• Welcome to LINK ACCUMULATOR. Please log in.
Menu

Show posts

This section allows you to view all posts made by this member. Note that you can only see posts made in areas you currently have access to.

Show posts Menu

Messages - Link

#1
"Sprachmaschinen drohen, das symbolische Kapital der Verlagshäuser zu vernichten, weil sie Journalisten vom Denken und Schreiben entlasten. Mit welchen Folgen? Fragen wir ,,Claude". Eine Kolumne. Dieter Schnaas (12.07.2026)

... [Ich habe] argumentiert, dass Sprachmaschinen eine neue Qualität der Technologiekritik verdienen, weil sie uns nicht nur körperlich entlasten wie frühere Technologien, sondern kognitiv, vom Denken und Schreiben, mithin von dem, was uns als Menschen auszeichnet. Ein verstörender Befund, der die Frage nach seinen möglichen Folgen provoziert. Dazu gleich mehr. Vorher fasst das Sprachmodell Claude (Opus 4.6) uns noch mal schnell in zwei Absätzen die zentralen Gedanken des jüngsten Textes zusammen ...
https://www.wiwo.de/politik/deutschland/kuenstliche-intelligenz-wie-ki-verlage-und-journalismus-unter-druck-setzt/100239312.html

"Denken? Vergiss es!"
Neue Technologien sind Werkzeuge, mit denen der Mensch sich entlastet und größere Erfolge bei kleinerer Anstrengung erzielt. Daher wirft KI vor allem eine Frage auf: Was, wenn wir uns vom Denken entlasten? Dieter Schnaas 28.06.2026)
https://www.wiwo.de/technologie/digitale-welt/tauchsieder-denken-in-zeiten-kuenstlicher-intelligenz-vergiss-es/100236097.html

#2
"Sprachmaschinen drohen, das symbolische Kapital der Verlagshäuser zu vernichten, weil sie Journalisten vom Denken und Schreiben entlasten. Mit welchen Folgen? Fragen wir ,,Claude". Eine Kolumne. Dieter Schnaas (12.07.2026)

... [Ich habe] argumentiert, dass Sprachmaschinen eine neue Qualität der Technologiekritik verdienen, weil sie uns nicht nur körperlich entlasten wie frühere Technologien, sondern kognitiv, vom Denken und Schreiben, mithin von dem, was uns als Menschen auszeichnet. Ein verstörender Befund, der die Frage nach seinen möglichen Folgen provoziert. Dazu gleich mehr. Vorher fasst das Sprachmodell Claude (Opus 4.6) uns noch mal schnell in zwei Absätzen die zentralen Gedanken des jüngsten Textes zusammen ...
https://www.wiwo.de/politik/deutschland/kuenstliche-intelligenz-wie-ki-verlage-und-journalismus-unter-druck-setzt/100239312.html

"Denken? Vergiss es!"
Neue Technologien sind Werkzeuge, mit denen der Mensch sich entlastet und größere Erfolge bei kleinerer Anstrengung erzielt. Daher wirft KI vor allem eine Frage auf: Was, wenn wir uns vom Denken entlasten? Dieter Schnaas 28.06.2026)
https://www.wiwo.de/technologie/digitale-welt/tauchsieder-denken-in-zeiten-kuenstlicher-intelligenz-vergiss-es/100236097.html



 
#3
"Verbot von Vergesellschaftungen: Das doppelte Spiel der SPD" Erik Peter (8.7.2026)
Beim Plan der Bundesregierung, die Vergesellschaftung von Wohnungskonzernen zu verhindern, spielt die SPD eine viel größere Rolle, als bislang bekannt. Sie folgt dem Druck der Immobilienlobby. ... Berlins Finanzsenator Stefan Evers (CDU) und sein Hamburger Amtskollege Andreas Dressel (SPD) sollen einen Antrag mitgebracht haben, der Eckpunkte für ein Gesetz formuliert, das die Überführung von privatem in öffentliches Eigentum verunmöglichen soll. Auf taz-Anfrage dementieren beide diesen Vorgang und ihre Urheberschaft nicht. ... Taheri schlussfolgert: ,,Da scheint sich eine große Koalition aus SPD und CDU zum Schutz der Immobilienmafia zusammengefunden zu haben. Die SPD möchte sich wohl von den letzten Resten ihres sozialdemokratischen Erbes verabschieden." ...
https://taz.de/Verbot-von-Vergesellschaftungen/!6194273/


#4
Quote[...] Die feministische Rapperin Ikkimel tritt im Frühstücksfernsehen auf. Und trifft beim konservativen Publikum auf kollektive Schockstarre.

Um 5.30 Uhr morgens steht Ikkimel meistens im Club und ballert Ketamin auf dem Klo. An diesem Montagmorgen steht die Berliner Rapperin auf der Bühne des ZDF-,,Morgenmagazins". ,,Fußballmänner, alles Penner/ Bierbauch, Bratwurst, leckerschmecker", rappt Mama Ikki, wie Fans die 29-Jährige nennen. Die Kamera schwenkt ins Publikum, das wie eine Ausflugsgruppe eines Mehrgenerationenprojekts wirkt. Auf den Rängen sitzen U14- und Ü50-Jährige vereint in einer kollektiven Schockstarre. Keiner bewegt sich zur Musik oder wippt mit, stattdessen: irritierte, überforderte und versteinerte Blicke.

Ikkimel, gekleidet in bauchfreiem Tanktop und kurzem lila Paillettenrock, der nicht ansatzweise ihren Arsch bedeckt, dafür ihre großflächigen Oberschenkeltattoos freilegt, rappt selbstbewusst weiter: ,,Ich bin schlau und wunderschön, oh Baby, alles an mir glitzert/ Pussy gut, er ist so süß, ich werd' zu seiner Kitty Cat".

Der Zusammenprall der Welten scheint die Rapperin eher zu amüsieren als zu verunsichern. Immer wieder kichert sie, zum Schluss ruft sie: ,,Wir freuen uns auf die Frauen-WM nächstes Jahr!" Moderator Andreas Wunn meint danach, Scherben aufsammeln zu müssen: ,,Liebe Fußballmänner, nicht beleidigt sein, das ist Provokation und Kunst und trifft gerade so richtig einen Nerv bei der Gen Z."

Tatsächlich: Ikkimel, bürgerlich Melina Gaby Strauß, hat auf Spotify mehr als zwei Millionen monatliche Hörer*innen. Mit ihrem jüngst veröffentlichten Album ,,Poppstar", das sie als ,,fotzig, feminin und geil" beschrieb, ist sie derzeit auf Platz 1 der Album-Charts. Auf Instagram und Tiktok erreicht die ,,größte Fotze Europas", wie sie sich selbst bezeichnet, knapp eine halbe Million Follower.

Ihre Texte handeln von Partys, Drogen und Sex. Ikkimel arbeitet bewusst mit Grenzüberschreitungen, in ,,Giftmord" singt sie: ,,Frauen brauchen kein Schimpfwort, unsere Waffe heißt Giftmord/ Ermorde den Hurensohn, wenn er grade nicht hinschaut".

Aber Ikkimel ist mehr als reine Provokation. Die studierte Sozial- und Kulturanthropologin steht für antikonservative Rollenbilder, für Provokation als politisches Mittel. Indem sie traditionelle Männlichkeitsbilder ironisch hinterfragt, schamlos über Sex rappt und sexistische Sprache aus einer radikal weiblichen Perspektive heraus umdeutet, verkörpert sie für viele junge Frauen eine neue Form weiblicher Selbstbestimmung. Ihre Kritik an patriarchalen Strukturen verpackt sie in partytaugliche Beats, witzige und selbstironische Reime. Mit ihrem Lied ,,Who's That" hat sie einen Tiktok-Trend angestoßen, in dem Tausende ihre Erfahrungen mit sexualisierter Gewalt teilten. Die Rapperin bezieht auch politisch Position – in ihren Texten (,,Ich steh auf blaue Flecken, außer auf der Wahlkarte") sowie in Person, als prominentes Gesicht der Linkspartei, etwa auf Heidi Reichinneks Tiktok-Kanal oder beim Parteifest der Berliner Linkspartei am 1. Mai.

Als Frau, die – wie männliche Rapper seit jeher – bewusst provoziert, ist Ikkimel aber zugleich eines der größten Hassobjekte der Republik. ,,Ich wünsche dir eine syrische Gruppenvergewaltigung", schreiben ihr Männer. ,,Pass auf, wenn du durch Berlin läufst", oder ,,Hoffe du stirbst bald". Ikkimel macht die Hassnachrichten öffentlich. Sie zeigen: Der Vorwurf des ,,Männerhasses", der ihr gemacht wird, steht in keinem Verhältnis zum realen Hass, der Frauen in diesem Land entgegenschlägt.


Aus: "Ikkimel im ,,Morgenmagazin",,Poppstar" überfordert ZDF-Publikum" Lilly Schröder (8.7.2026)
Quelle: https://taz.de/Ikkimel-im-Morgenmagazin/!6194143/

-

Quote[...] Die Meisterin des Cringe zu Gast im ZDF: Ratlose Gesichter im Studio, Häme im Netz. Und nun rechtfertigt sich auch noch der Sender für den Auftritt der Rapperin. Dabei war Irritation wohl genau das Ziel der Performance.

Der Auftritt der Rapperin Ikkimel im ZDF-,,Morgenmagazin" beschäftigt das Netz auch am zweiten Tag, nun hat sich der Sender zu der Personalie geäußert. Man habe die Musikerin im Rahmen der aktuellen Fußballberichterstattung eingeladen, heißt es gegenüber der F.A.Z. ,,Ihr Song greift das Thema Fußball aus einer popkulturellen Perspektive auf und hat insbesondere bei jungen Menschen große Aufmerksamkeit erhalten." Das ,,Morgenmagazin" bilde solche gesellschaftlichen und popkulturellen Phänomene regelmäßig ab. Zu den Gästen der vergangenen Wochen zählten Stargeiger David Garrett, ,,Fußball-Freestyler" Chris Bennet Bröker und Podcaster Tommi Schmitt (,,Gemischtes Hack").

Ikkimel selbst hatte die Fallhöhe vorausgesehen. ,,Heute spiele ich vor einer Schulklasse und Ü50", postete sie vor der Sendung auf ihrem Social-Media-Kanal, und die verhaltene Resonanz im Studio gab ihr recht.

Während der Sender die Einladung verteidigt, fällt die Kritik der Kollegen differenzierter aus. Als ,,Sternstunde der kulturellen Kollision" beschrieb die Journalistin und TV-Moderatorin Caro Matzko den Auftritt in der ,,Süddeutschen Zeitung". Unverständnis sei auf beiden Seiten spürbar gewesen, beim Publikum ebenso wie bei der überforderten Sängerin. Als größtes Problem erscheine ihr das fehlende Fingerspitzengefühl des ZDF, wenn es darum gehe, zwei völlig verschiedene Lebenswelten elegant zu kontextualisieren. Die Differenz zwischen dem, was in Berlin als moderne Popkultur gelte, und dem Rest der Republik sei in etwa ,,Grand Canyon-groß", schrieb der Journalist Thomas Knüwer.

Von rechts kommt gröberes Geschütz. Die rechtskonservative Influencerin Anabel Schunke untertitelte ein Video des Auftritts mit den Worten ,,Ihr Rundfunkbeitrag bei der Arbeit" und nannte ihn eine ,,beeindruckend talentfreie Playbackshow". Dass man verpflichtet sei, für so etwas zu bezahlen, sei ,,unfassbar", lautet eine Antwort darunter, die über 15.000 Menschen mit ,,gefällt mir" markiert haben. In Zeiten, in denen Forderungen nach einer Abschaffung des Rundfunkbeitrags lauter werden, hat sich das ZDF mit der Einladung durchaus etwas getraut.

Für die extreme Rechte taugt Ikkimel ohnehin längst zur Hassfigur. In ihren Texten verspottet sie Tradition und Religion, sie vertritt einen hedonistischen Großstadtfeminismus und wirbt offen für Die Linke. Die Berlinerin erhält regelmäßig Todesdrohungen, darunter rassistisch aufgeladene Vergewaltigungsphantasien und die Forderung, man solle sie für vogelfrei erklären und öffentlich hinrichten.

Der Talentlosigkeitsvorwurf greift dabei zu kurz. Ikkimel bedient einen Stil namens ,,Camp", der die Produktion hoher Kunst ausdrücklich verweigert. Man bleibt betont trivial und oberflächlich, wertet Kitsch, Ästhetik und Ironie auf und gibt sich überdreht, überspitzt, künstlich. Im ZDF sah das dann so aus, dass die Rapperin in Fußballstrümpfen und knappem Minirock auf der Bühne stand und immer wieder betont unintelligent wirkend ins Mikrofon kicherte. Wer den Auftritt als peinlich empfand, hat die Performance vermutlich genau so verstanden, wie sie gemeint war.


Aus: "Rapperin im Morgenmagazin: Warum Ikkimels Auftritt das Land spaltet – und wie das ZDF reagiert" Pia Wieners
(08.07.2026)
Quelle: https://www.faz.net/aktuell/feuilleton/debatten/warum-ikkimels-auftritt-das-land-spaltet-und-wie-das-zdf-reagiert-201011337.html

-

Deutschrap: "Fußball-Männer, alles Penner": Rapperin Ikkimel rüttelt das Morgenfernsehen wach
Die Rapperin mit Berliner Schnauze und Vorliebe für kinky Sex und Partydrogen war zu Gast im ZDF-"Morgenmagazin". Ein Culture-Clash, Valerie Dirk (8. Juli 2026)
https://www.derstandard.de/story/3000000330592/fussball-maenner-alles-penner-rapperin-ikkimel-ruettelt-das-morgenfernsehen-wach

QuoteDieLahn

Huch

*fächert*

man bringe das Riechsalz


Quotemlzt

Und wieder einmal geht es gegen die armen Männer! Da könnte sie ja gleich singen: Fußballmänner, alles Penner, alte weiße Männer.

Ich (Mann) werde heute noch eine kleine Träne deswegen verdrücken, wenn ich evtl. ein wenig Zeit erübrigen kann. Was sind wir doch für ein missverstandenes unterdrücktes Geschlecht!


Quotevinadelmar

Ja! Endlich einer der meine Gefühle ausdrücken kann!


Quotemlzt

Es ist so wichtig, diese Gefühle ernst zu nehmen!


Quotevinadelmar

:-)


Quotebrainz mitdenker

Bizarr

Der Logik, sich als sex-fixierte Drogenbraut darzustellen um den Feminismus voran zu treiben kein ich nicht ganz folgen. Wer kann mir das nachvollziehbar erklären?


QuoteMeisi21

Solange es Menschen wie Dieter Nuhr im Fernsehen gibt, halte ich Ikkimel für keine Provokation sondern für eine Notwendigkeit.


QuoteRikky42

Deutsch-Rap ist so ziemlich die degenerierteste Assi-Musik die man sich vorstellen kann. Wieso kommt das im Pensionisten-TV? Ich hätte da eher Schlager erwartet.


QuoteÉire go Deo

Im Kern geht esum sexuelle Selbstbestimmung, Autonomie und das Aufbrechen von patriarchalen Doppelstandards. Das ganze "Empowerment" gespickt mit Humor und einer Trash-Ästhetik, alles völlig überspitzt.

Wenn Männer sichin der Musikindustrie seit Jahrzehnten schamlos benehmen dürfen, dann dürfen Ikkimel & Co das auch. Und am besten noch lauter, damit es jeder Ute und WIlfried die Schamesröte ins Gesicht treibt.

Beschwert sich heute noch wer darüber, dass blink-182 über Geschlechtsverkehr mit einem Hund gesunden haben, Sido sich im A****ficksong lang und breit über Analverkehr und "flüssig, fest, braune oder weiße" rappte oder SXTN Alice Schwarzer gesampled haben die einen Text von King Orgasmus One im Fernsehen wiedergegeben hat?


QuoteWiener Haberer

Das war wirklich eines der lustigesten Dinge, die ich im öffentlich rechtlichen sehen konnte... ich hab tränen gelacht :D


Quotenib

Musikalisch überhaupt nicht mein Fall, aber der Text ist lustig und dass es Männer gibt, die sich darüber aufregen, ebenfalls.


...
#5
"Staatliche Rundfunksender in Ungarn: Sender entschuldigt sich für Lügen während Amtszeit von Viktor Orbán"
In Ungarn haben von Viktor Orbán geprägte Sender nach dessen Abwahl den Sendebetrieb eingestellt. Statt des üblichen Programms wurde eine Entschuldigung gesendet.
Quelle: DIE ZEIT, KNA, AFP, akm (8. Juli 2026)
https://www.zeit.de/politik/ausland/2026-07/ungarn-rundfunksender-m1-kossuth-radio-viktor-orban-peter-magyar-gxe

QuoteIn Memory Of Helmut S.

So. Das mögen sich die Menschen, die die AfD wählen mal durchlesen und sich hinterher mal fragen, ob die öffentlich rechtlichen Sender in Deutschland wirklich "Staatsfunk" sind, wie sie selbst so oft behaupten. Das wirkliche Problem ist, dass sich die AfD und ihre Anhänger nicht mit Kritik auseinandersetzen wollen und keinerlei Widerspruch dulden. Sobald diese Menschen Widerspruch erhalten, fühlen sie sich in ihrer Meinungsfreiheit eingeschränkt.

"Da wird man ja gleich als Nazi bezeichnet." Merke: Wer Naizisachen äußert, wer Nazis wählt, wer Nazisachen fordert, der ist zumeist auch ein Nazi. Da brauchts keine "Keule". Da sprechen die Fakten.


Quotemk70666

Nein, AfD-Wähler erwarten, dass der heutige öffentlich-rechtliche Rundfunk nach der AfD-Machtübernahme seine ,,Lügen" zugeben wird.


QuoteIstCoolMan

AfD Wähler wollen keine objektiven Fakten hören. Sie wollen nur das bestätigt bekommen, was sie in ihrer Filterblase immer wieder hören und was sie für die Wahrheit halten: "AfD - toll, Ausländer/EU/Grüne/LGBT/Windräder/PV - böse + schlecht, Klimawandel - gibt's nicht, Atomkraft/Verbrenner/Frauen an den Herd - geil"


QuoteFrater_minor

... Die Schlagseite ist bekannt, es gibt darüber valide Untersuchungen.
https://uebermedien.de/91079/journalisten-sind-linker-und-gruener-als-die-bevoelkerung-ist-das-ein-problem/

Ich kann mich noch erinnern wie bis kurz vor der Wiedervereinigung, die Nachrichten nur Fakten enthielten und so gut wie keine Bewertung. Besonders wenn es um Innenpolitik ging. Anschließend gab es ein bis zwei Kommentare von Meinungsmacher (meist Zeitungsjournalisten) die eine bekannte Parteiflagge hatten. So konnte sich jeder unabhängig eine eigene Meinung bilden, da Fakten und Bewertung streng getrennt waren und nicht geframed oder bereits bewertet geliefert wurden.

Genau zu dieser Prozedur sollten wir zurückkehren


QuoteNihi Liana

16 Jahre täglicher Propaganda funktionieren nicht durch einen Mann allein.

Orbán hat den Apparat gebaut, aber gesendet haben Redakteure, moderiert haben Sprecher, finanziert haben Geschäftsleute, geschaut und geglaubt haben Millionen. Jede Lüge brauchte jemanden, der sie schreibt, jemanden, der sie ausstrahlt, und viele, die sie hinnehmen. Genau das macht Machtkorruption so einfach: Sie braucht keine Überzeugungstäter, nur Mitmachende und Wegschauende.

Der Satz auf dem Bildschirm, "wir haben jahrelang gelogen", klingt nach Reue. In Wahrheit ist es dieselbe Belegschaft, die gestern noch lieferte und heute die Verantwortung an ein abstraktes Wir abschiebt. Niemand war es, alle waren es.

Und das ist kein ungarisches Sonderproblem. Dasselbe Muster läuft gerade weltweit: Sender, die zur Gefolgschaft werden, Wähler, die den lautesten Vereinfacher belohnen, ein Publikum, das die bequeme Lüge der unbequemen Wahrheit vorzieht. Orbán fiel, weil eine Mehrheit sich abwandte. Er stieg auf, weil eine Mehrheit ihn trug.

Die Figuren wechseln. Der Mechanismus bleibt. Er lebt von denen, die klatschen, und von denen, die schweigen.

Wie seit vielen tausend Jahren.

Wir tragen Wissen und Erkenntnisse der gesamten Menschheit in der Hosentasche spazieren, und doch...


...
#6
"Urteil im Schweinebetäubungs-Prozess: Aktivist*innen haften für heimliche Filmaufnahmen" Tomke Blohm (9.6.2026)
Das Oberlandesgericht Oldenburg urteilt, dass Tierschützer*innen für Aufnahmen einer Betäubung von Schweinen Schadenersatz zahlen müssen.
... Der Schlachtbetrieb Brand wirbt mit Qualität und Transparenz. Auf dessen Website sieht man rosa Ferkel auf einer grünen Wiese herumtollen. Auf den illegal aufgenommenen Videos der Aktivist*innen dann das Gegenteil: Schweine zusammengepfercht, japsend nach Luft. Sie schreien und kreischen laut, reißen das Maul auf, stürzen in der Gondel übereinander, zucken. Maximal 30 Sekunden dauert es, bis ein Schwein bewusstlos ist. Dass dies die Realität der Fleischproduktion ist, sieht auch das Gericht in Niedersachsen. Es erklärt die Bilder für nicht manipuliert.
Anna Schubert kritisiert, dass sie das Video selbst nicht veröffentlichen darf: ,,Es geht hier um das Verschwindenlassen von Bildern, die zeigen, wie 80 Prozent aller Schlacht-Schweine in Deutschland geschlachtet werden", sagt Schubert. Es würde um eine Einschüchterungsklage gehen, die das Gericht auch noch zulasse, führt sie in einer Pressekonferenz aus. Ihr Anwalt interpretiert: ,,Es geht hier um eine Art Zäsur (...) und einen Einschnitt in das Veröffentlichungsrecht." Aufnahmen wie die von Schubert gibt es selten, das öffentliche Interesse daran ist groß.
In dem Prozess geht es um mehr als einen Einzelfall. Der Einbruch der Aktivist*innen ist illegal, das ist klar. Die Veröffentlichung der Videos sieht der Kläger als Rufschädigung. Demnach stellt sich die Frage, wie etwas rufschädigend sein kann, das sowohl gängig als auch legal ist? ...
https://taz.de/Urteil-im-Schweinebetaeubungs-Prozess/!6184916/

...
#7
"Linksradikale Onlineplattform: Droht ein Verbot von Indymedia?" Christian Rath (1.7.2026)
Die Seite de.indymedia.org ist ein zentrales linksradikales Informationsforum. Die Innenminister:innen der Länder fordern, dass es dichtgemacht wird.
https://taz.de/Linksradikale-Onlineplattform/!6192346/

QuoteWT Sherman, 09:25 Uhr

Indymedia muss schon deshalb erhalten bleiben, weil die seit 25 Jahren aktive Website zum stetig schrumpfenden "old web" gehört, also zu dem Wild-West-Internet vergangener Tage, das noch nicht nahezu vollständig von Konzernen, Staaten und Bots kontrolliert und normiert wurde.

Es handelt sich außerdem um ein Primärzeugnis von 25 Jahren linksradikaler Geschichte, angefangen mit der Antiglobalisierungsbewegung der Jahrtausendwende. Man kann Artikel zum G8-Gipfel 2001 in Genua, einschließlich der ersten Berichte über Folter in Bolzaneto, noch genau so nachlesen, wie sie damals publiziert worden sind. Und das will man jetzt löschen und verbieten, wegen ein paar Bekennerschreiben (mit ohnehin zweifelhafter Authenzität) und ein paar präpotenten Gewaltfantasien?


QuoteTomDePhazz, 10:16 Uhr
@WT Sherman:

Ja, man mag dem 'old web' nachtrauern, aber Wild-West-Internet erlaubt nicht nur indymedia.org, sondern auch Unmengen an Schwurbelzeugs, Fake-News und schlimmeren ungefilterten Inhalten. Es ist ein bisschen wie die Wahl zwischen Pest und Cholera. Ich würde Indymedia.org aufgeben, wenn ich den anderen Mist dann auch aus dem Netz kriege.


QuotePerkele

02.07.2026, 09:04 Uhr

Ach wären die Verantwortlichen doch auch so rigoros gegen die Faschisten....


...
#8
"Zentrum soll bei Bergung von Altmunition aus Nord- und Ostsee helfen"
Nach dem Zweiten Weltkrieg wurden in der Nord- und Ostsee 1,6 Millionen Tonnen Munition versenkt. Ein Kompetenzzentrum in Rostock soll die Bergung voranbringen. Quelle: DIE ZEIT, dpa, pip Aktualisiert am 2. Juli 2026
https://www.zeit.de/wissenschaft/umwelt/2026-07/muntion-nord-ostsee-meeresgrund-bundeskompetenzzentrum-rostock-gxe

#9
Quote[...] Im Osten der Demokratischen Republik Kongo haben Anwohner und Anwohnerinnen ein Ebolabehandlungszentrum in Brand gesetzt. Bei den Ausschreitungen wurde ein Polizist getötet, zwei weitere Personen wurden verletzt. Mehrere Ebolapatienten und Menschen, die mit Symptomen unter Verdacht einer Infektion mit dem lebensbedrohlichen Virus standen, seien aus dem Behandlungszentrum im Dorf Bafwabango in der Provinz Ituri geflohen, sagte der leitende Arzt des zuständigen Gesundheitsbezirks, Joseph Pemamakuwe, der Nachrichtenagentur dpa.

Eine Gruppe junger Menschen habe die sichere Bestattung eines mutmaßlichen Ebolaopfers verhindern wollen, obwohl die Familie bereits ihre Zustimmung gegeben habe, sagte der Mediziner. »Alles wurde niedergebrannt. Der Betrieb wurde noch nicht wieder aufgenommen, da das Personal weiterhin um seine Sicherheit fürchtet«, fügte er hinzu.

Das Ebolavirus breitet sich weiterhin im Osten Kongos aus, Hilfsmaßnahmen werden teils durch das Misstrauen der Bevölkerung behindert. Immer wieder greifen Menschen Helfer an. Traditionelle Bestattungen sind ein großes Ansteckungsrisiko.

Bei dem Ausbruch sind seit April jüngsten Behördenangaben zufolge mindestens 399 Menschen gestorben. 1.333 Fälle wurden im Labor bestätigt. Die Weltgesundheitsorganisation geht von einer hohen Dunkelziffer aus, da der Ausbruch wochenlang unerkannt blieb. Im benachbarten Uganda wurden 20 Fälle nachgewiesen.

Besonders betroffen ist die Provinz Ituri im Nordosten von Kongo. Die Behörden kündigten dort neue Maßnahmen an, darunter die Begrenzung öffentlicher Versammlungen auf weniger als 50 Personen in geschlossenen Räumen. In der von Rebellen kontrollierten benachbarten Provinz Nord-Kivu verboten die De-facto-Behörden alle Versammlungen zum gemeinsamen Schauen der Fußballspiele der kongolesischen Nationalelf bei der WM.

Ebolafieber ist eine lebensbedrohliche Krankheit. Das Virus wird durch Körperkontakt und Kontakt mit Körperflüssigkeiten übertragen. Der aktuelle Ausbruch ist besonders schwer einzudämmen, auch weil es für den Ebolaerreger vom Typ Bundibugyo bislang weder einen Impfstoff noch eine spezielle Therapie gibt.


Aus: "Anwohner setzen Ebolabehandlungszentrum in DR Kongo in Brand" (2. Juli 2026,)
Quelle: https://www.zeit.de/politik/ausland/2026-07/ebola-kongo-bafwabango-ituri-ausbruch

QuoteKomka

... Erinnert mich aber sehr an die Hysterie der Coronaleugner, Impfgegner und Aluhelme währen des Coronaausbruchs. Aufklärung wird da nicht helfen ,sehen wir ja hier bei uns.


QuoteWolke8

Schräg! Bei uns gab es Kritik. Auch fragwürdige Ansichten. Klar. Aber eine Krankenstation niederbrenben weil dort Corona Patienten behandelt werden? In Deutschland? So was gab es nicht.


Quotekanaka
Antwort auf @Wolke8

Ach nee.

Brände: Köpping zum Impfzentrum-Anschlag: "Schockiert nach der Tat"
https://www.zeit.de/news/2021-09/17/koepping-zum-impfzentrum-anschlag-schockiert-nach-der-tat

190 Angriffe auf Impfzentren erfasst - meistens Sachbeschädigungen
https://www.rnd.de/politik/corona-190-angriffe-auf-impfzentren-erfasst-meistens-sachbeschaedigungen-SLB4MVUUN67QTGY2ZJLUCM7E2I.html

... BerlinBrandanschlag auf Corona-Testzentrum

https://www.spiegel.de/panorama/justiz/berlin-brandanschlag-auf-corona-testzentrum-a-46f0cce0-a5bb-44fd-87a2-94ca528241c6

Mark Sander betreibt eine Teststation im Münsterland, die bereits zum zweiten Mal abgefackelt wurde. Der Staatsschutz ermittelt, der Betreiber will weitermachen

https://www.tagesspiegel.de/brandanschlag-auf-corona-testzentrum-das-ist-so-feige-314584.html

Brandstiftung:

Corona-Testzentrum in Bielefeld vorsätzlich in Brand gesteckt

Die Ermittler schließen einen technischen Defekt beim Brand Ende Januar aus. Ob es eine politische Tat war, wird geprüft.

https://www.nw.de/lokal/bielefeld/mitte/23221463_Corona-Testzentrum-in-Bielefeld-vorsaetzlich-in-Brand-gesteckt.html

https://www.zeit.de/politik/deutschland/2020-10/berlin-brandanschlag-explosion-staatschutz-ermittlung-corona-beschluesse-protest

...

Übersicht auch
https://de.wikipedia.org/wiki/Proteste_gegen_Schutzmaßnahmen_zur_COVID-19-Pandemie_in_Deutschland

Wenn sie zu den Anfangszeiten von Aids recherchieren werden sie auch geholfen. Menschenwürde und Vorgaben des GG wurden da von vielen Menschen,auch Politikern, sehr schnell vergessen.


QuoteDemNach

Corona und Ebola lassen sich überhaupt nicht Vergleichen....

Und so zu tun als wenn die Menschen die Krankenhäuser und Hilfsstationen Anzünden, und das nach Jahrzehnten von Ebola in der Region mit Corona "Leugnern" zu vergleichen ist so Realitäts fern wie möglich. ...


QuoteMamaBear
Antwort auf @DemNach

    Und so zu tun als wenn die Menschen die Krankenhäuser und Hilfsstationen Anzünden, und das nach Jahrzehnten von Ebola in der Region mit Corona "Leugnern" zu vergleichen ist so Realitäts fern wie möglich.

Reichen Ihnen die Belege der Foristen nicht?

Sie wissen auch, dass viele der Coronaleugner (inkl. JFK Jr) auch behaupten, dass es gar keine Viren gibt - also auch kein Ebola.


Quoteuhunu

Der Mechanismus ist auch ein sehr ähnlicher. Ablehnung wissenschaftlicher Erkenntnisse und die Überzeugung, dass das Problem nur existiert, solange man es auch medizinisch erfasst.


Quotedreimalgescheit

Das war zu erwarten und dabei ist es so einfach: No contact, no infection !

...


...
#10
Quote[...] Nach den tödlichen Schüssen in einer Jugendhilfeeinrichtung in Stade am Montag ist klar: Unter den sechs Opfern waren nach Informationen der "Hannoverschen Allgemeinen Zeitung" und des NDR drei Beschäftigte des Jugendamtes der Region Hannover. Die Belegschaft der Behörde wurde demnach am Dienstagvormittag informiert.

Nach bisherigen Erkenntnissen stand die Tat im Kontext eines Sorgerechtsstreits. Der 45 Jahre alte Verdächtige hatte an dem Tag einen Termin in der Einrichtung, in dem es um das Sorgerecht für seine drei Monate alte Tochter ging. Weil er als auffällig galt, war das Gespräch in großer Runde geplant worden, mit Vertretern der Einrichtung und des Jugendamts.

Unter den sechs Toten waren vier Frauen und zwei Männer. Die Mutter des Kindes und das Baby blieben unverletzt. Das Kind kam zunächst in Obhut des Jugendamts, die 34-jährige Mutter in Gewahrsam und sollte vernommen werden.

Der Verdächtige flüchtete nach der Tat in einem Auto, das eine 65-jährige Frau steuerte. Die Polizei stoppte das Fahrzeug mit Schüssen auf die Reifen und nahm beide fest.

...


Aus: "Sechs Tote in Stade: Mehrere Opfer arbeiteten offenbar beim Jugendamt Hannover" (30.06.2026)
Quelle: https://hannover.t-online.de/region/hannover/id_101320490/tote-in-stade-neue-details-zu-opfern-bekannt-drei-arbeiteten-in-hannover.html

-

Quote[...] Seyran Ateş spricht über patriarchale Strukturen und mangelnde Integration bei bestimmten Migrantengruppen nach der Bluttat von Stade, bei der sechs Menschen nahezu hingerichtet wurden. ,,Ein gewisser Prozentsatz wird sich nie in unsere Gesellschaft integrieren."

...


Aus: "Tödliche Schüsse in Stade: ,,Haben es mit einem Typus Mann zu tun, der narzisstisch und toxisch aufgeladen ist" (2026)
Quelle: https://www.welt.de/videos/video6a43c46dc04ea97a4e502d18/toedliche-schuesse-in-stade-haben-es-mit-einem-typus-mann-zu-tun-der-narzisstisch-und-toxisch-aufgeladen-ist.html#:~:text=SCH%C3%9CSSE%20IN%20STADE-,%E2%80%9EHaben%20es%20mit%20einem%20Typus%20Mann%20zu%20tun%2C%20der%20narzisstisch%20und%20toxisch%20aufgeladen%20ist%E2%80%9C,-Stand%3A%2016%3A00

QuoteEckhard R.

Danke Frau Ates, dass Sie herausgestellt haben, dass es um einen bestimmten Typ Mann geht. ...


Quoteheinrich D.

So treffende  Aussagen habe ich lange nicht gehört!


QuoteMirko W.

Frau Ates hat türkische Wurzeln. Sonst dürfte sie das so nicht öffentlich nicht sagen.
Selbst die selbstgerechten "Alle Manner sind toxisch"-Schreihälse werden keinen Mucks sagen. ...


...

Seyran Ateş (* 20. April 1963 in Istanbul, Türkei) ist eine Autorin, Frauenrechtlerin und ehemalige Anwältin türkischer und kurdischer Abstammung. Sie befasste sich als Anwältin in Berlin hauptsächlich mit Straf- und Familienrecht. Sie engagiert sich in der deutschen Ausländerpolitik und ist aktiv im Kampf gegen Zwangsheiraten, Ehrenmorde und Genitalverstümmelung. ...
https://de.wikipedia.org/wiki/Seyran_Ate%C5%9F

-

Quote[...] Nach der Tötung von sechs Menschen in Stade gehen Ermittlungen und Aufarbeitung weiter. Ein 45 Jahre alter Mann hat am Montag in der Stadt westlich von Hamburg mutmaßlich auf Menschen geschossen. Sechs Erwachsene sind tot. Entgegen früherer Annahmen wurden keine weiteren Menschen verletzt. Tatort ist eine Mutter-Kind-Wohngruppe.

Das Amtsgericht hat mittlerweile Haftbefehl gegen den 45 Jahre alten Tatverdächtigen erlassen. Die Staatsanwaltschaft bewertet die Taten aufgrund des Vorliegens von Mordmerkmalen, insbesondere Heimtücke und niederen Beweggründen, als sechsfachen Mord, hieß es in einer Mitteilung.

Alle sechs Todesopfer waren Mitarbeitende der Einrichtung oder des Jugendamts, insgesamt vier Frauen und zwei Männer. Zwei Frauen sowie ein Mann waren als Mitarbeiter des Jugendamts der Region Hannover vor Ort, zwei weitere Frauen und ein Mann arbeiteten in der Stader Jugendhilfeeinrichtung. Dies gab die Staatsanwaltschaft Stade in einer Presseerklärung mit der Polizei am Dienstag bekannt. Die Polizei bereite derzeit die Einrichtung einer Mordkommission vor.

Bei dem mutmaßlichen Täter handelt es sich den Angaben der Polizei nach um einen in Deutschland geborenen Mann mit türkischer Staatsangehörigkeit. Nach Informationen des ,,Spiegels" heißt der 45-Jährige Fatih Khan G. und lebte in Garbsen bei Hannover. Er sei der Polizei wegen einer früheren Bedrohung bekannt gewesen, habe aber nicht als ,,absolut gewalttätig" gegolten. Eine waffenrechtliche Erlaubnis für die verwendete Schusswaffe habe er nicht, hieß es von der Polizei.

Das Tatmotiv liege ,,vermutlich im Umfeld, das heißt in einem Sorgerechtsstreit", sagte die Lüneburger Polizeipräsidentin Kathrin Schuol auf einer Pressekonferenz am Montagabend. Dabei sei es um das Sorgerecht für die drei Monate alte Tochter des mutmaßlichen Täters gegangen.

Der Verdächtige war am Montag zu einem vereinbarten Termin in die Einrichtung gekommen, zu einem sogenannten Hilfeplangespräch. Weil der Vater als auffällig galt, sollte das Gespräch mit mehreren Mitarbeitern stattfinden.

Nach der Tat versuchte der Schütze in einem Mercedes-Coupé zu fliehen, das von einer 65-jährigen Frau gefahren wurde. Laut Ermittlern soll sie enge Verbindungen zur Familie des Verdächtigen haben und die Patentante des Kindes sein. Die Polizei zerschoss mindestens einen der Reifen und stoppte das Auto. Beide Fahrzeuginsassen wurden festgenommen. Nach Informationen des NDR schoss der Tatverdächtige bei seinem Fluchtversuch so lange auf Polizisten, bis die Munition alle war. Die Tatwaffe soll der 45-Jährige am Bahnhof Zoo in Berlin gekauft haben.

Die Polizei sagte bisher nicht, um welche Art von Waffe es sich handelt. Auch der genaue Ablauf der Tat in der Wohngruppe ist bisher nicht öffentlich bekannt. Die Ermittler verwiesen auf die aufwendige Arbeit der Spurensicherung.

Wann die Vorführung des Tatverdächtigen beim Haftrichter geplant ist, ist noch unklar. Aus rechtlichen Gründen muss sie aber am Dienstag erfolgen.

Fünf der Opfer waren vor Ort ums Leben gekommen, eine sechste Person erlag später ihren Verletzungen. Zunächst war die Rede von weiteren Schwerverletzten. Niedersachsens Innenministerin Daniela Behrens (SPD) sprach auf der Pressekonferenz von einer ,,kaltblütigen" Tat.

Polizei und Rettungskräfte waren am Montagnachmittag mit einem Großaufgebot in dreistelliger Höhe vor Ort. Kriminaltechniker in weißen Overalls sicherten Spuren, Absperrbänder riegelten den Tatort ab, Einsatzfahrzeuge blockierten die Straßen. Die Behörden forderten die Anwohner auf, den Bereich weiträumig zu meiden.

Die Polizei richtete derweil ein Hinweisportal ein. Über eine Website können Zeuginnen und Zeugen Hinweise sowie Fotos oder Videos direkt übermitteln.

Die 34-jährige Mutter lebte mit ihrem Kind in der Einrichtung und getrennt von dem Mann. Zum Tatzeitpunkt befanden sie sich in der Wohngruppe – und blieben unverletzt. Das Kind kam zunächst in die Obhut des Jugendamts, die Mutter zur Befragung in Gewahrsam.

Informationen von NDR und WDR zufolge war die Tochter zuvor aus der Familie genommen worden. Das Kind habe schließlich unter Auflagen zurück zur Mutter gedurft, allerdings nur in der Jugendhilfeeinrichtung, und nicht an deren Wohnort in Hannover.

Der ,,Spiegel" berichtet unter Berufung auf nicht genannte Quellen, dass der Beschuldigte sein Kind geschüttelt haben soll. Demnach sei die Tochter von einem Arzt behandelt worden, der entsprechende Verletzungen festgestellt haben soll. Während das Kind wegen eines Schütteltraumas im Krankenhaus war, soll der Vater zudem das Klinikpersonal bedroht haben.

Dies bestätigte ein Sprecher der Staatsanwaltschaft Hannover der ,,Hamburger Morgenpost". So soll er vor Ort verbale Drohungen ausgesprochen und später eine Droh-Mail hinterhergeschickt haben. Ein Verfahren wegen Bedrohung wurde von der Staatsanwaltschaft eingestellt, ein weiteres Verfahren wegen des Verdachts der Misshandlung Schutzbefohlener läuft noch. Die Staatsanwaltschaft sagte der Zeitung, die Ermittlungen richteten sich sowohl gegen den Vater als auch gegen die Mutter. Es ist unklar, wer das Schütteltrauma verursacht hat.

Stade liegt rund 40 Kilometer westlich von Hamburg und hat knapp 48.700 Einwohner. Die malerische Hansestadt ist auch als westliches Tor zum Alten Land bekannt, dem größten zusammenhängenden Obstanbaugebiet Deutschlands.

Das Verbrechen ist für viele hier unfassbar. Die Schüsse fielen in einer ruhigen Wohngegend, zwischen Einfamilienhäusern aus Backstein und Spielstraßen. Nach und nach trafen dort am Montagnachmittag immer mehr aufgewühlte Angehörige ein, wie eine dpa-Reporterin berichtet. Ein Team der Krisenintervention versuchte, die Angehörigen, Zeugen und Einsatzkräfte zu begleiten.

Berichte, nach denen der tatverdächtige Mann Mitglied eines Clans sein soll, bestätigten die Ermittler nicht. ,,Wir haben derzeit keine Hinweise dafür, dass eine Clanzugehörigkeit besteht", sagte eine Sprecherin der Staatsanwaltschaft in Stade.

(Tsp, dpa, AFP)


Aus: "Sechs Menschen in Stade erschossen" (30.06.2026)
Quelle: https://www.tagesspiegel.de/gesellschaft/panorama/sechs-menschen-in-stade-erschossen-verdachtiger-soll-tatwaffe-am-berliner-bahnhof-zoo-gekauft-haben-15773451.html

QuoteOAP
30.06.26 14:06

Ich gedenke den sechs im öffentlichen Dienst beschäftigten Menschen, die gestern in Stade in Ausübung ihres Berufs gewaltsam zu Tode gekommen sind.

Ein Mann hat diese sechs Menschen aus ihrem Leben gerissen. Wieder ein Mann. Wieder ein Mann, der sich über das Gesetz stellt. Weil er es konnte.

Meine Anteilnahme und mein Mitgefühl gilt allen Hinterbliebenen, den Eltern und Geschwistern, den Partnerinnen, Kindern, Enkeln, den Kolleginnen und den Freundinnen.


QuoteNeocortex
30.06.26 16:06

... Manche scheinen "Familie" als "Besitz" zu betrachten. ...


Quotehappyrocker
30.06.26 11:20

Und immer wieder diese Verharmlosung als "Familientragödie" und "Sorgerechtsstreit". Das waren geplante Morde, oder was für einen Grund gibt es sonst, zu einer Besprechung über das Kind mit Schusswaffe und Fluchtwagen nebst Fahrerin zu erscheinen?


QuoteRobert_Rostock
30.06.26 12:45
@happyrocker am 30.06.26 11:20

So wie ich es verstanden habe, wurde ,,Sorgerechtsstreit" nicht als verharmlosende Bezeichnung für die Tat verwendet, sondern als mögliches Motiv, möglicher Hintergrund.


Quotehwimmer
30.06.26 15:24

Als Pflegevater von zwei mittlerweile erwachsenen Söhnen sind wir in ähnlichen Situationen gewesen und haben zum Beispiel Auskunftssperren bei Einwohnermeldeämtern. Es gab' mal eine Zeit, da waren wir so eine Art Spezialfähnchen auf einer Karte der lokalen Polizei, damit die im Ernstfall schnell da sein können.

Wir sind zwar auf der "guten Seite", aber wenn man die Empathie für die andere Seite - also die Eltern, denen die Kindern entzogen werden - nicht hat, darf man in diesem Gewerbe nicht tätig sein. Einer meiner wichtigsten Freunde als Teenager war auf der anderen Seite - das sind unvermittelbare Gegensätze. Man kann diese Konflikte nicht mit einer bürgerlichen Vernunft lösen und vom Tisch wischen.

This said: Wir kennen die Vorgeschichte nicht, aber meiner Erfahrung nach gibt es eine - und die ist für den Vater sicher belastend gewesen. Umso mehr, als sie ihn vielleicht in einer Ehrhaftigkeit getroffen hat. Wer weiß, was der sonst noch für Ohnmachts-Erlebnisse hatte...

Die Jugendhilfe-Mitarbeiter, mit denen wir - in Bayern, da ist das im Wesentlichen in öffentlicher Hand - zusammengearbeitet haben, waren alle empathisch, offen für gewagte Lösungen, kommunikativ - und deswegen haben wir zusammen jede Kuh vom Eis bekommen.
Und beide Pflegesöhne haben Kontakt zu ihren leiblichen Eltern, soweit sie das wollen und das möglich ist...

Für Sechs Tote gibt es das Strafverfahren, aber der mögliche Täter kann trotzdem eine geplagte Seele sein - und die Beteiligten eine Mitschuld an der Eskalation tragen.

Nur: Uns, Publikum, geht das nichts an. Das muss die Jugendhilfe aufarbeiten und ein Gericht.

Und eines der Ergebnisse wird sein, dass die Jugendhilfe mehr Ressourcen (.. Geld, Personal, Räumlichkeiten...) braucht, um die Verfahren auf eine Weise abzuwickeln, die für Beteiligten erträglich bleiben.

Das kontrastiert etwas mit den aktuellen Plänen zur Absicherung der Profite der oberen 10.000...


QuoteXYZ1234
30.06.26 15:46
@hwimmer am 30.06.26 15:24

Entschuldigung: Was Sie da beschreiben, ist maximal eine Erklärung, aber noch lange keine Entschuldigung!
6 Menschen sind tot! Die Mutter mit dem Kind offensichtlich aus gutem Grund in der genannten Einrichtung.
Ich frage mich, was diese dort getöteten Mitarbeiter getan haben sollen, womit ihr Tod bzw. das Herangehen des Täters zu rechtfertigen ist?!


QuoteRoibertaBriuis
30.06.26 16:02
@XYZ1234 am 30.06.26 15:46

Ohne den Täter in Schutz nehmen zu wollen - meiner Ansicht nach wird hier schon durch die Blume beschrieben, daß auch Mitarbeiter von z.B. Jugendämtern durchaus nicht immer empathisch handeln.

Es gibt genug Fälle. die aufzeigen, daß dort Entscheidungen gefällt werden, die doch auch manchmal völlig unverständlich sind - egal ob es die Mütter, die Väter, den Umgang oder sonstwas betrifft.

Alleine darauf wollte der Forist anhand seiner Erfahrungen wohl hinweisen.

Und natürlich rechtfertigt das eine solche Tat in keinster Weise, es ist nur ein Erklärungsansatz für etwas, was wohl niemand, der von Entscheidungen durch Ämter in dieser Weise noch nicht betroffen war, wirklich nachvollziehen kann.


QuoteXYZ1234
30.06.26 16:22
@RoibertaBriuis am 30.06.26 16:02
Mag sein, dass er es meinte, dennoch: Geschrieben hat er es so leider nicht.

Diese Art der Eskalation - 6 Menschen wurden erschossen - ist nicht entschuldbar.


QuoteGSchmidt
30.06.26 16:13
@XYZ1234 am 30.06.26 15:46

Sie versuchen sich in Täter Opfer Umkehr. Nichts, was das Sozialrecht bzw unsere Rechtsauffassung betrifft, rechtfertigt überhaupt einen mehrfachen Mord! Man mordet nicht, weil einem Beschlüsse nicht passen! ...


Quotehwimmer
01.07.26 09:00
@GSchmidt am 30.06.26 16:13
Es geht nicht um Rechtfertigung, es geht darum, wie man die Jugendhilfe organisiert, dass sie zuverlässig nicht in solche Eskalationssituationen gerät.

Und dass diese Exkalationen zunehmen - nicht exponentiell, aber sie nehmen wohl zu - ist ein Indikator dafür, dass die Eskalationsvermeidung nicht funktioniert.

Und das kann nicht alleine bei den betroffenen Eltern/Familien abgeladen werden.

Und wenn sich solche Ansätze nicht durchsetzen, dann werden es mehr Eskalationen und schlimmere... und dann bekommen wir amerikanische Verhältnisse: permanenten Bürgerkrieg.


QuoteLeserling
30.06.26 15:51
@hwimmer am 30.06.26 15:24

    und die Beteiligten eine Mitschuld an der Eskalation tragen.

Obwohl ich Ihnen, ebenfalls mit eigenen Erfahrungen mit Jugendamt und Familiengericht, grundsätzlich so zustimmen möchte,

in diesem Punkt ausdrücklich nicht. Egal, wie traumatisiert man sein mag. Das ist eher eine Frage von Impulskontrolle, die womöglich nie da war. ...


QuoteMarise
30.06.26 15:54
@hwimmer am 30.06.26 15:24

Ich wurde in meinem Leben - ich bin 74 - dauernd in meiner "Ehrhaftigkeit getroffen", und ich habe bittere Situationen der Ohnmacht erlebt, aber mir kam niemals, wirklich niemals die Idee, einfach Menschen abzuknallen. Und ein Baby zu schütteln ist irgendwie nicht meine Vorstellung von Elternliebe. Und ganz nebenbei: ich habe auch nie eine Waffe besessen, habe auch nie gewußt, wo ich eine herbekommen könnte.


Quotehwimmer
01.07.26 09:02
@Marise am 30.06.26 15:54

Empathie ist, wenn Sie sich vorstellen können, dass andere Menschen nicht so sind wie Sie.


QuotePunkt12
30.06.26 16:53
@hwimmer am 30.06.26 15:24

    Für Sechs Tote gibt es das Strafverfahren, aber der mögliche Täter kann trotzdem eine geplagte Seele sein - und die Beteiligten eine Mitschuld an der Eskalation tragen.

Ganz ehrlich, da hält sich meine Empathie in Grenzen. Unter der Lösung eines Falles mag das ja zielführend sein, aber jetzt, nach diesem sinnlosen Gemetzel, habe ich kein noch so kleines bisschen Verständnis mehr.


Quoteheinerwiegel
30.06.26 15:02

Es geht meiner Ansicht nach nicht um einen Sorgerechtsstreit. Bei diesen Morden nicht und auch nicht bei der Entführung der Block-Kinder. Es geht um Schwerkriminelle, die keine Regeln kennen und ohne jegliche Hemmungen und Verhältnissmäßigkeit durch Gewissen und Menschlichlichkeit ihre Macht und Interessen gegen alle Gesetze und ohne Berücksichtigung der legitimen Interessen anderer Menschen durchsetzen. Kinder werden als Besitz betrachtet und Menschen wie Spielfiguren herumgeschubst. Über Staat und Gesellschaft lachen diese Menschen nur. Diese Menschen müssen meiner Ansicht nach dauerhaft aus der Gesellschaft entfernt werden.


QuoteG.Neumann1
30.06.26 15:00

Was unterscheidet eigentlich "gewalttätig" von "absolut gewalttätig" ?


QuoteLeserling
30.06.26 15:17
@G.Neumann1 am 30.06.26 15:00

    absolut gewalttätig

ist keine Rechtsbegriff an sich, sondern eine subjektive Beschreibung einer "gesteigerten" Gewalttätigkeit.


QuoteReinhard26
30.06.26 12:16

Solche Typen interessieren sich nicht für unseren Rechtstaat, nur für sich selbst und ihre eigenen Ansichten, und so geht das immer weiter bis zu den nächsten Morden bzw. Tötungsabsichten. Wir sind in unserem Land ganz schön tief gesunken. Und das gilt auch für andere Kriminelle aus anderen Bereichen.



QuoteToniBB
30.06.26 15:44
@Sosoaha am 30.06.26 13:06

Ich frage mich, warum diese Problemväter überhaupt die Adresse der Einrichtung bekommen und die Treffen nicht an einem neutralen Ort oder besser gleich bei der Polizei stattfinden. Immer wieder der gleiche Sch... inzwischen fast täglich. Diese naive Unschuldsvermutung. Dann ist wieder eine Mutter, ein Kind, ein Sozialarbeiter tot, weil man niemandem ,,unter Generalverdacht" stellen wollte. Diese Frauen und Kinder habende verdient, geschützt zu werden. Das sollte Priorität haben. Und wenn der Mann damit ein Problem hat, dann möge er sich in Geduld üben bis er durch gutes Verhalten Vertrauen aufgebaut hat. ...


Quotemonsieurenfrance
30.06.26 11:39

Es ist einfach furchtbar, und ich habe tiefes Mitgefühl mit den Angehörigen der Opfer. Und ich stelle mir die Frage, warum es manchen Männern nicht gelingt, Familienkonflikte gewaltfrei zu lösen oder es zu akzeptieren, wenn ihre Partnerin die Beziehung beenden möchte. Femizide oder solche Massaker scheinen sich in den letzten Jahren zu häufen, und man fragt sich, was in der Sozialisierung der betreffenden Männer falsch gelaufen ist. Dazu kommt in letzter Zeit der wachsende Maskulinismus, der Frauen als dem Mann untertan betrachtet. Als Mann ist mir das unbegreiflich.




QuoteM.M.L.
30.06.26 13:10
@Mikaela am 30.06.26 12:08
Übrigens:
Hier im Forum wurde gemutmaßt es handele sich um die Miris.
Die haben aber keine türkische Staatsangehörigkeit.
Hier wurde gemutmaßt es hinge mit Clans zusammen (auch wieder die Miris als Beispiel).
Da sagt die Polizei :Nö.
Hier wurde alles mögliche gemutmaßt.
Und unter Betrachtung dieser Aspekte bleibt meine Aussage weiterhin treffend.
Wir wissen bisher :
Mutmaßlicher Täter ist türkischer Staatsangehöriger, in Deutschland geboren.
Wir nehmen mit hoher Wahrscheinlichkeit an: keine Clankriminalität
Wir wissen folgendes nicht:
Sozialisation
Religiöser Hintergrund
Psychische Gesundheit
Verletztes Ehrgefühl ja /nein.

All das was wir nicht wissen wird hier im Forum aber gegen den AUSDRÜCKLICHEN WUNSCH der Einsatzkräfte gemutmaßt.
Und all das ist:
-Küchentischpsychologie
-Ressentiments
-Spekulation.


QuoteM.M.L.
30.06.26 11:16

Können wir bitte alle endlich mit Spekulationen, schlecht getarnten Ressentiments und Küchentischpsychologie aufhören und Polizei und StA ihre Arbeit machen lassen?


QuoteMikaela
30.06.26 12:08
@M.M.L. am 30.06.26 11:16

Die Berichterstattung ist inzwischen ziemlich konkret.
Auch wenn Ihnen die Entwicklung nicht zu passen scheint.


Quotemorgensum5
30.06.26 11:01

Wegen Sorgerechtsstreit zig Menschen ermorden?
Wo sind Täter und Helfer falsch abgebogen?


Quote555fuerst
30.06.26 10:58

So sind die gesellschaftlichen Unterschiede in Deutschland: Die eine (Millionenerbin) kann Rechtsanwälte und Sicherheitsfirmen einsetzen, um zu versuchen ihr gefühltes Recht zu erreichen.
Der andere (nicht Millionenerbe) greift zur Gewalt gegen die "Verantwortlichen" seiner Schwierigkeiten.
Es gilt natürlich die Unschuldsvermutung .... (wurde bisher noch gar nicht gebracht).


Quoteo_p_i
30.06.26 11:45
@555fuerst am 30.06.26 10:58

Also, besonders arm scheint der Täter oder seine Familie nicht zu sein, der Fluchtwagen war ein, Überraschung, AMG (!) Mercedes SUV....


QuoteKuno
30.06.26 11:50
@555fuerst am 30.06.26 10:58
Nein, was Sie da konstruieren ist falsch.

Die Millionenerbin hatte zusehen müssen, wie der geschiedene Ehemann ihr die Kinder vorenthielt, nachdem er sie ins Ausland verbracht hatte. Dort hatte man das deutsche Gerichtsurteil nicht anerkannt und die Millionenerbin scheiterte vor dem dortigen Gericht.
Da ihr das Recht nicht helfen konnte, machte sie es dem Geschiedenen nach und nahm das Recht in ihre Hand, ließ die Kinder kidnappen und zu ihr nach Deutschland bringen, wo sie für die Kindesentführung vor Gericht steht.

Der andere kann nicht akzeptieren, dass der Staat ihm sein Kind vorenthält, um es zu beschützen - vor ihm, vor seinen schädlichen Lebensumständen - der deutsche Staat hat ein Wächteramt und ist der Wahrung des Kindeswohls verpflichtet. Versagen Eltern, warum auch immer, springt er ein und sorgt dafür, dass das Kind in gesünderen und besseren sozialen Verhältnissen aufwächst. Dass das Kind nur unter Aufsicht und Begleitung in einem Mutter-Kind-Heim bei der Mutter bleiben konnte, spricht bereits Bände.
Der Vater konnte nicht akzeptieren, versagt zu haben. Wer steht schon gern als Versager da? Vermutlich durch die Kränkung seiner Ehre ausgelöst rächte er sich nun bei den in staatlichem Auftrag Handelnden in blinder Wut und bestätigte damit zugleich seine fehlende Erziehungsfähigkeit.

Beide - die Millionärsmama und der nicht Millionärserbe - wurden zu Straftätern aus unterschiedlichen Gründen.
Beides wird juristisch geahndet werden.
Das Recht in eigene Hände zu nehmen ist Selbstjustiz.
Pure Rache zu nehmen und deshalb unschuldige Menschen zu töten ist mehr als das: Es zeugt darüber hinaus von niedrigsten Instinkten und fehlender Impulskontrolle - mindestens.

Der Unterschied zwischen beiden Menschen bei ihrer Begehung der Straftat ist (primär) kein gesellschaftlicher; Näheres werden die Ermittlungen und die Gerichtsverhandlung zutage bringen.


QuotePedro_X2
30.06.26 11:59
@555fuerst am 30.06.26 10:58

Ähm, Ihre Abneigung gegen Millionenerben scheint riesig zu sein, wenn Sie versuchen Dinge zu vergleichen, die nicht im Ansatz vergleichbar sind.


QuoteDurch_die_Blume_gesagt
30.06.26 10:38

Was verspricht sich ein Täter davon, dass er so viele Menschen tötet? Das Sorgerecht für seine Tochter wird durch diese grausame Tat niemals zu seinen Gunsten entschieden werden. Und aufwachsen sehen wird er sein Kind auch nicht. Zurück bleiben nur Trauer und Leid.


QuoteFloretta
30.06.26 11:06
@Durch_die_Blume_gesagt am 30.06.26 10:38

Es geht solchen Männern nicht um das Wohlergehen des Kindes sondern nur um Rache an denen, die ihnen Grenzen aufgezeigt haben.


QuoteBestnote20
30.06.26 13:00
@Floretta am 30.06.26 11:06

Ein tief verwurzeltes patriarchalisches Besitzdenken, dass offensichtlich bis heute nachwirkt.

Auch wenn der Mann hier in Deutschland geboren wurde, ändert das nichts. Auch wir hatten in den Fünfziger Jahren des letzten Jahrhunderts ähnliche Schwierigkeiten...

Die Frau des Ehemannes durfte ohne seine Einwilligung nicht berufstätig werden und kein eigenes Bankkonto eröffnen!


QuoteBroeckelhaus
30.06.26 13:52
@Bestnote20 am 30.06.26 13:00
Ich nehme ein anderes Beispiel, dass die Vergewaltigung in der Ehe erst in den 90ern abgeschafft wurde.

Und ja ich weiß, dass es zuvor dennoch als andere Straftat möglich war zu verfolgen (allerdings eben nicht der Schwere der Tat angemessen), dennoch war bis dato, das Verständnis gesetzlich verankert, dass Sex eine eheliche Pflicht sei.

Das war bis 1997 so und durchaus eine patriarchale Vorstellung. Unser aktueller Bundeskanzler stimmte damals noch dagegen [dies zu ändern], insofern ist dieses Gedankengut also nicht so alt.

Dann nehmen wir andere gesellschaftliche Verhältnisse. Bis heute übernehmen die Frauen den Großteil, der Care Tätigkeiten und das Missverhältnis zu Männern steigt, wenn Erziehungsarbeit geleistet werden muss.

Das sind Rahmenbedingungen die Menschen anderer Sozialisation nicht unmittelbar aufzeigen, dass deren Lebensweise falsch ist, nicht mal unbedingt, dass diese anders ist.

Genau vor diesem Hintergrund finde ich diese Vorstellung, es handele sich einzig um importierte Probleme (wie es auch wiederum unserer aktueller Bundeskanzler gerne betont) mindestens zu kurz gegriffen, wenn es eben keine offensichtlich gegensätzlichen Gesellschaftsverhältnisse gibt.

Aus meiner Sicht wird eben nicht das Gegenteil vorgelebt, sondern die Rolle von Frauen als Sexobjekt, auf die Mutterrolle begrenzt u.ä. findet sich vielfach in Deutschland wieder.

Und diejenigen die am lautesten das Problem auf Ausländer begrenzen wollen, sind diejenigen die an anderer Stelle nicht selten gegen Gendern agitieren, Verweise auf toxische Männlichkeit im schlimmsten Fall als Männerdiskriminierung verstehen und Feminismus als linke Bevormundung abtun.


QuoteKuno
30.06.26 16:07
@Broeckelhaus am 30.06.26 13:52

Wer begrenzt denn hier das Problem auf Ausländer?
Nein, nein - man muss alle solche Täter benennen und bestrafen und zugleich nach den Mustern in der Motivation für solch schreckliche Straftaten suchen. Und da wird erkennbar, dass insbesondere Männer aus archaisch, auch patriarchalisch geprägten Milieus anfälliger sind.


QuoteBroeckelhaus
01.07.26 09:54
@Kuno am 30.06.26 16:07

    Wer begrenzt denn hier das Problem auf Ausländer?

Also die Diskussion dreht sich doch auch in diesem Fall um die türkische Herkunft und zwar dann auch, wie Sie es mindestens andeuten:

    Und da wird erkennbar, dass insbesondere Männer aus archaisch, auch patriarchalisch geprägten Milieus anfälliger sind.

Was ist denn sonst damit gemeint?

Der Täter ist in Deutschland geboren und aufgewachsen. Einzig aus der Staatsangehörigkeit wird nun gefolgert, dass seine archaisch patriarchalische Milieu Prägung ein relevanter Faktor gewesen sein wird.

Das ist doch eine Begrenzung auf die Herkunft und es wird ausgeblendet, dass es eine Sozialisation in Deutschland war, die dann eben gar nicht einbezogen wird, sondern schon sehr fokussiert auf dessen Herkunft verwiesen wird.

Nur als Beispiel, wenn ich jetzt auf die Möglichkeit verweisen würde, dass u.U. auch psychische Krankheiten eine Rolle gespielt haben könnten, dann könnte ich mir anhören, dass ich die sozio-kulturelle Herkunft ausblenden würde.


QuoteKarrach
30.06.26 11:15
@Durch_die_Blume_gesagt am 30.06.26 10:38

Der Täter und die ihn unterstützenden Familienangehörigen haben von unserem " Sorgerecht" halt ein anderes Verständnis. Für diese Leute ist das eher ein unrechtsmässiger Entzg der rechtmäßigen Verfügungsgewalt über Mutter und Kind durch Behörden eines Rechtsstaates, die er nicht anerkennt.


QuoteM.M.L.
30.06.26 11:37
@Karrach am 30.06.26 11:15

Bitte hören Sie auf Ihre Ressentiments herauszutrompeten.
Danke.


Quote12I6OBL
30.06.26 11:54
@M.M.L. am 30.06.26 11:37

Beweist diese Tat (und andere) nicht, dass der Kommentar richtig ist?


QuoteM.M.L.
30.06.26 13:00
@12I6OBL am 30.06.26 11:54

Nein. Weil er generalisiert.


Quotegutner030
30.06.26 13:59
@M.M.L. am 30.06.26 13:00

Schauen sie sich doch mal den Ausländeranteil in Frauenhäusern und Mutter-Kind Einrichtungen an. Das sind einfach Fakten und Statistiken, vor denen Sie die Augen verschließen und damit dieser schützenswerten Zielgruppe mehr schaden, als Sie denken.

Erinnert mich irgendwie an die Heimleitung in Neukölln. Das wichtigste ist, das keine Stigmatisierung von Tätern statt findet.


Quotehappyrocker
30.06.26 11:21
@Durch_die_Blume_gesagt am 30.06.26 10:38

Wahrscheinlich ist in seiner Gedankenwelt der Vater unanfechtbarer Herrscher der Familie und er selbst berechtigt, das durchzusetzen.


QuotePfeiffermitdreif
30.06.26 11:39
@Durch_die_Blume_gesagt am 30.06.26 10:38

Nicht nur, es bleiben auch befriedigte Rachegefühle zurück. Um das nachvollziehen zu können, muss man sich in eine Sozialisation hineinversetzen, wo Vieles mit Gewalt "geregelt" wird.


QuoteRonn
30.06.26 10:38

Es gibt nicht um einen Sorgerechtsstreit. Da erschießt man keine Leute. Wahrscheinlich ging es um Besitzdenken gegenüber Frau und Kind.


Quotenimmmer
30.06.26 09:34
Anscheinend wurde gestern in der ersten Pressekonferenz die Nationalität und das Geburtsland genannt.

    der Tatverdächtige ist ein 45-jähriger Deutscher ... 45-jährigen Deutschen mit türkischen Wurzeln

In anderen Medien wird berichtet, dass er in Deutschland geboren wurde und türkischer Staatsbürger wäre. Demnach wäre er kein Deutscher. Es wäre schön, wenn man das mal konkretisieren würde, wenn das schon thematisiert wird.



Quoteaugu
30.06.26 10:20

Es gibt Menschen, die tief verletzt durch eine vermeintliche Ungerechtigkeit (oder auch durch eine tatsächliche, die andere verkraften) zu jeder brutalen Rache bereit sind und sich auch dafür berechtigt glauben. Die Opfer müssen dabei persönlich gar nichts mit der Angelegenheit des Täters zu tun haben, es ist dann die Rache am Staat, an der Institution, die die Unbeteiligten trifft.

Solche Taten zu verhindern, die Grundeinstellung der Täter zu verändern ist sehr schwer.


Quotemicky64
30.06.26 09:51

Sechs tote Mitarbeiter von Jugendhilfe und Jugendamt in Stade - Ein Job der in jeder Stadt an die mentale Substanz geht, unterbesetzt und unterbezahlt. Trotzdem haben sie sich dort engagiert - Eine Tragödie.


QuoteMenschenskind
30.06.26 09:46
Sorgerechtsstreit ist missverständlich – anscheinend erfolgte eine Inobhutnahme. Das Kind ist sehr jung, weshalb die Mutter außer in extremen Fällen von Gefährdung des Kindes mit untergebracht wird. Das heißt aber nicht, dass ihr durch den Erzeuger Gefahr drohte.

Die tatsächlichen Motive werden ermittelt werden müssen, es liegt aber eine enorme Verachtung gegenüber einer staatlichen Institution (JA) und der Jugendhilfe-Einrichtung nahe.


QuoteStefanX
30.06.26 10:27
@Menschenskind am 30.06.26 09:46

Eine Pressemitteilung kurz nach so einer schrecklichen Tat muss man nicht debattieren. Einfach mal innehalten. Und die Ermittlungen und ein Gerichtsurteil abwarten.


QuoteMenschenskind
30.06.26 11:19
@StefanX am 30.06.26 10:27

Ich möchte aber nicht innehalten. Ich möchte, dass so etwas nie wieder geschieht. Und dafür braucht es Einsichten und daraus abgeleitete Handlungsweisen. Menschen – übrigens egal welcher Herkunft – mit einem solchen Gewaltpotenzial fallen sehr häufig schon sehr viel früher auf. Es gibt ein enormes Defizit an effektiven Maßnahmen, die uns bei der Ausübung unserer Berufe während der Dienstzeit (oder selbst unserer Freizeit) vor ihnen schützen. Sei es im Schuldienst, der mich betrifft, oder auch im Vollzugsdienst, in sämtlichen Ämtern, in den Notaufnahmen... oder auch auf offener Straße.



QuoteM.M.L.
29.06.26 15:47

Der wichtigste Teil des Beitrages der Polizei im ganzen Artikel: Keine Spekulationen. Keine Mutmaßungen.

Ansonsten gilt mein Beileid den Hinterbliebenen. Und mein Dank den Einsatzkräften.


...

#11
Das Ihme-Zentrum ist ein großes Wohn-, Büro- und ehemaliges Einkaufszentrum in Hannover im Stadtteil Linden-Mitte, das 1974 eingeweiht wurde. Es liegt am westlichen Ufer des namensgebenden Flusses Ihme gegenüber der Calenberger Neustadt.
https://de.wikipedia.org/wiki/Ihme-Zentrum

-

"Ihme-Zentrum in Hannover: Das Pokerspiel des Spekulanten" Aus Hannover Nadine Conti (28.6.2026)
Drei Jahrzehnte dauert das Drama um den Beton-Koloss nun schon. Die Stadt sucht nach juristischen Hebeln, um ,,Investor" Ulrich Marseille loszuwerden. ... Mittlerweile sehen selbst die Baustellenabsperrungen gammelig aus. Von dem verrottenden, bemoosten und Taubendreck-bedeckten, rohen Stahlbeton ganz zu schweigen. Als Filmkulisse wäre das gut. Für irgendein düsteres postapokalyptisches Drama, einen dystopischen Thriller oder eine Erzählung aus einem Bürgerkriegszerstörten Land. ...
https://taz.de/Ihme-Zentrum-in-Hannover/!6190797/

-

"Verbot von Vergesellschaftungen: Das doppelte Spiel der SPD" Erik Peter (8.7.2026)
Beim Plan der Bundesregierung, die Vergesellschaftung von Wohnungskonzernen zu verhindern, spielt die SPD eine viel größere Rolle, als bislang bekannt. Sie folgt dem Druck der Immobilienlobby. ... Berlins Finanzsenator Stefan Evers (CDU) und sein Hamburger Amtskollege Andreas Dressel (SPD) sollen einen Antrag mitgebracht haben, der Eckpunkte für ein Gesetz formuliert, das die Überführung von privatem in öffentliches Eigentum verunmöglichen soll. Auf taz-Anfrage dementieren beide diesen Vorgang und ihre Urheberschaft nicht. ... Taheri schlussfolgert: ,,Da scheint sich eine große Koalition aus SPD und CDU zum Schutz der Immobilienmafia zusammengefunden zu haben. Die SPD möchte sich wohl von den letzten Resten ihres sozialdemokratischen Erbes verabschieden." ...
https://taz.de/Verbot-von-Vergesellschaftungen/!6194273/
#12
Quote[...] "Sein und Zeit" wiedergelesen: Eine Heidegger-Tagung in Siegen. --- Vier Jahre nach dem Erscheinen der ersten Serie von Martin Heideggers Denktagebüchern, den sogenannten Schwarzen Heften, geht es nicht mehr darum, ob der Freiburger Philosoph ein Nazi und Antisemit war, sondern darum, wie tief völkisches Denken und NS-Ideologie Heideggers gedankliche Konstrukte beeinflussten – und wie früh. Deshalb haben nun die Philosophinnen Marion Heinz von der Universität Siegen – der von ihr vor zwei Jahren organisierte Kongress zu den Schwarzen Heften ist mittlerweile bei Suhrkamp dokumentiert – und Sidonie Kellerer von der Universität Köln auf einer Tagung in Siegen Heideggers Hauptwerk, den 1927 erschienenen Jahrhundertklassiker "Sein und Zeit", in den Fokus der Kritik gerückt.

"Um zu beurteilen, was Heidegger meint, kann man sich nicht weit genug von ihm entfernen": Diese kritische Maxime hatte Günter Anders, Ehemann von Hannah Arendt und Heidegger-Student, in den 1950er Jahren formuliert, und sie galt auch für die Tagung in Siegen. Der französische Descartes-Spezialist Emmanuel Faye, der Heideggers Werk als politische Ideologie statt Philosophie bezeichnet, vertrat dabei die radikalste Position. Er liest "Sein und Zeit" als heimliche Kampfschrift gegen die Weimarer Demokratie und besonders gegen den jüdischen Philosophen Ernst Cassirer. Dessen berühmtes Werk "Philosophie der symbolischen Formen" basiert, ebenso wie "Sein und Zeit", auf der Beziehung und der Differenz zwischen Seiendem und Sein.

Cassirers Werk erschien 1923, vier Jahre vor "Sein und Zeit" – und Heidegger, so Fayes Vorwurf, habe Cassirers Grundgedanken "gewaltsam vereinnahmt" und umgedreht, ohne ihn zu zitieren. Auf diese Weise vermeide er eine ehrliche Auseinandersetzung, greife aber Cassirer verdeckt an, indem er dessen Kulturphilosophie als "bodenlos" und "entwurzelt" bezeichnet – Begriffe, die Heidegger später eindeutig antisemitisch meint. In "Sein und Zeit" habe Heidegger sich noch hinter einer "indirekten Sprache" versteckt, um seine Berufung auf einen Lehrstuhl in Marburg und später als Nachfolger Husserls in Freiburg nicht zu gefährden, so Fays These, die auch Sidonie Kellerer unterstützt. Cassirer, der 1933 als Rektor der Hamburger Universität abtreten und emigrieren musste, wird 1945 Heideggers Werk als Teil einer "geistigen Aufrüstung" für Faschismus und Weltkrieg beschreiben.

... Die Neubewertung von "Sein und Zeit" hat gerade erst begonnen.


Aus: "Eine Vorschule zur Verachtung des Menschen?" Eggert Blum (30. März 2017)
Quelle: http://www.badische-zeitung.de/literatur-und-vortraege/eine-vorschule-zur-verachtung-des-menschen--135084067.html

-

Aus: "Martin Heidegger: Die Rektoratsrede" (04.06.2021)
Quelle: https://www.hfph.de/hochschule/lehrende/prof-dr-dominik-finkelde-sj

Vortrag von Dominik Finkelde --> https://de.wikipedia.org/wiki/Dominik_Finkelde
https://youtu.be/vhIzXnzELSk
#13
Quote[...] Wer in den mehr als 500 Briefen gelesen hatte, die seit 2014 im Deutschen Literaturarchiv in Marbach lagern, kannte zwar deren Brisanz, durfte aber auf Geheiß der Heidegger-Erben nicht daraus zitieren (DIE ZEIT  Nr. 11/15. Nun haben die Erben offenbar auf die heftige internationale Diskussion über den Antisemitismus Heideggers in den seit drei Jahren erscheinenden Schwarzen Heften reagiert und einer gekürzten Veröffentlichung der Briefe zwischen 1930 und 1946 in dem jetzt erscheinenden Band Heidegger und der Antisemitismus zugestimmt. Darin sind die philosophischen und politischen Teile der Korrespondenz enthalten.

Sensationell neu ist daran die ungeschminkte Selbstauskunft über die politische Gesinnung. Liest sich Heideggers Antisemitismus in den Schwarzen Heften, einer Art Denktagebuch, noch seinsphilosophisch überhöht, zeigt er sich hier ganz direkt und unverhohlen antisemitisch. Zudem kann man in den persönlichen Briefen detailliert sehen, dass der – anders als bislang gedacht – politisch bestens informierte Freiburger Professor ein früher und leidenschaftlicher Anhänger des Nationalsozialismus ist.

... Das Engagement Heideggers für Hitlers Staat inklusive NSDAP-Beitritt erweist sich als logische Konsequenz eines weltanschaulichen Gesinnungstäters. Keineswegs ist es die Entscheidung eines opportunistischen Karrieristen oder die ahnungslose Verirrung eines Unpolitischen, wie man es jahrzehntelang zur Entlastung des Philosophen hören konnte. Auch dürfte die Annahme eines sehr eigenwilligen Nationalsozialismus Heideggers, der angeblich frei von jedem Rassismus sei, nun endgültig revidiert sein.

... Die Ausfälle Martin Heideggers gegenüber Juden in den Briefen mögen typisch sein für weit verbreitete antisemitische Diskurse und Verschwörungstheorien der Zeit. Bereits 1916 beklagte er gegenüber seiner späteren Frau die "Verjudung unsrer Kultur u. Universitäten", wogegen "die deutsche Rasse" viel "innere Kraft aufbringen" sollte, "um in die Höhe zukommen". Andererseits sind sie im Falle Heideggers besonders widerlich, weil ja nicht nur sein berühmter akademischer Lehrer Edmund Husserl Jude war, weil nicht nur Heideggers Geliebte Hannah Arendt, sondern auch zahllose andere jüdische Schüler in seinen Seminaren saßen: etwa Karl Löwith, Herbert Marcuse, Leo Strauss, Jacob Klein, Werner Brock, sein letzter Assistent vor 1933, Elisabeth Blochmann, Hans Jonas. Es "verschwinden in meinem Fach hier drei Juden", begründet der Professor am 13. April 1933 kühl seine Arbeitsüberlastung. 

Die Parteinahme für das NS-Regime verschwindet nach 1934 aus Heideggers Briefen, der Philosoph hatte nicht so reüssiert wie erhofft und war eher einflusslos geblieben. Zwar erinnert sein Enkel Arnulf Heidegger im Vorwort zur Briefedition daran, dass die Vorlesungen seines Großvaters von den Studenten während des Krieges als mutig und zeitkritisch verstanden wurden. Aber die Briefe beweisen, dass Heideggers Denken keine Läuterung erlebt. Der Krieg ist für ihn analog zum Nationalsozialismus ein Verteidigungskampf von "Abendland" und "Deutschtum" gegen die "große Bedrohung" von "Bolschewismus" und "Amerikanismus" (29. Januar 1943). Er fragt sich, warum "unsere Propaganda" nicht den "Amerikanismus in all seiner Maßlosigkeit" zeigt (7. Juni 1942), um schließlich zu rätseln: "Was der 'Weltgeist' mit den Deutschen vorhat, ist ein Geheimnis. Gleich dunkel ist, warum er sich der Amerikaner und Bolschewisten als seiner Schergen bedient" (18. Januar 1945).

Nach Kriegsende bleibt Heidegger bei dieser Opferidee – für Deutschland und sich selbst. Im Juli 1945 werden "KZ-Leute" – vermutlich meint er KZ-Überlebende – in die Wohnung der Heideggers einquartiert – "wenig schön", so wie die Lage an seiner Universität: "Aber alles ist übel und schlimmer als zur Nazizeit." (23. Juli 1945). Die Vertreibung der Deutschen übersteige "alle organisierten Greueltaten von Verbrechern" vor 1945 (April 1946). Und die Juden? Eine "Heinrich-Heine-Straße finde ich wirklich ganz überflüssig, weil sinnlos in Meßkirch" (31. Juli 1945).

... Kurios mutet der apologetische Stellenkommentar zum Briefwechsel durch Bruno Pieger an, dem auch die in einigen Jahren anstehende Komplettedition in der Gesamtausgabe von Heideggers Schriften übertragen wurde. Schönzureden ist nämlich nichts mehr: Der Fall Heidegger ist ein intellektuelles wie moralisches Desaster deutscher Geistesgeschichte.

...


Aus: "Martin Heidegger: Ein moralisches Desaster" Adam Soboczynski und Alexander Cammann (12. Oktober 2016)
Quelle: http://www.zeit.de/kultur/literatur/2016-10/martin-heidegger-briefe-antisemitismus/komplettansicht

Quotenozomi07 #4

QuoteThibaud #2

Vielleicht ganz interessant zu wissen, das der hochverehrte Heinrich Böll noch 1943, als er in Paris stationiert war, schrieb, dass er dafür bete dass Deutschland den Krieg gewinnen soll. Und von Günter Grass' Verhalten ganz zu schweigen... was war übrigens mit Leutnant Helmut Schmidt


Die Verfehlungen anderer rechtfertigen nichts. Jeder Mensch ist für seine Weltsicht selbst verantwortlich. Gut also, Heidegger an seinen Äußerungen zu messen.
Das gilt heute genauso: In Zeiten, in denen gewisse Gruppen die Demokratie schmähen, Politiker beschimpfen und völkischtümelnd gegen alles Unbekannte hetzen, muss jeder einzelne Mensch sich positionieren. Vor die Zeugenschranke der Geschichte tritt man allein.

"Der hat aber auch..." ist Kindergarten.


Quoteideologophob #6

• Mensch und Werk divergieren allzu oft.
• Skandalisierung aber ist publizistisch ein trefflich schlagzeilenträchtiges Instrument.
• Wenn schon eine – auch menschlich-moralische – Einschätzung Heideggers angezeigt sein sollte, dann lieber durch die Jüdin Hannah Arendt.
• Und wir empörungs-versessenen Deutschen sollten nicht vergessen:
• Aufführungen von Werken des ausgewiesenen Antisemiten Richard Wagner werden mittlerweile selbst in Israel – u.a. durch den jüdischen Dirigenten und Pianisten Daniel Barenboim – möglich.


QuoteRichard Kurt #6.5

Zustimmung, Werk und Person muss man bei Autoren zumeist trennen. Über Heideggers politisch taktierendes und wohl auch menschlich problematisches Verhalten hat sich Hannah Arendt differenziert geäussert. Durch lustvollles Entlarven und Denunzieren aber können sich Nachgeborene mit dem Anschein moralischer und intellektueller Überlegenheit aufblasen.


QuoteLeas Kaech #7

Bin bereits heute gespannt, wie das Feuilleton in 70 Jahren die Äusserungen der kritiklosen Anhängerschaft neoliberaler Wirtschaftspolitik rezipieren und moralisch beurteilen wird. Rückblickende Urteile sind nun einmal einfacher zu formulieren als vorausschauende Einschätzungen.


Quotetruce #12

Das wahre Ausmaß des Heideggerschen Antisemitismu/Rassismus und seiner eventuellen späteren reuevollen Kehre sei dahingestellt, aber was mich am meisten bestürzt ist die Tatsache, dass weder die umfassende humanistische Bildung Heideggers noch die Tiefe seines Denkens eine derartige Weltanschauung verhindern konnten. Offenbar schützen Bildung und Denken auch nicht vor dem Erwecken monströser nationalistischer und gewalttätiger Triebe. Da wo das Abendland ganz nah bei sich und seiner Kultur ist, scheint es schon dunkle Nacht zu sein...


...
#14
"Halluzination eines philosophischen Rätsels"  Jan Süselbeck (26.04.2014)
Peter Trawny und das deutsche Feuilleton wundern sich über Martin Heideggers Antisemitismus - Thomas Assheuer, Feuilleton-Redakteur der ,,Zeit", fasste sich an den Kopf: ,,Wie konnte es geschehen, dass sich ein deutscher Philosoph – nach Lessing und Kant, nach Heine und Hegel – bei vollem Bewusstsein in die globale Vernichtung hineinfantasierte und die Auslöschung der vom undeutschen Geist verdorbenen Welt zum Letztbeweis für die ,Größe des Seyns' veredelte?" Die Antwort war so schwer nicht zu finden, wie zumindest Jürgen Kaube in der ,,Frankfurter Allgemeinen Zeitung" fand: ,,War Martin Heidegger ein Nationalsozialist? Die Antwortet lautet schon lange: ja. [... ] War Martin Heidegger Antisemit? Die Antwort lautet spätestens von heute an: ja." ... Was war passiert? Wie kam es, dass man selbst in der ,,F.A.Z" dermaßen klare ideologiekritische Bemerkungen zu lesen bekam? Grund war die Publikation von Martin Heideggers ,,Schwarzen Heften", über die bereits im letzten Jahr debattiert worden war. Nun aber lagen sie endgültig vor, und das Feuilleton kam nicht umhin, sich den Fakten zu stellen. ...
http://www.literaturkritik.de/public/rezension.php?rez_id=19158

"Martin Heideggers Schwarze Hefte - Die Endschlacht der planetarischen Verbrecherbanden" Jürgen Kaube (12.03.2014)
Der Philosoph Peter Trawny hat die die Schwarzen Hefte von Martin Heidegger herausgegeben, in denen sich seine antisemitischen Notizen finden. Es sind Dokumente der Niedertracht.
http://www.faz.net/aktuell/feuilleton/buecher/martin-heideggers-schwarze-hefte-beweisen-den-antisemitismus-des-philosophen-12844017.html

jungle-world.com - Archiv - 13/2014 - Dschungel - Die Debatte über Martin Heideggers Antisemitismus
Die Debatte um die »Schwarzen Hefte« zeigt, dass die Heidegger-Rezeption auch dafür ein Paradigma darstellt: Er war nach solchem Verständnis so wenig Antisemit, wie es der ist, der Israel kritisiert: Man wolle ja nicht die Juden verfolgen, sondern nur die Souveränität ihres Staates, ihre alles verschlingende »Rechenfähigkeit« und »Weltlosigkeit«. ...
https://jungle.world/artikel/2014/13/49588.html

"Eine neue Dimension" Peter Trawny (DIE ZEIT Nº 01/2014)
Die antisemitischen Aussagen Heideggers sind schwer erträglich, findet der Herausgeber der "Schwarzen Hefte" Peter Trawny – und sieht sich einer Medienkampagne ausgesetzt. ...
http://www.zeit.de/2014/01/heidegger-schwarze-hefte-herausgeber-peter-trawny

Buchvorstellung - Vittorio Klostermann: Heideggers »Schwarze Hefte«
Gespräch zwischen Jürgen Kaube (FAZ) und Peter Trawny (Herausgeber) über die brisanten Denktagebücher 1931 -- 1941
Mittwoch, 12. März 2014 19.00 Uhr - Deutsche Nationalbibliothek ...

http://www.youtube.com/watch?v=Wnqk6cYbzFU

Gert Scobel im Gespräch mit Rüdiger Safranski und Peter Trawny (2014)
http://www.youtube.com/watch?v=CWjfYRypTHw

"Martin Heideggers ,,Schwarze Hefte" Der Deutsche nur kann das Sein neu sagen"  Jürgen Kaube (20.02.2014)
... die erste Lieferung der Schwarzen Hefte dokumentiert in enormer Fülle das intellektuelle Desaster des Philosophen. Wir lesen, wie er Maßlosigkeit in Größe umdeutet, Isolation in Voraussein, Ahnunglosigkeit in Darüberstehen und pure Einbildung in gedankliche Radikalität. Wer am Autor von ,,Sein und Zeit" und der Marburger Vorlesungen etwas finden kann, auf den wartet hier eine ebenso aufschlussreiche wie deprimierende Lektüre. ...
http://www.faz.net/aktuell/feuilleton/martin-heideggers-schwarze-hefte-der-deutsche-nur-kann-das-sein-neu-sagen-12810625.html

Schwarze Hefte ist die Bezeichnung für die schwarz eingebundenen Denktagebücher des Philosophen Martin Heidegger, die er von 1931 bis 1975 mit postumer Publikationsabsicht erstellte. Seine Aufzeichnungen sollen in geplanten neun Bänden (fast 1300 Seiten) erscheinen und die Gesamtausgabe abschließen.
https://de.wikipedia.org/wiki/Schwarze_Hefte
#15
Quote[...] Es ist eine ganze Mafia von Tarn- und Briefkastenfirmen, die wie russische Puppen ineinander geschachtelt ein Netz aus Seilschaften aufrechterhalten, das konstruiert wurde, um ein kohärentes Bild von etwas zu illusionieren, was es nie gegeben hat: Das Sein.

Das Sein ist ein Konstrukt. Das Sein hat es nie gegeben. Das Sein ist ein Mythos. Heidegger hat sich in diesem alles letztendlich begründenden Begriff verloren. Es ist der Begriff des Begründens selbst. Warum? Weil das eben so ist.

Das Sein ist der letzte Grund, es ist der Grund des Grundes und der Grund des Begründens. Geist ist Sein. Bewusstsein ist Sein. Idee ist Sein. Sprechen ist Sein. Deskartes murmelte ,,Ich denke, also bin ich". Er meine vielleicht: ,,Ich bin hier, bei mir, ganz allein und ich kann zu mir sagen: ,,Ich denke, also bin ich"" was nichts anderes meint als: ,,Ich denke, also höre ich mich selber sprechen". ,,Ich höre mich in dem Moment sprechen, in dem ich spreche, also bin ich ganz bei mir selbst." Was man wiederum übersetzen könnte mit: ,,Ich bin hier und keiner kann mich hören, nur ich mich. Keiner kann meine Existenz bezeugen, aber ich kann es, denn ich höre mich sprechen."


Aus: "Onkel mspro erklärt die Dekonstruktion" (29.9.06)
Quelle: http://mymspro.blogspot.com/2006/09/onkel-mspro-erklrt-die-dekonstruktion.html

-

QuoteDie Zeit-Begriffe in HEIDEGGERs ,,Sein und Zeit"

(1) der vulgäre Zeit-Begriff (die objektive Zeit) mit folgenden Merkmalen:
• ,,Vorhandenheit"
• endlose Kette von Jetzt-Punkten
• Gleichwertigkeit aller Punkte


(2) die subjektiv-uneigentliche Zeitlichkeit:
• Verfallenheit des ,,Man" an die Gegenwart und ihre Kleinigkeiten


(3) die subjektiv-eigentliche Zeitlichkeit ein Ganzes mit drei ,,Ekstasen":
• Zukunft (,,Vorlaufen zum Tode")
• Gewesenheit (Akzeptanz unserer ,,Geworfenheit")
• Gegenwart (Augenblick, ,,Entschlossenheit")


Aus: "Die Zeit-Begriffe in HEIDEGGERs ,,Sein und Zeit"" (Datum (?); Autor (? / uni-rostock.de))
Quelle: http://www.uni-rostock.de/fakult/philfak/fkw/iph/thies/Heidegger.pdf

-

Quote[...] Die Frage kann nicht lauten: wodurch gewinnt das Dasein die
Einheit des Zusammenhangs für eine nachträgliche Verkettung
der erfolgten und erfolgenden Abfolge der »Erlebnisse«, sondern:
in welcher Seinsart seiner selbst verliert es sich so, daß es sich
gleichsam erst nachträglich aus der Zerstreuung zusammenholen
und für das Zusammen eine umgreifende Einheit sich erdenken
muß?

[...] Daß die Historie wie jede Wissenschaft als eine Seinsart des
Daseins faktisch und jeweils von der »herrschenden Weltanschauung«
»abhängig« ist, bedarf keiner Erörterung, über dieses
Faktum hinaus muß jedoch nach der ontologischen Möglichkeit
des Ursprungs der Wissenschaften aus der Seinsverfassung des
Daseins gefragt werden. Dieser Ursprung ist noch wenig durchsichtig.




Aus: "SEIN UND ZEIT" Von MARTIN HEIDEGGER (Elfte, unveränderte Auflage 1967)
Quelle: http://hudsoncress.org/html/library/western-philosophy/Heidegger,%20Martin%20-%20Sein%20und%20Zeit.pdf

#16
Quote[...] Da sich unsere gegenwärtigen Techniken nur noch selten direkt auf die Natur beziehen, sondern zunächst auf andere Techniken und deren Nebenfolgen, ist Technik in einem wesentlichen Sinne "nachnatürlich" (Gehlen 1986) geworden; sie bildet gerade deshalb unsere neue Natur. Jede abstrakte Gegenüberstellung von Technik und Kultur muss vor diesem Hintergrund scheitern. Technik präsentiert sich nicht länger als Anderes der Kultur sondern als Medium oder Verlaufsform des Kulturellen selbst. Als unseren gesamten Alltag durchdringende Technologie verwandelt sie sich spätestens seit der zweiten industriellen Revolution in eine symbolische Form, in ein Medium der Deutung. Bereits Martin Heidegger weist auf die welterschließende ("entbergende") Leistung der Technik hin, die ihren bloßen Mittelcharakter übersteigt (Heidegger 1979). In der Technologie zeigt uns die Technik ein geistiges Gesicht, sie wird zum materialisierten logos.

...


Aus: "Skizze des Forschungsvorhabens: Cyberfiktionen - Technik und kollektive Einbildungskraft" Andreas Hetzel (Datum ?)
Quelle: http://www.philosophie.tu-darmstadt.de/fileadmin/phil/Prof_Mitarb/das-technisch-phantasmatische.pdf
#17
Quote[...] Ziel der Etymologie: In jedem Wort sind Lautgestalt, Bedeutung und Gebrauch untrennbar ineinander verflochten. Jeder dieser Bestandteile ist zeitlich und örtlich Änderungen ausgesetzt (von Generation zu Generation, von Ort zu Ort, von Person zu Person, in verschiedenen Lebensabschnitten). Daher muss sich die Suche nach dem ,,Etymon" eines Wortes auch mit dem Wandel befassen, dem es von Beginn an örtlich und zeitlich unterworfen war. Insofern sucht Etymologie nicht normativ ,,vorschreibend" ein verbindliches Soll (,,jetzt und immer einzig richtig"), sondern trägt deskriptiv ,,beschreibend" Spuren zusammen (,,dort und damals so gesprochen und so gemeint").


Aus: "Etymologie" (10/2006)
Quelle: http://de.wikipedia.org/wiki/Etymologie

-

Quote[...] Wahre Kunst ist immer unwahr. Dieses Paradox sollte auf jeweils andere Weise für die Anschauung Heideggers und Nietzsches, und zuletzt auch noch für Platons Auffassung von Kunst zutreffen. Das Verhältnis von Kunst und Wahrheit hängt von der Definition von Kunst ab und den Erwartungen, die man an sie stellt. Platon spaltet den Kunstbegriff.

a) in die techne, in deren Ausübung der Künstler nur mimetes sei und bleibe, ein Nachahmer, der nur in dritter Rangfolge am wahren Sein der Idee teilhabe (wohingegen der Handwerker als Verfertiger von wirklichen Gegenständen der wahren Idee näherstehe).

b) sowie in to kalon, das Schöne: diese Schönheit sei es, welche den eros anrege und mittels dieses eros den Übergang zum wahren Sein in der Idee bewirke.


Bruchstück aus: "Heidegger und Nietzsche" (2. Zum Zwiespalt zwischen und zur Rangfolge von Kunst und Wahrheit) Von Helmut Walther (Nürnberg; Datum: ?)
Quelle: http://www.virtusens.de/walther/heidegg.htm

-

Quote[...] Dem "Verstehen" räumt Heidegger in seinem Werk eine zentrale Position ein. In seinem Hauptwerk Sein und Zeit von 1927 lautet der Titel des § 31 Das Da-sein als Verstehen. "Verstehen" ist als "universale Bestimmtheit des Daseins" anzusehen. Nach Heidegger sind die Menschen in diese Welt "geworfen". Unmittelbar erfahrbar ist für sie nur, daß sie sind. Woher alles kommt und wohin alles führt, das bleibt im Dunkeln. Nur der Tod ist gewiß. Heidegger nennt dies "das Sein zum Tode". Dieses "Sein" konstituiert nun zusammen mit der "Befindlichkeit" - zu denken wäre etwa an 'die Furcht' - das "Verstehen". Dieses "Verstehen" zielt auf das Verständnis der Welt, der anderen und meiner selbst. Es ist ein "fundamentales Existential" (eine Kategorie des menschlichen Seins), sozusagen ein primäres Verstehen, von dem das "Verstehen" im Sinne einer möglichen Erkenntnisart unter anderen, etwa unterschieden von "Erklären", nur abgeleitet ist.


Aus: "Martin Heidegger" (3. Regeln und Probleme des Textverstehens: Hermeneutik >> 2. Positionen der allgemeinen / philosophischen Hermeneutik; DS und JV; Datum: ????)
Quelle: http://www.uni-essen.de/literaturwissenschaft-aktiv/Vorlesungen/hermeneutik/heidegger.htm

#18
Quote[...] Während die Frage, ob Heidegger - wenigstens zeitweise - ein Nationalsozialist war, weitgehend bejaht wird, ist die andere Frage, ob sein Denken vom Faschismus beeinflusst ist, umstritten.

Prominente Positionen vertreten u.a. Jürgen Habermas, der im Werk vor 1933 eher Potentiale des Widerstands sieht, oder Derrida, der die Schriften nach 1945 aufgrund ihrer radikalen Lösung von der traditionellen Metaphysik für antifaschistisch hält, ansonsten aber Heidegger auch harsch kritisiert, nicht ohne die Notwendigkeit zu betonen, ihn zu lesen. Hannah Arendt hielt Heidegger neben Jaspers für den größten zeitgenössischen Philosophen, attestierte ihm jedoch 1949 in einem Brief an Jaspers Charakterlosigkeit, in dem Sinne, ,,daß er buchstäblich keinen hat, bestimmt auch keinen besonders schlechten." (Arendt/Jaspers. Briefwechsel. B. 29. September 1949)

Heidegger selbst schrieb: ,,Wer groß denkt, irrt groß".


Aus: "Martin Heidegger" (Stand: 10/2006)
Quelle: http://de.wikipedia.org/wiki/Martin_Heidegger

---

Quote[...] Wo "Geschick" waltet, darf keine Schuld sein: Martin Heideggers "Schwarze Hefte"sind eine erschreckende Lektüre. Der Band von 1942 bis 1948 zeigt, wie tief das Nazi-Denken bei dem Philosophen reicht.

Die neueste Lieferung der "Schwarzen Hefte" ist gruselig. Es wimmelt von "Grimm", dem "Bösen", "Bösartigen", von "Grausamkeit", "verbrecherischem Wahnsinn", "Selbstvernichtung", "Kz", "Gaskammern", vom "Hinmorden" usw. Es liegt uns hier ein Zerrspiegel der deutschen Geschichte von 1942 bis 1948 vor, aus dem uns die Maske eines unversöhnlichen Nazidenkens angrinst. Ein "Spiegelspiel", wie Heidegger dies selber nennt.

... Schuld und Entschuldigung gibt es im Universum des Seynsdenkens nicht: "Das Verhängnis der Kriege lässt sich moralisch-politisch nicht erklären; alle Perspektiven der Beschuldigung und Entschuldigung tragen zu kurz." Heidegger sieht im "Richten" der Verbrecher nach dem Krieg eine "größere Anmaßung" als im Verbrechen selber, unterstelle dies doch Schuld, wo Geschick walte.

All dies dient aus psychologischer Perspektive dem Aufbau eines Wahnsystems zur Selbstverherrlichung und -rechtfertigung des Seynsdenkers Heidegger, der dem Nationalsozialismus zutraute, die Deutschen zur totalen Weltmacht des Denkens zu machen. Er nennt dies "Weltwollen".

Dies alles wäre aberwitzig genug. Wenn da nicht auch noch eine zumindest indirekte Billigung, ja Rechtfertigung der Konzentrationslager wäre. Die "Westmächte" seien nämlich noch schlimmer als die Nazis, weil sie aus Deutschland nun ein riesiges KZ machten, in dem schleichend das Seynsdenken ermordet werde.

Die Deutschen am "Weltwollen" zu hindern, sei eine "Kollektivschuld", deren Größe gar nicht – im Wesen nicht einmal am Greuelhaften der "Gaskammern" – gemessen werden könnte; eine Schuld – unheimlicher denn alle öffentlich "an-prangerbaren" "Verbrechen", die gewiss künftig keiner je entschuldigen dürfte. Ahnt "man", dass jetzt schon das deutsche Volk und Land ein einziges "Kz" ist – wie es "die Welt" allerdings noch nie "gesehen" hat?

Widerwärtig ist die These einer Selbstvernichtung der "Judenschaft". Die Judenschaft sei "im Zeitraum des christlichen Abendlandes, d. h. der Metaphysik, das Prinzip der Zerstörung". Dies gipfele in Marx. Mit "Antisemitismus" soll das ausdrücklich nichts zu tun haben.

"Wenn erst das wesenhaft 'Jüdische' im metaphysischen Sinne gegen das Jüdische kämpft, ist der Höhepunkt der Selbstvernichtung in der Geschichte erreicht; gesetzt, dass das 'Jüdische' überall die Herrschaft vollständig an sich gerissen hat, so dass auch die Bekämpfung 'des Jüdischen' und sie zuvörderst in die Botmäßigkeit zu ihm gelangt." Doch nicht nur die Juden vernichten sich selber, indem ihr Denken, also die Metaphysik, die Technik hervorgebracht habe, die man im KZ gegen sie einsetzt.

... Die historisch-kritische Heidegger-Forschung kann jetzt erst eigentlich einsetzen. Wir haben nun den Abstand, den es dazu braucht, und wir haben überhaupt erst die Texte. Außerdem wäre da noch Heideggers enorme Wirkungsgeschichte, der wir uns stellen müssen. Kaum ein Zweiter hat mit seiner Arbeit die Philosophie weltweit seit den Zwanzigerjahren des letzten Jahrhunderts mehr beeinflusst – wider Willen vor allem den Existenzialismus, die Dekonstruktion, Psychoanalyse und die logisch geschulte Ontologie. Davor dürfen wir die Augen nicht verschließen.


Aus: ""Schwarze Hefte" Heideggers widerwärtige Thesen über den Holocaust" Markus Gabriel (28.03.15)
Quelle: http://www.welt.de/kultur/literarischewelt/article138868550/Heideggers-widerwaertige-Thesen-ueber-den-Holocaust.html
#19
Martin Heidegger (* 26. September 1889 in Meßkirch; † 26. Mai 1976 in Freiburg im Breisgau) war ein deutscher Philosoph. Er stand in der Tradition der Phänomenologie vornehmlich Edmund Husserls, der Lebensphilosophie insbesondere Wilhelm Diltheys sowie der Existenzdeutung Søren Kierkegaards, die er in einer neuen Ontologie überwinden wollte. Die wichtigsten Ziele Heideggers waren die Kritik der abendländischen Philosophie und die denkerische Grundlegung für ein neues Weltverständnis.
1926 entstand sein erstes Hauptwerk Sein und Zeit, das die philosophische Richtung der Fundamentalontologie begründete (publiziert 1927).
https://de.wikipedia.org/wiki/Martin_Heidegger

---

Quote... Die allgemeine Lehre vom Sein bzw. dem Seienden, sofern diesem Wirklichkeit zugesprochen werden kann und es dem menschlichen Geist zugänglich erscheint.
Parmenides schrieb als erster ein Lehrgedicht (um 515/510 v. Chr.) und begründete damit eine Literaturgattung, die in der Antike weit verbreitet war. Für ihn ist der Geist oder die Vernunft ein Organ der "Seinswahrnehmung". "Geistiges Wahrnehmen und Sein sind dasselbe". Parmenides machte das Sein zum Grundwort der Philosophie und die Philosophie in ihrem Kern zur Ontologie

[...] Als grundlegender Teil der Metaphysik hat die Ontologie die Aufgabe, die letzten Strukturen der Wirklichkeit aufzudecken [...] Wenn vielleicht der direkte Weg zur Wahrheit nicht über die Sprache führt, so bleibt sie dennoch für uns der Ausgangspunkt [...] Wesentlich ist dabei die Unterscheidung zwischen begrifflicher und überbegrifflicher Erkenntnis [...] die digitale Technologie ist selbst in erster Linie eine Weise des menschlichen Denkens, wie es dem Sein übereignet ist. Es gibt eine stufenweise Abstraktion vom natürlich Gegebenen zum Geometrischen (das noch ästhetisch, aber ortlos ist) und dann weiter zum Mathematisch-Arithmetischen (das weder ästhetisch noch verortet noch positioniert ist). Erst bei der zweiten Ablösung wird die Berechnung völlig vom natürlich Seienden befreit. Und es ist dieses abgelöste berechnende "Denken", das dann durch die digitale Technologie (die bereitgestellten Rechenmaschinen) ausgelagert und so selbständig gemacht wird [...]



Vgl. Parmenides, Fragmente, Lehrgedicht, Fragment B 3 (nach der Zählung Diels/Kranz: DK 28 B 3).

#20
Quote[...] Schülerinnen und Schüler an öffentlichen Schulen im US-Bundesstaat Texas müssen künftig Geschichten aus der Bibel lesen. Die von Republikanern kontrollierte Bildungsbehörde von Texas billigte am Freitag eine neue Liste mit der Pflichtlektüre für mehr als fünf Millionen Schülerinnen und Schüler. Darin sind neben klassischen Werken auch Passagen aus der Bibel zu finden – etwa aus dem Neuen Testament und Auszüge aus dem Buch Hiob.

Die USA seien schon immer »eine christliche Nation« gewesen, begründete Brandon Hall von der Schulbehörde die Entscheidung. Die Einführung erfolgt demnach schrittweise und soll im Jahr 2030 mit den Grundschülern beginnen, die zunächst Bilderbuchgeschichten über David und Goliath und Daniel in der Löwengrube lesen müssen und ab der vierten Klasse auch Passagen über Jesus aus dem Neuen Testament.

Die Vorschrift sorgt für heftige Debatten im Bundesstaat. Befürworter plädieren seit Langem dafür, christliche Lehren in den Schulunterricht zu integrieren. Kritiker hingegen fordern eine klare Trennung zwischen Kirche und Staat: Die Regelung schränke das Recht von Schulen und Lehrenden ein, selbst über die Bücher zu entscheiden, die im Unterricht gelesen werden.

Vor einem Jahr hatte das von Republikanern dominierte texanische Parlament bereits beschlossen, dass in jedem Klassenzimmer dauerhaft »ein Poster oder eine umrahmte Darstellung« mit den biblischen Zehn Geboten hängen muss.



Aus: "US-Bundesstaat Texas führt Bibel-Lesepflicht in Schulen ein" (27. Juni 2026)
Quelle: https://www.zeit.de/politik/ausland/2026-06/usa-bundesstaat-texas-bibel-pflichtlektuere-schule

QuoteGenitiv

Bei uns gibt es doch auch Religionsunterricht seit Jahr und Tag. Ist doch gut, wenn man sich über Religionen informiert. Dann hat man wenigstens gute Argumente Religionen abzulehnen.

Von daher ist es nicht schlecht.


QuoteKommentaR6a

Wir sind im 21.Jahrhundert oder....


QuoteMein_Zeit_Forum

Es überrascht mich hier schon, dass die Mehrheit der Foristen hier so aufgebracht reagiert.

In Deutschland gibt es auch Religionsunterricht. Allerdings mit Alternativen. Wichtig ist hierbei, dass Religion sachlich und neutral unterrichtet wird. Und darauf hat der Staat ja Einfluss. Das "reine Lesen" aus "Geschichtsbüchern" wie Neues oder altes Testament ist per se noch nicht schlecht oder gefährlich.

P.S.:

Ich bin für die Abschaffung des Religionsunterrichtes und würde als Pflicht-Ersatz Ethik/Philosophie/Religionsgeschichte lieber sehen.


QuoteAntifa_ist_Bürgerpflicht

Zum 1. Juni 2018 wurde die Allgemeine Geschäftsordnung für die Behörden in Bayern (AGO) in die folgende Fassung geändert:

,,§ 28 (Anbringen von Kreuzen in Dienstgebäuden) Allgemeine Geschäftsordnung für die Behörden des Freistaates Bayern Im Eingangsbereich eines jeden Dienstgebäudes ist als Ausdruck der geschichtlichen und kulturellen Prägung Bayerns gut sichtbar ein Kreuz anzubringen."

https://de.wikipedia.org/wiki/Kreuzerlass


QuoteA-F

Interessant ist dabei die politische Dynamik. Texas untermauert damit seinen Ruf als Vorreiter einer konservativ-christlichen Wende in den US-Klassenzimmern, nachdem dort bereits die Erlaubnis für Schul-Seelsorger (Chaplains) und das verpflichtende Aufhängen der Zehn Gebote beschlossen wurden.

Am Ende geht es bei solchen Gesetzen in Texas oft gar nicht primär darum, ob sie die jahrelangen, teuren Rechtsstreite durch alle Instanzen bis zum Supreme Court überstehen. Der eigentliche Zweck ist meistens schon im Moment der Unterschrift erfüllt. Es zeigt der konservativen Wählerschaft im eigenen Bundesstaat, dass man im ,,Kulturkampf" an vorderster Front kämpft. Selbst wenn ein Gesetz gekippt wird, lotet man die Grenzen dessen aus, was unter der aktuellen, sehr konservativen Besetzung des Obersten Gerichtshofs der USA möglich ist.


...