• Welcome to LINK ACCUMULATOR. Please log in.

[Emanzipation, Selbstbefreiung, Geschlechterforschung (Notizen)... ]

Started by lemonhorse, October 08, 2008, 04:05:12 PM

Link

Quote[...] Jeden Tag stirbt in der Türkei eine Frau aufgrund von Gewalt durch ihren Ehemann, Ex-Partner oder ein anderes männliches Familienmitglied. Vereine und Netzwerke wollen das stoppen.

Eine schlanke Frau in Kopftuch, Mantel und weißen Schuhen läuft in der Dämmerung mit einer Tasche durch ein Istanbuler Wohnviertel. Darin sei Kleidung für ihre drei Kinder gewesen, sagt ihre Schwester Nalin Özaras später bei einer Mahnwache vor dem Krankenhaus, in dem die 29-Jährige verstarb.

An jenem Abend hatte ihr Ehemann sie angerufen und um Jacken gebeten, weil die Kinder frieren würden. Also sei sie losgegangen. In der Aufnahme der öffentlichen Sicherheitskameras ist zu sehen, wie sie sich auf dem Weg furchtsam umblickt. Als ahnte sie, was gleich geschieht.

Dann läuft sie aus dem Bild. Stattdessen ist ein vermummter Mann zu sehen, der fortläuft. Suzan Elik wurde in den Kopf geschossen; sie überlebt zunächst, fällt ins Koma. Am 16. Oktober verstirbt sie auf der Intensivstation. Ihr Ehemann Yunus Elik ist auf der Flucht.

Sie ist nur eine von 19 Frauen in der Türkei, die im Oktober von ihren Ehemännern, Ex-Partnern oder männlichen Angehörigen ermordet wurden; elf weitere Frauen starben im selben Monat unter verdächtigen Umständen, die als Selbstmorde oder Unfälle gemeldet wurden.

Diese Zahlen hat die Plattform ,,Wir werden die Frauenmorde stoppen" erfasst, eine zivilgesellschaftliche Vereinigung in der Türkei, die ihr Ziel mit öffentlichem Druck auf Justiz und Regierung erreichen will. Ihre Bilanz zeigt, dass der vergangene Monat sogar noch relativ glimpflich ausfiel: Demnach wurden im vergangenen Jahr durchschnittlich 33 Frauen pro Monat nachweislich von ihren Männern ermordet, weitere 22 Frauen starben unter verdächtigen Umständen.

Suzan Elik ist ein typischer Fall, ein Femizid, wie er oft in der Türkei passiert. Jahrelang sei ihre Schwester von ihrem Ehemann geprügelt und gequält worden, bevor sie floh und die Scheidung einreichte, erzählt Nalin Özaras vor dem Krankenhaus, wo Elik nach dem Schussangriff tagelang im Koma lag. Nach der Trennung habe ihr Mann sie bedroht und verfolgt; sie erwirkte ein behördliches Kontaktverbot – doch es gab kein Entrinnen.

Strafanzeigen und Kontaktverbote nützen in der Türkei wenig, sagt Hayrettin Bulan vom Verein ,,Sefkat", der in seinen Obdachlosenheimen auch bedrohte Frauen aufnimmt. ,,Eine Frau geht zehnmal zur Polizei und sagt: Der Mann will mich umbringen", berichtet Bulan dem Tagesspiegel. ,,Und was geschieht dann? Der Mann geht hin und bringt sie um." Selbst bei strafrechtlichen Ermittlungen würden gewalttätige Männer selten in Untersuchungshaft kommen und bleiben meist auf freiem Fuß.

Ayse Tuba Arslan etwa flehte die Behörden monatelang an, sie vor ihrem gewalttätigen Ex-Mann zu schützen. Nicht weniger als 22 schriftliche Anzeigen und Hilfsersuchen hatte die 44-Jährige aus dem westtürkischen Eskisehir eingereicht, bevor sie getötet wurde. Den 23. Antrag fanden Ermittler nach ihrem Tod in ihrer Handtasche. ,,Die Kontaktverbote nützen nichts", hieß es in ihrem Brief an die Justiz. ,,Ich flehe die Staatsanwaltschaft an: Wollt ihr mir erst helfen, wenn ich tot bin?"

Mit einem Beil griff ihr Ex-Mann sie auf der Straße an und hackte auf sie ein; dann stieß er ihr ein Messer in den Kopf, bis das Gehirn hervorquoll.

Viermal hatte ein Familiengericht ein Annäherungsverbot angeordnet, doch ohne Überwachung durch die Sicherheitsbehörden nützte das nichts. Für die von Arslan gemeldeten Verstöße bekam der Täter nur einmal eine Geldstrafe von umgerechnet rund 300 Euro auferlegt. Die durfte er in Raten abzahlen, während er sein Opfer weiter verfolgte, wie der Untersuchungsbericht einer Anwältinnenkommission dokumentiert.

,,Die Täter sind oft befreundet mit den Polizisten an ihrem Wohnort – da schützen sich die Männer gegenseitig", beschreibt die feministische Aktivistin Gülsun Kanat von ,,Mor Cati" (deutsch: Lila Dach). Der Verein betreibt ein Frauenhaus und eine Beratungsstelle für Verfolgte im Zentrum von Istanbul. ,,Mit Druck können wir schon etwas bewegen, weil die Gesetze auf unserer Seite sind", sagt Kanat. ,,Aber leicht ist es nicht."

Gesetzlich stehen die türkischen Frauen tatsächlich gut da, seit vor einem Jahrhundert die Türkische Republik gegründet wurde. Anstelle des islamischen Scharia-Rechts übernahm die Türkei das schweizerische Zivilrecht. Für die Frauen bedeutete das: die Abschaffung der Vielehe, Gleichstellung beim Eigentum und ein Recht auf Scheidung. 1934 bekamen die türkischen Frauen das Wahlrecht – zehn Jahre vor den Französinnen. Mit Tansu Ciller als Ministerpräsidentin hatte die Türkei schon 1993 eine Regierungschefin, mehr als ein Jahrzehnt früher als Deutschland.

Auch zur Bekämpfung der Gewalt gegen Frauen fehlt es der Türkei nicht an den gesetzlichen Grundlagen. Bei einer Strafrechtsreform im Jahr 2004 wurden die mildernden Umstände für sogenannte Ehrenmorde abgeschafft. Seitdem werden diese als besonders verwerfliche Verbrechen eingestuft und mit verschärften Strafen geahndet.

2011 unterschrieb die Türkei als erster Staat das Europarats-Abkommen zur Verhütung und Bekämpfung von Gewalt gegen Frauen, nach dem Unterzeichnungsort kurz Istanbul-Konvention genannt. Kurz darauf verabschiedete das türkische Parlament ein eigenes Gesetz zum Schutz von Frauen, das die Vorgaben der Europarats-Konvention in nationales Recht übernahm: das sogenannte Frauenschutz-Gesetz. Obwohl die Türkei nach zehn Jahren wieder aus der Konvention austrat, bleiben deren Bestimmungen als nationales Recht in Kraft.

Auf dem Papier sei also alles in Ordnung, nur nütze das den türkischen Frauen nichts, sagt Gülsun Kanat. Die Gesetze würden schlicht nicht angewandt. Stattdessen verschlimmere sich die Lage noch: 80 getötete Frauen zählten Frauengruppen in der Türkei im Jahr 2008; seither ist diese Zahl mit fast jedem Jahr gestiegen.

Liegt das an der konservativ-islamischen Regierungspartei AKP von Staatspräsident Recep Tayyip Erdogan? Die Feministin schüttelt den Kopf. ,,Das Patriarchat ist keine Erfindung dieser Regierung", sagt sie. ,,Auch frühere Regierungen stemmten sich gegen Frauenrechte, auch sie haben die Gesetze stets gegen die Frauen ausgelegt – und für die Männer."

,,Wir sagen: Jetzt ist Schluss damit", schreit Fidan Ataselim in ihr Megafon. ,,Wir nehmen es nicht mehr hin, dass Frauen umgebracht werden, weil ihnen Polizei und Justiz den Schutz verweigern! Es reicht!" Hunderte Frauen haben sich auf einem Istanbuler Platz versammelt, applaudieren, schwenken lilafarbene Fahnen.

Fidan Ataselim ist Generalsekretärin der Plattform gegen Frauenmorde. Die Ursache für die besonders hohen Zahlen in ihrer Heimat sieht sie in der mangelnden Umsetzung der Gesetze – aber auch in der Modernisierung der Gesellschaft, die manche Männer nicht akzeptieren wollen.

,,Frauen werden getötet, weil sie sich scheiden lassen wollen, weil sie arbeiten wollen, weil sie sich kleiden wollen, wie es ihnen gefällt. Sie werden getötet, weil sie über ihr eigenes Leben entscheiden wollen", sagt Ataselim. ,,Die Türkei modernisiert sich, die türkische Gesellschaft wird moderner, und die Frauen in der Türkei modernisieren sich. Die Männer aber können mit dieser Modernisierung nicht Schritt halten. Um ihre Macht nicht zu verlieren, greifen sie zu Gewalt. Sie wollen diese modernen Frauen bezwingen und unterdrücken."

Nur in einem einzigen Jahr sei die Zahl der Frauenmorde in jüngster Zeit gesunken, sagt Ataselim, und das war 2011 – das Jahr, in dem die Türkei das Istanbuler Abkommen unterzeichnete. ,,Einzig und allein die Tatsache, dass der Staat mit Unterzeichnung des Abkommens ein politisches Zeichen für Frauenrechte setzte – das hat schon gereicht, um die Zahl der Frauenmorde deutlich zu senken", sagt Ataselim. Dass die Türkei als erstes Land aus der Konvention wieder ausgestiegen sei, setze ein gegenteiliges Zeichen.

Die Frauenbewegung will den Staat in die Pflicht nehmen. Vor möglichst jedem Gericht, in dem ein Prozess gegen Frauenmörder verhandelt wird, vor jedem Krankenhaus, in dem ein Opfer von Männergewalt behandelt wird, hält das Frauen-Netzwerk Mahnwachen ab. In jedem Gerichtssaal sitzen freiwillige Prozessbeobachterinnen der Bewegung.

Mit ihrer Anwesenheit wollen sie verhindern, dass Frauenmörder mit Strafnachlässen wegen Affekt, Reue oder guter Führung davonkommen. ,,Eigentlich sollte es ja nicht notwendig sein, dass wir anwesend sind, damit ein Mörder bestraft wird", sagte eine der Aktivistinnen. ,,Die Gesetze sind eindeutig. Man muss sie nur anwenden."


Aus: ",,Wollt ihr mir erst helfen, wenn ich tot bin?"" Susanne Güsten (25.11.2025)
Quelle: https://www.tagesspiegel.de/internationales/frauen-in-der-turkei-kampfen-um-ihr-leben-wollt-ihr-mir-erst-helfen-wenn-ich-tot-bin-14903603.html

Link

Quote[...] Italien führt einen eigenen Straftatbestand für Femizid – die vorsätzliche Tötung von Frauen und Mädchen – ein. Die Abgeordneten stimmten am Dienstag einstimmig dafür. Möglich sind lebenslange Haftstrafen.

Der neue Artikel im Strafgesetzbuch führt eine Kategorie von Tötungsdelikten ,,aufgrund der Merkmale des Opfers" ein, wie es in der Gesetzesbegründung heißt. Bislang sah das italienische Recht nur erschwerende Umstände vor, wenn der Täter mit dem Opfer verheiratet oder verwandt war.

Ministerpräsidentin Giorgia Meloni begrüßte den Schritt und bezeichnete die Maßnahme als ein Instrument zur ,,Verteidigung der Freiheit und Würde jeder Frau".

Zwischen dem 1. Januar und dem 20. Oktober 2025 sind in Italien Medienberichten zufolge 85 Frauen ermordet worden. Mehr als jedes dritte Mordopfer in Italien ist weiblich, geht aus einem aktuellen Bericht des Eures-Instituts zu Femiziden in Italien hervor.

92,9 Prozent der getöteten Frauen (79 von 85) wurden im Rahmen einer Familie, oder einer Partnerschaft getötet, davon 70,9 Prozent (56 Frauen) durch den aktuellen Partner. Der Bericht demnach stellt eine ,,klare Zunahme der Gewalt in familiären Beziehungen" fest.

Auch die UN hatten gerade neue Zahlen veröffentlicht. Demnach wird weltweit etwa alle zehn Minuten schätzungsweise eine Frau oder ein Mädchen zum Opfer tödlicher Gewalt innerhalb der Beziehung oder Familie.

Im vergangenen Jahr seien weltweit etwa 83.000 Frauen gezielt umgebracht worden – und in rund 60 Prozent der Fälle sei der Täter ein Familienmitglied oder Lebenspartner gewesen, teilten die UN anlässlich des ,,Internationalen Tags gegen Gewalt an Frauen" mit. Bei getöteten Männern lag der Anteil mit nur elf Prozent drastisch niedriger.

Besonders häufig sind derartige Femizide den UN zufolge in afrikanischen Ländern. Dahinter folgen Süd- und Nordamerika. In asiatischen und europäischen Ländern gibt es zwar immer noch viele, gemessen an der Einwohnerzahl aber vergleichsweise deutlich weniger Femizide.

In Deutschland starben vergangenes Jahr nach aktuellen Zahlen aus dem Bundesinnenministerium 308 Frauen und Mädchen infolge von Gewalttaten. In 191 Fällen handelte es sich beim Täter demnach um den Partner, Ex-Partner oder ein Familienmitglied. (AFP, dpa)


Aus: "Italien führt eigenen Straftatbestand für Femizid ein" (26.11.2025)
Quelle: https://www.tagesspiegel.de/internationales/verteidigung-der-freiheit-und-wurde-jeder-frau-italien-fuhrt-eigenen-straftatbestand-fur-femizid-ein-14944427.html

Link

Quote[...] Eine Frau wird auf dem Weg zur Arbeit von ihrem eigenen Ehemann überfallen. In einer Straßenbahn schüttet er ihr Benzin ins Gesicht und über den Körper, dann zündet der 46-Jährige sie an. Jetzt beginnt der Prozess.

Ein wegen versuchten Mordes angeklagter Mann hat sich vor Gericht dazu bekannt, seine Ehefrau in einer Straßenbahn im thüringischen Gera mit Benzin übergossen und angezündet zu haben. Er empfinde tiefe Reue und Schmerz darüber, dass er seiner Frau schweres Leid zugefügt habe, erklärte Verteidiger Andreas Boine für seinen Mandanten zum Prozessauftakt vor dem Landgericht Gera.

Der Angeklagte habe das Zerbrechen seiner 30-jährigen Ehe nicht begreifen können und sei in einer tiefen Lebenskrise gewesen, die er nicht habe bewältigen können. Seine Familie mit den drei gemeinsamen Kindern sei für den 46-Jährigen maßgeblicher Lebensinhalt gewesen, erklärte der Verteidiger weiter.

Staatsanwalt Marc Prehler sagte, der Angeklagte sei in der Ehe gewalttätig gewesen. Seine Frau sei nach einem Eifersuchtsanfall des Mannes zu Jahresbeginn zu ihrer erwachsenen Tochter gezogen. Da er ohne sie nicht weiterleben wollte und diese kein selbstbestimmtes Leben führen sollte, habe der Angeklagte sich und seine Frau töten wollen, so der Vorwurf.

Am 16. März dieses Jahres bestieg der Angeklagte daher laut Prehler mit einer Flasche Benzin die Straßenbahn, mit der seine Frau immer zur Arbeit fuhr. Er habe gewusst, dass sie dort nicht fliehen konnte. Innerhalb weniger Sekunden habe er das Benzin der ahnungslosen Frau ins Gesicht geschüttet und sie angezündet.

Die Frau sei daraufhin um Hilfe schreiend und vor Schmerzen stöhnend "wie ein Feuerball", durch die Bahn gerannt, während der Angeklagte zugeschaut habe, so der Staatsanwalt. Der 46-Jährige sei dann geflüchtet und habe versucht, sich die Pulsadern aufzuschneiden. Nach dem misslungenen Versuch stellte er sich einen Tag nach der Tat bei der Polizei.

Der Angeklagte aus Georgien sitzt in Untersuchungshaft. Für den Prozess sind vorerst Termine bis zum 4. Dezember festgesetzt.

Quelle: ntv.de, mpa/dpa


Aus: "Frau in Straßenbahn angezündet - Täter gibt sich reuig" (23.10.2025)
Quelle: https://www.n-tv.de/panorama/Frau-in-Strassenbahn-angezuendet-Taeter-gibt-sich-reuig-article26114767.html

-

Quote[...] Schockierende Tat im ostthüringischen Gera: In einer Straßenbahn zündet ein 47-Jähriger im März seine Ehefrau an. Nun fällt das Urteil. Der Richter wendet sich zudem noch ein letztes Mal an den Angeklagten.

Wegen versuchten Mordes an seiner Ehefrau muss ein Mann lebenslang hinter Gitter. Das Landgericht Gera sprach ihn schuldig, im März dieses Jahres seine Frau in einer Straßenbahn mit Benzin übergossen und angezündet zu haben. Die Richter folgten mit ihrem Urteil dem Strafantrag der Staatsanwaltschaft. Die Verteidigung hatte kein konkretes Strafmaß gefordert.

Zudem muss der Mann ein Schmerzensgeld von 75.000 Euro zahlen. Der 47-jährige Georgier habe seine Frau töten wollen, weil diese die Ehe beendet wollte und diese kein selbstbestimmtes Leben führen sollte, sagte der Vorsitzende Richter Uwe Tonndorf.

Er habe sich durch die Trennung in seinem Stolz und seiner Ehre verletzt gefühlt. "Sie sind kein Monster", sagte Tonndorf zu dem Angeklagten. "Sie sind ein Mensch, der schwere Schuld auf sich geladen hat."

Quelle: ntv.de, lar/dpa


Aus: "Mann bekommt nach Anzünden seiner Ehefrau lebenslang" (27.11.2025)
Quelle: https://www.n-tv.de/panorama/Mann-bekommt-nach-Anzuenden-seiner-Ehefrau-lebenslang-id30075695.html

Link

Quote[...] Im Elsass hat sich ein Mann mehrere Nächte lang unter dem Bett seiner Ex-Frau versteckt, um sie auszuspionieren. Die Frau erlebte den Schreck ihres Lebens, als sie mitten in der Nacht durch das Schnarchen des 35-Jährigen auf den Eindringling aufmerksam wurde, wie die Zeitung ,,Les Dernières Nouvelles d'Alsace" berichtete. Die Frau hatte sich demnach mit ihrem kleinen Sohn schlafen gelegt.

Ein Gericht in Straßburg verurteilte den Mann wenige Tage später in einem beschleunigten Verfahren zu einem Jahr Haft auf Bewährung mit strengen Auflagen.

Durch ein kleines Kellerfenster sei der Mann in das Haus der Frau in Haguenau unweit der deutschen Grenze bei Baden-Baden eingedrungen, berichtete die Zeitung. Er verschaffte sich demnach auch Zugang zum Mobiltelefon der Frau und verschickte Nachrichten an ihre männlichen Bekannten.

Wie in dem Gerichtsverfahren erörtert wurde, hatte der Mann der Frau nach der Trennung massiv nachgestellt und sie bedroht. Nach einer Anzeige der Frau kam der Stalker vor einigen Wochen dann kurzzeitig in Polizeigewahrsam. Trotz eines Annäherungsverbots drang er danach in ihr Haus ein.


Aus: "Stalker versteckt sich nächtelang unter Bett seiner Ex-Frau" (27.11.2025)
Quelle: https://www.faz.net/aktuell/gesellschaft/kriminalitaet/elsass-stalker-versteckt-sich-naechtelang-unter-bett-seiner-ex-frau-accg-200271123.html

Link

Hatun ,,Aynur" Sürücü (* 17. Januar 1982 in West-Berlin; † 7. Februar 2005 in Berlin) war eine Deutsch-Kurdin, die einem sogenannten Ehrenmord zum Opfer fiel. Sie wurde an einer Bushaltestelle in Berlin-Tempelhof von einem ihrer Brüder durch drei Kopfschüsse getötet. ... Nach Angaben ihres Bruders Ayhan Sürücü besuchte dieser sie am Abend des 7. Februar 2005 in ihrer Wohnung. Es kam zum Streit, dennoch begleitete sie ihn nach draußen und auf den Weg zur Bushaltestelle an der Tempelhofer Oberlandstraße. Dort fragte er sie: ,,Bereust du deine Sünden?" und tötete sie daraufhin mit drei Kopfschüssen. Am 14. Februar 2005 nahm die Polizei drei ihrer Brüder als Tatverdächtige fest. Die Ermittler vermuteten als Tatmotiv einen sogenannten ,,Ehrenmord", nachdem sie erfahren hatten, dass Sürücü ihren Ehemann wie ihre Familie verlassen und sich entschlossen hatte, ein selbständiges Leben zu führen. Zuvor hatte Sürücü der Polizei mehrmals gegen sie gerichtete Morddrohungen gemeldet, erhielt aber keinen Schutz. ... Das Motiv war laut den Ermittlungen gekränkte Familienehre. Die Brüder hätten sich für die Schwester geschämt, die eigenständig lebte und kein Kopftuch trug. Auch hätten sie befürchtet, sie würde ihren Sohn nicht gemäß den Traditionen erziehen. Der älteste Angeklagte Mutlu (* 1980) soll die Waffe besorgt und der mittlere Bruder Alpaslan (* 1981) in Tatortnähe ,,moralischen Beistand" geleistet haben. ...
https://de.wikipedia.org/wiki/Hatun_S%C3%BCr%C3%BCc%C3%BC

"Femizid an Hatun Sürücü: Der verlorene Sohn meldet sich bei Youtube" (1.12.2025)
Can Sürücü, Sohn der vor 20 Jahren von ihrem Bruder ermordeten Hatun Aynur Sürücü, erzählt erstmals seine Geschichte. Dafür bekommt er viel Zuspruch. ... ,,Ich bin Can Sürücü", sagt der junge Mann in einem Video. Und allein mit diesem Satz, allein mit seinem Namen, hat er schon einen großen Teil seiner Geschichte erzählt. Denn der Mittzwanziger, der sich nun gemeinsam mit einem Freund auf YouTube und Tiktok zu Wort gemeldet hat, ist der Sohn von Hatun Aynur Sürücü, die 2005 von ihrem jüngsten Bruder getötet worden war. Sie hatte sich aus Zwängen ihrer Familie befreit und ihr Leben selbst nach ihren Vorstellungen gestaltet. Der Bruder erschoss sie an einer Bushaltestelle vor ihrem Wohnhaus in Tempelhof. Ein Femizid, gedeckt von der Familie, vorgeblich im Namen der Ehre. ... Can Sürücü war fünf Jahre alt, er stand kurz vor seinem 6. Geburtstag als er seine Mutter verlor. Das Jugendamt brachte ihn bei Adoptiveltern unter. Der Familie Sürücü war jeder Kontakt untersagt, und auch Freund*innen seiner Mutter wussten nicht, wo Can unter neuem Namen lebte. Und nun, gut 20 Jahre später, kommt er zurück nach Berlin. Er steht er wieder an den Orten, an denen er als Kind gespielt hat. Und er erzählt seinen ganz eigenen Teil der Geschichte, den Teil, den bisher niemand kannte. ...
https://taz.de/Femizid-an-Hatun-Sueruecue/!6133777/

"20 Jahre nach dem Sürücü-Mord: Sie wollte ihr Leben selbst bestimmen" (7.2.2025)
Als Hatun Sürücü von ihrem Bruder getötet wurde, sprachen alle von Ehrenmord. Heute reden wir von Femiziden. Macht das Gewaltstrukturen sichtbarer? ...
https://taz.de/20-Jahre-nach-dem-Sueruecue-Mord/!6063936/

https://taz.de/Grab-von-Hatun-Sueruecue/!6071600/

...

Link

Quote[...] Junge Menschen ab dem Geburtsjahr 2008 sollen dann einen Fragebogen erhalten, in dem ihre Bereitschaft für einen Dienst in der Bundeswehr abgefragt wird. Männer müssen ihn ausfüllen, Frauen können das. Zudem soll es eine verpflichtende Musterung aller jungen Männer geben. Die Möglichkeit der Verweigerung bleibt bestehen. ...


Aus: "Jugendorganisation ruft zu Streik und Protesten gegen Wehrdienst auf" (2. Dezember 2025)
Quelle: https://www.zeit.de/gesellschaft/zeitgeschehen/2025-12/wehrdienst-gesetz-jugendorganisation-protest-schulstreik


QuoteRidikolaus

Stabil Jungs, lasst die Boomer selbst in den Schützengräben verrecken wenn sie Krieg spielen wollen.
Die Welt ist zu schön um auf Befehl sein Hirn in Jungen Jahren auf dem Boden verteilen zu lassen. :)


QuoteT. Becker

Im Ernstfall wirst Du eh als letzter gefragt ob du willst.


QuoteEmoika

Der Protest ist mehr als verständlich. Angesichts der Rückwärtsgewandheit in Deutschland besteht das große Risiko, dass irgendeine der kommenden Regierungen in D die Jugend wieder so sinnlos verheizen wird wie weiland vor Verdun.


QuoteSicht der Dinge

Die Wohlstandsverwahrlosung nimmt mittlerweile grozeske Züge an. Man kann aber ganz klar die Schuldigen benennen, denn wenn an der eigenen Misere wahlweise immer der Staat, die Gesellschaft, die Reichen oder andere Gruppen schuld sind, dann sieht irgendwann auch der Hinterletzte nicht mehr ein, dass er primär eigenverantwortlich zu leben und ggf. auch etwas für alle zu tun hat. Danke linker Klassenkampf, danke Sozialindustrie. Zudem ist die ,,nicht-mehr-den-Arsch hochkriegen-Mentalität" eine klare Folge der bedürfnisorientierten Erziehung. Wer es nur kennt, in seinen Bedürfnissen bedient zu werden, nimmt gerne alle Rechte, aber keine Pflichten mehr wahr. Mit der Einstellung ist kein Staat mehr zu machen.


QuoteAffinity

@Sicht der Dinge

Bei wem glauben Sie eigentlich, mit diesem autoritären Gebashe im Stil des 20. Jahrhunderts noch punkten zu können?


QuoteLias Bledt

Antwort auf @Affinity

Das hat mit "autoritär" nichts zu tun.

Wer nicht dahingehend erzogen wurde, selbständig zu sein, wird es nie werden. Wer von klein auf hört, dass immer andere schuld an der eigenen Misere sind, wird nie auf die Idee kommen, dass er auch selbst Verantwortung zu tragen hat.

Das ist nur natürlich und hat überhaupt nichts mit "Gebashe" und schon gar nicht mit bestimmten Jahrhunderten zu tun.


QuoteKiel des Schiffes

Antwort auf @Lias Bledt

"Selbständig erzogen" ist man Ihrer Meinung also nur, wenn man zu den Waffen greift und alles einfach so akzeptiert was andere über den eigenen Kopf hinweg entscheiden?


QuoteLias Bledt

Antwort auf @Kiel des Schiffes

Irgendwie kann man den Eindruck kriegen, dass Sie ein absolutes "Lesen und Verstehen"-Problem haben.

Könnten Sie, statt Polemik zu betreiben, auch mal auf das insgesamt Geschriebene eingehen und zumindest versuchen, dies nachzuvollziehen?

Wie kann man auf den Trichter kommen, dass es einen Automatismus zu "selbständig erzogen" und "zu den Waffen greifen" gibt? Es geht nicht um "An die Waffen" als Selbstzweck, sondern darum, zu überlegen, was man selbst tun kann, um einen Aggressor zu bändigen. Und wenn dabei herauskommt, dass (jedenfalls auch historisch erwiesen) eigene Stärke am besten vor fremden Aggressionen schützt, dann ist dies der Zweck, sich zu bewaffnen.


QuoteKiel des Schiffes

Antwort auf @Lias Bledt

Man muss überhaupt nichts tun. Man kann insbesondere den Kriegsdienst verweigern, das ist ein Grundrecht. ...


QuoteZiegenkäse

Ich finde den Widerstand gut. Dieser aufkeimende Militarismus ist wirklich gruselig. ...


QuoteBoroti bidza

ich finde Moskaus Militarismus gruselig? Sie anscheinend nicht?


QuoteZiegenkäse

Antwort auf @Boroti bidza

Auf Militarismus mit Militarismus zu antworten hat ja im langen 19. Jhd. schon unheimlich gut geklappt...


QuoteSanaten

Naja, nachdem der Chef der Reservisten im Interview bei arte meinte "machen wir uns mal ehrlich, wir brauchen am Ende einfach sehr viel Menschenmaterial" wundert mich das nicht. Ich wunder mich eher, dass die alle arte gucken :-)


QuoteJGzilla

Erbärmlich wie die heutige Jugend die Realität nicht erkennen kann.


QuoteSepp1848

Nicht aufregen und locker bleiben. Im Fall der Fälle werden alle Männer zwischen 18 und 60 eingezogen, das Eigentum beschlagnahmt, die Berufs- und Reisefreiheit eingefroren. Je nach Verlustrate werden noch mehr Rechte und Freiheiten eingeschränkt.


QuoteAffinity

Machen wir's einfach so wie beim Klimawandel: ,,Ob ich mich in die Schusslinie stelle oder nicht, macht keinen Unterschied, denn das macht ja nur 0,0000x% der Wehrhaftigkeit aus. Und wer meint, sein Einsatz würde einen erheblichen Unterschied ausmachen, der möge es eben tun."


QuoteMarcusina

Alle, die sich hier so aufregen, weil junge Leute gegen die Wehrpflicht sind, können sich ja gerne freiwillig melden.

Wieso sind sie nicht selber bei der Bundeswehr? Haben sich ihre Kinder schon dort gemeldet?

Oder noch besser, verteidigen sie unsere Freiheit freiwillig in der Ukraine? Dort wird bekanntlich immer Personal gesucht.

In einer Arte Dokumentation wurden übrigens deutsche Freiwillige in der Ukraine eine Zeit lang begleitet. Der eine, ehemaliger Bundeswehrangehöriger konnte leider zuletzt nicht mehr interviewt werden, er hatte sich umgebracht.


...

Link

Quote[...] Internationaler Protest formiert sich gegen die drohende Hinrichtung von Zahra Tabari. Die iranische Aktivistin hatte lediglich ein Plakat mit einem Slogan hochgehalten.

Ihr Vergehen bestand darin, dass sie bei einer Demonstration ein Stück Stoff hochgehalten hatte, auf dem drei Wörter zu lesen waren: "Frau. Widerstand. Freiheit". Das genügte dem iranischen Mullah-Regime, um die pensionierte Ingenieurin Zahra Tabari zum Tode zu verurteilen. So berichtet es unter anderem das regierungskritische iranische Portal "Iran Wire".

Am 17. April dieses Jahres drangen demnach fünf Polizisten in die Wohnung der 67-Jährigen in der nordiranischen Stadt Rascht ein und nahmen die Frau fest. Sie konfiszierten Tabaris Handy und Computer und nahmen sie mit. Nun wartet sie im berüchtigten Lakan Gefängnis in Rascht auf ihre Hinrichtung. Dort sollen Gefangene unter menschenunwürdigen Bedingungen inhaftiert sein, wie Nichtregierungsorganisationen berichten. Unter anderem soll es dort auch zur Folter kommen.

Mehr als 400 prominente Frauen aus aller Welt, darunter vier Nobelpreisträgerinnen und ehemalige Präsidentinnen und Regierungschefinnen, haben jetzt in einem gemeinsamen Brief die sofortige Freilassung der Aktivistin gefordert. In dem von der in London ansässigen Organisation Justice for the Victims of the 1988 Massacre in Iran (JVMI) initiierten Brief hieß es, Tabari solle "allein wegen des Hochhaltens eines Banners mit der Aufschrift 'Frau, Widerstand, Freiheit' hingerichtet werden".

Bei den Worten auf dem Banner handelt es sich um eine Abwandlung des während der landesweiten Protestwelle 2022 im Iran populären Slogans "Frau, Leben, Freiheit". Die Proteste waren durch den Tod der jungen Kurdin Mahsa Amini in Polizeigewahrsam ausgelöst worden.

Bei antiamerikanischen Protesten in Teheran zeigen Frauen das Bild des Ayatollah Ali Khamenei.

Zu den Unterzeichnerinnen des Schreibens zählen unter anderem ehemalige Präsidentinnen der Schweiz und Ecuadors sowie ehemalige Regierungschefinnen Finnlands, Perus, Polens und der Ukraine. Der Fall Tabari zeige den "Terror", dem Frauen im Iran ausgesetzt seien, hieß es darin. Das Land weise "weltweit die höchste Zahl an Hinrichtungen von Frauen" pro Kopf auf.

In iranischen Medien wurde nicht über den Fall berichtet und die Verhängung der Todesstrafe gegen Tabari wurde nicht offiziell bestätigt. Der Prozess gegen Tabari dauerte nach Angaben von "Iran Wire" ganze zehn Minuten und fand per Videoschalte statt. Einen Rechtsbeistand hatte die Aktivistin dabei offenbar nicht. Der Vorwurf gegen die Ingenieurin lautete offiziell "Mitgliedschaft in einer terroristischen Vereinigung". Demnach soll die 67-Jährige den gewaltsamen Umsturz mitorganisiert haben.

Dem theokratischen Regime in Teheran werden seit Jahren schwere Verstöße gegen die Menschenrechte und rechtsstaatliche Prinzipien vorgeworfen. So veröffentlichten am Dienstag auch acht unabhängige Menschenrechtsexperten der UN eine gemeinsame Erklärung, in der sie fordern, dass der Iran die Hinrichtung "unverzüglich stoppt". Der Fall Tabari zeige "ein Muster schwerwiegender Verstöße gegen internationale Menschenrechtsgesetze in Bezug auf Garantien für faire Gerichtsverfahren sowie die unangemessene Anwendung der Todesstrafe für weit gefasste und unklar definierte Verstöße gegen die nationale Sicherheit", hieß es in der Erklärung.

Öffentlich Solidarität mit der iranischen Freiheits- und Frauenbewegung zu zeigen, ist gefahrlos nur im Ausland möglich, wie hier bei einer Demonstration in der Türkei im November 2025.

Dabei geht das Mullah-Regime offenbar immer rücksichtsloser vor. Allein zwischen Januar und September dieses Jahres sollen in dem Land mehr als 1.000 Menschen hingerichtet worden sein. Das berichtet die Menschenrechtsorganisation Iran Human Rights (IHRNGO). Viele der Hingerichteten hätten keinen fairen Prozess erhalten oder seien unter fadenscheinigen Vorwürfen verurteilt worden. Damit stieg die Zahl der Hinrichtungen in diesem Jahr auf ein 30-Jahres-Hoch.

Besonders brutal geht das Regime gegen Frauen vor. Laut der in Norwegen ansässigen Organisation Iran Human Rights (IHR) wurden im Iran allein in diesem Jahr bereits mehr als 40 Frauen hingerichtet. Erst vor wenigen Tagen war die iranische Friedensnobelpreisträgerin Nargis Mohammadi von Sicherheitskräften festgenommen worden. Die Polizisten hätten dabei Gewalt ausgeübt, Mohammadi habe Verletzungen an Kopf und Hals erlitten, wie ihr Bruder Hamid Mohammadi der Nachrichtenagentur AFP sagte. "Wir sind sehr besorgt darüber, wie sie festgehalten wird, wo sie festgehalten wird und wie sie behandelt wird", sagte er.

Auch sei seiner Schwester ärztliche Versorgung nach der Festnahme verweigert worden. Mohammadis im Iran lebender Bruder habe versucht, die Behörden von einer unabhängigen Untersuchung zu überzeugen, "um sicherzustellen, dass sie keine inneren Blutungen im Kopf oder anderen Organen hat". Nach Angaben der Staatsanwaltschaft wurden insgesamt 38 Menschen festgenommen, darunter neben Mohammadi auch die Menschenrechtsanwältin Sepideh Gholian.

Was ihr und den anderen festgenommenen Aktivisten vorgeworfen werde, sei unklar, erklärte Mohammadis Stiftung. Die Aktivistin wisse nicht, "welche Sicherheitsbehörde sie derzeit festhält". Sie sei während und nach ihrer Festnahme beschuldigt worden, "mit der israelischen Regierung zusammenzuarbeiten". Die iranischen Behörden haben die Anklagepunkte bisher nicht bestätigt.

Die Freiheitskämpferin wurde zuletzt im November 2021 festgenommen und verbrachte bereits mehrere Jahre im Gefängnis. Im Dezember 2024 war sie aus gesundheitlichen Gründen aus ihrer Haft im berüchtigten Evin-Gefängnis bei Teheran freigelassen worden, dies sei aber nur vorübergehend, wurde damals betont. Zudem durfte sie den Iran nach eigenen Angaben nicht mehr verlassen.


Aus: "Frau zeigt Plakat – jetzt soll sie hingerichtet werden" (24.12.2025)
Quelle: https://www.t-online.de/nachrichten/ausland/internationale-politik/id_101057016/iran-frau-zeigt-plakat-jetzt-soll-sie-hingerichtet-werden.html

"UN experts urge Iran to stop execution of woman activist" David Gritten (24.12.2025)
UN experts and 400 prominent women have urged Iran not to execute Zahra Tabari, a 67-year-old electrical engineer and women's rights activist. ...
https://www.bbc.com/news/articles/cwyxz5jken3o

Link

Zu: https://www.derstandard.at/story/2000132186801/warum-romy-schneider-keine-kaiserin-der-herzen-ist : ... VergebenerCommunityName, 31. Dezember 2021, 09:10:32: " ... Also für mich ist Romy Schneider eine Kaiserin der Herzen. Zumindest solange der Film dauert. ... Andere brauchen Rauschgift und Alkohol, um sich die Welt schöner zu machen und gute Laute zu bekommen. Bei mir genügt ein 90-minütiger Sisi-Film. Und NEIN, ich schäme mich ÜBERHAUPT NICHT dafür. Und JA, ich weiß nach 90 Minuten, dass das nicht die Realität war. ..."
-.-
Stone17, 31. Dezember 2021, 09:06:11: " ... Ich hab mir gestern seit meiner Kindheit erstmals wieder einen der Sissi-Filme angesehen. Viel heile Welt hab ich da aber nicht gesehen um ehrlich zu sein. ..."
-.-
Polly Esther, 31. Dezember 2021, 07:31:06: " ... Einer Welt, in der Frauen bestenfalls zu gefügigen, sich aufopfernden, dem Kaiserreich dienenden, unmündigen Personen deklariert wurden, deren Freiheiten und Lebensentscheidungen immer von Männern abhängig und somit eingeschränkt waren. Leider wahr. Und deshalb um so erstaunlicher dass bei den Sisi-Filmen wohl deutlich mehr weibliches als männliches Publikum vor den TV-Geräten einfindet. Weshalb das so ist, das wäre mal eine Analyse wert. ..."

-

QuoteAmbivalenz (lateinisch ambo ,,beide" und valere ,,gelten") bezeichnet einen inneren Zustand, der wesentlich geprägt ist von einem inneren Konflikt. Dabei bestehen in einer Person sich widersprechende Wünsche, Gefühle und Gedanken gleichzeitig nebeneinander und führen zu inneren Spannungen.
In der Allgemeinsprache gebräuchlicher ist das Adjektiv ambivalent (zwiespältig, doppelwertig, mehrdeutig, vielfältig, zweideutig). Eugen Bleuler verwendete den Begriff erstmals 1910 während eines Vortrags. Für ihn war Ambivalenz ein Hauptmerkmal der Schizophrenie. Im heutigen Sprachgebrauch, auch im klinischen Bereich, versteht man unter ,,Ambivalenz" aber kein Symptom einer Krankheit, sondern das Erleben einer konflikthaften, von gegensätzlichen Aspekten geprägten Bewertung der Situation oder eines Objekts. Dieses Erleben basiert auf der erworbenen Fähigkeit, auf Abwehr durch Spaltung zu verzichten und gegensätzliche Erlebniszustände zu ertragen. ...


Quelle: https://de.wikipedia.org/wiki/Ambivalenz (15. November 2025)

-

Quote[...] Kaitlyn ist 25, liebt Trump und Männer, die führen, lehnt Sex vor der Ehe ab und Liberale. Unsere Autorin fährt mit ihr zusammen in den Urlaub. Wie lassen sich mit Trump-Fans Freundschaften führen?

taz FUTURZWEI | Kaitlyn könnte meine anderen Freunde nie treffen. Niemals. Schon ein gemeinsames Kaffeetrinken würde auf eine Volleskalation hinauslaufen.

Das Urteil wäre auf beiden Seiten vernichtend. Das ist nicht überraschend, denn Kaitlyn ist Trumpianerin. Kein Sex vor der Ehe und keine Schminke sind genauso Teil ihres Standard-Repertoires wie die Politik der derzeitigen US-Regierung. Manchmal klingt sie wie die Obersprecherin des Weißen Hauses. ,,Progressive people are loud and pushy," [,,Progressive Menschen sind laut und aufdringlich"] sagt Kaitlyn gerne.

Progressive sind wie ein Kaugummi, auf das man versehentlich tritt: Längst am Boden, nur noch lästig. Für Kaitlyn ist die Sache klar. Trump materialisiert den Sieg über die völlig verirrten Wokies und das Ende der Hegemonie ihrer Minderheitsideologie.

Wenn Kaitlyn ihre Welt beschreibt, kommt mir nichts bekannt vor. Alles geht gegen die progressiven Illusionen meiner Kindheit. Von denen bleibt sowieso nur noch die verstörende Realität einer sich entliberalisierenden Welt, in der sich immer weniger Menschen lieb haben. Wenigstens eine Gewissheit gibt es für uns noch. Am Niedergang sind Leute wie Kaitlyn schuld. Um es mit den Worten meiner anderen Freunde zu sagen, sie geht einfach gar nicht.

Wir haben uns in einem kleinen Dorf in einem US-amerikanischen Flyover State kennengelernt. Es war mein Auslandsjahr, 11. Klasse. Von einer anderen Girls-Clique war ich gerade abserviert worden. Mutmaßlich aufgrund meiner unbedarften Party-Erzählungen aus Berlin-Mitte, die sich nicht gerade um Keuschheitsringe drehten.

Kaitlyn wirkte lustig, provokant und vor allem – offen. Wir fuhren nach der Schule zum einzigen lokalen Etablissement, dem Dairy-Queen neben der Tankstelle. Über dem ersten Blizzard-Eis wurde klar: Sie findet alles politisch. Und für mich gibt es nichts, was es nicht ist. Schon damals waren wir nie einer Meinung, aber irgendwie war das okay, fast sogar aufregend.

Zu einer Zeit, als brave US-Familien längst nicht mehr über Politik redeten, wurden wir durch diesen beinah rebellischen Akt zu Freundinnen. Das ist zehn Jahre her und ich kriege immer noch fast jeden Tag Nachrichten von ihr. Und es geht immer voll zur Sache. ,,Charlie Kirk – was sagst du?", schreibt sie, da liege ich schon im Bett. Egal welchen Streit der Algorithmus provoziert, wir sind nie einer Meinung. Als ich die Anklage der Schauspielerin Blake Lively gegen ihren Regisseur Justin Baldoni wegen sexueller Belästigung als Befreiungsschlag sah, war sie der Meinung, der arme Mann werde verleumdet. In meiner Empörung über JD Vances Rede auf der Münchner Sicherheitskonferenz sah sie seine Kritik an angeblich fehlender Meinungsfreiheit in Europa restlos bestätigt.

Das zwischen uns läuft eigentlich alles digital und an meinem Freundeskreis vorbei. Nur im Sommer, da steht Kaitlyn immer wieder mal mit ihrem Koffer vor mir. Dann hören meine anderen Freundinnen von ihr. Wie kannst du mit so jemandem immer noch befreundet sein, stöhnen die auch vor diesem Urlaub. Tja, wie kann ich?

Und doch sitzen wir zu zweit am Strand einer kleinen Stadt am Ionischen Meer und trinken auf Plastikstühlen unsere Limos. Alkohol oder Kaffee gibt's auch im Urlaub nicht. Kaitlyns weißblonde Haare sind ganz glatt, ihr Kleid bedeckt wie immer ihre Schenkel. Sie kleidet sich modest. Religiöser Sprech dafür, Sexyness zu vermeiden.

,,Ich glaube einfach nicht, dass es das Patriarchat gibt," sagt sie gerade. Es ist erst Tag zwei und ich fühle mich schon wie ein eingesperrtes Vögelchen. Ich verweise auf Catcalling, Gender Pay Gap, die vielen sexuellen Übergriffe, die ich selbst erlebt habe, auf Femizide. Gewalt gegen Frauen liege leider inhärent in der Biologie der Männer, sagt Kaitlyn.

Aber das bedeute, wir Frauen müssten halt aufpassen, schlauer sein. Sie zwinkert ernsthaft. Zumindest hier sind wir uns einig: It's a Man's World. Aber sie stört nichts daran. Wie kannst du das nicht ungerecht finden, frage ich sie. Keine Reaktion. Kaitlyn erwartet von ihrem zukünftigen Mann, der strong leader of the household zu sein. Eine starke Führungspersönlichkeit. ,,Willst du etwa einen Weakling?", fragt sie und lacht. Wir laufen zum Strand. Die Sonne meint es gut, es ist viel zu heiß zum Reden.

Kaitlyn ist 25 Jahre alt und nach ihren Maßstäben perfektes Wife-Material: Eifrig bereit, Hausfrau zu werden. Aber sie ist auch fleißig, schlau, gut ausgebildet und hat einen hochkarätigen Job. Die letzten Jahre war sie überall auf der Welt. Für Liberale ist das unangenehm, die Hillbilly-Schablone passt nicht.

Als klassische Protestwählerin lässt sie sich auch nicht abwiegeln. Nichts ist ihr ferner, als wegen irgendetwas ,,ungerecht" zu schreien.

Nachdem die matchy Hotel-Handtücher ausgerollt sind, frage ich sie nach ihrer politischen Selbstbezeichnung. ,,I just believe in conservative values," sagt sie. Ich glaube an konservative Werte. Das bedeutet für sie: Alle sollen machen, was sie wollen. Aber das reiche den Progressiven nicht. ,,Sie wollen mich zwingen, ihren Unsinn auch noch gut zu finden," sagt sie jetzt empört.

Trumps Angriff auf demokratische Institutionen, auf Wissenschaft, Universitäten, Rechtsstaatlichkeit und Meinungsfreiheit, die Deportationen, die brutale Spaltung der Gesellschaft, alles prallt an ihr ab.

Mit einem Argument habe ich sie dann mal: Trump ist definitiv kein aufrechter Konservativer. Sie druckst rum. Ja, aber der Kampf gegen Wokeness spreche trotzdem für ihn. Die hegemoniale These in liberalen Kreisen erklärt es so: Obama war zu viel. US-Amerika war nicht bereit. Und das hier – Kaitlyns Agitation – ist der Backlash.

Reaktionäre Männerkörper wie der von Trump werden reanimiert und gestreichelt, weil die Progressiven fast ein wokes Regime installiert hätten.

Wir laufen ins warme Meerwasser und ich traue mich: ,,Bin ich nicht auch woke?", frage ich sie. Ihre Realität unterteilt die Welt politisch in konservativ-rechts (gut) und liberal-progressiv (bäh). Aus unerklärlichen Gründen habe ich es geschafft, nur als ,,liberal" durchzugehen, ohne die fatale zweite Zuschreibung. ,,Liberale Ideen klingen in der Theorie gut, aber in der Praxis sind sie nicht so toll," sagt Kaitlyn.

Als Beispiel führt sie die Toilettennutzung von Transfrauen an. Und hier wird es reaktionär, sie sieht zu viel Potenzial, dass verkleidete Männer sich so an Frauen vergehen. Generell gäbe es einen riesigen Trend. Alle wollten auf einmal trans sein. Ihre Argumentation ist völlig absurd. Ich weise sie bestimmt darauf hin, dass sie gerade noch behauptet hat, alle Menschen zu akzeptieren. ,,Nicht, wenn sie mich einschränken," sagt sie. So funktioniert das reaktionäre Argument, der vermeintliche Angriff auf die eigene Identität wird zur Legitimationsstruktur für inhärentes Unrecht.

Der große Vorteil an unserer digitalen Beziehung ist: Ich kann sie mit dem Handy einfach zur Seite legen. Hier am Strand geht das nicht. Bevor Kaitlyn jetzt weiterredet, gebe ich ihr schnell einen Kopfhörer. Wir hören Where is my husband? Eine Frage, die uns verbindet. Ich warne sie routinemäßig: Der Song benutzt ,,Swear Words". Böse Schimpfwörter wie ,,Fuck".

Während wir so im Sand liegen, kriege ich wieder das Gefühl, dass diese Freundschaft aus mir einen schlechten Menschen macht. Ich erinnere mich an gestern Abend. Da hatte Kaitlyn über einem Gyros-Pita mal wieder ihre rituelle Skepsis gegenüber der Klimakrise gepflegt, in kompletter Ignoranz der wissenschaftlichen Faktenlage. ,,Es war immer mal wärmer," sagte sie. Ich wehre mich mit allem, was ich weiß, aber das Schlimme in unserer gemeinsamen Woche ist: Oft habe ich ihr auch einfach nichts entgegenzusetzen. Sie lacht dann so gewinnerhaft.

Wir stehen auf den zwei Seiten der Gegenwart. Algorithmus und Populismus haben nur eine Mission, sie wollen uns immer weiter auseinandertreiben. ,,Also, ich könnte das nicht," sagte eine Freundin zu mir, bevor ich in den Urlaub fuhr. Kaitlyns Freundinnen sagen das Gleiche zu ihr. In den Peergroups, aus denen wir kommen, wird radikal sein belohnt. Selbstverständlich nur im eigenen Sinne. Vielleicht sind wir deswegen all die Jahre Freundinnen geblieben. Im Widerstand gegen das Narrativ der unvereinbaren Lebensrealitäten. Trotzig und bestimmt darin, dass Freundschaft doch auch mit Andersdenken möglich bleiben muss.

Aber das sagt sich so leicht. Die ganze Woche pendele ich zwischen zwei Perspektiven hin und her: Erstens, auch wenn Liberale es nicht wahrhaben wollen, Trump und seine Follower sind gekommen, um zu bleiben. Wenn wir keine Parallelrealitäten wollen, müssen Leute aneinander dranbleiben. Zweitens, für immer an Menschen festzuhalten – mögen sie noch so faktenfern und diskriminierend argumentieren – das geht nicht.

,,Was würdest du tun, wenn dein Kind homosexuell wäre?", fragt Kaitlyn mich in der Taverne.

Ich würde es lieben und unterstützen, was denn sonst?

,,Ich wäre damit nicht einverstanden," sagt sie, als wäre es eine Frage der Zustimmung. Ich weiß nicht, ob unsere Freundschaft vorbei wäre, wenn ich plötzlich eine Partnerin hätte. Das habe ich mich nie getraut, sie zu fragen. Für viele Menschen wäre dieser gemeinsame Urlaub spätestens hier vorbei. Mit guten Gründen. Aber ich bin hier. Ich kann das aushalten. Ich denke: Das ist ein Privileg, ich muss es nutzen.

Am Ende der Woche verabschieden wir uns am Flughafen. Ich bin müde und sehne mich nach Wohlfühl-Terrain, will zurück in meine Kuscheldecken-Peergroup, die mich einhüllt und versteht und immer bejaht. Aber kaum ist Kaitlyn weg, vermisse ich sie.


Aus: "Hilfe, meine Freundin mag Trump!" Paulina Unfried (24.12.2025)
Quelle: https://taz.de/Aushalten-mit-Trump-Anhaengerinnen/!vn6139458/

-

Kontext: ... sie sieht zu viel Potenzial, dass "verkleidete" Männer sich so an Frauen vergehen. ...

Quote[...] Queer- und transfeindliche Rhetorik ist heute allgegenwärtig. Das ist nicht überraschend, denn auch früher flammte sie stets in Krisenzeiten auf.

Die AfD spricht von der ,,Trans Lobby", von ,,Männern, die sich einbilden, Frauen zu sein", setzt trans Menschen mit Pädophilen gleich und nennt sie ,,pervers". In Großbritannien hat sich die ,,Harry Potter"-Autorin J. K. Rowling einen Namen als Terf (trans-exkludierende radikale Feministin) gemacht, indem sie gegen trans Menschen hetzt und pseudofeministische Frauengruppen finanziell unterstützt.

Sie erreichten mit einer Klage, dass der britische Oberste Gerichtshof entschied, Geschlecht sei binär und Frauen nach dem ,,biologischen Geschlecht" zu bestimmen. In den USA betont Trump, es gebe nur zwei Geschlechter, und will per Dekret trans Menschen vom Frauensport ausschließen. In Russland wurde die ,,internationale LGBT-Bewegung" zu einer ,,extremistischen Organisation" erklärt.

,,In Zeiten nationaler und globaler Krisen werden sexuelle und ethnische Minderheiten häufig zum Sündenbock instrumentalisiert und für gesellschaftliche Probleme verantwortlich gemacht", sagt die kanadische Historikerin Dr. Jennifer Evans. Sie forscht zu zeitgenössischer deutscher und europäischer Geschichte mit Schwerpunkt auf Sexualität und Geschlecht. Marginalisierte Gruppen würden als Erklärung herangezogen, wenn Gesellschaften Antworten auf Krisen suchten.

Wenn marginalisierte Personen Rechte oder Privilegien errungen hätten, erlebten soziale Bewegungen zudem oft eine Gegenreaktion. ,,Je größer die Sichtbarkeit, desto größer die Spannung", erklärt Evans. Als Beispiel nennt sie den schwulen jüdischen Sexualforscher Magnus Hirschfeld, der in den 1920er Jahren das Institut für Sexualwissenschaften in Berlin gründete und große Fortschritte erreichte, bevor die Nationalsozialisten seine Arbeit zerstörten und ihn ins Exil trieben.

Hirschfeld stand kurz davor, mit seinem Anliegen, den Paragrafen 175 abzuschaffen, erfolgreich zu sein. Der stellte bis 1994 sexuelle Handlungen zwischen Personen männlichen Geschlechts unter Strafe. Hirschfeld hinterfragte die Binarität von Geschlecht und setzte sich für die Akzeptanz von trans Menschen ein. ,,Genau in dieser Phase der Sichtbarkeit begannen die Nazis, diese Errungenschaften wieder zu untergraben", so Evans. ,,Wenn wir glauben, alles erreicht zu haben, merken wir, dass der Kampf nie wirklich vorbei ist."

Unter der Merz-Regierung wird, anders als in den Vorjahren, die Pride-Flagge nicht mehr am Bundestag gehisst. Die Beschäftigten der Bundestagsverwaltung dürfen nicht als Teil ihres queeren Netzwerks am CSD teilnehmen. ,,Und das zu einer Zeit, in der wir an Universitäten eine starke Repräsentation von Frauen und Minderheiten erleben", sagt Evans.

Transfeindliche Sprache und Narrative verbreiten sich besonders schnell in den sozialen Medien. Schlagworte sind dabei ,,Gender-Indoktrination" oder ,,Gender-Ideologie", also die Annahme, dass LGBTIQ* ihre Ansichten über Geschlecht und Sexualität der Mehrheitsgesellschaft aufzwingen würden, oder die Behauptung, dass Kinder vor trans Menschen ,,geschützt" werden müssten.

Erst kürzlich hatte die AfD einen Antrag gestellt, das Selbstbestimmungsgesetz, dass es trans, intergeschlechtlichen und nichtbinären Personen erleichtert, ihren Geschlechtseintrag ändern zu lassen, wieder abzuschaffen. Bei der Sitzung fragte die AfD-Politikerin Birgit Bessin: ,,Wie steht es eigentlich um das Thema Pädophilie?"

Evans stellt klar: ,,Die pauschale Annahme, dass trans Menschen Kinder gefährden oder indoktrinieren würden, ist nicht mehr als ein Schreckgespenst – allerdings ein mächtiges, das emotionalisiert."

,,Queerfeindliche Rhetorik wird oft mit dem Schutz von Kindern gerechtfertigt, um eine ,moralische Panik' auszulösen", sagt Lisa Gaufman, die zu politischer Theorie, internationalen Beziehungen und Medien forscht. In der Politikwissenschaft spricht man von ,,Securitization", also der Darstellung eines Themas als Bedrohung, um politische Maßnahmen zu legitimieren.

,,Wird etwas als Gefahr für Kinder dargestellt, erzeugt das besonders starke emotionale Reaktionen und Zustimmung in der Bevölkerung." Diese Strategie funktioniert in Sozialen Medien besonders gut: Wut steigert Interaktionen und wird von Algorithmen bevorzugt, weil sie Aufmerksamkeit und somit Profit generiert.

Laut Gaufman spielt Wut auch in Desinformationskampagnen eine zentrale Rolle. Aktuell arbeitet sie an dem von der EU geförderten Projekt ,,De-Conspirator", das ausländische Einflussnahme durch Desinformation untersucht. Politische Akteur*innen nutzen diese als Instrument moderner Kriegsführung, um öffentliche Diskurse gezielt zu manipulieren und Spaltung sowie Polarisierung zu erreichen.

Dafür werden unter anderem queere Menschen instrumentalisiert. Ein Beispiel ist Russland, das laut einer Princeton-Studie von 2024 führend bei internationalen Online-Desinformationskampagnen ist. Eine solche Kampagne zielte etwa auf die EU, um Russlands Angriffskrieg auf die Ukraine zu rechtfertigen und Zustimmung für den Kreml zu erzeugen.

Ein zentrales Propagandaargument des Kremls: Europa sei ,,verweichlicht", ,,gay" und ,,moralisch verfallen", da es LGBTIQ* akzeptiere. Russland dagegen inszeniert sich als starkes, männlich-dominiertes Land, das ,,traditionelle Werte" verteidige und Kinder schütze.

Der Angriffskrieg solle die Ukraine vor diesem Verfall retten. ,,In dieser Darstellung verkörpert Europa keine 'wahren Werte', sondern ist von liberaler, dekadenter LGBTIQ*-Ideologie unterwandert und verliert seine kulturelle Identität", sagt Gaufman. ,,Das knüpft an rechtsextreme Sichtweisen innerhalb Europas an, wo ebenfalls von einem Werteverfall die Rede ist."

Ohne einheimische Akteure sei die Verbreitung solcher Desinformation in Europa aber kaum möglich. ,,Sie knüpfen an bereits vorhandene Erzählungen und Spannungen im jeweiligen Land an", so Gaufman. Bei ihrer Forschung ist sie unter anderem auf die rechtsextremen Kleinstpartei der ,,Freien Sachsen" gestoßen, die über Telegram rechtsradikale, fremdenfeindliche und queerfeindliche Inhalte teilt.

Letztes Jahr beteiligten sie sich an fünf Anti-CSD-Demonstrationen und mobilisierten dabei hunderte Neonazis. ,,Rechtsradikale Gruppen in Europa greifen gerne queerfeindliche Desinformation auf. Dabei befürworten sie auch die Anti-LGBTIQ*-Gesetze Russlands", so Gaufman, ,,Russland gilt ihnen als Staat, in dem 'Frauen noch Frauen und Männer noch Männer sind'."

Evans betont: ,,Russland mag vielleicht besonders effektiv darin sein, queerfeindliches Gedankengut zu verbreiten, aber auch liberale Demokratien sind keine sicheren Zufluchtsorte – das sehen wir in Kanada, den USA und Deutschland." Hart erkämpfte Fortschritte könnten leicht wieder weggenommen werden.

,,Es ist nicht selbstverständlich, dass queere und trans Menschen in Demokratien akzeptiert werden." Dass trans Personen heute weltweit am meisten von Desinformation und Diskriminierung betroffen sind, sieht Evans auch als Kehrseite eines grundsätzlich positiven Wandels: die zunehmende Sichtbarkeit von trans Personen im öffentlichen Raum.

In Zeiten sozialer Spannung wurde Geschlechtsnonkonformität historisch immer wieder als gefährlich oder bedrohlich angesehen. Im Zentrum stand nicht die Angst vor bestimmten Identitäten, sondern vor ,,überschrittenen" Geschlechtergrenzen. ,,Die heutige Anti-Trans- oder Anti-Drag-Rhetorik kann als Fortsetzung dieser seit langem bestehenden Angst vor gender-crossing gesehen werden", erklärt Evans. Sie sieht darin heute jedoch eine Diskursverschiebung, ,,ein allmähliches Einsickern rechter Denkweisen in die politische Mitte."

Queere Geschichte müsse daher noch sichtbarer werden – in Schulen, Museen und Lehrbüchern. ,,Queer- und Trans-Geschichte ist Geschichte, kein Sonderthema", sagt Evans. Mit zunehmendem politischen Druck, Budgetkürzungen sowie der aktuellen Sparpolitik werde das jedoch immer schwieriger.

Queere Institutionen, die diese Geschichte bewahren – wie der Sonntags-Club, das SchwuZ oder das Schwule Museum in Berlin –, haben aktuell damit zu kämpfen. Es müsse in der Mitte der Gesellschaft ankommen, dass trans Menschen schon immer Teil der Geschichte waren und es sich nie nur um eine ,,Modeerscheinung" oder einen ,,woken Zeitgeist" gehandelt habe.


Aus: "Geschichte der Queerfeindlichkeit: Alter Hass im neuen Gewand" (12.11.2025)
Quelle: https://taz.de/Geschichte-der-Queerfeindlichkeit/!6129073/

QuoteIl_Leopardo

13.11.2025, 10:22 Uhr

Dass Kinder vor trans Menschen ,,geschützt" werden müssten, ist mir neu. Die AfD sollte mal lieber genauer bei Sportvereinen und kirchlichen Einrichtungen hingucken - und beim Missbrauch in den Familien.


...

Link

Quote[...] Mehr als eine Woche nach dem gewaltsamen Tod einer Frau in Niedersachsen hat sich der tatverdächtige Ex-Partner der Polizei gestellt. Der 57-Jährige sei mit einem Rechtsanwalt zum Amtsgericht in Buxtehude gekommen, teilte die Polizei mit. Dort wurde er aufgrund eines bereits zuvor ergangenen Haftbefehls festgenommen. Der Mann steht im Verdacht, seine 40-jährige Ex-Partnerin in Apensen getötet zu haben.

Die Frau war am 19. Dezember gegen 8 Uhr morgens an ihrer Wohnungstür in Apensen im Landkreis Stade angegriffen und mit mehreren Stichen lebensgefährlich verletzt worden. Sie starb im Krankenhaus. Der Verdächtige war nach der Tat geflohen. Nach bisherigen Erkenntnissen lebte das Paar getrennt und hatte vier gemeinsame Kinder zwischen 6 und 20 Jahren.

Der 57-Jährige habe bisher keine Angaben zum Hergang sowie näheren Umständen der Tat gemacht, teilte die Polizei mit. Nach dem Mann war bundesweit gefahndet worden. Offenbar sei der Druck so groß gewesen, dass er sich gestellt habe, hieß es. Er befindet sich in Untersuchungshaft.

Die drei minderjährigen Kinder waren zum Zeitpunkt nicht in der Wohnung. Sie wurden von der Polizei in Obhut genommen und unter anderem von einem Notfallseelsorger begleitet. Das Jugendamt übernahm ihre Betreuung.

Quelle: ntv.de, gri/dpa


Aus: "Tötungsdelikt bei Buxtehude: Ex-Partner ersticht vierfache Mutter und stellt sich" (27.12.2025)
Quelle: https://www.n-tv.de/panorama/Ex-Partner-ersticht-vierfache-Mutter-und-stellt-sich-Tage-spaeter-id30182075.html

"Gewaltsamer Tod von Mutter in Apensen: Ex-Partner stellt sich" (27.12.2025)
Nach bisherigen Erkenntnissen der Polizei lebte das Paar getrennt und hatte vier gemeinsame Kinder im Alter zwischen 6 und 20 Jahren. Die drei minderjährigen Kinder wurden nach der Tat zunächst von der Polizei in Obhut genommen und unter anderem von einem Notfallseelsorger betreut. Zum Tatzeitpunkt waren sie nicht im Haus. Um ihre weitere Unterbringung wollte sich das Jugendamt kümmern. ...
https://www.ndr.de/nachrichten/niedersachsen/ex-partnerin-in-apensen-getoetet-57-jaehriger-weiter-auf-der-flucht,apensen-102.html


Link

Quote39C3: Power Cycles - Ethics, Society & Politics: "Peep-Show für die Polizei. Staatliche Überwachung von Queers in Hamburger Toiletten bis 1980" Simon Schultz (2025-12-30)

Oder: Wie die Hamburger Polizei queere Menschen auf öffentlichen Toiletten observierte, und wie ein anonymes Kollektiv im Juli 1980 dieses Überwachungsystem wortwörtlich mit dem Hammer zerschlagen hat. Ein analoger Überwachungskrimi mit sauberen Städten, lichtscheuen Elementen, queerem Aktivismus, und kollektiver Selbstorganisation; und mit einer Anleitung wie man Beamten Anfang der 80er das Handwerk legen konnte.
In den 1970er Jahren nutzt die Hamburger Polizei auf zehn öffentlichen Herrentoiletten in der Wand eingelassene Spionspiegel, um zu beobachten welche Männer am Pissoir ihrer Meinung nach etwas zu lange nebeneinander stehen. In einem Überwachungszeitraum von gut 18 Jahren sprechen Hamburger Beamte mit Berufung auf ,Jugendschutz' und ,Sauberkeit' hunderte Hausverbote an öffentlichen Toiletten aus, nehmen Personalien auf und legen dabei illegalerweise ,Rosa Listen' genannte Homosexuellenregister an.

Die unfreiwillige Peep-Show endet im Sommer 1980, als die Polizei völlig indiskret die Teilnehmenden der ersten lesbisch-trans-schwulen Demonstration in Hamburg fotografiert um nach Selbstaussage ,,die Karteien aufzufrischen". Ein anonymes Kollektiv zerschlägt die Überwachungsspiegel und bringt die illegale Polizeipraxis ans Licht der Öffentlichkeit.

Mit zwei Fragen tauchen wir in diesem Vortrag in die Aborte der Geschichte: Wie ist das polizeiliche Toilettenüberwachungssystem in Hamburg entstanden? Welche technischen und sozialen Lücken nutzten die Aktivist:innen für den Exploit dieses Systems? Und was hat das eigentlich mit heute zu tun?


Video --> https://media.ccc.de/v/39c3-peep-show-fur-die-polizei-staatliche-uberwachung-von-queers-in-hamburger-toiletten-bis-1980


Link

Quote[...] Die Frauen in Trumps Umfeld ähneln einander auf unheimliche Weise. Sie alle tragen das  Mar-a-Lago-Face. Es kostet sehr viel Geld und symbolisiert maximale Härte. Was treibt die Frauen zu dieser ästhetischen Unterwerfung?

Blicken wir kurz vor Jahresende unter ästhetischen Gesichtspunkten nach Washington und wagen eine Prognose: Das Mar-a-Lago-Face, das die Frauen in Donald Trumps innerem Kreis mit demonstrativer Härte zur Schau tragen, bleibt auch 2026 ein Ausweis von Loyalität. Während Kim Kardashians Brazilian Butt ein ästhetisches, auf Instagram inszeniertes Statement war, ist das Mar-a-Lago-Face ein politisches Statement, ein Signal der Macht.

Dessen Look zeichnet sich durch eine bewusste Überspritzung mit Fillern, eine kantige Jawline – niemand spricht mehr von Kinnlinie –, eine kleine Nase, straffe Haut, Augenbrauen, die wie festgetackert wirken und für ,,foxy eyes" sorgen, grellweiße Zähne, gewelltes Haar sowie voluminöse Lippen und ein starkes Make-up aus. Als Vorbild dient Trumps Ehefrau Melania. Man wundert sich, dass die First Lady bei dieser Botox-Menge im Gesicht noch blinzeln kann.

Während sich manche Hollywood-Stars ihre in die Wangen gespritzte Hyaluronsäure wieder auflösen lassen, um natürlicher auszusehen, zelebriert das nach Trumps Anwesen in Palm Beach benannte Mar-a-Lago-Face die Künstlichkeit. Jeder soll sehen, dass dieses Gesicht ein plastisch-ästhetischer Chirurg erschaffen hat. Je nach anatomischer Ausgangslage verlangt ein solches Gesicht Investitionen in fünfstelliger Höhe. Hinzu kommen die Kosten der jährlichen Instandhaltung.

Eine der bemerkenswertesten ästhetischen Transformationen hat Trumps Heimatschutzministerin Kristi Noem durchlaufen. Noem gehört zu der prominenten Riege ultrakonservativer Frauen, die einander optisch auf frappierende Weise ähneln. Offenbar scheuen sie weder Geld und Mühe noch Schmerzen, um ihre Ziele zu erreichen. Weitere Beispiele dieser weiblichen ,,Trumpifizierung", wie die ,,New York Times" es nennt, sind Trumps Schwiegertochter Lara Trump, Kimberly Guilfoyle (US-Botschafterin in Griechenland), Justizministerin Pam Bondi und die MAGA-Influencerin Laura Loomer.

In der Zeitschrift ,,Mother Jones" interpretierte die Kunsthistorikerin Anne Higonnet vom Barnard College dies als Zeichen der körperlichen Unterwerfung unter Donald Trump, als Bekenntnis zu ihm und zu der Vorstellung, dass nur die Oberfläche einer Politik zählt: ,,In gewisser Weise verkörpern diese Frauen einen wesentlichen Teil von Donald Trumps politischer Persönlichkeit."

Das Mar-a-Lago-Face ist die ästhetische Übersetzung einer Politik der Härte und Spaltung. In der eigenen Echokammer signalisiert es Zugehörigkeit, Disziplin und Durchsetzungsfähigkeit, nach außen schottet es sich ab. In diesem Sinne ist das Mar-a-Lago-Face eine ultrakonservative Uniform.

Besonders in Erinnerung geblieben ist Kristi Noems Besuch eines Hochsicherheitsgefängnisses in El Salvador. Ein Foto zeigt die Heimatschutzministerin, die eine Rolex im Wert von etwa 50.000 Dollar trägt, vor einer Zelle mit kahlrasierten venezolanischen Migranten. Wir sehen eine topgestylte Vollstreckerin, die etwas Panzerhaftes ausstrahlt. Selbst das gewellte Haar wirkt hart wie Beton. Noems Jawline steht zudem der des Verteidigungsministers Pete Hegseth in nichts nach. Donald Trump würde niemals einen Verteidigungsminister oder einen Vizepräsidenten mit einem fliehenden Kinn akzeptieren.

Die weibliche Uniformierung entsteht allerdings nicht erst in der unmittelbaren Nähe der Macht, sondern im Alltag – bei den Tradwives, die sich offensiv zu traditionellen Geschlechterrollen bekennen und ihr Hausfrauen- und Mutterdasein in sozialen Medien ästhetisch perfektionieren. Tradwives inszenieren Häuslichkeit und moralische Ordnung. Ihre Gesichter sind weicher als die der Kämpferinnen in der ersten Reihe, doch die Logik dahinter ist dieselbe wie hinter dem MAGA-Look: Weiblichkeit wird zur Loyalitätsbekundung – und bei den Tradwives zur kulturellen Basisarbeit im politisch rechten Spektrum. Verkauft wird dieser Lebensstil als ,,Empowerment".

In einem Essay auf der Plattform ,,Identity Hunters" heißt es treffend, diese Ästhetik entwerfe einen Archetyp der idealen konservativen Frau: attraktiv, sittsam, loyal – und vor allem nicht bedrohlich für den tief verwurzelten patriarchalen Status quo. Sie verstärkt traditionelle Rollenbilder, indem Schönheit gezielt eingesetzt wird, um klassische Vorstellungen von Weiblichkeit ständig zu wiederholen und zu normalisieren.

Der MAGA-Look bleibt nicht auf das Gesicht beschränkt; zu ihm gehört die entsprechende Garderobe: High Heels sowie eng anliegende Kleider, die den Körper betonen – einen Körper, der dem Präsidenten gefällt. Trump war bis 2015 Miteigentümer der Miss-Universe-Organisation. Den Wettbewerb hat er nach seinen Vorstellungen von Schönheit und Sexyness geformt.

Das Mar-a-Lago-Face will nicht in erster Linie klassisch ,,schön" sein, sondern einschüchtern. Dafür muss die mimische Vielfalt, mit der wir beim Gespräch in eine Feedbackschleife mit unserem Gegenüber treten, auf ein Minimum reduziert werden. Jede Regung kann schließlich als Schwäche interpretiert werden. Wie das Pokerface eines Profis soll das Mar-a-Lago-Face undurchschaubar bleiben. Bei manchen Betrachtern rufen solch eingefrorene Gesichter eine Uncanny-Valley-Reaktion hervor – ein körperlich-emotionales Unbehagen, ein Gefühl von Fremdheit.

Inzwischen werben geschäftstüchtige plastisch-ästhetische Chirurgen mit dem Mar-a-Lago-Face. Auf der Homepage des ,,Naderi Center", dessen Mitarbeiter nach ihrem Aussehen zu urteilen zu Trumps enger Gefolgschaft gehören könnten, heißt es, die amerikanische Elite habe seit jeher eine charakteristische Ästhetik. Nun verbreite sich eine neue Art, Macht zu demonstrieren, von den gepflegten Straßen von Palm Beach, Beverly Hills und darüber hinaus. Das Mar-a-Lago-Face stehe für eine neue Ära amerikanischer Luxusästhetik. Verglichen mit dieser Ästhetik der Machtinszenierung wirkt Kim Kardashians Brazilian Butt als popkulturelles, ironisierbares Spektakel fast wie ein Glücksfall.


Aus: "Botox und Filler für Trump" Melanie Mühl (29.12.2025)
Quelle: https://www.faz.net/aktuell/feuilleton/debatten/mar-a-lago-face-trumps-aesthetik-als-symbol-konservativer-macht-accg-110809818.html

Link

Quote[..] Unter feministischem Deckmantel: Wie die identitäre Frauengruppe Lukreta Frauenrechte für völkische Agenda und rechte Mobilisierung nutzt.

Gießen 2025. Eine junge Frau steht an einem blauen Rednerpult. Es ist der Gründungstag der neuen Jugendorganisation der extrem rechten AfD. ,,Jeder von uns sieht tagtäglich, wie deutsche Frauen zu Freiwild degradiert werden", wütet sie. Kurzer Beifall. Lautstark fügt sie hinzu: ,,Nur millionenfache Remigration schützt unsere Frauen!" Sie hebt hervor: ,,Eins bleibt klar, wir sind Mädchen, Frauen und Mütter und wir lassen uns unsere naturgegebene Identität und unseren Stolz nicht durch geisteskranke und bösartige Ideologien von Feminismus und Wokeness nehmen." Tosender Beifall. Von mehrheitlich rechten Männern.

Die oben zitierten Worte stammen von Julia Gehrckens, die als 3. Beisitzerin für die ,,Generation Deutschland" gewählt wurde.

Instagram 2025. Eine andere junge Frau spricht in einem Video von einer Gruppenvergewaltigung in Heinsberg. Die Angeklagten sind Geflüchtete aus Syrien. Sie fragt, was das Problem sein könnte. Das Wort Syrer wird oben rechts im Video eingeblendet. Dann fragt sie: ,,Oder vielleicht Menschen mit Autos?" Diesmal wird ein Auto eingeblendet und am Steuer ein Emoji von einem Mann of Colour.

Das Video stammt von einer Aktivistin, die sich ,,Isi" nennt. Sie nutzt die sozialen Netzwerke, um ihre rechten und traditionellen ,,Werte" zu verbreiten. Sie stellt rassistisch einen Zusammenhang von der Deliktart mit einer ganzen Bevölkerungsgruppe her, obwohl das kriminologisch gesehen unhaltbar ist.

Die beiden Frauen eint ihre Mitgliedschaft bei Lukreta, einer extrem rechten Frauengruppe. Was ist das für eine Organisation, die nun in herausgehobener Funktion im Vorstand der AfD-Jugendorganisation vertreten ist? Und wer steckt genau dahinter?

,,Starke Frauen. Klare Werte. Deutsche Identität." So beschreibt sich Lukreta selbst. Als ihr zentrales Thema identifiziert die Professorin für Geschlechtersoziologie Christiane Leidinger die vermeintliche systematische Gewalt von geflüchteten und migrantischen Männern. Auf Instagram schreibt die Gruppe, dass sie sich für Frauenrechte und gegen die Verdrängung der Frau aus dem öffentlichen Raum einsetze.

Laut eigenen Angaben ist die Astronomin Caroline Lucretia Herschel ihre Namenspatronin. Sie sei schließlich keine Quotenfrau gewesen. Doch laut der Professorin für Politik und Geschlechterverhältnisse Annette Henninger könne Lukreta auch nach der antiken Figur Lucretia benannt worden sein. Diese rächte sich angeblich für eine Vergewaltigung.

Reinhild Boßdorf, Tochter der AfD-Europaabgeordneten Irmhild Boßdorf, gründete 2019 die Frauengruppe Lukreta. Zuvor war sie in der Identitären Bewegung (IB) und bei der Jungen Alternative (JA) aktiv. Sie nutze ihre Kontakte in diesen Kreisen, um mehr Mitstreiterinnen zu finden. Unterstützung erhielt sie von der AfDlerin Manuela Pluta und der JAlerin Mary Khan.

Lukreta gilt als Nachfolgeorganisation der Frauengruppierung 120Db der IB und gehört somit zum Vorfeld-Netzwerk. Laut Recherchen von Correctiv initiierte Boßdorf die Kampagne ,,Frauen wehrt Euch – 120 Dezibel". Die Kampagne war ein als rechter MeToo inszenierter Aufschrei gegen sexualisierte Gewalt aufgrund der ,,Massenmigration". Doch Männer aus der IB stampften sie ein. Danach gründete Boßdorf Lukreta.

Es handelt sich keineswegs um eine große Organisation, sondern eher um einen eingeschworenen Zirkel von deutlich rechtsextremen Aktivistinnen aus dem IB-Spektrum. Die Gruppe war auch auf dem Marsch des Lebens in Berlin im Oktober.

Henninger sieht in der Kampagne 120 Dezibel ein Paradebeispiel für Ethnosexismus. Kulturwissenschaftlerin Gabriele Dietze kategorisiert mit diesem Begriff eine spezifische Form des Sexismus. Henninger und Leidinger beschreiben Ethnosexismus als eine Verschränkung von Rassismus und Sexismus. Dabei werde beispielsweise sexualisierte Gewalt ethnisch oder religiös ,,Anderen" zugeschrieben. Die eigene Gesellschaft sei danach bereits gleichberechtigt. Dadurch werde Sexismus externalisiert und rassistische Positionen legitimiert. Diese Argumentationsweise nutzen viele Rechte.

Leidinger betont, dass es feministisch sei, über sexualisierte Gewalt öffentlich zu sprechen. Allerdings habe die feministische Bewegung historisch Gewalt im sozialen Nahraum skandalisiert. Lukreta hingegen schaut, ,,wenn die Gruppe nicht gerade über Morde an Frauen durch migrantifizierte oder PoC-(Ex)-Partner spricht, exklusiv auf den sogenannten ,fremden' Täter im öffentlichen Raum."

Auch Henninger betont, dass das eigene Zuhause für Frauen der gefährlichste Ort sei. Dabei seien ,,sich zuspitzende Partnerschaftskonflikte im Kontext von Trennung und Scheidung ein besserer Prädikator für Gewaltrisiken als die Staatsangehörigkeit".

Lukreta zeigt sich auf den sozialen Netzwerken nicht in einer klassisch rechten Ästhetik. Stattdessen greift sie gezielt feministische Codes und Bildwelten auf. Dabei nutzen sie immer wieder den vom Rechtsextremisten Martin Sellner geprägten Kampfbegriff ,,Remigration", den das Bundesverwaltungsgericht Leipzig als verfassungswidrig einstuft.

In einem Video sind Frauen bei einer Stickeraktion mit rosa Sturmhauben, schwarzen Röcken und Baseballschlägern zu sehen. Sie bekleben eine Stadt mit Stickern wie ,,Remigration schützt Frauen" oder ,,Sommer Sonne Remigration". Einmal überkleben sie ein Sticker von ,,Femizide stoppen".

Ein anderes Mitglied namens Julia lud ein Video von sich im Bademantel hoch. Es zeigt ihren nackten Rücken und vor ihr eine atemberaubende Bergkulisse. Travel-Content? Nein. Das Video ist mit ,,Mädchen wollen einfach nur Bergaussichten und Remigration" betitelt.

Ihre Kleidung begreifen sie in einem Post als Ausdruck ihrer Freiheit. Frauen mit Hijab stellen sie als ,,unfreie" Frauen gegenüber. In einem Instagrampost erklären sie, dass eine muslimische Verschleierung nicht vor sexualisierter Gewalt schütze, aber Remigration schon. Wiederkehrend posten sie Bilder von getöteten Frauen. Dass es sich um Femizide handelt, erwähnen sie ebenso wenig wie das Patriarchat.

Zwei Aktivistinnen, die sich ,,Sia von Ria" und ,,Aurelia" nennen, fallen besonders auf. Beide produzieren hauptsächlich Lifestyle-Content. Dazu gehören ästhetisierende Bilder auf rechten Demonstrationen und Selbstinszenierungen als freie deutsche traditionelle Frau. Sie nutzen Social-Media-Trends für ihre rechten Ideen und wirken damit auf den ersten Blick wie typische junge Frauen, die ihr Leben auf Instagram und Tiktok teilen.

Lukreta sieht sich nicht als feministische Gruppe, dennoch hantieren einzelne Mitglieder mit der Bezeichnung und nennen ihren vermeintlichen Feminismus ,,gesund". Die Rede von Feminismus von Rechts ist aus Leidingers Perspektive falsch: Feminismus könne nie antidemokratisch sein oder solle nie explizit rassistisch sein.

Die Professorin betont, dass der zentrale Kern einer feministischen Analyse bei Lukreta fehle: Machtverhältnisse, patriarchale Strukturen und unterschiedliche Betroffenheiten blende Lukreta aus. Feminismus sei eine herrschaftskritische und intersektionale Perspektive, die auf die Überwindung von Ungleichheiten in den Geschlechterverhältnissen zielt.

Dem stehe das von Lukreta vertretene rückwärtsgewandte Gesellschaftsbild entgegen. Lukreta schreibe weiße Überlegenheit sowie heteronormative und patriarchale Rollen fest. Henninger erklärt, dass der Antifeminismus der modernen extremen Rechten sich in ,,der ideologischen Überhöhung der Mutterrolle und der Kampfansage an reproduktive Rechte, in der Essenzialisierung und Biologisierung von Männlichkeit und Weiblichkeit sowie in der Behauptung, Gleichstellung sei bereits erreicht" äußert. Auch dies zeige sich bei Lukreta, auch wenn modern verpackt.

Zurück nach Gießen, zum Gründungskongress der ,,Generation Deutschland." In ihrer Rede kündigt Julia Gehrckens an, dass sie rechte Politik für Frauen zugänglicher machen wolle. Sowohl auf dem Gründungskongress als auch im neuen Vorstand der Parteijugend herrscht ein deutlicher Männerüberschuss. Auch in der AfD sind die Mitglieder in großer Mehrheit Männer.

Frauen für sich zu gewinnen, war schon immer ein Problem der alten wie der neuen Rechten. Lukreta habe sich dazu die neoliberale Rhetorik der Wahlfreiheit angeeignet. Danach würden Frauen aus freien Stücken Mutter und Hausfrau sein wollen, weil sie angeblich erkannt hätten, dass das das Beste für Familie, Volk und Vaterland sei, erklärt Henninger.

Lukreta bringt Frauen in die Politik, in die von Männern dominierten Netzwerke. Die nehmen das gerne in Kauf – auch um über das Frauendefizit in Anhänger- und Wählerschaft hinwegzutäuschen. So war es auch in Gießen: Gehrckens kandidierte spontan und unabgesprochen gegen einen männlichen Kandidaten. Den Saal überzeugte Gehrckens dann auch als Frau – indem sie den Kampfbegriff ,,Remigration" mit dem Schutz von Frauen verband. Ihr Gegenkandidat zog danach seine Kandidatur zurück.

Im Kleinen zeigte sich in Gießen damit auch eine generelle Strategie der extremen Rechten, wie Henninger betont: Die moderne extreme Rechte zeichne sich durchaus durch prominente Frauen in Führungspositionen aus: von Alice Weidel über Marine Le Pen bis zu Giorgia Meloni. ,,Auch wenn diese Führungspersönlichkeiten zahlenmäßig eine Minderheit darstellen, sind sie extrem wichtig für das postfeministische Selbstverständnis dieser Parteien: Seht her, bei uns ist Gleichstellung erreicht – und das ganz ohne Quote!"

Die AfD hat offiziell eine Unvereinbarkeitsliste, auf der sich rechtsextreme Gruppen wie die Identitäre Bewegung befindet. Bei der Wahl von Gehrckens hat sich gezeigt, dass die Abgrenzung nach ganz rechts außen faktisch in der AfD keine Rolle mehr spielt. Obwohl sie Teil einer Organisation aus dem Identitären-Spektrum ist, wurde sie mit 62,71 Prozent gewählt.


Aus: "Feminismus von Rechts? Über die Masche von Lukreta" Beritan Dik (1.1.2026)
Quelle: https://taz.de/Rechtsextremistische-Frauen/!6139926/


Link

... selbst unter Feminist:innen ist man sich uneins ...

Quote[...] Na, ist denn heut schon wieder Fotzensamstag? Eigentlich ist der Fotzentag ja der Freitag, zumindest laut einem 2025er-Spotify-Hit von SUV Whatever. Aber heute gilt uns jeder Tag als Fotzentag, das haben wir uns erkämpft. Denn Fotze ist schon längst kein misogynes Schimpfwort mehr, das irgendwelche Typen einer Frau an den Kopf knallen. Und es ist auch kein Diss mehr, wie ihn Rapper Fler 2009 noch benutzt hat: ,,Du Fotze magst mein Album nicht: Scheiß auf dich!"

Die Fotze gehört jetzt wieder uns. Wir haben uns das Wort zurückgeholt, und zwar nicht, um unsere Geschlechtsorgane damit zu bezeichnen. Sondern um damit Gemeinschaft zu schaffen und uns gegenseitig zu empowern. Danken dürfen wir dafür ausgerechnet der Rapszene, die eine ziemlich schlagfertige Antwort auf ihr Sexismusproblem gefunden hat.

Allen voran die aktuell ,,allergrößte Fotze der Stadt": Ikkimel. Mit ihren Texten provoziert sie, selbst unter Feminist:innen ist man sich uneins. Aber vor allem macht Ikkimel eines – den Spieß umdrehen. In ihren Songs sollen die Macker ,,ackern, kochen, putzen" und ,,eincremen", während sie macht, was sie will, weil sie eine Frau ist.

Nun ist Ikkimel nicht die Erste, die den Begriff Fotze empowernd verwendet. Das ehemalige Rap-Duo SXTN ging schon vor knapp zehn Jahren mit ihren ,,Fotzen in' Club". Und Shirin David prägte dazu das passende Adjektiv: ,,fotzig". Fotzig kann alles sein, eine schlagfertige Attitüde, ein frecher Spruch, ein cooles Outfit.

Inzwischen ist das Wort im Mainstream angekommen, und auch ich liebe es. Nicht nur, weil es Spaß macht, zu provozieren. Sondern auch, weil hinter der Rückeroberung von Sprache etwas Größeres steckt. Es entmachtet diejenigen, die mit ihr wie mit einer Waffe um sich schießen, es setzt ihrem Versuch der Unterdrückung etwas entgegen.

Wenn jemand mich heute als Fotze beleidigen will, kann ich das nicht ernst nehmen, weil ich das Wort schon längst anders abgespeichert habe – als Kompliment. Zum Beispiel für die fotzigen Hüftschwünge meines männlichen Freundes auf der Tanzfläche. Fotzig sein macht für mich Spaß und schafft Zusammenhalt.

Als ich meiner Freundin aber neulich sagte, ihre Jacke sei fotzig, stieß ich mit meinem Lob auf gemischte Resonanz. Während sie sich beglückt ihre Faux-Fur-Jacke zuknüpfte, raunte eine andere Freundin, das Wort sei einfach nur schlimm.

Dass Fotze oder fotzig nicht alle als Kompliment sehen können, verstehe ich. Schließlich wurde mit dem Begriff zu lange gehetzt, beleidigt und Frauenhass geschürt.

Dabei war die Fotze keineswegs von Anfang an ein Schimpfwort. Bekannt seit dem 15. Jahrhundert hatte es verschiedene Bedeutungen, unter anderem Vulva und Hintern.

Der Duden, der Fotze übrigens erst seit 1973 führt, fügt hinzu: ,,Wahrscheinlich verwandt mit faul in dessen alter Bedeutung ,stinkend'". Dass der Begriff nach dem Mittelalter die Bedeutung wechselte und versuchte Frauen zu diskriminieren, ist kein Zufall, es sollte deren sexuelle Selbstbestimmtheit angreifen.

Ähnlich unklarer Herkunft ist übrigens die englische ,,cunt". Die hat sich die Schwarze trans Community schon in den 1970/80ern zurückgeholt. ,,Serving cunt", also ,,Fotze servieren", beschreibt eine positive Energie, die zuerst in der Ballroomkultur auftauchte und inzwischen ebenso wie die Fotze im Komplimente-Katalog steht.

Sich einzelne Begriffe wieder zurückzunehmen, verändert noch keine misogyne Gesellschaft. Dass alles und jede:r (ja, auch Männer!) jetzt fotzig sein können, macht aber Spaß und ist ein Verdienst, das zelebriert werden muss.


Aus: "Feministisches ReclaimingWenn ich ,,Fotze" sage, ist das als Kompliment gemeint"
Kolumne Starke Gefühle von Chiara Bachels (3.1.2026)
Quelle: https://taz.de/Feministisches-Reclaiming/!6138540/

QuoteErnst Lusti 04.01.2026, 09:34 Uhr

Mein Umfeld, eher Mittelschicht und eben fast nur erwachsen, benutzt solche Worte einfach nie.

Und integriert sich mit einem Underdog-Popstar (im adornoschen Sinn) das Wort und die ganze Idee der "Fotze" nicht perfekt in unsere vorhandenen Gesellschaftswerte?

Eigentlich ist es doch gar kein feministischer Kampf! - Oder kann sie gleichzeitig eine komplett ironische Figur sein und für den Frauenkampf stehen?

Partyhedonismus, Drogenkonsum, vulgär sein... ist das nicht eher die Abiturientin, die Unterschicht spielt? Wie kann sie gleichzeitig für Frauenrechte kämpfen? Sie reproduziert eine Anti-Haltung die perfekt in die Gesellschaft passt und alle die ihrem (zumal ironischen) Vorbild nacheifern als gesellschaftsunfähig brandmarkt.

Wie ist Ikkimel da ein Vorbild für die Schülerin? Die Angestellte oder die politisch Aktive?

Alles was die Figur Ikkimel vertritt ist doch nur als Popstar möglich und in der realen Welt ein gnz anderer Kontext.

Selbst wenn sie das Weibliche Gegenbild zum Proll ist, auch der moderne Proll ist integriert und unschädlich.

Ich bin gespannt ob meine Kolleginnen jetzt auch das Wort reclaimen :)


QuoteKatharina Reichenhall, 03:02 Uhr

"Fotze" ist ein Wort, dessen Verschwinden aus dem Sprachgebrauch ich nicht bedauern würde.
Das Wort kann wirklich weg, braucht kein Mensch, ist schlicht überflüssig.


QuoteFraMa, 00:50 Uhr

Schön wenn man in dem Elfenbeinturm der medialen Erkenntnis lebt. Ich wage aber zu behaupten, dass auch 2026 99% der Frauen "Fotze" als überaus beleidigend empfinden.


QuoteBlöde Putin, 00:08 Uhr

Hoffentlich wird meine Tochter eines Tages auch eine stolze und starke Fotze sein wenn sie gross ist.


Quoteelektrozwerg, 20:17 Uhr

Komisch, wenn ein Apotheker seine Apotheke Morenapotheke nannte, dann war das Rassismus und nicht Reclaiming.
Wenn eine Frau mit dem Reclaiming des Schimpfworts "Fotze" nicht klarkommt, wird das aber nicht das Reclaiming in Frage stellen, sondern sie wird zur Frauenhasserin und Antifeministin.


QuoteErnst Lusti, 09:17 Uhr
@elektrozwerg:

...naja, weil der Apotheker für Reclaiming selbst betroffen sein muss.

Und dass das Wort aus einem kolonialen Kontextstammt und dadurch ein extremes Machtgefüge impliziert, macht es zum Schimpfwort.


QuoteLou Andreas-Salomé, 08:55 Uhr
@elektrozwerg:

Wo ist hier welche Frau zur Frauenhasserin oder Antifeministin geworden?


...

-
    "Sie sagen: 'Mel, du bist mir ein bisschen zu krass!' Ich sag: 'Okay', lade nach und schieße mich ab. Bikini grell, und er ist ein bisschen zu knapp. Denn ich bin offiziell die allergrößte Fotze der Stadt" Ikkimel – Bikini Grell

Ikkimel - BIKINI GRELL (prod. by Robbensohn | Offizielles Musikvideo)
https://youtu.be/iax855jAlak | [https://de.wikipedia.org/wiki/Ikkimel " ... Am 14. Februar 2025 erschien ihr Debütalbum Fotze. In der Kritik ist das Album überwiegend lobend besprochen worden. Hervorgehoben wird unter anderem die These, dass Ikkimel sexistische Sprache durch eine radikal weibliche Perspektive gegen diese wende. Ikkimel verortete ihre eigene politische Haltung selbst als ,,auf jeden Fall feministisch". ..."]

@JusBlock Uhhh, Ikkimel die Geile.
@caterpie911 Der Soundtrack für den Pisa-Versager von heute
@abcdef-nj2lv @caterpie911 Ab in deine Ecke, mach sitz
@Mulder_GK Die Frau hat Stil.
@maglenka. ich laber nicht wenn ich sage dass sie mich inspiriert
@f1baba_ Banger auf dauerschleife
@fabioisswag8291 Ikkimel ist meine Religion
@Maksimal67 Deutschland, die größte offene Psychatrie EU West...
@dasboseimbusch7079 1:19 Genau so demontiert man Radkappen! Hier könnt ihr noch was lernen.
@joeumie hi ikkimel, i would love to see you on eurovision in 2026
@djopdam199 I love kink
@mchadiii8150 Der Beat schiebt gut an
@randomgetrankehalter4909 "Im Gepäck für heute Nacht hab' ich 'n Schlagring und 'n Schlüpper"
@fabianb4893 nach eingehendem studium dieser dichtkunst komme ich zu dem schluss das die protagonistin sich an der uni für chemie einschreiben sollte

...

"Fotzenrap vs. Feminismus"
Ikkimel rappt über Sex – warum das vielen zu krass ist
In ihren Texten und Videos wimmelt es nur so vor weiblicher Lust und Freizügigkeit. Rapperin Ikkimel ruft viel Hass auf den Plan – aber auch eine Diskussion über Feminismus und die Qualität ihrer Musik. Damit ist sie sowas wie die Lady Bitch Ray der Gen-Z. ... Auch Männer singen häufig übers Bumsen, ohne viel Metaebene oder Slogans gegen das Patriarchat. Wie feministisch ist z.B Ed Sheeran, wenn er singt "I'm in love with the shape of you" – oder Bruno Mars mit seiner neuen Single "fat, juicy & wet, i don't even gangbang, pussy so good, make it my pet". Am Ende sind wir also wieder bei der Frage: Was darf Kunst? Die Antwort: So einiges. ...
Alba Wilczek (14.02.2025)
https://www.br.de/radio/bayern2/sendungen/zuendfunk/sex-rapperin-ikkimel-fotze-lady-bitch-ray-gen-z-100.html

Songtext zu ,,Fotzen Freitag"
...
Ein Typ spricht mich an, macht auf geiler Bock
Abеr mein Interessе ist leider out of stock
Resting Bitchface, cool wie vom Eisfach
Ausm Weg, du Dulli, denn heut ist Fotzen-Freitag

...
https://genius.com/Suv-whatever-fotzen-freitag-lyrics

-

Quote[...] Fler schoss am 6. April öffentlich auf seinem Instagram-Kanal gegen Ikkimel. Er kritisierte aber nicht nur ihre Musik, sondern auch ihre Art.

Im Reel auf Flers Instagram-Account sieht man mehrere Videoausschnitte, die Ikkimel teilweise auf der Bühne oder in Interviews zeigen. In der Caption zum Post erklärt er, dass die Rapperin seiner Meinung nach untalentiert sei und dass es ihn störe, wie selbstbewusst sie dabei sei. Die (aktuelle) Bildunterschrift lautet: ,,Wie kann man so hässlich, frech, untalentiert und dann noch selbstbewusst sein? Ich schwöre bei Gott diese Öko-Hipster. Ich hab euch vor Jahren in zig Interviews gewarnt, was passiert, wenn die Fakeness gewinnt. Jetzt habt ihr irgendwelche kranken Menschen, die HipHop nur aus dem Internet kennen, und ihre eigene kranke Version daraus machen. Es gibt kein HipHop-Kultur mehr. Ich glaub, ich hör auf mit dieser Musik."

In den Interview-Ausschnitten, die Fler im Reel zeigt, erklärt Ikkimel, dass sie ,,die beste Rapperin in Deutschland" sei. Ein großer Teil ihrer Musik und öffentlichen Präsentation basiert auf Provokation. Mit Auftritten inklusive Sexspielzeugen auf der Bühne und polarisierenden Songtexten sorgt die Berlinerin immer wieder für Diskussion, ob ihre Musik nun Empowerment und feministisch seien oder nicht.

Unter Flers Post sammelt sich eine Menge Kritik gegenüber seinen Aussagen. So lautet ein Kommentar: ,,Ist Fler seit 2020 eigentlich noch mehr außer nur peinlich?" Ikkimel reagierte auf Flers Video bisher noch nicht.

Ikkimel ist nicht die einzige, gegen die der Rapper am Wochenende austeilte. In seiner Story repostete er ein Reel von Lila Sovia und schrieb dazu: ,,Was kommt hier die nächste Hipster Öko-Backe um die Ecke?" Ebenfalls teilte er mehrere Beiträge von Nike101 und kommentierte diese unter anderem mit ,,Diese nächste freche Hure".


Aus: "Fler teilt derbe gegen Ikkimel aus" Lisa-Marie Tschoeltsch (07.04.2025)
Quelle: https://www.musikexpress.de/fler-teilt-derbe-gegen-ikkimel-aus-2932597/

usw.


Link

... die perfekte politische Heimat für einen Männlichkeitstypus, der seine Loyalität nicht mehr dem abstrakten Staat, sondern dem mythischen ,,Stamm" schenkt. ...

Quote[...] Treue unter Stalin und Trump. Sind das eigene Gewissen und die eigene Mündigkeit wichtiger für die Demokratie als die Loyalität? ...

Zu: Rainer Hank
Die Loyalitätsfalle - Warum wir dem Ruf der Horde widerstehen müssen
Penguin Verlag, München 2021
ISBN 9783328601401
208 Seiten



Quelle: https://www.perlentaucher.de/buch/rainer-hank/die-loyalitaetsfalle.html

-

Quote[...] Trumps America First-Rhetorik und seine Inszenierung als Anti-Establishment-Führer, der die ,,Krieger" verehrt und den ,,Deep State" verachtet, bietet die perfekte politische Heimat für einen Männlichkeitstypus, der seine Loyalität nicht mehr dem abstrakten Staat, sondern dem mythischen ,,Stamm" schenkt.

Der Skandal um Eddie Gallagher, ein Navy SEAL, der angeklagt war, bei dem Kampf um die Stadt Mosul 2017 einen schwerverletzten IS-Kämpfer erstochen und sich mit dessen Leiche fotografiert zu haben, ist hierfür symptomatisch. Obwohl es einschlägige Beweise für den Mord gab und zahlreiche Kameraden ihn intern als ,,freaking evil" beschrieben, wurde er von den schwersten Anklagen freigesprochen, allein für das Posieren mit dem Toten verurteilt und schließlich von Donald Trump öffentlich begnadigt. Davon abgesehen, dass Trump die Vorfälle zum Anlass nahm, die Muskeln der Exekutive gegenüber der Judikative spielen zu lassen, zeigt dieser Skandal, wie flexibel Moral in diesen Einheiten gehandhabt wird, denn das Beispiel Gallagher ist nur eines von vielen.


Aus: "Gear Porn und die Ästhetisierung des Krieges" Georg Dickmann (23. November 2025)
Quelle: https://geschichtedergegenwart.ch/gear-porn-und-die-aesthetisierung-des-krieges/

-

Seitennotiz bezüglich "mythischer Stamm":

" ... Philip Carl Salzman (* 20. Februar 1940 in Chicago, Vereinigte Staaten) ist ein US-amerikanischer Anthropologe und Hochschullehrer. ... In den Jahren 2017 bis 2021 entfalteten sich Kontroversen zwischen Salzman und Studentenkreisen der McGill-Universität. Aus diesen Kreisen wurde ihm Islamfeindlichkeit, Diskriminierung von Minderheiten und Rassismus vorgeworfen. ..."
https://de.wikipedia.org/wiki/Philip_Carl_Salzman (2026)

Quote[...] Als Anthropologe beginnt Salzman damit, dass er die beiden Herrschaftsformen umreißt, die den Nahen Osten historisch dominiert haben: Stammesautonomie und tyrannischer Zentralismus. Die erste Form, argumentiert er, ist für die Region charakteristisch und der Schlüssel dafür, sie zu verstehen. Die Selbstbestimmung der Stämme gründet auf etwas, das Salzman ausgewogene Gegnerschaft nennt, ein Mechanismus, durch den die in den Wüsten, Bergen und Steppen lebenden Menschen des Nahen Ostens Leib und Leben schützen - man verlässt sich auf das Netzwerk der eigenen Großfamilie.

Dieses überaus komplizierte und feinsinnige System läuft darauf hinaus, dass (1) sich jede Person auf den Schutz durch Verwandte väterlicherseits (agnates genannt) verlässt und (2) gleich große Gruppen von agnates einander gegenüber stehen. Und so steht in einer Konfrontation eine Kernfamilie gegen eine andere Kernfamilie, ein Clan gegen einen anderen Clan und so weiter, bis hin zur Ebene über den Stamm hinaus. Ein bekanntes nahöstliches Sprichwort fasst diese Konfrontationen so zusammen: ,,Ich gegen meinen Bruder, ich und meine Brüder gegen meine Cousins, ich und meine Brüder und meine Cousins gegen die Welt."

Positiv ist: Solidarität, die aus einem familiären Zugehörigkeitsgefühl erwächst, ermöglicht eine hohes Maß von Unabhängigkeit von repressiven Staaten. Die negative Seite: Aus dieser Zugehörigkeit kann eine endlose Konfliktschleife entstehen. Jede Gruppe hat viele eingeschworene Feinde, Fehden werden häufig über Generationen hinweg ausgetragen.

Schon der große Historiker Ibn Khaldun hat vor mehr als sechs Jahrhunderten festgestellt, dass es die Stammesautonomie war, die die Geschichte des Nahen Ostens angetrieben hat. Wenn eine Regierung wankte, bildeten sich große Stammes-Föderationen, verließen ihre trockenes Ödland und rissen die Kontrolle über die Städte und die fruchtbaren Landstriche an sich. Nach der Machtübernahme im Staat nutzten die Stämme ihre Macht unverfroren aus, um ihre eigenen Interessen zu verfolgen, die ihnen untertane Bevölkerung grausam auszubeuten, bis sie selbst ins Wanken gerieten und das Ganze von vorne begann.

Salzmans Meisterleistung besteht in der Übertragung der Erkenntnisleistungen Ibn Khalduns auf die Gegenwart. Dabei zeigt er auf, dass das zweifache Muster der Selbstbestimmung der Stämme und des tyrannischen Zentralismus das Leben im Nahen Osten nach wie vor bestimmt. Er nutzt es zur Erklärung der charakteristischsten Merkmale wie Autokratie, politische Gnadenlosigkeit und wirtschaftliche Stagnation. Das gilt gleichermaßen für den Vernichtungskrieg gegen Israel und – allgemeiner – die ,,blutigen Grenzen" des Islam: die weit verbreitete Feindseligkeit gegenüber Nicht-Muslimen.

Dieses zweifache Muster erklärt sogar die Schlüsselaspekte des nahöstlichen Familienlebens. Das Gebot, mehr agnates anzusammeln als seine Nachbarn bedeutet, so Salzman, Taktiken zu entwickeln, um deren männliche Nachkommenschaft zahlenmäßig zu übertreffen. Das hat mehrere Folgen:

Die Töchter werden mit Cousins verheiratet, als Möglichkeit, dass die Familie von ihrer Fruchtbarkeit profitiert. Es wird Vielweiberei praktiziert, um so von der Fruchtbarkeit mehrerer Frauen zu profitieren. Die weiblichen Mitglieder anderer Familien werden genauestens überprüft, und zwar in der Hoffnung, sie bei einer unmoralischen Tat zu erwischen, wodurch ihre männlichen Verwandten gezwungen wären, sie zu töten und damit ihrer Fruchtbarkeit zu berauben.

Dieser letzte Punkt lässt darauf schließen, dass diese Art der Gegnerschaft zu einem Großteil für den nahöstlichen Brauch des ,,Ehrenmordes" verantwortlich ist, bei dem Brüder Schwestern, Cousins Cousinen, Väter Töchter und Söhne Mütter ermorden. Bezeichnenderweise werden Indiskretionen von Frauen innerhalb der Familie toleriert und führen fast nur dann zu Morden, wenn sie außerhalb der Familie bekannt werden.

Weiter gefasst heißt das, dass der ausgewogene Gegnerschaft im Nahen Osten abstrakte Prinzipien fehlen, über die man Taten ,,an allgemeinen Kriterien messen kann, ohne Rücksicht auf die Zugehörigkeit bestimmter Akteure". Stattdessen verlangt der intensive Partikularismus, dass ein Familienmitglied die engeren Verwandten gegen entferntere Verwandte unterstützt, egal, wer von ihnen im Unrecht ist. Die Region wird von Stammesangehörigen und Untergebenen bevölkert, nicht von Bürgern. An dieser traditionsgewachsenen "Wir gegen die"-Mentalität der Menschen im Nahen Osten lässt den Universalismus, den Rechtsstaat und verfassungsmäßige Regierungsformen scheitern. Gefangen in diesen alten Mustern erbringen, so Salzman, ,,die Gesellschaften des Nahen Ostens gemessen an den meisten sozialen, kulturellen, wirtschaftlichen und politischen Kriterien schwache Leistungen". Da die Region es versäumt, sich zu modernisieren, fällt sie ständig weiter zurück.

Sie kann nur vorankommen, wenn sie das archaische System der zugehörigkeitsbasierten Solidarität durchbricht. ,,Das ist nicht durch die Ersetzung der traditionellen Gruppen durch neu erdachte Gruppen (wie zum Beispiel politische Parteien) möglich, sondern durch die Ersetzung der Gruppen durch Individuen." Der Individualismus wird unter den Menschen des Nahen Ostens jedoch nur Fortschritte machen, wenn ,,das, wofür sie sind, wichtiger wird als das, gegen das sie sind".

Es [kann] Jahrzehnte oder gar Jahrhunderte dauern, bis sich diese Einsicht durchgesetzt hat. Aber Salzmans Analyse macht es möglich, diese merkwürdige Plage der Region zu begreifen und die Lösung dafür zu finden.


Aus: "Das Elend der Stammeskultur des Nahen Ostens" Daniel Pipes (29.01.2008)
Quelle: https://www.welt.de/debatte/kolumnen/Brennpunkt-Nahost/article6061960/Kolumne-Brennpunkt-Nahost-Das-Elend-der-Stammeskultur-des-Nahen-Ostens.html

-

... Das Stammesleben ist aufgegeben, zugunsten eines freien Individuums ...

Quote[...]  Poppers offene Gesellschaft ist gekennzeichnet von einer Politik der kleinen Schritte, die stets an ihrer Wirkung zur Verbesserung von Lebensumständen gemessen werden. Das Stammesleben ist aufgegeben, zugunsten eines freien Individuums - die immer wiederkehrende Stammessehnsucht dagegen ist brandgefährlich. Kern der Demokratie ist es, Herrscher ohne Blutvergießen loswerden zu können - mit "Volksherrschaft" hat sie hingegen wenig zu tun, was immer wieder zu unheilbringenden Enttäuschungen führt.

...  Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 21.11.2017
Rezensent Gustav Seibt ist dankbar für diese, wie er findet, "knappe" und präzise Übersicht von Karl Poppers Staatstheorie durch Jack Nasher. Der Kritiker liest hier in komprimierter Form noch einmal Poppers Idee der "offenen Gesellschaft" nach, die ihm gerade in Zeiten des Populismus aktuell erscheint: Dass ein offenes politisches System sich in Analogie zur Wissenschaft schrittweise immer wieder verbessern müsse, lernt Seibt hier ebenso, wie er erfährt, dass Poppers großen Wert auf eine Unterscheidung zwischen den Begriffen der "Volksherrschaft" und der "Demokratie" legte. Gegebenenfalls könne das Wahlvolk eine Regierung auch "unblutig entlassen", liest der Rezensent.

 Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 11.09.2017
Jochen Zenthöfer empfiehlt Jack Nashers Buch als Geschenk für jedermann, vor allem aber für Studenten. Seiner Meinung nach gehört es schleunigst übersetzt ins Ungarische, Russische, Polnische und Amerikanische. Nashers Text über Popper nämlich wirkt wie eine Immunisiserung gegen den Totalitarismus auf Zenthöfer ...

Zu:
Jack Nasher: Die Staatstheorie Karl Poppers
Eine kritisch-rationale Methode
Mohr Siebeck Verlag, Tübingen 2017
ISBN 9783161552434
117 Seiten



Aus: "Jack Nasher: Die Staatstheorie Karl Poppers" (2017)
Quelle: https://www.perlentaucher.de/buch/jack-nasher/die-staatstheorie-karl-poppers.html

...