[Wirklichkeitsbezug #33 … ]


// Bild via https://medieninitiative.wordpress.com/2013/01/08/adorno-on-tv/
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// Kontext:
// Kulturindustrie – Aufklärung als Massenbetrug ist ein Kapitel aus der Dialektik der Aufklärung,
// einer Sammlung von Essays von Max Horkheimer und Theodor W. Adorno aus dem Jahr 1944.
// Mit Kulturindustrie meinen die Autoren die gesellschaftliche Implikation von kulturellen
// Ereignissen und Erzeugnissen. … | –> https://de.wikipedia.org/wiki/Kulturindustrie_%E2%80%93_Aufkl%C3%A4rung_als_Massenbetrug

Dialektik der Aufklärung (im Untertitel Philosophische Fragmente) ist eine Sammlung von Essays von Max Horkheimer und Theodor W. Adorno aus dem Jahr 1944 und gilt als das grundlegendste und eines der meistrezipierten Werke der Kritischen Theorie der Frankfurter Schule. …
https://de.wikipedia.org/wiki/Dialektik_der_Aufkl%C3%A4rung

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“ … Theodor W. Adorno beklagte noch offen resigniert das Unterhaltungsbedürfnis der Massen, 80 Jahre und eine digitale Revolution später fordert ein Massenpublikum mit Bewertungsstürmen auf Amazon die professionelle Kritik heraus. Geschmacksfragen können Machtfragen sein, folgerichtig verhandelt Johannes Franzen auch die wiederkehrende Diskussion über den Kunstkanon und das heikle Verhältnis von Kunst und Moral, Kunst und Politik. … Fragen ästhetischer Vorlieben bergen eine […] existenzielle Selbsterzählung in sich. Genau deshalb ist der Streit darüber alles andere als unschuldig, sagt Franzen: „Weil jeder Angriff auf unseren Geschmack, auf das, was wir lieben, eigentlich ein Angriff auf unsere Identität ist.“ … Den Konflikt betrachtet [Das Buch „Wut und Wertung“ (2024)] als Motor der Kulturgeschichte, und es führt … die Lust am Streit [vor]. Geschmacksdebatten, sagt Johannes Franzen, seien nun einmal „Messerstechereien“, ein „ästhetischer Nahkampf, der im Alltag passiert“. Oft unsauber und hart, aber gerade deshalb auch sehr vital. … “ | Aus: „“Wut und Wertung“: Warum streiten wir so hart über Geschmack?“ Beate Meierfrankenfeld (14.10.2024) | Quelle: https://www.br.de/nachrichten/kultur/wut-und-wertung-warum-streiten-wir-so-hart-ueber-geschmack,UQanlIE // https://www.perlentaucher.de/buch/johannes-franzen/wut-und-wertung.html


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“ … [es] scheint die Unterscheidung zwischen Ästhetischem und Nichtästhetischem heute problematisch geworden zu sein: der kunsttheoretischen von der „Entgrenzung der Kunst und der Künste“ einerseits und der kulturkritischen von der „Ästhetisierung der Lebenswelt“ andererseits. …Welche Rolle spielen technologische und ökonomische Faktoren für die diagnostizierten Entwicklungen? …“ | Aus: „Dimensionen des Ästhetischen“ (-) | Quelle: https://fzhg.org/forschung/dimensionen-des-aesthetischen


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“ … Lange Zeit war das auch eine praktikable Strategie der Kritik, zu sagen: Da, wo das Blöde wächst, wächst auch das Subversive. Der Schlüsselbegriff dazu ist seit einem halben Jahrhundert die Ironie. Man kann die Bild-Zeitung wie ein dadaistisches Gesamtkunstwerk lesen oder, wie Enzensberger meinte, das Fernsehen als buddhistisches Nullmedium begreifen. Wenn man sich aber die Leute vor dem Fernsehen ansieht, muss man feststellen: Das stimmt leider nicht. Die Verblödung des Intellektuellen ist die Ironie. …“ | Aus: „“Blödheit ist ein sozialer Drogencocktail““ Thomas Edlinger, Fritz Ostermayer (1.6.2011) | Quelle: https://www.falter.at/zeitung/20110601/bloedheit-ist-ein-sozialer-drogencocktail
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“ … Den eigenen Informationskonsum selbstbestimmt zu organisieren. Die Perspektive, in einem sozialen Netzwerk keine Inhalte empfohlen zu bekommen – so habe ich es schon mehrmals in persönlichen Gesprächen erlebt – löst bei vielen Social-Media-Afficionados (Enthusiasten oder Kenner), auch solchen, die unter den Schattenseiten etablierter Plattformen leiden, ungläubiges Staunen oder gar Entsetzen aus. Nach Jahren individuell passgenau dargereichter Spotify-Playlists, Youtube-Videos und Facebook-Posts scheint es undenkbar, Zeit und Aufwand zu investieren, den eigenen digitalen Konsum komplett auf sich allein gestellt zu kuratieren. Wer jedoch dazu nicht bereit ist, kommt nicht umhin, Trolle, KI-Slop, Fake News und Propaganda in Kauf zu nehmen. Denn eine proprietäre Social-Media-Plattform, die nicht irgendwann „enshittified“ wird [„Die Zeit“ übersetzte das Wort „Enshittification“ als „Verschlimmscheißerung“ | https://de.wikipedia.org/wiki/Enshittification], sei es durch Nachlässigkeit oder Absicht der Betreiber, hat es noch nie gegeben. Die Zeichen für eine breite Durchsetzung dieser Vision von dezentraler sozialer Vernetzung stehen denkbar schlecht – heute mehr als noch vor einigen Jahren. …“ | Aus: „Selbstbestimmt und dezentral: Zur alternativen Geschichte und Gegenwart von Social Media“ Gleb Albert (15. März 2026) | Quelle: https://geschichtedergegenwart.ch/selbstbestimmt-und-dezentral-zur-alternativen-geschichte-und-gegenwart-von-social-media/


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“ … In ihrem Gespräch hatte McConaughey […] die Kritik aufgegriffen, dass die Aufmerksamkeitsspanne der Zuschauerinnen inzwischen so zerschossen sei, dass die langsamen ersten Akte früherer Filme oft gestrichen würden. Man müsse die Menschen schnell unterhalten oder man verliere sie direkt an ihre Telefone. Es handelt sich um eine Kritik, die gerade den ästhetischen Diskurs bestimmt. … Vor kurzem hat Matt Damon diese Beobachtung noch einmal bestätigt: Im Zeitalter des Streamings folgt das Erzählen einer Ästhetik der Zerstreuung [https://www.theguardian.com/film/2026/jan/19/matt-damon-netflix-plot-explained-phones]. …Der ästhetische Populismus ersetzt die Expertenmeinung … durch den Demokratismus der massenhaften Hingerissenheit [https://de.wikipedia.org/wiki/Obsession]. … Im Januar 2026 [ ] erschien im Atlantic ein alarmistischer Artikel mit dem Titel: „The Film Students Who Can No Longer Sit Through Films“. Beklagt wurde, dass selbst Filmstudierende nicht mehr in der Lage seien, ohne Unterbrechung konzentriert einen Film zu schauen. Der Artikel folgt auf einen vielbeachteten Text von 2024 (ebenfalls im Atlantic), in dem es um „The Elite College Student who can’t read Books“ ging. In der Niedergangsgeschichte der Kultur ist der Film also nur noch ein Jahr von der schon lange darbenden Literatur entfernt. … “ | Aus: „Timothée Chalamet vs. Oper und Ballett“ Johannes Franzen (Mar 09, 2026) | Quelle: https://kulturundkontroverse859.substack.com/p/timothee-chalamet-vs-oper-und-ballett

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“ [Alyssa Loh:] … Aufmerksamkeit ist viel mehr als eine Zeitspanne. Es ist eine Art, in der Welt präsent zu sein, mit dem Geist und den Sinnen. Sie beeinflusst, wie wir unser Leben erfahren, wie es sich anfühlt, mit unseren Kindern, Eltern, Freunden zu sein. Für vieles Gute im Leben ist die Aufmerksamkeit zentral. Auch für die Demokratie. … Für einen produktiven politischen Diskurs müssen Menschen sich einander zuwenden, zuhören – sich also Aufmerksamkeit schenken, gerade wenn sie unterschiedlicher Meinung sind. Das klappt am besten, wenn sie sich im echten Leben begegnen. Die digitalen Räume, in denen heute viele politische Debatten ausgetragen werden, sind zunehmend monetarisiert und so gestaltet, dass sie produktive Gespräche verunmöglichen. … Techkonzerne verdienen viel Geld an unserer Wut und daran, uns zu spalten. Isoliert vor unseren Geräten geraten wir zudem leichter in ideologische Silos. Es ist schwer vorstellbar, dass die Polarisierung in den USA den heutigen Krisenpunkt ohne die zunehmende Kommerzialisierung der Aufmerksamkeit erreicht hätte. … Zwischen uns Menschen und der Techbranche gibt es eine immense Asymmetrie. Viele beginnen erst jetzt, über die Rolle der Aufmerksamkeit in unserem Leben nachzudenken. …“ | Aus: „„Immer mehr Menschen merken, dass etwas nicht stimmt““ Interview mit Alyssa Loh von Tobias Bachmann (16.3.2026) | Quelle: https://taz.de/Aufmerksamkeitspolitik/!6157040/


amigo (17.03.2026 09:24 Uhr): “ … Wir starren auf leuchtende Kacheln, während die Welt um uns herum verblasst. Die psychische Abhängigkeit vom Smartphone hat uns in eine digitale Isolation getrieben, die wir fälschlicherweise „Vernetzung“ nennen. Während wir im Sekundentakt Dopamin-Schübe durch belanglose Likes ernten, stirbt die echte, zwischenmenschliche Resonanz. Wir sind physisch anwesend, aber geistig in den Echokammern von Algorithmen gefangen, die darauf programmiert sind, unsere Aufmerksamkeit zu stehlen und unsere Wut zu bewirtschaften. Diese Dauerberieselung führt zu einer schleichenden Entsolidarisierung. [Wir verlieren] … den Blick für das Gegenüber, für die Nuancen des Gesprächs und die Not des Nachbarn. Wir verlernen das Zuhören und die Geduld. Das Handy ist zum Schild geworden, hinter dem wir uns vor echter Begegnung verstecken. Es ist Zeit, den Blick zu heben! Wahre Solidarität braucht Augenkontakt, kein Emoji. …“