Author Topic: Emanzipation, Selbstbefreiung, Geschlechterforschung (Gender Studies)...  (Read 23147 times)

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Emanzipation, Selbstbefreiung, Geschlechterforschung (Gender Studies)...
« Reply #20 on: November 12, 2015, 11:11:08 AM »
"Hashtag #ichkaufdasnicht bei Twitter" Robert Klages (11.11.2015)
Sexismus-Vorwurf wegen Motiven auf Müllermilch-Flaschen - Müllermilch versucht es mit Pin-Up-Girls. Auf den neuen Flaschen der Weihnachtsedition sind leicht bekleidete Frauen zu sehen, im Stile der Pin-Up-Girls aus den 50er Jahren. Der Sexismus-Vorwurf ließ nicht lange auf sich warten. Auf Twitter beschweren sich Nutzer unter dem Hashtag #ichkaufdasnicht über die neue Aufmachung der Milch der Molkerei Alois Müller. So twittert zum Beispiel jemand, die Molkerei versuche mit ihren "sexistischen Fläschchen" offenbar "so viele Frauen wie möglich zu beleidigen".
Und es geht nicht nur um Frauenfeindlichkeit: Auf der Sorte Schoko trägt eine dunkelhäutige Frau - von Müllermilch „Sharon Sheila Schoko“ genannt - ein Stück Schokolade auf dem Schoß. "Rassistisch und sexistisch. Für dieses Verpackungsdesign gibt es keine Entschuldigung. Müllermilch, kein Wunder", schreibt ein Nutzer. Auf Twitter wird auch vermutet, dass Müllermilch das ganze provozieren, einen Shitstorm im Interesse das Unternehmens beabsichtigen würde - denn schließlich bringe eine Empörungswelle in den sozialen Netzwerken viel Aufmerksamkeit für ein Produkt. Gesehen hatte die Flaschen der Journalist Marc Bourkel in einem Supermarkt in Luxemburg. Von der Unternehmensgruppe Theo Müller, zu der Müllermilch gehört, heißt es: „Letztendlich reine Geschmackssache, die nicht überinterpretiert werden sollte.“ Nach Angaben des Unternehmens sind die zeitlich begrenzt erhältlichen Motive beliebte Sammelmotive. Die Weihnachtsedition hat gerade erst die Halloween-Motive abgelöst. Die Aufregung kann Müllermilch nicht nachvollziehen. ...

http://www.tagesspiegel.de/weltspiegel/hashtag-ichkaufdasnicht-bei-twitter-sexismus-vorwurf-wegen-motiven-auf-muellermilch-flaschen/12573786.html

Quote
     von aviatiker
    11.11.2015 19:40 Uhr

Gelassenheit (Ein bisschen) Gelassenheit ist nicht der Deutschen Ding ...
Eine franzoesische Freundin nennt die Deutschen "Stone Faces" ...


Quote
     von Dach
    11.11.2015 21:45 Uhr

Spiegel der Seele

Der Designer hatte offensichtlich nicht Müllermilch, sondern etwas anderes im Kopf.


Quote
     von frittzzthecat
    11.11.2015 19:22 Uhr

Oh, meine Göttin...
das ist doch kaum zu glauben.

Ein seniler rechtskonservativer Firmenpatriarch (ich glaube er ist noch aktiv in dem Konzern) lässt sich etwas von einer Werbeagentur aufschwatzen und die Zielgruppe läuft dann auch gleich los und erhöht die Aufmerksamkeit auf das Produkt.

Kostenlose Werbung mit Unterstützung von gut meinenden PC-Verfechtern.


Quote
     von JSommerfeld
    11.11.2015 22:05 Uhr

super

Kauf ich! Nicht wegen des Inhalts! Schlau von denen. Bessere Werbung als Empörte gibt es kaum. Glückwunsch an die Marketingabteilung.


Quote
     von 13ryce
    12.11.2015 08:41 Uhr

overkill
Gleichzeitig sexistisch, rassistisch, andeutungsweise pornographisch (bei entsprechend verdorbener Fantasie) und dann auch noch ein Milchprodukt, welches wegen der Milch naturgemäß mit der weiblichen Brustdrüse in Zusammenhang steht, aber gleichzeitig das Harmloseste ist, was man sich vorstellen kann, das ist so ein Overkill der political correctness, dass es fast schon wieder gut ist. Wenn sich Afrikanerinnen und nicht nur Berufsempörte durch die Werbung verletzt fühlen sollten, wäre es allerdings richtig, die Kritik zu veröffentlichen.


Quote
     von santacruz
    12.11.2015 08:00 Uhr

Bedeutung..
...mir fällt auf: viele selbst akademisch gebildete Männer verstehen das Wort "Sexismus" nicht wirklich, geschweige denn sind sie in der Lage dies gefühlsmässig zu erfassen und bestimmten Abbildungen zuzuordnen. Zugegeben: das Wort ist auch wirklich überreizt.

Gut: dann ersetzen Sie einfach das Wort Sexismus mit nicht un erheblicher Respektlosigkeit ( in diesem Fall gegenüber Frauen), vielleicht wird dann klarer was gemeint sein könnte.

Respekt und Wertschätzung anderer ( in diesem Fall Frauen) sollte zum Einmaleins eines Menschen gehören. Soweit ich gehört habe gehören da auch Männer dazu. Nichts für ungut!:-)


Quote
     von Gneisenau
    11.11.2015 17:52 Uhr

Eine schöne Geste
der Völkerfreundschaft, in dem junge, selbstbewußte Frauen den Friedenstrunk -Milch- wohlfeil präsentieren, ohne Rücksicht auf lustfeindliche Klerikale aller Couleur!

Ich erinnere mich immer gerne an das schöne Pausenbild des DDR-Kinderfernsehens, hier hat man wohl etwas abgekupfert?

http://1961.dra.de/typo3temp/pics/36e99d1f9f.jpg


Quote
     von Doppelemm
    11.11.2015 17:42 Uhr

Hier zur Überprüfung:

CHECKLISTE: Kennzeichen frauenfeindlicher Werbung (Es können ein oder mehrere Merkmale zutreffen.)


1. Frauen werden im Bild oder Text auf bestimmte Rollen
(Hausfrau, Verführerin) oder Eigenschaften (dumm, passiv) reduziert.

2. Bilder oder Texte beleidigen Frauen als Gruppe
und stellen sie in abwertender Weise dar.

3. Es werden gesundheitsschädigende Schönheits- oder
Schlankheitsnormen propagiert, die Frauen beeinflussen. ...

4. Frauen werden als Objekte, als sexueller Körper ohne
Persönlichkeit definiert. Die sexuelle Verfügbarkeit der Frauen
wird signalisiert und damit die Käuflichkeit wie das Produkt.

5. Das sexualisierte Darstellen der Frau oder Reduzierung
auf bestimmte Körperteile hat keinen Zusammenhang mit
dem Produkt und dient nur als Blickfang.

6. Das Verhältnis von Frauen zu Männern ist in Bild
oder Text geprägt von Abhängigkeit und Unterwürfigkeit.


Mehr zum Lesen/Ansehen

http://frauenrechte.de/online/index.php/themen-und-aktionen-2/frauenfeindliche-werbung/checkliste


Quote
     von prokrastes
    11.11.2015 19:39 Uhr

Antwort auf Doppelemm vom 11.11.2015 17:42 Uhr
Diese Checkliste
... ist so schwammig formuliert, daß sie bei jeder Abbildung eines Menschen genügt, die es ermöglicht, Vermutungen über das Geschlecht anzustellen.

Da ist eine Frau abgebildet - Check!
Da ist eine Frau abgebildet, ohne daß ihr erkennbar das Attribut IQ > 130 angehängt wird, oder ohne daß ihr das Attribut "rettet gerade das Universum" oder "kämpft im heroischen Kampf für die Rettung der Streifenbauchunke" angehängt werden kann - Check!
Die Frau könnte von irgendwem attraktiv gefunden werden - Check!
Da ist eine Frau, aber kein Mann abgebildet - Check!
Da ist eine Frau so abgebildet, daß man Vermutungen über ihr Alter anstellen kann - Check!
Da ist eine Frau abgebildet, die vermutlich weniger als 150 kg wiegen könnte - Check!

Damit wird die eigentliche ernstgemeinte Intention komplett ins Absurde geführt, denn es gibt tatsächlich "sexistische" Reklame. Aber nicht alles, auf dem eine als Frau erkennbare Frau abgebildet wird, ist automatisch "sexistisch", "erniedrigend" oder sonstwas.

Leute, kommt zurück auf den Teppich!


Quote
     von santacruz
    11.11.2015 17:16 Uhr

Sexismus..
..ja nun ja...hier wird jetzt gemeckert.

Und in den Nachrichten gestern Abend und heute Morgen laufen begeisterte Berichte von der "Victorias Secret"- Show bei der schöne Frauen nur sexy Unterwäsche und Schmetterlingsflügel tragen.

Ich sehe da den Unterschied zu diesen Bildchen nicht wirklich.
Hauptsache : schöne Frau in nettem "Schlüppi".

Schön anzusehen. Und natürlich sexistisch- aber vor allem deswegen weil das männliche Pendant in Unterwäsche bei beiden Aktionen fehlt.

Also wenn dann eben alle halbnackt, dann wird ein Schuh draus!


...

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« Reply #21 on: December 01, 2015, 10:13:19 AM »
"Hirnforschung : Das Gehirn hat kein Geschlecht" (30. November 2015)
Menschliche Gehirne lassen sich nicht einfach in männlich und weiblich einteilen. Obwohl Unterschiede bestehen, besitzen die meisten Menschen ein Mosaik aus weiblichen und männlichen Anteilen. Das berichtet ein Forscherteam aus Israel, der Schweiz und Deutschland in einer neuen Studie.  ... Zu einem anderen Ergebnis kamen 2013 allerdings US-Forscher um Madhura Ingalhalikar von der University of Pennsylvania. Sie hatten die Verknüpfungen im Gehirn bei Männern und Frauen genauer untersucht und festgestellt, dass es deutliche Unterschiede zwischen den Geschlechtern gibt. So besäßen Frauen in weiten Teilen des Gehirns besonders viele Kontakte zwischen den beiden Hirnhälften, während Männer mehr Verknüpfungen innerhalb der jeweiligen Gehirnhälften hätten. ...
http://www.zeit.de/wissen/2015-11/hirnforschung-studie-gehirn-maennlich-weiblich

---

"Die Traktoristin ist jung und überschreitet Geschlechtergrenzen"
Interview - Tanja Paar (16. Dezember 2015 - derstandard.at)
Käthe-Leichter-Gastprofessorin Dietlind Hüchtker über Jugend, Geschlecht und Populärkultur im polnischen Sozialismus STANDARD: Sie forschen zur Geschichte und Kultur Ostmitteleuropas, insbesondere zur Geschlechter- und Kulturgeschichte. Warum haben Sie für Ihre Antrittsvorlesung zur Käthe-Leichter-Gastprofessur gerade das Beispiel Polen gewählt? ...
http://derstandard.at/2000027532329/Frauen-im-Sozialismus-Sie-ist-jung-und-ueberschreitet-Geschlechtergrenzen

---

In der Silvesternacht 2015/2016 kam es in Köln im Bereich Hauptbahnhof-Kölner Dom zu zahlreichen sexuellen Übergriffen auf Frauen durch Gruppen junger Männer vornehmlich aus dem nordafrikanisch/arabischen Raum. In vielen Fällen wurden sowohl Sexual- als auch Eigentumsdelikte und Körperverletzungsdelikte verübt. Aus weiteren deutschen und europäischen Städten wurden ähnliche Vorfälle berichtet. Die Übergriffe erfuhren große nationale und internationale Beachtung. ...
https://de.wikipedia.org/wiki/Sexuelle_%C3%9Cbergriffe_in_der_Silvesternacht_2015/16

"Leserinnen über sexuelle Übergriffe - Hey, lass das!"
Die Ereignissen in der Silvesternacht rund um den Hauptbahnhof in Köln führten zu großer Empörung, weil die sexualisierte Gewalt, der Frauen dort ausgesetzt waren, mit der Herkunft der möglichen Täter verknüpft wurde – und damit auch mit dem Flüchtlingsdiskurs. Als wären Frauen in Deutschland bis zum 31. Dezember 2015 sicher gewesen auf der Straße. Dass so darüber berichtet wurde, bestätigt, dass sexuelle Übergriffe von denen, die jetzt empört sind, vorher kaum als Gewalt erkannt wurden. ...
http://www.taz.de/Leserinnen-ueber-sexuelle-Uebergriffe/!5267443/

"Debatte Neuer Feminismus - Auf der Kippe" Kommentar von Charlotte Wiedemann (01/2016)
Seltsame Allianzen gibt es nach der Kölner Silvesternacht. Gegen (antimuslimischen) Frauenhass hilft aber nur ein neuer Feminismus. ... Frauen, die eine falsche Meinung äußern, werden im Netz mit Gewaltfantasien überschwemmt. Gruppenvergewaltigung als Erziehungsmittel, wenn du nicht einstimmst in den anti-islamischen Sound. Eine Frau, die vom Kölner Hauptbahnhof berichtete, sie sei von arabisch aussehenden Männern respektvoll behandelt worden, muss sich anhören: Weil du zu alt und zu hässlich bist, du Schlampe. So kommt das massenhaft jetzt. ...
http://www.taz.de/Debatte-Neuer-Feminismus/!5267165/


"Köln und sexualisierte Gewalt weltweit - Der Grapscher in meinem Haus" Elisabeth Lehmann (18. 1. 2016)
Mit einem Text über Köln kann man sich nur unbeliebt machen. Unsere Autorin probiert es trotzdem: Sie ist mit einem „Nordafrikaner“ zusammen. ... Vielleicht sollte ich es lassen, diesen Text zu schreiben. Es kann nur schiefgehen. Er wird mir um die Ohren gehauen werden. Von allen Seiten. ...
http://www.taz.de/Koeln-und-sexualisierte-Gewalt-weltweit/!5266164/

Quote
Albrecht Pohlmann
18. Jan, 21:46

Danke, Frau Lehmann, Ihr Text ist großartig! Er ist konkret, mit eigener Erfahrung gesättigt, einfühlsam, dem "Umgang mit Menschen" gewidmet. Er hebt sich damit wohltuend von all diesen verallgemeinernd-unwissenden Artikeln und Kommentaren ab, die uns seit "Köln" überfluten. Die alle reflexhaft bedienen, wovon die jeweilige Gruppe eh schon vorher überzeugt gewesen war. Ohne Kenntnis einzelner Menschen.


---

...

« Last Edit: January 31, 2016, 04:02:05 PM by Link »

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« Reply #22 on: January 31, 2016, 04:02:24 PM »
"Mama, die Macho-Macherin" Ein Gastbeitrag von Joumana Haddad (31. Januar 2016 DIE ZEIT Nr. 3/2016, 14. Januar 2016)
Manche Mütter geben ihren Söhnen von klein auf das Gefühl, sich alles erlauben zu können. So erziehen sie ihre Jungs zu gewalttätigen und frauenverachtenden Männern. ...
http://www.zeit.de/2016/03/erziehung-maennlichkeit-islam-mutter-macho

Quote
coldplay #4

... Im Sinne der Gleichberechtigung frage ich mich, wie Väter ihre Töchter zu männerverachtenden Frauen erziehen.


Quote
r.schewietzek #4.3

... ein Vater, der seine Töchter zu Prinzessinnen erzieht, erzieht sie zur Unselbständigkeit (mag zwar liebevoll gemeint sein, ist aber trotzdem völlig falsch); ein Vater, der seine Frau verächtlich behandelt, erzieht seine Töchter zur Angst und Demütigung; ein Vater, der seine Tochter liebevoll erzieht und ihr zur Seite steht, wird in den Augen der Tochter immer ein gutes Beispiel sein.
Ganz davon abgesehen - auch die Umwelt wirkt auf Jungen wie Mädchen ein. Das Fernsehen z.B. vermittelt Rollenbilder, Bücher vermitteln Rollenbilder, andere Familien vermitteln Rollenbilder, die Schule vermittelt Rollenbilder. Wenn eine Frau Sie verachtet, sollten Sie vielleicht mal Ihr Rollenbild überprüfen, wie frau sich zu verhalten hätte, und Ihr eigenes Verhalten sowieso. Frauen, die bestimmte Männer nicht mögen, haben dafür im Allgemeinen Gründe.


Quote
WolfgangL. #5.1

"Machoverhalten ist beim Menschen nicht angeboren, sondern anerzogen."
Auf die Idee kann man auch nur kommen, wenn man sich ausschließlich auf die unpräziseste der wissenschaftlichen Disziplinen stützt: Der Soziologie.
Man kann einen Menschen durchaus so konditionieren, dass er seine Natur ignoriert, daraus den Schluss zu ziehen, dass dieses Verhalten dann nicht angeboren ist, zeugt höchstens von wissenschaftlicher Kurzsichtigkeit.


Quote
sandor clegane #5.2

Oh, ist das Macho-Gen jetzt doch wissenschaftlich korrekt und unwiderlegbar gefunden? ...


Quote
WolfgangL. #5.3

Meine Aussage war keineswegs ein klares Statement dafür dass es definitiv ein Machogen gibt. Es gibt aber de facto keinen Beweis dafür dass dieses Verhalten ausschließlich anerzogen ist (Aussage von atech). Und nichts anderes steht im meinem Beitrag auf den Sie sich beziehen. Es gibt aber zumindest in der Tierwelt ganz klare Belege für deutlich unterschiedliches Verhalten zwischen Männchen und Weibchen.
Natürlich können Feministinnen leugnen, dass auch Menschen Tiere sind...
Da finden sie sich dann in guter Gesellschaft mit den Kirchen zu C. Darwins Zeiten wieder. Auch die haben auf Basis ihrer "unfehlbaren" Ideologie versucht all jene zum Schweigen zu bringen, die solche Blasphemie verbreiteten.


Quote
triple-o-eight #11

Seit Jahren feiert der Alpha-Mann ein Comeback. Der Softie-Frauenversteher hat ausgedient, und das ist kein Zufall. Denn die weiblichen Selektionskriterien befördern den Erfold des erstgenannten und den Misserfolg des letzgenannten Männertyps. Es sind eben nicht nur andere Männer oder die Eltern, die "softe" Jungs auslachen, sondern auch - und das ist das entscheidende - die Frauen!
Als Frauenversteher hat man schlichtweg keinen (sexuellen) Erfolg bei Frauen, weil man nicht sexuell attraktiv auf sie wirkt. Und unsere Gene sind nicht darauf prgrammiert, harmonisch miteinander zu leben, zu schaffen, sondern uns fortzupflanzen.
Ich bin selbst von einer feministischen Mutter erzogen worden die versuchte, mir jede Männlichkeit abzutrainieren, und zu einem Softie zu machen. Ich musste daher erst von der Pieke auf lernen, wie man erfolgreich bei Frauen ist. Es war ein harter Weg. Und ich kann heute ehrlich sagen: Das größte Verbrechen, das Eltern an ihren Söhnen verüben können, ist, sie zu Frauenverstehern und Softies zu erziehen.

Quote
Bastetqueen #11.1

Es gibt allerdings auch eine Alternative zu Softie oder Macho. Männer, die einfach verantwortungsvoll auf gleicher Augenhöhe mit Frauen umgehen, Frauen als Partnerin wertschätzen und einfach ganz normale Menschen sind.

Liebe Grüße, Bastetqueen


Quote
PeterStein #11.2

Sie Ärmster! Wer ist denn Ihrer Meinung nach "erfolgreich bei Frauen"? Wer die meisten ins Bett kriegt? Oder wer erfüllte lange Beziehungen pflegt?
Es sind immer zwei Seiten in einer Beziehung (egal ob Homo- oder Heteromenschen) und es gibt sowohl unter Männern wie auch Frauen bindungsunfähige, die es nie zu mehr als kurzzeitigen "Affären" bringen - es sei denn, sie reifen und werden erwachsen.
Da in den letzten Jahrzehnten Frauen immer selbständiger wurden und immer weniger auf den "Ernährer und Hausvater" angewiesen sind, können die labilen und vor allem auf Abhängigkeit begründeten Ehen immer weniger von Dauer sein - deshalb die zunehmenden Trennungsraten. Da hilft es nicht mehr, den Macho herauszukehren.
Und noch ein Seitenheib auf die Kulktur- und Religionstheoretiker: Es ist noch nicht lange her, dass z.B. Sizilianer in Deutschland mit "Ehrenmorden" auffielen und dass in Italien ein Gesetz aufgehoben wurde, das bei Tötung aufgrund verletzter "Ehre" erhebliche Strafmilderung erlaubte.


Quote
ChristianBW #11.3

Völlig richtig, und das war bei meinen Großeltern absolut der Fall. Absolute Augenhöhe von Mann und Frau, trotz natürlich etwas unterschiedlicher Rollenaufteilung und anderweitiger Gesetzeslage auf dem Papier. Da war die Ehe natürlich auch eine Arbeitsteilung und Wirtschaftsgemeinschaft. Ja da hatten Frauen viel Verantwortung und kaum zu glauben, sehr viel zu sagen, eine meiner Omas dominierte und bestimmte quasi die ganze Großfamilie. Während des Krieges "regierte" sie einen Handwerker- und Bauernhaushalt, zusammen mit den Kindern immerhin ca 20 Leute. Und auf den Dörfern in meiner Heimatregion war es lange üblich, dass die Frauen wesentlich die Finanzen mitbestimmten. Ich bleibe dabei viel was heute verbreitet wird, ist Legende und macht Frauen erst zum schwachen Geschlecht bzw. drängt sie in die benachteiligte Opferrolle.




Quote
A.Vomberg #15

Männliches Verhalten und Frauenverachtung sind nicht das selbe!
Das hört sich alles gut und vernünftig an und ist schön zu lesen.
Da steckt auch viel Wahrheit drin, aber man sollte im Umkehrschluss nicht glauben, dass die Erziehung für alles verantwortlich ist.
Es gibt auch Jungen, die viel Spaß an körperlichen Auseinandersetzungen haben obwohl(!) ihre Eltern sich alle Mühe geben ihnen klar zu machen dass sie brav sein sollen und sein Verhalten sanktionieren.
Dass der Fehler nicht unbedingt bei den Eltern liegt sieht man dann, wenn der zweite Sohn kein aggressives Verhalten an den Tag legt.
Ich halte den Versuch den Aggressionstrieb zu unterdrücken auch für gefährlich und teilweise kontraproduktiv.
Was unser Gesellschaft fehlt ist ein anerkannter, akzeptierter Rahmen um ihn sozialverträglich auszuleben.
Früher war es ein Zeichen von Gesundheit wenn Jungens auf dem Pausenhof gerauft haben, heute wird das als Verhaltensstörung behandelt.
Bis zu zehnten Klasse gibt es oft nur weibliche Lehrkräfte und die versuchen dann irgendwie brave Mädchen aus den Jungen zu machen, auch weil die leicht zu handhaben sind.
Wenn der Junge dann auch noch eine alleinerziehende Mutter hat, dann wächst er praktisch nur mit weiblichen Rollenvorbildern auf, was absolut unnatürlich und ungesund ist.
Die Alternative zum frauenverachtenden Macho ist ganz sicher nicht das frauenverstehende Weichei, denn darauf haben die Frauen in Wahrheit keine Lust.

 ...

A.Vomberg #15

Männliches Verhalten und Frauenverachtung sind nicht das selbe!

Das hört sich alles gut und vernünftig an und ist schön zu lesen.
Da steckt auch viel Wahrheit drin, aber man sollte im Umkehrschluss nicht glauben, dass die Erziehung für alles verantwortlich ist.
Es gibt auch Jungen, die viel Spaß an körperlichen Auseinandersetzungen haben obwohl(!) ihre Eltern sich alle Mühe geben ihnen klar zu machen dass sie brav sein sollen und sein Verhalten sanktionieren.
Dass der Fehler nicht unbedingt bei den Eltern liegt sieht man dann, wenn der zweite Sohn kein aggressives Verhalten an den Tag legt.
Ich halte den Versuch den Aggressionstrieb zu unterdrücken auch für gefährlich und teilweise kontraproduktiv.
Was unser Gesellschaft fehlt ist ein anerkannter, akzeptierter Rahmen um ihn sozialverträglich auszuleben.
Früher war es ein Zeichen von Gesundheit wenn Jungens auf dem Pausenhof gerauft haben, heute wird das als Verhaltensstörung behandelt.
Bis zu zehnten Klasse gibt es oft nur weibliche Lehrkräfte und die versuchen dann irgendwie brave Mädchen aus den Jungen zu machen, auch weil die leicht zu handhaben sind.
Wenn der Junge dann auch noch eine alleinerziehende Mutter hat, dann wächst er praktisch nur mit weiblichen Rollenvorbildern auf, was absolut unnatürlich und ungesund ist.
Die Alternative zum frauenverachtenden Macho ist ganz sicher nicht das frauenverstehende Weichei, denn darauf haben die Frauen in Wahrheit keine Lust.

Jungen dazu ermutigen sich an rauen Spielen zu beteiligen und ihnen zu sagen dass Heulsusen nicht besonders bewundert werden ist völlig in Ordnung!

»Bis zu zehnten Klasse« sollte bis zum zehnten Lebensjahr (fünfte Klasse) heißen.



Quote
Hamburgerin2.0 #16

In der Tat ein wichtiges Problem, das die Autorin da anspricht und das große Auswirkungen auf die Bildungs- und Erwerbsbiographien von jungen Männern hat. Ich beobachte die Erziehung von unschuldigen kleinen Jungs zu egozentrischen kleinen Prinzen in meinem Umfeld immer wieder, u.a. bei einigen muslimischen Bekannten, bei meiner orthodox-christlichen Freundin und bei Familien mit sehr konservativ-bildungsbürgerlichem Hintergrund.

Die Folgen sind fatal: Schul- und Ausbildungsversagen, keine Anerkennnung, insbesondere weiblicher, Autoritäten (die ja einen Großteil der Lehrerschaft und einen Teil der Vorgesetzten stellen), daraus resultierend Schwierigkeiten in Beruf und Schule.

Wenn man dazu erzogen wird, dass allein das "richtige" Geschlecht ausreicht, um großartig zu sein, wird man in der Leistungsgesellschaft scheitern, da der Ansporn fehlt, etwas zu leisten, zu lernen und für seine gesellschaftliche Anerkennung etwas zu tun. Schafft man das nicht, ist die Folge Wut, Frustration und u.U. der Rückfall in patriarchale Muster, was heutzutage wiederum Schwierigkeiten im Beziehungs- und Arbeitsleben nach sich zieht.

Der Witz ist, dass ein Großteil dieser Mütter selber sehr emanzipiert ist und in Beruf und Privatleben ihre Frau steht. Ich bin froh, dass ich meinen Sohn nicht so erzogen habe.


Quote
valdai #18

Na ja.....in unserer hiesigen Kultur haben wir dann eher das Problem, dass
unsere Jungen so erzogen werden, wie Trudeau es gerade beim WEF ankündigte:
" Ich werde meine Söhne als Feministen erziehen".......die armen Buben kann ich
da nur sagen.

Als Mutter zweier erwachsener Söhne von 29 und 27 Jahren , habe ich bei der
Erziehung kein Genderdenken gehegt. ..... habe eine große Antipathie dagegen.

Beide sind zu jungen Männern herangewachsen, die selbstbewußt, selbstsicher
und sehr respektvoll mit Frauen umgehen.
Das mag daran liegen, dass ihre Mutter immer gerne eine Frau war ;)
....sich als Frau nicht diskriminiert, mißachtet gefühlt hat. ..... und Männer in deren
biologischen Andersartigkeit weder als Bedrohung, noch als Konkurrenz gesehen
hat.

Beide sind im Umgang mit Frauen sehr selbstverständlich und haben zum Glück
auch immer auf junge Frauen getroffen, die ihr Frausein unverkrampft und
souverän ausleben.



Quote
Prisen Colinen #20

Was Sie sagen, Joumana Haddad, stimmt alles, ist aber trotzdem nur die halbe Wahrheit. Ja, Mütter erziehen die größten Gegner der Gleichberechtigung von Mann und Frau an ihrer eigenen Brust, richtig.

Aber in Jungs stecken genetisch über Millionen von Jahren Evolution einfach auch "Krieger". Sie wollen kämpfen, sie wollen sich beweisen, sie brauchen eine Aufgabe für die Gruppe. Sie wollen sich mit den anderen messen in Kraft, Schnelligkeit, Ausdauer, Cleverness usw. Das alle skriegen sie aus den Jungs nicht heraus. Man kann Jungs nicht zu Mädchen erziehen, das funktioniert einfach nicht. Und deshalb brauchen unsere modernen Gesellschaften wieder Räume, in denen Jungs Jungs sein können.

Heute haben wir eine Gesellschaft, die Jungs keine Chance mehr gibt, auf natürlichem und für die Gesellschaft wertvollem Wege Männer zu werden. Das rächt sich schon überall.


Quote
mrdani007 #23

Schön wäre es, wenn Jungs durch die Erziehung zu Machos und Männern herangezogen würden.
Zur Zeit ist aber das Gegenteil zu beobachten: Sie werden wie Mädchen erzogen; sollen zuhören, sich vertragen und Blümchen malen. Gewalt sei keine Lösung.
Als ich hörte dass sie in manchen Schulen sogar Kochen und Nähen lernen müssen fragte ich mich ob das ein Witz sei? Weit gefehlt.
Schuld daran sind vor allem die Feministinnen-Sekten sowie der hohe Frauenanteil in Kindergärten und zunehmend sogar auch in weiterführenden Schulen.
Was diese feminine Erziehung an Jungen anrichtet merken die Frauen wohl erst, wenn die Anzahl der richtigen Männer in ihrem Umfeld mit der Zeit schrumpft.
Deshalb an alle Mütter: Die Geschlechter sind gleichberechtigt, aber nicht gleich.
Erzieht eure Töchter wie Mädchen und eure Söhne wie Jungs.

Quote
Unumbrello #23.1

Naja. Also ich habe auch Blumen gemalt als Kind und Indianerschlachten. Ich habe in der Schule kochen gelernt, genauso wie Sport. Was sind Sie denn für einer? Kocht Mama noch für sie? Und das Gewalt ein Teil der Realität ist lernt man an der Schule genauso, auch wenn es nicht von den Lehrern unterrichtet wird. Man, man, man...!


Quote
mrdani007 #23.2

Abgesehen davon, dass Sie Ihre Blumenbilder besser mit Ihrem Psychologen besprechen sollten, geht es hier nicht um einzelne Individuen wie Sie oder mich, sondern um gesellschaftliche Tendenzen.
Sie verkennen desweiteren, dass niemand bestritten hat, dass in der Schule Gewalt als Teil der Realität dargestellt wird.
Brennpunkt ist jedoch die "Gewalt ist keine Lösung"-Doktrin, wonach zB zwei Schüler einen Konflikt nicht wie Männer austragen sollen, selbst wenn sie beide eingewilligt haben. Wahrscheinlich halten manche Lehrerinnen selbst Notwehr für verboten.

PS: Für mich kocht natürlich meine Freundin.


Quote
Unumbrello #23.3

Also bei mir kochen beide... Aber gut, wer kann der kann. Ich sage ja garnichts, dass es ein teilweise verweichlichtest "Erziehungsmodell" gibt. Vonwegen immer Pazifismus usw.
Aber was hat das mit kochen oder malen zu tun?



Quote
Schwarzweißer Graumann #26

Ein sehr guter Artikel, der sich wohltuend von der nicht immer Rassismus-freien, oft oberflächlich-schlichten Schwarz-Weiß-Sicht bei dieser Debatte distanziert und auf die Tatsache hinweist, dass es in erster Linie auf die Erziehung und andere Faktoren ankommt und nicht so sehr auf die Herkunft der Menschen.


Quote
EhrenamtUNDVerstand #27

Wenn eine Mama einen Macho heranzieht, könnte ja auch der Papa gegensteuern, ne ;)


Quote
Ida Meerkatz #27.1

Da müsste der Papa ja womöglich sein eigenes Weltbild hinterfragen ...



Quote
petuhtante #29

ach ja, wie schön, dass alle kinder dieser welt nur mütter und keine väter haben...


Quote
Unumbrello #29.1

Ja man könnte böswillig behaupten, dass da die Autorin schon wieder dem Mann die Verantwortung abnimmt!.. ^^ :D


...

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"Sexualisierte Gewalt gegen Frauen - Für einen Feminismus der neuen Allianzen" (03.02.2016)
Wenn Frauenhass auf der anti-islamischen Überholspur fahren darf: ein Debattenbeitrag von Charlotte Wiedemann.
Ich habe in den vergangenen Wochen einiges über mein Land erfahren, das ich lieber nicht gewusst hätte. Das klingt arg unpolitisch, ich weiß. Aber es ist bei mir ein Bedürfnis nach Selbstschutz aufgekommen, angesichts der rasanten Verrohung dessen, was öffentliche Debatte zu nennen ein Euphemismus ist. ...
http://de.qantara.de/inhalt/sexualisierte-gewalt-gegen-frauen-fuer-einen-feminismus-der-neuen-allianzen

« Last Edit: August 08, 2016, 03:30:00 PM by Link »

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« Reply #23 on: February 07, 2016, 12:32:11 PM »
Patrick Esume : "Football befriedigt die Grundbedürfnisse des Mannes" (6. Februar 2016)
Du kannst Fußball nicht mit Football vergleichen. Football ist Schach. Selbst NFL-Coaches kennen nicht jede Regel und die acht Schiedsrichter müssen immer wieder beraten, bevor sie entscheiden. Dieser theoretische Aspekt hat mich persönlich schon immer am meisten fasziniert. Dazu kommt, dass Football auf eine gewisse Art auch die Grundbedürfnisse des Mannes bedient: entweder beschützen oder jagen im Rudel. ...
http://www.zeit.de/hamburg/stadtleben/2016-02/patrick-esume-american-football-interview

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"Schauspielerin Emily Ratajkowski: Dürfen schöne Frauen politisch sein?" Isabell Prophet  (17. Februar 2016)
„Halt den Mund und zeig uns deine Titten.“ Dieser Satz fasst ganz gut zusammen, wie viele Facebook-Nutzer auf eine Rede von Emily Ratajkowski (24) reagiert haben, in der sie Bernie Sanders unterstützt ...
http://ze.tt/schauspielerin-emily-ratajkowski-duerfen-schoene-frauen-politisch-sein/?utm_campaign=zonparkett&utm_medium=parkett&utm_source=zon
« Last Edit: February 18, 2016, 11:17:12 AM by Link »

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« Reply #24 on: February 25, 2016, 09:47:08 AM »
Quote
[...]  Das jüdische Label Mimu Maxi macht zeitgemäße, lässige Mode und befolgt dennoch religiöse Bekleidungsvorschriften. Mit der Unterdrückung der Frau hat das nichts zu tun.

... Mit ihren eigenen Kreationen wollten die zwei chassidischen Schwägerinnen Hecht und Notik ihrem Frust über unstylishe religiöse Kleidung Abhilfe verschaffen und feiern damit nun – über Religionsgrenzen hinweg – beachtliche Erfolge. 2012 gegründet, sprachen sie mit Mimu Maxi zunächst vor allem eine stilbewusste, religiöse (orthodox-jüdische, aber auch konservativ christliche und muslimische) weibliche Käuferschaft an. Spätestens seit 2015, als ihr Stil in Mode- und Lifestyle-Blogs zum Trend ernannt wurde, erreichen ihre Kollektionen nun auch säkulare Fashionistas.

Neben ästhetischen Kriterien erfüllen die Kollektionen von Mimu Maxi auch jene des tzinut, der orthodox-jüdischen Maßgabe für eine keusch-sittliche Lebensführung. Das hat durchaus Aufsehen erregt. Kein Bericht über das Label kommt ohne Verweis auf den religiösen Rahmen aus. Popsugar.com schreibt, die Mimu-Maxi-Designerinnen definierten keusche Mode (Modest Clothing) neu, laut der Huffington Post erschüttern Hecht und Notik mit ihren Kollektionen stereotype Vorstellungen von religiöser Kleidung. Religiös-keusche Trendsetter – die Vogue bringt auf den Punkt, was hier an Widersprüchen mitschwingt: "Jüdisch-orthodoxer Stil wurde zu einer ungewöhnlichen Inspirationsquelle für den heißesten Herbsttrend 2015." Ungewöhnlich deshalb, weil mit orthodoxem Judentum wohl vieles, jedoch kaum (Mode-)Trends und keinesfalls Sexyness assoziiert wird.

... Die Repräsentation von Weiblichkeit – in diesem Fall religiöser Weiblichkeit – ist in diesem Fall eine ungewohnte. Frau und Religion, dieses Verhältnis wird noch immer zu oft und zu undifferenziert als fixiert, repressiv und beklemmend eng aufgefasst. Auf der Website und dem Instagram-Profil von Mimu Maxi werden jedoch Frauen gezeigt, die in Bewegung sind. Models posieren vor repräsentativen Gebäuden, in der Mitte einer Straße, vor graffitibemalten Häuserwänden oder auch in einem riesigen, leer geräumten Loft. Auf Instagram zeigen sich die Modedesignerinnen und ihre Kundinnen selbst in der keuschen Mode. Den Inszenierungen zufolge ist der Umgang dieser Frauen mit religiösen Kleidervorschriften ein spielerischer – und vor allem ein aktiver und selbstbewusster: Die Interpretationen der durch religiöse Schriften und männliche Autoritäten übermittelten Vorschriften und Empfehlungen für eine religiöse Lebensführung sind vielfältig.

... Kein autoritärer Gott, keine normativen Schriften gestalten Religionen, sondern Menschen. Als Gestalterinnen sind Frauen in der Geschichte und in den Schriften der Religionen – oder in dem, was von ihnen tradiert und kanonisiert wurde – jedoch äußerst selten in Erscheinung getreten. Auch die säkulare Religionswissenschaft berücksichtigte Frauen lange Zeit kaum. Diese Lücke ist mittlerweile aufgrund von stichhaltiger feministischer Kritik zumindest ideell geschlossen. Es gilt nun, Frauen nicht nur als religiöse Akteurinnen wahrzunehmen, sondern anzuerkennen, dass vor allem sie es sind, die innerhalb von Religionen die jeweilige Notwendigkeit von Wandel und Bewahrung gestalten und verhandeln.

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aufgeklärt und eigenverantwortlich
#2  —  vor 12 Stunden 20

"Auf Instagram zeigen sich die Modedesignerinnen und ihre Kundinnen selbst in der keuschen Mode."

drehen denn jetzt alle langsam durch ?


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atech
#4  —  vor 12 Stunden 34

"Mit der Unterdrückung der Frau hat das nichts zu tun" - diesen schönen Satz hört man auch regelmäßig von emanzipierten Muslimas, die ihr Kopftuch auch völlig freiwillig tragen und die die "unbedeckten Frauen" wissen lassen, dass sie die "Unterdrückten" sind - unterdrückt durch die "Modediktate" der Neuzeit...

Tut mir leid, aber diese sack-artigen Kleidungsstücke haben sehr wohl etwas mit Frauenunterdrückung zu tun. Auch wenn die Säcke aus New York kommen.

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AgainstBigotry
#4.1  —  vor 11 Stunden 5

Jetzt lass doch die Frauen anziehen was sie wollen. So lange sie nicht explizit dazu gezwungen werden, nach dem Schema: "Ich will das nicht anziehen, aber ich muss.", ist das doch nicht schlimm.

Wenn wir nun über indirekten Zwang reden, dann muss man auch erkennen, dass dieser Zwang in unserer westlichen Gesellschaft auch existiert. Die Medien verbreiten natürlcih ein bestimmtes Schönheitsideal, das auch mit Kleidung und bestimmten Trends zusammenhängt. Medien zeigen uns, was "sexy", "modisch" und "schick" ist. Welche Badekleidung ist sexy und gleichzeitig noch akzeptabel? Schauen Sie sich mal die Bademode der 50er Jahre in Deutschland an...

Also ja, wenn die Muslima in dieser Weise dazu "gezwungen" wird sich so zu kleiden, wie es ihrem (von ihrem Umfeld abhängigen) Geschmack entspricht, dann kann man wohl sagen, dass das etwas mit Zwang zu tun hat.

Ein anderes Beispiel. Meine Tante und deren Töchter sind hochreligiöse christliche Freikirchler. Die Töchter haben alle direkt nach der Schule/ Uni geheiratet und Kinder bekommen. geheiratet werden durfte aber auch nur innerhalb des engsten religiösen Kreises. Natürlich haben die freiwillig einen Mann aus derselben Religionsgemeinschaft geheiratet und sofort Kinder gezeugt. Aber ein gewisser aus dem Umfeld kommender, verinnerlichter Zwang war sicherlich trotzdem da.

Uns beiben also 2 Möglichkeiten: Entweder wir akzeptieren diesen Zwang bei Christen und Muslimen, oder wir kritisieren beides. Aber bitte keine Scheinheiligkeit!



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Amandas
#4.3  —  vor 43 Minuten

Meiner Erfahrung nach kann man, wenn in irgendeinem Headliner die Behauptung auftaucht, dass eine Sache mit einer anderen "nichts zu tun hat", getrost davon ausgehen, dass das Gegenteil der Fall ist.
In der Regel folgt dann im Artikel selbst eine gewisse Ausdifferenzierung, wie ja auch hier. Die Autorin versucht zu beschreiben, wie Frauen sich innerhalb eines engen, autoritären Systems gewisse Freiheiten erobern - indem sie es erstmal anerkennen. Das kann ich meinerseits durchaus auch anerkennen.
Nur dass damit schon jede Unterdrückung ausgeschaltet wäre, ist natürlich Quatsch.


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Danke für den Hinweis
#6  —  vor 12 Stunden 11

Die alten Linken haben sich noch von der Reiligon distanziert und waren stolz auf Aufklärung und Selbstbestimmung. Heute distanzieren sich die Linken höchstens noch vom Papst und ansonsten scheint man mit erstaunt großen Augen vor jeder Art von religiösem Eifer begeistert.


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M.Knarz
#7  —  vor 12 Stunden 16

Keine Unterdrückung der Frau? Warum aber gibt es dann genaue Vorgaben dafür, "wie Frauen sich kleiden sollen", sodass sie möglichst "modest" erscheinen, den "Verhüllungsgeboten" entsprechen und möglichst "keusch" wirken bzw. bleiben?

Und vor allem: warum gibt es exakt diese "Vorgaben" nur für Frauen? Sicher, auch Männer sollen nach dem orthodoxen Glauben etwa eine Kippa tragen, aber dies sicher nicht um ihre "Keuschheit" zu bewahren oder zur Schau zu tragen.

Man kann ja alles mit einem Flair an Modernität garnieren, es ändert aber nichts daran, dass diese Kleidungsvorgaben, die sich explizit an Frauen richten, geprägt sind durch ein zutiest archaisches wie sexistisches Geschlechterverständnis, dem zufolge Frauen -- anders als Männer! -- in besonderem Maße ihren Körper verbergen, ihre sexuellen Reize verstecken und "keusch" bleiben sollen.

Übrigens in Anführungszeichen alles direkte Zitate aus dem Artikel, der gleichwohl die bei genauerem Hinsehen doch etwas gewagte Behauptung aufstellt, "Mit der Unterdrückung der Frau hat das nichts zu tun."

Quote
Paul von Arnheim
#7.1  —  vor 10 Stunden 7

Mit der Unterdrückung der Frau hat das nichts zu tun...

Ich muss Ihnen recht geben. Dass die Keuschheitsnummer nichts mit der Unterdrückung der Frau zu tun habe, ist eine gewagte Behauptung. Die Bekleidungsvorschriften aller abrahamitischen Religionen zielen darauf ab, Frauen als sittsam und keusch, also als ehrenhaft zu kennzeichnen. Georg Christoph Lichtenberg hat sich schon lustig gemacht über die "schöne Ehre, die die Frauenzimmer haben, die einen halben Zoll vom Arsch abliegt".

Es ist Unterdrückung der Frau, ihre Ehre in Rektumnähe anzusiedeln. Ich kriege langsam die Wut über diese permanente Verharmlosung, dieses Abwiegeln und Kleinreden. Heute musste ich schon auf Zeit online einen Artikel lesen, der tatsächlich die Überschrift "Faire Genitalverstümmelung, kann es das geben?" hat und so endet: "der Vorstoß im Journal of Medical Ethics zwingt dazu, zu einem kulturell, ethisch wie medizinisch sensiblen Thema triftige Argumente auszutauschen." Zwischendurch ist zu lesen: "... liberale Gesellschaften sollten "kultursensibler" werden und zumindest kleine, eher symbolische Eingriffe tolerieren. Und sie sollten die Sprache überdenken, in der sie darüber reden." Geht es eigentlich noch?



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Hamburgerin2.0
#8  —  vor 12 Stunden 1

Einen Gott, der Frauen dezidiert vorschreibt, welche Körperteile sie wann, in welcher Situation und wem gegenüber bedecken sollen, finde ich persönlich albern.

Aber eines kann man nicht bestreiten: Die beiden Designerinnen haben Trends gesetzt! Das Ding mit den weiten Ärmeln, die wie Flügel aussehen, wenn man die Arme ausbreitet, hing diesen Winter in jeder Boutique. Habe selbst ein Oberteil davon und finde es très chique und bequem - obwohl ich nicht religiös bin. Ich wusste nicht, dass der Grundentwurf von den beiden Designerinnen stammt. Hut ab!


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atheist999
#9  —  vor 12 Stunden 5

Ich warte mit Spannung auf die erste Präsentation eines christlichen Labels!!
Herr im Himmel ......


Quote
atech
#9.1  —  vor 12 Stunden 1

wieso? - Nonnenhabite gibt es doch schon lange...


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Hamburgerin2.0
#9.2  —  vor 12 Stunden 4

Ich hatte eine ältere Verwandte, ihres Zeichens Protestantin aus einer strenggläubigen Familie. Die durfte als Kind und Jugendliche nicht in den Spiegel schauen. Weil Eitelkeit Sünde ist...


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quevedo
#10  —  vor 12 Stunden 1

Gender meets Religion? Geht das? Möglicherweise gibt es ja da eine gemeinsame Basis fundamentalistisch-radikalen Denkens.
Der Feminismus scheint ja auch mit gewissen Eigenheiten des Islam keine Schwierigkeiten zu haben, jedenfalls bleibt es da in der Regel auffällig still.
Man darf gespannt sein, ob frau dann demnächst noch Sympathien für evangelikal interpretiertes Christentum entwickelt. Oder wäre das dann doch zu viel verlangt...?


Quote
Franklin-04
#13  —  vor 11 Stunden 7

"Religiöse Bekleidungsvorschriften"
wer sich von einer Religion vorschreiben läßt, was er essen oder anziehen darf, der hat die Aufklärung nicht begriffen. Ganz egal, welche Religion dabei gemeint ist. Religion beschreibt das individuelle Verhältnis Mensch zu Gott, ein innerliches Verhältnis. Kleidung beschreibt nur das Verhältnis zu anderen Menschen - Gott läßt sich doch nicht von einem Modelabel beeindrucken...

Wir müssen hier nichts mehr "aushandeln", diese Aufgabe hat Napoleon vor langer Zeit erledigt: Gleichberechtigung und Freiheit für alle Religionen (auch das Judentum), dafür sind sie raus aus der Politik und sonstigen Vorschriftenmacherei.


Quote
h humbert
#18  —  vor 10 Stunden 3

Ich stelle mir Gott immer so vor wie Harald Glöööckler. Da haben Kleiderordnung, Bart- und Haartracht oberste Prio.

[ https://de.wikipedia.org/wiki/Harald_Gl%C3%B6%C3%B6ckler ]



Aus: "Modest Clothing: Sexy orthodox"  Márcia Elisa Moser (24. Februar 2016)
Quelle: http://www.zeit.de/kultur/2016-02/modest-clothing-mimu-maxi-juedisch-orthodox-mode-10nach8


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« Reply #25 on: March 05, 2016, 01:21:05 PM »
"Eine ungewöhnliche Entscheidung Ich bin Hausfrau - na und?" Silvia Dahlkamp (04.03.2016)
... "Ach, du arbeitest gar nicht?" Sie kontert: "Ich arbeite viel, um meinen Kindern eine glückliche Kindheit zu geben" - und erntet mitleidiges Lächeln. ... Philipp von Hutten, 39, ihr Mann, arbeitet als Auktionator, ist viel unterwegs. Deshalb haben sie sich für Arbeitsaufteilung entschieden - er verdient das Geld. Durchschnitt, kein Vermögen. Sie schmeißt den Haushalt. Eins ist jedoch anders als zu alten Zeiten: Sie sehen sich als Team. Alles gehört beiden - zu gleichen Teilen.
Hutten war 23 Jahre alt und studierte Psychologie, als sie schwanger wurde. Das Kind war nicht geplant. Sie wollte trotzdem ihren Abschluss machen und später arbeiten - so wie 96 Prozent der modernen Frauen. Doch nach der Entbindung kam alles anders. Helena von Hutten hatte das Baby im Arm und dachte: was für eine Verantwortung. Sie unterbrach das Studium erst einmal. ... Emanzipierte Frauen halten solch einen Lebensentwurf für einen Lebenswegwurf. Ein Rückschritt in die Fünfzigerjahre, als frau noch Kittelschürze trug. ...
http://www.spiegel.de/karriere/berufsleben/beruf-hausfrau-eine-ungewoehnliche-entscheidung-a-1080467.html

Quote
Als Psychotherapeut ...
ede-wolff gestern, 10:38 Uhr
erschrecke ich vor den Folgen in der Zukunft. Seit S. Freud, M. Mahler, M. Klein wissen wir viel über die psychische Entwicklung des Kleinkinds und vor allem über die entscheidende Bedeutung einer sicheren Bindung in den ersten Lebensjahren. Die Folgen einer exzessiven Kita-Kultur erlebe ich als Psychotherapeut in den neuen Bundesländern täglich in meiner Praxis. Die Art der Störungen ist völlig anders als in den alten Bundesländern: wesentlich mehr Angst- und Panikstörungen, extreme Aggressionshemmungen, schwere Bindungsstörungen. Welche "Experten" halten ein 22-monatiges Kind für seit 10 Monaten "überfällig für die Kita?" Mir graut vor den Folgen für unsere Gesellschaft!


Quote
mauerfall gestern, 10:38 Uhr
Jenseits Ostdeutschlands und der westdeutschen Ballungszentren ist es doch wohl eher so, dass die Frauen schief angesehen werden, wenn sie arbeiten gehen... Egal was Frau macht, es ist falsch ;)


Quote
Nichts gelernt
rieberger gestern, 10:40 Uhr
Die Selbstbestimmung ist noch lange nicht erreicht. Solange Menschen (Männer wie Frauen) für ihren eigenen Lebensentwurf angefeindet werden, solange leben wir in einer Welt voller Schubladendenken. Man muß nicht alles gut finden, was andere machen und keiner darf den Anspruch erheben, daß sein Lebensentwurf der allein seligmachende ist. Aber jeder Mensch hat das Recht dazu, das zu machen, wie er es für richtig erachtet. Das, was sich Emanzipation nennt, ist nichts anderes als ein Vertauschen von gesellschaftlichen Vorzeichen. Nichts gelernt, nichts kapiert. Pikant die Stutenbissigkeit, mit der sich die Frauen bei Mangel von weiblicher Solidarität an die Gurgel gehen. Ist da vielleicht eine gehörige Portion Neid dabei?!


Quote
Lebensentwurf
Fragende_Leere gestern, 10:43 Uhr
Dieses Beispiel ist ein Lebensentwurf, aber eben nur einer von vielen. Nicht mehr aber auch nicht weniger. Wenn die angegebenen Zahlen stimmen sollten, macht Frau von Hutten bestimmt vieles richtig: die Rente aus der Teilzeit reicht eh nicht zum Leben; sie wird dann, sollte die Beziehung nicht bis zum Lebensende halten eh auf "ergänzende Transferleistungen" angewiesen sein. Wie übrigens viele der Mütter/Väter, die sich beruflich zusätzlich gequält haben. ...


Quote
Das ist ein Riesenproblem
doppelpost123 gestern, 10:45 Uhr
Die Frauenbewegung hat es leider nicht geschafft, Frauen eine Wahl zu lassen (also sie frei entscheiden zu lassen, ob sie zu Hause bleiben / Karriere oder beides haben wollen), sondern bevormundet und entmündigt sie. Frauen, die zuhause bleiben, werden zwangsläufig als Opfer und Knechte gesehen. Der ideologische Gedanke dahinter: "Hätten Frauen WIRKLICH die Wahl, dann würden sie das nicht machen". Kann man GLAUBEN, muss man aber nicht, das ist einfach Ideologie. Auch wenn man akzeptiert, dass Geschlecht und Rollenbilder sozial konstruiert sind, ist es mit Sicherheit zu kurz gegriffen, die Biologie komplett auszublenden. Die Wahrheit liegt irgendwo dazwischen, das sollten Biologen und Sozialwissenschaftler akzeptieren.. Aber das Schlimmste daran finde ich, dass es dann auch noch Frauen sind, die andere Frauen für ihre Wahl zu hause zu bleiben verurteilen. Wenn "Feminismus" auf ein Idealbild abzielt, das sich die Vorkämpferinnen selbst zurechtlegen, statt dafür einzutreten, dass Frauen die Wahl haben, sich selbst frei zu entscheiden, dann ist das für mich ein falscher Weg. Es ging bis jetzt immer nach hinten los, wenn eine kleine Gruppe meint, sie hätte die Antwort für alle gefunden, selbst wenn das Ziel noch so löblich ist (siehe kommunistisches Manifest..)


...

---

"Online harassment of women at risk of becoming 'established norm', study finds" (Monday 7 March 2016 19.01 GMT)
Harassment of women online is at risk of becoming “an established norm in our digital society”, with women under 30 particularly vulnerable, according to the creators of a new Australian study. ... Seventy per cent of women said online harassment was a serious problem in 2016 and 60% said that it was getting worse. More than half the women surveyed felt the police needed to start taking victims seriously. But 38% of those who had experienced online harassment chose to ignore it, and only 10% reported it to police. ...
http://www.theguardian.com/lifeandstyle/2016/mar/08/online-harassment-of-women-at-risk-of-becoming-established-norm-study?CMP=share_btn_tw

« Last Edit: March 08, 2016, 05:01:57 PM by Link »

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« Reply #26 on: March 20, 2016, 05:18:50 PM »
"Arabische Frauen: Die Frauen, der König und ein Esel" Eine Erkundung in Marokko von Elisabeth Raether
Wie ist es, als arabische Frau gegen Bevormundung und Belästigung zu kämpfen? ... Die Ereignisse der Kölner Silvesternacht sind aus den Nachrichten verschwunden, geblieben ist die Ansicht, dass der arabische Mann ein Frauenproblem hat. In unserer Vorstellung trägt er Jogginghose und Gelfrisur, und alles Weibliche überfordert ihn. Viele haben Angst vor ihm, manche verachten ihn. Wie wäre es aber, wenn wir versuchen würden, den arabischen Mann zu verstehen? Man würde wohl damit anfangen, diejenigen zu befragen, die ihn gut kennen: die arabischen Frauen. Man trifft sie in Marokko. Sie öffnen einem ihre Wohnzimmer, Küchen und Büros und erzählen in glasklaren Worten von ihrer Welt: Für sie ist der arabische Mann keine Gestalt, die in ihren Gedanken oder in den Fernsehnachrichten lebt – sie wohnen mit ihm unter einem Dach. Er ist ihr Ehemann, ihr Sohn, ihr Bruder oder Vater. ...
20. März 2016 DIE ZEIT Nr. 11/2016, 3. März 2016
http://www.zeit.de/2016/11/arabische-frauen-marokko-frauenrechte-patriarchat-scharia/komplettansicht


"Sexualität in Marokko: "Die Frau ist Eigentum"" (02.03.2016)
Die Eltern der Journalistin Hasna El Maroudi erlebten Marokko noch als liberale Gesellschaft. Heute wird für Frauen selbst der Weg zum Bäcker zum Spießrutenlauf. Was ist passiert?...
http://www.spiegel.de/kultur/gesellschaft/marokko-die-frau-ist-kein-selbststaendiges-wesen-a-1076170.html


"Non, je ne regrette rien - Abgesehen von der Mutterschaft" Twister (Bettina Hammer) 28.03.2016
Seit sich Mütter dazu bekennen, die Mutterschaft zu bereuen, zeigt sich, wie stark der Mutterkult noch gepflegt wird. Der Druck auf die Mütter wächst...
http://www.heise.de/tp/artikel/47/47807/1.html


"Geringe Erwartungen"  Anna Smith (Ausgabe 1216 | 06.04.2016)
Klischees Im Kino sind werdende Mütter meist nervige oder komische Figuren. Eine kleine Phänomenologie... Die wohl progressivste aller schwangeren Filmfiguren ist freilich die, die ihren Zustand kaum erwähnt. „Ich finde, Frances -McDormand in Fargo ist die größte Schwangere der Filmgeschichte“, sagt Alice Lowe. ...
https://www.freitag.de/autoren/the-guardian/geringe-erwartungen

---

"Bundesverfassungsgericht: Mögliche Väter dürfen Gentest verweigern" (19. April 2016)
Kinder können Männer, die sie für ihren Erzeuger halten, nicht zum Vaterschaftstest zwingen. Dem stünden ihre Grundrechte entgegen, entschied das Bundesverfassungsgericht. ... Das Bundesverfassungsgericht hat entschieden, dass eine Frau ihren vermuteten Vater nicht zu einem Gentest zwingen darf. Das am Dienstag verkündete Urteil bestätigt damit die geltende Rechtslage: Demnach haben nur der Vater, die Mutter und das Kind einer sogenannten rechtlichen Familie gegeneinander einen Anspruch auf einen DNA-Test. Biologische Erzeuger außerhalb einer Familie werden im Gesetz nicht genannt und können deshalb auch nicht zu einem Vaterschaftstest gezwungen werden. ... Damit scheiterte eine 65-jährige Frau, die ihren mutmaßlichen, mittlerweile 88 Jahre alten Vater zu einem DNA-Test zwingen wollte. Der vermutete Vater, der einen Test ablehnt, steht außerhalb der Familie.
Dem Recht, die eigene Abstammung zu kennen, ständen die Grundrechte der anderen von einer Klärung Betroffenen entgegen, sagte Vizegerichtspräsident Ferdinand Kirchhof. Diese würden erheblich belastet. Bei ihm sind demnach durch den Wunsch der Frau das Recht auf informationelle Selbstbestimmung und das Recht auf körperliche Unversehrtheit betroffen. Zudem könne sowohl das Familienleben des Mannes als auch das Familienleben des Kindes und seiner rechtlichen Eltern betroffen sein. ...
http://www.zeit.de/gesellschaft/2016-04/bundesverfassungsgericht-vaterschaftstest-familie-rechtlicher-vater-urteil

Quote
joaber #1

Ist völlig ok, die Entscheidung, und zwar in Bezug auf: eine Mutter darf (offiziell um ebenjenes Recht des KINDES zu schützen) dem Mann auch verweigern, das Kind testen zu lassen, ob ER der Vater ist.

Gleiches Recht für beiden.

"Sollte eine der drei Personen den Test verweigern, kann ein Familiengericht die nicht erteilte Einwilligung ersetzen. Im Zentrum steht das Wohl des Kindes. Grundsätzlich muss auch die Mutter in den Abstammungstest einwilligen und muss die Untersuchung dulden."

https://www.bj-diagnostik.de/vaterschaftstest/mutter-verweigert-einwilligung-vaterschaftstest

Ist wohl rechtlich doch nicht ganz so klar - ich stelle meine Bemerkung mal diskutativ in den Raum...


Die Regelung wurde wohl 2010 geändert....

http://www.sueddeutsche.de/politik/neuregelung-zum-vaterschaftstest-kuckuckskinder-und-zweifelnde-vaeter-1.292368



http://www.zeit.de/gesellschaft/2016-04/bundesverfassungsgericht-vaterschaftstest-familie-rechtlicher-vater-urteil?cid=6509336#cid-6509336

Quote
mr.andersson #2.2

In Ihrem Link geht es um den rechtlichen Vater. Also jemand innerhalb der Familie. Der rechtliche Vater ist z.B. derjenige, der zum Zeitpunkt der Geburt mit der Mutter verheiratet ist. Dieser ist nicht zwnagsläufig der biologische Vater und da erlaubt § 1598a einen Test, auch wenn es einem der Beteiligten nicht passt.

Im Urteil geht es um eine völlig familienfremde Person, von der die Klägerin die Vermutung hatte, dass diese ihr Vater sei. Und man kann nicht einfach irgendwen zu einem Test zwingen, weil man irgendwelche (vielleicht sogar begründete) Vermutungen hat.


http://www.zeit.de/gesellschaft/2016-04/bundesverfassungsgericht-vaterschaftstest-familie-rechtlicher-vater-urteil?cid=6509403#cid-6509403

Quote
mr.andersson #4

Jedes andere Urteil hätte ins Unglück geführt.

Denn dann hätte jede beliebige Person nahezu jeden zu einem Vaterschaftstest zwingen können. Wenn dann tausende von Menschen der Meinung sind, dass die eigene Mutter den damaligen Schlagerstar doch etwas zu sehr angehimmelt hat, würde da einiges auf diese zukommen.

Auch wenn ich den Wunsch nach Klärung der eigenen Herkunft vollumfänglich verstehe, muss es in bestimmten Situationen bei einem Wunsch bleiben.


http://www.zeit.de/gesellschaft/2016-04/bundesverfassungsgericht-vaterschaftstest-familie-rechtlicher-vater-urteil?cid=6509365#cid-6509365

...


"Kommentar Nachweis der Elternschaft: Ein Leben im Ungewissen" Simone Schmollac (20. 4. 2016)
... Menschen, denen diese Erkenntnis verwehrt bleibt, leiden ihr Leben lang unter einer Unruhe und einer Zerrissenheit, die sie selbst nur schwer beschreiben können. Sie fühlen sich getrieben und haben häufig wenig Vertrauen in andere Menschen. Das haben Adoptionsforscherinnen und -forscher hinlänglich bewiesen. Und das bestätigen Frauen und Männer, die sich in einer ähnlichen Situation befinden wie die Klägerin.
Nicht umsonst ist daher das deutsche Recht in dieser Hinsicht mehrfach nachgebessert worden. Kinder können heute in jedem Fall klären lassen, wer ihr rechtlicher Vater ist, verbunden mit allen Rechten und Pflichten. Eine solche Klärung ist heute ohne Vaterschaftstest nicht mehr vorstellbar, sogenannte Kuckuckseltern und Kuckuckskinder fliegen also sowieso irgendwann auf.
Trotzdem kann es zahlreiche Gründe geben, dem Kind die wahre Elternschaft zu verschweigen. Einerseits um das Kind zu schützen. So zumindest stellen es betroffene Eltern gern dar. Andererseits aber auch, um selbst mit heiler Haut davon zu kommen und keine unangenehmen Fragen beantworten zu müssen: Was ist damals passiert? Ein Fehltritt mit unübersehbaren Folgen? Eine Affäre, die anders endete, als sie anfing?
Das Bundesverfassungsgericht hat sachlich geurteilt, es hat persönliche Befindlichkeiten einer Einzelperson gegen das allgemeine Grundgesetz abgewogen. Und unter anderem die Familie des vermeintlichen Vaters ins Spiel gebracht. Könnte die beschädigt werden, wenn jetzt heraus käme, dass es da noch ein weiteres, ein fremdes Kind gibt?
Ja, natürlich würde diese Familie belastet. Aber das ist sie sowieso. Eine Familiengeheimnis, wie auch immer es aussieht, legt sich wie ein dunkler Schatten auf Eltern, Kinder und Enkelkinder. In allen betroffenen Familien. Auch wenn sie davon offiziell gar nichts wissen. Das kann auch kein Gericht ändern.
https://www.taz.de/Kommentar-Nachweis-der-Elternschaft/!5297741/


« Last Edit: August 08, 2016, 03:33:04 PM by Link »

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« Reply #27 on: April 20, 2016, 10:36:57 AM »
"Mit harten Bandagen" Irene Allerborn, Franz Konietzky (18.04.2016)
Türkei - Eine feministische Gruppe kämpft gegen männliche Gewalt – und langt dafür auch selbst zu. Ein Video geht um die Welt: Es zeigt eine aufgebrachte Gruppe Frauen auf dem Campus der Universität Ankara, die auf einen Mann einschlägt. Die wütenden Frauen sind kaum zu halten. Der anwesende Sicherheitsdienst scheint ratlos, er traut sich kaum einzugreifen. Die ungewöhnlichen Bilder finden auf Facebook schnell Verbreitung. Nationale und internationale Medien berichten über das Video. Der Mann, der die Prügel bekommt, ist ein Student der Universität Ankara. Als sich seine Ex-Freundin von ihm trennen wollte, soll er versucht haben, sie zu vergewaltigen. Nach diversen sexistischen und beleidigenden Posts von ihm auf Twitter sucht die Frau Hilfe bei Frauenorganisationen auf dem Campus. ... „Bei den Frauen in der Türkei hat sich viel Wut angestaut. Je mehr Frauen unterdrückt werden, desto mehr Widerstand werden wir leisten“, konstatieren die zwei Campushexen Gözen und Gültekçe. Die Frauenbewegung habe auch schon einiges erreicht. „Durch unseren Widerstand wurde 2012 das Gesetz gekippt, das Abtreibungen verbieten sollte.“ Und auch die Rolle der Frauen bei den Gezi-Protesten 2013 heben sie hervor: „Die Frauen waren qualitativ wie quantitativ stark an den Protesten beteiligt. Die Fotos, auf denen eine Frau von der Polizei mit Pfefferspray besprüht oder eine andere von einem Wasserwerfer angegriffen wird, stehen symbolisch für den Geist, mit dem Frauen in die Proteste hineingegangen sind.“...
https://www.freitag.de/autoren/der-freitag/mit-harten-bandagen

---

"Feridun Zaimoglu zu den Silvesterübergriffen in Köln „Wir Moslems müssen in unserem eigenen Saustall aufräumen“" (berliner-zeitung.de, 29.01.2016)
Kiel - Für den Schriftsteller Feridun Zaimoglu muss die Aufarbeitung der sexuellen Übergriffe in der Silvesternacht in Köln schonungslos offen auch innerhalb der islamischen Gemeinschaft geführt werden. „Frauenverachtung ist geradezu ein Gebot im Judentum, im Christentum und im real existierenden Islam - das nur an die Adresse der Heuchler, die vom Abendland schwätzen und nicht ein einziges Mal die Bibel aufgeschlagen haben“, sagte der Kieler Schriftsteller türkischer Herkunft der Deutschen Presse-Agentur. „Gleichzeitig ist es aber auch genauso falsch zu sagen im relativierenden Ton: Weil es so ist, müssen wir uns nicht damit auseinandersetzen, wir Moslems.“
Der 51-jährige Schriftsteller, der sich selber als Moslem mit einem Kinderglauben bezeichnet, forderte: „Wir Moslems müssen in unserem eigenen Saustall aufräumen. Denn wir haben einen Saustall. Der gelebte Dorf-Islam ist unter aller Sau.“ Er als Schriftsteller könne sich dabei nicht aus der Verantwortung ziehen: „Das wäre ein bisschen feige.“
Die Übergriffe in Köln seien keine Ausreißer gewesen. Es handle sich nicht um eine Krise des Islam, „sondern wir haben eine Krise des moslemischen Mannes. Wir haben eine Krise moslemischer Männer mit Minderwertigkeitskomplexen.“ „Wenn ein Mann unfähig ist, die starke mündige Frau als gesellschaftliche Realität zu sehen, und sich in seiner Herrlichkeit beeinträchtigt fühlt, dann lege ich ihm professionelle Hilfe nahe.“
Insgesamt bewertete Zaimoglu die Debatte über die Kölner Silvesternacht als sehr positiv: „Entgegen irgendwelcher seltsamen Vermutungen ist die freie Rede bei uns in Deutschland vorherrschend - und das ist wunderbar.“ Die sexuellen Übergriffe müsse man geißeln, „so wie man sonst von ostdeutschen Nazis spricht oder westdeutschen Hooligans. Ich verstehe nicht, warum man sich plötzlich an dieser Stelle zurückhalten muss oder wieso die Beschwichtiger dann darauf hinweisen wollen, dass man jetzt vorsichtig sein soll“, sagte Zaimoglu. ...
Die Gefahr einer wachsenden Kluft in der Gesellschaft sieht Zaimoglu durchaus: Es fehle an Solidarität untereinander. Die Stimmung sei gekippt wegen bestimmter seltsamer Entscheidungen von oben. „Und unten zünden jetzt irgendwelche Vollidioten Flüchtlingsheime an oder träumen von einem reinen Abendland. Die armen Schweine gehen aufeinander los. So war es immer, so wird es immer weitergehen.“ Dabei führten die christlichen Kirchen und die islamischen Verbände schon seit einiger Zeit einen Dialog und kämen friedlich miteinander aus. „Es geht nicht um Religionen, es geht darum, dass Menschen mit religiösem oder nationalem Anstrich - seltsame Borderline-Menschen da draußen - den sozialen Frieden zu Klump schlagen wollen. Und darüber müsste man sich unterhalten“, sagte Zaimoglu. ...
http://www.berliner-zeitung.de/kultur/-feridun-zaimoglu-sote-in-eigenem-schweinestall-aufraeumen-23521424
« Last Edit: June 04, 2016, 10:56:13 AM by Link »

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« Reply #28 on: May 14, 2016, 01:21:31 PM »
Quote
[...] Hegel erklärte in den Grundlinien der Philosophie des Rechts, Frauen und Politik passten schlecht zusammen: "Stehen Frauen an der Spitze der Regierung, so ist der Staat in Gefahr, denn sie handeln nicht nach den Anforderungen der Allgemeinheit, sondern nach zufälliger Neigung und Meinung." Als Frauen zu Beginn des 20. Jahrhunderts für das Frauenwahlrecht kämpfen, befürchtete man, sie würden sich nicht mehr um den Haushalt kümmern, ihre Kinder verelenden lassen und ihre Männer knechten. Als Frauen in den Siebzigerjahren für das Recht auf Abtreibung kämpften, warf man ihnen unter anderem vor, sie wollen nur "durch die Betten hüpfen". Und als es vor Kurzem in Deutschland darum ging, ob die Pille danach als Notfallverhütung rezeptfrei erhältlich sein sollte, wie in vielen anderen Ländern auch, da wurde der gesundheitspolitische Sprecher der CDU, Jens Spahn, nicht müde zu erklären, dass solche Pillen "nun mal keine Smarties" seien, ganz so als würden Frauen anfangen, sich davon zu ernähren, sobald sie frei in der Apotheke verfügbar wären.
Die Frau, das irrationale Wesen, das Freiheit nicht verträgt und sogar vor sich selbst beschützt werden muss - so weit, so traditionell und frauenfeindlich.
Aber es ist eben nicht nur das. Die Idee, es könnte nach einer Erweiterung des Sexualstrafrechts massenhaft zu Falschbeschuldigungen kommen, zeigt, wie sehr wir daran gewöhnt sind, zuerst an Männer zu denken.
Und das, obwohl die Lage so klar ist. Jede siebte Frau in Deutschland erlebt schwere sexualisierte Gewalt. Die allermeisten Frauen, die vergewaltigt werden, zeigen die Tat nicht an (je nach Studie 85 bis 95 Prozent), und in den meisten Fällen, in denen eine Tat angezeigt wird, kommt es nicht zu einer Verurteilung. Es gibt also offenbar erstens das Problem, dass sexualisierte Gewalt sehr verbreitet ist und zweitens das Problem, dass Frauen, die solche Gewalt erleben, sehr häufig erleben müssen, dass sie rechtlich nicht hinreichend geschützt sind. Als Falschbeschuldigungen werden in Deutschland laut einer Studie der London Metropolitan University aus dem Jahr 2009 gerade einmal drei Prozent der Anzeigen eingeschätzt.
Und trotzdem ist der erste - und letzte - Gedanke vieler, die von einer Verschärfung des Sexualstrafrechts hören: Ja, aber ist das nicht blöd für die Männer?
Im Ernst? Ich weiß, es ist schwer. Uns allen hat das Patriarchat tief ins Hirn geschissen, dass Männer mehr wert sind als Frauen, und es ist unglaublich schwer, sich das alles wieder aus dem Kopf zu kratzen. ...

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CobCom gestern, 21:13 Uhr
[Zitat von Balschoiw]Es ist schon weltfremd, den Frauen jetzt auch noch eine körperliche Verteidigungspflicht mit auf den Weg zu geben, um nach einer Vergewaltigung überhaupt von einer Vergewaltigung sprechen zu dürfen. Das ist schlicht krank. Sobald sexuelle Handlungen nicht einvernehmlich stattfinden müssen sie geahndet werden und der Opferschutz solte hierbei an oberster Stelle stehen. Ich stimme ihrem Kommentar ausdrücklich zu Frau Stokowski. Das was hier an "Neuerungen" implementiert werden soll ist weltfremd und hirnverbrannt und zutiefst frauenfeindlich.
Diese Strafbarkeit entspricht bereits der aktuellen Rechtslage und der Rechtstheorie. Das Problem ist die Rechtspraxis, genauer, die Beweisführung. Ist es so schwer, zu kapieren, dass ein Gericht Probleme bekommt, wenn zwei durch eine Tür in ein Zimmer gehen, unstreitigerweise und ohne merkwürdige Spuren zu hinterlassen miteinander schlafen, wieder herauskommen und dann zwei komplett unterschiedliche Geschichten erzählen? Da gibt es einfach die Schwierigkeit, dass das Gericht ganz überwiegend von Schuld, Vorsatz und objektiver Erfüllung des Tatbestands überzeugt sein muss, um zu verurteilen. ...


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vera gehlkiel gestern, 21:05 Uhr
[Zitat von Klaus Klammer]sage ich zu meiner Frau, es ist genug. Nein, ich will keinen Nachschlag auf den Teller. Es hilft nichts. Sie legt weiter drauf. Ich fühle mich gemästet, leide unter Adipositas und finde kein Gegenmittel. Sicher, ich könnte den Teller auch an die Wand schmeissen oder ihn einfach ganz entschieden wegschieben aber ein NEIN muss doch ausreichen. Wenn ein blosses NEIN nicht reicht, dann bin ich Opfer brutaler Gewalt.
Ihnen würde ich einfach mal gönnen, dass sie drei muskelbepackte angesoffene Typen in irgend einer schmierigen Ecke abpassen. Es soll für sie nicht zum "Äussersten" kommen müssen (auch Männer werden ja gelegentlich Opfer von sexualisierter Gewalt), aber zehn Minuten richtig Schiss vor dem, was gleich passieren könnte, sollten sie schon haben. Die Hände von denen an sich, ihre hässlichen Fratzen in unmittelbarer Nähe ihres eigenen Gesichtes erleben. Vielleicht, dass man sie einfach mal nacheinander küsst, und ihnen jeder von denen einmal in Ruhe die Hand in den Schritt legen darf; was sie still aushalten, damit die ihnen ihr Gesicht nicht zu Brei zerschlagen. Und dann könnten sie ganz lieb und nett bitte bitte, lasst mich doch gehen, sagen; und diese Jungens gucken sich an und sagen: komm lass diese dämliche Schlampe doch, dahinten kommt sowieso jemand. Puh, sagen sie dann bestimmt zu ihrer Frau, mit ist heute was Lustiges passiert. Und sie sind, ei der Daus, noch nicht mal vergewaltigt worden, geschweige denn, sie hätten deutlich "Nein" gesagt. Diese Typen können jeden Tag an ihrem Haus vorbeigehen, was die mit ihnen gemacht haben, ist nur ein nettes Gespräch.

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denis_werner gestern, 20:39 Uhr
Letztlich geht es doch darum, Gewalt gegen Frauen zu vermeiden, oder? Wenn dem so ist, dann wird vermutlich kein Gesetz der Welt helfen, die Gewalt tatsächlich zu reduzieren, wenn nicht grundlegendere Diskussionen geführt werden. Dass ein "Nein" alleine schon ausreichen muss, um dann dennoch erzwungenen Sex strafbar zu machen, ist selbstverständlich, da es ein unrechtmäßiger Eingriff in die schutzbedürftige Intimsphäre eines anderen Menschen ist. Aber mit Gesetzen alleine lassen sich keine Ursachen beseitigen. Diese sind meines Empfindens nach tiefer verwurzelt, z.B. in gesellschaftlichen Strukturen.


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Die Zahl der falschen Beschuldigungen ist viel höher
agt69 gestern, 18:38 Uhr
Als Vater zweier Töchter wünsche ich mir für Sexualstraftäter, die der Tat überführt wurden, die härtest mögliche Strafe. Ich wehre mich gegen jede Form der Verharlosung sexuellen Mißbrauchs und Aussagen wie "sie hat es doch auch gewollt" oder "dann hätte sie sich anders anziehen müssen" sind für mich das allerletzte. Ich unterstütze jede Verschärfung des Sexualstrafrechts! Ich finde es aber nicht in Ordnung, wie in diesem Artikel über die Möglichkeit einer Falschbezichtigung hinweggewischt wird, als sei das alles ein Hirngespinnst des Patriarchats. Die Aussage, die Quote falscher Beschuldigungen läge bei 3%, ist einfach nicht haltbar. Ich zitiere hier aus einem Artikel der ZEIT: " Der Kieler Psychologieprofessor Günter Köhnken, einer der gefragtesten Glaubwürdigkeitssachverständigen Deutschlands, schätzt die Quote der Falschbeschuldiger unter den von ihm Untersuchten auf 30 bis 40 Prozent. Klaus Püschel, Direktor des Rechtsmedizinischen Instituts Hamburg, das die größte deutsche Opferambulanz betreibt, konstatiert, im Jahr 2009 hätten sich 27 Prozent der angeblich Vergewaltigten bei der ärztlichen Untersuchung als Scheinopfer erwiesen, die sich ihre Verletzungen selbst zugefügt hatten. Nur in 33 Prozent der Fälle habe es sich erwiesenermaßen um echte Opfer gehandelt, bei den restlichen 40 Prozent sei die Rechtsmedizin zu keinem eindeutigen Ergebnis gekommen. Die Tendenz zum Fake hat laut Püschel erst in den vergangenen Jahren eingesetzt. Bis dahin habe die Falschbeschuldigungsrate über Jahrzehnte konstant bei fünf bis zehn Prozent gelegen." Nachzulesen hier: http://www.zeit.de/2011/28/DOS-Justiz/komplettansicht Falschbeschuldigung wird im Sexualstrafrecht zu einem zunehmenden Thema, grade wenn die Beziehung in die Brüche geht und Sorgerechts- und Unterhaltsstreitigkeiten anstehen. Daher ist es auch sinnvoll, wenn der Gesetzgeber dies berücksichtigt und Polizei und Gerichte entsprechend sensibilisiert werden. Ich würde mir von einer bekennenden Feministin wie Ihnen, Frau Stokowski, einmal einen Artikel wünschen, die mit all jenen Ihrer Geschlechtsgenossinnen hart ins Gericht geht, die den Vorwurf der Vergewaltigung für ihre persönliche Rache, oder einfach nur zum finanziellen Vorteil nutzen und damit den wirklichen Opfern schwersten Schaden zufügen.


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SchlechteReformSchlechterKommentar
Barillapestoistliebe gestern, 18:32 Uhr
Grundsätzlich haben Sie ja Recht. Der neue Entwurf ist nicht gerade ein Glanzstück. Ihr Kommentar liest sich aber ein bisschen arg einseitig. Zum Beispiel wenn Sie darauf hinweisen, dass nur ein Bruchteil der tatsächlichen Vergewaltigungen angezeigt wird. Hier muss man durch bessere Aufklärung oder möglicherweise einer geeigneten Anlaufstelle für Frauen in so einer Situation Abhilfe leisten. Ein schärferes Gesetz hilft da erstmal auch nicht. Das "Nein heißt Nein" sollte trotzdem rein. Es ist nachvollziehbar dass es Frauen gibt, die aus Panik/Schock/Angst die Sache einfach nur hinnehmen weil sie sich nicht mehr trauen sich zu wehren. Trotzdem glaube ich dass das vor Gericht einfach schwierig wird wenn es sonst keine Beweise gibt. Letztlich heißt es im Strafrecht grundsätzlich "im Zweifel für den Angeklagten". Wo wir wieder bei dem Punkt wären, dass das grundsätzliche Problem der geringen Verurteilungen und Anzeigen dadurch auch nicht verbessert wird. Der Vorwurf dass die bösen Männer hier Schuld sind, an die immer zuerst gedacht wird finde ich aber daneben. Und zu Ihrer Statistik, wie viele Männer Opfer falscher Beschuldigungen werden: Das ist im Übrigen umstritten. Fakt ist, auch wenn das Verfahren eingestellt wird, ist danach das Leben für den betroffenen Mann gelaufen. Zumindest wenn es ein Mann ist der irgendwie richtig im Leben steht und soziale Bindungen sowie einen ordentlichen Beruf hat. ... In diese Richtung muss also auch gedacht werden. Verstehe nicht, wieso man da nicht normal diskutieren kann was das Beste ist, sondern so einen merkwürdigen Geschlechterkampf daraus machen muss.

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Problem mit dem Inhalt der Kolumne
Racer77 gestern, 18:30 Uhr
Ich habe ein ganz klares Problem mit dem Inhalt dieser Kolumne. Es wird mir einmal wieder zu pauschal davon ausgegangen, dass Frauen immer nur Opfer und Männer immer nur Täter bei Vergewaltigungen sind. Wenn im Text steht, dass 85-95% aller Frauen eine Vergewaltigung nicht anzeigen, so vermute ich mal, dass mindestens 99% der Männer eine Vergewaltigung nicht anzeigen werden. Sei diese Vergewaltigung von einer Frau oder einem Mann durchgeführt worden. Ja, auch Frauen können Männer vergewaltigen, also zum Sex zwingen. Kommt insbsondere bei Vergewaltigungen im Rahmen einer Beziehung vor. Aber sowohl in diesen Fällen als im auch im Fall häuslicher Gewamt wird leider immer noch vom männlichen Täter und weiblichem Opfer ausgegangen. Vielleicht muss man das auch einmal aus den Hirnen der Feministinnen auskratzen, wie ja die liebe Frau Stokowski es mit dem Patriarchat bei den Männern tun möchte...


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Ich als Mann
bouncyhunter gestern, 19:24 Uhr
möchte erobert werden!Kommt her ihr Frauen!Nach den ersten Körperkontakten eurerseits entscheide ich selbst ob ich das stimulierend finde,oder einen Grund für eine Anzeige suche(vielleicht abhängig von eurem Aussehen oder Geldbörse).Auch ein von mir dahingehauchtes "Nein" könntet ihr als kokette,laszive Anweisung deuten,es weiter zu versuchen.Viel Spass mit mir!!!


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Wenn es nicht...
arlteagan gestern, 20:33 Uhr
...so traurig wäre, könnte man sich fast darüber amüsieren, wie diese Debatte geführt wird. Worum geht es denn hier? Es sollen Menschen geschützt werden vor kriminellen Übergriffen in die Selbstbestimmung. Absolut richtig! Aber während einige der Beteiligten Vergleiche ziehen, drehen andere die Worte von rechts nach links - und insgesamt wird das Thema (mal wieder) eher zerstückelt als gelöst. Warum ist es denn so wichtig, genaue "Abläufe" festzuschreiben? Ist es tatsächlich nötig, dass ein "Nein" geäußert werden muss? Gilt das dann nur für die deutsche Sprache - oder ist ein "Non" auch okay? Fällt "Bitte nicht" oder "Lass mich in Ruhe" auch darunter? ... Es geht doch darum, dass Menschen sich gegen (sexuelle) Gewalt wehren können bzw. davor geschützt werden. Und wer bei anderen diese Selbstbestimmung missachtet, soll bestraft werden. Wie wäre es, wenn auch der gesunde Menschenverstand mal wieder zählen darf? Auch die Gerichte machen sich ja ein Bild von der Tat - und alle möglichen Konstellationen sind in Worten von Paragraphen gar nicht abzubilden. Reicht es denn nicht, den Strafrahmen für Taten gegen die sexuelle Selbstbestimmung festzulegen? Und warum wird überall Gerechtigkeit betont - und selbst von mutmaßlich sehr gebildeten und informierten Menschen ständig von Frauen als Opfern gesprochen? Sind Männer per definitionem immun gegen sexuelle Gewalt? Ich finde es unfassbar schade, dass ein so wichtiges Thema nicht so vernünftig behandelt wird, wie es möglich wäre. Daten gibt es genug - und intelligente Menschen gibt es auch genug. Aber das scheint auch in Kombination nicht zu reichen. Frustrierend.


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Vergewaltigungsparagraf
Mimeu gestern, 18:27 Uhr
Also nur zur Erinnerung: Schon jetzt ist es strafbar, gegen den Willen des anderen jemand zum Sex zu zwingen. Das muss auch nicht mit Gewalt sein. Es geht auch mit Drohungen, Ausnutzen von Machtstellungen, und mehr. Es stimmt einfach nicht, dass Sex gegen den Willen des anderen nicht bestraft werden kann. Also gilt heute schon, dass Nein Nein heißt. Die Probleme, etwas zu beweisen, wenn zwei Leute miteinander allein waren, werden dieselben bleiben, auch wenn man die Strafen verschärft.


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Furiosus gestern, 18:22 Uhr
Warum ist es denn für die Autorin und andere Laien so schwer zu verstehen, dass es sich um ein Beweisproblem und nicht um ein materielles Rechtsproblem handelt, was dazu führt, dass keine Reform daran etwas ändern könnte. Ein nein reicht auch heute, entgegen falscher anderslautender Behauptun, absolut für eine Vergewaltigungsstrafbarkeit aus. Das Problem ist, dass in einem Fall, in dem Aussage gegen Aussage steht und sonst keine Beweismittel (etwa Kampfspuren, daher dieser Mythos, dass verlangt würde, dass das Opfer sich wehrt ) in einem Rechtsstaat in dubio pro reo freigesprochen wird. Was ist die Lösung der Autorin? Unschuldsvermutung abschaffen? Das ist das einzige, was "helfen" würde. Damit würden wir uns vom Rechtsstaat verabschieden. Ansonsten muss die Autorin und alle anderen akzeptieren, dass es sich um ein rechtstaatliches Dilemma handelt, das schlichtweg nicht lösbar ist.


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So, jetzt nochmal was...
DDM_Reaper20 gestern, 19:25 Uhr
...als Mann kann ich nur folgende Verhaltensregeln empfehlen, sollte ein Mann den Drang verspüren, mit einer Frau zu schlafen: 1. Sei absolut EHRLICH. Sage, was du willst, mit klaren Worten. --> "Willste ficken" ist "Wollen wir nicht schick was essen gehen und 'ne Runde tanzen" ganz klar den Vorzug zu geben, da mit ersterem ganz eindeutig geklärt ist, was der Abend bringen soll. Keine falsche Erwartungen wecken! 2. NIEMALS eine Frau mitnehmen (oder sich mitnehmen lassen), wenn Frau nicht den Eindruck erweckt, 100%ig Herrin ihrer Sinne zu sein. Das leiseste Anzeichen eines drohenden Kontrollverlustes von Seiten der Dame muss mit höflichem Rückzug beantwortet werden. 3. Es muss alles beweisbar sein. Die Bereitschaft zum Koitus muss von beiden Seiten lückenlos nachweisbar sein. Sprich: (Notariell) aufgesetzter Vertrag über den Beischlaf, von beiden Seiten zu unterzeichnen, im günstigsten Falle im Beisein zweier Zeugen (die sich, natürlich, per Personalausweis auszuweisen haben; Freunde des Mannes sind NICHT zugelassen). Natürlich muss ebenfalls genau Klarheit darüber geschaffen werden, was geht und was nicht geht. Die Benutzung von Kondomen bzw. deren Unterlassung ist festzuhalten (siehe Fall Assange!). Sollte die Frau sich bereitfinden, darauf zu verzichten, ist sie anzuhalten, dies leserlich (!) handschriftlich zu bekunden, versehen mit Ort, Datum, Uhrzeit, Unterschrift. Des Weiteren muss der eigentliche Akt natürlich aufgezeichnet werden, am besten mit mindestens vier Kameras (UHD-Auflösung dringend empfohlen, um Unklarheiten zu vermeiden). Alle 15 Sekunden sind dabei vom Mann sämtliche Aktivitäten einzustellen; dieser hat sich durch Nachfragen zu vergewissern, dass die Frau weiterhin seine sexuelle Aufmerksamkeit wünscht. Dies ist schriftlich festzuhalten! 4. Nach erfolgtem Verkehr haben beide Seiten schriftlich zu versichern, dass der Verkehr der Frau nicht aufgezwungen wurde; auch dies ist schriftlich zu fixieren. Kopien von der Videoaufnahme gehen an beide. 5. Am sichersten ist es, wenn beide Parteien nach erfolgtem GV unverzüglich eine Sexual-Ombudsperson aufsuchen, die beide Partner nochmals befragt, ggf. mittels Alkoholtester auf (Geschlechts)verkehrstauglichkeit überprüft und Kopien vom Video anfertigt, um nachträgliche Manipulationen ausschließen zu können. So, wem das jetzt arg zynisch rüberkommt: Wäre ich nicht verheiratet, und zwar mit einer Frau, die mir stets genau sagt, was sie will (und nicht will), würde ich mich ganz sicherlich an Punkt 1 halten (aber, sehr viel wahrscheinlicher, würde ich es ganz einfach bleiben lassen).


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hinschauen gestern, 19:45 Uhr
Und der umgekehrte Fall: Frau fasst Mann zwischen die Beine? Habe ich selbst erlebt und oft genug bei anderen gesehen, wenn Frauen stark alkoholisiert waren. Ich sagte "Nein", mehrfach - was nichts half. Selbst Wegdrücken half nichts. Und wenn ich dann darüber nachdenke, wegzuschubsen oder gar zu schlagen, bin ich ganz schnell in der Situation, dass ICH der Gewalttäter bin. Denn Beobachter, die sehen, dass ein Mann eine Frau schubst oder schlägt, fragen in der Regel nicht nach Umständen oder Gründen, sondern helfen sofort der Frau. Was lernen wir daraus: Die Realität, Frau Stokowski, und Ihre Vorstellungen passen oft schwer zusammen.



Aus: "Sexualstrafrecht: Wäre die Vagina doch ein Auto" Aus einer Kolumne von Margarete Stokowski (28.04.2016)
Quelle: http://www.spiegel.de/kultur/gesellschaft/sexualstrafrecht-waere-die-vagina-doch-ein-auto-kolumne-a-1089732.html
« Last Edit: May 14, 2016, 01:24:26 PM by Link »

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""Critical Whiteness": Die unsichtbare weiße Norm" Christoph David Piorkowski (17.05.2016)
„Critical Whiteness“, die "kritische Weißseinsforschung", versteht Rassismus als gesellschaftliche Struktur und beschreibt „Weißsein“ als häufig unerkanntes Privileg.
Unmittelbar nach den Übergriffen in der Kölner Silvesternacht titelte der „Focus“ mit einem Bild, das einen von schwarzen Handflächen besudelten weißen Frauenkörper zeigte. Die physische Markierung der blonden Weißen durch die schwarzen Hände offenbarte dabei jene symbolische Markierung, mit der Menschen of Colour im Kontext einer „weißen“ Wissensbildung bis heute versehen werden. Die Darstellung bediente sich des Stereotyps vom dunkelhäutigen, triebgesteuerten Orientalen als minderwertigem Gegenbild zum weißen, vernunftzentrierten Abendländer.
Rassismus hat trotz der wissenschaftlichen Diskreditierung des Rassekonzepts weltweit Konjunktur, zumal in Deutschland, wo sich die sogenannte „Volkszugehörigkeit“ ungeachtet der Schoah bis heute über Abstammung definiert. Auch wenn sich die Gesetzeslage allmählich aufweichen sollte, ist das Ius sanguinis tief in den Köpfen der Menschen verankert.
Dass die Jurorin einer beliebten deutschen Casting-Show ihre dunkelhäutige Teilnehmerin auf deren vermeintliche Fremdheit verpflichtet, obwohl diese Deutschland als Herkunftsland aufführt, bringt die ganze Misere auf den Punkt. Nicht bloß wer in Sachsen „Wir sind das Volk“ skandiert, auch wer einem Schwarzhaarigen mit dunklerem Teint zu seinen guten Sprachkenntnissen gratuliert oder fragt, wo dieser denn eigentlich herkomme, setzt deutsch mit weiß (und christlich) in eins.
Gerade vor dem Hintergrund der in Deutschland aufkeimenden Volksdiskurse lohnt ein Blick auf das in den letzten Jahren viel diskutierte, aus den Thinktanks der afroamerikanischen Bürgerrechtsbewegung herrührende Konzept „Critical Whiteness“. Anfang der Nullerjahre gelangte es unter dem etwas sperrigen Label „Kritische Weißseinsforschung“ nach Deutschland und wird seither von verschiedenen Fachbereichen wie der Literaturwissenschaft, der Soziologie und der Afrikanistik rezipiert. Gleichzeitig haben die theoretischen Grundsätze Eingang in die antirassistische Praxis verschiedener Autoren- und Aktivistengruppen gefunden. Weit davon entfernt, eine einheitliche Theorie zu sein, ist den verschiedenen Ansätzen jedoch eines gemeinsam: Rassismus wird nicht als alleiniges Problem zu spät gekommener Hinterwäldler, sondern als eine die Gesellschaft strukturierende Matrix verstanden. ...
http://www.tagesspiegel.de/wissen/critical-whiteness-die-unsichtbare-weisse-norm/13600832.html


"Menstruation: Die blutige Revolution" Sophie Schimansky, New York (24. Mai 2016)
Plötzlich wird in den USA öffentlich über Menstruation gesprochen. Angestoßen hat die Debatte eine junge Unternehmerin mit provokanter Werbung für einen neuartigen Slip. ... Bisher behandeln Schulen Menstruation nur am Rande. Grundschülerinnen etwa werden an einem einzigen Tag über die Menstruation aufgeklärt, oft dürfen die Jungen in der Klasse dabei nicht anwesend sein. Gegenüber Männern erwähnen viele Amerikanerinnen das Thema nicht gern. Kein Wunder, da viele Männer das Thema entweder ignorieren, eklig finden oder schlimmstenfalls frauenverachtende Kommentare dafür übrig haben. Ein Beispiel dafür ist der republikanische Präsidentschaftskandidat Donald Trump. Vor laufender Kamera beleidigte er die TV-Journalistin Megan Kelly, indem er sagte, sie sei wohl gerade so bissig, weil sie aus den Augen und "woraus auch immer" blute. Firmengründerin Agrawal findet es unerträglich, dass öffentlich auf diesem Niveau diskutiert wird. "Ich will, dass Menschen über die Periode reden, ohne Scham zu empfinden", sagt sie. ...
http://www.zeit.de/wirtschaft/2016-05/menstruation-thinx-usa-debatte-slips


"Kalter Krieg der Geschlechter" Stephan Schleim (30.05.2016)
Ein wesentlicher Grundpfeiler feministischer Diskurse ist die Berufung auf die allgemeine Aussagekraft subjektiver Erlebnisse (engl. "lived experience") unter Rückgriff auf Arbeiten des Phänomenologen Wilhelm Dilthey (1833-1911). Das wird von manchen heute so verstanden, dass die geäußerten Erfahrungen einer Sprecherin nicht hinterfragt werden dürfen.
Erlebte Mikroaggressionen sind dann Mikroaggressionen, erlebte sexuelle Belästigungen sind dann sexuelle Belästigungen; und erlebte Vergewaltigungen sind dann Vergewaltigungen. Die "skeptische Feministin" Janet Radcliffe Richards, Professorin für Praktische Philosophie an der Oxford University, wies schon in den 1980er und 1990er Jahren wiederholt darauf hin, zu welchen Problemen in der Debattenkultur es dadurch kommt.  ...
So berichtete der Guardian, dass Diskussionen zu umstrittenen Themen wie Prostitution, Abtreibung, Islam oder Transgenderismus schwieriger und teurer durchzuführen würden; letzteres wegen kostspieliger Sicherheitsmaßnahmen. Aufgrund von Protesten hätten Veranstaltungen bereits wiederholt abgesagt werden müssen. ... Universitäten, einst ein Ort der (gerne auch kontroversen) Ideenvielfalt, würden sich zunehmend darum sorgen, niemandem emotional zu nahe zu treten. Ansonsten drohe ein Publicityschaden. ...
In der Debatte um Sexismus und Feminismus wird viel von Gleichberechtigung und Gleichstellung geredet. Wie hier gezeigt wurde, wird Gewalt gegen Männer von politischer und institutioneller Seite aber oft noch nicht einmal erhoben. Ich halte es für fraglich, ob die angestrebte, gerechte und gewaltfreie Gesellschaft erreicht werden kann, wenn man mehr als die Hälfte der Opfer schwerer Gewaltverbrechen schlicht aus der Diskussion ausklammert.
Diesem Widerspruch scheinen sich auch manche Feministinnen bewusst zu sein: Wenn das Normale nicht kriminell genug ist, dann kriminalisiert man eben das Normale. Hinweise darauf sind neben der einseitigen Definition von "Vergewaltigung" in den USA oder dem unplausibel weit gefassten Begriff der "sexuellen Belästigung" in der Prävalenzstudie des Frauenministeriums auch die Mikroaggressionen. Wie es ein Telepolis-Leser jüngst im Forum formulierte: Kommen als Nächstes noch Nano-, Piko- und Femtoaggressionen? ...
Für Männer sollte aber auch deutlich werden, dass sie den Diskurs darüber, wie Menschen im 21. Jahrhundert miteinander umgehen, nicht nur einer Seite überlassen können. Anzeichen eines Männer-sind-Täter-Denkens finden sich schon heute. ...
http://www.heise.de/tp/artikel/48/48267/1.html

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     Gast-Redner, 30.05.2016 09:46

Sex, Aberglaube und Pseudomoral

Es ist immer wieder das Gleiche, in einer egoistischen Gesellschaft wird jedes Mittel genutzt, um sich Vorteile oder die Kontrolle über andere zu beschaffen. Männer tun das, Frauen auch.

Männer tun es, in dem sie Frauen jegliche Rechte absprechen und sie zu „Dingen“ degradieren. Deshalb gibt es Zwangsheirat, in dem sich die reichen Männer die Frau aussuchen können und ohne sie umwerben zu müssen bekommen.
Frauen tun es, in dem sie eine opulente Feier verlangen (um den Stand sicherzustellen) und sich vertraglich versichern lassen, dass sie bis zum Tode versorgt wird, heute sogar zwei Mal. Das nennt man Heirat oder Eheversprechen.

Mit der Aufklärung wurden diese Muster etwas aufgeweicht und ummodelliert, aber ganz verschwunden sind sie nicht. Beispiel: als ich noch ein armer Student war und nur ein paar Jeans hatte, haben die Mädels oft die Augen verdreht, wenn ich mit denen ins Gespräch kommen wollte. Dabei hatte ich sehr, sehr viele „Freundinnen“, die sich oft gemeldet haben, wenn sie Probleme beim Lernen oder mit dem Computer hatten, bei mir übernachten wollten oder Hilfe beim Umzug brauchten, oder wenn sonst was nicht in Ordnung war. Ganz verkehrt konnte ich so doch nicht sein, oder? Aber, zum Tanzen oder in den Urlaub gingen sie mit den Jungs mit den BMWs oder sonstigen Karren, mit den hübschen Anzügen und Goldkettchen. Sie waren in der Regel 2-3 Jahre älter, aus „gutem Hause“ und kein Kind des Proletariats, wie ich.

Wo liegt das Problem? Es gibt viele Frauen, welche es als Belästigung ansehen, wenn sie jemand anspricht, der nicht der Qualitäten eines Clooneys oder Pitts hat, da kann man noch so charmant sein oder echte Gefühle zeigen. Aber, nicht jeder kann es eben so charmant rüberbringen und hat auch nicht die Kohle und den Flair dieser Omegas. Aber, die Frauen vergessen auch eins: auch sie sind nicht immer die Omegas, für die sich halten; was nutzt mir eine Hübsche, wenn ihre einzige Themen Klamotten und Nagellack ist und ihr einziges Interesse an mir ist, ob sie sich dann noch mehr Klamotten und noch mehr Nagellack leisten kann. Aber, um sowas rauszufinden muss Mann die Frau ansprechen und sie kennenlernen und sie muss fairer Weise ihm dazu eine Chance geben und nicht sofort „Belästigung“ schreien.

Und das letzte: so viele gestörte Männer es geben soll, so viele Frauen gibt es auch. Frauen sind keine Engel, die nur „spielen“ wollen, sie haben durchaus handfeste (biologische) Interessen. Es gibt Männer, die gegenüber Frauen gewaltig sind und das darf nicht toleriert werden. Es gibt aber auch sehr viele Frauen, die sehr gewalttätig sind, meist nicht körperlich. Aber, Liebesentzug, das permanente herumhacken am vermeidlich schlechtem Lebensstandard, das sie sich nichts leisten kann, dass sie daheim so viel arbeiten muss, diese permanente „Unzufriedenheit“ tun dem Männern genau so weh, als würde man sie jeden zweiten Tag verprügeln und das meine ich wörtlich. Es gibt Studien die zeigen, dass seelischer Schmerz die gleichen Wunden und Traumata hinterlässt, wie körperlicher.

Und dass sollen Frau und Mann einsehen: sie sind zwei Teile einer Einheit, unterschiedlich, aber ergänzend. Keiner kann wirklich ohne den anderen glücklich leben. Deshalb sollten Frauen lernen, auch mal charmant zu sein, wenn ein Typ nicht gerade den(!) Einfall des Jahrhunderts hat, um sie anzusprechen und Männer sollten ab und zu zuhören, was uns die Mädels so erzählen.

Und für beide gilt: auf dem Teppich bleiben, sich auf Augenhöhe begegnen.

Das Posting wurde vom Benutzer editiert (30.05.2016 09:49).


...
« Last Edit: May 30, 2016, 12:19:24 PM by Link »

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[...] Die Künstlerin Sophia Hewson will das Thema Vergewaltigung entmystifizieren und die Unterdrückung von Frauen in der Gesellschaft aufbrechen. Daher stellte sie selbst eine nach. ... Mit Performance-Kunst möchte die australische Künstlerin Sophia Hewson auf die patriarchalische Natur von sexueller Gewalt aufmerksam machen: Sie filmte sich selbst bei einer „Vergewaltigungsdarstellung“. Dafür lud sie einen fremden Mann mit dem Pseudonym „Bob“ in ihr New Yorker Zuhause ein und filmte sich beim Sex.

Die 31-jährige Künstlerin thematisiert mit ihrem Video die Beziehung zwischen weiblicher „Objektivierung“ und männlicher Dominanz. Sie versteht Vergewaltigung nicht nur als ungewollten Sexualakt, sondern als Teil unserer patriarchalischen Gesellschaftsordnung. Geht es nach der Künstlerin müsse man beim Kampf gegen die männliche Dominanz in der Gesellschaft genau an dieser Stelle ansetzen. „Wenn eine Vergewaltigung die ultimative Waffe zur weiblichen Beherrschung ist, dann untergräbt jede andere Reaktion als permanentes Betroffensein diese Beherrschung.“

Die bewusste und freiwillige Entscheidung, das Gesicht einer Frau während der Vergewaltigung zu zeigen, sei laut Sophia der beste Angriff auf das Patriarchat. Damit die männliche Unterdrückung von Frauen in der Gesellschaft aufgehoben werden kann, müsse das Thema Vergewaltigung entmystifiziert werden.

... Laut Sophia leben wir in einer Welt, in der wir gezwungen werden, bei Vergewaltigungsverbrechen eine Entscheidung zu treffen: Ist sie eine tief bestürzte Frau oder ein schuldiges Flittchen? Ist er ein diabolischer Verbrecher oder ein gequälter Mann? Gerade auch Sophias selbst gewählte Opferrolle und der Sex mit einem fremden Mann im Namen der Kunst würde die Frage nahelegen: Wer benutzt hier wen?

... Ihr Video würde sich gegen die Scham und Stigmatisierung von Opfern von sexuellen Übergriffen richten. Es sei zudem eine Hommage an all jene Künstlerinnen, die ihren Körper bewusst dazu einsetzen, die patriarchalische Gesellschaftsordnung zu destabilisieren.

In einer Stellungsnahme auf ihrer Website schreibt Sophia: „Ich hatte nie Vergewaltigungsfantasien und empfand beim Dreh keinerlei körperlichen Gefallen.“ Das vollständige Video gibt es ausschließlich im Rahmen ihrer Ausstellung in Melbourne zu sehen.

...

Aus: "Künstlerin simuliert eigene Vergewaltigung, um männliche Dominanz aufzubrechen" Philipp Kienzl (05/2016)
Tags: Dominanz, Film, Geschlechterrollen, Kunst, Simulation, Unterdrückung, Vergewaltigung
Quelle: http://ze.tt/kuenstlerin-simuliert-eigene-vergewaltigung-um-maennliche-dominanz-aufzubrechen/


The video Untitled ("are you ok bob?") shows the face of the artist as she experiences a selforchestrated 'rape representation'. The scene was arranged and choreographed by the artist, it was also unsimulated and enacted by a stranger who came to her home. ...
http://media.wix.com/ugd/215773_71efbeec1afa42159d8250664abe9806.pdf

http://www.sophiahewson.com/
« Last Edit: May 31, 2016, 09:51:30 PM by Link »

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Gina-Lisa Lohfink (* 23. September 1986 in Seligenstadt, Hessen)
https://de.wikipedia.org/wiki/Gina-Lisa_Lohfink

"Fall Lohfink: Pornhub löscht mutmaßliches Vergewaltigungsvideo" (11. Juni 2016)
Die Porno-Plattform Pornhub versteht es gute PR zu machen. Von einem Weltraumporno bis zu einem Masturbationsband – die Plattform weiß, wie sie Aufmerksamkeit auf sich zieht. Umso verwunderlicher ist der Fall um die Deutsche Gina-Lisa Lohfink. Sie steht wegen angeblicher Falschaussage vor Gericht. Vor vier Jahren hatte sie eine Vergewaltigung zu Anzeige gebracht. Dazu gibt es auch ein Video, in dem Lohfink mehrmals "Hör auf" sagt und um "Hilfe" ruft. Der Clip findet sich seit längerem im Netz – unter anderem auch auf Pornhub, wo das Video bereits mehr als eine Million Mal angesehen wurde. Erst als Spiegel Online die Plattform kontaktierte, wurde der Clip offline genommen. Das Video war auf Pornhub mehr als ein Jahr lang online. Offenbar war die Verbreitung des Videos bereits bei der Aufnahme geplant. Wenige Tage nach dem Vorfall im Juni 2012 wurde das Video Redaktionen angeboten und dabei auch als "Vergewaltigungsvideo" beworben. Nachdem niemand den Clip wollte, wurde dieser offenbar ins Netz gestellt, um die Frau zu demütigen. Einer der Männer wurde bereits verurteilt, weil er das Video verbreitet und damit gegen die Persönlichkeitsrechte Lohfinks verstoßen hatte. Die Plattformen, auf denen das Video eine lange Zeit zu sehen war, wurden nicht belangt. Auf Pornhub gibt es auch weiterhin kürzere Fassungen des Clips. In den Kommentaren dazu schreiben einige Nutzer, dass es sich dabei um eine Vergewaltigung handelt – reagiert wurde von der Plattform nicht und so sammelt das Video weiterhin tausende Klicks täglich. Die öffentliche Demütigung mit veröffentlichten Sexvideos im Netz ist kein neues Phänomen. Sogenannte Racheporno-Websites gab es bereits zuhauf und kommen immer wieder neu auf. Dort finden sich etliche Sexclips oder Nacktbilder, die während einer Beziehung aufgenommen wurden und nach dem Bruch online gestellt werden, um die Ex-Partnerin oder den Ex-Partner zu demütigen. ...
http://derstandard.at/2000038720961/Gina-Lisa-Lohfink-Video-von-Vergewaltigung-weiterhin-auf-Porno-Portalen?dst=

"Interview mit Gina-Lisa Lohfink: "Muss ich erst umgebracht werden?"" (11.06.2016)
..."Es kann nicht sein", sagt Lohfinks Anwalt Burkhard Benecken aus Marl, "dass meine Mandantin von der Justiz in eine Schublade gesteckt wird." Offenbar gelte das Motto: "Kurzer Rock, große Brüste - die taugt nicht als Vergewaltigungsopfer."...  SPIEGEL ONLINE: Viele Menschen machen Ihnen Mut. Wie erleben Sie diese Welle der Solidarität? Lohfink: Was da im Internet abgeht, ist unglaublich. Es rührt mich sehr, dass sich so viele Leute hinter mich stellen. Sogar A-Promis, Feministinnen, Menschen, die mich früher nie ernst genommen haben. ...
http://www.spiegel.de/panorama/justiz/fall-gina-lisa-lohfink-muss-ich-erst-umgebracht-werden-a-1097049.html


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Gina-Lisa Lohfink wehrt sich, doch das Ganze verkommt zur Boulevardposse, zum respektlosen Celebrity-Tratsch, zur Lachnummer – die für das Opfer auch noch teuer werden soll. Sie erhält einen Strafbefehl und soll wegen Falschbeschuldigung 24.000 Euro zahlen. Ich staune. Das Video, das die Übergriffe zeigt, wird lapidar als „Sex-Video“ bezeichnet. Die Abwesenheit von Konsens ist also „Sex“. Ich staune. Lohfink ist bei der Geschichte wahlweise ein „Busensternchen“ oder die „wasserstoffblonde Hessin“ – ich staune weiter.

Als Anfang dieses Jahres die US-amerikanische Sängerin Kesha Sebert dazu verpflichtet wurde, weiterhin mit ihrem Label Sony und ihrem ehemaligen Produzenten Dr. Luke zusammenzuarbeiten, war der Aufschrei groß. Weltstars wie Lady Gaga solidarisierten sich mit ihr, und auch in Deutschland verfolgte man den Fall mit Interesse und medial einigermaßen behutsam.

Als die Porno-Darstellerin Stoya via Twitter berichtete, dass ihr Ex-Freund sie während ihrer Beziehung vergewaltigte, hörte man ihr zu. Sie entfachte eine Debatte über sexuelle Gewalt in der Porno-Branche – und auch diese Diskussion reichte glücklicherweise bis nach Deutschland. Die WELT schrieb ein Porträt über Stoya, ein großes, ein respektvolles Porträt: „Sie liest Foucault, schreibt feministische Texte und hat einen weltberühmten Kollegen der Vergewaltigung bezichtigt: Stoya ist die neue Ikone der kritischen Intelligenz.“

Keins der vielen Schmierblätter in Deutschland fand in den letzten Tagen ähnlich große Worte für Gina-Lisa Lohfink. Respekt und Solidarität – das sind Attribute, die viele deutsche Medien im Umgang mit Lohfinks Geschichte anscheinend unbedingt vermeiden möchten. Die Bildungsbürgernation-Schreibergarde weiß nicht viel anzufangen mit einer, die unter anderem durch GNTM, Big Brother, den Wiener Opernball bekannt wurde. Dabei führt Lohfink gerade stellvetretend einen wichtigen Kampf für viele – und erträgt stoisch Häme und Spott der Medien und Öffentlichkeit.

Die WELT, die Monate zuvor immerhin noch Stoya die Hand reichte, weiß heute über Gina-Lisa nur folgendes zu berichten:
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    „Lohfink, der Name steht für Skandale, die meisten selbst inszeniert.“

    „Die windige Geschichte von einem Sex-Video.“

    „Hier eine Affäre mit einem bekannten Fußballer, dort ein Nackt-Shooting mit dem Playboy. Dazwischen Auftritte als DJane oder Jobs als Gesicht der Erotik-Messe Venus.“

    „Das ist nichts Ungewöhnliches. Sie hat schon häufiger ähnliche Filme gedreht und im Internet vermarktet.“

Zwischen all dem Victim-Blaming, dem Slut-Shaming, den ganzen Rape-Culture-Apologien, liest man dann Sätze wie diesen: „Aber in diesem Film wirkt sie wie ausgewechselt. Merkwürdig abwesend, nein, abwehrend. Sie liegt auf einer Couch, dreht den Kopf zur Seite und wiederholt immer dieselben Worte: „Hör auf!“

Eine Frau, die immer wieder dieselben Worte sagt: „Hör auf.“ Was will mir die WELT mit diesem Artikel sagen? Dass, wenn eine Frau mehrfach „Hör auf“ sagt, es wichtig ist zu wissen dass sie „für Skandale, die meisten selbst inszeniert“, steht? Dass, wenn eine Frau mehrfach „Hör auf“ sagt, es wichtig ist zu wissen dass ihre Haare „wasserstoffblond“ sind? Dass, wenn eine Frau mehrfach „Hör auf“ sagt, man wissen sollte dass sie schon mal eine Affäre mit einem bekannten Fußballer hatte und im Rahmen ihrer beruflichen Tätigkeit auch eine Erotik-Messe promotet hat? Dass, wenn eine Frau „Hör auf“ sagt, das „nichts Ungewöhnliches“ ist, weil sie schon „häufiger ähnliche Filme gedreht und im Internet vermarktet hat“? Dass wegen all dieser Sachverhalte, wegen ihres Aussehens, ihres Lebens- und Kleidungsstils, ihrer beruflichen Tätigkeiten das „Nein“ von Gina-Lisa Lohfink weniger wert ist? Das „Nein heißt nein“ nur dann gilt, wenn… ja, wann eigentlich? Wenn eine Frau nicht wasserstoffblond gefärbte Haare hat? Wenn sie keine Erotik-Messen bewirbt?

Dabei reicht es, allein Lohfink zuzuhören: „Diese Videos zu sehen, ist der Albtraum“, sagte sie vor ein paar Tagen. „Aber mir haben inzwischen so viele junge Mädels erzählt, dass ihnen auch schon solche Sachen passiert sind. Ich glaube, es hat schon Sinn, wenn ich das jetzt durchziehe. Nicht nur für mich, sondern für alle Frauen, denen nicht geglaubt wird.“



Aus: "Gina-Lisa Lohfink: Wenn ein „Hör auf“ nichts mehr wert ist" (6. Juni 2016)
Quelle: https://shehadistan.com/2016/06/06/gina-lisa-lohfink/

« Last Edit: June 11, 2016, 10:06:15 PM by Link »

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Brock Allen Turner (born August 1, 1995) is an American convicted of sexual assault. He was a student and athlete at Stanford University who garnered international attention starting in early 2015 when he was arrested on five charges of rape. ...
https://en.wikipedia.org/wiki/Brock_Turner

„Du kennst mich nicht, aber du warst in mir“ Dobromila Walasek 7. Juni 2016 um 14:36 Uhr   
Der Fall Brock Turner ist derzeit in vielen US-Medien Thema Nummer eins. Was war passiert? Nach einer Verbindungsparty an der Elite-Universität Stanford im Januar 2015 vergewaltigte Turner eine Frau. Beide waren an dem Abend betrunken, die 22-Jährige, keine Studentin, war während der Gewalttat bewusstlos. Turner kam vor Gericht und wurde Anfang Juni dieses Jahres zu sechs Monaten Gefängnis verurteilt.
Eine zu harte Strafe, findet Turners Vater. Schließlich seien es nur 20 minutes of action gewesen, nur 20 Minuten eines sexuellen Übergriffs – das schrieb er in einem Brief an den Richter. Die Stanford-Professorin Michele Dauber war daraufhin fassungslos. Sie postete einen Auszug des Briefes auf Twitter, wo die User bereits seit Tagen unter #BrockTurner über den Fall diskutierten. ... Brock Turner muss für nur sechs Monate ins Gefängnis, von denen er laut Guardian [http://www.theguardian.com/us-news/2016/jun/06/father-stanford-university-student-brock-turner-sexual-assault-statement] wohl nur drei wirklich absitzen muss. ...
http://blog.zeit.de/teilchen/2016/06/07/brock-turner-vergewaltigung-stanford-20-minuten/

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E.Wald #1 

…“waren doch nur 20 Minuten“… ach ne, was für eine Argumentation.
…ja, natürlich habe ich meine Frau erschossen, aber das war ja nur „1 second of action“, also quasi gar nichts. Das wäre ja voll ungerecht, wenn ich dafür ins Gefängnis müsste…


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M.Punkt #2

Eine weitere Perfidität in diesem Fall ist ja auch die Begründung des Richters zur Haftstrafe – dem Armen würde man sonst Steine in den Weg legen, er ist schließlich ein begnadeter Schwimmer mit Ambitionen. Es ist einfach eine riesige Schweinerei, dass es zugelassen wird, das sozialer Status so einen Einfluss auf das Urteil haben kann. ...


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"Übergriffe auf Frauen Debatte über Sexverbrechen an Universitäten" Christiane Heil, Los Angeles (09.06.2016)
Das Urteil gegen einen Studenten der kalifornischen Stanford Universität, der eine 23 Jahre alte bewusstlose Frau nach einer Feier sexuell missbraucht hatte, hat in den Vereinigten Staaten die Debatte über Vergewaltigungen an Universitäten weiter befeuert. Nach Appellen von Dan Turner, dem Vater des verurteilten Brock Turner, den Studenten nicht für den Rest seines Lebens als Vergewaltiger abzustempeln, forderte unter anderen der Pastor John Pavlovitz ein Ende der traditionellen Schönfärberei sexueller Übergriffe auf dem Campus. „Brock ist in diesem Fall nicht das Opfer. Das Opfer ist das Opfer“, ließ der Geistliche aus dem Bundesstaat North Carolina in einem offenen Brief wissen.
Trotz des Schuldspruchs wegen versuchter Vergewaltigung und sexueller Penetration mit einem Gegenstand hatte das Oberste Gericht des Bezirks Santa Clara den 20 Jahre alten Schwimmer der Hochschulmannschaft in der vergangenen Woche zu vergleichsweise milden sechs Monaten Freiheitsstrafe verurteilt.
Laut amerikanischem Justizministerium verbringen verurteilte Vergewaltiger in den Vereinigten Staaten durchschnittlich elf Jahre im Gefängnis. Nach dem Urteil hatten Hunderttausende Amerikaner bei der Petitions-Plattform „change.org“ und auf der Website des Weißen Hauses den Rücktritt des Vorsitzenden Richters Aaron Persky verlangt. Der Jurist, der ebenfalls an der Stanford Universität studierte und auch das Lacrosse-Team der Hochschule trainierte, begründete das Urteil mit Turners übermäßigem Alkoholkonsum vor den Übergriffen.
Dan Turner, der Vater des Sexualstraftäters, hatte zuvor an den Richter appelliert, seinen Sohn nicht für „20minutes of action“ mit Gefängnis büßen zu lassen, und damit der noch immer weitverbreiteten Ansicht beigepflichtet, es handele sich bei solchen Verbrechen um eine Art studentisches Männlichkeitsritual oder ein Kavaliersdelikt. Nach einer Studie des Justizministeriums in Washington wird mindestens jede vierte Studentin Opfer sexueller Übergriffe.
Während viele amerikanische Universitäten Missbrauch und Vergewaltigungen mit Rücksicht auf die eigene Reputation traditionell verschweigen, hatte die Universität von Stanford Brock Turners Tat im Januar 2015 umgehend angezeigt. ...
http://www.faz.net/aktuell/gesellschaft/kriminalitaet/sexuelle-uebergriffe-an-amerikanischen-universitaeten-14278365.html

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Kavaliersdelikt?
Andreas Schenzle, 10.06.2016 12:33
Folgen  Die Frau war so übel zugerichtet, dass die Studenten, die sie gefunden haben, spontan weinen mussten. Blut überall. In der Scheide der Frau fand man Tannennadeln und Erde. Der Vergewaltiger wird vielleicht nach einem Monat wegen guter Führung entlassen. Das ist ein Skandal.


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Bemerkenswert wie über den Fall der Studentin,
Michael Müller   (Thiago1968) - 10.06.2016 08:48
Folgen  die monatelang aus Protest gegen ihre vorgegebene Vergewaltigung eine Matratze über den Campus schleppte und bei der massive Zweifel an ihrer Glaubwürdigkeit aufkamen nach dem der Fall überall auch in Deutschland breitgetreten wurde, medial hinweg gegangen wird. Stattdessen wird scheinbar jeder Fall einer Vergewaltigung an US-amerikanischen Universitäten, zum Anlass für einen Artikel genommen. Interessant wäre auch mal was zu lesen wie ein Mann verhindern kann, dass er nicht von einer Frau mit der er Verkehr hatte, Monate oder Jahre später angezeigt wird, ohne dass er schon nur durch die Anzeige massivste Nachteile erfährt, wie der Ex-Freund der Frau mit der Matratze.

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Irgendwann muss es mit der Matratzen tragenden Frau auch mal gut sein
Folgen  Karla Hesse  (hessek) - 10.06.2016 14:51
Hier geht es aber nicht um eine Falschanzeige. Hier geht es um eine vergewaltigte Frau, an der man sich bewusstlos vergangen und Gegenstände in ihre Körperöffnungen eingeführt hat. Was meinen Sie, wie diese Frau jetzt durch das Leben gehen wird? Ehrlich gesagt, ist mein Mitgefühl mit ihr und jedem Menschen, dem sexueller Missbrauch widerfährt, größer, so wichtig ich den Schutz Unschuldiger finde und so sehr ich nachvollziehen kann, wie schlimm eine Falschanzeige ist.



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An alle, die jetzt relativieren
Jakob Fels  3  (Camenzind) - 09.06.2016 23:33
Folgen  und feministische Hysterie und "Hetze" beklagen: zeigen Sie zur Abwechslung mal etwas Empathie und stellen sich vor, es wäre Ihre eigene Tochter, die auf eine Eliteuni geht, an der es ein ganz normales "Männerritual" ist, sich ohne Einverständnis der Betroffenen am Körper einer Frau zu vergehen. Sind ja nur "20 minutes of action".

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Tja Herr Fels - und jetzt stellen Sie sich mal vor, Ihr SOHN würde zu Unrecht einer Straftat
Folgen  Mirco Hayen  13  (ebmile) - 10.06.2016 14:38
bezichtigt. Sein Ruf ruiniert, sein Job weg und 10 Jahre Gefängnis. Was sagen Sie dazu? Wie Herr Lyck sagt - wenn man das Thema in der Breite diskutieren will, muss man sich eben die Mühe machen, die Problemlagen auf BEIDEN Seiten zu sehen. Dieser "Stell Dir vor...Tochter"-Ansatz ist aber gänzlich einseitig, ebenso eine "uferlose" Definition von Belästigung, nur um auf hohe Zahlen zu kommen. Das hat dann auch nichts mit bagatellisieren zu tun, Frau Mertens, sondern ist schlichtweg (der Versuch?) einen halbwegs objektiven (!) Blick auf eine komplexe Diskussion zu werfen.


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Danke, Herr Fels
Folgen  Cornelia Mertens  (cmert) - 10.06.2016 12:41
für ihren Beitrag. Wie die im Artikel beschriebene Vergewaltigung hier in manchen Leserbeiträgen bagatellisiert wird, ist wirklich unerträglich.



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Mit farbigen Amerikanern gehen die Gerichte nicht so schonend um
Karl Ries  (karl0066) - 09.06.2016 22:20
Folgen  Hätte ein farbiger Amerikaner diese brutale Vergewaltigung begangen, wäre er wohl für den größten Teil seines Lebens weggeschlossen worden, denn der Durchschnittswert von 11 Jahren kann anders überhaupt nicht zustande kommen. Sicher wird auch ein Weg gefunden, diesen Vergewaltiger wieder aus der Kartei für Sexualstraftäter zu löschen. Eigentlich hätte der Vater für diese ordinäre Einflussnahme auf den Richter ebenfalls gesiebte Luft atmen müssen. Was echte Moral betrifft, sind die Vereinigten Staaten sowieso das scheinheiligste Land auf Gottes Erdboden. Warum das so ist... das kann sich jeder selbst herleiten.


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die Strafe könnte länger sein
Michael Zabawa  (verdienst) - 09.06.2016 22:14
Folgen  Selbstverschuldeter Alkoholkonsums entschuldigt doch wohl kaum einen Vergewaltigungsversuch. Jetzt kommt das "aber": aber wie lange muss eigentlich die Matratzen-Trägerin ins Gefängnis, die mit erwiesener Falschbeschuldigung das Leben ihres Opfers runiert hat? Wurde schon mal überhaupt jemand wegen erfundener Vergewaltigung in den USA belangt? Diese ganze Debatte hat doch schon ein "Geschmäckle".

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Verzeihung, es handelt sich hier nicht um eine Debatte sondern um eine einwandfrei nachgewiesene
Folgen  Elisabeth Reinhardt  4  (celisa) - 10.06.2016 13:01
Vergewaltigung mit 2 Zeugen. Die Versuche einer Relativierung der Vergewaltigung einer bewusstlosen Frau hinter einem Müllcontainer und lächerlich geringen Bestrafung sind erschreckend.



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...mindestens jede vierte Studentin Opfer sexueller Übergriffe...
Sandra Haberger  1  (SandraH...) - 09.06.2016 20:50
Folgen  Eine Meisterstueck von Studie! Es wurden einige 100 Frageboegen an Studentinnen verschickt, um Anhaltspunkte um sexuelle Noetigung abzufragen. Es kamen nur eher wenige zurueck, naturgemaess diejenigen, die etwas anzukreuzen hatten. Diese wurden ausgewertet und wiederum auf die Gesamtheit hochgerechnet, so dass die Zahlen masslos ueberzeichnet sind. Saetestens wenn man nun liest, dass bei der Auswertung auch Dinge wie 'Haben Sie es am naechsten Tag schon mal bereut, mit einem Mann geschlafen zu haben?' als sexuelle Noeitgung gezaehlt wurden, leuchtet der Hintergrund ein, naemlich allem voran eine feministische Hetzjagd auf maennerdominierte Studentenverbindungen... Den geschilderten Fall vermag ich in diesem Zusammenhang nur schwer zu bewerten, aber offenbar waren beide derart betrunken, die junge Dame gar bewusstlos, so dass mir schon die Beweisfuehrung schleierhaft ist...

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@Frau Haberger:
Folgen  Karla Hesse  (hessek) - 10.06.2016 14:59
Ich helfe Ihnen auf die Sprünge: Einer bewusstlosen Frau wurden Gegenstände in den ihre Körperöffnungen eingeführt, es gab dafür Zeugen. Reicht das? In diesem Falle über "feministische Hetzjagd auf maennerdominierte Studentenverbindungen" zu sprechen macht mich fassungslos, besonders aus dem Mund einer Frau. Und ganz ehrlich: Wenn das zu einem Ende von fragwürdigen Initiationsriten von betrunkenen jungen Männern führt, dann wäre jede Frau, die an einer amerikanischen Uni studiert, sicher dankbar. Und nein, wenn jemand betrunken ist, rechtfertigt das gar nichts! Ja, betrunken macht man Dummquatsch. Aber der Alkohol allein lässt einen nicht denken, dass es doch irgendwie ganz lustig wäre, mal ne Frau zu missbrauchen. Oder machen Sie das so, wenn Sie betrunken sind?


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Die Beweisführung war nicht schwierig
Folgen  Cornelia Mertens  (cmert) - 10.06.2016 03:15
die Frau war bewusstlos, der Typ noch nüchtern genug, um wegzurennen, als zwei vorbeikommen schwedischen Studenten, für die wohl sehr schnell klar war, was da passierte, ihn zur Rede stellen wollten.


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Mit einer bewusstlosen Person hat man keinen Sex!
Folgen  Alex Kaehny  (alex.ka...) - 09.06.2016 23:58
Ganz einfach


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"Rapist Brock Turner texted pals photos of victim's breasts" Xeni Jardin (12:36 pm Sat Jun 11, 2016)
Newly released court documents show that Brock Turner, the former Stanford student convicted of sexually assaulting an unconscious woman outside of a frat house, behaved in an “aggressive” and predatory way towards other women just one week before the attack. ...
http://boingboing.net/2016/06/11/rapist-brock-turner-texted-pal.html
« Last Edit: June 12, 2016, 12:04:13 PM by Link »

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"Der Einkommensunterschied ist noch viel größer" Henrike von Platen (14. Juni 2016)
Auf den Tag genau, am 14. Juni 1976, wurde das Familienrecht novelliert. Seither müssen Frauen nicht mehr ihre Ehemänner um Erlaubnis fragen, ob und wie viel sie arbeiten möchten. Seither dürfen sie frei und eigenverantwortlich über ihr Vermögen bestimmen und können ihre Arbeitsverträge ohne Unterschrift des Herrn Gemahl einfach selber kündigen.
Gesetze hinken der Realität meist hinterher: Die Novellierung von 1976 bildete gesellschaftliche Veränderungen ab, die sich in den Jahren zuvor Bahn gebrochen hatten. Doch wirklich normal war derlei noch lange nicht. Und ist es bis heute nicht: Erst jetzt wächst eine Generation von Frauen heran, für die Berufstätigkeit und ein eigenes Bankkonto – zumindest theoretisch – eine Selbstverständlichkeit ist; in der Praxis leider nur bis zur gläsernen Decke, dem ersten Kind oder beidem.
... Ob bereinigter oder unbereinigter Wert, ob 7 oder 21 Prozent, er ändert nichts an der dreckigen Realität: 77 Prozent aller Frauen zwischen 30 und 50 Jahren verdienen weniger als 1.500 Euro, und nur zehn Prozent haben ein eigenes Nettoeinkommen von mehr als 2.000 Euro. Nur 39 Prozent sind vollzeiterwerbstätig, 14 Prozent haben gar kein eigenes Einkommen, wie die Ergebnisse der aktuellen Studie Mitten im Leben. Wünsche und Lebenswirklichkeiten von Frauen zwischen 30 und 50 Jahren des Soziologen Carsten Wippermann zeigen.
http://www.zeit.de/karriere/2016-06/gleichberechtigung-lohnunterschied-maenner-frauen-jahrestag

http://www.bmfsfj.de/RedaktionBMFSFJ/Broschuerenstelle/Pdf-Anlagen/Mitten-im-Leben-W_C3_BCnsche-und-Lebenswirklichkeiten-von-Frauen-zwischen-30-und-50-Jahren-Kurzfassung,property=pdf,bereich=bmfsfj,sprache=de,rwb=true.pdf


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"Brasilien: Sieben Männer wegen Gruppenvergewaltigung angeklagt" (18. Juni 2016)
Die Vergewaltigung einer 16-Jährigen durch mehrere Männer in einem brasilianischen Slum sorgte weltweit für Entsetzen. Jetzt startet der Prozess gegen die Verdächtigen.  ... Gewalt gegen Frauen ist in der brasilianischen Gesellschaft verankert: In Brasilien, das zweieinhalb Mal so viele Einwohner hat wie Deutschland, wurden laut dem Forum für Öffentliche Sicherheit (FBSP) etwa 48.000 Vergewaltigungen angezeigt. In Deutschland waren es etwa 7.000. Die Dunkelziffer ist sehr hoch; das FBSP schätzt, dass nur ein Drittel aller Fälle überhaupt zur Anzeige gebracht wird.  ...
http://www.zeit.de/gesellschaft/zeitgeschehen/2016-06/brasilien-prozess-gruppenvergewaltigung-rio-de-janeiro

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"Jo Cox: Worüber niemand spricht" Birgit Gärtner (21.06.2016)
Die ermordete britische Parlamentarierin war Feministin; die Person, die ihr das Leben nahm, ein Mann. ... Britische Frauenorganisationen ordnen demzufolge den Mord an Cox ein in den Kontext "Gewalt gegen Frauen und Mädchen". Die Parlamentarierin sei die 57. Frau, die in diesem Jahr im United Kingdom (Großbritannien und Wales) von einem Mann getötet worden sei, heißt es auf der Webseite everydayvictimblaming. ...
http://www.heise.de/tp/artikel/48/48595/1.html

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"Sexuelle Gewalt: Stellung beziehen, Kampagnen starten - Fakten ignorieren" Twister (Bettina Hammer) (21.06.2016)
Der Fall Gina-Lisa Lohfink zeigt auf, was medial schief läuft. Gerade bei (vermeintlichen) Sexualstraftaten wird Recherche vernachlässigt. Die Politik instrumentalisiert fleißig mit. ...
http://www.heise.de/tp/artikel/48/48587/1.html


"Vorfilm: Gina-Lisa Lohfink" Thomas Fischer (21. Juni 2016)
Thomas Fischer ist Bundesrichter in Karlsruhe und schreibt für ZEIT und ZEIT ONLINE über Rechtsfragen. ...

Zum journalistischen Tiefpunkt der Woche erklären wir folgende Passage aus einem Bericht der Frauenzeitschrift Brigitte online zum "Fall Lohfink"...
http://www.zeit.de/gesellschaft/zeitgeschehen/2016-06/rechtspolitik-sexualstrafrecht-vergewaltigung-taeter-opfer-fischer-im-recht

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Fotobiene #5.14  —  vor 12 Stunden

Entfernt. Bitte bleiben Sie sachlich. Die Redaktion/ncg


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HisFordship #9  —  vor 20 Stunden 28

Ich weiß nicht, woher Herr Fischer die Energie nimmt, sich in solcher Regelmäßigkeit an dem Thema Sexualrecht aufzureiben und mit den Nebelkerzen aufzuräumen - bin ihm aber zutiefst dankbar dafür.
Mir als junger, rücksichtsvoller und -leider- sexuell aktiver Mann wird bei der momentanen erkenntnisfreien Kampagnenpolitik Angst und Bange.


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Hfdvgf #10  —  vor 20 Stunden 13

Woher will der gute Herr Fischer das reale Ausmaßes sexueller Gewalt gegen Frauen beurteilen wenn häusliche Gewalt in vielen Kreisen weiterhin als private Sache angesehen wird und die angeblich nicht existenten Machtverhältnisse den Gang an die Öffentlichkeit bzw. ein Gericht verhindern. Nur wenn ein Nein im Gesetzestext als nein gilt wird die richtige Botschaft gesendet. Das Abtun des Filmes wie der gute Herr Fischer es tut ist eine gefährliche Botschaft an alle ,die Frauen nicht als mündige Menschen betrachten sondern offensichtlich als Freiwild oder persönlicher Besitz. Vielleicht würden aehnliche persönliche Erfahrungen wie die des Filmes Herrn Fischer die Augen oeffnen. Danke an den Justizminister dass er uns die Hoffnung auf Gerechtigkeit gibt. Es ist absolut notwendig dass die von ihm geplante Reform des Sexualstrafrecht (ein Nein ist ein Nein) verabschiedet wird.


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FAR 3.0
#10.15  —  vor 3 Stunden

Entfernt. Bitte bleiben Sie sachlich und achten Sie auf einen respektvollen Umgangston. Danke, die Redaktion/jk


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GMsecondbest #13  —  vor 19 Stunden 12

Ich bin begeistert. So viel zu lachen bei so viel Elend. Man kann nur den Kopf schütteln aber so geht es in vielen Bereichen. Interessen, Status-/Besitzstandswahrung, Berufssicherung, Ideologien etc. gehen vor Verstand, Fakten, Daten, Schriftkenntnis, Empirie etc. Wo ist die Aufklärung geblieben?


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Chetemti-biti #23  —  vor 19 Stunden 1

Die Vorwürfe gegen die Frauenqualitätspresse mögen ja zutreffend sein.

Aber in unserem Rechtssystem hat jeder Malefikant Anspruch auf Verteidigung und das Vorbringen von begründeten Zweifeln an seiner Schuld.

Könnte es nicht sein, daß der/die Journalist(in) in der Frauenzeitschrift im guten Glauben war, eine Kolumne zu schreiben und deshalb gnadenlos überziehen zu dürfen, Provokationen ohne oder mit schwacher Begründung hinwerfen zu dürfen, Ironie ohne Kursivschrift veröffentlichen zu dürfen und unseriösen Quellen blind vertrauen zu dürfen?

Mögen die Geschworenen das erwägen, bevor sie ihr Urteil fällen.


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madmartigan #28  —  vor 19 Stunden 9

Auch die ZEIT hat sich im Fall der Frau Lohfink nun wahrlich nicht mit Ruhm bekleckert; nach meiner Wahrnehmung gab es zahlreiche Artikel und Kommentare in denen die zuständige Richterin und die Staatsanwältin geschmäht wurden von der ZEIT und alle rechtsstaatlichen Prinzipien zugunsten der "guten Sache" mal eben über den Haufen geworfen wurden.

Der Blick hinüber zur Brigitte wäre also gar nicht nötig gewesen, tut der ZEIT aber natürlich weniger weh...


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Rinaco #37

Schön und gut mit dem Recht.
Nur frage ich mich nur schon langsam, ob die Rhetorik nicht eine Saat gießt, die sie besser nicht gießen sollte. Es applaudieren Genderskeptiker, was auch immer sie unter Gender verstehen, Anti-Feministen und Leute, die finden, dass es den Frauen bei uns eh schon viel zu gut geht.
Das kann sich der Kolumnist vielleicht nicht aussuchen, aber den Wind in den Segeln, schon beim Titel, geht auf ihn. Ein besonderes Danke für die Erwähnung der Lesben, die in der Diskussion bisher keine besondere Rolle gespielt haben. Aber nun es ist das Klischee, dass deren besonderes Hobby darin besteht, Männer zu hassen und sie notfalls über das Sexualstrafrecht endgültig unschädlich zu machen. Ich kenne nur kaum eine Lesbe, die so denkt oder sich überhaupt nur mit dem Thema auseinandersetzt und da ich selber eine bin, kenne ich schon ein paar.
Es gab in meinem persönlichen Umfeld interessanterweise nur zwei Fälle, wo Personen sich strafrechlich ungenügend geschützt gefühlt haben (ein Verfahren eingestellt, das andere Freispruch) und aus einer sexuellen Belästigung ein großes Thema gemacht haben. Beide waren Männer. Allgemein glaube ich, dass Männer deutlich empfindlicher reagieren, wenn sie von einem Mann unerwünscht angemacht werden als Frauen auf unerwünschte Anmachen reagieren. ... Aus meiner Erfahrung heraus, fühlen sich viele Männer schon von dem Gedanke männlicher Ausmerksamkeit sehr schnell angewidert. In einem Prozess ging es um einen spontanen, unerwünschten Kuss und ein Griff Richtung Beine in einer Zweiersituation. Das Opfer (selbst übrigens LGBT) wurde dadurch sehr erschüttert. Ein Freund von mir fühlte sich belästigt, weil ihm sein schwuler Mitbewohner mitgeteilt hat, wann er duschen geht. Einige Frauen, die ich kenne regen sich vielleicht mal kurz über männliche Anzüglichkeiten auf, einige betrachten es sehr locker, aber total krasse Reaktionen auf harmlose Anzüglichkeit habe ich eigentlich kaum erlebt, allenfalls wenn die Annäherungsversuche trotz offenkundiger Ablehnung weiter gehen. Ich gestehe, dass mein Umfeld aber nicht repräsentativ ist Fände es aber auf jeden Fall gut, wenn Mann-Mann Konstellationen mal mit eingebunden werden können, weil ich denke dass es Männern da leichter fällt, Empathie für den Belästigten zu entwickeln und wir mal von dieser Frauenlastigkeit der Debatte wegkommen.


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geierwalli05 #37.17

Unter Antifeministen verstehe ich Männerrechtler. Und als Nichtfeministin bin ich keine Anitfeministin, sondern einfach nur Frau. Und ich möchte mir von niemandem mein Recht auf sexuelle Selbstbestimmung nehmen lassen, wurscht, ob Gender, Feminist, Antifeminist, Maskulist, afd, spd, csu, cdu, linke, ganz linke, grüne usw. Auch nicht von der Kirche.

Ja, die Frauenlastigkeit des Themas finde ich sogar belastend, vor allem finde ich diese ganze Instrumentalisierung und Opferdebatte unangebracht. Frauen grundsätzlich als Opfer zu sehen, lässt mich an Verkindlichung und Entmündigung denken. Sexualdelikte sind strafbar und das steht f mich ohnehin außer Debatte.
Was Übergriffe und Belästigungen betrifft, mag jeder andere Grenzen haben, dennoch weiß ich aus Erfahrung, dass Männer sehr wohl genau wissen, was Ihnen genehm ist und was nicht, also kann man dies auch Frauen zugestehen es selbst zu wissen, ohne großartige Kampagnen gegen die sexuelle Selbstbestimmtheit und Freiheit und mit Angstschürereien und Unwahrheiten was das aktuelle Strafbarkeit im Sexstrafrecht betrifft. Ich halte es für denkbar unsensibel und verantwortungslos mit dem Thema Sexualität falsche und kämpferische (Frauen)Politik zu betreiben.


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Rinaco #37.19

"Unter Antifeministen verstehe ich Männerrechtler."
Gut, soweit würde ich nicht gehen. Ich denke, dass Männerrechtler durchaus ein wichtiges Anliegen haben können und dass sich manches möglicherweise gut mit den Forderungen von (einigen) Feministen deckt. Zum Beispiel die Gleichberechtigung in Erziehung der Kind könnte z.B. so ein gemeinsames Thema sein. Ich glaube, man muss als MännerrechtlerIn nicht antifeministisch sein. Außerdem ist es natürlich (in meinen Augen) vollkommen legitiim in diesen Fragen gar keine Postion zu vertreten. Ich bin auch keine Feministin,
Nur, wenn man sich gegen Gender Mainstreeming, Feminismus, Masullinismus und die angebliche LGBT Ideologie positionosiert, sollte man schon wissen wovon man spricht... und das sehe ich bei den meisten, die das tun nicht gegeben.


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CoMiMo #40 

Sehr geehrter Herr Fischer,
Man könnte Sie jetzt als den Sexisten darstellen, der Sie zu sein scheinen. Denn anscheinend reduzieren auch Sie Frauen nur auf ihr Äußeres.
"denn als Mensch mit dem Beruf "Vorzeigen-von-dicken-Silikonbrüsten"
Nach dem Satz haben Sie sich selbst demontiert und reihen sich ein in die Liste der Männer, die der Meinung sind, eine Frau, die immer so rumläuft hat doch selber Schuld und wollte es ja so.
Nein, wollte sie nicht! Frauen sind KEIN Objekt für Männer. Und wenn eine Frau nackt durch die Gegend läuft, hat der Mann seinen Schwanz in Griff zu haben.

Ich frage mich ehrlich gesagt, haben diese Ver... armen Jungs.. denn wenigstens eine Strafe bekommen, weil sie ohne Erlaubnis des Opfers das ganze gefilmt und dann auch noch auf eine Pornoseite gepackt haben? Oder gehört das heutzutage zum guten Ton eines Mannes alles zu filmen, sich dran hochzuwichsen und es anderen Männern als Wichsvorlage zur Verfügung zu stellen? ....


...

« Last Edit: June 28, 2016, 04:05:52 PM by Link »

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Die Kolumne "Fischer im Recht" von Thomas Fischer zur anstehenden Reform des Sexualstrafrechts entsetzt uns als Frauen, Menschen und Juristinnen.

Vor einigen Monaten hatte schon Renate Künast zu Fischers Positionen in der Debatte juristisch Stellung bezogen. Uns reicht es auch auf anderen Ebenen. 

Fischers Kolumne ist nicht nur eine Meinungskolumne; er schreibt als juristischer Experte. Und wie könnte man vergessen, welche Position er innehat: Immer wieder ruft Fischer in Erinnerung, dass er Richter am Bundesgerichtshof ist.   

Umso bedenklicher für diese staatsnahe Position: Er wählt einen Ton, der Frauen aufgrund ihres Aussehens und Verhaltens herabwürdigt und beleidigt. Wissenschaft und Fakten gegen "weibliche Hysterie". Dieses Muster ist altbekannt und absolut zynisch in einem Kontext, in dem es um Gewalt an Frauen geht. Fischer lenkt von den realen gesellschaftlichen Missständen durch juristische Wortklaubereien ab. 

Fischers Beitrag erinnert an eine Stammtischrunde. Ist sich ein Bundesrichter nicht einmal zu schade, sich darüber zu echauffieren, dass eine Frau, die er nur über ihre Brüste definieren kann, mehr verdient als er? So viel jedenfalls zu dem wissenschaftlichen Anspruch des Beitrages.

... Nur fünf bis zehn Prozent der tatsächlich strafbaren sexuellen Übergriffe werden angezeigt. Einer der Gründe für die geringe Anzeigebereitschaft ist das allgemeine Misstrauen, das einer Anzeige entgegengebracht und immer wieder durch den Fall "Kachelmann" belegt wird. Die Zahlen belegen allerdings etwas anderes als das, was oft behauptet wird: Der Anteil falscher Anzeigen liegt derzeit bei drei Prozent.

... Ausführungen wie die von Fischer spielen Männer und Frauen gegeneinander aus. Frauen sind unbekannte, feindliche Wesen. Die Menschen, die sich jeden Tag praktisch mit den Auswirkungen von rechtsfreien Räumen auseinandersetzen, wie etwa die Juristin Christina Clemm, diffamiert Fischer auf unkollegiale und niveaulose Art.

Was für ein Signal sendet er dadurch an alle Opfer von Gewalt, insbesondere sexualisierter Gewalt? Und zwar durch das Sprachrohr der Onlineredaktion einer der größten Wochenzeitungen Deutschlands?

Thomas Fischer ist Richter. Seine nicht enden wollenden Anführungszeichen stellen die Erfahrung sexualisierter Gewalt grundsätzlich infrage. Infrage zu stellen sind dadurch aber auch die Umsetzung der Grundsätze rechtlichen Gehörs und richterlicher Unparteilichkeit.

Gefragt ist Solidarität statt Hass.

...

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S0T #3

Ich als Mann soll also kategorische Solidarität mit Frauen haben, werde aber im gleichen Atemzug kategorisch aufgrund meines Geschlechts als potenzieller Triebtäter und Schwerenöter behandelt.

Das stimmt irgendetwas nicht in der Argumentation.

Fakt ist doch, wer zu wenig Solidarität bekommt, ist der Mann. Frauen werden mittlerweile gefeiert und bevorzugt, weil sie eine Frau sind.


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Aquarelle #3.18

Das muss man nur hier im Forum beobachten. Männer fühlen sich permanent auf den Schlips getreten, weil die Mehrheit von sexuellen Straftätern männlich ist. Da wird dann nicht etwa gesagt, man schäme sich für seine Geschlechtsgenossen, weil es einem niemals einfiele soetwas zu tun, sondern es wird darauf hingewiesen, dass Frauen auch Täter sein können und daher per se keine Solidarisierung verdienen (natürlich gibt es die aber hier geht es nicht um ein 50/50 Verhältnis sondern um etwa ein Prozent).

Ich würde die Männer daher gerne dazu anhalten, mal darüber nachzudenken, wenn es denn die eigene Frau/Mutter/Tochter/Nichte beträfe, ob es dann nicht doch etwas anderes wäre.

... Bisschen mehr Empathie stünde einigen ganz gut zu Gesicht.


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Das Gelbe vom Ei #10

Danke für diese Replik. Der äußerst polemische Beitrag von Herrn Fischer, in dem das Leid der Opfer in keiner Silbe anerkannt wurde, war - sorry für die Wortwahl - unter aller Sau. ...


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menssana1 #12

Es ist auffällig, dass hier zwei Juristinnen nicht einmal den Versuch einer juristischen Argumentation machen. Das kann man Fischer jedenfalls nicht vorwerfen. Der eine rechtliche Hinweis, der hier erfolgt ist, kann selbst von einem juristischen Laien mindestens als Halbwahrheit entlarvt werden. Insgesamt ein Armutszeugnis.

"Außerdem bedeutet eine Falschanzeige noch lange nicht, dass eine Falschverurteilung folgt."

Diese Verharmlosung sagt ja wohl eigentlich auch alles. Auch ohne Verurteilung sind Ruf und weiterer beruflicher Werdegang doch ruiniert. Und es gibt bei weitem nicht nur das Beispiel Kachelmann. Das man nun als Mann, der noch nie jemandem etwas zu leide getan hat, pauschal dazu aufgefordert wird sich selbst "kritisch" zu hinterfragen. Ich werde mich nicht in Sippenhaft nehmen lassen, weil mein Geschlecht dem Zeitgeist zum Opfer gefallen ist.


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  Lunaisabelle #16

Ich habe nun beide Artikel gelesen und so leid es mir tut und obwohl ich eine Frau bin, konnte ich Fischers Ausführungen besser folgen als diesen.
Sexuelle Gewalt soll strafbar sein, das ist klar. Aber ich gebe soweit Herrn Fischer recht, dass ein "Nein" durchaus in der Sexualität unterschiedliche Ausprägungen haben kann. Ich kann also durchaus im Rollenspiel "nein" sagen, es aber nicht so meinen. Aber vielleicht, später, wenn ich meinem Partner nicht mehr so gesonnen bin, dies gegen ihn verwenden. Wer will hier das Gegenteil beweisen. ...


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frauhimmelblau #16.23

Mir geht es darum den Graubereich der Schutzbedürftigkeit darzustellen, denn diesen gibt es auch.
Und darum habe ich zu Ihrer Aussage geschrieben "es bringt nichts das eigene Verhalten als Norm für ein Gesetz heranzuziehen, denn es wird immer Abweichungen von dieser von einem als selbstverständlich empfundenen Norm geben". Das Gesetz berücksichtigt das sehr wohl in unterschiedlichen Paragraphen, die Leute hier, die gerne mal ihren eigenen Bauchnabel zum neuesten Leitparagraphen erklären wollen, klammern diverse Graubereiche jedoch vollkommen aus.

Aus diesem Grund finde ich es sehr gut, dass das "gesunde" und "normale" Empfinden von vielen Mitmenschen nicht in die Gesetze miteinfließt, die Welt und die Menschen selbst sind doch ein wenig komplexer und verdienen doch alle denselben gesetzlichen Schutz.


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treehub #22

Schön von jemandem vom Fach eine moderate und konstruktive Meinung zu dem Thema zu hören. Herzlichen Dank für den Artikel!

Ich muss zugeben echt schockiert gewesen zu sein, als ich den ursprünglichen Artikel gelesen habe. Ich wusste noch nichts von Herrn Fischers journalistischen Eskapaden, habe nur gelesen dass er Bundesrichter ist und habe begonnen den Artikel zu lesen in der Erwartung eine fundierte und unparteiische Meinung zum Thema kennenzulernen. Vermutlich eine Annahme die bei jedem Thema zu dem sich Bundesrichter Fischer journalistisch äußert enttäuscht.

Was mich vor allem schockiert hat war die Vermutung dass Hormone das Denken eines Journalisten beeinflussen sollten ('Woraus sich das der Journalistin mit solcher Evidenz erschließt, dass die primitivsten Regeln ihres Berufs und die simpelsten Einsichten des Verstands bei ihr nicht mehr wirken, ist unbekannt. Ich fürchte: irgendwie aus den Hormonen'). Es gibt ja nicht viele Berufe wo ich ein aufgeklärtes Menschenbild für unerlässlich halte, aber Bundesrichter ist einer davon.

Schade, dass man ihn nicht frühverrenten kann. Dann könnte er sich ganz seinen 'Literarischen Ambitionen' hingeben. Oder eine boyband mit Sarrazin gründen.



Aus: "Sexualstrafrecht: Eine Vergewaltigung ist kein Hausfriedensbruch"
Gastbeitrag von Theresa Richarz und Franziska Brachthäuser (28. Juni 2016)
Er würdigt Frauen wegen ihres Aussehens herab und wischt ihre Gewalterfahrungen beiseite. Eine Replik auf die Kolumne "Fischer im Recht" von zwei Juristinnen.
Quelle: http://www.zeit.de/gesellschaft/zeitgeschehen/2016-06/sexualstrafrecht-thomas-fischer-bundesrichter-frauenbild-vergewaltigung/komplettansicht

« Last Edit: June 28, 2016, 04:06:42 PM by Link »

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[...] [...] Frauen wie Gina-Lisa Lohfink, oder Ashley Youdan, die Ex-Freundin von David Garrett ... werden mit Begriffen belegt, wie "Ex-Party-Girl", "Ex-Porno-Sternchen" und nicht zu vergessen: "Luder". Ein Luder, das ist eine Frau, die viel feiert und viel Sex hat. Sie ist eben das, was andere als Schlampe bezeichnen würden. Luder klingt nur irgendwie verspielter, freundlicher. So berichtet die Bild-Zeitung des Öfteren von der "Luder-Liga", mit Titeln wie "Voller Körpereinsatz, wenig Talent, dafür viel Hinterlist – all das muss ein Luder bieten, um ganz vorne zu liegen". Bei diesem Lifestyle ist es doch kein Wunder, wenn dann so etwas passiert. Oder sogar: Haben Luder überhaupt Grenzen, die Männer überschreiten können?

"Luder" – steht in der Jägersprache für ein totes Tier, das als Lockmittel für Raubwild verwendet wird. Es ist die Verschriftlichung der visuellen Objektifizierung, ein sozial anerkanntes Wort, das unterschwellig klarmacht: Das ist eine Frau, die wir ungestraft verachten können. Frauen wie Lohfink werden in diesen patriarchalen Strukturen zu einem geeigneten Lockmittel für die Boulevardpresse – respektiert werden sie selten. Deutlich wird das besonders in der Art, wie darüber berichtet wird, wenn eine Frau einen Mann wegen Körperverletzung anzeigt, etwa im Fall von Garrett: "Die Vorwürfe des Garrett Luders" ist eine Schlagzeile der Bild, auch wenn noch niemand weiß, wer die Wahrheit sagt und wer nicht. Neutralität sieht anders aus.

Über Luder wird berichtet, zu Wort kommen lässt man sie jedoch selten. Sowohl für die vermutlichen als auch für die verurteilten Täter sieht es anders aus: So ist der angeklagte Garrett in der Bild mit folgendem Titel zu finden: "Ich kämpfe um meinen Ruf." Er wird angehört, ihm wird nicht misstraut. Und wenn ein Täter wie der Stanford-Vergewaltiger Turner eben nach anwaltlicher Beratung nicht selbst sprechen kann, so machen es die Medien für ihn: Er wird, nicht wie üblich mit dem polizeilichen Foto des Tattages abgebildet, sondern mit seinem Jahrbuchfoto, das ihn sympathisch lächelnd präsentiert und gleichzeitig seinen gesellschaftlichen Hintergrund vermittelt. In beiden Fällen kommen die Väter zu Wort: Garretts Vater hält es für ausgeschlossen, dass sein Sohn ein Gewalttäter ist, erfahren wir. Der Vater von Turner spricht ungeschickt von "20 minutes of action", also 20 Minuten Spaß, die seinem Sohn ungerechterweise das Leben ruinieren könnten. Die Boulevardpresse versteckt sich hinter der Aussage: Man berichte ja nur, was passiert.

Diese angeblich neutrale Berichterstattung bezeichnet die Klägerinnen als Luder und lässt die Täter sich selbst verteidigen. Die Täter müssen nicht mal selbst reden, um diese Sprechzeit zu bekommen. Das können auch ihre Angehörigen erledigen. Opfer wiederum werden, wenn sie doch selbst reden, in einem anderen Zusammenhang präsentiert. So hat ein Interview mit Lohfink eine andere Wirkung als eines mit Garrett, weil es mit "Das Luder packt aus" beworben wird. Ihre Mutter sagt in der Spalte daneben nicht aus, was Lohfink doch für ein fantastischer Mensch sei.

Luder haben eigentlich in der Boulevardpresse gar nicht zu sprechen, wenn ihre Worte ihre mediale Rolle dekonstruieren könnten und sie auf eine unbequeme Weise menschlich erscheinen ließen. Es würde die Narrative des Objekts zerstören, dessen Leben die Leser zur Ausschlachtung verbiegen können, wie sie wollen. Am Ende bleibt hängen: Luder wie Lohfink und Youdan können gar nicht missbraucht werden, denn sie sind eh schon kaputt. Sie haben sich längst selbst entwürdigt, zu Objekten gemacht. Und mit Objekten kann man machen, was man will. ...

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Frl.Clarissa #34

"Neutralität sieht anders aus."

Diese Feststellung muss wohl leider für die gesamte, allgemein informierende Presse, von BILD bis ZEIT gelten. Vielleicht können Fachzeitschriften, die nur objektive Tatsachen berichten, falls die möglich ist, Neutralität für sich reklamieren. Das Kennzeichen der allgemeinen informierenden Presse, generell der Medien ist jedoch die Subjektivität, ob gewollt oder ungewollt.

Bei Themen der Sexualität kommt erschwerend noch, unser bis heute verklemmter Umgang mit der Sexualität hinzu. Dazu gehört auch, das mehr oder weniger von unseren tierischen Ursprüngen vererbte ausgeprägte Dominanzverhalten vieler Menschen, das man z. b. auch in sublimierter Form bei Menschen wie Hr. Thomas Fischer oder Fr. Alice Schwarzer zwischen den Zeilen erlesen kann.



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Pipipapapobel #33

Luder ist doch kein Schimpfwort. Ich bin ein Luder, sowie meine Freundin.


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Kommentist #35

"Warum haben denn auf einmal diese biederen Feministinnen sich mit Lohfink, dem Sinnbild der objektifizierten Frau verbündet? Warum hören sie diesem Luder zu, glauben ihm gar?"

Meine Meinung: Weil sie diese Frauen nun als Opfer für ihre eigenen politischen Ziele instrumentalisieren können. Da wird dann aus dem "Luder, das an seinem Unglück selbst schuld ist" plötzlich auf magische Weise eine schutzbedürftige, unterdrückte Frau.


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dth #10

Ich finde solche Meinungsartikel, in denen Fälle als Beispiele herangezogen werden, über die auf Zeit-Online gar nicht umfassend berichtet wurde (wohl weil es eben eher Boulevard-Themen waren) immer fragwürdig. Ich muss dann erst einmal die Namen Googlen und auf irgend welchen Boulevard-Seitungen ein paar Schlagworte dazu zu finden, was das überhaupt für Fälle sind.

Boulevard-Medien gehen respektlos mit Menschen um, und zwar mit allen, und immer in der Weise, wie es die meiste Auflage entspricht. Das ist nicht schön, sagt aber auch nichts darüber aus was den "meisten Lesern bewusst" wird oder nicht. Die meisten Leser von Zeit-Online dürften keine Artikel lesen, wo es schon in der Überschrift um den "Sex-Mob" geht.

Auch wirft der Artikel völlig verschiedene Fälle zusammen, Lohfink, die von einem deutschen Gericht vielleicht auch nicht völlig grundlos wegen Falschverdächtigung beschuldigt wurde. Detailiert hat die Zeit sich dieses Themas nie angenommen. Von den Männern habe ich hier genau so wenig Statements gelesen wie von Lohfink.
Dann ein Staargeiger, der irgendwie eine gerichtliche Auseinandersetzung mit seiner Ex-Frau hat, wo es um was weiß ich genau geht. Einen veruteilten amerikanischen Vergewaltiger, von dem das Polizeifoto nicht veröffentlicht wurde. (Ja, regen sich in den USA Leute drüber auf, aber bei uns würde das Foto wohl eher grundsätzlich nicht veröffentlicht.) Also alles irgendwie wirr.

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Suderwicker #10.1

Falls Sie die Klammer, die die verschiedenen Fälle zusammenführt, nämlich die unterschiedliche Behandlung der männlichen und weiblichen Rollen in der Berichterstattung, nicht sehen, liegt das nicht daran, dass der Artikel wirr wäre, das ist er nämlich nicht. Er zeigt einfach nur verschiedene Fälle eines Symptoms.
Ihre Begriffswahl "Meinungsartikel" interpretiere ich in der gleichen Richtung, wie manche Foristen fehlende Objektivität bemängeln, was als Vorwurf natürlich vollkommen fehl geht, da namentlich gezeichnete Artikel immer subjektiv und eine Meinung sind, über deren Berechtigung man dann streiten kann.



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vonZeitzuZeit #13

Diese Frauen finanzieren sich ein weitgehend arbeitsfreies Leben und einen "Promistatus" mit ihrem Luderimage. Es geht nicht darum, ob z.B. ein kurzes Röckchen tragen oder ähnliches, sondern darum, dass dieses Image ihr Kapital ist und gepflegt wird. Sie wollen ein Publikum, aber dem Publikum bieten sie nichts anderes - kein künstlerisches oder intellektuelles Angebot - als eben Gaffobjekt zu sein.

Ich bin sicher, bevor es ernst wurde freuten sie sich über "Taglines" wie "Party-Luder" und "Sex-Symbol", sicherte es sich doch einen Strom von Aufträgen und Gagen aus den entsprechenden "Formaten" im Unterschichten-TV.

Ausdrücklich: Das rechtfertigt KEINERLEI Übergriffigkeiten oder gar Vergewaltigungen.

Aber jetzt plötzlich so zu tun, als ob das alles nur die bösen Medien waren, oder gar zur Ikone des Feminismus hochgejubelt zu werden, sorry, aber das ist Heuchelei pur! Ganz besonders auch von den Feministen für die eine Gina-Lisa und ihr (öffentlicher) Umgang mit Männern vorher ganz sicher ein tiefrotes Tuch war, von Pornosternchen ganz zu schweigen.

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Moritz.Grattke #13.1

...aber auch Pornosternchen sind Menschen und haben Respekt verdient. Immerhin verkaufen sie Leistungen, die auch genutzt werden. ...



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GordonShumwayne #39

Zu erwähnen wäre, dass in den amerikanischen Filmen, die wir schon als Kinder gesehen haben, die Frau "Nein" sagt und sich wehrt, der Held sie trotzdem zu sich zieht und Küsst, und die Frau dann nachgibt und sie leidenschaftlich Sex haben und ein perfektes Paar werden.

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Frl.Clarissa #39.1

Ja so stellen sich das Männer gerne vor. Die Frau als Sexualobjekt, das selbst nicht weiß, was gut für Sie ist.

Um sich diesen primitiven Chauvinismus zu vergegenwärtigen, empfehle ich allen von dieser Vorstellung auch heute noch faszinierten Männer: Stellen Sie sich diese Szene mit vertauschten Rollen vor, auch wenn Sie natürlich Ihrem Weltbild widerspricht. Dann werden Sie vielleicht verstehen, wie bizarr sich diese Vorstellung anfühlt.




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Shinee #46

Ich hab den Eindruck, das Thema ist vermintes Gelände.
Egal wie man sich äußert, man wird zu 98% falsch liegen
bzw. macht sich leicht angreifbar. Ich hab das Wort "man"
verwendet, schon bin ich geliefert.

Das Thema "Sexismus" ist schon schwierig genug,
verbunden mit einer Vergewaltigung, bei es keine Zeugen gab,
ein absolutes Katastrophengebiet.



Aus: "Das Luder spricht" Penelope Kemekenidou (23. Juni 2016)
Quelle: http://www.zeit.de/gesellschaft/2016-06/sexismus-vergewaltigung-luder-medien-sprache-boulevardpresse


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[...] Für die Glücklichen, die die mediale und Online-Schlammschlacht der letzten beiden Wochen nicht mitbekommen haben, hier eine kurze Zusammenfassung: Am 1. Juni 2012 kam es zu sexuellen Handlungen zwischen Gina-Lisa L., Pardis F. und Sebastian C. Am nächsten Tag boten die beiden Herren ihre Handyaufnahmen mit der Beschreibung „Vergewaltigungsvideo von Gina-Lisa!! Nagelneu“ verschiedenen Redaktionen zum Kauf an. Lohfink erstattete Anzeige – zuerst, weil Pardis F. und Sebastian C. das Video inzwischen über Pornhub online gestellt hatten, und danach auch wegen möglicher Vergewaltigung, da sie sich nur bruchstückhaft an die Nacht erinnern konnte: Filmriss.

Doch obwohl sie in dem Video wiederholt „Hör auf“ sagt, konnte die Staatsanwältin darin keine Vergewaltigung erkennen – mit der fantasievollen Begründung, dass sich das „Hör auf“ ja „nur“ auf bestimmte sexuelle Handlungen und nicht auf den Geschlechtsverkehr per se bezogen haben könne. Na und? Schließlich ist auch das Ausüben von ungewünschten sexuellen Handlungen ein Überschreiten von Grenzen.

Doch: Halt, stopp. Auch wenn sich „Hör auf“ auf den gesamten Geschlechtsverkehr bezogen hätte, wäre das nach dem zurzeit geltenden § 177 keine Vergewaltigung. Denn danach muss sich ein Opfer tätlich wehren. „Nein“-Sagen reicht nicht aus. Die einzige Ausnahme ist, wenn „das Opfer der Einwirkung des Täters schutzlos ausgeliefert ist“, etwa nicht fliehen kann. Doch kann man in dem Video keine Drohungen hören, sondern nur „Hör auf“. An dem Punkt kommen die K.O.-Tropfen ins Spiel, und es wird spekulativ: Gina-Lisa vermutet, ihr Filmriss könne an K.O.-Tropfen gelegen haben. Damit wäre der Straftatbestandteil einer Vergewaltigung erfüllt. Bloß lassen sich K.O.-Tropfen nur verhältnismäßig kurz im Blut nachweisen, zu kurz, um Lohfinks Annahme zu beweisen. Das muss ich nicht schön finden, aber das kann ich respektieren. Nicht respektieren kann ich allerdings, dass im Umkehrschluss daraufhin Gina-Lisa wegen Falschbeschuldigung angeklagt und zu 60 Tagessätzen à 400 Euro – also 24.000 Euro – verurteilt wurde!

Andere und kluge Journalist*innen haben die hämische Berichterstattung bereits ausführlich analysiert. „Die Welt“ schoss den Vogel ab, indem sie es schaffte, in einem einzigen Artikel zu erklären, „Sie hat schon häufiger ähnliche Filme gedreht und im Internet vermarktet“ – als wären freiwillige Sexfilme und Aufnahmen einer mutmaßlichen Vergewaltigung dasselbe –, nahezulegen, dass das Ganze ein Publicity Stunt sein könnte („Lohfink, der Name steht für Skandale, die meisten selbst inszeniert“), sowie nicht unerwähnt zu lassen, dass sie sich „die Brüste vergrößern“ lassen hat, und sogar noch ihre Haarfarbe ins Spiel zu bringen („die wasserstoffblonde Hessin“). Auch sonst wurde Lohfink gerne so beschrieben, als wäre sie eine Aufblaspuppe, die sich danach unerklärlicherweise darüber beschwert, auch so behandelt zu werden. Herzlichen Glückwunsch, liebe „Welt“-Autorin, Sie liegen 42 Jahre hinter der Zeit zurück! Seit 1974 ist die (sexuelle) Vergangenheit einer Frau, die eine Vergewaltigung anzeigt, nicht mehr Gegenstand der gerichtlichen Verhandlung.

Besonders absurd sind die Vorwürfe, „das Busenwunder“ („Promiflash“) wolle mit ihrer Anzeige nur Aufmerksamkeit erheischen. Kein Problem, dann berichtet doch einfach nicht darüber. Dabei hatte ursprünglich gar nicht Gina-Lisa Lohfink die Polizei eingeschaltet, sondern die Redaktionen, denen das „Vergewaltigungsvideo“ angeboten worden war, und die es – das muss lobend erwähnt werden – nicht gekauft hatten.

Nun habe ich es mir nicht angesehen, auch nicht zu Recherchezwecken, da sie explizit geäußert hat: Sie will nicht, dass sie jemand so sieht. Aber ich habe die Beschreibungen gelesen, nach denen sie darin „merkwürdig abwesend“ wirkt. Der Verdacht, dass sie unter dem Einfluss irgendwelcher Substanzen gestanden hat, ist also nicht vollkommen aus der Luft gegriffen und diesen Verdacht äußerte sie. Mehr nicht.

Daraus kann nur eine Lüge konstruieren, wer in der Lage ist, Gedanken zu lesen. Außerdem geht es bei einer Anklage ja gar nicht darum, die Wahrheit zu sagen – was auch immer die Wahrheit ist –, sondern nach bestem Wissen und Gewissen auszusagen. Das ist eine wichtige Unterscheidung, weil davon unsere Rechtsstaatlichkeit abhängt, die unter anderem darauf basiert, dass wir, wenn wir das Gefühl haben, uns wird Unrecht zugefügt, dagegen klagen können – und zwar jede*r und ohne Angst, dass fehlende Beweise oder ein unvollständiges Wissen gegen uns verwendet werden. Wie in dem Fall Gina-Lisa Lohfink.

Deshalb bin ich fest davon überzeugt, dass sie mit ihrem Einspruch Erfolg haben wird. Wenn nicht, würde das einen Präzedenzfall kreieren, der unsere Demokratie infrage stellt. Nicht, weil einer Frau, die eine Vergewaltigung angezeigt hat, nicht geglaubt wurde, sondern weil das Risiko, dabei selbst verurteilt zu werden, so groß wäre, dass damit de facto der §177 StGB gegenstandslos würde. O-Ton Gina-Lisa Lohfink: „Wenn ich noch einmal vergewaltigt werde, gehe ich sicher nicht zur Polizei.“

Für mich ist es ein wenig befremdlich, dass allerorten über Glauben oder Nicht-Glauben gesprochen wird, als wären wir in der Kirche. Genauso wie ich es – höflich ausgedrückt – überraschend finde, dass ein Gutachter anhand des Filmmaterials entschied, es bestünden keine Anzeichen für K.O.-Tropfen oder einen Filmriss. Doch ein Filmriss ist von außen gar nicht erkennbar. Eine Bekannte von mir hatte einmal auf einer Party einen Filmriss und fragte am nächsten Tag erschrocken, was sie während der Zeit angestellt habe. Wie sich herausstellte, hatte sie die Wohnung geputzt und alle Gläser gespült, ohne dass die anwesenden Gästen ihr irgendetwas anmerkten.

Auch das lächelnde Foto von Gina-Lisa am nächsten Morgen beweist lediglich, dass sie gelächelt hat. Weil sie ihren Peinigern vorspielen musste, dass alles in Ordnung sei, damit sie sie gehen ließen (Gina-Lisa), oder weil alles in Ordnung war (die Staatsanwältin), lässt sich daran weder beweisen noch widerlegen. Fotos sind kein Wahrheitsserum, sondern nur im Kontext verständlich. Bühne auf für das Video, anhand dessen die Nation seitdem orakelt, dass es eindeutig eine Vergewaltigung war, respektive eindeutig keine Vergewaltigung war. Und, wisst ihr was? Das ist nicht das erste Mal.

1999 schrieb der Fall Lisa Gier King gegen Mike Yahraus Geschichte, weil es damals ebenfalls (Super-8-)Aufnahmen des Geschehens gegeben hatte. Überhaupt hört sich die ganze Geschichte so an, als würden lediglich die Namen Lisa Gier gegen Gina-Lisa ausgetauscht: Lisa Gier King, die als erotische Tänzerin bei einer Feier der Bruderschaft Delta Chi an der University of Florida aufgetreten war, zeigte Mike Yahraus am nächsten Morgen an, sie vergewaltigt zu haben. Nach Sichtung des Filmmaterials ließ die Polizei die Klage gegen ihn jedoch fallen und ermittelte stattdessen gegen sie: wegen Falschaussage. Massive Proteste der National Organization of Women sorgten dafür, dass auch diese Anklage fallen gelassen wurde. Daraufhin entschied der Staatsanwalt, das Super-8-Material herauszugeben, damit die Öffentlichkeit sich selbst eine Meinung bilden könne. Was diese auch fleißig tat – und die Aufnahmen für 20 $ weiter verscherbelte.

Abgesehen von den rechtlichen Problemen – vor allem bezüglich des Persönlichkeitsschutzes – wurde dadurch nichts klarer. Noch 2001, als der Fall in dem Dokumentarfilm „Raw Deal. A Question of Consent“ – mit Genehmigung Lisa Gier Kings und unter Verwendung des Originalmaterials und extensiver Interviews mit allen Beteiligten – aufgearbeitet wurde, blieben am Ende mehr Fragen als Antworten. „Wahrheit“ wird über einen gesellschaftlichen Diskurs konstruiert, durch die Produktion von Bildern zusammen mit ihren möglichen Deutungen und durch die Akkumulation von Wissen und Gewissheiten. „Menschen glauben etwas in der Regel nicht erst, nachdem sie es gesehen haben, sie sehen es nur, wenn sie es bereits glauben – abhängig von ihrer vorherigen Lebenswelt und welche Medien sie konsumieren“, erklärt der Filmhistoriker Frank Tomasulo in seinem 1996 erschienenen Essay  „I’ll see it when I believe it“. Deshalb tragen wir als Journalist*innen eine besondere Verantwortung, wenn wir Vergewaltigungsfälle vor dem Gericht der öffentlichen Meinung verhandeln.

Dazu gehört, den Blick von Gina-Lisas Busen zu lösen, ebenso wie zuzugeben, dass es viele Dinge gibt, die wir nicht wissen und auch nicht beurteilen können. Das ist eines der strukturellen Probleme von Vergewaltigungsprozessen. Dass das schwer auszuhalten ist, führt zu Vorverurteilungen – von vermeintlichen Opfern ebenso wie von vermeintlichen Tätern. Und es gibt ja tatsächlich Falschbeschuldigungen. Darüber, wie hoch deren Prozentsatz liegt, lässt sich streiten, nicht aber, dass sie für die Menschen, die fälschlicherweise einer Vergewaltigung beschuldigt werden, extrem traumatisierend sind. Außerdem führen in Deutschland Anzeigen wegen Falschbeschuldigungen noch seltener zu einer Verurteilung als Anzeigen wegen Vergewaltigungen.

In ausgleichender Ungerechtigkeit nun aber Gina-Lisa Lohfink der Falschbeschuldigung zu verurteilen, hilft niemandem. Ganz im Gegenteil stellt es die wenigen erfolgreichen Verurteilungen wegen Falschbeschuldigung infrage. This way madness lies.

Fakt ist doch, dass die beiden Herren umgehend versuchten, aus ihrem erschlichenen Video Geld zu machen. Das ist nicht die Handlung von Menschen, denen es um Einvernehmlichkeit und Respekt geht. Diese Handlung ist in Deutschland nicht Teil des Sexualstrafrechts, aber sie zeigt, dass Lohfinks Verdacht, auch ansonsten könnte über ihren Willen hinweggegangen worden sein, keineswegs aus der Luft gegriffen ist.

Ich kann nachvollziehen, dass nicht nachweisbar ist, ob die beiden oder irgendjemand Gina-Lisa mit Absicht etwas in ihren Wodka Red Bull getan hat, um sie daraufhin vergewaltigen und filmen zu können – und ein solcher Vorsatz in einem Gerichtsverfahren nachgewiesen werden muss –, und dass Gerichtsprozesse genauso wenig wie Vergewaltigungen so aussehen wie im Kino. Was ich jedoch nicht nachvollziehen kann, ist: Warum hat es einen Monat gedauert, bis die Wohnungen der mutmaßlichen Täter durchsucht und weiteres Videomaterial sichergestellt wurde? Wie kommt es, dass das Video ein Jahr lang online war und von mehr als einer Million Menschen gesehen wurde und immer noch – wenn auch in gekürzter Form – im Internet anschaubar ist?

Wie kann es angehen, dass Lohfink im Gerichtssaal von Zuschauer*innen als Hure beschimpft werden kann und die Personalien dieser Personen nicht einmal aufgenommen werden? (Was ja so schwierig nicht sein sollte, weil sie darüber hinaus den anwesenden Journalist*innen weiteres Videomaterial angeboten haben.) Aber vor allem: Wieso ist das überhaupt ein öffentlicher Prozess? Ich bin der Ansicht, wir sollten Vergewaltigungsfälle unter Ausschluss der Öffentlichkeit – mit Ausnahme von engen Freund*innen, die zur Unterstützung von Kläger*innen und Angeklagten mitkommen – verhandeln. Und möglichst wenig reißerisch darüber berichten. Denn offensichtlich sind nicht nur die Staatsanwältin, sondern auch wir als Öffentlichkeit nicht besonders gut darin, sensibel mit der unordentlichen Realität umzugehen.

Auch wenn Gina-Lisa Lohfink aussieht, als würde sie einen zum Frühstück verspeisen, wenn man ihr blöd kommt, ist es doch gerade das, was sie sympathisch macht. Ihr Spruch „Zack, die Bohne“, mit dem sie als Teilnehmerin von „Germanys Next Topmodel“ bekannt wurde, ist deutlich erfrischender als das sonst dort übliche: „Bin ich zu dick?“ Gina-Lisa ist nicht nur kein typisches Opfer, sie ist überhaupt kein Opfer, sondern eine Person, der ein Unrecht angetan wurde und die das Selbstbewusstsein und das Selbstwertgefühl hat, sich dagegen zu wehren. „Was da mit mir gemacht wurde, ist unter aller Sau.“ Davon können wir viel lernen.

Ich liebe Gina-Lisa für Aussagen wie „Eher spende ich das Geld an bedürftige Menschen und gehe in den Knast“ sowie dass sie eine Stiftung für Opfer sexueller Gewalt gegründet (mit kostenloser Erstberatung bei geschulten Sozialarbeiter*innen und Anwält*innen) und Justizminister Heiko Maas eingeladen hat, sich ihren Prozess anzusehen, um zu erfahren, was „in den deutschen Gerichtssälen vor sich geht“. So macht man das.

Deshalb werden wir am 27. Juni sagen können: Von Gina-Lisa lernen, heißt siegen lernen.


Aus: "Weshalb Gina-Lisa Lohfink unsere Heldin ist" Dr. Mithu Melanie Sanyal (22. Juni 2016)
Tags: Feminismus, Frauen, Gewalt, Gina Lisa, Gina-Lisa Lohfink, Sexualstrafrecht, Vergewaltigung
Quelle: http://ze.tt/warum-gina-lisa-lohfink-unsere-heldin-ist/?utm_campaign=zonparkett&utm_medium=parkett&utm_source=zon

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Quote
[...] Die Aufregung um das angebliche Vergewaltigungsopfer Gina-Lisa Lohfink, der falsche Verdächtigung vorgeworfen wird, steht im Kontext einer fragwürdigen geplanten Reform des Sexualstrafrechts. ... Heute wird in Berlin der Prozess gegen Gina-Lisa Lohfink fortgesetzt. Lohfink, Model und Fernseh-Persönlichkeit, hat gegen einen Strafbefehl Einspruch eingelegt, der ihr zur Last legt, zwei ihrer Sexualpartner, die einen „Dreier“ mit ihr gefilmt und ein Video verwendet haben, um sich wichtig zu machen, wissentlich falsch der Vergewaltigung beschuldigt zu haben. Zunächst einmal ging es Lohfink nur darum, ihr Persönlichkeitsrecht zu schützen und die Verwendung dieses Materials zu untersagen (Bundesdatenschutzgesetz).

Erst als die an Bild-Zeitungund andere Blätter und Sender unerlaubt geschickten Intimfotos von der Staatsanwaltschaft nicht beschlagnahmt und nicht aus dem Verkehr gezogen worden waren, änderten Frau Lohfink und ihr Anwalt ihre Strategie. Die nun selbst Angeschuldigte erstattete Strafanzeige gegen die beiden Männer und behauptete, mit K.-o.-Tropfen betäubt gewesen zu sein. Angesichts des mitgelieferten Schnitts aus den zahlreichen Videos widerspricht dies jeder Plausibilität, belegt also den Vorwurf der Falschanzeige.

Auf dem Ausschnitt ist zwar „Hört auf“ zu hören, aber schaut man sich alle Videos – und nicht nur den einen Ausschnitt – an, dann erscheint es sehr wahrscheinlich, dass dieses „Nein“ nicht gegen den Sex als solchen, auch nicht gegen einzelne Praktiken, sondern ausschließlich gegen das Filmen gerichtet war. Ein Gericht wird das alles klären.

... Die Kampagne „Nein heißt nein“ erleichtert Falschbeschuldigungen. Gefordert wird unbestimmtes, subjektiv formuliertes Strafrecht. Der neue Vergehenstatbestand und die neu gefassten Verbrechenstatbestände sind Strafrecht auf Halde. Auf begrenzende Merkmale wie „Gewalt“, „Drohung“ oder das „Ausnutzen“ einer schutzlosen Lage wird verzichtet. Es handelt sich nach dem Willen der Frauen-Netzwerke nicht mehr um eine Nötigung zu sexuellen Handlungen, sondern um die Bestrafung jeder unerwünschten Konfrontation mit fremder Sexualität.

Die Debatte wirft Fragen auf. Was sind sexuelle Handlungen? Angesichts des in diesem Konzept erheblich weiter als bisher gefassten Rechtsguts – nicht Schutz der sexuellen Selbstbestimmung in Zwangssituationen, sondern Schutz in einem umfassenden Sinne –müsste bereits jede Berührung gegen den Willen genügen. Die Schwelle der Erheblichkeit wird sehr früh erreicht.

Unklar ist auch, welche Anforderungen an die Beharrlichkeit der Willensbekundung zu stellen sind. Es genügt ja nicht ein „Nein“, sondern das „Nein“ muss auch noch zum Zeitpunkt der letzten sexuellen Handlung deutlich sein. Wie sollen das die Strafverfolgungsbehörden feststellen? Soll jeder aufgedrängte Körperbezug, jede einseitige Berührung bereits als strafwürdig definiert werden?

Der Sache nach normiert der geforderte Vergehenstatbestand eine Fahrlässigkeitsstrafbarkeit. Sollte der Entwurf Gesetz werden, wird jeder, der sich nicht vorsieht, als potentieller Beschuldigter in einem Ermittlungsverfahren einem „Opfer“ gegenüber stehen, das nur zu sagen braucht, es habe den Kontakt so nicht gewollt. Es genügt, dass die Frau vor der Polizei ihren entgegenstehenden Willen bekundet und das Geschehen glaubhaft schildert. Es käme also häufig zu Aussage-gegen-Aussage-Verfahren. Vermutlich würden sie zur Regel. Vor Gericht müssten sich häufig „normale“ Männer als „potentielle Täter“ rechtfertigen, weil sie nicht sorgfältig gefragt hatten.

Frauen wären in der Rolle der beschuldigenden Zeuginnen, müssten sich aber damit abfinden, dass sie sich zugleich in einer strukturellen, ihre Identität prägenden „Opfer“-Rolle und damit in einem Zustand befänden, der ihren staatlichen Schutz zur dauerhaften Notwendigkeit erklärt. Strafrecht wäre konsequent umgeformt zu einem Instrument der symbolischen Bekräftigung einer für „richtig“ gehaltenen sozialen Norm. Frauennetzwerke und auch Menschenrechts-Aktivistinnen bezeichnen dies als „feministische“ Forderung.

Näher liegt es hingegen, ein solches Begehren „maternalistisch“ zu nennen, in Anlehnung an das bislang abwertende Wort „paternalistisch“. Nicht der Wunsch nach Freiheit (Emanzipation) steht im Mittelpunkt, sondern Schutz und Verbote, staatliche Regeln und staatliche Interventionen werden gefordert. Sie prägen das neue Menschenbild, das am Horizont bedrohlich aufscheint.

Kritische Kriminologie ist unerwünscht. Feminismus mutiert zum Maternalismus, einer staatlich finanzierten und ihrem Anspruch nach umfassenden Regulierung des sexuellen Verhaltens. Die eingangs genannten Frauennetzwerke verlangen nicht nur eine intensive, sondern auch eine extensive Kontrolle des sexuellen Verhaltens (der Männer) mit Freiheit entziehenden Mitteln des Strafrechts. Das ist ihr Ziel, denn nur dann ergibt die Forderung nach mehr und härterem Strafrecht Sinn. Der Emanzipation dient diese Forderung nicht.

...


Aus: "„Nein heißt nein“ und der Fall Lohfink" Analyse von Monika Frommel (27.06.2016)
Quelle: https://www.novo-argumente.com/artikel/nein_heisst_nein_und_der_fall_lohfink

« Last Edit: June 28, 2016, 04:07:18 PM by Link »

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"Prozess gegen Gina-Lisa Lohfink: Wenn der Gerichtssaal zur Bühne wird" Ansgar Siemens, Berlin (27.06.2016)
Es ist eine Debatte um Grundsatzfragen, die da läuft: Lässt die Justiz vergewaltigte Frauen im Zweifel allein? Macht sie sogar Opfer zu Tätern? Das sind kontroverse Fragen, die das Amtsgericht Tiergarten am Montag zur Bühne werden lassen. ...
http://www.spiegel.de/panorama/justiz/gina-lisa-lohfink-wenn-der-gerichtssaal-zur-buehne-wird-a-1100098.html

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[...] «Blick» veröffentlichte die vollen Namen und Porträt-Bilder der beiden mutmasslichen Beteiligten und fragte «Hat er sie geschändet?». Auch SVP-Kantonsrat Markus Hürlimann hatte sich wegen diesem und weiteren im «Blick» veröffentlichten Artikel beim Presserat beschwert.

Mit ihrem ersten Artikel zur sogenannten Zuger Sex-Affäre habe die Zeitung den Journalistenkodex in mehreren Punkten verletzt, heisst es in einer am Dienstag veröffentlichten Stellungnahme des Presserats.

Da «Blick» offensichtlich davon ausgegangen sei, dass es möglicherweise zu einem Sexualdelikt gekommen sei, habe er mit der Identifizierung des mutmasslichen Opfers den Opferschutz verletzt.

Mit der späteren Einstellung des Verfahrens ist rechtskräftig festgestellt, dass kein Sexualdelikt vorliegt. Ein möglicher sexueller Kontakt gehört nach Auffassung des Presserats eindeutig in den Bereich der geschützten Intimsphäre. Ein «entgegengesetztes überwiegendes öffentliches Interesse besteht in der Regel nicht», schreibt der Presserat.

«Blick» hatte geltend gemacht, dass ein intimer Kontakt zwischen der damaligen Co-Präsidentin der Alternative/die Grünen und dem damaligen SVP-Kantonalpräsidenten eine Dimension habe, die den Vorgang über den privaten Bereich hinaushebe.

Dieser Argumentation folgte der Presserat jedoch nicht. Der «Blick» habe Privat- und Intimsphäre von Spiess-Hegglin verletzt. Auch dass sie sich später selbst in der Öffentlichkeit zu Wort meldete, lässt der Presserat nicht als Rechtfertigung gelten.


Aus: "«Blick» missachtet Opferschutz und verletzt Privatsphäre" (sda, 28.06.2016)
Quelle: https://www.bluewin.ch/de/news/inland/2016/6/28/presserat---blick--missachtet-opferschutz-und-verletzt-privatsph.html

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"Interessiert euch!"  Katrin Rönicke, Ausgabe 2116 (22.06.2016)
Debatte Unter Feministinnen wird die Frage viel diskutiert, aber sie geht wirklich alle an: Wie lassen sich Rassismus und Sexismus zusammen bekämpfen? ... Der 3D-Test bietet einen guten Ansatzpunkt für so manche Ismen und ist ein Lackmustest für die Antwort auf die Frage, wie man denn nun konkret gegen Sexismus und Rassismus gleichermaßen kämpft. Denn die drei Ds finden sich bei rassistischen Ideen – und zumindestens die Doppelstandards, aber auch Delegitimierung und Dämonisierung können entlang sexistischer Haltungen auftreten. Stereotype über Mann und Frau, also doppelte Standards für ihre wirtschaftlichen, politischen und sozialen Rollen in unserer Gesellschaft, sind der Dreh- und Angelpunkt westlicher Antisexismus-Arbeit. Sich gegen Rassismus und Sexismus zugleich einzusetzen setzt voraus, die eigenen Doppelstandards, die eigenen Ängste und Dämonen sowie die eigenen Delegitimierungsstrategien abzulegen, immer und konsequent.
Nur über den Sexismus der deutschen, weißen, mittelalten, heterosexuellen Männer reden zu wollen und sich die Ohren zuzuhalten, wenn die Sexismen der „Anderen“ angesprochen werden, ist ein Doppelstandard. Die muslimischen Männer gehören zu Deutschland. Punkt. Das heißt aber auch: Wenn sie dazugehören, müssen sie es sich genauso gefallen lassen, wenn ihre Sexismen diskutiert und kritisiert werden. Erst recht dann, wenn wir aufgrund der weltweiten Flüchtlingsbewegungen davon ausgehen, dass sie mehr werden. Es ist und bleibt richtig, sie mit offenen Armen zu empfangen – wie Teile der Gesellschaft das tun. Das ist ein konkretes Eintreten gegen Rassismus: ihnen ihre Menschenrechte zuzugestehen, auf die Genfer Flüchtlingskonvention zu verweisen – uns gegen die zu wehren, die mit ihrem antimuslimischen Narrativ dafür sorgen wollen, dass die Schotten dicht gemacht werden. Nur weil ein Mensch nicht in Europa geboren wurde, nur weil er eine andere Hautfarbe hat oder einem anderen Glauben angehört, verlieren seine grundlegenden Rechte als Mensch nicht an Gültigkeit. Diese Menschen sind gleichwürdig (ein Wort, das der Familientherapeut Jesper Juul geprägt hat – und das mehr bedeutet, als nur die gleichen Rechte zuzugestehen, sondern auch die gleiche Menschlichkeit unterstellt). ...

https://www.freitag.de/autoren/katrin/interessiert-euch // http://blog.katrin-roenicke.net/

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Sägerei 27.06.2016 | 11:55

Rassismus beurteilt Menschen nach einer angenommenen genetischen Grundausstattung. Jeder Mensch hat eine genetische Grundausstattung, nur wissen wir nicht sonderlich viel darüber. Dies leistet dem Aberglauben vorschub.

Sexisten beurteilen Menschen nach einer ganz spezifischen genetischen Ausstattung, die recht gut bekannt, erforscht und im Alltag fast aller Menschen eine herausragende Rolle spielt.

Sowohl Sexisten als auch Rassisten stellen die Nützlichkeit eines Lebewesens in den Vordergrund. Holsteiner Kühe liefern viel Milch, vertragen aber kein heißes Klima. Neger können hart und lange arbeiten, vertragen aber kein kaltes Klima. Frauen gebären Kinder, sind aber im Kampf gegen Feinde nicht zu gebrauchen. Dieser Mann hat Anlagen zum Hochsprung, jener ist gut im Marathon. Diese Frau hat Anlagen zur Olympiaschwimmerin, jene hat ein gebärfreudiges Becken. Frauen können generell kein Mathe. Wenn diese Beurteilungsschemata jenseits ihrer trivialsten Bedeutung zum abergläubischen System ausarten, dann haben wir es mit einem Rassisten und/oder Sexisten zu tun.

In der vielbeschworenen "natürlichen Ordnung" (die ein Rassist natürlich viel besser kennt als die Wissenschaft) gibt es keinerlei Rassen. Dem Löwen ist die Farbe der Antilope wurst. Wenn ein giftgrünes Lebewesen ungenießbar ist, dann liegt das daran, dass diese Art generell nicht genießbar ist oder das Individuum noch nicht reif oder zu alt oder selbst was falsches gegessen hat. Es liegt eher selten daran, dass bestimmte Individuen einer giftgrünen Varietät qua genetischer Ausstattung ungenießbar wären. Grade die genetisch andersartige Varietät innerhalb einer Art ist oft die, die als sexuell Attraktiver empfunden wird. Wenn ich selber etwas stärker auf dunkelhäutige Frauen abfahre und/oder die auf mich, dann liegt das daran, dass die Fortpflanzung unter genetisch ähnlichen Individuen eher unvorteilhaft ist. Exotik verspricht einen erweiterten Genpool.

Aber genau aus den kleinen, subtilen Variationen innerhalb einer Art entspringt unsere wirsamste Kulturtechnik nähmlich die Zuchtwahl, mit der unsere Vorfahren Tier- und Pflanzenrassen erschufen. Das Kriterium ist der wirtschaftliche Nutzen unserer eigenen Art. Die natürliche Zuchtwahl der Darwinschen Evolution kennt nur ein einziges Kriterium: Das Leben an sich. Wenn es überlebt dann ist es gut. Durch die unnatürliche, zweckgebunde Zuchtwahl entstand erst das Konzept "Rasse". Dieses Konzept hat sich in unsere Bauernbregen fest eingebrannt.

Was nun die Rassisten, Sexisten und viele andere Esoteriker tun, ist die Darwinsche Evolutionslehre mit der bäuerlichen Zuchtwahl gedanklich zu vermengen, Nützlichkeitserwägungen zu Naturgesetzen umzudefinieren, genetische Merkmale mit erworbenen Eigenschaften zu verwechseln, alles lebendige einschließlich der eigenen Art ihrem eigenen (und _nur_ ihrem eigenen) ökonomischen Kalkül zu unterwerfen, Inzucht in Kauf zu nehmen weil die natürliche Zuchtwahl nur dem Leben an sich folgen würde. Dazu gehört unter vielem anderen auch der felsenfeste Irrglaube, dass Homosexualität eine Bedrohung darstellt. Wenn sich Dein eigener Zuchtbulle als schwul erweisen sollte, dann kann das tatsächlich eine wirtschaftliche Bedrohung darstellen weil Du ja zu einem bestimmten Zweck viel in dieses Tier investiert hast. Dein schwuler Sohn kann jedoch ein persönlicher 6er im Lotto sein falls Du nicht nur zu einem bestimmten Zweck in ihn investiert hast (falls doch, wäre er auch als Hetero eine Niete).

Die emanzipatorischen Bewegungen des 20. Jahrhunderts richteten sich dagegen, von Klerikern, Kapitalisten, Politikern und sonstigen Lustmolchen als Nutzvieh missbraucht zu werden. Leider (aber durchaus nachvollziehbar) haben sie allesamt verloren. Die heutigen Rest-Strömungen sind viel zu vergeistigt, viel zu konstruktivistisch, um jemals wieder irgendwem gefährlich zu werden. "Genderism" ist eine alberne Farce.


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« Last Edit: June 28, 2016, 02:24:04 PM by Link »

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"Fischer im Recht / Rechtspolitik: Zum letzten Mal: Nein heißt Nein" Eine Kolumne von Thomas Fischer (28. Juni 2016)
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[...] Die Sache ist zwar wirklich kompliziert, aber sie ist nicht von vornherein unverständlich (das ist ähnlich wie bei der Erbschaftsteuer). Um sie zu verstehen, muss man allerdings bereit sein, sich auf ein paar Differenzierungen (Unterscheidungen) und Grundsätze einzulassen und eine Stunde seine eigenen Vorurteile und Sachverhaltsvorstellungen beiseite zu lassen, denn  ...
http://www.zeit.de/gesellschaft/zeitgeschehen/2016-06/rechtspolitik-sexualstrafrecht-nein-heisst-nein-fischer-im-recht


« Last Edit: June 30, 2016, 10:36:58 AM by Link »

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"Der Fall Gina-Lisa Lohfink und die geforderte Verschärfung des Sexualstrafrechts" Thomas Stadler (28.6.16)
Der Fall Gina-Lisa Lohfink, die angibt vergewaltigt worden zu sein und jetzt selbst wegen falscher Verdächtigung vor Gericht steht, erhitzt die Gemüter. Während sich Feministinnen mit Lohfink solidarisieren und vor dem Gerichtsgebäude demonstrieren, meinen andere, ebendiese Demontrantinnen seien Demagoginnen und würden den Rechtsstaat frontal angreifen. Dass die Debatte die üblichen juristischen Zirkel verlassen hat und mittlerweile auch auf der Straße geführt wird, ist zu begrüßen. ... Dem Gesetzgeber müsste es gelingen, eine Formulierung zu finden, die erkennbar nicht einvernehmliche sexuelle Handlungen unter Strafe stellt, ohne gleichzeitig nichtstrafwürdiges Verhalten zu pönalisieren. Denn der bloße, nicht zum Ausdruck gebrachte Wille des Opfers kann alleine nicht ausreichend sein für eine Bestrafung. Der Gesetzgeber muss eine Tathandlung definieren, durch die sich der Täter über einen für ihn erkennbar entgegenstehenden Willen des Opfers hinwegsetzt. Das fehlende Einvernehmen des Opfers muss sich also in irgendeiner Form äußerlich sichtbar manifestieren, damit eine Missachtung des Opferwillens festgestellt werden kann. Aber auch dann wird es Fälle geben, die kritisch bleiben. Was ist, wenn es nach einem anfänglichen Nein durch Überredung doch noch zu einvernehmlichem Sex kommt? Wie genau sind die Anforderungen an die notwendige Willensbeugung zu definieren?
Der Gesetzgeber steht immer vor dem Problem, eine generell-abstrakte Formulierung finden zu müssen, die im Idealfall alle strafwürdigen Konstellationen erfasst. Nicht nur als Jurist sollte man wissen, dass das kein ganz triviales Unterfangen ist  ...
http://www.internet-law.de/2016/06/der-fall-gina-lisa-lohfink-und-die-geforderte-verschaerfung-des-sexualstrafrechts.html#comments

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Söldert (30.06.2016)

Den Spiegel print Nr. 25, Seite 36, haben hoffentlich viele Menschen gelesen. Damit sind sicher einige Fragen beantwortet worden.
Die Zumutung des Gerichtes, bei Vorführung des Filmmaterials die Öffentlichkeit nicht auszuschließen, halte ich für einen Justizskandal!!

In Deutschland wird nach zahlreichen, jahrelangen Hochrechnungen und Schätzungen nur ein Bruchteil (im einstelligen Prozentsatz) aller Vergewaltigungen angezeigt. Das liegt daran, dass das Opfer die einzige Zeugin ist. Natürlich gibt es auch keine Filmaufnahmen, mit denen die Täter im Internet prahlen. Das hat es zuletzt im Ausland einmal gegeben, wo die Frauenrechte allenfalls am Rande vorkommen.

Ob ein Nein ausreicht, ob das Opfer sich körperlich wehrt und bei Strafanzeige Körperverletzungen nachweisen kann, ist vollständig unerheblich. Das Opfer kann sich auch selber verletzt haben, um die Straftat vorzutäuschen. Das Problem ist gerade die unterschwellige und oft genug auch offenbarte Meinung, Frauen machen sich einen Spaß daraus, Männer vor Gericht zu zerren. Dem widerspricht das schreckliche Geschehen, das Frauen dabei über sich ergehen lassen müssen. Von Zwangsuntersuchung bis Aussagen vor Polizei und Gericht, die nicht zimperlich mit dem Opfer umgehen. Öffentlichkeit und Presse geifert natürlich mit. Daher tendiert das Anzeigeverhalten der betroffenen Frauen gegen null. Vor allem, wenn sie danach feststellen müssen, dass es nur in einem ebenfalls einstelligen Prozentsatz zu einer Verurteilung der Täter kommt. Faktisch wird jeder Täter ohne entsprechende Vorstrafen freigesprochen, wenn er sich nicht ganz blöde anstellt.

Das Problem ist nicht zu lösen. Die Beweislagen sind in den meisten Fällen zu dürftig. Eine Gesetzesänderung ist reine Kosmetik.

... Erschütternd finde ich, dass in Deutschland zwar mittlerweile thematisiert wird, dass Frauen ein Trauma an Körper und Seele erleiden, wenn sie vergewaltigt werden, sie nochmal traumatisiert werden angesichts des gesamten Prozedere bei Strafanzeige, aber sich mit den eventuellen Infektionen (HIV usw.) und Schwangerschaftsabbrüchen alleine beschäftigen dürfen, jedenfalls, was staatliche Einrichtungen betrifft. Für die ist der „Fall“ mit dem Urteil erledigt.

Vergewaltigung ist eines der übelsten Verbrechen, die es gibt. Dass die Täter von Frauen geboren wurden und dann Frauen so vernichten, ist eine Schande. Ein Schandfleck für das männliche Geschlecht.


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Franzy (30.06.2016)

Als Ebner das besagte Video ohne Ausschluss der Öffentlichkeit ansehen will, springt Lohfinks Rechtsanwalt Christian Simonis erzürnt auf, zieht seine Robe aus und haut mit der Faust auf den Tisch. Lohfink bricht daraufhin in Tränen aus und ruft: „Die dürfen das alle sehen, dann sehen alle mal, wie es mir erging.“ Simonis rennt aus dem Saal.
http://www.berliner-zeitung.de/panorama/gina-lisa-lohfink-vor-gericht—dann-sehen-alle-mal–wie-es-mir-erging–24302982-seite3

Der nächste Eklat: Die Richterin will gegen ihre ursprünglich Auffassung die Öffentlichkeit bei den Video nicht ausschließen. Auf dem Laptop am Richtertisch und mit leisem Ton würde die Öffentlichkeit sowieso nichts mitbekommen.

Die Anwälte springen auf, protestieren. Gina: „Die Öffentlichkeit soll das ruhig sehen. Ich will das.“ Doch die Anwälte sind anderer Meinung, verlassen den Saal. Einer sagt: „Bei Ihnen hakt‘s wohl.“

http://www.bz-berlin.de/berlin/prozess-gegen-gina-lisa-lohfink-erste-zeugen-sagen-aus



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klabauter (30.06.2016)

Das Video hat in der Verhandlung sehr wohl etwas verloren, weil es eines der zentralen Beweismittel ist und Gegenstand eines Urteils – egal ob Freispruch für GinaLisa oder Verurteilung . ...


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BERLIN dpa | Gina-Lisa Lohfink ist bei der Fortsetzung ihres Prozesses in Tränen ausgebrochen. Als die Richterin am Montag ein Video zur Beweisaufnahme – den Laptopmonitor vom Publikum abgewandt – anschauen ließ, blieb das Model zunächst auf seinem Platz. Als ihr Anwalt sie dazu holte, begann sie zu weinen. „Es ist wirklich schlimm, was hier mit mir gemacht wird“, sagte sie.

Richterin Antje Ebner rügte daraufhin den Anwalt: „Sehen Sie nicht, dass Ihre Mandantin emotional überfordert ist? Warum müssen Sie Ihre Mandantin so vorführen?“

Die Verhandlung wurde für zehn Minuten unterbrochen. Die frühere „Germany's next Topmodel“-Kandidatin muss sich vor dem Amtsgericht Berlin-Tiergarten wegen falscher Verdächtigung verantworten, weil sie zwei Männer der Vergewaltigung beschuldigt.

Am Montag soll auch einer der beiden von Lohfink beschuldigten Männer als Zeuge gehört werden. Der 32-jährige Ex-Manager Sebastian Castillo Pinto war lange nicht auffindbar und tauchte kurz vor der Verhandlung überraschend auf. Die Vergewaltigungsvorwürfe gegen die beiden Männer hatten sich laut früherer Ermittlungen nicht bestätigt.


Aus: "Fortsetzung im Lohfink-Prozess: Tränen vor Gericht" (taz, 8. 8. 2016)
Quelle: https://www.taz.de/Fortsetzung-im-Lohfink-Prozess/!5329417/
« Last Edit: August 08, 2016, 03:41:10 PM by Link »