Kategorie: Fraktal.Text

Textfraktale

[Das Reale, das Symbolische und das Imaginäre #60… ]

W.R. – Misterije organizma – – – Makavejevs 1971 gedrehter Film WR – Mysterien des Organismus über die Theorien von Wilhelm Reich wurde in Jugoslawien zunächst verboten, in den 1980er Jahren aber wieder zugelassen. | https://de.wikipedia.org/wiki/Du%C5%A1an_Makavejev

amazon Kunden, die W.R. – Misterije organizma angesehen haben: HAN XIAO 5,0 von 5 Sternen – Rezension aus den Vereinigten Staaten vom (13. Dezember 2012): “ …I REALLY CAN’T SEE THE POINT OF THIS FILM, MAYBE BECAUSE I’M NOT YUGOSLAVIAN, WELL, IT’S STILL VISUALLY STUNNING, AND I SUGGEST IF YOU WANT A PORN MOVIE, AND YOU DON’T HAVE PLAYBOY OR BELAMI AROUND YOU, TRY THIS. EVEN CHANDLER WON’T CALL IT „THE WORST PORN EVER“, TRUST ME. …“

“ … Zweifellos ein spannendes Zeitdokument: Die Filme des Serben Dušan Makevejev („Coca-Cola Kid“) waren im eigenen Land (damals Jugoslawien) fast alle verboten. Hier strukturierte er den Film wie eine surrealistische Collage, zeigt scheinbar dokumentarische Fragmente, vermischt diese mit viel sagenden Spielszenen und offenbart so (ähnlich wie Buñuel das spießige Bürgertum) die Pervertierung der sozialistischen Utopie durch Stalin und dessen Totalitarismus. Dabei verteufelt er die gesellschaftliche Unterdrückung durch sexuelle Disziplinierung. Heute erschließt sich dieser Kontext nur schwer, wirkt das Ganze eher wie ein bizarrer Sex-Streifen aus den Anfängen der Pornographie, dessen Botschaft sich recht plakativ darauf beschränkt, sich via Kopulation auch politisch frei zu kämpfen. Schön wär’s ja! …“ | https://www.prisma.de/filme/WR-Mysterien-des-Organismus,245217



Matthias Meindl (30. Mai 2021): [‚Matthias Meindl ist Slavist und habilitiert sich an der Universität Zürich mit einer Arbeit zur sexuellen Revolution in Jugoslawien um 1968. …‚] “ … Dušan Makavejevs Kultfilm „WR – Mysterien des Organismus“ ist ein Dokument der sexuellen Revolution. Am 5. Juni jährt sich zum fünfzigsten Mal die öffentliche Vorführung des Films in Novi Sad. Danach wurde er in Jugoslawien aus den Kinos verbannt. … Mit seinem Verfahren der assoziativen Montage (Dina Iordanova) arrangierte er dieses Material mit einer Fülle von visuellem und akustischem foundfootage (Archivaufnahmen von Reich bis Musik von The Fugs) sowie einer Spielfilmhandlung. In diesem Plot verliebt sich die Revolutionärin Milena – gespielt von der legendären Milena Dravić (1940-2018) – in einen sexuell verklemmten russischen Eiskunstläufer, der wie der russische Revolutionsführer Lenin heißt: Vladimir Il’ič. Der gastierende Künstler wird zum Mörder, er enthauptet die Reich-Anhängerin Milena, nachdem sie ihn verführte, mit einem Schlittschuh. … Auch der provokanteste Schnitt des Films ist eine politische Provokation: ein Match Cut ‚von Dildo auf Stalin‘. Er war in den Diskussionen um den Film immer präsent – und dies zu Recht, denn er ist entscheidend für sein Verständnis. Makavejev baute eine Gelegenheitsaufnahme ein, in der die Künstlerin Nancy Godfrey einen Gipsabdruck des erigierten Glieds von Jim Buckley abnahm, dem Chefredakteur der kontrakulturellen Zeitschrift Screw. … Die Verteidiger des Films – Intellektuelle und Filmschaffende – führten den internationalen Erfolg Makavejevs und sein befreiendes filmisches Denken ins Feld. Die Kritiker hingegen, die durch und aus dem Verband der Veteranen des Volksbefreiungskriegs (SUBNOR) rekrutiert wurden, empörten sich über Unsittlichkeit und Antikommunismus. Zwar hatte Tito schon 1948 mit dem sowjetischen Stalinismus gebrochen, dennoch erschien der Film vielen Zuschauern als zu aggressiv ‚gegen das sozialistische Brudervolk‘. Ihnen missfiel auch die von Makavejev lustig und lustvoll inszenierte Rekodierung des sozialistischen Sonderwegs Jugoslawiens als sexuellem Befreiungsprojekt. Als die salbungsvolle Hymne an die Kommunistische Partei durch die Aufnahme eines zärtlichen Geschlechtsverkehrs begleitet wurde, interpretierten die Gegner die Szene als Missbrauch patriotischer Emblematik. …“ | https://geschichtedergegenwart.ch/vom-ende-der-world-revolution-vor-50-jahren/

// „Schwarze Welle. Kinorebellion in der Tito-Ära“ Ab 1966 tauchten die Macher der Schwarzen Welle tief ins gesellschaftliche Leben ein und spülten bei ihren filmischen Erkundungen und Analysen der Conditio humana erhebliche Defizite in Titos Reich ins Licht der Kinoleinwände, worauf staatliche Behörden ab 1971 zunehmend empfindlich reagierten. // https://kultur-online.net/inhalt/schwarze-welle-kinorebellion-der-tito-%C3%A4ra (Filmarchiv Austria 2. Mai 2019 — 23. Juni 2019)

“ … Novi Film (serbokroatisch für: Neuer Film; später auch Crni talas = Schwarze Welle genannt) war eine Bewegung im jugoslawischen Spielfilm in den 1960er Jahren, die sich vom bis dahin üblichen, am italienischen Neorealismus orientierenden Stil, abgrenzt, ohne selbst als einheitlicher Stil aufzutreten. …“
https://de.wikipedia.org/wiki/Novi_Film

[Spannungsverhältnisse (Wahrnehmungsverunsicherung)#7… ]

„Le Secret“ (Frankreich 1974)

“ … Das Netz der tausend Augen ist ein französischer Thriller aus dem Jahr 1974. Der von Regisseur Robert Enrico inszenierte Film gilt als Meisterwerk des „Paranoia-Thrillers“, einem Subgenre des französischen Kriminalfilms, das vor allem in den 1970er Jahren verbreitet war. Allgegenwärtig in diesen Filmen ist das Misstrauen und die Angst gegenüber der Staatsmacht. … Ein Dialog zwischen Julia und Thomas bringt die Atmosphäre des Films auf den Punkt. Auf Julias Einwand „Und wenn er verrückt ist?“ antwortet Thomas: „Und wenn er’s nicht ist?“ …“ | https://de.wikipedia.org/wiki/Das_Netz_der_tausend_Augen (31. März 2021)

Bretzelburger (28. April 2011) Zu: „Le secret [Il segreto / Das Netz der tausend Augen (R: Robert Enrico, 1974)] : “ … Das Geheimnis, das der Filmtitel andeutet, bekommt [ ] eine doppelte Funktion. Zum Einen wird damit die Information bezeichnet, durch deren Verbreitung sich der Staat in Gefahr sieht, weshalb er Jeden aus dem Verkehr zieht, der als Mitwisser verdächtigt wird, zum Anderen verweigert sich der Film damit selbst jeder konkreten Einordnung, indem er konsequenterweise das Geheimnis nicht verrät. Die Intelligenz des Films liegt darin, dass es letztlich keine Rolle mehr spielt, ob man die hier formulierten, außerhalb der demokratischen Gesetzgebung stehenden Methoden, für real oder paranoid hält, denn allein die Interaktion der drei Protagonisten genügt schon, um die Selbstzerstörung deutlich werden zu lassen, die allein durch Desinformation entsteht. … Trintignant ist gleichzeitig Opfer und Täter. Der Film vermeidet eine politische Zuordnung seiner Person, die nie ideologische Meinungen vertritt und einmal sogar Verständnis für das Verhalten des Staates äußert. Dazu wirkt Davide jederzeit ernst und ist nie bemüht, etwas aufzuklären oder sich emotional zu verhalten. Seine Figur bleibt neutral, erzeugt bewusst keine Sympathien und ist indifferent in ihren Intentionen. Ob er tatsächlich wahnsinnig ist, wie die offiziellen Stellen behaupten, oder im Gegenteil von besonderem Bewusstsein, bleibt im Film lange Zeit offen. Diese Konstellation spiegelt eine klassische Informationssituation wider, deren Wahrheitsgehalt für den Außenstehenden nicht überprüfbar ist, und somit gegensätzliche Reaktionen auslösen muss … Dass „Le secret“ keine ideologischen Angriffe gegen eine personalisierte Institution äußerte, und sich an keinen realen Ereignissen dieser Zeit orientierte, von denen es genügend gegeben hätte, ist aus heutiger Sicht seine Stärke. …“ | http://bretzelburger.blogspot.com/2011/04/le-secret-il-segreto-das-netz-der.html |-.- | https://de.wikipedia.org/wiki/1974 | -.- | „… Bekannt ist auch das Zitat “Just because you’re paranoid doesn’t mean they’re not after you” …“ https://de.wikipedia.org/wiki/Paranoia | -.- | https://de.wikipedia.org/wiki/Kategorie:Psychopathologisches_Symptom

(08.06.2012): „… Als Brigitte Bardot erfuhr, dass Jean-Louis Trintignant ihr Partner in dem Spielfilm „Und ewig lockt das Weib“ sein werde, soll sie gesagt haben: „Der ist doch viel zu klein und hässlich.“ Einige Wochen später waren die beiden ein Paar. …“ | https://programm.ard.de/TV/arte/das-netz-der-tausend-augen/eid_287247924175213

[Der Blick in die Kamera #38… ]

Anicée Alvina (1953 – 2006)
in Das beständige Gleiten der Begierde

“ … Glissements progressifs du plaisir ist ein französischer Film des Schriftstellers und Regisseurs Alain Robbe-Grillet aus dem Jahr 1974. … In Italien löste der Film einen Skandal aus, der zu einem Prozess gegen den Verleiher führte. Robbe-Grillet schildert den Prozess und seinen Zeugenauftritt in seinem zweiten autobiographischen Text Angélique oder Die Verzauberung. Als Ergebnis wurden das italienische Negativ und die Kopien des Films öffentlich verbrannt. …“ | Aus: „Das beständige Gleiten der Begierde“ https://de.wikipedia.org/wiki/Das_best%C3%A4ndige_Gleiten_der_Begierde (3. Februar 2021)

[Das Reale, das Symbolische und das Imaginäre #59… ]

„It was a turbulent day in the US stock market, which experienced a massive selloff amid coronavirus fears and a sharp drop in oil prices. …“ From: „4:29 p.m. ET, March 9, 2020: Dow logs biggest point-drop in history as stocks tumble, From CNN Business‘ Anneken Tappe“ | „https://edition.cnn.com/business/live-news/stock-market-news-today-030920/index.html

“ … Kapitalismus als Religion ist ein vielfach rezipiertes Fragment des deutschen Philosophen Walter Benjamin aus dem Jahr 1921. Es blieb zu Lebzeiten unveröffentlicht. … Benjamin beginnt: „Im Kapitalismus ist eine Religion zu erblicken, d. h. der Kapitalismus dient essentiell der Befriedigung derselben Sorgen, Qualen, Unruhen, auf die ehemals die sogenannten Religionen Antwort gaben“. Er benennt dann vier Merkmale. Zum einen sei der Kapitalismus „eine reine Kultreligion, vielleicht die extremste, die es je gegeben hat“, er kenne „keine spezielle Dogmatik, keine Theologie“. Das zweite Merkmal ist die „permanente Dauer des Kultes“. … Drittens sei der Kapitalismus „verschuldend“, „vermutlich der erste Fall eines nicht entsühnenden (…) Kultes“. Diesem Merkmal widmet Benjamin längere Ausführungen. Diese gipfeln in der Beschreibung, „daß Religion nicht mehr Reform des Seins, sondern dessen Zertrümmerung ist. Die Ausweitung der Verzweiflung zum religiösen Weltzustand (…)“. Der Kult werde universal gemacht, um „endlich und vor allem den Gott selbst in diese Schuld einzubegreifen.“ Das vierte Merkmal sei, „daß ihr Gott verheimlicht werden muss“. …“ | https://de.wikipedia.org/wiki/Kapitalismus_als_Religion (9. Mai 2021)

Arno Frank (13.05.2015): “ … Unser komplettes Zeitalter der Moderne – von der Technik bis zur Wirtschaft – ruht auf Zahlen wie auf Säulen, von Börsenwerten bis zu Klimatabellen, von Wirtschaftsdaten bis zur Quantentheorie. Modernste Architektur ist ohne die Hilfe von Computermodellen, die ihre abenteuerliche Statik berechnen, nicht mehr denkbar. … Hanne Darboven erkannte mit 25, „dass alles bereits gemalt ist“, und gab die Beschäftigung mit Farben und Formen auf. Stattdessen malte sie bis zu ihrem Tod akribisch winzige Ziffern in tabellarischer oder kalendarischer Form auf Millimeterpapier. Und On Kawara malte unter anderem an jedem Tag seines Lebens ein Bild mit nichts als dem jeweiligen Datum darauf. Dies bezeichnete er als nützliche Übung, „um sein Ich zu verlieren“. …“ | Aus: „Malen nach Zahlen – Ob alte Meister oder moderne Sammlung, klassische Musik oder früher Elektropop: Wie Zahlen in der Kunst schon immer mit Sinn oder auch Nonsense aufgeladen wurden“ | https://www.fluter.de/malen-nach-zahlen


“ … gesellschaftliche Krisen [bewirken] eine Verunsicherung der Vernunft und daraus folgend einen verstärkten Rückgriff des Menschen auf Religion und Mythos. Fehlende Welterklärung führt zum (Wieder-)Aufleben von Legenden und Riten, Vorurteile jedweder Art gewinnen an Überzeugungskraft. Es entstehen Affekte und Aggression gegen die vermeintlichen Ursachen, die von mystischen Welterklärern herangezogen werden. …“ | https://de.wikipedia.org/wiki/Ernst_Cassirer (2. Dezember 2020)

“ … Der Mensch lebt in einem symbolischen Universum, das er selbst geschaffen hat …Wir schauen der Welt nicht unmittelbar ins Gesicht, sondern zwischen die Wirklichkeit und uns schalten wir Symbole. Wir bewegen uns in vielfältigen Netzen von Symbolen. …“ (Timm Beichelt: Einführung in die Kulturwissenschaft – Vorlesung, Wintersemester 2011/12Sitzung: 14.12.2011 – Symbol und symbolische Formen (Ernst Cassirer))


Michael Blume (03.12.2020): “ … Ein gutes Beispiel dafür ist der Philosoph Martin Heidegger, der ursprünglich katholische Theologie studiert hat, seinen Glauben verlor und ein glühender Antisemit wurde – und das, obwohl er ein weltbekannter Philosophieprofessor war und sogar jüdische Lehrer hatte [„… Der überwiegende Teil der Heidegger-Forschung sieht die genannten Textstellen [https://de.wikipedia.org/wiki/Schwarze_Hefte] als antisemitisch an, spricht zum Teil vom „seinsgeschichtlichen Antisemitismus“ oder vom „metaphysischen Antisemitismus …“ | https://de.wikipedia.org/wiki/Martin_Heidegger_und_der_Nationalsozialismus#Die_%E2%80%9ESchwarzen_Hefte%E2%80%9C]. Daran sieht man, dass formale Bildung allein nicht vor einem Verschwörungsglauben schützt. Viel entscheidender sind die Kindheitserfahrungen, also ob man mit einem Wertgefühl des Vertrauens aufgewachsen ist, sichere Beziehungen hatte, geliebt wurde, Hilfe und Unterstützung auch bei Problemen und Fehlern erfahren hat. Oder aber, ob man in einem autoritären Umfeld voller Angst, Misstrauen und vielleicht sogar Gewalt groß wurde. Diese autoritären, häufig patriarchalischen Prägungen können sich dann im Erwachsenenalter auswirken, selbst wenn man einen Doktortitel trägt oder Ingenieur ist. Deshalb gibt es etwa bei vielen älteren Herren, die in den Ruhestand gehen, das Phänomen, dass diese Prägungen wieder hervorkommen … Autoritäre Persönlichkeiten reagieren nicht auf Kuschelpädagogik, vielmehr lechzen sie nach klaren Grenzen. …“ | Quelle: https://www.katholisch.de/artikel/27368-verschwoerungsmythen-und-religion-was-sie-verbindet-und-was-sie-trennt

Dietrich Schotte (30. April 2021): “ … Ganz grundsätzlich formuliert: Was genau unter „Immanenz“ und „Transzendenz“ und vor allem unter ihrer „Vermittlung“ zu verstehen ist und was dies dann wiederum für unser Verständnis der jeweiligen Rituale bedeutet, ist – wenn auch in Grenzen – notwendig deutungsoffen. Zu behaupten, eine der binnenreligiösen Perspektiven sei eindeutig und unzweifelhaft korrekt und alle anderen seien Irrtum, Scharlatanerie oder Häresie, hat sich zwar historisch als äußerst beliebte Strategie erwiesen. Es ist aber, vorsichtig formuliert, nicht unproblematisch. …“ | Aus: „InDepth – shortread: Ritualisierte Lebensbewältigung. Analyse von Religionen als „Lebensformen“*“ | https://philosophie-indebate.de/3798/indepth-shortread-ritualisierte-lebensbewaeltigung-analyse-von-religionen-als-lebensformen/

[Zu den Spielregeln der Zensur #5… ]

Baudelaire (nachkoloriertes Foto aufgenommen um 1863) | https://de.wikipedia.org/wiki/Charles_Baudelaire

Nikolaus Halmer (30.08.2017): “ … In dem 1857 erschienenen Werk konfrontiert Baudelaire den Leser mit Obsessionen, die den zeitgenössischen Moralstandards nicht entsprachen. Wegen der Verhöhnung der öffentlichen Moral und Verletzung des Schamgefühls gab es einen Gerichtsprozess, der mit einer Geldstrafe endete. Die Gedichtsammlung geht von einer existenziellen Grundposition aus, die Baudelaire so beschreibt: „Jeder Mensch wird zu jeder Stunde gleichzeitig von zwei Forderungen bewegt. Die eine führt ihn hin zu Gott. Die Anrufung Gottes oder das Streben des Geistes ist die Sehnsucht des Emporsteigens, die Anrufung Satans oder die tierische Lust ist die Wonne des Hinabsteigens“. Diese Spannung zwischen dem Spirituellen, Idealen und dem Sinnlichen, Materiellen, das Baudelaire mit dem Satanischen gleichsetzte, bestimmte sowohl seine psychische Disposition als auch sein literarisches Werk. Immer wieder bezieht sich Baudelaire in den „Blumen des Bösen“ auf diese Ambivalenz, wobei er beklagt, dass er immer wieder den Verlockungen Satans folge, die Niederungen der menschlichen Existenz aufsuche und sich dem Rausch des Sinnlichen überlasse. Sein Ziel, sich wie Ikarus den Sphären des Absoluten anzunähern, rückt dadurch in weite Ferne; das Gefühl des Versagens stellte sich ein, die zu einer tiefgreifenden Melancholie führte, die er als „Spleen“ (Wort mit engl. Wurzeln) bezeichnete. … “ | https://science.orf.at/v2/stories/2863240/

Jürgen Ritte (20.08.2017): “ … bei Baudelaire, in den Blumen des Bösen, begegnet man erstmals keiner allgemeinen Weltabkehr, sondern, im Gegenteil, einer genauen Autopsie des Malaise, des Übels, des Leidens – lauter Synonyme für das „Böse“, für das „Mal“ [Les Fleurs du Mal] im Titel der Gedichtsammlung – und einer Hinwendung zu dem, was diese Welt noch an Blüten, an Schönheit hervortreiben könnte. Und dieses Krankheitsbild hat seit Baudelaire einen Namen: La Modernité, die Moderne. Auf ihn geht der Begriff zurück. In seinem Essai aus dem Jahre 1863, Le Peintre de la vie moderne (= Der Maler des modernen Lebens) schreibt Baudelaire: „Es ist sehr viel bequemer zu erklären, dass alles am Gewand einer Epoche hässlich sei, als sich darum zu bemühen, die geheimnisvolle Schönheit, die in ihr enthalten sein kann, zum Vorschein zu bringen, so geringfügig oder leichtfertig sie auch sein mag. Die Modernität, das ist das Vorübergehende, das Flüchtige, das Zufällige, die Hälfte der Kunst, deren andere Hälfte das Ewige und Unwandelbare ist. […] Dieses transitorische, flüchtige Element darf man nicht übergehen oder verachten. Wenn Sie es unterdrücken, fallen Sie zwangsläufig in die Leere einer abstrakten, unbestimmten Schönheit zurück.“ … am 20. August 1857, also kaum drei Monate nach Erscheinen [der Blumen des Bösen], [erhob] der Staatsanwalt Ernest Pinard Anklage wegen Beleidigung der Religion und der öffentlichen Moral. Baudelaire wiederfuhr damit die Ehre, denselben Ankläger vor sich zu haben, wie zu Anfang desselben Jahres, im Januar 1857, der Romancier Gustave Flaubert, dem wegen seines Romans Madame Bovary und der darin angeblich enthaltenen Apologie des Ehebruchs der Prozess gemacht worden war. Flaubert kam mit einem Freispruch davon. Er konnte zeigen, dass die Tatsache, von einer Sache zu schreiben, noch lange nicht heißt, dass man diese auch verteidigt. Gegen Baudelaire wurde die Anklage wegen Beleidigung der Religion fallen gelassen, aber der Aufrechterhaltung der öffentlichen Moral mussten sechs Gedichte geopfert werden. Ein Urteil übrigens, dass erst 1949 offiziell kassiert worden ist. …“ | https://www.deutschlandfunk.de/buch-der-woche-gedichte-von-baudelaire-blumen-des-boesen.700.de.html?dram:article_id=393907

[Zeit im Bild #49 … ]

“ … Eine demokratische Öffentlichkeit herzustellen, war im Nachkriegsdeutschland ein gewagtes Unterfangen. Gerade erst der Hitlerdiktatur entwachsen, hatte die Bundesrepublik mit vielfachen Belastungen zu kämpfen: mit der Beharrungskraft obrigkeitsstaatlicher Mentalitäten und nationalsozialistischer Eliten, mit dem provisorischen Charakter des eigenen Staates und dem Krisengefühl der Zeitgenossen. Unter diesen Bedingungen brauchten Massenmedien und Medienpolitik Jahrzehnte, um sich der Demokratie anzupassen. Die Besatzer scheiterten mit dem Versuch, kritische Öffentlichkeit von oben zu verordnen. Erst mit Verzögerung, seit Ende der 50er Jahre, gelang die Überwindung autoritärer Traditionen. Neben der allmählich einsinkenden Erfahrung politischer und wirtschaftlicher Stabilität trieb dabei vor allem der Generationswechsel im Journalismus den Wandel voran. …“ | Zu: Christina von Hodenberg: Konsens und Krise – Eine Geschichte der westdeutschen Medienöffentlichkeit 1945-1973 | Wallstein Verlag, Göttingen 2006
ISBN 9783835300293 | https://www.perlentaucher.de/buch/christina-von-hodenberg/konsens-und-krise.html

Frank Werner (5. Mai 2021): “ … Gegen die Politik der Wiedergutmachung ritt die ZEIT zu Beginn der Fünfziger wütende Attacken; jüdische Emigranten, die sich um Rückerstattung ihres Vermögens bemühten, wurden verdächtigt, sich am „Volkseigentum“ bereichern zu wollen. Einen jüdischen Rückkehrer traf der Zorn des Chefredakteurs in besonderer Weise: Robert Kempner. Der Hauptankläger im Nürnberger Wilhelmstraßen-Prozess zog Ernst von Weizsäcker zur Rechenschaft, den ehemaligen Staatssekretär im Auswärtigen Amt, der bei der ZEIT vehemente Fürsprecher fand. Weizsäcker galt den Rechtsnationalen als Symbolfigur der zu Unrecht beschuldigten deutschen Machteliten. … Vehement kritisierte die ZEIT die alliierten Kriegsverbrecherprozesse. Auch Marion Gräfin Dönhoff plädierte für eine Amnestie. … Im ersten Nachkriegsjahrzehnt profilierte die ZEIT sich nahezu einstimmig als Bollwerk gegen die Besatzungsmächte, stand weit rechts von der Adenauer-CDU und noch nicht auf dem Boden liberal-demokratischer Grundsätze. … Vergangenheitspolitisch durchlebte also auch die ZEIT „lange Fünfzigerjahre“ [Als „lange fünfziger Jahre“ (Abelshauser 1987) bezeichnet der Wirtschaftshistoriker Werner Abelshauser die Periode der späten Nachkriegszeit bis Mitte der 1960er Jahre in der BRD …]. Bei der Liberalisierung der politischen Kultur in Deutschland war sie, wie die Historikerin Christina von Hodenberg schreibt, nicht Schrittmacher, sondern Nachhut. … “ | https://www.zeit.de/2021/19/marion-graefin-doenhoff-die-zeit-nuernberger-prozesse-journalismus-nachkriegszeit/komplettansicht

Odysseus51 #50: “ … Eine sehr aufschlussreiche und auch überraschende zeitungsgeschichtliche Rückschau. …“

Sonneundmond #9: “ … Vielen Dank für diesen aufschlussreichen Artikel über die (unrühmlichen) Anfänge der ZEIT. Interessant auch, weil sie ein Teil des gesellschaftlichen Klimas damals gut wiedererleben lassen. …“

wulewuu #56: “ … Seit 1962 im Alter von 15 Jahren las ich regelmäßig DIE ZEIT und so auch die Leitartikel von Gräfin Dönhoff. Da war selbst mir von Beginn an klar, dass hier immer auch der Geist des stockkonservativen preußischen Landadels sprach, welcher mit einer liberalen Demokratie recht wenig anzufangen wusste. … Gottseidank gab es auch damals andere Stimmen …“

[Identitätspolitik (Kulturelles Unterbewusstsein) #6… ]

“ … ‘Muziek mag niet, daten is verboden, het hebben van vrienden van het andere geslacht is onwettig, je leuk kleden en opmaken is ongepast, ’s avonds buiten zijn is niet geoorloofd, “vieze, immorele” films en series kijken is onaanvaardbaar (en dan bedoel ik geen porno, gewoon een film waarin wordt gezoend), het vieren van verjaardagen of andere heidense feestdagen mag niet, werken met mannen kan niet en ook uitgaan en feesten op festivals is verboden.’ …“ Ik ga leven, Lale Gül (2021) | https://uitgeverijprometheus.nl/catalogus/ik-ga-leven.html

insLot (6. Mai, 2021 – 10:06): “ … Neulich wurden in einem Artikel Feministinnen zitiert, die mich mutig fanden, sich aber kein Urteil anmaßten, weil es sozusagen nicht ihre Kultur sei. Ich finde, dieser Satz ist Beispielhaft für das Kernproblem der Identitätspolitik! Ansonsten sehr interessanter Artikel. …“
Kommentar zu: —> „Bedrohte Autorin in den Niederlanden: Zwischen allen Fronten“ Ein Artikel von Tobias Müller (5.5.2021) “ …An einem späten Abend im Februar wird Lale Gül klar, dass sie das alles unterschätzt hat.Als die 23-Jährige Studentin der niederländischen Literatur, geboren und aufgewachsen als Tochter anatolischer Gastarbeiter in Amsterdam, die Wohnung der Familie betritt, sitzt dort die halbe Nachbarschaft im Wohnzimmer. Alle zugleich fallen über sie her, die Vorwürfe fliegen ihr um die Ohren …“ —> Quelle: https://taz.de/Bedrohte-Autorin-in-den-Niederlanden/!5765575/

Volker Scheunert (6. Mai, 2021 11:14)“ … Was mich – selbst Vater einer Tochter – erschuettert, ist Folgendes: „Aber ihre Liebe ist eben nicht bedingungslos. Irgendwann hatte ich mein Glueck ihrem opfern muessen.“ Was geht in den Koepfen solcher Eltern ab? Es gibt bestimmt auch heute noch „bio-„deutsche oder -niederländische Eltern, die ihren Toechtern sagen: „Mit einem Auslaender brauchst Du Dich bei uns nicht mehr blicken zu lassen.“ Dieser Wahn aber, als kleine, aber im Selbstverstaendnis einzige nach Gottes Willen lebende, Gemeinschaft in einer zutiefst gottlosen und rassistischen Umgebung, von jedem Mitglied, besonders den weiblichen, absolute Loyalitaet zu fordern, hat etwas zutiefst Paranoides. Das laesst sich auch bei manchen christlichen Gruppierungen, bei rechtsradikalen Sekten, und, zumindest frueher, durchaus auch bei lesbischen Separatistinnen beobachten. Abweichler:innen, Ketzer:innen, Individualist:innen, Aussteiger:innen und „Verraeter:innen“ können da froh sein, wenn man sie ohne allzuviel Psychoterror oder gar Morddrohungen ziehen laesst. Ich wünsche Lale Guel weiterhin viel Kraft und jede Menge gute „Wahlverwandtschaft“ (nicht Geert Wilders!), auf dass sie ihren eigenen Weg weitergehen kann. Wer weiss, vielleicht kommt auch ihre Familie irgendwann zur Besinnung, und sieht ein, dass ihre freiheitsliebende Tochter ihre Liebe und Loyalitaet verdient, und nicht ihre konformistische Gemeinschaft. …“

[Wahrheit #2 … ]

Marlis Cavallaro (Dienstag, 3. Juli 2018): “ … Verwandte und Freunde bei den Zeugen Jehova gerieten nicht in die Hände der Verfolger, weil Verhaftete, wie mein Vater, trotz Folter keine Namen genannt hatten. … Lothar Schirmacher und eine seiner Schwestern wurden später enterbt (sie hätten sonst auf kleinen Parzellen des Familiengrundstückes ein Häuschen gebaut) mit der Begründung, dass sie nicht Zeugen Jehovas geblieben waren.
Nach Weiterbildung, viel Diskussion und Reflektion der Kriegsgreuel waren sie zu einer differierenden politischen Weltanschauung gelangt. Auch hatten diese beiden Geschwister die Bekehrung der Eltern als kleine Sechs- und Siebenjährige als Trauma erlebt – plötzlich gab es, für sie unbegreiflich, keinen Weihnachtsbaum, keine Geburtstagsfeier, keinen Osterhasen mehr…aber (noch) mehr Prügel als vorher… “ | http://kassel-zeitung.de/cms1/index.php?/archives/17773-Widerstand-und-Neuanfang-1933-1948-documenta-Halle.html

() “ … Als eine der wichtigsten Lehren, die Lothar Schirmacher aus seinen Erfahrungen zog, bezeichnete er immer wieder, dass das Schlimmste „die alleinige Wahrheit gepachtet haben“ sei. Er habe das nun überall sehen können, die Dummen gebe es in jedem weltanschaulichen Lager, Zeugen Jehovas, Katholiken, Kommunisten, Stalinisten, Nazis sowieso – alle hätten sie für sich den Anspruch auf die alleinige Wahrheit. Davor müsse ich mich mein Leben lang hüten – das verursache alles Elend. …“ | Quelle: https://klausbaum.wordpress.com/2021/04/25/29028/

„Es dürfte uns gut tun, uns manchmal daran zu erinnern, dass wir zwar in dem Wenigen, das wir wissen, sehr verschieden sein mögen, dass wir aber in unserer grenzenlosen Unwissenheit alle gleich sind.“ – Karl Popper: Von den Quellen unseres Wissens und unserer Unwissenheit. Vorlesung vor der Britischen Akademie am 20. Januar 1960. In: Vermutungen und Widerlegungen, Band 1, S. 45 | https://de.wikiquote.org/wiki/Karl_Popper

[Zu den Spielregeln der Zensur #4… ]

„Der Koch, der Dieb, seine Frau und ihr Liebhaber“
// „The Cook, the Thief, His Wife & Her Lover“ (Peter Greenaway: 1989)
https://de.wikipedia.org/wiki/Der_Koch,_der_Dieb,_seine_Frau_und_ihr_Liebhaber

“ … Peter Greenaways Film Der Koch, der Dieb, seine Frau und ihr Liebhaber ist eine „farbenprächtige Friß-und-stirb-Groteske“ … Greenaways wohl bekanntester Film zeichnet sich durch äußerst vulgäre Sprache aus, behandelt schonungslos und direkt Themen wie Sex, Macht, Unterdrückung, Gewalt, Kannibalismus etc. Der Koch, der Dieb, seine Frau und ihr Liebhaber basiert auf dem Model der Jakobinischen „Revenge Tragedy“, die sich durch ihre Besessenheit von „human corporeality – eating, drinking, defecating, copulating, belching, vomiting, nakedness and blood“ auszeichnet. Es verwundert nicht sonderlich, dass der Film in den USA von der Zensur als X-Rated eingestuft und damit wie ein Pornofilm behandelt wurde. Greenaway erläutert, auf die amerikanische Zensur angesprochen, seine Intension folgendermaßen: „Ich glaube, dass man über den Film so erschrak, weil er Tabus auslotete. Er stellte präzise und seriöse Fragen zu den Extremen der menschlichen Erfahrung. Das nicht, um sie zu zelebrieren. Mein Film sollte den Zuschauern helfen, das Normale zu verstehen.“ … Außerdem beeinflußte den Regisseur die „vulgäre, phantasielose, anti-intellektuelle Thatcher- Regierung und ihr soziales Pendant, die neue Yuppie-Mittelklasse, die sich mit Kunstwerken und Kulturereignissen schmückt.“ Somit ist Der Koch, der Dieb, seine Frau und ihr Liebhaber auch als politische Allegorie Thatcher-Englands zu lesen. … Die Arbeitskleidung von Greenaways Alterego bleibt durchgehend weiß. „Der Koch, das bin selbstverständlich ich …“ … Der Koch, so Willem van Reijen, zeige „gottähnliche Züge“ und stelle den Antipoden zum Dieb dar, „zum nahezu metaphysisch Bösen, zu jener Gestalt, die sich als ‚Fürst dieser Welt’ präsentiert.“ …“ | Aus: „Farbe im Film: „Drei Farben: Blau“ (Krzysztof Kieslowski), „Der Koch, der Dieb, seine Frau und ihr Liebhaber“ (Peter Greenaway), „Die fabelhafte Welt der Amélie“ (Jean-Pierre Jeunet) Verfasser: Mark Bachmann “ (Diplomarbeit, Wien 2010) | Quelle: http://othes.univie.ac.at/8412/1/2010-02-04_0404374.pdf
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“ … Neben Regisseuren wie David Lynch (Blue Velvet), Lars von Trier („Europa“) oder Peter Greenaway (Der Koch, der Dieb, seine Frau und ihr Liebhaber) zählen auch Joel und Ethan Coen zu den zentralen Regisseuren des postmodernen Kinos der Achtzigerjahre. …“ | Aus: „O Brother, Where Art Thou?“ Christian Horn (Datum?) | https://www.filmstarts.de/kritiken/29785/kritik.html
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“ … Gewaltexzesse werden zum täglichen Spektakel und auch Chefkoch Richard Boars (Richard Bohringer), Kellner und Gäste zu Opfern des herrschsüchtigen Kleingeistes. Verständlicherweise entscheidet Georgina eines Tages, sich Zuneigung und Leidenschaft an anderer Stelle zu besorgen. Auf der Toilette der zentralen Filmlokalität verführt sie ausgerechnet den schüchternen Buchhändler und Stammgast Michael (Alan Howard). Aus puristischem Sex wird einfühlsame Liebe, und gedeckt durch Koch und Personal treibt es das heimliche Paar in jedem denkbaren Versteck des „Hollandaise“. Doch der eifersüchtige Albert – wie sollte es anders sein – wittert die Affäre. Eine brutale Hetzjagd beginnt. … Vor dem geschulten Auge entlarvt sich ein breiter Diskurs, der über eine politische Interpretation weit hinausgeht und zwischen dem tragischen Kunstkonzept der Groteske, der mythologischen Todessymbolik, der niederländischen Stilllebenmalerei, der jüdisch-kabbalistischen Farbenlehre und der abendländischen Religionslehre pendelt. … Greenaway war nie ein Hollywoodregisseur, der die breite Masse ins Kino holen wollte. Wie er immer wieder betont, ist das konventionelle Kino für ihn längst Vergangenheit. Mit „Der Koch, der Dieb, seine Frau und ihr Liebhaber“ hat er ein opulentes, schwarzes und groteskes Drama geschaffen, das als einmalig innerhalb der Filmgeschichte angesehen werden kann. Kameraführung, Szenenaufbau und die von Michael Nyman komponierte Filmmusik sind dabei exakt auf die filmische Handlung abgestimmt, ganz im Sinne des pedantischen Schöpfers. … Im Rahmen eines intellektuellen Autorenfilms und bei all denjenigen, die sich auf die Ansprüche und Wahrnehmungen des Künstlers einlassen können und wollen, verdient der Film [ …] das Prädikat „Meisterwerk“. …“ | aus: „Der Koch, der Dieb, seine Frau und ihr Liebhaber“ Anna Lisa Senftleben (Datum?) | Quelle: https://www.filmstarts.de/kritiken/5093/kritik.html
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“ … »Man verläßt den Film mit einer Verstörung«, schrieb der Evangelische Pressedienst, »von der man nicht weiß, ob sie eher im Gehirn oder in den Eingeweiden sitzt.« … „Das große Fressen“ Schon vor Greenaway hatte Marco Ferreri in seinem Film (Frankreich/Italien 1973) entdeckt, wie schnell einen die Lust am Essen in den Tod treiben kann.“ …“ (DER SPIEGEL 26/1992) | https://www.spiegel.de/politik/montag-a-229354ae-0002-0001-0000-000013685399


[Seelenleben (im Bewußtsein zu träumen) #5…]

“ … Im Jahr 2012 führte eine Forschergruppe am Imperial College London eine Kernspin-Studie durch, bei der den Versuchspersonen eine Dosis Psilocybin injiziert wurde. Enzo Tagliazucchi von der Universität Kiel hat die Daten ausgewertet. Dabei entdeckte er Auffälligkeiten im limbischen System, einem evolutionär recht alten Teil des Gehirns, der tief in seinem Inneren vergraben liegt. Ein Ort der Emotionen und Instinkte. Unter dem Einfluss der Droge fluktuierte die Aktivität dort ausgesprochen stark. „Die Aktivität geht hoch und runter, wie verrückt. Nimmt erst stark zu und dann wieder stark ab. Und was wir wirklich beeindruckend fanden: Wenn man einen Probanden ins fMRT legt und dort schlafen lässt und er dann irgendwann auch träumt. Und wenn man sich dann seine Gehirnaktivität anschaut, dann sieht das ziemlich ähnlich aus wie das, was wir bei unseren Versuchspersonen unter Einfluss der Psychedelika gefunden haben: Deutliche Fluktuationen der Aktivität im limbischen System.“ … Ob Schlaf oder Wachbewusstsein, Klartraum oder Drogenrausch: Stets lassen sich in den komplexen Netzwerken unseres Gehirns Korrelate finden, die diese Bewusstseinszustände widerspiegeln. Und das dürfte bei den Nahtoderfahrungen auch nicht anders sein, sagt Christian Hoppe. …“ |Aus: „Traum Rausch Todesnähe – Beobachtungen in den Grenzgebieten des Bewusstseins“ Arndt Reuning (01.01.2015) | https://www.deutschlandfunk.de/traum-rausch-todesnaehe-beobachtungen-am-rande-des.740.de.html?dram:article_id=306646



Roger Behrens [“ … Roger Behrens befasst sich mit der Entwicklung der Kultur in der bürgerlichen Gesellschaft vom 18. Jahrhundert bis in die Gegenwart. Im Zentrum seiner Analysen steht dabei eine kritische Theorie der Popkultur im Zeitalter eines globalen Kapitalismus. …“ | https://de.wikipedia.org/wiki/Roger_Behrens], (Donnerstag, 5. November 2015): “ … Walter Benjamin forderte in seinem Aufsatz ›Das Kunstwerk im Zeitalter seiner technischen Reproduzierbarkeit‹ von 1936 gegen die Ästhetisierung der Politik eine Politisierung der Kunst. Welche Kunst und welche Politik waren damit gemeint? Benjamin stellte die Forderung zu einem Zeitpunkt, zu dem klar sein musste, dass die künstlerischen Avantgarden wie auch die emanzipatorische Linke gleichermaßen gescheitert waren: von den Versprechen der bürgerlichen Gesellschaft korrumpiert, vom Faschismus, Nationalsozialismus, aber auch Stalinismus vernichtet, schien sich unter Bedingungen des Terrors jede politische wie ästhetische Form der Kritik theoretisch wie praktisch zerschlagen zu haben. … heute (desintegrative Gesellschaft mit totalem Integrationszwang, Kritik und Kreativität als erweiterter Konformismus, Aggressivität als Kommunikationsparadigma, völlige Parzellierung der kollektiven wie individuellen Bewusstseinslagen, »Politik« als Befindlichkeit bzw. ästhetisches Geschmacksurteil, freie Meinung und Glaube [»Religion« in jeder Variation] als Rudimente und Atavismen bürgerlicher Werte im nachbürgerlichen Zeitalter […] ) “ | Aus: „Eine kritische Intervention. Zur Ästhetik des Widerstands“ (Roger Behrens – Mein digitales Wohnzimmer) | http://rogerbehrens.net/zur-aesthetik-des-widerstands/ | Kontext: „… Die Vielzahl der Künstler und Kunstwerke, die Peter Weiss in dem Roman eingebunden hat, bilden eine Art musée imaginaire (erdachtes Museum), hauptsächlich der Bildenden Kunst und der Literatur, aber auch der Darstellenden Kunst und der Musik. Sie gelten als kulturelle Spurensicherung, mit der ein Bogen von der Antike über das Mittelalter und die Renaissance, über Werke der Romantik und des Realismus bis hin zu der Kunst des Expressionismus und der Avantgarde mit ihrem Ausdruck im Dadaismus, Surrealismus und Kubismus gespannt wird. …“ https://de.wikipedia.org/wiki/Die_%C3%84sthetik_des_Widerstands (19. Januar 2021)

“ … Was ist besser: die Erfahrung oder doch eher die Vision? Der Realist verdreht die Augen, wenn er bei Novalis liest … im Bewußtsein zu träumen, und mit trotzigem Stolz darauf, unbrauchbar zu sein für die, die nur die bare Zahlung kennen. Auf einem Grat tanzt sie nachtwandlerisch dahin, rechts der Abgrund der pretiösen Geistreichelei, links der Abgrund angestrengter Mystifikation. …“ | Aus: „Zwischen Amboß und Ambrosia“ [Zu Gisela Kraft: „Madonnensuite“. Romantikerroman. Leipzig 1998] (Frankfurter Allgemeine Zeitung, 31.10.1998, Nr. 253 / Seite V)

Feuerwerk über dem Castel Sant’Angelo, 1830er Jahre
Ippolito Caffi (1809 – 1866) | https://de.wikipedia.org/wiki/Ippolito_Caffi

“ … Nicola Gess: … Das Staunen ist auf eine ganz bestimmte Weise omnipräsent. … ich persönlich habe mich in meinem Buch «Poetik des Staunens» vor allem mit dem 18. und dem frühen 20. Jahrhundert beschäftigt. Die sinnliche Dimension des Staunens, die für den Wow-Effekt und den Wiederverzauberungskitsch zentral ist, spielt da zwar auch eine grosse Rolle. Aber in Kombination mit einer kognitiven Dimension des Staunens, die sich eher mit Irritation, mit Zweifel, mit Unsicherheit verbindet und auch durchaus mit einer gewissen Form von Negativität, wenn man zum Beispiel an die Rolle des Staunens in Ästhetiken des Erhabenen denkt. Dieser anderen Dimension lohnt es sich nachzugehen. … Schon Friedrich Schlegel hat über die Reizspirale des Neuen […] nachgedacht und beschrieben, wie auf einen Reiz ein noch stärkerer Reiz folgen muss und dann ein noch stärkerer und so weiter. Irgendwann verpufft der Effekt und es bleibt eine Leere, ein Gefühl von Ekel und Abstumpfung. … Die Rezeption von Kunst hat ja auch etwas mit Lust zu tun, deshalb habe ich überhaupt nichts gegen das hedonistische Moment im Staunen, im Gegenteil. Das Grossartige am Staunen als Untersuchungsgegenstand ist ja genau, dass es beides beinhaltet – das Sinnliche und das Reflexive. Die Lust am sinnlichen Effekt ist das eine, und das – unter Umständen ebenfalls lustvolle – Reflektieren über das, was er uns aufschliesst, das andere. …“ | Aus: „Poetik des Staunens. Ein Gespräch mit der Literaturwissenschaftlerin Nicola Gess“ Christine Lötscher (4. April 2021) | https://geschichtedergegenwart.ch/poetik-des-staunens-ein-gespraech-mit-der-literaturwissenschaftlerin-nicola-gess/

[Arbeit am Mythos #9 … ]

Leo Putz „Vanitas“ 1896 (Öl auf Leinwand, 220 × 115cm)
https://de.wikipedia.org/wiki/Leo_Putz
// “ … Das Vanitas-Stillleben (lateinisch vanitas „Eitelkeit“, „Nichtigkeit“) ist ein Bildtypus der Stillleben-Malerei, insbesondere im Barock. Darin wird die Darstellung lebloser Gegenstände durch Sinnbilder der Vergänglichkeit ergänzt. …“ | https://de.wikipedia.org/wiki/Vanitas-Stillleben

“ … Ihr Gesicht sieht man nicht. Nur die langen roten Haare, wie sie übers weiße Laken wallen. Die nackte junge Frau auf dem zerwühlten Bett krallt verzweifelt ihre Finger in die Pracht. Wie es aussieht, ist ihr Liebhaber gerade den zerknautschten Kissen entstiegen. Nun quält sie wohl das schlechte Gewissen. Und damit das auch jeder erkennt, lässt der Maler im finsteren Grund über der Sünderin ein paar Frauenakte – Geistern gleich – um ein Gorgonenhaupt tanzen. Als Münchens braves Bürgertum das provokante Großformat 1896 zu Gesicht bekam, brach ein Skandal los: Noch immer hing man an den unverfänglichen Motiven des Biedermeiers. Da musste ein derart erotisches, trotz aller Symbolhaftigkeit doch auch explizites Bild, als Zumutung empfunden werden. … Die Themen und gelegentlichen Tabubrüche der Symbolisten erzürnten zuweilen. Doch währte der Aufruhr nicht lange. Sehr bald hatten auch ihre Werke einen festen Platz in heimischen Wohnzimmern. Denn sie trafen sehr wohl den nachdenklichen Zeitgeist, der sich einer als oberflächlich empfundenen Gesellschaft gegenüber sah. In jener Epoche tiefgreifender Veränderungen durch Industrialisierung, Technisierung, rasantes Wachstum der Städte boten die Bilder der Symbolisten eine Zuflucht in alte Mythen und Märchen, in eine ideale, oft unberührte Natur, die nur ihren eigenen Gesetzen gehorcht, einem eigenen, vom Menschen unabhängigen Rhythmus folgt. Wenn der Schnee im Frühling schmilzt, wenn Herbststürme toben, ein Blitz in die Eiche schlägt, sich Gewitterwolken über dem Meer auftürmen.
Meist sind solche Stimmungslandschaften menschenleer. Und dort, wo ausnahmsweise Architektur auftaucht, unterstreicht sie den Grundton der Szene. Verweist etwa wie die alte italische Kultstätte in Max Klingers »Nemi« auf eine mythisch ferne Zeit. Neben den kleinen Fluchten in die Natur zählen Frauen zu den liebsten Sujets der Symbolisten. Topaktuell dabei das teuflische oder lasterhafte Weib – wie es in Franz von Stucks »Sünde« verführerisch daliegt, von einer dicken Schlange mehrfach umwunden. Trotz ihres schlechten Gewissens ist wohl auch die Skandalfrau von Putz der Kategorie »Femme Fatale« zuzurechnen.
Gleich nebenan ist in Bielefeld ein ganzes Ausstellungskapitel den »Guten Frauen« vom mütterlich-züchtigen Schlag gewidmet. Allen voran das sorgende »Sonnenkind« mit Baby auf dem Arm, gemalt von Dora Hitz. Nicht bedrängt durch gespenstische Tänzerinnen, sondern umschmeichelt von einem Meer weißer Lilien zeigt es sich. Das Haupt umstrahlt ein heller Schein – da ist die Madonna nicht fern. …“ | Aus: „Was den Mythos modern macht“ Stefanie Stadel (01. Apr. 2013) | https://www.kulturwest.de/inhalt/was-den-mythos-modern-macht/

// „… Als Spielweise des Symbolismus wird oft die Décadence gesehen, die versuchte, Verfall und Untergang einer Epoche künstlerisch zu begleiten und ihr Heil in überspitzter Sinneslust zu finden. Andere Symbolisten betonen dagegen gerade das Unverbraucht-Natürliche (so die frühen primitivistischen Werke von Paul Gauguin) oder die Tatsache, dass die Welt der von Menschen geschaffenen Objekte über deren individuelles Leben hinausweist. Allgemein dominiert die Vorstellung bzw. der Gedanke im Bild gegenüber der sinnlichen Wahrnehmung. Richard Hamann und Jost Hermand sehen ein Merkmal des Symbolismus darin, dass er sich über die bloß „dinglichen Gegebenheiten“ hinaushebt und auf ein idealistisch-„überindividuelles Sollen“ bezieht, wobei die Symbole in ihrer Vieldeutigkeit oft verschwommen bleiben. … Schon lange vor Sigmund Freud und C. G. Jung beschäftigte sich der englische Symbolismus (ca. 1860–1910), der die Arbeiten von William Blake wiederentdeckte, mit dem Zugang zu unbewussten Prozessen und hinterfragte die erfahrbare Realität. …“ | https://de.wikipedia.org/wiki/Symbolismus_(bildende_Kunst) (02.12.2020)

“ … Der Philosoph Wilhelm Dilthey (Dilthey 1924/1894) löste mit seiner Akademieschrift 1894 eine öffentliche Kontroverse aus, als er den empirischen Forschungsstrategien der Psychologie (und der hierunter subsumierten Psychiatrie) vorwarf, den Strukturzusammenhang des Seelenlebens nicht zu erfassen. … Zur Reihe der Programme einer philosophisch orientierten Erforschung von Bewusstseinsstrukturen dieser Epoche gehören auch Husserls Phänomenologie der „logischen Erlebnisse“ (Husserl 1984/1901) und Natorps Forderungen nach einem „Logos der Psyche“, in dem die Funktionen des Geistes, Denkoperationen und Denkstrukturen ermittelt werden sollten (Natorp 1965/1912). Arthur Kronfeld war der erste Psychiater, der sich solches Denken zu eigen machte und 1920 auch für die klinische Praxis forderte, seelisches Geschehen auf ontologisch irreduzible Eigencharaktere zurückzuführen, um Logik und Theorie der Psychiatrie zu sichern. Ernst Cassirers Projekt einer Analyse „der verschiedenen Grundformen des ‚Verstehens‘ der Welt“ oder einer „Formenlehre des Geistes“ griff allgemeine Zielsetzungen dieser vorgenannten Programme auf (Plümacher 2003), erweiterte sie jedoch um die Hypothese, dass der nur dem Menschen mögliche freie Perspektivenwechsel – seine gedankliche Beweglichkeit wie seine Einzigartigkeit, Zukunft und Möglichkeitsräume zu denken – einem Wissen um relationale Ordnungen geschuldet ist, das in der Fähigkeit besteht, ihre Begrifflichkeiten auf den nicht-sprachlichen Teil der Kognition auszudehnen und die ‚Setzung von Invarianten‘ somit zu einem Grundzug der Kognition erklärt (Sandkühler 2003). … Die Matrix mentaler Funktionsräume ist deshalb eine ständige Baustelle, auf der allenfalls die unteren Stockwerke fertig sind oder eine genügende Stabilität aufweisen. Darüber hinaus ist sie ein Zerfallsobjekt, das im Alltagsleben der ständigen Neuinszenierung und Renovierung bedarf, um sich nicht aufzulösen. Und dessen als ‚Bewusstsein‘ gespeicherte innere Repräsentanz eine noch kürzere Halbwertszeit hat, die, wenn nicht ständig in Sprache und Arbeit wiederbelebt, sehr schnell durch kulturelle Konserven, präformierte Schablonen und angelernte Muster ersetzt wird, welche eigene Spontanität und Kreativität wieder verdrängen. Die Matrix mentaler Funktionsräume zeigt keine Regel, wie menschliche Aktivität und Bewusstheit funktionieren. …“ | Aus: „SYMBOLISCHE FORM UND GESTALT – EIN KREATIVES SPANNUNGSVERHÄLTNIS“ Philosophie der Psychologie – Ernst Cassirers Beitrag zu einem „Modell mentaler Funktionsräume“ von Norbert Andersch (London) [e-Journal Philosophie der Psychologie, Erstpublikation in: Gestalt Theory 4/2007, S. 279-293.]| http://www.jp.philo.at/texte/AnderschN1.pdf

“ … Ernst Cassirer: Philosophie der symbolischen Formen 3 Bde. 1. Auflage: Bruno Cassirer, Berlin, 1923–1929.

Teil 1. Die Sprache, Berlin: Cassirer 1923, XII+293 S. 
Teil 2. Das mythische Denken, Berlin: Cassirer 1925, XVI+320 S.
Teil 3. Phänomenologie der Erkenntnis, Berlin: Cassirer 1929, XII+559 S. 

… Kernaussage seiner Arbeit ist, dass wir die Welt stets in der Vermittlung durch bestimmte Systeme der Zeichen- und Bedeutungsbildung wie Kunst, Wissenschaft oder Religion erfahren, die er symbolische Formen nennt. … Trotz allem kommt bei Cassirer dem Mythos eine besondere Stellung zu, da er ihn als Urform des menschlichen Denkens auffasst. Im Mythos werde eine erste Gliederung der Welt vorgenommen, es würden Strukturen geschaffen (wenn auch noch keine abstrakten Strukturen), Prägnanz ausgebildet und die mannigfaltigen Eindrücke symbolisch dargestellt. Aus dem mythischen Denken gehen für Cassirer in einem Prozess dialektischer Entwicklung die anderen symbolischen Formen wie Kunst, Geschichte, Wissenschaft usw. hervor. …“ | https://de.wikipedia.org/wiki/Philosophie_der_symbolischen_Formen (28. Februar 2021)

“ … So erschien Cassirer der kulturelle Organismus aIs ‚eine Welt, in der man nur leben muß, um in ihr zu leben‘, also als stabiler Rekursgrund humanen Daseins. Daß seine kulturelle Lebenswelt sich aber als sehr fragil erwies, mußte für ihn eine ‚Krisis der europäischen Kultur‘ erscheinen. So ist denn der späte Versuch seiner Mythenkritik im ,,Mythus des Staates“ ein ausgesprochen zwiespältiges Dokument von Cassirers emphatischer Auseinandersetzung mit valenten Mythen und mit seinem blanken Erstaunen über die Faktizität und Valenz [((die Eigenschaft eines Wortes … andere Wörter oder Satzglieder „an sich zu binden“))] des Mythos in der Moderne. […] „In der Politik leben wir immer auf vulkanischem Boden. Wir müssen auf abrupte Konvulsionen und Ausbrüche vorbereitet sein … denn der Mythos ist nicht wirklich besiegt und unterdrückt worden. Er ist immer da, versteckt im Dunkel und auf seine Stunde und Gelegenheit wartend. Diese Stunde kommt, sobald die anderen bindenden Kräfte im sozialen Leben des Menschen aus dem einen oder anderen Grunde ihre Kraft verlieren und nicht länger imstande sind, die dämonischen mythischen Kräfte zu bekämpfen“ (MS 364) … “ | Aus: „“Die Gegensätze schließen einander nicht aus, sondern verweisen aufeinander“ Ernst Cassirers Symboltheorie und die Frage nach Pluralismus und Differenz“ Loccumer Protokolle 30/98, Herausgeber Wolfgang Vögele | https://www.uni-heidelberg.de/md/theo/einrichtungen/ts/faecher/st/13_von_cassirer_zu_blumenberg.pdf

[Raum und Wirkungscharakter #2 … ]

“ … Die Architekturpsychologie beschäftigt sich […] mit den Wechselwirkungen zwischen dem Menschen und seiner gebauten Umwelt. …“ | https://de.wikipedia.org/wiki/Architekturpsychologie

Piazza San Marco (Glas Stereoskopisches Teilbilder, schwarzweiß, positiv ~ 1930)
https://de.wikipedia.org/wiki/Markusplatz
via Julia (Fund bei einer Wohnungsräumung)



“ … Umgangssprachlich wird Stereoskopie fälschlich als „3D“ bezeichnet, obwohl es sich nur um zweidimensionale Abbildungen (2D) handelt, die einen räumlichen Eindruck vermitteln („Raumbild“). … Mit einer Stereokamera, die zwei Objektive in Augenabstand, auch als natürliche Basis bezeichnet, aufweist, werden die beiden benötigten Teilbilder gleichzeitig (synchron) aufgenommen. Jedes Einzelbild wird als stereoskopisches Teilbild, das Bildpaar als ein stereoskopisches Bild bezeichnet. …“ | https://de.wikipedia.org/wiki/Stereoskopie

Grafik via „WELT DER STEREOSKOPIE“ | http://www.stereoskopie.com/

[Bürgerliche Illusion und Wirklichkeit #1 …]

“ … In seinem Aufsatz „Subjekt und Macht“ erläuterte Michel Foucault … Er versteht das Subjekt als das empirische Ich, das kulturell und historisch bestimmt ist. „Das Wort Subjekt hat zwei Bedeutungen: es bezeichnet das Subjekt, das der Herrschaft eines anderen unterworfen ist und in seiner Abhängigkeit steht; und es bezeichnet das Subjekt, das durch Bewusstsein und Selbsterkenntnis an seine eigene Identität gebunden ist.“ Foucault wandte sich gegen die Vorstellung eines autonomen Subjekts und betonte die Geschichtlichkeit des Menschen und seine Eingebundenheit in gesellschaftliche Lebensverhältnisse. …“ | https://de.wikipedia.org/wiki/Subjekt_(Philosophie) (4. Januar 2021)

Zwei Freundinnen (Originaltitel: Les Biches, wörtlich: „Die Hirschkühe“) ist ein 1968 erschienener Film von Claude Chabrol | https://de.wikipedia.org/wiki/Zwei_Freundinnen

Ines Walk (13.09.2010): “ … [Claude Chabrol … Der “Chronist des französischen Bürgertums” legte Ende der 1960er einige Meisterwerke vor] … Viele damalige Kritiker warfen ihm Zynismus und Verachtung vor, weil er ungeschönt auf das bürgerliche Leben schaute, und es scheinbar distanziert und kalt beobachtete. … Er selbst sagte zu seiner Arbeit: “Filme mit einer Botschaft bringen mich entweder zum Kotzen oder zum Lachen. Ich finde es unmoralisch, dem Zuschauer eine Moral aufzudrücken, ihn beeinflussen zu wollen, ihm sozusagen ein Hirn-Klistier einzupflanzen. Ein Film sollte das Publikum vielmehr zum eigenständigen Nachdenken anregen. Darum versuche ich nur, die Menschen präzise so zu zeigen, wie sie sind. Es wäre doch heuchlerisch, sie zu verurteilen – schließlich hat jeder von uns Dreck am Stecken.” …“ | https://www.moviepilot.de/news/claude-chabrols-abrechnungen-mit-der-bourgeoisie-108045

[Ordnung, Herrschaft und Interessen #59… ]

Bild: Die Boulingrin-Markthalle in Reims vor der Renovation (Demeester, 8 August 2009). “ … In der Kritik wurde Eribon mit allerlei Spekulationen zum «Weltweisen» gekürt. Eribon wehrte seine Verantwortung und Zuständigkeit entschieden ab: «Hören Sie, ich weiss nicht, was ihr wollt. Ich habe ein Buch über meine Mutter geschrieben und jetzt soll ich Brexit, Trump und die Welt erklären» …“ via
Doris Akrap (24. 12. 2016): “ … Als ich diesen Sommer „Rückkehr nach Reims“ las, das autobiografische Buch des französischen Soziologen Didier Eribon, hatte ich ein Gefühl, das derzeit wohl vor allem AfD-Wähler haben: „Endlich sagt mal jemand, wie es ist.“ Und nicht nur, weil mich der Satz seiner Mutter – „Soziologie? Hat das was mit der Gesellschaft zu tun?“ – an meine Mutter erinnerte. Ich bin weder homosexuell noch Universitätsprofessorin, und auch in vielen anderen Details unterscheidet sich meine Familie deutlich von der Eribons. Trotzdem: Es war das erste Mal, dass jemand in meiner linken, bürgerlichen Filterblase über seine Herkunft aus einer Arbeiterfamilie so über diese redete, wie es Linke nicht so gern hören: wie ätzend eng es in Arbeiterhaushalten ist, räumlich, ökonomisch, geistig und emotional. Er thematisiert, was für bürgerliche Linke kein Thema ist: Dass man als Exot mit proletarischer Herkunft keinen profitablen Sonderstatus in der bürgerlichen Welt hat, sondern einen hohen Preis zahlt: den radikalen Bruch mit der eigenen Herkunft, die man dennoch nicht los wird. … Meine Mutter hatte keine Ahnung, was Klasse bedeutete. Sie sprach von „den kleinen Leuten“, so wie sie auch von „den Ausländern“ sprach, obwohl sie selbst mit einem verheiratet war und eine ihrer Töchter, ich, eine Aufenthaltsgenehmigung brauchte. …“ | Aus: „Klassengesellschaft in Deutschland: Rückkehr nach Flörsheim“ | https://taz.de/Klassengesellschaft-in-Deutschland/!5368011/

Blacky 25.12.2016, 23:18: “ … Liebe Frau Akrap,… Ihr Artikel hat mich sehr nachdenklich gestimmt – auch was mein eigenes Verhältnis zu meinen Eltern betrifft (die zwar aus einem anderen Milieu stammen, aber Kommunikationsschwierigkeiten kommen auch woanders vor ;-)). …“

redshrink #185: “ … Die Berliner Blockbebauung ab Mitte des 19. Jahrhunderts hatte ausdrücklich zum Ziel eine Mischung aus „höheren“ und „niederen“ Schichten zu erreiche. Zur Straße hin die größeren repräsentativeren Wohnung, zu den Höfen hin die Wohnungen der „kleinen“ Leute. Die einen verloren die anderen nie gänzlich aus dem Blick. Heute werden die „kleinen Leute“ aus ganzen Innenstadtvierteln gänzlich herausgeplatzt. Tragische Entwicklungen wie die trostlosen Neubaugebiete um den Gleisdreieckpark in Berlin riskieren erst gar nicht ihre Entwertung durch den „Pöbel“; man bleibt nett und adrett unter sich in seiner gemächlichen Retortenarchitektur, die ein wenig „nach was“ aussehen soll.
Ich habe in London als Psychiater einen Dienst für obdachlose Menschen, Sexarbeiter*innen, marginalisiert Minderheiten und die verachtete und bettelarme (auch weiße) Unterschicht ärztlich geleitet. Man wird sensibel für Umgestaltungen öffentlicher Räume, in welche arme Menschen keinen Platz mehr haben, vor allem in London, wo sich vieles was wie öffentlicher Raum aussieht in privatem Besitz befindet. Die institutionalisierte und mediale Demütigung armer Menschen ist menschlich widerlich, aber die Armut, die ständige Sorge, ob das Geld reichen wird, die vielen Konflikte – Papas Kneipentour mit Kumpels oder neue Schuhe für den Sohn – zermürben die Menschen. …“ | https://www.zeit.de/gesellschaft/2021-02/klassismus-soziale-gruppen-soziologie-literatur-gesellschaft?cid=56054948#cid-56054948

DeLaSoul #160: “ … Viele aus den sog. „Unteren Schichten“ schauen auch voller Verachtung auf „die da oben“, die ihnen mit gerümpfter Nase aus dem Weg gehen. Die fokussieren viel mehr auf „Stars“, man träumt sich in die Welt des Glamour. Zum gehobenen Bildungsbürgertum eher nicht. Akademikergeschwafel finden die zum Kotzen. …“

E_Dantes #160.1: “ … Nicht, wenn sie selbst Akademiker sind aber mit 50 in den Niedriglohnsektor sanktioniert wurden. …“

Gero von Randow (1. März 2021): “ … Die derzeitige Diskussion um die Frage, ob wir in einer Klassengesellschaft leben, hat einen blinden Fleck. Die Privilegien, die sie anspricht, sind materieller und ideeller Art: Geld, Sachen, Bildung, Habitus, Prestige, Gesundheit, Lebensdauer, alles ungleich verteilt. Und zwar ziemlich dauerhaft, über Generationen hinweg, denn Klassen reproduzieren sich. Aber was ist mit der Herrschaft? …Herrschaft ist also nicht nur ein politisches Phänomen, sondern auch ein soziales. Nicht nur eine Kanzlerin übt Herrschaft aus, sondern auch ein Unternehmensvorstand oder ein Priester, eine Redakteurin oder ein Platzanweiser. Artikel 20 des Grundgesetzes spricht lediglich davon, wie die Staatsgewalt legitimiert wird, und schließt nicht etwa aus, dass in der Gesellschaft Herrschaftsverhältnisse existieren. … “ | https://www.zeit.de/kultur/2021-02/klassenherrschaft-klassengesellschaft-deutschland-soziale-ungleichheit-demokratie-marx

jgbk #115: “ … Mich beherrscht überhaupt niemand. …“

StamoKap2019 #115.1: “ … Cool. Mit Abstand der lustigste Kommentar. …“

jgbk #115.2: “ … Was ist daran lustig? …“

StamoKap2019 #115.3: “ … Alles. :-)) …“

jgbk #115.6: “ … Der Staat braucht Geld um seine Aufgaben zu erfüllen. Es gibt keine Ausgangsperre ich war bisher jeden Tag draussen. GEZ ist doch Peanuts gegen das was z.B. ein Raucher verraucht. …“

DaDaDude #115.7: “ … Sie haben es nicht verstanden. … „

K. Theo Frank #52: “ … „Leben wir unter einer Klassenherrschaft?“ Wir leben in einer Gesellschaft, in der die Menschen ihre Mitmenschen nicht mehr als Individuen sehen, sondern als Mitglieder bestimmter Gruppen, wodurch sie sie auf jene Gruppen reduzieren. Der Grund für den identitären Turn der Gesellschaft ist wahrscheinlich die Verdummung bzw. Überforderung oder das Desinteresse ihrer Mitglieder an der unendlichen Komplexität des Einzelnen, kombiniert mit der manifesten Spaltung, welche dieser Turn erzeugt. …“

Doonsbury #111: “ …Gesellschaftswissenschaftler und Journalisten lieben Klassen und Schichten; Forumschreiber offenbar auch, sonst gäbe es in so kurzer Zeit keine 107 [mittlerweile 726] Kommentare und ich nehme mich nicht aus. Trotzdem sind die Grenzen seit Ende der Feudalgesellschaft immer fließender und vielschichtiger geworden, so dass es sich inzwischen um relativ willkürlich gezogene Linien innerhalb einer Gesellschaft mit sehr großer Spreizung aber wenig definierbaren Rangverhältnissen handelt. Welcher Klasse gehört z.B. ein erfolgreicher Autohändler an, der in seiner Kleinstadt zu den Tonangebenden gehört aber schon im nächsten großen Hotel als reicher Prolet betrachtet und von anderen Gästen auch teilweise so behandelt wird? ein Fußballprofi mit Millioneneinkommen, der seinen eigenen Vertrag kaum lesen kann? ein Dr. der Philosophie, der sich auf einer halben Stelle und mit gelegentlichen Veröffentlichungen mehr schlecht als recht durchschlägt? Klasse lebt von Distinktion und Distinktionen gibt es viele. Die Gesamtgesellschaft ist aber keine Pyramide oder sonst etwas geometrisches sondern zum Glück etwas sehr Vielfältiges, in dem man auf viele verschiedene Arten erfolgreich sein kann, notfalls auch als Gangsta-Rapper. …“

thesard_ecully #67: “ … Ich habe länger Zeit in drei europäischen Staaten gelebt (wenn man die DDR als Staat mitzählt, sogar vier): Deutschland, Frankreich, Großbritannien. Deutschland ist bei weitem die klassenloseste Gesellschaft. In Frankreich gibt es offiziell seit der Revolution nur Franzosen einer Klasse („la République est une et indivisible“), auch wenn in Wirklichkeit das (Groß-)bürgertum herrscht. Klassenzugehörigkeit ergibt sich durch Geld, aber auch durch Habitus, Bildung, Sprachbeherrschung. In GB hat es nie eine wirkliche Revolution gegeben, Klassenbewusstsein ist voll ausgeprägt (Leute sagen „I’m working class“) und die herrschende Klasse ist seit ca. 1066 dieselbe. Klassenzugehörigkeit definiert hier den ganzen Lebensstil. In Deutschland hat es im letzten Jahrhundert so viele Verwerfungen gegeben, dass sich eine beherrschende Klasse vielleicht erst so langsam wieder herausbildet. …“

wetware #8: “ … Die Klassenherrschaft hat sich extrem weiterentwickelt und differenziert, weil aus den Klassenkämpfen gelernt wurde. Von brutaler Unterdrückung her gab es eine Entwicklung zur Internalisierung der Macht, der Erzeugung legal freier Subjekte, denen die Einfügung in Machtverhältnisse wie eine zweite Natur ist. …“

Empiricism #95: “ … Laut einer Studie des Bundesminesteriums für Arbeit leben wir nicht bloß in einer Klassengesellschaft, sondern in einer Oligarchie. Da wurden über einen Zeitraum von 15 Jahren Gesetzesbeschlüsse mit Meinungsumfragen abgeglichen, Ergebniss: Der Einfluss der oberen 10% war alles dominierend, die mittleren 80% hatten einen statistisch von 0 nicht zu unterscheidenden Einfluss, während die Regierung aktiv gegen die Interessen der unteren 10% gearbeitet hat, egal welche Partei da gerade die Pöstchen besetzt hielt. Leider scheint die Studie von deren Website verschwunden zu sein, …“

mwandishi #116: “ … Sieht man sich den Armutsbericht von 2015 an, wird klar wer profitiert und das ist die Oberschicht: Im Armutsbericht von 2015 der UNI Osnarbrück heißt es dazu: „…Darüber hinaus konnten wir erstmals für Deutschland nachweisen, dass politische Entscheidungen mit höherer Wahrscheinlichkeit mit den Einstellungen höherer Einkommensgruppen übereinstimmen, wohingegen für einkommensarme Gruppen entweder keine systematische Übereinstimmung festzustellen ist oder sogar ein negativer Zusammenhang. …“ [https://www.armuts-und-reichtumsbericht.de/SharedDocs/Downloads/Service/Studien/endbericht-systematisch-verzerrte-entscheidungen.pdf?__blob=publicationFile&v=3 | „Systematisch verzerrte Entscheidungen? – Die Responsivität der deutschen Politik von 1998 bis 2015. Endbericht“ | https://www.der-paritaetische.de/fileadmin/user_upload/Schwerpunkte/Armutsbericht/doc/2015_Armutsbericht.pdf | //
„Gelenkte Wirklichkeit: Bundesregierung streicht brisante Stellen aus Armutsbericht“ Marcus Klöckner (15. Dezember 2016) – https://www.heise.de/tp/features/Gelenkte-Wirklichkeit-Bundesregierung-streicht-brisante-Stellen-aus-Armutsbericht-3572521.html] Die Bundesregierung verwässerte allerdings bei der Veröffentlichung die Ergebnisse …“
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