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[Kiel (Notizen)... ]

Started by lemonhorse, September 28, 2011, 04:17:14 PM

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Regina Blues
Germany | 1994
Der 60-minütige Film "REGINA BLUES. Der Kampf um ein Kino" erzählt engagiert und humorvoll die wichtigsten Stationen aus 34 Jahren eines Kinolebens nach. Die Biographie eines Kieler Lichtspielhauses (1956-1990) vom ersten Filmkunsttheater bis zum ersten Programmkino Kiels wird durch Typisches erhellt. Dabei steht dieses Kino stellvertretend für viele andere, die in der BRD in den 50er Jahren entstanden und in den 80ern starben.
Der Besonderheit dieses Kinolebens wird nachgespürt, indem die Menschen, die in diesem speziellen Arbeitsraum ihren Lebensunterhalt verdienten, als Zeitzeugen zu Wort kommen. Darüber hinaus erzählen Menschen aus der Kieler Kinoszene, vom Kinobesitzer bis zum Filmkritiker der lokalen Tageszeitung, aus ihren Erinnerungen und kommentieren das Vergangene. Auch ehemalige REGINA-Kinogänger vermitteln rückschauend, was sie besonderes mit diesem Kino und seinen Filmen verband. ...
https://german-documentaries.de/en_EN/films/regina-blues.8732


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Quote[...] Ein Quartiersparkhaus soll das Parkhaus am Holstein-Stadion werden. Zudem Park&Ride -Ausgangspunkt für Stadterkundungen.

Mit den Stimmen Alt gegen Jung haben sich die Grünen am Wochenende bei der Mitgliederversammlung ein Eigentor geschossen. Kieler Beschlüsse zur Verkehrswende, die eine Verminderung des motorisierten Individualverkehrs notwendig machen – sind offensichtlich unbekannt bei den Grünen. Das Urteil des Bundesverfassungsgerichtes zur Klimagerechtigkeit*, das verbietet, Maßnahmen zur Reduzierung des CO2-Ausstoßes in die weite Zukunft zu verschieben – soll wohl nicht für Holstein gelten.

Stattdessen wird mit dem Ja zum überdimensionierten Parkhaus mit 1200 Parkplätzen ein weiterer Einschnitt in die noch vorhandenen Reste des Grüngürtels akzeptiert. Fast 500 m mehrspurige Straße soll durch Kleingärten und Wald geführt werden. Aufgrund der Hanglage zur B76 und des Höhenunterschiedes zur Projensdorfer Straße ist das mit erheblichen Bodenbewegungen verbunden.

Die Begründung der Grünen für diesen Irrsinn ist höchst zweifelhaft: Werden in gleicher Anzahl 1200 Parkplätze der Anwohner*innen zurückgebaut und Grünflächen geschaffen? Auch werden Anwohner*innen ungern in der Dunkelheit 500 m durch das Hinterland zum kostenpflichtigen Parkplatz laufen wollen!

Die Klimaschutzstadt Kiel, Gewinnerin des Nachhaltigkeitspreises 2020, soll sich ausschließlich für die nachhaltige Modernisierung des Holstein-Stadions für ihre Fans und Spieler*innen einsetzen. Die Forderungen der Investor*innen nach einem Kongress- und Event-Zentrum mit Parkhaus müssen auch im Sinne der Anwohner aus Lärmschutzgründen ablehnt werden. Mit Nutzung bestehender Parkhäuser in der Umgebung (Tesla-Parkhaus, Holtenauer Straße), Park & Ride von bestehenden Parkplätzen, mit Modernisierung/Ausbau/bessere Taktung des ÖPNV werden die Fans das Holstein-Stadion weiterhin gut erreichen können. Das Bündnis für den Klimagürtel hofft, dass die anderen Parteien im Rat den Karlsruher Beschluss* ernst nehmen und zügig den Aufstieg zur klimaneutralen Stadt bis 2035 beschreiten!


Aus: "Kritik am Beschluss der Grünen zum Parkhaus am Stadion" (12. Mai 2021)
Quelle: https://kielaktuell.com/2021/05/12/kritik-am-beschluss-der-gruenen-zum-parkhaus-am-stadion/

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"Film über Bausünden in Kiel: ,,Ironie ist die beste Waffe"" Das Interview führte Wilfried Hippen (28. 5. 2022)
Der Regisseur Helmut Schulzeck hat einen Film über seine Heimatstadt gedreht. Im Interview sagt er, warum ihn Kiels Baupolitik schon lange nervt. ...
https://taz.de/Film-ueber-Bausuenden-in-Kiel/!5853538/

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"Photo taken by rabbi's wife in 1931 symbolising Jewish defiance of the Nazis comes home" Kate Connolly in Berlin (Sun 18 Dec 2022)
Rosi Posner's photograph of the candlestick marking the festival of Hanukah was taken in their Kiel home. It features in an exhibition opening in the city in December. ... Rosi never spoke much about the photograph or how it came about, Gilo says. "It was just one of many in the family photo album where it still is today." ...
https://www.theguardian.com/world/2022/dec/18/photo-taken-by-rabbis-wife-in-1931-symbolising-jewish-defiance-of-the-nazis-comes-home

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Werftarbeiter Skulptur
Im Prinzengarten Kiel mit Blickrichtung zu den Kieler Werften auf der anderen Seite der Förde: Werftarbeiter Skulptur aus Bronze von dem Kieler Bildhauer Walter Rössler.
Die Skulptur eines Werftarbeiters wurde im Jahr 1959 errichtet. Der Bildhauer Walter Rössler hatte den Auftrag erhalten ein Denkmal für die Kieler Werftarbeiter zu erstellen, die auf dem Ostufer der Kieler Förde im Schiffsbau gearbeitet haben. Die Kieler Werften waren seinerzeit maßgeblich mitverantwortlich für den rasanten Aufstieg Kiels zu einer deutschen Großstadt. ...
https://welovekiel.com/de/lexikon/werftarbeiter-skulptur-kiel-prinzengarten/

Walter Eduard Ferdinand Rössler (* 9. Juli 1904 in Kiel; † 1. Januar 1996 in Preetz)
https://de.wikipedia.org/wiki/Walter_Eduard_Ferdinand_R%C3%B6ssler

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Das Wind-Licht-Objekt am Lorentzendamm vor dem Hauptgebäude der Förde Sparkasse ist eine rund 8 Meter hohe Skulptur aus Edelstahl.
Das Kunstwerk befindet sich auf der kleinen Grünfläche zwischen Förde Sparkasse, Lorentzendamm, Bergstraße und dem Kleinen Kiel und wurde anlässlich der Olympischen Sommerspiele im Jahr 1972 von der Förde Sparkasse in Auftrag gegeben. Beauftragt mit der Erstellung einer Skulptur wurden die beiden Künstler Herrmann Göpfert und Johannes Peter Hölzinger. Das Objekt wurde 1971 fertiggestellt und besteht aus zahlreichen unterschiedlich großen Elementen aus Edelstahl. Einfallendes Licht auf das Wind-Licht-Objekt werden in alle Richtungen reflektiert.
https://welovekiel.com/de/lexikon/wind-licht-objekt/

Hermann Goepfert (* 5. November 1926 in Bad Nauheim; † 4. Februar 1982 in Antwerpen)
https://de.wikipedia.org/wiki/Hermann_Goepfert

Johannes Peter Hölzinger (* 1936 in Bad Nauheim) ist ein deutscher Architekt, Bildhauer und Künstler.
https://de.wikipedia.org/wiki/Johannes_Peter_H%C3%B6lzinger


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"Kiel: Mehr Jugendkriminalität, aber robuster Arbeitsmarkt" UrsulaS (30. November 2023)
https://kielaktuell.com/2023/11/30/kiel-mehr-jugendkriminalitaet-aber-robuster-arbeitsmarkt/

"Infosystem Kommunalpolitik"
Betreff:
Bericht zur Jugendkriminalität 2022
Status:
Öffentlich (Drucksache freigegeben)
https://www.kiel.de/de/politik_verwaltung/ratsversammlung/infosystem/vo020?5--attachments-expandedPanel-content-body-rows-1-cells-2-cell-link&VOLFDNR=1000687&refresh=false&TOLFDNR=1005893


"Daten für Taten - Kieler Sozialbericht"
Die Landeshauptstadt Kiel legt zum 14. Mal einen Sozialbericht vor. Der Bericht orientiert sich an den Standards der Sozialberichterstattung und fasst jährlich die wichtigsten kommunalen Sozialdaten zusammen.
https://www.kiel.de/de/gesundheit_soziales/sozialplanung_berichte_konferenzen/sozialbericht_kiel.php


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Quote[...] Wenn man es auf eine einfache Formel bringen will, lautet sie so: Wer arm ist, lebt am Stadtrand. Das zeigt eine Studie des Wissenschaftszentrums Berlin für Sozialforschung (WZB). Sozialforscher nennen eine solche soziale Spaltung auch Segregation. Mit Zahlen der Bundesagentur für Arbeit und der Bevölkerungsstatistik haben die WZB-Wissenschaftler jeweils einen Wert für jede Stadt berechnet. Für 24 Städte im Norden liegen die Daten vor. Sie zeigen: Wie stark Arm und Reich getrennt voneinander leben, unterscheidet sich - je nach Stadt - deutlich. Das messen die Forschenden durch den sogenannten Segregationsindex: Je höher er ist, desto stärker die räumliche Trennung von Arm und Reich.

So ungleich ist der Norden: Ihre Stadt im Vergleich:
Anteil der Menschen, die ein monatliches Bruttoeinkommen von 4800 Euro oder mehr beziehen.

        Wolfsburg   28 %
   Braunschweig   23 %
   Hamburg           20 %
   Norderstedt   20 %
   Hannover   18 %
   Göttingen   17 %
   Garbsen           16 %
   Salzgitter   15 %
   Lüneburg   15 %
   Oldenburg   13 %
   Osnabrück   13 %
   Kiel           13 %
   Celle           13 %
   Hildesheim   13 %
   Lübeck           12 %
   Greifswald   11 %
   Schwerin   11 %
   Rostock           10 %
   Delmenhorst   9 %
   Neumünster   9 %
   Wilhelmshaven   8 %
   Flensburg   8 %
   Stralsund   7 %
   Neubrandenburg   7 %

Anteil der Menschen, die Grundsicherung (Bürgergeld) beziehen:

        Wilhelmshaven   19 %
   Neubrandenburg   17 %
   Salzgitter   17 %
   Delmenhorst   17 %
   Hildesheim   16 %
   Hannover   15 %
   Schwerin   15 %
   Kiel           15 %
   Flensburg   15 %
   Stralsund   15 %
   Celle           14 %
   Neumünster   14 %
   Lübeck           14 %
   Garbsen           13 %
   Hamburg           13 %
   Lüneburg   12 %
   Oldenburg   12 %
   Osnabrück   11 %
   Göttingen   11 %
   Wolfsburg   11 %
   Rostock           10 %
   Greifswald   10 %
   Braunschweig   10 %
   Norderstedt   8 %

So ungleich ist der Norden: Ihre Stadt im Vergleich - Segregationsindex: Je höher, desto stärker getrennt sind Arm und Reich:

        Schwerin   54
   Salzgitter   48
   Neubrandenburg   44
   Wolfsburg   42
   Rostock           42
   Kiel           41
   Neumünster   41
   Hildesheim   40
   Lüneburg   39
   Wilhelmshaven   39
   Stralsund   38
   Greifswald   37
   Celle           37
   Göttingen   32
   Braunschweig   32
   Hamburg           31
   Lübeck           30
   Garbsen           29
   Delmenhorst   28
   Hannover   27
   Osnabrück   27
   Oldenburg   24
   Flensburg   21
   Norderstedt   21

Anteil Akademiker an allen Erwerbspersonen:

        Göttingen   35 %
   Braunschweig   31 %
   Hamburg           29 %
   Hannover   28 %
   Greifswald   26 %
   Lüneburg   26 %
   Oldenburg   25 %
   Kiel           24 %
   Osnabrück   24 %
   Rostock           22 %
   Wolfsburg   20 %
   Hildesheim   20 %
   Norderstedt   18 %
   Lübeck           17 %
   Schwerin   17 %
   Flensburg   17 %
   Stralsund   14 %
   Neubrandenburg   13 %
   Celle           13 %
   Garbsen           11 %
   Wilhelmshaven   10 %
   Salzgitter   8 %
   Neumünster   8 %
   Delmenhorst   8 %

NDR Data Quelle: Marcel Helbig / WZB

Schwerin: Nirgendwo leben Arm und Reich stärker getrennt

An der Spitze steht eine vergleichsweise kleine Stadt: Nirgendwo - weder im Norden noch sonst irgendwo in Deutschland - leben die Menschen so stark voneinander getrennt wie in Schwerin. [...] Wer wohlhabend ist, wohnt meist in der Innenstadt oder in der Altstadt rund um das Schloss. Ärmere Menschen wohnen hingegen eher in bestimmten Vierteln am südlichen Stadtrand - zum Beispiel in Großer Dreesch, Neu Zippendorf, Mueßer Holz oder Lankow. "Gerade das südliche Schwerin sticht wirklich extrem ins Auge", sagt Wissenschaftler Marcel Helbig, der die Daten ausgewertet hat.

Helbig erklärt sich die hohen Segegrationswerte in Schwerin mit einer besonderen Entwicklung des Wohnungsmarkts: "Während sich in anderen Plattenbaugebieten im Osten die Zahl der Bewohner stabilisierte, nahm sie in den entsprechenden Stadtteilen Schwerins weiter ab. Das heißt also: Die Leerstände wurden enorm groß", sagt der Forscher. Den vielen Platz habe man genutzt, um vor allem Neuzugewanderte unterzubringen.

"Da haben sehr viele private Investoren investiert. Die haben dann so eine Art Geschäftsmodell daraus gemacht", sagt Helbig. Die Investoren hätten oft nur wenig Geld in die Plattenbauten investiert, um sie dann für Asylbewerber oder Grundsicherungsempfänger zur Verfügung zu stellen und sichere Mieten von staatlichen Stellen zu bekommen. Dies habe die Segregation vorangetrieben.

Auch in anderen ostdeutschen Städten wie Leipzig zeigt sich dieses Muster auffällig häufig - reiches Zentrum, arme Peripherie. Ein wesentlicher Grund für diese scharfe Trennung sind architektonische Strukturen. So sind in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts in der ehemaligen DDR die typischen Plattenbausiedlungen entstanden. Bezahlbarer Wohnraum für eine große Menge an Menschen - dieses Versprechen sorgt bis heute dafür, dass Menschen mit weniger Geld am Stadtrand leben.

Doch auch in westdeutschen Städten markieren große Hochhaussiedlungen am Stadtrand nach wie vor eine starke Segregation. Hannover ist im Norden ein gutes Beispiel dafür: Auch dort zeigt sich eine klare räumliche Trennung von Gutverdienern und finanziell schlechter gestellten Bewohnern. Im Stadtteil Hannover-Mühlenberg leben beispielsweise ärmere Menschen konzentrierter auf einem Fleck. Die Bewohner im Stadtzentrum sind dagegen im Schnitt finanziell bessergestellt.

Stadtplanung und architektonische Muster sind jedoch nur ein Grund für die geografische Trennung von Armen und Reichen. "Um heutige Segregationsprozesse erklären zu können, muss man teilweise relativ weit zurückblicken", sagt der Forscher. Aus der wissenschaftlichen Forschung ist bekannt, so Helbig: "Jede Stadt ist auf eine bestimmte Art aufgebaut und hat ihre ganz eigene geschichtliche Entwicklung."

Für einige Städte in Norddeutschland sieht Forscher Helbig ein bestimmtes Muster: "Insgesamt gibt es eine Reihe von norddeutschen Städten, wo insbesondere alte Industrien gestorben sind", sagt er.

Als Beispiel nennt er Kiel, Bremerhaven und Wilhelmshaven - alles Städte, in denen die einst starke Werftindustrie mit der Zeit verschwand.

"Da verloren viele ihre Arbeit. Und die, die ihre Arbeit verloren, hatten zwei Möglichkeiten: gehen oder bleiben", sagt Helbig. Diejenigen, die blieben, und keine Arbeit mehr fanden, rutschten in die Armut - ein urbanes Muster, das sich bis heute in den Städten spiegelt.

So zeigt die Karte von Wilhelmshaven deutlich, wo in der Stadt sich die Armut am stärksten konzentriert: Es sind vor allem die alten Arbeiterviertel nahe des Hafens Bant, Siebethsburg und Heppens, in denen heute vergleichsweise viele Empfänger von Grundsicherung leben.

Dieses Muster wiederum deckt sich mit anderen norddeutschen Städten, die ihre Werftindustrie verloren haben. "Wenn man sich heute die soziale Ungleichheit in Städten wie Kiel, Wilhelmshaven und Bremerhaven anschaut, dann sind das immer die alten Arbeiterquartiere", erklärt Forscher Helbig. [...]

Auch Hamburg ist eine Stadt mit ausgeprägter Einkommenssegregation. Bei den Städten mit mehr als 100.000 Einwohnern belegt die Elbmetropole bundesweit Platz drei. Menschen mit hohem Einkommen - und oft auch hohem Bildungsstand - ballen sich im Zentrum und nördlich davon - vor allem in begehrter Lage rund um die Außenalster. [...]

...


Aus: "So stark sind Arm und Reich in norddeutschen Städten getrennt" (05.04.2024)
Quelle: https://www.ndr.de/nachrichten/info/Arm-und-reich-oft-getrennt-So-leben-Stadtbewohner-im-Norden,urbaneungleichheit100.html

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#27
Quote[...] ,,Rheinmetall entwaffnen" ... Friedenscamp vor der Rüstungswerft - In Kiel veranstaltet die Ini ,,Rheinmetall entwaffnen" ihr Sommercamp. Sie ist gegen die Unterstützung der Ukraine, aber für den Kampf in Kurdistan.

Kiel taz | Im Schatten der Werft von Thyssen-Krupp-Marine-Systems, kurz TKMS, findet das diesjährige Camp der Initiative ,,Rheinmetall entwaffnen" im Kieler Werftpark statt. 800 überwiegend schwarz gekleidete Aktivist*innen versammeln sich in dieser Woche hier, um internationale Solidarität zu zeigen.

Zum fünften Mal veranstaltet das Bündnis ein solches Camp. Sie finden an wechselnden Orten statt, immer dort, wo Waffen produziert, exportiert oder transportiert werden. In Kiel passiert das alles: TKMS produziert U-Boote, die in alle Welt verschifft werden, die Bundeswehr bildet aus und außerdem, erklärt Jona, der Sprecher des Camps, habe Kiel eine Geschichte, an die man anknüpfen wolle.

Durch den Matrosenaufstand von 1918 sei ein Lauffeuer entstanden, das sich in Deutschland ausgebreitet und Mord, Tod und Gewalt verhindert habe, sagt der junge Mann mit Kurzhaarschnitt. Dass von dem Camp in Kiel ein ähnlicher Effekt ausgehen könnte, damit rechnet hier niemand, aber immerhin setzt es ein Zeichen für den Frieden. ,,Die Rüstungsindustrie zu versenken" und dem ,,mittlerweile salonfähig gewordenen Krieg" den Kampf anzusagen, fordern die Aktivisten.

Es regnet. Jona schiebt einen symbolischen Papppanzer in einen Pavillon und erzählt, dass ihn das Bild eines deutschen Panzers vor den Toren Afrins, einer Stadt in der kurdischen Separatistenregion Rojava, politisiert habe. Türkische Angriffe mit deutschen Waffen auf Afrin gaben auch den Anlass zur Gründung des Bündnisses Rheinmetall entwaffnen 2018.

Jona spricht jetzt schneller und lauter und von denen, ,,die den Krieg und den Tod produzieren, anzugreifen". Er kündigt das Sperren von Werkstoren und Zufahrtswegen an. Seine Utopie ist eine Welt ohne Krieg, ohne das Patriarchat, ohne Nationalstaaten und ohne Imperialismus.

Es ist 14 Uhr, die Sonne scheint und die klamme Wiese dampft ein wenig. Wir gehen zum Küchenzelt und holen uns etwas zu essen. Jeder, der Hunger hat, kann kommen und so viel bezahlen, wie man möchte. Es gibt Penne mit rotem und grünem Pesto. Wir nehmen beides und setzen uns auf die Wiese, weil die Bänke voll sind.

Mit vollem Mund spricht Jona von einer Kehrtwende nach der Zeitenwende. Wie diese Kehrtwende aussehen könnte, wird hier diskutiert. Man müsse ,,aktiv auf den herrschenden Kurs einwirken", sei es durch Blockaden oder durch das Stürmen der Hauptversammlung von Rheinmetall, sagt Jona. Sprechen mit der Rüstungsindustrie will er aber auch nicht, dafür sei das Verhältnis der Initiative zu Rheinmetall und Co. einfach zu ,,antagonistisch".

Jona räumt ein, dass das Camp kein pazifistisches sei. Die Teilnehmenden unterstützen den Freiheitskampf der kurdischen Separatisten in Rojava, die seit Frühling 2017 für eine autonome Verwaltung in Nord-Ost-Syrien kämpfen. Die Frage, ob das nicht ein Widerspruch ist auf einem Camp, das die Kriegsindustrie versenken möchte, macht ihn etwas ratlos.

Bei der Ukraine liege der Fall anders als bei Rojava, denn die Ukraine sei als Nationalstaat der Gefahr des Krieges in dem globalen Nationalstaatengebilde, in dem wir leben, ausgesetzt. In der Ukraine solle deshalb mehr mit Worten und Diplomatie, aber keinesfalls mit in Kiel hergestellten Waffen gekämpft werden.

Darüber, dass die Antifa Nord-Ost am Dienstag per Instagram dazu aufgerufen hat, Kalaschnikows nach Rojava zu schicken, kann Jona nur schmunzeln. ,,Wenn die Antifa die irgendwo aufgetrieben hat, warum dann nicht dorthin schicken?", fragt er. ,,Aber Kalaschnikows werden ja auch nicht in Deutschland hergestellt", sagt er und Rojava sei eben kein Spielball der Nato – im Gegensatz zur Ukraine.

Die Linke ist sich keineswegs einig bei dieser Bewertung. Am Samstagvormittag ist deshalb in Kiel eine Gegendemonstration geplant. ,,Gewaltfreiheit in einer gewaltvollen Welt funktioniert nicht", stellt ein alter Linker aus der ehemaligen Friedensbewegung fest. Er ist vom ,,stalinistisch autoritären Camp" schockiert. Wie solle ein Staat seine eigene Souveränität behaupten, wenn er ohne Handlungsspielraum von einem imperialistischen Angriffskrieg überrollt werde?

,,Wir als alte linke Menschen müssen zugeben, dass unsere Vorstellungen vor dem Februar 2022 heute als verklärt gelten müssen", sagt er. Am Samstag werden die Gegendemonstrant*innen jedenfalls ihre Wut, dass ,,linksradikaler Klassenkampf gutgeheißen und der Versuch eines, wenn auch aus linker Perspektive nicht perfekten Staates, sich zu verteidigen, diffamiert wird" auf die Straße tragen.


Aus: "Friedenscamp vor der Rüstungswerft" Fanny Schuster (6.9.2024)
Quelle: https://taz.de/Rheinmetall-entwaffnen-in-Kiel/!6031385/

QuoteCiro
Freitag, 10:38

Ich verstehe Radikalpazifismus nicht. Solange es noch mögliche und tatsächliche Aggressoren gibt, sind Waffen für Abschreckung und Verteidigung nötig.

Und die Ukraine soll sich der Vernichtung preisgeben... Klar ist Diplomatie wichtig, aber Putin interessiert das gerade nicht.


QuoteJim Hawkins
Freitag, 09:30

Oh Mann, da bedarf es schon einiger Gehirnakrobatik, den Kurden ihr Recht auf ein freies und selbstbestimmtes Leben einzuräumen und es den Ukrainerinnen und Ukrainiern zu versagen.

Wie würde dieser scharfsinnige Denker wohl den Kampf der Nationalstaaten USA, Frankreich, England und Sowjetunion gegen den Nationalstaat Nazi-Deutschland beurteilen?


...

QuoteModeration taz- Freitag, 11:28

Vielen Dank für eure Beiträge, wir haben die Kommentarfunktion geschlossen.

Die Moderation


...

Quote[...] Am heutigen Tag, dem 7.9.2024, fand die bundesweit organisierte Demonstration unter dem Motto »Gemeinsam gegen Kriegsprofiteure und Militarisierung« statt. Wir sind mit über 1.000 Teilnehmer*innen durch die Kieler Stadt gelaufen und haben durch Redebeiträge unsere Inhalte an die Anwohner*innen und Passant*innen gebracht. (...)

Unsere Demo endete an der Werft von Thyssen-Krupp Marine Systems. In dieser Werft werden U-Boote mit modernster Technologie gebaut, die unter anderem an Israel geliefert werden. Schon jetzt gibt es Aufträge für sechs weitere U-Boote. Mitten in Kiel wird also Rüstung gebaut, die aktiv den Kriegskurs der israelischen Regierung befeuert. »Unsere Beiträge drehten sich um die Themen antimilitaristischer Feminismus, die Verwicklungen der deutschen Kriegsindustrie weltweit und die Notwendigkeit zur internationalen Solidarität, sowie die Ursachen von Kriegen im Kapitalismus«, sagt Jonah Fischer vom Bündnis Rheinmetall entwaffnen.

Die Demo hatte einen vielfältigen, lauten und kämpferischen Ausdruck, wurde aber immer wieder durch von der Polizei begonnene Gewaltakte am Weitergehen gehindert. »Auf der Demonstration gab es immer wieder willkürliche Polizeigewalt und wahllose Festnahmen. Unter unwahren und fadenscheinigen Begründungen prügelte sich die Polizei durch die Menschen, wobei einige schwer verletzt wurden. Auch eine unbeteiligte Passantin fiel dieser Gewalt zum Opfer, die dann von unseren Sanitäter*innen versorgt wurde«, sagt Fiona Brinkmann, Sprecherin des Bündnisses Rheinmetall entwaffnen. (...)


Aus: "Ausgabe vom 09.09.2024, Seite 8 / Abgeschrieben: »Rheinmetall entwaffnen« beklagt Polizeigewalt gegen Demonstration in Kiel"
Quelle: https://www.jungewelt.de/artikel/483302.rheinmetall-entwaffnen-beklagt-polizeigewalt-gegen-demonstration-in-kiel.html

...

Quote[...] Die Stadt Kiel hat die Luftfilteranlagen am Theodor-Heuss-Ring abbauen lassen. Nach Angaben eines Sprechers sind die sechs Anlagen verladen und abtransportiert worden. Sie hatten in den vergangenen Jahren die Aufgabe, an der vielbefahrenen Straße Schadstoffe aus der Luft zu holen, um Fahrverbote zu verhindern. Inzwischen sind sie nicht mehr notwendig. Da die EU stengere Regeln zur Luftqualität in Arbeit hat, werden die Absaug-Anlagen zunächst eingelagert. Die Stadt hatte die Geräte für 600.000 Euro gekauft.



Aus: "Stadt Kiel lässt Luftabsauganlagen am Theodor-Heuss-Ring entfernen" (02.12.2024)
Quelle: https://www.ndr.de/nachrichten/schleswig-holstein/Stadt-Kiel-laesst-Luftabsauganlagen-am-Theodor-Heuss-Ring-entfernen,regionkielnews1690.html

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#28
Quote[...] [Stadtgeschichte: 29. Oktober 2005]: Still und leise kaufen internationale Finanzinvestoren in Deutschland Hunderttausende Sozialwohnungen auf. Die neuen Eigentümer wollen vor allem eins: Kasse machen.

Die Robert-Koch-Straße 3 gilt in Kiel als lausige Adresse. Ein trostloses Wohnsilo, Endstation für die Schwächsten der Gesellschaft. Die Stadt hat das 16-stöckige Mietshaus in den 60er Jahren gebaut, aus Fürsorge für die Bedürftigen. Ohne Wohngeld und Sozialhilfe könnten sich die meisten Bewohner noch heute keine der 169 Wohnungen leisten, obwohl ein Quadratmeter nur gut sechs Euro kalt kostet. "Da will man nicht einziehen, da muss man einziehen", sagt ein Nachbar über den Gartenzaun.

Und das ist gut so - meint Andreas Marggraf, der die schlichte Immobilie in einem schmucken Büro verwaltet. Denn ein Teil der Miete fließt direkt vom Sozialamt oder, bei Hartz-IV-Empfängern, von der Arbeitsagentur auf sein Konto. "Garantierter Cashflow", grinst er.

Marggraf führt die Geschäfte der ehemals kommunalen Kieler Wohnungsbaugesellschaft (KWG), die 9500 Wohnungen in Kiel hält und vergangenes Jahr mit weiteren deutschen Beständen für 1,4 Milliarden Euro an den New Yorker Finanzinvestor Blackstone fiel.

Marggrafs Arbeitgeber gehört zu jenen "Heuschrecken", die mit Unternehmen handeln wie mit Gebrauchtwagen, um jedes Jahr mindestens 20 Prozent Rendite herauszuschlagen. Dabei ist es ihnen egal, ob es um Müll, Legosteine, Schnapsflaschen oder eben Wohnungen geht. Die KWG-Unterkünfte, über Jahrzehnte mit öffentlichen Mitteln gepflegt, bieten beste Voraussetzungen für satte Gewinne.

Mittlerweile ist eine Schar angelsächsischer Fondsgesellschaften wie Terra Firma, Fortress, Oak Tree oder Cerberus landauf, landab auf der Jagd nach Gelegenheiten. Weltweit haben sie rund eine Billion Dollar privates Beteiligungskapital (Private Equity) bei Pensionskassen, Versicherungen und Privatleuten eingesammelt und stehen mächtig unter Druck, es zu mehren. Immobilienfirmen wie die KWG sind ihre neuen Lieblinge. 600.000 Wohnungen - mal kleine Mietshäuser in feinster Lage, mal graue Siedlungen an Autobahnen - wechselten in den vergangenen fünf Jahren den Besitzer. Mindestens eine Million kommen nach Schätzung der Deutschen Bank bis 2010 hinzu.

Wie Kiel, das inzwischen fast keine Wohnimmobilie mehr besitzt, verhökern fast alle Kommunen ihre Unterkünfte. "Wir haben die besten Mietwohnungen der Welt", sagt Lutz Freitag, Präsident des Gesamtverbandes deutscher Wohnungsunternehmen (GdW). "Die frühere Wohnungsgemeinnützigkeit und 50 Jahre erfolgreicher sozialer Wohnungsbau haben Goldadern gelegt, die jetzt gehoben werden." Verstehen kann er das Handeln der Kommunen aber nicht: "Das ist Selbstmord aus Angst vor dem Tod."

Für Mieterbundchef Franz-Georg Rips geht dem Sozialstaat durch den Ausverkauf der unschätzbare Vorteil verloren, den gesellschaftlichen Frieden steuern zu können, Einkommensschwache zu stützen, Obdachlosigkeit und Ghettoisierung zu vermeiden, Migranten zu integrieren. "Was diese Sozialrendite ökonomisch wert ist", sagt Rips, "kann wohl niemand berechnen."

Nach seiner Schätzung befindet sich bereits ein Viertel der deutschen Wohnungsbestände mit sozialer Funktion in Investorenhand, in fünf Jahren dürfte es die Hälfte sein. Darunter fallen auch viele öffentlich geförderte Firmenimmobilien, etwa die 150.000 Wohnungen der Eon-Tochter Viterra, die im Mai für sieben Milliarden Euro an die Deutsche Annington fiel, eine Tochter der britischen Terra Firma. "Mit solchen Verkäufen verabschieden sich Kommunen von ihrer Fürsorgepflicht", sagt Jochen Kiersch, Chef des Mietervereins Kiel.

Es wird kälter in Sozialbauten, wenn private Investoren einziehen. Das bekam Renate Liebrandt aus dem dritten Stock in der Robert-Koch-Straße 3 zu spüren, nachdem die Stadt die KWG vor sechs Jahren zunächst an die Frankfurter Beteiligungsgesellschaft WCM verkauft hatte, die selbst in Finanznot geriet und den Bestand an Blackstone weiterreichte.

Kurz vor Weihnachten 2003 platzten Wasserrohre in ihrer Wohnung. Die Feuchtigkeit zog bis zu den Lichtschaltern hinauf, Schimmel machte sich breit, Trockenmaschinen lärmten rund um die Uhr. Renate Liebrandt wollte nur weg mit ihrem schweren Asthma und ihrem Enkel Jan Mirco, den sie für ihre Tochter Nora großzieht. Doch der Gutachter entschied, die Räume seien bewohnbar.

"Was interessieren mich Ihre Krankheiten?", fauchte er sie an. Erst als sie den Mieterverein und die Presse einschaltete, stornierte die KWG die Dezembermiete und übernahm die Hotelkosten. Renate Liebrandt, die nach zwei Herzinfarkten ihren Beruf als Krankenschwester aufgeben musste, fightet gegen die Betriebskostenabrechnung: Sie soll einen Hausmeister teuer bezahlen, der auch nicht mehr ist, was er einmal war. Früher kümmerte sich ein Mann um ein Hochhaus, heute muss jeder KWG-Hauswart gleich mehrere Blocks betreuen. Sie will von ihren paar Kröten auch nicht mehr die 30 Euro abzwacken für einen Autostellplatz, der angeblich untrennbar zu dem kleinen Apartment gehört, das sie für ihren behinderten Sohn Fabian, 23, gemietet hat. "Autofahren wird Fabian ganz sicher niemals können."

Als Miethaie gebärden sich Finanzinvestoren nicht - das verhindert der restriktive deutsche Mieterschutz. Sie setzen den Hebel woanders an, um ihren Schnitt zu machen: Wenn sie beispielsweise eine kommunale Immobilienfirma für eine Milliarde Euro ersteigern, zahlen sie nur 20 Prozent des Kaufpreises aus ihrem Fonds. Für die restlichen 800 Millionen Euro nehmen sie Bankkredite auf. Die tragen sie aus den laufenden Mieteinnahmen ab. Die Rechnung geht auf, solange die Rendite aus den Mieteinnahmen höher ist als der Kreditzins - bei einem Verhältnis von ungefähr 7 zu 3,5 Prozent ist das Geschäft derzeit risikoarm.

Zusätzlich verkaufen sie oft einzelne Wohnungen mit hohem Gewinn an die Mieter oder tranchieren den Gesamtbestand, um die Filets teuer abstoßen zu können. Nach fünf bis acht Jahren, wenn sie wieder aussteigen müssen, weil ihre Fondslaufzeiten begrenzt sind, veräußern sie den Restbestand an einen anderen Investor oder über die Börse - und streichen den vollen Verkaufspreis ein. 20 Prozent bezahlt, 100 Prozent kassiert - Bingo!

Beliebt ist auch ein Steuertrick: Für den Kauf eines Immobilienunternehmens gründen die Investoren eine eigenständige Finanzierungsgesellschaft und verschmelzen sie dann mit der erworbenen, durch die Kredite belasteten Firma. So weist das fusionierte Unternehmen vom Start weg rote Zahlen auf - der Fiskus sieht keinen Cent.

Damit die Mieteinnahmen fließen und die Bankschulden schmelzen, versuchen die neuen Hausherren, säumige Zahler loszuwerden. "Mieter drehen" heißt das im Branchenjargon. Die Bewohner der Robert-Koch-Straße 3 bekamen den Druck schon vor drei Jahren zu spüren. Wer in Mietrückstand geriet, kam an den Pranger. Der Hausmeister pappte ihm einen feuerroten Mahnzettel an den Briefkasten, unten im Eingang, wo jeder vorbeimuss. Und er warf eine feuerrote Postkarte ein mit der Drohung: "Letzte Chance zur einvernehmlichen Regelung". Erst als der Mieterverein protestierte, verzichtete die KWG auf die rüde Praxis.

Mietinteressenten haben es ebenfalls schwer. "Sie erwartet ein radikales Aussiebverfahren", sagt Mieterschützer Kiersch. Sie müssen nicht nur eine Vorvermieterbescheinigung und eine Schufa-Auskunft beibringen, sondern auch den Grund des Wohnungswechsels, alle Verbindlichkeiten und Mietstreitigkeiten der Vergangenheit offen legen. Außerdem schneien KWG-Mitarbeiter schon mal in die alte Wohnung rein oder schicken diskret Fragebögen an den Ex-Vermieter.

Im Gegenzug können die Hausbewohner kaum Investitionen erwarten. Die Modernisierung der Robert-Koch-Straße stehe nicht an, sagt KWG-Geschäftsführer Marggraf. Nur Wohnungen, die leer werden, würden renoviert, um Leerstand zu vermeiden - es herrscht nicht gerade Wohnungsnot in Kiel. So wird Karin Damerau aus dem siebten Stock wohl die Hoffnung begraben, dass in absehbarer Zeit die abgewirtschafteten Linoleumkacheln aus den Sechzigern in ihrem Bad verschwinden. "Ich denke, wenn man 18 Jahre hier lebt und immer pünktlich die Miete zahlt, hat man ein Anrecht auf Verbesserungen. Oder nicht?"

Am Bebelplatz 3, wo die KWG-Seniorenresidenz für Arme in den Himmel ragt, speit Gerd Frank, 76, Gift und Galle: "Der Ärger ging los, nachdem die Stadt die KWG verkauft hat." Zuvor schien sein Leben nach einer gescheiterten Ehe und einer zerbrochenen Partnerschaft so langsam wieder ins Lot zu kommen. Er mochte seine neue Wohnung. Seine Rente abzüglich der Miete reichte so eben aus, um den Opel Corsa zu halten, mit dem der ehemalige Busfahrer ab und zu rausfährt, um nicht auf dem Sofa zu versauern.

Dann entschloss sich der Investor, die Wohnungen zu vergrößern, um mehr rauszuholen aus dem Objekt. Frank wollte nicht. Doch die KWG drängte ihn, den alten Mietvertrag zu kündigen und den neuen zu unterschreiben. "Herr Frank, Sie können sich auf den Kopf stellen, Sie werden kein Recht bekommen", haben die mir immer wieder gedroht", sagt Frank. Jetzt muss er zudem noch angebliche Gemeinschaftsflächen mitbezahlen, den kargen Flur etwa, die Trittfläche vor der Feuerleiter, die zum Balkon deklariert wurde, das Gemeinschaftsbad, das längst außer Dienst ist. Heute zahlt Frank 320 Euro Miete statt knapp 200, seinen Corsa muss er wohl bald verkaufen.

"Das hätte er alles nicht dulden müssen", sagt Mieter-Schützer Kiersch. Doch das Recht durchzusetzen kostet oft viel Geld, das Menschen wie Frank nicht haben. In Deutschland leben rund zwei Millionen Bürger von Hartz IV oder Sozialhilfe, drei Millionen Haushalte sind privat überschuldet. Die werden künftig wohl noch seltener anständigen Wohnraum finden. Denn im kommenden Jahr bekommt der deutsche Immobilienhandel den Turbolader aufgesetzt. Dann sollen Reits (Real Estate Investment Trusts) zugelassen werden, börsennotierte Gesellschaften mit elektrisierenden Gewinnaussichten.

Erfunden wurde das moderne Monopoly im Mutterland der Spekulation, den USA. Reits kaufen möglichst viele Immobilien, ihre Aktien werden an der Börse gehandelt. Heute sind in Amerika knapp 200 Reits mit einer Marktkapitalisierung von rund 250 Milliarden Dollar gelistet. 18 Staaten, darunter die Niederlande, Italien und Frankreich, haben das Modell inzwischen adaptiert.

Prickelnd für Aktionäre: Die AGs sind verpflichtet, 90 Prozent der Gewinne an sie auszuzahlen. Im Gegenzug sind die Gesellschaften von Gewerbe- und Körperschaftsteuern befreit. Nur die Ausschüttungen müssen die Aktionäre versteuern. Politisch gibt es in Berlin eine Mehrheit für Reits - allein weil das Finanzministerium mit zehn bis zwölf Milliarden Euro zusätzlichen Steuereinnahmen rechnet.

GdW-Chef Freitag betrachtet die Entwicklung mit gemischten Gefühlen. Einerseits wittert er neue Erfolgschancen für seine Branche. Andererseits fürchtet er, dass der traditionell gute deutsche Wohnungsbestand noch mehr unter der hohen Mobilität des Kapitals leidet. Für ihn steht fest: "Die Zahl der Mühseligen und Beladenen wird steigen, weil die Schere zwischen Arm und Reich immer weiter aufgeht." Mit ruinösen Folgen: Irgendwann müssen die Kommunen Belegungsrechte für ihre Sozialfälle teuer von den Finanzinvestoren zurückkaufen.

Kiel, Helsinkistrasse. Hier vergammeln die Wohnblocks der ehemaligen Neuen Heimat, die den armen Menschen einst das Paradies versprach. Hier beißt keine Heuschrecke mehr zu. Die Wände sind beschmiert, die Briefkästen herausgerissen, die Klingelanlagen zertrümmert, überall liegt Müll. Wer es sich nur halbwegs leisten kann, ist längst ausgezogen. Ein grelles "Zu vermieten"-Schild klebt hinter einer schmierigen Fensterscheibe. An der Wand neben dem Eingang steht in blumiger Mädchenschrift geschrieben: "Ich hasse die Straße mehr als alles andere." Mietervereinchef Kiersch sagt: "So könnte es eines Tages auch in der Robert-Koch-Straße aussehen, wenn die Investoren nicht mehr investieren."

"Man kann einen Menschen mit einer Wohnung genauso töten wie mit einer Axt", hat der Berliner Zeichner und Sozialkritiker Heinrich Zille einmal gesagt.


Aus: "Heuschrecken spielen Monopoly" Rolf Herbert Peters (29. Oktober 2005)
Quelle: https://www.stern.de/wirtschaft/immobilien/immobilien-heuschrecken-spielen-monopoly-3299088.html

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Quote[...] Mietsteigerungen waren in den vergangenen Jahren ein vielen Städten ein großes Problem. Der neue Mietspiegel für Kiel zeigt auch eine Steigerung der Kosten pro Quadratmeter. Es sind wenige Prozente.

Kiel (dpa/lno) - Der Mietspiegel in Kiel ist in den vergangenen Jahren um 30 Cent gestiegen. Lag die Miete im Jahr 2023 noch bei durchschnittlich 8,11 Euro pro Quadratmeter, erhöhte sie sich 2025 nach der aktuellen Bestandsaufnahme auf 8,41 Euro pro Quadratmeter, wie ein Sprecher der schleswig-holsteinischen Landeshauptstadt mitteilte. In die Befragung seien rund 3.000 Datensätze von Mietern und Vermietern eingeflossen.

Die Steigerung der Miete um 3,7 Prozent bezeichnete der Sprecher als "moderat". Ab 1. April wird der neue Mietspiegel in Kraft treten und nach zwei Jahren erneut fortgeschrieben. In vier Jahren soll es dann wieder eine Umfrage geben.

Neu sei, dass für die Befragung angefragte Mieter und Vermieter verpflichtet seien zu antworten. Dies erhöhe den Druck, den die öffentlichen Stellen haben, um an die Zahlen zu kommen.

Die Geschäftsführerin des Kieler Mietervereins, Ann Sophie Mainitz, befürwortet den qualifizierten Mietspiegel, auch wenn die Mietentwicklung durch stetigen Anstieg einige Mieter überfordere. Dem Problem müsse mit Neubau im bezahlbaren Segment und mit geeigneten Regulierungsinstrumenten entgegengewirkt werden.

Quelle: dpa


Aus: "Mietspiegel in Kiel steigt um 30 Cent je Quadratmeter" (26.03.2025)
Quelle: https://www.n-tv.de/regionales/hamburg-und-schleswig-holstein/Mietspiegel-in-Kiel-steigt-um-30-Cent-je-Quadratmeter-article25658535.html


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#30
Quote[...] Nord- und Ostsee sind stark mit Munition belastet. Experten suchen auf der Munition Clearance Week in Kiel nach Lösungen, die Altlasten möglichst zu entfernen.

Die Munitionsbelastung in der deutschen Ost- und Nordsee ist weiter verbreitet als bisher angenommen. Auf der zweiten "Kiel Munition Clearance Week" wollen Experten nach Lösungen für die Räumung der Munition suchen, die nach dem Zweiten Weltkrieg entweder versenkt oder mit Schiffen untergegangen ist. Dort beraten sich ab morgen Vertreter zahlreicher Bundes- und Landesbehörden, der Deutschen Marine und internationaler Marine, aus Industrie, Wissenschaft und dem Umweltbereich aus 16 Ländern.

Auf der Fachkonferenz, die durch das Ministerium für Energiewende, Klimaschutz, Umwelt und Natur Schleswig-Holstein in Zusammenarbeit mit dem Kieler Technologieunternehmen north.io GmbH veranstaltet wird, stehen verschiedene Herangehensweisen zur Beseitigung von Munition auf dem Meeresgrund sowie zum Schutz kritischer Infrastrukturen im Fokus.

Allein am Grund der Nord- und Ostsee liegen zwischen 1,3 und 1,6 Millionen Tonnen Munition und mehr als 5.000 Tonnen chemischer Kampfstoffe – letztere wurden laut Prof. Jens Greinert, dem Leiter der Arbeitsgruppe Tiefsee-Monitoring am Helmholtz-Zentrum für Ozeanforschung Kiel (GEOMAR), oft in tieferen Gewässern versenkt. Während die Meere immer stärker genutzt werden – etwa für Offshore-Windanlagen oder den Bau von Pipelines –, steigt auch die Gefahr durch die dabei freigesetzten belastenden Substanzen.

Rost allein stellt bereits eine Belastung für die Meere dar, die frei werdenden Substanzen sind es noch viel mehr. Laut den Experten gibt es nicht nur einzelne, klar abgegrenzte Versenkungsgebiete. Auch außerhalb der bekannten Ablagerungsstellen werden regelmäßig Funde gemacht. Durch Meeresströmungen werden Munition und deren Rückstände weiter verteilt, sodass auch weit entfernte Küstenbereiche betroffen sein können. Die Politik hat das nach viel Öffentlichkeitsarbeit und Sensibilisierung für das Thema durch Greinert und seine Kollegen ebenfalls erkannt. Erstmals wurde nun ein "Sofortprogramm Munitionsaltlasten in Nord- und Ostsee" mit 100 Millionen Euro aufgelegt. Ziel ist es, systematisch Munition aus Nord- und Ostsee zu bergen und umweltgerecht zu entsorgen – ein Pilotprojekt gab es bereits in der Lübecker Bucht. Das Bundesumweltministerium spricht sogar von einem "Bombenteppich".

Nicht nur Spuren, sondern relevante Mengen von TNT und seinen Abbauprodukten sind in Muscheln und Fischen nachweisbar – insbesondere in der Nähe von Munitionsaltlasten. Altmunition aus Lagern wurde auf Fischerbooten und ähnlichem in Versenkungsgebiete gefahren, erklärt Greinert. Jedoch wurde oft auch außerhalb dieser Gebiete Munition abgeworfen. "Die [...] Navigation auf See war wahrscheinlich nicht so genau wie heute und dann war es wahrscheinlich auch so, dass die Fischer vielleicht auch ein bisschen früher zu Hause sein wollten", so Greinert.

Bei der hydroakustischen Kartierung des Meeresbodens mit Echoloten kam den Experten zufolge heraus, dass sehr viel Munition in den Versenkungsgebieten liegt, allerdings auch viel außerhalb. Laut Greinert muss daher "eigentlich die gesamte deutsche Ostsee als munitionsbelastet angesehen werden, [...] mit Hotspots in den Versenkungsgebieten". Auch in der Nordsee sei das der Fall. Die Gefahr bestehe, dass durchrostende Munitionskappen schädliche Stoffe freisetzen. Zusammen mit anderen, bereits existierenden Stressfaktoren, könnte das schnell zu einem Kipppunkt führen, selbst wenn etwa die TNT-Belastung allein nicht dafür sorgen würde.

Auch große Bomben, die Fieseler Fi 103, auch "V1" genannt, wurden nach dem Zweiten Weltkrieg zuhauf in der Lübecker Bucht ins Meer geworfen. V1-Bomben enthalten etwa 800 Kilogramm Sprengstoff. Mit der Zeit rosten die Metallhüllen dieser Bomben durch. Der Sprengstoff darin sieht laut Greinert dann aus wie ein gelber, löchriger Käse und löst sich im Wasser auf. Problematisch dabei ist Greiner zufolge, wenn in den kommenden Jahren viele Bomben gleichzeitig durchrosten und die Menge an giftigen Stoffen im Meer schnell ansteigt. Für die Umwelt ist es ebenfalls gefährlich, denn Stoffe wie TNT, RDX und HDX können Krebs auslösen oder das Erbgut schädigen. Es ist schwer vorherzusagen, wann genau das passiert, so Greiner.

Um den Sprengstoff zu ermitteln, führen die Forscher sogenannte "Munition Survey", auch UXO-Survey (Unexploded Ordnance), durch, und suchen den Meeresboden systematisch nach Munitionsresten ab. Kommerzielle Firmen tun das beispielsweise vor dem Bau von Offshore-Windparks. Nach Sicht von Dr. Matthias Brenner, wissenschaftlicher Mitarbeiter in der Sektion Ökologische Chemie am Helmholtz-Zentrum für Polar- und Meeresforschung (AWI) in Bremerhaven, ist die Belastung vor allem durch hohe Konzentrationen TNT "sehr gesundheitsgefährdend".

Die größten Risiken liegen demnach in der chronischen Belastung von Ökosystemen und der Anreicherung in der Nahrungskette. Für Muscheln aus besonders betroffenen Gebieten ist bereits eine Gesundheitsgefährdung für den Menschen belegt. Es gibt auch Hinweise auf eine erhöhte Krebsrate bei Fischen, die in belasteten Gebieten leben.

Die Schwermetallbelastung im Meer ist einer der Gründe, weshalb Fisch generell nur zweimal in der Woche gegessen werden sollte, erklärt Dr. Jennifer Strehse, Wissenschaftliche Mitarbeiterin am Institut für Toxikologie und Pharmakologie für Naturwissenschaftler, Medizinische Fakultät, Christian-Albrechts-Universität zu Kiel. Die konventionelle Munition enthält giftige Schwermetalle wie Quecksilber und Blei. Versenkte chemische Munition enthält unter anderem Senfgas, Phosgen, Sarin oder Tabun, wie das Science Media Center informiert.

Die Muscheln in den Versenkungsgebieten sollten wegen der Schadstoffe, die durch das TNT und seinen Umwandlungsprodukten am Meeresboden freigesetzt werden, nicht gegessen werden. "Da ist vor allem die Gefahr für Krebserkrankungen besonders hervorzuheben", so Strehse. Bei Fischen, die nicht direkt aus Munitionsversenkungsgebieten stammen, sei die Konzentration sehr niedrig, aber Spuren seien dennoch messbar. Anders sei das, wenn die Munition "in den nächsten Jahrzehnten immer mehr an Metallhüllen verlieren [...] und diese Stoffe immer weiter ins Meer gelangen". Brenner zufolge haben Untersuchungen auch Leberanomalien bei Fischen gezeigt, die in direkter Umgebung von Munitionsaltlasten anzutreffen waren.

Das Bergen möglicherweise explosiver Bomben ist laut Greiner eine Herausforderung, auch wenn sich die Methoden der Bergung immer weiter verbessern. Es sei schwierig, einen ganzen Haufen von Munition aus dem Wasser zu bergen. Bei einer Explosion könnten technische Geräte zerstört werden, noch schlimmer wäre ein Personenschaden. Zum Einsatz kommen unter anderem Bergeplattformen auf dem Wasser, Tauchroboter mit Greifarmen und Crawler, die auf dem Meeresboden entlanglaufen.

Nach wie vor werde sehr viel gesprengt, so Strehse. Unter Wasser könnten solche Sprengungen, die in anderen EU-Ländern in der Vergangenheit beispielsweise wider besseres Wissen stattfanden, für Kontamination sorgen und den Unterwasserlebewesen schaden. Schweinswale haben etwa ein sehr empfindliches Gehör, das durch die Druckwelle beeinträchtigt werden kann, erklärt Strehse. Skandinavische Länder seien sich der Probleme bewusster.


Aus: "Kiel Munition Clearance Week: Warum Munition aus dem Meer entfernt werden muss" Marie-Claire Koch (17.06.2025)
Quelle: https://www.heise.de/news/Kiel-Munition-Clearance-Week-Warum-Munition-aus-dem-Meer-entfernt-werden-muss-10448253.html

https://munitionclearanceweek.org/

https://youtu.be/PJ40y5Ug-Oo

Quoteoscar-13

17.06.2025 09:04

Triviale Lösung: Im Bundes-Haushalt Geld für die Lösung bereitstellen.
Wie viel? Experten fragen wie viel Geld benötigt wird, wenn alles in 10 Jahren entfernt sein soll.

Woher kommt das Geld im Haushalt? Aus dem politischen Willen diesen Mißstand zu beheben.
Ergo: wird nicht passieren.

Der politische Willen dürfte dann entstehen, wenn Politiker direkt betroffen sind. Ohne irgendwelche medienwirksamen Bilder wird das aber nicht passieren. Es bietet keinen Vorteil sich um ein derartig abstraktes Problem zu kümmern.


QuoteKarl Schmidt
17.06.2025 08:47

Phosphor

Es gibt ja heute noch genug Bürgermeister die die Funde von Phosphor nicht wahrhaben wollen und keine Warnhinweise am Strand aufstellen. Und wenn dann ein Laie glaubt Bernstein gefunden zu haben erlebt er bald darauf eine sehr böse Überraschung.


Quotevoices

17.06.2025 07:43


Das Thema ist uralt und damit gewinnt man keine Wahlen und ruiniert das Budget - Und deshalb ist in den letzten Jahrzehnten nichts passiert. Der politische Wille hat gefehlt die dringenden und nötigen Dinge zu erledigen die auch unpopulär sind und eine Wiederwahl u.U. verhindern. Jetzt bekommen wir demnächst die volle Breitseite und die Schäden (Krebs usw.) betreffen jeden einzelnen (auch die, welche in der Vergangenheit das Thema für unwichtig hielten)
Wie kann man nur so dumm sein so lange zu warten.... Ich verstehe es nicht!


Quotemibbio

mehr als 1000 Beiträge seit 16.03.2017
17.06.2025 08:01

Re: Das Thema ist uralt und damit gewinnt man keine Wahlen und ruiniert das Budg

voices schrieb am 17.06.2025 07:43:

    Und deshalb ist in den letzten Jahrzehnten nichts passiert. Der politische Wille hat gefehlt die dringenden und nötigen Dinge zu erledigen die auch unpopulär sind und eine Wiederwahl u.U. verhindern. Jetzt bekommen wir demnächst die volle Breitseite und die Schäden (Krebs usw.) betreffen jeden einzelnen (auch die, welche in der Vergangenheit das Thema für unwichtig hielten)
    Wie kann man nur so dumm sein so lange zu warten.... Ich verstehe es nicht!


Ist doch bei Vielem so, wo es um Investitionen in die Zukunft geht - marode Schulen, baufällig werdende Brücken oder auch der Klimawandel. Es wird Alles nur verwaltet statt die eigentliche Probleme anzugehen.

In der aktuellen Legislaturperiode oder der aktuellen Generation bedeutet sowas erstmal nur Kosten, was sich immer schlecht verkaufen lässt. Besonders wenn bisher kein unmittelbares Problem darstellt, dass es zu lösen gilt, sondern die Folgen des Nichtstun erst nachfolgende Regierungen und Generatioen belasten.

Das Posting wurde vom Benutzer editiert (17.06.2025 08:02).


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Quote[...] Die Marine präsentiert zum Start der Kieler Woche Kriegsgerät zum Anfassen. Aktivist*innen kritisieren die ,,familienfreundliche" Aktion.

Kiel taz | Kopfüber hängt eine Aktivistin in den Ästen einer Linde und hält ein Plakat, das ein zerbrochenes Gewehr zeigt. Daneben flattert ein Transparent: ,,Organisiert euch gegen Klimakrise und Aufrüstung" steht darauf. Die Frau ist Teil einer Protestaktion der Gruppe ,,No Peace. No Climate Justice". Sie und ihre Mitstreiter:innen, die in einem zweiten Baum ausharren, wollen auf den Krieg als Klima-Killer hinweisen und gegen das ,,Open Ship" im Marinestützpunkt Kiel protestieren.

Aus Anlass des Volks- und Segelfests Kieler Woche präsentiert die Bundeswehr Kriegsschiffe, Waffensysteme und Aufklärungstechnik. Für die Aktivist:innen ist das eine ,,Propagandashow", bei der Kriegsgerät ,,familienfreundlich" präsentiert werde.

,,Es ist völlig absurd, dass hier gefeiert wird, als wäre nichts", erklärt Tom, ein Sprecher der Aktionsgruppe. Die Stadt Kiel bemühe sich um ein friedliches Image, doch gingen Waffenexporte und Einsätze der deutschen Marine von der Stadt aus in die Welt, kritisiert die Gruppe.

Die Baum-Besetzungen rufen die Polizei auf den Plan. Allerdings unternehmen die Beamt:innen nichts: ,,Es besteht keine Gefahr, daher müssen wir nicht dagegen vorgehen", sagt ein Polizist auf taz-Anfrage.

Die zahlreichen Neugierigen, die vor dem Marinegelände auf den Einlass warten, ignorieren die Aktion überwiegend, aber es gibt auch verärgerte Reaktionen: ,,Ihr seid wohl Putins nützliche Idioten!", ruft ein Mann ruft den Protestierenden zu, die mit Plakaten am Zaun stehen.

Gottfried Müller von der Kieler Ortsgruppe der Deutschen Friedensgesellschaft will das Argument nicht gelten lassen: ,,Frieden schließen geht nur über Verhandlungen, und hier dürfen die Nato-Staaten nicht so tun, als würden sie allein auf der richtigen Seite stehen. Wir haben genauso Dreck am Stecken, und dieses Eingeständnis wäre ein erster Schritt zu Verhandlungen."

Für die Aktivistin Manu steht die soziale Frage obenan: ,,Jeder Cent, der für Rüstung ausgegeben wird, fehlt für Bildung oder Gesundheit." Zudem verdrängten die Kriege auf der Welt den Blick auf die Fragen des Umwelt- und Klimaschutzes: ,,Mir wird Angst und Bange um die nächste Generation, um die Kinder, die hier anstehen und Kriegsschiffe angucken wollen."

Neben der Protestaktion an Land gibt es eine auf dem Wasser: Aktivist:innen nähern sich dem Marinehafen mit Kajaks und Kanus und bemalen unter anderem die Fregatte ,,Bayern" mit Farbe. Das Schiff hatte in der vergangenen Woche an dem Nato-Großmanöver Baltic Operations teilgenommen. Die ,,Open Ship" sei eine wichtige Werbeveranstaltung für die Bundeswehr, so die Aktivist:innen. Diese Werbung richte sich bereits an Schüler:innen, die für den Dienst an der Waffe gewonnen werden sollten.

Die Kieler Woche gilt als größtes Segelsportereignis der Welt. In diesem Jahr werden bis zu 4.000 Aktive aus 60 Nationen erwartet. Sie nehmen an zahlreichen Regatten teil. Ein Musikprogramm auf zahlreichen Bühnen in der Stadt lockt zudem zahlreiche Gäste an. Über drei Millionen Besucher:innen erwartet die Stadt während der gesamten Woche.


Aus: "Aktionen auf der Kieler Woche: Protest gegen Klima-Killer Krieg" Esther Geisslinger (22.6.2025)
Quelle: https://taz.de/Aktionen-auf-der-Kieler-Woche/!6092755/

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#32
"Oberbürgermeisterwahl in Kiel - Stadtbahn steht wieder auf der Kippe" Esther Geisslinger (3.11.2025)
Kiel bekommt eine Stadtbahn, das schien eigentlich klar. Doch vor der anstehenden Wahl macht die CDU die Debatte wieder auf. ... Bei der anstehenden Oberbürgermeisterwahl in Kiel geht es auch um die Frage, wie die Landeshauptstadt ihre Verkehrsprobleme bewältigt. Eigentlich hatte eine klare Mehrheit der im Rat vertretenen Parteien den Bau einer Stadtbahn beschlossen. Aber die CDU zweifelt an der Finanzierbarkeit. ... Der gebürtige Flensburger ist Journalist, er hat als freier Mitarbeiter für den NDR gearbeitet und war als Moderator beim ,,Schleswig-Holstein Magazin" und bei der ,,Tagesschau" tätig. In seinem Wahlprogramm setzt er auf Wirtschaftsförderung und Haushaltspolitik sowie eine ,,moderne Mobilität" ohne Stadtbahn. Sein Konzept wäre weit schneller umzusetzen und vor allem kostengünstiger als die Stadtbahn. Daher fordert er einen sofortigen Stopp der weiteren Planungen für das Projekt: ,,Wir brauchen keinen Rückschritt mit Konzepten aus den 80ern" – damals rollte die letzte Kieler Tram ins Depot, die Schienen wurden abgebaut. Bei der CDU kommt das an. Die aktuelle Verkehrspolitik, die auf den Ausbau des öffentlichen Nahverkehrs setzt, ,,vermittelt vielen Autofahrern das Gefühl, aus der Stadt gedrängt zu werden", sagt der Vorsitzende des CDU-Kreisverbands, Tobias von der Heide. Außer der CDU ist auch die AfD gegen eine Stadtbahn. ...
https://taz.de/Oberbuergermeisterwahl-in-Kiel/!6124362/

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"OB-Wahlen in Kiel: Aus dem Arbeiterviertel ins Rathaus" Aus Rendsburg Esther Geisslinger (8.12.2025)
Ein Arbeiterkind mit türkischen Wurzeln aus dem Brennpunktviertel: Der Grüne Samet Yilmaz gewinnt die Oberbürgermeisterwahl in Kiel. ... ,,Wer Gaarden kann, kann auch Oberbürgermeister", mit diesem Satz war Samet Yilmaz im parteiinternen Wettbewerb um die Kandidatur angetreten. ... vor allem sei ,,eine Bürgermeisterwahl eine Persönlichkeitswahl", sagte Yilmaz, der im Kieler Problemviertel Gaarden aufgewachsen ist, nach seiner Nominierung der taz. Er wolle, sagte er, mit seiner Person und seinem ,,speziellen Werdegang" überzeugen. Das hat er offenbar geschafft, nach Auszählung aller Wahlkreise entfielen 54,1 Prozent der abgegebenen Stimmen auf Yilmaz. ... Seine Eltern waren aus der Türkei nach Kiel gekommen. ,,Sie hatten viel Zutrauen zu ihren Kindern, aber bei den Hausaufgaben konnten sie wenig helfen", sagt Yilmaz. 1996 machte er seinen Hauptschulabschluss. Nach einer Lehre als Chemielaborant legte er das Abitur ab und begann ein Studium an der Kieler Universität ... Innerhalb der Grünen gehört Yilmaz dem Realo-Flügel an, Sicherheitsfragen und Ordnungspolitik sind seine Fachgebiete in der Kieler Ratsfraktion, in der er Co-Vorsitzender ist. Der verheiratete Vater von drei Kindern engagiert sich in zahlreichen Gruppen und Vereinen, vom Rotary Club über die Gewerkschaft der Polizei bis zum Nabu. Der ,,echte Kieler Jung" nennt als Hobbys Fußball und Laufen, als seinen Lieblingsort bezeichnet er die Förde. Kiel habe ihm viel gegeben, er wolle mit seiner Kandidatur etwas zurückgeben, sagt er. ...
https://taz.de/OB-Wahlen-in-Kiel/!6136343/


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#33
Quote[...] Noch immer warnt ein Schild am Wachhäuschen vor dem Betreten des ehemaligen Geländes des Marinefliegergeschwaders 5 (MFG 5) im Kieler Ortsteil Pries. Doch der Schlagbaum ist lange verschwunden, auf der früheren Zufahrtsstraße rollen Fahrräder, drehen Kinder auf Rollern und Jogger:innen ihre Runden.

2013 verließ die Bundeswehr das Gelände, die Stadt Kiel plant seit Jahren, dort ein neues Wohnviertel zu errichten. Überraschend verlangt die Bundeswehr das Grundstück zurück. Es gibt Protest – und Verhandlungen mit offenem Ausgang.

,,Holtenau Ost", wie der neue Stadtteil heißen soll, liegt nördlich des Nord-Ostsee-Kanals an der Kieler Förde. Über den ehemaligen Kasernengebäuden kreisen Möwen. Etwas entfernt hat sich die Bauwagen-Kolonie ,,Schlagloch" angesiedelt.

Doch geht es nach der Stadt, sollen auf dem 73 Hektar große Gelände rund 2250 Wohnungen entstehen. 13 Hektar sind für Wirtschaft und Gewerbe vorgesehen, weitere 20 Hektar für Wald. In dem ,,Zukunftsquartier" sollen Kitas, Sport und Freizeiteinrichtungen ihren Platz finden, so beschreibt eine Homepage die ,,Vision" eines ,,wertvollen Standorts für gemeinschaftliches Handeln, Vielfalt und Austausch von Ideen".

Doch nun hat die Marine das Gebiet wieder in den Blick genommen. Nach einem Gespräch mit Oberbürgermeister Ulf Kämpfer (SPD) sagte Alexander Götz, der für Infrastrukturfragen der Bundeswehr zuständige Abteilungsleiter im Bundesverteidigungsministerium: ,,Die Marine steht wie die übrigen Streitkräfte vor einem enormen Aufwuchs-Programm. Dies wird alle Küstenstandorte betreffen. Kiel hat dabei eine besondere Rolle."

Holtenau Ost erscheine ,,für Investitionen unsererseits besonders geeignet". Es solle daher in Gesprächen ausgelotet werden, wie ,,die Pläne der Stadt mit den Erfordernissen der Landesverteidigung und der Stationierung weiterer Einheiten in Einklang bringen lassen".

Viele Jahre Planung, und nun alles umsonst, weil die Marine es will? ,,Die Ankündigung, dass die Marine das MFG 5-Gelände in Holtenau-Ost zurückkaufen will, ist ein echter Schlag ins Gesicht aller Menschen in Kiel, die in den letzten Jahren viel Hoffnung, Zeit und Engagement in die Entwicklung des MFG5-Geländes gesteckt haben", sagt die Kieler Bundestagsabgeordnete Tamara Mazzi (Die Linke).

Würde das Gelände ganz oder teilweise wieder abgegeben, wäre das ,,eine Verschwendung von Ressourcen und würde eine Missachtung der Bedürfnisse unserer Gemeinschaft bedeuten", so Mazzi weiter.

Auch Ove Schröter, Kieler Stadtrat Der Partei, erinnert an die Kosten und die Arbeit, die bereits aufgewendet wurde: ,,Die Stadt und das Land haben 30 Millionen Euro für das Gelände gezahlt. Und seitdem sind weitere Millionen in Planung, Sanierung und Erschließung geflossen."

Auch Samet Yilmaz, Fraktionsvorsitzender der Grünen-Ratsfraktion und Oberbürgermeister-Kandidat, will nicht ,,jahrelange Planungen, erhebliche Mittel und noch mehr Personal- und ehrenamtlicher Einsatz" einfach über Bord werfen. Zudem wolle die Stadt mit der Fläche den Wohnraumbedarf decken.

Dennoch sieht er den Bedarf der Marine: ,,Kiel wird sowohl als Wohnstandort als auch als Verteidigungsstützpunkt gebraucht." Es sei aber die Frage, ob dieses Gelände die einzig sinnvolle Option für die Bundeswehr darstelle. Dass Kiel lebenswerter Wohnort und gleichzeitig Teil der wehrhaften Demokratie sei, bedeutete ,,für uns ist das keinen Widerspruch, sondern eine gemeinsame Aufgabe moderner Stadtentwicklung".

Die CDU dagegen kritisiert die Verwaltung: ,,Seit weit über einem Jahrzehnt wird geplant, aber ein tatsächlicher Fortschritt ist nicht erkennbar", sagt Jan Wohlfahrt, baupolitischer Sprecher der CDU-Ratsfraktion. Die immer wieder genannten Wohnungen sind bislang nicht mehr als ein politisches Versprechen geblieben.

Der Vorsitzende der CDU-Ratsfraktion, Carsten Rockstein, sagte nach der Ratsversammlung Mitte Juli, es sei ,,nach der Anfrage der Bundeswehr an der Zeit, die Planungen grundsätzlich zu überdenken". Die CDU stehe zur städtebaulichen Verantwortung, aber auch zur Marine und der Verteidigungsfähigkeit.

Zurzeit ist aber noch vieles offen, sagte Bürgermeister Ulf Kämpfer (SPD) der taz: ,,Es liegt kein konkreter Vorschlag vor." Er hoffe auf Verhandlungen, bei denen am Ende beide Seiten auf einen Kompromiss einigen, und er gehe davon aus, dass die Bundeswehr ebenfalls so ein Ergebnis wolle. ,,Es gibt weitere Bundeswehr-Liegenschaften in Kiel, und auch innerhalb des MFG-5-Geländes sind für uns einige Bereiche attraktiver als andere", so der Oberbürgermeister.

Denkbar wäre zum Beispiel eine Teilung der 73 Hektar großen Fläche. Nahe am Wasser könnte, wie geplant, neuer Wohnraum entstehen, dahinter könnten die Marine wieder einziehen. Bis spätestens Jahresende soll eine Entscheidung fallen.


Aus: "Bundeswehr will Fliegerhorst zurückerobern" Aus Kiel Esther Geisslinger
Quelle: https://taz.de/Kasernen-statt-Wohnungen/!6103744/

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Quote[...] Mehrere Aktivistinnen und Aktivisten der «TurboKlimaKampfGruppe Kiel» (TKKG) haben auf dem MFG5-Gelände an mehreren fördenahen Bäumen ein Baumhaus errichtet. Sie protestieren nach eigenen Angaben dafür, das Gelände des ehemaligen Marinefliegergeschwaders 5 für die Öffentlichkeit zugänglich zu halten. Damit wenden sie sich gegen einen möglichen Verkauf an die Bundeswehr.

«Aus dem Rathaus heißt es, Kiel müsse Verantwortung übernehmen und seinen Teil zur Landesverteidigung leisten», sagte Aktivistin Mira Schneider. Die Gruppe fordert jedoch, die Stadt solle ein lebenswerter Ort für alle bleiben und der Bundeswehr keinen Raum bieten. Stattdessen schlägt die Gruppe vor, die früheren Kasernen in Wohnungen umzuwandeln.

Die Stadt Kiel verhandelt derzeit mit der Bundeswehr über die Zukunft des Geländes. Geplant ist ein neuer Stadtteil mit etwa 2.250 Wohnungen, während die Bundeswehr das Areal zurückhaben möchte. Bis Februar 2026 soll ein Kompromiss gefunden werden.

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Aus: "Aktivisten bauen Baumhaus auf MFG5-Gelände" (28. Oktober 2025)
Quelle: https://www.zeit.de/news/2025-10/28/aktivisten-bauen-baumhaus-auf-mfg5-gelaende

https://taz.de/TKKG-ist-gekommen-um-zu-bleiben/!6124987/

https://www.n-tv.de/regionales/hamburg-und-schleswig-holstein/Aktivisten-bauen-Baumhaus-auf-MFG5-Gelaende-article26124467.html