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[Medienjournalismus und Medienkritik... ]

Started by lemonhorse, August 04, 2008, 01:48:45 PM

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"Künstliche Intelligenz und Abhängigkeit
Die Gesellschaft des Verschwindens" (19.2.2026)
Essay von Stephan Weichert

Künstliche Intelligenz läutet das Ende des Internets ein, wie wir es kennen. Außerdem treibt KI die Entkernung der Demokratie voran. ... In Social Media zählt nur, was sichtbar ist, nicht was stimmt. KI reproduziert diese Logik: Sie produziert Singularitäten am Fließband – Texte, Bilder, Identitäten, maßgeschneidert auf unsere persönlichen Vorlieben, aber entleert von Bedeutung. Geschichten aufzuschreiben, reicht nicht mehr; auch Journalisten haben offenkundig das Bedürfnis, sich selbst erzählen zu müssen – als Marke, als ,,Influencer", als Avatar. KI beschleunigt diese Translokation: Journalismus verwandelt sich in Performances: in inhaltsleere Selbsterzählungen, in denen Köpfe und Frisuren mehr Reichweite erzielen als die Fakten. Das System produziert seine eigenen Singularitäten – endlose Medienmarken, hochgradig sichtbar, zugleich austauschbar. Damit nähern wir uns einem Punkt, an dem Journalismus aufhört, publizistisch relevant zu sein, weil er bestenfalls Aufmerksamkeit managt. ...
https://taz.de/Kuenstliche-Intelligenz-Das-Ende-des-Internets-und-die-Entkernung-der-Demokratie/!6155291/

Stephan Weichert ist Medienwissenschaftler. Seit 2020 leitet er das unabhängige VOCER-Institut für Digitale Resilienz, ein gemeinnütziger Think & Do Tank, der sich für den souveränen Umgang mit KI-Technologie einsetzt. Er arbeitet seit rund 25 Jahren als Lehrbeauftragter und Professor (u. a. Universität der Künste, FH Graz, City University of New York, Hamburg Media School). Am 15. März 2026 erscheint das von ihm und Leif Kramp verfasste Whitepaper ,,KI-Resilienz im Journalismus. Frameworks und Handlungsempfehlungen für mehr Vertrauen, Verantwortung und digitale Souveränität".

Stephan Weichert (* 16. Juli 1973 in Trier) ist ein deutscher Medien- und Kommunikationswissenschaftler sowie Publizist.
https://de.wikipedia.org/wiki/Stephan_Weichert

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Die Ostdeutsche Allgemeine Zeitung (kurz OAZ) ist eine Tageszeitung des Verlegers Holger Friedrich, die seit Februar 2026 werktäglich online sowie als gedruckte Wochenendausgabe im Dresdner Ostdeutschen Verlag erscheint.
https://de.wikipedia.org/wiki/Ostdeutsche_Allgemeine_Zeitung

"Neue ,,Ostdeutsche Allgemeine Zeitung"Kuschelblatt für klasse Leute"
Aus Berlin und Dresden Anne Fromm und David Muschenich  (21.2.2026)
Die ,,Ostdeutsche Allgemeine Zeitung" ist da. Das Blatt bedient eher Befindlichkeiten als zu informieren. ... Es ist ein Abend im Januar 2026 im Theater Ost, im Berliner Stadtteil Adlershof. In vier Wochen wird Friedrich sein neuestes Projekt veröffentlichen, die Ostdeutsche Allgemeine Zeitung. Ein ,,Leitmedium für den Osten", wie er es nennt. Viel weiß man an diesem Abend noch nicht über die neue Zeitung, aber im Publikum des Theaters Ost sitzen einige, die große Hoffnung auf sie setzen. ...
https://taz.de/Neue-Ostdeutsche-Allgemeine-Zeitung/!6156457/

"Lautsprecher der anderen – gegen den ,,kommunikativen Flurschaden" des Westens" Michael Pilz (22.02.2026)
... ,,Man muss sich ordentlich separieren, bevor man sich ordentlich vereinigen kann", sagt Holger Friedrich im WELT-Interview zu seiner Zeitung, zur Stimme des Ostens. Die ,,Ostdeutsche Allgemeine" will ein Medium sein, dass nicht nur für den Osten schreibt, sondern auch für ihn spricht. ...
https://www.welt.de/kultur/article699860ce153f05936cafe2ae/ostdeutsche-allgemeine-lautsprecher-der-anderen-gegen-den-kommunikativen-flurschaden-des-westens.html

"Die ,,Ostdeutsche Allgemeine Zeitung" startet" (20.02.2026)
Die erste Ausgabe der ,,Ostdeutschen Allgemeinen Zeitung" trägt den provokanten Titel ,,Vorsicht, Freiheit". Sie enthält ein Interview mit Michael Kretschmer und ein Porträt über Tino Chrupalla. ... Er will nach eigenen Angaben den ,,Meinungsvorhang weiter aufziehen" und ,,die Debatte führen, was für die Gesellschaft wirklich relevant ist". Im Untertitel der ersten OAZ-Ausgabe heißt es: ,,Der Staat traut den Menschen nicht mehr zu, für sich selbst zu entscheiden. Er will sie vor Meinungen, Medien und Parteien schützen. Das gefährdet die Demokratie." Die OAZ trete an ,,gegen Stigmatisierung, für Diskurs auf Augenhöhe in Politik und Medien", schreiben Verleger Friedrich und seine Frau Silke außerdem im Editorial zur ersten Ausgabe. ,,Mit der OAZ wollen wir den Beweis erbringen, dass mit auf Erkenntnis ausgerichteter Diskurskultur mehr möglich ist. Mehr für die Menschen in Ostdeutschland, mehr für Gesamtdeutschland, mehr für uns alle", heißt es weiter. ...
https://www.tagesspiegel.de/kultur/erste-ausgabe-am-freitag-die-ostdeutsche-allgemeine-zeitung-startet-15274551.html

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"Merkel-Klatscher an falscher Stelle. Das kann die ARD besser" Kommentar von Ann-Kathrin Leclere (24.2.2026)
Jetzt also auch noch das Erste. Es sendete zwar einen echten Fernsehausschnitt, aber an einer zeitlich falschen Stelle. Das ist unverantwortlich. ... Die ARD zeigte am Sonntag im ,,Bericht aus Berlin" einen Zusammenschnitt zur Wiederwahl von Friedrich Merz als CDU-Vorsitzender auf dem Parteitag am vergangenen Wochenende. Eine klare Sache. Und Angela Merkel applaudierte ihm zur Wiederwahl. Oder? ODER?!
Wie sich herausstellte, klatschte Merkel zwar – aber nicht bei der finalen Abstimmung. Zu diesem Zeitpunkt war sie nämlich gar nicht mehr im Saal. ...
https://taz.de/Merkel-Klatscher-an-falscher-Stelle/!6157491/

QuoteAnne in Pink, 20:11 Uhr

Legendär das gefälschte bzw. grob-verfälschend gekürzte Putin-Interview von Thomas Roth in 2008 (ARD-'Flaggschiff')
Im Gegensatz zu den aktuellen Mini-Skandälchen war das tatsächlich sehr substantiell und politisch/international relevant.
Nur durch die Existenz einer von den Russen zusätzlich aufgezeichneten vollständigen Fassung war die Fälschung damals nach russischem Protest aufgeklärt worden.

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Quotevieldenker, 22:03 Uhr

Ist halt das alte Problem. Auch der ,,bebilderte Hörfunk" braucht selbst für die Nachrichtenfilme verwertbare Bilder. Da haben es die Presseleute deutlich einfacher, die können einfach schreiben und setzen ein ,,Symbolbild" aus dem Archiv über die knallige Headline.

Trotzdem darf so ein nachweisbarer Fauxpas auch beim Fernsehen einfach nicht passieren. Da hat wohl der CvD in der Bildregie gepennt.


QuoteStefan Schmitt, 08:22 Uhr

Ich habe jahrelang in den Katakomben der Öffentlich-Rechtlichen als Cutter gearbeitet – ,,modern" natürlich: als Freelancer, ohne Netz und doppelten Boden.

Um das mal auf den Boden der Realität zu holen: Unter den heutigen, dem Sparzwang geschuldeten Produktionsbedingungen landen visuelle Entscheidungen im Beitrag oft beim Cutter. Der Redakteur – sofern er überhaupt noch das Privileg hat, mit einem Cutter zu arbeiten – schreibt parallel den Text und fährt das Ganze dann heiß in die aktuelle Sendung.

Passiert das am Wochenende, mit noch dünnerer Personaldecke und ein paar ,,Jungstars" am Start – billiger, austauschbarer, und für die Merkel eher eine historische Randnotiz ist als eine politische Gegenspielerin von Merz –, dann braucht man sich über solche Beiträge nicht zu wundern.

Vorsichtig wäre ich allerdings auch von Seiten der TAZ, hier das Narrativ angeblich fehlender Neutralität der Öffentlich-Rechtlichen zu Gunsten verbreiteter rechter Theorien zu verstärken...


QuoteTinus, 09:14 Uhr
@Stefan Schmitt:

Danke für die Einordnung .... hatte ich mir SO auch schon gedacht.


QuoteSonntagssegler, 02:03 Uhr

Ich will ja nicht sagen, das die Stelle super war, aber ist der Anspruch an den ORR und seine "absolut transparente Fehlerkultur" nicht etwas übertrieben hoch, wenn im Vergleich dazu NIUS , AUF1 und Konsorten nahezu permanent Bullshit verbreiten?


QuoteEric Manneschmidt

heute, 01:38 Uhr

Wer sich die Sendungen des ÖRR aufmerksam anschaut, für den ist doch so ein "Schnitzer" ein eher harmloses Ereignis.

Hofberichterstattung oder der Mangel an kritischer Einordnung der Aussagen von Politikern und anderen Akteuren sind doch an der Tagesordnung, wobei ich mir das mittlerweile genau deshalb kaum noch antue (und wenn doch führt es regelmäßig zu Programmbeschwerden).

Fast schon witzig fand ich neulich in der "Hessenschau" eine Passantenbefragung zu irgendeinem Gesetz (vermutlich PsychKHG). Eine Dame sagte nur einen Satz (sinngemäß): "Es wird wieder viel geredet, aber dann passiert nichts."

Eine völlig sinnlose Aussage, keinerlei Information darüber, WAS denn eigentlich passieren sollte. Wahrscheinlich hatte die Dame das schon noch gesagt, es wurde aber halt weggeschnitten.

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#203
The Daily Telegraph (auch The Telegraph) ist eine am 29. Juni 1855 gegründete britische Tageszeitung mit Sitz in London, deren Eigentümer die Telegraph Media Group mit Sitz ebenfalls in London ist. ... Der Telegraph gilt als traditionell rechtskonservativ ausgerichtet und politisch in der Nähe der Conservative Party (Tories), so dass er vom britischen Satiremagazin Private Eye die Bezeichnung Torygraph erhielt. ...
https://de.wikipedia.org/wiki/The_Daily_Telegraph

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"Deutsche Übernahme britischer Zeitung: Springer kauft Telegraph" (6.3.2026)
In letzter Minute soll der deutsche Axel Springer Konzern die britische Traditionszeitung Telegraph gekauft haben. Für 575 Millionen Pfund. ... In den vergangenen Wochen habe dem Bericht zufolge die RedBird IMI, die US-emiratische Gruppe, die den Telegraph derzeit kontrolliert, Gespräche mit Axel Springer aufgenommen, nachdem der deutsche Verlag in letzter Minute Interesse an der konservativen Zeitungsgruppe bekundet hatte.
Springer hatte bislang ein vom britisch-amerikanischen Investor Dovid Efune geführtes Konsortium unterstützt, das ein Gegenangebot zur Offerte der DMGT vorgelegt hat. Beide Bieter hatten für die Telegraph Media Group rund 500 Millionen Pfund zahlen wollen. Jetzt habe Springer den Alleingang gewagt.
Die DMGT habe sich mit dem US-Investor Redbird IMI im vergangenen November bereits auf die Übernahme der Telegraph-Gruppe geeinigt. Die britische Wettbewerbsbehörde habe jedoch prüfen wollen, ob ein Zusammenschluss von Telegraph und Daily Mail die Medienvielfalt in Großbritannien gefährden könnte. ...
https://taz.de/Deutsche-Uebernahme-britischer-Zeitung/!6160498/


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#204
Medien: «Die Dinge genau so sehen, wie sie sind» Ignaz Staub (10. März 2026)
«The Key», ein neues Online-Magazin, behandelt Palästina «als das zentrale Thema der modernen Welt» – ein hehrer Anspruch und ein mutiges Versprechen. Chefredaktorin Sara Yasin, selbst Palästinenserin, hinterfragt, woran ihrer Meinung nach die Berichterstattung traditioneller Medien zum Nahost-Konflikt krankt und woher der Vertrauensverlust eines jüngeren Publikums rührt. ... «Wenn ein Nachrichtenkonsument in den Sozialen Medien die Zerstörung Gazas ungefiltert sehen kann, während er gleichzeitig hört, wie ein Journalist die Lügen israelischer Offizieller unkritisch wiederholt und verbreitet, dann zwingt es ihn dazu, sich anderweitig zu informieren», argumentiert Sara Yasin. Viele Medien würden das lediglich als Verteilproblem sehen und dieselbe problematische Berichterstattung für die Plattformen Sozialer Medien einfach neu verpacken: «Doch das Publikum zu erreichen, 'wo es ist', heisst ebenso sehr, es zu erreichen, wo es seine Nachrichten bezieht, wie über die Standards nachzudenken, die bestimmen, wie diese Stories erzählt werden.» ...
https://www.journal21.ch/artikel/die-dinge-genau-so-sehen-wie-sie-sind

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"Kontrolle der Presse: Presserat spricht 19 Rügen aus" (24.3.2026)
Der Deutsche Presserat hat im März 136 Beschwerden behandelt. Fünf der 19 Rügen betrafen die ,,Bild", die unter anderem Persönlichkeitsrechte verletzte. ...
https://taz.de/Kontrolle-der-Presse/!6165351/



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"Traditionszeitung ,,La Repubblica": Griechischer Mogul Kyriakou greift zu" Aus Athen Ferry Batzoglou (24.3.2026)
Der griechische Medienkonzern will sein Portfolio im Ausland erweitern. Die italienische Traditionszeitung ,,La Repubblica" ist nun Teil der K Group. ... Die Turiner Tageszeitung La Stampa, neben La Repubblica aus Rom bisher das zweite Flagschiff der Printmedien im Gedi-Portfolio, geht hingegen an die italienische SAE-Gruppe unter der Leitung von Alberto Leonardis, einem Manager aus den Abruzzen. Beobachter beziffern den Kaufpreis für Gedi auf rund 100 Millionen Euro. Immerhin, könnte man sagen. Denn das Unternehmen schrieb maßgeblich ob seiner dramatisch schrumpfenden Printmarken seit Jahren rote Zahlen. ... Zur Kyriakou-Gruppe zählen inzwischen der hiesige Musiksender Easy, die Plattenfirma Heaven, eine Kinokette, eine Journalistenschule sowie mehrere TV- und Radiosender in Rumänien. Seine Kinder traten in seine Fußstapfen. Der 52-jährige Theodoros Kyriakou, nunmehr Kopf der Dynastie, verfolgt eine Doppelstrategie: 2022 stieg der saudische Konzern MBC mit 225 Millionen Euro bei Antenna ein, auch der institutionelle Investor Fairfax Financial machte Geld für das Kyriakou-Medium locker.
So schwimmt Kyriakou in Geld, das der Dealmaker aggressiv im Ausland investiert. Schon früh investierte Kyriakou in Technologiegiganten wie Facebook, Twitter und Spotify. Anfang dieses Jahres steckte Kyriakou 30 Millionen Euro in das US-Nachrichten-Portal Semafor. Gestartet hat der Grieche zudem eine Zusammenarbeit mit Piers Morgan und dessen Plattform Uncensored sowie Tony Blair als Berater. Die Rolle der Medien versteht der umtriebige Grieche dabei als Instrument der Einflussnahme und Vernetzung auf globaler Ebene. ...
https://taz.de/Uebernahme-von-Medienkonzern/!6165406/

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"Alternativmedien früher und heute: Geschäft mit der Angst" Christian Jakob (25.4.2026)
...Sie reklamieren eine Rolle für sich, die dem Selbstbild der Alternativmedien von einst ähnelt: Als ,,Stimme des Widerstands", Kämpfer für Meinungsfreiheit, als marginalisiert vom Mainstream, bedroht oder gar verfolgt. Ihre Kernbotschaft: Verfall überall, den Eliten ist nicht zu trauen, Medien lügen. Die etablierten Parteien treiben den Untergang bewusst voran. Sie müssen entmachtet werden, doch dafür bleibt nur wenig Zeit.
Ähnlich wie früher sieht man sich als ,,wahre Opposition". Wo sich einst von ,,bürgerlichen Medien" abgegrenzt wurde, sind heute ,,Systemmedien" der Gegner, wo früher ,,Establishment" und ,,Schweinesystem" wegsollten, geht es heute gegen ,,Volksverräter", ,,Grün-links" oder einen ,,tiefen Staat". Die Inhalte der rechten Alternativmedien sind des vielfach progressiven Charakters ihrer nominellen Vorgänger beraubt und ins Gegenteil verkehrt.
Eine neue, ,,bewegungsnahe" Partei, deren Erfolg herbeigeschrieben werden soll, gibt es auch. Die Grünen sollten einst das Land von AKWs und Pershing-Raketen befreien. Die AfD soll aufräumen mit Migration, Gender, EU oder Klimapolitik. ...
https://taz.de/Alternativmedien-frueher-und-heute/!6170282/

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"US-News-Sendung ,,60 Minutes"Hart und nicht fair" Sebastian Moll (11.6.2026)
Mit der Zerstörung der CBS-Nachrichtensendung ,,60 Minutes" geht ein weiteres Stück US-Pressefreiheit verloren. Sehr zu kümmern scheint das aber niemanden. ... Natürlich könnte man sagen, dass 60 Minutes auf den ersten Blick angestaubt wirkt. Aus Marken-Gründen wird die Sendung, wie seit über einem halben Jahrhundert, mit einer tickenden Uhr eingeleitet. Sowohl die Anmoderation als auch die je 20 Minuten langen Beiträge sind überaus konventionell. Der anhaltende Erfolg erklärt sich alleine aus dem Vertrauen in die Journalisten und die Integrität ihrer Arbeit. Immer wieder hat 60 Minutes Skandale wie etwa den Missbrauch von Gesichtserkennungssoftware, Folter in CIA-Gefängnissen oder Korruption bei der UN aufgedeckt. Die Interviews, denen sich zu stellen für US-Politiker Pflicht ist, waren immer hart, aber gut vorbereitet und fair. ...
https://taz.de/US-News-Sendung-60-Minutes/!6186416/

60 Minutes ist ein investigatives Nachrichtenmagazin, das seit 1968 vom US-Fernsehsender CBS ausgestrahlt und von CBS News produziert wird. Das von Donald Hewitt entwickelte Format hat im Laufe seiner Geschichte mehr Emmy Awards gewonnen als jede andere Prime-Time-Sendung in den USA. Über die Jahre sorgten einige Kontroversen um 60 Minutes für Aufsehen. ...
https://de.wikipedia.org/wiki/60_Minutes


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Quote[...] ,,The Late Show" mit Stephen Colbert endet nach 10 Jahren. Satiresendungen funktionieren nicht mehr – die Realität trifft längst härter als Pointen.

Was darf Satire? Gähnend langweilig ist diese Frage mittlerweile. Sie wurde hundertfach gestellt, in ebenso vielen Texten diskutiert und fast immer gleich beantwortet: Alles.

Die viel dringendere Frage ist jetzt, was man überhaupt noch mit Satire anfangen soll. Denn bitterböse Witze reißen, mal so richtig den Finger in die Wunde legen, humorvoll die Herrschenden anprangern, das funktioniert nicht mehr.

Am 21. Mai erscheint nach zehn Jahren die letzte Folge des Late-Night-Formats ,,The Late Show" mit Stephen Colbert, einer politischen Satireshow aus den USA. Der Sender CBS sprach von einer ,,rein finanziellen Entscheidung", als die Sendung des Trump-Kritikers vergangenen Sommer abgesetzt wurde, obwohl CBS und Trump zuvor in einen Streit geraten waren.

Trump hatte CBS mit einer Klage gedroht, weil der Sender ein Interview mit Kamala Harris zu ihrem Vorteil geschnitten habe. Um einen Rechtsstreit zu vermeiden, zahlte CBS Trump 16 Millionen Dollar. Colbert nannte dies in seiner Sendung ,,a big fat bribe", eine fette Schmiergeldzahlung. Auch in seiner vorletzten Folge ging es um Trumps dreckige Geschäfte – und wie diese den US-Steuerzahler Milliarden kosten könnten.

Satire muss wehtun, sagt man. Aber es tut nichts mehr weh an Colberts Witzen über Trumps Dummheit. Es tut auch nichts weh an der scharfzüngigen Kritik an seiner Korruption – außer dass sie in Erinnerung ruft, dass die US-Bürger_innen dagegen völlig machtlos sind.

Am Mittwoch wurde bekannt, dass das US-Justizministerium dauerhaft untersagt, frühere Steuererklärungen von Trump, seinen ‌Verwandten und seinen Unternehmen zu prüfen. Wie soll ein Witz darüber noch irgendeine Pointe haben, wenn der Umstand selbst so viel Ungerechtigkeit offenbart, dass einem die Ohren glühen?

Gleiches gilt für deutsche Satireformate wie ,,Die Anstalt", ,,Fun Facts" oder ,,Die Heute Show", die humorvoll Merz, Pistorius oder Söder tadeln. Heute ist Satire die Musikkapelle auf der sinkenden ,,Titanic", höchstens ein Coping-Mechanismus, um der Ohnmacht entgegenzuwirken, die man spürt, wenn eine existenzgefährdende Grundsicherung beschlossen wird, wenn Merz sagt, dass Arbeitende faul seien und dass es eine 70-Stunden-Woche brauche – und er gleichzeitig Waffendeals in Milliardenhöhe abschließt. Witze darüber, wie einem der Staat die Zukunft nimmt, ziehen einfach nicht.

Abgesehen davon trifft satirische Kritik auf taube Ohren. Wenn man Kritik formuliert, dann tut man das doch, weil man davon ausgeht, dass sie irgendwo ankommt. Formate wie Stephen Colbert oder ,,Die Heute Show" richten sich entweder an Menschen, die ohnehin schon von der dort vorgetragenen Position überzeugt sind, oder aber sie kritisieren Politiker_innen und Regierungen, die nicht kritisierbar sind.

Wie soll man sich etwa über einen Kanzler lustig machen, der in der Öffentlichkeit kaum auftreten kann, ohne ausgebuht zu werden, und trotzdem eine menschenfeindliche Entscheidung nach der anderen zu treffen in der Lage ist?

Oder über einen Präsidenten, der als Witzfigur des Planeten gilt, sich dieses Image aber zu eigen und seine Politik memefähig macht? Oder über einen Außenminister, der öffentlich die Schulstreiks gegen die Wehrpflicht lobt, also die Kritik an der eigenen Politik, und den Neuen Wehrdienst dann trotzdem beschließt?

Politische Satire begeht einen weiteren Fehler. Sie stellt sich hin und sagt: Guck mal, wie ungerecht! Ein guter Kanzler würde gerechter handeln. Guck mal, wie dumm! Ein guter Präsident würde das nicht sagen. Aber was wäre ein guter Kanzler, ein guter Präsident in kapitalistischen Systemen, die nicht ihren Bürger_innen dienen, sondern dazu da sind, sich selbst zu erhalten und Reiche reicher zu machen? In diesem System sind Merz und Trump gute Staatsoberhäupter.

Im besten Fall ist gerade deutsche Satire unlustiger Boomerhumor. Im schlimmsten Fall ist es eine Art, die herrschende Ungerechtigkeit hinzunehmen. Die Rentner_innen, die Pfandflaschen sammeln, die Obdachlosen, die auf der Straße verelenden, die alleinerziehenden Mütter, die auf mehrere Jobs angewiesen sind, die Schüler, die bald zur Musterung antreten müssen – ein Glück können sie sich über Politiker_innen lustig machen, ein Glück bleibt ihnen die Satire.

Ein Format weniger haben nun die USA. Ob Trump dabei eine Rolle gespielt hat oder nicht, ist Spekulation. Wahrscheinlicher ist, dass vielen angesichts der absurden Ungerechtigkeit immer mehr das Lachen vergeht.


Aus: "Letzte Folge ,,The Late Show" mit Colbert: Der Witz zieht nicht mehr" Kommentar von Valérie Catil (21.5.2026)
Quelle: https://taz.de/Ende-der-Late-Show-mit-Stephen-Colbert-Satire-funktioniert-nicht-mehr/!6180819/

QuoteAbdurchdiemitte

22.05.2026, 10:26 Uhr

Ich kenne genug Leute in meinem Umfeld, die sich die Heute-Show ansehen, sich über dumme und korrupte Politiker aufregen, um am Ende ihr Kreuzchen dann doch wieder bei der ... CDU zu machen.

Andererseits wählen immer mehr die AfD, viel zu wenige Grüne oder Die Linke. Die Autorin hat leider recht: Satire ist im postfaktischen Zeitalter zu einer stumpfen Waffe geworden, sie generiert Empörung, ohne wirklich die Verhältnisse zu ändern, die Mächtigen vom Sockel zu stoßen. Vorbei die Zeiten, als sie noch brandgefährlich für die Regierenden war und deshalb verboten wurde.

Insofern kann man mit der Satire-Kritik vielleicht noch einen Schritt weitergehen als Frau Catil: indem solche Formale für Belustigung und Empörung des Publikums sorgen, scheinen sie zugleich für eine Art negativer ,Beliebtheit' der so Kritisierten zu sorgen, die für die heutige Zeit so charakteristisch ist. Ein wurstfressender bayerischer Ministerpräsident (Habeck über Söder) scheint mir dafür ein gutes Beispiel zu sein.

Weil die Leute sich über die politischen Verhältnisse aufregen, ohne sie wirklich ändern zu wollen, ist Satire als Unterhaltungsshow funktional für das System.

DAS ist Kunst, die tatsächlich weg kann.


QuoteLindenberg

22.05.2026, 12:10 Uhr

Danke für den Text, der Anlass für eine tieferes Nachdenken über die Krise der heutigen Satireformen sein sollte.

"Satiriker in der Sackgasse" nannte Peter Jelavich einen Text, der sich mit den führenden Satirikern der Weimarer Republk kritisch auseinandersetzte.

Damals schon bestand das Dilemma einen Massengeschmack aus ökonomischen Gründen bedienen zu müssen, mit der Gefahr, politisch zu verflachen, was Walter Benjamin stark kritisierte.

Äußerst interessant dass Satiriker mit der KP große Satire-Shows in Berliner Arbeitervierteln abhielten, den sogenannten Roten Rummel auf Rummelplätzen, wozu auch eine Persiflage bürgerlicher Satire gehörte, die wie Böhmernann, die Anstalt oder die Heute Show, der bürgerlichen Mitte nicht wirklich weh tun, weil sie gar nicht erst den Versuch machen, wie Brecht Klassengegensätze klar zu benenenn.

Damals übrigens auch Thema: der Angriff des Konzerns Stinnes auf den Achtstundentag.
Geradzu paralysiert stehen Politik und Kunst (Satire) dem immer größeren Erfolg der AFD gegenüber.
Quelle Wissenschaftskolleg Berlin

Peter Jelavich: Satiriker in der Sackgasse
- Das Berliner Kabarett der Weimarer Ära -
Die Widersprüche der Weimarer Republik boten den linken und links-liberalen Künstlern und Intellektuellen zwei Handlungsmuster an. Einerseits konnten sie eine Art Satire anwenden, die das ganze politische Spektrum der Weimarer Zeit kritisierte, und sich allmählich zum Zynismus entwickelte. Andererseits konnten sie eine agitatorische, auf radikale und revolutionäre Veränderungen gerichtete Kunst schaffen, deren Ziele aber in den gegebenen sozialen und politischen Zuständen des Weimarer Staates nicht verwirklicht werden konnten. Beide Handlungsmuster sind künstlerisch fruchtbar, jedoch politisch steril gewesen; und gerade diese Verbindung von kultureller Fruchtbarkeit und politischer Frustration ist ein bedeutendes Merkmal der Weimarer Ära. Diese Problematik kommt im Bereich des
Kabaretts besonders prägnant zum Ausdruck. ...

https://www.wiko-berlin.de/fileadmin/Jahrbuchberichte/1984/1984_85_Jelavich_Peter_Jahrbuchbericht.pdf


QuoteDeep South

23.05.2026, 13:00 Uhr

"Satire lässt einen Ungerechtigkeit hinnehmen"

Achwas? Kabarett, Theater, Karrikaturisten, Satiremagazine, Karneval und all die anderen Künstler, die seit jeher Mißstände, Obrigkeiten und die Gesellschaft aufs Korn nehmen, sind allesamt politisch nutzlos? Da sind die bierernsten Polit-Aktivisten, die in apoklayptischem Agitprop schwelgen und die ausbleibende Revolution beklagen, natürlich viel erfolgreicher.

Und apropos "Gähnend langweilig". Die Behauptung, dass Satire, Ironie, schwarzer Humor nicht funktionieren, nicht verstanden werden und sogar falsch sind, ist genauso alt und aufgewärmt, wie die Frage "was darf Satire". Das haben die Marxisten schon vor Jahrzehnten runtergebetet. "Der Humor steht auf der rechten Seite", etc.

Klar funtioniert das mit den bitterbösen Witzen. Warum verklagt Putin den Kranevalsbetreiber, Erdogan den Böhmermann, Die Kirche die Titanic oder Trump Jimmy Kimmel?

Ich glaube, Satire zieht in erster Linie da nicht, wo sie schon immer gern aus dem Kontext gerissen, mißverstanden, wörtlich ausgelegt und für nicht politisch korrekt gehalten wurde. Und das "funtioniert nicht mehr" ist eigentlich doch eher ein "wollen wir nicht drüber lachen können".


Quotefhirsch

23.05.2026, 13:56 Uhr

Natürlich ist Satire kein Ersatz für Politik oder Aktivismus.
Aber daraus zu schließen, dass sie nicht (mehr?) nötig wäre, ist falsch.
Sie vermittelt auch Humanität und bestärkt uns darin, dass nicht wir die Wahnsinnigen sind.

Mann, werde ich Stephen Colbert vermissen!


QuoteSelbstauslöser

23.05.2026, 13:34 Uhr

Soso, Satire ist also nichts Neues, und deshalb gähnend langweilig; nutzt Humor und tut deshalb nicht weh; verändert nichts und ist deshalb überflüssig; ... Satire ist ,,bestenfalls unlustiger Boomerhumor". — Nunja, Ungeduld und Überheblichkeit sind Privilegien der Jugend. Geschenkt.

Das Schwert der Satire ist nicht stumpf geworden. Nur der Charakter-Panzer der Gesellschaft und ihrer Machthaber wurde fester und geschmeidiger, ähnlich einer Kevlar-Weste.

Eine Gesellschaft, die es zuläßt, daß sie rund um die Uhr belogen und manipuliert wird (nicht nur in der Produktwerbung) und Vertrauen naiv und dumm findet, erzieht sich selbst zur Unempfindlichkeit. Sie braucht immer stärkere Reize, um überhaupt noch berührbar zu sein. Zunehmende Gewalt in der Unterhaltungsbranche spiegelt das bestens. Dann spürt keiner mehr, dass eine Wirtschaft, die buchstäblich alles zur Ware macht (auch die Satire), die Menschheit wirksamer atomisiert als die Atombombe.

Gute Satire ist politische Bildung, Hintergrundinformation und kluge Unterhaltung in einem. Wer das langweilig findet, kann ja x-bis-tictoc-Sensationen konsumieren. Jeder am eigenen Handy, versteht sich.


QuoteDeutschfranzose

23.05.2026, 08:45 Uhr

Ich glaube, es gibt da ein großes Mißverständnis. Die amerikanischen Satiresendungen, die es noch gibt trotz des starken Drucks von Trump sind z.B. "Jimmy Kimmel Live" und "The Daily Show". Sie helfen den letzten demokratischen Kräften, die versuchen, die Diktatur noch abzuwenden, zu atmen.

Natürlich tun die Witze nicht mehr weh, soviel Macht haben die Trumps schon. Dennoch, den Präsidenten in seiner Peinlichkeit, den nackten Kaiser zu zeigen, ist wichtig. Damit man sich eben nicht daran gewöhnt, was absolut nicht normal ist.


QuoteArne Babenhauserheide

22.05.2026, 21:41 Uhr

Gerade auf die Anstalt trifft dieser Artikel nicht zu. Die Frage ist doch: gibt mir die Satire die Kraft, mich den nächsten Tag wieder Problemen entgegenzustellen?

Und das schafft die Anstalt. Tafelnummern sind nur eins der Mittel dafür.

Geben sie mir Mut zu Handeln? Und ja, das tun sie.

Witze über Trumps Dummheit mögen ins Leere gehen. Ein Georg Schramm, der vor Armageddon-Fans warnt trifft den Punkt.


QuoteAstrid Sehnefeld

22.05.2026, 18:54 Uhr

Ich glaube der Einfluss von Satire wird hier massiv überschätzt.

Ich kenne niemanden, der Die Linke oder die Grünen wählt, weil er/sie die Die Anstalt oder Böhmermann schaut 🤷

Satire ist vor allem Kurzweil.

Je weniger Humor und je mehr politisches Framing eine Sendung betreibt, desto geringer sind die Zuschauerzahlen - siehe den Vergleich zwischen heute show, Die Anstalt und Böhmermann.

Die heute show ist nicht aggressiv links. Klar ticken Welke und seine Sendung ÖRR typisch mit linken Überhang, aber die zogen auch bedingungslos Habeck und Baerbock durch den Kakao während der Ampel.

Dementsprechend hat die heute show auch ein breites Publikum, über 5 Mio Zuschauer trotz der späten Sendezeit.

Die Anstalt und Böhmermann vertreten sehr linke Positionen, die Zuschauerzahlen sind dementsprechend niedriger. Die Anstalt erreicht nur 2,5 bis 3 Mio Zuschauer, Böhmermann stetig unter 2 Mio.

Das zeigt mir, dass Satire vor allem zielbewusst eingeschaltet wird. Wer Anstalt oder Böhmermann sehen will, tickt bereits links.

Satire ist vor allem Geschmackssache, keine Missionierung.


QuoteRicky-13

24.05.2026, 12:41 Uhr
@Astrid Sehnefeld:

***Wer Anstalt oder Böhmermann sehen will, tickt bereits links.***

Das ist richtig, aber richtig ist auch, dass die Zuschauer von 'Die Anstalt' und Jan Böhmermann wohl noch über einen funktionierenden Denkapparat verfügen, während die breite Masse in diesem Land schon seit Jahren nichts mehr kritisch hinterfragt, insbesondere was unsere sogenannten "Volksvertreter" so von sich geben.

Apropos Böhmermann. Die Arbeit von Jan Böhmermann im ZDF Magazin Royale bewegt sich in einem Hybridbereich, der im Medienbetrieb oft als "Investigative Satire" bezeichnet wird. Und wenn ich mir anschaue, was das ZDF Magazin Royale schon alles für Missstände in diesem Land aufgedeckt hat (man könnte auch von 'riesigen Sauereien' reden), dann frage ich mich, was die "echten Journalisten" den ganzen Tag so machen.

Fazit: Jan Böhmermann (ZDF Magazin Royale) liefert hochwertig recherchierte Inhalte im Gewand der Satire.


QuoteSelbstauslöser

23.05.2026, 14:41 Uhr
@Astrid Sehnefeld:

Die Anstalt und Böhmermann vertreten sehr linke (also sehr demokratische) Positionen, die Zuschauerzahlen sind dementsprechend niedriger. Das stimmt in einer Gesellschaft, die uns mehr Glück durch mehr Konsum verspricht (für den wir dann mehr arbeiten sollen, um ihn uns leisten zu können). Die Wochenshow ist nur leichter konsumierbar, und deshalb beliebter.

Satire ist vor allem Geschmackssache? So wie Politik ansich?

Mehr politisches Framing = weniger Zuschauer? Ist Dieter Nuhr nicht ein Gegenbeispiel?


QuoteAlex_der_Wunderer

23.05.2026, 10:57 Uhr
@Astrid Sehnefeld:

@ Astrid Sehnefeld

Massenkonsum ist auch kein Qualitätsmerkmal....


Quotesociajizzm

23.05.2026, 00:21 Uhr
@Astrid Sehnefeld:

Die Anstalt hat auch verdammt gut gegen Habeck ausgeteilt. Sein Geschwafel mit Metaphern wurde absolut genial verarscht.

Die letzte Sendung zu Prostitution in Deutschland hat klar die Position der Linken, Grünen und der SPD zu dem Thema kritisiert. Es gibt einige komplett unpolitische Folgen, wie die zu Plastikmüll.

Und das die Konservativen, die meist regieren eher aufs Korn genommen werden ist irgendwie logisch. Ist auch bei der Heute Show nicht anders.

Die Sendung ist vermutlich eher zu "intellektuell" für viele.

Was die Wirkung von Satire angeht Stimme ich Ihnen zu, aber das gilt auch für investigativen Journalismus. Auch dessen Wirkung wird überschätzt.


QuoteArne Babenhauserheide

22.05.2026, 21:39 Uhr
@Astrid Sehnefeld:

Satire ist wie politische Musik: sie hilft, politisch aktiv zu bleiben, macht aber nicht die politisch aktiv, die sich nicht dafür interessieren.


QuoteRicky-13

22.05.2026, 13:36 Uhr

Hat Kabarett oder politische Satire überhaupt schon mal irgendetwas bewirkt beim Bürger? Helmut Kohl (CDU) war 16 Jahre Bundeskanzler. Angela Merkel (CDU) war 16 Jahre Bundeskanzlerin. Und jetzt haben wir sogar einen Friedrich Merz (CDU), bei dem nicht einmal Unionswähler wissen, was der Mann überhaupt darstellen soll. Mit Merz verbindet man höchstens reiche Leute und Aktien; und dass haben sogar schon die Bürger mitbekommen, die sich für Kabarett oder politische Satire gar nicht interessieren – wofür also noch Kabarett?

Das gute alte politische Kabarett stirbt in Deutschland ohnehin langsam aus. Deutsches Kabarett hatte ja immer den Anspruch, dass es Politik erklären und die Gesellschaft verändern will, während US-Stand-up-Comedy die Zuschauer nur "lustig" unterhalten möchte, was aber wohl auch an der Mentalität der US-Amerikaner liegen mag. Bei uns geht es aber seit Jahren auch in diese Richtung, denn gute Kabarettisten 'vom Schlage eines Dieter Hildebrandt' – also Kabarettisten mit scharfsinnigen Geist und sprachlicher Brillanz – verschwinden immer mehr vom Bildschirm und werden durch (politische) Klamauk-Satire ersetzt.


Quotedave777

23.05.2026, 05:07 Uhr
@Ricky-13:

Ich denke eher, dass US-Comedians normalerweise klar ist, was sie da tun: unterhalten. Das machen sie, je nach Person, mal mit Satire ähnlich dem Kabarett, mal mit Kalauer, mal mit Vulgarität oder einem Gemisch von Allem. Gute Comedians beherrschen alles davon. Das deutsche Kabarett stellt sich selbst in Abgrenzung davon als etwas intellektueller und politischer oder gesellschaftskritischer dar - in der Annahme, es stünde in der Tradition der politischen Satire. Anders gesagt: Kabarettisten a la Hildebrand waren schon immer Comedians - nur eben mit einem auf das "politische/gesellschaftliche Satire" beschränkterem Repertoire im Gegensatz zu den US-Pendants. Und das alles ist ohnehin nichts, was etwas bewegen soll, sondern kann allenfalls als Gradmesser dienen, wie es um die Freiheit des sich Lustigmachens gestaltet im Lande.


QuoteRicky-13

23.05.2026, 11:54 Uhr
@dave777:

*... kann allenfalls als Gradmesser dienen, wie es um die Freiheit ...*

Man sieht das momentan im "Land of the free" ja sehr deutlich, wie die Rechtskonservativen die Redefreiheit einschränken. Trump bezeichnet kritische Medien und Journalisten regelmäßig als 'Feinde des Volkes' und schürt gezielt Misstrauen gegen die freie Presse.

Donald Trump, der von Colbert jahrelang attackiert worden war, feierte das Aus der Show von Stephen Colbert öffentlich auf Social Media und verhöhnte den Comedian mit einem KI-generierten Video, in dem Colbert symbolisch in eine Mülltonne geworfen wird.

So verhält sich kein Staatsmann, sondern ein dummer Junge. Ein demokratischer Staatsmann zeichnet sich durch Würde, Überparteilichkeit, Zurückhaltung gegenüber Kritikern und den Respekt vor demokratischen Institutionen sowie der Pressefreiheit aus. Die USA ist mit Trump auf den Weg in eine Diktatur, auch wenn Politikwissenschaftler momentan noch von einer "mangelhaften Demokratie" in den Trump-USA reden.

Zum Glück gibt es in den USA weiterhin eine riesige, mächtige und wirtschaftlich unabhängige Presselandschaft, die Trump und seine Regierung unzensiert und scharf kritisiert - aber wie lange noch?


QuoteNormalo

22.05.2026, 10:57 Uhr

1. Ja, das politische Spektrum polarisiert sich, und die Tendenz, nur lustig zu finden, was man politisch genauso sieht, wird stärker - ähnlich wie die Tendenz, Satire zielgruppengerecht zuzuschneiden, so dass schon vorher klar ist, wer über einen Witz lachen wird und wer nicht. Aber das ist nicht das Ende von Satire, sondern ein Auftrag, wieder verbindlicher zu werden.

2. Satire dient u. a. dazu, die Bitterkeit in den Bereich des Lachhaften zu verlagern. Wer also meint, dass sie bei der vielen realen Bitterkeit ihren Zweck verloren habe, ist komplett auf dem falschen Dampfer.

3. Ein Format, so preisgekrönt und über lange Zeit als Leuchtturm gefeiert es auch sein mag, steht nicht für das gesamte Genre.

4. Gute Satire hilft Meinung zu bilden - auch Jene zum Nachdenken zu bringen, die ursprünglich anderer Meinung sind. Das ist ein hoher Anspruch, dem sich viele Satiriker leider nicht einmal stellen (s. 1.). Aber sie verändert weder selbst die Welt noch ist sie ein politischer Ratgeber für Praktiker.

5. Humor ist, wenn man trotzdem lacht. So banal das klingt, so sehr hilft es doch, humorlose Menschen zu identifizieren. Spiegel gefällig?


QuoteKaboom

22.05.2026, 08:39 Uhr

Satire erfüllt IMO ihren Zweck, wenn die Mächtigen sich ärgern. Wenn sie - wie Trump in den USA - versuchen, Satiriker mundtot zu machen.

Was zweierlei bedeutet:

- Colbert hat alles richtig gemacht.

- Nuhr ist kein Satiriker.


QuoteNormalo

22.05.2026, 11:23 Uhr
@Kaboom:

"Satire erfüllt IMO ihren Zweck, wenn die Mächtigen sich ärgern...

- Nuhr ist kein Satiriker."

Das klingt sehr subjektiv und schwarz-weiß. Stellen wir uns mal vor, "die Mächtigen" wäre durch ein Urnenwunder Ihre Wunschregierung: Wäre Nuhr, dem das nicht gefiele, dann auf einmal DOCH Satiriker (und jene politisch Witzreißer, die heute immer in dieselbe Kerbe hauen wie Sie, auf einmal keine mehr)? Und finden Sie wirklich an heute oppositionellen Positionen (die sind ja nicht alle links, UND man darf auch mal über sich selbst lachen) nichts, was mal ordentlich durch den Kakao gezogen gehört?


QuoteKommen Tier

22.05.2026, 08:14 Uhr

Ein Großteil der bundesdeutschen Satire diente sowieso dazu, sich den politischen Realitäten nicht zu stellen. Wer selbst vom hohen Roß über andere urteilt, kann damit leicht die eigene politische Planlosigkeit kaschieren.


QuoteZippism

22.05.2026, 06:49 Uhr

Zu behaupten, Satire funktioniere nicht mehr, ist eine bequeme Ausrede. In Wahrheit funktioniert Stephen Colberts Satire nicht mehr – weil sie stehen geblieben ist.

Colbert liefert seit Jahren dasselbe: berechenbare Pointen, moralisch abgesicherte Empörung, Applaus an den richtigen Stellen. Das Publikum lacht nicht, weil es überrascht wird, sondern weil es bestätigt wird. Das ist keine Satire, das ist politische Wohlfühlunterhaltung für ein selbstzufriedenes Milieu. Niemand wird herausgefordert, niemand verunsichert, niemand denkt neu.

Satire soll weh tun, irritieren, Macht angreifen – auch die eigene. Colberts Humor greift nichts an, was nicht längst allgemein akzeptiert ist. Er verspottet Karikaturen, keine Strukturen. Das Risiko geht gegen null, die Haltung ist garantiert korrekt. Genau deshalb wirkt es so müde.

Wenn ein solches Format endet, ist das kein Beweis für das Scheitern der Satire, sondern für das Scheitern eines abgenutzten Late-Night-Modells, das glaubt, ironische Dauerempörung reiche aus. In einer Zeit realer politischer Eskalation wirkt diese Art Humor nicht mutig, sondern feige.


QuoteAbdurchdiemitte

22.05.2026, 11:18 Uhr
@Zippism:

Wahrscheinlich haben Sie recht mit Ihrer Satire-Kritik: Satire soll nicht bloß die Mächtigen oder auch nur die jeweils andere politische ,Partei' bloß stellen, sie soll (wenn sie gut ist) auch eigene Überzeugungen und Haltungen aufs Korn nehmen, in Frage stellen. Heraus aus den Blasen!

Das ist m.E. die eigentliche Kunst an der Satire: schafft sie das nicht, wird sie zur stumpfen Waffe. Ein Dieter Nuhr beispielsweise schafft das nicht, er wechselt lediglich die politische Seiten, um sein auf imaginierte kulturelle links-grüne Dominanz eingeschossenes Publikum zu bestätigen und in seiner rechten kulturkämpferischen Blase zu verharren. Und damit springt er nur auf den Zug der allgemeinen Politikverdrossenheit. Ein ausgelutschter Drops.

Und, ach ja: irgendwie tut Satire heutzutage weder weh noch bringt sie mich zum Lachen. Und das gilt leider auch für Böhmermann. Gute Recherche wird hier durch aufgeregtes Dauerempörtsein entwertet.


QuoteUwe Kulick

21.05.2026, 22:00 Uhr

"Nichts mehr zu lachen zu haben" ist ja eine Metapher dafür, dass es einem schlecht geht. Humor ist aber immer möglich, und die Metapher mahnt uns, dass Humor überlebenswichtig ist und bleibt.

HumoristInnEn von heute funktionieren fortan also nicht mehr nach einer Masche althergebrachten politischen Kabaretts. LateNight und heuteshow auch am Ende, na und. ...


...

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"Staatliche Rundfunksender in Ungarn: Sender entschuldigt sich für Lügen während Amtszeit von Viktor Orbán"
In Ungarn haben von Viktor Orbán geprägte Sender nach dessen Abwahl den Sendebetrieb eingestellt. Statt des üblichen Programms wurde eine Entschuldigung gesendet.
Quelle: DIE ZEIT, KNA, AFP, akm (8. Juli 2026)
https://www.zeit.de/politik/ausland/2026-07/ungarn-rundfunksender-m1-kossuth-radio-viktor-orban-peter-magyar-gxe

QuoteIn Memory Of Helmut S.

So. Das mögen sich die Menschen, die die AfD wählen mal durchlesen und sich hinterher mal fragen, ob die öffentlich rechtlichen Sender in Deutschland wirklich "Staatsfunk" sind, wie sie selbst so oft behaupten. Das wirkliche Problem ist, dass sich die AfD und ihre Anhänger nicht mit Kritik auseinandersetzen wollen und keinerlei Widerspruch dulden. Sobald diese Menschen Widerspruch erhalten, fühlen sie sich in ihrer Meinungsfreiheit eingeschränkt.

"Da wird man ja gleich als Nazi bezeichnet." Merke: Wer Naizisachen äußert, wer Nazis wählt, wer Nazisachen fordert, der ist zumeist auch ein Nazi. Da brauchts keine "Keule". Da sprechen die Fakten.


Quotemk70666

Nein, AfD-Wähler erwarten, dass der heutige öffentlich-rechtliche Rundfunk nach der AfD-Machtübernahme seine ,,Lügen" zugeben wird.


QuoteIstCoolMan

AfD Wähler wollen keine objektiven Fakten hören. Sie wollen nur das bestätigt bekommen, was sie in ihrer Filterblase immer wieder hören und was sie für die Wahrheit halten: "AfD - toll, Ausländer/EU/Grüne/LGBT/Windräder/PV - böse + schlecht, Klimawandel - gibt's nicht, Atomkraft/Verbrenner/Frauen an den Herd - geil"


QuoteFrater_minor

... Die Schlagseite ist bekannt, es gibt darüber valide Untersuchungen.
https://uebermedien.de/91079/journalisten-sind-linker-und-gruener-als-die-bevoelkerung-ist-das-ein-problem/

Ich kann mich noch erinnern wie bis kurz vor der Wiedervereinigung, die Nachrichten nur Fakten enthielten und so gut wie keine Bewertung. Besonders wenn es um Innenpolitik ging. Anschließend gab es ein bis zwei Kommentare von Meinungsmacher (meist Zeitungsjournalisten) die eine bekannte Parteiflagge hatten. So konnte sich jeder unabhängig eine eigene Meinung bilden, da Fakten und Bewertung streng getrennt waren und nicht geframed oder bereits bewertet geliefert wurden.

Genau zu dieser Prozedur sollten wir zurückkehren


QuoteNihi Liana

16 Jahre täglicher Propaganda funktionieren nicht durch einen Mann allein.

Orbán hat den Apparat gebaut, aber gesendet haben Redakteure, moderiert haben Sprecher, finanziert haben Geschäftsleute, geschaut und geglaubt haben Millionen. Jede Lüge brauchte jemanden, der sie schreibt, jemanden, der sie ausstrahlt, und viele, die sie hinnehmen. Genau das macht Machtkorruption so einfach: Sie braucht keine Überzeugungstäter, nur Mitmachende und Wegschauende.

Der Satz auf dem Bildschirm, "wir haben jahrelang gelogen", klingt nach Reue. In Wahrheit ist es dieselbe Belegschaft, die gestern noch lieferte und heute die Verantwortung an ein abstraktes Wir abschiebt. Niemand war es, alle waren es.

Und das ist kein ungarisches Sonderproblem. Dasselbe Muster läuft gerade weltweit: Sender, die zur Gefolgschaft werden, Wähler, die den lautesten Vereinfacher belohnen, ein Publikum, das die bequeme Lüge der unbequemen Wahrheit vorzieht. Orbán fiel, weil eine Mehrheit sich abwandte. Er stieg auf, weil eine Mehrheit ihn trug.

Die Figuren wechseln. Der Mechanismus bleibt. Er lebt von denen, die klatschen, und von denen, die schweigen.

Wie seit vielen tausend Jahren.

Wir tragen Wissen und Erkenntnisse der gesamten Menschheit in der Hosentasche spazieren, und doch...


...

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"Sprachmaschinen drohen, das symbolische Kapital der Verlagshäuser zu vernichten, weil sie Journalisten vom Denken und Schreiben entlasten. Mit welchen Folgen? Fragen wir ,,Claude". Eine Kolumne. Dieter Schnaas (12.07.2026)

... [Ich habe] argumentiert, dass Sprachmaschinen eine neue Qualität der Technologiekritik verdienen, weil sie uns nicht nur körperlich entlasten wie frühere Technologien, sondern kognitiv, vom Denken und Schreiben, mithin von dem, was uns als Menschen auszeichnet. Ein verstörender Befund, der die Frage nach seinen möglichen Folgen provoziert. Dazu gleich mehr. Vorher fasst das Sprachmodell Claude (Opus 4.6) uns noch mal schnell in zwei Absätzen die zentralen Gedanken des jüngsten Textes zusammen ...
https://www.wiwo.de/politik/deutschland/kuenstliche-intelligenz-wie-ki-verlage-und-journalismus-unter-druck-setzt/100239312.html

"Denken? Vergiss es!"
Neue Technologien sind Werkzeuge, mit denen der Mensch sich entlastet und größere Erfolge bei kleinerer Anstrengung erzielt. Daher wirft KI vor allem eine Frage auf: Was, wenn wir uns vom Denken entlasten? Dieter Schnaas 28.06.2026)
https://www.wiwo.de/technologie/digitale-welt/tauchsieder-denken-in-zeiten-kuenstlicher-intelligenz-vergiss-es/100236097.html