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"Kaufpreise für Wohnungen in Berlin um mehr als 15 Prozent gestiegen" (17. Juli 2018)
In deutschen Großstädten sind die Preise für Eigentumswohnungen im vergangenen Jahr deutlich gestiegen. In der Hauptstadt Berlin verteuerten sich die Wohnungen besonders stark, zeigen Daten des Verbands deutscher Pfandbriefbanken, über die die Zeitschrift Finanztest berichtete.
Die Preise für Wohnungen in Berlin stiegen demnach von Ende 2016 bis Ende 2017 im Schnitt um 15,6 Prozent. Frankfurt am Main liegt mit einem Anstieg von 12,5 Prozent auf Platz zwei, gefolgt von Hamburg (11,4), Stuttgart (11,3) sowie Köln (10,8 Prozent). Im bundesweiten Schnitt hätten Käufer von Eigentumswohnungen Ende 2017 sieben Prozent mehr zahlen müssen als ein Jahr zuvor. Basis der Berechnungen sind tatsächlich abgeschlossene Kaufverträge, nicht Annoncen oder Maklerumfragen.
Orte, an denen Wohnimmobilien nicht oder nur wenig teurer wurden, gibt es nach den ausgewerteten Daten nur noch in Ostdeutschland. Zum Beispiel kosteten Eigentumswohnungen in Frankfurt (Oder) binnen Jahresfrist nur 0,9 Prozent mehr, im Raum Görlitz 1,7 oder im Kreis Vorpommern-Greifswald 2,1 Prozent.
... Neben dem Trend zur Geldanlage in Sachwerte treiben vor allem die extrem niedrigen Zinsen sowie die gute Lage auf dem Arbeitsmarkt die Nachfrage nach Immobilien an. Zugleich hält die Anzahl der Neubauten nicht mit der Nachfrage Schritt. Der Internationale Währungsfonds (IWF) warnte erst kürzlich vor der potenziellen Gefahr einer möglichen Immobilienblase. Der Preisanstieg bei Immobilienpreisen habe in Deutschlands "dynamischsten Städten eine genaue Beobachtung verdient", hieß es in einem IWF-Länderbericht. Die globale Finanzkrise 2008/2009 hatte ihren Ausgangspunkt auf dem US-Immobilienmarkt, wo die Preise nach jahrelangem Boom kollabierten. ...
https://www.zeit.de/wirtschaft/2018-07/immobilienmarkt-berlin-wohnungen-kaufpreise-anstieg

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Hans mit Wurst #8

Interessant wäre es einmal die Käufer aufzuschlüsseln. Hat da der normale Bürger sich den teuren Traum vom Eigenheim erfüllt oder machen hier große Investoren und Holdings ihren Reibach?


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Durex #8.5

Es sind in erster Linie Kapitalgesellschaften und Rentenfonds, die die Immobilien - auch Wohneigentum - in Deutschland aufkaufen, da D. verhältnismäßig preiswert in diesem Segment war, und man bei Wohnungen davon ausgehen kann, dass immer Kapitalertrag (Miete) reinkommt.
Seitdem auf den Kapitalmärkten dank Dragis Nullzinspolitik es keine Zinsen mehr gibt, wird halt in andere, ertragreichere Gebiete investiert.
Was sollen Rentenfonds auch machen, wenn sie ihren Einzahlern (das können durchaus einige der Mieter sein) im Alter ein Plus gewähren wollen?


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MowKow #8.6

Nicht nur die - Inzwischen haben auch ausländische Privatleute den deutschen Immobilienmarkt als Investmentvehikel für sich entdeckt
In meinem Eingangsbereich (Neubau 12/2017, München) gingen 4 von 16 Wohnungen an Chinesen die Diese vermutlich noch nie in ihrem Leben gesehen haben (ausser im Hochglanzprospekt)
Wer wissen will wohin die Reise geht braucht sich nur in Sydney oder London mal umschauen


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Für mehr Substanz #9

Wohneigentumquote Deutschland: 51%
Wohneigentumquote Griechenland: 73%

https://de.statista.com/statistik/daten/studie/155734/umfrage/wohneigentumsquoten-in-europa/

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K. Wumm #9.5

Wohneigentumquote Schweiz: 42%
Wohneigentumquote Rumänien: 96%

Und nun?


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ahlibaba2 #10

Die Blasenbildung in Immobilienvermögen ist unübersehbar. Offenkundig reagiert unsere allseits geschätzte Regierung auf diese Verwerfungen nicht, weil sie die Blasenbildung in etwas Wünschenswertes umgedeutet hat. Sind nicht die Immobilienpreise jahrelang gar nicht gestiegen? Besitzen die Deutschen nicht im Durchschnitt im europäischen Vergleich ein nur geringes Vermögen? Sorgt nicht die Vermögenspreisinflation erst für den "Megaboom" in deutschen Großstädten, unterstützt nicht die Teuerung der Lebensverhältnisse erst den Zwang zur Arbeit und den Druck zur Lohninflation? Der Zynismus, den Ökonomen an den Tag legen, wenn sie dieses Phänomen umarmend kapitulieren, kennt keine Grenzen. Die Immobilienpreisinflation ist das, was redliche Ökonomen vor einigen Jahren noch nicht nachhaltiges Wirtschaften genannt hätten. Doch was interessiert sie ihr Geschwätz von gestern?

Auch ist offenkundig, dass gerade in Berlin die Stadt an der Immobilienblase verdient, indem sie Steuereinnahmen aus den Immobilientransaktionserlösen bezieht. Es besteht in Berlin ein krasses System von Fehlanreizen, die eine politische Begrenzung der Blasenbildung behindern. 30.000 Leute leben in Berlin auf der Straße, aber die neu gebaute Wohnfläche ist rückläufig. Das ist stadtplanerisch eine Kapitulation.

"Deutschlands erstes Slum" in Kreuzberg wird übrigens derzeit mit Luxuswohnungen bebaut. Die Regierung hat die Behausungen dieser Leute einfach platt gemacht, wie in einem Drittweltland.


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mounia #10.1

So ist es. Schöne Grüße aus Kreuzberg.


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Gemütsarmer #10.2

Vor der Wende war Berlin ein Bundesland oder Stadtstaat. Nachdem Berlin zur Hauptsstadt würde hatte das in vielerlei Hinsicht Konsequenzen. Umzug der Regierung von Bonn nach Berlin. Umzug grösser Teile der Administration und Verwaltung plus Ministerien. (Natürlich wurde den Bonnern versprochen das die Ministerien und Verwaltungen in Bonn bleiben nur wer glaubt den Blödsinn dass dies auf Dauer so bleibt es ist nur eine Frage der Zeit bis alle Verwaltungen etc. in Berlin zentralisiert werden). Umzug der Botschaften, der Landesvertretungen, der Fachverbände, der Lobbygruppen etc. Das sind schon Zigtausende Gutverdiener mit Anhang die plötzlich nach Berlin kommen die über viel Geld verfügen. Allein das treibt schon kräftig die Preise nach oben. Dann weitere Zigtausende junge Personen als Zuzug die im Medien, Internetbuisness tätig sind. Dann Zuwanderung von Flüchtlingen, Zuzug von Personen die vom Land in die Stadt wollen. Hier raus resultiert zwangsläufig eine Wohnungsknappheit da Flächen und Wohnraum begrenzt sind und egal was die Politik macht solange der Zuzug anhält werden die Preise steigen. Das einzige was helfen würde wäre eine Abwanderung aus der Stadt.


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Kunst (Art on the net) / kuenstler selbst...
« on: Yesterday at 05:38:30 PM »
Joseph Heinrich Beuys (* 12. Mai 1921 in Krefeld; † 23. Januar 1986 in Düsseldorf) war ein deutscher Aktionskünstler, Bildhauer, Zeichner, Kunsttheoretiker und Professor an der Kunstakademie Düsseldorf. Beuys setzte sich in seinem umfangreichen Werk mit Fragen des Humanismus, der Sozialphilosophie und Anthroposophie auseinander.
https://de.wikipedia.org/wiki/Joseph_Beuys

Joseph Beuys - Grösse des Denkens
Joseph Beuys anlässlich seines Besuchs im "Club 2" am 27.01.1983. Weitere Gäste u.a.: der österreichische Komponist György Ligeti sowie der Kunst- und Medientheoretiker Peter Weibel. Gesprächsleitung: Adolf Holl.
https://www.youtube.com/watch?v=diTJuJ9IXXw

Adolf Holl debattiert in einem legendären 'Club 2' mit Joseph Beuys, dem österreichisch-ungarischen Komponisten György Ligeti, der Kunstkritikerin Annelie Pohlen, Kunst- und Medientheoretiker Peter Weibel und der Kunsthistorikerin Hildegard Fässler über das Thema "Kunst oder Schwindel?" Weitere Themen: Kunstvermittlung, Inspirationskulturen, Individuation, "Warum tragen Sie den Hut?", Theorie & Kunst, Soziale Kunst, Verstehen von Kunst, "Wie man dem toten Hasen die Bilder erklärt", Grösse des Menschen, Märchen, höhere Formen des Denkens, Kunst & Leben, Intuition, ein "Bildexperiment" und das Nicht-Verstanden-Werden (ORF 27.01.1983).
https://youtu.be/J6pS7H_24CE

Joseph Beuys - Interview (1980)
Über den erweiterten Kunstbegriff, Biografisches, den Willen im Denken, seine tiefe seelische Krise, den gewandelten Kapitalbegriff & die Kandidatur bei den Grünen ("Lebensläufe", 1980)
https://youtu.be/f4aUOYBMy6Y

Joseph Beuys und Michael Ende auf der Suche nach dem sozialen Künstler
Ausschnitte aus einer Veranstaltung der Freien Volkshochschule Argental vom 10.02.1985 "Diese Menschen, die sich heute an einen Tisch setzen, wollen sozusagen aus der Sache heraus dasjenige aus dem Kosmos zurück auf die Erde bringen, was ihnen der Materialismus von ihrem eigenen Wesen abgeschnitten hat. Im Zurückbringen desjenigen Teils das diese Menschen wieder herunterreißen müssen in einer gewaltigen Kraftanstrengung gegenüber den Mächten, die das nicht wollen, besteht eben die allergrößte Verantwortung im Bezug auf die Genauigkeit von Wahrnehmen einerseits der Phänomene, die im Spiele sind, also in der Auseinandersetzung mit dem Vorgegebenen, also mit dem, was sich etabliert hat und mit demjenigen, was in die Zukunft führen soll. [...]"
https://www.youtube.com/watch?v=QwON1Zd9XwQ

Beuys vs Gehlen: Kunst - Antikunst
Diskussion zwischen Joseph Beuys und Arnold Gehlen. Vom 27.01.1970.
https://www.youtube.com/watch?v=2VLsaY4KGYs

https://www.youtube.com/user/beuystv/videos

https://www.youtube.com/user/BeuysKanal/videos

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Kunst (Art on the net) / kuenstler selbst...
« on: Yesterday at 05:25:01 PM »
Alberto Giacometti - Meister des Blickes (Porträt 2015)
Wer ist Alberto Giacometti (1901-1966)? Berühmt und doch verkannt. Das Filmporträt zum 50. Todestag des grossen Malers, Zeichners und Bildhauers stellt sein Schaffen und Leben umfassend vor. Unter Verwendung von Originalaufnahmen (Charles de Lartigue, 2015).
https://www.youtube.com/watch?v=BmkE6vyEf_4

Alberto Giacometti - Ein Portrait (2001)
"Je mehr man scheitert, desto mehr erreicht man." (A.G.)
Das Porträt enthält Originalaufnahmen von Alberto Giacometti beim Arbeiten. Man kann u.a. das Entstehen eines Bildes und einer Skulptur verfolgen (Ernst Scheidegger, 2001)
https://www.youtube.com/watch?v=I69Mcd19sK8

Der Mann, der durchs Feuer ging - Alberto Giacometti - ein Leben
"Der Mann, der durchs Feuer ging - Alberto Giacometti - ein Leben" Portrait von Gero von Böhm, Produktion SWR 2001 Aufnahme: ARTE 26.09.2001 Alberto Giacometti war neben Künstlern wie Picasso und Matisse einer der ganz Großen in der Kunst des 20. Jahrhunderts. In der Bildhauerei hat er einen kopernikanischen Umsturz hervorgerufen: Er stellte den Menschen in seinem Urbeginn dar, in einem imaginären, unteilbaren Raum - als erster zeigte er Plastiken aus einer absoluten Distanz, die auf magische Weise sogar größer wird, wenn man den Figuren näher kommt. Und auf den Gemälden scheinen Gegenstände und Personen im Nichts zu schweben. Sein Freund Jean-Paul Sartre schrieb: "Seit fünfhundert Jahren sind die Bilder zum Bersten voll, das ganze Universum zwängt man in sie hinein. Giacometti beginnt damit, dass er die Welt aus seinen Gemälden verbannt. " Zu Sartre sagte Giacometti einmal, nachdem er gerade einige seiner Gipsplastiken zerstört hatte: "Alles, was ich mache, ist nur vorübergehend - für eine Morgendämmerung, wie eine Traurigkeit, wie eine Eintagsfliege. Wie Flugsand." Der seltsame Gipsstaub, der über die Jahre das gesamte Atelier zudeckt, ist der Staub jenes magischen Raumes, den Giacometti als erster Bildhauer und Maler abbilden konnte. Der Film erzählt Giacomettis Leben, ein Leben zwischen Bergtälern und Bordellen, zwischen Angst und Euphorie, unerträglichen Zweifeln und spätem Ruhm. Zweimal, in der Mitte und am Ende seiner künstlerischen Entwicklung, konzentriert er sich auf das Motiv des "Homme qui marche", des schreitenden Mannes, das nicht nur zu seinen wichtigsten Skulpturen führte, sondern auch ein Symbol für sein ganzes künstlerisches Dasein ist: Für die immerwährende Suche nach einem Stück Wahrheit. Für den Film gibt Giacomettis letzter lebender Bruder, der 94jährige Bruno zum ersten Mal Auskunft über ganz unbekannte private Seiten des Künstlers. Weggefährten der Pariser Zeit, vor allem aber Briefe und dokumentarische Filmbilder aus den fünfziger und sechziger Jahren, die Giacometti bei der Arbeit zeigen, geben dem Film eine große Intensität.
https://www.youtube.com/watch?v=gZBe7AWUhyE

Giacometti (1967)
Spend a few minutes with Giacometti in his Paris studio and watch him "squeezing and stretching and mauling the clay in his hands". Through sharply edited close-ups, dissonant soundtrack and solemn commentary, this Arts Council film captures the intensity of the artist's concentration as he rhythmically models the spindly, elongated figures that characterise his work.  ...
https://www.youtube.com/watch?v=vRsejf8xdC0


Alberto Giacometti - Der Kopf im Raum" Porträt 1965 von Jean-Marie Drot und Edwin Mullis Aufnahme: ORF2 am 26.02.1996, Reihe ARTgenossen
https://www.youtube.com/watch?v=El02PqGk7uk

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Architektur (Bauwerk & Raum) [Verortung] / Kiel Gaarden...
« on: July 16, 2018, 11:50:35 AM »
Quote
[...] Am 27. Mai 1967 tritt der Weltstar Jimi Hendrix im Star-Palast im Kieler Stadtteil Gaarden-Ost auf. "Er spielte über eine halbe Stunde 'Hey Joe' und da machte er so eine Show draus, ging immer zum Lautsprecher und versuchte, eine Rückkopplung zu erzeugen", erinnert sich Inge Hansen. "Das war so beeindruckend für mich. Ich hatte Gänsehaut", sagt Henrik Maaß, der damals ebenfalls Musik macht. .... Der Club im Karlstal 42, von dem es nur wenige Fotos gibt, wird zum Publikumsmagneten. Es gibt Schwarzlicht, über der Tanzfläche schwebt eine Diskokugel. "Damals wurden drei Stücke gespielt und dann konnte man sich unterhalten", erinnert sich Inge Hansen. An kleine Nierentischen können die Tänzer sich zwischen den Stücken setzen und etwas trinken. Der Eintritt kostet meistens eine Mark - es sei denn der große Jimi Hendrix steht auf der Bühne. "Das kostete damals fünf Mark", erinnert sich Inge Hansen. ...


Aus: "Als Jimi Hendrix in Kiel spielte" von Stefanie Döscher (14.07.2018)
Quelle: https://www.ndr.de/kultur/geschichte/Als-Jimi-Hendrix-in-Kiel-spielte,jimihendrix130.html

Quote
Christian-Albrecht Groddeck schrieb am 14.07.2018 12:55 Uhr:

Soweit ich erinnere fing der Starpalast im Jahr 1963 bereits an. In diesen Jahren bis zum "Revolution" wie er später hieß, war ich stetiger Stammgast dort. Eigentlich zu jung (war aber größer und sah älter aus) durfte ich rein, stets mit dem Hinweis, nur Cola trinken und um 22:00 Uhr raus. So lautete die Bedingung. Grossartig, was dort präsemtiert wurde an Bands. Lange Zeit war Gary Glitter, der später unrühmliche Schlagzeilen mnachte, dort als Hausband verpflichtet. Er nannte sich dort "Paul Raven & The Boston Showband". Bis zu 3 Bands traten oft an den Wochenenden auf. Viele spätere Stars kamen so in den Norden und nach Kiel. Auch Spencer Davis , sowie Alan Merrill & The Arrows. Leider wurde damals nur selten etwas im Bild festgehalten und auch die Zeitung war sehr sparsam mit Berichten. Das dort erlebte bleibt auch mir unvergessen. Freunde von mir sollten für einen Bandwettbewerb vorspielen, mich nahmen sie als ihren Manager mit, den bräuchten sie, wenn man dort aufspielte. Alle späteren Versuche den Ort für Concerte zu erhalten scheiterten, ebenso wie Versuche dauerhaft dort Discotheken zu betreiben. Es war musikalisch eine der Hochburgen in Kiel und stilprägend für viele von uns in den Sechzigern.

    Anmerkung der Moderation:
    Vielen Dank, dass Sie ihre Erlebnisse aus der damaligen Zeit mit uns teilen. Allerdings eröffnete der Star-Palast unseren Quellen zufolge offiziell am 28. Februar 1964. Die Eröffnung wurde am 22. Februar in den "Kieler Nachrichten" angekündigt.

    Viele Grüße aus der Redaktion



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Annihilation : The Destruction of European Jews - The End of Illusions (The Memory of a Holocaust, Veröffntlicht am 16.05.2017)
Seventy years after Auschwitz's liberation, this documentary film collection sets out to examine a story whose roots begin before the dawn of the 20th century - a story which is still being played out today. ...
https://www.youtube.com/watch?v=wPa1BlyUXP0

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"1925–2018: Französische Regielegende Claude Lanzmann gestorben" Bert Rebhandl (5. Juli 2018, 11:56)
Mit "Shoah" schrieb Claude Lanzmann Filmgeschichte. Nun ist der einflussreiche französische Regisseur, Intellektuelle und Journalist in Paris 92-jährig gestorben. Fünfhundertvierzig Minuten für sechs Millionen Tote: Mit dieser Gleichung erschütterte Claude Lanzmann 1985 nicht nur die Filmgeschichte, sondern auch die große Geschichte – jene der Völker und der Mächte. Der neun Stunden lange Film Shoah war mehr als nur ein Dokument. Er wurde zu einer Instanz. Lanzmann gab darin einen Bericht von den Verbrechen an den Juden in Osteuropa während des Zweiten Weltkriegs. Er setzte dabei auf ein schmerzhaftes Verfahren: Ein paar wenige Überlebende mussten davon erzählen, was denen widerfahren war, die nicht mehr Zeugnis ablegen konnten. ... Im Kern ist Shoah nicht zuletzt ein Film über ein Bilderverbot, in der die von Vegetation überwucherten Gleise zu den Selektionsrampen für die Orte stehen, an denen 40 Jahre davor Juden in den Tod gehen mussten. Zugleich aber ist Shoah eine große Recherche, wobei ein Mann im Mittelpunkt steht: Claude Lanzmann selbst, der mit seinem gebrochenen Englisch, mit seinem merkwürdigen Charme, mit seiner knarrenden Stimme die Menschen zum Sprechen zu bringen versucht. ...
https://www.derstandard.de/story/2000082877501/franzoesischer-regisseur-claude-lanzmann-gestorben

Shoah ist ein zweiteiliger Dokumentarfilm von Claude Lanzmann aus dem Jahr 1985, in dem Zeitzeugen zur (zum) Schoah (Holocaust) (von hebräisch הַשׁוֹאָה ha'Schoah) befragt werden. Kein einziger Leichnam wird gezeigt (auch nicht als Archivbild). Die Filmaufnahmen bestehen überwiegend aus Interviews und langsamen Kamerafahrten an den Orten, die Schauplätze waren für tausende Juden, die im Zweiten Weltkrieg dorthin deportiert wurden, um sie zu ermorden. Shoah ist mit neun Stunden ungewöhnlich lang und gilt als ein Meilenstein in der filmischen Auseinandersetzung mit der vom Deutschen Reich systematisch betriebenen Vernichtung der Juden.
https://de.wikipedia.org/wiki/Shoah_(Film)

Shoah (1985) part 1 - with subs/sa prevodom
Claude Lanzmann's epic documentary recounts the story of the Holocaust through interviews with witnesses - perpetrators as well as survivors.
https://www.youtube.com/watch?v=Uni1kybTAn0

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Erweiterter Machtdiskurs (Politik) / Zur Flüchtlingspolitik...
« on: July 14, 2018, 03:36:06 PM »
Quote
[...] Schon in der frühen Schrift «We refugees» (Wir Flüchtlinge) erklärte die deutsch-jüdische Philosophin: «Flüchtlinge repräsentieren die Avantgarde ihrer Völker.» Arendt hat aus ihren Untersuchungen (und ihrer Erfahrung) des Totalitarismus den Schluss gezogen, dass die Missachtung der Grundrechte in einer ersten Phase stets nur Flüchtlinge und schutzlose Minderheiten betrifft, bevor sie sich in einer zweiten Phase generalisieren kann. Historisch betrachtet war die Flüchtlingspolitik das Laboratorium der Barbarei. Erst zielt die Aufhebung der Menschenrechte nur auf Migranten – und irgendwann auf die gesamte Bevölkerung.

Wir sollten nicht so naiv sein, zu glauben, dass die namenlosen Tragödien, die sich Tag für Tag und Nacht für Nacht auf offener See abspielen, ohne Einfluss bleiben werden auf das Leben, die Politik und die Gesellschaft in Kontinentaleuropa. Wir sollten nicht so naiv sein, zu glauben, dass diese Toten nicht die unseren sind.


Aus: "Binswanger: Avantgarde der Völker" Daniel Binswanger (30.06.2018)
Quelle: https://www.republik.ch/2018/06/30/avantgarde-der-voelker

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Erweiterter Machtdiskurs (Politik) / Zur Flüchtlingspolitik...
« on: July 14, 2018, 03:25:55 PM »
"Der Untergang" Wolfgang Luef (05. Juli 2018)
Ich stelle mir vor, ich wohne in einem Mietshaus mit vielen Wohnungen und einem gemeinsamen Garten. An der Grenze unseres Grundstücks verläuft eine Straße, und aus irgendeinem Grund verunglücken dort täglich mehrere Fahrradfahrer schwer. Keiner von uns Mietern kann etwas dafür, dass diese Menschen dort verunglücken, keiner hat sie gebeten, hier vorbeizufahren. Vielleicht sind wir sogar ausdrücklich dagegen, dass hier überhaupt jemand langfährt. Aber wäre es vorstellbar, die Nachbarn dafür zu kritisieren, dass sie in dieser Situation den Notarzt rufen? Wäre es vorstellbar, den Notarzt zu verklagen und einzusperren, weil er den verunglückten Radfahrern hilft? Wäre es vorstellbar, oben am Fenster zu stehen und zu argumentieren: Erst wenn es da unten genügend Tote gegeben hat, werden andere lernen, dass man hier nicht langfährt? Sicher nicht in einem Haus, in dem ich noch wohnen möchte.
Doch genau das passiert gerade in Europa. Plötzlich gibt es im öffentlichen Diskurs zwei unterschiedliche Meinungen darüber, ob man Menschen in Lebensgefahr helfen soll, oder ob man sie lieber sterben lassen soll. »Je mehr man rettet, desto mehr kommen doch«, das sagt man plötzlich laut und ungeniert. Der Satz hat sich von den hasserfüllten Kommentarspalten auf Facebook in die angsterfüllte Mitte der Gesellschaft geschlichen. Er wird heute in Büros ausgesprochen, auf Gartenpartys und in Parlamenten.
Derweil steht der Kapitän des Rettungsbootes »Lifeline« in Malta vor Gericht, andere Rettungsboote werden am Auslaufen gehindert. Die AfD präsentiert stolz eigene Strafanzeigen gegen weitere Helfer, etwa von »Ärzte ohne Grenzen« oder »Save the Children«. Italiens Innenminister nennt die Retter »Vizeschlepper« und schließt die Häfen für sie. Europas Populisten applaudieren dazu, und in der CSU, immerhin eine deutsche Regierungspartei, verunglimpft man diejenigen, die es lebend übers Mittelmeer und bis nach Deutschland geschafft haben, als Touristen. Seit Anfang des Jahres sind 1400 Menschen an den Grenzen der Europäischen Union gestorben, und die reichste Staatengemeinschaft der Welt und Trägerin des Friedensnobelpreises lässt kein echtes politisches Interesse daran erkennen, das Problem gemeinsam anzugehen. Der Grund dafür: Niemand hätte dabei etwas zu gewinnen, außer den ertrinkenden Menschen.
Das ist der Anfang vom Ende der europäischen Idee. Wir können uns nicht auf Menschenrechte, Aufklärung und Humanismus berufen und gleichzeitig die Rettung Ertrinkender kriminalisieren. Der kleine Stolz, den man noch vor Kurzem empfinden konnte, ein Europäer zu sein, er ist zusammen mit Tausenden Männern, Frauen und Kindern im Mittelmeer ertrunken. Während wir alle im Fernsehen, auf Twitter und Facebook nahezu live dabei zusehen können.
Es geht nicht um unterschiedliche Auffassungen, wie man mit Migranten- und Flüchtlingsbewegungen umgehen soll. Es geht nicht darum, dass man »nicht alle aufnehmen« kann. Es geht schlicht um ein Mindestmaß an Zivilisiertheit: Wer gerade dabei ist, zu ertrinken, der ist weder Flüchtling noch Migrant, der ist weder Afrikaner noch Europäer, weder Muslim noch Christ, der ist ein Mensch, der gerade dabei ist, zu ertrinken, und man muss alles unternehmen, um ihn zu retten.
... Menschen [ ] sehenden Auges ertrinken zu lassen, als abschreckendes Beispiel für andere, das ist keine Meinung. Es ist der erste Schritt in die Barbarei. ...
https://sz-magazin.sueddeutsche.de/abschiedskolumne/der-untergang-85837

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Erweiterter Machtdiskurs (Politik) / Zur Flüchtlingspolitik...
« on: July 08, 2018, 09:02:07 PM »
"Asylstreit in der Union: Steinmeier kritisiert Sprache in der Asylpolitik" (8. Juli 2018)
Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier hat sich über den Sprachstil besorgt gezeigt, der in der deutschen Asylpolitik genutzt wird. "Wir müssen zurück zur Vernunft", sagte er im ZDF. Besonders in digitalen Medien drohe die "Grenze des Unsagbaren und des Unsäglichen" zu verschwimmen. Er halte nichts von übertriebener politischer Korrektheit. Aber man müsse sich verantwortungsvoll streiten. Das verlange auch Disziplin bei der Sprache.  ...
Begriffe wie "Achse der Willigen", wie ihn Österreichs Kanzler Sebastian Kurz für eine engere Kooperation zwischen Österreich, Italien und Deutschland ins Spiel gebracht hatte, seien keine geeignete Sprache, sagte der Bundespräsident. Der Weg zu einer gemeinsamen Migrationspolitik in Europa sei mühsam genug. "Deswegen glaube ich, sollten wir auch keine Sprache pflegen, die noch spalterisch wirken kann."
Bayerns Ministerpräsident Markus Söder (CSU) hatte kürzlich den Begriff "Asyltourismus" in den Asylstreit der Union eingebracht. Söder meint damit Menschen, die erst in einem anderen EU-Staat und dann auch in Deutschland einen Asylantrag stellen wollen. Auf den Begriff angesprochen sagte Steinmeier, vor allem Mitglieder der Regierungsparteien müssten auf ihre Sprache achten.   ...
https://www.zeit.de/politik/deutschland/2018-07/frank-walter-steinmeier-asylstreit-union-sommerinterview

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zimuncumuncu #1

''Aber man müsse sich verantwortungsvoll streiten.''

Fragt sich nur, wer da ein Interesse dran haben sollte.
Ich stimme Steinmeier zwar zu. Aber die Anheizer sind Profiteure dieser Verrohung und werden ganz sicher nicht nach einer sonntäglichen Äußerung des Bundespräsidenten zu Sachlichkeit zurückkehren.


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"Seenotrettung: Italien will Häfen auch für staatliche Einsatzschiffe sperren" (8. Juli 2018)
Innenminister Matteo Salvini will internationalen Einsatzschiffen den Zugang zu Italiens Häfen verwehren. Sein Ziel: die Zahl der ankommenden Migranten auf null senken. Italien will künftig auch Schiffen internationaler Missionen im Mittelmeer den Zugang zu seinen Häfen verwehren. Innenminister Matteo Salvini schrieb auf Twitter, er werde einen entsprechenden Vorstoß beim EU-Innenministertreffen am Donnerstag besprechen. Salvini ist stellvertretender Regierungschef und Chef der rechtsextremen Lega. 
Auslöser für Salvinis Tweet ist mutmaßlich das irische Marineschiff Samuel Beckett, das in der Nacht zum Sonntag mit 106 Flüchtlingen an Bord in Sizilien anlegte. Das Schiff war im Rahmen einer EU-Mission auf dem Mittelmeer unterwegs.     
Die Regierung in Rom hat bereits privaten Seenotrettungshelfern untersagt, italienische Häfen anzusteuern. Das deutsche Rettungsschiff Lifeline der gleichnamigen Hilfsorganisation war Ende Juni tagelang durch das Mittelmeer gefahren, weil kein europäischer Hafen ihm das Anlegen erlaubte. Schließlich erklärte sich Malta bereit, das Schiff aufzunehmen. Der deutsche Kapitän muss sich nun vor Gericht verantworten, weil das Schiff mutmaßlich unter falscher Flagge fuhr.
Italien liegt vergleichsweise nahe an der nordafrikanischen Küste und ist deshalb eines der Hauptankunftsländer für Flüchtlinge. Nach Angaben der italienischen Regierung trafen seit Jahresbeginn fast 16.700 Migranten an den Küsten des Landes ein, davon 11.000 aus Libyen. Das seien 80 Prozent weniger als im Vorjahr, teilte das Innenministerium mit. Salvini will die Zahl auf null senken. "Wir können keinen einzigen mehr aufnehmen", sagte Salvini Ende Juni dem Spiegel.
https://www.zeit.de/politik/ausland/2018-07/salvini-migranten-schiffe-sperren-eu

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"Rhetorik: Das Wörterbuch der Verschleierung" Kai Biermann und Martin Haase (13. Juli 2018)
In der deutschen Debatte um Asyl und Flüchtlinge werden viele Begriffe verwendet, die Fakten und Zusammenhänge vernebeln. Angesichts der Rhetorik, die den politischen und gesellschaftlichen Diskurs prägt, ist immer häufiger von einer Verrohung der Sprache die Rede. Aber worin genau besteht sie? Kai Biermann, Redakteur bei ZEIT ONLINE, und Martin Haase, Professor für Linguistik an der Otto-Friedrich-Universität Bamberg, sammeln in diesem subjektiven Glossar die gängigsten Begriffe und Formulierungen und versuchen, die politischen Interessen dahinter offenzulegen. Ein kritisches, kommentierendes Glossar
https://www.zeit.de/kultur/2018-07/rhetorik-sprache-alexander-dobrindt-worterfindungen-woerterbuch


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Würden Sie sich als Atheisten bezeichnen?

Jan Assmann (Kulturtheoretiker): Nein. Gott ist für mich eine offene Frage; für die Atheisten ist sie gelöst. Ich würde meinen, dass alle Religionen Übersetzungen von etwas Verborgenem, aber irgendwie Spürbaren sind. Religionen finden im Sinne dieser „verborgenen Religion“ dann jeweils andere Bilder, andere Übersetzungen dieser Grunderfahrung. Das ist die Weisheit der Ringparabel, deren Varianten bis ins 8. Jahrhundert zurückgehen. Die Wahrheit ist verborgen, aber wir dürfen nicht aufhören, sie in unserem Tun und Denken anzuzielen.

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Aus: "„Es gibt keine wahre Religion“" (2013)
Quelle: https://philomag.de/es-gibt-keine-wahre-religion/

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Erweiterter Machtdiskurs (Politik) / Zur Flüchtlingspolitik...
« on: July 07, 2018, 11:22:56 PM »
"Flüchtlinge: Tausende demonstrieren für Seenotretter" (7. Juli 2018)
Tausende Menschen haben in mehreren deutschen Städten für Solidarität mit Seenotrettern und sichere Fluchtwege demonstriert. Nach Angaben des Bündnisses Seebrücke beteiligten sich in Berlin 12.000 Menschen an der Kundgebung. Die Berliner Polizei sprach dem rbb zufolge von Teilnehmerzahlen "im unteren vierstelligen Bereich". Auch in Frankfurt am Main, Heidelberg, Leipzig und München fanden Proteste statt.
Das Bündnis Seebrücke wird nach eigenen Angaben von mehr als einem Dutzend zivilgesellschaftlicher Organisationen getragen. Die Initiative entstand spontan, als das Flüchtlings-Hilfsschiff Lifeline mit 234 Menschen an Bord am Einlaufen in einen Hafen gehindert worden war. "Menschen auf dem Mittelmeer sterben zu lassen, um die Abschottung Europas weiter voranzubringen, und politische Machtkämpfe auszutragen, ist unerträglich und spricht gegen jede Humanität", schreiben die Initiatoren der Berliner Demonstration in ihrem Aufruf.   
... Die Behörden in Malta verweigern den Rettungsschiffen Lifeline und Sea-Watch 3 aktuell die Ausfahrt aus dem Hafen. Der Kapitän der Lifeline wird zudem juristisch belangt: Ihm wird vorgeworfen, die niederländische Flagge des Schiffs zu Unrecht verwendet zu haben. Nicht nur die Boote der Seenotretter dürfen im Moment nicht auslaufen – auch mindestens ein Aufklärungsflugzeug kann nicht starten. Der Moonbird, einem Flugzeug, das das Mittelmeer nach schiffbrüchigen Booten absucht, wurde der Start von Malta untersagt.
Die Seenotretter sprechen von politischem Kalkül: Es solle verhindert werden, dass Flüchtlinge gerettet und anschließend aufs europäische Festland gebracht werden. Kritiker werfen den Notrettern vor, durch ihre Arbeit direkt oder indirekt die Schleusung nach Europa zu unterstützten. Alleine im Juni waren Schätzungen zufolge mehr als 550 Menschen auf ihrer Überfahrt im Mittelmeer ertrunken.
https://www.zeit.de/politik/deutschland/2018-07/fluechtlinge-seenotretter-demo-berlin-muenchen-bremen-leipzig

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"Im Juni ertrank jeder siebente Flüchtling im Mittelmeer" (06. Juli 2018)
Für Migranten wird die Flucht über das Mittelmeer immer gefährlicher. Trotz sinkender Zahlen steigt die Todesrate ...
Quelle: https://www.kleinezeitung.at/politik/aussenpolitik/5460120/Asyl_Im-Juni-ertrank-jeder-siebente-Fluechtling-im-Mittelmeer

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Irgendeiner, vor einem Tag

Aber warum den das, weil man mare nostrum auf Frontex reduziert hat, weil man NGOs systematisch behindert, weil man die in Libyen in Lager schleift die auch noch ein Komatöser um jeden Preis verlassen wollen würde ...


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[...] Im äußersten Norden von Thailand, nahe der Provinzhauptstadt Chiang Rai, liegt eine Höhle namens Tham Luang-Khun Nam Nang Non. Bekannt ist sie, weil dort zwölf Jugendliche mit ihrem Fußballtrainer eingeschlossen sind. Das Schicksal der kleinen Gruppe bewegt weltweit Millionen Menschen. [Elon Musk will in Höhle festsitzende thailändische Kinder mit Mini-U-Boot retten: https://www.heise.de/newsticker/meldung/Elon-Musk-will-in-Hoehle-festsitzende-thailaendische-Kinder-mit-Mini-U-Boot-retten-4104609.html]

Im äußersten Süden des Mittelmeers, nahe der libyschen Küste, treiben Dutzende Leichen im Wasser. Ein Boot mit etwa hundert Migranten war dort vor einigen Tagen gekentert, die Marine rettete nur wenige Überlebende. Bewegt das Schicksal dieser großen Gruppe Millionen Menschen? Zu merken ist davon wenig.

Selbstverständlich spricht nichts gegen Mitgefühl für in Not geratene Jugendliche. Und das Interesse an den in Thailand Eingeschlossenen ist wohl auch deshalb so groß, weil die Umstände so außergewöhnlich sind - aber auch aus einem anderen Grund: Es gibt Fotos und Videos von den Jugendlichen, berührende Geschichten, bangende Eltern, engagierte Helfer. Die Welt verfolgt, wie in Nordthailand Menschen leiden. Elend in Echtzeit.

Migranten hingegen treten als Menschen kaum noch in Erscheinung. Es gibt zwar regelmäßig Berichte über bedrückende Einzelschicksale, aber in der politischen Öffentlichkeit sind sie weitgehend zur amorphen Humanmasse verkommen: zu "Flüchtlingswellen", die gegen die empfindlichen Gestade der "Festung Europa" branden - und deren aggressiver "Asyltourismus" in "Ankerzentren" ausgebremst werden muss. Auch diese Rhetorik ist Elend in Echtzeit.

Es ist wichtig, über Migration zu diskutieren, dazu gehören auch Polemik und Streit. Aber die Debatte über flüchtende Menschen ist völlig entgleist - weil es gar nicht mehr um flüchtende Menschen geht, die auf dem Mittelmeer ihr Leben riskieren oder in libyschen Internierungslagern gefoltert werden. Sondern um die Regierungskoalition Angela Merkels, die Union aus CDU und CSU, die Europäische Union.

Sind an der Schieflage der Debatte also die Politiker schuld, die sie mit taktischen Manövern und rhetorischen Finten verzerrt haben? Oder liegt es an den Medien, die sich von diesem Schauspiel haben blenden lassen und kaum noch über das Leid der Migranten berichten? Wohl kaum: Dass sich die wahre Asylkrise nicht an drei Grenzübergängen in Bayern abspielt, dürfte jeder halbwegs mündige Bürger wissen. Was fehlt, ist ein kollektiver Aufschrei, eine empörte Gegenreaktion.

Natürlich gibt es diesen Abstumpfungseffekt auch in anderen Fällen: die vielen Toten im mexikanischen Drogenkrieg, bei Massenprotesten in Nicaragua, bei Terroranschlägen in Mogadischu oder Kabul. Der entscheidende Unterschied aber ist: Die Toten im Mittelmeer haben sehr unmittelbar etwas mit uns zu tun. Weil wir durch den Zufall der Geburt jene Sicherheit und jenen Wohlstand genießen, nach denen auch viele andere streben. Und weil wir die Parteien gewählt haben, die jetzt in unserem Namen auf Abschottung setzen.

Im äußersten Süden des Mittelmeers, nahe der libyschen Küste, steigen gerade vielleicht wieder ein paar Dutzend Menschen in ein Schlauchboot. Vielleicht werden wir nie erfahren, was aus ihnen wird. Vielleicht, weil sie diesmal niemand aus dem Wasser zieht. Das darf uns nicht egal sein.


Forum

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Aus: "Asylkrise: Wir Ignoranten" Ein Kommentar von Peter Maxwill (07.07.2018)
Quelle: http://www.spiegel.de/panorama/gesellschaft/fluechtlinge-warum-viele-das-elend-dieser-menschen-ignorieren-kommentar-a-1216913.html

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[...] Evangelikale Christen sind nicht nur Gläubige, sie sind auch eine der mächtigsten gesellschaftlichen Bewegungen der Nachkriegszeit. Keine andere religiöse Gemeinschaft in Amerika hat wie sie nach politischem Einfluss gestrebt. Als Reaktion auf die kulturellen Gewitter der Sixties begannen vor allem weiße, konservative Menschen aus den wachsenden Vororten Amerikas sich politisch zu organisieren. Sie begriffen ihr politisches Engagement als einen antiliberalen Feldzug zur Rettung der Seele Amerikas. 1979 gründeten Jerry Falwell und Tim LaHaye die Moral Majority-Bewegung, andere Gruppierungen folgten und rollten mit ihrem Kampf für "Familienwerte" die amerikanische Politik auf.

Evangelical wurde zunehmend gleichbedeutend mit christian right, mit rechter Politik. Abtreibung, Homosexualität, Feminismus, Pornografie, Verhütung, die sexuelle und soziale Revolution der Sechzigerjahre kam seit den späten Siebzigern auf die Agenda der Wahlkämpfe. Evangelikale Prediger wie Billy Graham hatten nicht nur stets Zugang zu den amerikanischen Präsidenten, als Fernsehprediger hatten sie auch Zugang zu jedem amerikanischen Wohnzimmer. Zumindest Ronald Reagan und George W. Bush gaben konservativen Christen das Gefühl, einer von ihnen stehe an der Spitze des Staates.

Die Hinwendung der Evangelikalen zu Trump ist weniger selbstverständlich. "Die moralischen Überzeugungen vieler evangelikaler Führer sind nur noch geprägt von politischem Lagerdenken. Das ist nicht einmal mehr Leichtgläubigkeit; es ist die reine Korruptheit", schrieb etwa der konservative Politiker Michael Gerson in einem wütenden Essay für den Atlantic. Gerson wuchs selbst in einer evangelikalen Familie auf und hat lange für republikanische Regierungen gearbeitet. An den derzeitigen republikanischen Präsidenten hätten die evangelikalen Christen ihre Seele verkauft. Die Anführer der evangelikalen Bewegung seien geblendet vom Hass auf ihre politischen Gegner und sähen gar nicht mehr, welchen Schaden sie den Zielen zufügten, denen sie ihr Leben gewidmet hätten.

... Der linke Philosoph und Theologe Adam Kotsko, der selbst aus einem evangelikalen Umfeld stammt, erklärt die Doppelmoral vieler amerikanischer Christen mit ihrem verzweifelten Drang nach kultureller und politischer Anerkennung. Trump gebe ihnen das Gefühl, respektiert zu werden, und dass ein reicher, mächtiger Mann von außerhalb der evangelikalen Kultur ihre Forderungen ernst nehme, mache die Bindung zu ihm fast noch enger, sagt Kotsko. So konnte Trump gegen alle Wahrscheinlichkeit zur Führungsfigur des weißen, christlichen Amerikas werden, zum völligen Unverständnis aller Liberalen, die in ihm nur den obszönen, ganz und gar unchristlichen Unhold sehen. Für die einen ist er eine Heilsgestalt, für die anderen der Antichrist. Auch das spiegelt wieder, wie zerbrochen die amerikanische Öffentlichkeit ist. Mehr noch als andere Konservative haben die Evangelikalen eine dichte Blase, ja eine Parallelgesellschaft, geschaffen. Sie heiraten unter sich, schicken ihre Kinder auf gesonderte Schulen und Universitäten und haben ihre eigenen Medien, welche von Trump gezielt hofiert werden. Das Christian Broadcasting Network des Predigers Pat Robertson unterstützte Trump etwa bereits im Wahlkampf und bekommt seitdem immer wieder exklusive Interviews mit dem Präsidenten und hohen Regierungsmitgliedern.

Tatsächlich hat vieles, was man heute mit dem Phänomen Trump in Verbindung bringt, eine Vorgeschichte in der evangelikalen Kultur. Nicht erst Trump brachte den evangelikalen Christen bei, dass man von Medien und Eliten verbreiteten Fakten auch ignorieren kann, wenn sie die eigene Identität bedrohen: Fast 70 Prozent aller Evangelikalen leugnen schließlich die wissenschaftliche Evolutionstheorie. Seit Jahrzehnten gehört es zur Grundstimmung der christlichen Rechten, sich vom gesellschaftlichen Mainstream entfremdet zu fühlen. Auch deshalb kämpfen Evangelikale so sehr um politische Macht und fühlen sich trotz ihres Einflusses gleichzeitig so unterlegen wie bedroht: Weil sie fürchten, den Kampf um die Seele Amerikas endgültig zu verlieren. Der Anteil der weißen Christen in der Bevölkerung liegt nur noch bei 43 Prozent. Dass in der amerikanischen Bevölkerung etwa Homosexualität zunehmend nicht mehr geächtet wird, erscheint vielen von ihnen als ein Zeichen definitiver Dekadenz. Mit diesem Untergangsgefühl, das leicht in eine Wagenburgmentalität und heftigen Aggressionen gegen den politischen Gegner mündet, trat der Trumpismus in Resonanz.

... Nicht alle folgen deshalb der Erzählung des konservativen Autors Michael Gerson, derzufolge die evangelikale Bewegung erst kürzlich und aus Opportunismus von ihrem reinen Weg abgekommen sei. Für viele ist Trump schlicht der authentische Ausdruck der antintellektuellen, nationalistischen und autoritären Kultur des evangelikalen Amerikas, die von der Angst durchsetzt ist, bald nicht mehr in einer christlich-weiß geprägten Nation zu leben. Das legt etwa die Forschung der Professorin Janelle Wong von der Universität von Maryland nahe. Nach der Wahl im November 2016 versuchte sie herauszufinden, warum Evangelikale für Trump gestimmt hatten. 50 Prozent der von ihr befragten weißen Evangelikalen seien der Ansicht, dass Einwanderer der Wirtschaft schadeten, schrieb sie in der Washington Post. Als konservative Christen fühlten sie sich angegriffen, als Weiße diskriminiert.

Der strukturelle Rassismus in der Geschichte der USA, die Vorstellung, das tiefe Amerika beruhe auf einer protestantisch-weißen Kultur und müsse gegen weitere Einwanderung oder gesellschaftliche Durchmischung mit anderen Kulturen, Religionen oder Hautfarben geschützt werden, war häufig religiös gefärbt. So rekrutierte der Ku-Klux-Klan, als er nach dem Ersten Weltkrieg im Zeichen des Kreuzes zu einer gewaltbereiten Millionenbewegung anwuchs, seine Mitglieder fast ausschließlich aus der protestantischen Mittelschicht. Die Agitation des Klans richtete sich gegen Migranten, Feminismus und alle Nichtweißen, aber auch gegen Katholiken und Juden. Er tat es auf eine Weise, die frappierend an die Anti-Islam-Agitation von heute erinnert.

"Evangelikalismus ist eine sehr weiße Bewegung", sagt auch Adam Kotsko. Was die Evangelikalen heute mit Trump eine, sei "das Gefühl, dass Amerika bedroht und umlagert ist. Dies sei die letzte Chance, um noch das, was sie für die authentischen amerikanischen Werte halten, zu bewahren."

...

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DieZeitKommentieren #23

... Religionen sind waren schon immer gut für Krieg, Tod, Verfolgung und zum Geld verdienen. Jüngst kommt dann noch reichlich sexueller Missbrauch dazu...


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Something_is_rotten #25

Dieser Artikel hinterlässt bei mir eine große Gelassenheit.
Jesus sagt: „Selig sind, die um der Gerechtigkeit willen Verfolgung erleiden, denn ihnen wird das Himmelreich zuteil! Selig seid ihr, wenn man euch um meinetwillen schmäht und verfolgt und euch lügnerisch alles Böse nachredet! Freuet euch darüber und jubelt, denn euer Lohn ist groß im Himmel! Ebenso hat man ja auch die Propheten vor euch verfolgt.“ (Jesus in Matthäus Kapitel 5, Verse 10-11)
... Im Übrigen: "DIE Evangelikalen" gibt es ebenso wenig wie "DIE Muslime".


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atech #34.1

Religiöser Glaube ist nicht erblich. Moderne, naturwissenschaftliche Schulbildung ist ein wirksames Gegengift. Das wissen die Religiösen weltweit allerdings auch. Donald Trump setzte Betsy deVos als Bildungsministerin für evangelikale Privatschulförderung ein, Präsident Erdogan hat die Evolutionstheorie aus dem Lehrplan gestrichen...


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MaryPoppinsky #88

Bildungsverachtung ist ebenfalls Teil des Problems:
"Most Republican voters believe that higher education is bad for the country."
"Republicans: College Is Ruining America"
“Republicans increasingly say colleges have negative impact on U.S. Republicans and Democrats offer starkly different assessments of the impact of several of the nation’s leading institutions – including the news media, colleges and universities and churches and religious organizations – and in some cases, the gap in these views is significantly wider today than it was just a year ago. While a majority of the public (55%) continues to say that colleges and universities have a positive effect on the way things are going in the country these days, Republicans express increasingly negative views. A majority of Republicans and Republican-leaning independents (58%) now say that colleges and universities have a negative effect on the country, up from 45% last year. By contrast, most Democrats and Democratic leaners (72%) say colleges and universities have a positive effect, which is little changed from recent years.”
-> https://www.youtube.com/watch?v=N22d_kqtYpA


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Seemannsfrau #35

Deus vult !

Gott will es. Das hat schon vor unserer Zeit ganze Landstriche ins Chaos gestürzt.
Schauen wir mal, was noch alles auf uns zukommt.


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der_pfälzer #36

Mir als bekennender Christ wird schlecht wenn ich dies lese. Das was die amerikanischen Evangelisten predigen hat nichts, aber auch gar nichts mit dem christlichen Glauben zu tun. Wenn ich - was ich per se meines evangelischen Glaubens nicht tue - an die Hölle glauben würde, wäre ich sicher dass diese Leute alle in der Hölle landen würden.


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Jimmy III. #36.3

Aha...nach welcher Methodik entscheiden sie denn was "christlich" ist, und was nicht?
Meiner Erfahrung nach ist die Logik immer die Selbe:
Was mir persönlich nicht passt ist unchristlich, und jeder der meiner Meinung ist ist christlich...


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tobias.x #37

> "Man kann Trumps Regierung sicherlich als eine der christlichsten der jüngeren Geschichte bezeichnen."

Bitte schreiben Sie lieber:
"... als eine der Regierungen mit dem größten Einfluss sich christlich nennender Gruppierungen".

So wie im Text verwendet wird das Wort "christlich" komplett entwertet.

Schreibe ich als überzeugter Atheist, der aber die grundlegenden christlichen Werte in weiten Bereichen schätzt. Wenn sich die als Christen bezeichnenden Menschen nur mehr daran halten würden..


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Matze 83 #39

"Gott wolle es so, das ist ein Argument, mit dem man in den USA Politik begründen kann."

Ein "Argument" mit dem man im Mittelalter auch schon die Kreuzzüge "begründet" hat. "Deus Vult"
Wenn eine Gesellschaft soweit ist das man ihr"Gottes Wille" als ausreichende Begründung für politische Entscheidungen verkaufen kann, kann man als Politiker alles machen, jede Grenze überschreiten (sprichwörtliche und reale) und jedes Verbrechen rechtfertigen.


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Kohlenträgersohn #42

Klasse Zeitartikel, wann findet der erste analytische untersuchende gegen den Islam statt oder traut man sich nicht ?


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atech #42.1

what about...


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Matze 83 #42.3

Ich hatte mich schon gefragt wann hier der Erste mit "Aber der Islam..." um die Ecke kommt. :)


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SchnellerDrehmoment #43

Wer glaubt, dass der "liebe Gott" in diesem, sich immer weiter ausdehnenden, unfassbar großen Universum, ganz intensiv um kleine Erde kümmert und jeden Einzelnen von uns genau beobachtet, aufpasst, dass wir auch immer ordentlich beten, ganz nebenbei noch so Sachen wie die unbefleckte Empfängnis erfindet, natürlich alle Geschicke dieses Planeten genau vorher geplant hat, der glaubt auch, dass Fruchtzwerge gesund sind oder mit anderen Worten, dem ist auch nicht mehr zu helfen.


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SchnellerDrehmoment #43.3

... und wenn jemand was gegen Religionen sagt, werden seine Beiträge zensiert, weil man ja religiöse Gefühle verletzt.
Warum werden die anderen nicht davor geschützt, dass man ihren gesunden Menschenverstand beleidigt.


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Matze 83 #43.4

"Warum werden die anderen nicht davor geschützt, dass man ihren gesunden Menschenverstand beleidigt."

Weil diejenigen, die dem gesunden Menschenverstand statt irgendwelchen überkommenen Aberglauben anhängen erwachsen genug sind mit derartigen "Beleidigungen" umzugehen ohne einen Tobsuchtsanfall zu bekommen.

;)


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heined #47

Eines Tages platzte einer meiner Schüler mit muslimischer Herkunft in mein Büro und fragte: "Nicht wahr, Gott ist doch nur ein grosser Schwindel?"
Ich überlegte und antwortete: "Ich unterrichte Mathematik und nicht Religion. Schule ist neutral in solchen Fragen. Aber es ist doch so, dass wenn ich eine Wurst auf den Tisch lege und dem Hund verbiete sie zu essen, wird er gehorchen, so lange ich da bin. Was aber passiert, wenn ich hinausgehe?"
Schüler: Er schnappt sich die Wurst."
"Eben," fuhr ich fort," ein Mensch aber gehorcht auch dann, wenn ich weg bin. Denn man hat ihm beigebracht, dass Gott alles sieht."


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wilsieb #56

Liebe Deutschen, wähnt euch nicht sicher vor evangelikalen, fundamentalistischen Christen in Deutschland. Einer meiner besten Freunde, inklusive der ganzen Familie, ist Mitglied in einer evangelikalen Freikirche. Das ist Gehirnwäsche pur, meiner Meinung nach. Pfadfinder-Vereine sind auch oft von evangelikalen Freikirchen (z.B. die Royal Rangers).
Mein Freund erzählt z.B. gerne was von Anzeichen für die Apokalypse. Bis vor kurzem hat er noch Theologie und Musik studiert, inzwischen hat er Theologie abgebrochen und ist auf Englisch gewechselt (gutes Zeichen!).
Er studiert im Raum Stuttgart - da gibt es leider viele Evangelikalen...

... Ach ja, zum Bibelkreis geht er übrigens auch.


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freidenker80 #67

Ich finde es immer krass, wenn Leute meinen, den Willen eines übermenschlichen Wesens zu kennen. Jeder, der statt von Gott von anderen Fabelwesen wie Außerirdischen oder Kobolden faselt, ist reif für die Klapse. Aber wenn man sich einen Gott halluziniert und sich mit seinen Taten auf ihn beruft, wird das als normal akzeptiert.


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Erstmal -zurücklehnen #83
Das sind die christlichen Kirchen wie sie immer waren und bleiben. Die Kooperation mit den Nazis war es bei uns. Aktive Gegenwehr gegen "das Böse" schlechthin kam nur von einzelnen und sehr wenigen.
Heute salbadern sie bei uns wieder von Menschlichkeit. Aber jetzt wieder die Nagelprobe: Wo ist die klare Kante gegen das Verhalten von Seehofer und Co gegenüber dem Leid der Geflüchtete?
Sie politisieren und taktieren wieder. Klar meine Herren Kardinäle. ...


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Saltatio #83.2

Es gab katholische Priester und evangelische Pfarrer, die sind in den KG der Nazis gestorben. In Dachau gab es zum Beispiel einen "Pfarrerblock". Bitte werfen Sie nicht alles in einen Topf.


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Hartmann Ulrich #104

Die Unterstützung vieler Evangelikaler für Trump beweist, daß das, was sie für sich in Anspruch nehmen und was ihnen auch in diesem Artikel zugeschrieben wird, nämlich daß sie die Bibel wörtlich nehmen, in Wirklichkeit nicht zutrifft. Wenn man nämlich die Bibel wörtlich nimmt, und da ist es fast egal, welchen Teil, steht Trump fast durchweg für das Gegenteil. Demut, Wahrhaftigkeit, Friedenswille, Feindesliebe, Verzicht, Bußfertigkeit, Mäßigung... Nicht einmal seine Anhänger können ernsthaft behaupten, daß diese Werte, die in der Bibel hochgehalten werden, von Trump verkörpert werden. Daß sie ihn dennoch unterstützen, zeigt, daß es sich bei ihnen nicht um (wörtlich gemeint) christliche Fundamentalisten handelt, sondern um Nationalreligiöse.


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O Quijano #105

Text und Kommentare überbieten sich ja an Spott und Verachtung über christliche Amerikaner. Keine Ahnung ob es begründet ist oder nicht, dafür kenne ich diese Amerikaner zu wenig.
Eines weis ich aber: diejenigen, die sich so höhnisch über Glauben und Religion anderer erhaben fühlen, sollten sich fragen, ob sie selber nicht in grotesker Verblendung den Balken im eigenen Auge, die Allgegenwart von Glauben in ihrem eigen Leben übersehen.
Man mache einen Versuch und ersetzte „USA“ durch „Deutschland“ und „Gott/Religion/christlich“ beispielsweise durch „Europa“. Voilá, man erhält das Bild einer Gesellschaft, die in identischem Ausmaß vom Glauben bestimmt ist wie die Gemeinschaft der gerade noch unflätig als hinterwäldlerisch und irrational beschimpften Evangelikalen in den USA:
„Die Anwendung des Gesetzes sei gut und moralisch, so habe Europa es gewollt. Europa wolle es so, das ist ein Argument, mit dem man in den Deutschland Politik begründen kann. Wie sehr Europa und Politik in Deutschland verquickt sind, …… In seiner Rede stellte der Bundespräsident fest: Deutschland ist eine europäische Nation. Ohne Europa würde die deutsche Gesellschaft zugrunde gehen: Wenn unsere Nation sich von Europa abwendet, … usw …usw…usw“


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Paul Benjamin #109

Erwachsene Menschen mit unsichtbaren Freunden sollten von politischer Verantwortung ferngehalten werden.


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InXR #108

Pauschaler geht es nicht - solch ein Essay ist der "Zeit", die sonst so auf differenzierte Darstellung Wert legt, nicht würdig.
In Amerika steht "evangelical" für "evangelisch" und ist eine überkonfessionelle Bewegung, der auch ein Jimmy Carter angehört (nachzulesen bei Wikipedia "Evangelikalismus"). Dazu werden nur negative Attribute miteinander wild verknüpft und unter dem Strich kommen Trump-Mittelalter-Monster rüber. Dass unter diesen "Evangelikalen" auch Friedensaktivisten (z.B. Mennoniten) oder Ärzte (z.B. Mercy Ships) sind, die sich weltweit ehrenamtlich für die Ärmsten der Armen engagieren, wird bewusst weggelassen.
Solch ein Essay über DIE Atheisten geschrieben, die im 20. Jahrhundert mit Mao, Stalin, Hitler und Pol Pot über 100 Millionen Menschen abgeschlachtet haben, weil sie den Menschen und sich selbst damit in den Mittelpunkt des Universums gesetzt haben - oh, oh, da gäbe es einen Aufschrei. Zu Recht, denn natürlich ist nicht jeder Atheist ein Mao, Stalin, Hitler oder Pol Pot.
Genauso wenig wie "Evangelikale Christen" Trump-Mittelalter-Monster sind.
Von daher nur eine kleine Bitte, die aber dringlich: Differenzierter und weniger auf Beifall heischend! Denn Evangelikale abzuwatschen, da kann man sich dem Beifall in den Kommentarzeilen sicher sein.



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Haschim Ibn Hakim #110

Religion war schon immer ein probates Mittel zur Unterdrückung und Verdummung. Glauben muss man, was die Herrschaften vorgeben, waren sie doch 'Herrscher von Gottes Gnaden'. Seinerzeit hat der Papst den Kaiser gekrönt. Heutzutage läuft es halt ein wenig anders, aber überall wo sich Herrscher (oder Regierende) auf Gott berufen, ist etwas faul, Iran, Saudi-Arabien, und nun auch auch die USA.
Wer nichts weiss , muss eben glauben. Wissen, Erkenntnisse, kritisches Denken sind verpönt. ...


...


Aus einem  Essay von Paul Simon "Weil Gott es will" (7. Juli 2018)
Quelle: https://www.zeit.de/kultur/2018-07/evangelikale-donald-trump-religioeser-fundamentalismus-usa-migration/komplettansicht

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Erweiterter Machtdiskurs (Politik) / Zur Flüchtlingspolitik...
« on: July 06, 2018, 03:21:48 PM »
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[...] Malta hat ein zur Seenotrettung im Mittelmeer eingesetztes Aufklärungsflugzeug der deutschen Hilfsorganisation Sea-Watch festgesetzt. Die maltesischen Behörden hätten ab sofort alle Flüge in das Rettungsgebiet vor Libyen untersagt, teilte die Berliner Organisation am Mittwoch mit. Ihr Schiff „Sea Watch 3“ darf derzeit auch nicht auslaufen. Die maltesische Regierung bestätigte den Fall der Zeitung „Times of Malta“, allerdings ohne Gründe für die Entscheidung zu nennen.

Das Flugzeug „Moonbird“ wird nach den Angaben von Sea-Watch gemeinsam mit der Schweizer Humanitären Piloteninitiative betrieben und von der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) unterstützt. Das Flugzeug sei im vergangenen Jahr an der Rettung von 20.000 Menschen beteiligt gewesen.

Derzeit liegt auch das Schiff der deutschen Organisation Mission Lifeline in Malta an der Kette. Gegen den Kapitän des Rettungsschiffs wird ermittelt. Ihm wird unter anderem vorgeworfen, ohne richtige Registrierung in maltesische Gewässer gefahren zu sein.

Unterdessen konnte das Rettungsschiff der spanischen Hilfsorganisation Proactiva Open Arms mit 60 Migranten an Bord am Mittwoch in Barcelona anlegen. Den Menschen an Bord gehe es „den Umständen entsprechend gut“, erklärte eine Einsatzleiterin. „Sie sind glücklich, weil man ihnen erklärt hat, dass die Regierung will, dass sie hier bleiben.“

Zuvor hatten Italien und Malta das Schiff abgewiesen. Ein Vertreter der spanischen Regierung sagte, die Flüchtlinge würden auf dem Schiff zunächst von Mitarbeitern des Roten Kreuzes untersucht. Danach sollten Behörden ihre Identität feststellen, damit sie später in Aufnahmezentren gebracht werden könnten, hieß es. Unter den Passagieren waren 50 Männer, fünf Frauen und fünf Minderjährige.

Spaniens neue Regierung unter dem sozialistischen Ministerpräsidenten Pedro Sánchez erlaubte Mitte Juni bereits dem Rettungsschiff „Aquarius“ mit 630 Flüchtlingen an Bord das Anlegen, nachdem dieses ebenfalls von Italien abgewiesen worden war.

Derweil sterben im Mittelmeer immer mehr Flüchtlinge. Laut der Internationalen Organisation für Migration (IOM) kamen seit dem 19. Juni auf der zentralen Route Richtung Italien 483 Migranten ums Leben.

Am Dienstag barg die libysche Küstenwache sechs tote Migranten im Mittelmeer. 125 Menschen seien gerettet worden, nachdem ein Flüchtlingsboot östlich der Hauptstadt Tripolis gesunken sei, teilte die libysche Marine am Mittwoch mit. Der Vorfall habe sich nahe der Küste vor Garabulli ereignet.

Allein im vergangenen Monat sind nach Angaben der IOM 629 Menschen im Mittelmeer ertrunken. Erst am Sonntag starben vermutlich 63 Flüchtlinge bei einem weiteren Bootsunglück, wie die libysche Marine mitteilte.

Es müssten wieder mehr Rettungsschiffe unterwegs sein, um noch mehr Tote zu verhindern, twitterte IOM-Sprecher Flavio Di Giacomo. Vor allem die neue italienische Regierung fährt seit ihrem Amtsantritt vor einem Monat eine harte Linie gegen Migranten und lässt keine Schiffe von Hilfsorganisationen mehr in ihren Häfen anlegen.



Aus: "Sea-Watch : Malta setzt nach Schiff auch Flugzeug deutscher Seenotretter fest" (04.07.2018)
Quelle: http://www.faz.net/aktuell/politik/ausland/organisation-sea-watch-flugzeug-auf-malta-festgesetzt-15674361.html

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[...] Auf der Suche nach einem Server hat die Polizei am Mittwochabend mit einem Großaufgebot das linke Kulturzentrum "Langer August" in Dortmund durchsucht. Das berichtet der WDR und schreibt, die Beamten seien "nicht zimperlich vorgegangen". So seien die schweren Panzertüren des Vereins "Wissenschaftsladen" aufgebrochen oder von der Feuerwehr aus den Angeln gehoben worden.

Wie Nordstadtblogger erläutert, wurden aber nicht nur die Räumlichkeiten des Vereins durchsucht, sondern alle Räume. Dort hat neben verschiedenen linken Gruppierungen auch der Dortmunder Ableger des Chaos Computer Clubs (CCC) seinen Sitz. Der Verein hatte erst am Mittwoch Details zu einer massiven Durchsuchung seiner Räumlichkeiten in Augsburg öffentlich gemacht.

Wie der WDR berichtet, ging es den Ermittlern nach deren Angabe um einen Server, der im "Wissenschaftsladen" angeschlossen war. Der Verein bietet unter anderem Plätze für nichtkommerzielle Server an, um gesellschaftlichen Gruppen zu ermöglichen, das Internet zu nutzen.

Eine Anwältin des Vereins hat erklärt, dass auf einem dieser Server den Ermittlern zufolge eine Internetseite lag, auf der "eigentlich geheime Dokumente" veröffentlicht wurden – das wäre vergleichbar zu Wikileaks. Um welche Internetseite und welche Dokumente es geht, ist bislang nicht bekannt. Die Staatsanwaltschaft Köln, der die federführende Zentral- und Ansprechstelle Cybercrime Nordrhein-Westfalen zugeordnet ist, hat auf eine Anfrage von heise online noch nicht geantwortet.

Kritik gibt es nun einmal mehr an der Verhältnismäßigkeit des Vorgehens. Vertretern der in dem Zentrum ansässigen Vereine zufolge wurden weit mehr Räume durchsucht, als es für eine Suche nach dem fraglichen Server notwendig wäre. So seien auch Materialien von antifaschistischen Gruppen beschlagnahmt worden. Auf welcher Grundlage das geschehen ist, sei unklar. Nordstadtblogger [ https://www.nordstadtblogger.de/cybercrime-razzia-des-lka-beim-wissenschaftsladen-in-der-nordstadt-beamte-durchsuchten-den-langen-august/ ] hat die Schäden an den Türen dokumentiert. Die anderen im "Wissenschaftsladen" im Rahmen des Projekts free.de gehosteten Server sind von dem Vorgehen nicht betroffen und können weiter laufen.

Die Hausdurchsuchung in Dortmund folgte am Mittwoch nur wenige Stunden auf Berichte über umfangreiche Durchsuchungen in mehreren deutschen Städten, von denen die Datenschutz-Aktivisten von "Zwiebelfreunde", ein Hackerspace in Augsburg und ebenfalls der CCC betroffen war. Dabei ging es der zuständigen Generalstaatsanwaltschaft zufolge um einen anonym betrieben Blog, auf dem zu Gewalt gegen den AfD-Bundesparteitag aufgerufen wurde. Als Kontaktmöglichkeit ist dort lediglich eine beim US-Anbieter RiseUp gehostete E-Mail-Adresse angegeben.

Weil die Zwiebelfreunde für diesen Dienst Spenden sammeln, seien sie als Zeugen in den Fokus geraten. "Über das Sammeln der Geldspenden hinaus" sehe man keine Verbindung zwischen RiseUp und Zwiebelfreunde, so die Ermittler. (mho)

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     Admin Funny, 05.07.2018 10:21

Was da wohl für Geheimnisse versteckt waren?

Bei so einem Aufwand und so einer Unverhältnismäßigkeit, kann man nur über den Inhalt von den "geheimen Daten" spekulieren. Wenn der CCC schlau war, dann sind die Daten eh im Ausland auf einem Server gespeichert.

Dennoch ist das extrem bedenklich, wie die Polizei da vorgeht. Wahrscheinlich wird der wahre Hintergrund dieser Aktionen niemals ans Tageslicht kommen.


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     cooregan, 05.07.2018 10:53

Furchtbar. Einfach nur furchtbar.

Ich mache jetzt seit gut zwölf Jahren Bürgerrechtsarbeit in Sachen Datenschutz. Und hab mich dabei eigentlich nie bedroht gefühlt. Sondern hatte immer irgendwie den Eindruck, dass das, was wir tun, zwar inhaltlich von den Protagonisten des Sicherheitsapparates argwöhnisch betrachtet, aber letztendlich als begrüßenswerter Teil des demokratischen Diskurses angesehen wird. Man hat sich in der Sache gestritten, und so manches böse Wort ist gefallen. Aber man ist fair und ohne Anwendung von Repression oder Gewalt miteinander umgegangen.

Es fühlt sich gerade so an, als würde sich das ändern. Das hat mit der 'Geheimnisverrat'-Geschichte bei Netzpolitik angefangen, und findet nun mit den Angriffen der 'Staatsmacht' auf den CCC und dessen Umfeld seine Fortsetzung.

Für mich ist das schockierend. Ich habe nicht geglaubt, dass man so weit gehen würde.

Und es stellt sich nun die Frage, wie man damit umgehen soll. Man denkt - und sei es auch nur für ganz kurze Augenblicke - ans Aufgeben. Sogar daran, das Land zu verlassen, bevor es noch schlimmer wird.

Ja, das ist albern und unangemessen. Und es sind wie gesagt auch nur Gedankenblitze. Aber man merkt, dass die Einschläge rasch näher kommen.

Ich unterstelle, dass mindestens mal ein paar der Verantwortlichen für diese Polizeiaktionen auch genau diese Einschüchterung der Datenschutz-Aktivisten erreichen wollten. Und ich muss eingestehen, dass es - wenigstens bei mir - funktioniert.

Ich kann nur hoffen, dass die anstehende Aufarbeitung dieser Übergriffe durch Dienststellen und Gerichte dieser Entwicklung Einhalt gebietet. Hier muss rasch eine rote Linie gezogen werden, bevor sich Zustände etablieren, von denen wir mal gesagt hatten, dass wir sie nie wieder haben wollen.

Und ich hoffe, dass die 'Szene' wieder etwas von der breiten Unterstützung durch die interessierte Bevölkerung, die ihr in den vergangenen Jahren abhanden gekommen ist, zurückerlangt.

gruß
cooregan
*schockiert*



...


Aus: "Polizei-Großeinsatz wegen Server: Kritik an Hausdurchsuchung in Dortmund" Martin Holland (05.07.2018)
Quelle: https://www.heise.de/newsticker/meldung/Polizei-Grosseinsatz-wegen-Server-Kritik-an-Hausdurchsuchung-in-Dortmund-4100194.html

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"Hausdurchsuchungen bei Netzaktivisten Chaos Computer Club kritisiert Vorgehen der Polizei" (04.07.2018)
Polizisten haben Vereinsräume und Wohnungen von Netzaktivisten durchsucht. Die Betroffenen gelten nur als Zeugen, trotzdem wurden Dokumente und Technik beschlagnahmt. Das wirft Fragen der Verhältnismäßigkeit auf. Auf Betreiben der Generalstaatsanwaltschaft München wurden am 20. Juni die Räume des Dresdner Vereins Zwiebelfreunde und die Wohnungen von Vorstandsmitgliedern in Berlin, Dresden, Augsburg und Jena durchsucht. Neben Festplatten, Mobiltelefonen und Computertechnik beschlagnahmten die Polizeibeamten auch etliche Dokumente wie Spendenquittungen und Mitgliederlisten aus den vergangenen Jahren. Auch die Augsburger Räumlichkeiten des Chaos Computer Clubs (CCC) wurden durchsucht.
Die breit angelegte Polizeiaktion wirft Fragen der Verhältnismäßigkeit auf. ... Constanze Kurz, Sprecherin des Chaos Computer Clubs, der seit Jahren eng mit den Zwiebelfreunden zusammenarbeitet, kritisiert das Vorgehen der Behörden scharf: "Die Durchsuchung bei Zeugen ist absolut unverhältnismäßig, man behandelt die Leute wie Straftäter, dabei sammeln sie lediglich Spenden."
Sie betont, dass auch Daten des CCC betroffen seien, da Dokumente des Vorstands in Augsburg beschlagnahmt wurden. "Der Fall ist ein Musterbeispiel dafür, wie sich übertriebenes polizeiliches Vorgehen massiv auf das Leben und die Arbeit von Menschen auswirkt", sagt Kurz.
... Die zuständige Polizei wollte auf Anfrage des SPIEGEL keine Stellung nehmen. Die Generalstaatsanwaltschaft München teilte mit, dass die von der Durchsuchung betroffenen Personen nicht verdächtig seien und die Auswertung der beschlagnahmten Computer und Datenträger andauere.
Kurios mutet eine Szene während der Durchsuchung des von Bartl mitbetriebenen Projekts OpenLab in Augsburg an: An einer Tafel fanden die Beamten chemische Formeln, im gleichen Raum diverse Chemikalien. Sofort nahmen sie alle Anwesenden, auch Bartl, in Gewahrsam und durchsuchten weitere Räume.
In kürzester Zeit stellte sich heraus, was die Festgenommenen laut eigener Angabe schon vor Ort erklärt hatten: Bei den Chemikalien handelte es sich es um handelsübliches Zubehör für den 3D-Druck und das Ätzen von Platinen. ...
http://www.spiegel.de/netzwelt/web/hausdurchsuchungen-bei-netzaktivisten-chaos-computer-club-kritisiert-polizeivorgehen-a-1216463.html

"Massive CCC-Kritik an Polizei: Hausdurchsuchung bei Datenschutz-Aktivisten Update" Martin Holland (04.07.2018)
Im Juni gab es Durchsuchungen bei Mitgliedern von Zwiebelfreunde. Im Fokus waren sie als Zeugen, nicht als Verdächtige. Die Hintergründe scheinen fragwürdig.  ...
https://www.heise.de/newsticker/meldung/Massive-CCC-Kritik-an-Polizei-Hausdurchsuchung-bei-Datenschutz-Aktivisten-4098764.html


„Zwiebelfreunde“-Durchsuchungen: Wenn Zeugen wie Straftäter behandelt werden" Alexander Fanta (04.07.2018)
Ein Spendenaufruf auf der Vereinswebseite reicht, um die bayerische Polizei bei Tagesanbruch durch die Wohnungstür marschieren zu lassen. Anlass für die Aktion war eine eher fadenscheinige Verbindung zu einem strittigen Demo-Aufruf. Wir sprachen nach dem Einsatz mit den Betroffenen vom Verein „Zwiebelfreunde“, die sich zu Unrecht kriminalisiert sehen. ...
https://netzpolitik.org/2018/zwiebelfreunde-durchsuchungen-wenn-zeugen-wie-straftaeter-behandelt-werden/


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Erweiterter Machtdiskurs (Politik) / Zur Flüchtlingspolitik...
« on: July 04, 2018, 12:54:50 PM »
"Flugzeug auf Malta festgesetzt" (4. 7. 2018)
BERLIN/FRANKFURT AM MAIN epd | Die zivile Seenotrettung im Mittelmeer beklagt eine immer lähmendere politische Kampagne gegen ihren Einsatz. Nach der Blockade mehrerer Schiffe sei nun auch das Aufklärungsflugzeug „Moonbird“ auf Malta festgesetzt worden, erklärte die Seenotrettungsorganisation Sea-Watch am Mittwoch in Berlin. Das auf Malta stationierte Flugzeug wird von Sea-Watch und der Schweizer Humanitären Piloteninitiative (HPI) betrieben und von der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) unterstützt.
Die maltesischen Behörden hätten ab sofort alle weiteren Flüge in das Suchgebiet vor der libyschen Küste untersagt, teilte Sea-Watch mit. Dabei sei das Flugzeug im vergangenen Jahr an der Rettung von 20.000 Menschen beteiligt gewesen. „Mehr als 1.000 Menschen wären fast sicher gestorben, hätte die Crew die sinkenden Boote nicht in letzter Sekunde gefunden“, betonte die Organisation.
Die „Moonbird“ habe über ein Jahr lang fast täglich von Malta aus Einsätze geflogen, „stets in bester Zusammenarbeit mit den maltesischen Behörden und der italienischen Küstenwache“. Das einmotorige Flugzeug vom Typ Cirrus SR22 erfülle alle gesetzlichen Voraussetzungen.
„Den politisch Verantwortlichen sollte klar sein, was dieses Flugverbot bedeutet: Die Menschen auf den Booten werden nicht gerettet, sondern ertrinken ungesehen“, sagte Pilot und HPI-Gründer Fabio Zgraggen. „Seitdem die zivilen Rettungskräfte nicht mehr helfen dürfen, erleben wir einen massiven Anstieg der Opferzahlen.“
Der „Moonbird“-Einsatzleiter Ruben Neugebauer sprach von politischem Kalkül: „Ganz offensichtlich soll es keine unabhängigen Augenzeugen geben, die das Sterben und die Menschenrechtsverstöße auf dem Mittelmeer dokumentieren.“ Die europäische Öffentlichkeit solle nicht erfahren, „wie barbarisch die Abschottungspolitik an den Außengrenzen“ durchgesetzt werde. „Es soll keine Beweise geben, wie Menschen ertrinken oder wie die sogenannte libysche Küstenwache agiert.“
Auch der Vorsitzende der Kammer für Migration und Integration der EKD, Präses Manfred Rekowski, betonte, es brauche die Beobachtung aus der Luft: „Damit das Sterben auf dem Mittelmeer nicht aus dem Blick gerät, damit Rettung geschehen kann und auch, damit wir uns unabhängig informieren können, was zwischen Libyen und Italien auf dem Wasser geschieht.“
Ein politisches Vorgehen gegen Menschenrechtsorganisationen, willkürliche Verbote oder Beschlagnahmungen seien aus anderen Teilen der Welt bekannt, erklärte der Leitende Geistliche der Evangelischen Kirche im Rheinland der Mitteilung zufolge. „Mitten in Europa, im Rechtsraum der Europäischen Union ist das ein Skandal.“
https://www.taz.de/Seenotrettung-im-Mittelmeer/!5518936/

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Erweiterter Machtdiskurs (Politik) / Edward Snowden...
« on: July 04, 2018, 07:58:51 AM »
"Edward Snowden im Interview: "Merkels Haltung ist eine Enttäuschung"" (29. Juni 2018)
Der US-Whistleblower Edward Snowden kritisiert die Bundeskanzlerin dafür, dass ihm Deutschland kein Asyl gewährt. Beim SZ-Gespräch in Moskau spricht er über seinen Alltag und nennt die Putin-Regierung "in vielerlei Hinsicht korrupt". ... Vier Stunden lang nahm Snowden sich für das Gespräch Zeit, aß nichts und trank nur Wasser. Er habe sich "damit abgefunden", sagte Snowden, "dass ich mein ganzes Leben lang die Konsequenzen dafür tragen werde, der Öffentlichkeit gesagt zu haben, was ich weiß". Lieber würde er in einem europäischen Land leben, in Deutschland etwa.
Bundeskanzlerin Angela Merkel kritisierte Snowden dafür, ihm kein Asyl zu gewähren: Ihre "Haltung ist eine Enttäuschung". Wenn ein russischer Whistleblower "bei Frau Merkel anklopfen würde", würde die Kanzlerin "ihn adoptieren. Aber wenn ein US-Whistleblower vor Merkels Haustür auftaucht, ist diese Frage nicht beantwortet." Dabei sei es doch leichter, sich dem neuen US-Präsidenten Donald Trump entgegenzustellen, als dem weithin respektierten Barack Obama, der bis 2017 in Washington regierte.
Wolfgang Kaleck, Snowdens deutscher Anwalt, erklärte den SZ-Reportern: "Wir haben die Lage in Deutschland wie in anderen Ländern Europas exploriert, juristisch wäre eine Einreise möglich gewesen, politisch wurde jedoch von allen blockiert." Wie sehr Snowden an einem anderen Wohnort gelegen ist, zeigt Kalecks Appell an die Bundesregierung: "Wir sind nach wie vor offen für Gespräche und Angebote der Bundesregierung wie anderer europäischer Regierungen."
Snowden, der einst auch für die CIA arbeitete, kritisierte darüber hinaus die neue CIA-Direktorin Gina Haspel. Diese sei tief in die US-Folterpraktiken nach dem 11. September 2001 verstrickt: "Die aktuelle CIA-Direktorin ist eine Kriegsverbrecherin." Er frage sich, wie sich Deutschland verhalten werde, wenn sie demnächst nach Europa reise. "Die Frage ist dann: Wird die deutsche Regierung mit einer Folterverantwortlichen kollaborieren und sie unbehelligt reisen lassen?"
Snowden berichtete, wie er gleich nach seiner Ankunft am Moskauer Flughafen vom russischen Geheimdienst angesprochen worden sei: "Ich habe mich sehr entschieden geweigert zu kooperieren." Er habe keine Kontakte zur russischen Regierung, und das sei Absicht. "Ich will keine Verbindungen zu denen. Ich will keine Verstrickung. Ich hatte nie vor, hier zu sein." ...
http://www.sueddeutsche.de/politik/edward-snowden-im-interview-merkels-haltung-ist-eine-enttaeuschung-1.4034633

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"Snowden kritisiert Putin – und ist von Merkel enttäuscht" (29.06.2018)
... Die Bundesregierung fürchtet jedoch eine schwere Belastung der Beziehungen zu den USA, falls Snowden nach Deutschland kommen würde. Deshalb wurde er auch nicht als Zeuge im NSA-Untersuchungssausschuss (2014-2017) des Bundestages nach Deutschland eingeladen, wie dies die damalige Opposition aus Linken und Grünen forderte. (dpa) ...
https://www.waz.de/politik/snowden-kritisiert-putin-und-ist-von-merkel-enttaeuscht-id214726159.html

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"Edward Snowden hat Deutschland verändert" (6. Juni 2018)
... Man will nicht Vasall der Amerikaner sein. In den Snowden-Dokumenten meinten viele Deutsche den Beleg dafür zu erkennen, dass Deutschland in der Geheimdienstwelt genau dies weiterhin sei: ein bereitwilliger, ja unterwürfiger Datenlieferant für die NSA, wie es manche empfanden.
Die Snowden-Papiere von 2013 haben der Welt vor Augen geführt, wie gründlich Geheimdienste die weltweite Kommunikation der Bürger durchstöbern. Aber aus Sicht vieler Deutscher zeigten sie auch das angebliche deutsche Duckmäusertum gegenüber Washington. Das hat die politische Debatte hierzulande befeuert. Offen blieb dabei die Frage, ob der deutsche Staat bei seiner Kooperation mit der NSA wirklich als Diener der USA handelte - oder nicht vielmehr als Hilfeempfänger, der regelmäßige freundliche Hinweise auf Terrorpläne bekommt und als Gegenleistung wenig zu bieten hat.
In den USA und in Großbritannien griffen vor allem Liberale und Bürgerrechtler die Snowden-Enthüllungen auf, um daraus politische Forderungen gegen ihre Regierungen zu erheben. Zum Mainstream wurde das nicht, ihre kritische Masse blieb gering. In Deutschland war die politische Resonanz breiter, weil sich aus Snowdens Enthüllungen hier auch ein außenpolitisches Argument münzen ließ: Einen "Verrat" an Deutschland warf der Spiegel auf einer Titelseite deutschen Spitzenpolitikern vor, weil sie sich angeblich zu wenig selbstbewusst gegenüber Amerika verhalten hätten. ...
http://www.sueddeutsche.de/digital/fuenf-jahre-snowden-affaere-edward-snowden-hat-deutschland-veraendert-1.4004670

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"Die meisten Journalisten sollten unsicher sein und dies auch kommunizieren" Thomas Pany (30. Juni 2018)
Michael Meyen ist Professor für Allgemeine und Systematische Kommunikationswissenschaft an der Ludwig-Maximilians-Universität München und Mitgründer des Netzwerks kritische Kommunikationswissenschaft.
Darüber hinaus ist er Autor der Bücher Breaking News: Die Welt im Ausnahmezustand und - zusammen mit Kerem Schemberger - "Die Kurden. Ein Volk zwischen Unterdrückung und Rebellion. ...
Im Rahmen der Veranstaltung Russland: Eskalation im Medienkino in der Reihe Telepolis-Salon sprach Telepolis mit ihm über das Russland-Bild in deutschen Medien.
Quelle: https://www.heise.de/tp/features/Die-meisten-Journalisten-sollten-unsicher-sein-und-dies-auch-kommunizieren-4095271.html?seite=all

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"Der ökonomischen Konzentration folgt die publizistische Konzentration" Marcus Klöckner (13. Juli 2018)
Die Marktmacht großer Verlag wächst weiter: Der Dortmunder Zeitungsforscher Horst Röper hat vor kurzem die Ergebnisse seiner aktuellen Untersuchung zur Konzentration auf dem Markt der Regional- und Lokalpresse bekanntgeben. Die Untersuchung, die Röpers Medienforschungsinstitut formatt alle zwei Jahre durchführt, zeigt einen Rekordwert. Der Gesamtanteil der 10 größten Verlagsgruppen liege nun bei knapp 62 Prozent, die Konzentration habe um 1,8 Prozentpunkte zugenommen, so Röper im Telepolis-Interview. Ein Gespräch über Monopole auf dem Zeitungsmarkt und den immer enger werdenden Meinungskorridor in der Presse. ...
https://www.heise.de/tp/features/Der-oekonomischen-Konzentration-folgt-die-publizistische-Konzentration-4099043.html

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Kommentar Kai Schächtele: "Zynismus der Medienwirklichkeit - Wir Journalisten können nicht so weitermachen wie bisher" (12. Juli 2018)
Im Deutschlandfunk [ ] sprach Stefan Koldehoff am Montag einen Kommentar über die von vielen „im Internet“ geäußerte Kritik, dass Medien über die eingeschlossenen Kinder in Thailand so viel berichten, über die Hunderten von Kindern, die im Mittelmeer ertrunken sind, aber fast nicht. Die Geschichten der Kinder, die im Mittelmeer sterben, sagte er, ließen sich nicht so medienwirksam erzählen wie die der Jungen aus der Höhle. Es gebe keine Gesichter, keine Geschichten, keine Bilder. „Und deswegen wird über diese Kinder – das ist der furchtbar zynische Teil der Medienwirklichkeit – auch weniger berichtet.“ ... Warum tun sich Medien genau damit so schwer: angemessen auf das zu reagieren, was im Moment um uns herum geschieht? ... Die Debatte um Thailand ist ja nur das Symptom. Die Ursachen wurzeln tiefer und gehen dem Selbstverständnis des journalistischen Kosmos ans Mark. Wir stehen gerade an einem Wendepunkt unserer Geschichte. Bernd Ulrich von der ZEIT schreibt in seinem sehr lesenswerten Essay „Wie radikal ist realistisch?“: „500 Jahre europäische beziehungsweise 100 Jahre westlich-amerikanische Dominanz gehen zu Ende – und schlagen zurück. Mehr und mehr wird die vom Westen betriebene Globalisierung dialektisch.“ Wir müssten nun anfangen, auch in den Medien über die wirklich existenziellen Probleme unserer Zeit zu sprechen. Die wahren Bedrohungen unserer Zeit sind nicht Terror oder Migranten – es ist der Klimawandel, der den Planeten für unsere nachfolgenden Generationen schlicht unbenutzbar machen und Flüchtlingsströme auslösen wird, gegen die sich unsere Enkel wünschen werden, sie hätten unsere Probleme von heute. ... Natürlich ist niemandem geholfen, wenn Journalisten politischen Kampagnen aufsitzen oder ihre Skepsis aufgeben. Aber es hat auch keinen Sinn, jede Debatte zu beenden, bevor sie begonnen hat, mit dem Hinweis auf die journalistische Praxis der vergangenen Jahrzehnte. Wir stehen an einer Zeitenwende. Wenn ich mich entscheiden muss, ob ich weiter Journalist bleibe in einem Betrieb, der nicht willens oder in der Lage ist, sich zu hinterfragen, oder ob ich Partei ergreife für den Kampf um die Lebensverhältnisse auf diesem Planenten und Humanität, muss ich nicht lange nachdenken. Dann kündige ich und werde Aktivist, der mit journalistischen Mitteln davon erzählt, vor welchen Herausforderungen wir gerade stehen und wie wir sie in den Griff bekommen können. ...
https://uebermedien.de/29692/wir-journalisten-koennen-nicht-so-weitermachen-wie-bisher/

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Heinz Schnabel
12. Juli 2018 um 18:21 Uhr

Herr Schächtele sollte sich entscheiden: Aktivist oder Journalist.


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B. Hellwig
12. Juli 2018 um 21:24 Uhr

Jubel, Trubel, Heiterkeit bedient die Ansprüche der konsumgesteuerten Spaßgesellschaft. Hunger, Elend, Tod sind unerwünschte, geflissentlich zu verdrängende Nebenerscheinungen.
Sie können zur Primetime auf dem einen Kanal den besten Bericht über den Klimawandel senden und zeitgleich wird auf einem anderen Kanal live über das stofftiergespickte Kinderzimmer des jüngsten britischen Thronfolgers berichtet. Klar, dass „he is soooo sweet“ in seinem Aston Martin-Bobby-Car mehr Zuschauer anziehen wird.
Andererseits, zeigen z. B. die aufwendigen Dokus von Hannes Jaenicke („.. im Einsatz für…“), dass es durchaus möglich ist, die Menschen für Umweltschutz und Kimawandel zu sensibilisieren. Selbst, wenn von 1 Million Zuschauern, nur einige Zehntausend künftig mehr mit dem Rad fahren, weniger Plastikkram verbrauchen, Fair-Trade-Produkte kaufen oder einsehen, wieviele „arme Schweine“ in ihrem tollen iPhoneX stecken, dann ist immerhin auch schon ‚was erreicht worden.


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LLL
12. Juli 2018 um 21:46 Uhr

„Die wahren Bedrohungen unserer Zeit sind nicht Terror oder Migranten – es ist der Klimawandel, der den Planeten für unsere nachfolgenden Generationen schlicht unbenutzbar machen und Flüchtlingsströme auslösen wird, gegen die sich unsere Enkel wünschen werden, sie hätten unsere Probleme von heute.“

Durchaus zutreffend – allerdings fallen mir auch einige andere Themen ein, die ziemlich relevant sind, in den Medien aber nur ein Schattendasein führen. Um nur mal ein paar markante Beispiele zu nennen:

– Die seit vielen Jahrzehnten und im Grunde seit der Kolonialzeit betriebene Politik des Westens, durch offene und verdeckte Kriege sowie Geheimdienstoperationen und Unterstützung von Diktaturen oder Terrororganisationen starken Einfluss auf ganze Regionen zu nehmen – so etwa auf den Nahen Osten. Zahlreiche Probleme, die zu Flüchtlingsströmen führten, wurden so erst geschaffen. (Es gibt natürlich auch andere Akteure, die man kritisieren kann, aber der Westen spielt hier traditionell die „erste Geige“.)
Nur einige Beispiele: Hilfe beim erfolgreichen Putsch gegen den demokratisch gewählten Präsidenten Syriens Schukri al-Quwatli 1949; Sturz des liberalen Ministerpräsidenten Mossadegh in Persien 1953; Beförderung Saddam Husseins an die Macht als Alleinherrscher (1963). Zumindest einige andere Beispiele dürften bekannt sein, etwa die Entstaatlichung ganzer Länder in jüngerer Zeit.

– Die langjährige Wirtschaftspolitik etwa der EU, die vielen Menschen in Afrika schlichtweg die Existenzgrundlage raubt.
http://www.sueddeutsche.de/wirtschaft/freihandel-eu-importe-torpedieren-afrikas-wirtschaft-1.3314106

– Die Politik insbesondere der BRD, die aller Voraussicht nach de europäischen Währungsraum zerstören wird – mit verheerenden Folgen auch für Deutschland selbst.
https://makroskop.eu/2018/06/oekonomie-jenseits-der-schwaebischen-hausfrau/

Das – zusammen mit dem Klimawandel – wären wirklich wichtige und große Themen. In den Medien kommen sie eher am Rande vor. Donald Trumps Frisur oder die Eröffnung der grünen Wochen in Buxtehude scheint mitunter wichtiger zu sein.

Durch ihre Berichterstattung verzerren die Medien natürlich auch die Realitätswahrnehmung der Menschen. Ich erinnere mich noch, wie nach einer repräsentativen Umfrage der Zuzug von Osteuropäern als das größte Problem überhaupt angesehen wurde. Zu danken ist der damaligen CSU, die das Thema ganz groß auf die Agenda gesetzt hat – aber natürlich auch den Medien, die fleißig mitgemacht haben. Heutzutage kräht kein Hahn mehr nach dem Thema.


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Gunter Frank
13. Juli 2018 um 10:44 Uhr

Michael Steinbrecher, der Journalismus lehrt, sagte mir einmal, dass man jungen Journalisten vor allem eine Haltung vermitteln muß, ganz so wie es auch dem Autor dieses Beitrages vorschwebt. Ich finde, dass ein Journalist, der ein Thema bearbeitet, nur eine Haltung haben sollte, nämlich gar keine. Hat er eine Haltung steht schon vor seiner Recherche die Überschrift fest. Das ist dann aber kein Journalismus mehr. ...


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Andreas
13. Juli 2018 um 16:18 Uhr

Ich wundere mich vor allem darüber, mit welcher Selbstverständlichkeit die Kinder in der Höhle in Thailand in eine Relation zu ertrinkenden Flüchtlingen gesetzt werden. Das ist das gleiche Muster, das Horst Seehofer eine Mitschuld am Tod eines abgeschobenen Asylbewerbers gibt.

An die Stelle einer sachlichen Diskussion über Probleme tritt immer mehr eine Moralisierung von Problemen. Wahrscheinlich weil es einfacher ist für den Denkapparat. Eine Beobachtung, die leider nicht nur auf die Kommentarspalten zutrifft, sondern auch für die Medien gilt. Es ist einfacher, über Trumps neue Aussetzer zu moralisieren, als sich ernsthaft mit den Hintergründen seiner Politik auseinander zu setzen. Es ist einfacher, erschüttert über die schrecklichen Erlebnisse Einzelner in Libyschen Lagern zu sein, als sich mit den gesellschaftlichen Strukturen auseinander zu setzen, die dieses Leid verursachen. Dieser Mechanismus gibt dem Populismus seine Durchschlagskraft.

Der vorliegende Artikel stößt in das gleiche Horn und er zeigt auch einen Folgeeffekt der Moralisierung: Immer mehr Menschen scheinen mit immer größerer Sicherheit zu wissen, was richtig und was falsch ist. Moniert wird, das auf einer Veranstaltung zu wenig Journalisten waren, was impliziert, das viel mehr hätten vor Ort sein müssen. Es ist die Rede von der Angemessenheit der Berichterstattung, was impliziert, dass glasklar ist, was angemessen ist und was nicht.

Unsere Gesellschaft wird immer komplexer, differenzierter, schwerer zu durchblicken. Gleichzeitig steigt die Zahl derer, die den Durchblick haben. Über diesen Widerspruch liest man erstaunlich wenig im Internet. Ist halt ein schwieriges Thema.


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Erweiterter Machtdiskurs (Politik) / Zur Flüchtlingspolitik...
« on: June 28, 2018, 05:50:52 PM »
"Von Tätern und Opfern" Bartholomäus von Laffert | Ausgabe 26/2018 35
Seenotrettung Wer Menschen hilft, macht sich schuldig – will uns der irre Zeitgeist glauben lassen. ... Horst Seehofer könnte zum Helden werden. 230 Menschenleben mit einer Unterschrift retten – so eine Chance bekommt man nicht alle Tage. Berlin und Schleswig-Holstein bieten an, die Flüchtende, die seit Tagen auf dem Seenotrettungsschiff Lifeline 24 Meilen vor Maltas Küste ausharren, aufzunehmen. Unter anderem auch Frankreich hat Hilfe angeboten, sollte es eine europäische Lösung geben. Doch bis Mittwochmorgen blieb die Hand des deutschen Innenministers ungerührt, die Lifeline und ihre Passagiere bangen weiter in Ungewissheit. ... Moralbeladene Lebensretter-Helden, das war 2015 einmal. Neue Helden, das sind die rechten Rumpelstilzchen von einst: Matteo Salvini, Heinz-Christian Strache, Seehofer selbst – auf Innenministerposten zu nimmersatten Godzillas transformiert, die mit der Achse Rom-Wien-Berlin Europa weiter zur fremdenfeindlichen Festung ausbauen wollen, ohne dass sie irgendwer ernsthaft abhielte. Angela Merkel druckst herum, die SPD ist verschwunden und das Gros der deutschen Medien grämt sich wegen seines vermeintlichen Willkommensjournalismus im Jahr 2015. Zeit und Stern hieven vor lauter schlechtem Gewissen Asyl-Mordopfer auf ihre Titel, der Spiegel Naturkatastrophenmetaphern; Flüchtende brechen dort als graue Punkte auf einer Welle surfend über Deutschland herein.
Es ist eine merkwürdige Täter-Opfer-Umkehr in Blitzzeit, die auf ihrem Höhepunkt ist, jetzt wo die vermeintlichen Opfer an der Macht sind. „Piraten“ hat Salvini die ehrenamtlichen Seenotretter auf dem Mittelmeer genannt, „Menschenfleisch“ die Flüchtenden. 310 von ihnen sind seit dem Amtsantritt des italienischen Innenministers am 1. Juni auf dem Mittelmeer ertrunken. Dreihundert. Zehn. Menschen. Nicht Punkte. Wäre die Lifeline nicht gewesen, wären höchstwahrscheinlich 230 Tote dazugekommen. Aber dafür wollen Italien und Malta den Lifeline-Kapitän Claus-Peter Reisch jetzt auf die Anklagebank bringen. ...
https://www.freitag.de/autoren/bartholomaeus-von-laffert/von-taetern-und-opfern

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Ratatörskr | Community

Hanna Ahrendt sprach von der Banalität des Bösen und hier [... ] gibt es auch die Banalität der Intelligenz.


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"5 Mythen über die „Flüchtlingskrise“" Daniel Trilling (06/2018)
Migration Die Kameras sind weg, die Not dauert an. Daniel Trilling dekonstruiert die Vorstellungen, die Politik und öffentliche Meinung noch immer bestimmen ... Die sogenannte „Flüchtlingskrise“, die in den Jahren 2015 und 2016 die Nachrichten bestimmte, bestand hauptsächlich aus einem starken Anstieg der Zahl der Menschen, die nach Europa kamen, um Asyl zu beantragen. Diese Zahl ist wieder zurückgegangen, und die Regierungen haben die Bewegungsfreiheit von Migranten ohne Aufenthaltsberechtigung innerhalb der EU stark eingeschränkt. Viele Tausende stecken in Aufnahmezentren oder Lagern in Südeuropa fest, während andere versuchen, an ihrem neuen Wohnort ein neues Leben zu beginnen.
Aber es wäre ein Fehler, die Krise als ein Ereignis zu betrachten, das 2015 begann und im Jahr darauf zu Ende ging. Diese Sichtweise verschleiert, dass die Ursachen der Krise sich nicht geändert haben. Sie suggeriert ein bis dato unschuldiges Europas, das von Ausländerhorden heimgesucht wurde, mit denen es eigentlich nur wenig zu tun hat. Die Katastrophe der vergangenen Jahre hat aber genauso viel mit der europäischen Einwanderungspolitik zu tun wie mit Ereignissen außerhalb des Kontinents. Teil der Krise waren auch Überreaktionen und Panik, die durch falsche Vorstellungen darüber ausgelöst wurden, wer die Migranten sind, warum sie nach Europa kommen und was das für diesen Kontinent bedeutet. ...
https://www.freitag.de/autoren/the-guardian/5-mythen-ueber-die-fluechtlingskrise

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"Ich habe recht. Du nicht" (Michael Angele | Ausgabe 25/2018)
Nun ist die Beobachtung, dass ein „Volk“ eine Therapie bräuchte, nicht neu. Vor gut 50 Jahren erschien das Buch Die Unfähigkeit zu trauern. Geschrieben hatten es die Psychoanalytiker Margarete und Alexander Mitscherlich. Ihre Ausgangslage war so einfach wie monströs: Millionen Deutsche waren in einen Völkermord als Täter oder Mitläufer verstrickt. An die Stelle einer Idealisierung des Führers traten nach der Kapitulation Schuld, Scham und Angst. Eine robuste „seelische Abwehrtaktik“ verhinderte Mitleid und beförderte passiv-aggressives Verhalten. Wie auch anders? Auch wenn die Autoren unsicher sind, wie man ein ganzes Kollektiv therapieren kann, schließlich wohl einfach durch produktive Lektüre ihres Buches: An der Notwendigkeit der Trauerarbeit war ebenso wenig zu zweifeln wie an der Schuldfrage. Überdies wiesen die Mitscherlichs auf die Bedeutung von politischen Symbolen hin. ... Wir "delegieren" Probleme, die ganze europäische Flüchtlingspolitik basiert buchstäblich auf dem Abschieben (von Menschen, von Problemen). Andererseits externalisiert die kosmopolitische Linke legitime Fragen nach sozialer Sicherheit und staatlicher Souverenität an die politische Rechte. Ambivalenz ist schwer auszuhalten. Sie ist erst recht kein politisches Rezept. ...
https://www.freitag.de/autoren/michael-angele/ich-habe-recht-du-nicht

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"Flüchtlinge: Mehr als 1.400 Tote im Mittelmeer" (3. Juli 2018)
Allein am Freitag starben 218 Menschen bei der Flucht von Nordafrika nach Europa. Die Organisation für Migration hat 2018 deutlich mehr Tote als angenommen gezählt. ... Bei der Flucht über das Mittelmeer sind nach Angaben der Internationalen Organisation für Migration (IOM) seit Anfang des Jahres mindestens 1.405 Menschen gestorben. Die Zahl der Toten sei um 40 Prozent höher als bislang befürchtet, berichtete die IOM. Das UN-Flüchtlingshilfswerk geht von 1.355 Toten aus.
In der neuesten Statistik sind auch die mindestens 218 Menschen erfasst, die seit dem vergangenen Freitag nördlich und östlich von Tripolis ertranken. "In den vergangenen zwei Wochen sind mindestens 34 Leichen an den Küsten Libyens angespült worden", sagte Julia Black vom Datenanalysezentrum der IOM. Helferinnen und Helfer gehen davon aus, dass die Zahl deutlich höher liegt, weil nicht alle Todesfälle bekannt werden. Zahlreiche Migranten werden vermisst.
Nach mehreren Abschottungsmaßnahmen ist die Zahl der Überfahrten nach Europa über die verschiedenen Mittelmeerrouten deutlich gesunken. Viele schaffen es erst gar nicht mehr aufs Wasser und sterben bereits auf dem Weg in der Wüste. In diesem Jahr gab es nach IOM-Angaben bis Juli 45.808 Seeüberfahrten, vor einem Jahr waren es noch mehr als doppelt so viele (100.923). Entsprechend sank die Zahl der Toten im Mittelmeer. Bis Juli 2017 waren 2.268 Menschen gestorben (2018: 1.405).
Im Asylstreit versuchen europäischen Regierungen nun, die Zahl der gefährlichen Überfahrten weiter zu senken. Auf dem EU-Gipfel am 28. Juni hatten sich die Mitgliedsstaaten darauf geeinigt, Flüchtlinge an den EU-Außengrenzen verstärkt an der Einreise zu hindern. Die Maßnahmen sollen dem EU-Kommissar Günther Oettinger zufolge bis September ausgearbeitet und verabschiedet werden sowie zum Jahreswechsel in Kraft treten. Diskutiert werden unter anderem disembarkation platforms, also Lager außerhalb der EU, in denen zum Beispiel der UNHCR die Chance auf Asyl prüfen könnte.
Allerdings hat sich bislang kein infrage kommendes Land bereit erklärt, solche Aufnahmelager zu errichten. Die tunesischen und albanischen Behörden sagten auf Anfrage von ZEIT ONLINE, sie wüssten von keiner Anfrage. Libysche Verhandlungsführer schlossen bereits am Montag Asylzentren aus, stattdessen halten sie an einem Abkommen mit Italien fest und dringen auf Alternativen wie Niger oder den Tschad. Und Marokkos Direktor für Migration und Grenzschutz Chalid Zeruali sagte, das Königreich habe kein Interesse an solchen Einrichtungen.
Auch die SPD ist gegen solche Aufnahmezentren. Einem SPD-Papier zufolge, das dem Spiegel vorliegt, benötigen Schutzsuchende "Sicherheit, Perspektiven und eine schnelle Integration". Wer allerdings keinen Schutzanspruch hat, müsse in sein Heimatland oder einen sicheren Drittstaat zurückkehren. Flüchtlinge dürfen nicht in geschlossenen Lagern (controlled areas) untergebracht werden – die oftmals "den humanitären Standards unseres Kontinents nicht entsprechen".
https://www.zeit.de/gesellschaft/zeitgeschehen/2018-07/fluechtlinge-mittelmeer-flucht-tote-2018-organisation-fuer-migration

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  Wolke 4 #6

Eine Todesspirale ohne Ende, weil ohne jegliches Gespür für ECHTE Humanität. Der TOD fängt mit der ununterbrochenen BEWAFFNUNG von Diktatoren, Söldnern und allerlei Welt-Organisierten-Kriminal-Verbrechern an. Die Schlachter des Krieges kommen dazu. Und endet mit noch mehr Gewalt. Mehr Armut. Mehr Ausbeutung. Die Wüste und das Mittelmeer sind bloß nur Friedhöfe der Opfer eines ungeheuerlichen Weltzynismus.


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Erweiterter Machtdiskurs (Politik) / Überwachung und Paranoia...
« on: June 28, 2018, 05:34:31 PM »
"Überwachung: Geheime Dokumente: Das Bundeskriminalamt kann jetzt drei Staatstrojaner einsetzen" Andre Meister (26.06.2018)
Das BKA hat fast sechs Millionen Euro ausgegeben, um zwei Staatstrojaner zu programmieren, die jetzt einsatzbereit sind. Das geht aus sieben eingestuften Dokumenten hervor, die wir veröffentlichen. ...
https://netzpolitik.org/2018/geheime-dokumente-das-bundeskriminalamt-kann-jetzt-drei-staatstrojaner-einsetzen/

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"The Wiretap Rooms: The NSA’s Hidden Spy Hubs in Eight U.S. Cities" Ryan Gallagher, Henrik Moltke (June 25 2018)
The secrets are hidden behind fortified walls in cities across the United States, inside towering, windowless skyscrapers and fortress-like concrete structures that were built to withstand earthquakes and even nuclear attack. Thousands of people pass by the buildings each day and rarely give them a second glance, because their function is not publicly known. They are an integral part of one of the world’s largest telecommunications networks – and they are also linked to a controversial National Security Agency surveillance program.
Atlanta, Chicago, Dallas, Los Angeles, New York City, San Francisco, Seattle, and Washington, D.C. In each of these cities, The Intercept has identified an AT&T facility containing networking equipment that transports large quantities of internet traffic across the United States and the world. ...
https://theintercept.com/2018/06/25/att-internet-nsa-spy-hubs/

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Erweiterter Machtdiskurs (Politik) / [SPD (Politik)... ]
« on: June 27, 2018, 07:21:01 AM »
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Salpeter-Siggi #4

Huch, sozialdemokratische Politik von der SPD? ...


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Geigerzähler #9

Jede Familie in Deutschland soll vom nächsten Jahr an 200 Euro und mehr zusätzlich in der Tasche haben.

Da dachte ich: Nicht schlecht. 200 Euro im Monat, endlich tut sich mal was.
Dann seh ich weiter im Artikel: Im Jahr...


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Omnipotenz #14

... 380 € für gut Verdiener über 120000€. 251€ für Gutverdiener mit 60000€. Geringverdiener Krebsen bei 30000€ rum oder erhalten sowieso nur Harz 4. Für die bleibt nur das erhöhte Kindergeld, das auch noch auf die Grundsicherung angerechnet wird.

So entlastet man Geringverdiener - nicht.


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  sonneleipzig #16

Das ist mal wieder ein Hauch von Nichts. ...


Kommentar zu: "Finanzminister Scholz will Familien ab 2019 entlasten" (27. Juni 2018)
Quelle: https://www.zeit.de/politik/deutschland/2018-06/kindergeld-steuern-familien-olaf-scholz-kabinett-entlastung

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