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[Emanzipation, Selbstbefreiung, Geschlechterforschung (Notizen)... ]

Started by lemonhorse, October 08, 2008, 04:05:12 PM

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... vermutlich sei einiges davon gerade für viele Männer schwer auszuhalten. ...

QuoteFreitag war Nicole Seifert im Buchladen Eulenspiegel mit ihrem neuen Buch ,,Einige Herren sagten etwas dazu". Mit mir waren schätzungsweise gut 30 Menschen da.

Die Moderation von Angelina Gruschka war etwas merkwürdig, zwar freundlich aber eigentlich ohne jegliche Informationen zu Nicole Seifert.

Diese jedenfalls kann nicht nur hervorragend über das schreiben, zu dem sie dankenswerterweise forscht, sondern ist darüber hinaus eine ebenso unterhaltsame wie kluge Lesende.

Die anschließende Diskussion war für mich überraschend scharf. Es gab kluge Nachfragen, aber auch Angriffe. So sei es aber doch nicht gewesen, sagt ein Herr, der selbst, wie er sagt, seit den 60er Jahren im Verlagswesen tätig gewesen ist, und dort eigentlich immer nur mit Frauen zu tun gehabt hat. Anderen wiederum geht das Aufdecken der Missstände nicht weit genug. Ich bin immer irritiert, wenn das Publikum so übergriffig wird und denkt, es müsste die Autorin über etwas belehren.

Als die Veranstaltung zu Ende ist, sagt B., die ich dort getroffen habe, vermutlich sei einiges davon gerade für viele Männer schwer auszuhalten. Und meint damit, mit diesem Verhalten, mit den Verhältnissen konfrontiert zu werden. Die ihr reines Bild, das sie von sich haben, beschädigen.

Wie auch immer, Seifert selbst erzählte während der Lesung, dass bei ihrer Premierelesung im LCB viele junge Autorinnen anwesend waren, die erzählten, einige der immerhin teilweise fast 80 Jahre zurückliegenden Begebenheiten, selbst erlebt zu haben. Um so wichtiger ist dieses Buch.


Aus: "Einige Herren sagten etwas dazu" muetzenfalterin (30. Juni 2024)
Quelle: https://muetzenfalterin.blogda.ch/2024/06/30/einige-herren-sagten-etwas-dazu/

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Kontext:

QuoteIm meinem neuen Buch wird es um die Autorinnen der Gruppe 47 gehen. Denn bei den legendären Treffen der Nachkriegszeit war Ingeborg Bachmann nicht die einzige Frau – sie war nur die einzige, die anschließend miterzählt wurde. Ilse Schneider-Lengyel, Ruth Rehmann, Gisela Elsner, Barbara König, Gabriele Wohmann, Helga M. Novak und andere gerieten hingegen langsam, aber stetig in Vergessenheit. Kamen sie in einer Geschichte der Gruppe 47 doch mal vor, dann nicht als ernstzunehmende Autorinnen ihrer Texte, sondern als begehrenswerte Körper oder tragische Wesen. In ,,Einige Herren sagten etwas dazu", Die Autorinnen der Gruppe 47, das im Februar 2024 bei KiWi erscheint, setze ich diesen Erzählungen die eigenen Erfahrungen der Frauen bei den Tagungen entgegen, erzähle von ihrem Leben in der Nachkriegszeit und von ihren Texten.
https://nachtundtag.blog/ueber/ (Stand: 07/2024)

https://nachtundtag.blog/2024/02/11/einige-herren-sagten-etwas-dazu/

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Quote[...] Neben mir am Frühstückstisch eines Hotels kämpfen zwei alte Vetteln die Schlachten der 70er noch einmal. Ich bin mal wieder auf Reisen, der Raum ist übersichtlich, das Frühstück üppig, Kaffee schenken sie schnell nach. Ich kann nicht weg. Ich habe Hunger. Ich muss dem Geseier zuhören.

Es geht um Männer. Die sind schlecht. Übel. Das Letzte. Alle. Es geht schon in der Schule los. Ab der sechsten Klasse. Da werden sie schlechter als die Mädchen. Da fehlt es an allem. Intellekt. Fleiß. Wille. So viel Dummheit. Die Mädchen sind den Jungs meilenweit voraus. Merkt man früh. In der Pädagogik. Die Kolleginnen sehen das genauso. Im Kollegium.

Männer sind auch unzuverlässig. Nicht belastbar. Gefühlskalt. Untreu. Alle. Erfahre ich. Bei Frauen sei es ja leider so, dass sie auf den Traumprinzen warten. Den Einen. Den Perfekten. Männer hingegen schauen sich um. Sind Jäger. Sie jagen. Trophäen. Frauen sind ja nur Trophäen. Das müsse man wissen. Sie habe das ja versucht, ihrer Tochter zu vermitteln. Doch die versteht sie nicht. Will jetzt heiraten. Einen Mann. Doch ja, doch weh. Die Jugend muss ja ihre eigenen Fehler machen. Ach wenn sie doch nur, ach würden sie nur ....

Das geht so weiter. Endlos. Ihre Litanei. Frauen besser. Männer schlecht. Also im Grunde das, was Sie quer durch die Redaktionen dieser Republik und nicht zuletzt als Staatsräson immer wieder und vor allem immer noch zum Verinnerlichen aufgebahrt bekommen. Männer fahren schlechter Auto. Männer wollen nicht reden. Schlechte Männer haben schlechte Männer als Vorbilder. Männer sind die schlechteren Chefs. Die schlechteren Ingenieure. Die schlechteren Lehrer. Die schlechteren Polizisten. Die schlechteren Alles. Einfach schlecht.

Ich tunke ein Stück Brötchen in den Kaffee. Es ist guter Kaffee, den sie hier servieren. Sie schenken ihn schnell nach. Wenn ich unterwegs bin, ist mir das morgens wichtig.

Ein junger Typ, den ich vorher null wahrnahm, aber der sich das ausladende Geseier der Vetteln offenbar wie ich die vollen 20 Minuten reingezogen hat, beendet sein Frühstück, steht auf und sagt im Vorbeigehen den Satz des Tages:

,,Bin ich froh, dass Ihre Generation bald abtritt."

Die schöne weiße Tischdecke meines Frühstückstischs hat jetzt Kaffeeflecken. Ich habe mich verschluckt. Muss husten. Kippe Saft nach. Es riecht nach Morgenluft.


Aus: "Hotelvetteln" Der Maschinist in Geisterbahn, Geseier, Nervtöter (02/07/2024)
Quelle: https://maschinist.blog/2024/07/02/hotelvetteln/

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Quote[...] Fast jede vierte junge Frau weltweit, die vor ihrem 20. Geburtstag eine Beziehung hatte, erlebt dabei Gewalt. Das geht aus einer Untersuchung der Weltgesundheitsorganisation (WHO) hervor. Rund 19 Millionen Teenager zwischen 15 und 19 Jahren seien betroffen, heißt es in dem Bericht in der Fachzeitschrift ,,The Lancet Child & Adolescent Health".

Es gibt demnach große regionale Unterschiede: Während im weltweiten Durchschnitt 24 Prozent der jungen Frauen Gewalt erleben, sind es in Mitteleuropa 10 Prozent, in der Region Ozeanien dagegen 47 Prozent und in Afrika südlich der Sahara 40 Prozent. Zur Ozeanien-Region gehören Australien und Neuseeland sowie die kleineren pazifischen Inselstaaten.

Gewalt durch einen Partner habe verheerende Folgen in Bezug auf Gesundheit, schulische und berufliche Leistungen und künftige Beziehungen, betont die WHO. Bei den jungen Frauen steige das Risiko für Depressionen, Angststörungen, ungewollte Schwangerschaften, Geschlechtskrankheiten und psychische Probleme.

Tendenziell sei das Problem in ärmeren Ländern und Regionen größer, ebenso dort, wo weniger Mädchen zu weiterführenden Schulen gehen. Auch wo Mädchen schon vor dem 18. Geburtstag verheiratet werden, seien die Risiken hoch, weil die Männer oft deutlich älter seien. Dadurch entstehe ein Machtgefälle, und die Mädchen seien isoliert. Eins von fünf Mädchen weltweit werde vor ihrem 18. Geburtstag verheiratet.

Die WHO verlangt Aufklärung von Jungen und Mädchen in der Schule über gesunde Beziehungen und stärkere Mädchen- und Frauenrechte. Sie hatte Daten aus den Jahren 2000 bis 2018 über Gewalt gegen Frauen aus 161 Ländern ausgewertet und betrachtete für den Bericht die Erfahrungen von 15- bis 19-jährigen jungen Frauen.  (dpa)


Aus: "Rund 19 Millionen Teenager weltweit: Ein Viertel junger Frauen in Beziehungen erlebt Gewalt" (30.07.2024)
Quelle: https://www.tagesspiegel.de/gesellschaft/panorama/rund-19-millionen-teenager-weltweit-ein-viertel-junger-frauen-in-beziehungen-erlebt-gewalt-12109943.html

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"Großbritannien : "Extremer Frauenhass" soll als Terrorismus eingestuft werden" (18. August 2024)
Gewalt gegen Frauen und Mädchen soll in Großbritannien als Bedrohung der nationalen Sicherheit behandelt werden. Laut Polizei nahmen entsprechende Gewalttaten stark zu. ... Die neue britische Regierung will extreme Frauenfeindlichkeit künftig als Form des Terrorismus behandeln. Das meldet die Zeitung Sunday Telegraph unter Berufung auf die Pläne zur Bekämpfung der Onlineradikalisierung junger Männer von Innenministerin Yvette Cooper.  ...
https://www.zeit.de/politik/ausland/2024-08/grossbritannien-frauenhass-misogynie-terrorsismus-radikalisierung

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Quote[...] Schon bei der Planung der Mordserie soll der Soldat wie bei einer militärischen Aktion vorgegangen sein. Primäres Ziel: der neue Partner und die beste Freundin seiner Ehefrau. Sekundäres Ziel: die Eltern des neuen Partners. In der Kaserne habe er seine Waffen geladen, sich mit Molotow-Cocktails und Nebeltopf ausgerüstet.

Nachts sei er wie beim Häuserkampf in die Häuser der Opfer eingedrungen. Dann fallen Schüsse. Am Ende sind vier Menschen tot. So schildert es die Staatsanwältin zu Prozessbeginn am Landgericht Verden. Sie wirft dem Deutschen Mord vor – heimtückisch und aus niedrigen Beweggründen.

Mit erhobenem Haupt betritt der Angeklagte die Stadthalle in Verden, die für den Prozess extra zum Gerichtssaal umfunktioniert wurde. Die Haare akkurat gescheitelt, ohne sein Gesicht vor den Kameras zu verstecken. Als die Richterinnen und Richter den Saal betreten, steht er stramm. Die Fragen des Gerichts zu seinen persönlichen Angaben beantwortet er mit einem knappen, aber klar verständlichen ,,Richtig". Zu den Vorwürfen gegen ihn verliert er kein Wort.

So trägt am ersten Verhandlungstag nur die Staatsanwältin den Anklagesatz vor, ein Ausschnitt der mehr als 50-seitigen Anklage. Elf Minuten lang schildert sie das mutmaßliche Vorgehen des Fallschirmjägers. Sie berichtet von ,,ehelichen Differenzen", weil der Angeklagte gefühlskarg und wegen seiner Arbeit bei der Bundeswehr nicht oft bei seiner Ehefrau und dem vierjährigen Sohn gewesen sei.

Für das Scheitern der Ehe habe er Menschen aus dem Umfeld seiner Frau verantwortlich gemacht: ihre beste Freundin, ihren neuen Partner und dessen Eltern. Er habe sich an ihnen rächen und verhindern wollen, dass sie weiter Kontakt zu seinem Sohn haben.

Bei einem sogenannten Stellvertreter-Femizid bestrafe der Täter seine Partnerin, in dem er ihr nahestehende Menschen töte, erklärt Johanna Wiest, Referentin für Häusliche und Sexualisierte Gewalt bei der Frauenrechtsorganisation Terre de Femmes. Die Frau sei das eigentliche Opfer, werde aber am Leben gelassen.

,,Stellvertreter-Femizide sind eine besonders perfide Form der psychologischen Gewalt gegen die Ex-Partnerin." Dabei gebe es meist um vermeintliche Besitzansprüche, die auf einem patriarchalen Weltbild beruhen. ,,Der Moment der Trennung wird vom Täter als Kontrollverlust erlebt, dem er mit der höchsten Form der Macht- und Kontrollausübung begegnet – der Auslöschung eines oder mehrerer Leben."

Nach Angaben des Bundeskriminalamts wurden im vergangenen Jahr 155 Frauen von ihrem Partner oder Ex-Partner in Deutschland getötet. Zahlen zu Stellvertreter-Femiziden gibt es nicht, weil keine Daten dazu erhoben werden. Es liegen nur die Erkenntnisse eines Forschungsprojekts vor, das von der Europäischen Union gefördert wurde: Laut dem FEM-UNITED Comparative Report werden bei zwölf Prozent der in Deutschland erfassten Femizide weitere Menschen getötet - etwa Kinder oder neue Partner.

Der ausgebildete Fallschirmjäger der Bundeswehr sei wie bei einer militärischen Aktion vorgegangen, sagte die Staatsanwältin. Er habe aus vier Sektflaschen und Benzin Molotowcocktails gebastelt und sich mit einer halbautomatischen Pistole, einem Selbstladegewehr, Munition und einem Spalthammer bewaffnet. Dann sei er aufgebrochen, um seine Opfer im Schlaf zu überraschen.

Laut Anklage drang der damals 32-Jährige zuerst in ein Einfamilienhaus in Scheeßel ein, wo der neue Partner seiner Frau mit seinem sechsjährigen Sohn und seinen Eltern lebte. Dort soll er die schlafende, 55-jährige Mutter mit zwei gezielten Schüssen in den Hinterkopf umgebracht haben. Von den Geräuschen sei der 30-jährige Sohn aufgewacht, er habe noch versucht zu fliehen. Doch der Angeklagte habe mindestens zehnmal auf ihn geschossen, der Mann starb sofort.

Anschließend sei der Angeklagte zum Haus der besten Freundin seiner Frau gefahren, in die nur wenige Kilometer entfernte Gemeinde Bothel. Nach Angaben der Staatsanwältin öffnete er das Badezimmerfenster mit dem Spalthammer und feuerte blind fünf Schüsse ab.

Die 33-Jährige sei in Panik in das Zimmer ihrer dreijährigen Tochter gestürmt. Sie habe das schlafende Mädchen in den Arm genommen und habe noch versucht, den Soldaten von seinen Plänen abzubringen – ohne Erfolg. Mindestens 14 Mal soll er aus kurzer Distanz auf die Mutter und ihr Kind geschossen haben. Beide starben auf dem Kinderbett.

Nach der Mordserie soll der Angeklagte zu einem See in Rotenburg an der Wümme gefahren sein. Dort habe er einst seine Frau kennengelernt, berichtete die Staatsanwältin. Er habe seine Waffen abgelegt und vier Flaschen Bier getrunken. Später soll er sich vor der Kaserne in Rotenburg gestellt haben.

Schon zu Beginn des Prozesses steht fest: Der Angeklagte muss mit einer langen Haftstrafe rechnen. Der Vorsitzende Richter erteilt noch in der ersten halben Stunde den rechtlichen Hinweis, dass in dem Fall eine besondere Schwere der Schuld festgestellt werden könnte.

Und die Staatsanwältin erwägt eine Sicherungsverwahrung, damit wäre der mutmaßliche Täter auch nach dem Absetzen seiner Haftstrafe nicht auf freiem Fuß. Für die Verhandlung sind 35 Tage angesetzt, ein Urteil könnte Ende März fallen. (dpa)


Aus: "Stellvertreter-Femizid mit Waffen, Molotow-Cocktail und Nebeltopf: Soldat wegen akribisch geplanter Mordserie vor Gericht" (21.08.2024)
Quelle: https://www.tagesspiegel.de/gesellschaft/panorama/stellvertreter-femizid-mit-waffen-molotow-cocktail-und-nebeltopf-soldat-wegen-akribisch-geplanter-mordserie-vor-gericht-12236285.html

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Quote[...] Eine Frau ist am Freitagabend von einem Mann in Friedrichsfelde erstochen worden. Die Tat soll sich im Hausflur eines Hochhauses ereignet haben. Die ,,B.Z." berichtete zunächst [https://www.bz-berlin.de/polizei/frau-niedergestochen-tot-messer].

Demnach soll die 28-Jährige gegen 22.30 Uhr mehrere Messerstiche erlitten haben. Anwohner sollen sie noch vor Ort in der Dolgenseestraße reanimiert haben. Rettungskräfte brachten die Frau in ein Krankenhaus, wo sie kurz darauf verstarb. Bei dem Opfer soll es sich um eine zweifache Mutter handeln.

Der 45-jährige mutmaßliche Täter konnte in der Hauptstraße Ecke Schlichtallee festgenommen werden. Eine Blutspur soll die Polizisten vom Tatort bis zum rund 700 Meter entfernten Betriebsbahnhof Rummelsburg geführt haben, anscheinend hatte sich der Täter ebenfalls verletzt. Er wurde in Polizeigewahrsam genommen.

Laut Anwohnern sei es in der Wohnung der Frau mehrfach zu Fällen der häuslichen Gewalt gekommen. Die Mordkommission hat die Ermittlungen aufgenommen. Die Hintergründe sowie die Opfer-Täter-Beziehung seien noch unklar.

Erst vor wenigen Tagen ist eine Frau in Zehlendorf vor ihrem Haus erstochen worden. Die Frau hatte sich zuvor von ihrem gewalttätigen Mann getrennt und versuchte, sich sowie die vier Kinder per Gerichtsbeschluss in Sicherheit zu bringen. Doch der Ex-Mann lauert ihr auf, tötet sie brutal mit mehreren Messerstichen. ,,Ein Femizid", sagt die Staatsanwaltschaft. (Tsp)



Aus: "Messerattacke in Friedrichsfelde: Frau in Hausflur erstochen" (31.08.2024)
Quelle: https://www.tagesspiegel.de/berlin/messerattacke-in-friedrichsfelde-frau-in-hausflur-erstochen-12290825.html

QuoteRalpholo
31.08.24 12:24

... Meine Mutter war Gewalt ausgesetzt, die meines Freundes ebenfalls und er als Kind auch. Ein Schulkameradin wurde vergewaltigt und und und damalige Antwort von einigen: "na wenn diese sich so kleidet" (kann man es ja machen und diese ist selber Schuld). Und nicht in einem Problembezirk ! Was war da vor 30 Jahren besser ? Die Gemeinsamkeiten all jener Fälle im Bekanntenkreis, bis ich 18 Jahre alt war, waren: Bestimmte Männer, die Gewalt ausüben, androhen und es als rechtens ansehen, Alkohol und gesellschaftlich von der Mitte bis Rechts in der Gesellschaft geduldet und akzeptiert falls überhaupt wahrgenommen. Alles mußte erkämpft werden gegen diese "alte Ordnung". ...


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Quote[...] Trauer um Rebecca Cheptegei: Die Olympia-Läuferin aus Uganda ist an ihren schweren Brandverletzungen gestorben. "Wir haben vom traurigen Ableben unserer olympischen Athletin Rebecca Cheptegei erfahren... nach einem bösartigen Angriff durch ihren Freund", schrieb Donald Rukare, Präsident des Olympischen Komitees Ugandas, bei X.

Cheptegei war am Sonntag von ihrem ehemaligen Lebenspartner mit Benzin übergossen und angezündet worden, danach wurde die 33-Jährige in einem Krankenhaus in Kenia auf der Intensivstation behandelt. Nun erlag die Läuferin, die bei Olympia in Paris im Marathon den 44. Platz belegt hatte, ihren Verletzungen.

Wie die Polizei am Dienstag mitgeteilt hatte, wurde Cheptegei in ihrem Haus von ihrem kenianischen Ex-Freund Dickson Ndiema Marangach attackiert. Der Mann hatte sich ersten Erkenntnissen zufolge mit Benzin in das Haus in Endebess im Westen Kenias geschlichen, als Cheptegei mit ihren Kindern in der Kirche war. Bei ihrer Rückkehr habe er sie mit dem Benzin übergossen und angezündet, hieß es im Polizeibericht. Auch Marangach selbst sei durch die Flammen verletzt worden.

 Nachbarn hätten die beiden gerettet und in ein nahegelegenes Krankenhaus gebracht. Von da aus wurden Cheptegei in eine andere Klinik verlegt, wo sie am Montag auf die Intensivstation verlegt wurde. Medienberichten zufolge waren 75 Prozent ihrer Hautoberfläche verbrannt. Im Polizeibericht wurden keine Angaben dazu gemacht, ob auch Cheptegeis Kinder verletzt wurden. Cheptegei und Marangach hatten demnach schon öfter Streit gehabt.

In Kenia ist Gewalt gegen Frauen weit verbreitet: Offiziellen Statistiken zufolge hat gut jede dritte Frau ab 15 Jahren schon körperliche Gewalt erlebt. Verheiratete Frauen sind besonders gefährdet, dem kenianischen Statistikamt zufolge wurden 41 Prozent der verheirateten Frauen und 20 Prozent der unverheirateten Frauen Opfer von Gewalt.

Quelle: ntv.de, sue/sid


Aus: "Von Partner angezündet - Olympia-Läuferin erliegt Brandverletzungen" (05.09.2024)
Quelle: https://www.n-tv.de/sport/Von-Partner-angezuendet-Olympia-Laeuferin-erliegt-Brandverletzungen-article25206233.html


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Quote[...] Gewalt an Frauen - Jede dritte Frau ist in Österreich ab ihrem 15. Lebensjahr körperlicher und/oder sexueller Gewalt ausgesetzt, das ergab eine Befragung der Statistik Austria. Monatlich werden in Österreich im Schnitt drei Frauen ermordet, zählt der Verein Autonome Österreichische Frauenhäuser (AÖF). Die Täter stehen häufig in einem Beziehungs- oder Familienverhältnis zum Opfer und haben nicht gelernt, Konflikte gewaltfrei zu lösen.

Gewalt von Männern gegen Frauen gibt es in allen sozialen Schichten, Nationen, Familienverhältnissen und Berufsgruppen. Morde an Frauen werden auch als Femizide bezeichnet. Der Begriff soll ausdrücken, dass hinter diesen Morden oft keine individuellen, sondern gesamtgesellschaftliche Probleme wie etwa die Abwertung von Frauen und patriarchale Rollenbilder stehen.

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Washington – Ein langjähriger CIA-Mitarbeiter ist in den USA zu 30 Jahren Haft verurteilt worden, weil er mehr als zwei Dutzend Frauen unter Drogen gesetzt und sexuell missbraucht hat. Während seiner Zeit als Regierungsmitarbeiter im Ausland habe der heute 48-Jährige "ahnungslose Frauen in seine von der Regierung gemietete Wohnung gelockt und sie unter Drogen gesetzt", berichtete das US-Justizministerium. Danach habe er sie ausgezogen, sexuell missbraucht und Aufnahmen davon angefertigt.

Die Vorfälle ereigneten sich demnach unter anderem in Mexiko-Stadt. Der Mann aus Kalifornien habe versucht, die Fotos und Videos zu löschen, nachdem er von den strafrechtlichen Ermittlungen erfahren hatte. Mit dem am Mittwoch ergangenen Urteil stelle man nun sicher, dass der Täter einen erheblichen Teil seines restlichen Lebens hinter Gittern verbringe und lebenslang als Sexualstraftäter geführt werde. Zusätzlich zu der Haftstrafe werde er lebenslang unter Aufsicht gestellt und müsse 260.000 Dollar Entschädigung an die Opfer zahlen.

Dies erinnert an einen grausamen Fall, der zurzeit vor einem Gericht in Frankreich verhandelt wird. Ein 72 Jahre alter Mann soll seine inzwischen von ihm geschiedene Frau während knapp zehn Jahren immer wieder mit Medikamenten betäubt haben. Dann soll die Frau vor seinen Augen von fremden Männern vergewaltigt worden sein. Für den Missbrauch drohen den 50 Angeklagten sowie dem Ehemann bis zu 20 Jahre Haft.


Aus: "Ex-CIA-Agent betäubte Frauen und filmte Missbrauch" (APA, 19.9.2024)
Quelle: https://www.derstandard.at/story/3000000237189/ex-cia-agent-bet228ubte-frauen-und-filmte-missbrauch


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Quote... Die 22-jährige Giulia Cecchettin aus Vigonovo war eine Studentin der Medizintechnik an der Universität Padua. Seit etwa 2021 war sie mit Filippo Turetta, einem Kommilitonen aus Torreglia, liiert. Im Sommer 2023 trennte sich das Paar; Filippo sei der jungen Frau, die kurz vor ihren Abschlussprüfungen stand, zu besitzergreifend geworden. ... Er habe die Tat gestanden und vor der Staatsanwaltschaft ausgesagt, dass er etwas Schreckliches getan habe, aber dass Giulia niemand anderem hätte gehören können. ...

Quelle: https://de.wikipedia.org/wiki/T%C3%B6tung_von_Giulia_Cecchettin (8. Juli 2024)

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Quote[...] Oft habe ich das Gefühl, ich schreie gegen die Wand. Eine Wand, die verhindert, dass mein Schreien durchdringt, sondern es lediglich reflektiert und mir selbst um die Ohren haut. Dieses Gefühl teile ich mit allen, die journalistisch, juristisch oder aktivistisch zu Gewalt gegen Frauen arbeiten. Denn jeden Tag werden Frauen und Queers weltweit geschlagen, vergewaltigt und getötet. Misogyne Gewalt ist Teil unseres gesellschaftlichen Alltags, doch einen Großteil scheint das nicht zu interessieren. Denn egal wie laut wir schreien, es ändert sich nichts.

https://taz.de/Gewalt-gegen-Frauen/!6032478/

Immer wieder gibt es kleine Momente, in denen Feminist_innen durchdringen. Meist dann, wenn ein großer #MeToo-Fall oder ein Femizid an die Öffentlichkeit gelangt. Für kurze Zeit sind dann alle ganz erschrocken und fragen: Wie konnte das so lange im Verborgenen bleiben? Wieso konnte das nicht verhindert werden?

So ein Moment ist jetzt gerade wieder: Große Medien berichten gehäuft über misogyne Gewalt und fürchten sich nicht mehr davor, den Begriff ,,Femizid" zu nutzen. Und auch in den sozialen Medien ist die Empörung laut.

Ein Fall, an dem sich das entzündet, ist die Festnahme von Sean Combs, besser bekannt als P. Diddy, am vergangenen Montag wegen des Verdachts, eine ,,kriminelle Unternehmung" zu betreiben. Er soll über Jahrzehnte Frauen missbraucht, bedroht und genötigt haben, seine sexuellen Wünsche zu erfüllen. Dafür soll er mithilfe von Angestellten ein ganzes System aufgebaut haben, damit seine Gewalttaten nicht an die Öffentlichkeit kommen.

Die Vorwürfe gegen Combs sind seit Längerem bekannt. Im Mai veröffentlichte CNN ein Video, in dem zu sehen ist, wie er seine Ex-Freundin Casandra Ventura zu Boden schlägt, auf sie eintritt und sie anschließend über den Hotelflur zerrt. Es ist grausam, diese Szene anzugucken. Noch grausamer ist lediglich das Wissen, dass es noch viel gewaltvollere Vorwürfe gegen den Rapper und Unternehmer gibt. Combs hat vor Gericht unschuldig plädiert, er muss bis zum Prozessbeginn in Haft bleiben, weil er eine ,,extreme Gefahr" für die Gesellschaft darstelle.

https://edition.cnn.com/2024/05/17/entertainment/sean-combs-cassie-ventura/index.html

Der Fall P. Diddy ist nur die aktuellste Schreckensnachricht in einer ganzen Reihe von Meldungen, die seit Wochen auf uns einprasseln. Wie der Tod der olympischen Läuferin Rebecca Cheptegei, sie wurde von ihrem Ex-Freund angezündet. Oder die ehemalige Miss-Schweiz-Finalistin, die von ihrem Mann mit einem Messer getötet und anschließend mit einer Gartenschere zerlegt wurde und deren Körperteile im Stabmixer zerkleinert wurden.

Und dann ist da noch dieser Prozess in Frankreich, der Grausamkeiten offen legt, die kaum zu begreifen sind. Ein Mann hat über neun Jahre hinweg seine Ehefrau Gisèle Pélicot unter Drogen gesetzt und sie dann entweder selbst vergewaltigt oder auf einer Website zur Vergewaltigung angeboten. Mit dem geständigen Ehemann sind 50 weitere Männer angeklagt, sie sind Journalisten, Krankenpfleger, Informatiker, Feuerwehrmänner. Über 200 Mal soll Pélicot vergewaltigt worden sein, sie selbst wusste wegen Erinnerungslücken durch die Drogen nichts davon. Erst Videos, die die Polizei sicherstellte, ließen sie begreifen, was passiert war. Statt zu schweigen, geht sie mit ihrem Gesicht und ihrer Geschichte in die Öffentlichkeit – im Namen aller Frauen, die sich nicht erinnern können. Dafür bekommt sie international Anerkennung und Respekt – vor allem von Frauen.

https://taz.de/Vergewaltigungsprozess-in-Frankreich/!6032713/

All die genannten Fälle mögen nicht direkt vor oder hinter unserer Haustür passiert sein, aber das heißt nicht, dass nicht auch hier in Deutschland geschlagen, vergewaltigt und getötet wird: Mittlerweile wird fast jeden zweiten Tag eine Frau von ihrem (Ex-)Partner getötet. Ich könnte jetzt weiter eine Statistik nach der anderen runterbeten, doch letztlich zeigen sie alle das Gleiche: Wir alle kennen Frauen, die Gewalt erfahren, und wir alle kennen Männer, die gewalttätig sind.

Die Taten können passieren, weil andere mitmachen, das System stützen oder wegschauen. Im Fall von Pélicot sind es die 90 Männer, die sie vergewaltigt haben. Aber auch die Plattform, die es erlaubt hat, das Angebot des Ehemanns online zu stellen. Es sind die Ärzt_innen, die sie wegen Schmerzen im Unterleib konsultierte, die aber trotz Entzündungen nicht hellhörig wurden.

Die aktuelle Empörung über all diese Gewalttaten in etablierten wie sozialen Medien ist richtig. Doch im Regelfall ebbt sie nach ein paar Tagen oder Wochen wieder ab, ohne dass sich irgendetwas verbessert hat. Doch wenn uns das Leben von Queers und Frauen etwas wert ist, dann dürfen wir den Moment nicht an uns vorbeiziehen lassen – wir müssen ihn nutzen.

Wir müssen noch lauter schreien, damit die Regierung zum Handeln gezwungen wird. Wir müssen mehr werden, die schreien, damit wir misogyne Strukturen aufbrechen. Allein werden Feminist_innen das nicht schaffen. Jetzt sind vor allem die gefragt, die bislang geschwiegen haben – und das sind vor allem Männer.


Aus: "P. Diddy ist kein Einzelfall: Das Schweigen der Männer" Kommentar von Carolina Schwarz (20.9.2024)
Quelle: https://taz.de/P-Diddy-ist-kein-Einzelfall/!6035914/

QuoteJim Hawkins
Freitag, 23:41

An all die edlen Männer, die nur andere edle Männer in ihrem Umfeld haben, Gewalt fängt nicht da an, wo die Fäuste fliegen, sondern früher.

Etwa beim emotionalen, beim seelischen Missbrauch, beim installieren von ungleichen Verhältnissen, beim öffentlichen Bloßstellen, bei dem, was etwas Widerlinge wie Andrew Tate lehren, die bedauerlicherweise viele Fans und Nachahmer haben.

Sieht man die Sache so, ergibt sich vielleicht manchmal ein anderes Bild.


QuoteStefan L.
Freitag, 13:17

So richtig Ihr Kommentar ist, dem Satz kann ich nicht zustimmen:

"Wir alle kennen Frauen, die Gewalt erfahren, und wir alle kennen Männer, die gewalttätig sind."

Nein, ich kenne (persönlich) weder weibliche Opfer noch gewalttätige Männer. Das mag ein ganz subjektiver Blick aus meiner Komfort-Blase sein, ist aber so und betrifft recht viele meiner Bekannten.


QuoteMartinSemm
Freitag, 13:10

Sorry, aber die Aussage "Wir alle kennen Frauen, die Gewalt erfahren, und wir alle kennen Männer, die gewalttätig sind." ist schlicht falsch. Es gibt bestimmt in meinem Bekanntenkreis Frauen die schonmal Gewalt erfahren haben aber ob in meinem relativ kleinen Bekanntenkreis eine Frau aktuell Gewalt erfährt wage ich zu bezweifeln. Und ob einer meiner näheren bekannten Männer gewalttätig ist wage ich stark zu bezweifeln. Kurz: Liebe Autorin, man sollte nicht von sich auf andere schließen.


QuoteSonderzeichen
Samstag, 11:23

@Stefan L. Die so wichtige Frage ist: KENNT man keine Gewalt im Umfeld - oder GIBT es keine Gewalt im Umfeld?

In vielen Kreisen spricht man einfach nicht darüber. Oder es wird schnell abgetan und ignoriert.
Das kann in gutbürgerlichen Kreisen ebenso passieren wie in einer "good-vibes-only"-bubble oder oder oder....
Die Abwesenheit der Kenntnis ist nicht unbedingt die Abwesenheit von Gewalt.

Sei es physisch oder auch psychisch.

Und meiner Erfahrung nach ist psychische Gewalt nochmals deutlich verbreiteter.
Die FURCHT vor körperlicher Gewalt reicht ja oft schon.
Ein Schwächegefühl das der Angreifer erzeugt - so dass sich das Opfer gar nicht erst traut sich zu wehren.
Menschen können grausam sein.


...

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Quote[...] Frauen haben patriarchale Zwänge und Ausbeutung satt. Das wird bei einer Lesung von Sex-Kolumnen aus dem ,,Missy Magazine" in der Volksbühne deutlich.

,,Fickt Euch! Fickt Euch! Fickt Euch!" plärren die neon-gelben Plakate an der Fassade der Volksbühne. Provokant? Nicht für die Berliner Jugend, die am Mittwochabend mit Vokuhila, in Bomberjacke und Adidas-Tracksuits auf den Stufen der Volksbühne hocken. Piccolo in der einen, Zigarette in der anderen Hand, genießen sie die laue Spätsommernacht, bevor sie in den 50er-Jahre-Bau treten, wo Dildos in Eiscremeform und must-reads, wie ,,The ultimate guide to anal sex for men" warten.

,,Wir kennen kein Shaming. Keine Tabus!", ruft Amina Aziz, Co-Chefredakteurin des feministischen Missy Magazines und Moderatorin des Abends. Auf der Leinwand hinter ihr haben zwei animierte Personen Sex, eine Discokugel taucht den Roten Salon in tanzende Lichter. ,,Das ist für eine Leserschaft, die abseits von Dr. Sommer in der Bravo, Brigitte oder Vogue über Sex lesen will", sagt Aziz. Und die scheint groß zu sein: Der Saal ist bis auf den letzten Platz gefüllt. 800 Personen warten gierig auf die Lesung aus der Sex-Kolumnensammlung ,,Fickt Euch!" des Missy Magazines.

,,Es geht um Sex mit Behinderung und chronischer Erkrankung, um Schwarze und dicke Körper, Sexarbeit, Hämorrhoiden und darüber, bottom zu sein", kündigt Aziz an. Als erste betritt Mithu Sanyal, Autorin und Aktivistin, die Bühne mit einem pinken Vulva-Hut, der in Flammen steht. ,,It's on fire!", ruft sie begeistert.

Seit der Veröffentlichung ihres Buches ,,Vulva" im Jahr 2009 habe sich einiges geändert. ,,Heutzutage fragen nur noch die wenigsten, ob das ein Fluss in Russland ist, über den ich schreibe", bemerkt Sanyal trocken. In ihrem Text klärt sie über den Mythos Jungfernhäutchen auf: ,,Es wird dargestellt, als gäbe es eine Plastikplane davor – wie Früchte, die im Supermarkt mit einer Plastikfolie umspannt sind, um zu beweisen: Die hat noch keiner anderer angefasst", sagt sie lachend.

Mit ihr auf der Bühne sitzt Mean Goddess. Die Domina erzählt: ,,Mit 7 Jahren habe ich angefangen, auf Vox nach 23 Uhr Softporn zu ballern." Mit sanfter Stimme liest sie, umgeben von elektronischen Kerzen, auf der in Rauch gehüllten Bühne: ,,Dämonen, böse Geister, Okkultes, der Teufel und alles Paranormale haben mich schon immer extrem angezogen." Warum stigmatisieren? ,,It's just a fantasy." Ihre größte Fantasie: ,,Als überdimensionaler Mean-Goddess-Dämon cis het men verschlingen, wie die lächerlichen Snacks, die sie sind."

Die Vorstellung wird mit tosendem Applaus belohnt – der weiter zunimmt, als die Bühne vom Black Sex Workers Collective übernommen wird, einer Initiative, die sich für die Gleichberechtigung von Sexarbeiter*innen einsetzt. ,,Wir werden sowieso sexualisiert, warum sollten wir uns nicht selbst sexualisieren? Wir beuten die Ausbeutung durch weiße Vorherrschaft und cis-heteronormative Strukturen selbst aus", erklingt eine Stimme, während eine Frau in leuchtendem orangem Dessous sich geschmeidig auf der Bühne bewegt.

Aus den Lautsprechern dröhnt die US-amerikanische Sängerin Billie Eilish: ,,I wanna try it, bite it, lick it, spit it!" In dem Lied wird sie gefeatured von der britischen Sängerin Charli XCX, die nach dem Titel ihres Albums ,,brat" den ,,brat summer" (Gören-Sommer), ausrief: frech, rotzig, chaotisch und ungeniert.

Brat ist auch Laura Méritt, die Berlins ältesten Sexshop ,,Sexclusivitäten" in Kreuzberg betreibt. ,,Sex ist noch immer so normiert. Wir müssen uns dekonditionieren und für uns selbst definieren, was uns glücklich macht", sagt die Sexologin und Autorin. In ihrem Text spricht sie über Analduschen und sicheren Anal Sex, damit man ,,unbekümmert rumschlabbern und zur Möse wandern kann". Méritts Fazit: ,,Am Ende ist eh alles für den Arsch."

Nachdem Hengameh Yaghoobifarah, langjähriger Betreuer der Sexkolumne, abschließend den Text ,,Fagdyke" über schwulen Sex als Lesbe, vorliest, stürmen die Rapperinnen Bounty und Cocoa auf die Bühne. Mit ihrem Track ,,Macht Platz für die Bitches!" bringen sie den Saal zum Beben. Es ist ein gebührender Abschluss vom ,,brat summer". Charli XCX wäre stolz.


Aus: ",,Fickt euch!" als Lifestyle" Kolumne von Lilly Schröder (28.9.2024)
Quelle: https://taz.de/Sex-Kolumnen-an-der-Berliner-Volksbuehne/!6036545/


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Quote[...] Sie wollte mit ihrem neuen Freund in den Urlaub fahren. Doch ihr Ex-Partner, mit dem die 34-Jährige wegen der gemeinsamen Tochter noch unter einem Dach lebte, griff am Morgen an. ,,Ich habe ihr das Messer über den Hals gezogen", gestand Sascha K. am Freitag vor dem Berliner Landgericht. Er sei ,,sauer" gewesen, weil sie nicht mit ihm geredet habe.

Die Anklage lautet auf Mord. Heimtückisch und aus niedrigen Beweggründen habe der 35-Jährige die Frau umgebracht – ,,aus massiver Eifersucht und übersteigertem Besitzdenken", so die Staatsanwaltschaft. Sascha K. habe die Trennung und die neue Beziehung seiner Ex-Partnerin nicht akzeptieren wollen.

Gina S. hatte sich bereits 2022 von K. getrennt. Er blieb jedoch, schlief im Schlafzimmer. Seit Ende 2022 sei ihm klar gewesen, dass sie einen neuen Freund hatte, sagte der Angeklagte. Auch er habe eine neue Beziehung gesucht.

Doch er hatte seine Ex-Partnerin weiter im Blick. Ob er heimlich in ihr Handy geschaut habe, fragte der Vorsitzende Richter. ,,Am Anfang, bis sie die PIN änderte", gab K. zu. Einmal hatte er Chlorreiniger in den Lippenbalsam gemischt – ,,damit sie einen Ausschlag bekommt".

Am Morgen des 3. Juni kam er in ihr Zimmer in der Köpenicker Wohnung, wollte reden. ,,Sie schickte mich weg", so der Angeklagte. Sie habe ihn vertröstet: ,,Ich komme gleich." Schließlich habe er das Messer genommen. Gina S. saß vor dem Kleiderschrank, als er sie an den Haaren packte und ihr einen langen Kehlschnitt versetzte. Sie verblutete. Die Tochter habe ihre tote Mutter nicht gesehen, sagte der Vater.

Nach der Tat schrieb er vom Handy der Getöteten eine Nachricht an ihren neuen Partner und sagte in ihrem Namen die Reise ab. Der Mann aber machte sich Sorgen und alarmierte die Polizei. Die Verteidigerin sagte, es sei keine geplante Tat gewesen, Sascha K. habe ,,spontan" in der aufgeheizten Situation gehandelt. Der Prozess geht am 7. Oktober weiter.


Aus: "Femizid aus Eifersucht: 35-Jähriger gesteht vor Berliner Landgericht tödlichen Messerangriff auf Ex-Freundin" Kerstin Gehrke (27.09.2024)
Quelle: https://www.tagesspiegel.de/berlin/femizid-aus-eifersucht-35-jahriger-gesteht-todlichen-messerangriff-an-ex-freundin-12450572.html


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Quote[...] Essen – 31 Verletzte haben zwei Brände in zwei Mehrfamilienhäusern in Essen im deutschen Bundesland Nordrhein-Westfalen am Samstagnachmittag gefordert, darunter acht Kinder. Ein 41-jähriger Verdächtiger befindet sich bereits in Haft, wie die Polizei am Sonntag mitteilte. Der Mann soll aus Frustration über eine Trennung die beiden Häuser angezündet haben. Ein politisches Motiv schließen die Behörden derzeit aus.

Der Mann soll mit Brandbeschleuniger Feuer in den zwei Mehrfamilienhäusern im Essener Norden gelegt haben. Gegen den 41-jährigen Syrer wird nun anderem wegen schwerer Brandstiftung und versuchten Mordes ermittelt.

Sein Motiv sei gewesen, dass seine Frau sich von ihm getrennt habe. Aus Frustration darüber habe er Personen töten wollen, die seine Frau unterstützten. Der Essener mit syrischer Staatsbürgerschaft sei zuvor schon wegen Bedrohung und Sachbeschädigung in Erscheinung getreten. Laut dem nordrhein-westfälischen Innenminister Herbert Reul waren die Taten nach aktuellem Erkenntnisstand "das Werk eines Mannes, welcher möglicherweise die Trennung seiner Ex-Frau nicht verkraftet" habe. Der Anwalt des Verdächtigen äußerte sich ähnlich. Wahrscheinlich komme noch eine psychische Störung dazu, sagte er.

Die Brände brachen den Angaben zufolge kurz nacheinander um kurz nach 17.00 Uhr in zwei Mehrfamilienhäusern in den Stadtteilen Altenessen und Stoppenberg aus. Die Feuerwehr brachte die Menschen aus den Häusern teils über Leitern in Sicherheit, weil die Treppenhäuser durch das Feuer nicht mehr passierbar waren. Vor dem Eintreffen der Rettungskräfte hatten Nachbarn an einem der Häuser schon Bauleitern an die Wand gestellt. Diese seien aber zu kurz gewesen, sagte der Feuerwehrsprecher. "Das hat aber dazu geführt, dass, als wir ankamen, schon Leute an den Fenstern hingen, Kinder rausgehalten haben." Die Lage sei "dramatisch" gewesen. Die Feuerwehrleute hätten dann zunächst ein Sprungpolster ausgebreitet, das aber nicht zum Einsatz gekommen sei.

In der Spitze seien rund 160 Einsatzkräfte beteiligt gewesen. Zwei große Brände, die parallel bekämpft werden müssen, seien auch für eine große Stadt wie Essen eine Herausforderung. Der Einsatz habe etwa eineinhalb Stunden gedauert.Nach Angaben der Feuerwehr wurden 31 Menschen durch das Einatmen von Brandrauch verletzt, darunter zwei Kleinkinder lebensgefährlich, sechs weitere Kinder wurden schwer verletzt.

Nachdem der 41-Jährige mutmaßlich die Brände gelegt hatte, fuhr er nach Polizeiangaben weiter und rammte mit einem weißen Lieferwagen mehrfach zwei Lebensmittelgeschäfte im Stadtteil Katernberg. Videobilder zeigen mutmaßlich den Täter, wie er mit einer Machete und einem Messer – die Polizei spricht von Stichwaffen – in eines der Geschäfte stürmt. Verletzt wurde dort niemand. Kurz darauf wurde der Täter in der unmittelbaren Umgebung von mehreren Männern in einem Hinterhof in Schach gehalten, bis die Polizei eintraf. (APA, 29.9.2024)


Aus: "31 Verletzte nach mutmaßlicher Brandstiftung in Deutschland" (29. September 2024)
Quelle: https://www.derstandard.at/story/3000000238622/31-verletzte-nach-br228nden-in-deutschland-verd228chtiger-festgenommen

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Quote[...]
Der Begriff Femizid wurde bereits vor mehreren Jahrzehnten von der feministischen Soziologin Diana Russell eingeführt und anschließend von Frauenrechtlerinnen geprägt und verbreitet. Er soll deutlich machen, dass viele Gewalttaten an Frauen und Mädchen mit patriarchalen Machtdynamiken – wie Sexismus, Misogynie oder männlichen Besitzansprüchen – zusammenhängen. Daran anschließend beschreibt der Begriff Tötungen von Frauen durch einen oder mehrere Männer, weil sie Frauen sind. Der Begriff erhielt Einzug in verschiedene wissenschaftliche Disziplinen.
In sogenannten Beziehungstaten, in denen ein Mann seine (Ex-)Partnerin tötet, beispielsweise weil diese die Beziehung beendet hat oder beenden will, werden vor Gericht oft Motive wie Verlustangst und Verzweiflung herangezogen, um die besondere Verwerflichkeit der Tat auszuschließen. Ziel der Etablierung des Femizidbegriffs war auch, dem entgegenzuwirken und in Morden an Frauen mögliche niedere Beweggründe sichtbarer zu machen.


Agnes Tirop war Weltmeisterin im Crosslauf und nahm an Olympischen Spielen teil. Im September 2021 stellte die Kenianerin einen neuen Weltrekord über 10 Kilometer auf. Einen Monat später stach ihr damaliger Ehemann Emmanuel Rotich ihr mit einem Messer mehrfach in Hals und Bauch. Sie wurde nur 25 Jahre alt.
Agnes Tirop starb, weil sie eine Frau war. Vor allem starb sie, weil sie eine erfolgreiche Läuferin war. Sie ist eine von vier Profiläuferinnen, die in den vergangenen drei Jahren in Kenia von ihrem Partner oder Expartner getötet wurden. Die anderen Opfer heißen Rebecca Cheptegei, Damaris Mutua und Edith Muthoni.

Die Frauen lebten gefährlich, weil sie schnell waren. Je mehr Erfolg sie haben, desto gefährlicher leben sie, sagt Gerry Kweya, ein kenianischer Sportwissenschaftler und ehemaliges Mitglied im Komitee für Geschlechtergerechtigkeit im Sport seines Landes. Er erkennt ein systematisches Problem: "Die Männer sehen in den Frauen ihre Chance auf ein besseres Leben und wollen sich wirtschaftlich an ihnen bereichern." Denn Kenia ist ein armes Land. Mehr als ein Drittel der Menschen lebt unterhalb der Armutsgrenze.
Tirop, Cheptegei, Mutua und Muthoni sind nicht die einzigen Opfer. Die Dunkelziffer ist höher, sagt Kweya. "Über diese vier Fälle wird gesprochen, weil die Läuferinnen international bekannt waren." Aber es gebe noch mehr Femizide an Athletinnen, die jedoch nicht öffentlich werden. Besonders hoch sei die Zahl der Angriffe, bei denen die Frauen überleben. Im Oktober 2020 befragte das Komitee für Geschlechtergerechtigkeit im Sport 486 Athletinnen zu ihren Erfahrungen mit Missbrauch: Mehr als 60 Prozent der kenianischen Sportlerinnen hatten demnach bereits Gewalt erlebt, 15 Prozent wurden sexuell missbraucht. Fast immer sind die Täter Ehemänner oder Trainer. Und die wenigsten melden die Vorfälle, aus Angst vor den Männern.

Agnes Tirop ging noch zur Schule, als sie Emmanuel Rotich kennenlernte. Rotich kam aus einer armen Familie und wuchs wie Tirop in Iten auf, der Laufhauptstadt Kenias. Tirop war damals bereits schneller als die meisten in ihrem Alter und gewann ihre ersten Juniorenwettkämpfe. Rotich entdeckte ihr Talent und bot ihr an, sie zu trainieren. Er selbst lief nicht, einen Trainerschein hatte er auch nicht. Sie willigte ein – und sie heirateten noch im selben Jahr, das war 2016.

Das sei alles Teil einer Strategie, sagt Joan Chelimo. Die kenianisch-rumänische Langstreckenläuferin war eine Freundin von Agnes Tirop. "Männer wie Rotich suchen gezielt junge Athletinnen und bieten sich ihnen als Trainer an. Nicht selten entsteht eine romantische Beziehung", sagt sie. Die Männer würden den Sportlerinnen erste Schuhe schenken, ihnen Trainings- und Essenspläne schreiben, mit ihnen laufen, sie an Agenten im Ausland vermitteln und Sponsoren besorgen. Die Männer seien für ihre Frauen da – und machten sie zugleich von sich abhängig. Zudem isolierten sie die Frauen oftmals von ihrer Familie, um sie besser manipulieren zu können. Die Athletinnen seien häufig sehr jung, oftmals Teenager und deshalb ein leichtes Opfer.

"Emmanuel Rotich wusste, dass Agnes Tirop eine gute Läuferin war und das war wohl einer der Hauptgründe für sein Interesse an ihr. Er sah in ihr einen Ausweg für sich selbst", sagt auch der Journalist Simon Marks in einer Bloomberg-Dokumentation über den Tod von Agnes Tirop. Ihm lagen Gerichtsakten zum Prozess von Rotich, Zeugenaussagen und Verhörprotokolle vor.
Kurz nachdem Tirop und Rotich sich kennengelernt hatten, brach Tirop die Schule ab. Rotich habe sie dazu überredet, sagt ihr Vater in der Dokumentation. Der Plan war erfolgreich. Agnes Tirop verdiente durch Siegprämien und Sponsorenverträge viel Geld. Rotich profitierte davon. Weil in solchen Beziehungen die Männer das Geld verwalteten und die Frauen meist finanziell abhängig von ihnen seien, auch wenn sie das Geld verdienen, sagt Chelimo. 

2020 folgte Tirops internationaler Durchbruch, sie nahm an Wettkämpfen in Europa und Asien teil und kletterte in der Weltrangliste nach oben. Von da an lief es immer schlechter in der Beziehung mit Rotich, sagt Simon Marks. Rotich schlug Tirop regelmäßig. Einmal verletzte er ihr Bein so sehr, dass sie nicht mehr laufen konnte und sich im Ausland behandeln lassen musste.
"Durch ihre Reisen und internationalen Wettkämpfe war sie selbstbewusster geworden und hatte sich emanzipiert. Rotich konnte das nicht ertragen", sagt Chelimo. Tirop habe realisiert, dass sie für ihr Geld hart arbeiten gehe, und wollte finanziell unabhängig sein. Sie habe sich immer öfter über ihren Mann beschwert. "Dieser Typ verschwendet mein Geld", zitierte ihr Bruder Martin sie in der Bloomberg-Dokumentation. Als sie von den Olympischen Spielen 2021 in Tokio wiederkam, trennte sie sich von Rotich und zog in ein Camp für Läufer in Iten.
Kurz vor ihrem Tod ging sie zu Rotich, um mit ihm über ihre Beziehung zu reden. Am Tag ihres Todes hörte Anges Tirops Schwester Eve laut Polizei einen Streit aus ihrem Haus. Am nächsten Morgen wurde Tirop tot aufgefunden. Rotich konnte nicht damit leben, dass seine Frau ihre eigenen Entscheidungen treffe, ihn verlassen habe und finanziell unabhängig von ihm sein wollte, sagt Chelimo. Darum habe er sie getötet.

Drei Jahre nach Tirops Tod ist Rotich immer noch nicht verurteilt. Er wurde gegen Kaution freigelassen, nachdem er zwei Jahre lang in Untersuchungshaft gesessen hatte. Es sei ein Teil des Problems, dass das Justizsystem kaum gegen die Femizide vorgeht, sagt Chelimo. "Das führt dazu, dass Frauen immer weiter missbraucht werden, weil es für die Täter kaum Konsequenzen gibt", sagt sie. Auch könnten viele Femizide verhindert werden, wenn die Polizei und der Staat rechtzeitig eingreifen würden. "Sie tun aber oftmals einfach nichts, obwohl sie etwas wissen."

Das trifft wohl auch auf den Fall zu, der erst vor Kurzem internationale Schlagzeilen schrieb. Rebecca Cheptegei, eine ugandische Langstreckenläuferin, die in Kenia lebte und trainierte, hatte der Polizei bereits im Februar 2024 gemeldet, dass ihr Partner sie schlage, sagt Chelimo. Doch die Polizei habe nicht gehandelt. Cheptegei habe seit Langem mit ihrem Partner Dickson Ndiema über ein Grundstück in Kinyoro gestritten, in dem Cheptegei mit ihren beiden Töchtern lebte. Ndiema wollte über das Grundstück verfügen, rechtmäßig gehörte es jedoch Cheptegei.
Am Nachmittag des 5. Septembers 2024 übergoss Ndiema die Läuferin in ihrem Haus mit Benzin und zündete sie an. Cheptegei erlitt Verbrennungen an 80 Prozent ihres Körpers, wenige Tage später starb sie im Krankenhaus. Ndiema erlag kurz darauf selbst seinen Verletzungen. "Sie wurde umgebracht, weil sie das Land besitzen wollte, was ihr gehörte", sagt Chelimo.
Nach dem Tod ihrer Freundin gründete Joan Chelimo mit anderen Läuferinnen und Familienangehörigen von Tirop die NGO Tirops Angels, die Frauen vor geschlechtsspezifischer Gewalt schützen soll. Die Organisation hat einen Raum für Frauen geschaffen, in dem sie über ihre Erfahrungen und Ängste sprechen können. Die Mitglieder klären andere Frauen in Workshops über ihre Rechte auf und bieten ihnen juristische Unterstützung an. Außerdem bildet die Organisation Frauen zu Fitness- und Lauftrainerinnen aus. Seit ihrer Gründung habe sie mehr als 40 Frauen dabei unterstützt, mit ihren missbräuchlichen Partnern umzugehen. 

Lydia wurde schon geholfen: Die kenianische Langstreckenläuferin wurde einst von einem Mann entdeckt, der erst ihr Trainer und kurz darauf ihr Lebensgefährte wurde. Das Geld, das Lydia verdiente, wurde auf ein gemeinsames Konto überwiesen. Eines Tages hatte ihr Partner es leer geräumt und ihre gesamten Ersparnisse abgehoben, sagt Lydia in der Bloomberg-Dokumentation. Sie wollte ihn verlassen, doch er drohte damit, sie umzubringen, wenn sie sich von ihm trennen würde. Mit der Hilfe der Tirops Angels konnte sie sich und ihre Kinder in Sicherheit bringen.


Aus: "Ermordet, weil sie erfolgreich waren" Emma Seifert (18. Oktober 2024)
Quelle: https://www.zeit.de/sport/2024-10/femizide-kenia-laeuferinnen-sport-erfolg-gefahr

QuotecSchw

Es ist so unglaublich, was mit Frauen geschieht, die sich nicht dem Willen von Männern (ja ihren Partnern!) beugen.

Und noch viel schlimmer ist, dass alle anderen zuschauen und nichts dagegen unternehmen. Da kann doch keiner glauben, dass die Gesellschaft Frauen nicht als minderwertig betrachtet.


Quoteunddso

Es wird bestimmt bald jemand auftauchen, der das auf "Afrika" schiebt.


Quotejhk9

... Natürlich hat das auch etwas mit Kultur und ggf. Religion zu tun. Kultur und Religion haben wesentlichen Einfluss auf die gesellschaftlichen Werte. Dazu gehört auch Respekt ggü. Frauen.


Quotejhk9

Was kann man in Sachen Prävention tun? Wie diese toxische Männlichkeit angehen?


Quoteunddso

Ein erster Schritt: Sie anerkennen. Nicht abwiegeln, ignorieren, kleinreden und alle, die den begriff benutzen, für verbitterte, misandrische Ideologinnen halten.
Zweiter Schritt: Bystanding. Einschreiten, auch bei Alltagssexismus.
Dritter Schritt: Handlungsfähige und gut informierte Justizbehörden.
...


QuoteNoch_eine_Meinung_mehr

Hier wird von außergewöhnlichen Frauen berichtet, die Außergewöhnliches geleistet haben und doch nicht sicher sind.

Solche Berichterstattung ist wichtig. Femizide sind auch in Europa auf dem Vormarsch. Gerne versuchen sich einige mit "Ich bin anders, betrifft mich nicht.", "Das ist jetzt aber eher ein Problem von Kultur X und nicht Y", "Was ist mit Männern?" oder auch der Allzeitfavorit "Na, selbst schuld, wenn sie sich für so einen entscheidet. Augen auf bei der Partnerwahl." abzulenken. Davon geht das Thema aber nicht weg. Jeder hat eine Mutter oder Schwester oder Tante oder Nachbarin oder Freundin oder Kollegin, die es treffen kann oder vielleicht schon hat.

Außergewöhnliche Leistung schützt die Frauen nicht. Nur eine aufmerksame Gesellschaft, die auf die Warnsignale achtet, kann das.


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Quote[...] Warschau – In Polen hat ein Prozess gegen eine Frauenärztin begonnen, die Frauen widerrechtlich bei Abtreibungen geholfen haben soll. Das umstrittene Verfahren findet unter Ausschluss der Öffentlichkeit statt, wie ein Sprecher des Gerichts in Stettin mitteilte. Die Staatsanwaltschaft hatte der Ärztin Maria Kubisa im November des Vorjahres "Unterstützung einer schwangeren Frau bei einem Schwangerschaftsabbruch" in fünf Fällen vorgeworfen. Sie soll Abtreibungspillen verabreicht haben, was Kubisa bestreitet.

Publik wurde der Fall, als im Jänner 2023 bei der Durchsuchung von Kubisas Praxis 6000 Patientinnen-Akten beschlagnahmt wurden. NGOs kritisierten, dies würde gegen das Patient:innengeheimnis verstoßen.

Der Fall wurde zum Symbol für die Repression des PiS-Staats gegen Frauen. Doch eingebracht wurde die Anklage bereits nach dem Regierungswechsel. Nachdem die rechtsnationale PiS-Partei acht Jahre an der Macht war und das restriktive Abtreibungsrecht installiert hatte, regiert seit Oktober 2023 die liberalkonservative Bürgerkoalition (KO) mit zwei kleineren Parteien. Regierungschef Donald Tusk sprach sich zwar für eine Liberalisierung des polnischen Abtreibungsrechts aus, bisher gab es dafür im Parlament allerdings keine Mehrheit – auch aufgrund des Abstimmungsverhaltens von Abgeordneten seiner Partei.

Zuletzt forderte Tusks Regierung im August die Justiz auf, auch eine Gefährdung der psychischen Gesundheit einer Frau als ausreichenden Grund für einen Schwangerschaftsabbruch anzuerkennen. Eine Entscheidung steht noch aus. Eine Parlamentsmehrheit für eine Legalisierung von Abtreibungen werde es bis zur nächsten Wahl aber wohl nicht geben, räumte Tusk ein.

Das katholisch geprägte Polen hat aktuell eines der restriktivsten Abtreibungsrechte in Europa. Der Abbruch einer Schwangerschaft ist nur möglich, wenn diese aus einer Vergewaltigung oder Inzest hervorging oder wenn das Leben und die Gesundheit der Frau gefährdet sind. Wer dabei hilft, eine Abtreibung vorzunehmen, kann mit bis zu drei Jahren Gefängnis bestraft werden.

Die Ärztin Maria Kubisa hat außer in Stettin auch in Prenzlau im deutschen Bundesland Brandenburg eine Niederlassung, wo sie rund 40 Kilometer von der polnischen Grenze entfernt legal Abtreibungen vornimmt.

In Polen urteilte 2020 das polnische Verfassungsgericht, dass Schwangerschaften auch dann nicht abgebrochen werden dürfen, wenn der Fötus schwerwiegende Schäden aufweist, es sei denn, es könne bestätigt werden, dass die Mutter sich durch die Schwangerschaft einem gesundheitlichen Risiko aussetzen würde. Doch laut der polnischen Tageszeitung Gazeta Wyborcza würden viele Ärzte und Ärztinnen kein rechtliches Risiko eingehen wollen – weshalb nur wenige bereit seien, den Frauen zu helfen.

Kubisa überweist Frauen, deren Föten schwerwiegende genetische Defekte aufweisen, an die deutsche Klinik in Prenzlau – womit sich alles im Rahmen des gültigen Gesetzes bewege. Der Gazeta Wyborcza berichtete sie von einer kürzlichen Aufnahme einer Frau, deren Embryo keine Nieren hatte und die sie in die Praxis in Deutschland überwies. Die Kosten müssen die Frauen allein tragen. Die Anfragen an Kubisa häufen sich laut der Gynäkologin immer mehr.

"Ich hatte gehofft, dass die Frauen nach dem Regierungswechsel endlich ihre Rechte zurückerhalten würden", sagt Kubisa. Doch es gebe keinen Willen, etwas zu verändern.

Unterstützung bekam die Ärztin zu Beginn des Prozesses vor dem Gerichtgebäude durch Patientinnen und Aktivistinnen. Kritik an dem Prozess übte auch Monika Pacyfka Tichy, Leiterin der NGO Lambda Polska, die sich für Gleichstellung und die Rechte von LGBTQ+ einsetzt. Während des Wahlkampfs hätten die jetzigen Regierungsparteien allesamt die Rechte von Frauen auf ihren Bannern gehabt, davon geblieben sei aber nichts. (red, APA, 21.10.2024)


Aus: "Polen: Frauenärztin drohen wegen Abtreibungsgesetzes drei Jahre Gefängnis" (21. Oktober 2024)
Quelle: https://www.derstandard.at/story/3000000241598/polen-frauenaerztin-droht-wegen-abtreibungsgesetz-drei-jahre-gefaengnis

QuoteOpium für das Volk

Nichts hat über Frauen und Kinder je mehr Leid gebracht als die Religionen. Auch und besonders die katholische Kirche. Und das auch noch im 21. Jahrhundert. Unfassbar! Und immer geht es nur um Macht über die Frauen.


Quotelecker.schmecker.Bauernfänger

Männerorganisationen, die nichts ausserhalb ihrer Lebens- und Erfahrungswelt respektieren oder gar anerkennen.


QuoteOdeon

Vote for stupid parties, win stupid laws (and judges).


QuoteDer_unaussprechlich_tragischste_Richard

Warum entscheiden Männer darüber? Die Regierung wurde von Frauen und Männern demokratisch gewählt. Auch in Polen gibt es, wie in Österreich, mehr wahlberechtigte Frauen als Männer.


QuoteLiberty4All

Auch das ist Demokratie

Lustig ist es schon, wenn mir dann Leute vorwerfen ich sei kein echter Demokrat wenn ich auch demokratische Mehrheiten in anderen Ländern akzeptiere.

In Polen will man kein liberales Abtreibungsrecht, und niemand, auch nicht DerStandard hat das Recht die polnischen Wähler zu kritisieren.

Aber wie immer mehr in unseren Demokratien üblich geht man dann einfach den Weg über Gerichte, wenn sich keine demokratische Mehrheit finden lässt. Eine Perversion des Rechtsstaates ist das.


QuoteKalimero aus Palermo

"niemand, auch nicht DerStandard hat das Recht die polnischen Wähler zu kritisieren."

Doch, JEDER hat das Recht, solche Drecksgesetze zu kritisieren.


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Quote[...] Washington, D.C. – Auf den letzten Metern vor der US-Wahl am kommenden Dienstag (5. November) dreht Donald Trump mit seiner Kampagne noch einmal richtig auf. In der Nacht zum Mittwoch kam der frühere US-Präsident mit einem Müllwagen zu einer Wahlkampfveranstaltung im Swing State Wisconsin und trug während seiner Rede eine Warnweste, die an die Kleidung von Müllentsorgern erinnern sollte. Auslöser dafür war ein Kommentar von US-Präsident Joe Biden, der im Zusammenhang mit ausländerfeindlichen Bestrebungen unter Trump-Anhängern das Wort ,,Müll" benutzt hatte. Neben der kuriosen Aufmachung sorgte Trump jedoch auch mit seinen Inhalten erneut für Aufsehen. Mit Blick auf die Frauen in den USA wiederholte Trump dabei sein Versprechen, das kurz vor der Wahl jedoch eher wie eine Drohung klingt.

,,Ich möchte die Menschen und ich möchte die Frauen in unserem Land beschützen", sagte Trump während seiner Rede in Wisconsin. Seine Berater hätten ihm jedoch dazu geraten, den Schutz von Frauen nicht weiter öffentlich zu fordern, da dies ,,unangemessen wäre", berichtete der Ex-Präsident in seiner Rede ungläubig. Für Trump jedoch kein Grund zum Aufhören: ,,Ich werde es tun, ob die Frauen es mögen oder nicht", sagte Trump vor der jubelnden Menge. Beschützen wolle er die Frauen in den USA vor allem vor Migranten und vor anderen Ländern, ,,die uns mit Raketen treffen wollen", führte Trump weiter aus.

Trump hatte sich im Vorlauf der US-Wahl immer wieder als Beschützer der Frauen inszeniert, auch wenn der Ex-Präsident erst im vergangenen Jahr wegen sexuellem Missbrauch verurteilt wurde und deswegen als Straftäter gilt. Generell ist der Republikaner in der Vergangenheit immer wieder wegen frauenfeindlichen Aussagen aufgefallen. Trumps Ausspruch ,,Grab em by the pussy" sorgte im US-Wahlkampf 2016 international für Aufregung. Die Aussagen stammten aus einem Video aus dem Jahr 2005, in dem Trump dem Moderator Billy Bush sein Verhalten gegenüber Frauen erklärte.

,,Besonders junge, akademisch gebildete und alleinstehende Frauen dürften sich gegen die Vorstellung sträuben, von irgendeinem Mann beschützt zu werden – und schon gar nicht von einem Mann wie Trump", schrieb CNN Anfang Oktober in einem Bericht über Trumps Politik gegenüber Frauen. Für die meisten Wählerinnen wäre die Vorstellung, sie müssten sich von einem Mann beschützen lassen, ,,ungeschickt, veraltet und einfach irrelevant", sagt die republikanische Meinungsforscherin Christine Matthews dem US-Sender. ,,Aber von ihm ist es besonders peinlich."

Denkbar, dass sich Trump bei seinem Auftritt in Wisconsin auf Berichte wie diesen bezogen hatte. Deren Hauptkritikpunkt ging am früheren US-Präsidenten jedoch offenbar vorbei. ,,Gib es in dem Stadion irgendeine Frau, die nicht gerne beschützt werden würde?", fragte Trump bei seiner Rede anschließend in die schweigende Runde. ,,Gibt es in diesem Stadion irgendeine Frau, die vom Präsidenten beschützt werden möchte?", rief Trump darauf seinen Anhängern entgegen, welche die Aussagen mit Jubelstürmen quittierten.

Auch wenn die Umfragen zur US-Wahl knapp sind, liegt Trumps Konkurrentin Kamala Harris bei einer Bevölkerungsgruppe deutlich in Front: Frauen. 55 Prozent der wahrscheinlichen Wählerinnen würden nach einer YouGov-Umfrage im Auftrag von CBS für Harris stimmen – lediglich 43 Prozent für Trump. Am 5. November könnten es vor allem auch die Frauen sein, welche die US-Wahl entscheiden. (fd)


Aus: "Trump sorgt mit Aussagen über Frauen für Aufsehen – ,,Ob sie es mögen oder nicht"" Felix Durach (31.10.2024)
Quelle: https://www.fr.de/politik/us-wahl-trump-praesident-frauen-usa-harris-aufregung-wahlkampf-umfrage-swing-state-zr-93385986.html


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Quote[...] Ein Mann soll seine Ex-Partnerin und sich selbst in Buxtehude (Niedersachsen) mit einer brennbaren Flüssigkeit übergossen und dann angezündet haben. Der 47 Jahre alte Mann erlag noch in der Wohnung seinen schweren Verletzungen, wie die Polizei mitteilte. Die 42-Jährige sei mit schweren Brandverletzungen per Hubschrauber in ein Krankenhaus gebracht worden, sagte ein Polizeisprecher. Ob Lebensgefahr besteht, konnte er nicht sagen. Unklar war noch, um welche brennbare Flüssigkeit es sich handelte.

Zuvor hatten Anwohner eine gewalttätige Auseinandersetzung zwischen einem Mann und seiner Frau bei der Polizei gemeldet. Als die Polizisten noch auf dem Weg dorthin gewesen seien, seien weitere Notrufe eingegangen, die eine brennende Küche meldeten. Im Einsatz waren zunächst Rettungsdienst, Feuerwehr und Polizei. Die Bevölkerung war laut Polizei nicht gefährdet. (dpa)


Aus: "Offenbar versuchter Femizid in Buxtehude: Mann soll Ex-Partnerin und sich selbst angezündet haben" (12.11.2024)
Quelle: https://www.tagesspiegel.de/gesellschaft/panorama/offenbar-versuchter-femizid-in-buxtehude-mann-soll-ex-partnerin-und-sich-selbst-angezundet-haben-12687827.html


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Quote[...]  Erstmals hat das Bundeskriminalamt ein Lagebild spezifisch für Straftaten gegen Frauen erstellt. Egal ob Sexualdelikte, Gewalt oder Hass im Netz: Die Statistik verzeichnet in allen Bereichen einen Anstieg weiblicher Opfer.

Die Straftaten gegen Frauen haben im Vergleich zum Vorjahr zugenommen. Das zeigt das Bundeslagebild, das vom Bundeskriminalamt (BKA) erstmals spezifisch für die Taten erstellt wurde, "die überwiegend zum Nachteil von Frauen begangen werden oder in ihrer Ausprägung primär Frauen betreffen".

https://www.tagesschau.de/inland/bka-lagebild-104.pdf

 "In jeder Fallgruppe ist im Vergleich zum Vorjahr die Anzahl der weiblichen Opfer gestiegen", heißt es in der Statistik. In fast allen betrachteten Bereichen sind auch in den vergangenen fünf Jahren mehr Fälle erfasst worden.

Mit Bundeslagebildern fasst das BKA regelmäßig Straftaten zu bestimmen Deliktbereichen wie beispielsweise Cybercrime oder Organisierter Kriminalität zusammen. In ihrem neuen Lagebild zu Gewalt gegen Frauen richtet das BKA den Blick auf Sexualstraftaten, häusliche Gewalt, Menschenhandel zum Zweck der sexuellen Ausbeutung, digitale Gewalt und Femizide. Auch Fälle von politisch motivierter Kriminalität mit frauenfeindlichen Vorurteilen wurden berücksichtigt.

 Besonders stark gestiegen ist 2023 demnach die politisch motivierte Hasskriminalität gegen Frauen: 56,3 Prozent mehr Straftaten als im Vorjahr registrierte das BKA, insgesamt waren es 322. 29 Fälle davon waren Gewaltdelikte, meistens Körperverletzungen. Eine Erklärung liegt laut BKA "in einer Ideologie der Ablehnung von Gleichberechtigung und Gleichwertigkeit der Geschlechter".

Mehr als 52.000 Frauen und Mädchen wurden dem BKA zufolge 2023 in Deutschland Opfer von Sexualstraftaten wie Vergewaltigung - ein Anstieg von 6,2 Prozent zum Vorjahr. Besonders Mädchen und junge Frauen seien betroffen, heißt es. Auch im Bereich häusliche Gewalt zieht die Statistik eine traurige Bilanz: Es gab gut 180.000 weibliche Betroffene, also 6,2 Prozent mehr als im Jahr 2022.

Noch deutlicher war der Anstieg bei digitaler Gewalt: Das Lagebild spricht von 25 Prozent mehr weiblichen Opfern, fast 17.200 Betroffene wurden festgestellt. Die überwiegende Mehrzahl der Straftaten in diesem Bereich sind Nötigungen, Bedrohungen und Stalking. Bei minderjährigen Opfern geht es bei digitaler Gewalt mehrheitlich um Missbrauchsstraftaten. BKA-Vizepräsident Michael Kretschmer nannte den digitalen Raum "Treiber" von Hass und Gewalt gegen Frauen.

Im Jahr 2023 wurden 360 Frauen in Deutschland getötet - weil sie Frauen waren. Diese sogenannten Femizide stiegen um einen Prozent, in 578 Fällen kam es demnach zu einer versuchten Tötung. "Der Anteil weiblicher Opfer von Tötungsdelikten innerhalb von Partnerschaften liegt bei über 80 Prozent", heißt es in der Statistik. Hier gebe es "Aufklärungs-, Abgrenzungs- und Forschungsbedarf", appelliert das BKA. Im öffentlichen Diskurs sei vielen nicht klar, welche Taten sich hinter dem Begriff Femizid verbergen.

 591 Frauen wurden im vergangenen Jahr Opfer von Menschenhandel zum Zweck der sexuellen Ausbeutung - ein Plus von 11,5 Prozent. Im Fünf-Jahres-Vergleich blieb lediglich diese Fallgruppe bei den Opferzahlen auf gleichem Niveau. Sie ist laut BKA allerdings auch stark abhängig "von der Kontrollintensität der Polizei."

Eine Gesamtzahl aller weiblichen Opfer kann das BKA in ihrem Lagebild nicht angeben - denn viele Taten sind mehreren Fallgruppen zuzuordnen. Eines hätten jedoch alle Bereiche gemeinsam: Der Anteil der Taten mit weiblichen Opfern im Zusammenhang mit Tatverdächtigen aus früheren oder aktuellen Partnerschaften ist hoch. Und auch die Dunkelziffern dürften laut BKA generell hoch sein.

Innenministerin Nancy Faeser plant indes ein Gewaltschutzgesetz, das verpflichtende Anti-Gewalt-Trainings für Gewalttäter und Fußfesseln für die Durchsetzung von Kontaktverboten vorsehen sollte. Für beides warb Faeser erneut. "Fast jeden Tag wird in Deutschland eine Frau oder ein Mädchen getötet." Die Situation sei "unerträglich". Ob es dafür in den nächsten Monaten noch konkrete Regelungen gibt, ist aber offen.


Aus: "BKA-Statistik Straftaten gegen Frauen nehmen in allen Bereichen zu" (19. November 2024)
Quelle: https://www.tagesschau.de/inland/straftaten-frauen-statistik-100.html


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Quote[...] Ich hätte meinem Vater gerne das Video gezeigt und ihm geduldig erklärt, was vor sich geht, aber unsere Kommunikation unterliegt einer Sprachbarriere, die ich nicht immer überwinden möchte. Der fraktionslose Bundestagsabgeordnete Matthias Helferich, ehemals AfD, steht am Rednerpult im Reichstag. Er trägt einen Trainingsanzug im Gucci-Design, eine Goldkette sowie eine schwarze Bauchtausche. Die "Talahons", so warnt er in seinem kurzen Redebeitrag, wollten "den deutschen Pass, unsere Gelder, aber nicht Teil unserer Kultur werden". Mein Vater weiß nicht, was ein "Talahon" ist, und auch nicht, was "die Kultur" bedeutet, die heraufbeschworen wird. Sehr wohl aber, was es heißt, mit Worten zu leben. Einige Menschen mit migrantischer Biografie versuchen jahrelang, sich von der Wirkmacht solcher Begriffe zu lösen, während andere sie bewusst als Zeichen ihrer Identität verstehen. Zwischen Selbst- und Fremdbezeichnungen liegt aber eine Welt, die etwas zu sagen hat. Denn der Diskurs in Bezug auf "migrantische Männlichkeit" hat sich längst davon verabschiedet, Betroffene auf Augenhöhe anzuhören. Es herrscht immer weniger Empathie. Und damit auch ein Klima gegen Menschen, die einen Platz in der Mitte möchten, ihn aber verwehrt bekommen.

Ich bin als Sohn eines Türkischlehrers und einer Putzkraft aufgewachsen. Das Rollenverständnis in unserer Familie unterschied sich nicht grundlegend von dem meiner deutschen Freunde: Mein Vater verdiente das Geld, meine Mutter übernahm die Care-Arbeit. Das war meine Orientierung. Ich hatte eine glückliche Kindheit. Was meine Freunde liebten, liebte ich auch. Ich spielte Fußball, sprang im örtlichen Schwimmbad vom Beckenrand und räumte nach dem Essen selten meinen Teller in die Spülmaschine. Ich lernte, dass ein Mann zu sein bedeutet, seine Freiheit zu schätzen, ohne darüber nachzudenken, wo die Grenzen für andere liegen. Mein Verhalten übertrug sich in die Pubertät: Hip-Hop hören, mit Mädels flirten üben und am Burger King hängen war unsere Idee von Freizeit. Spätestens als ich mir einen kurzen Boxerschnitt zulegte, sagte mein Vater, dass ich aussehen würde wie die Jungs vom Bahnhof, die nicht gern in die Schule gingen und herumpöbelten. Mein Vater wusste also, wer ein "Talahon" war, bevor er zum Social-Media-Trend auf TikTok wurde. Weil er alle schon in seiner Schulklasse hatte. Aber solche Begriffe nutzte er nicht, er lehnte sie sogar ab. Denn er kannte die Eltern der Kinder beim Namen sowie die Realität, mit der sie aufwuchsen. Als "Ausländerkind", als das man mich bezeichnete, hieß das für mich konkret, zu merken, dass mein Bart schneller wuchs als bei anderen Kindern, meine Brusthaare dunkler waren, dass Mädchen mich mochten, weil ich "leidenschaftlicher" war, und dass ich der Vorstellung eines "stolzen Türken" entsprechen wollte. Ich kam an den Punkt, zu glauben, dass ich nicht anders konnte. Weil meine Eltern aus der Türkei waren und wir muslimisch aufgewachsen sind. 

Viele meiner Freunde haben unterschiedliche Migrationsgeschichten. Einige sind die Enkel von so genannten Gastarbeiterinnen und Gastarbeitern, einige Söhne von politischen Verfolgten, andere wiederum kamen aus Spanien, Italien, Griechenland und Russland. Doch was wir gemeinsam hatten, war die Erkenntnis und die Hoffnung, dass wir alle Teil der Gemeinschaft sein wollten, aber vor allem Stereotype darüber entschieden, ob uns Empathie entgegengebracht wurde – oder Hass. Unsere Männlichkeit war uns wichtig, aber sie war immer auch Ergebnis der Gesellschaft, die sie durch Worte und Taten zu einem Stigma verformte und die soziale Ungleichheit, in der wir aufwuchsen, außer Acht ließ. Plötzlich lagen die Ursprünge der Probleme des Landes in unseren Körpern. Das Problem der "toxischen Männlichkeit", der sexualisierten Gewalt gegenüber Frauen, der öffentlichen Sicherheit in deutschen Großstädten, der Überforderungen von Kommunen durch junge, geflüchtete Männer, das Problem des "importierten" Antisemitismus. Einige lernten, wie ich auch, damit präventiv umzugehen, indem sie sich ihre Brusthaare wegrasierten, ihre Muttersprache verschwiegen, auf den Straßen unauffällig liefen, fremde Menschen überhöflich grüßten. Wir duckten uns weg, damit wir anderen eine Angst nahmen, ohne zu realisieren, wie viel wir von unserem Selbstwert, ja auch unserer Identität hergaben. Andere wiederum trugen, wie auch ich, gleichzeitig Fremdbezeichnungen wie "Ausländer" als Krone. Denn es hieß, zum Glück, nicht zu sein wie die weißen, deutschen Jungs. Denn wenn sie uns nicht wollten, wollten wir sie erst recht nicht. Wir fielen für uns selbst auf, weil wir damit bestimmen konnten, wer wir sind. Diese Ambivalenz wie auch Fähigkeit, beides sein zu wollen, manchmal zu müssen, trägt sich bis heute in meine Realität. Es ist das Codeswitching, das viele rassifizierte Menschen kennen.
In meiner Kindheit wollte ich ein "Pascha" sein. Mein Vater nannte mich so und tut es bis heute bei seinen Enkeln. Das ist nichts Unübliches in türkischsprachigen Familien, auch wenn nicht allen bewusst ist, welches Männlichkeitsbild damit verbunden ist. Das bedeutet, den Teller erst serviert bekommen und danach nicht abzuräumen. Den CDU-Chef Friedrich Merz kennt er mittlerweile auch, aber Merz ist niemand, der die Namen der migrantischen Kinder und Väter kennt, über die er teilweise abfällig spricht. Sprache formt Wirklichkeit. Medien und Politik laden inzwischen die Luft mit Misstrauen auf, sodass aus Begriffen Gewicht für uns entsteht, das kaum zu ertragen ist. 

Merz und viele andere sehen nur einfache Antworten: Die Gefahr für die Gesellschaft gehe von "migrantischen Männern" aus. Seine Lösung unter anderem: Abschiebung. Wer so argumentiert, meine ich, externalisiert komplexe gesellschaftliche Probleme und leugnet gleichzeitig politische Verantwortung. Denn diese Rhetorik festigt den Generalverdacht gegenüber allen nicht weißen Männern, unabhängig vom Aufenthaltsstatus. Sie seien gewaltaffin, sexistisch, unkontrollierbar. Ein personifiziertes Defizit. 

Unsere Traumata geraten im Blick auf unsere Lebensrealität in Vergessenheit. Die NSU-Morde, der rechtsterroristische Anschlag von Hanau. Diese Gewaltkontinuitäten, die durch gesellschaftlichen Hass und Fremdmachung erst ermöglicht wurden, haben Männer zum Ziel gehabt. Und diese Gewalt brennt sich ein. Viele meiner Freunde haben wie auch ich den deutschen Pass, trotzdem erfahren sie Polizeigewalt in Form von gewaltvollen Eingriffen bei Demonstrationen, Passkontrollen an Bahnhöfen und wiederholten Streifefahrten durch "kriminalitätsbelastete" Orte wie zum Beispiel Neukölln, weil sich der Diskurs in das Gedächtnis von Justiz und Polizei schraubt, das Stigma von Gewaltaffinität manifestiert und dadurch rassistische Praxis legitimiert wird. Ich glaube, wir täten alle gut daran, uns zu fragen, wie viele innerliche Brücken bei diesen Jungs zusammenfallen, die es verdienen, nicht nur in ihren Defiziten gesehen zu werden, sondern als Ganzes. "Paschas", "Talahons", all diese Wörter sind Fäuste gegen uns geworden.
Ich gebe an Schulen in ganz Deutschland Workshops, manche von ihnen liegen in Stadtteilen, die das Stigma gegenüber diesen Jungs verstärken, sogenannte Brennpunktviertel. Dort spreche ich mit Jugendlichen, deren Muttersprache Arabisch oder Türkisch ist, über Männlichkeit, Geschlechtergerechtigkeit und Sexismus. Durch die Medien könnte der Eindruck entstehen, dass an diesen Schulen der Bedarf am größten ist. Von "kulturell bedingter toxischer Männlichkeit" ist die Rede, obwohl sie doch alle Männer betrifft.

Meine Erfahrung in den Klassenräumen zeigt deutlich, wie viele Jugendliche Begriffe wie "Talahon" kennen. Sie aber sind davon genervt, dass die Gesellschaft denkt, sie würden am Bahnhof hängen, sexistisch sein, gefälschte Gucci-Kappen tragen. Niemand fragt nach ihrer sozialen Lage, ihrem Aufenthaltsstatus, ihrer Geschichte. Sie suchen, zweifellos, Orientierung in Männlichkeitsdarstellungen, wie sie zum Beispiel auf TikTok geboten werden. Worte aber übersetzen sich in Stigmata. Ich habe den Fehler gemacht, zu denken, dass diese Diskurse in Zeitungen an mir, an diesen Jungs vorbeigehen. Sie ließen mich denken, dass nur ich an mir zu arbeiten hätte, ich der Fehler im System wäre, meine "Kultur" defizitär wäre. Das tue ich nicht mehr. Überall dort, wo ich mit migrantisch markierten Jungs und Männern spreche, verbindet sich Wut über ebendiese Verhältnisse mit der Einsicht, dass Andersartigkeit einen Rahmen schafft, der ihnen Sicherheit gibt. Und diese Sicherheit hieß für mich, meine Männlichkeit in diesem Zwischenraum zu verorten. Denn zu erwarten, sich selbst ständig zu entschuldigen, zu rechtfertigen, um anderen unbegründete Angst zu nehmen, führt zu Verunsicherung und auch zu Wut, die sich auf die Straßen überträgt. Diese Gewalt ist nicht zu entschuldigen. Sie muss aber Gleichzeitigkeiten aushalten, und das heißt, dass junge Männer Selbstwert und Anerkennung suchen, wenn sie ihnen verwehrt werden.

Ich weiß, wie schwer und problematisch Männlichkeit sein kann. Zu wie viel Gewalt sie führt, welche Verletzungen sie auslöst, wie viele Gefühle sie verwehrt. Welche Rolle Vorbilder im Aufwachsen für Jungs haben können. Meine waren in der Jugend Fußballer wie Thierry Henry oder Rapper wie Bushido, die sicher keine Feministen waren. Wir wuchsen in dem Glauben auf, dass wir eben Jungs sind, die irgendwann zu Männern werden. Aber es gab einen Unterschied: Meine weißen deutschen Freunde wurden von Stereotypen verschont, meine Männlichkeit wurde plötzlich "migrantisch" – und damit zum Problem erklärt. 

"Migrantische Männlichkeit" hat den Ruf, für einen gesellschaftlichen Kontrollverlust verantwortlich zu sein. Dagegen wehre ich mich mittlerweile. Denn wir müssen anerkennen, dass sie längst alle Grenzen der berechtigten Kritik überschritten hat. Frustration über die Verhältnisse richtet sich in den Debatten und der Politik oft gegen die, die ein Leben lang mit der Zuschreibung von Gewalt aufwachsen. Was wir stattdessen brauchen, ist die Arbeit mit Männern, um sie von der Gewalt zu lösen. Und keine Sprache, die (rassistische) Gewalt gegen sie legitimiert.
Wenn mich heute jemand fragt, ob ich ein "Pascha", "Talahon" oder Ausländer bin, sage ich Ja, weil ich mir bewusst bin, dass die politische Instrumentalisierung der Begriffe längst Teil meiner Identität geworden ist. Sie schenken mir Luft in einem Klima, das von Unwissenschaftlichkeit und Vereinfachung durchzogen ist. Gleichzeitig verstehe ich sie als Aufforderung, über Anteile davon zu sprechen, die Ungerechtigkeiten manifestieren. Wir müssen anfangen, rassistische Kontinuitäten in Begriffen aufzubrechen. Und anerkennen, dass Worte kein Kostüm sind, sondern manchmal der einzige Halt in diesem Land.


Aus: "Hallo, hier spricht dein Talahon" Fikri Anıl Altıntaş (22. November 2024)
Quelle: https://www.zeit.de/familie/2024-11/migration-maennlichkeit-talahon-rassismus-jugendliche

Kontext: "Migration als Wahlkampfthema: Spahn kritisiert »kulturell vermittelte toxische Männlichkeit«"
CDU-Chef Friedrich Merz hatte mit seiner Aussage über »kleine Paschas« heftige Kritik ausgelöst. Ex-Gesundheitsminister Jens Spahn hat die Äußerung nun im CDU-Siegestaumel nach der Wahl in Berlin verteidigt.
(13.02.2023) | https://www.spiegel.de/politik/deutschland/jens-spahn-cdu-kritisiert-kulturell-vermittelte-toxische-maennlichkeit-a-f15ea5b4-b2ba-4248-b7f6-467fc54873a3

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Quote[...] Statistisch gibt es fast jeden Tag ein Todesopfer: Im Jahr 2023 wurden 360 Frauen und Mädchen in Deutschland umgebracht. In knapp 70 Prozent der Fälle geht es um häusliche Gewalt, der Täter ist etwa der Partner, der Ex-Partner – oder der eigene Vater.

Diese Zahlen gehen aus einem aktuellen Lagebild des Bundeskriminalamts hervor. ...

Umso größer ist das Entsetzen bei den Fachverbänden, dass die Ampel ihr Versprechen schuldig geblieben ist, ein Gewalthilfegesetz zu beschließen. Damit sollten Rechtsrahmen und Finanzierung für Frauenhäuser bundesweit einheitlich gesichert werden.

Das ist nötig, weil sehr viele Plätze fehlen: Deutschland hat die Istanbul-Konvention gegen Gewalt an Frauen ratifiziert. Ihr zufolge müsste es gut 21.000 Plätze in Frauenhäusern geben, doch es sind nur knapp 8000.

Erst kurz vor dem Bruch der Koalition hat Frauenministerin Lisa Paus (Grüne) einen Entwurf für das Gewalthilfegesetz vorgelegt. Am Montag übergibt ein zivilgesellschaftliches Bündnis rund 74.000 Unterschriften an Paus, um Druck zu machen. Zwar soll der Entwurf noch vom Kabinett beschlossen werden, doch es ist unwahrscheinlich, dass er noch verabschiedet werden kann.

Damit wird das Thema wohl nach der Wahl neu diskutiert werden müssen. Womöglich wird sich der Blick dann auch aufs Ausland richten, etwa nach Großbritannien und Spanien. Denn dort gibt es Modelle, von denen Deutschland vielleicht lernen kann.

Eine der Ideen ist bekannt unter dem Namen ,,Clare's Law" und wurde in England und Wales zuerst erdacht. Benannt ist die Regel nach Clare Wood. Sie wurde von ihrem einschlägig vorbestraften Ex-Partner ermordet. ,,Clare's Law" gibt Frauen und Angehörigen das Recht, sich zu erkundigen, ob ein Partner oder Ex-Partner früher als gewalttätig aufgefallen ist. Auch kann die Polizei von sich aus auf eine Frau zugehen, um sie zu warnen.

Eine Option für Deutschland? Sonja Eichwede, rechtspolitische Sprecherin der SPD-Fraktion, sagte dem Tagesspiegel, der dringendste Handlungsbedarf bestehe beim Ausbau der Frauenhäuser und Beratungsstellen. Sie ist aber für eine Regel wie ,,Clare's Law" offen. Deutschland solle sich die Erfahrungen aus England anschauen und diskutieren. ,,Durch ein solches Gesetz könnte auch in Deutschland noch mehr Bewusstsein für die Gefahren von häuslicher Gewalt geschaffen werden."

Das sieht man bei der Union ähnlich: Günter Krings, rechtspolitischer Sprecher der Fraktion, sagt: ,,Die Opfer müssen alle erforderlichen Daten zu ihrem Schutz erhalten können." Krings plädiert aber dafür, die Auskunftsmöglichkeit auf das (potenzielle) Opfer selbst zu beschränken.

Skeptisch ist man bei der FDP. ,,Eine Übernahme des 'Clare's Law' dürfte rechtlich kaum haltbar sein", sagt die rechtspolitische Sprecherin der Fraktion, Katrin Helling-Plahr. Es gehe um grundlegende datenschutzrechtliche Fragen. Auch sei in England umstritten, ob die Maßnahme überhaupt eine präventive Wirkung entfalte.

Je nachdem, wer künftig regiert, ist aber durchaus denkbar, dass sich Befürworter zusammenfinden. Denn nicht nur SPD und Union, sondern auch die Grünen sind nicht abgeneigt. ,,Für ein solches Modell sind wir Grüne grundsätzlich offen, aber nur mit richterlicher Kontrolle und genau definierten Regeln", sagt Rechtspolitiker Limburg.

Er lenkt den Blick zudem auf einen weiteren Vorschlag: ,,Noch mehr verspreche ich mir von einer Fußfessel nach spanischem Modell." In Spanien können Gerichte Gewalttäter verpflichten, eine Fußfessel zu tragen. Das Gewaltopfer bekommt, wenn es das möchte, einen Sensor, durch den es gewarnt wird, wenn der Täter ein Annäherungsverbot verletzt.

,,Die Fußfessel kann sehr konkret Gewalttaten verhindern und hilft den betroffenen Frauen unmittelbar", sagt Limburg. Das sieht man bei der Union genauso. Krings verweist auf eigene Initiativen mit verschiedenen Vorschlägen, um Frauen besser zu schützen. Die Fußfessel ist ein Teil davon.

,,Dabei können wir uns auch vorstellen, dass wir das spanische Modell übernehmen, bei dem auch das Opfer über GPS gewarnt wird, wenn der Täter sich nähert", sagte Krings dem Tagesspiegel. Für potenziell sinnvoll hält diese Idee auch die Liberale Helling-Plahr.

In drei Jahren Ampel und in den Jahren davor, als die Sache ebenfalls schon diskutiert wurde, hat sich beim Thema Fußfessel aber nichts Konkretes getan. In Spanien wurde das Modell 2009 eingeführt. Fünfzehn Jahre später wartet Deutschland erst einmal den nächsten Wahltermin ab.


Aus: ",,Die Zahlen sind dramatisch hoch": Andere Länder schützen Frauen besser vor Gewalt" Karin Christmann (25.11.2024)
Quelle: https://www.tagesspiegel.de/politik/fussfessel-fur-tater-andere-lander-schutzen-frauen-besser-vor-gewalt-12761063.html


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Quote[...] Konservative und rechte Organisationen mobilisieren in Deutschland gegen Geschlechtergerechtigkeit und Frauenrechte.

Jährlich im September startet ein Kreuzzug in Berlin-Mitte. Noch vor wenigen Jahren trugen die stumm marschierenden Demonstrierenden weiße Holzkreuze vor sich her. Mittlerweile lassen sie rote und gelbe Luftballons flattern, halten hellgrüne Plakate und Transparente mit Fotos von lachenden Babys in die Höhe. "Marsch für das Leben" heißt die Veranstaltung, an der Tausende teilnehmen. Sie soll einen möglichst positiven Eindruck hinterlassen – und gegen Schwangerschaftsabbrüche mobil machen. Diese sind hierzulande seit rund 150 Jahren illegal, in Paragraf 218 des Strafgesetzbuchs geregelt und nur unter bestimmten Voraussetzungen möglich und straffrei.

Organisiert wird der "Marsch" vom Bundesverband Lebensrecht, der eine "biblisch-christliche" Positionierung für sich beansprucht. Seine Verbindungen zu konservativen und rechten Parteien und Organisationen sind jedoch eng. Der frühere Unionsfraktionschef Volker Kauder sandte Grußworte, der CDU-Bundestagsabgeordnete Hubert Hüppe stand schon am Rednerpult. Die den Unionsparteien nahestehenden "Christdemokraten für das Leben" organisieren Busfahrten zur Demonstration.

Auch die AfD macht mobil: Die "Christen in der AfD" rufen immer wieder zum "Marsch" auf, die Bundestagsabgeordnete Beatrix von Storch trug 2014 das Fronttransparent. Ein Jahr später führte sie den Marsch zusammen mit Martin Lohmann an, ehemals Vorsitzender des Bundesverbands Lebensrecht. Der wiederum publiziert regelmäßig in der rechtskonservativen Zeitung Junge Freiheit. 2018 forderte die rheinland-pfälzische AfD-Fraktion gar ein "Lebensschutzinformationsgesetz", um staatlicherseits über das "Lebensrecht Ungeborener" aufzuklären.

Der Begriff "Lebensschutz" ist ein antifeministisches Schlagwort. Es nimmt historisch Bezug auf den vermeintlich zu schützenden "organischen Volkskörper" und wird heute unter anderem von völkischen Gruppierungen genutzt, schreibt der Soziologe und Autor Andreas Kemper in dem im März erschienenen Diskursatlas "Antifeministische Narrative" des grünennahen Gunda-Werner-Instituts. Damit gehen weitere Begriffe einher: "Gender-Ideologie" greift Geschlechterforschung und Gleichstellungspolitik an. Das Schlagwort "Frühsexualisierung" wendet sich gegen Sexualaufklärung von Kindern. "Homo-Lobby" brandmarkt die Queer-Bewegung als Verschwörung. All diese Begriffe transportieren den Antifeminismus im deutschsprachigen Raum, schreibt Kemper.

Bis in die frühen 1970er Jahre ging es beim Antifeminismus schlicht um einen "Kampf gegen Feminismus, für die Vorherrschaft des Mannes in der Familie aus Mutter, Vater und Kind", sagt Kemper. "Heute tritt Antifeminismus als Opferideologie auf", das Opfer sei die wehrhafte Männlichkeit, Feminismus und Queer-Feminismus seien bedrohlich und müssten bekämpft werden.

"Für uns als Organisation ist der Begriff Antifeminismus noch recht neu", sagt Katharina Masoud, Expertin für Geschlechtergerechtigkeit bei Amnesty International. "Antifeministische Bewegungen richten sich gegen geschlechtliche Gleichstellung und Emanzipation." Frauen und LGBTI würden dabei von vornherein zu Menschen zweiter Klasse gemacht. Dies sei ein genereller Angriff auf Menschenrechte.

Tobias Ginsburg beschreibt die hiesige Szene antifeministischer Männerbündler in seinem Buch "Die letzten Männer des Westens", für das er undercover etwa in Burschenschaften, unter Incels, die ihre fehlende Beziehung zu Frauen dem Feminismus anlasten, und in religiös-faschistischen Organisationen recherchierte. "Frauen werden abstrahiert, sie werden zur Verkörperung für den Verlust tatsächlicher oder vermeintlicher Privilegien", sagt der Autor. Manchmal werde daraus wahnhafter Frauenhass: "Je tiefer im rechten Milieu, desto klarer hat die Frau die Funktion als Brutkasten und Haussklavin."

Die Angst davor, dass der westliche Mann ausstirbt, und der Hass gegen die Emanzipation von Frauen und LGBTI steckt in so ziemlich allen rechtsterroristischen Manifesten der vergangenen zehn Jahre.

Tobias Ginsburg, Autor des Buches "Die letzten Männer des Westens"

Das zeige sich am deutlichsten in rechtsextremen Anschlägen wie in Utoya, Christchurch und Halle. "Die Angst davor, dass der westliche Mann ausstirbt, und der Hass gegen die Emanzipation von Frauen und LGBTI steckt in so ziemlich allen rechtsterroristischen Manifesten der vergangenen zehn Jahre", sagt Ginsburg.

Der Attentäter von Halle etwa streamte seine Tat im Netz, das Video eröffnete er mit den Worten: "Feminismus ist schuld an der sinkenden Geburtenrate im Westen." Die wiederum sei die Ursache für Massenimmigration. Das folgt der Verschwörungsideologie des "großen Austauschs", einem wirkmächtigen Konzept der Neuen Rechten. Aufgrund von hohen Geburtenraten unter nicht-weißen und niedrigen unter weißen Frauen stehe ein "Genozid" der europäischen Gesellschaften bevor. Schuld daran trage auch der Feminismus.

Frauen und ihre Körper nehmen in einem solchen Weltbild eine passive Rolle ein: Sie sind Hüllen für das Ziel, die "Volksgemeinschaft" zu erhalten. Eine selbstbestimmte Sexualität oder das Recht auf Schwangerschaftsabbruch stehen diesem Weltbild diametral entgegen.

Dieses Denken spiegelte auch ein Plakat der AfD im Bundestagswahlkampf 2017 wider: Es zeigte den Torso einer weißen Schwangeren. Darunter stand: "Neue Deutsche? Machen wir selber". 2020 definierte die Partei in einem Konzept zur Sozialpolitik 2,1 Kinder pro Frau als Zielgröße und "Bestandsniveau" für den deutschen Volkserhalt. Gleichzeitig wertet die AfD Familienentwürfe jenseits der sogenannten traditionellen Familie aus Vater, Mutter und Kind ab, schreibt das Deutsche Institut für Menschenrechte. Die Partei verweigere die Rechtsgleichheit aller Menschen und propagiere ein nationalvölkisch definiertes Volk – Stichwort "Lebensschutz".

Jüngst entzündete sich die Debatte um Schwangerschaftsabbrüche wieder neu. Im April stellte eine von der Bundesregierung eingesetzte Kommission für reproduktive Rechte ihren Bericht vor. Darin hatte sie geprüft, ob und wie Schwangerschaftsabbrüche außerhalb des Strafgesetzbuchs geregelt werden sollten. Für die ersten drei Monate einer Schwangerschaft ist der Bericht eindeutig: Völkerrechtlich und verfassungsrechtlich sei die Kriminalisierung von Abbrüchen "nicht haltbar".

Es ist unbedingt nötig, dass die politischen Konsequenzen aus den Empfehlungen der Kommission gezogen und Abbrüche legalisiert werden.

Katharina Masoud Expertin für Geschlechtergerechtigkeit bei Amnesty International


Unionsfraktionsvize Dorothee Bär, die selbst schon ein Grußwort an die radikalen Abtreibungsgegner*innen des "Marschs für das Leben" schickte, bezeichnete den Bericht als "hochgefährlich". Die AfD warnte, die Empfehlungen der Kommission dienten "als der erste Schritt eines langfristigen Vorhabens, Abtreibungen als ein natürliches 'Menschenrecht' zu etablieren". Das müsse unter allen Umständen verhindert werden.

Katharina Masoud von Amnesty International fordert hingegen genau das: Der UN-Frauenrechtsausschuss habe Deutschland bereits vor einem Jahr dazu aufgerufen, Schwangerschaftsabbrüche gemäß der Leitlinien der Weltgesundheitsorganisation vollständig zu entkriminalisieren. "Es ist unbedingt nötig, dass die politischen Konsequenzen aus den Empfehlungen der Kommission gezogen und Abbrüche legalisiert werden", sagt sie. Eine menschenrechtsbasierte Politik müsse sich auch gegen antifeministische Diskurse stellen.

Patricia Hecht arbeitet als Redakteurin bei der taz sowie als freie Autorin. Namentlich gekennzeichnete Beiträge geben nicht unbedingt die Meinung von Amnesty International wieder.


Aus: "Der Wahn vom Volkskörper" Patricia Hecht (12. Juli 2024)
Quelle: https://www.amnesty.de/informieren/amnesty-journal/deutschland-antifeminismus-der-wahn-vom-volkskoerper