Author Topic: [Emanzipation, Selbstbefreiung, Geschlechterforschung (Gender Studies)... ]  (Read 145204 times)

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[Emanzipation, Selbstbefreiung, Geschlechterforschung (Gender Studies)... ]
« Reply #200 on: July 24, 2020, 10:44:16 AM »
5:02 PM · Jul 23, 2020 - Rep @AOC: "I do not need Rep. Yoho to apologize to me. Clearly he does not want to. Clearly when given the opportunity he will not & I will not stay up late at night waiting for an apology from a man who has no remorse over calling women & using abusive language towards women."
https://twitter.com/cspan/status/1286315637275598849

Quote
[...] Am Ende hat sie es doch nicht auf sich sitzen lassen. "Diese Sache ist kein Einzelfall. Es ist kulturell. Eine Kultur der Straflosigkeit, der Akzeptanz von Gewalt und gewalttätiger Sprache gegen Frauen. Eine ganze Machtstruktur unterstützt das", sagte die demokratische Abgeordnete Alexandra Ocasio-Cortez in einer Ansprache am Donnerstag im Repräsentantenhaus. Sie habe die Sache hinnehmen wollen, aber die Entschuldigung von Yoho hätte sie daran gehindert.

In einer viel beachteten Rede reagierte Cortez auf eine Beleidigung durch den Republikaner Ted Yoho. Wie die Zeitung "The Hill" berichtet, soll Yoho Cortez Anfang dieser Woche "a fucking Bitch" (auf Deutsch etwa "eine verdammte Schlampe") genannt haben.

Yoho und Ocasio-Cortez sollen Anfang der Woche auf den Stufen des Kapitols diskutiert haben. Yoho soll die Demokratin unter anderem "widerwärtig" genannt haben, weil sie zuvor behauptet habe, dass Arbeitslosigkeit und Armut durch die Coronakrise zu einer Zunahme von Kriminalität in New York City führen könnten. Als die beiden Politiker auseinandergingen, soll Yoho laut "The Hill" Ocasio-Cortez gegenüber einem Kollegen "a fucking bitch" genannt haben.

Yoho hatte am Mittwoch für die "abrupte Art der Unterhaltung" zwischen ihm und Cortez um Entschuldigung gebeten. Dabei hatte der Republikaner auch gesagt, dass er seiner Wortwahl nach 45 Jahren Ehe und zwei Töchtern sehr "bewusst" sei. Yoho hätte seine Ehefrau und Töchter als Schild und Entschuldigung für sein schlechtes Verhalten genutzt, sagte Ocasio-Cortez. Sie sei zwei Jahre jünger als Yohos jüngste Tochter.

"Ich bin auch die Tochter von jemandem", sagte Ocasio-Cortez. Ihre Stimme zitterte merklich als sie erklärte: "Mein Vater ist glücklicherweise nicht mehr am Leben um zu sehen, wie Mr. Yoho seine Tochter behandelt." Ihre Mutter habe die Respektlosigkeit von Yoho im Repräsentantenhaus aber im Fernsehen gesehen. "Und ich bin hier, weil ich meinen Eltern zeigen muss, dass ich ihre Tochter bin. Und dass sie mich nicht erzogen haben, um die Beschimpfung von Männern zu akzeptieren." (agr, Reuters, 24.7.2020)


Aus: "Alexandria Ocasio-Cortez kontert wüste Beleidigung mit bewegender Rede" (24. Juli 2020)
Quelle: https://www.derstandard.at/story/2000118954714/alexandria-ocasio-cortez-kontert-wueste-beleidigung-mit-bewegender-rede

Quote
seaneastwood

Dass Yoho behauptet er habe das nie gesagt ist nehm ich an irrelevant


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mussdassein?

Wieso hat er sich dann vor dem Kongress entschuldigt?
https://twitter.com/i/status/1285940519915446273


Quote
seaneastwood

sagt er ja, fuer die art der unterhaltung. er streitet ab sie beleidigt zu haben
was gibts da nicht zu verstehen. sie koennen dann ja fuer sich entscheiden ob sie aoc oder yoho glauben
es nicht abuzdrucken, was der beschuldigte sagt ist journalistisch unterste schublade
https://nypost.com/2020/07/22/rep-ted-yoho-apologizes-to-aoc-denies-calling-her-f-ing-bitch/

aber vllt gefaellt ihnen ja diese schublade


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ich sag dazu

"Yoho hatte am Mittwoch für die "abrupte Art der Unterhaltung" zwischen ihm und Cortez um Entschuldigung gebeten. Dabei hatte der Republikaner auch gesagt, dass er seiner Wortwahl nach 45 Jahren Ehe und zwei Töchtern sehr "bewusst" sei. Yoho hätte seine Ehefrau und Töchter als Schild und Entschuldigung für sein "
Klingt nicht nach abstreiten, oder?


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NoTrueScotsman

Ein völlig sinnbefreiter Artikel.... Bitte, bringt's doch ned so einen unwichtigen Scheiß in den Nachrichten.
Des is doch wirklich nurmehr Stimmungsmache...


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GGruber3, 24. Juli 2020, 09:37:06

An Alle die nun sagen sie solle nicht so Dünnheutig sein: "Es unkommentiert zu lassen, würde bedeuten es als normal hinzunehmen"
Als Kongressabgeordnete eine solche Aussage die publik wurde unkommentiert zu lassen würde bedeuten, dass sie es als normal hinnimmt. In ihrer Rolle als Kongressabgeordnete hat sie aber auch Vorbildwirkung für die Bürger des Landes und vor Allem auch für junge Frauen. Daher ist es wichtig, dass sie solche Aussagen NICHT hinnimmt um den (jungen) Frauen zu zeigen, dass man so ein Verhalten nicht akzeptieren darf und den Bürgern generell, dass so ein Verhalten nicht akzeptabel ist und nicht einfach mit einer Entschuldigung aus der Welt zu schaffen ist.


Quote

hinweis4

"A fucking bitch" - echt jetzt? Ist das nicht eine Bezeichnung für jede (unbotmäßige) Frau in unzähligen Filmen aus den USA und in einem Gutteil der Gangsta-Rap-Songs?
Und wurden nicht Frauen, die sich bisher gegen eine solche "Ansprache" gewehrt haben, belächelt - jedenfalls bevor es Metoo gab?
Und wenn's eine Politikerin persönlich trifft, ist es einen ganzen Artikel wert?
Naja, manche sind halt gleicher.


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friction007

Ihr Beitrag zeugt von Ignoranz. Hoffentlich überdenken Sie Ihr Wertesystem irgendwann noch einmal.


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trebo

Es ist einfach Angst. Männer wie Yoho haben Angst vor intelligenten Frauen.


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CharlyTurtle

Also wenn sie sowas nicht aushält ist sie vielleicht in der Politik falsch... Passt aber gut zur heutigen Kultur der Wattebällchen, alles noch schnell in die Öffentlichkeit bringen damit man sich schön als Opfer darstellen kann....


Quote
Mein_Postingname_war_schon_vergeben

Blödsinn. Wenn man eine solche Rede nicht sofort und einstimmig verurteilt, ist in der demokratischen Kultur etwas falsch. Er kann seine Ansichten verteidigen, mit welche abstrusen Argumenten auch immer, aber er hat gefälligst die Person zu respektieren. Das hat Frau Ocasio-Cortez sehr eindringlich klargemacht. Mit seiner Vulgarität und Respektlosigkeit hat er Frauenverachtung legitimiert, und das ist mitnichten ein sympathischer Ausdruck von Volksnähe, sondern einfach nur widerlich.


...
« Last Edit: July 24, 2020, 10:59:08 AM by Link »

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« Reply #201 on: July 24, 2020, 11:23:16 AM »
Quote
[...] FREIBURG taz | Am Ende redet der Vorsitzende Richter Stefan Bürgelin den jugendlichen Angeklagten ins Gewissen. Sie sollen das Urteil als Chance nehmen, ein anderes Leben zu beginnen. „Sonst verbringen Sie einen Großteil Ihrer Zeit in Deutschland im Gefängnis“.

Elf Angeklagte und zehn zum Teil langjährige Haftstrafen, dazu ein Freispruch, so lautet die Bilanz nach 46 Verhandlungstagen in einem Verfahren, das in der Presse als Freiburger Gruppenvergewaltigung bekannt wurde. Es sorgte bundesweit für Aufmerksamkeit, weil die meisten der Angeklagten, die zur Tatzeit zwischen 18 und 30 Jahre alt waren, Geflüchtete sind. Einige von ihnen waren bereits vorbestraft, manche auch schon wegen Gewaltdelikten.

Der Prozessauftakt im vergangenen Jahr war noch von Demonstrationen begleitet gewesen, die Urteilsverkündung fand unter Corona-Bedingungen in einem Gemeindesaal statt. Mit leichter Verzögerung verkündete Richter Bürgelin nun das Urteil der Jugendstrafkammer. Der Hauptangeklagte Majid H. muss wegen Vergewaltigung für fünf Jahre und sechs Monate in Haft.

Er hatte die alkoholisierte und unter Drogeneinfluss stehende Miriam W. in das Wäldchen nahe einer Diskothek geführt, um ihr angeblich eine Tätowierung zu zeigen. Danach hat er sie auf den Boden geschubst, festgehalten und vergewaltigt. Er habe die 18-Jährige dann alleine liegen gelassen und die anderen Männer geholt. Es folgte ein stundenlanges Leiden für die junge Frau.

Sein Freund Ibrahim M., der der Frau eine Ecstacy-Tablette verkauft hatte, muss für vier Jahre und drei Monate ins Gefängnis. Auch er habe die Frau sexuell missbraucht und andere aufgefordert, das Gleiche zu tun.

Die anderen jungen Männer, denen das Gericht eine Vergewaltigung nachweisen kann, erhalten Haftstrafen von einem Jahr und sechs Monaten bis zu vier Jahren. Zwei Angeklagte erhalten eine Strafe von vier und sechs Monaten wegen unterlassener Hilfeleistung.

Nur Mohammad M. wird von allen Vorwürfen freigesprochen und muss sich nur noch wegen eines Drogendelikts verantworten. Er war derjenige, der der Frau half und ihr zusammen mit ihrer Freundin in der Nacht eine Möglichkeit zur Übernachtung gab. Ihn hatte die 18-Jährige in ihrer Aussage als „Retter“ bezeichnet. Insgesamt folgte das Gericht mit seinem Urteil im Wesentlichen den Forderungen der Staatsanwaltschaft.

Der Abend im Oktober 2018 hatte für die 18-Jährige diesen dramatischen Verlauf genommen, nachdem sie Majid H. in der Diskothek kennen gelernt und eine hochdosierte Ecstacy-Tablette eingenommen hatte. Der psychologische Gutachter und Drogenexperte Torsten Passie bescheinigte der Frau, die vorher keine Erfahrungen mit Drogen hatte, während der Vergewaltigung in einem „psychoseähnlichen“ Zustand, gewesen zu sein, der eine Gegenwehr unmöglich gemacht habe. Sie selbst hat in ihrer nichtöffentlichen Aussage, die das Gericht in der Urteilsbegründung zitiert, nur noch von bloßen „Erinnerungsinseln“ an die Tatnacht gesprochen.

Alle Behauptungen der Angeklagten, die Frau habe Sex mit den Männern gewollt, nannte das Gericht – gestützt auf psychologische Gutachten – „eine Standardeinlassung von Angeklagten bei Vergewaltigungsprozessen“ und nicht glaubhaft. Eventuelle Rufe von ihr, die die Männer ermuntert haben könnten, seien dem offensichtlichen Drogeneinfluss geschuldet, den auch die Täter bemerken mussten. Die junge Frau hat bis heute mit schweren gesundheitlichen Folgen zu kämpfen.

Für die Angeklagten falle die lange Prozessdauer mildernd ins Gewicht, erklärte die Jugendkammer. Der Prozess dauerte fast zwei Jahre und wurde durch den Corona-Lockdown zusätzlich verzögert. Außerdem stellte das Gericht bei den Angeklagten Flucht- und Gewalterfahrungen in ihrer Jugend in Rechnung, betonte aber auch, dass Vorstrafen bei Einzelnen zur Strafverschärfung geführt haben. Übrigens auch bei dem einzigen Angeklagten mit deutschem Pass, Timo B., der zu drei Jahren wegen Vergewaltigung verurteilt wurde. Auch er ist bereits wegen Raubes vorbestraft und muss nun für 3 Jahre in Haft.

Die Anwältin von Miriam W. die im Prozess als Nebenklägerin aufgetreten war, äußerte sich zufrieden zu dem Urteil. Sie hoffe, dass ihre Mandantin mit dem Geschehenen abschließen könne.


Aus: "Prozess um Vergewaltigung in Freiburg: Zehn Haftstrafen und ein Freispruch" Benno Stieber (23.7.2020)
Quelle: https://taz.de/Prozess-um-Vergewaltigung-in-Freiburg/!5695385/

https://taz.de/Prozess-zu-Vergewaltigung-in-Freiburg/!5703641/

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« Reply #202 on: July 25, 2020, 12:13:46 PM »
Quote
[...] Eine 52 Jahre alte Berlinerin ist am späten Mittwochabend in Moabit mutmaßlich von ihrem Partner erstochen worden. Der Mann, der 53 Jahre alte Berliner Fotokünstler Saul Fletcher, ist ebenfalls tot, bei ihm ist derzeit von Suizid auszugehen, wie die Berliner Polizei am Donnerstag mitteilte.

In der Nacht von Mittwoch auf Donnerstag meldete sich nach Informationen des Tagesspiegel die Tochter des Opfers bei der Polizei. Der Lebensgefährte ihrer Mutter habe sie angerufen und ihr gestanden, seine Partnerin erstochen zu haben.

In einer Wohnung in der Calvinstraße fanden Polizisten in der Nacht zum Donnerstag die Leiche der 52 Jahre alten Frau in einer Wohnung, hieß es. Am Oberkörper hatte sie Stichwunden. „Den ersten Erkenntnissen zufolge soll sie Opfer eines Gewaltverbrechens geworden sein“, erklärte die Polizei.

Nach Informationen des Tagesspiegel gehen die Ermittler aktuell von einem Femizid aus: Vieles spricht dafür, dass der mutmaßliche Täter seine Partnerin im Streit erstochen hat - auch das soll Fletcher der Tochter am Telefon gesagt haben.

„Einige Zeit später“ hätten Einsatzkräfte der Polizei Brandenburg den 53 Jahre alten Saul Fletcher gefunden: tot im Ferienhaus der Frau in Rheinsberg, Landkreis Ostprignitz-Ruppin.

Mit einem Auto soll der mutmaßliche Täter die rund 100 Kilometer weite Strecke dorthin geflüchtet sein. Hinweise auf ein Fremdverschulden gibt es in seinem Fall nicht. Die Ermittler gehen von Selbstmord aus. Auf Anfrage des Tagesspiegel wollte die Polizei keine weiteren Details zum Tathergang nennen.

Der gebürtige Brite Saul Fletcher lebte seit zwei Jahrzehnten in Berlin, die Galerie Neu zeigte 2008 Bilder. Als Künstler war er danach in der Stadt nicht mehr präsent, hatte hier jedoch sein Atelier.

Fletcher verlagerte die Zusammenarbeit zur New Yorker Galerie Anton Kern, die auch andere in Berlin lebende Künstler vertritt. In München stellt ihn die Galerie Sabine Knust neben Stars wie John Baldessari oder A. R. Penck aus. Hier fand vergangenes Jahr eine Soloschau statt – mit Porträts von Menschen vor abstrakter Malerei.

Immer wieder inszenierte sich Saul Fletcher auch selbst in diversen Verkleidungen oder mit gefundenen Objekten. Es sind oft düstere Motive, melancholisch und verstörend. Nichts für ein breites Publikum, was vielleicht erklärt, weshalb Fletcher in den vergangenen Jahren in keiner größeren Ausstellung vertreten war.

Das mutmaßliche Opfer war gebürtige Amerikanerin, lebte aber - wie Saul Fletcher - schon lange in Berlin. Die Frau arbeitete hier für Galerien und hatte sich als Kuratorin und Kunst-Agentin selbstständig gemacht. Sie organisierte Ausstellungen und vermittelte Künstler an internationale Galerien - auch ihren Partner.


Aus: "Berliner Fotokünstler ersticht mutmaßlich Freundin - und nimmt sich das Leben"  Julius Betschka, Christiane Meixner (24.07.2020)
Quelle: https://www.tagesspiegel.de/berlin/polizei-justiz/gewaltverbrechen-in-berlin-moabit-berliner-fotokuenstler-ersticht-mutmasslich-freundin-und-nimmt-sich-das-leben/26030922.html

Quote
susi_3000 23.07.2020, 14:27 Uhr

Danke, dass hier nicht wieder der unangemessene Begriff "Familiendama" benutzt worden ist.


Quote
porphyrogenita 24.07.2020, 19:04 Uhr

... Der Begriff "erweiterter Suizid" ist in den meisten Fällen genauso falsch und verharmlosend wie das Wort "Familiendrama". Beide sollte man vermeiden.


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« Reply #203 on: August 06, 2020, 10:59:13 AM »
Quote
[...] Was Frauen seit Jahrzehnten aushalten, scheinen viele Männer für sich als unzumutbar zu empfinden. Ende 2011 fand eine klinische Studie zur Pille für den Mann statt. Einige Probanden klagten über Kopfschmerzen, Akne, Gewichtszunahme und weniger Lust auf Sex. Also das, was Frauen seit Jahrzehnten aushalten – abzüglich der wirklich gravierenden Risiken. Nach der Studie stellten die meisten Pharmaunternehmen die Entwicklung einer Pille für den Mann ein.

Das ist einerseits bezeichnend weinerlich. Andererseits ist es tatsächlich nicht die perfekte Lösung, das gleiche Prinzip samt seiner Schwächen einfach umzuschultern. Doch es wäre fair. Es würde das Bewusstsein der Männer schärfen, die ja ohnehin biologisch privilegiert sind: Sie sind es nicht, die die Kinder austragen. Sie sind es auch nicht, die an Regelschmerzen leiden. Das heißt aber erst recht nicht, dass sie damit nichts zu tun hätten.

Noch besser wären Alternativen. Klar, die gibt es. Für Frauen mittlerweile ungefähr zwei Dutzend mehr oder weniger sichere Varianten von Diaphragma bis Spirale, von Femidom bis Kalendermethode. Für den Mann bleiben Kondome oder die recht endgültige Entscheidung zur Vasektomie. Und wer jetzt Coitus interruptus sagt, darf aufhören zu lesen.

Schon quantitativ macht das Angebot klar: Die Verantwortung liegt auch abseits der Pille oft bei der Frau. Das kann man als Mann egoistisch bequem finden. Warum sollte jemand Geld, Mühe und Nebenwirkungen für etwas auf sich nehmen, was sechs Jahrzehnte die Frau erledigt hat?

Oder man kann das ärgerlich finden. Für die Frau, aber auch für den Mann. Er lässt sich eine Chance entgehen. Wäre es nicht souverän und selbstbestimmt, die langfristige Verhütung zu übernehmen und sich nicht darauf zu verlassen, dass es die Frau übernimmt? Zumal außerhalb fester Partnerschaften oder Ehen, in offenen Beziehungen oder als Single – als Back-up zum Kondom? Nicht als selbstloser Helfer, sondern schon aus Eigennutz. Wo also bleiben die lauten Forderungen nach einer langfristigen Verhütung für den Mann?

Es muss ja nicht gleich jeder so radikal sein wie Clemens Bimek. Er hat sich ein Samenleiterventil ausgedacht und auch schon einsetzen lassen. Jetzt hat er einen Schalter im Hodensack, mit dem er sich auf Knopfdruck den Hahn zudreht. Extrem, aber selbstbestimmt. Für umfangreichere klinische Studien fehlt das Geld, weil niemand investieren will.

Weniger extrem, aber vielversprechend klingen Studien zum Vasalgel. Das wird dem Mann in den Samenleiter gespritzt und soll mindestens ein Jahr lang fast nebenwirkungs- und schalterfrei verhüten. Die Forschung dafür finanziert vor allem eine Stiftung, die Parsemus Foundation. Wann und ob es auf den Markt kommt, ist unklar. Schon 2018 war das Ziel einer Zulassung nicht erreicht worden, seitdem ist es wieder ruhig geworden um die Verhütungsmethode – obwohl die Testergebnisse an Tieren positive Ergebnisse zeigten.

Was also tun? Sich damit auseinandersetzen wäre ein Anfang, sich zumindest mit den Folgen für die Frau zu beschäftigen und sie zu verstehen. (Ein wunderbarer Einstieg ist zum Beispiel dieser Podcast.) Sich wenigstens die Kosten für die Verhütung teilen und über Alternativen zur Pille nachdenken. Mal von alleine anbieten, auf Kondome umzusteigen, bis was anderes gefunden wird. Das Thema in die Gesellschaft tragen und verdeutlichen, dass die Nachfrage da ist. Diese gegenüber Unternehmen, Apothekern, Expertinnen und Ärzten kommunizieren und klarmachen, dass Forschung und Entwicklung sich lohnen, weil es einen Markt dafür gibt.

Auch könnte sich die Politik stärker bei der Förderung von Alternativen engagieren. Es ist gut und richtig, dass die Antibabypille bis zum 22. Lebensjahr von der Krankenkasse übernommen wird. Es führt aber auch dazu, dass Alternativen weniger attraktiv erscheinen oder schlicht für manche nicht erschwinglich sind.

Und wie wäre es, wenn wir Männer uns als Probanden zur Verfügung stellten? Sicher, Risiken und Nebenwirkungen muss jeder für sich abwägen. Aber Kopfschmerzen, die sollten wir aushalten.


Aus: "Fünf vor acht / Antibabypille: Verhüte, wer kann!" Eine Kolumne von Christian Vooren (6. August 2020)
Quelle: https://www.zeit.de/gesellschaft/zeitgeschehen/2020-08/antibabypille-nebenwirkungen-frauen-verhuetung-maenner-5vor8/seite-2

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« Reply #204 on: August 06, 2020, 11:11:33 AM »
Quote
[...] Tausende Frauen haben in der Türkei gegen einen möglichen Rückzug der Regierung aus einem internationalen Abkommen gegen häusliche Gewalt protestiert. In Istanbul hielten Demonstrantinnen am Mittwoch Plakate mit der Aufschrift "Lang lebe die Frauen-Solidarität" in die Höhe.

Die Proteste hatten im vergangenen Monat begonnen, nachdem Mitglieder der regierenden islamisch-konservativen AKP-Partei das Abkommen als "falsch" bezeichnet und einen möglichen Austritt angedeutet hatten.

Auch in den Städten Ankara, Adana und Antalya kam es zu Protesten. In der Stadt Izmir an der türkischen Ägäisküste schritt nach Angaben der Frauenrechts-Organisation Nar Women ´s Solidarity die Polizei ein und nahm zehn Frauen fest.

Die sogenannte Istanbul-Konvention des Europarats aus dem Jahr 2011 ist das weltweit erste verbindliche Abkommen gegen Gewalt an Frauen, von Vergewaltigung in der Ehe bis zur weiblichen Genitalverstümmelung. Frauenrechtsgruppen haben den türkischen Behörden in den vergangenen Jahren immer wieder vorgeworfen, das Gesetz 6284, das nach der Ratifizierung des Abkommens durch die Türkei 2012 erlassen worden war, nicht umzusetzen. Damit seien Frauen häufig schutzlos gegenüber Gewalt durch ihre Partner, Ehemänner oder Verwandten.

Manche konservative Gruppen hingegen behaupten, das Gesetz würde Homosexualität fördern und die Einheit türkischer Familien "zerstören".

Selbst die Familie von Präsident Recep Tayyip Erdoğan scheint in der Sache gespalten. Seine Tochter Sümeyye ist Vize-Vorsitzende einer Organisation, die das Abkommen unterstützt, während eine Organisation, an der sein Sohn Bilal beteiligt ist, sich gegen das Abkommen ausspricht. (APA, 6.8.2020)


Aus: "Tausende Frauen protestierten in der Türkei gegen häusliche Gewalt" (6. August 2020)
Quelle: https://www.derstandard.at/story/2000119197752/tausende-frauen-protestierten-in-der-tuerkei-gegen-haeusliche-gewalt

Quote
profeline

Das Gesetz würde Homosexualität fördern und die Einheit türkischer Familien "zerstören".
Mich würde wirklich interessieren, wie man auf derart abstruse Gedankengänge kommt.

In Polen ist es übrigens nicht anders. Dort bezeichnet man das Abkommen als eine „feministische Schöpfung zur Rechtfertigung der homosexuellen Ideologie“.

Immer wieder interessant und deprimierend, wie einig sich Religionen bei Frauenfeindlichkeit und Homosexualität sind, sogar wenn sie sich sonst sogar feindlich sind.


Quote
gukumatz

Ganz klar: wenn die kleinen Alpha Männchen in der Schule über Genderfragen und Homosexualität erzählt bekommen, werden sie plötzlich selber schwul oder Schlimmeres, das muss natürlich vermieden werden.


Quote
herr-s

... "Manche konservative Gruppen hingegen behaupten, das Gesetz würde Homosexualität fördern und die Einheit türkischer Familien zerstören".
Soll das bedeuten: Wenn ich meine Frau nicht prügeln darf, werde ich schwul?

Der Irrsinn religiöser Fanatiker lässt sich offensichtlich immer noch steigern.


Quote
profeline

Wenn ich meine Frau nicht prügeln darf, werde ich schwul? - Habe ich mich auch gefragt. Gehört Gewalt gegen Frauen derart zur Identität eines „richtigen“ Mannes, dass er keiner mehr ist, wenn er diese Gewalt nicht mehr ausüben darf?


Quote
Dazu folgendes:

Dass einem diese unfassbare Angst vor Homosexualität nicht selbst lächerlich vorkommt, ist wirklich bemerkenswert.


Quote
Charlie-Brown

Prinzen dulden eben keinen Wiederspruch.


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« Reply #205 on: August 06, 2020, 11:18:03 AM »
Quote
[...] Die Zahlen sind ja schon ziemlich eindeutig: Laut einer französischen Studie, die sich zur Analyse von sexistischen Beleidigungen den Zeitraum von 2006 bis 2016 angeschaut hat, werden 86 Prozent der Opfer von Männern angegangen. Die Wahrscheinlichkeit, dass Frauen sexistisch beleidigt werden, ist etwa zehnmal höher als bei Männern. Es betrifft häufig Frauen unter 35, es wird ihnen zumeist in aller Öffentlichkeit direkt ins Gesicht geschleudert, und es geht dabei mehrheitlich um ihre äußere Erscheinung. Gerne auch aus Gruppen heraus und am liebsten von Männern, die einige Jahre älter sind als ihre weiblichen Opfer. Mit anderen Worten: Sexistische Beleidigungen gegen Frauen sind nicht die Ausnahme, sondern die Regel. Und Täter sind auch nicht nur einige wenige, irrelevante Männer. Wir reden unter anderem von dem 65-jährigen Republikaner Ted Yoho, der die 30-jährige Abgeordnete Alexandria Ocasio-Cortez auf den Stufen des Washingtoner Kapitols "widerlich, gefährlich und irre" nannte und vor Umstehenden noch ein "fucking bitch" nachschob.

... Neben der Tatsache, dass Mann offenbar wenig bis gar keine Skrupel hat, Frauen derart verbal zu belästigen und herabzusetzen, sind zwei Dinge besonders bemerkenswert.

Zum einen die Dünnhäutigkeit von Männern, die anscheinend mit der substanzlosen Oberflächlichkeit ihrer angeblich guten Manieren korreliert. Wenn man sich vor Augen führt, wie wenig offenbar notwendig ist, um sich zu derlei Verbalausfällen zu versteigen, dann scheint die bloße Existenz von Frauen in Führungspositionen, auf Podien, in politischen Entscheidungsgremien oder einfach nur auf der Straße schon Grund genug zu sein. Das, was Männer als Frechheit oder Anmaßung deuten, ist in den meisten Fällen einfach nur eine Frau, die etwas sagt. Die Position bezieht, anmerkt, kritisiert, vorschlägt und dabei nicht angesichts männlichen Dominanzgebarens in Ehrfurcht erstarrt. Und zum anderen fällt der großflächige Realitätsverlust dieser Männer auf. Die lächerlichen Lügen, mit denen sie ihr Selbstbild vom großzügigen Macher und "eigentlichen Frauenfreund" inszenieren, der leider, leider bei dieser einen unglücklichen Begebenheit missverstanden wurde, obwohl er doch so ein herzensguter Kerl ist.

... Tatsache ist, dass nicht Frauen wie Alexandria Ocasio-Cortez, Marianne Götsch oder auch Alexandra Wachter Männer schlecht aussehen lassen. Männer lassen Männer schlecht aussehen. Und das sollten gerade Männer ihnen nicht länger durchgehen lassen. (Nils Pickert, 4.8.2020)


Aus: "Herzerwärmende Frauenbeschimpfer" Nils Pickert (4. August 2020)
Quelle: https://www.derstandard.at/story/2000119097173/herzerwaermende-frauenbeschimpfer

Quote
Von hinterm Mond

Interessant ist in dem Zusammenhang mit "Dünnhäutigkeit" auch noch die weinerliche selbstmitleidige Überempfindlichkeit, die genau dieselben Menschen an den Tag legen, die über gern über andere herziehen und keine Hemmungen haben, Schwächere mit Beschimpfungen zu verletzen.

Häufig dann, wenn ein Täter (fast ausschließlich männlich) für seine Tat kritisiert wird, oder wenn ein Opfer es wagt, sich zu wehren. Das sorgt auch vor Gericht immer wieder für Fassungslosigkeit.

Auch in der Politik - wenn z.B. ein Politiker, dessen bereitwillige Korruptionsangebote öffentlich enthüllt werden, verärgert aus den Aufdeckern die "wahren" Kriminellen macht. Oder wenn nicht die Kriegsverbrecher, sondern die Whistleblower ins Gefängnis müssen.


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« Reply #206 on: August 11, 2020, 12:27:07 PM »
Quote
[...] [ Zu: "Prostitution in der DDR: Eine Untersuchung am Beispiel von Rostock, Berlin und Leipzig, 1968 bis 1989" (Deutsch) Taschenbuch – 9. Juli 2020
von Steffi Brüning (ISBN-13: 978-3954102174)
]


Wer an Sexualität in Deutschland im Jahr 1968 denkt, hat wahrscheinlich Rainer Langhans und die freie Liebe vor Augen. Doch während in der Bundesrepublik die sexuelle Revolution in vollem Gange war, gab es in der DDR mit dem 1968 beschlossenen neuen Strafgesetzbuch ein weiteres Repressionsinstrument, das speziell auf die weibliche Sexualität zielte. Denn dort galten mit Einführung des Paragrafen 249 Prostituierte als Asoziale und konnten mit mehrjährigen Haftstrafen belegt werden. Der Paragraf betraf jedoch nicht nur Frauen, die sich prostituierten: Schon sexuelle Freizügigkeit wurde unter der Prämisse "Gefährdung der öffentlichen Ordnung durch asoziales Verhalten" unter Strafe gestellt.

Die SED verwendete mit "Asozialität" den gleichen Begriff, der im Nationalsozialismus zur Verfolgung und Ermordung von Menschen diente, die auf verschiedene Art von der Norm abwichen. "Die SED übernahm diesen Begriff und verknüpfte ihn mit dem Fehlen einer legitimen Form von Arbeit, ohne die Kontinuität zum Nationalsozialismus zu thematisieren, obwohl diese Kontinuität nicht zu leugnen ist", sagt Historikerin Steffi Brüning, die mit ihrer neu erschienenen Arbeit "Prostitution in der DDR" die erste Untersuchung der vielfältigen Facetten des Rotlichtgewerbes im Sozialismus veröffentlicht hat.

Brüning hat sich auf die Städte Berlin, Leipzig und Rostock konzentriert. "Finanzstarke Kunden trafen Prostituierte in allen drei Städten, oft in den Bars der Interhotels. Überall sicherten und organisierten Netzwerke mit. Kellner vermittelten beispielsweise Kontakte, Prostituierte sorgten im Gegenzug für guten Umsatz und hohes Trinkgeld. Sexuelle Kontakte verlagerten sich oftmals in den privaten Raum der Frauen, da es keine Bordelle oder andere Arbeitsorte gab", so Brüning.

Brünings Analyse zeigt: Faktisch war Prostitution verboten, doch die Realität war komplizierter. Denn einerseits wurde Prostitution nicht immer geahndet, sondern teilweise sogar unterstützt, wenn sie der SED zuträglich erschien. Gleichzeitig fand der Paragraf 249 auch Anwendung, wenn es darum ging, Frauen zu unterdrücken, die ihre Sexualität allzu aktiv lebten oder deren Leben den Normvorstellungen des SED-Regimes aus anderen Gründen nicht entsprach. So war Prostitution im Sozialismus mit dem Fehlen einer legitimen Arbeit verknüpft, wurde also erst dann strafbar, wenn man sich Frauen der sozialistischen Wirtschaft nicht als Arbeitskraft zur Verfügung stellten. Hier, wie in anderen Bereichen, bekommt das Bild der "emanzipierten Ostfrau" bei näherer Betrachtung Risse.

"Die SED rühmte sich damit, quasi automatisch durch die Einführung des 'Sozialismus' Geschlechtergerechtigkeit hergestellt zu haben. Der Umgang mit Prostituierten zeigt, dass das nicht gelang", sagt Brüning. "Frauen wurden enge Normen gesetzt, aus denen sie nicht ausbrechen sollten. Sexuelle Freizügigkeit, der Kontakt zu verschiedenen Männern, die nicht aus der DDR kamen, mit Sex Geld zu verdienen, sich selbstbestimmt Freiheiten zu nehmen - all das verstieß gegen die konservativen Moralvorstellungen und arbeitspolitischen Interessen der SED. Sobald Frauen sich wie selbstbestimmte Akteurinnen verhielten, konnten sie Probleme bekommen, und das betraf nicht nur Prostituierte", so Brüning.

Ihre Analyse offenbart auch das engstirnige Frauenbild der SED: Die Partei sah sie als sexuell passiv, regimekonforme Sexualwissenschaftler unterstellten ihnen, nur bei Liebe Lust empfinden zu können. Die monogame Beziehung zwischen Mann und Frau galt als Ideal - und "kleinstes Kollektiv in der DDR".

Amtsdeutsch hießen Frauen, die viele Partner hatten, Personen mit "häufig wechselnden Geschlechtspartnern" oder kurz "HWG". War eine Frau einmal als eine solche erfasst, so konnte sie zu regelmäßigen ambulanten Kontrollen auf Geschlechtskrankheiten verpflichtet oder in geschlossene Krankenanstalten wie die venerologische Station in Berlin-Buch zwangseingewiesen werden. Die Station in Buch wurde in der Umgangssprache abwertend als "Tripperburg" bezeichnet. Dabei waren die Mädchen und Frauen, die dort nach Geschlechtskrankheiten untersucht wurden, zu etwa 70 Prozent gesund, sagt Birgit Marzinka, Leiterin des Dokumentationszentrums "Lernort Keibelstraße". Ziel dieser Stationen sei die Disziplinierung der Frauen und Mädchen gewesen sowie ihre Erziehung zu dem, was als sozialistische Persönlichkeit galt.

 Prostitution wurde von der SED als kapitalistisches Phänomen dargestellt und damit auch instrumentalisiert, um den Westen abzuwerten. An junge Mädchen wurde die Warnung verschickt, sie würden in westdeutschen Rotlichtvierteln versklavt, sollten sie Republikflucht begehen. Gleichzeitig war den Herrschenden des SED-Regimes jedes Mittel recht, um an Informationen aus dem Westen zu gelangen - auch der Einsatz von Prostituierten.

Als "Honigfallen" wurden Informantinnen auf Diplomaten, Unternehmer und Journalisten überwiegend aus dem nichtsozialistischen Ausland angesetzt. "Dabei waren sexuelle Kontakte immer auch Mittel zum Zweck, aber nie das ausschließliche Ziel der Tätigkeit. Es ging darum, dass Frauen als Inoffizielle Mitarbeiter (IM) möglichst langfristige vertrauensvolle Beziehungen zu diesen Männern aufbauen und keine schnellen sexuellen Begegnungen stattfinden. Diese Informantinnen waren intelligent, gut ausgebildet, sehr attraktiv und politisch loyal gegenüber der SED. Sie wurden oft nicht als Prostituierte wahrgenommen", sagt Brüning. Zu den Anforderungen für diese Frauen zählte unter anderem eine "vaterländische Gesinnung".

Auf der anderen Seite wurden Prostituierte von der Staatssicherheit unter Druck gesetzt, als Informantinnen mit ihr zusammenzuarbeiten. "Angedroht wurden zum Beispiel Inhaftierungen, die Wegnahme der Kinder, der Verlust von Arbeit. Das führte dazu, dass Prostituierte sich oft sehr schnell auf eine Tätigkeit als IM einließen", so Brüning. Für ihre Untersuchung befragte sie vier Frauen, die in der DDR als Prostituierte gearbeitet hatten. Diese zu finden sei umständlich gewesen, so die Historikerin - doch als sie schließlich erzählen konnten, taten sie dies sehr umfassend. "Die Frauen wählten für sich in der Rückschau sehr verschiedene Beschreibungen. Für eine Frau, die sich aufgrund von Armut und Sucht auf der Straße prostituierte und nur eine geringe Bezahlung erhielt, war diese Zeit mit Scham verbunden. Eine andere Frau, die mit wohlhabenden internationalen Kunden in Kontakt war und Luxus erlebte, schwärmte von ihren Erlebnissen. Beide sehen sich im Nachhinein als Prostituierte, haben sich in der DDR aber selbst nicht so wahrgenommen", so Brüning.

Quelle: ntv.de


Aus: "Zwischen Honigfalle und asozial: DDR lehnte Prostituierte ab und benutzte sie" Sarah Borufka (Montag, 10. August 2020)
Quelle: https://www.n-tv.de/leben/DDR-lehnte-Prostituierte-ab-und-benutzte-sie-article21899486.html
« Last Edit: August 18, 2020, 09:18:32 AM by Link »

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« Reply #207 on: August 18, 2020, 09:26:28 AM »
Quote
[...] Kürzlich wurde am Kammergericht Berlin ein wegweisendes Urteil gefällt: Ein heute 38-jähriger Bundespolizist wurde wegen eines sexuellen Übergriffs zu einer Bewährungsstrafe und Schmerzensgeld verurteilt. Er hatte beim Sex mit einer damals 20-jährigen Polizeianwärterin heimlich das Kondom abgestreift. Das Gericht hat damit sogenanntes Stealthing für strafbar erklärt, in diesem Fall jedoch nicht als Vergewaltigung bewertet, da es sich um „keinen besonders schweren Fall“ gehandelt habe. Im Einzelfall könne Stealthing künftig aber auch als Vergewaltigung bestraft werden, so das Urteil.

Die Reaktionen kommen prompt, oft von männlicher Seite: Es hätten ja beide dem Sex an sich zugestimmt. Sei es da nicht nur eine Lappalie, ob nun mit Kondom oder nicht? Vielmehr gehe es doch um praktische Gefahren, wie die Angst vor Geschlechtskrankheiten oder die Möglichkeit einer ungewollten Schwangerschaft.

Auch wenn das wichtige Bedenken sind, sollten wir uns die Machtdynamik genauer ansehen:

Streift der Sexualpartner heimlich ohne Wissen seiner Partnerin das Kondom ab, entmündigt er sie in diesem Moment und darüber hinaus. Trotz der anfänglichen gemeinsamen Übereinkunft, Sex zu haben, stellt der Mann damit seine Bedürfnisse nach mehr Intensität über ihre Sicherheitsbedenken, schwanger zu werden oder sich möglicherweise mit einer Geschlechtskrankheit anzustecken. Kommuniziert wird: „Meine Entscheidung ist mehr wert als deine.“

In eine Situation der Lust und Intimität tritt mit einer Handbewegung Verrat und Gewalt, mit möglichen erheblichen Konsequenzen. Es ist eine Demonstration seiner Macht, sie wird in dieser Dynamik degradiert. Die dahinterliegende Anspruchshaltung: Er hat das Recht auf die Entscheidung, ob ein Kondom verwendet wird – sie nicht.

„Wer gegen den erkennbaren Willen einer anderen Person sexuelle Handlungen an dieser Person vornimmt“, macht sich strafbar. So heißt es in § 177 im Strafgesetzbuch. Der Konsens war zwar im genannten Fall vorhanden, aber nur unter der Voraussetzung, dass ein Kondom verwendet wird. Die einvernehmliche Absprache galt nicht für Sex ohne Kondom.

Wohlwissentlich und um diese Diskussion zu umgehen, wird das Kondom beim Stealthing heimlich abgestreift. Das ist kein konsensueller Sex mehr, das ist also eine Vergewaltigung und verletzt zutiefst das Recht auf sexuelle Selbstbestimmung. Die dahinterliegenden Machtverhältnisse, dass eine Frau zum Objekt wird, sind beim Stealthing und bei einer Vergewaltigung die gleichen, die psychischen Folgen für das Opfer sind ebenso schlimm.

Ich kenne viele Frauen in meinem Umfeld, denen es so ergangen ist, inklusive mir selbst. Es fallen dann gerne Sätze wie: „Warum habe ich nicht besser aufgepasst?“ oder „Wo habe ich den Moment verpasst, die Frage mit dem Kondom wirklich unerschütterlich zu klären?“

Verärgert werden die Kosten für die Pille Danach und einen HIV-Test bezahlt, aber das Unbehagen bleibt. Der Verrat auch.

Die Anspruchshaltung vieler Männer, insbesondere in Bezug auf Sex, wird uns jeden Tag vorgelebt – in Filmen, Medien und Büchern. Es ist eine Mär, dass die Frau doch eigentlich wolle und sich nur ziere. Es ist ein Mythos, dass Frauen Nein sagen, aber Ja meinen.

Spätestens durch die #MeToo-Bewegung hat sich in den vergangenen Jahren schon einiges in der öffentlichen Wahrnehmung und Diskussion getan. Das Sexualstrafrecht wurde reformiert, ein Nein heißt nun Nein. Die gesellschaftlichen Anspruchshaltungen und Rollenbilder, wie Männer und Frauen vermeintlich zu sein haben, sind aber immer noch fest in den Köpfen vieler Menschen verankert. Und so halten sich Argumentationslinien, die sexualisierte Gewalt und Vergewaltigungen immer wieder verharmlosen. Selbst Bekannte und Freund*innen suchen die Schuld bei der Frau, wenn sie fragen: „Das musst du doch gemerkt haben?“

Davon profitieren vor allem die Täter. So geben wir ihnen fälschlicherweise zu verstehen, die Tat sei wirklich nicht so schlimm gewesen. Dabei wäre es an der Zeit, dass wir unseren Fokus und unser Mitgefühl den Betroffenen widmen. Es ist wichtig, die Dinge beim Namen zu nennen. Wir geben damit den Betroffenen die Menschlichkeit zurück. Und Täter müssen endlich die Konsequenzen für ihr Handeln tragen.

Wenn wir als Einzelne und als Gesellschaft stattdessen alte Muster verteidigen, verteidigen wir eine Kultur, in der die Bedürfnisse des Täters über denen der Betroffenen stehen. Solange wir diese Taten kleinreden, verteidigen wir eine Kultur der Ungleichheit der sexuellen Selbstbestimmung.




Aus: "Warum Stealthing als Vergewaltigung bewertet werden sollte" Gerlinde Schrön (17. August 2020)
Quelle: https://ze.tt/warum-stealthing-als-vergewaltigung-bewertet-werden-sollte/


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« Reply #208 on: August 18, 2020, 09:29:18 AM »
Quote
[...] Der Schwangerschaftsabbruch bei einem zehnjährigen Mädchen, das von seinem Onkel vergewaltigt worden ist, hat in Brasilien eine heftige Kontroverse ausgelöst und zu Drohungen seitens rechter Aktivisten geführt. Wie verschiedene brasilianische Medien berichteten, forderte die Justiz des Bundesstaates Espríto Santo soziale Netzwerke dazu auf, Veröffentlichungen mit Informationen über das Mädchen zu löschen. Der Onkel, der das Mädchen seit seinem sechsten Lebensjahr missbraucht haben soll, ist auf der Flucht.

Zuvor hatte die rechtskonservative Politikerin Sara Winter den Namen des Mädchens und das Krankenhaus, in dem der Abbruch vorgenommen werden sollte, veröffentlicht. Winter, ehemals selbst feministische Aktivistin, ist seit mehreren Jahren als Gegnerin von Schwangerschaftsabbrüchen bekannt und war bis vor Kurzem im Frauen- und Familienministerium des Landes für Mutterschaftspolitik verantwortlich. Die jetzige Frauen- und Familienministerin und evangelikale Priesterin Damares Alves bedauerte derweil auf Facebook die Entscheidung der Justiz, dem Mädchen das Recht auf einen Schwangerschaftsabbruch zuzugestehen. Beide gelten als Unterstützerinnen des rechtsextremen Präsidenten Jair Bolsonaro.

Die brasilianischen Gesetze zu Schwangerschaftsabbrüchen stammen noch aus den Vierzigern und sind dementsprechend streng. So sind sie nur nach einer Vergewaltigung und bei Gefahr für das Leben der Mutter erlaubt. Gewöhnlich werden derartige Fälle unter Stillschweigen verhandelt. In diesem Fall wurden sie politisch: Winter veröffentlichte nicht nur die Daten des Mädchens, sondern hat dem britischen Guardian zufolge auch behauptet, staatliche Behörden hätten das Mädchen entführt, um einen Abbruch zu erzwingen. Tatsächlich musste das Mädchen in ein Spezialkrankenhaus gebracht werden, nachdem eine Klinik in Espríto Santo den Eingriff abgelehnt hatte. Vor dem Krankenhaus hatten sich konservative Politiker und Gegner von Schwangerschaftsabbrüchen versammelt und den zuständigen Arzt als "Mörder" bezeichnet.

Dem brasilianischen Jahrbuch für öffentliche Sicherheit zufolge werden stündlich vier brasilianische Mädchen unter 13 Jahren vergewaltigt. Die meisten Täter sind demnach Verwandte. Von den insgesamt 66.000 Vergewaltigungsopfern in Brasilien im Jahr 2018 war mehr als die Hälfte Mädchen unter 13 Jahren. Die strenge Gesetzeslage führt zudem zu einer hohen Zahl an illegalen Schwangerschaftsabbrüchen. Dem Guardian-Bericht zufolge bricht jede Minute eine brasilianische Frau illegal eine Schwangerschaft ab, insgesamt eine halbe Million pro Jahr.


Aus: "Zehnjährige wegen Schwangerschaftsabbruch von Extremisten bedroht" (18. August 2020)
Quelle: https://www.zeit.de/gesellschaft/zeitgeschehen/2020-08/brasilien-zehnjaehriges-maedchen-schwangerschaftsabbruch-religioeser-extremismus

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« Reply #209 on: August 25, 2020, 05:05:30 PM »
Quote
[...] Es kommt nicht alle Tage vor, dass eine Popnummer Gynäkologen auf den Plan ruft. Wenn sie allerdings WAP, wet-ass pussy, heißt, müssen sich nicht nur musikalische Fachleute, sondern auch Fachärzte in die Exegese reinknien. Nein, starke vaginale Feuchtigkeit beim Sex deutet nicht unbedingt auf Krankheiten hin, erklärt da zum Beispiel die Frauenärztin Dr. Jen Gunter in der New York Times anlässlich des Tracks und der Reaktionen darauf. So haben amerikanische Rechtskonservative wie der Chefredakteur von The Daily Wire, Ben Shapiro, öffentlich behauptet, dass es bei den beiden Rapperinnen nässetechnisch nicht ganz mit rechten Dingen zugehen könne.

Am anderen Ende des politischen Spektrums deutet die New Yorker Demokratin Alexandria Ocasio-Cortez, bekennender Cardi-B-Fan, dagegen die Abkürzung WAP gleich scherzhaft zum Wahlspruch "Women Against Partriarchy" um.

Das vor drei Wochen erschienene und bisher auf Youtube 130 Millionen Mal aufgerufene Opus der beiden US-Rapperinnen Cardi B und Megan Thee Stallion, eine etwa dreiminütige Ode an die gut im Saft stehende Vagina, mit erwartungsgemäß explizitem Text und einer Bildsprache, die dem um nichts nachsteht, ist ein Politikum. Nicht zuletzt, weil Cardi B den Wahlkampf des Demokraten Bernie Sanders unterstützte, als dieser noch im Rennen war. Konservative nutzen diese Verbindung, um Demokraten über den Umweg des WAP-Videos eine antifeministische Haltung vorzuwerfen. Frauen, die sich so zeigen, könnten ja keine Feministinnen sein, so der Tenor.

Man hat in Musikvideos, in Pop- und Raptexten schon so einiges in aller Deutlichkeit gesehen und gehört; trotzdem ist Offenherzigkeit nicht gleich Offenherzigkeit: Cardi B, die einzige Frau, die einen Grammy für das beste Rap-Album im Alleingang gewonnen hat, Brecherin zahlreicher Streamingrekorde und unaufhaltsames Internetphänomen, und Megan Thee Stallion, die ihren großen Durchbruch der App Tiktok zu verdanken hat, wo ihre Single Savage erst dieses Jahr viral ging, sind eine Art sex-positives Dreamteam.

Die nicht auf den Mund gefallene Cardi B arbeitete als Stripperin, bevor sie zu rappen anfing, und finanzierte sich so einige Zeit lang das College. Die 25-jährige Megan Thee Stallion, die den Namen "Hengst" aufgrund ihrer imposanten Physis stolz trägt, mauserte sich auch raptechnisch früh zum besten Pferd im Stall. Beide stehen für ein Frauenbild des absoluten Selbstvertrauens – sowohl in die eigenen Fähigkeiten als auch in den Luxuskörper. Ja, sexy wollen sie sein, aber nicht unbedingt auf die verführerische, gefällige Weise, sondern mit gespreizten Beinen voran. Den sogenannten Male Gaze, den sabbernden Blick der Männer, zu befriedigen mag zwar nach dem Motto "Komme, wer wolle" passieren, ist aber nicht das eigentliche Ziel. Hier geht es um weibliche Selbstermächtigung. Die darf man freilich schwer obszön finden, sie ist aber wohl kaum antifeministisch.

Was die beiden besser als viele männliche Kollegen, die über ihre primären Geschlechtsmerkmale rappen, können, ist zu fordern, ohne zu degradieren. Der Mann hat zwar bitte Leistung zu bringen, er wird deswegen aber nicht als Hure abgestempelt.

Weiters steht die Sichtbarkeit schwarzer Frauen im Zentrum. Frauen, die das Leben, sich selbst und einander inmitten einer Krise feiern, die das Ideal von weißen, schlanken Frauenkörpern hinterfragen. Und es geht um nichts Geringeres als den amerikanischen Traum: aus dem Nichts zum weltweiten Erfolg – bei Cardi B und Megan Thee Stallion ist das eben ein sehr feuchter Traum.

WAP ist freilich auch eine wohlkalkulierte Provokation, eine Bombe, abgeworfen über einem immer prüder werdenden Amerika der Gegensätze, dessen Präsident insgeheim selbst vom "Pussy-Grabben" ohne Einwilligung des Gegenübers träumt. Die Macht, die Entscheidungsgewalt über den eigenen Körper holen sich Cardi B und Megan Thee Stallion quasi zurück.

Die Faktoren Tabubruch – denn ja, vaginale Feuchtigkeit ist tatsächlich kein breit diskutiertes Thema – und politische Brisanz, sowohl im Sinne von Parteipolitik als auch Body-Politics plus zwei der aktuell größten Rap-Stars, die mit allen Wassern des Internets gewaschen sind und nicht nur Musik, sondern Memes produzieren, ergeben den Popkulturmoment des Jahres. Es schadet dabei nicht, dass WAP auch eine ziemlich eingängige Nummer ist. Ein einfacher, basslastiger Trap-Beat und das im Loop laufende Sample Whores in this House, eine 1993 erschienene House-Nummer von Frank Ski, hat alles, was ein Hit dieser Tage braucht.

Auch das Video stellt ein "Hurenhaus" dar, durch das Cardi und Megan nebst vielen weiblichen Gaststars feucht-fröhlich twerken. Ob Bernie Sanders das Video bereits gesehen hat, ist übrigens nicht überliefert. (Amira Ben Saoud, 25.8.2020)


Aus: "Cardi Bs und Megan Thee Stallions feuchter amerikanischer Traum" Amira Ben Saoud (25. August 2020)
Quelle: https://www.derstandard.at/story/2000119572905/cardi-bs-und-megan-thee-stallions-feuchter-amerikanischer-traum

Quote
le Sucre

Ich bezweifle sehr stark dass es Cardi B um antipatriachalen Aktivismus, Body/Sexpositivity oder gar Feminismus geht sondern eher um relativ altmodisches sex-sells.
Bzw. controversy-sells. Wenn sich Ben "Destroyer with Facts and Logic" Shapiro und Alexandria "Madam President 2032" Ocasio-Cortez zu Wort melden kriegt das ganze einen ideologischen Anstrich.
Eigentlich ist es schon interessant: die Selbstreduktion auf primäre Geschlechtsorgane und Lustobjekt gilt als Empowerment. Stoff für viele Dissertationen.
aber gut, wie einiger Nutzer schon anmerken disqualifizieren mich sowohl mein Y-chromosm und mein für Sonnenbrand anfälliger Hautton für irgendeinen Kommentar :)


Quote
El Gaucho

Nichts, was in den letzten Jahren auf dem Fließband produziert wurde und als Popmusik verhökert wird, wird je Bestand haben. Nach 2 Monaten kräht kein Hahn mehr danach, dann kommt der nächste Plastikmüll. "Popkulturmoment des Jahres" beschreibt diese Steppe passend, wenn es das gewesen sein soll.


Quote
Kid Icarus

"I don't cook, I don't clean", definitiv (postmodern) feministisch, halt auf die afroamerikanische Weise. Und markante Stimmen sowie eine ordentliche Technik, offensichtlich haben die Frauen auch handwerklich aufgeholt, Ghostwriting hin oder her (haben Männer manchmal auch), also ein echter Rap-Hit. Meine bessere Hälfte meint halt, die Ladies wären aufgrund der aufreizenden Kleidung schlechte Vorbilder für junge Mädchen. Dazu kann ich leider aber nichts sagen :-)


Quote
halbelf

uff, heute merkt man wieder allzu gut den mief des alten, weißen mannes, der die mehrheit in den standarforen stellt.


Quote
monoton

Ich verstehe Rap einfach nicht, immer die gleiche billigst Produzierte Einheitsmusik mit pseudoprovokanten Texten.
Wen dieses Rezept nach jahrzehnten immer noch begeistert kann ich nicht verstehen.


Quote
Word of mouth

Das stimmt ja nicht. Rap ist sehr facettenreich. Aber das Sie Rap nicht verstehen, dass stimmt.


Quote
bixente uhudla

Ich finde das Video geil...und ich finde es witzig, dass man Sexualisierung, wenn sie von Frauen kommt dann doch irgendwie als feministisch umdeutet, während Sexualisierung, wenn sie von heterosexuellen Männern kommt, immer automatisch als Sexismus diffamiert...(bei homosexuellen Männern ist man sich dann nicht so sicher ob das noch Sexismus oder schon Enpowerment ist, wenn sie sexualisierte Inhalte bringen)

Aber vielleicht hilft das ganze ja weiter, und man lernt auch in der feminstischen Blase endlich zwischen sexistischen Inhalten und sexualisierten Inhalten zu unterscheiden...


Quote
sicher nicht

Welch tiefgründiges, lyrisches Musikstück. Ich darf zitieren:

Spit in my mouth, look in my eyes
This pussy is wet, come take a dive
Tie me up like I'm surprised
Let's roleplay, I'll wear a disguise
I want you to park that big Mack truck right in this little garage
Make it cream, make me scream
Out in public, make a scene
I don't cook, I don't clean
But let me tell you how I got this ring (Ayy, ayy)

oder doch etwas weiter im Text?

Look, I need a hard hitter, need a deep stroker
Need a Henny drinker, need a weed smoker
Not a garter snake, I need a king cobra

Danke, was für ein empazipatorisches Meisterwerk. ...


Quote
don't follow me

Also eins muss man schon sagen.
Das ist ein ziemlich langweiliger Porno.


Quote
OneWayStreet

Cardi B. hat übrigens selbst ungewolltes "Grabben" in ihrer Vergangenheit begangen. Allerdings nicht Genitalien, sondern Wertsachen von Männern, die von ihr unter Drogen gesetzt worden sind um sie auszurauben.


"Cardi B’s Explanation: For Drugging And Robbing Men Only Makes It Worse" 03/27/2019
The Grammy-winning rapper faced backlash after saying it was something she “needed to do to make a living.”
By Lee Moran
Cardi B’s attempt to explain why she drugged and robbed men during her time working as a stripper has not gone down well.
The “Bodak Yellow” rapper responded to criticism of a newly resurfaced, years-old Instagram Live clip, in which she made the admission, with a lengthy statement that she shared to Twitter on Tuesday: All I can do now is be a better me for myself my family and my future.
...
https://www.huffpost.com/entry/cardi-b-drugs-robs-men-backlash_n_5c9b3367e4b072a7f6017ab8


Quote
BernhardvonAosta

Ich habe gehört das soll man in diesen Kreisen "street credibility" nennen.


Quote
ahoihoi

Das ist wahre Emanzipation, quasi der Robin Hood der Feministen.


Quote
Der fidele Castro

"There're some whores in this house" - Jetzt hat man mir seitens des Standards seit Jahr und Tag versucht einzuprügeln, dass so was als sexistische Objektifizierung vom Patriarchat zu klassifizieren ist... ...und nun da das endlich internalisiert hab, sagt man mir es sei "sexpositiv".


Quote
Saïd Nuff

Bei manchen Sachen kommt es halt tatsächlich drauf an, WER sie sagt.


...

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« Reply #210 on: August 27, 2020, 11:02:56 AM »
Quote
[...] WAP heißt das Lied, das die US-amerikanischen Rapperinnen Cardi B und Megan Thee Stallion vor zwei Wochen herausgebracht haben, seither wurde es auf YouTube über 130 Millionen Mal angeklickt, bei sämtlichen Streaming-Diensten rangiert es auf dem ersten Platz. WAP ist die Abkürzung für "Wet-Ass Pussy", im Text berichten die Künstlerinnen von ihren sexuellen Vorlieben, zu denen unter anderem die Benutzung von Halsbändern und Handschellen gehört. In jedem Fall legen sie Wert darauf, sich beim Geschlechtsverkehr in der dominanten Position zu befinden, auch weil sie das Reiten auf den unten liegenden Männern als Beckengymnastik schätzen. Viel mehr Spaß als an ihren Lusterfüllungsgehilfen haben sie ohnehin an sich selber, insbesondere an ihren im Lied gefeierten feuchten, nassen, tropfenden, strömenden Muschis; wer kommt, um sie zu vögeln, soll Eimer und Feudel mitbringen, rappt Cardi B im Refrain.

Manche Kommentatoren haben dem Lied Obszönität attestiert; dieser Eindruck ist nicht ganz von der Hand zu weisen. Dass Rap-Texte eine Neigung zur sexuellen Explizitheit besitzen, ist andererseits keine neue Erkenntnis, führt aber nur selten noch zu nennenswerten Debatten – schon gar nicht, wenn es Männer sind, die die Größe ihres Glieds berappen und ihre Qualitäten als Hengst. Erst jetzt, wo zwei Frauen von ihrer sexuellen Souveränität künden und von der Lust an ihrem Körper, fürchtet das konservative Amerika die kulturelle Apokalypse. Der republikanische Politiker James P. Bradley wollte sich nach dem Hören von WAP sofort "die Ohren mit geweihtem Wasser auswaschen". Der konservative Star-Kommentator Ben Shapiro versuchte sich gar an einer gynäkologischen Ferndiagnose: Die beiden Künstlerinnen litten wohl unter einem Hefepilzbefall ihrer Genitaltrakte oder unter Trichomoniasis; denn bei einer gesunden Frau sei die Vagina bekanntlich trocken.

Woraufhin – und damit wird die Sache noch toller – zahlreiche echte Gynäkologinnen das Wort ergriffen, um klarzustellen, dass der Ausfluss von Scheidensekret nichts Krankhaftes sei, sondern im Gegenteil gesund, völlig natürlich und dazu geeignet, das sexuelle Empfinden zu steigern. Die Einzigen, die damit offenkundig immer noch ein Problem hätten, seien Männer, die sich vor Flüssigkeiten fürchteten, vor dem Geruch des Sekrets oder vor grindigen Rückständen auf ihrem Penis – und eine Schönheitsindustrie, die etwa in den "underwear challenges" auf Instagram aseptisch reine Frauenkörper feiert und normiert. Die Gynäkologin Jen Gunter schrieb in der New York Times, in ihrer Praxis versuche sie täglich, junge Mädchen vor solchen falschen Hygienekonzepten zu schützen und ihnen ein positives Verhältnis zu ihrer Körperlichkeit zu vermitteln, zur Sexualität und auch zur Masturbation – für diese Art der Aufklärungsarbeit habe das Lied WAP einen unschätzbaren Wert.

So ist Cardi B, die erfolgreichste Rapperin der USA, auch zur erfolgreichsten Sexualaufklärerin des Landes geworden – in einem Sommer, in dem dieses Land um die Ab- oder Wiederwahl eines Präsidenten ringt, der sexuelle Übergriffe für ein angeborenes Männlichkeitsrecht hält. Gegen Trump hat Cardi B schon des Öfteren mobilgemacht, zuletzt vor allem wegen seines desaströsen Umgangs mit der Corona-Pandemie. Bei den demokratischen Vorwahlen unterstützte sie Bernie Sanders; nun veröffentlicht die September-Ausgabe der Elle aber auch ein wohlwollendes Gespräch von ihr mit Joe Biden. Sie fordert ihn auf, für eine bessere Gesundheitsversorgung zu kämpfen, für die Unterstützung alleinerziehender Mütter und für ein Bildungssystem, das auch ein armes Kind aus der Bronx, wie sie eines war, fördert. Gegenüber Bidens Bekundungen, all das genau so zu tun, bleibt sie hörbar ein wenig misstrauisch. Doch das Wichtigste sei jetzt, darin sind die beiden sich einig, die jungen Wählerinnen und Wähler zur Abstimmung zu bringen und Trump aus dem Amt zu jagen.

Cardi B hat 75 Millionen Follower auf Instagram; die Millennials sind von ihr fasziniert wie von keinem anderen Star. Ein Vierteljahr vor der Wahl will sie ihnen zeigen, dass die alten weißen republikanischen Männer nicht nur schlechte Politik machen, sondern auch schlecht im Bett sind, weil sie nicht wissen, wie man eine Frau befriedigt – oder nicht mal wissen, dass sie das wissen sollten. Vielleicht braucht es die Männer dazu auch gar nicht? Im Video zu WAP kommen jedenfalls keine vor. Darin sieht man die beiden Rapperinnen in einem großen, bunten und labyrinthischen, jedenfalls sehr feuchten, stellenweise überfluteten Schloss; sie haben sich zum Tanzen und Schubbern und An-sich-Herumspielen ein paar andere Musikerinnen hinzugeladen. Gemeinsam und jede für sich feiern sie ihre Körper und ihre Lust. Männer sind dazu gar nicht vonnöten; sie werden zur Stimulanz nicht gebraucht und nicht mal als sexuelle Objekte.

Die Rapperinnen eignen sich den Sexismus der Männer nicht an und kehren ihn auch nicht einfach um; vielmehr ersetzen sie ihn durch weibliche Autonomie. Wir sehen hier mithin nichts anderes als eine vollendete Emanzipation. Dass das Sexuelle politisch ist: Das haben schon frühere Generationen engagierter Popkünstler und -künstlerinnen erkannt. Doch wurde diese Erkenntnis noch nie so virtuos umgesetzt wie von Cardi B, mit solcher Klugheit und Wucht, solchem Glamour und so perfektem Gespür für den rechten Moment.


Aus: "Dominante Position" Jens Balzer (26. August 2020)
Quelle: https://www.zeit.de/2020/36/rapsong-wap-cardi-b-megan-thee-stallion-usa-video

Quote
guy_noir #7

wie gemein, der zitierte GOP typ und andere kritiker des songs haben rein gar nichts gegen maennlichen gangsta macho rap, sind jedoch so unfair und boese zu den maedels.


Quote
deep_franz #4

Wie bei jeder Kunstform, die scheinbar oder tatsächlich alle Möglichkeiten der Innovation ausgeschöpft hat, bleibt nur noch die Steigerung in Extreme.
So werden beim immer größere Autos aufgezählt, bis nach dem Maybach nur noch ein Flugzeugträger als Fahrzeug herhalten kann, die wundervolle Dominanz der "Gangsta" schließlich in Richtung kleiner oder großer Diktator driftet, die künstlichen sekundären Geschlechtsmerkmale aus dem Inventar von Hüpfburgen stammen könnte und nun fließt es eimerweise aus den primären Geschlechtsorganen weiblicher Epigonen dieser Kunstform, was dann bitte als eine Art emanzipatorischer Akt gesehen werden soll. ...


Quote
weltscherz #4.7

"..., was dann bitte als eine Art emanzipatorischer Akt gesehen werden soll."

...währenddessen die gleiche klaviatur des sexualisierten narzissmus bespielt wird. allein, es scheint nicht aufzufallen.


Quote
MareikeA #6

ich finde das Video sehr schön und habe keine Bedenken, wenn meine großen Kinder (9 +12) sich das Video auch ansehen - sie verstehen den Text ja noch nicht ;-)
(mit dem ich allerdings auch kein Problem habe)


Quote
joaber #6.1

Ist auch immer meine Meinung zu "Bobby Brown" von Franz Zappa.


Quote
Hitch-22 #6.2

Wir sind ja auch in Deutschland, da sieht man manchmal im Nachmittagsprogramm im TV expliziteres.


Quote
Azenion #8

Bei der Gelegenheit wäre die Pionierarbeit der Pornobranche zu erwähnen, wo Vaginas gar nicht feucht genug sein können, und Squirting schon lange ein Thema ist.
Nicht durch Zufall sind im globalen und historischen Vergleich Länder, in denen es Pornographie gibt, für Frauen die liberalsten. Zum Glück hat das der moderne Feminismus inzwischen auch eingesehen.


Quote
Hitch-22 #8.1

"Nicht durch Zufall sind im globalen und historischen Vergleich Länder, in denen es Pornographie gibt, für Frauen die liberalsten."

Das ist tatsächlich eine interessante Beobachtung. Den Feminismus sehe ich aber tatsächlich in der Frage etwas zwiegespalten. Auch da gibt es sehr reaktionäre Formen. Alice Schwarzer ist ein prominentes Beispiel.


Quote
Petrucciation #8.2

"Den Feminismus sehe ich aber tatsächlich in der Frage etwas zwiegespalten. Auch da gibt es sehr reaktionäre Formen. Alice Schwarzer ist ein prominentes Beispiel."

Das ist wirklich ein interessantes Phänomen. Schwarzer in allen Ehren, was sie damals bewirkt hat, aber danach wurde es an vielen Stellen häufig widersprüchlicher und damit meine ich nicht nur ihre geradezu absurde Allianz mit der BLÖD-Zeitung. Es schein fast so, als versuchte sie auf Teufel komm raus, versteckte implizite fehlende Emanzipation in schon emanzipierten Sektoren zu sehen.


Quote
violettagetyourgun #8.3

Pornofilme bedienen männliche Sexualphantasien.

Frauen werden in den Filmen zum Objekt gemacht und erniedrigt.
Oft werden gewalttätige Praktiken gezeigt.
Halten sie es für emanzipatorisch und befreiend für eine Frau, wenn ihr in jede ihrer Öffnungen ein Penis gerammt wird ?
Ich nicht. Wenn sie das reaktionär finden, bitte sehr.


Quote
Petrucciation #8.4

"Pornofilme bedienen männliche Sexualphantasien."

Es stimmt sicherlich, dass in der Pornoindustrie nach wie vor vorallem der männlichen Phantasiesektor eine Rolle spielt. ... Die Zeit selbst hat dazu in den letzten Monaten so einige Artikel rausgebracht, auch mit dem Fokus auf feministische Richtungen hier.

"Frauen werden in den Filmen zum Objekt gemacht und erniedrigt."

Hm, also es gibt sicher auch eine Menge SM-Pornos, in denen die Rollen dann doch etwas vertauscht sind. Etwas weniger schwarz weiß wäre bei der Debatte vielleicht doch hilfreicher.


Quote
Least Gentleman Alive #8.6  —  vor 1 Stunde

Entweder suchen Sie gezielt nach genau dieser Art von Porno oder Sie haben keine Ahnung vom Thema. Im Internet gibt es für jeden Geschmack die richtigen Filmchen, man muss nur nach den entsprechenden Begriffen suchen.

Rule 34 ist wahrer, als man auf den ersten Blick vielleicht glaubt.

Die Gründe für die Verbreitung von Rule 34 sind unbekannt. 2006 fand ein Eintrag in einem der meistgelesenen Internetwörterbücher, dem Urban Dictionary statt. Demzufolge ist „Rule 34 eine allgemein akzeptierte Internetregel, die feststellt, dass sich aus jedem vorstellbaren Gegenstand sexuell ausgerichtetes Material herstellen lässt.“
Zahlreiche Medien und Medientheoretiker beschrieben ab etwa 2009 Rule 34 als eines der Top-10-Gesetze des Internets.[3] Es gibt dazu inzwischen viele Varianten und Zusätze, etwa Rule 35, manchmal auch Rule 34b genannt: „If no porn is found at the moment, it will be made.“ (Falls im Moment kein pornografisches Material zu finden ist, wird es hergestellt werden.)

https://de.wikipedia.org/wiki/Rule_34


Quote
Ikarus95 #8.9

"Mag sein, allerdings haben die auch wohl mit Abstand den prüdesten und widersprüchlichsten Umgang damit wiederum, vorallem wenn man die Relation zur sonstigen Darstellung und Ausübung beispielsweise von Gewalt sich dort ansieht."

Da sehe ich in der Tat einen direkten Zusammenhang.


Quote
violettagetyourgun #8.10

Wer Pornographie kritisiert, ist ein Moralhüter oder eine altmodische Feministin ?

Pornographie zerstört die Erotik.

Die meisten Frauen stehen nun mal nicht auf seelenloses Rammeln und wollen auch nicht das nachturnen, was in den Filmen gezeigt wird.
Sie haben auch kein Interesse, mit den genormten Körpern in Konkurrenz zu treten.
Und mit den Liebhaberqualitäten vieler Männer scheint es auch nicht gerade zum besten zu stehen.
Vielen mangelt es an Kenntnissen des weiblichen Körpers und an Phantasie.
Der Verkauf von Vibrationen und Womanizern nimmt stetig zu.
Männer, die ständig onanierend vor ihren Filmchen sitzen, sind uninteressant.

Ich schaue keine Pornofilme. Schade, wenn Menschen keine eigenen Phantasien haben und für alles eine Vorlage brauchen.


Quote
Petrucciation #8.13

"Schade, wenn Menschen keine eigenen Phantasien haben und für alles eine Vorlage brauchen."

Es gibt auch etwas, das nennt sich Inspirationssuche. Nicht jeder Pornokonsument ist sicher per se ein seelenloser Süchtie, der seine eigene Phantasie zu den Akten gelegt hat. ...


Quote
Ikarus95 #8.14

"Wer Pornographie kritisiert, ist ein Moralhüter oder eine altmodische Feministin ?"

Ich kritisierte Ihre Tonalität, nicht, das Sie Pornographie kritisieren. Sie erwecken den Eindruck, als würden Sie für 'viele Frauen' sprechen. Weshalb?

"Pornographie zerstört die Erotik."
Das ist so der Klassiker. Das mag für Sie ja zutreffend sein, aber Ihr permanenter Drang, Ihr Empfinden zur allgemeingültigkeit erklären zu wollen, stört mich.

"Die meisten Frauen stehen nun mal nicht auf seelenloses Rammeln und wollen auch nicht das nachturnen, was in den Filmen gezeigt wird."

Woher wissen Sie, das das auf 'die meisten' Frauen zutreffend ist? Wieso stellen Sie diese Frage nicht in Bezug auf Männer?Oder glauben Sie, das man(n) nach einem Porno nur noch 'seelenlos herumrammelt' und das auch schön findet?

"Sie haben auch kein Interesse, mit den genormten Körpern in Konkurrenz zu treten."

Das ist Ihre persönliche Wahrnehmung, ich sehe mich auch nicht in Konkurrenz zu 25cm penissen oder zu irgendwelchen männlichen Sexsymbolen.

"Und mit den Liebhaberqualitäten vieler Männer scheint es auch nicht gerade zum besten zu stehen."
"Vielen mangelt es an Kenntnissen des weiblichen Körpers und an Phantasie."

Das tut mir persönlich leid für Sie, das Sie da keine oder wenig Befriedigung erfahren haben, aber es läge auch an Ihnen, Ihren PartnerInnen aufzuzeigen, was Sie gerne mögen.


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che1967 #11

"Der republikanische Politiker James P. Bradley wollte sich nach dem Hören von WAP sofort "die Ohren mit geweihtem Wasser auswaschen"

Ich schmeiß mich weg...


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yamato0815 #9

"Die Einzigen, die damit offenkundig immer noch ein Problem hätten, seien Männer, die sich vor Flüssigkeiten fürchteten, vor dem Geruch des Sekrets oder vor grindigen Rückständen auf ihrem Penis – und eine Schönheitsindustrie, die etwa in den "underwear challenges" auf Instagram aseptisch reine Frauenkörper feiert und normiert."

Ich glaub nicht das Männer sich vor feuchten M..... fürchten. Auf Pornoseiten sind m.W. sogenannte Squirting Videos sehr beliebt und Pornoseiten werden wohl mehrheitlich von Männern besucht. Vermutlich sogar von konservativen Männern.


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OleJohansen #12

Von einem Extrem ins andere. Schwänze sind geil, Männer braucht keiner ... wo leben wir hier. Können wir endlich Mal auf den Teppich kommen. Weder mit langen dicken Schwänzen noch super feuchten Muschis bekommen wir die Herausforderungen der Zeit gebacken. Sind wir hier im Kindergarten, wo man Stunden lang über Pupse rumalbert. Es gibt Männer, die nicht wissen, was Frauen wollen und Frauen, die keine Ahnung haben, was Männer wollen. Wie wäre es Mal mit zeitgemäßer Bildung für alle. Das würde auch bei anderen Problemen helfen.


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redshrink #15

Die USA oszillieren schon seit Jahrzehnten zwischen einer rigide-prüden Sexualmoral, welche vielfach ins Absurde entgleitet, und einer ungezügelten, kommodifizierten und oberflächlichen Sexualität, welche eher inszenierte Selbstdarstellung - und vermarktung darstellt als Verbundenheit mit einer anderen Person (und mit Verbundenheit meine ich nicht Paarbeziehung, sondern einfach nur Verbundenheit mit dem Sexpartner).

Dieses Video passt ganz in dieses Schema. Obszön, geschenkt. Es soll ja „mutig“ Kontroverse schüren. In den USA geht das wohl auch; Deutschland und Kontinental-Europa stehen in einer anderen Tradition. Das hatten wir schon in den 20er Jahren in besser.

Was immer dieses Video ist, es erscheint mit masturbatorisch und trotz aller Show leer und belanglos. Auch wenn jetzt zwei chirurgisch maximierte Frauen für viel Geld im Video „selbstbewusst“ den Macker machen, wirken sie eher zweidimensional und karikaturenhaft. Vielleicht für 12-jährige und ewig gestrige amerikanische Konservative noch ein Aufreger, aber ganz sicher keine Revolution.


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Nurmalamrande #21

Witzig. Das Besingen des eigenen Pillemanns und die Lobpreisung sexueller Leistungsfähigkeit im Rap empfand ich bisher eigentlich eher als genital-zentriertes Unvermögen, die Pubertät hinter sich zu lassen und zu gucken, was es sonst noch so gibt in der großen weiten Welt. Oft wird kritisiert, dass die Texte entweder direkt frauenverachtend seien oder Frauen nur als Objekt männlicher Lust vorkämen, dass im Zuge der Gleichberechtigung und Anerkennung der Frau als gleichwertig diese Art der Verobjektivierung des anderen Geschlechtes also schlicht dumm und nicht zeitgemäß seien. Deswegen witzig (s.o.), weil es jetzt als zeitgemäß, klug und gleichberechtigt angesehen wird, wenn Frauen GENAU DAS GLEICHE tun. D.h. nicht das Prinzip gilt als falsch, sondern die Tatsache, dass das falsche Prinzip nicht von allen befolgt wird.

Und was am Ende momentan fast IMMER dabei rauskommt, wenn eine neue Künstlerin oder ein Lied als Zeichen neuer Weiblichkeit und Selbstermächtigung der Frau gehypt wird, ist ein Video, das genau so viel Kleenex verbraucht wie in den Zeiten zuvor, d.h. das Visuelle, das den weiblichen Körper wieder nur zum Objekt macht, diesmal nur anders geframed, triggert wie schon zuvor und die prä-adoleszente Zielgruppe wird dies auch dankbar annehmen.


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Latouche Tréville #22

Queens deserve it to be worshipped!


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Nurmalamrande #22.1

"Pose!"


...

"Pop-Feminismus 2.0 Meine Pussy gehört mir" Sabrina Markutzyk (06.09.2020)
Rap-Stars wie Cardi B und Megan Thee Stallion feiern Frauenkörper, Sex und Zusammenhalt. Damit repräsentieren sie ein neues feministisches Selbstverständnis.
https://www.tagesspiegel.de/kultur/pop-feminismus-2-0-meine-pussy-gehoert-mir/26161322.html
« Last Edit: September 06, 2020, 12:07:03 PM by Link »

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« Reply #211 on: August 27, 2020, 12:38:15 PM »
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[...] Los Angeles - Nach ein paar Gitarrenakkorden setzt sie ein – die unverwechselbare Stimme, rau, mal flüsternd, mal ein wenig kreischend. „Ball and Chain“ ist das letzte Lied, das Janis Joplin gemeinsam mit der Band Big Brother and the Holding Company auf dem Monterrey Festival im Juni 1967 in Kalifornien spielt. Die meisten Zuschauerinnen und Zuschauer hatten wohl vorher noch nie von der damals 24-Jährigen gehört, die mit goldenen Schlaghosen, wildem Haar, Ketten um den Hals und sehr viel Energie und Leidenschaft die Bühne einnimmt.

In einem Video des Auftritts verlässt die Kamera für einen Moment Janis Joplin und schwenkt ins Publikum. Zu sehen ist eine Frau, die mit offenem Mund begeistert ihrem Gesang lauscht. Wir können nicht hören, was sie sagt, aber ihr Mund formt offenbar das Wort „wow“. Es ist die Sängerin Cass Elliot von der Band Mama and the Papas.

„No one to that point had seen a white girl sing the blues like she sangs it“, sagt Mitveranstalter und Musikproduzent Lou Adler vierzig Jahre später, niemand hatte bis dahin eine Weiße den Blues singen hören, wie Janis Joplin es tat. Es gibt viel Applaus, aber die Menge in Monterrey dreht nicht durch. Trotzdem gilt das dreitägige Festival, das ebenfalls Jimi Hendrix und The Who bekannt machte, als Joplins Durchbruch. Wenig später unterschreibt Janis Joplin mit der Band ihren ersten Plattenvertrag. Zwei Alben später ist sie ein gefeierter Superstar.

Ihre Songs „Me and Bobby Mc Gee“, „Piece of my Heart“ oder „Mercedes-Benz“ wurden zu unvergessenen Klassikern, die unzählige Male gehört, gespielt, nachgesungen wurden. Ihr zweites Soloalbum „Pearl“, das nach ihrem Tod veröffentlicht wurde, stand in den USA neun Wochen lang auf Platz 1 der Charts. Und verkaufte sich mehr als vier Millionen Mal.

Man kennt sie, die Eckpunkte von Janis Joplins kurzer Biografie. Geboren 1943 und aufgewachsen in einer Kleinstadt in Texas. Gestorben 1970 in einem Hotelzimmer an einer Überdosis Heroin. Auftritt beim Woodstock-Festival, rauchen und Whiskey trinken gehörte zu ihrem Image. Sie war drogensüchtig und alkoholabhängig, um genau zu sein. Sie ist trotzdem Stilikone, verkörpert Hippiekultur, den Spirit und Sound der Sixties und gehört zum Klub 27.

Janis Joplin war aber auch der erste weibliche Rockstar. In einer von Männern dominierten Musikszene Mitte der 1960er Jahre gab sie in ihren Bands den Ton an. Dass die Rockmusik ausgerechnet dieser Zeit sexistisch war, mag verwundern, repräsentierte sie doch sexuelle Freiheit und rebellierte gegen traditionelle Werte. Aber in den meisten Texten waren Frauen immer noch das Sex-Objekt und weibliche Performerinnen gab es kaum.

Die meisten Sängerinnen der 1950er und 60er waren eher Stereotypen und vor allem süß. Und selbst Girl-Rock-Groups verkörperten Sexiness in neuem Gewand. Ihre Texte waren oft wenig tiefgreifend. Janis Joplin brachte eine neue Weiblichkeit auf die Bühne und in die Köpfe der Menschen – vor allem in die der Frauen. Joplin wollte weder hübsch klingen noch aussehen, sie war für die meisten nicht süß oder sexy – und strengte sich auch nicht an, es zu werden.

Stattdessen wurde Joplin zu einer feministischen Heldin, weil sie Geschlechtergrenzen überschritt. Joplin nahm nicht nur die Bühne für sich ein, sie prägte auch einen neuen Style und revolutionierte Standards, die weibliche Schönheitsideale betrafen, schrieb der US-amerikanische Geschichtsprofessor Jerry Rodnitzky 1999 in einem Aufsatz. Die Sängerin trug weder einen BH, noch machte sie sich viel Arbeit mit ihren Haaren. Joplins wilder, individueller Look habe zahllose Frauen und Mädchen von Make-Up und Hüfthaltern befreit. Und Frauen Selbstbewusstsein gegeben, die nie als schön im klassischen Sinne angesehen worden seien.

Auch die Tatsache, dass Janis Joplin Frauenrechts-Organisationen ignorierte und keine offensichtlichen feministischen Slogans in ihren Songs auftauchten, machten sie nicht weniger zu einem feministischen Vorbild, so Rodnitzky. Einmal wird sie gefragt, ob sie von der Frauenbewegung angefeindet wurde. Ein Teil von ihnen schien es zu stören, dass Janis Joplin so offensiv mit Sex umgehe. „Nein“, entgegnete Joplin, „wie könnten sie, ich stehe für alles, was sie angeblich wollen“. Ihren Standpunkt machte Joplin klar, ohne sich direkt auf Forderungen oder Rechte der Frauen zu beziehen: Man sei doch das, womit man sich zufrieden gebe. „Und wenn man sich nicht damit begnügt, jemandem das Geschirr zu waschen und kämpft, kann man das sein, was man will.“

Doch es gab auch eine Zeit, in der Janis Joplin noch lernen musste, sich zu behaupten, in der sie schön sein wollte. Sie sah allerdings nie so aus, wie die Frauen in den Magazinen. „Sie war ein wenig pummelig und hatte Pickel als Teenager“, berichtet ihre jüngere Schwester in dem Dokumentarfilm „Little Girl Blue“. Doch nicht nur das machte sie zur Außenseiterin. Joplin habe es zur Gegenkultur gezogen, sie kleidete sich wie ein Beatnik. Janis Joplin sah anders aus und rebellierte, dafür wurde sie gemobbt, berichtet ihre Schwester.

Wenige wissen, dass sich hinter Joplins wildem Lebensstil und dem scheinbaren Selbstbewusstsein auf der Bühne eine offenbar verletzte Seele verbarg. Die Anfeindungen begannen in der High-School, wurden auch auf der Uni nicht besser. „Janis benahm sich nicht, wie Frauen damals sein sollten, sie fluchte und war nicht sittsam“, erinnert sich ein Schulfreund. Sie habe Grenzen verschoben. Auch wenn sie nach außen immer robust wirkte, habe es viel gegeben, was ihr zusetzte, sagt auch ein Bandkollege aus der College-Zeit.

Die Bühne ließ Janis Joplin fühlen, dass sie etwas zu bieten hatte. Als Teenager begann Janis Joplin Folk zu singen, im Chor, später in einer Band. Sie liebte Blues-Sänger wie Odette, Bessie Smith und Otis Reading. „Ich habe zufällig gemerkt, dass ich diese Stimme habe“, erklärte Joplin in einem Interview. Aber auch später, als Star wurde sie angefeindet für das, was sie verkörperte. Treu geblieben ist sie sich trotzdem immer. Joplins Songs, die als autobiografisch gelten, sind voll von emotionaler Ehrlichkeit, in ihnen offenbarte sie Leidenschaft und ihre Sehnsüchte.

Zahllose Musikerinnen nach ihr fühlten sich von Joplin inspiriert, bis in die Gegenwart. Sie habe keine Angst vor ihrem Schmerz und ihrer Wahrheit gehabt, sagt etwa die Popmusikerin Pink. „Ich habe gemerkt, ich muss nicht anders sein, als ich bin.“ Sie habe einen Platz für Frauen in der Rockmusik geschaffen, so drückt es Melissa Etheridge aus. Die Sängerin hielt die Rede, als Janis Joplin 1995 in die „Rock and Roll Hall of Fame“ aufgenommen wurde.

Etheridge erinnerte sich, dass sie als junge Frau so singen, so fühlen und auf der Bühne explodieren wollte, wie Janis Joplin. Sie habe ihr gezeigt, dass Frauen nicht Sekretärinnen und Hausfrauen sein müssen. „Wir können Rockstars sein.“ (Von Judith Köneke) 1960er Jahre: Gretchen Dutschke hat an der Seite ihres Mannes Rudi für eine freie, solidarische Gesellschaft gekämpft. Hinter der "antiautoritären Rebellion" steht sie bis heute.


Aus: "Rockstar Janis Joplin: Eine Ikone der 60er Jahre - Du bist, womit du dich zufriedengibst" Judith Köneke (27.08.2020)
Quelle: https://www.fr.de/zukunft/storys/75-lektionen-mut/du-bist-womit-du-dich-zufriedengibst-wie-janis-joplin-zum-ersten-weiblichen-rockstar-wurde-90031302.html

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« Reply #212 on: August 27, 2020, 03:30:09 PM »
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[...] In großangelegten Werbekampagnen von Handel und Industrie sind sexistische Motive immer weniger zu finden. Dagegen werben Handwerksfirmen und kleinere Dienstleistungsunternehmen immer aggressiver mit geschlechtsdiskriminierenden Bildern und Slogans. „Werf‘ deine Alte raus“, heißt es bei einem Sanitärunternehmen, das eine halbnackte Blondine in der neuen Badewanne zeigt. Ein anderes Beispiel: Eine Frau mit gespreizten Beinen auf dem Auto einer Rohrreinigungsfirma mit dem Werbespruch: „Wir kommen überall durch“.

Rund 5000 solcher Beispiele hat die Frauenrechtsorganisation Pinkstinks im Auftrag des Bundesministeriums für Familie, Senioren, Frauen und Jugend über zwei Jahre hinweg gesammelt und bewertet. Das „Monitoring sexistischer Werbung“ hat die Hamburger Organisation im September 2019 vorgelegt. Doch fast ein Jahr danach habe Pinkstinks keinerlei Reaktion erhalten von Seiten des Ministeriums.

„Das sind 400.000 Euro, die uns gegeben wurden für zwei Jahre, um die Studie zu machen", erklärt Stevie Schmiedel, Geschäftsführerin von Pinkstinks. "Und jetzt interessiert sie niemanden. Wir haben überhaupt keine Rückmeldung von den PolitikerInnen bekommen, die letztendlich die Studie beauftragt haben. Das ist eigentlich nicht fair, den SteuerzahlerInnen gegenüber“, beklagt sie.

Auch die Wirtschaftsjuristin Susanne Engelsing, Professorin an der Hochschule Konstanz, bedauert, „gegen frauenfeindliche Werbung wird zu wenig getan". Sie fordert schärfere Gesetze, weil die Selbstkontrolle der Werbewirtschaft durch den Deutschen Werberat leider nicht funktioniere. „Der Deutsche Werberat ist selbst Partei und hat die alleinige Deutungshoheit über das, was menschenverachtende Werbung ist", so Engelsing. "Man darf es aber nicht in den Händen der Werbewirtschaft lassen, sondern es müssen Gerichte eingeschaltet werden können.“

...


Aus: "Sexistische Werbung: Nackte Haut für den Profit" (Frontal 21 vom 11. August 2020)
Quelle: https://www.zdf.de/politik/frontal-21/sexistische-werbung-100.html

-

Quote
[...] Die Moral hat es dieser Tage nicht leicht. Sie ist zum Ismus verkommen und damit zum Schimpfwort. Ganz neu ist die Debatte nicht, doch im Zuge der Migrationshysterie wurde aus dem augenzwinkernden „Moralin“ der spaßbefreite „Moralismus“. Die rechte Publizistik hyperventiliert sogar von einer „Moralismus-Diktatur“ – und rückt so Moral sprachlich in die Nähe von NS-Regime oder DDR. Aber Moral, war das nicht eigentlich mal was Gutes?

„Moral ist im Prinzip erst mal etwas Gutes. Also Moral brauchen wir ja auch, um den Gang der Gesellschaft irgendwie zu ordnen. Aber sobald Moral sich selbstständig macht, dann wird es eben schnell zum Moralisieren.“

Die finnisch-deutsche Schriftstellerin Beile Ratut sprach sich deshalb im Deutschlandfunk für einen kritischen Blick auf moralische Belehrungen aus. Der Philosoph Alexander Grau diagnostizierte ebenfalls im Deutschlandfunk einen „Moralismus mit totalitären Zügen“. Der verlangt dann auch nach einem neuen Superlativ, beziehungsweise Hyperlativ: dem Hypermoralismus.

„Der Hypermoralismus ist ja nicht politisch neutral, sondern wir kennen ihn vor allem eigentlich aus dem linken oder linksliberalen Lager. Er ist der Versuch, die Gesellschaft anhand linker Ordnungsvorstellungen und eines weitestgehend links konnotierten Menschenbildes auszurichten und hat seine Wurzeln in der 68er-Bewegung und in der kulturellen Hegemonie, die in einigen Teilen der Gesellschaft zumindest dieser Linksliberalismus inzwischen erlangt hat.“

Die viel gescholtenen „alten weißen Männer“ scheinen besonders stark unter der vermeintlichen linken Moraldiktatur zu leiden: Broder, Hahne, Tichy und so weiter haben dem Moralismus den Kampf angesagt (Der Vorwurf des „links-grünen Moralismus“).  ...


Aus: "Moralismus-Debatte: Hype um die Hypermoral" Christian Röther (10.08.2018)
Quelle: https://www.deutschlandfunk.de/moralismus-debatte-hype-um-die-hypermoral.886.de.html?dram:article_id=422221

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« Reply #213 on: September 09, 2020, 10:38:43 AM »
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[...] Wiener Neustadt – Weil er im Oktober 2019 seine Frau und seine beiden Kinder getötet haben soll, ist ein nunmehr 32-Jähriger am Dienstag am Landesgericht Wiener Neustadt wegen dreifachen Mordes nicht rechtskräftig zu lebenslanger Haft verurteilt worden. Der Mann wird außerdem in eine Anstalt für geistig abnorme Rechtsbrecher eingeliefert. Die Hauptfrage nach Mord wurden von den Geschworenen einstimmig bejaht.

Der österreichische Staatsbürger mit türkischen Wurzeln soll seine 29-jährige Partnerin am 27. Oktober 2019 im gemeinsamen Wohnhaus in Kottingbrunn (Bezirk Baden) mit vier Messerstichen in den Oberkörper umgebracht haben. Die zweijährige Tochter erlitt nach Angaben des gerichtsmedizinischen Sachverständigen Wolfgang Denk zwei wuchtige Stiche mit demselben Küchenmesser mit einer 20,5 Zentimeter langen Klinge, der elf Monate alte Sohn starb an den Folgen eines mehrere Minuten andauernden Erstickungsversuchs. Nach Aussage des Beschuldigten war ein Streit, bei dem die Frau mit Scheidung gedroht hatte, Auslöser für die Tat. Der Mann bekannte sich am ersten Prozesstag in der Vorwoche schuldig.

Im Mittelpunkt des zweiten Verhandlungstages stand am Dienstag das psychiatrische Gutachten, das zwischen dem Sachverständigen Manfred Walzl und Verteidiger Wolfgang Blaschitz für längere Diskussionen sorgte. Walzl ortete beim Beschuldigten "eine kombinierte Persönlichkeitsstörung mit ausgeprägten narzisstischen und dissozialen Anteilen" sowie eine "hegemoniale Männlichkeit". Hinzu sei im Laufe des Ermittlungsverfahrens ein ausgeprägtes Simulationsverhalten gekommen, vor allem deshalb, weil der 32-Jährige während der Tat Stimmen gehört haben will.

Woran sich Verteidiger Blaschitz vor allem störte, war die Gefährlichkeitsprognose für seinen Mandanten. Walzl befand, dass davon auszugehen sei, dass der Angeklagte "zu Tathandlungen der gleichen Art bis hin zum Mord innerhalb der Familie" neigen werde und empfahl daher eine Einweisung in eine Anstalt für geistig abnorme Rechtsbrecher. Zwei von Blaschitz kurzerhand ins Treffen geführte Gegengutachten vermochten das Schwurgericht letztlich nicht vom Gegenteil zu überzeugen. Walzl und die ihn unterstützende psychologische Expertin Anita Raiger hätten in ihrer Expertise nachvollziehbar die Gefährlichkeit des 32-Jährigen darstellen können, sagte die vorsitzende Richterin im Rahmen der Urteilsverkündung.

In Sachen Strafbemessung wurden das Geständnis und die Unbescholtenheit als mildernd gewertet. Als erschwerend erachtet wurden nach Angaben der vorsitzenden Richterin das Zusammentreffen von drei Verbrechen, die Verübung der Gewalttat gegenüber Kindern und der Ehefrau sowie das Verwenden einer Waffe. Erfolgs- und Handlungsunwert seien in dem Fall "so hoch wie in sonst kaum einem Strafverfahren" gewesen, betonte die Richterin.

Dem Vater seiner Frau muss der 32-Jährige 50.650 Euro bezahlen, der Mutter 45.000 Euro. Bruder und Schwester des Opfers erhalten je 10.000 Euro an Schmerzensgeld. Blaschitz meldete nach einer kurzen Unterredung mit seinem Mandanten Nichtigkeitsbeschwerde und Strafberufung an, die Staatsanwältin verzichtete auf Rechtsmittel.

Im Zietraum 2014 bis 2019 kam es in Österreich zu einer Verdoppelung der Anzahl an jährlich ermordeten Frauen. Monatlich werden mittlerweile etwa 3 Frauen ermordet. Beim überwiegenden Teil der Frauenmorde bestand ein Beziehungs- oder familiäres Verhältnis (z.B. Partner oder Ex-Partner) zwischen Täter und Opfer. Im laufenden Jahr 2020 gab es laut Medienberichten bereits 16 Morde an Frauen (Stand: 6.8.2020). (APA, red, 8.9.2020)


Aus: "Lebenslang und Einweisung nach Mord an Frau und Kindern in Kottingbrunn" (8. September 2020)
Quelle: https://www.derstandard.at/story/2000119871538/lebenslang-und-einweisung-nach-mord-an-frau-und-kindern-in

-

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Hasnain Kazim
@HasnainKazim

... Shaheen Baloch war eine Künstlerin, eine Malerin (die Gemälde, die zu sehen sind, hat sie gemalt). Shaheena war auch Journalistin, sie moderierte im Fernsehen. Vor fünf Monaten heiratete sie. Ihrem Mann gefiel nicht, dass seine Frau so erfolgreich ist...

4:26 PM · Sep 8, 2020·Twitter


https://twitter.com/HasnainKazim/status/1303338859862929409
« Last Edit: September 09, 2020, 07:32:24 PM by Link »

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« Reply #214 on: September 13, 2020, 12:29:47 PM »
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... "Stripperinnen sind entweder dumm und vögeln sich durch die Welt oder total geldgeil und eindimensional. Mit dem Kollektiv wollen wir mit diesem Stigma brechen." ...

Handelt ihr in eurem Job also immer selbstbestimmt?

Mia: Das ist auch so ein Argument von radikalen Feministinnen, das ich schon in mehreren akademischen Essays gelesen habe: Sexarbeiterinnen können gar nicht einvernehmlich handeln, Sexarbeit sei im Grunde Vergewaltigung. Das finde ich absurd. Warum müssen wir uns von radikalen Feministinnen bevormunden lassen, die an einem Schreibtisch sitzen und sich von Mami und Papi das Leben finanzieren lassen? Sie machen uns zum Objekt; zum reinen Gegenstand ihrer Argumente. Wenn wir sagen, dass wir einvernehmlich handelnde erwachsene Menschen sind, dann sind wir das. Das entscheiden wir und niemand anderes.

...


Aus: "Diese Berliner Stripperinnen brechen mit Klischees von Sexarbeit" Tim Geyer (11 September 2020)
Quelle: https://www.vice.com/de/article/qj45np/fotos-diese-berliner-stripperinnen-berlin-strippers-collective

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« Reply #215 on: September 13, 2020, 12:36:56 PM »
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[...] Sexismus und sexualisierte Gewalt gehören zu unserem Alltag. Wir spüren die Blicke von Männern auf der Straße. Wir kennen das Gefühl, wenn unsere Körper gegen unseren Willen bewertet werden. Wir – Frauen, Lesben, inter und nichtbinäre Personen, Trans und Queers (FLINT*) – teilen die Erfahrung, objektiviert und sexualisiert zu werden. Schon in der Kindheit wurde uns gesagt, wie wir uns zu verhalten haben. Dass wir zu gefallen haben und gehorchen sollen. Und dass wir uns gleichzeitig vor Übergriffen schützen müssen. Es ist die Gewalterfahrung, die Erfahrung verletzbar zu sein und verletzt zu werden, die uns überall auf der Welt verbindet.

Anfang des Jahres 2020 wurde bekannt, dass ein Mann auf einem linken Festival, auf „Monis Rache“, heimlich auf Dixie-Klos gefilmt hat. Er hat Videos von uns über das Streamingportal xHamster online angeboten, sie getauscht und verkauft. Solche Plattformen sind Räume, in denen Gewalt normalisiert wird und nicht konsensuelle Handlungen als „Porno“ getarnt und vermarktet werden. Keine der gefilmten Personen wusste davon. Es gab Menschen im Umfeld des Täters, die von den Videos erfahren haben. Diese Personen haben unverantwortlich gehandelt, da sie sich ausschließlich mit dem Täter beschäftigt haben, aber weder Betroffene, noch Umfeld des Täters oder die Festivalorganisator*innen informiert haben.

Das ist nicht der erste Fall, das ist ein Beispiel von vielen.

Immer wieder versuchen Männer, Macht über unsere Körper zu bekommen. Nirgends sollen wir uns sicher fühlen, nicht einmal auf der Toilette. Heimlich werden FLINTS* gefilmt: beim Duschen, Pinkeln oder Umkleiden. Ungefragt wird auf der Straße unter den Rock oder in den Ausschnitt fotografiert. Das zeigen zahlreiche Fotos und Videos im Internet, die dort ohne unser Wissen und ohne unsere Zustimmung verbreitet und als "Porno" verkauft werden. Männer behaupten, sie würden mit den Videos ihrer „sexuellen Neigung“ nachgehen. Doch es ist keine sexuelle Neigung, es ist kein Fetisch, wenn etwas gegen den Willen oder ohne das Wissen der Beteiligten passiert. Es ist eine gewaltvolle Ausübung von Macht, die unsere Selbstbestimmung und Persönlichkeit zutiefst verletzt. Das ist sexualisierte Gewalt!

...


Aus: "Demo: Rache am Patriarchat! My body is not your porn. Still <3ing my Choice" (Freitag, 14 Februar 2020)
Quelle: https://radar.squat.net/de/event/berlin/stressfaktor/2020-02-14/demo

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« Reply #216 on: September 14, 2020, 10:01:52 AM »
Quote
[...] 2006 hatte Christina Motejl von ihren Eltern erfahren, dass ihr sozialer Vater nicht ihr leiblicher Vater ist. Sie war zu diesem Zeitpunkt 26 Jahre alt. Sie bat Katzorke, den behandelnden Arzt ihrer Mutter, in einem Brief um Unterlagen der Uni-Klinik, mit denen sie Hinweise auf ihren leiblichen Vater finden könnte. Katzorke antwortete: nichts mehr vorhanden, „meines Wissens nach“. Motejl gab nicht auf, sie erfuhr, dass die Klinik nur zehn Spender hatte, als ihre Mutter dort behandelt wurde. Damals war das Sperma noch nicht tiefgekühlt, also musste der Spender zur gleichen Zeit wie ihre Mutter in der Klinik gewesen sein.

Das Bundesverfassungsgericht hat 1989 entschieden: Jeder Bürger hat ein Recht, seine eigene Abstammung zu kennen. Die Juristin Motejl weiß das, sie verklagte die Klinik. Diese erklärte, die Unterlagen seien geschreddert. Damals war die juristische Mehrheitsmeinung, dass Unterlagen nur zehn Jahre aufbewahrt werden müssten. Christina Motejl verlor vor Gericht. Die „Zeit“ hatte den Fall detailliert beschrieben.
Motejl beschrieb ihre Geschichte auf einer eigenen Website und suchte Austausch mit anderen Spenderkindern. Irgendwann meldete sich Anne Meier-Credner. Zusammen mit weiteren Betroffenen gründeten sie 2009 den Verein „Spenderkinder“. Danach entbrannte ein mediales Duell zwischen Christina Motejl und Katzorke. Immer ging es um das Schicksal von Spenderkindern. Katzorke schrieb etwa in einer Fachzeitschrift: „Familie ist eine soziale Konstellation; die sog. Blutsbande wurden in der Vergangenheit (...) überschätzt und mythisch erhöht.“ Motejl hielt öffentlich dagegen. Jahrelang ging das so. Niemand ahnte, dass sich hier Vater und Tochter stritten.

Christina Motejl gab die Suche nach dem Namen ihres Erzeugers nicht auf. Sie machte weitere DNA-Tests, ließ sie in einer Datenbank prüfen, erfuhr, dass sie in Kanada einen Cousin ersten oder zweiten Grades namens Guido hat. Dann fand sie eine Todesanzeige von Guidos Vater. Zu den Trauernden gehörte dessen Neffe „Dr. Thomas Katzorke of Germany“. Sie wurde hellhörig. Ein zweites Labor schrieb ihr. Es gebe eine Übereinstimmung, Kürzel „TK“.

Jetzt war für die Juristin klar: Thomas Katzorke ist der Mann, den sie so lange gesucht hatte. Er hatte seine DNA in einer Datenbank speichern lassen, warum, ist unklar.

Christina Motejl ist nicht die einzige, die einer Samenspende Katzorkes entstammt. In einem Interview mit der „Westdeutschen Allgemeinen Zeitung“ räumte der Mediziner 2019 ein, dass er an der Uniklinik Essen „zwei, drei Mal“ sein eigenes Sperma zur Verfügung gestellt habe. Als Notlösung quasi. Ein Spender habe einen vereinbarten Termin platzen lassen, da sei er eingesprungen. Damals, als Christina Motejl gezeugt wurde, habe „Pionierzeit“ geherrscht. Und in solchen Zeiten gehe es eben, auch was Dokumentationen betreffe, schon mal ein bisschen wild und unordentlich zu. Ob sich andere Kinder von Katzorke gemeldet haben, ist nicht bekannt.

... Motejl habe Katzorke einen Brief geschrieben, sagt Meier-Credner, sie hätten miteinander telefoniert, ein Treffen war angedacht, sei aber letztlich gescheitert. Katzorke habe nicht über Persönliches reden wollen. Auch auf eine Anfrage des Tagesspiegels reagiert er nicht, sein Anwalt teilt mit, er wolle vor dem Prozess keine Stellung nehmen. Auch Christina Motejl ließ eine Anfrage unbeantwortet.

...


Aus: "Frauen eigenes Sperma injiziert: Wenn Ärzte Vertrauen missbrauchen" Frank Bachner (14.09.2020)
Quelle: https://www.tagesspiegel.de/politik/frauen-eigenes-sperma-injiziert-wenn-aerzte-vertrauen-missbrauchen/26183324.html

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« Reply #217 on: September 14, 2020, 10:25:44 AM »
Quote
[...] Wann fühlt sich ein Orgasmus für Frauen besser an: Wenn sie sich selbst befriedigen oder wenn sie mit einem Mann schlafen? Shere Hite war Anfang 30, als sie mit anderen Feministinnen in New York zusammensaß und diese Frage diskutierte. Das war 1972, Hite engagierte sich da erst seit Kurzem feministisch. Weibliche Sexualität war das große Thema. 

Die Frauen konnten sich nicht einigen, ob ein Penis nun wichtig war. Irgendwann schwiegen die meisten von ihnen, dann schlug eine vor, Shere Hite sollte der Frage nachgehen. So erzählte es Hite später in ihrer Autobiografie. Sie hatte für ihre Dissertation ohnehin über weibliche Sexualität forschen wollen, was an der Columbia University in New York nicht ging. Nun tat sie es als Leiterin des Feminist Sexuality Project der National Organization of Women.

Sie verschickte 3.000 Fragebögen an Frauenorganisationen im ganzen Land. "Masturbieren Sie gerne?", fragte sie darin etwa, oder "Täuschen Sie manchmal einen Orgasmus vor?" Hite bekam seitenlange Berichte zurück. Frauen erzählten davon, wie genau sie masturbierten, warum ihnen Sex mit Männern oder mit Frauen wichtig war. Shere Hite veröffentlichte die Antworten 1976 in ihrem Buch The Hite Report: A Nationwide Study of Female Sexuality (auf Deutsch erschien Das sexuelle Erleben der Frau ein Jahr später). Es war eine Studie, wie es sie zuvor nicht gegeben hatte, mehr als 500 Seiten über Sex aus weiblicher Perspektive.

Mit dem Hite-Report hat Shere Hite Frauen eine mächtige Stimme gegeben, die bis heute viele fasziniert. So direkt und offen waren die Berichte. So vielseitig hatten Frauen nie über Sex gesprochen. Manche derer, die auf die Fragebögen antworteten, waren wütend, andere nachdenklich. Ihre Berichte wurden breit diskutiert, ja, über sie wurde gestritten. Das Buch wurde knapp 50 Millionen Mal verkauft. Feministinnen fühlten sich darin bestätigt, dass weibliche Sexualität immer noch weitgehend unterdrückt war. In der feministischen Forschung kommt bis heute niemand daran vorbei. Hites Fragebögen waren ein feministischer Coup.

Der Hite-Report erschien auf dem Höhepunkt des Siebzigerjahre-Feminismus – in den USA auch "Zweite-Welle-Feminismus" genannt. Die "erste Welle" hatte sich ab Mitte des 19. Jahrhunderts vor allem um das Frauenwahlrecht bemüht. In den Siebzigerjahren beschäftigten sich Feministinnen nun ausführlich mit dem weiblichen Körper, mit sexuellen Normen, mit Vergewaltigung, Homosexualität, Pornografie. Die Autorin Erica Jong schrieb Fear of Flying (1973), einen Roman über die sexuellen Fantasien der Protagonistin. Das Buch prägte den Begriff des "zipless fuck", der meint, dass man als Frau auch einfach Bock auf Sex haben kann. 

Die Frauen, die Hites Fragebögen ausfüllten, fühlten sich allerdings gar nicht frei. Viele von ihnen hielten die sexuelle Liberalisierung, die die Popkultur und die Mode seit den Sechzigerjahren versprachen, für eine Illusion. Shere Hite zeigte in ihrem Buch genau dies: Wie sehr Vorstellungen von weiblicher Sexualität an alte Mythen gekettet waren. Im Hite-Report geht es vor allem um den des weiblichen Orgasmus.

Sexualforscherinnen und -forscher wie Virginia Johnson und William Masters oder Helen Kaplan hatten bereits in den Sechzigerjahren gezeigt, dass jeder Orgasmus auf die Stimulierung der Klitoris zurückgeht. Die Frauen, die Hite antworteten, unterschieden in ihren Antworten aber selbst immer wieder zwischen einem "klitoralen Orgasmus" ("without a penis inside") und einem "vaginalen Orgasmus" ("with a penis inside"). Nach wie vor herrschte die patriarchale Idee, dass ein Orgasmus während der Penetration mehr bedeuten musste als einer während der Selbstbefriedigung. Auf Hites Fragebögen schrieben die Frauen aber nun: "Mit Penis sind meine Orgasmen leichter, und sie verflüchtigen sich schneller", "schwer zu sagen, aber ich finde einen vaginalen Orgasmus eher verschwommen", "ich spüre weniger". Wenn sie sich selbst befriedigten, schrieben viele Frauen, "ist mein Orgasmus mehr fokussiert", "intensiver", "elektrifizierend".

So sehr die feministische Forschung die Studie beachtete, so sehr verurteilten andererseits vor allem männliche Kritiker Hite dafür. Sie warfen ihr vor, "Ehen zu zerstören", im Playboy nannte man ihr Buch "Hate Report". Vertreter der christlichen Rechten in den USA kritisierten Hite dafür, ihr eigenes "unorthodoxes" Verständnis von Familie zu propagieren.

Shere Hite selbst ist tatsächlich eher unkonventionell aufgewachsen. 1942 wurde sie als Shirley Diana Gregory im US-amerikanischen Bundesstaat Missouri geboren, da war ihre leibliche Mutter 16 Jahre alt. Die trennte sich bald von Shirleys Vater, den Namen Hite bekam die Tochter vom zweiten Mann der Mutter, ihrem Stiefvater, der Shirley adoptierte. Sie selbst nannte sich Shere (ausgesprochen: "share"). Eine Weile lang lebte sie bei ihren Großeltern, später bei einer Tante in Florida. Ihr feministisches Engagement hat Shere Hite selbst einmal darauf zurückgeführt, dass sie "von drei Müttern" großgezogen worden sei.

Immer wieder wurde Shere Hite auch für ihre Forschungsmethode kritisiert. Die Antworten auf den Fragebögen seien "nicht repräsentativ" gewesen, "eine Art Journalismus im Wissenschaftsgewand", hieß es. Es hätten zu wenige Frauen geantwortet und wenn, dann vor allem solche, die in ihrer Ehe unglücklich gewesen seien. Die Fallbeispiele mochten eine bestimmte Perspektive zeigen. Doch was nicht von der Hand zu weisen war: Der Hite-Report zeigte, wie wenig bis dahin über weibliche Sexualität geforscht worden war. Bis heute beruft sich Sexualforschung auf Hite. 

Zugleich wurde die Kritik an Hite schon vor gut drei Jahrzehnten zunehmend persönlich. Da hatte sie zwei weitere Bücher veröffentlicht, Hite-Report: Das sexuelle Erleben des Mannes (1982) und Women in Love (1990). Hite erhielt daraufhin Drohbriefe, sah ihre Forschungsfreiheit eingeschränkt. 1989 zog sie mit ihrem deutschen Mann nach Köln, 1995 tauschte sie ihren US-Pass gegen einen deutschen ein. Sie lehrte weiterhin international, zuletzt länger in Paris. Am vergangenen Mittwoch ist Shere Hite im Alter von 77 Jahren gestorben.


Aus: "Die Frau, die Frauen eine mächtige Stimme gab" Sarah Schaschek (13. September 2020)
Quelle: https://www.zeit.de/kultur/2020-09/shere-hite-tot-sexualforscherin-feministin-nachruf/seite-2

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« Reply #218 on: September 26, 2020, 11:01:00 AM »
Quote
[...] Den Gesichtsausdruck von Linda Teuteberg, der am Samstag auf dem FDP-Bundesparteitag aufgenommen wurde, kennt jede Person, die schon mal in der Öffentlichkeit, in kleinem Rahmen oder auf größerer Bühne, in welcher Form auch immer, gedemütigt wurde und sich irgendwie dazu verhalten musste.

Frauen kennen diesen Gesichtsausdruck, wenn sie in einer Männerrunde einen degradierenden Witz über sich ergehen lassen müssen. Auch Ostdeutsche und/oder Menschen mit sichtbarem Migrationshintergrund kennen ihn, wenn sie gequält lächelnd irgendeine stereotypische Zuschreibung hinnehmen. Homosexuelle kennen ihn, wenn in einer Runde voller Heterosexueller jemand gönnerhaft zu ihnen sagt: „Solange keine Kinder betroffen sind, hab ich kein Problem mit eurem Lebensentwurf.“  ...


Aus: "In your face!" (22. September 2020)
Quelle: https://uebermedien.de/52994/in-your-face/

-

Quote
[...] Der Begriff "Altherrenwitz" ist eigentlich irreführend. Er vermittelt, dass sexistische Sprüche für in die Jahre gekommene Männer reserviert sind. Man denkt an Männer wie den FDP-Politiker Rainer Brüderle, der 2013 die Journalistin Laura Himmelreich sexistisch belästigte, worauf eine Debatte über Sexismus losbrach. Wissen Sie, heißt es dann oft von solchen älteren Herren auch heute noch, ich bin in einer anderen Zeit aufgewachsen, damals war das halt alles noch anders.

Was für eine schwache Ausrede. Denn erstens war früher bezüglich Sexismus gar nicht so viel anders, und zweitens hat Sexismus nichts mit dem Alter zu tun.

Den lebenden und jungen Beweis hierfür finden wir wieder in der FDP. Parteichef Christian Lindner, geboren 1979, hätte auf dem Parteitag am Samstag eigentlich die nunmehr ehemalige Generalsekretärin der FDP, Linda Teuteberg, halbwegs würdevoll verabschieden sollen. Das hätte ihm schon allein deshalb gut angestanden, weil er es war, der ihren Abgang wollte – obwohl Teuteberg im April 2019 mit 93 Prozent der Stimmen zur Generalsekretärin gewählt wurde.

Anstatt gerade deshalb ein bisschen Respekt zu zeigen, kam das dabei heraus: "Ich denke gern daran, Linda, dass wir in den vergangenen 15 Monaten ungefähr 300-mal den Tag zusammen begonnen haben." Lindner legt eine Pause ein, wie sie Komiker*innen machen, damit ihr Publikum Zeit hat, den Schmäh zu verstehen und loszulachen. Nach dieser kurzen Pause dann: "Ich spreche über unser tägliches morgendliches Telefonat zur politischen Lage, nicht, was ihr jetzt denkt."

"Was ihr jetzt denkt"? Nun, ein paar denken sich das vielleicht, ein paar anderen kommt aber auch ziemlich sicher ein "Was für ein Idiot" oder "Um Himmels willen, ist das peinlich!" in den Sinn. Dieser Nachsatz von Lindner ist unterirdisch: dass alle im Saal jetzt denken würden, er habe ein Verhältnis mit Teuteberg gehabt, und das müsse er jetzt mit einem jovialen Grinsen im Gesicht richtigstellen.

Erst hat er die Politikerin selbst abgesägt, dann bringt er auf ihre Kosten einen sexistischen Sager. Das ist an grausligem Sexismus in aller Öffentlichkeit kaum zu überbieten.

Nach Kritik vonseiten der Grünen, der CDU und anderen auf Twitter zeigt Lindner, dass er es offenbar recht cool findet, mit Sexismus zu kokettieren.

    Ich bitte um Nachsicht: Die Erwähnung der morgendlichen Telefonkonferenz mit der Generalsekretärin war kein Witz - vereinzeltes Lachen hat mich irritiert. Es war also nur eine missverständliche Formulierung. Einmal auf Twitter bitte im Zweifel für den Angeklagten... CL #bpt20
    — Christian Lindner (@c_lindner) September 19, 2020


Erst gammeligen Sexismus rauszuhauen und dann noch mit "Missverständnis" zu argumentieren, obwohl allen klar ist, dass das Unsinn ist: Das hat nicht den Touch eines widerständigen Kerls, der auf Konventionen pfeift. Denn sexistische Sprüche sind noch die Konvention, auch wenn Empörungsstürme auf Twitter in vielen Filterblasen einen anderen Eindruck vermitteln. Sie sind das Übliche, das Alltägliche. In Sitzungen, in persönlichen Gesprächen, auf der Straße. Sie sind immer übel, aber auf der Bühne eines Parteitags einer liberalen Partei sind sie vor allem peinlich. (Beate Hausbichler, 21.9.2020)


Aus: "Über die Verhältnisse: Junge Männer und ihre Altherren-"Witze""  Kolumne
Beate Hausbichler (21. September 2020)
Quelle: https://www.derstandard.at/story/2000120143162/junge-maenner-und-ihre-altherren-witze

Quote
Schlabberknack

Früher saßen die Moralisten hinter feuchten, kalten Klostermauern und in schummrigen Pfarrhöfen, heute sitzen sie in den hell erleuchteten Schreibstuben linker Zeitungen. Los werden wir sie wohl nie.

Moralisten sind Menschen, die sich dort kratzen, wo es andere juckt (Samuel Beckett).


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Snake Plissken

ich habe garnichts gegen sexistische Witze, wenn sie wirklich lustig sind, was bei der "pointe" vom lindner nicht der fall war.


Quote
Brillenschlange01

Wer noch nie einen Altherrenwitz erzählt hat, werfe die erste Zitrone.


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roman g

An alle hiesigen lindner-schmäh-affinen humorkanonen, die christians witze als eh völlig normal und halb- oder ganzlustig empfinden:

Ich hab heute in der früh auf eure mutter abgespritzt!

Hihi


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Honkytonkman

Um 1976, Nussdorf, Wiener Vorstadt
Heurigenauftritt der Wiener Spitzbuben rund um Anton „Daune“ Strobl:

Eine Frau kommt zum Schneider und hätte gerne ein tief dekolletiertes Kleid.

Schneider bei der Anprobe: Haben Gnä Frau Haare auf der Brust?

Nein!

Na, dann is‘ z‘tief


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Jake Gittes

Was hat das Sexismus zu tun? Das ist einfach infantiler Humor.


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vizeleutnant hondrocek

Extrem peinlicher Witz. Nur peinlicher sind nur die Leute, die sich ernsthaft über so was aufregen können.


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Endstation Ponyhof

Ein Witz, der sich auf Sex bezieht ist nicht automatisch sexistisch, auch wenn er nicht gut ist.


Quote
WLG

Sexismus ist unter anderem die Anders- und Schlechterbehandlung aufgrund des Geschlechts. Wir können davon ausgehen, dass Lindner diesen Witz (sozusagen "ich habe Sex mit meiner Untergebenen") bei einem Mann nicht gemacht hätte. Damit ist die Definition erfüllt.
Es mag noch gravierendere Beispiele von Sexismus geben. Das ändert nichts daran, dass das hier auch darunterfällt.


Quote
Botenstoff

Lindner hätte diesen Witz mit einem Mann deswegen nicht gemacht, weil das ihn als homosexuell "geoutet" hätte (wäre er das, hätte er den Witz aber vielleicht gemacht). Klarerweise gibt es eine Andersbehandlung aufgrund des Geschlechts bei sexuellen Anspielungen.


Quote
pike bishop

Bei uns auf einer Uni (nicht in Ö) gibt es ein Zimmer fürs Lehrpersonal mit einem Fernseher, da war gelegentlich die Champions League. Die jungen Frauen, die manchmal sassen, haben ausschliesslich die Beine und andere erotische Eigenschaften der Fussballer kommentiert, mit hui und uh und Gekicher. Jetzt stelle ich mir vor, da wäre ein Frauensport und wir Männer würden so anfangen. ...


Quote
Beratungsstelle für galaktischen Kleinkram

Jetzt entspannt's euch endlich mal ... !


...
« Last Edit: September 26, 2020, 11:08:39 AM by Link »

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« Reply #219 on: October 08, 2020, 10:44:58 AM »
Quote
[...] Berlin - Einfache Beats, drei Akkorde, eine Mädchenstimme fängt an dilettantisch zu rappen. "Kurde verreck', weißt du was, du Hurensohn, du hast es nicht gecheckt: Türken sind am Start, also geh weg!"

Das sind noch die harmlosen Beleidigungen in einem YouTube-Video, das in neun Monaten mehr als 79.000 Mal abgerufen wurde. Fäkalausdrücke und brutale Drohungen werden hier in schlechtem Deutsch aneinander gereiht.

Eine der jüngsten Antworten von kurdischer Seite sieht so aus: "Wir sind Killerkurden, kämpfen für die Freiheit unseres Landes Kurdistan gegen euch Missgeburten!", rappt ein Junge in einem Video mit schlechter Tonqualität. Im Hintergrund sieht man Kemal Atatürk, den Vater der Türken, mit einem Hundekörper, der gerade auf die Türkeifahne pinkelt. Die Rapperstimme schimpft weiter: "Das ist kein Scheiß, ich mein's ernst, wenn ich Krieg sag. Ich ficke jeden Bozkurt!" Aufrufe des Videos: 1100 in einer Woche.

[...] Der Extremismus-Expertin zufolge ziehen die Jugendlichen aus den jeweiligen Ideologien die Symbole von Macht und Überlegenheit – auch um ihr Verlierer-Dasein zu überwinden. Wohl deshalb geht es in den Internetforen so hart her: "Meine Kugel trifft deinen Kopf", rappen türkische Jungs - und kurdische antworten: "Die Straße gehört uns."

"Es handelt es meist um perspektivlose Jugendliche, die sich hier nicht angenommen fühlen, die sich in ihre ethnische Identität zurückziehen und daraus ihr Selbstwertgefühl schöpfen", sagt Dantschke. Das Problem sei "von hier" und "nicht etwa aus der Türkei importiert".


Aus: "HASSVIDEOS VON TÜRKEN UND KURDEN: "Die Straße gehört uns"" Von Ferda Ataman (18. Dezember 2007)
Quelle: http://www.spiegel.de/politik/deutschland/0,1518,523367,00.html

-

Quote
[...] Es war ein altbekanntes Manöver: Im TV-Duell gegen Joe Biden richtete sich Donald Trump, anstatt sich von White Supremacy (dem Glauben an die Überlegenheit Weißer) zu distanzieren, an die "Proud Boys". "Haltet euch zurück und haltet euch bereit." Außerdem müsse jemand etwas gegen die "Antifa" unternehmen. Die Reaktionen waren absehbar: Rechtsextreme jubelten, Republikaner gaben sich konsterniert, nach ein paar Tagen verurteilte Trump dann schließlich White Supremacy. Ein Medienzirkus, wie er ihn schon viele Male durchgespielt und der diesmal die "Proud Boys" ins Scheinwerferlicht gerückt hat.

Doch die "Proud Boys" sind mehr als eine weitere Neonazi-Schlägertruppe. Sie sind das Ergebnis einer vielschichtigen Verflechtung von Popkultur, Neo-Faschismus, Porno, Troll-Kultur und Incels (Involuntary Celibates). Der Code ist dezidiert uneindeutig, schon allein visuell: Sturmgewehr, Tarnhose und Trumps rotes "Make America Great Again"-Basecap mag man auch von anderen rechten Milizen kennen, jedoch eher nicht die mal gezwirbelten und mal zotteligen Hipsterbärte sowie schwarz-gelbe Polohemden des Modelabels Fred Perry (das jüngst verkündet hat, die Produktion dieser Modelle einstellen zu wollen). Dass die Mitglieder der "Proud Boys" meist eher bullige Männer zwischen 20 und 40 sind, die zurück wollen zu einer brachialen, gewalttätigen Männlichkeit, ist unzweifelhaft. Andererseits baut das aber erklärtermaßen auf einem "Fight Club"-Gedanken auf. Sollte der Bürgerkrieg, wenn er denn – "Haltet euch bereit" – wirklich kommt, ernsthaft in einem Topos gründen, dem das liberale Hollywood zu entscheidender Bekanntheit verholfen hat?

Gegründet wurden die Proud Boys 2016 vom Kanadier Gavin McInnes, 1994 ebenfalls Mitgründer von Vice Media, nicht unbedingt ein bevorzugtes Medium der Alt-Right. McInnes fiel schon vor seinem Abschied bei Vice im Jahr 2007 (wegen "kreativer Differenzen") mit frauen- und minderheitenfeindlichen Polemiken auf. Doch er nahm auch etwas von dort mit: Dem Hipster-Kosmos entlieh er neben äußerlichen Attributen das Stilmittel der Ironie und der Tirade, von der man nie ganz genau sagen kann, ob sie sich nicht eventuell selbst persifliert. Damit werden dann heute antisemitische Hetzreden wie "10 Dinge, die ich an Israelis hasse" verbrämt.

Der Name "Proud Boys" leitet sich aus einem Lied des Disney-Films "Aladdin" ab, das "Proud of your Boy" heißt. Der Wahlspruch der Gruppe ist das swahilische "Uhuru", "Freiheit". Neue Mitglieder werden zur Initiation verprügelt, bis sie fünf Sorten Cornflakes genannt haben. All diese Dinge führen dazu, dass die "Proud Boys" im Gegensatz zu anderen gewaltbereiten Banden eher als skurril oder gar albern wahrgenommen werden können. Zudem behaupten sie gern, sie seien keine White Supremacists, weil sie ja auch – bis hin zum heutigen Vorsitzenden Enrique Tarrio – BPOC (Black People of Colour)-Mitglieder hätten. Dazu passt, dass sie nicht etwa eine weiße oder arische, sondern eine neue "westliche" Männlichkeit verkörpern wollen.

Was die "Proud Boys" nun aber so gefährlich macht, ist zum einen die Nähe zu Trump und seinen Kreisen. Gegründet im Jahr seiner Wahl, wird ihre Mitgliederzahl inzwischen auf mehrere hundert geschätzt. Sie stellten unter anderem schon für den rechten Blogger Milo Yiannopoulos und die rechte Publizistin Ann Coulter bei Veranstaltungen die Security, teils mit chaotischen Ergebnissen. Und auch Roger Stone, ehemaliger Trump-Berater, hat die "Proud Boys" bereits als Bodyguards angeheuert. Erst kürzlich bedankte sich die republikanische Kandidatin für den Senat in Delaware, Lauren Witzke, bei der Gang für ihre "kostenlose Security" auf ihrer Wahlkampfveranstaltung. Man muss nicht gleich zur Saalschutz-Funktion der SA gehen, um diese Nähe zur rechten (Medien-)Macht bedenklich zu finden. Ein Verweis auf die Hells Angels, die in den späten 60er-Jahren "nur" bei Konzerten Angst und Schrecken verbreiten durften, tut es vielleicht auch.

Zum anderen ist es wichtig, den vermeintlich eher harmlosen Zusatz "westlich" im Kontext von rechtsextremen Codes zu verstehen: Angestrebt wird hier eindeutig eine von Weißen dominierte, heteronormative, patriarchale Welt. Die Ideologie baut auf Elemente der rechtsradikalen Verschwörungserzählung von einem angeblich drohenden "Weißen Genozid". Nach diesem Narrativ steht die "westliche" Kultur "unter Belagerung" von nicht-weißen Kräften und droht auszusterben. Es ist ein Verschwörungsmythos, der inhärent antisemitisch, islamophob und antimigrantisch geprägt ist. Neben Gemeinsamkeiten beim optischen Durchbrechen neonazistischer Codes finden sich hier auch ideologische Parallelen zur "Identitären Bewegung" in Europa und ihrer Erzählung vom "großen Austausch".

Jeder Mann könne Mitglied der "Proud Boys" werden, heißt es – aber nur, solange anerkannt wird, dass "weiße Männer nicht das Problem sind". In ihren zehn Grundprinzipien sprechen sich die "Proud Boys" gegen "rassischen Schuldkult" (racial guilt) und politische Korrektheit aus. McInnes sagte im Oktober 2018, er lehne Rassismus ab, fällt aber immer wieder mit rassistischen Statements auf. Mit den "Proud Boys" hat das allerdings nur noch bedingt zu tun, erklärte McInnes doch wenig später seinen Austritt aus der Gruppe, um sie zu schützen. Zuvor hatte das FBI "Proud Boys" (es gibt widersprüchliche Angaben, ob nun die ganze Gruppe oder nur einzelne Mitglieder) als extremistisch eingestuft und ihnen Verbindungen zum "weißen Nationalismus" attestiert.

Die "Proud Boys" selbst sehen sich als Erleuchtete: Durch "Red Pilling", das Schlucken einer metaphorischen "roten Pille" (eine Matrix-Anspielung), "erwachen" zukünftige Mitglieder und erkennen plötzlich, dass fremde Kulturen die "westliche" bedrohen. Relevant für die Konstruktion einer neuen "westlichen" Männlichkeit ist die Cuckold-Pornografie. Es handelt sich dabei um ein Genre, in dem meist ein weißer Mann zusieht, wie seine Frau mit einem schwarzen Mann Sex hat, wodurch ihr Partner erniedrigt und entmännlicht wird. Die "Proud Boys" übertragen diesen Fetisch allerdings auf die heutige Gesellschaft: Gemäßigte Konservative und Linke seien "cucks", die sich von Schwarzen und anderen Minderheiten vorführen ließen. Der Begriff "cuck" ist mittlerweile ein fester Bestandteil neurechter Codes im Internet geworden. Dieser Entmännlichung könne man sich nur entziehen durch das Aufgehen in Gewalt und strenge Masturbationskontrolle. Das soll den Zusammenhalt der Gruppe stärken und zudem motivieren, sexuellen Frust nicht selbst abzubauen, sondern "rauszugehen" und Frauen zu treffen. Diese Gedankengänge sind auch der Incel-Szene nicht fremd.

Um dieser, nach eigener Aussage "pro-westlichen Bruderschaft" beizutreten, müssen laut dem "Southern Poverty Law Center", einer gemeinnützigen Organisation, die rechtsextreme Gruppen beobachtet, vier Grade durchlaufen werden: Am Anfang steht die öffentliche Erklärung: "Ich bin ein westlicher Chauvinist und ich weigere mich, mich für die Schaffung der modernen Welt zu entschuldigen." In einem zweiten Schritt folgt das Cornflakes-Prügelritual – das diene der Adrenalin-Kontrolle. Außerdem müssen sich Mitglieder an das Masturbationsverbot halten. Pornografie ist übrigens verboten. Ein Mitglied des dritten Grades muss sich ein "Proud Boys"-Tattoo stechen lassen. Der vierte Grad ist dann erreicht, wenn der Anwärter öffentlich Gewalt gegen angebliche Angehörige der in rechten Kreisen verhassten "Antifa" ausübt. Spätestens hier wendet sich also die Gewaltbejahung gegen das gesellschaftliche Außen, wird ein zutiefst toxisches und rein physisch ausgerichtetes Männlichkeitsideal zu einer realen Bedrohung.

Zu dieser Weltanschauung gehört selbstverständlich auch ein aggressiver Antifeminismus: Gründer McInnes, der sich noch nach seinem Weggang von Vice mit lustigen Homevideos als moderner Vater inszenierte, ist bekannt dafür, Feminismus als "Krebs" bezeichnet zu haben und zu behaupten, Frauen wollten misshandelt werden – gleichzeitig dienen ihm Stereotype über Frauenhass in der islamischen Welt für rassistische Diffamierung. Stattdessen wünschen sich die "Proud Boys unter dem Wahlspruch "Verehrt die Hausfrau" ein (vermeintliches) Ideal der 50er-Jahre zurück. Das beinhaltet auch Stress für Männer: Die "Proud Boys" verabscheuen Dinge, die sie für "verweichlicht" halten – ein amerikanischer Mann soll lieber Steaks essen und Äxte werfen, anstatt zu lesen.

Gelesen wird aber manchmal trotzdem, und das ist durchaus verräterisch in Bezug auf die Behauptung, nicht einer Ideologie der White Supremacy anzuhängen: Der Gründer fasste den Charakter der Treffen mal mit "saufen, kämpfen und laut aus Pat Buchanans Der Tod des Westens vorlesen" zusammen. Buchanan, ein ehemaliger Redenschreiber für Präsident Richard Nixon und mittlerweile ein White Supremacist, behauptet in dem Buch, dass das weiße Christentum durch Immigranten verdrängt werde, die Verschwörungserzählung des "Weißen Genozids" klingt auch hier an.

Gleichzeitig wirkt auch das Saufen-Kämpfen-Lesen-Statement eher schräg als initial bedrohlich. Dahinter steckt eine Strategie: Wer nicht ernst genommen wird, kann sich besser ausbreiten. Wer weiß schon, dass die Verwendung von "Uhuru" die Verhöhnung eines Aktivisten ist, der mit demselben Wahlspruch in einem Video Reparationen für die Versklavung Schwarzer forderte? Oder, dass McInnes als Grund für die Cornflakes-Prügel nennt: "Den Westen gegen Menschen, die ihn zerstören wollen, zu verteidigen, ist wie sich an Cornflakes zu erinnern, wenn du mit zehn Fäusten bombardiert wirst. Die Kameradschaft und Bindung, die diese Gewalt produzieren, ist inspirierend."

Die "Proud Boys" sind eine neofaschistische, frauenfeindliche und rassistische Gang, die sich in Einschüchterung und Gewalt übt. Der Richter Mark Dwyer, der 2019 zwei "Proud Boys" zu vier Jahren Haft verurteilte, nachdem sie antifaschistische Demonstrierende angegriffen hatten, sagte: "Ich weiß genug über Geschichte um zu wissen, was in den Dreißigerjahren in Europa passiert ist, als die Justiz politischen Straßenkämpfen nicht Einhalt gebot." Besonders bedrohlich ist das auch deshalb, weil sich die "Proud Boys" eben kaum noch zurückhalten, wie Trump es vorerst gefordert hat: Sie tauchen mittlerweile immer öfter auf Black-Lives-Matter-Demonstrationen auf und versuchen, Gewalt zu provozieren. Die "Proud Boys" verfügen außerdem über eine paramilitärische Untergruppe, die sich "Fraternal Order of the Alt-Knights" nennt – eine klare Anspielung auf den Terminus "Alt-Right". Von dem distanzierten sich Sprecher der Gruppe dann ganz gemäß der Taktiken des Trollens mit Vor- und Zurückrudern und Es-nicht-so-und-im-Zweifel-nur-ironisch-Gemeinthabens.

Trumps Aufruf an seine Fans, im November in Wahllokalen "für Sicherheit" zu sorgen, dürfte bei den "Proud Boys" auf Begeisterung gestoßen sein. Sie verkaufen mittlerweile Fanartikel mit Trumps Aufforderung "Stand Back and Stand By". Der Gründer des neonazistischen Daily Stormer schreibt dazu: "Ich habe Gänsehaut. Ich habe immer noch Gänsehaut, er [Trump] sagt den Leuten, sie sollen sich bereithalten. Bereit für den Krieg." Am Samstag wurde Gavin McInnes vor dem Walter-Reed-Krankenhaus gesichtet.


Aus: ""Proud Boys": Mehr als nur ein Neonazi-Schlägertrupp" Eine Analyse von Annika Brockschmidt (7. Oktober 2020)
Quelle: https://www.zeit.de/kultur/2020-10/proud-boys-us-wahl-white-supremacy-gavin-mcinnes-rechtsextremismus/komplettansicht

Quote
HFLM #1

As Gay Twitter reclaims #ProudBoys hashtag, Proud Boys change name to “Leather Men”
https://www.thebeaverton.com/2020/10/as-gay-twitter-reclaims-proudboys-hashtag-proud-boys-change-name-to-leather-men/


Quote
OnlyOnePlanet #1.3

... Ist der Beaverton so was wie der Postillion hier?


Quote
Sir Lawrence #1.7

"Ist der Beaverton so was wie der Postillion hier?"- Yep


Quote
nucleolus #1.10

"Übrigens: Sich lustig machen über vermeintliche Homosexualität von offen homophoben Gruppen ist immer insofern schwierig, als dass das nur dann funktioniert, wenn man selbst Schwulsein als Witz begreift."

Stimmt nicht. Der Witz hier ist die Ironie, das Heuchlerische. Dass mit Klischees gespielt wird, liegt wiederum an der Natur von Witzen.


Quote
Schievel2 #1.11

Ne?
Man kann kann auch Homosexualität ernst nehmen und sich trotzdem darüber lustig machen, wenn sich homophobe darüber aufregen mit homosexuellen in Verbindung gebracht zu werden. Warum soll das in Ihren Augen ein Widersprich sein?


Quote
Sonderze.chen #1.15

Und extremreligiöse Männer sind dann auch nie frauenfeindlich, weil sie ja Frauen heiraten? ...


Quote
Nobelix #2

Die queeren Jungs, die den hashtag "ProudBoys" gekapert haben, sind da doch deutlich symphathischer. Wenn Trump das auch so sehen würde, wäre noch ein Hauch von Hoffnung gegeben.


Quote
CantHappenHere #4

"aber sie sind popkulturell vielschichtig, arbeiten mit Albernheiten und Ironie. Das bedeutet Gefahr."

...und, im Rahmen der Gesetze, auch zunächst mal schlicht politische Meinungsäußerung. Will sagen: die Ideologie macht sie wenn dann gefährlich, nicht die Tatsache, dass auch Rechtspopulisten bis hin zu Neonazis sich inzwischen intelligenterer Mittel bedienen als der tumben Herummarschiererei in Springerstiefeln.


Quote
r.schewietzek #4.2

Joah. Aber diese Fixierung aufs Masturbationsverbot lässt tief blicken. Freud lässt grüssen.


Quote
Der Reimer #4.3

Jedenfalls ist die ganze Angelegenheit letztlich wieder SO ne Seifenblase der Medien.
Diese "Proud Boys" sind letztlich einfach eine unter vielen mehr oder weniger reaktionären unzähligen Gruppen, die es in den USA halt wohl gibt, sicher weder die gefährlichste noch die bedeutsamste.
Der Name wurde halt von Trump ins Spiel gebracht, weil er da selber wohl mal was von gehört hat, bei FOX vermutlich...letztlich taugen die allenfalls als Synonym.

Immerhin ne nette Werbeaktion für die, schätz ich mal. Sachlich konkret ne Albernheit.


Quote
Meefrangge #4.14

Ich gebe dem Mitforist nicht zu 100% Recht, aber was Wahres ist nunmal dran.

Beispiel Feminismus - für viele Frauen der Grund, sich "endlich auch mal wie die Machos der 80er aufzuführen".
Dann gibt's noch die Schwarzer Fraktion, die einen Kachelmann auch dann noch als Vergewaltiger betitelt, obwohl rechtskräftig klar ist dass seine Frau gelogen hat.
Dann die, die sich in die rhetorische Opferrolle begeben, und auf Mitleid pokern.

Wenn Biden also im Interview Trump so einen Knochen hinwirft, und der Journalismus macht das hier draus, frage ich mich schon wer hier eigentlich der Brandstifter ist.
Und ja, man hat ein Recht auf seine eigene, vielleicht falsche Meinung, solange sie von der Meinungsfreiheit gedeckt ist.

Lieber ein Chauvinist, der zugibt einer zu sein, als einer, der mir mit Honig um den Maul hinterfotzig gegenüber tritt.
Da weiß ich wenigstens woran ich bin.


Quote
Raymond Luxury-Yacht #9

Hmmm... Mal eine ganz spannende Zusammenfassung einer bisher vollkommen unbekannten Gruppe. Die Gruppe als Symptom ist ganz interessant. Die massive Betonung des liberalen Topos von der "toxischen Männlichkeit" bis zum "Mann, als Ursache für alles Übel von Frauen oder Minderheiten"... Es war damit zu rechnen. Ich glaube nicht, dass das eine Massenbewegung wird aber die Ursachen so einer Reconquista des Meinungsspektrums liegen auf der Hand.


Quote
r.schewietzek #9.1

Frauen sind nicht mehr gehorsam genug?


Quote
Raymond Luxury-Yacht #9.2

Bei mir war diesbezüglich von Anfang an Hopfen und Malz verloren... LOL


Quote
M_Schæfer #10

Entfernt. Bitte verzichten Sie auf Unterstellungen. Danke, die Redaktion/tg


Quote
Raymond Luxury-Yacht #10.1

Der Kommentar, auf den Sie Bezug nehmen, wurde bereits entfernt.


Quote
wackelnde Gardine #13

Was ist das eigentlich für eine neue Masche mit diesem "werden als … gelesen"?
Ist das selbstentlarvendes Korrektsprech für "werden in die Schublade … gesteckt"?


Quote
Pedro Navaja #14

Testosteronstau, sexuelle Frustration und politisch vergiftete Stimmung sind ein sehr, sehr gefährliches Cucktail...sorry Cocktail.


Quote
humboldt_redivivus #16

Sehr aufschlussreicher Bericht, also eben dieser Mix aus Macho-Gehabe, Frauen- und Fremdenfeindlichkeit usw. usw. Problem sehe ich auch, doof sind die nämlich nicht alle und ja - vom Outfit teilweise ziemlich cool. Ich glaube, wir alle müssen uns vom dem antiquierten Nazibild mit Springerstiefeln definitiv verabschieden. Die Rechtsextremisten sind vielschichtiger, fast hätte ich queerer gesagt. und deshalb viel gefährlicher, diese Identitären kommen ja rein optisch teilweise auch recht cool rüber!

Ergänzung: Beim nochmaligen Lesen des Artikels scheint mir eine gewisse homoerotische Aufladung, wie bei anderen Männerbünden, auch noch vorzuliegen und da können dann ja doch Parallelen zur SA ("Röhm-Putsch") gezogen werden.


Quote
r.schewietzek #17

Dass die Mitglieder der "Proud Boys" meist eher bullige Männer zwischen 20 und 40 sind, die zurück wollen zu einer brachialen, gewalttätigen Männlichkeit, ist unzweifelhaft.

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Vielleicht werden sie nur nicht damit fertig, daß sie ihr Geschirr selber spülen müssen und ihre Wäsche selber waschen müssen - eigentlich keine Fertigkeiten, die besondere Intelligenz oder Aufnahmefähigkeit verlangen....
Die meisten Männer schaffen das problemlos.


Quote
tamsin paine #17.1

Die meisten Männer, die ich kenne, waschen ihre Wäsche und spülen ihr Geschirr normalerweise nicht selbst. Dazu gib es auch Statistiken. Es sei denn, sie sind nicht verpartnert, und das Inceltum scheint ja bei den Proud boys das Problem zu sein.


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Josef Bologna #17.2

Spülen ist die Hölle!


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J.P._Merz #35

Immer wenn ich Proud Boys höre habe ich sofort einen Hit von Duran Duran im Ohr.


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Wurstkuchlbub #35.1

Und ich denke bei den Proud Boys an Kleinkinder, die stolz sind, das erste mal allein aufs Klo gegangen zu sein...


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Abdul Alhazred #38

Ist das sowas wie unsere IB?


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Pascal P #38.1

Nur mit Waffen...


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Tordenskjold #38.2

Wohl eher eine Mischung aus IB und SA.


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Manus Cornu #38.5

Eigentlich kein schlechter Vergleich. Zumindest ist das Ziel wohl Ähnlich: Niemand will gerne mit Glatze und Springerstiefeln bzw mit schlechten Zähnen und Schrotflinte in Verbindung gebracht werden, also schaut man, welche Subkultur sonst gerade ~hip~ ist und kopiert deren Ästhetik.


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  Klara Denken #60  —  vor 6 Stunden

... "Neue Mitglieder werden zur Initiation verprügelt, bis sie fünf Sorten Cornflakes genannt haben."

Entschuldigung: Was ist denn der Untershied zu schlagenden Verbindungen? Backe hinhalten, aufschlitzen und dann stolz die Narbe vorzeigen.

"All diese Dinge führen dazu, dass die "Proud Boys" im Gegensatz zu anderen gewaltbereiten Banden eher als skurril oder gar albern ..."

Jetzt soll mir mal einer erzählen daß farbentragende Burschenschaften mit ihren Uniformen, Kommersen, Saufgelagen etc. nicht skurril oder albern sind. ...

"Gleichzeitig wirkt auch das Saufen-Kämpfen-Lesen-Statement....".

OK, da gebe ich zu Deutsche Verbindungsstudenten tun nur die ersten zwei Dinge.

"...Taktiken des Trollens mit Vor- und Zurückrudern und Es-nicht-so-und-im-Zweifel-nur-ironisch-Gemeinthabens....".

Genau dasselbe, die Desdensia-Rugia meint es garnicht so, wenn sie die Nachbarschaft mit Goebbels Reden beschallt, wir es mir vor langer Zeit als Student in Gießen passiert ist, als ich das Unglück hatte in der Nachbarschaft zu wohnen.

Wir haben diese "Proud Boys' seit 172 Jahren. Ganze DAX Vorstände bestehen aus solchen Seilschaften.


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« Last Edit: October 08, 2020, 12:59:25 PM by Link »