Just eat. Friss oder stirb wird zu: Friss einfach! Irgendein Investor wird schon weiter Kapital zuschießen. Bis die Wette aufgeht, die Konkurrenz weg ist und die Preise steigen können. Oder: Bis die Blase platzt.


Aus: "Friss einfach" Elsa Koester (14.08.2019)
Quelle: https://www.freitag.de/autoren/elsa-koester/friss-einfach

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Lethe | Community

Alternative: Alle kochen selbst, mögliche FahrerInnen werden von vornherein nicht benötigt und können sich also sonstwo lustvoll und selbstermächtigt verwirklichen^^


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