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[Variationen zur Gretchenfrage (Notizen) ... ]

Started by lemonhorse, August 20, 2008, 09:30:58 PM

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... ,,Feinde Gottes" ...

Quote[...] Der iranische Generalstaatsanwalt sagte im Staatsfernsehen, jeder, der an den Demonstrationen teilnehme, könne als ,,Feind Gottes" angesehen werden. Auch jene, die Unruhestiftern Hilfe leisteten, drohe unter diesem Tatvorwurf eine Anklage. Im Iran können sogenannte ,,Feinde Gottes" mit dem Tod bestraft werden.
Trotz der Drohungen und des gewaltsamen Vorgehens der Einsatzkräfte hatte sich am Freitagabend erneut eine große Menschenmenge in der Hauptstadt Teheran verssammelt. Exilsender zeigten – obwohl das Internet gesperrt wurde – auch Bilder von Kundgebungen aus anderen Städten, darunter Maschhad im Osten des Landes sowie Täbris im Norden.

...


Aus: "Schah-Sohn ruft zu neuen Protesten im Iran auf – Staatsführung verschärft Drohung gegen Demonstranten" (10.01.2026)
Quelle: https://www.deutschlandfunk.de/schah-sohn-ruft-zu-neuen-protesten-im-iran-auf-staatsfuehrung-verschaerft-drohung-gegen-demonstrante-100.html

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"Religion in Russland: Stoßgebete gegen Abtreibungen" Aus Berlin Barbara Oertel (17.1.2026)
Die Russisch-Orthodoxe Kirche predigt neuerdings Mutterfreuden. Das ist ganz auf Kreml-Linie. Denn auch der bemüht sich, die Geburtenrate zu steigern. ...
https://taz.de/Religion-in-Russland/!6146262/


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#102
QuoteRebechl

"In die Amtszeit Degenhardts fallen demnach 98 Beschuldigte und 195 Betroffene."

Bei eineinhalb Milliarden "followern", allein 62 Millionen Kindern an katholischen Bildungseinrichtungen, 200 Kardinälen, 5000 Bischöfen, 500.000 Pfarrern weltweit....wie hoch mag da die "Dunkelziffer" sein?

...


QuoteGeorg Bratz

Es ist sehr bitter für die Opfer, bitter auch für alle Christinnen und Christen in den Kirchen (denn in der evangelischen Kirche sieht es ja auch nicht rosiger aus), die es mit ihrer Haltung zu Gott und seinem Christus und den heiligen Geboten ernst meinen. Man kann in so einer Institution meines Erachtens nicht bleiben. Die Kirchen verstoßen fundamental gegen die Gebote der Bibel, die sie doch eigentlich vertreten sollten.


QuoteUnbekannter Benutzer

Wasser predigen, Wein saufen. Die Kirchen in Deutschland haben sämtliches Vertrauen restlos verspielt. Wie soll man sich in Not ernsthaft an die Kirche wenden? Mal ganz abgesehen davon, dass ein zölibatär lebender Mensch keine Ahnung von der Lebenswirklichkeit der meisten Menschen hat (um sinnvoll Rat und Hilfe geben zu können) führt diese Lebensform ja ganz offensichtlich gerade nicht dazu, dass die Priester sich besonders gut auf den Dienst an Gott und den Menschen konzentrieren können.

Alles nicht mehr zeitgemäß.


QuoteHummel

Ähnlich wie bei Epstein: Hunderte Opfer, hunderte Täter, null Verurteilungen (quasi).
Unfassbar, wie diese Vertuschungs- und Drohungsspiralen alte weisse Männer mit solchen ekelhaften Taten durchkommen lassen. Kennt jemand ein einziges Beispiel aus der Weltgeschichte, wo ein Ring von Sexualstraftätern aufgeflogen ist und es zu Massenverurteilungen kam?


QuoteAltkanzler Schmidt

Hier gibt es auch viel Heuchlerei. Für die ,,Jahre 1946 bis 2014" gibt es wahrscheinlich für jede Institution in Deutschland eine große Zahl von solchen ekligen Vorfällen. Für Schulen, Sportvereine, Jugendgruppen, für die Bundeswehr , für das Rote Kreuz, für das THW usw. Überwiegend auch in Familien.

Auch heute gibt es täglich immer wieder solche Fälle. In großer Zahl. Und die Kirchen spielen dabei eher keine Rolle.


QuoteJohnny_B

Und was genau wollen Sie damit sagen? Nur weil es wo anders vielleicht auch vorkommt, ist es vollkommen in Ordnung?


QuoteAltkanzler Schmidt

Es ist ein Verbrechen. Aber mich Dein die Empörung heuchlerisch, wenn sie sich vorwiegend auf Fälle in den Kirchen bezieht.

Man spürt die Absicht und ist verstimmt.


Quoteacross the rhine

"Aber alle anderen f*cken doch auch Kinder" ist ein widerwäritger Rechtfertigungsversuch.

Es gibt keine Gleichbehandlung im Unrecht.


QuoteFool on the hill

... Wo waren die Medien und warum veröffentlicht man nicht die Akten?


QuoteMona L.

Einfach nur krank.


Zu: "Sexueller Missbrauch im Erzbistum Paderborn deutlich höher als bekannt" (13. März 2026)
Eine neue Studie der Universität Paderborn spricht von "Vertuschungsspiralen". Das Ausmaß des Missbrauchs in der Kirche ist demnach doppelt so hoch wie bisher angenommen.
https://www.zeit.de/gesellschaft/zeitgeschehen/2026-03/katholische-kirche-erzbistum-paderborn-studie-sexueller-missbrauch#comments

https://www.zeit.de/zeit-magazin/2025/04/sexueller-missbrauch-kirche-priester-erbschaft

"Sexueller Missbrauch in der römisch-katholischen Kirche"
https://de.wikipedia.org/wiki/Sexueller_Missbrauch_in_der_r%C3%B6misch-katholischen_Kirche

"Sexueller Missbrauch in der römisch-katholischen Kirche in Deutschland"
https://de.wikipedia.org/wiki/Sexueller_Missbrauch_in_der_r%C3%B6misch-katholischen_Kirche_in_Deutschland

...


"Kirchenaustritt: Mehr als 600.000 Menschen traten 2025 aus der Kirche aus" (16. März 2026)
Im vergangenen Jahr haben katholische und evangelische Kirche rund 1,2 Millionen Mitglieder verloren. Die Hälfte davon trat aktiv aus, der Rest sind Sterbefälle.
https://www.zeit.de/gesellschaft/zeitgeschehen/2026-03/kirche-austritt-katholisch-evangelisch-mitgliederzahl-gxe

QuoteBisserWesser

Der Vorsitzende der Bischofskonferenz, Heiner Wilmer, bedauerte die hohe Zahl von Kirchenaustritten. "Trotz aller Umbrüche ermutige ich dazu, dass wir den Kopf nicht in den Sand stecken, sondern nach vorne schauen und gemeinsam – auch in ökumenischer Verbundenheit – nach Wegen suchen, wie Christsein heute in der Gesellschaft zu größerer Akzeptanz führen kann", teilte er mit.

Wege in die Akzeptanz:

- Hört auf Kinder zu missbrauchen (laut einem anderen Artikel hier gab es alleine in Paderborn über 200 Missbrauchstäter in nur 60 Jahren).
- Hört auf Kindesmisbrauch zu vertuschen.
- Entschädigt die Missbrauchsopfer angemessen, auch bei Verjährung.
- Öffnet eure Archive für unabhängige Untersuchung ohne Nebenbedingungen.
- Verabschiedet euch vom kirchlichen Arbeitsrecht oder beschränkt es wenigstens auf Jobs in der Verkündung.
- Haltet euch aus dem Leben nichtgläubiger Menschen raus. Ihr wolt nicht verhüten, Abtreiben, an stillen Tagen tanze usw.? OK, aber lasst uns daraus.
- Kündigt endlich mal die Staatsleistungen ab. Napoleon ist schon lange her.
- Haltet euch aus der Politik raus.

Dann wird das auch wieder was mit der Akzeptanz.


QuoteJaelle Hastur

... Vor allem das Arbeitsrecht macht mich wahnsinnig (weil ich Leute persönlich kenne). Wie kann man einer Krankenschwester die Scheidung verbieten!


QuoteLuis Tränker

Antwort auf @BisserWesser

    All Ihre Forderungen, können Sie auch an Islamvertreter richten! Würden Sie das auch tun?

Guter Punkt, wobei man noch sehen sollte, dass die Islamvertreter es können, weil sie auf die Gleichbehandlung ala Kirchen bestehen und natürlich von den Kirchen dort auch unterstützt werden. Wer also will, dass man es konsequent umsetzen kann, auch als gläubiger Christ beim Islam, der muss für die Trennung von Staat und Kirche aktiv eintreten.


QuoteKöln-Kalk Verbot

Ich für meinen Teil bin vor gut 15 Jahren schon aus dem Verein der EKD ausgetreten.

Dass lag nicht nur daran, dass ich nicht an Gott glaube und mir obendrein die Kirchensteuer sparen wollte, sondern dass mich die Ausrichtung der EKD immer mehr an die Grünen erinnerte, bereits damals schon, insb. was weltanschauliche Fragen betraf.

Mittlerweile gibt's da queere Gemeinden, nur noch "Haltungs"veranstaltungen und man vertritt eine radikale Open-Border Politik bar jedweder Vernunft.

Tja, nicht mein "Gott" ;-)


QuoteYann23

@Köln-Kalk Verbot

    Mittlerweile gibt's da queere Gemeinden, nur noch "Haltungs"veranstaltungen und man vertritt eine radikale Open-Border Politik

Welchen dieser Aspekte hätte Jesus Ihrer Meinung nach abgelehnt?


QuoteReprobed Son

@Köln-Kalk Verbot

Mit der Sichtweise waren Sie von Anfang an dort falsch. Bitte mal das Neue Testament lesen und verstehen. Mit Offenheit und Nächstenliebe war das Christentum eigentlich immer eher links, nur die Kirche hat sich lange Zeit eher politisch rechts aufgestellt. Glücklicherweise hat man begonnen, das zu langsam korrigieren. Dafür verdienen die Kirchen Lob statt Kritik.


QuoteKöln-Kalk Verbot

Antwort auf @Yann23

    Welchen dieser Aspekte hätte Jesus Ihrer Meinung nach abgelehnt?

Ach ja, das naiv bemühte Jesus-Argument ...

Ich sage mal so: Auf privater Ebene kann man die gerne anwenden, auf staatlicher Ebene, zumal sich die Bevölkerung 2000 Jahre später verachtfacht hat, wird dies kolossal scheitern.


Quotestephness
Antwort auf @Köln-Kalk Verbot

Beantworten Sie doch einfach mal die Frage. Welche Positionen hätte Jesus davon abgelehnt? Und was ist staatlich an Veranstaltungen, die Kirchen durchführen? Spoiler: Die Kirchensteuer hat damit nichts zu tun.


QuoteKöln-Kalk Verbot

Antwort auf @Reprobed Son

    Dafür verdienen die Kirchen Lob statt Kritik.

Ja, sieht man ja an den Austrittszahlen wieviel Lob die für ihr Anwanzen an den woken Mainstream bekommen, insb. die EKD ...


Quotestephness
Antwort auf @Köln-Kalk Verbot

Haben Sie Belege für Ihre Vermutung, die Austritte erfolgten wegen "Anwanzen an wokem Mainstream"?


QuoteDer Blonde

Antwort auf @Köln-Kalk Verbot

Wenn der Mainstream woke sein soll, was natürlich komplett falsch ist, wieso bekommen dann die Parteien, die das ebenfalls vertreten, nur so wenige Stimmen?


Quoteonkelfritz

Antwort auf @Köln-Kalk Verbot

Was Sie in Ihrer Zeit bei der Kirche offenbar nicht mitbekommen haben: Jesus war ein woker Kommunist, der mit anderen woken Kommunisten in einer WG gewohnt hat, für den außerdem Besitz das größte Übel der Welt war und der sich darüber hinaus vornehmlich mit Andersartigen, Ausgestoßenen und auch Kriminellen umgeben hat.

Er würde Ihre Intoleranz scharf verurteilen.


QuoteVernunft statt Ideologie

Es ist schon erstaunlich, welch geringen Stellenwert Religion und kirchliche Gemeinschaft inzwischen bei vielen haben. Na ja, wenn man Kirche auf die Institution reduziert und in ihr so eine Art "seelischen Dienstleister" sieht, kann man schon mal aus den Augen verlieren, was Glaube und Religion (also die spirituelle Dimension von "Kirche") so bedeutet.

Arme Menschen, meist ohne, dass es ihnen bewusst ist.


QuoteDimebag

"kann man schon mal aus den Augen verlieren, was Glaube und Religion (also die spirituelle Dimension von "Kirche") so bedeutet."

Ich habe viele Menschen im Umfeld, die sehr spirituell sind, aber kein Mitglied einer Kirche. Besonders arm kommen die mir nicht vor.


QuoteLeverküsschen

Zum Vergleich: Der ADAC hat ca. 22 Mio Mitglieder. Daran merkt man, woran der Deutsche wirklich glaubt.


Quoteuhunu

Antwort auf @onkelfritz

Anders als Gott hat der ADAC mich schon tatsächlich aus misslicher Lage befreit. ...


Quotevirales

Glauben ist nicht Wissen. Manche wissen das. Andere lernen es mit der Zeit. Manche lernen es nie.


Quotekeyser_sos

Antwort auf @Burts

Und was ist mit Spagetti-Monster? Glauben Sie, dass es das gibt oder nicht gibt? Muss man jetzt an alles glauben, wessen Abwessenheit man nicht beweisen kann?

[Der Name des Fliegenden Spaghettimonsters rührt von seiner Ähnlichkeit mit einer großen Portion Spaghetti mit Fleischbällchen (Spaghetti with meatballs) und Stielaugen her. Statt von der ,,Hand Gottes" sprechen Pastafari von ,,Seinem Nudeligen Anhängsel" (His Noodly Appendage). ... https://de.wikipedia.org/wiki/Fliegendes_Spaghettimonster | " ... Die Theorie des Intelligent Falling basiert auf der Grundannahme, dass Objekte nicht aufgrund von Gravitationskräften am Boden gehalten, sondern vielmehr von einer ,,höheren Intelligenz" zu Boden gedrückt werden. Die Argumente, die diese These stützen, sind denen ähnlich, die auch die Vertreter des Intelligent Design benutzen, um durchzusetzen, dass an amerikanischen Schulen Intelligent Design anstelle oder zumindest neben der Evolutionstheorie gelehrt werde. ..." | https://de.wikipedia.org/wiki/Intelligent_Falling]


...

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... Frankreich ist ein zutiefst widersprüchliches Land. Republikanisch-fortschrittlich und konservativ-katholisch zugleich, hin- und hergerissen zwischen dem Erbe der Revolution und autoritären Traditionen. Königtum und Kaiserreich, Ludwig XIV. und Bonaparte, die Erklärung der Menschen- und Bürgerrechte und die Guillotine – das alles, möchte man meinen, liege weit zurück. Aber die historischen Gegensätze wirken weiter, in der öffentlichen Debatte, in der politischen Auseinandersetzung, auch in der Literatur. ...

Quote[...]  Rechts gegen links? Beim Streit zwischen dem Medienunternehmer Vincent Bolloré und prominenten Schriftstellern geht es vor allem um die Identität des Landes.

Der Mann, von dem manche sagen, er sei eine Gefahr für die Demokratie in Frankreich, pilgert regelmäßig nach Lourdes. In den kleinen Wallfahrtsort am Fuße der Pyrenäen, zur Grotte von Massabielle, wo einem jungen Mädchen vor sehr langer Zeit die Mutter Gottes erschienen sein soll. Sein Glaube sei »etwas kindlich«, hat Vincent Bolloré über sich selbst gesagt. In seinem Pariser Büro steht eine Marienstatue, in seinem Portemonnaie verwahrt er kleine Heiligenbilder.

Man könnte den 74-jährigen Unternehmer somit leicht für einen einfältigen Frömmler halten. Selbst die katholische Tageszeitung La Croix findet, Bollorés Katholizismus sei »ein bisschen retro«. Doch der Frömmler hat in Frankreich einen Kulturkampf entfacht, wie ihn das Land schon lange nicht mehr erlebt hat.

Dieser Kampf schwelt seit einigen Jahren. Offen ausgetragen wird er, seit Grasset, einer der wichtigsten Literaturverlage des Landes, seinen langjährigen Verlagsleiter Olivier Nora Mitte April entlassen hat. Grasset gehört zur Verlagsgruppe Hachette, Bolloré hatte sie im Sommer 2023 übernommen. Schon damals gab es Proteste aus Sorge um die Unabhängigkeit der Verlage. Nach Noras Rauswurf haben mehr als 200 Autorinnen und Autoren, deren Bücher bislang bei Grasset erschienen waren, angekündigt, den Verlag zu verlassen. Darunter große Namen und sehr unterschiedliche Autoren wie Virginie Despentes, Bernard-Henri Lévy oder Frédéric Beigbeder.

Nun kursieren in Paris Unterschriftenlisten, Manifeste werden verfasst, am 13. Mai soll im Théâtre de la Concorde ein Solidaritätsabend stattfinden. Die abtrünnigen Autorinnen und Autoren werfen Bolloré vor, er führe einen »ideologischen Krieg, der darauf abzielt, überall in der Kultur und in den Medien autoritäre Strukturen zu schaffen«. Selbst Emmanuel Macron, der Staatspräsident, warnte vor einem Verlust verlegerischer Vielfalt.

Der Autor und Journalist Éric Fottorino, er führt selbst einen kleinen Verlag, hat zum »Widerstand« aufgerufen: Man müsse »die Mechanismen dieses Gehirnwäscheunternehmens aufdecken«. Résister, das Wort erinnert an den Kampf gegen die deutschen Besatzer während des Zweiten Weltkriegs.

Frankreich ist ein zutiefst widersprüchliches Land. Republikanisch-fortschrittlich und konservativ-katholisch zugleich, hin- und hergerissen zwischen dem Erbe der Revolution und autoritären Traditionen. Königtum und Kaiserreich, Ludwig XIV. und Bonaparte, die Erklärung der Menschen- und Bürgerrechte und die Guillotine – das alles, möchte man meinen, liege weit zurück. Aber die historischen Gegensätze wirken weiter, in der öffentlichen Debatte, in der politischen Auseinandersetzung, auch in der Literatur. Anne Berest – auch ihr jüngstes Buch Die Postkarte ist bei Grasset erschienen – spricht aus, was viele fürchten: »Ich möchte nicht, dass die Rechte meiner Bücher dazu dienen, den Wahlkampf von Jordan Bardella zu finanzieren.« Bardella ist Vorsitzender des rechtsnationalen Rassemblement National (RN) und gilt als aussichtsreicher Kandidat für die Präsidentschaftswahl im kommenden Jahr. Er hat selbst zwei Bücher bei Fayard, einem anderen Verlag der Hachette-Gruppe, veröffentlicht, unter anderem seine Autobiografie.

Ein reicher Mann, der seine Milliarden dafür einsetzt, die Ideen und Parolen der extremen Rechten zu verbreiten – das ist das Bild, das Berest und andere nun von Bolloré zeichnen. Dieses Bild ist nicht falsch, aber es ist unscharf und unvollständig ohne dessen Glauben. Denn die französische Rechte kennt viele Strömungen, auch viele Extreme. Und auf die Partei Marine Le Pens, den RN, haben Männer wie Bolloré lange Zeit nur herabgeschaut.

Frankreich ist ein zutiefst widersprüchliches Land. Republikanisch-fortschrittlich und konservativ-katholisch zugleich, hin- und hergerissen zwischen dem Erbe der Revolution und autoritären Traditionen. Königtum und Kaiserreich, Ludwig XIV. und Bonaparte, die Erklärung der Menschen- und Bürgerrechte und die Guillotine – das alles, möchte man meinen, liege weit zurück. Aber die historischen Gegensätze wirken weiter, in der öffentlichen Debatte, in der politischen Auseinandersetzung, auch in der Literatur.

Der deutsche Autor und Übersetzer Wolfgang Matz hat ein Buch geschrieben darüber, wie sehr die meisten französischen Schriftsteller sich entlang dieser historischen Bruchlinie definieren, Frankreich gegen Frankreich. »Als sei die Spaltung in zwei Extreme unverzichtbares Lebenselement dieses Landes und seiner Gesellschaft«, schreibt Matz, »haben französische Intellektuelle und Schriftsteller alles darangesetzt, die alte Konfrontation um jeden Preis und nach jedem noch so starken Bruch von Neuem zu zementieren.«

Die katholische Kirche war in dieser Geschichte der Gegensätze stets Partei. Sie hat das Königtum gestützt und die Republik lange Zeit bekämpft. Umgekehrt haben die Revolutionäre Kirchen und Klöster geplündert und nichts unversucht gelassen, um dem Land den Katholizismus auszutreiben. Seit 1871 ist Frankreich endgültig Republik, seit 1905 ist der Staat per Gesetz zu religiöser Neutralität verpflichtet. Der Laizismus steht in der Verfassung. Es gibt in Frankreich deshalb weder Kirchensteuern noch Religionsunterricht an öffentlichen Schulen. Und wehe, der Präsident bekreuzigt sich in der Öffentlichkeit!

Doch unter der Oberfläche wirken die alten Mächte weiter. Es gibt in der französischen Bourgeoisie bis heute einen elitären, reaktionären Katholizismus, der in Deutschland allenfalls noch in Spurenelementen existiert. Die Mitglieder dieser Elite besuchen besondere Kirchen und schicken ihre Kinder oft auf ausgewählte katholische Privatschulen. Vor allem im Pariser Westen finden sich einige von ihnen, die als Kaderschmieden und besonders konservativ gelten. Auch Vincent Bolloré hat vor Jahrzehnten eine dieser Privatschulen besucht. Heute finanziert der Milliardär ein katholisches Studierendenwohnheim, ebenfalls im Westen der Hauptstadt.

Vincent Bolloré sagt von sich selbst, er sei »mit einem goldenen Löffel im Mund geboren worden«. Seine Familie besaß eine Papierfirma, Bolloré hat sie früh von seinem Vater übernommen. Später investierte er in Eisenbahnen in Afrika, er kaufte Palmölplantagen und Häfen in Togo und in Guinea. Geschäftspartner schildern seine Methoden als aggressiv und wenig christlich. Im Herbst muss sich Bolloré wegen des Vorwurfs der Korruption vor Gericht verantworten. So ist er einer der reichsten Männer Frankreichs geworden; sein Vermögen wird auf rund zehn Milliarden Dollar geschätzt.

Vor 20 Jahren hat Bolloré zum ersten Mal in einen Fernsehsender investiert, seitdem hat er nach und nach ein Medienimperium geschaffen. Bolloré besitzt einen Nachrichten- und einen Bezahlsender, mehrere Radiostationen, eine traditionsreiche Sonntagszeitung, das Journal du Dimanche (JDD), verschiedene Magazine, eine katholische Wochenzeitschrift und seit der Übernahme von Hachette einige der wichtigsten Buchverlage des Landes. Es ist nicht ungewöhnlich in Frankreich, dass reiche Industrielle Zeitungen oder Fernsehsender kaufen. Meist achten sie darauf, dass diese unternehmerfreundlich berichten. Klassische Verleger sind eher selten.

Doch Bollorés Interventionen gehen weit darüber hinaus. Meist wiederholt sich dabei ein ähnliches Muster: Der Milliardär übernimmt einen Titel, hievt einen Gefolgsmann an die Spitze und tauscht anschließend die Redaktion aus. Besonders offensichtlich geschah das beim Journal du Dimanche. Nachdem Bolloré den Titel 2023 übernommen hatte, setzte er Geoffroy Lejeune an die Spitze. Erst streikte die Redaktion, dann verließen die meisten Journalistinnen und Journalisten das Blatt. Lejeune ist ein radikal rechter Kulturkämpfer, der mit herkömmlichem Journalismus wenig zu tun hat. Gleich in der ersten Ausgabe unter seiner Führung veröffentlichte die Zeitung einen offenen Brief, in dem Eltern, deren Kinder zu Opfern von Gewaltverbrechen wurden, die Regierung anklagten. Der Brief, so stellte sich heraus, war von der Redaktion selbst verfasst worden. Ein anderes Mal berichtete das JDD wochenlang über eine Unterschriftenkampagne gegen illegale Migration. Die Kampagne, zeigte sich später, hatte die Zeitung selbst mitinitiiert.

Was Bolloré als Journalismus verkauft, ist in Wahrheit ein selbstreferenzielles System. Dieselben Köpfe, die in seiner Zeitung schreiben, diskutieren in seinem Nachrichtensender miteinander und interviewen sich in seinen Radiostationen gegenseitig. Dabei zeichnen sie immer dasselbe Bild: Frankreich, ein christliches Land im Niedergang, wird überrannt von muslimischen, oft gewalttätigen Migranten, die von einer radikalen, woken Linken unterstützt werden. Dazu werden katholische Messen übertragen und konservative Kirchenmänner befragt. Manches wirkt skurril, etwa eine Sondersendung über Yvonne-Aimée de Malestroit, eine weitgehend unbekannte Mystikerin, die offensichtlich seinem Großvater nahestand. Doch hinter dem Kinderglauben, den Bolloré ausstellt, verbirgt sich ein ideologisch zugespitzter, identitärer Katholizismus. Das christliche Abendland und Frankreich, die »älteste Tochter der Kirche«, müssen gerettet werden.

Ähnlich geschieht es nun bei Bollorés Buchverlagen. Bei Fayard haben zuletzt Jordan Bardella, Nicolas Sarkozy, der extrem rechte ehemalige Präsidentschaftskandidat Philippe de Villiers, die frühere Chefin des mittlerweile verbotenen russischen Propagandakanals Russia Today in Frankreich, Xenija Fjodorowa, und der erzkonservative Kardinal Robert Sarah Bücher veröffentlicht. De Villiers hat außerdem eine eigene Sendung in Bollorés Nachrichtensender, genau wie Sarah präsentiert er seine Positionen regelmäßig im JDD.

In seiner Sonntagszeitung hat Bolloré zuletzt sogar selbst geschrieben, ein ungewöhnliches Dokument. Der Unternehmer äußert sich selten zu seinen Absichten, meist lässt er andere für sich sprechen. Aber auf den Aufstand der Grasset-Autoren reagierte er nun mit einer kurzen, scharfen Erklärung. Bolloré rechnete öffentlich vor, wie viel der geschasste Grasset-Leiter Nora verdient und wie wenige Bücher er zuletzt verkauft habe. Wie könne es sein, fragte Bolloré rhetorisch, dass dessen Rauswurf so viel Lärm verursache, während es Millionen Franzosen finanziell schlecht gehe? »Ganz einfach, weil dies eine kleine Kaste berührt, die sich über allem und jedem wähnt.« Flankiert wurde die Erklärung von einem redaktionellen Text, der die Affäre als eine Verschwörung linker Gutmenschen diffamiert: Die »mondäne Linke« sei in Panik geraten und veranstalte nun einen »antifaschistischen Jahrmarkt«.

Die französische Rechte kennt viele verschiedene Strömungen und historische Nuancen. Oft war sie härter und rechter als andere Rechte in Europa. Auf die Französische Revolution und die anschließende Terreur folgte eine »theokratische und konterrevolutionäre Reaktion«, schreibt der Historiker Jacques de Saint Victor. Er sieht darin die Wurzel für »das Drama der französischen Rechten«. Statt gemäßigter Konservativer hätten lange Zeit radikale Stimmen wie Charles Maurras den Ton angegeben. Der rechtsextreme Autor propagierte nach der Dreyfus-Affäre zum Ende des 19. Jahrhunderts »la belle haine«, den schönen Hass: »Juden und Ausländer zu hassen, bedeutet Frankreich zu lieben.«

Vincent Bolloré ist nach allem, was man weiß, kein Antisemit. Er nennt sich selbst einen christlichen Demokraten. Aber die Unversöhnlichkeit und Schärfe, die die Geschichte der französischen Rechten geprägt haben, finden sich in dem Kulturkampf, den seine Medien heute führen, wieder.

In einem Jahr wird in Frankreich ein neuer Präsident gewählt oder eine Präsidentin. Bollorés jüngstes Projekt ist eine Art Denkfabrik, das Institut de l'espérance. Mit ihm will er »einen Raum christlich inspirierter Reflexion« schaffen, so steht es in den Unterlagen, die die Nachrichtenagentur Bloomberg einsehen konnte. Zu den Vorschlägen, die das Institut macht, gehören eine Verschärfung des Abtreibungsrechts, weniger Zuwanderer und ein morgendlicher Fahnenappell an den Schulen.

Bei der bislang letzten Präsidentschaftswahl, 2022, haben Bollorés Medien den rechtsextremen Publizisten Éric Zemmour unterstützt. Dieser war durch eine tägliche Sendung in Bollorés Fernsehsender bekannt geworden. Allerdings scheiterte Zemmour bei der Präsidentschaftswahl mit nur sieben Prozent. Heute propagieren das JDD und Bollorés Sender deshalb eine »Union der Rechten«, einen Zusammenschluss von Konservativen und Nationalisten, von rechts und rechtsaußen. Noch zieren sich die Konservativen.


Aus: "Der alte Katholizismus will Frankreich zurückhaben" Matthias Krupa, Paris (5. Mai 2026)
Quelle: https://www.zeit.de/feuilleton/literatur/2026-05/vincent-bollore-verlag-grasset-kulturkampf-frankreich/komplettansicht

QuoteLeFou

Das Phänomen alter reicher Männer, die mit ihrem Kulturkampf versuchend die Freiheit zu bekämpfen und die Fantasie zu ersticken, ist nicht neu, denkt man an Berlusconi, Springer oder Murdoch. auch in Deutschland gibt es diese Kulturverhinderer und Förderer rechtsextremer, libertärer Strömungen, wie Döpfner, Gotthardt und auch Weimer.

Was sie alle verbindet ist der Neid auf die nicht zurückkehrende Jugend und die Gewissheit der eigenen Endlichkeit.


QuoteMatrawitz

    "Förderer rechtsextremer, libertärer Strömungen"

Sie schreiben Unsinn. Individuelle Freiheit, Eigenverantwortung und uneingeschränktes Privateigentum (Libertäre Philosophie) hat nicht das Geringste mit rechtsextremen Attentätern zu tun.


QuoteLeFou

Antwort auf @Matrawitz

Welche Attentäter?

     Individuelle Freiheit

Nur für die, die es sich leisten können.

    Eigenverantwortung

Eigenverantwortung ist nicht Selbstbestimmung, es ist ein Euphemismus für die Ablehnung jeglicher Verantwortung für die Gesellschaft, die diesen Reichtum erst ermöglicht. Dissozial, einfach ausgedrückt.

    uneingeschränktes Privateigentum

Nur für bestimmte Personen, die anderen kann man gerne entrechten und schröpfen. Es ist einfach uneingeschränkter Egoismus. Und wie wir heute immer klarer erfahren, wir können uns diese Milliardäre nicht mehr leisten.

Libertarismus ist der heuchlerische Versuch diesen Egoismus zu rechtfertigen.


QuoteHelmberger
Antwort auf @Matrawitz

Döpfner und Weimar sind aber keine Anhänger der Liberalismus sondern einer rechts-konservativen Politik in welcherb der Staat die Werte vorschreibt und Meinungsfreiheit nur eingeschränkt gültig ist.


QuoteLeFou

Antwort auf @Helmberger

Er schreibt ja auch von Libertarismus, der pervertierten Form des Liberalismus, der mit Bürgerrechten so gar nichts mehr zu tun hat.

Döpfner und Weimer sind nicht rechts-konservativen, Döpfner ist klar Libertär und weit rechts außen, Weimers Kulturbegriff ist da eher völkisch geprägt, wie sein "Konservatives Manifest" belegt. Ein Auszug:

    Während Generation um Generation in einer Jahrtausende währenden Selbstverständlichkeit die Fortdauer der eigenen Familie, des eigenen Blutes, der Sippe, des Stammes, der Nation, der Kultur, der Zivilisation als einen heiligen Moment des Lebens begriffen hat, so bricht dieses Bewusstsein plötzlich in Scherben.


QuoteDer Herr Karl
Antwort auf @LeFou

Was ist denn das für ein erbärmliches Geschwurbel (ich meine damit die Ergüsse des Herrn Weimer)!


QuoteEchopage

Religion gehört nicht gefördert, sondern behandelt.


QuoteEsistsoschönmoralischseinzudürfen

    Religion gehört nicht gefördert, sondern behandelt

Gilt das wirklich für alle Religionen oder sagt sich das nur in einer christlich geprägten Umgebung so leicht?


QuoteEchopage

Antwort auf @Esistsoschönmoralischseinzudürfen

Die Freiheit in den christlichen Regionen ist gegen das Christentum erkämpft worden und ist nicht daraus entstanden. Unsere Ethik, unsere Werte, unsere Freiheit, sind das Ergebnis eines Kampfes gegen die Religion.


QuoteFaLanKeFuMuSiLin

Antwort auf @Echopage

Ihre Ethik, Ihre Werte sind vielleicht das Ergebnis eines Kampfes gegen die Religion. Meine nicht. Und die möchte ich auch bitte schön behalten und mich für sie einsetzen dürfen. Danke schön.


QuoteEchopage
Antwort auf @FaLanKeFuMuSiLin

Die Geschichte des Christentums und der Aufklärung sind kein Geheimnis.


QuoteAriane65

"Religion gehört nicht gefördert, sondern behandelt." Das wiederum ist Ihr Glaube.

Die Vorstellung eines Humanismus ist entstanden aus dem Gedanken, dass Gott den Menschen gleich ist. Darum hat er auch seinen eigen Sohn gesandt, um die Welt zu erlösen. Das war 1850 Jahre vor Marx.


QuoteEchopage
Antwort auf @Ariane65

Du behauptest also, Gott hat seinen Sohn foltern und töten lassen, um den Humanismus zu erschaffen? Hä? Und was willst du mit Marx, how much is the fish?


Quotevirales

Religion gehoert in das Privatleben und nicht in das oeffentliche Leben.


QuoteCafé Wichtig Ecke 103

Antwort auf @Echopage

    Die Freiheit in den christlichen Regionen ist gegen das Christentum erkämpft worden und ist nicht daraus entstanden. Unsere Ethik, unsere Werte, unsere Freiheit, sind das Ergebnis eines Kampfes gegen die Religion.

Etwas simpel.

Ihr Satz blendet aus, dass das Christentum selbst Konzepte hervorgebracht hat, die den Boden für spätere Freiheitsideen bereiteten.

Das Christentum betont die Menschenwürde des Einzelnen vor Gott (Ebenbild Gottes), ein antitotalitäres Moment.

Mit der Zwei-Reiche-Lehre legte es den Grundstein für die Trennung von religiöser und weltlicher Macht.

Menschenrechte haben Wurzeln in der biblischen Tradition, auch wenn sie erst säkularisiert universell wurden.

Religion, Seufzer der bedrängten Kreatur, Gemüt einer herzlosen Welt, Geist geistloser Zustände, kann als Sehnsucht nach dem ganz Anderen begriffen werden, als Ausdruck des Wunsches nach vollendeter Gerechtigkeit und als ohnmächtige Hoffnung auf einen Sinn, der jenseits der bloßen, ungerechten irdischen Realität liegt. Religion bewahrt auf paradoxe Weise die Erinnerung an das Leiden und die Hoffnung auf Erlösung - in dieser Welt. Im Angesicht der Verzweiflung wäre Aufklärung, der Versuch, alle Dinge so zu betrachten, wie sie vom Standpunkt der Erlösung aus sich darstellten. Perspektiven müsten hergestellt werden, in denen die Welt ähnlich sich versetzt, verfremdet, ihre Risse und Schründe offenbart, wie sie einmal als bedürftig und entstellt im Messianischen Lichte daliegen wird. Ohne Willkür und Gewalt, ganz aus der Fühlung mit den Gegenständen heraus solche Perspektiven zu gewinnen, darauf allein kommt es dem Denken an. Es ist das Allereinfachste, weil der Zustand unabweisbar nach solcher Erkenntnis ruft, ja weil die vollendete Negativität, einmal ganz ins Auge gefaßt, zur Spiegelschrift ihres Gegenteils zusammenschießt. Aber es ist auch das ganz Unmögliche, weil es einen Standort voraussetzt, der dem Bannkreis des Daseins, wäre es auch nur um ein Winziges, entrückt ist, während doch jede mögliche Erkenntnis nicht bloß dem was ist erst abgetrotzt werden muß, um verbindlich zu geraten, sondern eben darum selber auch mit der gleichen Entstelltheit und Bedürftigkeit geschlagen ist, der sie zu entrinnen vorhat. Je leidenschaftlicher der Gedanke gegen sein Bedingtsein sich abdichtet um des Unbedingten willen, um so bewußtloser, und damit verhängnisvoller, fällt er der Welt zu. Selbst seine eigene Unmöglichkeit muß er noch begreifen um der Möglichkeit willen. Gegenüber der Forderung, die damit an ihn ergeht, ist aber die Frage nach der Wirklichkeit oder Unwirklichkeit der Erlösung selber fast gleichgültig.


QuoteEchopage
Antwort auf @Café Wichtig Ecke 103

Nein, es sei denn, du meinst, das Christentum habe als Inspiration gedient, wie es nicht geht. Und die Bibel, das ist schlicht ein moralisches Neutrum. Damit lässt sich die noch so gute Tat bis hin zur unvorstellbaren Grausamkeit rechtfertigen. Dass die Bibel die Wurzeln für die Menschenrechte darstellen soll, ist Wunschdenken.


QuoteKlausWie

Antwort auf @Echopage

"Die Geschichte des Christentums und der Aufklärung sind kein Geheimnis."

Ganz genau! Und deshalb beziehen sich Leute wie Lessing, Rousseau, Kant, Locke, Montesquieu, Herder, ... durchgängig auf christliche Prämissen und Postulate, um die Werte von Aufklärung des menschlichen Geistes, die Freiheit aller, die Illegitimität von Geburtsadel, Ethos und Rechtsansprüche, ... aller Menschen für alle Menschen zu begründen.

Das kann man bis ins Detail der aufklärerischen Schriften nachverfolgen und wird auch von Leuten, die sich auskennen gemacht. Die Bände dazu sind Legion. Oder wissen Sie das nicht?

Das, was Sie aber daherreden hat zumindest nichts mit der realen Aufklärung zu tun. Sie nehmen einen kindlichen Mythos an, der so geht, dass in der Antike alle Menschen Platon gelesen haben, dann kamen die Christen und haben alle Bücher verbrannt, sodass ein 1000jährige Finsterniss hereinbrach, die erst dadurch beendet wurde, dass die Menschheit infolge von massenhafter Lektüre der Kritik der reinen Vernunft Atheisten wurden und ins Licht zurückkehrten. Entstadium wäre dann das Oaradies, das kommt, wenn jeglicher Glaube ausgerottet ist. Dadurch bauen Sie einen Graben zwischen Vernunft und Glauben auf, den weder die Antike noch die Aufklärung kennt und übrrhaupt möchte - und zugleich selbst nur ein primitiver Glaubenssatz ist, der Intoleranz intendiert.

Aber wie Sie schon sagten - die Geschichte von Aufklärung und Christentum sind kein Geheimnis. Machen Sie sich mal schlau bzw. sapere aude!


QuoteEchopage

Antwort auf @KlausWie

Und in deiner Ganzen Wut, hast du nicht bemerkt, das ich von Religion und nicht von Glauben geschrieben habe.


QuoteKlausWie

Antwort auf @Echopage

Ich bin eigentlich gar nicht wütend und ich find auch nicht schlimm, dass du mich duzt.

Natürlich ist Religion nicht dasselbe wie Glaube. Aber Leute, die glauben, bilden natürlich die soziale Größe Religion. Es ist unmöglich einen christlichen Glauben zu haben, vollkommen abgekoppelt vom Christentum und seiner Geschichte. Wo soll denn da der Glaube herkommen?

Daher ist eine unbegründete (!) Pauschalkritik an einer Religion natürlich eine Infragestellung des Glaubens. Meinen Sie denn, Immanuel Kant hat das 5. Postulat der "Kritik der Praktischen Vernunft" selbst herausvernüftelt? Natürlich nicht. Er hat es der Glaubenstradition seiner Kirche (konkret: dem preußischen Luthertum) entnommen. Und auch sämtliche weitere Werte, die Sie selbst heute für wahr, gut und schön erachten, sind letztlich von der christlichen / religiöseb Tradition Europas zu Ihnen gekommen. Auch Religionskritik ist schon im Evangelium selbst enthalten. All das kann man ganz nüchtern, vernünftig und relaxed nachvollziehen und vieles weitere mehr.

Letztlich ist das Problem, dass Sie in der Kirche / der Religion zu bekämpfen trachten, ja auch weder Kirche noch Glaube noch Christentum noch Religion. Das Problem ist Aristokratie und Monarchie. Es ist Machtpolitik von Oligarchen und Diktaturen von der Antike bis heute. Das unersättliche menschliche Machtstreben hasst, mordet, stiehlt - je unkontrollierter und gewissenloser desto mehr. Bis zu den Vernichtungskriegen atheistischer Totalitarism.


QuoteEchopage

Antwort auf @KlausWie

Die Philosophie der Aufklärung musste sich zwangsläufig mit dem Christentum und deren Prämissen befassen, wie sollte auch sonst dieser Befreiungsschlag gelingen? Religion ist nunmal ein Machtmittel um Massen zu lenken, das ist von ihrer Natur aus sehr hierarchisch und dikatorisch geprägt, da suchst du Unterschiede wo es keine gibt. Nur von welchen atheistischen Vernichtungskriegen redest du, also auf Hitlers Soldates stand "Gott mit uns".

[...

Gott mit uns (lateinisch: Nobiscum deus) ist ein Zitat aus dem Bibelvers Matthäus 1,23 LUT. Es diente seit 1861 als Wahlspruch des Königs Wilhelm I. von Preußen und als Devise des Preußischen Kronenordens. ...
https://de.wikipedia.org/wiki/Gott_mit_uns

... Die Wehrmacht trug das Koppelschloss nach preußischem Muster mit dem Hakenkreuzadler, abweichend mit halbem Kranz aus Eichenlaub und Umschrift GOTT MIT UNS ...
https://de.wikipedia.org/wiki/Koppelschloss

...]


QuoteOzeanriese
Antwort auf @Echopage

Das ist falsch, denn das Christentum sind nicht die Kirchen allein. Die haben sich nur widerrechtlich das Alleinvertretungsrecht einverleibt.

Folglich müßte es besser heißen: Die Freiheit im Christentum wurde gegen die Institution Kirche erkämpft.


QuoteKlausWie
Antwort auf @Echopage

Religion kann als Machtmittel zum Massenlenken missbraucht werden, aber dann ist es keine Religion mehr. Mal ganz ernsthaft: Halten Sie die Leute, die auf Wehrmachtwaffen "Gott" schreiben für gottesfürchtige Menschen? Wissen Sie, wie man den vom bekennenden Atheisten mit Kirchenmitgliedschaft (A. Hitler) ernannten Reichsbischof Müller theologisch beurteilt? Halten Sie Pete Hegseth für einen Christen? Halten Sie Wladimir Putin und seinen alten KGB-Kumpel Kyrill für fromme Orthodoxe?

Oder: Halten Sie Dietrich Bonhoeffer für einen Christen?

Nun. Wenn Sie den Unterschied von "Religion" als Deckmantel imperialer, rein menschlicher Machtpolitik und Religion als tradierende Glaubensgemeinschaft mit transzendent begründeten Ethos nicht erkennen, dann macht eine differenzierte Diskussion schlicht keinen Sinn. Dann reden Sie über irgendetwas, aber nicht über Religion.

Zu den Traditionen der Aufklärung: Auch hier haben Sie den Grundgedanken nicht erfasst, was ja auch verständlich ist, da fast jeder, der "Aufklärung" sagt, die Kritik der Praktischen Vernunft, weitere Schriften Kants, und die anderen Aufklärer gar nicht gelesen hat. Prüfen Sie sich ruhig.

Im Grunde erkennen die Aufklärer, dass Ethos eine Letztbegründung braucht, die oberhalb der Vernunft liegt. Die Vernunft selbst kann es nicht, daher die Kantischen Postulate, daher die göttliche Freiheitsbestimmung bei Loke, daher der von Natur / Gott aus gute Mensch beim Calvinisten Rousseau. Diese Leute waren Christen aus Überzeugung.


QuoteGemäßigter Sozialdemokrat

... Das Milliardäre den Faschismus lieben sollte also niemanden mehr überraschen. Die Frage ist, warum so viele arme Schlucker da mitmachen und glauben, sie wären auch im Team.


Quoteclaus_cologne

.....vor allem, da diese "armen Schlucker" am Ende einmal mehr die Zeche bezahlen.


QuoteAl Fipsson

Ein sich wiederholendes Muster in verschiedenen Kulturen -- alte Männer, die aus irgendwelchen Gründen Reichtum angehäuft haben, entwickeln in der Endphase ihrer natürlichen Existenz ausgeprägte messianische Verhaltensweisen. Vielleicht denken sie, dass ihr Reichtum irgendeine Art Qualifizierung darstellt, der Welt ihren Stempel aufzudrücken. Und möglicherweise entsteht durch das bevorstehende Ende ihres Daseins eine Art Verzweiflung, dass Trotz all des Geldes der eigene Tod nicht abgewendet werden kann. Irgendwie soll dann aber doch etwas ewig weiterbestehen -- da bieten sich dann politisch-soziale Strukturen an, in denen der eigene Geist weiterleben kann.


QuoteBlazes70

Na ja, die Reichen, die durch das Nadelöhr...- oder das Kamel in den Himmel? Wie war das nochmal?


QuotePogo Moshner

Was wir in Europa erleben ist ein reaktionärer Kulturkampf von Oben. Bonzen kaufen sich in Medienunternehmen ein oder Gründen gleich neue Portale um ihre Ansichten durchzudrücken.

Das auf Frankreich und den Katholizismus zu verengen hieße nicht genau hintuschauen was hierzulande geschieht und was einige Bonzen mit diesem Land und Europa vorhaben.


QuoteMatrawitz

Was halten Sie allgemein von Meinungsfreiheit? Sollte verboten werden?


QuoteHelmberger

Antwort auf @Matrawitz

Es ging doch um das genaue Gegenteil. Wie die Erfahrung aus den USA zeigt, sinkt die Meinungsfreiheit rapide wenn Medien in den Händen weniger Reiche liegen. Ähnliches gilt es in Europa zu vermeiden.


QuoteCYS

Ultrareiche mit Privatvermögen, die sich Prozentsätzen eines Staatshaushalts rechnen, sind ein Problem für demokratische Mediengesellschaften, wie die unseren. Es kann eigentlich nicht sein, dass Privatpersonen (oder Unternehmen) aufgrund ihrer finanziellen Macht ein gesellschaftliches Ungleichgewicht erzeugen.

Bolloré geht seit über 10 Jahren mit seinen Käufen sehr geschickt vor. Er hat ein rechtes Medienimperium geschaffen, als Speerspitze der Info-Fernsehsender CNews (Dauergast: Jordan Bardella), das sich grossen Erfolges erfreut. Mehrfache Abmahnungen durch die Aufsichtsbehörde und zuletzt sogar die Sperrung eines Fernsehsenders, beeindrucken Bolloré wenig. Seine Milliarden finanzieren wenn nötig à fonds perdu defizitäre Medien, seine schützende Hand schwebt über besonders radikalen Moderatoren.

Frankreichs Geschichte mag in den aktuellen Umwälzungen eine Rolle spielen. Aber ich denke, es hängt auch mit der finanziellen Machtkonzentration einiger "Unberührbaren" zusammen, die mithilfe ihres Vermögens skrupellos ihre Partikularinteressen durchsetzen - und letztlich in paternalistischer Art versuchen, ein Volk die Ideen einzubläuen, die sie für richtig halten. Mit Erfolg, wie man bei Bolloré sehen kann.

Wo es hinführt, wenn populäre Medien sich radikalisieren, sehen wir derzeit in den USA. Demokratien müssten sich schützen, scheinen aber zu bräsig, um zu reagieren. Das Zeitfenster schliesst sich jedoch zusehends.


QuoteDer Kantige

Vincent Boloré, der Alfred Hugenberg Frankreichs. Wenn aberwitzig viel Geld und Medienmacht zusammengehen, hat das noch nie ein gutes Ende genommen.


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... Statt sich also über jeden neuen Einzelfall zu empören, wäre es wichtiger, das strukturelle Problem eines Verbandes zu erkennen, für den der Glaube ein politisches Instrument ist. ...

Quote[...] Eine Hamburger Ditib-Moschee will Jubiläum feiern – und lädt Islamisten als Redner ein. Doch billige Empörung über den Fall hilft auch nicht weiter.

Es ist wie der Autounfall: Man will nicht hinschauen – und kann doch nicht wegsehen, wie die Hamburger Kocatepe-Camii-Moscheegemeinde und mit ihr der Landesverband Ditib da agiert, seit vor zwei Wochen die ersten Vorwürfe gegen ihr geplantes Jubiläumsfest laut wurden.

Mitte Mai feiert die Gemeinde im Bezirk Bergedorf ihren 40sten Geburtstag; ein mehrtägiges, großes Fest auf dem öffentlichen Frascatiplatz soll da begangen werden mit Tausenden Besucher:innen. Hüpfburgen für Kinder werden aufgebaut, diverse Essensstände – und auch eine Bühne für islamistische Prediger.

,,Hamasverherrlichung und Judenhass" kritisierte zu Recht die Bergedorfer FDP, weil die Ditib-Gemeinde geplant hatte, Bünyamin Topçuoğlu und Mustafa Özcan Güneşdoğdu auftreten zu lassen. Der Autor Eren Güvercin hatte darauf hingewiesen, was für Äußerungen die beiden in der Vergangenheit getätigt hatten: Ersterer, ein hochrangiger Vertreter der türkischen Religionsbehörde Diyanet, nannte etwa einen früheren Hamas-Chef einen ,,Märtyrer" und stellte im Zuge des 7. Oktober das Existenzrecht Israels infrage [https://taz.de/Pro-Hamas-Proteste-in-der-Tuerkei/!6025141/].

Der Zweite, Güneşdoğdu, ist ein in Hannover suspendierter Prediger, der Hamas-Vertreter auch schon als ,,Helden" bezeichnete und ebenso widerliche Äußerungen nach dem 7. Oktober von sich gab.

Es dauerte ein bisschen, ehe über Umwege bekannt wurde, dass beide Redner von der Liste gestrichen wurden. ,,Die Gemeinde hat in der Zwischenzeit in einem internen Prozess mit dem Ditib-Landesverband die Veranstaltung überprüft und mitgeteilt, dass die zwei genannten Personen nicht teilnehmen werden", teilte das Bergedorfer Bezirksamt dem Hamburger Abendblatt mit. Auch zwei weitere geplante Redner sollen mittlerweile nicht mehr eingeplant sein.

Natürlich aber ist die Geschichte nun nicht zu Ende: Denn während der Ditib-Landesverband noch eine ,,Aufarbeitungskommission" als Beruhigungspille versprach, stehen nun auch die zwei verbliebenen Redner im Fokus: Auch ihnen wird vorgeworfen, in sozialen Netzwerken antisemitische Inhalte geteilt und islamistische Terroristen gefeiert zu haben.

Für Güvercin, der sich schon länger kritisch mit dem aus der Türkei gelenkten Islamverband Ditib auseinandersetzt, ist denn auch an seinem Hamburger Landesverband kaum mehr etwas glaubwürdig. Er sei ja schließlich ,,trotz einer ,Aufarbeitungskommission' selbst nicht in der Lage, dafür zu sorgen, dass keine Antisemiten und Terrorverherrlicher eine Bühne in Hamburg bekommen".

Dass die Glaubwürdigkeit damit erst einmal weg ist, kann ja durchaus bedauern, wer kein rassistischer Islamfeind sein will. Wegen solcher Einzelaktionen verallgemeinernd nach einem staatlichen Veranstaltungsverbot zu rufen, wie es die FDP tut, ist jedenfalls arg billig.

Bloß: ,,Statt aufzuklären, lavierte die Ditib rum, verstrickte sich in Widersprüche und distanzierte sich eilig von der Geisteshaltung", urteilte die Zeit einmal bei einem ähnlichen Vorfall, der sich vor drei Jahren in einem Kölner Ditib-Saal abspielte [https://www.zeit.de/gesellschaft/zeitgeschehen/2023-11/ditib-taliban-besuch-koeln-recep-tayyip-erdogan]. Die Bewertung hat auch im heutigen Fall ihre Gültigkeit. Statt sich also über jeden neuen Einzelfall zu empören, wäre es wichtiger, das strukturelle Problem eines Verbandes zu erkennen, für den der Glaube ein politisches Instrument ist.


Aus: "Und wieder ein Einzelfall" Kommentar von André Zuschlag (5.5.2026)
Quelle: https://taz.de/Kritik-an-Ditib-Moschee-in-Hamburg/!6176378/