[Zum Phantombesitz #1]

Zur Archäologie der Seele (Anmerkung I): Das Töten aus Lust hat nicht nachgelassenOder Gedanken zum Gewaltensable in der Psyche…

Symbolbild: Archäologie entdecken im Zentrum Hamburgs (1962) … „Das ringförmige Turmfundament aus dem 12. Jahrhundert mit seinen 19 Metern Durchmesser ist das älteste erhaltene Steingebäude der Hamburger Altstadt.“ | via (Archäologie entdecken im Zentrum Hamburgs)

Kontext: “ … Die kognitive Archäologie versucht, aus den archäologischen Hinterlassenschaften der frühen Menschen Rückschlüsse auf ihr Denken und ihre kognitiven Fähigkeiten zu ziehen. Der britische Archäologe Colin Renfrew hat die Bezeichnung kognitive Archäologie in den 1980er-Jahren geprägt … Zu den heute wichtigsten Vertretern der kognitiven Archäologie gehört Steven Mithen. In seinem Buch „The prehistory of the mind“ beschreibt er, wie sich der menschliche Geist entwickelt hat. …“ | Kognitive Archäologie –> https://de.wikipedia.org/wiki/Kognitive_Arch%C3%A4ologie



Einstiegspunkt in das Feld der Realität: “ … Vor dem Treffen des Arktischen Rates, der 1996 zum Interessenausgleich zwischen [ ] Staaten und den in der Region lebenden indigenen Völkern gegründet wurde, richtete der russische Außenminister Sergej Lawrow eine deutliche Warnung an den Westen: Die Arktis sei russisches Territorium — alles, was Russland dort militärisch unternehme, sei „legitim“, erklärte er. | Quelle: https://www.stern.de/panorama/wissen/natur/russischer-anspruch-auf-die-gesamte-arktis-30531518.html | Es fühlt sich unausweichlich an [es gilt] alles wie Besitz zu behandeln – nicht nur das materielle Eigentum, sondern auch erworbenen Status, unsere Gefühle, den Respekt, von dem wir meinen, dass er uns zusteht. Unsere Gefühle kommen nicht aus dem Nichts, sondern aus der [Ordnung], die uns umgibt. … im Vernichtenkönnen beweist sich der Besitzanspruch … | … US-Präsident Trump droht vor dem Ablauf des von ihm gesetzten Ultimatums mit der Auslöschung „einer ganzen Zivilisation“. …“ | Aus: „Entsetzen über Trumps Drohung „ganze Zivilisation wird sterben““ (07.04.2026) | Quelle: https://www.br.de/nachrichten/deutschland-welt/entsetzen-ueber-trumps-drohung-ganze-zivilisation-wird-sterben,VG8HJDv | “ … In der Stadt Gaza sind 112 Palästinenser beigesetzt worden, deren Leichen fast drei Jahre nach einem israelischen Luftangriff aus den Trümmern geborgen wurden. Die Toten wurden am Dienstag bei einem Massenbegräbnis in der Stadt Gaza beerdigt, wie der Zivilschutz des von der Hamas kontrollierten Innenministeriums mitteilte. Demnach gehörten die Opfer zu den mehr als 300 Menschen, die am 22. November 2023 bei einem Luftangriff auf einen Wohnblock im Stadtteil Sabra ums Leben kamen. Einsatzkräfte hätten die Leichen nach 136 Stunden Suche am Wochenende geborgen. …“ | Aus: „Drei Jahre unter den Trümmern, nun beerdigt“ (5.8.2026) | Quelle: https://taz.de/-Nachrichten-im-Gaza-Krieg-/!6201870/ | “ … Russland hat die ukrainische Hauptstadt Kyjiw und ihre Umgebung in der Nacht erneut mit ballistischen Raketen angegriffen. Dabei seien mindestens 17 Menschen getötet worden, teilte Präsident Wolodymyr Selenskyj auf X mit. Demnach wurden mindestens 44 Menschen verletzt. …“ | Aus: „Ukraine meldet 17 Tote nach russischen Angriffen in Region Kyjiw“ (5. August 2026) | Quelle: https://www.zeit.de/politik/ausland/2026-08/kyjiw-raketenangriff-russland-ukraine-tote-gxe

usw.

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Frage aus dem Off: Woher kommt die anhaltende Lust am Martialischen, an der Zerstörung, die Lust auf Besitz, die Lust am Töten. Woher kommt die andauernde Entfachung des Todestriebs? | [ … [“ … Eine besondere Rolle bei der Entwicklung der Konzeption des Todestriebs spielte für Freud dabei die Erfahrung des Ersten Weltkriegs, der ein bis dahin noch nie erlebtes Ausmaß an menschlicher Zerstörungslust offenbarte. Erich Fromm analysierte in seiner Schrift Anatomie der menschlichen Destruktivität (1973) unter anderem Adolf Hitler und Heinrich Himmler als „destruktive“, auf pathologische Weise vom Todestrieb beherrschte Charaktere. …“ | –> https://de.wikipedia.org/wiki/Todestrieb ] … ]

Antwort aus dem Off: Ich glaube heutige Gewalt – in diesem Sinne nach dem Todestrieb befragt, lässt sich nicht ohne einen Blick auf die Geschichte der Gewalt nachvollziehen. Gemeint sind die grausamen Ablagerungen, die seelisch düsteren Sedimente aus der Gewaltgeschichte der Menschheit. Martialisches Handeln in der heutigen Politik ist für mich ein Symptom für eine Resignation gegenüber der Aufklärung. Handlungen von blinder Gewalt erscheinen mir wie eine Art geistige Schwäche, eine Überforderung gegenüber einer komplexen Moderne. Gewalt so gesehen entspringt einer Hilflosigkeit, einem düsteren Trieb, einem blinden Bedürfnis. Gewalt als letzter Ausweg, als ein psychologischer Schutzmechanismus, um in einer unübersichtlichen und verwirrenden Welt durch Aggression ein Gefühl von Kontrolle und Eindeutigkeit zurückzugewinnen. Das Ergebnis sind dann neue verehrende Verletzungen. Die Gewaltspirale beginnt von Neuem.

Frage aus dem Off: Wie lässt sich die Dominanz, die Intensität des Todestrieb übergreifend herleiten?

Antwort aus dem Off: In der Steinzeit war physische Aggression teilweise überlebensnotwendig für Jagd, Territorialverteidigung und Schutz. Diese biologischen Programme, die Kampf-oder-Flucht-Mechanismen, sind in unserem Gehirnen nach wie vor schnell bereit die Kontrolle zu übernehmen. Die zentrale These von Hans Georg Wunderlich in seinem 1974 erschienenen Buch „Die Steinzeit ist noch nicht zu Ende. Eine Psycho-Archäologie des Menschen“ lautet, dass die menschliche Psyche, dass unsere Verhaltensmuster und unsere emotionalen Reaktionen im Kern immer noch auf steinzeitliche Muster fixiert sind. In uns hallen noch immer die Riten der Horde und der Familie nach.
Während sich die planetarische Zivilisation, die Technik rasant weiterentwickelt haben, hinkt die psychische Evolution, die geistige Entwicklung der Menschheit hinterher. Wir sind moderne Wesen, die mit dem seelischen Apparat von eiszeitlichen Jägern und Sammlern agieren. Phänomene wie Massenhysterie, blinder Gehorsam, Aggression, Fremdenfeindlichkeit (Territorialverhalten) und das Bedürfnis nach Sündenböcken sind direkte Relikte steinzeitlicher Überlebensstrategien. Damals schützten Menschen vielleicht tatsächlich noch die eigene Horde – heute, in einer globalisierten Welt mit Massenvernichtungswaffen, vernichten wir Menschen das Leben von anderen Menschen in einer gesteigert irren Art. Der Modus ist die Perversion. Jeder spürt es: Die moderne Kultur, Moral und Rationalität sind nur eine dünne, fragile Oberfläche. In Krisen- oder Stresssituationen bricht diese Kruste auf, und ein darunterliegendes archaisch-blind-dumpfes Verhaltensprogramm übernimmt die Kontrolle. Ich denke es ist daher Zeit sich mit der schmerzhaften Wahrheit über die verdrängten Gefühle, Ängste, Kränkungen und Lebenslügen zu konfrontieren – privat wie politisch. Spüren wir den Phänomenen nach …

Frage aus dem Off: Wir kreisen um einen Begriff – oder?

Stimme aus dem Off: Ja.

Frage aus dem Off: Es geht um das Gewalterbe.

Stimme aus dem Off: Dabei ist das Gewalterbe eben kein biologisches Schicksal, sondern ein dysfunktionaler Abwehrmechanismus, bei dem das Gewaltproblem der Vergangenheit in der Gegenwart reinszeniert wird. Ein letztlich hilfloser Versuch eigene psychische Ohnmacht zu bekämpfen. Es ist oft in Familien zu beobachten: Die nicht geglückte Abwehr von Ohnmacht – beispielsweise durch Täter-Opfer-Umkehr. Oder durch Schweigen. Eine Reinszenierung mit falschem Vorzeichen! – Wir neigen dazu, ungelöste Traumata so lange in Beziehungen zu wiederholen, bis sie verstanden sind. Wenn die Eltern eine Verletzung nicht integrieren konnten, „vererben“ sie die emotionale Ladung an die Kinder, in der unbewussten Hoffnung, die nächste Generation könne den Konflikt lösen. Scham und Sprachlosigkeit verhindern meist das Weiterkommen. Und so kippt es auch bei nächsten Generationen wieder in die Lüge, die Härte, in die Brutalität. Sei es nun auf seelischer oder körperlicher Ebene.

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“ … Im ersten Kapitel des Buches – „Dieser Drang nach Härte: Ausverkauf der Symbole oder warum wir einen Begriff des Faschismus brauchen“ – bemängelt Redecker den inflationären Gebrauch des Vorwurfs, etwas oder jemand sei faschistisch. Keiner wisse mehr so genau, was mit der ultimativen Anschuldigung eigentlich gemeint sei. Sie diagnostiziert: „Genau in dem Moment, wo wir sie am dringendsten brauchen, scheint die Sprache, mit der wir über den Faschismus reden, kaputtgegangen zu sein.“ Dagegen helfe aus philosophischer Sicht nur das Bemühen um brauchbare Begriffe. … Gemäß Redeckers Definition bildet eine „entfesselte Eigentumslogik“ den Kern des Faschismus. „Seine Gegenüber sind keine Menschen, sondern Dinge; seine Feinde sind keine Gegner, sondern Diebe.“ Das seien diejenigen, die ein „Quasi-Eigentum“ angreifen und deshalb liquidiert werden müssen. Faschisten würden sich im Verteidigungsmodus sehen. Somit sei Faschismus „liquidierende Phantombesitzverteidigung“. Er habe ein Objekt – den Phantombesitz, der zu schützen ist – und ein Abjekt – „das Phantasma, das ausgelöscht werden muss“. …“ | Aus: „Dieser Drang nach Härte“ (14. Juli 2026) | Quelle: https://de.wikipedia.org/wiki/Dieser_Drang_nach_H%C3%A4rte
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Dirk Kaesler (Glosse, Nr. 7, Juli 2010): “ … Die heutige kapitalistische Ordnung ist der Kosmos, in den der einzelne hineingeboren wird und der für ihn als faktisch unabänderliches Gehäuse, in dem er zu leben und zu sterben hat, gegeben ist. Er zwingt allen Menschen, weil sie unentrinnbar im Markt verflochten sind, gleichermaßen seine Logiken auf. …“ | Aus: „Die globale Zwangsreligion der Menschheit“ | Zu: Reinhard Achenbach / Martin Arneth (Hg.): „Gerechtigkeit und Recht zu üben“ (Gen 18,19). Studien zur altorientalischen und biblischen Rechtsgeschichte, zur Religionsgeschichte Israels und zur Religionssoziologie ; Festschrift für Eckart Otto zum 65. Geburtstag. Harrassowitz Verlag, Wiesbaden 2009. 542 Seiten, ISBN-13: 9783447061056 | Quelle: https://literaturkritik.de/id/14504
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“ … Viele Amerikaner können sich an nichts anderes als eine Wirtschaft mit in einer raketenhaft ansteigende Ungleichheit erinnern, in welcher der Lebensstandard für die meisten Amerikaner stagniert und die Reichen sich absetzen. Es fühlt sich unausweichlich an. …“ [Many Americans can’t remember anything other than an economy with skyrocketing inequality, in which living standards for most Americans are stagnating and the rich are pulling away. It feels inevitable. | From: „Our Broken Economy, in One Simple Chart“ By DAVID LEONHARDT (AUG. 7, 2017) —> https://www.nytimes.com/interactive/2017/08/07/opinion/leonhardt-income-inequality.html] | [ „Armut in den Vereinigten Staaten bezeichnet die wirtschaftliche Notlage eines erheblichen Teils der Bevölkerung in einem der weltweit reichsten Länder. Nach offiziellen Kriterien des US Census Bureau lebten 2024 ca. 10,4 % der US-Bevölkerung unterhalb der Armutsgrenze, etwa 36 Millionen Menschen. … “ –> https://de.wikipedia.org/wiki/Armut_in_den_Vereinigten_Staaten] | Armut in Deutschland –> https://de.wikipedia.org/wiki/Armut_in_Deutschland | Länder nach Armutsquote –> https://de.wikipedia.org/wiki/Liste_der_L%C3%A4nder_nach_Armutsquote
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Werner G. : “ … Es handelt sich um eine reine Neiddebatte. …“ (Kommentar zu: https://www.welt.de/debatte/kommentare/article170381454/Es-ist-gut-dass-es-Steueroasen-gibt.html)
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“ … Redecker führt den Begriff „Phantombesitz“ ein. Demnach seien wir in kapitalistischen Gesellschaften trainiert, alles wie Besitz zu behandeln – nicht nur das materielle Eigentum, sondern erworbenen Status, unsere Gefühle, den Respekt, von dem wir meinen, dass er uns zusteht. Und auch die Ansprüche, die wir vermeintlich haben, und die anderen eben nicht zustehen, sind Teil dieser Definition. Kurzum: Unsere Gefühle kommen nicht aus dem Nichts, sondern aus der Wirtschaftsordnung, die uns umgibt. …“ | Aus: „Autoritäre Persönlichkeit und Faschismus: Antifa ist Kopfarbeit“ Robert Misik [Geboren 1966] (29.7.2026) | Quelle: https://taz.de/Autoritaere-Persoenlichkeit-und-Faschismus/!6199688/

nanymouso, 09:28 Uhr: “ … Es ist genau NICHT Kopfarbeit, sondern Herzensarbeit oder genauer emotionale Arbeit. Das Uneindeutige macht diesen Menschen nunmal mehr Angst als das eindeutig Schlechte. Den Blick vom möglichen Ungemach auf den möglichen Gewinn zu richten, ist Aufgabe jeder gesellschaftlichen Utopie …“

Reinero66, 13:48 Uhr: “ … Und wie passt da der Autoritarismus der kommunistischen Parteien hinein wie z. B. Stalin, Mao, Ho Chi Minh, Xi … [?] …“

Einschub #1 – Start –

“ … [Götz Aly im Gespräch mit Dirk-Oliver Heckmann:] … Also, zum Führerprinzip will ich einmal Folgendes sagen. Wir haben Mao Zedong verehrt, wir haben Ho Chí Minh verehrt. Wir haben alle gejubelt über die Revolution in Kambodscha [Einschub: „Als Killing Fields werden etwas mehr als dreihundert Stätten in Kambodscha bezeichnet, an denen bei politisch motivierten Massenmorden Schätzungen zufolge mehr als 100.000 Menschen durch die maoistisch-nationalistischen Roten Khmer umgebracht wurden. Der Massenmord der Roten Khmer an der eigenen Bevölkerung im Demokratischen Kampuchea wurde von 1975 bis 1979 begangen. Die Gesamtzahl der Opfer des Genozids in Kambodscha liegt nach aktuellen Schätzungen bei 1,7 bis 2,5 Millionen.“ –> https://de.wikipedia.org/wiki/Killing_Fields]. Wir wussten darüber nicht viel, aber wir fanden es ganz toll und wir haben Führungsfiguren wie Rudi Dutschke abgöttisch verehrt. Wir haben Führungsfiguren wie Daniel Cohn-Bendit abgöttisch verehrt. Es war eine Männerbewegung, also dass wir da so rein antiautoritär gewesen wären, ’67, ’68, ’69, ’70, das hat sich später dann erst langsam geändert. Das ist eine Lüge. Es hat überall diese klassischen Leitungsstrukturen gegeben und auch diese Bewegungen in Richtung Parteigründung und so weiter, egal, ob das jetzt Trotzkisten waren, ob das die Kommunistische Partei – Aufbauorganisation oder ML oder eine proletarische Linke war, die waren alle autoritär auch durchstrukturiert. Insofern ist auch da das alte Gift. Aber ich will noch einmal etwas sagen. Das Problem an der ’68er Generation in Deutschland ist auch das. Wenn ich meinen Vater nehme, der ist 1912 geboren und sein Vater kam 1918 als Artillerieoffizier völlig zerschlagen und ruiniert mit einer Niederlage zurück, Artillerieoffizier bei Verdun, das war keine angenehme Sache. Da werden sie nämlich auch dauernd beschossen. Und mein Vater sagt und seine fünf Geschwister, das war reiner Terror, als der zurückkam und in dieser ’68er Generation spiegeln sich sehr ungünstig beide Kriegsniederlagen und setzen sich in ihr auch in dieser Gewaltverherrlichung, auch in diesem Autoritarismus, auch in dem Revolutionarismus, den man schon 1932 sieht, fort, ohne dass das jeweils dasselbe ist, aber das muss man sehen als eine besondere deutsche Geschichte, und ich kann meine Altersgenossen nur auffordern, das auch an den eigenen Familien nachzuvollziehen und zu sehen, wie befangen sie sind. … [Dirk-Oliver Heckmann: Willi Winkler hat mal geschrieben: Die Studentenbewegung hat durch ihr verbales Liebäugeln mit der Gewalt die Saat für die „Rote Armee Fraktion“, die RAF, gelegt. Ist da was dran?] … Man kann nicht sagen, die ’68er Bewegung als solche hat das hervorgebracht, aber es gehört dazu. Wir haben uns nächtelang unterhalten über Gewalt gegen Sachen, Gewalt gegen Personen und wenn Gewalt gegen Personen, gegen welche Personen? Das spielte eine große Rolle. Und ich kenne ja auch Leute, die mit mir studiert haben, die 20 Jahre im Untergrund waren, an deren Resozialisation ich dann versucht habe, mitzuwirken. Ich fühle mich da auch in der Verantwortung. Ich war Mitglied der „Roten Hilfe“ eine Weile. Ich finde, man muss darüber reden, auch über den eigenen Blödsinn, die eigenen Fehltritte, um einigermaßen klar auch anderen sagen zu können, wie es dazu kam, auch andere davor warnen zu können, eindimensionalen Weltbildern anzuhängen. Und unsere Hauptgegner waren ja damals – und das ist in Deutschland eine zentrale Krankheit und verbindet auch die ’68er mit der NS-Bewegung – das waren die Liberalen. … “ | Aus: „50 Jahre 68er-Bewegung: „Verdienste der 68er sind deutlich kleiner, als es sich viele einbilden“ (13.05.2018) | Quelle: https://www.deutschlandfunk.de/50-jahre-68er-bewegung-verdienste-der-68er-sind-deutlich-100.html | –> Götz Aly: https://de.wikipedia.org/wiki/G%C3%B6tz_Aly

“ … Aber wie roh redeten und dachten denn die CDU- und SPD-Mainstreamgrößen, ganz abgesehen von den höhnischen Springer-Zeitungen, für welche die Unterstellungen und Verleumdungen und das Niedermachen ein großes tägliches Vergnügen waren? „Bürger machen Sie die Strasse frei, damit die Polizei ihre Arbeit tun kann“ entblödete sich SPD-OB Schütz in Berlin nicht, seine Sonntags-Ansprache zu schließen, damit die „liebe[n] Berlinerinnen und Berliner“ nicht am Ku’damm spazieren gingen, wenn die Polizei wieder prügelnd unterwegs war. Und wenn es nach Helmut Schmidt gegangen wäre, hätte ganz 68 niemals stattfinden dürfen. Alles Baader-Meinhof und RAF? Die spätere CDU-Eisenfaust Wolfgang Schäuble forderte jahrelang ein Gesetz, dass die Bundeswehr „auch im Inneren der Bundesrepublik“ eingesetzt werden dürfte. Die Notstandsgesetze, im Mai 1968. Hatte nicht Berlin (das westliche, freie, von den Amerikanern gehaltene Berlin) mit den alliierten Vorbehaltsrechten schon etwas Derartiges? Aber die Berliner Polizei im Westen verprügelte uns Bildungsbürger-Söhnchen und Töchter trotzdem, junge Frauen und junge Männer gleicherweise, solche Jünglinge wie Knut Nevermann, Sohn des Hamburger Bürgermeisters, darunter. Wie harmlos wir waren, gutgläubig demokratisch und auf den Rechtsstaat vertrauend, zeigte auch eine späte Bemerkung der vormaligen Germanistik-Studentin Katharina Rutschky (sie schrieb in der alternative unter ihrem Geburtsnamen Kathrin Vier), dass „68“ dennoch auch ein enormer Spaß gewesen war. Oder Safranskis Bemerkung neulich, dass die 68er wenigstens frech waren und wenigstens eine Vorstellung von Gerechtigkeit hatten, und Moral und Zynismus unterscheiden konnten. Für uns wurde „die Freiheit Berlins“ jedenfalls n i c h t „auch in Vietnam“ verteidigt. … [Der Satz „Die Sicherheit Deutschlands wird auch am Hindukusch verteidigt“ stammt von dem ehemaligen Bundesverteidigungsminister Peter Struck, der ihn im Dezember 2002 äußerte. Er begründete damit den militärischen Einsatz der Bundeswehr in Afghanistan nach den Terroranschlägen vom 11. September 2001.] … “ | Aus: „Politisch ist auch das Private! – Subjektiver Rückblick auf ’68. Ein Brief in sechs Teilen“ Von Hartmut Rosshoff (Zürich, 6. April 2018) | Quelle: https://literaturkritik.de/public/artikel.php?art_id=1128&ausgabe=51

Einschub #1 – Ende –

EchteDemokratieWäreSoSchön 12:59 Uhr: “ … [Die Philosophin Eva von Redecker hat diese Spur unlängst wieder aufgenommen. In ihrem Buch „Dieser Drang nach Härte“ wendet sie sich der Frage zu, warum Menschen in die Fänge der Rechten geraten und sich besser fühlen, wenn es anderen schlechter geht] … Das ist vermutlich alles richtig, dass es bestimmte Charakteristika gibt, die Menschen für rechtsextreme Positionen empfänglicher machen. Aber trotzdem ist das einen Schritt zu kurz gedacht. Denn warum hatten wir nicht schon vor 20 Jahren 30% für rechtsradikale Parteien? Weil diese Charakter-Eigenschaften erst dann verstärkt zum Vorschein kommen, wenn sich diese Personen ungerecht oder sonst wie schlecht behandelt fühlen. Und dass man 50-70% zunehmend schlecht behandelt, ist in unserer Demokratie und Wirtschaft eben in den letzten Jahrzehnten zunehmend der Fall. … Solange unsere Gesellschaft nicht wieder viel gerechter wird als sie im Augenblick ist, wird das Problem immer schlimmer und radikale Parteien […] werden immer mehr Zulauf bekommen. …“

“ … Viele Männer meinen, dass die Frauen ihnen (noch) gehören, und schlagen um sich. Viele meinen, dass das Land ihres sei, und bekämpfen alle, die von außen kommen. Ein Ausnahmezustand wird ausgerufen, um im Eigentumsrausch alles zerschlagen zu können, gerade auch das, was einem vermeintlich gehört, denn im Vernichtenkönnen beweist sich der Besitzanspruch. … “ | Aus: „Jenseits der frenetischen Verteidigung von Phantombesitz“ Ulrike Winkelmann (29.3.2026) | Quelle: https://taz.de/Ueber-Faschismus-reden/!6166167/
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“ … [[es geht um] eine »liquidierende Phantombesitzverteidigung«, die aus gekränkten Ansprüchen Feindbilder und Auslöschungsfantasien formt.] … Merle Groneweg: Warum bedarf es [ ] Projektionsfiguren? – Eva von Redecker: Um sowohl den eigenen Status als Eigentümer beschwören zu können als auch einen Ausnahmezustand, in dem einem ein Selbstverteidigungsrecht zustünde. Jean-Paul Sartre hat über die Funktion des Antisemitismus treffend formuliert: Weil »die Juden« den Franzosen angeblich Frankreich weggenommen hätten, könnten letztere sich erstmals wirklich als Besitzer eines Landes fühlen, einer imaginierten Nation. Die Ironie dabei ist freilich, dass ihnen das Land längst entzogen wurde: durch kapitalistische Landnahme und Pauperisierung [(Pauperisierung bezeichnet den Prozess der massenhaften Verarmung breiter Bevölkerungsschichten, besonders in der Vor- und Frühindustrialisierung des 19. Jahrhunderts.)]. Doch die materielle Frage nach Grund und Boden – und damit nach den tatsächlichen Besitz- und Machtverhältnissen – kommt gar nicht erst in den Blick. »Den Franzosen« stünde »Frankreich« zu, nur gerade können sie ihren vermeintlichen Landesbesitz gar nicht genießen. Daran sind »die Anderen« schuld – erst wenn sie nicht da wären, könnte man den vermeintlichen Besitz richtig genießen. … Rechte Politik baut auf Projektionen auf und braucht sie, da sie keine andere Transformation – beispielsweise materielle Umverteilung – anbietet, um ein besseres Leben zu versprechen. Man braucht Feindbilder, um zu erklären, warum der versprochene Gewinn ausbleibt – und um sich zu versichern, dass der eigene Besitzanspruch nicht vielleicht inhärent hohl ist. In diesem verhärteten Raum, den man verbissen verteidigt – sei es die Nation oder die Familie –, stabilisiert man das Phantom, indem man eine angreifende Instanz erfindet. …“ | Aus: „»Unser Gegner verabschiedet sich von der Realität«“ (17. März 2026) | Quelle: https://www.akweb.de/gesellschaft/unser-gegner-verabschiedet-sich-von-der-realitaet-faschismus-harte-phantombesitz-faschisierung/
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Zur Archäologie der Seele (Anmerkung II): “ … Die Logik von Ware und Geld begräbt alles unter sich und dringt bis in die Hohlräume dessen vor, was man früher einmal „Seele“ genannt hat. Die Welt schickt sich an, eine vollständig nach kapitalistischen Prinzipien von Ware, Tausch und Geld integrierte Welt zu werden. Die Menschen werden Tauschmaschinen und funktionieren nach der Warenlogik. Die Entfremdung wird total, weil und insofern die meisten Menschen ihre Entfremdung als Zustand des Mit-sich-identisch-Seins empfinden. Das nannte der französische Philosoph und Soziologe Henri Lefebvre „Entfremdung zweiten Grades“. Den Menschen kommt noch das Bewusstsein ihrer Entfremdung abhanden und sie erleben die Funktionsimperative des spätkapitalistischen Systems als ihre intimsten Leidenschaften. …“ | Aus: „124 | Reprivatisierung gesellschaftlichen Risiken“ Götz Eisenberg (15. Juli 2025) | Quelle: https://durchhalteprosa.de/2025/07/15/124-reprivatisierung-gesellschaftlichen-risiken/

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Beispiel: “ … Was man früher Sex-Appeal nannte, heißt unter Forschern heute erotisches Kapital. …“ | Aus: „Was die Macht des erotischen Kapitals bewirken kann“ Roland Mischke (10/2011) | Quelle: http://www.welt.de/vermischtes/partnerschaft/article13676658/Was-die-Macht-des-erotischen-Kapitals-bewirken-kann.html
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“ … Indem wir uns in einer Sprache bewegen, bewegen wir uns immer auch in einem Netz von Wahrnehmungs-, Bewertungs- und Gefühlsmustern. […] Man könnte statt von Mustern auch von Formen sprechen. Dann wird deutlicher, dass die Sprache unser Denken, Fühlen und Handeln formt. Wir glauben zu denken und werden gedacht. … [Wenn beispielsweise] ökonomische Prozesse sprachlich so dargestellt werden, als würden autonome Subjekte ein von den Bürgern völlig unabhängiges Eigenleben führen. Die folgenden Beispiele sind typisch für den Jargon der Börsenberichterstattung: Die Kurse haben sich erholt. Eine vorbörslich noch feste Tendenz konnte sich im späteren Börsenverlauf nicht durchsetzen. Die Börsenstimmung litt unter dem Anstieg des Dollars. Der Leitindex zehrte seinen Vortagesgewinn wieder auf. Der Ölpreis gab nach. … Menschen neigen dazu, die Manipulationswirkung von Werbung zu unterschätzen. …“ | Aus: „Prof. Dr. Helmut Ebert: Menschenbilder in der Wirtschaftssprache – Kampf um Köpfe: Verführer und Verführte: Menschenbilder in der Wirtschaftssprache und im öffentlichen Sprechen über die Wirtschaft“ Von Prof. Dr. Helmut Ebert (27. Oktober 2005)

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Nachtrag / Kontext #1:

[„Epistemische Gewalt. Die Idee zu diesem Heft entsprang einer lebhaften und in Teilen auch kontroversen Debatte während unserer Jahrestagung 2024. Daran anknüpfend, möchte das Heft Raum geben zum nachdenklichen Suchen, jenseits allzu sicher geglaubter Positionierungen, nach Ansätzen zur Hinterfragung der eigenen Wissensproduktion und dessen, was zu welchen Bedingungen als Wissen verstanden und anerkannt wird. Es geht um die Wahrnehmung des eigenen „kritischen Denkens“ als weiterhin verstrickt in Hegemonie, um die Reflexion „kritischer Debatten“ entlang der Frage, wer hier spricht und wer nicht, und es geht darum mutig genug zu sein, nicht nur beim Fragen stehen zu bleiben.Den eigenen Verstrickungen in Herrschaft auf den Grund zu gehen, begleitet das Projekt der Zeitschrift „Widersprüche“ schon sehr lange; dies nicht nur im Sinne einer Auseinandersetzung mit dem institutionalisierten Grundkonflikt Sozialer Arbeit von Hilfe und Herrschaft, sondern ganz gezielt mit Blick auf die Widersprüche in den Widersprüchen, also die eigene Verstrickung, der man letztendlich auch nicht entgeht, solange man unter Bedingungen gesellschaftlicher Herrschaft lebt, arbeitet und Wissen produziert.„]: … “ … Mein Einhakpunkt in die Auseinandersetzung mit epistemischer Gewalt ist die Wahrnehmung, Beobachtung und das – oft auch schmerzhafte – Erleben spezifischer Dynamiken in Binnenräumen der Kritik, in denen ich mich auch selbst bewege bzw. bewegt habe. […] „… Aus der feministischen Revolution habe ich gelernt, dass ein wirklicher Bruch mit dem dominierenden Symbolischen – also mit den schon bestehenden Bedeutungen, durch die wir die Welt als bereits interpretierte präsentiert bekommen – dadurch bewirkt wird, dass Menschen sich treffen und mit denen diskutieren, die auch Unbehagen und Fremdheit verspüren und daraus ein gemeinsames Denken entwickeln wollen, und dass dies unter persönlichem Einsatz geschieht.“ (Zamboni 2013: 9f.) …“ | Aus: „Susanne Maurer: Kritik als Stachel und ‘Messer im eigenen Fleisch’ – Nachdenken über Hegemoniales in Projekten der Gesellschafts- und Erkenntniskritik“ (Heft 178, 2025) | Quelle: https://www.widersprueche-zeitschrift.de/de/heft/epistemische-gewalt | https://www.widersprueche-zeitschrift.de/de/file/360/download?token=w399Js6k | https://www.dampfboot-verlag.de/de/buecher/epistemische-gewalt


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Nachtrag / Kontext #2:

“ … „Was mir heilig ist: Erst mal, ich würde diesen Begriff nicht benutzen, obwohl ich schon weiß, was damit gemeint ist. Also: heilig. Das ganze Leben hat sich ja theoretisch gedreht um die Erforschung von Gewalt, von Gewaltausübung, politische, persönliche Gewalt, faschistische Gewalt, dann untereinander. Und daraus hat sich so ein Satz gebildet, so wie es im Grundgesetz heißt oder bei den Menschenrechten: Die Würde des Menschen ist unantastbar, dass ich das übersetzen würde in, abstrakt, die Haut. Die Haut ist unantastbar, die Haut des anderen, der anderen ist zu respektieren. Der Nicht-Eingriff in den anderen Körper. …“ | Aus: „Was mir heilig ist: „Die Haut des anderen ist unantastbar““ Klaus Theweleit (22.12.2017) | https://www.deutschlandfunkkultur.de/was-mir-heilig-ist-die-haut-des-anderen-ist-unantastbar-100.html


“ … [Ob in Oslo, Paris oder Christchurch, auf dem Berliner Weihnachtsmarkt oder in Halle: Die Täter bei terroristischen Anschlägen sind fast immer männlichen Geschlechts. Früh untersucht hat dies der Freiburger Kulturwissenschaftler Klaus Theweleit [“Männerphantasien”]. … Gestützt auf historische Selbstzeugnisse von Soldaten aus dem Ersten Weltkrieg analysiert Theweleit den zerstörerischen Charakter männlicher Gewalt und deren Ursachen. … [Thomas Gesterkamp]: Ein wichtiger Impuls für Ihre Arbeit war die einst nicht sehr weit reichende Aufarbeitung des Nationalsozialismus. Die Rolle der Wehrmacht, der ganz normalen Soldaten”, wurde kaum diskutiert. Sind die Psychogramme der deutschen Freikorps übertragbar auf das Militär allgemein? Hatten zum Beispiel auch die Angehörigen der amerikanischen Streitkräfte oder der Roten Armee Männerphantasien?“ – Theweleit: Etliche von ihnen, ja, sicher. Im Falle der US-Marines hat der Regisseur Stanley Kubrick das gezeigt mit dem Film Full Metal Jacket. Dessen erster Teil ist wie eine Verfilmung von Männerphantasien. …“ | Aus: „“Das Töten aus Lust hat nicht nachgelassen“ Klaus Theweleit im Gespräch mit Thomas Gesterkamp“ (2020) | Quelle: https://www.gwi-boell.de/de/2020/01/17/das-toeten-aus-lust-hat-nicht-nachgelassen-klaus-theweleit-im-gespraech | Klaus Theweleit (* 1942 in Ebenrode, Ostpreußen) ist ein deutscher Literaturwissenschaftler, Kulturtheoretiker und Schriftsteller. –> https://de.wikipedia.org/wiki/Klaus_Theweleit

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