Author Topic: Emanzipation, Selbstbefreiung, Geschlechterforschung (Gender Studies)...  (Read 21957 times)

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"Sexualstrafrecht: Das Schlafzimmer als gefährlicher Ort" Sabine Rückert (2. Juli 2016 DIE ZEIT Nr. 28/2016, 30)
Noch vor der Sommerpause soll eine unnötige und verhängnisvolle Verschärfung des Sexualstrafrechts durchgepeitscht werden  ... Der angestrebte "Paradigmenwechsel" besteht offensichtlich darin, bei Nötigung und Vergewaltigung die Wahrheitsfindung unüberprüfbar aus der Objektivität heraus und in die persönliche Deutungshoheit der Anzeigeerstatterin zu legen. Was leidenschaftliche Liebesnacht und was Vergewaltigung war, definiert die Frau am Tag danach. Die Folge: Bei den Sexualpartnern zieht das Misstrauen ein. Und die Sexualität an sich – also ein sonst schönes und erwünschtes Verhalten – wird durch derartige Kampagnen ins Zwielicht und in die Nähe des Verbrechens gerückt. Das Intime gerät in Verdacht, das Schlafzimmer wird zum gefährlichen Ort. Eine solche Verrechtlichung des Intimlebens ist beunruhigend. ...
Dass eine Frau auch von anderen als hehren Motiven durchdrungen sein könnte, davor verschließen all jene die Augen, die fordern, jeder Frau, die eine Vergewaltigung anzeigt, müsse immer und unter allen Umständen geglaubt werden – und das sind nicht wenige. Als hätte es die prominenten Fälle des unschuldig verurteilten Lehrers Horst Arnold (seine Falschbeschuldigerin wurde 2013 zu einer Freiheitsstrafe von fünfeinhalb Jahren verurteilt) oder des Fernsehmoderators Jörg Kachelmann nie gegeben. Als gäbe es unter weiblichen Menschen keine Wichtigtuer oder psychisch Defekten. Zu welch grotesken Blüten solcher Glaube führt, zeigte sich schon 2008 im sächsischen Mittweida, wo die 18-jährige Rebecca K. der Polizei ein in ihre Hüfte geschnittenes blutverkrustetes Hakenkreuz vorwies und behauptete, eine Rotte Neonazis, vor der sie ein Kind habe bewahren wollen, hätte ihr das angetan. Umfängliche polizeiliche und gerichtsmedizinische Ermittlungen setzten ein und ergaben: Das Mädchen musste die Geschichte erfunden und sich die Wunde selbst zugefügt haben. Trotzdem entschloss sich das Berliner Bündnis für Demokratie und Toleranz, eine politische Initiative gegen rechte Gewalt, Rebecca K. den Ehrenpreis für Zivilcourage zu verleihen – unbeeindruckt von der Tatsache, dass die Staatsanwaltschaft Chemnitz gegen die Frau wegen "Vortäuschung einer Straftat" ermittelte. Frau K.s Laudatorin, die ehemalige Parlamentarische Staatssekretärin Cornelie Sonntag-Wolgast (SPD), sagte, es gehe allein um das "Lob der Zivilcourage". Kurze Zeit später wurde die Preisträgerin verurteilt.
... Auch andere Fallkonstellationen sind denkbar, in denen das "Nein heißt nein" den Frauen keine Vorteile bringen, sondern Probleme bereiten könnte. Der Vorsitzende des 1. Strafsenats des Bundesgerichtshofs, Rolf Raum, stellte kürzlich in einer Tagung Überlegungen an, was strafrechtlich auf eine zärtlichkeitsbedürftige Frau zukommen könnte, die ihren Mann durch sexuelle Avancen etwa beharrlich beim Fußballgucken stört. Fasse sie ihm dabei zum Beispiel gegen seinen erkennbaren Willen – und sein "Nein" überhörend – in den Schritt, könnte dies (nach Paragraf 177 Abs. 1: Sexueller Übergriff) künftig zu einer empfindlichen Strafe führen. ...
http://www.zeit.de/2016/28/sexualstrafrecht-verschaerfung-kritik/komplettansicht

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Juliett Tango Two #2

"unnötige und verhängnisvolle Verschärfung des Sexualstrafrechts "
Die Silversternacht in Köln und ähnliche Ereignisse haben gezeigt, dass dringend eine Verschärfung des Sexualstrafrechts nötig ist.


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Grails_Knight #2.4

Inwiefern?

Köln war ohnehin strafbar. Als Nötigung, als Raub und eventuell auch als Vergewaltigung.
Was Köln so beängstigens macht ist nicht die "Schutzlücke", sondern eine Art von Kriminalität, die in Deutschland bis dahin nicht oder fast nicht vorkam.
Eine überforderte Polizei zusammen mit einer feiernden Menge, die offenbar nicht darauf achtete oder achten wollte was um sie herum geschah.
Inwiefern eine "Nein heisst Nein" Regelung hier hilfreich gewesen wäre verschliesst sich mir (ausser vielleicht das man die Täter "auf zuruf" hätte verurteilen können, ohne Beweise, aber das wird auch ein neues gesetz nicht ändern können, es gelten Grundlegende Rechtsprinzipien.
Im übrigen wäre es sehr viel wichtiger, die kulturellen, gesellschaftlichen und sozialen Gründe zu erforschen, die Täter und Opfer hervorbringen. Es wäre viel wichtiger, eine offene Debatte zu führen als eine Hetzkampagne durchzupeitschen. Eine Srtraftat, die nicht stattfindet, ist immer besser als eine, die ein Urteil nach sich zieht.

Leider hat man sich mal wieder für den kampagnenstil entschieden, der nur die Frauen zu armen Opfern und Männer zu reissenden bestien stigmatisiert. Damit ist niemandem geholfen. Ein echter Fortschritt wäre, wenn Opfer offen mit ihrem erleben umgehen könnten, ernst genommen würden, und wenn man zumindest versuchen würde, zu verstehen, wie es zu solchen taten in solchen Ausmaße kommt.


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Bill Tür #7

Die angedachten Änderungen können unter gewissen Umständen in Einzelfällen Betroffene unterstützen. Jedoch wird gleichzeitig das Miteinander vergiftet. Man muss sich stets vor Augen führen, dass es gemäß Verurteiltenstatistik jedes Jahr 99,996 Prozent der Männer schaffen, nicht gegen Paragraph 177 zu verstoßen.

In Zukunft lässt man die Bürotür lieber offen, nimmt den nächsten Fahrstuhl und verzichtet auf die Umarmung zur Begrüßung. Die feministische sexuelle Befreiung der zweiten Welle aus den 60er und 70er Jahren scheint damit mehr und mehr zu scheitern und einem viktorianischem Frauenbild zu weichen.


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"Sexueller Übergriff: Am besten schauen Sie einfach weg" Jana H. (30. Juni 2016)
Eine Frau wird in einem ICE Opfer sexueller Übergriffe durch betrunkene Fußballfans. Der Zugführer ruft Verstärkung. Wie viel Hilfe darf man von Polizisten erwarten? ....  Im Bordbistro herrscht Chaos. Hinter der Theke steht ein Mitarbeiter der Deutschen Bahn und gibt Plastikbecher mit Bier aus. Hier sind so viele Männer, dass es kaum möglich ist, sich vorwärts zu bewegen. Ich gerate in Panik. Ich versuche, weiterzulaufen. Die Männer grölen, einer sieht mich und ruft: "Ich fick dich in den Arsch, Hure." Alle lachen. Ein anderer sagt: "Ich helf dir hier durch", dann kippt er mir sein Bier über Rock und Rucksack, weil er sein Glas nicht mehr gerade halten kann. Einer umfasst von hinten meine Hüften. Ich weiche zurück und brülle: "Können Sie mich bitte durchlassen, ohne mich anzufassen?"
Die Männer um die Theke versperren den schmalen Durchgang zum Sitzbereich des Restaurants. Niemand bewegt sich. Alle schauen mich an. Ich nehme meinen Mut zusammen und drängle mich an ihnen vorbei. Von allen Seiten spüre ich Hände auf meinem Körper. An meiner Taille, meinem Po, meinen Brüsten. Ein Gerangel, Bier kippt über meine Schultern. Einer ruft: "Nein heißt Nein!" Wieder lachen alle anderen. ...
http://www.zeit.de/zeit-magazin/leben/2016-06/sexueller-uebergriff-deutsche-bahn-polizei

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Ich Homunculus (03.07.2016)
Auch ich (30 jährige blonde Frau) bin mehrfach in ICE Zügen belästigt worden. Noch öfter bin ich jedoch sehr respektvoll und freundlich behandelt worden. Dennoch braucht es dringend eine Debatte und ein Bewusstsein darüber dass Züge eine ideale Plattform für übergriffiges Verhalten und "Machoismus" sind. Und das man hier darüber spricht ist ein sehr guter Anfang denn Sie, liebe Autorin sind längst nicht die einzige der es so ergeht!


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no_more_BlackSites (03.07.2016)

Natürlich hätte die Polizei alle rausziehen können. Bei linken Demos ist es gang und gäbe wegen lächerlichen Aspekten wie vermeintlich zu langen Transparenten, "Vermummung" etc. gleich 1000 Leute einzukesseln, 8 Stunden lang festzuhalten und Pfefferspray in die gefangene Menge zu halten (s. Blockupy 2013).

Aber bei knapp 100 besoffenen Fußballfans soll es nicht möglich sein, die sicher aus dem Zug zu eskortieren und draußen erstmal eingekesselt warten zu lassen?

Und zum Thema, dann trifft es Unschuldige; Das ist der Polizei bei Kesselaktionen gegen Demonstranten auch sch***egal. Auch da werden oft mehrheitlich Leute eingekesselt, die nichts gemacht haben, selbst Leute, die rein zufällig dort waren, wie Touristen, werden mitgekesselt und stundenlang nicht rausgelassen. Das Motto ist da ganz klar: Mitgehangen, mitgefangen.

Btw., weil hier manche schreiben, dass die mögliche Kosten bei Demonstrationen ja auch nicht von den Organisatoren übernommen werden müssen, es also bei den Vereinen auch ungerecht wäre: Nein, das ist nicht der Fall. Demos sind vom GG geschützt. Die Organisatoren müssen sie veranstalten können, ohne Angst vor Kosten zu haben. Fußballspiele sind nicht vom GG geschützt und im Gegensatz zu Demos KOMMERZIELLE Veranstaltungen. Die Vereine machen auf Kosten des ÖPNV und der Fahrgäste richtig Reibach.

Ich habe ähnlich Situationen im ÖPNV in NRW auch schon erlebt. Allerdings ohne sexuelle Übergriffe, "nur" mit mehrfacher Anmache betrunkener Fußballfans.


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karrie (03.07.2016)

ich finde es unerträglich solches zu lesen. ich kann mich absolut in die situation hineinfühlen und mir wird speiübel bei dem gefühl. angst, machtlosigkeit, hilflosigkeit und danach wird man noch als unglaubwürdig verkauft. das ist erniedrigend, zusätzlich zu dem physischen und psychischen eingriff in meine privatsspähre in der situation an sich. genau da reihen sich hier manche kommentare ein, die die autentizität in frage stellen. wenn ein mensch angst empfindet, muss man darauf rücksicht nehmen. das nennt sich einfühlungsvermögen. es ist ein opferbericht! natürlich schildert sie aus ihren augen was passiert ist. klar, ein umstehender würde vielleicht sagen, "stell dich nicht so an". und genau darum geht es. dieses runterreden legitimiert ein verhalten, dass für die opfer, ob frau oder mann, absolut demütigend ist. und für den/die täter grad mal ein "stell dich doch nicht so an". wenn mir in der stadt (und so ist es tatsächlich passiert) ein mann entgegenkommt, ich bin alleine als frau unterwegs, und mich fragt, ob ich nicht sex mit ihm haben möchte, dann ist das erniedrigend. und gehört bestraft. ich habe die polizei angerufen, die haben mich gefragt, ob ich beleidigt wurde oder angefasst. beides nein. also kann man nichts machen. soll das so laufen? in deutschland? in europa? im jahr 2016??? soll ich mit pfefferspray, messer, diktiergerät und videokamera durch die gegend laufen, weil mir sonst keiner hilft oder glaubt? ...


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SaKemn (03.07.2016)

Die Autorin spricht mir mit jedem Wort aus der Seele! Ich habe mehrfach ähnlich aggressiv auftretende DEUTSCHE Männergruppen auf der Fahrt von Bremen nach Nürnberg - oder zurück - erlebt. Da sind die Fußballfans, Junggesellenabschiede, Betreibsausflüge, der Kegelverein, etc. und niemand wagt es einzuschreiten. Zugabteile sind offensichtlich rechtsfreier Raum. Immer, wenn es sich vermeiden läßt, fahre ich aus diesem Grund Auto.


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Achim403 (02.07.2016)
Die Mitarbeiter der Polizei darf in sämtlichen Zügen ihres Bundeslandes umsonst mitfahren, um dort hoheitliche Aufgaben wahrzunehmen. Ich war selber 20 Jahre Lokführer in allen Geschäftsbereichen und hatte mit betrunkener Klientel, egal ob Anzugträger oder Fan, zu tun. Bei Vorkommnissen dieser Art gab es eine Warnung,die in Form einer Durchsage mitgeteilt wurde. Ansonsten blieb der Zug stehen bis die Polizei eintraf und die Situation geregelt war, da sonst ein ordnungsgemäßer Eisenbahnbetrieb nicht durchführbar war.
Leider musste ich selber in der jetzigen Zeit solch ein Verhalten der Polizei miterleben. Das das Vertrauen immer weiter sinkt verwundert mich nicht. Ich gehe davon aus, dass die Polizisten Kommunikationsregeln kennen und Eskalationsstrategien beigebracht kriegen. Nun brauchen sie diese bloß noch umzusetzen. Duzen geht gar nicht.


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Thorigrarg (02.07.2016)

Es gibt eine ganz einfache Lösung: der Verzehr alkoholhaltiger Getränke gehört in öffentlichen Verkehrsmitteln grundsätzlich verboten und konsequent durchgesetzt, wie es zum Beispiel bei der Metronom-Gesellschaft in Norddeutschland gehandhabt wird.

Und alkoholisierte Fahrgäste, die ausfällig werden, gehören am nächsten Bahnhof ausgesetzt.

Mit dieser Vorgehensweise hätte man nicht nur als Frau Ruhe vor sexuellen Belästigungen, sondern auch als Mann könnte man bei solchen "Fußball-Großkampftagen" wieder in Ruhe mit der Bahn fahren, ohne sich a) Fremdschämen zu müssen oder b) einfach nur von so viel geballter Dummheit der Mitmenschen genervt zu werden.

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ak888 (02.07.2016)

Im amerikanischen Greyhound Fernbus werden alkoholisierte bzw Fahrgäste, die nur eine Bierdose offen zeigen mit Rauswurf und Anzeige bedacht.



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iLucas_HD (01.07.2016)

Ich bin selbst in der aktiven Fanszene und kenne die Umstände dort. Gleich vorweg: Es ist mir egal ob ein Grapscher aus Deutschland, Marokko oder vom Mars kommt. Er MUSS herausgefiltert und vor Gericht gestellt werden. Aber wieso soll hierfür der Verein aufkommen/bestraft werden? Er hat kein Hausrecht im Zug und darf hier garnicht mit Ordnern eingreifen. Und warum sollen Vereine Polizeieinsätze finanzieren? Weil hier mehr Polizei benötigt wird? Die Linkspartei muss auch die Einsätze für ihre 1.Mai Demos oder Karnevalsvereine die für ihre Umzüge nicht bezahlen. Am Karnevalsumzug gibt es genauso viele besoffene Affen. Und warum soll die Polizei hier "in voller Montur" in den Wagon rein? Da sind zu viele Menschen drin, die mit diesem Vorfall nix zu tun haben. Ich war bei so einer Aktion der Polizei mal dabei. Jeder der es noch nicht war, kann darüber sehr froh sein Pfefferspray in einen vollen Wagon sprühen, weil EINER etwas beschädigt hat, ist unverhältnismäßig. Was nicht heißt, dass er nicht rausgeholt werden muss. Und warum will die Reporterin nicht die Täter identifizieren? Wenn die Polizei nicht in der Lage ist, mit ihrem Gewaltmonopol Opfer zu schützen, ist das nicht das Problem der Fans sondern der Politik. Zum Thema Sonderzüge für Fans: Das ist besser für alle! Aber erstens werden diese immer weiter von DB und co. zusammengestrichen und zweitens sollten diese auch nur von Fans benutzt werden (und nicht von Leuten mit Fahrrad trotz der Kennzeichnung Fußballsonderzug!)


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Kölsche Joong (01.07.2016)

Trauriges Ereignis, das einen nur wütend macht. Zum einem, dass was im Argen liegt mit der Strafverfolgung in unserem Staate und zum anderem das völlige Unrechtsbewusstsein bei vielen Männern, die meinen, in Gruppen und alkoholisierten Zustand sich alles erlauben zu dürfen. Von der teilnahmslosen und wegschauende Zivilgesellschaft will ich erst gar nicht reden. P.S. Von den sog. "Kölner Übergriffen" soll mir jetzt ab sofort keiner mehr um die Ecke kommen. Denn die sexuelle Gewalt in der anonymen Masse in der Öffentlichkeit ist in unseren Breitengraden nämlich nicht ethnisch begründbar, sondern zunächst einmal ausschließlich ein Verbrechen von und durch Menschen männlicher Herkunft!


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J-R vor (02.07.2016)

Die teilnahmslose Zivilgesellschaft ist in dem Zug in der Unterzahl, genauso, wie die Staatsmacht.
Ich habe eine ähnliche Situation in kleinem Maßstab mal verhindern können, als ein Fan mal in mein Gruppenabteil kam, nachdem eine zwar nicht alkoholisierte, aber für mich auch nicht komplett zurechnungsfähige Dame ihn durch Quengeln bezüglich der Lautstärke in seinem Abteil dazu ermutigt hatte. Als es dann mit Anfassen los ging, hat er sich auf mein "Geht's noch?!" dann mir zugewandt und wollte dringend wissen, ob das meine Freundin sei. Von den restlichen Leuten im Abteil kam keine Reaktion. Ein junger Mann meinte, er müsse, während er den Zug verließ, dem Herrn Fan noch sagen, er sei nicht so stark, wie er meine. Was für ein Würstchen. Die belästigte Dame hat sich dann irgendwann nett mit dem Fan unterhalten. So schlimm war dann nämlich alles doch nicht, vermutlich war sie am Anfang nur sauer, dass die Party ohne sie gefeiert wurde.

Manchmal denke ich, ich bin bei den Irren.
Ich schätze seitdem ab, wie zurechnungsfähig die Opfer sind, bevor es von mir eine präventive Einmischung gibt. Ansonsten gibt es bei denen nämlich auch keinen Lerneffekt ...


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Frl.Clarissa (01.07.2016)

Schön hier so viel männliche Solidarität zur sexuellen Gewalt gegen Frauen zu lesen!

Bedacht werden sollte dabei aber, dass sexuelle Übergriffe, auch wenn sie "nur" verbal sind, eine grundsätzliche frauenverachtende Einstellung vieler, nicht aller! Männer gegenüber uns Frauen in UNSERER Gesellschaft zeigen.

So wie Kindermund Wahrheit kundtut, hat auch der Alkoholisierte keine Hemmungen, seine wahre Einstellung zu zeigen, die nicht nur bei Fußball-Proleten oft latent frauenverachtend ist. Das wird in Diskussionen hier gerne bestritten, oder es wird empfohlen, wir Frauen sollten uns doch bitte nicht so anstellen. "Ist doch nur Spaß". Tatsächlich?
Dann ein sehr dummer Spaß auf unsere Kosten die nachhaltiger sind, als viele Männer sich das vorstellen können.

Denn welcher Mann würde es wohl spaßig nehmen, wenn er von mehreren deutlich größer und stärkeren Männern, in bedrohlicher Form das Angebot bekäme, mal so richtig in seinen A.... ....... zu werden.
Solche "Angebote", man glaubt es nicht, sind nach Meinung mancher Männer hier nicht weiter schlimm, solange den verbalen Ankündigungen keine physische Tat folgt.

Das Verhalten der Fußballproleten gegen Jana H. und auch das Verhalten der Polizei, ist nur aus latenter Frauenverachtung möglich, die bei passender Gelegenheit zu verehrenden Taten führt. Man lese z. B. Schützenfast von Ferdinand von Schirach. [Schuld: Stories, Ferdinand von Schirach (Autor)] ...

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"Schutz vor Gewalt: Deutsche Bahn will Bodycams testen" Axel Kannenberg (heise online, 10.07.2016)
Die Gewalt gegen Bahnmitarbeiter nimmt zu. Der Konzern erwägt, seine Angestellten mit Minikameras an der Uniform auszustatten. Die Bodycams sollen potenzielle Angreifer abschrecken. ...
http://www.heise.de/newsticker/meldung/Schutz-vor-Gewalt-Deutsche-Bahn-will-Bodycams-testen-3262838.html

« Last Edit: July 10, 2016, 04:52:46 PM by Link »

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[...] "Frauen suchen sich oft andere Stoffe als Männer", sagt Maren Ade, "psychologischere." ...
Aus: "Deutsches Kino: Warum will keiner tolle Filme sehen?" (4. Juli 2016)
Quelle: http://www.zeit.de/kultur/film/2016-07/deutsches-kino-toni-erdmann-maren-ade-frauen-foerderung

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[...] Der Bundestag beschließt diese Woche ein neues Sexualstrafrecht. Im Mittelpunkt steht der Grundsatz "Nein heißt nein" - überraschend sieht das Gesetzespaket aber auch härtere Abschieberegeln vor.

... Zum besseren Verständnis lohnt ein Blick in den Kern der Reform. Vergewaltigungen und sexuelle Nötigung werden nach Paragraf 177 des Strafgesetzbuches geahndet. Dieser wird nun grundlegend erneuert.

In Zukunft macht sich jemand schon dann strafbar, wenn er "gegen den erkennbaren Willen einer anderen Person sexuelle Handlungen" vollzieht. Bisher gilt das weitgehend nur für Taten, bei denen dem Opfer gedroht oder Gewalt angetan oder wenn dessen schutzlose Lage ausgenutzt wurde.

Verkürzt gesagt bedeutet das Prinzip "Nein heißt nein": Eine Frau muss nicht schreien oder sich körperlich wehren - sexuelle Handlungen gegen ihren Willen sind trotzdem Unrecht.

Bis zuletzt war unklar, ob das Prinzip "Nein heißt nein" auch ins Aufenthaltsgesetz überführt wird. Dort ist unter anderem geregelt, unter welchen Umständen Ausländer ausreisepflichtig sind.

Nach SPIEGEL-ONLINE-Informationen ist die Entscheidung gefallen. Der reformierte Paragraf 177 soll ausdrücklich auch im Aufenthaltsgesetz greifen und das darin enthaltene Ausweisungsrecht verschärfen.

"Der Grundsatz des 'Nein-heißt-nein' wird auch im Ausweisungsrecht implementiert", heißt es in dem gemeinsamen Antrag der Koalitionsfraktionen. Das bedeutet, dass das neue Sexualstrafrecht die Hürden für einzelne Abschiebungen senken kann.

Wie kommt es dazu? Schon jetzt wird die Straffälligkeit von Ausländern stärker gewichtet als früher. Dafür sorgte die Koalition, als sie im Januar die Ausweisung ausländischer Straftäter erleichterte. Das Gesetz war eine Reaktion auf die sexuellen Massenübergriffe auf Frauen in der Kölner Silvesternacht, an denen überwiegend Männer aus dem Maghreb beteiligt waren.

Seitdem kann jede Freiheits-, Jugend- oder Bewährungsstrafe dazu führen, dass ein Ausländer ohne Asylanspruch ausgewiesen wird. So gut wie sicher ist ein Abschiebebescheid, wenn die Strafe mindestens ein Jahr beträgt. Früher lag die Hürde bei zwei Jahren und mehr.

Das "Gesetz zur erleichterten Ausweisung ausländischer Straftäter" schließt verurteilte Straftaten im sexuellen Bereich eigentlich schon mit ein. Allerdings muss, neben anderen Delikten, auch eine sexuelle Straftat mit "Gewalt, Drohung, Gefahr für Leib und Leben oder List" verknüpft sein, damit sie als Ausweisungsgrund anerkannt wird.

Genau diese Einschränkung soll jetzt wegfallen. Eine Tat nach Paragraf 177 könne künftig "unabhängig von den bisherigen Tatmodalitäten zu einem Ausschluss von der Flüchtlingsanerkennung führen", heißt es in dem Papier.

... Unabhängig davon ist das Sexualstrafrecht seit Monaten in der Diskussion. Die Rechtsprofessorin Monika Frommel kritisiert im SPIEGEL, das Gesetz schaffe neue Rechtslücken. Fachpolitikerinnen von Union und SPD loben hingegen den "Paradigmenwechsel". Das Recht jeder Frau auf sexuelle Selbstbestimmung werde endlich "voll zur Geltung" gebracht.

... Der Antrag der Koalitionsfraktionen verschärft einen Gesetzentwurf von Bundesjustizminister Heiko Maas (SPD). "Nein heißt nein" war in Maas' Vorschlag zunächst nicht vorgesehen, der Minister zeigte sich aber offen für Ergänzungen. Eine Reform des Sexualstrafrechts hatte sein Haus schon lange vor den Kölner Silvester-Übergriffen angestoßen.

Zusammengefasst: Der Vergewaltigungsparagraf wird nach langem Streit erneuert, das Prinzip "Nein heißt nein" im Sexualstrafrecht verankert. Mit der Reform verbunden ist auch eine Änderung im Aufenthaltsrecht. Straffällig gewordene Ausländer können damit unter Umständen leichter abgeschoben werden als früher.


Aus: "Neues Sexualstrafrecht: "Nein heißt nein"-Prinzip soll Abschiebungen erleichtern" Annett Meiritz (05.07.2016)
Quelle: http://www.spiegel.de/politik/deutschland/sexualstrafrecht-nein-heisst-nein-soll-abschiebungen-erleichtern-a-1101316.html

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[...] Sie winden sich, die Experten und Expertinnen, die gegen eine Reform des Sexualstrafrechts sind. Es ist ihnen too much, die Sache mit der sexuellen Selbstbestimmung so ernst zu nehmen, dass Gesetze umgeschrieben werden müssten. Trotzdem wird am Donnerstag der Bundestag wahrscheinlich für die Reform stimmen. Es geht dabei um mehrere Änderungen, unter anderem um die Frage, wann etwas eine Vergewaltigung ist.

Die Kritikerinnen und Kritiker dieser Reform fahren so schauerliche Klischees von Männern, Frauen, Sex und Gewalt auf, dass es zwar bitter ist, das anzuhören, aber eine Untersuchung lohnt, zumal sie sich an entscheidenden Stellen widersprechen.

Einer der Kritiker ist Bundesrichter Thomas Fischer, der in seiner "Zeit Online"-Kolumne eine gewisse Freude daraus zu schöpfen scheint, anderen zu erklären, dass sie keine Ahnung von seinem Fachgebiet haben. So schön es ist, wenn jemand sein Wissen teilt, so tragisch ist es, wenn diese Kompetenz durch frauenfeindliche Polemik getrübt wird oder gar in ihr versinkt, was ihm leider ab und zu passiert.

Fischer, der schon 2015 empfahl, man solle "das Sexualstrafrecht endlich einmal in Ruhe lassen" (hat keiner drauf gehört) schreibt nun über eine Journalistin, die auf Brigitte.de etwas Falsches zum Fall Gina-Lisa Lohfink geschrieben hat, dass "die simpelsten Einsichten des Verstands bei ihr nicht mehr wirken", und er "fürchtet", das komme "irgendwie aus den Hormonen". Aus welchem Körperteil diese Vermutung bei ihm kommt, sollten mal Biologinnen klären.

Dass Expertise im Strafrecht nicht zwingend mit Expertise zu Frauen einhergeht, zeigt auch Fischers Exegese der Sehnsüchte und Ängste "der deutschen Frau": "Kaum trippelt man selbstbestimmt im kurzen schwarzen Spitzenkleidchen übers Parkett [...] - da starren frech schon wieder: Männer." Man kriegt richtig Bock, mit so jemandem mal zusammenzuarbeiten.

Anders als Fischer suggeriert, ist Vergewaltigung allerdings keine "Frauenfrage". Es werden erstens auch Jungs und Männer vergewaltigt und missbraucht (die meisten Missbrauchsopfer in der katholischen Kirche sind männlich) und zweitens gehört zu jedem Fall, in dem eine Frau von einem Mann vergewaltigt wird, eben auch dieser Mann. Vergewaltigung als Frauenthema zu sehen, heißt Männer, die zu Opfern werden, zu verschweigen, und Männer, die zu Tätern werden, als unhinterfragbare Naturgewalt hinzustellen.



Am Fall Gina-Lisa Lohfink sind für Fischer, apropos Natur, vor allem die Brüste der Angeklagten interessant und die Einkünfte, die sie ihr - seines Erachtens - quasi im Alleingang verschaffen. Er erklärt beleidigt, dass ihr Einkommen "plausibel ist, denn als Mensch mit dem Beruf 'Vorzeigen-von-dicken-Silikonbrüsten' sollte man schon deutlich mehr verdienen als der Präsident eines Obersten Bundesgerichts." Große Worte für einen, dessen Beruf man als "Deuten von dicken Büchern" beschreiben könnte. Abgesehen davon, dass man Lohfink auch "Model, Schauspielerin, Sängerin" nennen könnte, wenn man den Respekt für Menschen nicht an der chemischen Zusammensetzung ihrer Oberweite festmachen würde.

Aber Fischer macht sich lieber lustig über die "kaum noch beherrschbare Welle von Sexualdelikten, die Deutschland bekanntlich überschwemmt". Ich weiß nicht, ob es eine zynischere Art gibt, Opfern von Sexualstraftaten so richtig auf die Fresse zu geben.

...


Aus: " Sexualstrafrecht: Was heißt Nein?" Eine Kolumne von Margarete Stokowski (05.07.2016)
Quelle: http://www.spiegel.de/kultur/gesellschaft/stokowski-zu-sexualstrafrecht-was-heisst-nein-a-1101339.html

« Last Edit: July 05, 2016, 05:43:34 PM by Link »

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[...] Kim Kardashian hat vor Kurzem ein Ganzkörperselfie gepostet, auf dem sie nackt vor einem Badezimmerspiegel posiert. Die interessierte Öffentlichkeit teilte sich daraufhin grob in zwei Lager: Die einen warfen Kardashian vor, jungen Frauen zu vermitteln, sie bekämen nur dann Aufmerksamkeit, wenn sie nackt sind. Die anderen fassten das Bild als emanzipatorischen Akt auf: Das Selfie als Genre erlaube es Frauen, sich selbst so zu zeigen, wie sie gern gesehen und akzeptiert werden wollten, und das sei eine Freiheit, die Frauen noch nicht sehr lange hätten. ...
Aus: "Die Selfie-Dynastie" Felix Stephan (16. März 2016,)
http://www.zeit.de/kultur/kunst/2016-03/selfies-instagram-ausstellungen-schirn

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"Nur richtige Vergewaltigungen" Journelle (Samstag, 02. Juli 2016)
Zweifelsohne ist die Diskussion um Frau Lohfink, Vergewaltigung und Strafrecht mittlerweile so komplex, dass sie nur schwer zu überblicken ist. Ich versuche trotzdem kurz anhand dessen, was ich bislang hierzu gelesen habe, die Rahmendaten zusammenzufassen. ...
Dieser Eintrag wurde veröffentlicht in Journal und verschlagwortet mit Lohfink, neinheißtnein, Sexuelle Gewalt
http://www.journelle.de/4900/nur-richtige-vergewaltigungen/

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"Wie hat der Gesetzgeber „nein heißt nein“ umgesetzt?" (07.07.16)
In zahlreichen Pressemeldungen des heutigen Tages war zu lesen, dass der Bundestag einstimmig (!) eine Reform des Sexualstrafrechts beschlossen habe, durch das die Forderung „nein heißt nein“ im Gesetz verankert wurde. Was der Gesetzgeber aber genau regelt, war nirgends zu lesen. Deshalb hier zunächst ein kurzer Überblick über den Worlaut. ...
http://www.internet-law.de/2016/07/wie-hat-der-gesetzgeber-nein-heisst-nein-umgesetzt.html

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"DIE ÜBERLEGENHEIT DES BLICKS - Eine transdisziplinäre Verortung des fotografischen Blicks zwischen Kolonialismus und Tourismus"
Aria Sebastian Wojciechowski (Studiengang: Medien-Kommunikation-Kultur, 2014)
http://www.whitecharity.de/wp-content/uploads/Wojciechowski.pdf

White Charity - Schwarzsein und Weißsein auf Spendenplakaten
Öffentlicher Raum wird in Deutschland immer stärker von Werbung eingenommen.Während in kommerzieller Werbung hauptsächlich modisch gekleidete weiße Menschen in „zivilisiertem“ Umfeld dargestellt werden, sieht man auf Plakaten von „Hilfsorganisationen“ meist Schwarze Menschen in ärmlichen, ländlichen Bedingungen. Die Schwarz-Weißen Darstellungen werden durch ständige Anwesenheit und Wiederholung unhinterfragt zur Realität der BetrachterInnen.
Die Repräsentationen Schwarzer und weißer Menschen werden in der Regel nicht von den Organisationen erfunden, sondern sind Resultate einer Geschichte von Stereotypisierungen und müssen deswegen auch im Lichte dieser Geschichte betrachtet werden. Trotzdem tragen die Organisationen Verantwortung für die Reproduktion der Bilder. ...

http://www.whitecharity.de/
« Last Edit: July 14, 2016, 01:42:00 PM by Link »

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"Schweden: Welche schwedischen Werte?" Liv Heidbüchel (17. Juli 2016)
Gleichberechtigung ist ein Grundpfeiler der schwedischen Gesellschaft. Doch nach sexuellen Übergriffen auf Festivals wird klar: Über Probleme wurde bisher geschwiegen. ... Ein willkommenes neues Phänomen sei dagegen, dass Mädchen und Frauen sich heute trauen, über sexuelle Gewalt zu sprechen, sagt Persson. Allerdings: "Viele Menschen drücken sich vor dem Einmischen", sagt sie. "Nur jeder Zehnte sagt überhaupt etwas. Außerdem ist die Toleranz gegenüber dem gewalttätigen Verhalten von Jungen und Männern sehr groß." Persson meint, dass sich vielmehr Männer in die Diskussion einmischen müssten. Die Übergriffe auf den Festivals könnten den Anlass liefern.
http://www.zeit.de/gesellschaft/zeitgeschehen/2016-07/schweden-festivals-sexuelle-uebergriffe-bravalla

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"Männergesellschaft Türkei: Auch das Patriarchat hat ein Verfallsdatum" Caroline Fetscher (18.07.2016)
Der Putsch ist gescheitert, das Patriarchat triumphiert. Aber die Emanzipation der längst globalisierten Türkei wird nicht aufzuhalten sein. ... Das Land ist noch immer ein von Männern völlig dominiertes Territorium. Im privaten wie im öffentlichen Raum haben sie das Sagen. Symbolisch dafür stehen die Teehäuser und Cafés, auch in von türkischen Migranten geprägten Stadtteilen Deutschlands, in denen man nie eine Frau sitzen sieht. Der Zugang wird ihnen nicht einmal durch Schilder verwehrt – es versteht sich von selber, dass Frauen diese Räume nicht betreten. Eben auch nicht die Räume der Macht. ... Doch die Säkularisierungsschübe der Vergangenheit, der nachwirkende Kemalismus sowie die rasante Geschwindigkeit, mit der im Zeitalter der Globalisierung die Informationsströme fließen, verändern die Lage – zumal in den Städten. In Ankara wie Istanbul gibt es gebildete Frauen, Geschäftsfrauen, Anwältinnen, Ärztinnen und Lehrerinnen. Seit Atatürks Revolution von oben, die 1924 begann, drangen Frauen von den Rändern her in viele Lebensbereiche vor. Seit 1930 durften sie zunächst bei Regionalwahlen ihre Stimme abgeben, ab 1934 auch bei den Nationalwahlen. Widerstand der traditionellen Milieus gab es von Beginn an. Bis heute kämpfen Feministinnen wie Nebahat Akkoc gegen Polygamie, Ehrenmorde, Analphabetismus und Diskriminierung der weiblichen Bevölkerung – mit einem Wort: gegen das Patriarchat. ...
http://www.tagesspiegel.de/kultur/maennergesellschaft-tuerkei-auch-das-patriarchat-hat-ein-verfallsdatum/13888580.html


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"Homosexualitäten und Literatur Das lange Warten auf homosexuelle Romanfiguren" Alain Claude Sulzer (16.07.2016)
Im Literarischen Colloquium Berlin läuft derzeit das Festival "Empfindlichkeiten - Homosexualitäten und Literatur". Mit dabei ist auch der Schweizer Autor Alain Claude Sulzer, der einen Blick in die schwule Literaturgeschichte wirft. ... Welche Freuden und Unannehmlichkeiten außereheliche Beziehungen mit sich brachten, konnten die Leserinnen und Leser bei Fontane, Flaubert, Tolstoi und Dutzenden von weiteren Autoren nachlesen. Indem sie es einer breiten Öffentlichkeit zuführte, beglaubigte und verallgemeinerte die Literatur, was die Leser ahnten, ersehnten oder bereits am eigenen Leib erfahren hatten. Bei den Schriftstellern stieß man meist auf mehr Verständnis als im Freundeskreis.
Gleich war es mit der erfüllten Liebe und dem unerfüllten Verlangen. Davon erzählten Emily Brontë oder Heinrich von Kleist; davon erzählte Goethe, erzählten alle in allen nur erdenklichen Abweichungen. Es ging dabei ganz selbstverständlich um die vielfältigen Spielarten der Liebe zwischen den Geschlechtern. Wer sich im 18. oder 19. Jahrhundert Hinweise auf die Liebe zwischen Männern erhoffte, wurde enttäuscht.
Noch E. M. Forster entschloss sich im 20. Jahrhundert, den Roman „Maurice“ (1914), in dem die Liebe zwischen Männern unzweideutig im Mittelpunkt stand, nicht zu publizieren. Das geschah erst nach seinem Tod (1971). Seine Reputation aufs Spiel zu setzen, wäre sozialer Selbstmord gewesen. Forster schrieb Romane, die zwischen den Geschlechtern spielten. Als seine Geduld mit den normalen Menschen erschöpft war, wie er sagte, hörte er auf zu schreiben. ...
Wie müssen sich junge, homosexuell empfindende Männer und Frauen gefühlt haben, wenn sie feststellen mussten, dass ihr Begehren nicht einmal dort ein Forum hatte, wo scheinbar alles möglich schien, in der Literatur nämlich? Einer der Gründe, warum wir auf Vermutungen angewiesen sind, wenn wir etwas über homosexuelle Lebensentwürfe in historischer Zeit erfahren wollen, liegt nicht zuletzt in der Abwesenheit von Homosexualität in der literarischen Landschaft der Vergangenheit. Wenngleich es im 20. Jahrhundert frühe Versuche wie etwa André Gides „Corydon“ (1924) oder Klaus Manns „Der fromme Tanz“ (1925) gab, mussten Homosexuelle bis in die Sechziger auf selbstbewusste literarische Auftritte warten. ...
http://www.tagesspiegel.de/berlin/queerspiegel/homosexualitaeten-und-literatur-das-lange-warten-auf-homosexuelle-romanfiguren/13882562.html

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"Weibliche Breiviks gibt es nicht" Bettina Weber (24.07.2016)
Die Bilanz der letzten fünf Wochen ist erschütternd, und sie schlägt aufs Gemüt. Orlando, 12. Juni: Ein Mann ermordet 49 Menschen. Paris, 13. Juni: Ein Mann ermordet ein Polizisten-Ehepaar. Fislisbach, 14. Juni: Ein 17-jähriger Mann ermordet einen 18-Jährigen. Leeds, 16. Juni: Ein Mann ermordet eine Politikerin. Nizza, 14. Juli: Ein Mann ermordet 84 Menschen. Würzburg, 19. Juli: Ein Mann versucht, vier Menschen zu ermorden. München, 22. Juli: Ein Mann ermordet neun Menschen.
Die Liste ist nicht vollständig. Und sie endet mit Sicherheit nicht am 22. Juli. So unterschiedlich die Motive für die Morde sein mögen, so haben sie dennoch etwas gemeinsam: Die Ausführenden waren alle männlich. Genauso wie beim Massaker in Paris, den Anschlägen in Brüssel oder auf «Charlie Hebdo» und bei sämtlichen Amokläufen der jüngsten Vergangenheit. Weibliche Breiviks gibt es nicht.
Wir haben uns derart daran gewöhnt, dass es fast immer Männer sind, die töten – es scheint kaum erwähnenswert. Hätten die Täter ein anderes, augenfällig gemeinsames Merkmal, man würde längst darüber reden. Nach Ursachen forschen und Prävention betreiben. Das männliche Geschlecht reicht dafür offenbar nicht. Man nimmt es hin. Ist halt so. Obschon die Taten, die so viel Leid brachten, einen gemeinsamen Ursprung haben, über den es sich nachzudenken lohnte: eine falsch verstandene, kranke und altertümliche Männlichkeit. ...
Der Amokläufer rächt sich für sein Gefühl des Scheiterns an allen, die ihm gerade über den Weg laufen. Mit der Waffe in der Hand ist er nicht mehr klein und verloren, er verbreitet damit Angst und Schrecken und ist endlich wer. Man respektiert ihn, so, wie einem Mann Respekt gebührt: Man fürchtet ihn. Er glaubt, damit sein Selbstbewusstsein ins männliche Lot zu rücken. Lieber geht er als Killer in die Geschichte ein denn als ein Niemand. Die Welt soll seinen Namen kennen.
Die Pervertierung dieser Idee ist der IS. Dessen Mitglieder zelebrieren die archaischste Form der Männlichkeit überhaupt; sie posieren mit schwarzen, furchteinflössenden Henkermasken und immer mit Waffen. Sie erniedrigen, versklaven, foltern, töten. Sie verstehen Männlichkeit als absoluten und naturgegebenen Anspruch auf Dominanz und Herrschertum, fordern von allen anderen Gehorsam und Unterwerfung.
Diese Männer sind stehen geblieben, während die Welt um sie herum sich verändert hat. Sie reagieren trotzig und nach dem uralten Muster der Gewalt, wenn sie auf Ablehnung stossen oder sich machtlos fühlen. In ihrer blinden Wut machen sie alle anderen für ihre Lage verantwortlich und gern auch den Feminismus, der das Maskuline entwertet haben soll.
Dabei könnten sie doch just diesen als Befreiung verstehen. Er erlaubt ihnen, endlich nicht mehr diese verkrampfte Stärke an den Tag legen zu müssen, die nicht nur unmenschlich ist, sondern ihnen ohnehin nie jemand wirklich abkaufte. ...
http://www.sonntagszeitung.ch/read/sz_24_07_2016/fokus/Weibliche-Breiviks-gibt-es-nicht-69517
« Last Edit: July 26, 2016, 01:16:40 PM by Link »

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"Feminismus: Körperbeschimpfung als Kampfmittel" Catherine Newmark (27. Juli 2016)
Frauen, die sich öffentlich äußern, schlägt viel Hass entgegen. Doch warum wird gerade jetzt das Klischee der hässlichen Emanze wiederbelebt? ... Natürlich kann man darin eine kulturhistorisch wohletablierte Tradition der männlichen Objektivierung von Frauen sehen, ihrer Reduzierung auf Sexualität und damit auf ein Hingeordnetsein zum Mann, mittels derer versucht wird, allzu meinungsstarke Frauen "auf ihren Platz zu verweisen", wie es die Geschlechterforscherin Franziska Schutzbach gestern im Deutschlandradio Kultur sachkundig erläuterte.
... Das Gespräch, das die beiden WOZ-Journalisten Daniel Ryser und Carlos Hanimann daraufhin mit ihm geführt haben, ist vor allem deshalb so faszinierend, weil sich die beiden ganz schlicht und vor allem interessiert mit Herrn Zürcher unterhalten und versuchen, ihn zu verstehen. Großartig etwa der Passus, wo sie nach der genauen Bedeutung von "drübergehen" nachfragen: "Sie verstehen das Wort nicht?" "Was meinen Sie damit?" "Sex." "Freiwillig?" "Schon freiwillig, ja."
Gerade weil die beiden Journalisten sich des vorschnellen empörten Urteils weitgehend enthalten, sich mithin nicht schon von Anfang an auf der anderen Seite des Kulturkampfgrabens im herablassenden moralischen Überlegenheitsgestus verschanzen, erfährt man in der sachlichen und unpolemischen Unterhaltung sehr viel darüber, wie Herr Zürcher die Welt sieht. ...
http://www.zeit.de/kultur/2016-07/feminismus-rechtspopulismus-beleidigung/komplettansicht


Nr. 27/2016 vom 07.07.2016 - Interview: Daniel Ryser und Carlos Hanimann
Der Hass im Netz - «Wenn ein Schiff mit Migranten im Mittelmeer versinkt, dann finde ich das eine gute Nachricht.»
Onlinepostings von SVP-Politiker Andreas Glarner haben eine Debatte über frauenfeindliche Kommentare und fremdenfeindliche Botschaften ausgelöst, die die Grenzen des Erträglichen überschreiten. Was sind das für Menschen, die ihre Verachtung im Netz absondern? Ein Treffen mit einem Hassredner. ...
https://www.woz.ch/-6f26


Quote
valdai #18 (28.07.2016)

Nachdem ich gerade einen Artikel kommentiert habe, in dem eine Frau (Claudia Roth) eine andere Frau (Sarah Wagenknecht) aufs Übelste diffamiert hat...
lese ich jetzt diesen Artikel hier ;)

Menschen diffamieren andere Menschen, Menschen beleidigen andere Menschen,
Männer machen dies mit Männern, Frauen machen dies mit Frauen, Frauen machen dies mit Männern und Männern machen dies (ja ;)) auch mit Frauen.

So what ?

Dieses Gejammere von Frauen nervt.....sie selbst sind kein Deut' besser oder
schlechter, wenn es um das Zusammenleben mit anderen Menschen, wenn es
um Respekt und Achtung vor anderen Menschen geht !

Frauen, die sich IMMER per se in der Opferrolle sehen, die empfinde ich persönlich
eher als ausgesprochen manipulativ.

http://www.zeit.de/kultur/2016-07/feminismus-rechtspopulismus-beleidigung?cid=7991661#cid-7991661

Quote
bénichousaraute #19 (28.07.2016)

Ich gebe meine ungefragte Meinung oft und gerne bei youtube ab, dem wohl härtesten und ungerechtesten Forum der Welt. Ich werde beleidigt, denigriert, diskriminiert, als fett, hässlich und dumm bezeichnet, und das, obwohl niemand mein Geschlecht erraten können dürfte, weder am Foto, am Nick, noch am Kommentar. Aber gut, ich versuche mich auch nicht im genderfreien Schreiben. Ich streite mich seitenlang, aus Spaß an der Freud, mit Trollen. Wahrscheinlich trolle ich manchmal auch selber. Und jetzt der Hammer: es ist mir egal, was mir da an Debilität, Verzweiflung und gelegentlich auch Hass entgegenschreit! Ich teile Kritik aus und stecke sie auch mal ein. Manchmal nehm ich was zurück oder entschuldige mich sogar, manchmal bestehe ich auf meinen Standpunkt und alle Andersdenkenden sind blöd. Aber vor allem bleibe ich souverän. Ich jammere nicht rum, dass andere meine Meinung nicht respektieren "bloß weil ich ein Mädchen bin". Ich zähle mich nicht zu den Feministinnen, denn das ewige selbstmitleidige Geseier verletzt meinen Stolz. Ich bin kein Opfer, ich bin die Lieblingstochter des angry old white man!

http://www.zeit.de/kultur/2016-07/feminismus-rechtspopulismus-beleidigung?cid=7991760#cid-7991760

Quote
valdai #19.4  (28.07.2016)

Es ist die Persönlichkeit, die den Unterschied macht.
Und das ganz unabhängig vom Geschlecht....

es gibt tapfere Männer, tapfere Frauen...
feige Männer, feige Frauen.

Fokussieren wir uns lieber auf die INDIVIDUELLEN Persönlichkeiten
als auch auf das jeweilige Geschlecht.

http://www.zeit.de/kultur/2016-07/feminismus-rechtspopulismus-beleidigung?cid=7993981#cid-7993981

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Chlorhuhn #29  (27.07.2016)

Lustigerweise findet sich just heute an prominenter Stelle bei ZEIT ONLINE ein Text von Maxim Biller, in dem es heißt, dass linke 68er-Männer "hässliche Hippiefreundinnen" haben und beim Sex an Petra Kelly denken. Das seltsame, empirisch leicht zu widerlegende Empfinden konservativer und rechter Männer, irgendwie geiler zu sein als der Rest, scheint also kein Unterschichten-Phänomen zu sein.

http://www.zeit.de/kultur/2016-07/feminismus-rechtspopulismus-beleidigung?cid=7992148#cid-7992148

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Emanzipation, Selbstbefreiung, Geschlechterforschung (Gender Studies)...
« Reply #45 on: August 22, 2016, 06:08:31 PM »
"Gina-Lisa Lohfink: Ein Fall, bei dem alle verlieren" Ein Kommentar von Stefanie Lohaus (22.08.2016)
Die Anthropologin kommt zu dem Schluss, dass Gesellschaften umso weniger Vergewaltigungen aufweisen, je egalitärer sie sind und je respektvoller die Menschen allgemein miteinander umgehen. Solange wir also in Vergewaltigungsprozessen nicht respektvoll mit Menschen umgehen, sollten wir darüber nachdenken, diese unter Ausschluss der Öffentlichkeit zu führen.  ...
http://www.zeit.de/kultur/2016-08/gina-lisa-lohfink-vergewaltigung-gericht-urteil

Quote
Tech Sergeant Chen #8

" Der Prozess zeigt, wie respektlos wir mit Menschen umgehen, wenn es um den Vorwurf der Vergewaltigung geht."

Der Prozess zeigt, wie respektlos Leitmedien und PolitikerInnen mit Menschen umgehen, wenn es um den Vorwurf der Vergewaltigung geht, was sich der gemeine Buerger denkt, ist mir nicht bekannt, von Atze S. mal abgesehen...


Quote
qualia #11

Der Fall Lohfink ist (ähnlich wie damals bei Kachelmann) zu einem Stellvertreterprozess für ganze gesellschaftliche Gruppen geworden, die sich polar gegenüber stehen. Um den eigentlichen Sachverhalt geht es da nicht. Für die einen ist es Sinnbild dafür, wie Frauen nach einer Vergewaltigung nicht geglaubt wird und sie zum Täter gemacht wird, für die anderen ist es ein Beispiel dafür, wie aus Rache oder Geltungssucht unschuldigen Männern der Rest ihres Lebens versaut wird.

Ich habe mir tatsächlich mal die Videos zu diesem Fall angetan, die im Netz kursieren. Das sind Ausschnitte, die mehrdeutige Interpretationen zulassen. Ich hege jedoch den Verdacht, dass das ganze mediale Theater allen drei Beteiligten mehr Schaden zufügt als die Sache an sich - ähnlich wie im Artikel zum Fall Polanski beschrieben.

Insbesondere der letzte Abschnitt des Artikels ist hervorhebenswert: Je gleichberechtigter und respektvoller der Umgang in der Gesellschaft, desto weniger Vergewaltigungen.


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McBudaTea #12

Das Problem ist ein ganz anderes: Sehr viele (soweit ich gesehen habe, in diesem Fall vorwiegend weibliche) Journalisten haben diesen Fall benutzt, um Politik zu machen. Und das mit Erfolg. Dieser Fall wurde als Beispiel für eine "Schutzlücke" angeführt, obwohl es ein mehr als fragwürdiger Fall war. Wenn das Problem da ist, warum ist es nicht möglich, einen eindeutigen Beispiel zu verwenden? ...


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"Urteil: Gina-Lisa Lohfink wegen falscher Verdächtigung verurteilt" (22. August 2016)
Vor dem Amtsgericht Berlin ist der Prozess gegen das Model Gina-Lisa Lohfink zu Ende gegangen. Sie hatte zwei Männer beschuldigt, sie vergewaltigt zu haben. ...
http://www.zeit.de/kultur/2016-08/urteil-gina-lisa-lohfink-falschaussage-vergewaltigung

Quote
Bertman #46

Dass so viele KämpferInnen für einen besseren Schutz vor sexueller Gewalt ausgerechnet im Fall Lohfink Partei für das angebliche Vergewaltigungsopfer ergriffen haben ist verwunderlich und bedauerlich. In meinen Augen hat diese in Teilen völlig unreflektierte Parteinahme, die von der strafrechtlichen Bewertung des Sachverhaltes völlig losgelöst zu sein scheint, dem berechtigten Anliegen einer Verbesserung des Schutzes vor sexueller Gewalt und einer sachlichen Diskussion darüber schwer geschadet.
Und sollte, was zu befürchten ist, Frau Lohfink als selbsternanntes Vergewaltigungs- und Justizopfer nun durch diverse Trash-TV-Formate tingeln, wird der fortgesetzte, öffentliche Streit über ihren Fall den tatsächlichen Opfern sexueller Gewalt das Leben eher schwerer machen.


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"Das Aussehen ist egal - und andere Lehren aus dem Fall Gina-Lisa Lohfink"
Alexander und Bettina Hammer 24.09.2016
... Was [ ] oft stattfand war [ ] eine Neuauflage des "Schlampen"-Denkens, das sich gerade bei weiblichen Opfern oft zeigt. Dieses Denken ist im Wesentlichen eine Version des "wer sich so anzieht ..."-Denkens, das einhergeht mit einem "die hat es nicht anders verdient". Gerade bei den weiblichen Opfern wird dies oft von männlichen Kommentaren dazu genutzt, Vergewaltigungen als quasi natürliche Folge von einem aufreizenden Verhalten bzw. Aussehen auf weiblicher Seite anzusehen.
Der männliche Teil wird dann mit einem natürlichen Drang nach Sexualität, ohne Möglichkeit, diesen unentgeltlich mit entsprechendem Partner ausleben zu können, als hilfloser Triebtäter dargestellt, der nicht anders kann. Eine Denkweise, die fatal daran erinnert, wie manche Menschen Vergewaltigungen begründen, wenn sie meinen, sie hätten nicht anders handeln können und seien geradezu "eingeladen" worden.
Es ist egal, ob jemand platinblond und mit "Schmollmund", engem Kleid und weitem Ausschnitt zu sehen ist, ob er "rassig rothaarig" ist, ob er sich die Lippen oder was auch immer hat aufspritzen lassen, ob sein Po "knackig" ist, die Augen verführerisch oder die Sprache sexy - all dies ist keine Begründung dafür, ihn oder sie zu vergewaltigen. Gerade auch kosmetische Operationen werden gerne als eine Einladung zum Sex interpretiert, doch selbst wenn sie darauf ausgerichtet sind, auch von möglichen (Wirtschafts)Partnern wahrgenommen und begehrt zu werden, so berechtigt dies niemanden, den anderen zu vergewaltigen oder führt dazu, dass der andere "nicht anders kann". Die Verantwortung liegt beim Täter.
... Gerade im Fall Frau Lohfink bemühten sich die Medien auch, immer wieder Frau Lohfinks Berufstätigkeit möglichst blumig zu umschreiben oder gleich eine Namensnennung durch das Erscheinungsbild zu ersetzen. "Die Blondine", das "Doppel D-Sternchen", das "Partygirl"… die Liste der diversen Bezeichnungen ist lang und trägt im Endeffekt zur Frage der Vergewaltigung nichts bei. So wie das Aussehen, das Verhalten und das Geschlecht keine Rolle spielen, so spielt auch der Beruf keine Rolle.
Dies ist gerade auch in Bezug auf Prostituierte wichtig, bei denen lange Zeit davon ausgegangen wurde, dass sie per se nicht vergewaltigt werden können. Dabei wurden, wenn man die juristischen Termini zu Rate ziehen will, Prostituierte als Verkäufer ihres Körpers angesehen, wobei sie eher Vermieter sind, die aber auch potentielle Mieter ablehnen können und natürlich in ihrem Privatleben nicht als Vermieter auftreten. Dies ist absichtlich so sachlich formuliert um die emotionale Ebene außen vor zu lassen.
Prostituierte, die eigenständig als solche arbeiten, suchen sich ihre Art und Weise der Prostitution genauso aus wie ihre Kunden, ihr Körper wird nur innerhalb bestimmter Regeln zur Verfügung gestellt, für eine bestimmte Zeit. Egal ob Stangen- oder Tischtänzer, Prostituierte, Stripper, Nacktputzer… keine der mit nacktem Körper, sexueller "Anmache" oder gar Geschlechtsverkehr zu tun habenden Erwerbstätigkeiten haben zur Folge, dass der Körper des Menschen jedem jederzeit und unter allen Umständen als Sexualobjekt zur Verfügung steht und gar das Einverständnis des Menschen selbst unwichtig ist, wenn es um sexuelle Aktivitäten geht.
Es ist insofern für die Beurteilung ob eine Vergewaltigung stattgefunden hat und ob wider besseren Wissens eine Anschuldigung erhoben wurde, völlig unerheblich, welchem Beruf jemand nachgeht und es muss daher auch nicht, zudem oft noch in herablassender Weise, kommentiert werden.
http://www.heise.de/tp/artikel/49/49413/1.html

Quote
     Gotan, 24.09.2016 11:18

Was soll uns die Plattitüdensammlung im Artikel sagen?

Der Artikel walzt da lang und breit Allgemeinplätze aus, z.B. dass Aussehen keine Vergewaltigung rechtfertigt. Nur wurde das so ja nicht dargestellt, bzw. höchstens von ein paar Deppen so kommentiert, das ist also eher eine Strohmanndiskussion.

Zusammen mit anderen Merkmalen, wie z.B. dem Verhalten, spielt das Aussehen aber schon eine Rolle bei der Beurteilung der Glaubwürdigkeit, so ein Auftreten passt eben nicht zu der Schilderung des Gemütszustandes eines sexuell unerfahrenen Mauerblümchens.

Und gerade ihre Glaubwürdigkeit hat Gina durch ihre eigenen Aussagen nachhaltig selbst beschädigt, darauf geht der Artikel aber mit keiner Silbe ein. Es mag ja sein, dass sich die Autoren das für den nächsten Teil aufheben wollen, die Frage ist aber, wozu dieser Teil dann dienen soll.

Für diese Ansammlung von Selbstverständlichkeiten hätte ein knapper Satz gereicht:

"Jeder hat das Recht auf sexuelle Selbstbestimmung (sofern die nicht Rechte anderer verletzt), daran ändern auch Aussehen und Beruf nichts."

In der Berichterstattung über den Fall wurde das auch nicht in Frage gestellt, jedenfalls nicht in den Artikeln die ich dazu gelesen habe, und wenn Bettina und Alexander wirklich so oft Artikel lasen in denen Vergewaltigung mit dem Aussehen gerechtfertigt wurde sollten sie sich vielleicht mal mit ihrem eigenen Medienkonsum auseinandersetzen.

Und nebenbei ist der Beruf Lohfinks nicht Prostituierte, sondern Model. Konkret verkörpert und verkauft sie dabei einen bestimmten Lifestyle, d.h. ihr "Ruf" als "Partygirl" ist Teil ihres Auftretens und wird von ihr vermarktet. Nirgendwo habe ich gelesen, dass es in Ordnung sei Gina zu vergewaltigen weil sie ein "Partygirl" sei.


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"Lachen, (Un)wissen und das Wählen der Seiten" Alexander und Bettina Hammer (25.09.2016)
Lehren aus dem Fall Gina-Lisa Lohfink - Teil 2
Die Frage, auf welcher Seite jemand steht, ist in den letzten Jahren zu einer reflexhaft stattfindenden Gesinnungsprüfung geworden. Hier ist zu bemerken, dass mit der Seitenwahl oft auch eine Art "ganz oder gar nicht" einhergeht; wer eine Seite wählt, der hat deren Dogmen mit blindem Gehorsam zu befolgen. Im vorliegenden Fall wurde das Verfahren zur Glaubensfrage. Wer gegen Frau Lohfink argumentierte oder neutral agierte, musste schnell befürchten, in die Ecke des Vergewaltigungsapologeten gestellt, als emotionaler Krüppel angesehen zu werden. Dabei wurde die emotionale Seite des Verfahrens in den Vordergrund gestellt und gerne betont. Es zählten insofern immer weniger die Fakten, die sich erst nach und nach auch zu einem möglichst umfassenden Ganzen verdichteten, es kam darauf an, sich in Frau Lohfink einzufühlen, mit ihr zu fühlen, mit Frauen, denen sexueller Gewalt angetan wird, zu fühlen und ein Zeichen zu setzen oder sich zu solidarisieren.
Dieser vereinfachten Sicht der Dinge, die letztendlich den Faktfragmenten folgt und Neues nur noch in die bisher bereits angefertigte Ansichtsschablone presst, wird und wurde befeuert von den sich im Netz bildenden Solidaritätsgruppen, die im Fall Frau Lohfink u.a. als #teamginalisa agierten. Hier gelang es sogar, den Fall zu einem Beleg dafür, dass eine "nein heißt nein"-Regelung notwendig sei, umzufunktionieren, obgleich er hierfür nicht taugte. Ein solches Agieren ist aber nicht nur der eigenen Weiterbildung wenig zuträglich, es fördert auch die Grabenbildung innerhalb der Gesellschaft, wenn vorschnell aus einer Ansicht ein Weltbild wird und andere Menschen entsprechend eingeordnet werden. Die Diversität der Meinungen, die durch Diskurs und Debatte fernab von Beleidigungen und Fäkalsprache allen die Möglichkeit gibt, die eigene Ansicht stetig zu reflektieren, wird so ignoriert, vielmehr gilt es, nur noch jenes wahrzunehmen, dass sich ins eigene Weltbild integrieren lässt. ...
http://www.heise.de/tp/artikel/49/49414/1.html

Quote
     lavrov, 25.09.2016 22:30

Vergewaltigung der Medien und der Justiz

Da treffen sich drei Attention whores, filmen sich beim Rudelbumsen, beschnippeln den Film für eine breite Öffentlichkeit, ziehen sich gegenseitig vor Gericht und liefern der Presse genug Stoff, um das sensationsgeile Publikum zu befriedigen.

Ich frage mich ernsthaft, ob hierbei nicht der Journalismus zur H*re der niederen Instinkte wird. Die Heuchelei der politische Korrektheit und Betroffenheit kann doch niemand ernsthaft übersehen.

Das ist wie bei einem schweren Autounfall: alle finde es angeblich schrecklich, doch gaffen sie.

Ignorieren! Ignorieren! Ignorieren! Das ist die einzige Sprache, die solche gebotoxten Versager und die Boulevardblättchen verstehen.

Auch, wenn hier der Ansatz einer gesellschatlichen Diskussion zu einem ernsten Thema auf Grundlage dieses Vorfalls generiert werden soll: es ist falsch, diesem konstruierten Vorfall und den Provokateuren dadurch eine weitere Bühne zu bieten. Insbesondere auf TP, das ein gewisses Niveau aufrecht erhalten sollte während der gesamte "Journalismus der westlichen Welt" täglich immer weiter in Propaganda und Banalität versinkt.


...
« Last Edit: September 26, 2016, 10:30:28 AM by Link »

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« Reply #46 on: September 05, 2016, 11:06:52 AM »
"Von Vergewaltigungen und Fortpflanzungsmissbrauch" Alexander und Bettina Hammer (04.09.2016)
Wann wird aus einvernehmlichem Sex eine Vergewaltigung? - Eine Frage, die auch beim Fortpflanzungsmissbrauch eine zentrale Rolle spielt ... Im Fall Gina Lisa L. war eine der vielen Fragen: Worauf bezieht sich ihr Nein? Auf dem in der ersten Anzeige als einvernehmlich bezeichneten Geschlechtsverkehr? Auf das Handyvideo, das ggf. ganz oder teilweise gegen ihren Willen angefertigt wurde? Oder wird, wenn gegen ihren Willen der Geschlechtsverkehr gefilmt wird, ab diesem Moment der Geschlechtsverkehr automatisch zur Vergewaltigung weil die Zustimmung zum Geschlechtsverkehr nur unter der Prämisse stattfand, dass nicht weitergefilmt bzw. der Film gelöscht werden würde?
Fragen, die bei der Definition, wann eine Vergewaltigung vorliegt, nicht trivial sind. Gerade die letzte der Fragen scheint für viele einfach zu beantworten: Sex ohne Filmen ist erlaubt, Sex mit Filmen nicht, somit liegt eine Vergewaltigung vor. Doch so simpel wie es scheint ist es nicht. Dies wird deutlich, wenn die Bedingung "kein Filmen" durch eine andere ersetzt wird. Hierbei ist wichtig, dass eine solche Bedingung auch eine Eigenschaft einer der beiden Sexualpartner oder eine bestimmte Praktik sowie die Art und Weise, wie der Geschlechtsverkehr vollzogen wird, sein könnte. Wenn sich zwei Menschen treffen, um miteinander Analsex zu praktizieren, dies nicht funktioniert und stattdessen Vaginalsex praktiziert wird - ist dies ggf. Vergewaltigung weil hierzu keine Absprache bestand? Was ist, wenn der gemeinsame Akt unter der Prämisse stattfindet, dass der Partner z.B. kein Vorbestrafter ist und sich später herausstellt, dass er vorbestraft ist? ...
http://www.heise.de/tp/artikel/49/49263/1.html

Quote
     Pragmatiker, 04.09.2016 02:36

the right to retroactively withdraw consent

Irgendwie erinnert mich das Ganze auch zimelich stark hieran:
https://maybemaimed.com/2013/11/05/you-can-take-it-back-consent-as-a-felt-sense/

Die Autorin vertritt ernsthaft die Auffassung, wir bräuchten ein neues Verständnis von Einvernehmlichkeit, welches das Recht beinhaltet, die Zustimmung zu sexuellen Handlungen retrospektiv zurückzuziehen.


Quote
     mind.dispersal, 04.09.2016 16:21

"Vertragsbruch"

Das Rechtsverständnis scheint sich bezüglich des Geschlechtsverkehrs mehr und mehr auf Basis eines geschlossenen Vertrages zu nähern, der rückwirkend für ungültig erklärt werden kann, sobald Vertragsbedingungen sich als nicht gegeben heraus stellen.

Man sieht förmlich den Pfau vor Gericht sitzen, wie er argumentiert: "Ich habe selbst nie behauptet, die subjektive Imposanz meines Gefieders habe irgendetwas mit meiner Spermienaktivität zu tun!"...


Quote
     Captain Data, 04.09.2016 14:09

Anwaltgeschädigte Gesellschaft

Machen wir's kurz: die Kernfrage, um die es sich dreht, ist die Rechtssicherheit des Geschlechtsverkehrs. Oder, alternativ: wieviel Rechtsunsicherheit verträgt der Rechtstaat? Oder: wie rechtstaatlich ist der Rechtstaat noch?

Inzwischen sind wir an einem Punkt angelangt, in der praktisch alle Lebensbereiche juristisch bewertet werden. Vielleicht ist das ja der Gang der Dinge, dass jede Gesellschaft irgendwann den Weg des "gesunden Menschenverstandes" verlässt, und alles in irgendwelche Regeln und Normen pressen will. Die ganze Debatte rund um den intimen Akt zwischen zwei Menschen erscheint mehr und mehr als ABM für Juristen: der Gleichberechtigung dient es nicht, der Gleichstellung dient es nicht, nicht einmal dem Feminismus dient die Debatte, auch wenn es erst einmal anders ausschaut.

Dass es vor allen Dingen um Juristen-ABM geht, sieht man bei den zahlreichen Fällen, die sich allein um das Thema drehen. Die Rechtssicherheit ist überhaupt nicht gegeben, wie z.B. der Lohfink-Fall offenbart: es genügt einfach die Behauptung einer Vergewaltigung, um die Justiz zu beschäftigen. Der eigentliche Fall ist abgehakt, aber natürlich darf Frau Lohfink in Berufung gehen, so will es der Rechtstaat. Und natürlich werden die Anwälte solange nachbohren, bis sich der Sachverhalt umkehrt und die beiden Männer verurteilt werden - die ihrerseits ebenfalls das Recht haben, in Berufung zu gehen. So kann man wundervoll "juristisches Pingpong" spielen und einer stattlichen Anzahl Anwälten das Einkommen sichern.
Bedenkt man, dass der Ausgangspunkt ein einvernehmlicher Geschlechtsverkehr mit drei Personen war, ist die Justiz gut beschäftigt damit, die Details auseinanderzunehmen und ordentlich an dem Fall zu verdienen. Hier wird viel Lärm um praktisch gar nichts gemacht. Wobei, so ganz stimmt das nicht, eines ist nämlich durchaus rausgekommen: die Lohfink ist wieder im Gespräch. Normalerweise hätte die Öffentlichkeit sie längst vergessen, wäre sie nicht diesen Weg gegangen. Und offenbar sind solche Vergewaltigungsfälle eine gut laufende Möglichkeit, zumindest für einige Wochen immer wieder mit Schlagzeilen in den Gazetten zu erscheinen, wenn es schon mit der eigentlichen Karriere nicht so recht klappen will. Die RTL-Resterampe ist halt äußerst undankbar.

Der Rechtstaat fordert, dass ein Verurtteilter das Recht auf Revision hat. Interessanterweise wird genau auf diesem Wege der Rechtstaat ausgehöhlt. Da es ein sehr langer und sehr steiniger Weg bis zu einem rechtskräftigen Urteil sein kann, gewinnt in der Regel die Partei, welche den finanziell längeren Atem hat. Denn: Anwälte arbeiten nunmal nicht umsonst. Und je länger sich die Kette an Urteilen und Revisionen zieht, desto mehr Geld kann daran auch verdient werden; kein Wunder, dass praktisch kein Urteil mehr in erster Instanz endgültig ist. Das trifft nur den Kleinen, der nicht die Mittel hat, um in Revision zu gehen. Damit korellieren finanzielle Mächtigkeit und Rechtssprechung in einem Maße, wie es in einem Rechtstaat eigentlich nicht zulässig ist.

Eine logische Folge daraus: es gibt keine Rechtssicherheit. Jeder kann von jedermann wegen jeder Sache angeklagt werden - und die Mühlen der Justiz sind überaus dankbar. Kein Nachbarschaftsstreit müsste auf juristischer Ebene ausgetragen werden, wenn es nicht so einfach wäre, Anwälte zu finden, die sich nur zu gern mit überhohen Hecken und herunterfallenden Äpfeln beschäftigen würden. Je weniger Lebensbereiche rechtssicher sind, desto mehr Anwälte können mit der Feststellung des Rechts beauftragt werden. Mit dem Thema "Geschlechtsverkehr" ist eine Thematik eröffnet worden, welches zahllosen Anwälten ein gutes Einkommen bescheren wird. Es ist maximal unangenehm für die Betroffenen, es stellt einen wirksamen Hebel dar, jemanden gesellschaftlich unmöglich zu machen. Der "Fallout" eines solchen Falles ist also extrem - und somit der Zwang, mittels Anwalt diesen Vorwurf wieder loszuwerden, maximal.

Schöne neue Anwalt-Gesellschaft.

Das Posting wurde vom Benutzer editiert (04.09.2016 14:10).

Quote
     Knut der Große, 04.09.2016 15:54

Re: Anwaltgeschädigte Gesellschaft

Normenklarheit erhöht Rechtssicherheit.
Dazu passt jedoch nicht unsere Gesetzmäßigkeit nach dem Grundsatzprinzip, in der Ausnahmen die Normenklarheit aushöhlen.
50% Irrtum (wenn es so ist) weist jedoch auf ein grundsätzliches Problem in den ersten Instanzen der Judikative hin.
Hier ermangelt es sich offenbar schon an der notwendigen Qualität (Fachwissen) der richterlichen Gewalt.
Im Falle von Normenklarheit (auch) im Sexualstrafrecht bin ich persönlich für klare Gesetzgebungen, welche sich auf objetkive Sachverhalte beschränken, und Vergewaltigungen nicht etwa durch subjektive "Fakten" ins Lächerliche geführt oder verhöhnt werden können.



Quote
     Twistie2015, Bettina Hammer, 04.09.2016 15:43

Re: Anwaltgeschädigte Gesellschaft

Captain Data schrieb am 04.09.2016 14:09:

    Dass es vor allen Dingen um Juristen-ABM geht, sieht man bei den zahlreichen Fällen, die sich allein um das Thema drehen. Die Rechtssicherheit ist überhaupt nicht gegeben, wie z.B. der Lohfink-Fall offenbart: es genügt einfach die Behauptung einer Vergewaltigung, um die Justiz zu beschäftigen.

aber das ist ja nicht nur in Bezug auf Vergewaltigung so, sondern allgemein. Und wie sollte es sonst funktionieren? Wenn du zur Polizei gehst und sagst "mir wurde jetzt xy gestohlen", wie sollte man vorgehen?
Und wenn z.B. nun ein Video zu finden ist, auf dem der von dir beschuldigte Mensch in deine Tasche langt, wie sollte weitergeange werden?

Was wäre deine alternative Lösung zu dem Thema, das ja nicht nur sexuelle Straftaten betrifft, sondern jede Straftat ohne Zeugen und eindeutige Beweise?


Quote
     Captain Data, 04.09.2016 17:15

Re: Anwaltgeschädigte Gesellschaft

Twistie2015 schrieb am 04.09.2016 15:43:

    Captain Data schrieb am 04.09.2016 14:09:

        Dass es vor allen Dingen um Juristen-ABM geht, sieht man bei den zahlreichen Fällen, die sich allein um das Thema drehen. Die Rechtssicherheit ist überhaupt nicht gegeben, wie z.B. der Lohfink-Fall offenbart: es genügt einfach die Behauptung einer Vergewaltigung, um die Justiz zu beschäftigen.

    aber das ist ja nicht nur in Bezug auf Vergewaltigung so, sondern allgemein. Und wie sollte es sonst funktionieren? Wenn du zur Polizei gehst und sagst "mir wurde jetzt xy gestohlen", wie sollte man vorgehen?
    Und wenn z.B. nun ein Video zu finden ist, auf dem der von dir beschuldigte Mensch in deine Tasche langt, wie sollte weitergeange werden?

    Was wäre deine alternative Lösung zu dem Thema, das ja nicht nur sexuelle Straftaten betrifft, sondern jede Straftat ohne Zeugen und eindeutige Beweise?


Das Thema ist grundsätzlich schwierig. Der Hund liegt insbesondere bei Vergewaltigungen begraben, wenn Täter und Opfer bekannt sind. In aller Regel genügt der Vorwurf der Vergewaltigung, dem Täter schon vor jeder Veurteilung empfindlichen Schaden zuzufügen - auch dann, wenn gar keine Vergewaltigung vorliegt, sondern allein der Vorwurf. Damit steht meiner Meinung nach die Forderung im Raum, in solchen Fällen besonders Vorsicht walten zu lassen, auch, um den Schaden durch eine Vorverurteilung zu minimieren. Strafen darf also nicht der wütende Mob, sondern allein der zuständige Richter.
Aus dem Grund wäre es ein absolutes Anliegen, Vergewaltigungsfälle / Kindesmissbrauch usw. grundsätzlich unter Ausschluss der Öffentlichkeit zu bearbeiten und Opfer wie Täter vor allzu neugierigen Blicken zu schützen. Auch dann, wenn es sich um Personen öffentlichen Interesses handelt, sollte deren Persönlichkeitsrecht geachtet werden. Das hat mE nach nichts mit Täterschutz zu tun, sondern ist schlichtweg Aufgabe des Rechtstaates!

Überleg' mal, wie wäre wohl der Kachelmann-Fall ausgegangen, wenn die Öffentlichkeit erst nach Urteilssprechung die ganzen Details gekannt hätte? Hätte Frau Schwarzer dann voreilig Urteil fällen können? Auch die Lohfink-Affäre wäre sicherlich um einige bissige und äußerst feindselige Kommentare ärmer, wenn das alles nicht in der Presse breitgetreten worden wäre. Am Ende hat nur - und nur - der zuständige Richter das Urteil zu sprechen, keinesfalls aber die Öffentlichkeit, keinesfalls der wütende Mob, keinesfalls Verwandte und Bekannte des Betroffenen.

Das Posting wurde vom Benutzer editiert (04.09.2016 17:18).


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« Reply #47 on: September 06, 2016, 10:01:26 AM »
"Das Comeback der Klasse" Brigitte Theißl (4. September 2016)
"Heutzutage ist es in Mode, über Race und Gender zu sprechen, Klasse ist hingegen ein unpopuläres Thema", schreibt die feministische Autorin bell hooks in ihrem 2000 erschienen Buch "Where We Stand. Class Matters", in dem sie auch die Geschichte ihrer eigenen ArbeiterInnenfamilie erzählt. Ihr Befund, der sich vornehmlich auf die USA bezog, wurde auch von deutschsprachigen AutorInnen geteilt. Trotz Wirtschaftskrise und einer Schere zwischen Arm und Reich, die in den Industriestaaten immer weiter aufgeht, schien die Klassenanalyse in feministischen Bewegungen kaum noch eine Rolle zu spielen.
... Die Auseinandersetzung mit Klasse verunsichert, schreibt bell hooks – auch feministische Aktivistinnen. "Klasse ist eine unsichtbare Kategorie", sagt Clara Rosa, was letztendlich eine Solidarisierung erschwere. Die Unterschiede zwischen Frauen, die auf ein Erbe und die Unterstützung ihrer Familie zählen können, und jenen, denen solche Sicherheitsnetze fehlen, beschäftigten feministische und Lesbengruppen schon vor Jahrzehnten. In der politischen Praxis entstanden Ideen wie jene eines anonymen Umverteilungskontos. Das Bewusstsein für entsprechende Machtverhältnisse innerhalb einer Gruppe sei dennoch auch im queer-feministischen Umfeld nach wie vor wenig vorhanden, kritisiert Clara Rosa. Auf entsprechende Hinweise folge häufig betroffenes Schweigen aus der Angst heraus, etwas Diskriminierendes zu sagen. "Christliche Mechanismen" nennt das die Bloggerin.
Auch Assimina Gouma sieht viele offene Fragen in Hinblick auf eine feministische Klassenanalyse. In einer zunehmend komplexer werdenden Gesellschaft müssten Konzepte laufend auf ihre Realitätstauglichkeit überprüft und neue Allianzen geschmiedet werden. Wie können sich eine nichtmigrantische prekäre Universitätslektorin und eine migrantische Pflegerin ohne Sozialversicherung solidarisieren? "Das sind jetzt mal Fragen aus der eurozentrischen Perspektive. Und die reichen daher nicht aus, wenn wir auch die Ausbeutung im globalen Süden mitdenken wollen", sagt Gouma. ...
http://derstandard.at/2000043628491/Das-Comeback-der-Klasse

Quote
    Loukanikos

Interessant, dass der Klassismus so wenig Aufmerksamkeit erreicht. Dabei zeigt gerade der Klassismus sehr deutlich auf, worum es im Kapitalismus geht:

Menschen werden aufgrund von beliebigen Zuschreibungen abgewertet und ihrer Menschlichkeit beraubt und zwar mit dem Ziel, die sozioökonomischen Verhältnise im Kapitalismus und die damit einhergehenden ungleichen Machtverhältnisse aufrecht zu erhalten. Auch im Rassismus und Sexismus sind primär die Angehörigen der Arbeiterklasse als Opfer von Diskriminierung betroffen. Aber der Unterschied ist: Durch Rassismus und Sexismus kann man bequem von den sozioökonomischen Ungerechtigkeiten und von den strukturellen Ursachen ablenken und stattdessen die Schuld für allle Probleme auf Sündenböcke schieben. Der Klassismus gibt jedoch gewisse Hinweise darauf, wo die realen Konfliktlinien im Kapitalismus verlaufen, nämlich zwischen Arbeit und Kapital.


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Kritik
Der Freier - Warum Männer zu Prostituierten gehen, und was sie über diese denken.
Von Huschke Mau, Ausgabe 34/2016 | 09.09.2016
Neulich wurde ich gefragt, woran man einen Freier erkennt, und da musste ich zugeben: wenn er nicht gerade im Puff vor Dir steht und mit einem Hunni wedelt, gar nicht. Nein, auch ich erkenne Freier in der freien Wildbahn nicht, auch nach 10 Jahren Prostitution nicht. Das liegt daran, dass es, wie man so häufig hört, wirklich „ganz normale Männer“ sind, was jetzt und hier aber nicht als Beruhigung gemeint ist.  ...
http://kritischeperspektive.com/kp/2016-34-der-freier/

« Last Edit: September 13, 2016, 12:10:47 PM by Link »

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« Reply #48 on: September 29, 2016, 09:04:28 AM »
Quote
[...] Kachelmann hat nun Anspruch auf Schadenersatz in Höhe von rund 7100 Euro plus Zinsen für Kosten, die ihm im Zusammenhang mit seiner Untersuchungshaft entstanden. In der Untersuchungshaft hatte er Sachverständige beauftragt, um sich gegen die Vorwürfe der Journalistin Claudia D. zu wehren. Ursprünglich wollte Kachelmann laut Gericht rund 13.400 Euro, später reduzierte er die Klagesumme.

In einem ersten Verfahren hatte das Landgericht Frankfurt Ende 2013 die Klage abgewiesen. Während das Gericht damals nicht feststellen konnte, dass die frühere Geliebte wissentlich falsch die Vergewaltigungsvorwürfe erhoben hatte, sah das Oberlandesgericht dies anders. Nach einem vom OLG eingeholten rechtsmedizinischen Gutachten hatte sich die Frau die bei ihr festgestellten Verletzungen selbst zugefügt.

Wie das OLG mitteilte, spreche das Verletzungsbild in der Gesamtschau und unter Berücksichtigung der Schilderungen der Frau für eine Selbstbeibringung. Bedeutsam sei außerdem, dass die Schilderungen der Frau zur angeblichen Vergewaltigung nicht mit den Verletzungen in Übereinstimmung zu bringen seien. Außerdem hätten die Aussagen der Frau für sich genommen erhebliche Plausibilitätsdefizite.

Das Gericht stellte außerdem einen direkten Vorsatz bei der ehemaligen Geliebten fest. Es sei ihr darum gegangen, dass Kachelmann festgenommen werden sollte. Schließlich sieht das OLG es als widerlegt und ausgeschlossen an, dass die Frau durch eine "Autosuggestion" nur glaubte, vergewaltigt worden zu sein. Die entsprechende Annahme des Landgerichts sei nicht nur spekulativ, sondern nach dem Ergebnis der Beweisaufnahme auch widerlegt.

Kachelmann sagte, er habe mit dem Urteil sein "Vertrauen in die deutsche Justiz zurückbekommen". "Ich bin sehr dankbar für dieses Urteil", sagte der Wettermoderator nach der Entscheidung im Schadenersatzprozess am Mittwoch in Frankfurt. Es stehe nun zweifelsfrei fest, dass er "Opfer eines Verbrechens" geworden sei, Opfer falscher Beschuldigungen. Nach dem Freispruch vom Vorwurf der Vergewaltigung in Mannheim seien Restzweifel geblieben. "Die Restzweifel wollte ich weghaben - und das ist jetzt weg." Falschbeschuldigungen dürften nicht straffrei bleiben. Eine erfundene Vergewaltigung sei „eine Verhöhnung von echten Vergewaltigungsopfern“ und untergrabe deren Glaubwürdigkeit.

Die Ex-Geliebte sieht sich als Opfer eines "Justizskandals". Ihr vorzuwerfen, sie habe die Vergewaltigung nur erfunden, sei "ein katastrophales Fehlurteil" eines "rein männlich besetzen Senats", sagte sie nach der Urteilsbegründung. Das Gericht wolle ein Exempel statuieren: "Man will uns Frauen stumm schalten." Die Richter beschimpfte sie mit den Worten "Ihr armseligen, feigen Frauenverächter". (AFP/dpa)

...

Quote
pfauenauge7 28.09.2016, 19:02 Uhr
Alice Schwarzer übernehmen Sie!

Frau Schwarzer sollte sich jetzt endlich mal aufraffen und Jörg Kachelmann öffentlich um Verzeihung bitten. Ihre skandalösen Auftritte, mit denen sie in zig Talkshows und sonstigen Medienbeiträgen spekulative Beschuldigungen als Tatsachen ausgab, haben gewiss eine Menge zur Vernichtung von Kachelmanns wirtschaftlicher Existenz beigetragen. Oder sollten sich Feministinnen nicht bei Männern entschuldigen "dürfen"?


Quote
Aldo 28.09.2016, 18:37 Uhr
Sexuell belästigten oder vergewaltigten Frauen ist dringend davon abzuraten, Täter anzuzeigen. Da es naturgemäß so gut wie nie Zeugen gibt, kann eine Vergewaltigung praktisch nie nachgewiesen, jedoch leicht der Spießumgedreht und eine Anklage wegen Falschbeschuldigung erhoben werden. Das Beispiel Kachelmann wird Schule machen.


Quote
LasciaLaspina 28.09.2016, 15:18 Uhr
Das neue Gutachten besagt "Vieles spricht dafür, dass dei Verletzungen selbst beigebracht wurden". Von zweifelsfrei kann nicht die Rede sein - genau wie nach dem Hauptverfahren anhand von X sich widersprechenden Gutachten und nach tagelangem Video-aufgezeichenetem Verhör der Klägerin NICHTS ZWEIFELSFREI war. So steht im damaligen Urteil. Im Zweifel für den Angeklagten. So ist es geblieben.


Quote
rita75 28.09.2016, 12:33 Uhr
Nach dem Lohfink-Fall nun ein weiteres Signal an Frauen, Vergewaltigungen nur dann anzuzeigen, wenn man hieb- und stichfestes Beweismaterial vorzuliegen hat (am besten ein notariell beglaubigtes Geständnis).


Quote
StolzwieBolle 28.09.2016, 12:55 Uhr
Antwort auf den Beitrag von rita75 28.09.2016, 12:33 Uhr
Sie haben, "rita75"...

...den Artikel gelesen und verstanden?

    Ein vom 18. OLG-Senat bestellter Rechtsmediziner hatte in einem Gutachten erklärt, dass viel dafür spreche, dass sich die Radiomoderatorin selbst die Verletzungen beigebracht habe. ...


Quote
FocusTurnier 28.09.2016, 13:44 Uhr

Antwort auf den Beitrag von rita75 28.09.2016, 12:33 Uhr

Anzeigen können Sie alles - Sie müssen es aber beweisen können.  Was ist an diesem rechtsstaatlichen Merkmal so schlimm?


Quote
joboese 28.09.2016, 13:52 Uhr
Antwort auf den Beitrag von rita75 28.09.2016, 12:33 Uhr
Nun, vielleicht eher ein Signal, nur dann jemanden anzuzeigen wenn auch wirklich was passiert ist? Sexualdelikte vor Gericht zu beweisen kann schwierig sein, aber die Alternative könnte ja nur sein 'Bei Sexualdelikten ist der Beschuldigte automatisch und ohne weiteres Verfahren schuldig zu sprechen'. Und das ginge ja gar nicht. Ja, es erfordert Courage und Mut sowas anzuzeigen, und ja, es passieren Fehler. Aber letztlich kann ein Gericht nur versuchen den Dingen auf den Grund zu gehen. Und meistens stimmt das Urteil.


Quote
rita75 28.09.2016, 14:02 Uhr
Antwort auf den Beitrag von FocusTurnier 28.09.2016, 13:44 Uhr

    (...) Was ist an diesem rechtsstaatlichen Merkmal so schlimm?

Dass diese schlimme Straftat so schwer beweisbar ist (eigentlich fast nur durch Zeugen, welche anwesend waren). Im Zweifel findet sich immer ein Gutachter, für den "viel dafür spricht", dass die Verletzungen nicht vom Beschuldigten stammen. Falls nicht sowieso auf "Einvernehmlichkeit" plädiert wird.


Quote
sonofnyx 28.09.2016, 15:25 Uhr

Antwort auf den Beitrag von rita75 28.09.2016, 14:02 Uhr

Und was hätten Sie stattdessen gerne? Beweislastumkehr zu Ungunsten der Beschuldigten? Gute Nacht, Rechtsstaat! Sicherlich ist es ein Problem, dass solche Sexualdelikte gerade aus Mangel von Zeugen nur schwer beweisbar sind. Im Zweifel gegen Beschuldigte zu entscheiden, wäre allerdings katastrophal, da auf diese Weise Tür und Tor für falsche Anschuldigungen aus Rache o.ä. geöffnet werden würde. Aus gutem Grund muss Schuld bewiesen werden und nicht Unschuld.

Im Fall Kachelmann wurde mehrfach durch Gutachter schlüssig dargelegt, dass die angeblichen Verletzungen am Hals selbst zugefügt wurden. Damit entstehen massive Zweifel am Rest der Vorwürfe und der Glaubwürdigkeit der Klägerin. Es gab keine weiteren hinreichenden Belege für die Anschuldigungen insofern war der Freispruch unumgänglich. Darüber hinaus hat die Klägerin nachweislich (!) im Falle der Verletzungen gelogen und falsche Anschuldigungen erhoben. Das ist nun einmal strafbar.

Was hätten Sie denn lieber? Dass Beschuldigte gleich inhaftiert werden, bis die Unschuld bewiesen wird? Gilt das dann nur für männliche Beschuldigte oder ist das geschlechtsunabhängig? Bei der Beweislastumkehr könnte also jeder Sie einfach einer Vergewaltigung beschuldigen und schon würden Sie inhaftiert werden. Beweisen Sie dann mal etwas, das nicht statt gefunden hat. Das könnte reichlich kompliziert werden. Sollten Sie aber nun der Meinung sein, dass ein solches Prinzip nur gegenüber männlichen Beschuldigten anzuwenden sei, nun, dann entlarvten Sie sich selbst.


Quote
Brotkrume 28.09.2016, 16:36 Uhr

Antwort auf den Beitrag von rita75 28.09.2016, 12:33 Uhr

Liebe Rita, ich schreibe hier als eine von sexueller Gewalt Betroffenen. Als solche weiß ich wie es ist, wenn der Täter ungeschoren davon kommt, weil die Beweise für eine Verurteilung nicht reichen. Ich weiß es nicht in der Theorie! Ich weiß es in der Praxis. Mit jeder Faser meines Körpers und mit jeder Ecke meiner Seele. Aber dennoch oder gerade deshalb bin ich genauso mit jeder Zelle meines Verstandes des Auffassung, dass sich Gerechtigkeit nicht dadurch herstellen lässt, dass man, dass der Rechtsstaat Unrecht tut! Keine Vergewaltigung, kein aus Mangel an Beweisen nicht verurteilter Täter rechtfertigt, dass man einen Unschuldigen verurteilt! Das muss unzweifelhaft klar sein.

Ich habe ein sehr großes Problem mit den Feministinnen (ich weiß nicht, ob Sie dazu gehören), die der Meinung sind, dass man Frauen immer glauben muss / kann. Ich habe ein Problem mit solchen, die der Auffassung sind, dass Männer derartige Schweine sind, dass es nicht schadet, ein, zwei, drei Unschuldige einzubunkern, um... ja warum eigentlich? Und ich habe auch ein Problem damit, dass einige meinen, dass eine Falschbeschuldigung etwas ist, dass man verzeihen kann, schließlich sind Männer Schweine, so falsch wird das ja wohl nicht sein.

Im Fall Kachelmann habe ich mich sehr lange zurückgehalten mit einer Meinung. Selbst nach dem Urteil im Strafprozess. Im Zweifel für den Angeklagten hieß für mich: Man konnte ihn nicht als Vergewaltiger bezeichnen, man konnte aber auch nicht sicher sein, dass sie unschuldig ist!

Dieses Urteil hier sagt aber sehr eindeutig und plausibel, dass es um eine Falschbeschuldigung geht. Da wird nicht wischiwaschi argumentiert, das Urteil wird mehrschichtig begründet.

Sie müssten sehr plausible Gegenargumente haben, wenn Sie nach einem solchen Urteil etwas anderes meinen. Das haben Sie offenbar nicht.

Dann lassen Sie sich sagen: Ich fühle mich als Betroffene von Frauen wie Ihnen missbraucht, wenn Sie auf meiner Erfahrung ideologisches Süppchen kochen wollen.


...


Aus: "Gericht: Ex-Geliebte hat Vergewaltigung durch Kachelmann erfunden" (28.09.2016)
Quelle: http://www.tagesspiegel.de/weltspiegel/schadenersatz-fuer-wettermoderator-gericht-ex-geliebte-hat-vergewaltigung-durch-kachelmann-erfunden/14612354.html

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Quote
[...] Rund die Hälfte der Amerikaner finden es in Ordnung, dass man die Rechte von Schwulen und Lesben aus Gewissens- und Glaubensgründen einschränken darf, geht aus einer am Mittwoch in Washington vorgestellten Erhebung des Meinungsforschungsinstituts „Pew Research Center“ hervor.

Danach verlangten 48 Prozent der Befragten, Hochzeitsdienstleister sollten gleichgeschlechtliche Paare aus religiösen Gründen abweisen dürfen. 77 Prozent der weißen Evangelikalen sowie 43 Prozent der Katholiken teilten diese Auffassung. Befragt wurden den Angaben zufolge 4.538 US-Amerikaner.

Die gleichgeschlechtliche Ehe ist in den USA seit Juli 2015 legal. In mehreren Bundesstaaten dürfen Geschäfte homosexuelle Kunden „aus religiöser Überzeugung“ abweisen. Umstritten ist in den USA zudem, ob Arbeitgeber aus religiösen Gründen bei der Krankenversicherung Empfängnisverhütungsmittel ausschließen dürfen. Familienplanung ist laut dem Versicherungsgesetz „Obamacare“ fester Bestandteil der Krankenversicherungen.

Regierung und Gerichte befassen sich gegenwärtig mit Beschwerden katholischer Einrichtungen, der Gesetzgeber dürfe sie nicht zwingen, gegen ihren Glauben zu verstoßen. Bei der Erhebung des Pew-Instituts sagten 67 Prozent, alle Arbeitgeber müssten die Familienplanung mit einschließen.

Bei der Umfrage erklärten zudem 44 Prozent, Abtreibung sei „moralisch falsch“. Diese Ansicht vertraten 76 Prozent der weißen Evangelikalen, 51 Prozent der Katholiken und 23 Prozent der US-Amerikaner ohne religiöse Bindung. 35 Prozent der US-Amerikaner seien der Ansicht, „homosexuelles Verhalten“ sei „moralisch falsch“. (epd)


Aus: "Hälfte der US-Bürger für eingeschränkte Rechte Homosexueller" (28.09.2016)
Quelle: http://www.tagesspiegel.de/berlin/queerspiegel/umfrage-zur-religionsfreiheit-haelfte-der-us-buerger-fuer-eingeschraenkte-rechte-homosexueller/14613790.html

« Last Edit: September 29, 2016, 09:13:51 AM by Link »

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« Reply #49 on: October 07, 2016, 08:42:38 AM »
DIE  DARSTELLUNG DER FRAU  BEI  JOSEPH ROTH - Isabel Cristina Chaves Seia Russo dos Santos (2009)
Die vorliegende Untersuchung stellt sich die Aufgabe, die Darstellung der fiktiven Frau bei Joseph Roth herauszuarbeiten und gleichzeitig das herkömmliche Bild des Autors als misogynen Schriftsteller zu revidieren. Bisweilen werden die Frauenfiguren in Roths Werk fast ausnahmslos negativ gewertet, was dem Autor das Prädikat des Frauenverachters eingebracht hat. Diese Auffassung ist besonders suspekt wenn man bedenkt, dass zu Roths Frauendarstellung so gut wie keine Studien vorliegen. Dieses Manko  nimmt  sich  die  vorliegende  Arbeit  zur  Aufgabe.  Eine Untersuchung  der Porträtisierung der Frau verspricht, neues Licht auf die Arbeit des Autors zu werfen und sein schriftstellerisches Anliegen in einer differenzierten Weise zu beleuchten. ...
http://uir.unisa.ac.za/bitstream/handle/10500/3307/thesis_dos_santos.pdf (273 Seiten)


Melancholie, Eros, Musse: Das Frauenbild in Nietzsches Philosophie Broschiert – 1999
von Barbara Smitmans-Vajda (Autor), 190 Seiten, Verlag: Königshausen u. Neumann (1999)
Sprache: Deutsch - ISBN-10: 3826017048, ISBN-13: 978-3826017049

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"Jörg Kachelmann: Rache ist süß" Daniel Müller (7. Oktober 2016)
Der Fall Kachelmann hat die Nation entzweit. Auf der einen Seite stehen jene, die jeden zweiten Mann für einen Vergewaltiger halten, die anderen sehen in vielen Frauen rachsüchtige Furien, die Männer bewusst falsch einer Vergewaltigung bezichtigen. Die einen zitieren Studien, denen zufolge mindestens jede siebte Frau in Deutschland vergewaltigt wird. Die anderen führen Untersuchungen an, denen zufolge jede zweite Vergewaltigungsanzeige auf einer falschen Beschuldigung beruht. Ein Glaubenskrieg – Opfer auf der einen, Täter auf der anderen Seite. Dabei gibt es beides. Wer sich im Fall Kachelmann allein die Fakten ansieht, der kann nur zu dem Schluss kommen: Hier ist ein Mensch systematisch und öffentlich vernichtet worden. Und dieser Mensch ist nicht auf einem "juristischen Feldzug". Er will eine Lüge aus der Welt schaffen. Und sein Recht bekommen. ... Kachelmann führt diesen Kampf seit mehr als fünf Jahren, vor Gericht, in seinem Buch Recht und Gerechtigkeit, auf Twitter. Mit dem Burda-Verlag, gegen dessen Magazine Bunte und Focus er geklagt hatte, einigte er sich 2015 auf Schadensersatz, es sollen einige Hunderttausend Euro gewesen sein. Der Axel-Springer-Verlag muss ihm nach einem Urteil des Oberlandesgerichts Köln mehr als 500.000 Euro Schmerzensgeld zahlen – wegen vieler, zum Teil schwerwiegender Persönlichkeitsverletzungen in Bild, Bild am Sonntag und auf bild.de. Das ist viel Geld, und doch ist es für Kachelmann nur eine kleine Genugtuung. Er sagt: "Diese Sache hat mein Leben materiell und beruflich komplett zerstört. Es ist nichts mehr da, ich musste von unter null wieder anfangen. Und Frau Dinkel läuft frei herum." ...
Das Oberlandesgericht, das Kachelmanns Berufung zuließ, hat das Urteil des Landgerichts abgeändert, da dieses "den Kläger in seinem Anspruch auf rechtliches Gehör verletzt" habe. Zur Klärung wurde der Direktor des Instituts für Rechtsmedizin in Frankfurt am Main einbestellt, Marcel Verhoff. Dieser erklärte, dass alle Verletzungen bei Claudia Dinkel zwar "durch fremde Hand oder Unfallgeschehen entstanden sein" könnten, aber "deutlich mehr (...) für Selbstbeibringungen" spreche. Dieser Einschätzung schloss sich das Gericht an.
In einem Zivilverfahren gelten andere Regeln als in einem Strafprozess. Die Beweislast liegt beim Kläger. Jörg Kachelmann ist es gelungen, die nötigen Beweise beizubringen. Damit ist die Sache für ihn erledigt. Für Claudia Dinkel jedoch könnte es jetzt erst richtig losgehen. Das Gericht hat Straftaten festgestellt, uneidliche Falschaussagen und schwere Freiheitsberaubung – sogenannte Offizialdelikte. Die Falschaussage ist verjährt, bei der schweren Freiheitsberaubung prüft die Staatsanwaltschaft einen Anfangsverdacht. ...
http://www.zeit.de/2016/42/joerg-kachelmann-urteil-claudia-dinkel-klage/komplettansicht

Quote
Z8 #33

Wer hat dem doch eigentlich inhaltlich guten Artikel diese maximal saudämliche Überschrift verpasst?


Quote
dabec #61

... Nicht seriöse Berichterstattung war (allein) das Ziel der Medien, sondern allein die Frage: Wie kann man Auflagen steigern. ... über Monate ein tolles Geschäftsmodell der Auflagensteigerung. ... die Auflagen haben sich (betriebswirtschaftlich) ... „gerechnet“. ...


Quote
Nicolas L. #64.1

"Ehrlich gesagt bin ich ziemlich fassungslos über soviel kriminelle Energie der Täterin "

Eigentlich nicht. Man muss immer mit solchen Fällen rechnen - Psychopathen, Borderliner, Menschen mit sonstigen Persönlichkeitsstörungen oder ganz schlicht und einfach nur welche, die einfach nur von Rachegelüsten geplagt werden ... wird es immer geben ... Der eigentliche Skandal ist hier (und noch mehr im Fall Horst Arnold) nicht die Falschbeschuldigerin, sondern dass der Staat sich zum willentlichen Handlanger solcher Personen hat machen lassen (vermutlich aus einer Mischung aus Überzeugung und vorauseilendem Gehorsam gegenüber einer feministischen Lobby) anstatt die zu Unrecht Beschuldigten vor diesen zu schützen.


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« Last Edit: October 11, 2016, 05:17:52 PM by Link »

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« Reply #50 on: October 10, 2016, 08:06:50 PM »
"Prostitution: Die Lifestyle-Escorts" Luisa Jacobs (10. Oktober 2016)
Wohlhabende und emanzipierte Frauen verkaufen ihren Körper online. Wie neue Escort-Apps und -Websites versuchen, aus Prostitution einen Lifestyle zu machen. ... Annabelle spricht über ihre Zeit als Sugarbabe wie über ein Hobby, das in einer bestimmten Phase ihres Lebens einfach gut gepasst hat. Dass sich bezahlte Treffen so leicht und unbeschwert wie ein Hobby anfühlen, darauf spekulieren auch andere Anbieter.  ... Mit den schmutzigen Bedingungen der Prostitution haben ihre Verabredungen scheinbar nichts zu tun. Für die Frauen ist Prostitution nur noch eine weitere App auf dem Smartphone, deren Icon zwischen Facebook und Instagram auf dem Homescreen liegt. Ohlala und die spielerischen Datingwebsites, auf denen Annabelle sich früher die Zeit vertrieb, verändern den Markt für Prostitution – sie machen es leichter, probeweise und vergleichsweise anonym den eigenen Körper für Geld anzubieten. Ob aus Interesse an der Begegnung oder aus Interesse am schnellen Geld. Sie wollen aus dem knallharten Geschäft ein verruchtes Hobby machen.
Wenn Menschen also freiwillig entscheiden, gegen Geld mit anderen Menschen zu schlafen, ist dann eigentlich alles in Ordnung? Die emanzipierten Escorts wünschen sich das. Doch Olympia hält ihre Leidenschaft geheim und Annabelle ihre Kunden mit einer falschen E-Mail-Adresse auf Distanz. Eine Tatsache lässt sich auch trotz des Lifestyle-Anstrichs nicht verdecken. Prostitution bleibt eine Dienstleistung, die vor allem in eine Richtung angeboten wird: Die Frau bietet ihren Körper, der Mann bezahlt. ...

http://www.zeit.de/campus/2016-10/prostitution-escort-service-lifestyle-studenten

Quote
Vorschau #10

Läuft heute eigentlich wirklich alles, was Frau so treibt, unter emanzipiert?


Quote
DeutschesEdelschwein #41

Ich verurteile so etwas nicht und ich will es nicht verbieten. Nur warum wird das Prinzip Sex gegen Geld so verniedlicht? Warum diese Rechtvertigungsstrategien? Ich finde es verlogen. Warum stehen diese Frauen nicht selbstbewusst dazu, dass Sie Prostituierte sind? Stattdessen erfinden Sie neue Wörter für ein und die selbe Sache. Nur weil man tätowiert und gebildet ist, ändert sich doch nichts an der Sache.
Wenn ich neben dem Studium noch als Koch arbeiten gehe, bin ich auch nicht dazu gezwungen, trotzdem lasse ich mir natürlich auf der Arbeit Dinge gefallen die ich mir beim gemütlichen kochen für Freunde nicht gefallen lassen würde. Ich kriege nur 12 Euro die Stunde ich kann mir nicht vorstellen, dass dies anders ist wenn einer Frau 250 Euro in Aussicht gestellt werden.


Quote
Alraun #47

Diese Edelnutten sind die, für die Rotgrün ihr Zuhälterschutzgesetz gemacht hat. Man muss auch diesen Damen ihre Lebenlügen nicht so unbedarft abkaufen, wie das Tanja Gönner tut. Unter der Oberfläche, die Tanja Gönner nicht mal ankratzen wollte, gibt es eine Menge Dreck, sagt die Lebenserfahrung. Aber darauf kommt es gar nicht an. Wieviel mögen diese aus einer Pornophantasie entlaufenen "Hobbyhuren" ausmachen?
1 %? Der Rest sieht so aus, wie es Huschke Mau beschreibt:

Prostitution: "Alle Freier sind Täter" (18. Mai 2016)
Nach einer Kindheit voller Missbrauch und Gewalt beginnt Huschke Mau, sich zu prostituieren. Der Ausstieg nach zehn Jahren im Milieu war schwierig. Heute sagt sie: Freiwillige Prostitution ist ein Mythos.
http://www.sueddeutsche.de/leben/prostitution-alle-freier-sind-taeter-1.2989558


Quote
Mambrin #16

Wenn ich so manche Kommentare lese, denke ich, ich wäre plötzlich wieder in den 60ern aufgewacht.
"Eine Frau die sowas macht, muss doch psychisch gestört sein"
"Das führt alles bloß in die Abhängigkeit"
"Wenn die das freiwillig machen, warum nehmen sie dann Geld?"

Gute Güte! Wenn ich den Stories die während des Studiums so kursierten glaube, dann hat es so manche (und selbtverständlich auch so mancher!) ziemlich wild getrieben. Man kann sich natürlich in der Kneipe aufreißen lassen, oder selber aufreißen.
Man kann aber auch Geld dafür nehmen. Na und?

Hier wird schon wieder Personen, die keiner der Kommentatoren auch nur flüchtig kennt, allerlei Bullshit unterstellt, weil das im eignene Weltbild halt so ist. Nehmt mal das Brett vom Kopf weg!


Quote
Family Guy #16.1

Danke.


...


"Pole Dance: Der Streit um die Stange" Stefanie Sippel (10. Oktober 2016)
Früher war der Tanz an der Stange eine Sache für schummrige Stripclubs. Mittlerweile ist Pole Dance ein Sport. Ein Sport, um den eine Feminismusdebatte entbrannt ist. ... der körperbetonte Sport hat es immer noch nicht leicht. Noch immer hängt ihm das Rotlichtimage nach. Seit Jahren wird deshalb über Pole Dance debattiert. Manche sagen, Pole Dance sei Empowerment. Die Frauen nutzten ihren Körper für sich selbst und gewönnen durch das Tanzen Stärke und Selbstbewusstsein. Auch einige aus der feministischen Bewegung sehen das so.
Die Guardian-Journalistin Gay Alcorn sieht das anders. Sie assoziiert mit Pole Dance die Sexualisierung der Frau und stellte schon 2010 die Frage: Was ist mit dem Feminismus passiert? Sie behauptet, dass es mit dem Sexismus schon so weit gekommen sei, dass wir ihn gar nicht mehr bemerken. Nun müssten sich Frauen schon freiwillig ausziehen, sich dem Rollenbild fügen und dabei auch noch denken, sie würden etwas Gutes für sich selbst tun. Einige Feministinnen sehen die Bewegung daher von Pole Dance bedroht. Auch ein Artikel in der Emma 2012 förderte noch einmal alle Vorurteile, die es über Pole Dance gibt, zutage: Mädels, die bekleidet mit kurzen Hotpants für Männer tanzen, Pole Dancerinnen, die vor ihrem Auftritt koksen, bald werden kleine Mädchen statt zum Schwimmkurs zum Pole Dance gehen. Erst im vergangenen Monat plädierte eine Autorin der kanadischen Website feministcurrent.com dafür, Pole Dance endlich abzuschaffen.
Die Tänzerinnen fragt anscheinend niemand. "Die Debatte ist unverständlich. Wer den Sport probiert hat, würde darüber nicht streiten", sagt Nadine Rebel, die ein eigenes Pole-Dance-Studio in Augsburg betreibt. ...
http://www.zeit.de/sport/2016-10/pole-dance-feminismus-debatte/komplettansicht

...

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"Trafficking of Nigerian women to Europe is reaching “crisis” levels" Beata Stur (Published 12:42 September 29, 2016)
As reported by Nigeria’s Daily Post online, the women and girls had been lured to Europe by false promises of employment. But they were forced into prostitution. ... Speaking to reporters, a police spokesperson in Ibiza said: “The network captured very young victims among the lower classes of the major Nigerian cities, deceiving them with false job offers in Spain.” - “Once in our country, they were forced into prostitution in marathon days, being beaten if they did not earn the money demanded by the gang.”... Salvatore Vella, the deputy chief prosecutor in Agrigento, Sicily, who led the first significant investigation of Nigerian trafficking rings in Italy in 2014, said that the reception centres are increasingly being used as pick-up points by those intending to exploit Nigerian women.
The Nigerian women are given a phone number when they leave Nigeria, which they use to inform a contact in Italy that they have arrived.
“The mobsters just come to the camp and pick [women] up,” he says. “As easy as going to a grocery store.” ...
https://www.neweurope.eu/article/trafficking-nigerian-women-europe-reaching-crisis-levels/


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« Reply #51 on: October 12, 2016, 11:36:29 AM »
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[...] In dem aufgezeichneten Gespräch zwischen Trump und dem Moderator Billy Bush gibt es diese Stelle:

Trump: "Just kiss. I don't even wait. And when you're a star they let you do it. You can do anything."

Bush: "Whatever you want."

Trump: "Grab them by the pussy."

[Bush lacht]

Trump: "You can do anything."

Allein in dem kurzen Satz "When you're a star, they let you do it" steckt viel mehr Wahrheit, als man aus Trumps Mund je erwartet hätte.

... Es hilft ihm wenig, dass Trump jetzt betont, das Video sei über zehn Jahre alt und nur "locker room talk", woraufhin sich haufenweise Sportler gezwungen sahen zu erklären, dass sie in ihren Umkleidekabinen gar nicht so eine Scheiße reden. Da hatten bereits Zehntausende Frauen ihre Geschichten ähnlicher Übergriffe geteilt: Geschichten von Ärzten, Lehrern, Stiefvätern, Vorgesetzten, die sie unerlaubt anfassten oder sich an ihnen rieben.

Beim Thema Sex höre der Spaß für die Konservativen auf, hieß es in einem Kommentar auf "Zeit Online". Nur war das Thema in dem Video gar nicht Sex, obwohl Trump darin Sätze sagt wie "Ich habe versucht, sie zu vögeln". Ähnlich wie bei den meisten Vorfällen, die von Medien als "Sexskandal" bezeichnet werden, geht es hier nicht um Sex, sondern um Macht, weil ein Mensch sich von einem anderen etwas nimmt, was er eigentlich nur im einvernehmlichen Austausch kriegen sollte. ...

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mathmag 11.10.2016, 15:57
6. Wozu das Gespräch uminterpretieren, wenn die Aussagen über Trump doch auch so stimmen?

Sie schaden dem eigenen Anliegen wenn Sie so etwas eindeutiges wie "Wenn Du ein Star bist, lassen sie dich machen", erstmal uminterpretieren müssen, um darauf dann aufzubauen:
>Er sagt: "Wenn du ein Star bist" - sprich: wenn du Macht hast - "lassen sie dich machen" - sprich: kommst du damit durch.<
Nein, er sagt "lassen sie dich machen" und meint offensichtlich die Frauen. Nicht jede, sondern im Allgemeinen. Mag Ihnen, Frau Stokowski, nicht schmecken. Aber einmal Augen auf bei irgendwelchen "Celebrity Events" und sei es der Wiener Opernball oder einst Berlusconi oder...:
Zu den Mächtigen finden sich dann auch häufig die "Weibchen", die genau darauf abfahren und denen es das wert ist. Blöd, oder?


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chramb80 11.10.2016, 15:58
8. Rolling Stone...

Ach seufz, was werden wohl viele Stars über (ihre) Groupies erzählen? Genau das selbe wie Trump auch. Geld macht Sexy, Macht macht Sexy. So als ob Mick Jagger anfängt Geschichten zu erzählen über die wilden Zeiten der Stones. ...



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EaronnEaronn 11.10.2016, 16:05
14. Was schief läuft

Nun, eines kann man sicher sagen: solche Typen sind verängstigte kleine Würmer.
Wirklich selbstbewusste Männer müssen andere gegen ihren Willen betatschen, noch haben sie solche "schaut alle her was ich für ein Supermacho bin"-Sprüche nötig.
Aber leider äußern sich in vielen Foren Teilnehmer - mit männlichen oder neutralen Nicks - immer noch verständig, meinen "alle Frauen" (ihr wisst schon: diese geklonte Gruppe von Lebewesen, die alle gleich denken und fühlen) würden das doch wollen, oder so was wäre ja gar nicht so schlimm. Oder sie sind offen bewundernd ob solcher "Stärke". Eine "Stärke" sehr ähnlich der, die jemand zeigt, der kleine Kinder tritt.

Was man(n) da machen kann?
Bitte äußert euch entsprechend.
Es ist super, wie viele sich zur Zeit angewidert zeigen oder offen sagen, dass sie solches Gerede nicht nötig haben.
Das sendet nicht nur ein Signal an Frauen (oder begrapschte Männer), sondern auch an alle Männer rundrum: Trump ist die schwache Ausnahme, keine starke Regel.
Als Frau: wehrt euch. Macht sie lächerlich, haut ihnen eine runter (wenn möglich) (1), sagt ganz laut "Warum greifen Sie mir an meine X, Sie Ferkel?"
(1) Keine Gewalt? Wann darf ich mich denn gewaltsam wehren? Wenn der Kerl schon in mir steckt? Wer sexuell missbraucht, muss damit endlich ein Risiko eingehen.


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Singulus2 Gestern, 16:13
17. Diamonds are a Girls best Friend....

... Es gibt Abermillionen Frauen,die sich von Männern ein luxuriöses Leben finanzieren lassen ohne an diesen Männern interessiert
zu sein. Daß viele Millionen Frauen nicht so denken, bestreitet auch niemand ...


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canUCme 11.10.2016, 16:25

24. Ja, stimmt, .....

... Menschen in echten oder vermeintlichen Abhängigkeitsverhältnissen lassen sich von Mächtigen bzw. Einflussreichen jede Menge gefallen. In Jobs, in der Politik im Showbusiness. Trump dokumentiert mit der Art seiner Aussage, dass er diese Art der Machtausübung kennt und irgendwie ganz ok findet, er entlarvt sich also als Machtmensch.
Nur, das wussten wir doch vor dieser Videoveröffentlichung schon. Wie Millionen anderer (Chefs, VIPs, Generäle, Machthaber, ..) nimmt er Einfluß auf andere Menschen und erwartet, dass diese in seinem Sinne gehorchen, oder sich Übergriffe gefallen lassen, weil seine Macht und sein Einfluss ihnen ansonsten das Leben zur Hölle machen können. Das Prinzip ist ubiquitär. Nur wenn es der Gesellschaft einmal so drastisch ausgesprochen vor Augen gehalten wird, ist plötzlich der große Aufschrei da. Es sind natürlich immer zwei beteiligt: Der Machtausübende und derjenige, der es mit sich machen lässt. Es gibt sehr viele Frauen, die sich auch von Vorgesetzten oder sonstwie Privilegierten nicht an die Wäsche gehen lassen. Und es gibt viele, die so etwas in Kauf nehmen um anderweitige Vorteile zu erlangen, sich also prostituieren.
Die ganze Welt dreht sich nur um Schwanz, Muschi, Geld und Macht. Alles andere sind rühmliche Ausnahmen.


...

http://www.spiegel.de/forum/kultur/trumps-sexismus-wer-lacht-gibt-macht-thread-522845-1.html



Aus: " Trumps Sexismus: Wer lacht, gibt Macht " Eine Kolumne von Margarete Stokowski (Dienstag, 11.10.2016)
Quelle: http://www.spiegel.de/kultur/gesellschaft/donald-trumps-sexismus-kolumne-von-margarete-stokowski-a-1116088.html

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« Reply #52 on: October 18, 2016, 10:28:48 AM »
"Migranten im autonomen Wohnzimmer" Peter Nowak (17.10.2016)
Schwierigkeiten von Linken mit dem Sexismus von Migranten ... Die Auseinandersetzungen wurden oft sehr oberflächlich als Auseinandersetzungen zwischen Punks und mittelständisch sozialisierten Autonomen dargestellt Oft ging es dabei auch um unterschiedliche Vorstellungen von Sexismus Dabei standen auf beiden Seiten auch Frauen. In der als Punks beschrieben Gruppe gab es vor allem bei den Frauen aber auch bei einigen Männern durchaus Kritik am Sexismus in den eigenen Reihen. Doch der Umgang damit unterschied sich vom Herangehen der mittelständisch sozialisierten Autonomen. So sagte eine Punk-Frau, dass sie, wenn sie mit sexistischen Begriffen belegt wird, genau diese Begriffe gegen den Mann anwendet und danach sei für sie die Sache erledigt.
Wenn also schon in der subkulturell geprägten Szene kein gemeinsamer Sexismusbegriff existiert, so gilt das erst recht für die Gesellschaft in Deutschland insgesamt. So dürften Praktiken, die vom Conne-Plenum benannt wurden, auch in vielen Clubs und Kneipen in Deutschland Konsens sein. So gesehen würden die Migranten dort nicht besonders auffallen. Doch dort sind sie aber oft nicht willkommen, weil sie Migranten sind. Also bleibt ihnen dann nur die Freizeitgestaltung in den wenigen autonomen Wohnzimmern der Republik - und dann gibt es die Probleme, die das Conne jetzt beschreibt. ...
Natürlich ist es richtig, dass man sexistische, homophobe und antisemitische Einstellungen überall kritisieren muss, unabhängig von der Herkunft. Bereits in den frühen 1990er Jahren, als Migranten vor rassistischen Übergriffen aus Ostdeutschland nach Berlin flüchteten und gemeinsam mit Unterstützern an der Technischen Universität einige Räume besetzten, gab es eine Debatte über mackerhaftes und sexistisches Verhalten einiger Männer.
Doch muss man den Vorsatz, die Menschen ernst zu nehmen und zu fordern, in einen Ton umsetzen, der so unangenehm deutsch klingt? "Fakt ist und bleibt, dass sexistische Übergriffe, mackerhaftes Auftreten, antisemitisches, rassistisches und anderweitig diskriminierendes Verhalten im Conne Island nicht geduldet werden und jede Person, die sich nicht an unsere Regeln hält, des Eiskellers verwiesen wird - ungeachtet seiner/ihrer Herkunft." Da wird zwischen mackerhaften Verhalten und einem sexistischen Übergriff kein Unterschied mehr gemacht.
Es gibt die mehrheitlich von in Deutschland sozialisierten Menschen, die die Regeln setzen, und die Migranten, die diese Regeln eben zu akzeptieren haben oder fliegen, nicht gleich aus Deutschland, aber immerhin aus dem Conne Island. ...
http://www.heise.de/tp/artikel/49/49716/2.html

Quote
     Isidorus, 17.10.2016 10:06

Muahaha

Den Linken zuzusehen, wie sie sich argumentativ winden wie ein glitschiger Aal, nachdem sie einige "Migrantenerfahrungen" gemacht haben, hat schon einen erheblichen Unterhaltungswert. ...


Quote
     Wooster, 17.10.2016 12:29

Weglassen, was nicht ins eigene Weltbild passt?

Wieso unterschlägt der Autor hier die tatsächlichen Beschreibungen der widerlichen Taten, die im Schreiben der Einrichtung aufgelistet sind? Sogar die lokalen bürgerlichen Blätter berichten deutlich(er).


Quote
     robbypeer, 17.10.2016 18:11

Nowak und andere Dogmaten haben offensichtlich nie Realität erlebt

Wer aus dem warmen Wohnzimmer heraus dogmatische Standpunkte vertritt, ohne sich je wirklich mit der Realität auseinandergesetzt zu haben, dessen Aussagen sollte keinerlei Gewicht zugestanden werden.

Das generelle Problem sind pseudolinke Trolle, die genau so gut rechts oder sonstwas sein könnten, aber eins gemeinsam haben: Wichtigtuerei, sadistischer Dogmatismus und Zerstörung der Gemeinschaft durch selbstmöderische Realitätsverleugnung.

Oft geht es sogar in Wahrheit darum, die jeweilige Gemeinschaft von innen zu zerstören: aus gekränkter Eitelkeit, Eifersucht, Neid, Sadismus oder Kompensation anderer Probleme. ...


...

---

"Die Stunde der Sexistinnen" Selma Mahlknecht (18.10.2016)
Nein, das im Titel ist kein Binnen-I. Ihr seid nicht mitgemeint, Männer. Dieser Text richtet sich ausschließlich gegen Sexistinnen. Und ist trotzdem feministisch ... Feminismus ist nämlich nicht der Kampf von Frauen gegen Männer. Sondern häufig genug der Kampf gegen andere Frauen. Heute mehr denn je.  ... Das alles interessiert euch nicht, und wahrscheinlich lebt ihr tatsächlich ganz angenehm in eurem DIY-shabby-chic-Kokon, in den ihr euch eingesponnen habt. Fürs Gemüt gibt es rührselige Hunde- und Katzenvideos, für den Geist ein paar Paolo-Coelho-Sprüche, und den Rest erledigen Mandala-Malbücher für Erwachsene. Und natürlich sind das ganz gemeine Klischees, die auf niemanden zutreffen, und natürlich regt ihr euch auf, wenn eine wie ich euch zu nahe tritt. Ihr wollt mich in die Schranken weisen, weil ihr nämlich ganz anders seid und euch keiner in eine Schublade sperren kann, weil ihr nämlich viel mehr drauf habt als die olle Hausmütterchen-Nummer. Aber wenn das stimmt, dann seid ihr das, was ihr nie sein wolltet, ob es euch gefällt oder nicht. Dann seid auch ihr verkappte Feministinnen, die sich gegen Fremdzuschreibungen wehren. ...
http://www.heise.de/tp/artikel/49/49723/1.html

Quote
     Isidorus, 18.10.2016 16:09

Kindergartensexismus
Wer so richtig ungeschminkten Sexismus erleben will, soll mal einem männlichen Kindergärtner bei der Arbeit zusehen, was der auszustehen hat!
Der hat schon einen guten Tag, wenn er am Feierabend nicht im Knast sitzt.
Im Vergleich dazu ist dieser angebliche "Sexismus" durch blöde Sprüche, der im Artikel angeprangert wird, ein völlig randständiges Luxusproblem.


Quote
     Selbstherrschaft, 18.10.2016 17:06

... mitnichten geht es originär um die Geschlechter oder Geschlechterrollen. Kollege Paschulke sprach es zuvor schon kurz an, es geht um das Menschenverständnis.

Es geht um nichts weniger als - Erkenne ich mich im Menschen gegenüber?

Wer im Anderen keinen Menschen wie sich sieht, sondern einen Geringeren, der gesteht dem Gegenüber auch nicht die Rechte zu, die er wie selbstverständlich für sich einfordert.
Es ist schlicht eine Frage des Bewußtseinszustandes, ob man als Mensch mit Menschen verkehrt oder eben als Höherer mit Minderen umspringt.

Und erst daraus, aus diesem Fehlbewußtsein kann dann, als eine von vielen möglichen Deformationen, auch eine geschlechtsbezogene Auf-/Abwertung oder auch Chauvinismus und und und entspringen.
Ursprung ist aber die aus mangelnder Selbstreflektion entspringende Verirrung, es gäbe ein willkürlich setzbares menschliches Über-/Unterordnungsverhältnis.

Das Posting wurde vom Benutzer editiert (18.10.2016 17:07).


Quote
     Twistie2015, Bettina Hammer, 18.10.2016 17:38

Re: Es geht nicht um Gedankenlesen, pauschale Zustimmung, sondern um Achtung!

... einfach gesagt:
" 'festering turd of a human being' that 'intimidated multiple young Asian women' by waving his hand in their faces on a Melbourne tram"
kann bei manchen als typisches Beispiel für sexistische Männer dienen, es kann aber eben auch anders sein.

http://www.dailymail.co.uk/news/article-3830176/Man-Melbourne-tram-labelled-lowlife-creep-autistic-loves-giving-strangers-high-fives.html

das ist das "über Menschen reden", was zu deinem Punkt hinzukommt - erst wird eine Person als typisches Beispiel für Gruppe X genommen, dann wird sie letztendlich nicht mehr selbst angesprochen, sondern es wird über sie gesprochen, dann wird sie zum Beispiel für Gruppe X und deren Verhalten und das, was wirklich passiert ist oder wer die Person ist, ist nur noch Nebensache.

Das halte ich übrigens persönlich für entmenschlichend, der Mensch ist ja nicht mehr die Einzelperson, sondern sein Verhalten dient nur dazu, die eigene Agenda weiterzuführen und andere aufzustacheln bzw. andere anzufeinden und sich selbst im Glanz des eigenen Wohlverhaltens zu sonnen.
Selbst wenn man nur einen bekannten Autisten per Social Media (passenderweise SM) anprangert.



Quote
     van Grunz, 18.10.2016 20:01

Unmenschentum

Es ist der Kriegsrhetorik immanent, vermeintlich niedere Menschen als Unmenschen zu deklassifizieren, damit man den eigenen moralischen Maßstab nicht mehr ansetzen muß. Sonst müßte man erkennen, daß der Spruch: "Was Du nicht willst, das man Dir tu', das füg' auch keinem and'ren zu" eine essentielle Bedeutung hat.


...
« Last Edit: October 19, 2016, 10:00:53 AM by Link »

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« Reply #53 on: November 16, 2016, 12:19:42 PM »
Quote
[...] die Mehrheit der weißen Frauen, 53 Prozent (gegenüber nur 43 Prozent für Clinton), haben für Trump gestimmt. Das ist kaum begreiflich.



Aus: "Keine Solidarität" Juliane Löffler (11.11.2016)
Quelle: https://www.freitag.de/autoren/juloeffl/trump-that-dick


Quote
Achtermann 11.11.2016 | 13:49

Denn die Mehrheit der weißen Frauen, 53 Prozent (gegenüber nur 43 Prozent für Clinton), haben für Trump gestimmt. Das ist kaum begreiflich. Wieso wählen Frauen gegen sich selbst?

Das ist eine Frage der Wertigkeit. Wenn die eigene wirtschaftliche Frage nicht gelöst ist, stehen andere Themen im Vordergrund: Arbeitsplatz, Familieneinkommen, Schul- und Ausbildung der Kinder. Die amerikanische Mittelschicht wird dünner, die Einkommen sinken. Wenn jemand verspricht, einheimische Arbeitsplätze zu schaffen, gegen illegale Migranten vorzugehen, Importe mit Zöllen zu belegen, um einige Beispiele zu nennen, können die Fragen, die mit Gleichberechtigung zu tun haben, in den Hintergrund treten, wenn die Hoffnung keimt, jemand kümmert sich um die soziale Frage, jemand nimmt mich und meinesgleichen ernst. Wenn Hillary Clinton vielfach für einen Vortrag mehrere 100.000 Dollar kassiert und sinngemäß meint, wenn die zahlen, dann nehm ich Kohle, steckt darin mindestens so viel Arroganz wie sie Trump von den deutschen Medien vorgeworfen wird. Ich denke, Clinton verkörpert nicht das weibliche Rollenbild, das sich die durchschnittsweiße Amerikanerin vorstellt. Diese Frauen kommen gar nicht auf die vielleicht wegen der doch eher in akademischen Diskursen behandelten Fragen der Misogynie darauf, gegen sich selbst gewählt zu haben. Man sollte womöglich mit diesen schon vielfach gelesenen Zuschreibungen, die US-Amerikaner/innen seien zu dumm zu wählen, zurückhaltender sein.


Quote
laubfrosch 11.11.2016 | 14:07

ein großer teil frauen sieht sich als mutter und ehefrau, als mensch dessen einzige pflicht darin besteht mutter/eltern zu sein, und die sind in diesem sinne einem fundamentalen christlich/jüdisch/islamischen weltbild sogar sehr nahe ...
und so akzeptieren die auch einen dominanten pussiegrabscher als präsidenten ...
den wünschen sie sich sogar. je mehr dominant dieses alphapräsidentier ist, um so mehr können sich diese weibchen in ihre unterwürfig beschützte rolle fügen/fühlen ... es gibt einen großen anteil von frauen, der sich in einem patriarchalischen weltbild sher wohl fühlt. und dieser teil wählt trump und/oder erdogan ... frauen sind diesbezüglich nicht besser als männer ... eher schlimmer willfährig unterwürfig


Quote
Maria Franic 11.11.2016 | 15:50

... Die Amerikaner - Männer wie Frauen - haben mit ihrer Wahl Washington den Stinkefinger gezeigt. Wie wütend muss ein Volk sein, wenn es einen derben Antipolitiker wie Trump wählt und die erfahrene Hillary Clinton in Rente schickt? Hillary Clinton ist nun mal Establishment. Trump hat Veränderungen versprochen. Das wollte wohl die Mehrheit der Wähler. Was sie offensichtlich nicht wollten, war ein "weiter so" mit einem Politprofi wie zum Beispiel Hillary Clinton. ... Es war also kein Kampf der Geschlechter.


Quote
Achtermann 11.11.2016 | 16:59
@Andreas Urstadt

Bildung produziert Bias und noch mehr Bildung produziert noch mehr Bias. Dass Bildung immer Ideologie bedeutet ist längst seit der Anthropologin Mary Douglas bekann. Jede emprische Forschung hat das Ergebnis, dass Bildung Biasprobleme eben nicht lösen, sondern verschlimmern.

Das ist auch eine Erklärung für die Haltung der deutschen Presse, die nicht merkte, dass Trump neben seiner Art des Auftretens eben doch die Anliegen derjenigen traf, die Opfer der "Bildungsbürger" sind, die sich mit ihrem Bauchnabel beschäftigen, weil sie meistens eine für sich akzeptable sozial auskömmliche Daseinsvorsorge treffen konnten. In diesen Kreisen und ihren medialen Resonanzkörpern vom Buch bis zum TV werden dann Fragen zentral, ob man schon vegan ißt, Vegetarier bleibt oder doch lieber mal ein Stück Biofleisch verkostet.


Quote
Lethe 11.11.2016 | 20:43

Es würde mich verwundern, wenn auch nur bei einem Viertel einer Wählerschaft Kriterien wie Gender- und Rollengerechtigkeit, Antirassismus oder humane Gesinnung bei der Entscheidung für oder gegen Kandidaten auch nur andeutungsweise eine Rolle spielen sollten. Das sind zwar Lieblingsthemen vieler Linker, aber kaum von allgemeinerem Interesse, wie sich bei dieser Wahl gezeigt hat. Die Linken adressieren schlicht die falschen Themen. Erst kommt die Sicherung der Lebensgrundlagen, dann kommen Luxusprobleme. Das gilt nicht nur für Nationen, sondern auch für soziale Schichten aka Klassen. Von flammenden Appellen werden die Kinder nicht satt und die Miete nicht bezahlt. ...


Quote
seriousguy47 11.11.2016 | 21:43

"Gender, das war eines der größten Themen im Wahlkampf."

Ganz offensichtlich nicht. Es war wohl eher das Phänomen "Veggie Day" auf feministisch.

In plain language: Es ist vielleicht an der Zeit, darüber nachzudenken, ob die Mehrheit der neoliberal verarschten Menschen eventuell andere Probleme hat als ein wohlbestalltes und abgehobenes Öko-Bürgertum. ...


Quote
Reinhold Schramm 12.11.2016 | 06:20

... Es stellt sich auch noch heute die Frage: Warum haben die ostdeutschen Frauen ihren (vorgeblichen) Status in und mit der DDR über Bord geworfen? Waren die Konsum-Interessen, nicht nur der ostdeutschen Männer, auch der ostdeutschen Frauen größer als die (zunehmende?) soziale Gleichstellung im Alltagsleben?



Quote
Robinson 12.11.2016 | 10:31

... Was nützt mir die Gleichberechtigung, wenn die ganze Familie arbeitslos ist und die Kinder keine Zukunft haben?


Quote
derglaubeandassystem 12.11.2016 | 16:10

Schon die Adresszeile im Freitag, übersetzt "Trump dieser Schwanz" [https://www.freitag.de/autoren/juloeffl/trump-that-dick] lässt eine emotional aufgeladene Haltung in Bezug auf Trump erkennen. Er rüpelt und pöbelt, dann pöbelt man eben zurück.

Bei allem Poltern und Pöbeln gegen Trump wird die Frage völlig vergessen, was denn eigentlich für Clinton gesprochen hat. Auch aus Gender-Perspektive. Was hat denn Hillary Clinton in ihrer Zeit als First Lady oder Außenministerin getan, um die Rechte von Frauen weltweit zu stärken, obwohl ihr dieses Amt problemlos die Möglichkeit dazu gegeben hätte?

Nein, statt Frauen zu schützen, hat Clinton lieber dafür gesorgt, dass in Libyen hunderttausende Menschen sterben, und jene, die noch leben, zu großen Teilen einem barbarischen Sharia-Regime unterworfen werden. Überhaupt hat Clinton dem Feminismus keinen Dienst erwiesen. Sie ist im Prinzip ein Alpha-Männchen, genau so skrupellos, moralisch verkommen und korrupt, wie es die ganze breite "Elite" in Washington ist. Ein Phänomen, das man häufig bei Frauen in Machtpositionen findet. Gleichzeitig hat sie vermutlich aus purer Kalkuliertheit und purem Machtwillen ihre eigene Würde zugunsten ihrer politischen Karriere abegschrieben, indem sie ihren Mann eben mal machen liess, während der sie wie Dreck behandelt hat. Lächeln und darüber wegsehen, man will es ja noch zu etwas bringen.

Frau Löffler attribuiert das starke Abschneiden von Trump bei weißen Frauen mit einem Bildungsmangel. Das ist nur ein Teil der Wahrheit. Ich unterstelle der Frau Löffler eine Unfähigkeit oder zumindest Unwilligkeit zur Perspektivenübernahme, denn wie viele andere Kommentatoren hier bereits hingewiesen haben, sind für viele (weiße) Frauen durchaus auch andere Punkte entscheidend, und für ihren persönlichen Alltag vielleicht auch mehr von Belang.

Es zeigt sich hier, wie ein gegenseitiges Verständnis unmöglich wird, wenn man sich nur in seiner eigenen, selbst konstruierten Wirklichkeit befindet. Ein Standpunkt, von dem Frau Löffler unmöglich abweichen kann, während die vielen Wählerinnen von Trump sicherlich die Vorwürfe und Gründe für die Unmöglichkeit der Wahl Trumps als Frau seitens des Artikels hier überhaupt nicht nachvollziehen können bzw. diese Gründe in ihrer eigenen Prioritätenabfolge soweit unten stehen, dass sie bestenfalls mitz einem Achselzucken beantwortet werden.

Die dämlichen Wähler

ist hier wieder der Reflex. Doch für viele Amerikaner und auch für viele Europäer und andere Menschen auf der Welt ist Hillary Clinton eben nicht das kleinere Übel, und das aus handfesteren Gründen als irgendwelchen großkotzigen Interviews aus dem Jahre 1992.



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THX1138 12.11.2016 | 17:16

... Ich versuche mich kurz zu fassen: Mit der Wahl Trumps sind zwei völlig gegensätzliche, soziale Milieus mit lautem Krach zusammen gestossen: Hier die wohl genährten, akademischen Gewinner der gegenwärtigen Entwicklungen samt ihrer Allmacht über den gesamten, öffentlichen Raum (Medien, Kultur, Wirtschaft und Politik) - und dort die Deklassierten, Vergessenen und Verlorenen.

"Drei Tage nach der Wahl soll also klar sein, wer wirklich die Verantwortung dafür trägt, dass Donald Trump der nächste Präsident der USA wird: Arrogante liberale Intellektuelle und links-ökologische Akademiker, die in ihrer hermetischen Filter-Bubblepausenlos über die Rechte schwarzer Transsexueller debattieren und dabei die Sorgen der weißen Arbeiterklasse aus dem Blick verloren haben. Mehr noch: Eben jenes Milieu offenbare sich als zutiefst heuchlerisch, weil es in Sonntagsreden zwar gerne Differenz und Toleranz predige, gegenüber dem white trash tatsächlich aber nur Verachtung hege."

Richtig, genau so ist es: Die ZEIT hat es auf den Punkt gebracht! ... http://www.zeit.de/kultur/2016-11/donald-trump-usa-praesident-liberale-linke-kritik



Quote
Gunnar Jeschke 13.11.2016 | 20:50

Laut Nachwahlbefragung wollten 38% der Wähler vor allem Veränderung. Sie sind unzufrieden damit, wie es gerade läuft. Das scheinen die Wahlkampfstrategen der Demokraten bei aller Wähleranalyse übersehen zu haben. In dieser Richtung hat Hillary Clinton nicht das Geringste angeboten. Es war eigentlich kein Hexenwerk, zu erkennen, dass "Weiter wie bisher" kein sehr attraktives Angebot ist. Die haben wohl einfach geglaubt, dass es gegen so einen wie Trump trotzdem reicht. Das ist dann gründlich schief gegangen.



Quote
gweberbv 13.11.2016 | 22:27

Die Kandidatin Clinton stellte 12 Wochen bezahlten Mutterschaftsurlaub in Aussicht. Das wird es unter dem Präsident Trump nun wohl nicht geben.



Quote
balsamico 14.11.2016 | 09:06

Weiße Frauen haben mehrheitlich Trump gewählt.

Ich fürchte, es ist noch schlimmer: nämlich so, dass viele Frauen gewählt haben, was ihnen von ihren Männern souffliert wurde. Es werden jedenfalls nicht die selbstbewusstesten Frauen gewesen sein, die für Trump gestimmt haben. Und die schlimmste Botschaft dieses Wahlganges ist: Wenn du eine Wahl gewinnen willst, mußt du an die niedrigsten Instinkte appellieren und holzen "wie die Sau." Und wenn du selbst eine Sau bist: umso besser. Was für ein Zivilisationsbruch! ...



Quote
Gunnar Jeschke 13.11.2016 | 15:56

Die Grundthese des Artikels ist ein schönes Beispiel für Scott Adams Erklärungen zur kognitiven Dissonanz. Man fragt sich, wie sein kann, was nicht sein darf. Die einfachste Erklärung wäre, dass die eigenen Grundannahmen falsch waren, aber das tut halt zu weh.


...

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« Reply #54 on: November 16, 2016, 01:25:24 PM »
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Peter Rehberg - Der Autor ist Affiliated Fellow am ICI in Berlin, wo er die Arbeiten zu dem Buchprojekt „Hipster Porn: Queere Männlichkeiten, affektive Sexualitäten und Neue Medien“ abschließt.

Wie queer ist der Hipster? - Er gibt sich postphallisch. Doch die Inszenierung seiner Männlichkeit ist nur scheinbar zurückhaltend: Sein Bart steht für „natürliche“ Maskulinität. Seit den 2000ern ist popkulturell ein Männertypus in Erscheinung getreten, der seine Maskulinität nicht mehr plakativ in Szene setzen muss: der Hipster. Eine lässige Figur, deren eklektischer Stil sich auf den ersten Blick zu keinem Bild machtvoller Männlichkeit fügt. Der Hipster erscheint ebenso hybrid wie transnational, er bevölkert die Cafés in Brooklyn oder Berlin-Neukölln.
Das Repertoire seiner Stile und Gesten verdankt sich verschiedenen Archiven der Jugendkultur nach 1945. Der Hipster ist eine Neuauflage einer Männerfigur – Frauen kommen im Hipster-Diskurs kaum vor –, die der Schriftsteller Norman Mailer Ende der 1950er Jahre als White Negro beschrieben hatte. Weiße Jungs mit Collegeabschluss tun so, als seien sie schwarze Outcasts. Wie die Beat-Poeten. Dabei geht es zunächst um eine Aneignung schwarzer Sexualität durch Weiße. Äußerlich reklamierte der Hipster zugleich auch seine Nähe zum White Trash – der US-amerikanischen Unterschicht. Mit seinen erkennbaren Zeichen, Trucker-Cap, Flanellhemd und Unterarm-Tattoos betreibt er somit eine Art von ethnischem und sozialem Crossdressing. ... Der Hipster präsentiert eine weniger aufdringliche Maskulinität. Er zeigt sich ermüdet von den Gesten aggressiver Männlichkeit. Mit seiner coolen Nachlässigkeit scheint er bereit, sein Mannsein neu zu verhandeln. Mit seinem Verweis auf verschiedene Maskulinitätskulturen – den Unterschichtsmann, den Schwarzen – bietet der Hipster eine Form der männlichen Maskerade an. Diese zitathaften Aneignungen arbeiten einem Habitus zu, der sein Gender nicht ausnahmslos bekräftigt. Seine Performance lässt sich so als postphallisch entziffern. ... Einerseits wird mit der unaufdringlichen Lässigkeit des Hipsters zwar die Geschlossenheit des Prinzips Maskulinität aufgebrochen. Gleichzeitig etabliert sich der Wert des Hipsters aber über eine Vorstellung von Natürlichkeit: Die Coolness des Hipsters funktioniert nur, solange die Nerd-Brille vom Bart gerahmt bleibt. ...
Unter dem Vorwand einer hippen Postphallizität kommt eine „natürliche Männlichkeit“ ungehindert zum Zuge. Die Performanz von Gender kann noch so postphallisch sein, so ließe sich sagen, solange sie gleichzeitig als „Natürlichkeit“ abgesichert ist, bleiben diese Inszenierungen risikolos. Steht die Natürlichkeit von Sex selbst nicht zur Disposition, können Maskulinitätsexperimente mit großer Gelassenheit hingenommen werden. Ja, gerade diese Gelassenheit arbeitet dann der „Natürlichkeit“ des männlichen Geschlechts weiterhin zu.
Ein großer Teil popkultureller Männerbilder, die seit den 2000ern im Umlauf sind, funktioniert auf diese Weise. ... Die Idee von Männlichkeit bleibt hier nicht nur intakt, sie wird gefeiert. Wir haben es hier mit einem Butch-Turn zu tun, einem symbolpolitischen Backlash. Genderpolitisch ist der Hipster eine konservative Figur. ... Der Bart – den ja nicht nur die Hipster, sondern auch die Fantasy-Helden von „Game of Thrones“ und „Vikings“ stolz tragen – wäre also eine der letzten Waffen, Männlichkeit zu behaupten, innerhalb einer Kultur, die seine Geschlechtsinszenierungen ansonsten immer weniger überzeugend findet.

Quote
wil 16.11.2016, 02:31

mir stellt sich angesichts dieser überdrehten soziologen-wortorgie eigentlich nur die eine frage: wer braucht sie wirklich? männer, die sich mit haaren ihr gesicht zuwachsen lassen, es dadurch unkenntlich machen und irgendwie alle gleich, nachpubertär und unendlich unsexy-langweilig aussehen?


Quote
anamoli 16.11.2016, 10:46

Da hat sich aber einer im Gender-Sex-Dschungel verlaufen. Hipster ist mittlerweile Mainstrem, also eine Mode, die zwar die Attraktivität steigern soll, aber auf Grundlage des Trendy-Herdentriebs. Selbstreflektorisch hinsichtlich der geschlechtlichen Identität ist da nicht viel. Es wird einfach nur abgekupfert, was da nach Bohème riechen könnte; Also völlig normale Hochstapelei.


Quote
roi 16.11.2016, 10:38

Was genau soll "schwarze Sexualität" sein?
Erwarten diese bärtigen Hipster eigentlich das Frauen sich die Beine rassieren? Würde mich mal rassieren, äh...interessieren meinte ich...


Quote
Zuckerstreuer 16.11.2016, 06:02

könnte mir jemand erklären was schwarze Sexualität ist und wodurch sie sich von weißer Sexualität unterscheidet.


Quote
Alfred Sauer 15.11.2016, 22:47

Das ist jetzt Satire oder? Könnte von Monty Python stammen. "Nehmen wir an, das ihr euch darauf einigt das Loretta keine Babys bekommen kann, woran niemand schuld ist, nicht mal die Römer! Aber das er das absolute Recht hat Babys zu bekommen."


Quote
sart 15.11.2016, 22:29

Diesen Ansatz bzgl. der Hipster finde ich durchaus interessant.
Dass die sich dabei tatsächlich was denken, habe ich bislang noch nie in Betracht bezogen.


Quote
Jaeh 16.11.2016, 00:10

@sart Die Analyse besagt nicht, dass der "Hipster" sich dieses alles denkt. Das ist sogar eher unwahrscheinlich. Denn dies wird habituell in der Praxis schlicht vollzogen und wird in dem Text reflexiv eingeholt und entfaltet. Lebenweltliches agieren ist viel zu "dicht" um es kognitiv immer eins zu eins zu begleiten. Hipster ist also keine Strategie, kein intendiertes Rollenverhalten, sondern im Sinne des Textes quasi live vollzogen, unmittelbar entspringend einer großstädtisch-postmodernen Diskursivität, die dann diesen Still erstmal einfach cool, angesagt, nachahmendwert macht. Wer dies derart reflexiv nachvollzieht wird dann eher ablassen von solch einem Verhalten, da es nicht mehr als authentisch unmittelbar erlebbar ist.


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Michl Mond
15.11.2016, 22:01

Nachdem ich genervt nach 75% des Textes aufgehört habe zu lesen, wie queer ist er jetzt, der Hipster?

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supergeil
15.11.2016, 22:14

@Michl Mond Musste dich bei Hipster-Studies einschreiben....




Aus: "Gender als Lifestyle - Wie queer ist der Hipster?" Peter Rehberg (15. 11. 2016)
Quelle: https://www.taz.de/Gender-als-Lifestyle/!5353672/

« Last Edit: November 27, 2016, 01:04:23 PM by Link »

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« Reply #55 on: November 27, 2016, 01:07:41 PM »
"Lateinamerika: Zehntausende demonstrieren gegen Gewalt gegen Frauen" (27. November 2016)
Eine Serie brutaler Morde an Frauen erschüttert Lateinamerika. In Argentinien forderten Zehntausende ein Ende der Gewalt und besseren Schutz vor sexuellen Übergriffen. ... Lateinamerika ist derzeit durch eine Reihe besonders grausamer Morde aufgeschreckt: In Chile wurde eine Zehnjährige mit einer Plastiktüte erstickt, in Mexiko eine 22-Jährige erdrosselt, und in Argentinien setzte eine Gruppe Männer eine 16-Jährige unter Drogen, vergewaltigte und quälte sie derart brutal, dass ihr Herz versagte.
Den Aktivistinnen geht es aber nicht nur darum, gegen solche Morde zu protestieren, sondern auch gegen eine Kultur, in der Frauen grundsätzlich weniger zählen als Männer.
Laut einer aktuellen Umfrage wurden 97 Prozent der argentinischen Frauen schon einmal in ihrem Leben sexuell belästigt, 79 Prozent waren demnach schon Opfer von Grapschern – vor allem in Bussen und Bahnen. Nach Angaben der UN-Sonderberichterstatterin Dubravka Šimonović sind Argentiniens Frauen und Mädchen Belästigungen meist hilflos ausgeliefert, da es keinerlei Maßnahmen zu ihrem Schutz gibt.  ...
http://www.zeit.de/gesellschaft/2016-11/lateinamerika-demonstration-gewalt-frauen-argentinien

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« Reply #56 on: December 17, 2016, 02:01:22 PM »
"Stadt Kiel: Schweigemarsch gegen Gewalt – und für die getötete Delali Assigbley" (Donnerstag, 15.12.2016)
Im Jahr 2015 wurden 331 Frauen in Deutschland von ihrem Partner oder Ex-Partner getötet und auch die Statistik bei häuslicher Gewalt spricht für sich – deutschlandweit hat jede vierte Frau im Alter von 16 bis 85 Jahren häusliche Gewalt erlebt, wie das Hilfetelefon berichtet. Nach der bundesweiten Kriminalstatistik wurden 2015 knapp 130.000 Personen Opfer von Mord und Totschlag, Körperverletzungen, Vergewaltigungen, sexueller Nötigung, Bedrohung und Stalking, davon waren 82 Prozent Frauen. Von ihnen lebten 49 Prozent zum Tatzeitpunkt mit dem Täter in einem Haushalt. Die Dunkelziffer dürfte dabei deutlich höher sein.
http://www.focus.de/regional/kiel/stadt-kiel-14-dezember-2016-sw_id_6357659.html

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"Umstrittenes Gesetz: Russland lockert Strafen für häusliche Gewalt" (07.02.2017)
Der erste Schlag wird nur noch mit einer Geldstrafe geahndet. Russland hat ein neues Gesetz verabschiedet, das in bestimmten Fällen häuslicher Gewalt eine Strafminderung vorsieht. ... Präsident Wladimir Putin hat ein entsprechendes Gesetz unterzeichnet, wonach die Strafen gemindert werden, wenn es sich um das erste Vergehen handelt und keine schwere Verletzung entsteht. Ein solches Vergehen wird nun als Fehlverhalten gewertet, welches mit einer Geldstrafe geahndet wird. Zuvor wurde dies noch als Körperverletzung eingestuft und mit bis zu zwei Jahren Haft bestraft. Konservative Befürworter des neuen Gesetzes hatten argumentiert, dass Eltern nicht dafür bestraft werden dürften, ihre Kinder zu maßregeln. Der Staat müsse sich aus privaten Angelegenheiten heraushalten. Kritiker befürchten jedoch, dass es mit dem neuen Gesetz noch schwerer wird, Täter zur Rechenschaft zu ziehen. Außerdem werde sich das bereits weitverbreitete Problem der häuslichen Gewalt gegen Frauen verschlimmern, da Hilfe für die Opfer rechtlich schwerer werde. Staatlichen russischen Statistiken zufolge gab es im Jahr 2015 knapp 50.000 Vergehen, bei denen Gewalt in der Familie eine Rolle spielte. Bei knapp 36.000 davon richtete sich die Gewalt gegen eine Frau. Kreml-Sprecher Dmitri Peskow hatte im Januar behauptet, es sei wichtig, den Unterschied zwischen echter Gewalt und "den verschiedenen Erscheinungsformen von Familienbeziehungen" zu erkennen. ...
http://www.spiegel.de/politik/ausland/russland-lockert-strafen-fuer-haeusliche-gewalt-a-1133593.html

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"Proteste in Argentinien: Oben ohne gegen Oben-ohne-Verbot" (08.02.2017)
In Buenos Aires haben Hunderte Frauen gegen ein Verbot demonstriert, sich in der Öffentlichkeit mit freiem Oberkörper zu zeigen. Hintergrund ist ein umstrittenes Gesetz aus Zeiten der Militärdiktatur. ... "Souveränität über unsere Körper", war auf Transparenten bei den Protesten in der Hauptstadt Buenos Aires zu lesen. Auch in Cordoba, Mar del Plata und Rosario demonstrierten Frauen für ihre Rechte - zum Teil barbusig. "Wir werden nicht um Erlaubnis bitten", stand auf dem Bauch einer Frau.
Hintergrund der Proteste ist ein Vorfall aus dem Januar: Vor knapp zwei Wochen hatten Polizisten drei Touristinnen an einem Strand daran gehindert, sich mit freien Oberkörpern zu sonnen. Die Polizisten beriefen sich auf ein Gesetz zur Wahrung des öffentlichen Anstands aus den Zeiten der Militärdiktatur. Ein Video von dem Vorfall wurde im Internet veröffentlicht und sorgte für Empörung. Ein Richter stellte das Verfahren gegen die Frauen ein. Zwei Abgeordnete strengen nun eine Änderung des umstrittenen Gesetzes an. ...
http://www.spiegel.de/panorama/gesellschaft/argentinien-frauen-protestieren-gegen-oben-ohne-verbot-a-1133606.html

« Last Edit: April 15, 2017, 04:00:33 PM by Link »

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« Reply #57 on: February 20, 2017, 10:28:14 AM »
""Kinderbekommen ist kein privates Ereignis"" Interview: Brigitte Theißl (16. Februar 2017)
STANDARD: In Polen wollte die rechtskonservative PiS-Regierung ein Abtreibungsverbot umsetzen, Einschränkungen werden auch in anderen europäischen Staaten diskutiert, die Trump-Regierung inszeniert sich als "Pro-Life-Regierung". Erleben wir einen Backlash bei den reproduktiven Rechten?
Franziska Schutzbach: Diese politischen Entwicklungen führen besonders deutlich vor Augen, dass der weibliche Körper ein politischer Kampfplatz ist. Das war er schon immer, aber in den aktuellen rechtspopulistischen Diskursen wird das noch deutlicher sichtbar. Es geht wieder um eine direkte Einflussnahme, darum, Frauen vorzuschreiben, was sie zu tun oder zu unterlassen haben – all das vor dem Hintergrund eines konservativen, patriarchalen Familienideals. ...
http://derstandard.at/2000052657650/Soziologin-Kinderbekommen-ist-kein-privates-Ereignis

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Kommentar von Simone Schmollack: Offener Brief an Thomas Fischer: "Er packt noch eins drauf"
Das Interview mit dem Richter Thomas Fischer über sein Frauenbild läuft gut. Danach fangen die Probleme an. Nun also: ein Brief.
Sie kennen doch sicher das niederdeutsche Volkslied von den beiden Königskindern, die „beisammen nicht kommen“ konnten und am Ende beide tot sind? Dieses Lied habe ich zurzeit im Ohr, wenn ich an Sie denke. Nicht, weil darin ausgerechnet ein Fischer den ertrunkenen Königssohn aus dem Wasser holen soll. Sondern weil auch wir beide, die wir zwar keine Königskinder sind, einfach nicht „beisammen kommen“. ...
https://www.taz.de/!5390030/


"Fischer, Frauen und die taz: Thomas Fischer zur Geschichte eines gescheiterten Interviews" (21.03.2017)
Die taz veröffentlichte in ihrer vergangenen Wochenendausgabe einen offenen Brief an den BGH-Richter und Zeit-Online-Kolumnisten Thomas Fischer. Darin erzählt die taz-Autorin Simone Schmollack, wie sie ein Interview mit Fischer über sein Frauenbild führte, das anschließend aber nicht veröffentlicht wurde. Angeblich, weil Fischer die Autorisierung verweigerte. Für MEEDIA hat Thomas Fischer seine Sicht auf den Vorgang aufgeschrieben. ...
http://meedia.de/2017/03/21/fischer-frauen-und-die-taz-thomas-fischer-zur-geschichte-eines-gescheiterten-interviews/

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"Vergewaltigungen: Ich und mein Täter" Francesco Giammarco (15.04.2017)
Thordis Elva hat ein Buch mit dem Mann geschrieben, der sie vergewaltigt hat - und bricht so mit der eingeübten Rollenverteilung von Täter und Opfer. ... Weder haben Elva und Stranger ein Handbuch für den Umgang mit Vergewaltigungen geschrieben, noch sprechen sie sich für Straffreiheit in Fällen sexueller Gewalt aus. Die öffentliche Dämonisierung von Tätern hält Männer aber sicherlich davon ab, sich mit Vergewaltigungen und ihren Gründen auseinanderzusetzen. Weil kein Mann von sich glaubt, ein Monster zu sein. Monster sind immer die anderen. ...
http://www.spiegel.de/kultur/literatur/throdis-elva-hat-ein-buch-mit-tom-stranger-geschrieben-dem-mann-der-sie-vergewaltigt-hat-a-1142805.html
 
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"Ernüchternde Antworten So sieht sich der arabische Mann" Lena Bopp, Beirut  (04.05.2017)
Erstmals untersucht eine Studie der Vereinten Nationen das Selbstbild arabischer Männer. Die Ergebnisse sind ernüchternd, vor allem mit Blick auf die Rechte der Frauen. Doch ziehen die Autoren auch optimistische Schlüsse. ...
http://www.faz.net/aktuell/feuilleton/debatten/befragung-wie-sieht-sich-der-arabische-mann-14998492.html
« Last Edit: May 04, 2017, 01:21:08 PM by Link »

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"Manchmal tut ein Shitstorm gut" Claudia (03. Mai 2017)
Nämlich dann, wenn er einen gewissen Mindestanstand in der Auseinandersetzung mit politischen Gegnern verteidigt ... Der Autor und Correctiv-Gründer Davin Schavren reagierte darauf mit einer wenig überzeugenden Rechfertigung: „Der Skandal ist also nicht, dass eine AfD-Kandidatin als Prostituierte gearbeitet hat. Der Skandal ist, dass sie dies vor ihrer Partei vor der Wahl der Landtagskandidaten verschwiegen hat.“ ... Eine seltsame Idee, dass jemand auf einer Parteiversammlung von derlei Aktivitäten berichten solle! Ist es denn bei männlichen Politikern üblich, dass sie ihre Erfahrungen mit käuflichem Sex berichten, bevor sie gewählt werden?
http://www.claudia-klinger.de/digidiary/2017/05/03/manchmal-tut-ein-shitstorm-gut/

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"Camille Paglias Beitrag zum Geschlechterkampf: „Die Masken der Sexualität“: Die Gartenlaube der Wollust" Silvia Bovenschen (26. Februar 1993)
Paglia prätendiert nichts Geringeres als eine Art Welterklärungsförmel: Die Erschließung der Welt aus einem Grund – einem Natur-Grund. Das kategoriale Gerüst, das diese simple Formel tragen soll, ist roh gezimmert aus einer scheckigen Secondhand-Begrifflichkeit: ein wenig Darwinismus, ein pubertärer Schlagwort-Nietzscheanismus, probate einseitig verengte Aspekte der Freudschen Theorie und – wo es halt besser paßt – der Archetypenlehre C. G. Jungs, ein bißchen Spengler und die versammelte Misogynie. Paglia greift tief in die Mottenkiste der alten Geschlechterontologien: Die uranfängliche Natur, von der sie im ersten Satz spricht, ist der Nähr- und Giftschleim, aus dem alles kam und der immer wieder alles zu verschlingen droht. Und diese Natur ist essentiell weiblich.
Zur Beschreibung dieser natürlichen Weiblichkeit und weiblichen Naturhaftigkeit bedient sich Paglia einer eruptiven Rhetorik, die sie zuweilen in einen semantischen Ekeltaumel treibt: So sieht sie in der „Venus von Willendorf“, der sie die Merkmale „blind, sprachlos, hirnlos, fallsüchtig, schmutzig, schlampig, brünstig“ zuschreibt, das „Paradigma des weiblichen Geschlechts“; in ihr sei früh schon veranschaulicht, daß „die Frau die Gefangene ihres wogenden, feuchten Körpers“ sei, in „einem miasmischen Sumpf stecke, daß „ein chthonischer Pesthauch“ über ihr liege, daß sie einer „verseuchten Wolke“, einer „ozeanischen Dünung“, einem „fauligen Morast“ gleiche, einzig brauchbar für „das rohe Fortpflanzungsgeschäft“, für die Hervorbringung eines „gutartigen Tumors“: eines Fötus.
Diese verbale Redundanz soll glauben machen, daß der Mann gar nicht anders kann, als danach zu trachten, aus dem dionysischen Chaos, diesem ganzen unappetitlichen Gewabbel in „das apollinische Reich der Reinheit, Klarheit und Sichtbarkeit“ zu entkommen. ...
http://www.zeit.de/1993/09/die-gartenlaube-der-wollust/komplettansicht

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"Frauentag: Guerilla-Projektionen gegen AfD und Trump" John F. Nebel (08 Mrz 2017)
Aktivistinnen eines bislang unbekannten “Team Vulvarella” haben in der Nacht zum Internationalen Frauentag die Parteizentrale der AfD und die Botschaft der USA in Berlin mit Guerilla-Projektionen bespielt. Sie wenden sich damit “gegen den Abbau gesellschaftlicher und politischer Rechte von Frauen*”, wie es in einer Mitteilung der Gruppe heißt, die uns zugesandt wurde.
Die AfD in Deutschland vertrete konservative und reaktionäre Frauenbilder und fordere „umfangreiche Maßnahmen zur Hebung der Geburtenrate“. Der Kampf gegen Gleichstellung sei fester Bestandteil ihrer Politik. Diese überholte, unzeitgemäße Ideologie widerspreche Freiheit und Selbstbestimmung der Frau.
Gleichzeitig sei die salonfähig gewordene Frauenfeindlichkeit der aktuellen US-Regierung und des Präsidenten, ein nicht zu tolerierender Affront gegen die Gleichheit der Geschlechter und die Errungenschaften der Frauenrechtsbewegung.
Hier das Metronaut zugespielte Bekennerinnenschreiben in voller Länge:
 Wir, das Team Vulvarella, ein Kollektiv feministischer Aktivistinnen, beleuchteten zum internationalen Frauenkampftag die Parteizentrale der AfD, sowie die Botschaft der Vereinigten Staaten von Amerika. Um Mitternacht, pünktlich zum Weltfrauentag am 8.3.2017, wurde der Slogan „Keep Your Agenda Out Of My Vagina“ zunächst auf die Parteizentrale der AfD, und dann auf die US Botschaft projiziert. Wir möchten zum Weltfrauentag eine klare Botschaft für das Recht auf reproduktive und sexuelle Selbstbestimmung von Frauen weltweit senden. ...
https://www.metronaut.de/2017/03/frauentag-guerilla-projektionen-gegen-afd-und-trump/

http://www.berliner-zeitung.de/berlin/weltfrauentag-feministinnen-projizieren-nackte-frau-auf-us-botschaft-und-afd-zentrale-26159526

« Last Edit: June 04, 2017, 01:12:28 PM by Link »

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"Roboter: Dingsbums – Sex mit der Maschine" Thomas Beschorner (6. Juni 2017)
Es geht um Robotersex. Unlängst wurden auf einer Sexmesse in London neue Generationen von Sexrobotern vorgestellt. Die Gummipuppe – ein passives aufgeblasenes Stück Plastik – war gestern. Die modernen Sexroboter sind aktiv und responsiv. Sie reden und interagieren mit ihren Besitzern, sie fragen nach deren Wünschen und sagen, was ihnen selbst gefällt. Die meisten Leser werden wohl auch diese weiterentwickelten Modelle nicht besonders erotisierend finden. Aber die Entwicklung schreitet voran; Technik und Physis der künstlichen Sexpartner werden sich auch künftig noch verbessern.
Für die Hersteller steckt darin ein großes Geschäft. Es ist nicht ausgeschlossen, dass in wenigen Jahren Geräte zur Verfügung stehen werden, die ein physisches Erlebnis von Sex vermitteln, das dem Sex zwischen Menschen in nichts nachsteht. Man kann diese Entwicklung nüchtern als eine Auswirkung der weiter voranschreitende Technologisierung sehen, die immer auch Auswirkungen auf Teile der Sexindustrie gehabt hat, so wie umgekehrt diese technische Entwicklungen oft befördert hat. Was soll daran schlimm sein? Es gibt Vibratoren, Gummipuppen, Penispumpen, Apps, Internetportale und was noch alles. Es sind technische Hilfsmittel zur Befriedigung sexuellen Verlangens, so wie Sexroboter auch.
Der Unterschied zwischen Sexrobotern und klassischem Sexspielzeug ist jedoch nicht gradueller, sondern grundsätzlicher Natur. Künftige Generationen von Sexrobotern werden eine deutlich stärkere physische Ähnlichkeit zu menschlichen Sexpartnern aufweisen. Und durch ihre Fähigkeiten zu Simulation von Kommunikation ähnelt auch der Umgang mit ihnen immer mehr zwischenmenschlicher Interaktion. Ähnlich verhält es sich mit den Entwicklungen von Virtual-Reality-Sex. Es soll sich echt anfühlen, natürlich primär für den Mann: 85 Prozent der (weiblichen wie männlichen) Sexroboter werden von Männern bestellt.
Aktuell können Standardvarianten von Sexrobotern für etwa 10.000 US-Dollar erstanden werden. Individualisierte Modelle gibt es für den circa 10-fachen Preis. Diese können dann ganz den eigenen Wünschen nachempfunden sein und auch realen Vorbildern ähneln: dem Ex-Partner zum Beispiel, oder sogar der eigenen Mutter oder dem Vater. Was sind die Konsequenzen für unser Liebesleben? In der bislang kaum entwickelten akademischen Diskussion gibt es Befürworter wie Kritiker von Robotersex. Die Befürworter argumentieren beispielsweise, dass perfektionierter Robotersex Prostitution (und damit die Ausbeutung von Millionen von Frauen) überflüssig machen könnte. In Barcelona gibt es bereits den weltweit ersten Roboterpuff. Auch könnte womöglich pädosexuelles Verhalten und damit der Missbrauch von Kindern eingedämmt werden. Das erhoffen sich zumindest die Befürworter.
Kritiker hingegen sehen im Sex mit Robotern eine "Verrohung der Sitten", die negative Wirkungen auch auf die zwischenmenschliche Sexualität haben kann. Wer seinen Roboter vergewaltigt, könnte sich daran gewöhnen und irgendwann sexuelle Gewalt auch gegen Menschen ausüben, argumentieren sie. Pädosexuelles Verhalten würde hierdurch nicht reduziert, sondern inspiriert. Feministinnen und Feministen erheben den Vorwurf, Frauen könnten noch stärker als Sexobjekte gesehen werden.   
Empirische Studien zu den Auswirkungen von Robotersex auf die menschlichen Beziehungen gibt es noch nicht. ...
Die ethischen Fragen aber reichen noch weiter. Im vergangenen Jahr lief die Science-Fiction-Serie Westworld auf dem Sender HBO. Basierend auf dem gleichnamigen Roman und späteren Film von Michael Crichton aus dem Jahr 1973 handelt sie von einem Freizeitpark in einem Westen, in dem es sehr wild zugeht. Die Protagonisten sind Roboter, aber kaum vom Menschen unterscheidbar. Die Besucher des Parks sind Menschen, und sie können sich ganz nach Belieben mit den Robotern amüsieren. In Westworld sind Schießereien und Hinrichtungen, Sex, Vergewaltigungen und grausame Quälereien an der Tagesordnung. Genau das macht die Attraktivität des Freizeitparks unter den zahlenden Gästen aus.
Doch einige der Parkbesucher zeigen Empathie für die künstlichen Wesen – und einige Roboter entwickeln etwas, das einem Bewusstsein ähnelt. ...
http://www.zeit.de/wirtschaft/2017-06/sex-roboter-gummipuppe-messe/komplettansicht

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"Vertraglich geregelter Sex: Das Leben ist nun einmal krass" Slavoj Žižek (25.3.2017)
Der letzte kommerzielle Schrei in den USA ist das sogenannte «Affirmative Consent Kit», das online vom «Affirmative Consent Project» für zwei Dollar vertrieben wird: eine kleine Tasche mit einem Kondom, einem Stift, einigen Minzetabletten und einem einfachen Vertrag. Letzterer hält fest, dass beide Parteien darin übereinkommen, einvernehmlichen Sex zu haben.
... Und hier wimmelt es plötzlich von Problemen: Was, wenn eine Frau es leidenschaftlich will, aber zu beschämt ist, es offen auszusprechen? Was, wenn Zwang für beide Partner zum erotischen Spiel gehört? Und selbst wenn der Vertrag unterschrieben ist, auf welche sexuelle Praxis bezieht sich dann dieses «Ja»? Müsste der Vertrag also, recht bedacht, nicht alle möglichen Details aufführen, so dass die grundsätzliche Zustimmung spezifiziert wird: ein «Ja» zu vaginalem, aber nicht zu analem Geschlechtsverkehr, ein «Ja» zur Fellatio, aber nicht zum Schlucken des Spermas.
Man kann sich leicht vorstellen, dass bürokratische Verhandlungen über den Sex jedes sexuelle Begehren im Keim ersticken. Oder die erotische Energie greift gleich auf die Verhandlung selbst über: Das Aushandeln wäre dann bloss ein Vorspiel des eigentlichen sexuellen Aktes, der dann aber natürlich völlig anders als geplant verläuft. Kurzum, Sex bleibt ambivalent, gefährlich und lässt sich nicht einhegen. Bleibt die Frage: Warum wird es dann überhaupt versucht?
Die «Nur Ja meint Ja»-Regel in Bezug auf Sex ist ein exemplarischer Fall für jenes narzisstische Verständnis von Subjektivität, das heute vorherrscht. Das Subjekt wird als ein verletzliches Wesen dargestellt, das des Schutzes in Form komplexer Regeln bedarf, als jemand, der vor allen möglichen Störungen gewarnt werden muss, die ihn heimsuchen könnten.
Dies begann schon früh, wenn auch damals noch weitgehend unbemerkt. Gleich nach seiner Veröffentlichung 1982 wurde Steven Spielbergs Film «E. T.» über einen niedlichen Ausserirdischen in Schweden, Norwegen und Dänemark verboten: Die unvorteilhafte Darstellung von Erwachsenen wurde als gefährlich für die Beziehung zwischen Kindern und ihren Eltern betrachtet.
Aus heutiger Perspektive erweist sich dieses Verbot als frühes Zeichen der politisch korrekten Besessenheit, Individuen vor jeder Erfahrung zu schützen, die sie irgendwie als verletzend empfinden könnten. Die Tendenz, nicht nur die Wirklichkeit, sondern auch die Fiktion zu zensieren, ist längst pandemisch geworden. Prominentestes Beispiel stellt die Aufforderung des Beirats für multikulturelle Angelegenheiten der Columbia University (MAAC) dar, Werke des klassischen Literaturkanons mit Trigger-Warnungen zu versehen. ...
https://www.nzz.ch/feuilleton/sex-verbote-das-leben-ist-nun-einmal-krass-ld.153338
« Last Edit: June 07, 2017, 01:11:30 PM by Link »