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Architektur (Bauwerk & Raum) [Verortung] / Kiel Gaarden...
« Last post by Link on May 07, 2021, 12:24:17 PM »
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[....] In der Nacht vom 19. auf den 20. Dezember 2018 verübten Unbekannte einen Brandanschlag auf den linken Treffpunkt Li(e)ber Anders in der Iltisstraße in Kiel. Sowohl das nara Netzwerk als auch die Wagengruppe Schlagloch berichten, dass als Brennstoff Plakate verwendet wurden, die vorher am Platz der Wagengruppe Schlagloch hingen. Bekanntlich hat diese Wagengruppe ein vorübergehendes Domizil in der Werftbahnstaße gefunden. Vor zwei Monaten waren die Plakate entwendet worden.

Der Treff Li(e)ber Anders begann als Infoladen und fungiert jetzt als Treffpunkt für verschiedene linke und antirassistische Gruppen. Dass ausgerechnet Plakate von der links-orientierten Wagengruppe für den Anschlag auf das Li(e)ber Anders verwendet wurde, lässt auf einen politischen Hintergrund schließen.

Für heute um 17 Uhr ist ein Treffen der antifaschistischen Solidarität vor dem Li(e)ber Anders in der Iltisstr. 34 geplant.


Aus: "Anschlag auf Li(e)ber Anders" Ursula Shelton (Allgemein, Stadtteile / 20. Dezember 2018)
Quelle: https://kielaktuell.com/2018/12/20/anschlag-auf-lieber-anders/

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[...] Ende April haben wir, der Verein zur Förderung der politischen Bildung in Gaarden e.V., durch unsere Vermieterin überraschend eine Kündigung unserer Räumlichkeiten in der Iltisstraße 34 zum 31.7.2021 erhalten. Wir sind entsetzt, aber vor allem sind wir stinksauer. Für uns ist klar: Wir nehmen die Kündigung nicht einfach so hin, wir kämpfen für das Li(e)ber Anders!

Unser Laden existiert nun schon seit 30 Jahren in durchgängiger Nutzung durch selbstorganisierte Projekte. Er entstand 1991 als Arbeitslosenladen der Arbeitsloseninitiative e.V.. Im Jahr 2007 kam es zu einer Neustrukturierung, das Li(e)ber Anders entstand als Stadtteilzentrum. Unter seinem Dach organisieren sich seitdem diverse politische und soziale Initiativen, darunter auch der Infoladen Libertärer Laden. Das Projekt hat mehrere Wechsel von Hauseigentümer*innen überlebt und ist die längste Konstante in der Hausgemeinschaft der Iltisstraße 34. Die aktuelle Eigentümer*in hat unser Haus 2014 gekauft und nun den Gewerbemietvertrag mit unserem Verein, der noch aus dem Jahre 2011 stammt, gekündigt.

Schon seit 30 Jahren finden sich bei uns Menschen aus dem Stadtteil zusammen, um sich gegen soziale Ungerechtigkeiten und politische Missstände im Kleinen wie im Großen zu wehren. Bei uns können Menschen zusammenkommen, sich vernetzen und politisch organisieren. Hier findet eine Sozial- und eine Mieter*innenberatung statt, hier wird bei staatlicher Repression geholfen und es gibt eine Küche für alle. Bei uns können Menschen Kaffee trinken und finden einen warmen Raum vor. Hier kämpfen wir gegen Mieterhöhungen, gegen Verdrängung und für einen solidarischen Stadtteil. Hier haben wir mehreren Naziangriffen getrotzt und unzählige Demos und Aktionen vorbereitet. Zuletzt entstanden hier Initiativen wie das Nachbarschaftsnetzwerk Gaarden solidarisch gegen Corona, um im pandemischen Ausnahmezustand gegenseitige Hilfe von und für Gaardener*innen zu organisieren.

Der Laden ist selbstorganisiert und wird in einem solidarischen und gleichberechtigten Durch- und Miteinander von allen gefüllt und verwaltet, die Lust darauf haben und Räume brauchen. Zu seinen Nutzer*innen gehören politische Gruppen und Organisationen, aber auch Einzelpersonen und Anwohner*innen. Getragen und finanziert wird er von einem Verein, der derzeit knapp 70 Mitglieder hat. In den zurückliegenden drei Jahrzehnten wurden die Räume von zahllosen Menschen geprägt, sie sind als Anlaufstelle weit über Gaarden hinaus bekannt. Unser Laden ist kein Ort, den man mit einer Kündigung dichtmachen kann, unser Laden sind hunderte Gaarden*innen, die für einen solidarischen Stadtteil kämpfen.

Die neoliberale Stadtplanung und ihre Immobilieninvestor*innen haben für Gaarden dagegen anderes im Sinn: Wir sehen unsere Kündigung im Zusammenhang mit einer von der Stadt Kiel betriebenen Stadtteilaufwertung. Diese fördert gezielt die Dynamiken des kapitalistischen Immobilienmarkts und befindet sich im vollen Gange. Unser Stadtteil soll mit Programmen wie „Gaarden hoch 10“ solchen Leute schmackhaft gemacht werden, die Gaarden bisher als „sozialen Brennpunkt“ abgetan und sich in schicke Stadtteile auf dem Westufer verzogen haben. Immer mehr Wohnraumspekulant*innen springen mittlerweile auf den Zug auf. Die angespannte Wohnraumsituation in ganz Kiel und steigende Mieten versprechen auch im „Schmuddelstadtteil“ lukrative Geschäfte. In Gaarden und drumherum entstehen teure Wohnkomplexe und Hotels, im Stadtteil nicht geerdete prestigereiche Kunst- und Kulturprojekte sollen für ein ansprechendes Ambiente für eine zahlungskräftige Klientel sorgen. Systematisch werden so alle verdrängt, die nicht in das neue Image passen. Das sind als erstes die vielen Gaardener*innen, die schon jetzt jeden Cent umdrehen müssen, um überhaupt ein Dach über dem Kopf zu haben. Auch selbstverwaltete, unkommerzielle und offen widerständige Projekte aus dem Stadtteil wie das L(i)eber Anders sind für solche Planungen mehr Störfaktor, als dass man hier große Gewinne auspressen könnte.

Auch unsere Vermieterin, die noch nichteinmal zu den dicksten Fischen im Miethaibecken gehört, hat Lunte gerochen. Sie sieht den Rubel rollen und hat uns nun mitten in einer Pandemie gekündigt. Sie will „neue Konzepte“ für unser Haus verwirklichen, die Böses erahnen lassen. Das Li(e)ber Anders passt nicht in dieses neue Konzept, weil er für das Gaarden steht, das nun Stück für Stück abgeschafft werden soll.

Dabei brauchen wir gerade jetzt Orte des emanzipatorischen Miteinanders, an denen wir uns selbstbestimmt organisieren können und an denen wir unsere Gesellschaftsentwürfe erproben können; Orte des politischen Widerstands gegen die kapitalistische Verwertung der Stadt und die Verdrängung ihrer Bewohner*innen. Wir brauchen linke Zentren, gemeinschaftliches Wohnen und offene Orte der Solidarität. Wir werden deshalb um das Li(e)ber Anders kämpfen. Wir rufen alle Genoss*innen, Nutzer*innen und Freund*innen unseres Projekts dazu auf, sich diesem Kampf anzuschließen und der Kündigung unsere breite Solidarität entgegenzusetzen. Uns bleiben drei Monate Zeit, dafür zu sorgen, dass das Li(e)eber Anders bleibt wie und wo es ist: Ein linker Stadtteilladen im Erdgeschoss der Iltisstraße 34. Wir fordern die sofortige Rücknahme der Kündigung unserer Räumlichkeiten.

Wir geben das Li(e)ber Anders nicht auf, wir lassen uns nicht verdrängen!

Unser Kampf um den Laden ist ein Kampf für einen solidarischen Stadtteil!

Wir bleiben Li(e)ber Anders!

Nutzer*innenplenum des Li(e)ber Anders, 04.05.2021

Veröffentlicht unter Allgemein   | Kommentare deaktiviert


Aus: "Wir bleiben Li(e)ber Anders! Gegen Verdrängung – für einen solidarischen Stadtteil!" Publiziert am 4. Mai 2021 von Li(e)berAnders
Quelle: https://lieberanders.gaarden.net/2021/05/wir-bleiben-lieber-anders-gegen-verdraengung-fuer-einen-solidarischen-stadtteil
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Architektur (Bauwerk & Raum) [Verortung] / Kiel Gaarden...
« Last post by Link on May 07, 2021, 12:10:13 PM »
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[...] „Unerträglich geworden“ ist die Situation für Anwohner, Geschäftsinhaber und Hausverwaltungen sogar aus Sicht der „Kieler Taubenfreunde“. Gefühlt immer mehr verwilderte Tauben siedeln sich im Zentrum von Kiel-Gaarden an, verschmutzen Fassaden, Fenster und Balkone.


Aus: "Tauben sorgen in Kiel-Gaarden für Verdruss" Martin Geist (22.01.2021)
Quelle: https://www.kn-online.de/Kiel/Tauben-Plage-in-Kiel-Gaarden-Kommt-jetzt-ein-Taubenhaus
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Architektur (Bauwerk & Raum) [Verortung] / Kiel Gaarden...
« Last post by Link on May 07, 2021, 11:46:40 AM »
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[...] Migranten seien besonders häufig mit Corona infiziert, so die Behauptung, die seit Monaten durch viele Medien geistert. Bei der Sitzung des Kieler Migrantenforums wehrt man sich mit Fakten gegen den Vorwurf.

Die Inzidenzwerte zeigen es: Coronafälle treten besonders häufig dort auf, wo Menschen auf engem Raum zusammenleben. So weisen in Kiel die Stadtteile Gaarden und Mettenhof regelmäßig die mit Abstand höchsten Zahlen auf.

In den beiden Vierteln ist auch der Anteil der Migranten überdurchschnittlich hoch – ein Umstand, der bereits verschiedene Medien zu dem Schluss veranlasste, Migranten seien Treiber der Pandemie. Ein haltloser Vorwurf, wie Reinhard Pohl von der Initiative Gegenwind behauptet. Seine Gegenargumente brachte er am Dienstag bei der Sitzung des Forums für Migrantinnen und Migranten vor.

Die Behauptung, Menschen mit Migrationshintergrund würden einen besonders hohen Anteil der Covid-Intensivpatienten ausmachen, verbreitete zuerst die Bild-Zeitung und berief sich dabei auf die Aussagen einzelner Klinikchefs sowie auf den Chef des RKI Lothar Wieler. Laut Wieler lägen demnach "deutlich über 50 Prozent" Menschen muslimischen Glaubens auf den Intensivstationen.

Andere Blätter wie der "Focus" zogen nach. Bei der "Bild" wurde zudem von einer Tabuisierung des Themas gesprochen. Auch die AfD griff das Thema auf und behauptete über soziale Medien, "80 bis 90% der Corona-Infizierten sind Migranten!" 

... Reinhard Pohl kritisierte bei der virtuell tagenden Sitzung des Migrant*innenforums entsprechende Aussagen als unbelegt. Der Journalist der ehrenamtlichen Nachrichtenplattform "Gegenwind" wies darauf hin, dass der Migrationshintergrund von Patienten überhaupt nicht statistisch erfasst werde.

"Tote werden nach Geschlecht und nach Alter aufgeschlüsselt, nicht nach Migrationshintergrund", so Pohl. RKI-Chef Wieler selbst stellte bereits Anfang März entsprechend klar: "Dem Robert-Koch-Institut liegen solche Daten nicht vor [...] sie werden nicht erfasst." Auch das Recherchenetzwerk "Correctiv" kam bei einem Faktencheck zu dem Ergebnis: "Zur Herkunft oder Religion von Covid-19-Patienten gibt es keine statistische Grundlage. Laut RKI und der Klinik wurden die Aussagen der zitierten Personen von der Bild aus dem Kontext gerissen." 

Was deutsche Statistiken nicht hergeben, scheinen allerdings Daten aus anderen Quellen zu belegen.

So besagt eine OECD-Studie vom Herbst 2020, dass in 20 Industrieländern Einwanderer doppelt so oft infiziert sind wie Einheimische. Zudem bleibt die Tatsache bestehen, dass in den Kieler Stadtteilen mit überdurchschnittlich hohem Migrantenanteil zugleich die meisten Covid-19-Fälle vorliegen. Vom 1. bis 26. März waren es in Mettenhof 50 Fälle, in Gaarden 94. In den übrigen Stadtteilen lagen die Zahlen im selben Zeitraum zwischen 3 und 43.

Pohl verweist zur Antwort auf eine Tagung von Virologen aus Deutschland und der ganzen Welt vom vergangenen März. Dort sagte Thomas Stamminger, Virologe am Universitätsklinikum Ulm: "Man kann Treiber nicht einer bestimmten Altersgruppe oder Bevölkerungsgruppe zuordnen, sondern eigentlich nur Situationen." Will heißen: Menschen mit Migrationshintergrund leben häufig in dichter besiedelten Stadtteilen und auf engerem Raum zusammen.

Sie haben häufig Berufe, die sich nicht ins Homeoffice verlagern lassen und bei denen oft Kontakte mit anderen Menschen auftreten, etwa im Verkauf oder in der Pflege. Wie Pohl es zusammenfasst: "Migrant*innen sind tatsächlich häufiger betroffen, aber vor allem durch die sozialen Verhältnisse. Es gibt keinen einzigen Nachweis, dass sie unvorsichtiger sind als andere oder sich an Regeln nicht halten."

Zustimmung erhielt Pohl von den Sitzungsteilnehmern. Madina Assaeva (CDU): "In einem Stadtteil, in dem die Menschen keine Möglichkeit zum Homeoffice haben und auch die öffentlichen Verkehrswege nutzen müssen, muss man sich nicht wundern, wenn sie sich häufiger anstecken."

Geschäftsführerin Edina Dickhoff sprach von ihren persönlichen Erfahrungen aus Gaarden: "Wir haben bei uns im Stadtteil größtenteils Altbauwohnungen – und immer mehr Einwohner, ohne dass mehr Wohnungen gebaut wurden." Die hohen Corona-Zahlen hätten nichts mit Migrationshintergrund der Bewohner zu tun. "Das Problem ist die Armut – und die Erreichbarkeit."

Um die von Dickhoff angesprochene Erreichbarkeit zu verbessern, schlug Reinhard Pohl vor, dass die Stadt die Kommunikation mit den Bewohnern der besonders stark betroffenen Stadtteile verbessert. "Das Gesundheitsamt und andere sollten mit richtigen Dolmetscherinnen und Dolmetschern arbeiten", so Pohl. "Die Stadt sollte nicht nur Zettel als Pdf-Datei, sondern auch Filme zum Weiterleiten bereitstellen." Bei allen Maßnahmen müssten Migranten mitgedacht und spezifische Probleme und Fragestellungen berücksichtigt werden. Mobilie Impfteams sollten aktiv auf Bewohner von Flüchtlingsheimen und Stadtteilen mit hoher Inzidenz zugehen.

Zudem, so Pohl weiter, müssten bestehende Gerüchte über die Impfungen bekämpft werden. Im Umlauf seien falsche Behauptungen wie: Wer geimpft ist, könne abgeschoben werden. In Flüchtlingsheimen werde Impfstoff ausprobiert, den Deutsche nicht bekommen. Der Impfstoff mache unfruchtbar. Alles Unsinn, doch in den Kieler Flüchtlingsunterkünften durchaus verbreitet, wie Jasna O’Sullivan von der Gemeinschaftsunterkunft Kiel-Wik in der Sitzung bestätigte.


Aus: "Migrantenforum wehrt sich gegen Gerüchte" Sven Raschke (05.05.2021)
Quelle: https://www.t-online.de/region/kiel/news/id_89976096/kiel-migrantenforum-wehrt-sich-gegen-corona-vorwuerfe.html
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Architektur (Bauwerk & Raum) [Verortung] / Kiel Gaarden...
« Last post by Link on May 07, 2021, 11:38:28 AM »
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[...] Die Infektionszahlen sind innerhalb der Stadt ungleich verteilt. Nach Angaben von Oberbürgermeister Ulf Kämpfer (SPD) stecken sich unter anderem in den Stadtteilen Mettenhof und Gaarden vergleichsweise viele Menschen mit dem Virus an. "Dort, wo es kleine Wohnungen gibt oder wo Menschen mit Sprach- oder Informationsdefiziten leben, dort haben wir mehr Infektionen." Das Ziel der Stadt sei, die Einwohner in diesen Gebieten besonders aufzuklären.

Die Stadt spricht laut Kämpfer unter anderem mit Religionsgemeinschaften und Migrantenverbänden. Außerdem wird verstärkt kontrolliert, ob die Maskenpflicht eingehalten wird. Und noch etwas ist neu: "Wir haben Kleinkünstler engagiert, die Masken verteilen", sagte der Oberbürgermeister. Es gehe darum, noch einmal den Ernst der Lage klar zu machen. Die Menschen sollten auch verstehen, was in Folge einer Corona-Notbremse eingeschränkt werden müsse.

Auch die Zahl der Impfungen fällt im Stadtgebiet sehr ungleich aus. Dort, wo bisher wenig Menschen geimpft wurden, müssen laut Kämpfer mehr Angebote gemacht werden. Und im idealen Falle solle es möglichst einfach und unkompliziert sein, eine Impfung zu bekommen. Ein kleines bisschen können die Kieler schon aufatmen: Die Sieben-Tage-Inzidenz ist mit Stand Dienstagabend in Kiel leicht gesunken und liegt nun bei 90. Noch am vergangenen Sonnabend (24. April) lag die Kieler Sieben-Tage-Inzidenz laut Robert Koch-Institut bei 99,7.


Aus: "Corona: Kiel und der Kampf gegen die 100er-Inzidenz" (28.04.2021)
Quelle: https://www.ndr.de/nachrichten/schleswig-holstein/Corona-Kiel-und-der-Kampf-gegen-die-100er-Inzidenz,coronainkiel100.html

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Erweiterter Machtdiskurs (Politik) / [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN (Politik)]
« Last post by Link on May 07, 2021, 11:21:36 AM »
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[...] Immer wieder berichten Kommunal- und Bundespolitiker von Anfeindungen und Drohungen. Nun ist es die Ko-Parteichefin der Grünen Annalena Baerbock, die Attacken gegen sich öffentlich macht. Seit Baerbocks Ernennung zur Kanzlerkandidatin, so Parteisprecherin Nicola Kabel gegenüber dem Redaktionsnetzwerk Deutschland (RND), sähen sich die 40-Jährige und ihre Partei vermehrt Hass-Attacken im Internet ausgesetzt.

"Sowohl Annalena Baerbock als auch Robert Habeck werden im Netz schon lange attackiert", sagte Kabel dem RND. "Aber seit der Nominierung von Annalena Baerbock haben gefälschte Zitate und gefakte Bilder noch mal einen Schub bekommen. Das begann gleich in den ersten Tagen."

Allein in den vergangenen zwei Wochen habe die Parteizentrale der Grünen 15 Meldungen im Rahmen des Netzwerkdurchsetzungsgesetzes gemacht. "Wenn Dinge strafrechtlich relevant erscheinen, bringen wir sie zur Anzeige", sagt Kabel. "Nicht alles hat automatisch eine frauenfeindliche Komponente; aber sie kommt in manchen Fällen noch dazu." Zuletzt sind nach Informationen des RND unter anderem vermeintliche Nacktbilder Baerbocks aufgetaucht, die aber in Wahrheit nicht sie zeigen, sondern ein russisches Modell.

Im April war es SPD-Gesundheitsexperte Karl Lauterbach, der unter anderem von Gewaltandrohungen gegen sich berichtete. Er bringe nur das Nötigste zur Anzeige, schrieb der Bundestagsabgeordnete damals bei Twitter. "Trotzdem habe ich gerade wieder 59 Anzeigen unterschrieben."

Ende April wurde bekannt, dass das Bundeskriminalamt wegen einer im Internet verbreiteten "Todesliste" ermittelt, auf der die Namen von Bundestagsabgeordneten stehen, die für das Gesetz zur Corona-Notbremse gestimmt hatten. Kursiert war die Liste im Messengerdienst Telegram. "Eine 'Todesliste deutscher Politiker' zu verbreiten, hat nichts mehr mit Protest zu tun, sondern nur noch mit dumpfem Hass auf die Demokratie und ihre gewählten Vertreter", sagte dazu Bundesjustizministerin Christine Lambrecht.

Seit dem Mord am Kasseler Regierungspräsidenten Walter Lübcke im Juni 2019 werden Hass-Attacken gegen Politiker vermehrt öffentlich thematisiert. Der CDU-Politiker wurde vor seiner Ermordung durch den mittlerweile verurteilten Rechtsextremisten Stephan E. in sozialen Netzwerken beschimpft und mit Gewalt bedroht.

Quelle: ntv.de, mbe/dpa/AFP


Aus: "Hass-Attacken auf Baerbock nehmen zu" (Freitag, 07. Mai 2021)
Quelle: https://www.n-tv.de/politik/Hass-Attacken-auf-Baerbock-nehmen-zu-article22539594.html
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[...] Mit falschen Versprechen und manipulativen Methoden brachte die Plattform "Girls Do Porn" ab dem Jahr 2009 hunderte junge Frauen dazu, an pornografischen Filmen mitzuwirken. Zugesagte Zahlungen wurden kurzfristig gekürzt, Videos entgegen anderslautenden Zusicherungen breit zugänglich gemacht und beworben – und darüber hinaus Daten der Opfer veröffentlicht.

22 von ihnen zogen vor Gericht, 2020 wurden ihnen gerichtlich mehrere Millionen Dollar als Wiedergutmachung zugesprochen. Der Fall beschäftigt die US-Behörden aber heute noch. Zwei der Betreiber, Ruben Garcia und Teddy Gyi, bekannten sich erst im Dezember verschiedener Tatbestände schuldig, die Buchhalterin Valerie Moser im April. Ein Eigentümer, Matthew Wolfe, wartet noch auf sein Verfahren. Sein Geschäftspartner, Michael Pratt, ist flüchtig, dürfte das Land verlassen haben und steht auf der Most-Wanted-Liste des FBI.

Zudem erfolgten auch mehrfach Klagen gegen den kanadischen Konzern Mindgeek, der eine Reihe von Pornoplattformen im Netz – darunter Redtube, Youporn und Pornhub – betreibt, weil dort viele der widerrechtlich entstandenen Aufnahmen weiter abrufbar waren und auch auf Verlangen nicht entfernt wurden. Unter den Klägern sind auch 40 Girls "Do Porn"-Opfer, die seit April jeweils eine Million Dollar Schadenersatz einfordern und dem Unternehmen vorwerfen, aus Profitgier untätig geblieben zu sein, obwohl man über die Praktiken des Geschäftspartners im Bilde war.

Das löste auch eine Diskussion über die Existenz zahlreicher nonkonsensualer Aufnahmen und Missbrauchsvideos auf derlei Plattformen aus. Mindgeek reagierte schließlich auf die Klagen und den öffentlichen Druck, löschte zuerst Clips von "Girls Do Porn" und später zigtausende Videos, deren Entstehung in Zweifel steht. Zudem führte man neue Verifikationsmechanismen ein. Es laufen aber weiterhin Verfahren gegen die Firma.

Während die Täter zur Rechenschaft gezogen werden und die Mühlen der Justiz arbeiten, kämpfen die Betroffenen noch heute. "Motherboard" schildert etwa ein Gespräch mit einer Frau, die 2015 in die Falle ging. https://www.vice.com/en/article/k78avm/girls-do-porn-still-fighting-harassment-youtube

Die Studentin ("Jane", Name geändert) im zweiten Jahr folgte der Einladung eines "Modeling-Scouts", der ihr eine schnell verdiente, hohe Geldsumme versprach. Sie wusste im Vorfeld, dass es um nicht jugendfreie Aufnahmen gehen würde, aber keine weiteren Details. Obwohl sie anfangs verunsichert war, ließ sie sich zur Teilnahme überzeugen, da sie mit dem Geld ihre Eltern unterstützen wollte. Statt in einem Filmset landete sie in einem Hotelzimmer mit einer Visagistin, die bald darauf verschwand, und zwei Männern. Sie erfuhr auch, dass sie Sex mit einem der beiden Männer haben solle. Nachdem sie sich vor der Kamera ausgezogen hatte, wurde ihr mitgeteilt, dass ihr aufgrund von Narben und Zellulitis der in Aussicht gestellte Betrage um mehrere tausend Dollar gekürzt werde.

Jane entschuldigte sich kurz und ging ins Badezimmer, wo sie feststellte, dass ihre Regelblutung eingesetzt hatte. Also hoffte sie, dass dies eine Verschiebung des Drehs und ihr einen Ausweg aus der Situation bescheren könnte. Als sie wieder aus dem Bad kam, war ihr Gewand samt Geldbörse und Ausweis verschwunden. Nachdem sie auf ihre Menstruation hingewiesen hatte, führte ihr einer der Männer, ohne um Erlaubnis zu fragen, ein Schwämmchen ein.

Danach, so sagt sie, hatte sie Angst, abzusagen, da sie den zwei Männern weitere Gewalt zutraute. Der Vertrag wurde nur eilig durchgeblättert und sie zur Unterschrift gedrängt. Der als "kurz" angekündigte Dreh fand statt. Mehrere Bitten, aufgrund von Schmerzen abzubrechen, wurden ignoriert. Nach fünf Stunden verließ sie das Hotel.

Ihr war zugesichert worden, dass die Aufnahmen nur auf DVD an "Sammler" in einschlägigen Geschäften in Neuseeland und Australien verkauft werden würden. Stattdessen tauchte das Material im Netz auf, wo auch Freunde von ihr darauf stießen. Die Betreiber bewarben die Videos aktiv auf anderen Seiten. In ihrem Umfeld waren bald alle informiert.

Nicht nur das: Von Ende 2015 bis Mitte 2016 gehörte den Betreibern auch die Seite "PornWikileaks". Dort veröffentlichten sie Namen, Adressen, Telefonnummern, Mailadressen und Social-Media-Accounts von ihnen und ihren Familienmitgliedern – eine Praxis, die man auch als "Doxxing" kennt. Freunde und ihre Cheerleadergruppe stützten sie in dieser Zeit gegen Hassbotschaften.

Mittlerweile sei die Situation besser geworden, aber immer noch werde sie angegriffen. Nachdem Jane beruflich in der Finanzbranche erfolgreich aufgestiegen war, landete eine E-Mail bei ihrem Chef, die ihre Vergangenheit einmal mehr offenlegte. Wenngleich das Unternehmen sich hinter sie stellte, fürchtet sie sich davor, dass beruflicher Erfolg ihren Namen zu bekannt machen und eine neue Welle digitaler Belästigung und Doxxing auslösen könnte. Sie wechselte schließlich ihren Arbeitsplatz. Die traumatischen Erlebnisse beeinträchtigen auch ihr Beziehungsleben.

Sie hat zudem die Erfahrung gemacht, dass etwa Youtube und Twitter stumm bleiben, wenn sie inkriminierende Beiträge meldet. In einem Fall hatte sich jemand unter ihrem Namen auf Youtube angemeldet, Screenshots ihrer beruflichen Laufbahn von Linkedin zusammengeschnitten und dazu eine Anleitung verfasst, wie man per Suchmaschine die Aufnahme finden kann. Denn ihr Video aus dem Hotelzimmer ist nach langem Kampf zwar von den meisten Seiten entfernt worden, aber auf manchen immer noch gehostet. Es dauerte fünf Monate, ehe die Plattform erst auf Anfrage von "Motherboard" reagierte.

Kritik gibt es auch von Charles DeBarber, Privacy-Analyst bei einer Kanzlei, die sich auf die Entfernung nonkonsensualer Pornoaufnahmen spezialisiert hat. Youtube sei seiner Erfahrung nach jenes Portal, das am schwersten dazu zu bewegen sei, etwas zu tun. Auch auf ihn hatte man nicht reagiert, als er im Auftrag von Jane Kontakt aufgenommen hatte. Youtube anzuschreiben sei "wie ins Leere zu schreien". Die Plattform würde sich nicht an ihre eigenen Nutzungsbedingungen halten.

Janes Fall steht auch für viele andere Betroffenen, die bisher bei Prozessen ausgesagt haben. Auch sie berichten von vielen falschen Versprechungen und einer Situation, an der sie sich letztlich aus Angst vor Gewalt am Dreh beteiligt haben. Und längst nicht alle erfuhren nach Bekanntwerden der Aufnahmen Unterstützung durch Verwandte und Freunde.

"Niemand in dieser Situation hat jemals 'gewonnen', selbst wenn seine Gerichtsverfahren gut laufen", sagt DeBarber. "Es ist so einfach, Opfer zu beschuldigen, viel einfacher, als ihnen zu helfen. Bei vielen meiner Klienten frage ich mich, wie sie jemals wieder irgendwem vertrauen können." (gpi, 4.5.2021)


Aus: "Gefilmter Missbrauch: Opfer von "Girls Do Porn" werden auch Jahre später noch belästigt" (5. Mai 2021)
Quelle: https://www.derstandard.at/story/2000126389264/gefilmter-missbrauch-opfer-von-girls-do-porn-werden-auch-jahre
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[...] Neun Frauen. Die Zahl der weiblichen Opfer, die in diesem Jahr auf gewaltsame Art und Weise ihr Leben verloren hat, ist erneut angestiegen. Am Donnerstagabend gegen 20 Uhr, soll in Wien-Brigittenau eine 35-jährige Frau in ihrer Wohnung von ihrem Ex-Partner erschossen worden sein. Ein 42-jähriger Mann wurde von der Polizei in schwerem Rauschzustand im Hof des Gemeindebaus vorgefunden, er wurde – wie auch das 35-jährige Opfer – ins Krankenhaus gebracht. Die Frau erlag dort ihren Schussverletzungen in Kopf und Bein.

... Der Tatverdächtige, der am Donnerstagabend seine Ex-Freundin erschossen haben soll, war bereits am Freitagnachmittag ansprechbar, wie sein Rechtsanwalt erklärte. Er wurde zur polizeilichen Einvernahme als Beschuldigter vorgeführt. Dabei machte er von seinem Aussageverweigerungsrecht Gebrauch. Er war zu keinen Angaben zum Tatgeschehen bereit, hieß es von der Landespolizeidirektion. Bei dem mutmaßlichen Täter handelt sich um den sogenannten "Bierwirt", der durch seinen Prozess gegen Maurer bekannt wurde. (balm, ook, 2.5.2021)

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Aus: "Gewaltschutz: Grüne kündigen nach Femizid breite Kampagne gegen Männergewalt an" Matthias Balmetzhofer, Oona Kroisleitner (2. Mai 2021)
Quelle: https://www.derstandard.at/story/2000126318668/gruene-kuendigen-nach-femizid-breite-kampagne-gegen-falsche-maennlichkeit-an

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Alleshalbsowild

Endlich haben die Grünen ein Thema gefunden und seine Heiligkeit lässt den kleinen Koalitionspartner ein wenig spielen. Leider erreicht man die Gruppe der gewalttätigen Männer und auch die wenigen gewalttätigen Frauen mit einer gut gemeinten Aktion sicher nicht. Die Gründe für diese Gewalt gehören bekämpft und das ist Arbeitslosigkeit, Sorgen, finanzielle Probleme, Alkohol, Drogen und noch einiges mehr.


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sofast

Religion....Ehrverständnis....


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sofast

Wir haben Jahrzehnte, etliche Jahrzehnte gebraucht bis es in der Allgemeinbevölkerung verankert war, dass Frauen und Kinder nicht Eigentum des Familienherrschers sind.
Ich erinnere: Die Familienrechtsreform war in den 1970ern.
Jetzt, 50 Jahre danach, ist in den Köpfen der Leute, die danach geboren und aufgewachsen sind klar, dass es nicht rechtens ist, Frauen und Kinder (und auch andere Männer!!!!) zu schlagen. Ausnahmen bestätigen die Regel. ...


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Fundoplicatio

Seit Jahrzehnten setzen sich die Grünen für Massenzuwanderung von genau solchen Kulturen ein, wo die Frau als Individuum nicht viel wert ist, und nun, man höre und staune, sind sie tatsächlich überrascht und empört, dass etwa 70% aller "Femizide" in ebendiesem Kulturkreis verübt werden. Es ist schon ziemlich skurril, wenn sich jetzt VdB, Maurer und Mückstein über die Situation in Österreich beschweren, die sie zum Gros selbst zu verantworten haben. Verkehrte Grüne Welt.


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Bazinga !

... Aber was soll eigentlich diese Unterscheidung zwischen Inländer und Ausländer ? ...


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Char Ming

Der Bierwirt ist ein Einheimischer.


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Loring Miner

"falschen Männlichkeit"

Präventions-Kampagne ?
So einfach wie Frau/ Mann sich die Sache vorstellt wird es nicht werden.
Da werden Jahrzehnte ins Land ziehen, bis sich etwas ändert.
Meine Prognose: Es wird schlimmer, wegen der Arbeitslosigkeit, Delta Arm/Reich, Migration, Versäumnisse in der Bildungspolitik udgl.


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_wtf_

Mehr Geld für Frauenhäuser und Einrichtungen, Entstigmatisierung und besserer Opferschutz. Eine medienwirksame Kampagne oder künstliche Empörung erreicht die Zielgruppe nicht und ist eine Feigenblattaktion.

2018 wurde von Schwarz/Blau das Budget gekürzt, zur Erinnerung:
"Frauenprojekten in Österreich wird massiv das Budget gekürzt"
Die Liste der betroffenen Vereine wird immer länger. Ein Überblick, um wie viel Geld und um welche Frauenvereine es sich handelt
Beate Hausbichler, 26. Juli 2018
https://www.derstandard.at/story/2000084071322/frauenprojekte-in-oesterreich-von-massiven-budgetkuerzungen-betroffen


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Bhatura

Übrigens weil die Frauenhäuser angeblich Ehen zerstören würden.
Danke Schwarz(Türkis)/Blau!


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sofromt

In welchen sprachen wird's denn die Kampagne denn geben?
Frage für einen Freund...


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theWatcher14

Ja genau, weil der Bierwirt ja ein Migrant ist.


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Jorge Salcedo

Der Bierwirt nicht, aber die meisten anderen Frauenmörder im Jahr 2021 haben Migrationshintergrund.
Trotz niedrigem Anteil an der männlichen Gesamtbevölkerung ist diese Gruppe also bei Frauenmorden (und auch bei Morden generell) stark überrepräsentiert. So sehen nun mal die Fakten aus - diese sind ziemlich eindeutig.
P.S.: Wäre der Mörder nicht der Bierwirt, sondern ein Afghane gewesen, hätte es die Pressekonferenz der Grünen heute wsl. nicht mal gegeben.


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Surfer

Acht Morde schweigen und dann der Bierwirt....
Und jetzt bewegt sie sich....


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john tender

Die augenscheinlichste Gemeinsamkeit ist: die Täter sind alles Männer.
Der Rest ist rassistischer Dreck.


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[...] WIEN taz | Tatort: ein Gemeindebau in Wiens 20. Bezirk Brigittenau. Donnerstag gegen 20 Uhr überwältigten Beamte der Polizei-Sondereinheit WGA einen volltrunkenen Mann, der im Hof mit einer Pistole hantierte. In einer Wohnung des weitläufigen Baus rang eine 35-jährige Frau nach einem Kopfschuss mit dem Tod. Wenige Stunden später starb sie im Krankenhaus. Der mutmaßliche Täter: ein Mann, der als „Bierwirt“ eine gewisse Bekanntheit erlangt hat.

Der 42-jährige Wiener, der ein Craftbeer-Lokal betreibt, focht jahrelang einen Rechtsstreit mit der Fraktionschefin der Grünen, Sigrid Maurer, aus. Sie war auf ihrem Weg zur Arbeit immer wieder von Männern, die vor dem Lokal ihre Bierkrüge stemmten, verbal belästigt worden. Eines Tages erhielt sie über Facebook Botschaften aus der Kneipe, die den Gewaltfantasien eines sexuell Frustrierten entsprungen sein mussten. Als sie diese öffentlich machte, wurde sie vom Bierwirt verklagt: üble Nachrede. Nach längerem Hin und Her vor dem Wiener Landesgericht zog er schließlich seine Klage zurück.

Der Mann, der der Öffentlichkeit seit dieser Affäre als „Bierwirt“ bekannt ist, soll jetzt seine ehemalige Lebensgefährtin vor den Augen ihrer zwei Kinder und ihrer Mutter erschossen haben. Die Frau, die vor Gericht noch ein tadelloses Leumundszeugnis für ihn abgeben hatte, wollte ihn offenbar endgültig verlassen.

Sigrid Maurer reagierte betroffen: „Wir kennen die Mechanismen hinter der Gewalt: Frauenverachtung, Unfähigkeit, Konflikte zu lösen, die Wahrnehmung, Männer wären Frauen übergeordnet“. Vor Gericht hatte der Mann das Reden seinem Anwalt überlassen. Reue war ihm nicht anzumerken.

In den bestürzten Analysen des jüngsten Frauenmordes ist viel von toxischer Männlichkeit die Rede. „Männer werden immer kränkbarer, dünnhäutiger, und sie können diese Gefühle nicht ansprechen. Damit kocht und wuchert die Aggression innerlich weiter“, sagt der Psychologe Reinhard Haller im Kurier. Der Narzissmus sei früher eine Sünde gewesen: „Heute wird er zum Lebensideal. Trump hat es vorgelebt. Doch dazu gehört eben auch die Kränkbarkeit, die dann zur Achillesferse wird.“

In der Tat kann man bei den bisher neun Femiziden in Österreich seit Jahresbeginn ein Muster verfolgen: gekränkter Mann will die Trennung seiner Frau/Freundin/Lebensgefährtin nicht hinnehmen und bringt sie um. Neun Frauen sind bisher nach diesem Muster ermordet worden. Die meisten Täter haben sich gestellt. Einer hat die Frau in ihrem Zeitungskiosk mit Benzin übergossen und angezündet. Dann verschloss er die Tür und warf den Schlüssel weg. Die Frau starb vier Wochen später an ihren schweren Verbrennungen.

Unter den bisherigen Tätern finden sich Zuwanderer genauso wie autochthone Österreicher. Frauenministerin Susanne Raab (ÖVP), die bisher wenig für den Schutz von Frauen geleistet hat, will jetzt einen Gipfel gegen Gewalt gegen Frauen einberufen.




Aus: "Femizide in Österreich: Erst pöbeln, dann morden" Ralf Leonhard Auslandskorrespondent Österreich (2.5.2021)
Quelle: https://taz.de/Femizide-in-Oesterreich/!5765065/
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[...] Christoph Butterwegge sollte den Reichen mal etwas über Armut erzählen. Vor Corona. Im vornehmen Kölner Villenviertel Hahnwald, wo sich Unternehmer, Entertainer und Fußballtrainer wie Christoph Daum niedergelassen haben. Butterwegge hielt bei der Charity-Veranstaltung einen Vortrag über Kinderarmut, als er fertig war, sagte die Hausherrin: „So, jetzt gehen wir aber mal raus in den Garten.“

Butterwegge staunte: Der Garten war ein Park, die Garage so groß wie ein Zweifamilienhaus. „Da können Sie sich nur mit Corona anstecken, wenn der Gärtner es ins Haus trägt.“

Hahnwald muss in diesen Tagen herhalten zur Illustration dramatischer Pandemieunterschiede in Köln: In Hahnwald gab es tagelang keine Neuninfektionen, die Inzidenz lag bei 0 – während im Norden der Rheinmetropole, im Stadtteil Chorweiler, die 7-Tage-Inzidenz auf 543 Neuinfektionen je 100.000 Einwohner kletterte.

... Intensivmediziner begrüßen den Einsatz mobiler Impfteams in sozialen Brennpunkten. „Auf den Intensivstationen liegen überdurchschnittlich viele Menschen aus ärmeren Bevölkerungsschichten, Menschen mit Migrationshintergrund und sozial Benachteiligte“, sagte der wissenschaftliche Leiter des Intensivbettenregisters (Divi) , Christian Karagiannidis, der „Rheinischen Post“. Die Stadt Köln hat nun die Impfreihenfolge für die Stadtteile mit hohen Inzidenzen mit Genehmigung des Landes aufgehoben.

...


Aus: "Soziale Spaltung durch Corona am Beispiel Köln - „Der Fehler ist doch: Man hätte nicht jahrzehntelang zündeln dürfen“" (02.05.2021)
Quelle: https://www.tagesspiegel.de/politik/soziale-spaltung-durch-corona-am-beispiel-koeln-der-fehler-ist-doch-man-haette-nicht-jahrzehntelang-zuendeln-duerfen/27149524.html

Quote
teckelchen 01.05.2021, 16:36 Uhr

Ich frage mich, was es "den Reichen" nutzt, durch steigende Lebenshaltungskosten und stagnierende Löhne immer mehr Elend zu produzieren?
Wer will in so einem Land leben? Oder sitzt man in der Villa schon auf gepackten Koffern?


Quote
Westpreussen 01.05.2021, 18:00 Uhr
Antwort auf den Beitrag von teckelchen 01.05.2021, 16:36 Uhr
@teckelchen

Ich frage mich, was es "den Reichen" nutzt, durch steigende Lebenshaltungskosten und stagnierende Löhne immer mehr Elend zu produzieren?

Zu den Reichen zählen auch Unternehmer. Und die sind sehr wohl an steigendem Wohlstand aller interessiert. Denn wer sollte sonst deren Produkte und Dienstleistungen kaufen? Die wenigen Reichen? Oder die Chinesen und Inder?

Blickt man auf die Entwicklung der letzten 75 Jahre, dann lässt sich feststellen, dass der Wohlstand stetig gestiegen ist. Eine bundesdeutsche Arbeiterfamilie hatte in den 1960er Jahren in etwa den Lebensstandard eines heutigen "Hartz-IV-Haushalts". Kein qualifizierter Industriearbeiter (zum Beispiel bei VW) wollte deshalb im Jahr 2021 mit dieser Generation tauschen.


Quote
softride 01.05.2021, 19:39 Uhr
Antwort auf den Beitrag von Westpreussen 01.05.2021, 18:00 Uhr

    zum Beispiel bei VW

Na klar - man nehme das Beispiel der mit am Besten verdienten Menschen und projeziere das auf Alle.
Vielleicht mal den durchschnittlichen qualifizierten Industriearbeiter nehmen. Da sieht es dann schon anders aus.
Passt nur nicht so recht in die eigene Agenda...


Quote
Keppler2022 01.05.2021, 16:31 Uhr

Das ist das Ergebnis konzertierten Politik von CDU und SPD.
Immobilien und Grundstücke im Eigentum der öffentlichen Hand wurden erfolgreich verschleudert. Vorwand zum Raubzug war hier die Staatsverschuldung und die Schaffung eines schlanken Staates.


Quote
Deutsch-Europaeer 01.05.2021, 17:55 Uhr


... Dank Kanzler Kohl wurde am 01.01.1990 das Wohnungsgemeinnützigkeitsgesetz aufgehoben. Gemeinnützigen Wohnungsunternehmen waren bis dahin von der Körperschafts-, Gewerbe- und Vermögensteuer befreit, ebenso von der Grunderwerbsteuer und Ermäßigungen gab es bei der Grundsteuer. Insbesondere nach der Finanzkrise 2008/09, erreichten die Verkäufe öffentlicher Wohnungsbestände ihren Höhepunkt, nachdem internationale Investoren den Immobilienmarkt als sichere Kapitalanlage entdeckt hatten. Zwischen 2009 und 2014 stieg das Transaktionsvolumen von 3 Mrd. auf 25 Mrd. Euro. Der Wohnungsmarkt geriet so in den Fokus [von] aus- und inländischer Investoren. Dazu trug auch die Steuerfreiheit für Veräußerungsgewinne bei, die ab 2002 von der rot-grünen Bundesregierung gewährt wurde. Danach können Unternehmen und auch Immobilien steuerfrei gehandelt werden, ohne dass die enthaltenen stillen Reserven – Differenz zwischen Buch-/Bilanzwert und Verkaufspreis – nachversteuert werden müssen. Die Wohnungen sind dadurch gänzlich zu einer Ware geworden.


Quote
redshrink 01.05.2021, 18:56 Uhr
Die soziale Spaltung kann auch wirklich nur in Deutschland-geht-es-gut ein überraschendes Thema sein. Seit Jahrzehnten weisen Unmassen von Daten darauf hin, dass Gesundheit stark abhängig von sozialer Stellung ist. Im Ausland wird es diskutiert, wenngleich es auch dort nicht zur Besserung der Situation beiträgt. Man tröstet sich mit dem Mantra der “Chancengleichheit”, während Vermögen immer ungleicher verteilt ist.

Und dennoch, auch Türken können sich informieren; auch ihre Netzwerke könnten zur Aufklärung über Covid beitragen. Oder Klimaschutz. Viele Zuwanderer sind auch informiert und schützen sich und andere. Andere eben nicht. Beengte Lebensräume spielen eine Rolle, aber ganz sicher nicht die einzige. In Berlin gibt es auch viele Quartiere, wo viele “weiße” und arme Leute wohnen, in 70er Jahre Plattenbauten, dicht an dicht. Dort explodieren die Infektionszahlen nicht so wie in Neukölln. Es geht nicht um Schuld; ich weine über jeden, der in der Pandemie leidet. Aber muss die Leute auch nicht infantilisieren. Es steht jedem frei, hetzerische Medien zu konsumieren oder auch nicht.


Quote
jjber 01.05.2021, 18:16 Uhr

... Jahrzehntelang wurde in Funk und Presse das Ideal von H-IV gepredigt, höhere Löhne meist zu Teufelszeug erklärt, indem man wirren Studien der deutschen Ökonomie-Scharlatne - auch Wirtschaftsweise genannt - nahezu kritiklos folgte.

Das Gesundheitssystem und Daseinsvorsorge wurden als zu teuer und ineffizient verschrien. Studien zur schlechteren Gesundheit und kürzeren Lebenserwartung von Armen wurden beiläufig erwähnt, Konsequenzen keine. Hauptsache die schwarzen-Nullen standen. ...


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Erweiterter Machtdiskurs (Politik) / Coronavirus Notizen (COVID-19-Pandemie)
« Last post by Link on May 02, 2021, 12:08:18 PM »
Quote
[...] Christoph Butterwegge sollte den Reichen mal etwas über Armut erzählen. Vor Corona. Im vornehmen Kölner Villenviertel Hahnwald, wo sich Unternehmer, Entertainer und Fußballtrainer wie Christoph Daum niedergelassen haben. Butterwegge hielt bei der Charity-Veranstaltung einen Vortrag über Kinderarmut, als er fertig war, sagte die Hausherrin: „So, jetzt gehen wir aber mal raus in den Garten.“

Butterwegge staunte: Der Garten war ein Park, die Garage so groß wie ein Zweifamilienhaus. „Da können Sie sich nur mit Corona anstecken, wenn der Gärtner es ins Haus trägt.“

Hahnwald muss in diesen Tagen herhalten zur Illustration dramatischer Pandemieunterschiede in Köln: In Hahnwald gab es tagelang keine Neuninfektionen, die Inzidenz lag bei 0 – während im Norden der Rheinmetropole, im Stadtteil Chorweiler, die 7-Tage-Inzidenz auf 543 Neuinfektionen je 100.000 Einwohner kletterte.

... Intensivmediziner begrüßen den Einsatz mobiler Impfteams in sozialen Brennpunkten. „Auf den Intensivstationen liegen überdurchschnittlich viele Menschen aus ärmeren Bevölkerungsschichten, Menschen mit Migrationshintergrund und sozial Benachteiligte“, sagte der wissenschaftliche Leiter des Intensivbettenregisters (Divi) , Christian Karagiannidis, der „Rheinischen Post“. Die Stadt Köln hat nun die Impfreihenfolge für die Stadtteile mit hohen Inzidenzen mit Genehmigung des Landes aufgehoben.

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Aus: "Soziale Spaltung durch Corona am Beispiel Köln - „Der Fehler ist doch: Man hätte nicht jahrzehntelang zündeln dürfen“" (02.05.2021)
Quelle: https://www.tagesspiegel.de/politik/soziale-spaltung-durch-corona-am-beispiel-koeln-der-fehler-ist-doch-man-haette-nicht-jahrzehntelang-zuendeln-duerfen/27149524.html

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teckelchen 01.05.2021, 16:36 Uhr

Ich frage mich, was es "den Reichen" nutzt, durch steigende Lebenshaltungskosten und stagnierende Löhne immer mehr Elend zu produzieren?
Wer will in so einem Land leben? Oder sitzt man in der Villa schon auf gepackten Koffern?


Quote
Westpreussen 01.05.2021, 18:00 Uhr
Antwort auf den Beitrag von teckelchen 01.05.2021, 16:36 Uhr
@teckelchen

Ich frage mich, was es "den Reichen" nutzt, durch steigende Lebenshaltungskosten und stagnierende Löhne immer mehr Elend zu produzieren?

Zu den Reichen zählen auch Unternehmer. Und die sind sehr wohl an steigendem Wohlstand aller interessiert. Denn wer sollte sonst deren Produkte und Dienstleistungen kaufen? Die wenigen Reichen? Oder die Chinesen und Inder?

Blickt man auf die Entwicklung der letzten 75 Jahre, dann lässt sich feststellen, dass der Wohlstand stetig gestiegen ist. Eine bundesdeutsche Arbeiterfamilie hatte in den 1960er Jahren in etwa den Lebensstandard eines heutigen "Hartz-IV-Haushalts". Kein qualifizierter Industriearbeiter (zum Beispiel bei VW) wollte deshalb im Jahr 2021 mit dieser Generation tauschen.


Quote
softride 01.05.2021, 19:39 Uhr
Antwort auf den Beitrag von Westpreussen 01.05.2021, 18:00 Uhr

    zum Beispiel bei VW

Na klar - man nehme das Beispiel der mit am Besten verdienten Menschen und projeziere das auf Alle.
Vielleicht mal den durchschnittlichen qualifizierten Industriearbeiter nehmen. Da sieht es dann schon anders aus.
Passt nur nicht so recht in die eigene Agenda...


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Keppler2022 01.05.2021, 16:31 Uhr

Das ist das Ergebnis konzertierten Politik von CDU und SPD.
Immobilien und Grundstücke im Eigentum der öffentlichen Hand wurden erfolgreich verschleudert. Vorwand zum Raubzug war hier die Staatsverschuldung und die Schaffung eines schlanken Staates.


Quote
Deutsch-Europaeer 01.05.2021, 17:55 Uhr


... Dank Kanzler Kohl wurde am 01.01.1990 das Wohnungsgemeinnützigkeitsgesetz aufgehoben. Gemeinnützigen Wohnungsunternehmen waren bis dahin von der Körperschafts-, Gewerbe- und Vermögensteuer befreit, ebenso von der Grunderwerbsteuer und Ermäßigungen gab es bei der Grundsteuer. Insbesondere nach der Finanzkrise 2008/09, erreichten die Verkäufe öffentlicher Wohnungsbestände ihren Höhepunkt, nachdem internationale Investoren den Immobilienmarkt als sichere Kapitalanlage entdeckt hatten. Zwischen 2009 und 2014 stieg das Transaktionsvolumen von 3 Mrd. auf 25 Mrd. Euro. Der Wohnungsmarkt geriet so in den Fokus [von] aus- und inländischer Investoren. Dazu trug auch die Steuerfreiheit für Veräußerungsgewinne bei, die ab 2002 von der rot-grünen Bundesregierung gewährt wurde. Danach können Unternehmen und auch Immobilien steuerfrei gehandelt werden, ohne dass die enthaltenen stillen Reserven – Differenz zwischen Buch-/Bilanzwert und Verkaufspreis – nachversteuert werden müssen. Die Wohnungen sind dadurch gänzlich zu einer Ware geworden.


Quote
redshrink 01.05.2021, 18:56 Uhr
Die soziale Spaltung kann auch wirklich nur in Deutschland-geht-es-gut ein überraschendes Thema sein. Seit Jahrzehnten weisen Unmassen von Daten darauf hin, dass Gesundheit stark abhängig von sozialer Stellung ist. Im Ausland wird es diskutiert, wenngleich es auch dort nicht zur Besserung der Situation beiträgt. Man tröstet sich mit dem Mantra der “Chancengleichheit”, während Vermögen immer ungleicher verteilt ist.

Und dennoch, auch Türken können sich informieren; auch ihre Netzwerke könnten zur Aufklärung über Covid beitragen. Oder Klimaschutz. Viele Zuwanderer sind auch informiert und schützen sich und andere. Andere eben nicht. Beengte Lebensräume spielen eine Rolle, aber ganz sicher nicht die einzige. In Berlin gibt es auch viele Quartiere, wo viele “weiße” und arme Leute wohnen, in 70er Jahre Plattenbauten, dicht an dicht. Dort explodieren die Infektionszahlen nicht so wie in Neukölln. Es geht nicht um Schuld; ich weine über jeden, der in der Pandemie leidet. Aber muss die Leute auch nicht infantilisieren. Es steht jedem frei, hetzerische Medien zu konsumieren oder auch nicht.


Quote
jjber 01.05.2021, 18:16 Uhr

... Jahrzehntelang wurde in Funk und Presse das Ideal von H-IV gepredigt, höhere Löhne meist zu Teufelszeug erklärt, indem man wirren Studien der deutschen Ökonomie-Scharlatne - auch Wirtschaftsweise genannt - nahezu kritiklos folgte.

Das Gesundheitssystem und Daseinsvorsorge wurden als zu teuer und ineffizient verschrien. Studien zur schlechteren Gesundheit und kürzeren Lebenserwartung von Armen wurden beiläufig erwähnt, Konsequenzen keine. Hauptsache die schwarzen-Nullen standen. ...


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Erweiterter Machtdiskurs (Politik) / [CDU (Politik)...]
« Last post by Link on May 01, 2021, 10:40:54 AM »
Hans-Georg Maaßen
https://de.wikipedia.org/wiki/Hans-Georg_Maa%C3%9Fen

Quote
[...] Bayerns Ministerpräsident Markus Söder hatte vor einer Nominierung gewarnt. Der CSU-Chef hatte eine Kandidatur Maaßens als "schwieriges Signal" bezeichnet. ...


Aus: "Abstimmung in Thüringen: Ex-Verfassungsschutzchef Maaßen als Bundestagskandidat gekürt" (Freitag, 30.04.2021)
Quelle: https://www.focus.de/politik/deutschland/abstimmung-in-thueringen-maassen-begruendet-bundestags-ambitionen-mit-katastrophaler-entwicklung-der-cdu_id_13249333.html

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[...] Die Thüringer CDU schickt den ehemaligen Verfassungsschutzpräsidenten Hans-Georg Maaßen (CDU) als Direktkandidaten in den Bundestagswahlkampf. Der 58-Jährige, der wegen seiner Haltung unter anderem zur Flüchtlingspolitik der Bundesregierung politisch umstritten ist, wurde am Freitagabend in Suhl für den Südthüringer Wahlkreis 196 aufgestellt. Maaßen erhielt bei der Abstimmung der Delegierten von vier Kreisverbänden 37 von 43 abgegebenen Stimmen. Er hatte mit dem 44-jährigen Hardy Herbert einen Gegenkandidaten aus der Region, der 6 Stimmen erhielt.

Er sei in Berlin gut vernetzt, sagte Maaßen in seiner Bewerbungsrede. „Man kennt mich.“ Er wolle den Wahlkreis, in dem er sich eine Wohnung nehme, „nicht von der Hinterbank vertreten“.

Maaßen wies den Vorwurf von AfD-Nähe zurück. Er habe als Verfassungsschutzpräsident 2018 die AfD-Prüfung initiiert - nach Recht und Gesetz, nicht nach Opportunität. Er stehe zum Abgrenzungsbeschluss der CDU, der eine Zusammenarbeit mit der Linken und der AfD nicht zulasse. „Ich möchte Menschen, die aus Protest AfD wählen, überzeugen, wieder die CDU zu wählen“. Er stehe aber auch dafür, vor den Problemen, die Migration mit sich bringe, „nicht die Augen zu verschließen“.

Die Personalie sorgte lange vor der Entscheidung für Unverständnis und Kritik auch in den Reihen der Union. CDU-Chef und Unions-Kanzlerkandidat Armin Laschet sagte kürzlich, auch Maaßen müsse sich daran halten, nicht mit der AfD zu kooperieren oder zu sprechen. Bayerns Ministerpräsident Markus Söder hatte vor einer Nominierung gewarnt. Der CSU-Chef hatte eine Kandidatur Maaßens als „schwieriges Signal“ bezeichnet.

Der Wahlkreis 196 in Südthüringen war frei, nachdem der angestammte Kandidat Mark Hauptmann im Zuge der Masken-Affäre aus der CDU ausgetreten war. Gegen Hauptmann ermittelt die Staatsanwaltschaft wegen des Verdachts der Bestechlichkeit, ein Konto von ihm mit rund einer Million Euro wurde gesperrt. „Unser Anspruch ist, dass der Wahlkreis nicht an die AfD oder an die Linke fällt“, sagt der CDU-Kreisvorsitzende von Schmalkalden-Meiningen, Ralf Liebaug. Er hatte Maaßen, der aus Nordrhein-Westfalen stammt und in Berlin wohnt, ins Spiel gebracht.

Maaßen sei eine gute Option, „den Wahlkreis zu halten“, äußerte auch der Kreisvorsitzende von Hildburghausen, Christopher Other, am Rand der Vertreterversammlung. Es gehe der CDU in Südthüringen nicht darum, ein politisches Signal in Richtung AfD zu senden. „Der Unvereinbarkeitsbeschluss gilt“, betonte der 31-Jährige.

Als Verfassungsschutzpräsident war Maaßen seinerzeit massiv in die Kritik geraten, weil er bezweifelt hatte, dass es nach der Tötung eines Deutschen in Chemnitz zu „Hetzjagden“ auf Ausländer kam. Im November 2018 hatte ihn Bundesinnenminister Horst Seehofer (CSU) in den einstweiligen Ruhestand versetzt. (dpa)


Aus: "Hans-Georg Maaßen wird CDU-Direktkandidat" (30.04.2021)
Quelle: https://www.tagesspiegel.de/politik/politisches-comeback-bei-bundestagswahl-hans-georg-maassen-wird-cdu-direktkandidat/27149222.html

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[...] Nicolas Zimmer war Staatssekretär, zuvor Vorsitzender der Berliner CDU-Fraktion, viele Jahre lang Abgeordneter und als junger Mann auch mal Bezirksverordneter in Tempelhof. Nun kehrt er seiner Partei nach 33 Jahren den Rücken.

Am Freitag gab der 50-Jährige seinen Austritt aus der CDU bekannt - weil der Landesverband in Thüringen am Abend den früheren Verfassungsschutzpräsidenten Hans-Georg Maaßen als Direktkandidaten für den Bundestag aufgestellt hatte.

"Eine Partei, die Maaßen nominiert, ist nicht mehr meine", schrieb Zimmer, der heute Vorstandsvorsitzender der Technologiestiftung Berlin ist, bei Twitter. "Wo keine klare, eindeutige Abgrenzung zu rechten Brandstiftern stattfindet, ist für mich kein Platz mehr."

Maaßens Nominierung ist der letzte Anstoß, aber nicht alleiniger Grund für Zimmers Abschied. "Das ist nur der Abschluss eines Entfremdungsprozesses, der schon länger dauert", schrieb der Jurist weiter. Gerade in der Maskenaffäre hatten Funktionäre und Mandatsträger in jüngster Zeit "bewiesen, dass ihnen jeglicher moralischer Kompass abhanden gekommen ist".

Maaßen konnte am Freitagabend überhaupt nur für den Südthüringer Wahlkreis kandidieren, weil der angestammte Kandidat Mark Hauptmann im Zuge der Maskenaffäre unter Druck geraten war und schließlich die Partei verlassen hatte.

Maaßen war bis Ende 2018 Präsident des Verfassungsschutzes, wurde wegen zweifelhafter Äußerungen zu Ausschreitungen in Chemnitz in den einstweiligen Ruhestand versetzt und profilierte sich seitdem als parteiinterner Kritiker von Kanzlerin Angela Merkel. Immer wieder fiel er mit scharfen Äußerungen zur Flüchtlingspolitik auf. Eine Nähe zur AfD wies der 58-Jährige bei seiner Bewerbung am Freitag jedoch zurück.

Zimmer trat 1988 in die CDU ein, war von 1992 bis 1998 Bezirksverordneter in Tempelhof und von 1998 bis 2011 Abgeordneter in Berlin. Drei Jahre lang führte er zwischen 2003 und 2006 die CDU-Fraktion im Abgeordnetenhaus. Von 2011 bis 2013 war er Staatssekretär in der Senatswirtschaftsverwaltung. Direkt danach wurde er Chef der Technologiestiftung Berlin, die er bis heute leitet.


Aus: "Ex-Staatssekretär verlässt CDU wegen Maaßen-Nominierung" Ingo Salmen (01.05.2021)
Quelle: https://www.tagesspiegel.de/berlin/nach-33-jahren-in-berliner-partei-ex-staatssekretaer-verlaesst-cdu-wegen-maassen-nominierung/27149378.html
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