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[Kurze Situationen... ]

Started by lemonhorse, August 25, 2005, 09:27:00 PM

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lemonhorse

Lösungsmittelgeruch.
Stehend auf Kacheln.
Ein Badezimmer.
Ich sehe Kreppklebeband.
Pinsel in einer Dose mit weißem Lack.

lemonhorse

#1
Im halbdunkel - in einer grünen Unterhose im Treppenhaus - die Abseite öffnend - kommen mir ein Haufen schlaffe bunte Luftballons entgegen.

lemonhorse

#2
Im Treppenhaus mit wabbeliger Matratze und durchgeschwitztem T-Shirt.

lemonhorse

#3
Im Treppenhaus einer ehemaligen Wohnung - abgestandener Rauchergeruch vor irgendeiner Tür. Erinnerungen fliegen durch das Gehirn.

lemonhorse

#4
Der Sand, das Wasser, die Körper der Menschen, der Sonnenbrand,  die stimmen, die Möwen, der Kiosk, die Blicke, das Handtuch, der Wind, jeder trägt seine Welt mit sich herum und lässt sich für ein paar Stunden in den unzählbaren kleinen Steinen nieder. der Sand der manchmal in ein Auge oder den Mund gerät.

lemonhorse

#5
Ein salbungsvoller verstaubter Kommentar aus dem Küchenröhrenradio zu einer neu aufgetauchten frühen Notenabschrift von Bach und auf der Strasse eine Schlägerei, Drohungen, Stimmengewirr und das eintreffen der Polizei vor dem Sportwettenlokal.

lemonhorse

#6
Bei unfreiwilligem Mithören von Gesprächsfetzen irgendwo auf offener Strasse entstehen diesbezüglich unfreiwillige Kommentare lautlos im eigenen Gehirn. Manchmal kommen Ideen stillschweigend zur Sprache - ich nehme mir vor sie nicht zu vergessen - und dennoch verschwinden sie so wie sie gekommen sind - im Vorübergehen. Eine Erinnerung taucht auf. Dinge die ich sträflich übersehen haben könnte, kommen urplötzlich in das Gedächtnis, peinigen es beispielsweise mit einem Detail das für mich nicht mehr zu verifizieren ist. Die Frage danach, was ich gesagt haben könnte in einer vergangenen Situation - oder was ich möglicherweise wirklich gesagt habe.

lemonhorse

#7
Ästhetische Ironie oder seelischen Paradoxie? - Ich höre den Ganzen Tag Wagner Overtüren (so laut es nur geht) über die von Ju geliehenen Kopfhörer...


Textaris(txt*bot)

#8
Wie schnell ich müde werde in der Nacht, wenn es plötzlich kalt geworden ist. Es ist nur ein paar Tage her. Der Körper reagiert deutlich auf Veränderungen der Temperatur. Hat er das früher auch getan? Habe ich es nur vergessen? Ist es früher nicht so gewesen? - In der Dunkelheit bekomme ich die Augen nicht zu. Der plötzliche Sommer, die Hitze, da schwächelt die Müdigkeit und die tiefe Nacht ruft diesen und jenen Gedanken wach. Es funkelt eigenwillig zwischen den Synapsen, und das Freud'sche Ich huscht verlegen zu der Hintertür, fühlt sich ertappt von all den vulgären Hitze-Obszönitäten - im Gedankenkinosaal.


Textaris(txt*bot)

#9
(Ende Januar 2016): Kiel ist gerade wie eine nasse dunkle glitschige angegammelte Holzplanke mit Nieselregen und eine handvoll Wind darüber. Gegenüber wird matt weißes Kiosklicht auf verschmierten Fenstern zurückgeworfen. Ich drehe doch noch die Heizung an und schalte die Lampe auf der Arbeitsplatte aus. Angenehm ist die Stille und die Dunkelheit. Wenn ich jetzt in die Straße hinunterschaue, glimmt auf ein paar Pflastersteinen noch dunkelrote Farbe spiegelbildlich auf einer dünn-kalten Wasserschicht. Eine tiefe Schlaflust rieselt in den psychischen Apparat. Was ich gerade noch wahrnehme - oder wie es sich anfühlt, dass die Zeit mich verändert - all das nehme ich mit auf die Matratze. Dann warte ich ab, in welche Gedankenspurrillen ich noch hinein rutsche, bevor dann nichts mehr für mich zu erinnern ist, bevor es weitergeht. Bevor ich morgen früh den Becher Kaffee mit ein paar Tropfen Sahne umrühre, bevor sich die Augen im ersten Moment noch nicht richtig scharf stellen.


Textaris(txt*bot)

Dicke Schneeflocken rieseln herab an der Bahnstrecke. Blaugraues Licht da draußen - außerhalb der Sitzreihen. Wie im Bilderbuch (denke ich).

Textaris(txt*bot)

Im 4. Stockwerk lag mein Zimmer. In der alten Goethestraße 6 am Schrevenpark. Am Tag füttern betagte Damen die Wasservögel, während dem Schreventeich durch die gut gemeinte Bortüberdüngung der Sauerstoff ausgeht. Zur Nacht, so wurde mir berichtet, gab es rege Lust im Herren WC und in den anliegenden Parkbüschen.
Mein Balkonfenster war jedoch nicht auf der Parkseite, sondern auf den Hinterhof ausgerichtet, so hatte ich die vielen Hauswände samt Fenster im Blick.

Da gibt es immer irgendwo blau flimmerndes Licht – Orte an denen der Fernseher ununterbrochen läuft, auch morgens um 4:21. In einem unergründlichem Rhythmus gehen des nachts in den verschiedenen Treppenhäusern in allen Stockwerken gleichzeitig die orangen – oder grün verschmierten Lichter an und wieder aus – oder ich sehe zufällig wie jemand im 3. Stock in ein silbergraues Abwaschbecken in der Küche masturbiert. Am nachmittag kommt es vielleicht zu einem Streit auf irgendeinem Balkon. Manchmal wird es laut und eine Tür wird geknallt. In der Mittagssonne gibt es Säuglingsgeschrei beim Wäsche aufhängen oder Wortfetzen eines intensiven Telefonats mit hämischen Lachen und vorgetäuschten Empörungsgeräuschen unter Freundinnen.

lemonhorse am 23 Juli 2007

Textaris(txt*bot)

[Kiel, Medusastrasse]: Ein Augenblick im Hinterhof. Gerade will sich das Bein über den Fahrradsattel schwingen, den Fahrradlenker locker umgriffen, da beginnt ein Innehalten von etwa 2 Sekunden. Eine plötzliche, im Grunde ungewollte eigene Bilderkette im Hinterkopf beginnt, als der Blick zufällig auf eine achtlos aufgerissenen, neben das Vorderrad geworfene Verpackung eines Schwangerschaftstests fällt. Das Gehirn erschafft ein paar Szenen und Situationen wie von Drehbuchschreibern gemacht.

lemonhorse am 19 August 2025