Author Topic: In einer Art Halböffentlichkeit...  (Read 1001 times)

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In einer Art Halböffentlichkeit...
« on: November 30, 2013, 06:48:40 PM »
Quote
[...] Im Interview mit Telepolis erklärt John Goetz unter anderem, warum die USA für ihren Drohnenkrieg Basen im Ausland brauchen und warum sie ihn nicht einfach von heimischen Kasernen und Computern aus erledigen. Die neuen Rechercheergebnisse des Henri-Nannen-Preisträgers zeigten Deutschlands erstaunlich intensive Verwicklung in Drohnenangriffe und Folterverhöre. Außerdem belegten sie die enge Kooperation bei der Überwachung der deutschen Bevölkerung mit der NSA.

Der Bundestag debattiert am heutigen Donnerstag über die Erkenntnisse, die Goetz in dem Buch Geheimer Krieg veröffentlichte Er hatte bereits 2006 die Beteiligung des BND am Irak-Krieg enthüllt und unlängst durch seinen Besuch bei Edward Snowden erneut viel Aufmerksamkeit erregte.

Im Interview mit Telepolis erklärt Goetz außerdem Die Zusammenarbeit zwischen deutschen und US-amerikanischen Diensten sei nicht immer streng geheim, sondern finde häufig "in einer Art Halböffentlichkeit" statt. Informationen dazu bekommt man beispielsweise auf US-Militärwebsites, die von der deutschen Öffentlichkeit (aber auch von vielen Journalisten) kaum wahrgenommen werden.

Dass auch deutsche Behörden auf die Dienste von Firmen wie der Computer Science Corporation (CSC) zurückgreifen, die die Computer der NSA wartet und in CIA-Foltertransporte verwickelt ist, liegt Goetz zufolge daran, dass die Entscheider dort glauben, es gäbe keine Alternativen. Ein "Vasallenstaat" ist Deutschland seiner Ansicht nach nicht. Stattdessen geht er davon aus, dass es die freie Entscheidung von Politikern aus der Führungsriege von CDU, SPD und FDP ist, an dieser Politik teilzunehmen. Und das, weil sie glauben, dass sie "im Prinzip große Vorteile aus diesem amerikanischen Sicherheitsschirm genießen". Über die Kehrseite dieser engen Zusammenarbeit wollten Entscheidungsträger wie Otto Schily angeblich gar nicht informiert werden.


Aus: "Der geheime Krieg: Über die deutsch-amerikanische Geheimdienst-Zusammenarbeit" (28.11.2013)
Quelle: http://www.heise.de/newsticker/meldung/Der-geheime-Krieg-Ueber-die-deutsch-amerikanische-Geheimdienst-Zusammenarbeit-2057136.html

-.-

"Die Operationen der US-Dienste in Deutschland" (28.11.13)
von John Goetz & Niklas Schenck
http://daserste.ndr.de/panorama/aktuell/geheimerkrieg269.html

-.-

In den vergan­genen eineinhalb Jahren hat ein Team aus Journa­listen des Norddeut­schen Rundfunk und der Süddeut­schen Zeitung zu den geheimen US-Struk­turen recher­chiert, die mitten in Deutschland bestehen. ...
http://www.geheimerkrieg.de



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In einer Art Halböffentlichkeit...
« Reply #1 on: October 18, 2016, 12:42:57 PM »
"Bundesweit in rund 50 Kliniken: Pharmafirmen testeten Medizin an Heimkindern in Viersen" Von Martin Röse und Christian Schwerdtfeger (18. Oktober 2016)
Düsseldorf/Viersen. Bis 1975 wurden Kindern und Jugendlichen in Erziehungseinrichtungen offenbar ohne deren Wissen Medikamente zu Testzwecken verabreicht. Auch in einer Einrichtung des Landschaftsverbands Rheinland in Viersen gab es solche Fälle. Das geht aus einer Doktorarbeit hervor. ... Der LVR streitet die Vorwürfe nicht ab und ist um Wiedergutmachung bemüht. "Die 30 betroffenen Kinder aus Süchteln sind unserer Anlauf- und Beratungsstelle für ehemalige Heimkinder bisher namentlich nicht bekannt", erklärt eine Sprecherin. "Sie haben die Möglichkeit, sich bei uns zu melden." Darüber hinaus werde der LVR auch von sich aus versuchen, diese Kontakte herzustellen. "Politik und Verwaltung des LVR sind sich einig, dass den ehemaligen Heimkindern Gerechtigkeit widerfahren muss." Dazu gehöre neben Aufklärung und Entschuldigung auch eine Entschädigung.
Ab Januar 2017 soll eine neue Stiftung "Anerkennung und Hilfe" ihre Arbeit aufnehmen. Sie richtet sich an Menschen, die in ihrer Kindheit und Jugend zwischen 1949 und 1975 in Einrichtungen der Behindertenhilfe und in jugendpsychiatrischen Einrichtungen leben mussten. Die Stiftung hat sich die Aufgabe gegeben, die Betroffenen zu beraten und Geldleistungen zur Verfügung zu stellen, um die Folgeschäden dieser Behandlungen abzumildern. ...
http://www.rp-online.de/nrw/staedte/viersen/pharmafirmen-testeten-medizin-an-heimkindern-in-viersen-aid-1.6332915

Quote
   vatervonw, 18.10.2016, 09:11 Uhr 3

Das kann nie und nimmer so gewesen sein. Solche bösen Sachen hat man nur in der DDR gemacht.


...

"Systematische Tests: West-Pharmafirmen betrieben Menschenversuche in der DDR" (12.05.2013)
Westliche Pharmakonzerne haben in mehr als 50 DDR-Kliniken über 600 Medikamentenstudien in Auftrag gegeben. Insgesamt dienten nach SPIEGEL-Informationen bis zum Mauerfall über 50.000 Menschen als Testpatienten etwa für Chemotherapeutika und Herzmedikamente - oft ohne es zu wissen. ...
http://www.spiegel.de/wissenschaft/medizin/west-pharmakonzerne-betrieben-menschenversuche-in-der-ddr-a-899306.html

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"Bundesregierung räumt Wissen über Drohnenkrieg ein" Fabian Köhler (01. Dezember 2016)
Nach Jahren des Dementierens bestätigt die Bundesregierung damit, was Beobachtern längst bekannt ist: Den US-Luftwaffenstützpunkt gilt als informationstechnischer Knotenpunkt im weltweiten Drohnenkrieg der USA, ohne den die tödlichen Einsätze in Afrika und Nahost nicht möglich wären (Deutschlands Rolle im geheimen Krieg). Das ganze Ausmaß der deutschen Beteiligung war zuerst im Jahr 2012 durch den ehemaligen Drohnenpilot und Whistleblower Brandon Bryant öffentlich gemacht worden. Vertreter der Bundesregierung hatten jegliches Wissen dennoch stets abgestritten. In der offiziellen Sprachregelung hieß es meist, der Bundesregierung lägen "keine eigenen Erkenntnisse vor" ... In einer Stellungnahme wirft Andrej Hunko der Bundesregierung nun bewusste Täuschung vor: Drei Jahre lang wurden Abgeordnete hierzu an der Nase herumgeführt und die Öffentlichkeit getäuscht. Die Bundesregierung ist auf diese Weise beteiligt an völkerrechtswidrigen extralegalen Tötungen. Das erfüllt aus meiner Sicht den Tatbestand der Billigung einer Straftat und der Strafvereitelung."
Ob die Bundesregierung nun vorhat, aus ihrem neuen Wissen Konsequenzen zu ziehen und beispielsweise auf eine Schließung des Luftwaffenstützpunktes Ramstein hinzuwirken, geht aus dem Antwortschreiben nicht hervor. ...
https://www.heise.de/tp/features/Bundesregierung-raeumt-Wissen-ueber-Drohnenkrieg-ein-3527925.html
« Last Edit: December 01, 2016, 04:45:23 PM by Link »

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« Reply #2 on: December 17, 2016, 05:17:34 PM »
"Ramstein: Ströbele stellt Strafanzeige wegen Beihilfe zum Drohnenkrieg" Stefan Krempl (heise online, 16.12.2016)
Ende November bestätigte die Bundesregierung öffentlich, dass die US-Militärbasis Ramstein als Relaisstation für Drohnenangriffe dient. Der Grüne Hans-Christian Ströbele sieht daher nun den Generalbundesanwalt gefordert. ... Ströbele begründet die Anzeige vor allem damit, dass Washington über Ramstein Pilotenteams von Armee und CIA Kampfdrohnen steuern lasse. Die Verantwortlichen hätten so bei weltweiten Angriffen etwa in Afghanistan, Pakistan, Somalia, Jemen oder Libyen Hunderte Menschen gezielt oder vorsätzlich getötet. ... Auslöser für Ströbeles Klage war, dass die US-Seite Ende August erstmals gegenüber dem Bundesaußenministerium einräumte, dass der Stützpunkt Ramstein für Drohnenangriffe als Datenknoten und zur Signalübermittlung diene. Dies teilte Michael Roth, Staatsminister im Auswärtigen Amt, Ende November im Bundestag mit. Die Basis werde als Relaisstation für Luftschläge mit unbemannten Flugobjekten genutzt. Roth bestätigte damit eine Aussage des früheren US-Drohnenpiloten Brandon Bryant im NSA-Untersuchungsausschuss. Die USA hätten der Bundesregierung aber versichert, dass die Aktivitäten mit dem geltenden Recht vereinbar seien. Ströbele sieht dies anders und will auch die Haltung der hiesigen Exekutive untersucht wissen. Sollte es stimmen, dass US-Drohnen über Ramstein gesteuert werden, sei Deutschland "mitverantwortlich und mitschuldig", meinte er am Donnerstag bei einer Aktuellen Stunde im Parlament. ...
https://www.heise.de/newsticker/meldung/Ramstein-Stroebele-stellt-Strafanzeige-wegen-Beihilfe-zum-Drohnenkrieg-3573499.html

Hans-Christian Ströbele (* 7. Juni 1939 in Halle an der Saale) ist ein deutscher Rechtsanwalt und Politiker der Partei Bündnis 90/Die Grünen. Er war von 2002 bis 2009 stellvertretender Vorsitzender der Bundestagsfraktion Bündnis 90/Die Grünen und ist das dienstälteste Mitglied des Parlamentarischen Kontrollgremiums (PKG) des Deutschen Bundestages zur Kontrolle der Geheimdienste. ...
https://de.wikipedia.org/wiki/Hans-Christian_Str%C3%B6bele

Quote
     Lars Pohlmann, 16.12.2016 21:31

Ich werde Christian Ströbele vermissen - wenige Bundestagsabgeordnete können sich mit seiner Integrität messen.


---

"Geheimakte BND & NSA: Hilfe für den US-Drohnenkrieg"
heise online, 19.03.2017 08:00 Uhr Stefan Krempl
Die US-Basis im deutschen Ramstein ist ein Zentrum des Drohnenkriegs, dem viele Menschen zum Opfer fallen. Nach unzähligen Ausflüchten haben die USA und die Bundesrepublik das nun eingestanden. Der NSA-Ausschuss hatte sich zuvor lange um Antworten bemüht. ... Deutschland fungiert im Drohnenkrieg Drake zufolge in zweifacher Hinsicht als Plattform: Zum einen werden die unbemannten Luftfahrzeuge aus hiesigen US-Basen heraus gesteuert, zum anderen die vom BND gelieferten Aufklärungsinformationen für das Treffen von "Kommando-Entscheidungen" genutzt. ...  Zu untersuchen sei auch eine Mitschuld durch "strafbares Unterlassen".
Das Ermittlungsgesuch richtet sich gegen "alle in Betracht kommenden Delikte", insbesondere aber gegen ungerechtfertigte Tötungen mit Drohnen sowie "gegen alle in Frage kommenden Tatverdächtigen aus den USA und Deutschland". Ströbele begründet die Anzeige vor allem damit, dass Washington über Ramstein Pilotenteams von Armee und CIA Kampfdrohnen steuern lasse. Die Verantwortlichen hätten so bei weltweiten Angriffen etwa in Afghanistan, Pakistan, Somalia, Jemen oder Libyen Hunderte Menschen gezielt oder vorsätzlich getötet. ...

https://www.heise.de/newsticker/meldung/Geheimakte-BND-NSA-Hilfe-fuer-den-US-Drohnenkrieg-3653024.html

« Last Edit: March 20, 2017, 10:29:05 AM by Link »

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« Reply #3 on: March 23, 2017, 09:18:02 AM »
"Meister der geheimen Kriege"  Reinhard Jellen (22. März 2017)
In seinem Buch Die Weltbeherrscher behandelt der Journalist Armin Wertz die militärischen und geheimdienstlichen Operationen der USA von 1794 bis in die Gegenwart.  ...
https://www.heise.de/tp/features/Meister-der-geheimen-Kriege-3650452.html


Armin Wertz (* 1945 in Friedrichshafen) ist ein deutscher Autor und Journalist.
https://de.wikipedia.org/wiki/Armin_Wertz

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« Reply #4 on: May 03, 2017, 10:02:05 AM »
Quote
[...] Franco A. hatte unter dem Namen David Benjamin Asyl beantragt. Bei der Anhörung gab er dem Zeitungsbericht zufolge an, am 8. Februar 1988 geboren zu sein. Er sei Syrer, Christ und gelernter Landwirt und werde wegen seines Glaubens verfolgt. Außerdem sei er wegen seines jüdisch klingenden Namens in Syrien nie akzeptiert worden. Geflohen sei er nach einem Angriff des "Islamischen Staates" (IS). Sein Vater sei getötet, er selbst durch einen Granatsplitter verletzt worden.

...  Nach Erkenntnissen der Ermittler hatte Franco A. auch eine Liste mit möglichen Anschlagsopfern geführt. Die Berliner Linken-Abgeordnete Anne Helm stand nach eigenen Angaben auf dieser Liste. Darüber habe das Landeskriminalamt sie informiert, schrieb die Landespolitikerin am Samstag auf Twitter.

Helm sitzt seit 2016 für die Linke im Berliner Abgeordnetenhaus. Im Gespräch mit dem Berliner Tagesspiegel sagte sie, sie habe bereits zuvor Gewalt- und Morddrohungen erhalten. Aber das sei "eine andere Qualität". Sie wolle sich nicht einschüchtern lassen, doch die Angelegenheit sei beunruhigend.

Auch die Aktivisten der Künstlergruppe Zentrum für Politische Schönheit (ZPS) teilten mit, auf der Liste potentieller Opfer gestanden zu haben.

Medienberichten zufolge sei noch ein weiterer Berliner vom LKA informiert worden, die Hintergründe sind unklar. Die Berliner Polizei konnte dazu am Sonntag nichts sagen. Der 28-jährige Franco A. schweigt bislang zu den Vorwürfen.

...


Aus: "Weitere Ungereimtheiten im Fall von Franco A." (30. April 2017)
Quelle: http://www.zeit.de/gesellschaft/zeitgeschehen/2017-04/terrorverdaechtiger-soldat-bundeswehr-asylprotokoll-opferliste

---

Quote
[...] Charles de Gaulle lernte in Saint-Cyr das Militärhandwerk, ebenso wie Phillipe Pétain, der "Held von Verdun" und spätere Chef des Vichy-Regimes: An der École spéciale militaire de Saint-Cyr studierten Frankreichs Militärlegenden - und Franco A. Dass der mutmaßliche Rechtsextremist 2013 als Student und ausgerechnet an der prestigeträchtigen Militärakademie des Nachbarlandes ein offen rassistisches Pamphlet als Abschlussarbeit vorlegte, macht die Affäre noch ein bisschen unangenehmer für die Bundeswehr.

Die französischen Ausbilder äußern sich entsetzt über den von der Bundeswehr entsandten jungen Offizier, lassen ihn durchs Examen fallen und empfehlen seine "Ablösung". Ein Bundeswehr-Gutachter nennt A.s Text einen "rassistischen Appell", von dem "der Schritt zum Rassenkampf nicht groß" sei. Doch die Karriere des Soldaten wird nur ganz kurz gebremst, wie aus Unterlagen hervorgeht, die n-tv vorliegen. Ein gutes halbes Jahr später bekommt A. seinen Abschluss - für eine neue Arbeit mit einem anderen Thema -, wird zum Berufssoldaten ernannt und setzt seine Offizierslaufbahn ungehindert fort - inklusive wiederholter Sicherheitsüberprüfungen durch den Bundeswehrgeheimdienst MAD.

Nun hat der Generalbundesanwalt Ermittlungen gegen den inzwischen inhaftierten Oberleutnant A. übernommen. Er soll ein Doppelleben als angeblicher syrischer Flüchtling geführt und möglicherweise einen Terroranschlag geplant haben. Trotz seiner bereits 2013 offen und ausführlich dargelegten rassistischen Ansichten will niemand in der Bundeswehr A.s rechtsextreme Einstellung bemerkt haben. Wie war das möglich?

Ein Historiker des Zentrums für Militärgeschichte und Sozialwissenschaften der Bundeswehr begutachtet schon Anfang 2014 A.s erste Masterarbeit. Das eindeutige Urteil: "Bei dem Text handelt es sich nach Art und Inhalt nachweislich nicht um eine akademische Qualifikationsarbeit, sondern um einen radikalnationalistischen, rassistischen Appell, den Vf [der Verfasser] mit einigem Aufwand auf eine pseudowissenschaftliche Art zu unterfüttern versucht." A.s Thesen wiesen "alle Merkmale einer Verschwörungstheorie auf", heißt es weiter.

Unter dem Titel "Politischer Wandel und Subversionsstrategie" breitet A. rund 140 Seiten lang die Theorie aus, dass dunkle Mächte versuchten, die Völker Westeuropas durch "Durchmischung" zu zerstören. Mittel für diesen "Genozid" sind A. zufolge etwa die "zutiefst subversiven" Menschenrechte der UN-Charta, die durch das Diskriminierungsverbot, das Recht auf Freizügigkeit, freie Eheschließung sowie Religions- und Gewissensfreiheit zur "Heterogenisierung" und damit zur Zerstörung der Völker führten.

Daneben beklagt A. den subversiven Einfluss von allgemeinen, gleichen Wahlen, der Gewerkschaften und des Studentenaustauschprogramms Erasmus. Mit Letzterem treibe die EU eine "innereuropäische Vermischung" von "jungen, fruchtbaren Menschen", die auch noch ihre Zeit mit einem "ausschweifenden Leben" verbrächten. Das Gutachten bescheinigt A., sich mehrfach Sprachbildern und Ausdrücken zu bedienen, die an die Propaganda des Nationalsozialismus erinnerten.

Der Gutachter stellt weiter ein "kühl, kalkuliertes Vorgehen" bei A. fest, der versuche, die Radikalität seiner Thesen - etwa durch den harmlos klingenden Titel der Arbeit - zu verschleiern. Der Autor wisse, "dass er geltendes Recht bricht". Eine treffendere Übersetzung des Titels der Arbeit sei etwa "Grundlagen und Mittel des geheimen Rassenkampfes gegen die westliche Welt".

Doch das eindeutige Urteil bleibt ohne nennenswerte Folgen für A. Der junge Offizier wird im Rahmen eines internen Vorermittlungsverfahrens im Januar 2014 beim Streitkräfteamt in Bonn vernommen. Wie aus einem ausführlichen Aktenvermerk des Streitkräfteamtes hervorgeht, erzählt er den zuständigen Beamten, es sei ein Missverständnis, wenn seine Masterarbeit rechtsextrem erscheine.

Der Text, so behauptet A., sei als "misslungener, weil nicht hinreichend erläuterter Versuch" zu verstehen, "die aufgestellten wissenschaftlichen Thesen als jemand zu präsentieren, der lediglich in die Rolle eines Protagonisten subversiver Tätigkeit geschlüpft sei". Was A. mit diesem Rollenspiel bezweckt haben will, geht aus den Akten nicht hervor.

Ersichtlich ist aus den Dokumenten allerdings, dass der junge Offizier, der nach eigenen Angaben bisher zu den Jahrgangsbesten in Saint-Cyr gehörte, seine Vorgesetzten überzeugt: Zwar wird bei A. ein "Dienstvergehen eher am unteren Rand der Pflichtwidrigkeit" festgestellt. Denn A. habe fahrlässig für "Irritationen bei der der französischen" Akademieführung" gesorgt. Doch das Verfahren wird nach einer mündlichen Ermahnung eingestellt - ausdrücklich, um A.s Übernahme in das Berufssoldatenverhältnis nicht zu gefährden.

Doch nicht nur die deutschen Vorgesetzten kann A. überzeugen. In Saint-Cyr wandte sich der junge Bundeswehrsoldat unter anderem an einen dort bekannten Priester. Der und weitere Vorgesetzte setzten sich bei der Akademie dafür ein, dass er eine zweite Chance bekam. Die nutzte A.: Im Juli erhielt er schließlich den Abschluss. Das Thema seiner neuen Arbeit wird in den Akten nicht genannt.

Quelle: n-tv.de


Aus: "Ausflüchte eines ExtremistenFranco A. zieht in den Rassenkampf" Max Borowski (Dienstag, 02. Mai 2017)
Quelle: http://www.n-tv.de/politik/Franco-A-zieht-in-den-Rassenkampf-article19819772.html

---

Quote
[...] Am Wochenende wurde bekannt, dass der Bundeswehr schon seit 2014 Hinweise auf eine rechtsextreme Gesinnung des Offiziers vorlagen, ohne dass Konsequenzen folgten. Wegen des Verdachts einer staatsgefährdenden Gewalttat übernahm die Bundesanwaltschaft die Ermittlungen. ... Neben A. sitzt auch ein mutmaßlicher Komplize in Untersuchungshaft. Die Bundesanwaltschaft zog die Ermittlungen an sich. Es bestehe der Anfangsverdacht der Vorbereitung einer schweren staatsgefährdenden Gewalttat, sagte ein Sprecher. So bezeichnen Sicherheitsbehörden unter anderem Terroranschläge. ...
"Bundeswehr: Von der Leyen steht zu ihrer Kritik" (3. Mai 2017)
http://www.zeit.de/politik/2017-05/bundesverteidigungsministerin-ursula-von-der-leyen-skandal-rechtsextremismus-bundeswehr



---

"Offizier unter Terrorverdacht: Franco A. wollte offenbar Heiko Maas und Joachim Gauck ermorden" (02. Mai 2017)
Monatelang soll sich Oberleutnant Franco A. als syrischer Flüchtling ausgegeben und einen Anschlag geplant haben. Aber nicht nur das: Auf der Todesliste des Bundeswehroffiziers sollen auch Spitzenpolitiker gestanden haben. ... Der Offizier Franco A. war zuletzt in einer Kaserne stationiert, in der rechtsextremes Gedankengut zumindest in Teilen akzeptiert gewesen sein muss. Nach Informationen des Verteidigungsministeriums fanden die Inspekteure des Heeres und der Streitkräftebasis bei einem Besuch an dem Standort in Illkirch Hakenkreuz-Kritzeleien auf Wänden und auf einem Sturmgewehr. An den Wänden hingen Landser-Bilder und andere "Wehrmachts-Souvenirs".  Von der Leyen hatte nach der Festnahme von Franco A. in der vergangenen Woche in einem offenen Brief an die Angehörigen der Bundeswehr erklärt, die jüngsten Skandale in der Truppe seien keine Einzelfälle mehr. Sie ging damit etwa auf die seit langem intern bekannte rechtsextreme Haltung des inhaftierten Oberleutnants Franco A. und auf Mobbing-Fälle in einer Pfullendorfer Kaserne ein.
http://www.stern.de/panorama/stern-crime/franco-a--wollte-angeblich-joachim-gauck-und-heiko-maas-ermorden-7436290.html

---

"Tiefer Staat? Gedanken zum Fall Franco A." Marcus Klöckner (02. Mai 2017)
Gibt der Fall des Bundeswehrsoldaten Franco A., der sich als Asylbewerber ausgegeben hat, Einblick in eine tiefenstaatliche Struktur, die mit Todeslisten operiert? Wer die Geschichte von Gladio, den Stay-behind-Strukturen der Nato, kennt, kommt zumindest auf diesen Gedanken. ...
https://www.heise.de/tp/features/Tiefer-Staat-Gedanken-zum-Fall-Franco-A-3700860.html

Quote
     heisewurst, 02.05.2017 17:51


Was mich am meisten stutzig macht ist der Name "Franco A."

Er war ja scheinbar bei der deutsch-fransösischen Einheit in Illkirchen.

Name der Einheit "Brigade franco allemande"
https://de.wikipedia.org/wiki/Deutsch-Franz%C3%B6sische_Brigade

Das finde ich jetzt mal witzig. Ist das Zufall? Kann ich mir nicht vorstellen? Künstlername?

...

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     Killer-Plautze, 02.05.2017 18:55

Re: Was mich am meisten stutzig macht ist

heisewurst schrieb am 02.05.2017 17:51:

    der Name "Franco A."
    ...
    Das finde ich jetzt mal witzig. Ist das Zufall? Kann ich mir nicht vorstellen? Künstlername?


A. steht für Albrecht. Albrecht ist übrigens der Geburtsname von Uschi. Ihr Papa war Ernst Albrecht, Ex-Minister-Präsident von Niedersachsen.


Quote
     jens lambert, 02.05.2017 19:10

Re: Was mich am meisten stutzig macht ist

    Ernst Albrecht, Ex-Minister-Präsident von Niedersachsen.

Und der kannte sich ja auch ganz gut aus.
Also mit Anschlägen und so!

http://de.verschwoerungstheorien.wikia.com/wiki/Celler_Loch

mfg



Quote
     00_Graham, 02.05.2017 16:27

David Benjamin??

Warum nicht gleich David Ben-Gurion?

Ich gehe mal davon aus, dass "David Benjamin" nicht wirklich der "arabische" Name ist, unter dem Franco A. sich hat als Flüchtling registrieren lassen. Aber "David Benjamin", ist der BILD-Zeitung nichts Anderes eingefallen als "Name von der Redaktion geändert"?

Wollen wir hoffen, dass dem Burschen als Flüchtlingsname in Wirklichkeit etwas Passenderes eingefallen ist. Die Geschichte ist ja so schon lachhaft genug.


Quote
     Hat se nicht alle, 02.05.2017 15:19

Jeder der mal bei der Truppe war weiß, dass man sich dort mal für 1 oder 2 Stunden verpissen kann, aber tagelang unbemerkt nicht zum Dienst anzutreten geht gar nicht.
Es gibt mindestens einmal am Tag einen Appell und wer dort nicht erscheint, der fällt auf.

Auch bei den Franzosen läuft die Sache nicht lockerer, eher im Gegenteil.

Wenn also ein Offizier in einem Flüchtlingsheim wohnt, alle Behördengänge machen kann und auch seine Post pünktlich abholt, dann ist er

a.) krank geschrieben
b.) hat unglaublich viel Sonderurlaub gehamstert
c.) handelt auf Befehl

Das sollte sich alles ohne große Schwierigkeiten ermitteln lassen.


Quote
     Niccus, 02.05.2017 13:36

Einfach der misslungene Versuch, einen verdeckten Ermittler zu installieren

Wenn man das so liest, so ergibt sich für mich vor allem das Bild, dass Kreise im Bereich der Bundeswehr versucht haben, einem Agenten eine saubere Legende zu verpassen. Gute Idee, leider schiefgegangen. Was das allerdings mit der Pistole auf sich hatte, ist schwer zu sagen. Womöglich auch Teil einer Backstory. Wollte sich Franco mit jemandem treffen und durch die Waffe etwas beweisen? Könnte er auch einer von den "Guten" gewesen sein, der rechte Kreise unterwandern sollte?

Das Posting wurde vom Benutzer editiert (02.05.2017 13:37).

Quote
     Exoteriker, 02.05.2017 13:37

Re: Einfach der misslungene Versuch, einen verdeckten Ermittler zu installieren

Niccus schrieb am 02.05.2017 13:36:

    Wenn man das so liest, so ergibt sich für mich vor allem das Bild, dass Kreise im Bereich der Bundeswehr versucht haben, einem Agenten eine saubere Legende zu verpassen.

Echt? Einem Agenten ohne entsprechende Sprachkenntnisse, ohne Kenntnisse der Kultur, mit einem Aussehen, das eigentlich sofort auffallen müsste?


Quote
  /Rak, 02.05.2017 14:05

Re: Einfach der misslungene Versuch, einen verdeckten Ermittler zu installieren

Exoteriker schrieb am 02.05.2017 13:37:

    Niccus schrieb am 02.05.2017 13:36:

        Wenn man das so liest, so ergibt sich für mich vor allem das Bild, dass Kreise im Bereich der Bundeswehr versucht haben, einem Agenten eine saubere Legende zu verpassen.

    Echt? Einem Agenten ohne entsprechende Sprachkenntnisse, ohne Kenntnisse der Kultur, mit einem Aussehen, das eigentlich sofort auffallen müsste?


Dafür hatte er sogar eine Erklärung: "Für die mangelnden Arabischkenntnisse gab er an, dass er in einer französischstämmigen Kolonie in Damaskus aufgewachsen sei" (aus Zeit Online v. 28.04.) Wobei er aber auch nur gebrochen französisch sprach.

Verwunderlicher ist eher, dass er damals die ganzen Behördentermine in Zirndorf Bayern und davor in Gießen wahrnehmen konnte obwohl er eigentlich in Illkirch stationiert war. Als Soldat hat man zwar natürlich auch Urlaub - aber eben nicht während Lehrgängen usw., da kommt man oft nicht mal am Wochenende nach Hause.




Quote
     -fdik-, Volker Birk, bumens@dingens.org, 02.05.2017 10:11


http://www.nachdenkseiten.de/?p=38102

    Nachdem sich Franco A. Ende 2015 als Flüchtling registrieren ließ und im Mai 2016 einen regulären Asylantrag stellte, wurde er im November 2016 schließlich in einer Außenstelle des Bundesamts für Migration und Flüchtlinge (Bamf) in Nürnberg zu seinen Beweggründen persönlich befragt. Wie nun bekannt wurde, handelte es sich bei seinem Befrager um einen „von der Bundeswehr ans Bamf ausgeliehenen Soldaten“. Der Flüchtling spielende Soldat wurde also seinerseits von einem als Bamf-Beamten agierenden Soldaten überprüft. […]

    Zur Frage, ob Franco A. privat handelte oder in Absprache mit Vorgesetzten, lohnt ein genauerer Blick auf seinen Arbeitgeber, das Bundeswehr-Jägerbataillon 291. Dieses in Frankreich stationierte Bataillon ist keine gewöhnliche Einheit, sondern eine Art Pionierverband für besondere Aufgaben. Das Bataillon ist dort präsent, wo es geopolitisch brenzlig ist, etwa in Litauen oder in Mali. Es ist außerdem eingebunden in politisch brisante Manöver, wie die Übung „Saber Strike“ 2015 in Polen, die nicht von der NATO, sondern direkt von der US-Armee befehligt wurde. Kommandeur des Bataillons und damit Vorgesetzter von Oberleutnant Franco A. ist Oberstleutnant Marc-Ulrich Cropp, Jahrgang 1972. Dessen Karriere ist eng mit den Spezialkräften und auch mit den USA verknüpft. Nachdem er bereits Ende der 1990er Jahre Weiterbildungen in den Vereinigten Staaten besucht hatte, absolvierte er schließlich von 2008 bis 2010 eine Eliteausbildung beim U.S. Marine Corps, wo er die „School of Advanced Warfighting“ besuchte. Zurück in Deutschland leitete er im Verteidigungsministerium die Planungsabteilung für Operationen der Bundeswehr-Spezialkräfte.

...



...

https://www.heise.de/forum/Telepolis/Kommentare/Tiefer-Staat-Gedanken-zum-Fall-Franco-A/forum-379456/

---

Oberlandesgericht Frankfurt: Kein hinreichender Tatverdacht gegen Franco A.
Das Oberlandesgericht Frankfurt bezweifelt, dass Franco A. einen Anschlag geplant hat. Er habe über Sprengstoff verfügt, sei aber nicht entschlossen gewesen.
7. Juni 2018, 14:07 Uhr Quelle: ZEIT ONLINE, dpa, AFP, sög
Im Fall des rechtsextremen Bundeswehrsoldaten Franco A. sieht das Oberlandesgericht Frankfurt keinen hinreichenden Verdacht dafür, dass er einen Anschlag vorbereitet hat. Das Oberlandesgericht werde deshalb gegen den 29-Jährigen kein Verfahren eröffnen, teilte das Gericht mit, sondern den Fall wegen weiterer Anklagepunkte an das Landgericht Darmstadt weitergeben. ...
Die Bundesanwaltschaft hatte Franco A. unter anderem wegen Vorbereitung einer schweren staatsgefährdenden Gewalttat angeklagt. Sie hatte ihm vorgeworfen, "aus einer völkisch-nationalistischen Gesinnung" heraus einen Anschlag auf hochrangige Politiker und andere Personen geplant zu haben, die aus seiner Sicht ein flüchtlingsfreundliches Engagement zeigten.
Der Anklage zufolge habe Franco A. den Verdacht auf Flüchtlinge lenken wollen. Er habe sich deshalb unter falscher Identität als Asylsuchender aus Syrien registrieren lassen. Die Bundesanwaltschaft kann gegen die Entscheidung noch Beschwerde einlegen. ...
https://www.zeit.de/gesellschaft/2018-06/oberlandesgericht-frankfurt-franco-a-bundeswehr

Quote
LouiDerLustigeLeguan #5

Witzig!

Zuerst Waffen und Sprengstoff besorgen, Gebäude observieren und Todeslisten anfertigen (lassen) und dann bescheinigt bekommen, dass man unentschlossen war.


Quote
besserStill #15

Man stelle sich nur mal vor, es handle sich um einen Flüchtling, der sich all die Waffen besorgt, Listen erstellt, Ziele observiert. ...

« Last Edit: June 07, 2018, 07:52:49 PM by Link »

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« Reply #5 on: March 16, 2019, 05:19:37 PM »
Bei einem Anschlag auf zwei Moscheen in Christchurch (Neuseeland) sind am 15. März 2019 mindestens 49 Menschen getötet und weitere 40 Menschen verletzt worden. Die Tat ist nach Zahl der Todesopfer das schwerste Verbrechen in der Geschichte Neuseelands. ... (Stand: 16.03.2019)
https://de.wikipedia.org/wiki/Anschlag_auf_zwei_Moscheen_in_Christchurch

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[...] Ein übergroßer weißer Schutzanzug, breiter Hüftgurt und Handfesseln: der mutmaßliche Massenmörder von Christchurch wurde am Samstagmorgen Ortszeit dem Richter vorgeführt. Nur Medien waren im Gerichtssaal zugelassen, für die Öffentlichkeit waren die Räumlichkeiten aus Sicherheitsgründen gesperrt worden. Der Australier wurde offiziell des Mordes angeklagt. Eine Entlassung auf Bewährung beantragte er nicht. Am 5. April muss er erneut vor dem Gericht erscheinen. 49 Menschen, die eben mit dem Freitagsgebet begonnen hatten, soll der 28-jährige Australier am Freitag in zwei Moscheen in der neuseeländischen Stadt Christchurch erschossen haben. Unter ihnen seien auch Kinder, so Premierministerin Jacinda Ardern. Das jüngste Todesopfer war zwei Jahre alt, das älteste 60.

39 weitere Gläubige befinden sich noch in Krankenhäusern. 11 liegen mit lebensgefährlichen Verletzungen auf der Intensivstation. Der Täter hatte seinen Amoklauf gefilmt und live im Internet gezeigt. In einem 74 Seiten starken "Manifest" bekannte er sich zu rechtsextremem Gedankengut und seinem Hass gegen Muslime und Einwanderer.

Ardern meinte, der mutmaßliche Amokläufer sei nur 36 Minuten nach dem ersten Alarm von der Polizei festgenommen worden. Laut Polizei hatte er fünf Waffen bei sich, darunter zwei halbautomatische und zwei umgebaute Gewehre. Er sei unterwegs gewesen, um weitere Menschen zu ermorden, so Ardern. "Er hatte absolut die Absicht, seine Attacke fortzuführen".

Der Täter gefiel sich offenbar auch darin, sich auf historische Ereignisse zu beziehen, darunter die Wiener Türkenbelagerung. In einem TV-Bericht des niederländischen Senders RTL Nieuws mit Aufnahmen vom Tatort ist beispielsweise ein Schriftzug mit dem Namen "Ernst Rüdiger von Starhemberg" und die Zahl "1683" zu sehen. Der Feldmarschall hatte 1683 die Verteidigung Wiens geleitet. In einer von ihm angefertigten Liste von "Bruderstaaten" wird an zweiter Stelle auch Österreich genannt. Zudem werden in dem im Internet kursierenden Video auch Bezüge auf frühere christliche Kreuzzüge gezeigt. Außerdem seien auf der Tasche des Verdächtigen Neonazi-Symbole gefunden worden, so der Bericht.

... In der australischen Stadt Gosford, wo der Attentäter aufgewachsen war, herrschte auch am Samstag ungläubiges Entsetzen. Der mutmaßliche Massenmörder war dort in einer Arbeiterfamilie groß geworden. Er sei ein unauffälliger und generell angenehmer Mitschüler gewesen, so einige seiner ehemaligen Klassenkameraden gegenüber dem australischen Fernsehen. Später arbeitete der Australier als Fitness-Trainer. Laut seiner ehemaligen Chefin im Fitness-Club, Tracey Gray, war ihr Mitarbeiter "sehr professionell und zuverlässig – ein sehr guter Trainer". ... In dem von der Polizei noch nicht als sein Werk bestätigen Hass-Manifest bezeichnet sich der Australier als weißen Nationalisten der Einwanderer hasse. Immigranten bezeichnet er als "Invasoren". Der Mann warnt mehrfach, europäisch stämmige Menschen mit christlichem Glauben würden ihren Platz an Muslime verlieren. Auch erklärte er, dass er keiner bestimmten Organisation angehöre und die Attacken in Christchurch in den vergangenen drei Monaten geplant habe. Laut der Tageszeitung The Australian soll er schon 2011 im Internet Andeutungen über seine Gesinnung gemacht haben: "Ich bin ein Monster der Willenskraft. Ich brauche nur ein Ziel", so der spätere mutmaßliche Massenmörder. Dass sich der Mann rechtsextremem Gedankengut verschrieben hatte, wurde auch im Video ersichtlich, das der Täter mit Hilfe einer auf seinem Helm montierten Kamera gedreht und ins Internet gestellt hatte. Darin sind neben den historischen Bezügen auch weitere rassistische Parolen und Symbole zu sehen, die er auf seine Waffen gemalt hatte. Eines der Vorbilder des Attentäters scheint Donald Trump zu sein. Der amerikanische Präsident sei für ihn "das Symbol einer erneuerten weißen Identität", schreibt er im Manifest. (ergänzt durch die Redaktion, 16.3. 2019)


Aus: "Der Attentäter von Christchurch war auf dem Weg zur nächsten Bluttat" Urs Wälterlin (16. März 2019)
Quelle: https://derstandard.at/2000099657800/Der-Attentaeter-von-Christchurch-war-auf-dem-Weg-zur-naechsten

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Umerziehungsberechtigter

Irgendwie total krank. Ein Abkömmling von Einwanderern nach Australien, den die Aborigines sicher nicht eingeladen haben, will Einwanderer bekämpfen.


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Briaftroga

In einem Artikel der Süddeutschen Zeitung wird erwähnt das bisherige rechtsextreme Amokläufer immer als lokales Phänomen gesehen wurden aber anscheinend ist dem nicht mehr so. ...


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Turbolaser

Das ist Religion. Das ist Wahnsinn. Wann beenden wir endlich das staatliche Hofieren semi-krimineller Terrororganisationen, die unter dem Deckmantel der Nächstenliebe Lügen zur Selbstbereicherung verbreiten? Die Aufklärung war vor 300 Jahren. Wir wissen, dass es keine Götter gibt und trotzdem erhalten wir die Lügen aufrecht - dass ist das Resultat unserer Tatenlosigkeit. Die Verbreitung religiöser Lügen gehört endlich unter Strafe gestellt!

Für eine Gesellschaft der Fakten und Wissenschaft!


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[...] Am 3. Februar 2017 nimmt einer der bizarrsten Kriminalfälle der vergangenen Jahre seinen Lauf. Franco A., ein Soldat der deutschen Bundeswehr, wird auf dem Wiener Flughafen festgenommen, als er eine geladene Waffe aus einem Versteck in der Behindertentoilette holen will. Als der Verdächtige überprüft wird, entdecken die Beamten, dass sich dieser mit einer zweiten Identität als syrischer Flüchtling in Deutschland registrieren ließ. Bei einer Hausdurchsuchung finden sie Todeslisten und offensichtlich Vorbereitungen auf einen Terroranschlag, den der deutsche A. vermeintlich als syrischer Flüchtling ausführen wollte. Was damals noch niemand ahnt: Franco A. ist nur ein Teil eines rechtsextremen Netzwerks aus aktiven und ehemaligen Soldaten und Polizisten, die sich in Chatgruppen miteinander über den Tag X austauschen – jenen Tag, an dem die staatliche Ordnung zusammenbricht. Folgt man ihren Spuren, landet man bei einem Verein für ehemalige Elitesoldaten, beim deutschen Verfassungsschutz, einem merkwürdigen Ritterorden in Österreich – und beim heimischen Verteidigungsministerium, wie Recherchen von STANDARD, Taz und Schweizer WOZ zeigen.

Im Zentrum des Netzwerks steht ein ehemaliger deutscher Elitesoldat namens André S., besser bekannt als "Hannibal". Er gründete gemeinsam mit einem Verfassungsschützer den Verein Uniter, der Sicherheitsdienste anbietet und global vernetzt ist. Außerdem war er Administrator geheimer Chatgruppen, in denen sich Soldaten, Polizisten und Security-Mitarbeiter über "sichere Häuser", Bedrohungsszenarien und Fluchtrouten unterhielten. Eine solche Chatgruppe gab es auch für Österreich, wie aus Zeugenbefragungen der deutschen Ermittler hervorgeht. Einige Mitglieder der Chatgruppen entwendeten Waffen und Munition aus den Beständen der Bundeswehr und legten einen Ordner mit Feindlisten von Politikern und Personen aus der linken Szene an. Am Tag X sollten diese Personen dann zusammengerottet, an Straßensperren vorbeigeschmuggelt und eliminiert werden, sagte ein Zeuge zu den deutschen Ermittlern. Von den rechtsextremen Tendenzen in der deutschen Bundeswehr wussten auch die Attentäter von Neuseeland Bescheid, die am Freitag 49 Menschen in zwei Moscheen ermordeten. Ein mutmaßlicher Terrorist, der das berüchtigte Manifest verfasste, verlinkte noch am Mittwoch zu zwei Artikeln des deutschen Auslandssenders "Deutsche Welle", in denen 2017 etwa von Franco A. und anderen Rechtsextremen berichtet wurde. Damals war zwar bekannt, dass die deutsche Bundeswehr ein großes Problem mit Rechtsextremismus in den eigenen Reihen hat – dass Franco A. und andere sich über geheime Chatgruppen austauschten, wurde jedoch erst später enthüllt. Noch ist unklar, ob die neuseeländischen mutmaßlichen Attentäter diese Informationen auch wahrgenommen haben. In seinem Manifest schreibt der mutmaßliche Terrorist jedenfalls davon, dass es in Europas Armee hunderttausende nationalistische Soldaten gäbe.

Zurück zu Franco A.: Der Soldat war im Februar 2017 zum zweiten Mal binnen weniger Tage nach Wien gereist. Ein paar Tage vor seiner Festnahme hatte er gemeinsam mit Freunden den Ball der Offiziere besucht. In seiner Vernehmung gibt er an, bei einer Beisltour durch Wien in einem Gebüsch eine Pistole gefunden zu haben. Er schlief mit der Pistole bei seinem Freund Maurice R., der im siebenten Bezirk wohnt. Nach seiner Übernachtung entdeckte Franco A. angeblich vor dem Security-Check am Flughafen Wien, dass er die Waffe noch eingesteckt hatte. Er geriet in Panik und versteckte sie auf der Behindertentoilette, dann reiste er ab. Am 3. Februar, dem Tag des Akademikerballs, kehrte A. nach Wien zurück. Die Pistole war zwischenzeitlich von einer Putzfrau gefunden worden, die Polizei hatte eine Videofalle installiert. Als A. die Pistole wieder an sich nehmen will, wird er verhaftet. Die Affäre nimmt ihren Lauf, Ermittler entdecken ein weitverzweigtes Netzwerk im deutschsprachigen Raum, das auch nach Wien führt. In den Chatgruppen sind mindestens einige Dutzend Personen aktiv, genaue Informationen dazu sind nicht öffentlich. Deutsche Ermittler fragen bei ihren Vernehmungen zu dem Fall etwa immer wieder, ob Zeugen Franco A.s Wiener Gastgeber Maurice R. kennen. Die österreichischen Behörden führen auf Bitten ihrer deutschen Kollegen eine Hausdurchsuchung in Wien durch. R. ist in Wien gut vernetzt: Der ehemalige deutsche Bundeswehrsoldat studiert Psychologie, und er treibt sich in Burschenschafter-Kreisen herum. Zu seinem Umfeld gehören auch zwei Mitarbeiter des österreichischen Verteidigungsministeriums. Bekannt ist er auch mit der Familie Gudenus. Ein Foto, das dem STANDARD vorliegt, zeigt Maurice R. und Clemens Gudenus, Bruder von FPÖ-Klubobmann Johann Gudenus und derzeit FPÖ-Bezirkspolitiker in Wien-Wieden, gemeinsam auf einer Couch sitzend. Clemens Gudenus sagt dem STANDARD, dass Maurice R. "nur einer von 2800 Facebook-Freunden" sei. Franco A. kenne er nicht. Parallel zur Hausdurchsuchung in Wien versuchen die Mitglieder der geheimen Chatgruppen, ihre Spuren zu löschen. Als André S., also "Hannibal", erfährt, dass die Medien über die Vorwürfe gegen Franco A., ein Mitglied der Chatgruppe "Süd", berichten, gibt er die Anweisung, alle Chats zu löschen. Das sagt S. zu deutschen Ermittlern. Er wolle damit verhindern, dass Beamte, Soldaten und Richter in den Chatgruppen beruflichen Schaden davontragen. Wer ist dieser ominöse "Hannibal"? André S. war lange "Auskunftsperson" des Militärischen Abschirmdienstes in Deutschland (MAD). Der MAD ist das deutsche Pendant des Heeresabwehramts, also genau jene Institution, die sich um verfassungsfeindliche Tendenzen innerhalb des Militärs kümmern sollte. Vor dem Amtsgericht Köln beginnt am Mittwoch ein Prozess gegen Hannibals Kontaktmann beim MAD. Ihm wird vorgeworfen, "Hannibal" vor anstehenden Razzien gewarnt zu haben.

Das ist nicht die einzige Verbindung, die zeigt, dass "Hannibals" Schattennetzwerk mit genau jenen Behörden verbunden zu sein scheint, die eigentlich um die Aufklärung seiner Aktivitäten bemüht sein sollten. Die taz hat diese Woche aufgedeckt, dass ein Beamter des baden-württembergischen Landesamts für Verfassungsschutz Gründungsmitglied des Vereins Uniter war. Auch "Hannibal" war bis zur vergangenen Woche stellvertretender Vorsitzender des Vereins, laut Recherchen der NZZ sitzt er noch im Präsidium. Der Verein Uniter soll ehemaligen Elitesoldaten dabei helfen, sich wieder im "echten Leben" zurechtzufinden. Der 2012 gegründete Verein vernetzt sie mit Polizisten und anderen Personen aus der "Sicherheitsbranche". Nach außen hin wirbt er mit karitativen Aktivitäten, parallel dazu baut er jedoch eine Abteilung "Defence" auf. Offiziell dementiert Uniter, mit der Prepper-Szene zu tun zu haben; also mit jenen Personen, die sich militärisch oder organisatorisch auf ein Horrorszenario vorbereiten. Doch in einem Newsletter an seine Mitglieder sprach Uniter schon vor vier Jahren von "Auffangcamps im Ausland" und anderen Mitteln, um sich zu präparieren. Wie die Taz dieses Wochenende berichtet, soll Uniter versuchen, weltweit als Dienstleister im Sicherheitsgewerbe Fuß zu fassen. Vereinsmitglieder bieten Trainings für Sicherheitskräfte, aber auch für Zivilisten an – etwa auf den Philippinen, wo Streitkräfte des autoritären Präsidenten Rodrigo Duterte von Uniter instruiert worden sind.

Wer dem Verein Uniter folgt, landet bald in Österreich. Uniter war als gesamter Verein Mitglied eines Pseudo-Ritterordens namens Lazarus Union, der auf der Burg Kreuzenstein bei Wien seinen Sitz hat. Hannibal, also André S., wurde auch selbst zum Ritter geschlagen. Ein Video zeigt, wie er letztes Jahr im Beisein des niederösterreichen Alt-Landeshauptmanns Erwin Pröll (ÖVP) und des ehemaligen Verteidigungsministers Werner Fasslabend (ÖVP) an einer Investitur in der Theresianischen Militärakademie Wiener Neustadt teilnahm. In dieser Zeremonie mussten die Herrschaften mit ihrer Ehre auf die Leitsätze der Lazarus Union schwören und versichern, ihren Korpsgeist zu bewahren. André S. ist laut Vereinsregister Vizepräsident der Lazarus Union. Nach eigenen Angaben wirkt die Lazarus Union als karitative Organisation und besitzt einen Sonderberaterstatus bei den Vereinten Nationen. Der Schweizer Ableger von Uniter betont in einer Presseaussendung, im Zusammenhang von UN-Mandaten international tätig zu sein, und verweist gegenüber der Schweizer WOZ auf die Lazarus Union. Der Präsident der Lazarus Union, Wolfgang Steinhardt, betont gegenüber dem STANDARD, dass seine Organisation über keine UN-Mandate verfüge und dementiert jegliche Aktivitäten durch oder mit Uniter. "Bis die Vorwürfe entkräftet sind", hat Steinhardt die Gruppenmitgliedschaft von Uniter und Hannibals Funktion als Vizepräsident vor zwei Wochen ruhend gestellt. Was aber bewegt einen Verein, der sich laut Statuten für Veteranen aus Spezialeinheiten engagiert und klandestin paramilitärische Strukturen im In- und Ausland aufbaut, prominentes Mitglied in einem österreichischen Ritterorden zu werden? Uniter gibt auf Anfrage des STANDARD dazu keine Antwort. Auch zu gemeinsamen Projekten wolle man "zum beiderseitigen Schutz der Mitglieder" keine Angaben machen. "Hannibal" hat noch eine weitere Verbindung nach Österreich: Vor zwei Wochen tauchte er mit Namensschild auf der Waffenmesse Enforcetek in Nürnberg auf – und zwar am Stand einer österreichischen Firma, der High Profile Protection GmbH aus Kärnten. Die verlinkt unter dem Namen "Tacticalbros" auf Facebook immer wieder auf Uniter. Firmenmanager Klaus Anton Stöckl dementiert auf Anfrage des STANDARD, sich bei Uniter zu engagieren. Man habe André S., also "Hannibal", bei dem Stand auf der Messe eine "Plattform geboten", um einen Kaffee namens Black Ops Coffee zu bewerben. Diesen Kaffee, der "sehr gut schmecken" soll, habe man auch selbst im Einsatz. Verbindungen zu Uniter habe man keine, dessen Mitglieder seien lediglich potenzielle Kunden. Tacticalbros bietet neben unterschiedlichen Waffen auch "Ausbildungen" an. Etwa eine Woche in der Slowakei "absolut bestes Training für Scharfschützen und Spotter" mit Ausbildern, die laut Beschreibung Veteranen der Spezialeinheiten und der Nato sind. Über Uniter selbst wurden auch schon Veranstaltungen in Österreich organisiert. Angaben zu Partnern will der Verein aber "aus Datenschutzgründen" nicht machen. Der Verein postet immer wieder Fotos aus Österreich, etwa vom Abflug eines Eurofighters. Uniter wird derzeit vom deutschen Generalbundesanwalt als Beobachtungsvorgang geführt. Der Verfassungsschutz im deutschen Bundesland Baden-Württemberg, wo Uniter seinen Sitz hat, schloss eine Beobachtung vorerst aus. Die deutschen Grünen und die Linkspartei befürchten nun, dass die Behörden abermals ein rechtes Netzwerk vertuschen wollten, wie etwa bei der Terrorgruppe NSU. Österreichs Behörden geben sich ebenfalls bedeckt. Das Verteidigungsministerium sagt nur, dass man "alle Entwicklungen innerhalb und außerhalb Österreichs beobachtet, die Auswirkungen auf die Sicherheit des Bundesheers haben könnten". Aus dem Innenministerium heißt es, dass man zu "laufenden Verfahren nicht Stellung" nimmt. Das Schattennetzwerk und seine Mitglieder bleiben also auch hierzulande noch im Verborgenen. So ist nicht bekannt, ob die heimischen Behörden die Protokolle der geheimen Chatgruppe für Österreich erhalten haben oder wissen, wer ihre Mitglieder waren. Bekannt ist nur, dass die deutschen Mitglieder am Tag X Richtung Süden flüchten wollen – also Richtung Alpenraum. (Fabian Schmid, Laurin Lorenz, 15.03. 2019)


Aus: "Christchurch-Attentäter bezog sich auf rechte Soldaten in Bundeswehr – deren Netzwerk führt nach Österreich" (15.03. 2019)
Quelle: https://derstandard.at/2000099600939/Spuren-nach-Oesterreich-bei-rechtem-Netzwerk-deutscher-Soldaten
« Last Edit: March 16, 2019, 05:55:48 PM by Link »