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[Und wir, die wir diesem Trugschluss nach wie vor erliegen (Debatten)... ]

Started by Textaris(txt*bot), February 06, 2019, 02:13:23 PM

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Textaris(txt*bot)

... Die Kunst steht zu Beginn des 21. Jahrhunderts vor einem tiefgreifenden Widerspruch: Sie ist freier und unabhängiger denn je. Dennoch finden Kunstschaffende und Kunstwerke immer seltener Niederschlag im gesellschaftlichen Diskurs ...

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... Eine Welt in der eine totale Inflation der subjektiven Sichtweisen und Perspektiven herrscht braucht es keine weitere der Künstler welche weitere Kosmen erschaffen. ... Und wir, die wir diesem Trugschluss nach wie vor erliegen und uns festhalten an einem romantischen Künstlerbild der Moderne tun gut daran die Augen zu öffnen und den Tatsachen ins Auge zu sehen. In einer metamodernen Welt aus individuellen Künstlern gibt es keinen Bedarf an modernen Künstler mehr. Demnach müssen zwei Bilder verworfen und neue gestaltet werden, das Bild des Künstlers und das Bild von Gesellschaft. ...

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... Die Kultur tritt immer mit der Haltung auf, dass sie alles richtig gemacht hat. Nur – wie konnte es dann so weit kommen? ...

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... Ich bin vielleicht gerade zu müde, erschöpft von dem Existenzkampf, um den gemeinten Punkt zu verstehen. Wofür genau soll die Kunst und Kultur dieser Zeit mitverantwortlich sein? Für den umsich greifenden Rechtsruck? Oder für die finanzielle Abhängigkeit von Subventionen/Förderungen eines Staates? ...

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Quote[...] Die These von der Autonomie der Kunst diagnostiziert, dass sich Kunst – wie andere Gesellschaftsbereiche auch – nach und nach von gesellschaftlichen Abhängigkeiten gelöst und eigene Spielregeln, Zugangsvoraussetzungen und Selbstbeschreibungen etabliert habe. Diese Entwicklung zu einer ,,Selbstgesetzgebung" der Kunst mit der autonomen Setzung der künstlerischen Produktion und dem autonomen Genießen von Kunst in einem geschmacksästhetischen Freiraum, wird von Seiten der Soziologie, aber auch von Seiten der Ästhetik und der Kulturgeschichte in engem Zusammenhang mit der Herausbildung der bürgerlichen Gesellschaft gesehen: sie wäre ohne die Entstehung eines Marktes, aber auch ohne die Idee der Freiheit des Individuums nicht möglich gewesen, so die These (Kösser 2006; Ruppert 1998). Ihren sinnfälligsten Ausdruck und vorläufigen Höhepunkt fand diese

Entwicklung Mitte des 19. Jahrhundert mit der Proklamation des l'art pour l'art durch Charles Baudelaire.

Dem waren allerdings historische Prozesse vorausgegangen, die weit in die Zeit der Vormoderne zurückreichen. Das wird spätestens dann deutlich, wenn man zu den schon genannten Disziplinen auch die Kunstgeschichte hinzuzieht. So heißt es von dieser Seite, dass die ,,Autonomie der Kunst, wie Autonomie alles Geistigen überhaupt, [...] keinem überzeitlich-statischen Gesetz [gehorche]; ihre Entwicklung [sei] geschichtlich angelegt, lange bevor sie die klassische Ästhetik auf den Begriff gebracht" habe (Müller et al. 1972: 7). Von herausragender Bedeutung erscheint der Kunstgeschichte in dieser Hinsicht vor allem die italienische Renaissance (Müller et al. 1972: 9; vgl. auch Busch 2005a; Warnke 1996). In dieser Epoche setzten demnach Entwicklungen ein, die dem Autonom-werden von Kunst entscheidende Impulse verliehen haben.

... Argumente und Befunde verweisen [...] darauf, dass der Prozess des Autonom-werdens der Kunst und die Autonomie selbst vielschichtige Phänomene sind, die ganz unterschiedliche Facetten beinhalten. Je nachdem, welche dieser Aspekte man dabei besonders fokussiert, fällt auch die Diagnose unterschiedlich aus – und zwar sowohl, was den Zeitpunkt des Autonom-werdens, als auch die Qualität der Autonomie anbelangt, ganz zu schweigen von den Einschätzungen über mögliche Gefährdungen.

...


Aus: Nina Tessa Zahner und Uta Karstein: "Autonomie und Ökonomisierung der Kunst - Vergleichende Betrachtungen von System und Feldtheorie" (2014)
Quelle: https://www.uni-muenster.de/Ejournals/index.php/zts/article/view/4880

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Quote[...] [Mephisto ist ein deutsch-ungarisches Filmdrama von István Szabó aus dem Jahr 1981. Sein Drehbuch basiert auf dem gleichnamigen Roman, den Klaus Mann 1936 im Exil geschrieben und veröffentlicht hatte. Der Roman zeichnet schwach verhüllt den beruflichen Aufstieg des Theaterschauspielers, -regisseurs und -intendanten Gustaf Gründgens in der Zeit des Nationalsozialismus nach.] ... Für den Fischer Film Almanach 1982 war Mephisto ,,weit mehr als die Verfilmung eines berühmten Schlüsselromans". Er nannte die Schlussszene, in der Höfgen ruft: ,,Ich bin doch nur ein Schauspieler!" ...  Auf das ,,nur ein Schauspieler" könne man ergänzen ,,nur ein kleiner Beamter" oder ,,nur ein Lokomotivführer" und so weiter. ... Uta van Steen begriff den Film als ,,Studie über einen erfolgsbesessenen, fast manischen Charakter, der sich in extreme Widersprüche einrichtete, um in und für seine Kunst leben zu können". ...


Quelle: https://de.wikipedia.org/wiki/Mephisto_(Film) (8. Februar 2025)

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Quote[...] Ein Dilemma unserer Tage ist ja beispielsweise die Tatsache, dass wir permanent in den fremden Bildern der Vergangenheit leben. Nicht nur mit Blick auf das Urböse in Form von Nazis, sondern eben auch auf andere Geister die eigentlich erst einmal gar nicht Böse, ganz im Gegenteil sogar stellvertretend für das Gute daher kommen. Freiheit ist sowas, Autonomie, Selbstbestimmung, aufgeklärtes Denken, um ein paar dieser Dinge zu nennen. ...

Und hier kommt dann die – sie ahnen es bereits – Kunst ins Spiel, welche in einer ihrer zahlreichen, aktuell aber doch dominierenden, Funktionen sichtbar macht was die nun zu Ende gehende Moderne so an Werten hervorgebracht hat und uns diese mit Hammer und Brechstange ins mindset zu prügeln versucht. Sie bietet somit, insbesondere in ihrer zeitgenössischen und damit konservativsten Variante, als Dauerwerbeschleife dieser Epoche, den aufgeklärten Blick in das Vergangene. Dabei, und das ist uns ja allen doch klar, ist der Blick in diese Richtung ja erst einmal gar nicht so verkehrt denn Zukunft leitet sich immer aus der Vergangenheit ab. Einzig störend und belastend daran ist, wenn die Dominanz dieser Bilder des Vergangenen den Blick auf das Gegenwärtige verstellen und uns damit statt zu ent- nur noch täuschen.

Eine der großen Täuschungen denen ich etwa erlegen war und auch – das muss ich zugeben, aber arbeite daran – immer noch erlegen bin, ist das Bild eines Künstlers, der ich gerne gewesen oder geworden wäre. Zumindest dachte ich dies lange Zeit. Es war das idealisierte Bild eines Kunst-Menschen der für sich eine Vision und Idee seiner Welt entwickelt und diese entsprechend (mit)gestaltet [https://de.wikipedia.org/wiki/Renaissance-Humanismus]. Es war – ihnen ist das selbstredend klar – angelehnt an das Bild des Renaissance Menschen und Universal-Gestalters. Sehr naiv und recht romantisch, ich gebe es hier gerne zu, :-).

Nun liegt die Renaissance weit zurück und zwischen dieser und der jetzt beginnenden Metamoderne gab es bekanntlich eine liberale Hochphase der kreativen Zerstörung, welche noch nicht ganz zu Ende ist und bis Dato andauert. Die Ergebnisse dieses disruptiven, alles zersetzenden Prozesses zu Gunsten der Sicherung des Kapitalbestands hinterlässt die uns umgebenden Ruinen der Moderne.

In eben diese Phase der totalen Zerstreuung, welche mit ,there ist no such thing as society' quasi den Turbo startete, fällt auch die Atomisierung von Gesellschaft unter anderem gestützt durch die Idee von Genie und Individuum. Was einmal als Befreiungsprojekt mit dem Ziel der Autonomie begann hat uns nun über die Zeit zu mehr oder weniger glücklichen Sklaven unsere selbst gemacht.

Wir alle sind nun, jeder für sich unterwegs mit unseren individuellen Perspektive und Positionen zu Welt und Wirklichkeit, wir alle sind nun in diesem spezifischen Sinne Künstler und tragen jeder für sich seine bzw ihr Welt mit sich herum. Was früher einmal verbindende soziale Utopie gewesen ist, hat sich heute verwandelt in die Fiktion einer Vision des eigenen Lebens, an der wir mangels Erfahrung naturgemäß alle Scheitern. Sebastian Späth greift diesen Prozess mit seinem affirmativen Konzept von Kunst als Lifestyle auf und versucht es dem entsprechend affirmativ nach vorne zu ballern [https://sofrischsogut.com/2018/01/30/hashtag-flatness-sebastian-spaeth/]. Denn Lifestyle und der vermeintliche individuelle Way of Life erzeugen die Tunnel in welche wir unsere Blicke Richtung Zukunft lenken. Mehr oder weniger erfolgreich, vor allem aber einzig und alleine zurück geworfen auf persönliches Glück und Unglück. Die Hohe Kunst 2018 besteht nicht mehr darin Welt zu gestalten oder Utopien zu entwickeln. Vielmehr sind wir nun alle Amateurkünstler ohne Ausbildung aber angetrieben vom Drang zur permanenten Entfaltung und Gestaltung der eigenen Lebenswirklichkeit geworden. Der einzige Fluchtpunkt ist nun für alle das entfernte Zentrum der eigenen Zentralperspektiven.

Das Dilemma aber derjenigen von uns welche sich aus Gründen für Künstler halten ist nun schlichtweg, dass man diese einmal notwendige Funktion des Entwickens von andersartigen Perspektiven und Positionen in einer solchen Welt nicht mehr benötigt. Eine Welt in der eine totale Inflation der subjektiven Sichtweisen und Perspektiven herrscht braucht es keine weitere der Künstler welche weitere Kosmen erschaffen.

Und wir, die wir diesem Trugschluss nach wie vor erliegen und uns festhalten an einem romantischen Künstlerbild der Moderne tun gut daran die Augen zu öffnen und den Tatsachen ins Auge zu sehen. In einer metamodernen Welt aus individuellen Künstlern gibt es keinen Bedarf an modernen Künstler mehr. Demnach müssen zwei Bilder verworfen und neue gestaltet werden, das Bild des Künstlers und das Bild von Gesellschaft.


Aus: "Abbildung von 1 Normcore" von anonymous (Apr 3, 2018 • 16:15)
Quelle: http://www.perisphere.de/metamoderne/abbildung-von-1-normcore

Textaris(txt*bot)

#1
Quote... Die Kunst steht zu Beginn des 21. Jahrhunderts vor einem tiefgreifenden Widerspruch: Sie ist freier und unabhängiger denn je. Dennoch finden Kunstschaffende und Kunstwerke immer seltener Niederschlag im gesellschaftlichen Diskurs. Wie kann eine autonome Kunst ihre Stellung als wesentlicher Teil des Mensch-Seins bewahren in einer durch und durch ökonomisierten Welt? Gibt es eine Alternative zu ihrer Degradierung zum Warencharakter einerseits und ihrer Reduzierung auf eine rein elitäre Innenschau andererseits? ...


Zum Buch: "Frei aber bedeutungslos? Das Dilemma der Kunst im 21. Jahrhundert: Eine ästhetische Spurensuche mit Hanns Eisler"
(Philosophie in der Blauen Eule) Taschenbuch – 4. Januar 2012 von Tina Bucek  (2012)

Textaris(txt*bot)

#2
"Freie Szene NRW: Drastische Einschnitte angekündigt"
11. Mai 2025. Nach monatelanger Verzögerung hat das Ministerium für Kultur und Wissenschaft in NRW drastische Einschnitte bei den mehrjährigen Förderprogrammen für freie Theatergruppen angekündigt. Das teilen 17 freie Gruppen gemeinsam mit und schreiben: "Die Einschnitte markieren einen kulturpolitischen Wendepunkt – mit erheblichen strukturellen und existentiellen Folgen." ...
https://www.nachtkritik.de/meldungen/nrw-drastische-einschnitte-bei-der-freien-szene

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Quote[...] Wann immer ich in den letzten Wochen den verständlichen, wichtigen, richtigen und von mir solidarisch mitgetragenen Protesten gegen die brutalen Kulturkürzungen folge –  es bleibt dabei immer auch ein Rest, eine Leerstelle, die mir Unbehagen macht. Denn ich höre eigentlich niemals selbstkritische Fragen nach der eigenen Rolle in diesem Katastrophen-Szenario. Die Kultur tritt immer mit der Haltung auf, dass sie alles richtig gemacht hat. Nur – wie konnte es dann so weit kommen?

Mir ist in diesem Zusammenhang ein Aufsatz von Theodor W. Adorno aus dem Jahr 1962 wieder eingefallen, den er schrieb, als ihm die Idealisierung der damals gerade wiederentdeckten 1920er Jahre und ihrer Kunst und Kultur immer unbehaglicher wurde, die den Nationalsozialismus ja immerhin hervorgebracht hatte. "Jene zwanziger Jahre" ist der Text überschrieben, den Adorno dem deutsch-französischen Kunsthistoriker, Galeristen und Wegbereiter der modernen Kunst Daniel-Henry Kahnweiler gewidmet hat. Jene so gefeierte Kultur, so Adorno, die viele nun als Ausdruck einer politisch befreiten Gesellschaft idealisieren würden – sei im Grunde nur eine Art Phantom gewesen.

Gerade jene Kunstwerke aus dieser Zeit, "an die Ruhm und Skandal sich hefteten", nehmen für Adorno "in ihrem zwielichtigen Verhalten zur Anarchie sich heute so aus, als wäre es ihre Hauptfunktion gewesen, dem Nationalismus die Parolen zuzuspielen, die ihm dann zum Kulturterror dienten; als hätte die geflissentlich hervorgekehrte Unordnung schon nach jener Ordnung gegiert, die dann der Hitler über Europa brachte." Für Adorno ist das kein Ruhmestitel der zwanziger Jahre. Vielmehr wurde die Katastrophe, die auf sie folgte, "von ihren eigenen gesellschaftlichen Konflikten ausgebrütet, auch in der Sphäre dessen, was man Kultur zu nennen pflegt".

Vielleicht kann man ja jetzt daraus lernen und – statt sich einfach nur in die Opferrolle zu begeben – nach der eigenen Verantwortung fragen, der eigenen Rolle in dieser Gemengelage. Vielleicht kann es auch nur so wirklich weitergehen.


Aus: "Geflissentliche Unordnung" Esther Slevogt (13. Mai 2025)
Quelle: https://nachtkritik.de/kolumnen-esther-slevogt/kolumne-aus-dem-buergerlichen-heldenleben-esther-slevogt-ueber-den-ton-der-proteste-gegen-die-aktuellen-kulturkuerzungen

QuoteKolumne Slevogt: Ich komm nicht mit

    #1
    Betroffene
    13.05.2025 09:04

Ich bin vielleicht gerade zu müde, erschöpft von dem Existenzkampf, um den gemeinten Punkt zu verstehen.
Wofür genau soll die Kunst und Kultur dieser Zeit mitverantwortlich sein? Für den umsich greifenden Rechtsruck? Oder für die finanzielle Abhängigkeit von Subventionen/Förderungen eines Staates?

Ich bin gerne selbstkritisch, und bin manchmal skeptisch gegenüber der Dauerparole Kunst sei demokratiebildend, aber was an unserer Lage Selbstverschuldet ist, verstehe ich nicht.

Manch einer hat in den letzten Tagen gesagt, es wäre ja auch naiv gewesen, die angekündigten Förderungen schon als die eigenen sicheren Zuschüsse zu denken, und jetzt empört zu sein, dass man ohne sie auf der Strasse sitzt.
Niemand hat die Förderung für sich selbst als gesichert gesehen, aber dass es sie gibt für eine breite uns vielfältige Szene war bisher gesetzt. Ein Plan B brauchte man bisher immer erst, wenn man 6 Monate vor Auslaufen der Förderung eine Absage erhielt. Nicht 3 Wochen vorher.

Wir alle setzen jegliche Kraft in das Konzipieren und Produzieren von, ja auch eine Floskel, gesellschaftskritischen und doch gesellschaftsbildenen Kunsterlebnissen, trotz Förderung immer prekär. Es bleibt wenig Zeit, einen Plan B zu entwerfen für den Fall der Fälle und ich verstehe den Auftrag eines Landes auch anders. Wir sind dazu verpflichtet eben diese Arbeit an der Gesellschaft zu leisten. Der Staat sollte dazu verpflichtet sein, diese Arbeit zu fördern.
Kultur raus aus den freiwilligen Leistungen!!!


QuoteKolumne Slevogt: Dank

    #2
    Hêlin
    13.05.2025 09:17

Danke Frau Slevogt. Ich finde Ihre Überlegungen und Denkanstöße bzgl. der aktuellen Kulturkürzungen sehr! sinnvoll.
Vor allem folgende Gedanken die auch mir Unbehagen bereiten sehe ich dabei als sehr relevant an:

Sich "...niemals selbstkritische Fragen nach der eigenen Rolle in diesem Katastrophen-Szenario" zu stellen.
Und "Die Kultur tritt immer mit der Haltung auf, dass sie alles richtig gemacht hat".


QuoteKolumne Slevogt: Zuwenig konkret
    #3
    Nemo
    13.05.2025 09:26

Das ist zu wenig konkret: Inwieweit hat denn die Kunst der Gegenwart ein "zwielichtiges Verhältnis zur Anarchie"? Inwieweit giert sie nach "Ordnung" - und ,,nützt nur der AfD", generiert das nächste "Tausendjährige Reich"? Liefert die Kunst 2025 die "Parolen", derer es bedarf, um sie auszulöschen? - Die Kolumne legt solche Analogien nach, ohne die Quelle/Bd. X/Gesamtausgabe bei Adorno zu nennen.

Vielleicht, so denke ich, ist die mannigfache Bezugnahme auf die "20er Jahre" vor allem durch komplett unreflektierte Reproduktion eines Begriffs wie "Babylon" in der TV-Serie, unter der Hand de facto zu einer Spielart von Geschichtsrevisionismus geworden. Weniger auf den Bühnen, mehr in Kino, TV/Streaming. Das Sujet wurde dem düster-raunenden Promi-Glamour (+Mystery-Nebel) angepasst, den die Darstellung/"Dokumentation" des nationalsozialistischen Staatsterrors genießen darf.

Die "Kulturindustrie" (Adorno) wurde unter Bezugnahme auf die "Roaring Twenties", die "Goldenen Zwanziger", "Babylon" – die ganze Kunst des Entertainment - pauschal entnazifiziert. Die einfache Formel - auch für ambitionierte Spielpläne mit "Wiederentdeckungen": Kurt Weill und Co. haben doch im Exil mit Entertainment und durch Entertainment gelebt! - Die Folgen für den Diskurs: Wenn wir mehr Musicals machen, stehen wir auch geschichtlich-politisch auf der richtigen Seite.

So sind "die Zwanziger" zu einer Lizenz zu teils unreflektierter, die 2020er Jahre und ihre Vorgeschichte vergessender "Unterhaltung" nach Maßgabe des 21. Jahrhunderts geworden. Am Ende einer Paul-Abraham-Operette senkt sich dann pflichtschuldig der Schatten eines Hakenkreuzes über die Szene – und man hat die Win-Win-Situation: Volles Haus und gemeinsames Schulterklopfen über die ,,gelungene Aufarbeitung".

Ein solcher Aufarbeitungsstolz machte sich ja, nach Beobachtungen vieler Wissenschaftler*innen, um die Jahrtausendwende und in der ersten Dekade des 21. Jahrhunderts breit. Während gleichzeitig die Schlussstrich-Mentalität und der Geschichtsrevisionismus bei immer größeren Teilen der ,,Eliten" (auch: ,,Mitte") Anklang fanden (vgl. dazu auch: https://www.bpb.de/shop/zeitschriften/apuz/257666/dies-und-jenseits-des-erinnerungskonsenses/), baulich weniger die 20er Jahre selbst sondern das Stadtschloss- und Garnisonskirchen-Preußen seiner Wiederbelebung entgegensah.


QuoteKolumne Slevogt: Aufsatz Adorno

    #4
    Danke
    13.05.2025 09:43

Herzlichen Dank für den Hinweis. Könnten Sie diesen Aufsatz online stellen bzw. verlinken, wie der Titel lautet bzw. wo man ihn lesen könnte?


QuoteKolumne Slevogt: Feines Gespür
    #5
    Mathematikerin
    13.05.2025 09:50

Hui, starker Tobak, Frau Slevogt, aber ja, der Gedanke kam mir auch schon.


QuoteKolumne Slevogt: Theater auf Tiktok
    #6
    martin baucks
    13.05.2025 10:08

In diesen Tagen wird in Sizilien gleich ein ganzes Dorf für 1,5 Millionen Euro zum Verkauf angeboten, ein sogenanntes ,,Stimmungsvolles Dorf". Stimmungsvoll deshalb, weil es verlassen wurde.

Das ist für mich eine Allegorie auf das hiesige Theater. Es hat ausgedient in seiner jetzigen Form. Fast hundert Jahre, von 1894 bis 1990 war das Theater auch immer wieder bestimmt von der sozialen Frage. Es begann mit den ,,Webern" von Hauptmann und endete mit der Wende knapp hundert Jahre später. Danach wurde der Sinn des Theatersspiels über die Dekonstruktion bis zur Postdramatik allmählich ausgehöhlt. Das Spiel um das Dasein des Menschen marginalisierte sich dabei zunehmend selbst. Übrig bleibt eine Art Performance, oft auch nur Agitprop, das andere Medien mittlerweile wesentlich besser beherrschen. Das Theater ist aus sich selbst herausgetreten.

Bestes Beispiel bleibt Selensky. Er begann auf ganz kleinen Bühnen in einer Arbeiterstadt, arbeitete sich bis ins russische Fernsehen vor. Kehrte dann nach Kiew zurück, um in einer selbstentwickelten Serie einen Präsidenten zu spielen, der er heute real ist. Niemand hat ihn gestoppt, wie einstmals ,,Jeppe von Berge", sondern er wurde in seinem Schritt heraus aus dem Fiktionalen in die Realität befeuert. Hierbei spielten die Medien eine große Rolle. Er war ein digitaler Kandidat und wurde dementsprechend überall in der Welt sehr erfolgreich und populär hinzugeschaltet, sogar in Cannes. Dieser Cannes Moment war eine Zeitenwende im Kulturbereich. Der, aus seiner Rolle heraus getretene Clown sprach zu den anderen, verbliebenen Clowns als echter Präsident, der sogar echte Kriege führen kann. Das war ein Paradigmenwechsel. Und in der Tat fütterte dieser ehemalige Clown echte reale Vorgänge und tut es noch.

Das deutsche Theater füttert ebenso einen Kulturkampf. Nur hat es für sich die Fiktion noch nicht verlassen. Es wartet als Opfer ab, bis es aus dem Fiktiven hinausgeworfen wird. Das ist fatal, weil es möglich erscheint. Dort wird nichts mehr produziert, das, wie ,,Die Weber" polizeilich verboten werden müsste. Im Gegenteil, es ist belangloses Zeugs, das sich genau so gut auf Tictoc verbreiten ließ oder einem ähnlich theatralischem Medium. Mit der Wende wurde auch ein zentraler Motor des Theaterspiels abgestellt und allmählich wird dieser soziale Verbrenner komplett ausgetauscht. Eben nur noch ein stimmungsvolles Dorf, während draußen das Reale siegt in seinem rechtsradikalem Kostüm.


QuoteKolumne Slevogt: Mehr statt weniger
    #7
    Kate
    13.05.2025 11:05

Ich versteh gar nichts. Sind wir uns gar nicht einig, dass wir unbedingt mehr Förderung, statt weniger in Zeiten von rechter Rhetorik, rechten Politiker*innen, rechten Lehrer*innen, rechten Journalist*innen brauchen? Dass mehr Geld insbesondere für Theater für Kinder und Jugendliche, partizipative Projekte, Demokratiebildung im öffentlichen Raum gepumpt werden sollte? Theater ist ein Ort der Demokratie und verkommt bei Mittelkürzungen wieder / weiter zum bildungsbürgerlichen Tempel. Kultur für alle durch niedrigschwellige Angebote, niedrige Ticektpreise und interessante Stücke. Versteh den Punkt von Esther Slevogt nicht bzw. bräuchte die präzise Ausführung bitte ein paar mehr Zeichen.


QuoteKolumne Slevogt: Selbstgerechtigkeit
    #8
    Cato
    13.05.2025 11:28

Liebe Kate, Ihre Aussage beinhaltet ja genau, was Frau Slevogt meint: "in Zeiten von rechter Rhetorik, rechten Politiker*innen, rechten Lehrer*innen, rechten Journalist*innen" - aber die Kultur allein ist immer links und hat immer alles richtig gemacht? Vielleicht sollte man diese Selbstgerechtigkeit mal in den Blick nehmen.


QuoteKolumne Slevogt: Selbstreflektions-Resistenz
    #9
    1312
    13.05.2025 11:30

Irgendwie habe ich den Eindruck, dass der Essay der Autorin mutmaßlich missverstanden wird...

Ich sehe es ähnlich, wie @Hêlin... man kann nicht ständig infantil, mit Messer und Gabel, nach mehr Futter fordern und dabei regelrecht resistent bleiben gegen Selbstreflektion. So funktioniert ja nun die Welt der Erwachsenen einfach nicht...

Hätte unsere eigene Szene intern mehr Solidarität, Zusammenhalt und Partnerschaftlichkeit bewiesen, bin ich davon überzeugt, dass wir dadurch ein Bollwerk gegen diese Kürzungen, die wir heute alle erleiden müssen haben, dargestellt hätten... Stattdessen war der gängige Lebensstil: Jede/r ist sich selbst der/ die Nächste besonders und vor allem, wenn es um Geld geht und das ist eine Wahrheit die es zu beleuchten gilt, bevor wir weiterhin nach unten abrutschen, treten und die kleine Elite, die jetzt neuerdings zur Intendanz gehört sich die Hosentaschen befüllt mit Geld.


QuoteKolumne Slevogt: Klare Worte
    #11
    KunstundFreiheit
    13.05.2025 12:36

#9: Abgesehen davon, dass ich Frau Slevogt wirklich dankbar bin für ihre einfachen und klaren Worte - auch wenn es m.E. nicht nötig gewesen wäre, Adorno für Verstärkung zu bemühen: Solidarität, Zusammenhalt, freundlich auf einen anderen gerichtete Aufmerksamkeit und selbst-verständliches Interesse am zufälligen Gegenüber ohne Vorbehalt sowie offene Ehrlichkeit in Meinungs-Konflikten sind eben KULTUR! Kultur von Umgangsformen, die gerade im Kunstbetrieb oft für überflüssig gehalten wird. Kultur und Kunst-Qualität gehören zusammen, sind aber nicht ein und dasselbe - es weiß nur nicht jeder...


QuoteKolumne Slevogt: Begegnungen
    #12
    Peter
    13.05.2025 13:00

... Mir ist ohne Zusammenhang eine Zeile aus Sonja Anders' 2025 erschienenem Text ,,Liebes Publikum!" eingefallen: ,,[...] der neuen Studiobühne BOX in der Gaußstraße - nicht zu vergessen nach jeder einzelnen Premiere. Wir möchten Ihnen begegnen!"

Eben diese Begegnung, dieses aufeinander-zu-gehen, das ja immer auch ein Wahrnehmen des Anderen bedeutet, ein sich-darauf-einstellen, welche Bedürfnisse, Ängste, Sorgen den Partner umtreiben; ein Zuhören - diese Dynamik vermisse ich in der Gemengelage von darstellender Kunst und Feuilleton.

... Durch die zunehmend prekäre Lage in der sich die Printmedien seit mittlerweile zwei Dekaden befinden verschärfte sich hier der Ton - aus kritischer Einordnung des Gesehenen wurde Kritik am Medium generell. Zwar sind wir noch nicht an dem Punkt, an dem die Schreibenden den Darstellenden vorwerfen, sie wären selber schuld an ihrer prekären Lage (das wäre ja so absurd wie ein Theaterstück über den Niedergang der Printmedien mit dem Schlusssatz: ,,na hättense mal besser jeschrieben") aber der Populismus ist doch allerorten zu spüren.

Schade, doch bisschen zu lang geworden für das Format.

... Lg Leute! Ich muss zur Probe. An einem Theater. Hab auch schon ne Haltung für meinen ersten Auftritt: ,,ich habe alles falsch gemacht!". Wird bestimmt spannend und die Politik überzeugen mehr Geld in den Laden zu geben.


QuoteKolumne Slevogt: Kontakt zur Realität
    #13
    Christoph
    13.05.2025 14:54

Schön zu beobachten, wie sich hier gerade jede:r das seine oder ihre aus der Kolumne herausinterpretiert und ganz nebenbei die These der Kolumne bestätigt: Man kreist eben doch vornehmlich um sich selbst und bestätigt so die Vorurteile all jener, dass diese Kunst vor lauter Betonung der eigenen Freiheit (Anarchie?) den Kontakt zur Realität verliert und sich selbst überflüssig macht...


QuoteKolumne Slevogt: Quelle des Aufsatzes
    #15
    Esther Slevogt
    13.05.2025 15:19

#4 Der Aufsatz ist zuerst in der Zeitschrift "Merkur" erschienen - leider nicht ohne Abo lesbar
https://www.merkur-zeitschrift.de/artikel/jene-zwanziger-jahre-a-mr-16-1-46/

Sonst findet er sich in Essaysammlungen wie dieser:
Adorno, Theodor W. "Eingriffe. Neun kritische Modelle". Suhrkamp Verlag 1963
oder in Band 10 der Gesamtausgabe.

Herzliche Grüsse!


QuoteKolumne Slevogt: Feines Gespür
    #16
    Mathematikerin
    13.05.2025 15:38

Aber eine Schwierigkeit ist auch dabei. Denn ich denke, um ein feines Gespür zu entwickeln für eine Welt in der man selbst verkehrt, braucht's Zeit. Und zwar unbezahlte Zeit. Man müsste sich eine Distanz zu dieser Welt erlauben können. Ein bisschen wie Fabian, bei Kästner, der zu seinem Freund sagt: "Ich sehe zu. Ist das nichts?" Fällt mir nun ein.


QuoteKolumne Slevogt: Wie lebt Theater fort?
    #18
    martin baucks
    13.05.2025 16:06

Ich würde gerne einmal wirklich wissen, wie das Theater fortlebt, falls es nicht mehr staatlich finanziert wird.


QuoteKolumne Slevogt: Keine gute Lobbyarbeit
    #19
    Wilhelm
    13.05.2025 16:23

Bin nur Theaterkonsument, ansonsten Chemiker und lange Jahre im Stadtrat. Ganz sicher haben die Theaterleute etwas falsch gemacht: Sie haben sich darauf verlassen, dass andere für sie das Geld beibringen? Ich erinnere mich, dass permanent diverse Lobbygruppen (z. B. Fußballer, Feuerwehr, etc.) vor der Fraktionstür standen und forderten, dass unbedingt diese Summe Geld im Haushalt für sie bereit gestellt werden muss. Erinnern kann ich mich nicht, dass Theaterleute Kontakt diesbezüglich aufgenommen hatten. Warum? Ich sehe, dass in Magdeburg der Haushalt zusammengestrichen wird. Angeblich muss gespart werden. Gleichzeitig stehen jedoch Millionen Euro für den Fußball bereit. Warum wohl?
Meine Idee: Die Theaterleute müssen permanent die Personen im Stadtrat, überall (auch einmal auf der Straße) ansprechen (wie ich das oft von den Leuten von Feuerwehr erlebt habe) und daran erinnern, wie wichtig das Theater ist. Freikarten für die politische Prominenz im Stadttheater reichen nicht aus.


QuoteKolumne Slevogt: Vorauseilender Gehorsam
    #20
    Kein wir
    13.05.2025 19:31

Danke! Ich verstehe ,,den Punkt" der hier so oft in den Kommentaren kritisiert wird 100%. Und frage mich schon lange, wann die Kulturszene aufhört zwischen vorauseilendem Gehorsam und inszenierter Empörung zu bewegen.


QuoteKolumne Slevogt: Stimmt nicht
    #21
    Betroffene
    13.05.2025 22:49

Ich bin gerne selbstkritisch, aber ich verstehe einfach die Kritik nicht.

Denn die eingefordert und in manchen Kommentar beklagen fehlende Solidarität ist in der Freien Szene NRW seit Jahren Praxis und auch in jetzigen Zeiten sehr stark, egal in welcher Förderung eine Gruppe war oder nicht war, wird hier für den Erhalt der Szene und weniger um die eigene Existenz gekämpft.

Grundsätzlich wird hier in fast allen Gruppen kollektiv, freundlich und mit solidarischen Bezahlsystem gearbeitet, das hat wenig mit Konkurrenz, Hierarchie und Machtmissbrauch an vielleicht manchem Stadttheater zu tun.
Es stimmt auch nicht, dass sich die Gruppen nicht immer im engen Austausch mit dem Kulturausschuss und ihren Abgeordneten befanden und vor den Kürzungen immer für Gespräche bereit waren. Arbeitskreise und Landesverband ihre Expertise zur Entwicklung der Förderung angeboten haben. Ich sehe nicht, wo hier unbedacht und erst recht nicht unverhältnismässig die Hand auf gehalten wurde oder unreflektiert ein System bedient wurde.
Sorry ich steh einfach auf dem Schlauch.


QuoteKolumne Slevogt: Selbstkritik?
    #23
    Arbeiter
    14.05.2025 09:32

Es ist ja schön, diese offene Frage zu stellen. Grundsätzlich liegt ein grosses Problem der Gräben zwischen Publikum, Politik und Kulturschaffenden in der Vermittlung und somit auch in der Berichterstattung darüber. Man schaue nur mal auf das Theatertreffen und die getroffene Auswahl. Was für ein Publikum soll damit was anfangen können? Das ist dermaßen eine Zusammenstellung für den Elfenbeinturm, dass es mich nicht wundert, dass die deutschsprachige Theaterlandschaft von einem Gros der Bevölkerung für nicht relevant erachtet wird. Oder die Programme in Grossstädten. Wer soll sich denn das nächste neue Stück zeitgenössischer Dramatik anschauen, verfasst von der nächsten queeren Person, die natürlich non-binär sein muss? Die Jugend? Dazu die ganzen Verrisse von Abenden, die eigentlich fantastisch unterhalten, aber dann halt doch nicht dem geistigen Niveau einer Kritiker:in entsprechen. Stattdessen suhlt man sich in Lob für Abende, die in irgendeiner Form überwältigen. Ob effektreich mit Bühnenmaschinerie ausgestattet oder die Körper zeigen, die mit Stunts beeindrucken. Wie soll da ein neues Publikum an Theater herangeführt werden?
Man schaue sich die Dezimierung von regionalen Kulturredaktionen an, für die lokalen Theater ist das eine Katastrophe. Es ist aber nur ein Symptom dessen, wohin sich diese Gesellschaft und deren Kritik entwickelt. Diese Form der Berichterstattung gehört auch bald subventioniert, damit sie in ihren kleinen Bubbles weiterexistieren kann.


QuoteKolumne Slevogt: Ohne Besserwisserei
    #24
    bernd
    14.05.2025 10:52

Macht Theater ohne Besserwisserei, sprecht über Eure Missetaten, Euren Opportunismus, Eure Müdigkeit, nehmt euch an der Hand und jammert nicht über Mitschuld und zu wenig Zuwendung, sondern steht auf, wenns ungerecht wird und haltet nicht immer die Fresse.

#Wilhelm

Politiker anbetteln ? Erklären wie wichtig wir sind ?
Kommen Sie bitte in unser Theater, geben Sie uns bitte Geld, wir sind nämlich wichtig und werden gebraucht.
Wo liegt der Fehler ?


QuoteKolumne Slevogt: Fragen mit Adorno
    #26
    T.A. Dorn
    16.05.2025 20:03

Man kann auch nicht jedes Wort Adornos auf die Goldwage legen. Was folgt denn aus dem Zitat tatsächlich für heute? Sollte die Kultur heute tatsächlich "dem Nationalismus die Parolen zuspielen, die ihm dann zum Kulturterror dienten"? Und wenn ja, soll das heißen, dass linke Positionen einnehmen bedeutet, rechten Positionen Futter zu liefern? Soll man deshalb keine linken Positionen einnehmen? Oder soll die Kultur für weniger Toleranz werben, dafür aber selbstkritisch sich selbst dafür geißeln, dass sie viele Perspektiven zu öffnen versucht hat?
Und ist die einzig legitime Reaktion auf Kürzungen im Kulturetat: "Oh ja, stimmt. Bei uns in der Kultur ist nicht alles optimal gelaufen, bitte nehmt uns das Geld weg. Wir werden dadurch sicherlich besser werden?"
Ich will ehrlich sein: Ich halte diesen Text für nicht zu Ende gedacht. Er ist, wenn es hochkommt, ein Anfang.


QuoteKolumne Slevogt: Zukunftslyrik
    #28
    Christoph gunnaring
    16.05.2025 23:07

Theater ist mehr,
und ja es sollte auch mehr wagen.

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@arbeiter

Ich habe auch meine Probleme mit den Holzinger Abenden, Meine Tochter ist aber zurecht begeistert.
Es eröffnet Ihr etwas, was ich nicht sofort verstehen kann. Erst wenn Sie es mir erklärt,werde ich zugänglich. Dann ist es eben nicht nur "Varieté Scheiss",mit dem ich, grundsätzlich im staatlich gesponserten Raum hadere, sondern hat genau den verdienten Platz dort wo es ist.

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QuoteKolumne Slevogt: Reformrenitenz
    #33
    Tobi
    18.05.2025 08:20

Das ist ja das Problem praktisch jeder Demo, und vielleicht auch, dass sie dabei die Sprache der Macht reproduziert (die Sprüche auf der ersten Berliner Protestdemo gegen die Kürzungen am Brandenburger Tor waren nicht intelligenter als Chialos Kreativwirtschaftsgeschwurbel - "wir sind nicht das Problem, sondern die Lösung" und andere Beweise politischer Kindsköpfigkeit oder einfach nur des exzessiven Narzissmus). Aber dennoch finde ich, dass in diesem Fall, die Rache von Rechts an der Kultur, nicht eine eigene Schuldwunde aufgeritzt werden müsste. Wie schlecht der Betrieb auf die sich schon längst erwartbaren Angriffe vorbereitet ist und wie gerade der Theaterbetrieb zuweilen argumentiert (wir können nicht sparen, weil der deutsche Apparat leider so teuer ist seit 2.500 Jahren), ist ein anderes Problem, finde ich. Monokausal lässt sich auch diese Krise weder erklären noch verstehen, aber die beachtliche Reformrenitenz des Betriebs und ihrer Lobbyisten auch in den Medien, diese enorme Verdrängungsleistung gebiert, wenig überraschend, immer neue Symptome. So lange wir nicht selbst über Strukturwandel reden können, redet die Struktur über uns, und das ist nicht schön.


...

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Quote[...] Letzte Woche nutzte die Kolumne "Aus dem bürgerlichen Heldenleben" auf einen Text von Theodor W. Adorno als Echokammer für eine Frage an die Gegenwart. Grund für den Kolumnisten dieser Woche, diese Echokammer einmal zu betreten.

... Helge Lindh, Abgeordneter im Deutschen Bundestag (SPD) fiel in der Debatte zum Regierungsantritt der neuen Koalition vor ein paar Tagen durch folgende kleine Rede auf.

"Wir müssen in der Bundeskulturpolitik auch über die Freie Szene sprechen, über sehr, sehr viele Künstlerinnen und Künstler, künstlerische Einrichtungen in diesem Land, die die nationale Kulturinfrastruktur geradezu ausmachen. Viele Theaterinstitutionen können gar nicht mehr ohne die Freie Szene. Unser Bild im Ausland ist gerade geprägt durch diese Freie Szene. Und was an Innovationen im Künstlerischen passiert, passiert in erheblichem Maße durch diese Freie Szene, durch viele Menschen, die sich das antun, die ein künstlerisches Leben führen, obwohl sie die Perspektive von Altersarmut haben und nicht wissen, wie sie im Alter, bei Krankheit und in schwierigen sozialen Lagen überhaupt leben können.

Das heißt, es gibt eine besondere Verantwortung der Bundeskulturpolitik gerade auch für diese Freie Szene, und wir müssen, wenn wir über Entbürokratisierung sprechen und es ernst meinen mit einer guten, an der Basis orientierten Kulturpolitik, darauf achten, dass wir nicht Künstlerinnen und Künstler dazu domestizieren, die Kunst des Antragstellens zu perfektionieren, sondern ihnen angemessene Bedingungen schaffen, sodass sie sich auf ihre eigentliche Arbeit, auf die Kunst, konzentrieren können. Dann – und nur dann – wird dieses Land, wie im Koalitionsvertrag beschrieben, tatsächlich ein Leuchtturm für Freie Kunst und Kultur in der Welt."

Helge Lindhs Einlassungen wirken wie eine sehr späte Antwort auf Freimut Duves Befund von 1986:

"Meine Damen und Herren, wie leben Künstler in unserem Kulturstaat? [...] Wer immer versucht, die schwierigen Lebens- und Berufsformen der Künstler den Steuer-, Betriebs- oder Sozialfachleuten zu erklären, hat neben viel gutem Willen eines feststellen können: In unsere steuerlich und sozialpolitisch geordnete und definierte Welt passt die Künstlerexistenz nur schwer, häufig gar nicht hinein."

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Aus: "Die behauptete Freiheit" Atif Mohammed Nour Hussein (Dienstag, 20. Mai 2025)
Quelle: https://nachtkritik.de/atif-mohammed-nour-hussein/kolumne-grand-guignol-im-opernhaus-adorno


Textaris(txt*bot)

Quote[...] Der Kultursektor gibt sich auch in Österreich gerne gesellschaftlich fortschrittlich. Er lässt sich aber von dreckigen Konzernen wie der OMV sponsern. Ein Interview mit Ex-Letzte Generation Mitglied Florian Wagner anlässlich einer Podiumsdiskussion.

Anfang August 2024 haben die Klimaaktivist*innen der Letzten Generation ihre Aktivitäten in Österreich eingestellt. Medial wie auch bewegungsintern wurde viel über Sinn und Unsinn ihrer Aktionen diskutiert. Dabei standen vor allem die Blockadeaktionen im Frühverkehr im Fokus. Doch das Repertoire der Aktionen der Letzten Generation war breiter – genauso wie die Akteur*innen, die dadurch konfrontiert wurden. Am 15. November 2022 schütteten zwei Klimaaktivisten eine nach Öl aussehende Flüssigkeit auf das Glas vor Gustav Klimts Gemälde ,,Tod und Leben". Sie thematisierten damit auch das Sponsoring des Leopold Museums durch die OMV. Mittlerweile sponsert der Ölkonzern das Museum nicht mehr. Florian Wagner war damals an der Aktion beteiligt. Er schaut zurück und thematisiert die anhaltende Doppelmoral des Kultursektors.

Ein Interview von Leonhard Rabensteiner im Vorfeld der Podiumsdiskussion ,,Gekauftes Image – Das schmutzige Geschäft mit dem Kultursponsoring" am 07. Mai 2025 veranstaltet vom Verein werbefrei und System Change not Climate Change.
--> https://www.werbe-frei.at/gekauftes-image-das-schmutzige-geschaeft-mit-kultursponsoring/ | https://systemchange-not-climatechange.at/

Leonhard Rabensteiner: Florian, wieso habt ihr euch damals für so eine provokante Aktion entschieden?

Florian Wagner: Unser Ziel [als Letzte Generation, Anm.] war immer, die Klimakatastrophe in die Medien zu bringen. Wir denken, dass das häufige Ins-Bewusstsein-rufen dazu führt, dass Menschen ins Handeln kommen. Und hier war das spezifische Ziel auch, quasi vom Boulevard ins Feuilleton zu kommen, da die Aktion in einem Raum der Intellektuellen stattfand. Und nicht der Hackler auf der Straße betroffen war.

Leonhard Rabensteiner: Unter Kunst- und Kulturschaffenden gibt es doch grundsätzlich eine größere Sensibilisierung für das Thema, zumindest größer als in anderen Bereichen. So gab es auch eine Solidarisierungskampagne mit Klimaaktivismus. Es gibt vermehrt Vermittlungsangebote und thematische Ausstellungen. Wie siehst du das Engagement des Kultursektors?

Florian Wagner: Nach der Aktion hatte ich mit vielen Menschen aus dem Bereich Kontakt und habe gesehen, wie eine Clique an Personen – meist dem Stereotyp entsprechende, alte, weiße Männer – den Betrieb der großen Häuser aufrecht erhält. Sie vermittelt einen Kunstbegriff, der so was von von gestern ist. Da gibt es die Genies wie Klimt oder Schiele, deren Meisterwerke bestaunt und ikonisiert werden. Das führt dazu, dass Menschen durch die Welt fliegen, um ein Selfie vor Gustav Klimts Kuss im Belvedere zu machen. Und Museumsdirektor*innen erzählen stolz, wie sie Photovoltaik am Dach installieren, LED-Lampen einbauen und mit dem Fahrrad ins Museum fahren. Das ist verlogen: Sie lügen nicht nur uns an, sondern auch sich selbst. Das gehört viel stärker öffentlich angeklagt. Diese Personen tragen eine hohe Verantwortung dafür, wie sie ihre Kulturbetriebe gestalten.

Leonhard Rabensteiner: Das Leopold Museum hat 2023 die Aktion ,,A few degrees more" gestartet. Dabei wurden Bilder um ein paar Grad schief gehängt und die Klimaerwärmung thematisiert.

Florian Wagner: Es hat geheißen, dass diese Aktion viele Menschen erreicht und zum Nachdenken gebracht hat. Wie man durch ein etwas schief hängendes Bild wirklich irritiert werden kann, kann ich selbst nicht ganz nachvollziehen. Hans-Peter Wipplinger, der Direktor des Leopold Museums, meinte jedenfalls, dass das viel smarter sei, um Bewusstsein für die Klimakrise zu schaffen, als die Aktionen der Letzten Generation.

Leonhard Rabensteiner: Aus der Logik eines Museumsdirektors ist das nachvollziehbar. Die Werke sind ja quasi seine Schutzbefohlenen.

Florian Wagner: Klaus Albrecht Schröder [Direktor der Albertina, Anm.] hat uns einmal zu einem Gespräch eingeladen – vermutlich auch mit dem Gedanken, seine Werke zu schützen. Auch er hat uns gesagt, dass Museen nur in einem kleinen Rahmen agieren können. Das sehe ich aber anders: Direktor*innen könnten sich zusammentun. Sie können Einfluss auf die Politik nehmen, in welche Richtung sich der Kulturbetrieb mittelfristig entwickelt. Es gibt ja auch Häuser, in denen nicht nur hohe Besucher*innenzahlen und Tourist*innenströme im Vordergrund stehen, sondern wo z.B. auf ein qualitatives Vermittlungsangebot geschaut wird.

Leonhard Rabensteiner: Mit eurer Schüttaktion habt ihr auch das Sponsoring des Leopold Museums durch die OMV thematisiert. Wie seid ihr darauf gekommen?

Florian Wagner: Das war quasi aufgelegt. Wir haben gesehen, dass Aktionen von Kolleginnen und Kollegen in Museen in Deutschland, Dänemark und England erfolgreich Reichweite erzielten. Das gesamte Leopold Museum war am Leopoldi-Tag in die Farben der OMV gehüllt. Es wurde für einen Tag mit gratis Eintritt komplett für Werbung an die Firma verkauft. ,,Tod und Leben" ist ja auch thematisch passend.

Leonhard Rabensteiner: Es gab in den letzten Jahren international viele Beispiele von Aktionen wie z.B. Flashmobs im British Museum gegen die BP als Sponsor, die das Sponsoring durch Ölkonzerne thematisierten. Meist führten sie zu deren Einstellung – und das in Ländern, in denen Kultur viel stärker auf nichtstaatliche Gelder angewiesen ist als in Österreich.

Florian Wagner: Museen eignen sich für die Imagepflege ideal. Um das zu sehen, braucht man nicht Werbung studiert zu haben.

Leonhard Rabensteiner: Das Leopold Museum wird seit einem Jahr nicht mehr von der OMV gesponsert. Auch im Kunsthistorischen Museum soll sie nicht mehr als Generalsponsorin auftreten. Ist das ein Erfolg eurer Aktion oder Zufall? Ein öffentliches Statement gab es ja nicht.

Florian Wagner: Wir werden nie wissen, was im Büro des Direktors besprochen wurde. Öffentlich wird vermutlich immer abgestritten werden, dass die Aktionen einen Einfluss darauf hatten. International gibt es aber auch den Trend, dass sich Museen von dieser Art der Sponsorings lösen, auch weil sie intern umstritten sind. Wenn wir zu dem Entscheidungsprozess beigetragen haben, freut mich das.

Leonhard Rabensteiner: Wie sollten Institutionen oder auch Festivals mit Sponsor*innen umgehen? Ethische Grundsätze gibt es ja offensichtlich. So sieht man etwa nur in Ausnahmen Tabak- oder Rüstungskonzerne in dieser Rolle. Sollte es Ausschlusskriterien geben, von wem öffentliche Häuser Geld annehmen dürfen?

Florian Wagner: Ich denke, dass es erst einmal Sinn macht, darüber zu reden, was mit den Geldern passiert. Wenn es nur darum geht, Besucher*innenzahlen und das internationale Prestige zu erhöhen, dann müssen erst einmal die Werte und gesellschaftliche Position der Institution hinterfragt werden. Das beantwortet dann auch die Frage, ob Geld von der OMV oder einem Rüstungskonzern angenommen werden soll. Ein gutes Beispiel ist Milo Rau, der nun die Wiener Festwochen leitet. Er hat im ,,Rat der Republik" im letzten Jahr Menschen aus unterschiedlichen Bereichen in einen demokratischen Diskurs eingebunden. Der Rat diskutierte auch darüber, welche Regeln es für die Festwochen in den nächsten Jahren geben soll – auch beim Sponsoring. Da gab es manche, die sich für eine maximale Summe aus egal welchen Quellen aussprachen, da es ja für etwas Gutes genutzt wird. Andere widersprachen dem, weil es gegen ihre Überzeugungen ging.

Leonhard Rabensteiner: Die Letzte Generation hat sich letzten Sommer aufgelöst. Wie geht es bei dir jetzt weiter?

Florian Wagner: Für die Letzte Generation war ich schon ein Jahr vor ihrer Auflösung nicht mehr aktiv. Mich beschäftigen gerade zwei Projekte: Das eine, Heimspiel, dreht sich um selbstorganisierte Versammlungen in Nachbarschaften – oder anders gesagt, um gutes Zuhören. Das andere ist das Kollaps-Café, in dem sich Menschen regelmäßig über ihre Gefühle angesichts der nicht mehr aufhaltbar scheinenden Krise austauschen können. Dieser Austausch ist sehr heilsam.

Die Podiumsdiskussion ,,Gekauftes Image – Das schmutzige Geschäft mit dem Kultursponsoring" mit Florian Wagner, Darren Sutton und Anna Fras findet am 07. Mai 2025 um 18.00 Uhr im Kulturzentrum 4lthangrund, Augasse 2-6, 1080 Wien. werbefrei und System Change not Climate Change.


Aus: "Fragwürdiges Sponsoring – der Kultursektor und die Klimakrise" Florian Wagner (6. Mai 2025)
Quelle: https://mosaik-blog.at/kultursektor-und-klimakrise/

Textaris(txt*bot)

#4
Quote[...] Diejenigen, die sich nun in ihrer künstlerischen Freiheit beschnitten fühlen, haben sich eigentlich ganz gut in den aus öffentlicher Hand subventionierten Kulturbetrieb eingerichtet. Das sauer verdiente Geld, dass ihnen die öffentliche Hand rüberschubst, betrachten sie als selbstverständlich. Oft sind es genau diese Menschen, die am Kapitalismus, der BRD, dem Spießer kein gutes Haar lassen, die all das verachten, was sie ermöglicht. Für diese Verachtung, so leider die weitverbreitete Meinung, werden sie bezahlt.

Hier schreibt keiner, der kein Verständnis für Kultur-Wellness hätte. Ich liebe Theater, Oper und Museen. Ich lese viel und gerne, und habe vermutlich eine starke Verankerung im Bildungsbürgertum. Ich beschwere mich daher auch nicht, dass der Staat, der mir Unsummen von Geld bei der Steuer abnimmt, damit unter anderem auch mein Kulturverlangen bezahlt. Das Bürgerlichsein der Bürger, muss ja jemand bezahlen und das ist am Ende zu einem großen Teil er selber. Das kann man mögen und feiern, die Subvention der repräsentativen Kultur ist in der Regel die Subvention von Bürgern.

... Die Bürgerlichen leben seit vielen Jahren damit, dass ein Teil der Moralelite ihnen ständig erklärt, wie scheiße sie sind. Was sie aus bürgerlicher Selbstironie ein wenig masochistisch genießen. Dieses ,,it hurts so good" ist Teil der Distinktion. Die Freundeskreise besonders avantgardistischer, vermeintlich dem Zeitgeist entgegenstehender Kulturinstitutionen sind bourgeoiser als jeder Rotary Club. So geht bürgerliche Kultur, und deswegen ist die Lobby für ihre Subventionierung so groß.

... Wer Monat für Monat die Hand aufhält und sein Brot aus Subventionen verdient, darf sich nicht wundern, dass man von ihm erwartet, dass er auch das Lied von denjenigen singt, dessen Brot er isst. Freiheit setzt immer auch Unabhängigkeit voraus. Künstler müssen sich endlich entscheiden, ob sie Subventionsflittchen sein oder Kunst hervorbringen wollen. Beides, das sieht man gerade erst, ist schwierig.

...


Aus: "Die Autonomie der Kunst ist ohne ökonomische Autonomie eine Lachnummer" Stefan Rochow (Januar 25, 2018)
Quelle: https://schwerin-lokal.de/die-autonomie-der-kunst-ist-ohne-oekonomische-autonomie-eine-lachnummer/

QuoteStefan Rochow (* 1976 in Greifswald) ist ein deutscher Politiker (ehemals NPD). Er war von 2002 bis Oktober 2007 Bundesvorsitzender der Jungen Nationaldemokraten (JN), der Jugendorganisation der NPD, sowie Mitglied des Parteivorstandes der NPD. Im April 2008 trat er aus der NPD aus,[3] 2009 konvertierte er zur katholischen Kirche und begann katholische Theologie zu studieren. ...

... Abkehr vom RechtsextremismusIm April 2008 trat Stefan Rochow aus der NPD aus, 2009 konvertierte er zur katholischen Kirche und absolviert seit 2011 ein Fernstudium der Theologie an der Katholischen Akademie Domschule Würzburg. Er ist inzwischen als freier Journalist und Autor tätig, u. a. für die rechtskatholische Zeitung Die Tagespost. Die Wende in seiner geistigen Einstellung schreibt er der Persönlichkeit von Papst Benedikt XVI. zu. Rochows Autobiographie ist im Frühjahr 2013 unter dem Titel ,,Gesucht Geirrt Gefunden" erschienen.

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Quelle: https://de.wikipedia.org/wiki/Stefan_Rochow (8. September 2024)

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QuoteWolfram Robert Wilhelm Weimer (* 11. November 1964 in Gelnhausen) ist ein deutscher Verleger, Publizist und Politiker. Er ist seit 2025 Staatsminister beim Bundeskanzler und Beauftragter der Bundesregierung für Kultur und Medien. Er war Chefredakteur der Zeitung Die Welt und der Berliner Morgenpost, des Focus und des von ihm gegründeten Magazins Cicero. ...

... In Anlehnung an Oswald Spengler sieht Weimer den europäischen Kontinent in einer Phase des kulturellen Niedergangs: ,,Unser Europa ist ein erlöschender Vulkan, er zischt noch hier und da und man kann an seiner imposanten Kraterlandschaft der Kultur seine einstige Größe erahnen. Seine vitale Kraft aber ist ihm abhanden gekommen. [...] Während Generation um Generation in einer Jahrtausende währenden Selbstverständlichkeit die Fortdauer der eigenen Familie, des eigenen Blutes, der Sippe, des Stammes, der Nation, der Kultur, der Zivilisation als einen heiligen Moment des Lebens begriffen hat, so zerbricht dieses Bewusstsein plötzlich in Scherben." Der Horizont der Deutschen reiche nicht weiter zurück als 1933.

... Weimer ist Klimaskeptiker. 2007 wandte Weimer sich gemeinsam mit Josef H. Reichholf gegen den Weltklimarat IPCC. Ihrer Meinung nach würde ,,Untergangsterror" verbreitet; die öffentliche Meinung sei ,,gleichgeschaltet". Es würde zwar wärmer, dies sei messbar. Wie warm es würde und warum, und ob der Klimawandel menschengemacht sei, das sei aber dahingestellt.

... 2018 schrieb er: ,,Mit dem Begriff ,Klimaleugner' werden von Rot-grünen seit Jahren Personen stigmatisiert, die es wagen, die Theorie vom rein menschengemachten Klimawandel in ihrem Absolutheitsanspruch zu bezweifeln. Das Wort ,Klimaleugner' soll jede offene Debatte töten, denn es weckt gezielt die Assoziation zum ,Holocaustleugner'.

... In der Integrationsdebatte attestiert Weimer Teilen der Bevölkerung ,,naiven" Multikulturalismus und spricht von einer ,,Multi-Kulti-Lüge". Der Multikulturalismus sei der Versuch, ,,mit vielen Döner-Buden, fleißiger Zuwanderung und der Huldigung von Kanak-Deutsch die alten Nationalinstinkte auszutilgen, die Nazi-Katastrophe sozusagen mental rück-abzuwickeln. Ein Stück Wiedergutmachung durch kulturelle Selbstvernichtung also."

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Quelle: https://de.wikipedia.org/wiki/Wolfram_Weimer (19. Mai 2025)

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Quote" ... Es ist mehr im Gange als bloß Überdruss an einer Kultur der Belehrung und der moralischen Einschüchterung, mehr als ein vibe shift. Der reale Kern betrifft die Neuverteilung von Finanzmitteln, neu besetzte Gremien, die andere Personalpolitiken verfolgen, es betrifft Verlagerungen der öffentlichen Aufmerksamkeit, mithin Fragen der Legitimation von kulturellen Einrichtungen. ... Selbst in ihren vernagelten Zonen wird sich herumsprechen, dass Konservatismus und Liberalismus demokratisch sind und kulturfähig. ..."

Aus: "Die letzte Patrone"  Thomas E. Schmidt (22. Mai 2025) | Quelle: https://www.zeit.de/2025/21/kulturbetrieb-kulturstaatsminister-politik-foerderung-haushalt

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QuoteMatu314: " ... Wolfram Weimer hat ein Buch mit dem Titel "Das Konservative Manifest" verfasst. Es ist also gar nicht so unklar, wofür er steht. Und was einem da als Konservativ angeboten wird, mag einen Progressiven durchaus erschrecken und abwechselnd als zutiefst reaktionionär und libertär erscheinen. Wenn man also über Weimer schreibt frage ich mich schon, warum man den Namen verschweigt und keine Auseinandersetzung mit dem Manifest desselben erfolgt. ..."

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QuoteDie Brandmauer: " ... Dann formuliere ich mal maximal sachlich. Jürgen Kaube von der konservativen FAZ hat über den neuen Kulturstaatsminister Folgendes geschrieben: "Der Publizist Wolfram Weimer wird Kulturstaatsminister. Sein Begriff von Kultur und sein Geschichtsverständnis weisen darauf hin, dass er der falsche Mann am falschen Platz ist. Um es gelinde zu sagen. [...] In seinem Manifest des Konservatismus von 2018 beklagt er sich über die ,,amoralische Renaissance" – er meint die Epoche von Sandro Botticelli, Albrecht Dürer, Tizian und Shakespeare - , diagnostiziert eine gegenwärtige Wiederkehr der Religion, verlegt den Ursprung des Dezimalsystems ins antike Rom, bezichtigt den deutschen Idealismus eines relativistischen Wahrheitsbegriffs, macht sich demographische Sorgen um die ,,Fortdauer des eigenen Bluts" und die ,,biologische Selbstaufgabe" Europas, trauert der Kolonialepoche mit der bedauernden Formulierung nach, Europa habe ,,keine Expansionskraft" mehr, und behauptet, unsere Mythen, Metaphern und Architektur (siehe oben unter ,,Renaissance") rekurrierten ,,immer auf die jüdisch-christliche Religion", was immer das für eine Religion sein soll." --> "Sorgen um die ,,Fortdauer des eigenen Bluts"?" Ein Kommentar von Jürgen Kaube (27.04.2025) | https://www.faz.net/aktuell/feuilleton/warum-wolfram-weimer-der-falsche-kulturstaatsminister-ist-110442949.html

Nun mag sich jeder selbst ein Urteil darüber bilden, ob dieser Mann für das Amt geeignet ist. ...

Anbei: "Ein Buchhändler, ein Kabarettist, eine Diversitäts-Beauftragte und der Leiter eines Festivals für Neue Musik berichten über Angriffe rechter Gewalttäter.":
[" ... 2020 forderte Herr Tillschneider, unserem Festival "jede Förderung zu streichen". In der gleichen Landtagsrede beschimpfte er "ein Lumpenproletariat an Möchtegern-Künstlern", die "eine Kunst produzieren, für die sich niemand wirklich interessiert". Auch in ihrem aktuellen Wahlprogramm fordert die AfD Sachsen-Anhalt, dem Impuls-Festival die Finanzierung zu entziehen und die Landesförderung für die Theater zu halbieren: "Eine Agitation gegen das eigene Volk muss nicht durch den Staat finanziert werden. In dieser Hinsicht ist uns die kulturpolitische Wende, die Ungarn unter Viktor Orbán vollzieht, Vorbild und Inspiration." Das ist deutlich. Die CDU-Landesregierung hat der AfD ihre Wünsche erfüllt und unserem Festival im vergangenen Jahr die Landesmittel gestrichen. ..."]
| https://www.sueddeutsche.de/kultur/rechte-attacken-auf-die-kultur-die-bedrohung-1.5289262 (Aus: "Rechte Attacken auf die Kultur - Die Bedrohung" Peter Laudenbach, 9. Mai 2021)

...

"


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Quoteschulzholger: " ... Herje, nach Jahrzehnten der großzügigen Alimentierung wird es für die Kulturschaffenden mal ein wenig unruhiger. Willkommen in der Wirklichkeit, eventuell lernt ihr jetzt mal das kennen woran ihr sonst so lärmreich Kritik übt. Ich finde eh Kultur sollte sich mehrheitlich durch das freiwillig zahlende Publikum finanzieren. ..."

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QuoteTHCHD: " ... Ich denke - ganz poetisch - man kann die davonschwimmenden Felle der rot-grünen Vorfeldorganisationen gerade beim Davonschwimmen beobachten ..."

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QuoteUniquos: " ... Wenn "Kultur" Förderung - aka Steuergelder - zum Überleben braucht, dann arbeiten die "Kulturschaffenden" wohl am Bürger und Konsumenten vorbei. Jede Förderung abschaffen. Wir brauchen Geld für wichtigere Dinge als linke Ideologie-"Projekte". ..."

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QuoteS.M.: " ... Herzlichen Glückwunsch zum Ultra-Neoliberalen Kommentar des Tages vermischt mit ein bisschen Linken Bashing (Kultur = linke Ideologie schnarch). ..."
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QuoteWaldkauz2000: " ... Kommentar an diejenigen, die es angeht (Ihr wisst, wer Ihr seit): ,,Ich finde, Straßen sollten mit 100% Deckungsbeitrag von ihren Nutzern finanziert werden. Wer sich kein Auto leisten kann, sollte vom Staat eines gestellt bekommen." Trinkt einfach mal drüber nach. ..."


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QuoteHerr Schaften: " ... Die Straßen sind Infrastruktur - einer der zentralen Aufgaben des Staates. Tipp an diejenigen, die es angeht: Die Produkte, die Sie morgen frühstücken und übermorgen im Supermarkt einkaufen, werden über diese Infrastruktur angeliefert. ..."


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QuoteWaldkauz2000: " ... Antwort auf @Herr Schaften: Ich hoffe, dass Sie in seelischem Frieden frühstücken können und nicht schon morgens auf dem Tablet über dieses Internet diese enervierenden ZEIT-Kommentare lesen, über eine überwiegend private, von Gebühren finanzierte... erm... Infrastruktur.
Möglicherweise ist Kultur sowas wie die Infrastruktur zur Anlieferung geistiger Nahrung. Aber wie beim Essen auch gibt es da unterschiedliche Bedürfnisse und unterschiedlich (un)gesundes Konsumverhalten sowie bessere und schlechtere Futterverwerter. ..."

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Quoteunddso: " ... Wann genau hat sich eigentlich die Leserschaft der bürgerlichen liberalen Zeit in einen Haufen kulturhassender Dauernörgler verwandelt, die alles jenseits von Mainstream-Radio überflüssig findet? ... Dass es noch gemeinsame Räume zum Denken, Lachen, Aushandeln geben muss, wo Utopien entwickelt und Politik kritisiert werden können. Und zwar JENSEITS von Grünenbashing im Bierzelt und Steinewerfen auf Demos. ... macht sich [...] wie schon in der Weimarer Republik und in den 60er Jahren ein regelrechter Hass breit gegen alles, was scheinbar ,,zu modern" ist (und was heute gleichgesetzt wird mit ,,zu links, zu woke" und in Weimar gleichgesetzt wurde mit zu ,,jüdisch")? - Mich erschüttert nicht mal die Ahnungslosigkeit der Kommentare, mich erschüttert die Aggression darin. was hat Euch eigentlich die Kultur getan? Hat Euch die Volksbühne wirklich was weggenommen? Geht es jemandem besser ohne Theater, Museen, Bibliotheken? Und glaubt Ihr wirklich, diese vergleichsweise lächerlichen Summen sichern Euch Mieten und Renten? ..."

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Quote[...] Nun lasst ihn doch erst einmal im Amt ankommen, wird einem gesagt. Ist die Redeweise vom Kulturkampf von rechts nicht allzu martialisch?, wird man gefragt. Und es wird einem gesagt, dass man die Nominierung von Wolfram Weimer zum Kulturstaatsminister cool nehmen solle.

Friedrich Merz musste, so geht dieser aparte Spin, wenn er schon mit den vielen neuen verabredeten Schulden den versprochenen radikalen Politikwechsel über Bord geworfen hat, der konservativen Seele zumindest symbolisch ein Beschwichtigungsangebot machen. Dieses Angebot sei halt Wolfram Weimer.

Nun gut. Die vehemente Kritik, die viele Menschen an dieser Personalie haben, sollte deutlich geworden sein, auch die der taz. An ihr ist nichts zurückzunehmen. Und man hätte das ja auch erst mal so stehen lassen können, wenn nicht die Interviews, die Wolfram Weimer zu seiner Verteidigung inzwischen gegeben hat, nicht schon wieder so verschwiemelt im Ganzen und irreführend im Besonderen wären. Zu ihnen zwei Anmerkungen, eine konkrete und eine allgemeine.

Die konkrete Anmerkung bezieht sich auf die Frage, ob sich Wolfram Weimer demografische Sorgen um die ,,Fortdauer des eigenen Blutes" mache, was in der Tat, wenn es zutrifft, eine reaktionäre Denkweise ist. Im Hintergrund steht der bissige Kommentar Jürgen Kaubes zur Berufung Weimers. Der Feuilletonherausgeber der FAZ hatte einige markante Stellen aus Weimers Buch ,,Manifest des Konservativen" aufgezählt und dabei kritisch erwähnt, Weimer mache ,,sich demografische Sorgen um die ,Fortdauer des eigenen Bluts' und die ,biologische Selbstaufgabe' Europas".

Im Stern wird Weimer nun darauf angesprochen. Und unser designierter Kulturstaatsminister antwortet: ,,Dieses Zitat ist völlig aus dem Zusammenhang gerissen. Ich beschreibe einen historischen Umstand, dass man früher in solchen Kategorien gedacht hat, aber gerade als Gegenentwurf zu unserem Denken." Nur stimmt das, was Weimer hier zur Verteidigung vorschützt, halt nicht.

Man kann den Zusammenhang ja nachlesen. Das Zitat fällt in einem Kontext, in dem das Verlöschen der ,,vitalen Kraft" Europas beklagt wird, was immer das sein soll, und zwar ausdrücklich in positiver Anlehnung an Oswald Spenglers Schrift vom ,,Untergang des Abendlandes".

Und dann heißt es: ,,Während Generation um Generation in einer Jahrtausende währenden Selbstverständlichkeit die Fortdauer der eigenen Familie, des eigenen Blutes, der Sippe, des Stammes, der Nation, der Kultur, der Zivilisation als einen heiligen Moment des Lebens begriffen hat, so bricht dieses Bewusstsein plötzlich in Scherben."

An diesem Satz stimmt nichts. Das angeblich heilige Moment war immer Ideologie, es zu unterstellen sowieso eine Rückprojektion, und dass das Bewusstsein ,,plötzlich" in Scherben geht, ist auch unwahr. Die Emanzipation des Individuums vollzog sich in langen symbolischen und politischen Kämpfen, in denen übrigens der Aufstieg des Bürgertums eine wichtige Rolle spielte. Egal.

In einem hat Weimer allerdings recht. Er beschreibt wirklich einen angeblich historischen Umstand als Gegenentwurf zu ,,unserem" Denken. Doch entscheidend ist: Er selbst ist es, der hier den Zusammenhang negiert. Denn aus dem Kontext wird ganz klar, dass er es bedauert, dass das alte Bewusstsein heute in Scherben liegt. Die Analyse, dass Europas Vitalität untergeht, kolportiert Weimer zustimmend. Und er selbst ist es, der dabei ausdrücklich Begriffe wie Sippe, Blut, Nation und Kultur ineinander übergehen lässt. Kaube trifft mit seiner Zusammenfassung die Aussage der Stelle also genau.

Was hat sich Weimer mit seiner abstreitenden Antwort gedacht? Er hätte sagen können: Oh, an der Stelle habe ich meine eigentliche Absicht nicht deutlich genug gemacht. Oder er hätte sagen können: Na ja, das Buch ist von 2018, womöglich war ich noch zu sehr von Thilo Sarazzins Deutschland-schafft-sich-ab-Thesen beeinflusst, die ich damals ins Europäische übertragen habe, davon distanziere ich mich inzwischen ausdrücklich. Hat er beides aber nicht getan.

Dazu zwei mögliche Erklärungsansätze. Entweder er glaubt: Wird schon niemand so genau nachlesen, und ich werde schon irgendwie damit durchkommen – Trump macht diese Taktik gerade im Weltmaßstab vor, und in den Talkshows, in denen Weimer viel sitzt, reicht sie als Ausweichmanöver ja auch meistens aus.

Oder, zweite Möglichkeit, er weiß selbst nicht so genau, was er da geschrieben hat. Dass kurz nach der Blut-Stelle eine Episode folgt, in der Weimer die nach 1945 unterbleibende räumliche Ausdehnung Europas als ,,Bedeutungsverlust" beklagt und man als Leser also durchaus Blut-und-Boden-Assoziationen haben kann, sei nur kurz erwähnt.

Damit zur allgemeinen Anmerkung zu Weimers Selbstverteidigungen. In dem Stern-Interview verortet sich Wolfram Weimer im ,,breiten Raum der bürgerlichen Mitte". In einem Hintergrundgespräch mit der dpa sagt er es ausdrücklich: ,,Ich bin ein Mann der bürgerlichen Mitte." Dass er sich selbst so sehen möchte, kann man ihm abnehmen. Doch sagen wir es so: Wenn er Teil der Mitte sein will, hat er sich als Autor in der Vergangenheit äußerst ungeschickt verhalten.

Weiß Weimer denn nicht, was es heißt, sich affirmativ auf die Lehre vom weltweiten Kampf in sich geschlossener ,,Kulturkreise" zu beziehen, wie er das in seinem ,,Konservativen Manifest" tut? Die AfD redet so, Putin redet so, teils auch Trump – und bald nun auch ein Mitglied der Bundesregierung? Hat Weimer vergessen, dass er die ,,Zersetzung des öffentlichen Diskurses durch Ressentiments", die er in dem dpa-Gespräch den Rechtspopulisten ankreidet, selbst umfangreich betrieben hat?

Dass er als diskursive Gegner ,,Linke und Rechtspopulisten" auf eine Stufe stellt, ist das eine; dass er die Reihe verunglimpfend mit ,,Gutmenschen-Bevormunder und moralische Besserwisser" fortsetzt, das andere. Das soll kein Ressentiment sein?

Und schließlich: Meint Weimer jetzt verwischen zu können, dass seine Verunglimpfungen des Multikulturalismus und seine Loblieder auf Vaterland, Familie und Glauben, die er in dem ,,Manifest des Konservativen" und Kolumnen angestimmt hat, sich eindeutig gegen die Fundamentalliberalisierung der bundesdeutschen Gesellschaft richten, die ein selbstbestimmtes Leben in Deutschland erst möglich gemacht haben?

Tatsächlich ist sein Begriff von Bürgerlichkeit zusammengeträumt. Wenn man Weimer als Kulturstaatsminister ernst nehmen soll – und sei es eventuell dann eben als Gegner –, sind jedenfalls keine allgemeinen Floskeln, sondern konkrete Standortbestimmungen nötig. Und man muss sich von ihm nicht ausreden lassen, dass die Mitte unserer Gesellschaft sehr viel lebensweltlich liberaler, bunter, durcheinandergewürfelter und freier ist, als er es gut findet.

Womöglich merkt er gar nicht, wie vehement er alles ausschließt, was von seinen heteronormativen und dabei biedermeierlich im schlechten Sinn wirkenden Vorstellungen abweicht. Und wie sehr seine Beschreibung der gesellschaftlichen Gegenwart daran krankt.

Ein Wort noch zum Kulturverständnis. Der dpa gegenüber behauptet Weimer, Menschen, die lieber Thomas Mann als Bert Brecht lesen, würden ,,in die rechte Ecke" gestellt. Dass Thomas Mann aktuell als antifaschistischer Kämpfer entdeckt wird, hat Weimer offenbar noch nicht mitbekommen. Er hätte es benutzen können, um seiner Versicherung, gegen die AfD zu sein, Glaubwürdigkeit und Substanz zu verleihen.


Aus: "Kulturstaatsminister Wolfram Weimer: Und das soll bürgerlich sein?" Dirk Knipphals (3.5.2025)
Quelle: https://taz.de/Kulturstaatsminister-Wolfram-Weimer/!6081483/

QuoteDr. McSchreck
05.05.2025, 10:16 Uhr

Der Autor mag sich die Wahlergebnisse in Deutschland und Europa ansehen, dann erkennt er vielleicht, dass die Mitte sehr viel weiter rechts liegt als er sich wünschen würde.


QuoteKaboom
05.05.2025, 09:18 Uhr

Nuja, sein zukünftiger Chef hält sich für Mittelschicht. Da darf (oder muss?) Weimer sich natürlich für bürgerliche Mitte halten.


...

Textaris(txt*bot)

#5
Quote[...] Das Kalkül des Festwochenintendanten Milo Rau, die mittlerweile sehr ins Politische gedrängte Veranstaltung durch Aufreger zu positionieren, scheint aufzugehen.

Beim neuen Format der Festwochen "Wiener Kongresse" teilte der deutsche Journalist und Herausgeber der "Welt", Ulf Poschardt, zuerst gegen den linken Festwochenintendanten Milo Rau aus und stellte sich danach auch noch hinter die Regierung Israels.

Eigentlich sollte es am Eröffnungsabend der neuen Veranstaltungs-Reihe im Theater Akzent um "Culture Wars" gehen. Mit Blick auf Rau sagte Poschardt, dieser klebe sich zwar einen ,,Republik der Liebe"-Button auf die Brust – aber beim Wort ,,Kulturkrieg" denke er zuerst an Israel: ,,Bei den Taliban – schweigen. Bei Assad – schweigen. Sonst so in der arabischen Welt – schweigen."  Er selbst wolle seine Rede der IDF- der israelischen Defence Force widmen. "Das sind diejenigen, die den Antisemitismus mit Waffengewalt bekämpfen müssen, der auch im deutschen Kulturbetrieb sein Unwesen treibt." Ihm sei Benjamin Netanjahu näher als Milo Rau.

Daraufhin empörte sich das Publikum und Beschimpfungen wie "Genozidales Schwein" waren zu hören. Poschardt nützte die Bühne, um weiter zu provozieren und nahm Viktor Orbans Kulturpolitik in Schutz. Offenbar wollte er damit zeigen, wie "woke Cancel Culture" in der Realität funktioniert, wenn ein Publikum provoziert wird.


Aus: "Poschardt sorgt für Eklat bei Wiener Festwochen" (01.06.25)
Quelle: https://www.oe24.at/oesterreich/chronik/wien/wieder-eklat-bei-den-festwochen/635669030

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Quote[...] Nach den "Wiener Prozessen" im vergangenen Jahr setzt Festwochen-Chef Milo Rau sein Diskurstheater mit zwei wochenendfüllenden "Wiener Kongressen" in etwas lockererer Form fort. Zum Auftakt des ersten Teils, der sich mit Kulturkriegen und "Cancel Culture" beschäftigt, prallten am Freitagabend im Theater Akzent nach einer Vorschau unversöhnliche Positionen der feministischen Autorin Mateja Meded und des rechten Journalisten Ulf Poschardt aufeinander und sorgten für Emotionen.

Das Feld der argumentativen und moralischen Debatte sei zu einem Feld des Krieges geworden, in dem Andersdenkende oder sogar nur Vermittelnde zu Feindinnen gestempelt würden, klagte Rau in seiner einführenden Rede. Der "Kulturkampf" sei ein Vorläufer des Bürgerkriegs und schließlich der Autokratie, könnte aber ein notwendiger dialektischer Streit sein, der zu einer schmerzlichen gemeinschaftlichen Lösung führe. "Lasst uns daran in den nächsten Tagen arbeiten, mit aller Härte und aller Klarheit, aber auch mit Großzügigkeit und Neugierde", plädierte der Regisseur auf einer minimalistischen Bühne mit einem Rednerpult, Tischen, Fantasiefahnen sowie einer Dolmetschkabine.

Nach einer kurzen Einführung der deutsch-amerikanischen Kulturwissenschafterin Elisabeth Bronfen zur Geschichte des Cancelns erläuterten die Strafverteidigerin Alexia Stuefer und die Anglistin Sandra Pelzmann als Moderatorinnen das Prozedere von drei Sitzungen des "Kongresses", die sich am Samstag und Sonntag mit dem Krieg in Gaza, Diskussionen um die deutsche Politikwissenschafterin Ulrike Guérot sowie mit Kunstfreiheit in östlichen Nachbarländern Österreichs beschäftigen werden. Am Sonntagnachmittag soll eine Jury der von Rau 2024 ausgerufenen "Freien Republik Wien" dann brisante Fragen zu den drei Fällen beantworten. Unter anderem soll geklärt werden, ob die Verwendung der Begriffe "Genozid" und "versuchter Genozid" für das Vorgehen von Israels Streitkräften zulässig oder propagandistisch und antisemitisch sei.

Einen ersten Einblick in zu erwartende Polemiken lieferten am Freitagabend die Auftritte von deutschen Gästen, die Klischees von linken und rechten Aktivistinnen und Aktivisten nahezu ideal erfüllten. Die Autorin und Schauspielerin Mateja Meded betrat bloßfüßig die Bühne und verlas in rasender Geschwindigkeit eine Abrechnung mit dem Patriarchat, dessen Kastrierung sie letztlich forderte. Weil er seinerzeit gegen eine Kriminalisierung von Vergewaltigung in der Ehe gestimmt hatte, bezeichnet sie den neuen deutschen Bundeskanzler Friedrich Merz als "Idiot" und erntete damit Applaus bei einem mehrheitlich linkslastigen Publikum. Für Gelächter sorgte zudem ein Schwenk der Bühnenkamera auf eine angesichts von Mededs Sprechtempo sichtlich gequälte Dolmetscherin.

Deutlich weniger sagte indes der Journalist und nunmehrige "Welt"-Herausgeber Ulf Poschardt, der seinen 12-minütigen Auftritt mit einer langen Pause begann. Er widme seine Rede den israelischen Defense Forces. Denn diese vereinten alle Israelis, Jüdinnen und Juden, die einen auch im deutschen Kulturbetrieb sein Unwesen treibenden Antisemitismus mit Waffengewalt bekämpfen müssen, erklärte er und erntete dafür erste Buhrufe. "Benjamin Netanyahu ist mir näher als Milo Rau", ergänzte er.

Der in der Vergangenheit von TV-Moderator Jan Böhmermann mit Hitlerbart persiflierte Poschardt prangerte zudem einen "ritualisierten Denunziationswettlauf" an, bei dem man von einem "Shitbürgertum" zuerst als rechts, dann rechtsextrem und schließlich als Nazi dargestellt werde. Der Journalist verteidigte die Kulturpolitik des ungarischen Premiers Viktor Orbán und meinte, dass die Biennalen von Venedig und die Documenta in Kassel in weiten Teilen wie die Ausstellung von schlechten Soziologie-Seminararbeiten aussähen. Gleichzeitig bedankte er sich für jene Angst, die seine Gegner verbreiteten. Dies sorge dafür, dass sich sein aktuelles Buch gut verkaufe.

Von Angst war abschließend aber auch in einem von "Wiener Kongress"-Dramaturg Robert Misik verlesenen Vortrag der Linguistin Ruth Wodak die Rede, die nüchtern von einer kürzlichen Vortragsreise in den USA berichtete. "Insgesamt herrscht Angst, Ängste dominieren den Alltag wie manche dies aus totalitären Ländern kennen", beschrieb Wodak die aktuelle Situation im US-Wissenschaftsbetrieb.

("Die Wiener Kongresse. Kongress I. Kulturkriege" im Rahmen der Wiener Festwochen, Theater Akzent, Theresianumgasse 18, 1040 Wien. Konzeption und Regie: Milo Rau. Weitere "Sitzungen" am 31. Mai und 1. Juni bzw. (Kongress II) am 13., 14. und 15. Juni. https://www.festwochen.at/kongress-1)


Aus: "Festwochen-"Kongresse" starteten mit polemischen Reden" (31. Mai 2025)
Quelle: https://www.puls24.at/news/entertainment/festwochen-kongresse-starteten-mit-polemischen-reden/413668

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Quote[...] Mehrmals war am Wochenende von der Relevanz sozialer Medien für die Fragestellungen die Rede. In der Sitzung zu Guérot erläuterte der an der Universität Luxemburg tätige Philosoph Harry Lehmann, dass eine aktuelle "Cancel Culture" in den USA seit etwa 2013 zu beobachten sei, dem Jahr, in dem Smartphones in eine größere Rolle zu spielen begonnen hätten. Eine neue Medienkultur führe dazu, dass sich sogenannte Gruppenpolarisierungsprozesse, die Verschiebung von Positionen zum radikalen Pol, in Institutionen medial verstärken ließen. Während früher in den Institutionen eher versucht worden sei, nicht zu eskalieren, sei diese Praxis in einer neuen digitalen Medienwelt außer Kraft gesetzt und nähmen Institutionen nunmehr extremere Positionen ein. Universitäten würden deshalb etwa auch zunehmend auf Canceln und Entlassen setzen.

"Netzwerke und die Algorithmen der Tech-Oligarchen schwächen unsere Demokratie", klagte auch der slowakische Autor Hvorecký im Zusammenhang mit der Verbreitung von Verschwörungstheorien und extremistischen Haltungen im Internet. Die für eine Säuberungswelle in slowakischen Kulturinstitutionen verantwortliche Kulturministerin Šimkovičová stünde für einen sich im Netz verbreitenden "digitalen Faschismus". "Der kommt bei vielen auch gut an", sagte er.


Aus: "Harte Debatten bei den "Wiener Kongressen" der Festwochen" APA (Sonntag, 01. Juni 2025 )
Quelle: https://www.sn.at/kultur/allgemein/harte-debatten-wiener-kongressen-festwochen-179331622

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Quote[...] Kulturstaatsminister Wolfram Weimer sieht die Freiheit von Wissenschaft und Kunst weltweit unter Druck. In seiner Rede vor dem Orden Pour le mérite sprach er von einer freiheitsfeindlichen Grundströmung in Großmächten wie China, Russland, Indien und den USA. Auch im Westen breiteten sich nationalistische Tendenzen aus und entwickelten zunehmend repressive Züge. Zuvor hatte der Ordenskanzler und gerade ausgeschiedene Präsident der Stiftung Preußischer Kulturbesitz vor einem ,,Kulturkampf von rechts" gewarnt. Rechte Kräfte würden versuchen, auf kommunaler und Landesebene Einfluss auf Kulturprogramme oder Personalentscheidungen zu nehmen. Er verwies dabei auf zahlreiche demokratiefeindliche Übergriffe auf Museen.


Aus: "unterm strich" (03.06.2025)
Quelle: https://taz.de/unterm-strich/!6091191/

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Quote[...] ,,Genozidales Schwein!" Der Ruf beängstigte, mit dem eine Zuseherin am ersten Abend die Rede von Ulf Poschardt verließ, offenbar weil dieser Sympathien mit Israels Ministerpräsident Netanjahu geäußert hatte. Und er ließ befürchten, dass den ,,Wiener Kongressen" heuer nicht gelingen würde, was ihrem Pendant 2024, den ,,Wiener Prozessen", gelungen war: dass Menschen anderen zuhören, die ganz anders denken als sie.

Es ist grosso modo dann doch gelungen. Das lag an der gut (und mit einem Alzerl Schalk) ritualisierten Durchführung, heuer halt statt durch ein Theatergericht mit echten Juristen durch eine Theaterjury – wiewohl ebenfalls mit einer echten Juristin als Leiterin, nämlich der Strafverteidigerin Alexia Stuefer, die auch den Prozesshammer streng einsetzte. Das von den ,,Auskunftspersonen" verlangte Versprechen, die Wahrheit zu sagen, allerdings machte in diesem Setting doch stutzig.

Vielleicht weil sich zu viele Menschen derzeit auf die Wahrheit bzw. auf Fakten berufen und diese ihren Gegnern absprechen. Offensichtlich wurde das etwa in einer heftigen Szene zwischen Christine Stromberger, Mitglied des Rats der Republik der ,,Freien Republik Wien" der Festwochen, und dem ungarischen Journalisten Boris Kálnoky: Es gebe (nur) zwei Geschlechter, sagte er, sie replizierte streng, dies widerspreche der Wissenschaft. Man fragte sich: Welcher Wissenschaft? Mit welcher Definition des Begriffs Geschlecht? Und: Welche Wissenschaft wäre denn berufen, das zu entscheiden?

Eigentlich ging es da um Entlassungen in der slowakischen und ungarischen Kulturszene, die unter dem Titel ,,von Rechts gecancelt" behandelt wurden. Tatsächlich gab der Bericht des von Kulturministerin Martina Šimkovičová entlassenen Ex-Direktors des slowakischen Nationaltheaters, Matej Drlička, zu denken: Šimkovičová hat offenbar systematisch repräsentative Posten mit Menschen besetzt, die der Kultur im engeren Sinn eher fern stehen, ihr aber ideologisch genehm scheinen.

Zumindest Zweiteres komme doch unter linksliberalen Regierungen auch vor, mutmaßte Jury-Mitglied Jan Fleischhauer, der gewitzt das konservative Krokodil gab: ,,Es gibt doch in Deutschland keinen Regisseur oder Intendanten, der sich nicht als links versteht." Die slowakische Regisseurin Sláva Daubnerová antwortete nur mit dem anzweifelbaren Gemeinplatz, sie kenne keine unpolitische Kunst, auch sonst fiel ad hoc niemandem ein Gegenbeispiel ein. Erst viel später erreichte ein Zettel das Podium: ,,Katharina Wagner?"

Tja. Vollständige Induktion funktioniert eben nur in der Mathematik. Welche zur Klärung des politischen Rechts-links-Gegensatzpaars aber auch nichts Hilfreiches beitragen kann. Bei diesen ,,Kongressen" war vielen, vielleicht allzu vielen allzu klar, was gut und was böse ist. ,,Wir möchten nicht, dass Nazis und Rechte eine Plattform bekommen", dozierte Jurorin Amina Aziz, Redakteurin des deutschen ,,Missy Magazine". Oder: ,,Wir müssen erkennen, wie Rechte agieren, nur so können wir sie bloßstellen." Oder: ,,Der politische Feind, das sind die Nazis, das sind die Rechten."

Auf Anfrage erklärte Aziz, dass unter ihre Definition von ,,Rechten" auch die CDU falle, und ja, die sei ein Feind, nicht nur ein Gegner. Dieselbe Jurorin sprach sich in ihrem Resümee für mehr Fakten und weniger Meinung aus und meinte, Medien seien ,,zu Meinungsschleudern verkommen". Man fragte sich: Was versteht diese Kollegin unter Fakten? Polemischer formuliert: Welches Politbüro definiert sie ihr?

Nein, solche feindseligen Töne beherrschten die ,,Kongresse" nicht. Aber sie bewirkten doch, dass man die – skurillerweise just im Panel über Cancelling in Osteuropa erhobenen – Appelle, ,,soziale Netzwerke deutlich zu kontrollieren", mit leichtem Unbehagen hörte. Tröstlich andererseits, dass der von Kulturministerin Daubnerová sogar gerichtlich verfolgte Romanautor Michal Hvorecký konstatierte, dass ,,es noch Rechtsstaatlichkeit in der Slowakei gibt". Und dass die Budapester Dragqueen Valerie Divine feststellte, es gebe in Ungarn für sie keine Repressalien: ,,Ich wurde noch nie gecancelt."

Was ist überhaupt Cancelling? Kann jemand darüber klagen, der zugleich auf vielen, auch respektablen Kanälen seine Meinung äußert? Diese Frage war tags zuvor bei der Debatte über die Politologin Ulrike Guérot aufgekommen, die von der Verfechterin einer Republik Europa zur Verteidigerin des russischen Angriffs auf die Ukraine mutiert ist – und wohl deswegen, aber mit der Begründung des Plagiarismus von der Uni Bonn entlassen wurde. Eine seltsame Karriere: Soll/darf/kann man sie als Bahn von links nach rechts bezeichnen? Wurde Guérot wirklich ,,von links gecancelt", wie das Programmheft vorschlägt? Man war froh über alles, was den Links-rechts-Manichäismus aufweichte. Über das Lob der Ex-Ministerin Alma Zadić auf Pluralismus. Und auch darüber, dass – bei allem verworrenen Streit über Gaza – niemand, wie anderswo schon geschehen, die Hamas offensiv als links verortete.


Aus: "Debatten bei den Festwochen: Lob des Pluralismus, aber ,,keine Plattform für Rechte"?" Thomas Kramar (02.06.2025)
Quelle: https://www.diepresse.com/19754157/debatten-bei-den-festwochen-lob-des-pluralismus-aber-keine-plattform-fuer-rechte

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Textaris(txt*bot)

Quote[...] Die Wiener Festwochen inszenieren sich heuer als ,,Republik der Liebe". Doch am Eröffnungsabend des neuen Formats ,,Wiener Kongresse" – einer linken Diskursbühne mit Theater-Anstrich, die sich heuer den ,,Culture Wars" widmet – kippte die Stimmung ins Gegenteil: in offenkundige Intoleranz.

Zunächst diskutierten Festwochen-Intendant Milo Rau und die Philologin Elisabeth Bronfen über ,,Cancel Culture". Danach wetterte die Schauspielerin Mateja Meded in rasendem Tempo gegen das Patriarchat – das es ihrer Meinung nach zu kastrieren gelte.

Unruhig wurde es erst, als der nächste Redner das Podium betrat: Ulf Poschardt, Herausgeber der Welt. Er wollte das zuvor Gesagte nicht unkommentiert lassen – vor allem nicht die Einlassungen Milo Raus. ,,Nachdem, was ich bisher gehört habe, platzt das aus mir raus".

Mit Blick auf Rau sagte Poschardt, dieser klebe sich zwar einen ,,Republik der Liebe"-Button auf die Brust – aber beim Wort ,,Kulturkrieg" denke er zuerst an Israel: ,,Bei den Taliban – schweigen. Bei Assad – schweigen. Sonst so in der arabischen Welt – schweigen."

Und weiter: ,,Ich möchte meine Rede der IDF widmen, der Israelischen Defense Force. Das sind diejenigen, die den Antisemitismus mit Waffengewalt bekämpfen müssen, der auch im deutschen Kulturbetrieb sein Unwesen treibt."

Schon diese Worte reichten für erste Buh-Rufe, empörtes Stöhnen und Seufzen. Doch Poschardt blieb standhaft – und setzte noch einen drauf: ,,Benjamin Netanjahu ist mir näher als Milo Rau."

Das war zu viel für Teile des Publikums: Nun mischten sich laute Buhs, Pfui-Rufe und eine offene Beschimpfung unter die Reaktionen: ,,Du bist ein genozidales Schwein!", rief eine Frau aus dem Saal. Einige Zuschauer verließen demonstrativ den Raum.

Poschardt konterte trocken: ,,Es gehen die Ersten, das ist das Beste an Cancel Culture, dass man nicht mehr in der Lage ist, so etwas auszuhalten."

In seiner rund zwölfminütigen Rede bedankte sich Poschardt beim Publikum – und ironisch besonders bei ,,einem Ihrer Idole: Jan Böhmermann". Denn dieser habe ihm ,,einmal den Hitlerbart unter die Nase gesetzt". Poschardt weiter: ,,Das war wunderbar, weil man danach frei ist. Was soll nach Hitler kommen?"

Die Angst, die seine Gegner verbreiteten, trage übrigens dazu bei, dass sich sein Buch ,,Shitbürgertum" so gut verkaufe, fügte er hinzu – und dankte auch dafür.

Danach rechnete Poschardt mit dem ,,ritualisierten Denunziationswettlauf" ab, bei dem man vom Shitbürgertum zuerst als rechts, dann rechtsextrem und schließlich als Nazi abgestempelt werde. Da hätten die ,,Liberalen, Libertären und letzten aufrechten Konservativen" nun mal ,,keine Chance". Er sprach von einer kulturellen Dominanz, ,,die Ihr euch erarbeitet habt oder ergaunert in Teilen, mit Steuergeldern."

Auch die Kulturpolitik des ungarischen Premiers Viktor Orbán nahm der Promi-Journalist in Schutz. Hingegen wirkten die Biennalen von Venedig oder die Documenta in Kassel wie eine ,,Ausstellung von schlechten Soziologie-Seminararbeiten".

Zum Schluss, bereits über seiner Redezeit, ließ Poschardt das Publikum mit einem bitter-ironischen Fazit zurück: ,,Ich würde das gerne kaputtmachen; ich glaube, Sie können das viel besser, in diesem Sinn machen Sie genauso weiter."

Den Großteil seiner Rede hatte das Publikum ohne Zwischenrufe ertragen. Doch der Beginn zeigte eindrucksvoll: Schon ein klares Bekenntnis zu Israel genügt, damit aus der ,,Republik der Liebe" im Handumdrehen eine Republik der Intoleranz wird.

Der woke Antisemitismus des linksliberalen Kulturbetriebs muss sich nicht einmal mehr verstecken – er tritt offen zutage.


Aus: ",,Genozidales Schwein!" – Woke-Publikum tobt nach Israel-Lob bei Festwochen" (31. Mai 2025)
Quelle: https://exxpress.at/politik/genozidales-schwein-woke-publikum-tobt-nach-israel-lob-bei-festwochen/

QuoteZum Glück
2. Juni 2025 um 9:20 Uhr   

Zum Glück kann man in Wien immer schon über die Probleme anderer klugscheixxen, man hat selbst keine eigenen, *gggggggg.


QuoteWolf Larsen
1. Juni 2025 um 12:22 Uhr   

,,Festwochen" der fest Woken.

Herrlich.


QuotePensionistin
1. Juni 2025 um 12:19 Uhr   

Ich mag P. nicht . Er ist über Asyl-Kritiker hergezogen, über Impf.gegner, Klima"leugner" , hat sich zurückhaltend bei Gen.der geäußert – und jetzt merkt er an den Kommen.taren in seiner eigenen Zeitung, dass ihm der Wind entgegen weht ! Und siehe da, er dreht seine Fähn.chen in den Wind. Ich mag solche Typen nicht....


QuoteMeine Meinung
1. Juni 2025 um 11:04 Uhr   

Es ist einfach nur noch beschämend dass Menschen die nicht dem Mainstream anhängen auf das übelste beleidigt werden und ausgegrenzt werden, ausgerechnt von einem Personenkreis die vorgeben die Demokrtie schützen zu wollen.
Demokratie bedeutet dass JEDER das sagen kann was er denkt ohne den anderen in seiner Würde zu beleidigen. Man kann selbstverständlich immer anderer Meinung sein, dehalb sollte man verschiedene Meinung trotzdem respektieren. Nur Israel massiv zu kritisieren greift zu kurz, die Probleme im Nahen Osten sind viel vielschichtiger. Es gibt keine Lösung wenn man das Existenzrecht von Israel in Frage stellt.


Quotegitte06
31. Mai 2025 um 18:59 Uhr   

Seltsam auf einmal? Sonst wurden doch nur die Rechten mit Antisemitismus beschimpft! Jetzt sind es die LINKEN Genossen?!

Bizarre...


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Textaris(txt*bot)

Quote[...] Berlin/Washington – Schriftsteller Daniel Kehlmann beobachtet in den USA unter Donald Trump eine Gleichschaltung der Kultur, die er mit der Zeit des Nationalsozialismus in Deutschland vergleicht. "Natürlich waren die Nazis ein bisschen schneller", sagte der 50-Jährige dem "Deutschlandfunk". Aber: "Die Gleichschaltung der Kultur findet drastisch statt" – durch das Streichen von Geldern oder auch durch eine Art vorauseilenden Gehorsam Kulturschaffender. "Dort, wo es noch Unterstützung gibt, müssen die Leute extrem aufpassen, was sie sagen, wenn sie die nicht verlieren wollen." Viele Kulturschaffende schweigen seiner Ansicht nach, "weil die Leute Angst haben, ihre Rolle im nächsten Marvel-Film zu verlieren".

Kehlmanns Buch Lichtspiel über einen Filmregisseur in der Zeit der NS-Diktatur und wie dieser sich schließlich von den Nationalsozialisten instrumentalisieren lässt, erlebt seinen Angaben zufolge in der englischen Übersetzung gerade einen Hype in den USA. Viele sehen in dem Roman über die Kultur unter Adolf Hitler Parallelen zu US-Präsident Trump.

"Noch kommt im Bereich der Kultur niemand ins Gefängnis, in anderen Bereichen durchaus", sagte Kehlmann, der in Berlin und den USA lebt. Und für Menschen mit einem Visum oder einer Green Card sei "Free Speech, auf das Amerika so stolz ist" inzwischen "praktisch ausgesetzt". Und bald werde sie auch für Menschen mit US-amerikanischem Pass nicht mehr gelten.

"Es ist schon erstaunlich, wie schnell sich dieses Land angepasst hat und auf Linie gekommen ist", sagte der 50-Jährige. Auch Menschen, die Trump vor seiner Wiederwahl kritisch gegenübergestanden hätten, "akzeptieren diese Regierung und die schrecklichen Dinge, die sie tut". Die einzige Hoffnung, die er habe, sei, dass die US-Amerikaner sich wegen seiner Zollpolitik von Trump abwenden. "Komischerweise ist die Zerstörung der amerikanischen Wirtschaft die beste Hoffnung, die man hat", sagte Kehlmann. "Besser ein Ende mit Schrecken als ein Schrecken ohne Ende."


Aus: "Autor Daniel Kehlmann sieht Gleichschaltung der US-Kultur" (2. Juni 2025)
Quelle: https://www.derstandard.at/story/3000000272304/autor-daniel-kehlmann-sieht-gleichschaltung-der-us-kultur

QuoteSchtierwoscher

Wie konnte eine Kulturnation so einem Hanswurst derart zu Füssen liegen? Das wurde ich in den USA oft gefragt, wenn es um 1938 ging. ...


Quote4321Loos

Dass man in den USA eine "Gleichschaltung der Kultur" beobachten kann, die man nur mit jener während der Zeit des Nationalsozialismus vergleichen kann: Das kann nur einem Daniel Kehlmann einfallen.


QuoteBeNice

Wie würden Sie das beschreiben, was wir in den USA gerade beobachten?


QuoteStandardator

Was Kehlmann genau sagte: "Die Gleichschaltung der Kultur findet drastisch statt, also es werden Regierungsmittel gestrichen für Voice of America, für alle Arten von Theateraufführungen.

Und dort, wo es noch Unterstützung gibt, müssen die Leute extrem aufpassen, was sie sagen, wenn sie die nicht verlieren wollen.":
https://www.deutschlandfunk.de/gleichschaltung-wie-1933-in-deutschland-daniel-kehlmann-und-bernhard-schlink-besorgt-ueber-entwicklu-100.html


PS, auf Englisch, über W.G. Pabst, als auch seinen eigenen, 1927 in Österreich geborenen Vater Michael, und wie er die Shoa überlebte: https://forward.com/culture/books/724492/daniel-kehlmann-the-director-gw-pabst-nazism-fascism/ [1. Juni 2025)


QuoteKippohr

EU Foerderungen, Film-Foerderungen, Auflagen, Schwerpunkte, Umbenennungen und Ablehnungen, Cancel culture - ausgewogen?


QuoteHubertus_von_Hubertingen

Ja, ziemlich. Zudem kann ich Von der Leyen, Merz und Babler lautstark kritisieren, ohne Konsequenzen fürchten zu müssen.


QuoteGutenTag!

"weil die Leute Angst haben, ihre Rolle im nächsten Marvel-Film zu verlieren".
Spielt jeder Kunstschaffende in Amerika in einem Disney-Film?


QuoteJustSomeOne

Selbstgleichschaltung .. um genau zu sein.


QuoteTarik Zukic

Die Rolle von public intellectual ist gerade schwach besetzt: früher waren es Émile Zola, Bernard Shaw und Sartre, heute sind es junge Schlagersänger und (immerhin) George Clooney.


Quotewürmchen

das ist aber keine gute ausrede - wenn ein schauspieler der millionenschwer ist die pappn nicht auf bekommt, weil er noch ein paar millionen mehr will...das ist mmn. schon mittäterschaft durch unterlassung


QuoteBubble7

Ja, das verstört mich ebenfalls, dass extrem privilegierte Menschen, die wirklich keinerlei Existenzangst haben müssen und nicht selten über mehrere Wohnsitze weltweit verfügen, die sie in jeder Hinsicht unabhängig machen, so in der Defensive bleiben.


Quotesoulpope

"Die Zerstörung der amerikanischen Wirtschaft als beste Hoffnung" .... in der Tat, aber der "white trash" müsste die Auswirkungen bereits jetzt negativ spüren ....


QuoteTarik Zukic

"white trash" oder "basket of deplorables"? Was passt besser?


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Textaris(txt*bot)

Quote[...] 1940 ist sowohl privat als auch beruflich ein bewegtes Jahr: Quadflieg heiratet die Schwedin Benita von Vegesack. Er hatte sie als 19-Jähriger am Strand von Capri kennengelernt. Im selben Jahr kommt Tochter Isolde zur Welt und Heinrich George holt Quadflieg ans Schiller-Theater und fördert dessen Talent weiter. Quadflieg wird eingezogen, er leistet drei Monate Militärdienst und wird schließlich freigestellt, weil er seitens seines Arbeitgebers als unabkömmlich gilt. Anders als viele andere Kulturschaffende verlässt Quadflieg Deutschland im Zweiten Weltkrieg nicht, er verfolgt zwar die politischen Geschehnisse, zieht aber keine Schlüsse für sein privates Leben. Er lebt so intensiv in seinem Beruf, nimmt die Situation nicht wirklich wahr und dreht sogar Propagandafilme wie "Schicksal". Trotzdem geht der Krieg nicht spurlos an ihm vorbei: Quadflieg ist Luftschutzwart eines Mehrfamilienhauses und in der Truppenbetreuung hält er Rezitationsstunden ab. Er habe so Dichtung und Poesie an die Menschen herangeführt. "Worte statt Gebrüll", wie er es im ZDF-Interview nennt. Und von Auschwitz habe er erst nach dem Krieg erfahren.

Später schaut er selbstkritisch auf seine Haltung zurück: "Ich war in der Hitlerzeit ein typischer, ein beschissener Mitläufer", sagt er 1966 im Magazin der "Süddeutschen Zeitung". Er habe mit beiden Augen nur auf seinen Beruf gestarrt, statt ein Auge freizuhalten und das politische Leben wirklich zu sehen.

Seine Haltung während des Kriegs schadet Quadfliegs Karriere nicht. Der Schauspieler übernimmt nach Kriegsende ein Engagement am Schauspielhaus in Hamburg. 1946 lebt die Familie für kurze Zeit in zwei Zimmern in der Hamburger Blumenau als Untermieter des Kollegen Heini Göbel. Den harten Winter 1946/47 überlebt die Familie nur, weil Quadfliegs Vater seiner Hamburger Verwandtschaft Kohlen zum Heizen schickt. 1948 lädt Theaterdirektor Oskar Wälterlin Quadflieg ans Schauspielhaus Zürich ein. Im Ausland arbeiten zu dürfen, ist wie ein Neubeginn, allerdings bekommt nur der Schauspieler selbst ein Einreisevisum. Frau und Kinder lässt er deshalb mithilfe von Freunden über die grüne Grenze schmuggeln. Mit der Geburt von Manuel (1948) und Roswitha (1949) vergrößert sich die Familie Quadflieg weiter. Im Krieg kamen bereits die Söhne Lars (1942) und Christian (1945) zur Welt.

Ab 1955 arbeitet Quadflieg unter Gustaf Gründgens, der schon während des Nazi-Regimes einer der bekanntesten Schauspieler und Regisseure des Landes gewesen ist, am Hamburger Schauspielhaus. Der Intendant prägt das Theater der 50er-Jahre, das unpolitisch ist und sich dem Werk verpflichtet. Quadflieg und Gründgens haben das gleiche Verständnis von Theater, für den Schauspieler beginnt eine erfolgreiche Zeit. Legendär wird die Aufführung des "Faust" 1958. Sie gilt als eine der Meilensteine in der deutschen Theatergeschichte und bringen dem Theater nationale wie internationale Beachtung - mit Gastspielen in New York und Moskau. Genauso erfolgreich ist 1960 Peter Gorskis Adaption des "Faust" fürs Kino mit Quadflieg in der Hauptrolle.

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Aus: "Will Quadflieg: Grandseigneur der Sprache und des Theaters" Stefanie Grossmann (15.09.2024)
Quelle: https://www.ndr.de/geschichte/koepfe/Will-Quadflieg-Grandseigneur-der-Sprache-und-des-Theaters,quadflieg132.html
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Quote[...] Will Quadflieg, geboren am 15. September 1914 in Oberhausen im Ruhrgebiet, stand in den Fünfziger- und Sechzigerjahren auf allen großen deutschsprachigen Bühnen, darunter auch am Zürcher Schauspielhaus und im Wiener Burgtheater. Die vierteilige TV-Saga "Der große Bellheim", inszeniert von Dieter Wedel, rundete eine steile Karriere ab, die ihn aber auch in die Untiefen des autoritären NS-Staates geführt hatte.

Seine größten Erfolge verbuchte er als faustischer Charakter in Hamburg und in Salzburg mit zwei Rollen, die er auf eine dynamische und unprätentiöse Weise interpretierte. Auf den Brettern der Hansestadt gab er den "Faust", der seinem Naturell entsprach, vor dem Dom der Mozartstadt und in Zürich verkörperte er den "Jedermann", die volkstümliche Ausgabe des Lebemenschen, der spät zur Einsicht kommt.

Quadflieg selbst dachte sehr wohl nach, reflektierte seine scheinbar unpolitische Meta-Rolle im Dritten Reich als Darsteller in zwei Propagandafilmen und ließ diese Gedanken in seine Autobiografie "Wir spielen immer" einfließen, die seit 1976 in mehreren Auflagen im Frankfurter S. Fischer-Verlag erschienen ist.

Ausgangspunkt von Quadfliegs steiler Karriere im Nachkriegsdeutschland war die produktive Zusammenarbeit mit Gustaf Gründgens, die ab 1952 ein Jahrzehnt währte. Die von Gründgens inszenierte und von Teo Otto ausgestattete Hamburger "Faust"-Produktion machte in der Spielsaison 1957/58 Furore.

Bilder davon liefern sowohl ein fulminanter Film als auch eine Buchausgabe mit Schwarzweiß-Fotografien von Rosemarie Clausen, die im Suhrkamp-Verlag erschienen ist. Die Bildkünstlerin dokumentiert eindrucksvoll die reduktionistische Darstellung des Mephisto und das zwischen Vitalität und Zweifel schwankende Naturell Heinrich Fausts, verkörpert durch Quadflieg.

Noch einprägsamer ist der beide "Faust"-Teile enthaltende Gründgens-Film. Seit seinem frühen Teufels-Debüt 1918 entwickelte Gründgens seine unbestrittene Paraderolle immer weiter und stellte seit den Dreißigerjahren Überlegungen an, wie Goethes Drama über den "Teil von jener Kraft, die stets das Böse will und stets das Gute schafft" optimal auf die Bühne zu bringen wäre, um der Maxime "Du gleichst dem Geist, den du begreifst" zu entsprechen. Das gelang Gründgens im Lauf der Jahre immer besser und so hatte der Theatermann nach vier Jahrzehnten Bühnenerfahrung bereits einige Heinrich-Darsteller in Versuchung geführt und mitunter auch an die Wand gespielt.

Nicht so den kongenialen, damals 43-jährigen Quadflieg, über den sich der Regisseur und Mephisto-Darsteller, dem Klaus Mann ein ambivalentes literarisches Denkmal gesetzt hat, anerkennend äußerte: "Von den beiden Kollegen, mit denen ich heute ,Faust' spiele, ist Quadflieg die mit allen Mitteln verschwenderisch ausgestattete dynamischere Persönlichkeit, die an Schwierigkeiten wächst, weshalb mit Recht vermerkt wurde, dass der ihm theoretisch schwerer zugängliche alte Faust seinen jungen Faust - der ihm von Natur aus viel leichter fallen müsste - überstrahlt."

Peter Suhrkamp bezeichnete Gründgens, der den "Faust" schrittweise entrümpelte und auf das Wesentliche reduzierte, als einen Gratwanderer, der stets in gefährlichster Höhe über einem Abgrund agiert hatte. Auch Quadflieg flog zeitweise zu nahe über das Goebbels-Nest, wie schon eingangs erwähnt wurde. Das war der hohe Preis der Karriere, den er zahlen musste.

Für seinen Einsatz als Protagonist des "Dritten Reichs", den er nicht als Kollaboration verstanden wissen wollte, war er vom Kriegsdienst freigestellt worden. Schuldgefühle allein erklären seine politischen Engagements im reiferen Alter nicht, in denen er sich in der Friedensbewegung, für Tier- und Umweltschutz engagierte. Er trat sogar der deutschen Tierschutzpartei bei, die im Vorfeld der Grünen agierte.

Gewisse Parallelen der Rechtfertigung werden in der jüngst erschienenen Biografie des tschechischen Schlagerstars Karel Gott ("Zwischen zwei Welten", Riva Verlag 2014) deutlich, denn das "Rotkehlchen aus Prag" betont, nie das System der ČSSR repräsentiert zu haben, sondern nur die dortige Kultur, die sich ja nicht maßgeblich von jener in Österreich, Deutschland und der Schweiz unterscheide.

Rückblickend wird die politische Rolle eines Kunstmenschen zumeist von diesem in aller Bescheidenheit herunter gespielt, wie etwa auch Biografien von Fred Hennings ("Heimat Burgtheater", Wien 1974) oder Walter Thomas ("Als der Vorhang fiel", Dortmund 1947) zeigen, wobei Thomas sogar Generalkulturbeauftragter des Reichsstatthalters Baldur von Schirach in Wien war und dessen Mozart- (1941) und Hebbelwoche (1942) ausrichtete.

Im Falle Quadfliegs muss aber auch auf das Faktum verwiesen werden, dass er seit seinem Debüt als Operetteneleve 1933 nur das autoritäre System kannte, da ja Hitler bereits Anfang Februar das Ruder übernommen hatte. Der Schauspieler stammte aus bürgerlichen Verhältnissen. Der Sohn eines Bergbaudirektors und Zechenleiters aus dem kleinen Oberhausen im Ruhrgebiet hieß eigentlich Friedrich Wilhelm. Wie andere Zeitgenossen, die seit den Dreißigerjahren auf der Bühne standen, (z.B. Fred Hennings, Fred Liewehr; aber auch nach dem Krieg Karel Gott/-ar, Udo Jürgens), wählte Quadflieg einen Künstler-Vornamen, den er durch Abkürzung erzielte.

[...] Der Mime war zweimal verheiratet, in erster Ehe mit der Schwedin Benita von Vegesack, sodann mit Margaret Jacobs (ab 1963). Er hatte aus diesen zwei Beziehungen fünf Kinder, darunter die Schriftstellerin und Buchkunst-Ausübende Roswitha und den Schauspieler-Sohn Christian.

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Literatur: Will Quadflieg: Wir spielen immer. Erinnerungen und Diskografie. S. Fischer, Frankfurt/Main 1976.


Aus: "Ein Mime mit sonorer Stimme" (13.09.2014)
Quelle: https://www.tagblatt-wienerzeitung.at/nachrichten/reflexionen/vermessungen/659502_Ein-Mime-mit-sonorer-Stimme.html

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Quote... Theoretisch wäre Roswitha Quadflieg (Jahrgang 1949) eine ,,68erin", aber in jungen Jahren war sie eher unpolitisch, und später hatte sie nur noch sporadisch Kontakt zum Vater: Will Quadflieg, einer der größten deutschen Schauspieler, hat die Familie verlassen, als sie noch ein Teenager war. ...

Aus: "Dialog mit dem toten Vater" Tilmann P. Gangloff  (23.05.2025)
Quelle: https://www.stuttgarter-zeitung.de/inhalt.bucherscheinung-dialog-mit-dem-toten-vater.e1f10b05-9519-4c90-b4d6-30c00b1a0e40.html

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Quote... eine Kiste fand [ ] Roswitha Quadflieg, als sie sich dem Nachlass ihrer Mutter zuwandte. ... Den Anstoß, sich noch einmal literarisch der Gestalt des Vaters zuzuwenden, gab ein kleines Tagebuch, das der Schauspieler von März 1945 bis September 1946 für seine ,,ferne Geliebte", Ehefrau und Mutter seiner Kinder führte, die schwedische Gräfin Benita Quadflieg-von Vegesack (1917 bis 2011). Ihr war er 1933 während eines Sommerurlaubs auf Capri begegnet. 476 Briefe der Mutter an den Schauspieler sind erhalten, aber nur eine Handvoll Gegenbriefe des Schauspielers. Mit jeder Zeile gibt die erzählerische Dokumentation zu erkennen, dass er nur an sich zu denken vermochte. Auch wenn er von der Sehnsucht seines Herzens schreibt, geht es ihm nur um sein Herz. So konnte er auch vor seiner Tochter damit bramarbasieren, bis auf eine Ausnahme habe er alle Kolleginnen ,,herumgekriegt". ...

Aus: "Für die Mitmenschen blind? Roswitha Quadflieg über Tagebücher ihres Vaters Will" Hans Albrecht Koch (05/2025)
Quelle: https://www.msn.com/de-de/nachrichten/panorama/f%C3%BCr-die-mitmenschen-blind-roswitha-quadflieg-%C3%BCber-tageb%C3%BCcher-ihres-vaters-will/ar-AA1F3I13?cvid=AC12968E3618498FA35AE48E9FE43F3C&ocid=UP97DHP

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Quote[...] [Mit] "Briefe und Kurioses" ist die Kiste beschriftet... Zwischen Briefen, alten Zeugnissen, Eintrittstickets für Museen und Theater entdeckt die Schriftstellerin und Illustratorin darin ein kleines Tagebuch. Ihr Vater, der berühmte Schauspieler Will Quadflieg, hat es geschrieben, in den Jahren 1945/46. Jetzt, 80 Jahre später, veröffentlicht sie seine Aufzeichnungen - gemeinsam mit ihren Fragen, die sie ihrem Vater nie stellen konnte. Die Schriftstellerin und Tochter ordnet ein und ergänzt, was der Vater lieber ausgelassen hätte. ..."


Aus: "Lesung heute Abend in der Vagantenbühne Berlin: Roswitha Quadflieg, Autorin" (29.04.2025)
Quelle: https://www.radiodrei.de/programm/schema/sendungen/radio3_am_nachmittag/archiv/20250429_1600/radio3_aktuell_1710.html

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Quote[...] Ein Schauspieler, der im Chaos der letzten Wochen des Zweiten Weltkrieges durch das zerstörte Deutschland Richtung Lübeck fährt, unterwegs in Kasernen und anderen militärischen Einrichtungen auftragsgemäß Goethe-Rezitationen abhält. Die Theater sind seit dem 1. September 1944 geschlossen. Es ist nicht irgendein Schauspieler, es ist Will Quadflieg, damals gerade dreißig Jahre alt. Als Faust in der legendären Inszenierung von Gustaf Gründgens wird er später zur Kulturikone der Bundesrepublik Konrad Adenauers: der Denker, der seine Seele an den Teufel verkauft. Dessen Verbrechen dichterisch verbrämt werden und ohne Folgen für ihn bleiben.

Jetzt, im März 1945, sitzt Quadflieg in Göttingen. Seine Frau Benita, eine gebürtige Schwedin, die durch ihre Heirat deutsche Staatsbürgerin wurde, ist hochschwanger mit den beiden gemeinsamen Kindern auf der Flucht Richtung Schweden zu ihrer Familie. Für sie beginnt Quadflieg am 19. März 1945 ein kleines Tagebuch. Es ist der Tag nach einer Goethe-Rezitation, und die innere Erhöhung, der pathetische Überschwang der immer wieder so hohlklingenden Worte, werden diese Aufzeichnungen prägen. "In ganz wenigen Tagen geht dieser Krieg zu Ende, das fühle ich ganz stark" ist bereits im ersten Eintrag zu lesen. Und vom Leid der deutschen Flüchtlinge, die ihm überall begegnen. "Wie wird dieses Volk geprüft!"

2011, über siebzig Jahre später also, findet nach dem Tod ihrer Mutter Benita die gemeinsame, 1949 geborene Tochter Roswitha das schmale Tagebuch und einige Briefe, die der Vater damals der Mutter schrieb. Zum achtzigsten Jahrestag des Krieges hat sie das Tagebuch jetzt herausgegeben – und die stets recht kurzen Eintragungen mit eigenen Kommentaren, Nachfragen an den Vater, biografischen Erklärungen und Hintergrundinformationen, Briefzitaten und Rekonstruktionen der Umstände ergänzt, in denen die Einträge jeweils entstanden. Was etwa K-Verbände sind, in deren Offiziersmesse in Timmendorf der Vater nach einer Rezitation am 17. April 1945 ein gutes Frühstück einnimmt, als er hört, dass "der Russe" zurzeit "wohl schon in Berlin eingebrochen ist". Oder wer die Menschen jeweils sind, bei denen der Vater auf seiner Reise unterkommt. Mit der Frau eines seiner Gastgeber zeugt Quadflieg sogar ein Kind.

Entstanden ist eine immer wieder faszinierend zu lesende mentalitätsgeschichtliche Studie, die zunächst quasi den Ausgangspunkt des Denkens 1945 pur präsentiert: ein von keinem Gedanken an die eigene Verantwortung oder gar Schuld für das Geschehene getrübtes Selbstbild – für das der Vater steht. Dieses Bild wird in ihren Kommentaren mit der in langen Jahren von Reeducation, Entnazifizierung und Aufklärung über die Verbrechen der Nationalsozialisten samt des damit entstandenen Bewusstseins für die Verantwortung der Deutschen insgesamt überblendet – das die Tochter repräsentiert. In diesem Spannungsfeld wird auch Hannah Arendts berühmtes Diktum von der Banalität des Bösen noch mal auf fast gespenstische Weise haptisch.

Und auch, wie der Selbstbetrug funktioniert(e): "Victor Klemperer hat nachgewiesen, dass im Hitlerdeutschland alle, Anhänger und Gegner, Nutznießer und Opfer, dieselbe verhunzte Sprache sprachen", zitiert Roswitha Quadflieg aus dem 1976 erschienenen Erinnerungsbuch ihres Vaters. "Ich reiste mit einer anderen Sprache: mit der Sprache unserer Dichter." – "Du in deinem Arkadien, in dem Dichter und Denker dich 'speisen'", schleudert die Tochter dem Vater Jahrzehnte später entgegen. "Auch das gehört wohl zum Irrsinn der Geschichte, daß deutsche Dichtung als Stärkung dienen sollte, um diese Gräuel zu begehen."

Da ist die Tochter, die voller Befremden und immer wieder entsetzt in diesen Tagebüchern einen ganz anderen Mann als denjenigen findet, den sie (und die Öffentlichkeit) bisher "nur als Mitläufer" kannte – nämlich einen aktiven Unterstützer des Nazi-Systems ["er bleibt einer der wenigen Künstler, die sich selbstkritisch mit dem Nationalsozialismus auseinandersetzen und sich um Aufklärung und Versöhnung bemühen." (Stefanie Grossmann, "Will Quadflieg: Grandseigneur der Sprache und des Theaters", NDR, 15.09.2024)]. Das Muster der Selbsttäuschung (oder muss man doch von Gefühlskälte und Egoismus sprechen) ist immer das gleiche: So hat Quadflieg 1941 kein Problem damit, an der Berliner Volksbühne die Rolle eines Kollegen zu übernehmen, der nicht mehr spielen durfte, weil er sich geweigert hatte, sich von seiner jüdischen Frau scheiden zu lassen. Wenig später hatte Joachim Gottschalk sich gemeinsam mit seiner Frau und dem achtjährigen Sohn das Leben genommen, um der Deportation zu entgehen. In einem Film ("Verschwundene Lieblinge" sic!) äußerte sich Will Quadflieg 1991 dem Bericht der Tochter zufolge mit verlogenem Tremolo über den "redlichen, hochanständigen" Gottschalk. Dabei sei er aus Feigheit nicht mal zu dessen Beerdigung gegangen.

Ein paar Wochen nach Kriegsende prangert Quadflieg "KZ-Lager-Methoden" deutschen Kriegsgefangenen gegenüber "als Antwort auf 'Belsen' und 'Buchenwald'" an, ohne dass der Ursprung dieser Methoden überhaupt angesprochen wird. Schreibt Will Quadflieg über "polnische KZ-Juden", die von den Alliierten nach Schweden geschickt werden, um sich von ihren Qualen zu erholen, als "unselige Fracht", von der man nun zwar schweigen müsse, jedoch: "Jede Blindheit wird eines Tages erkannt."

Roswitha Quadflieg rekonstruiert 103 Tage im Leben ihres Vaters. Dazwischen liegt das Ende des Krieges. Bereits im August 1945 geht Quadflieg "das 'ewige' Gerede über Nazismus etc." auf die Nerven. "Diese ganze Angelegenheit ist völlig zerplatzt, fast magisch, ohne Spuren fast, wenn nicht die grauenvolle Gesamtlage wäre." Das zerstörte Deutschland meint er damit.

Zu: Ich will lieber schweigen - Das Tagebuch eines Schauspielers aus den Jahren 1945/46 und die Fragen seiner Tochter von Will und Roswitha Quadflieg, Kanon Verlag, 298 Seiten.


Aus: "Selbstbetrug des Kulturbürgers" Esther Slevogt (26. Mai 2025)
Quelle: https://nachtkritik.de/buecher/will-und-roswitha-quadflieg-ich-will-lieber-schweigen

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Textaris(txt*bot)

... Prost. Auf die brotlose Kunst, Diebstahl an der SB-Kasse und die Kultur des Geistes, die ohne den ewigen Hiob nie Teil der menschlichen Erfahrung wäre! ...

Quote[...] Die Ausstellung: ,,Fight or Flight – An Exhibition About Money", StadtWERKSTATT Friedrichshain-Kreuzberg/Adlerhalle, bis 22. Juni

Es gibt diese romantische Vorstellung vom Künstler*innendasein: Man wird mit einem geniehaften Talent geboren – lebt frei, ein bisschen chaotisch und ganz im Rausch der Inspiration. Als wäre Kunstmachen an sich schon Lohn genug.

Wo sich die Wirklichkeit abspielt, zeigt die zweite Ausgabe der Ausstellungsreihe ,,Fight or Flight": In Wartezimmern von Jobcentern, vor seitenlangen Förderanträgen oder in Nebenjobs, die Miete und Abendessen finanzieren müssen.

,,Ich kann keine Farbe essen, oder?" fragt die Künstlerin Dasha Buben auf einer von der Decke hängenden Tischdecke in gestickter Schreibschrift. Direkt am Eingang der Stadtwerkstatt Friedrichshain-Kreuzberg setzt sie damit den Tenor für die gesamte Ausstellung: Es geht um Geld – genauer, den Mangel daran. In ihren Arbeiten zeigen 33 FINT*-Künstler*innen (Frauen, inter, nicht-binäre und trans Personen) schonungslos, wie sich finanzielle Unsicherheit auf Leben, Arbeit und Körper auswirkt – in einem System, das Kreativität erwartet, aber nur selten gerecht entlohnt.

Schon beim Betreten der Halle schlägt einem rebellische Stimmung entgegen: Aus einem kleinen, verglasten Vorbau tönt Justina Los' Karaoke-Song ,,I Can't Get No Funding", dazu ein Musikvideo im Freizeitpark. Es geht um abgelehnte Förderanträge und die emotionale Achterbahnfahrt zwischen Frust, Beharrlichkeit und Trotz: ,,I'm gonna do the show anyways. Don't care 'bout the next unpaid burnout". Wer will, kann mitmachen – falsch singen ist erlaubt, laut sein erwünscht. Auf der Fußmatte zum Raum steht passend dazu ,,Widerstand".

Auch Kuratorin Evelina Reiter findet: ,,Die Wut muss raus". Gemeinsam mit Julie Legouez hat sie 2024 die Ausstellungsreihe ins Leben gerufen. Der Titel ,,Fight or Flight" spielt auf die körperliche Stressreaktion bei Bedrohungen an. Aber was, wenn diese im Alltag lauern – zum Beispiel beim Blick aufs Konto? Oder, wie die erste Ausgabe zum Thema Angst zeigte, auf dem Heimweg oder in Partnerschaften? Dann können Stress und Unsicherheit zum Dauerzustand werden.

Das zeigt die Künstlerin Emily Kelly radikal schlicht mit Grafit- und Rotstift in ,,The artist's paydays for 2024". Auf Wachspapier hat sie kalenderartige Raster aufgezeichnet und die Felder markiert, an denen Künstler*innen dieser Ausstellung finanziell vergütet wurden. Das Ergebnis: Mal bleiben über Monate hinweg Felder leer, dann clustern sich wieder mehrere rote Linien aneinander. Einmal blitzt nur ein einziger, zart-roter Strich auf.

Um sich das Leben (und die Kunst) zu leisten, arbeiten viele nebenbei in anderen Berufen. Künstlerin Linda Herrmann zum Beispiel ist ungelernte Pflegekraft im Pflegedienst. Auf sechs LED-Displays zeigt sie, wie Lohn und Umsatz während einer Schicht auseinanderdriften. Je anspruchsvoller eine Tätigkeit, desto höher der Umsatz – der Lohn der Pflegekraft bleibt dabei gleich.

Die Kluft zwischen Arbeit und Bezahlung durchzieht nicht nur die Pflege, sondern auch den Kunstbetrieb. Und sie führt zu inneren Konflikten: ,,Ich will nicht mehr irgendwelche Jobs machen und dann keine Kunst mehr", sagt eine Künstlerin. Sie hängt nach: ,,Das kann ich jetzt sagen – wer weiß, wie es nächsten Monat aussieht."

Ein Ort, der Unterstützung bieten soll, ist das Jobcenter. Gerade in Zeiten massiver Kürzungen sind freie Künstler*innen vermehrt auf staatliche Leistungen angewiesen. Wie das abläuft, zeigt Künstlerin Julie Legouez mit ihrer Installation ,,Das System kann nichts für Ihre persönlichen Umstände". Dafür hat sie den roten Teppich ausgerollt und darauf eine Wartebank, eine hübsche Zimmerpflanze und einen Bildschirm mit motivierenden Stock-Videos drapiert. Daneben Friedrich Merz' Manifest von einem Kapitalismus, der die Welt besser macht – im Mülleimer.

Die Botschaft: Künstlerische Arbeit wird hier nicht als Arbeit angesehen. Auch im Alltag gibt es diese Stigmatisierung: ,,Why don't you do something else? Like a real job, something that society actually needs?" Satzfetzen, die auf dem Heimweg noch nachklingen. Künstlerin Sina Niemeyer hat sie auf das Metallgitter am Ausgang der Ausstellungshalle gekleistert.

Die Kurator*innen kritisieren, dass manche Institutionen von Künstler*innen profitieren, ohne sie zu bezahlen. Aber Sichtbarkeit ersetzt kein Honorar. Kontakte, Netzwerke – all das bleibe FINT*-Künstler*innen oft verschlossen. Mit der Ausstellung wollen sie einen Safe Space schaffen, der das ändert. Und über konkrete Strategien reden – etwa im Workshop ,,Finanzplan Speed-Dating". Wer heute Künstler*in sein will, braucht mehr als Talent. Nämlich Geld, Ausdauer und Räume wie diesen.


Aus: "Finanzielle Unsicherheit in der Kunst: Eine toxische Beziehung" Emilia Papadakis (17.6.2025)
Quelle: https://taz.de/Finanzielle-Unsicherheit-in-der-Kunst/!6091370/

Quoterakader
18.06.2025, 09:13 Uhr

Hinter den Aussagen steckt eine Versorgungsmentalität, die baff macht. Wenn jeder Selbständige derart jammern könnte.

Es wird wohl auch so sein, dass die künstlerische Qualität und Schaffenshöhe nicht hinreichend ist und darum nicht gefördert wird. Selbst das Fördersystem arbeitet bei Qualitätsansprüchen.

Wenn die Künstlerinnen ihre Lebenssituation (Ämter etc.) thematisieren, diese Lebenssituation aber auf kein Interesse der Gesellschaft trifft, so wäre sie gut beraten nach alternativen Finanzierungsformen zu schauen. Crowdfunding wäre ein Beispiel.

Aber die bestehenden Strukturen sind ja so bequem.


QuotePeter Schütt

Ich gönne jedem Künstler, dass er oder sie von seiner oder ihrer Kunst leben kann. Aber wenn ich ein Lied schreibe, dass keiner hören will, dann kann ich nicht erwarten, dass ich dafür von der Gesellschaft von jobcenter von wem auch immer Geld bekomme.



QuoteSalinger

Die Kunst besteht darin, von der Kunst leben zu können. Wer seine Kunst als Berufung empfindet, hat vielleicht den längeren Atem, aber auch schlechte Karten, denn Kunst, welche auch immer, wird als eine Art privater Luxus angesehen wird. Den Mehrwert für die Gesellschaft, unterschlägt man gerne, oft aus Neid. Aber im Ernst, wer möchte tauschen? Dem Künstler bleibt oft nur der Idealismus als Antriebsfeder...


Quotekiwitt

Nur weil man sich selber als Künstler betrachtet ist man noch lange keiner. Wenn ich von meiner Kunst nicht leben kann, gibt es eben nicht genug Interessierte, die bereit sind, Geld dafür zu bezahlen.

Ob das nun an mangelndem Talent, Selbstüberschätzung, falschem Zeitpunkt oder falschem Thema liegt, ist dabei völlig egal.
Dann ist es ein Hobby, dient aber nicht dazu, den Lebensunterhalt zu verdienen.


QuoteFranz Tom
17.06.2025, 18:42 Uhr

Jeder Selbständige muss schauen das sein Angebot so attraktiv ist, das er sich ein Auskommen (und Rücklagen, Rente etc) sichern kann. Warum soll das nicht für selbständige Künstler gelten?


QuoteDemokratischeZelleEins

Naive Vorstellungen vom Künstlerleben, die sich an den durch Medien gemachte Stars orientieren, haben genau so wenig mit der Realität der Kunstschaffenden zu tun, wie das oft bemühte Bild von KünstlerInnen als geniale Freigeister, die aus dem nichts schöpfen. Auch KünstlerInnen müssen fressen! Wer sich nicht erfolgreich in die Arme von Markt, Sponsoren und/oder öffentlichen Subventionen wirft, muss von Brotjob, Nebenerwerb oder von der Hand in den Mund leben. In Deutschland gibt es neben öffentlichen Fördermitteln noch eine Künstlersozialversicherung, die Menschen, die eine künstlerische oder publizistische Tätigkeit auf Dauer ausüben, einen Versicherungsschutz bietet. Das ist viel mehr, als es z.B. in den USA gibt, wo Künstlerinnen am Markt bestehen und sich selber absichern müssen. Das entspricht ziemlich genau den liberalen Vorstellungen von Gesellschaft: Friss oder stirb!


Quoterakader
18.06.2025, 09:15 Uhr
@DemokratischeZelleEins:

Bei der Künstlersozialversicherung muss man aber eine regelmäßige künstlerische Tätigkeit nachweisen, um aufgenommen zu werden. Wer diese Hürde nicht schafft, ist in den Augen der Künstlersozialversicherung kein Künstler.

Das wäre dann der Punkt, wo die Künstlerin mal in sich gehen sollte.


QuoteThomas O´Connolly
18.06.2025, 01:22 Uhr
@DemokratischeZelleEins:

Der Künstler stimmt zu.

Wer Kunst macht, ist Sisyphos. Man hat das Glück den Stein gefunden zu haben den man durchs Leben den Hang hinauf rollen will ohne groß zu klagen das der Deal scheiße ist. Aber dafür hat man eben auch das Leben eines Hiob zu führen. Von Armut, Knast über Straße und Krankenhaus bis Klapse ist da alles dabei. Nur Reich wird man nicht, berühmt auch nicht und gut geht es einem vermutlich auch nur die halbe Zeit. (Wenn überhaupt) Dafür stirbt man als Mensch mit Sinn und Werk, als Mensch der wahrhaftig aus dem Nichts geschaffen hat und wird nicht vom Stein oder dem Leben dahinter erschlagen.

"Don´t Try". So steht es auf Bukowskis Grabstein und Künstler wird man nicht, man ist es oder an man ist es nicht. Und wer es ist, würde sich lieber ein Arm abschneiden als was anderes zu tun oder Almosen von irgendwem zu erwarten für das eigene Leben.

Prost. Auf die brotlose Kunst, Diebstahl an der SB-Kasse und die Kultur des Geistes, die ohne den ewigen Hiob nie Teil der menschlichen Erfahrung wäre!


QuoteJesus
17.06.2025, 18:03 Uhr

Naja, es gibt ja kein Anrecht darauf Künstler*in zu sein.

Wenn niemand meine Kunst bezahlen möchte ist es eben kein Job sondern ein Hobby.

Die erwähnte Frau Hermann ist ja nicht nur ungelernte Pflegekraft sondern, nach dem was ich nach kurzem googeln gefunden habe, auch ungelernte Künstlerin (was prinzipiell auch in Ordnung ist).

Ich wäre auch gerne Privatier, leider fehlen mir die Immobilien, soll ich mal beim Jobcenter nachfragen?


QuoteThomas O´Connolly
18.06.2025, 01:28 Uhr

@Jesus:

Kunst wird nicht in Geld sondern in Kultur gemessen. Und das ist eine Maßeinheit die sich erst über Zeit wirklich zu Buche schlägt. Und wenn nicht, hat man wenigstens seine Zeit auf Erden mit etwas verbracht was man liebt.

Wer hat das schon? Und welcher Lump würde dafür eine Gegenleistung einfordern?

Demut ist das Brot der Kunst. Wer es verschmäht, dessen Werk wiegt leicht wie eine Feder im Wind und ist eben was sie sagen, ein "Hobby" . Nicht anders als alle anderen Zerstreuungen die sich nicht mit dem innersten Selbst eines Menschen auseinandersetzen.

Und aus Erfahrung kann ich sagen: Es kommt immer wer, der einem den nächsten Besuch zum Tierarzt, den Urlaub oder das Bier bezahlt. Wenn man denn diszipliniert arbeitet, an sich glaubt und sich nicht auf das Brot der anderen verlässt oder es gar als irgendein Anrecht versteht.


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Textaris(txt*bot)

Quote[...] In einem Zeitungsartikel wähnt der neue Kulturstaatsminister sich und die Welt mitten in einem Kulturkampf. Okay, aber was möchte er denn noch sagen?

Der ehemalige Journalist und Medienunternehmer Wolfram Weimer hat einen Gastbeitrag für die Süddeutsche Zeitung geschrieben. Das hat er in seiner neuen Funktion als Kulturstaatsminister getan. Darum ist der Text jenseits seiner Form und seines Inhalts automatisch erheblich, auch wenn Weimer darin kein Regierungshandeln formuliert und keine konkreten Maßnahmen seines eigenen Hauses ankündigt. Er äußert seine Sicht auf die Welt, so muss man es verstehen, und das ist für einen neuen Amtsträger interessant. Zumal wenn dessen publizistisches Vorleben zuletzt für ein wenig Aufregung gesorgt hat.

https://www.zeit.de/kultur/2025-05/wolfram-weimer-kulturstaatsminister-publizist-literatur

"Sorgen um die ,,Fortdauer des eigenen Bluts"?" ( Ein Kommentar von Jürgen Kaube, 27.04.2025)
https://www.faz.net/aktuell/feuilleton/wolfram-weimer-wird-kulturstaatsminister-falscher-mann-am-falschen-platz-110442949.html

Weimer beschreibt unter dem Titel "Verteidigt die Freiheit" (ohne Ausrufezeichen) seine Sicht auf gesellschaftliche Debatten um die Freiheit der Kunst, deren Daseinsberechtigung, Gestalt und Funktion. Er sieht offenbar einen großen Kulturkampf auf der Welt im Gange, in China, Russland, Indien und den USA insbesondere, wo überall "Neo-Nationalismus" herrsche, der nicht nur die Freiheit der Kunst, sondern auch jene der Medien und Wissenschaft bedrohe: "Europa gerät in diesem globalen Kulturkampf in einen 'defining moment' seiner geistigen Integrität." Auch in Deutschland sei mindestens die Kunstfreiheit in Gefahr, durch Angriffe auf sie von links ("Cancel-Culture") und von rechts ("Tilgungsfuror").

Nur am Rande erwähnt Weimer, wie sich der Staat, den er nun mit repräsentiert, zu all dem verhalten solle. Der Staat, schreibt Weimer in bloß einem Satz, könne als "Mäzen" der Kunst auftreten und solle sich "inhaltlicher Einmischung enthalten". Dass Erstere (Mäzene) erfahrungsgemäß zu Letzterem (Einmischung) tendieren, sei mal dahingestellt. Das könnte eine sprachliche Ungenauigkeit sein. Wörtlich genommen wäre es jedoch eine Neudeutung der bundesrepublikanischen, staatlichen (Selbst-)Verpflichtung zur öffentlichen Förderung von Kunst und Kultur: Ein Mäzen, mag er die Künste noch so lieben, kann seine Unterstützung jederzeit und ohne Begründung entziehen, wenn ihm danach ist.

Weimer nennt einige Beispiele dafür, was er als Ausformungen eines Kulturkampfs betrachtet. Da ist die Entfernung einer Venus-Bronze aus dem Eingangsbereich des Bundesamtes für zentrale Dienste und offene Vermögensfragen (BADV) in Berlin, die offenbar nach einem Hinweis der Gleichstellungsbeauftragten des Hauses erfolgt ist. Die "Verbannung" der Skulptur sei ein "Akt kulturferner Ignoranz", schreibt Weimer, der überall "Prüderie" wittert. Die "simple Gleichung, weibliche Nacktheit sei per se sexistisch und habe in der Öffentlichkeit nichts zu suchen", die wirke "wie das Credo eines jakobinischen Bildersturms".

Dann nennt Weimer das Phänomen des Shitstorms, der "mittlerweile zum festen Inventar radikal-feministischer, postkolonialer, öko-sozialistischer Empörungskultur" gehöre. In einem "gesellschaftlichen Klima, dessen Taktung von linkem Alarmismus vorangetrieben wird", so Weimer, "scheint vorauseilender Gehorsam, Bevormundung und Sprachwächtertum die Ultima Ratio zu sein". Die Gefahr droht also zunächst von links.

Doch auf der anderen Seite des politischen Spektrums gebe es "die rechten und rechtsradikalen bis rechtsextremen Kulturkampfreflexe". Da fallen Weimer vor allem aktuelle Beispiele aus den USA ein, das massenhafte Wegräumen von vermeintlich ideologisch unliebsamen Büchern aus Bibliotheken in Florida oder Donald Trumps "Attacke auf amerikanische Museen – namentlich jene der Smithsonian Institution". Weimer bezieht sich wohl auf Trumps Versuch, die Chefin der National Portrait Gallery zu feuern, was Trump vermutlich gar nicht kann, das müsste schon der Museumsträger erledigen, eben die Smithsonian Institution. Auch ein US-Präsident besitzt keine Allmacht und Allzuständigkeit.

Obwohl Weimer den Text mit der Behauptung beginnt, in Kulturkämpfen gehe es eigentlich nicht um Kultur, sondern um Macht, befragt er seine Beispiele nicht danach, welche Machtposition die einzelnen (vermeintlichen) kulturkämpferischen Akteure objektiv besitzen und welche Wirkkraft ihr Handeln entfalten kann.

Die Venus-Bronze etwa war dem öffentlichen Blick im BADV objektiv stärker entzogen als an ihrem neuen Platz im Grassi Museum in Leipzig, jeder kann sie sich dort ansehen. Viel interessanter und anstößiger in jeglicher Hinsicht ist in dem Zusammenhang ohnehin, wie die Venus-Bronze in öffentlichen Besitz geraten ist. Die Skulptur gehörte nämlich einst zur Sammlung Hermann Görings, und wie sie dort hingelangte, dafür bedürfte es noch genauerer Provenienzforschung. Doch davon steht nichts in Weimers Text.

Trumps Machtgesten wiederum gegenüber US-Museen mögen im Rahmen dessen übrigen Tuns albern sein und bestenfalls folgenlos bleiben, sie könnten sogar alberner und folgenloser sein als die meisten Shitstorms auf Social Media. Aber sie werden aus dem Oval Office heraus betrieben. Und Bücher, die aus politischen oder rein ideologischen Gründen aus Bibliotheken geräumt werden und nicht frei im Netz verfügbar sind, können nicht mehr von denjenigen gelesen werden, die sich den Kauf zum Beispiel nicht leisten können.

Auch als geduldige Leserin, als geduldiger Leser merkt man: Es ist mühselig, die einzelnen Beispiele aus Weimers Text jeweils zu befragen und einzuordnen, und sie stellen eher eine Sammlung von losen Anekdoten dar, als dass sie die These des umfassenden Kulturkampfes stützen würden, der auch Deutschland drohe. Diese Behauptung ist ohnehin eher ein Topos von Talkshows, in denen sich vermeintlich aus dem öffentlichen Diskurs Gecancelte regelmäßig sehr öffentlich über ihr Gecanceltsein äußern können und so einen prächtigen performativen Widerspruch produzieren. Das Sprechen über "Cancel-Culture" ist längst Teil einer aufmerksamkeitsökonomischen Zweitverwertung genau dieser "Cancel-Culture", selbst wenn man deren vermeintliche Auswüchse immer wieder suchen muss.

Selbstverständlich gibt es Kulturkämpfe. Und vor allem gibt es offensichtlich die Furcht, dass einen deren Auswirkungen persönlich betreffen oder die Gesellschaft fundamental in eine Richtung verändern könnten, die einem nicht passt. Nichts, was Wolfram Weimer dazu schreibt, ist grundlegend falsch oder skandalös. An seinem Text ist jedoch auch nichts neu oder originell.

Außer der Tatsache, dass nun Weimer über Kulturkämpfe schreibt, dem schon vor Antritt seines neuen Amtes unterstellt wurde, er sei selbst ein Kulturkämpfer. Es ist fast ein bisschen zu sehr on the nose: Indem Weimer die bürgerliche Mitte als die Hüterin und das vorrangige Publikum der Künste proklamiert, situiert er sich vor allem selbst darin. Nur wird das Kunstverständnis jener bürgerlichen Mitte (und damit Weimers) in diesem Text überhaupt nicht sichtbar jenseits der Behauptung, "eine kulturaffine Klientel" sei "offen für Neues, für Experimente, selbst für Gewöhnungsbedürftiges wie Sado-Maso-Exzesse auf Theaterbühnen". Nun, immerhin redet mal wieder jemand von Regietheater, man hatte es fast schon vergessen.

Statt in dem Gastbeitrag einen Kulturbegriff zu entwickeln, aus dem sich seine künftigen politischen Entscheidungen ableiten ließen oder seine Idee von Kulturförderung zum Beispiel, spielt Wolfram Weimer lieber hohe Töne und holt "das Tafelsilber abendländischer Aufklärung" hervor, das man nicht wegschließen dürfe (wobei gerade das Wesentliche an Tafelsilber ist, dass es nur zu besonderen Anlässen aus dem Schrank geholt wird, also fast nie benutzt wird). Dieses "Tafelsilber" also sei: die Freiheit. Wie sehr der Kulturstaatsminister Wolfram Weimer die Freiheit der Kunst noch verteidigen will, wenn zum Beispiel der nächste Antisemitismusskandal kommt, darauf darf man gespannt sein.


Aus: "Wolfram Weimer: Der Ritter des Tafelsilbers" Dirk Peitz (5. Juni 2025)
Quelle: https://www.zeit.de/kultur/2025-06/wolfram-weimer-kulturstaatsminister-kulturkampf-kunstfreiheit

Quotemirinord

Ich, 60 Jahre alt, bin froh um die Errungenschaften des Feminismus, sehe es als Fortschritt, dass Deutschland endlich anfängt, sich mit seiner kolonialen Vergangenheit zu beschäftigen, sehe im Klimawandel eine ernste Bedrohung, die auch die Gerechtigkeitsfrage aufwirft. Und ich bin entsetzt von der Geschichtsvergessenheit vieler Konservativer, die offensichtlich völlig verdrängt haben, dass Konservative einst den Nazis zur Macht verholfen haben. Kurz: ich sehe die Bedrohung da, wo Weimer sie nicht sieht.


QuoteUwe Ku

Ich bin 71 Jahre alt und teile Ihre Auffassung absolut. Danke für Ihren Kommentar, Sie haben mir die Formulierung erspart. Leider kann ich nur ein Herz vergeben.


QuoteArunai

Antwort auf @Uwe Ku

Und ich bin 67 und ebenso der Auffassung unserer beiden Vorposter:in. Danke, für den Kommentar und nicht alle alten Säck:innen sind mit dem Wandel der Zeiten und dem, was so in der Welt geschieht, überfordert und wünschen sich den Rückschritt, als Mann noch sagen konnte, was er wollte.


QuoteHaliflor

Der Sesselkreis der Alt-68er-Kiddies füllt sich.


QuoteClaude Nuage

Ein Feminismus, der Bronzen aus der Renaissance als Feindbild braucht, kann weg.


Quotemirinord

Antwort auf @Claude Nuage

Die Kunst dubioser Herkunft steht jetzt da, wo sie hingehört: im Museum.


QuoteTHCHD

Ich denke, man kann hier die davonschwimmenden Felle der rot-grünen Vorfeldorganisationen gerade beim Davonschwimmen beobachten ...


Quotenozomi07

Wenn das wirklich Ihre einzige Erkenntnis aus diesem Artikel ist - falls Sie ihn gelesen haben - wars schade um die Zeit.


QuoteWatzinger
@THCHD

Finde ich sehr nett, dass Sie Kultur den Grünen zuordnen.


Quoteunddso
@THCHD

Ach schon wieder der Kubitschek-Epigon .... Wortgleich wie im anderen Kommentarfeld ....


QuoteTHCHD

Antwort auf @Watzinger

Das Wort Kultur steht aber gar nicht in meinem Post.


QuoteChristian1980

Da Sie ja nicht von nach eigener Aussage nicht von "Kultur" gesprochen haben, welches Fell welcher Vorfeldorganisation schwimmt denn da gerade weg?


QuoteTHCHD
Antwort auf @Christian1980

Das (dünne) Fell all derjenigen aus der links-grünen Bubble, die sich jetzt (endlich) mal wieder so richtig echauffieren können.

Ein grosser Spass, wenn Sie mich fragen!


QuoteWatzinger
Antwort auf @THCHD

Sie sagen also selber, dass Sie gar nicht ernsthaft diskutieren wollen, sondern nur provozieren. So verkommen ist das Forum mittlerweile.


QuoteTHCHD
Antwort auf @Watzinger

Ich würde das nicht ganz so pessimistisch sehen wie Sie.


QuotePotsdamboomerin

Liebe ,,Zeit", es ist offensichtlich, dass sie Herrn Weimer nicht akzeptieren wollen. Es wäre hilfreich, wenn in den Artikeln nicht nur die eigene Ablehnung dargestellt, sondern eine sachliche Auseinandersetzung erfolgen würde.


QuoteIs there anybody outthere

Mit Verlaub, Sie schreiben leider volligen Unsinn.


Quotesandor123

"sondern eine sachliche Auseinandersetzung erfolgen würde."

die würde wie aussehen? Beifall spenden?

QuoteHSC

Sachliche Argumente stehen im Artikel.

Wo ist ihr Problem? Spiegelt der Ihre Meinung nicht wider? Sie können gerne gegenargumentieren. Also wenn Sie es denn können, natürlich.


Quoterklosa

Ich, 60 Jahre alt, bin Herrn Weimar dankbar für seinen Beitrag. Nur weil Diskurs von den Schreihälsen von links oder rechts dominiert wird, heißt es noch nicht, dass diese auch recht haben.


Quotemirinord

Warum übernimmt Weimer dann die Sprache der rechten Schreihälse?


QuoteMedium Well

Wer von ,,radikal-feministischer, postkolonialer, öko-sozialistischer Empörungskultur" schreibt, ist ein rechter Schreihals.


QuoteWunderliche ZON Ansichten

Antwort auf @Medium Well

"Wer von xxx schreibt, ist ein rechter Schreihals."

Die Linken machen es sich zu leicht wenn einfach alles und jeder der nicht das eigene Lied sing als "rechts" diffamiert wird.
Hoffentich sieht die Mitte das bald ein, damit der Spuk ein Ende hat.


QuoteMedium Well
Antwort auf @Wunderliche ZON Ansichten

Weimer gehört nicht zur Mitte, das gibt er nur vor. Wie soll er da der Mitte helfen?

Er gibt vor, gleichermaßen gegen rechtsextreme Kulturkämpfer zu sein wie gegen jene von mir zitierte linke Monstrosität, aber für die Rechten wählt er eine vollkommen neutrale Sprache und sieht diese Kräfte auch eher im Ausland.

Ich traue ihm zu, seine Sprache sehr bewusst zu wählen.


QuoteChristian1980

Antwort auf @Wunderliche ZON Ansichten

Öko-Sozialistisch ist ein rechter Kampfbegriff oder besser noch, wird als solcher gerne von rechten Kulturkämpfern verwendet. Übrigens: wenn Marginalisierte und Unterdrückte und Diskriminierte laut werden, dann deshalb weil sie sonst kein Gehör finden!


QuoteMedianwähler

"Shitstorms" sind also eine Erfindung der Linken oder eine hauptsächlich radikalfeministische und öko-sozialistische "Methode".

Aha.

Wenn ich mir da die Ergüsse der "besorgten Bürger" hier im ZON Forum so ins Gedächtnis rufe, dann bin ich mir da nicht ganz so sicher.

Aber vielleicht kennt auch Herr Weimer so neumodisches Zeugs wie das ZON Forum gar nicht.


QuoteHerr Schaften

"Wenn ich mir da die Ergüsse der "besorgten Bürger" hier im ZON Forum so ins Gedächtnis rufe, dann bin ich mir da nicht ganz so sicher."

Ah ja, und das geballte Wutbürgertum der linken und grünen Boheme, wenn es in einem Artikel um Lindner, Wissing (bevor er plötzlich ein Guter wurde), Dobrindt, Merz oder Söder geht, blenden Sie aus, gell?

"Aber vielleicht kennt auch Herr Weimer so neumodisches Zeugs wie das ZON Forum gar nicht."

Ihr Ernst? Ein Bundesminister sollte durch irgendwelche random Foren von Online-Zeitungen scrollen? Vielleicht auch noch mitschreiben? Oder am besten Ihre Kommentare als Feed abonnieren, richtig?


QuoteKapaster d.J.

Weimer ist im Internet wohl noch nie von rechten Meuten angegriffen worden. Anders ist jedenfalls nicht erklärbar, dass ihm das nur als linker Aktivismus vorkommt.

Und so "canceln" auch die Rechten mindestens die Hälfte der Bevölkerung aus ihrer nationalen Utopie einer gleichgerichteten, völkischen Gesellschaft. Aber vielleicht hat Weimer ja in letzter Zeit nichts aus Ungarn gehört, wo die Träume der Rechten Schritt für Schritt wahr werden.


QuoteWiePä

Lustig, dass er unter anderem von "öko-Sozialismus" schreibt und sich gleichzeitig über cancel culture aufregt. Dabei hat der Anhang "-Sozialismus" gerade in konservativen kreisen genau den Zweck, Dinge automatisch mundtot zu machen, im wahrsten Sinne des Wortes. Denn Sozialismus is immer schlecht und dient daher nur als Hinweis, dass es weg muss und zwar mit allen Mitteln. Der Bemängeler eines Kulturkampfes, betreibt damit genau das, nämlich Kulturkampf.

Selbiges gilt auch für den Begriff "cancel culture" usw. Das klingt ganz nach "man darf ja gar nichts mehr sagen". Ja, doch...sagen darf man ne ganze Menge. Nur steht eben nirgends, dass es dafür keinen Gegenwind geben darf. Das gehört ebenso wie "shit storms" such zur freien Meinungsäußerung. Wenn jemand grob verletzend Stuss von sich gibt, muss er eben mit Gegenwind rechnen! Und das is auch absolut gut so!


QuoteBilly Budd

Nach der Lektüre des Weimerschen Beitrags in der SZ kann ich der Analyse nur zustimmen. Hier spricht wieder einer der "Arrièregarde" - denn nichts anderes ist das Phantastikum "bürgerlicher Mitte" und die beonders in Deutschland schon immer haltungslos die Aufklärung verraten haben.


QuoteFry76

bürgerliche Mitte nennen sich ja meist die Biedermänner...


Quoteein_weites_Feld

Er hat ja doch ganz passable Ansichten, auch wenn sich der Autor viel Mühe damit gibt, diese möglichst unvorteilhaft umzudeuten.


QuoteW.J.T.L.

Der Mann hat inzwischen so vieles, so lange nicht verstanden, dass er inzwischen quasi alles behaupten und schreiben kann ohne dass irgendjemand denkt er könne irgendwann wenigsten ein wenig verstehen.


QuoteWackelpudel

Und genau das qualifiziert in absolut für das Merz-Kabarett, äh -Kabinett. ...


Quotenomit2

Ich bin 52 und offensichtlich zu jung für diese Diskussion.


QuoteMr.Fahrenheit

Lasst euch nicht von Leuten wie Wolfram Weimer erzählen, was gute und schlechte, richtige und falsche Kunst ist. Ich habe das Glück, jeden Tag von Menschen umgeben zu sein, die für Kultur brennen, die der Kunst ihr Leben verschrieben haben und sich mit großem Idealismus ihrer Ausübung und Vermittlung widmen. Es sind einige der offensten und offenherzigsten, vielseitig interessiertesten und staunendsten Menschen, die ich kenne. Menschen, die Thomas Mann ebenso lieben wie Bertolt Brecht, die Susan Sontag und Virginia Woolf mit derselben Leidenschaft lesen wie Lessing und Heine, die sich nicht zwischen klassischem Ballett und Voguing, nicht zwischen La Traviata und Wicked, nicht zwischen John Neumeier und Florentina Holzinger entscheiden möchten, in deren Herzen genug Platz ist für Vermeer und Velazquez und Abramović und Schlingensief, die Kenneth Anger und Chantal Akerman ebenso unendlich faszinierend finden wie Hitchcock und Scorsese, die in einer Sekunde für Talking Heads, Kate Bush und Chappell Roan schwärmen und in der nächsten für Beethovens Klaviersonaten, Menschen, die verstanden haben, dass die ,,deutsche" Kultur immer dann am spannendsten war, wenn sie im Austausch mit anderen Kulturkreisen stand, angefangen bei der höfischen Literatur des Mittelalters über Goethes Shakespeare-Rezeption bis hin zum Jugendstil und dem Expressionismus.

Es sind Menschen, die für Schnittmengen, Grauzonen und Synergien leben, für Austausch, Begegnung und Diversität. Die aber auch die Schattenseiten und Reibungsverluste nicht aus dem Blick verlieren möchten, die ständig dazulernen. Es sind Menschen, wie sie vermutlich an fast jedem deutschen Theater arbeiten, in fast jedem Museum, in fast jeder Bibliothek. Es sind die Träger des Feuers, nicht die Anbeter der Asche.Wolfram Weimer ist dies alles offensichtlich nicht. Sein Kulturbegriff ist, nach allem, was man von ihm lesen konnte, schmerzhaft limitiert, sein Wissen oberflächlich, sein Verständnis gering. Er mag die Romantiker und Thomas Mann schätzen, aber wirklich begriffen zu haben scheint er sie nicht. Stattdessen setzt er sie als Waffe ein, um Menschen gegeneinander auszuspielen. Claudia Roth hatte, bei aller berechtigten Kritik, einen offenen Blick für die Vielfalt kultureller Ausdrucksformen. Wolfram Weimer ist dies leider nicht zuzutrauen. Er ist die denkbar schlechteste Besetzung für das Amt des Kulturstaatsministers. Und er erfüllt die meisten der Menschen, die ich oben beschrieben habe, mit Sorge und Angst.


QuoteSimplicio

Das Kunstverständnis der bürgerlichen Mitte hat die Kunst noch nie wirklich befördert.

Antiquarisch, museal, affirmativ hinsichtlich der bestehenden Verhältnisse.
Und dass man die "Gefahr" zuerst von links kommend sieht, passt auch.

Kunst und Kultur lebt von Veränderung, von neuen Ideen, vom Streiten darüber. Aber Veranderung muss sein, ansonsten sind Kunst und Kultur tot.

Wir waren da schon einmal weiter als heute.
Ich empfehle youtube Beuys vs Gehlen: Kunst - Antikunst


QuoteHaliflor

Ausgerechnet Fell- und Filzbomber Beuys, Faust aufs Auge...
Das identitäre Hufeisen schließt sich.


QuoteSimplicio

Antwort auf @Haliflor

Ich habe dieses Video angeführt, nicht weil ich ein Beuys- oder Gehlen-Fan wäre, sondern um zu zeigen was an öffentlicher streitbarer Diskussion möglich war, -welcher Sender des ÖRR würde das heute riskieren?- ohne in die beidseitige Hysterie von konservativer wie linker Seite zu verfallen, die wir heute vorgeführt bekommen. Dass Beuys und Gehlen keine unbelastete Vergangenheit hatten, ist bekannt und ihre jeweiligen Positionen muss man ja nicht goutieren. Beide hatten zweifellos ihre Nachtseiten, aber eben nicht nur.


...

Textaris(txt*bot)

Quote[...] Ulf Poschardt, Herausgeber der »Welt«, hat auf den Wiener Festwochen ein flammendes Plädoyer für Israel, seine Armee und Regierung gehalten. Am Samstag war der Journalist und Autor einer der Teilnehmer des Diskussionsformats »Wiener Kongresse«. Ein Video seiner in diesem Rahmen gehaltenen Rede veröffentlichte Poschardt auf seinem »X«-Profil.

...


Aus: "Ulf Poschardt: »Benjamin Netanjahu ist mir näher als Milo Rau«" (01.06.2025)
Quelle: https://www.juedische-allgemeine.de/kultur/ulf-poschardt-benjamin-netanjahu-ist-mir-naeher-als-milo-rau/

-.-

Quote[...] Es ist ein einträgliches Geschäftsmodell, sich als Kritiker der ,,Wokeness" (früher ,,Cancel Culture", davor ,,Political Correctness") zu inszenieren. Man kann sich damit mediale Aufmerksamkeit, publizistische Reichweite und Buchverträge sichern. Denn dass man gar nichts mehr sagen darf, dass sich immer mehr Menschen in ihrer Meinungsfreiheit eingeschränkt fühlen, das ist eines jener Themen, die seit Jahren von Medien mit großer Sorgfalt gehegt und gepflegt werden.

Angesichts der aktuellen politischen Entwicklungen steht das Geschäftsmodell der Anti-Wokeness allerdings vor den Trümmern seines eigenen Erfolgs. Rechte und rechtsradikale Politiker wie Trump und seine Partei, die seit Jahren gegen ,,Wokeness" oder ,,Cancel Culture" hetzen, greifen basale bürgerliche Grundrechte an, attackieren etablierte Medien und versuchen die Universitäten zu zerstören. Für diese Leute bedeutet ,,Meinungsfreiheit" nichts anderes, als die eigene Meinung mit aller Macht durchzusetzen und die Meinung anderer mit Gewalt zu unterdrücken.

Vor diesem Hintergrund ist es aufschlussreich, eine aktuelle Folge des erfolgreichen Podcasts ,,Lanz & Precht" zu hören. Die beiden Medienpromis haben sich des Themas ,,Meinungsfreiheit" noch einmal angenommen und sehen diese ebenfalls in Gefahr. Bemerkenswerterweise bleibt das engagierteste Händeringen Fällen wie dem Outing des Betreibers des extrem rechten YouTube-Kanals ,,Clownswelt" vorbehalten. Für Precht bedeutet das nicht weniger, als jemanden in ,,bester mittelalterlicher Tradition an den Pranger" zu stellen, ,,nackt ausgezogen und dem öffentlichen Spott und dem öffentlichen Hass preisgegeben".

Nun kommen die beiden aber nicht umhin, auch darauf hinzuweisen, dass die US-Regierung gerade mit äußerster Gewalt gegen Andersdenkende vorgeht. Dafür haben sie sich aus dem amerikanischen Diskurs den Begriff der ,,Wokeness von rechts" geborgt, der die irrwitzigen Attacken auf Medien, Kulturinstitutionen und Universitäten erklären soll. Nach der ,,Wokeness von links" komme jetzt, heißt es an einer Stelle im Podcast, eine ,,ganz harte Wokeness von rechts", die alle Mittel nutze, die die ,,linke Wokeness zur Verfügung gestellt hat".

So wird ein kausaler Zusammenhang hergestellt zwischen der progressiven Kritik an Rassismus oder Sexismus und der offen autoritären Politik einer Regierung, die Menschen ohne Verfahren in Lager entführt oder ausländische Studierenden mit Ausweisung bedroht – ein absurder Gedanke, der allerdings für Menschen, die seit Jahren die Meinungsfreiheit vor allem durch linke Anliegen in Gefahr sehen, eine wichtige Funktion einnimmt.

Auch Dieter Nuhr, der auf der Bühne des öffentlich-rechtlichen Fernsehens seit Jahren einträglich von der Kritik linker ,,Cancel Culture" lebt, darf bei ,,Maischberger" noch einmal verbreiten, dass die ,,überzogene Wokeness-Bewegung das provoziert hat". Mit ,,das" ist der Aufstieg Trumps gemeint und die Zerstörung, die er jetzt anrichtet. Die Linken sind also schuld am Aufstieg der Rechten – und nicht Männer wie Nuhr, die deren Talking points seit Jahren öffentlich vertreten.

Es handelt sich um den leicht durchschaubaren Versuch, die Sorge um die Meinungsfreiheit als legitimes politisches Anliegen zu retten. Denn diese Sorge hat in den letzten Jahren eine wichtige Rolle in der Selbsterzählung bestimmter medialer Eliten gespielt. Die Fiktion einer diskursiven Übermacht von links, die man schwer beweisen kann und auch nicht beweisen muss, ermöglicht es Männern wie Nuhr, Lanz oder Precht, sich in eine Opferposition zu begeben, in der sie sich als heroische Außenseiter inszenieren können.

Das funktioniert, weil wir uns im Zeitalter einer allgemeinen Machtvergessenheit befinden. Damit meine ich eine gesellschaftlich weit verbreitete Unfähigkeit, einzuschätzen, wer tatsächlich Macht besitzt und wer nicht.

Der gesunde Menschenverstand würde davon ausgehen, dass Macht bei denen liegt, die Ressourcen, Aufmerksamkeit und institutionellen Zugang in Massen gehortet haben. Also etwa die Betreiber eines extrem erfolgreichen Podcasts, der vom ZDF mit einer riesigen Summe finanziert wird. Zumal Precht ein reicher Buchautor und Lanz der Moderator einer der wichtigsten Talkshows im deutschen Fernsehen ist. Auch Nuhr verfügt über eine riesige Bühne und wird – wenn er nicht sehr schlecht mit Geld umgehen kann – inzwischen märchenhaft wohlhabend sein.

Es fällt also schwer, sich Menschen auszudenken, deren Meinungsfreiheit weniger einschränkt ist. Und doch ist die Vorstellung weit verbreitet, dass nicht solche Menschen die Debattenhoheit besitzen, sondern ein vager progressiver Diskurs. Man muss sich schon sehr verbiegen, um zu dieser Erkenntnis zu kommen.

Precht und Lanz sprechen in ihrer Podcastfolge von ,,sozialen Kosten", die für bestimmte Äußerungen gestiegen wären. Die Spannbreite der Äußerungen, die man machen kann, ohne dass sie ,,einen Unmut hervorrufen oder heftige Aggressionen oder heftige Anklagen oder moralisierende Repliken", werde immer kleiner.

Das ist eine ziemlich seltsame Vorstellung von Meinungsfreiheit. Unter ,,soziale Kosten" kann man nun alles fassen, was einem an Kritik an einer eigenen Meinung zu weit geht. Vor allem aber ist das eine Definition, die die materielle und mediale Grundlage von Meinungsfreiheit vollkommen außer Acht lassen kann.

Ein perfektes Beispiel für Machtvergessenheit lieferte Lanz nur kurze Zeit später in seiner Sendung, die das Thema ,,Meinungsfreiheit" noch einmal für das ZDF-Publikum aufbereitete. Eingeladen waren unter anderem der Tübinger Bürgermeister Boris Palmer und Ulf Poschardt, langjähriger Chefredakteur und derzeit Herausgeber der ,,Welt"-Gruppe. Beide klagen bei jeder Gelegenheit verlässlich darüber, dass die Meinungsfreiheit eingeschränkt werde.

Poschardt steht gerade mit seinem Buch ,,Shitbürgertum" auf der Bestsellerliste. Mit seiner Position bei Axel Springer ist er aber auch eine der mächtigsten Personen der deutschen Medienlandschaft. In einem umfangreichen Porträt, das zum Anlass der Veröffentlichung dieses Buches im ,,Spiegel" veröffentlicht wurde, ging es unter anderem um seine beiden Ferraris und seine Villa am Berliner Schlachtensee. Es müsste also eigentlich für Gelächter sorgen, dass sich so ein Mann über bürgerliche Eliten und deren vermeintliche Diskursmacht beklagt.

Die Antwort auf die Frage, warum das dennoch möglich ist, lautet: Machtvergessenheit. Medien fördern diesen Zustand, indem sie bestimmte Vorstellungen immer wieder durch die Re-Inszenierung von Debatten in die Öffentlichkeit tragen.

So greift Poschardt in seinem ersten Redebeitrag bei ,,Lanz" direkt zahlreiche Talking points und Beispiele aus der Podcastfolge von Lanz und Precht auf. Später wiederholt Palmer die dort vorbereitete Argumentation, dass Trump eine Reaktion auf linke Verfehlungen darstellt. Das muss nicht bedeuten, dass beide die Folge zur Vorbereitung auf die TV-Sendung gehört haben. Es zeigt nur, wie wirkungsvoll sich ein bestimmter Diskurs verbreiten lässt.

Palmer wird an einer Stelle von Lanz gefragt, welches Wort er denn nicht sagen darf. Es ist tatsächlich: ,,Das N-Wort". An dieser Stelle wird noch einmal mit erschreckender Deutlichkeit sichtbar, dass Palmer eine ganze politische Identität darauf aufgebaut, ein rassistisches Schimpfwort nicht verwenden zu dürfen. Daraus konstruiert er eine ganze Gesellschaftsdiagnose. Wie das konkret aussieht, konnte man 2023 bei einer Veranstaltung an der Universität Frankfurt beobachten. Demonstranten hatten diese wegen Palmers Verwendung des N-Worts gestört, woraufhin er der Gruppe zurief: ,,Das ist nichts anderes als der Judenstern. Und zwar, weil ich ein Wort benutzt habe, an dem ihr alles andere festmacht. Wenn man ein falsches Wort sagt, ist man für euch ein Nazi."

Der diskursive Mehrwert Palmers als Talkshow-Gast geht gegen null. Er hat zu diesen Fragen nichts Intelligentes oder Originelles zu sagen; er ist kein charismatischer oder artikulierter Gesprächspartner; er hat nicht mehr zu bieten als die Verkörperung eines Ressentiments. Die Sendung zeigt eindrücklich: Die Debatte um die Meinungsfreiheit ist eine medial inszenierte Schmierenkomödie. Es geht um nichts anderes als die Reproduktion eines künstlichen Reizthemas.

Halten wir also fest: Die Machtvergessenheit im (medialen) Diskurs über Meinungsfreiheit hilft Ferrari-Besitzern, vermögenden Autoren und Oberbürgermeistern, sich mit der Klage über ,,soziale Kosten" den Status von gesellschaftlichen Außenseitern und Nonkonformisten zu erschwindeln. Wenn man aber von der dröhnenden Debatte einmal einen Schritt zurücktritt, dann klingen ,,soziale Kosten" verdächtig nach dem, was man früher schlicht als ,,Konsequenzen" für das eigene Tun und Reden bezeichnet hätte.

Und darum geht es eigentlich: Menschen, die nach allen soziologischen Kategorien zur Elite des Landes gehören, wollen sprechen, aber nicht hören, wollen kritisieren, aber nicht kritisiert werden. Wenn sie austeilen, dann ist das Meinungsfreiheit, wenn sie einstecken sollen, dann jammern sie über ,,soziale Kosten". Das ist von Trumps Rhetorik, die nun rasch einer ausgedachten Linken in die Schuhe geschoben werden soll, nicht weit entfernt.


Aus: "Kolumne: Erregung und Ärgernis (12): Wenn sich mächtige Männer als Außenseiter inszenieren"
Johannes Franzen (9. Juni 2025)
Quelle: https://uebermedien.de/106386/meinungsfreiheit-und-wokeness-wenn-sich-maechtige-maenner-als-aussenseiter-inszenieren/

-.-

Quote[...] 24. Juni 2025. Ich wollte an dieser Stelle schon lange mal über Ulf Poschardt schreiben, der ja wie die Faust aufs Auge meines Kolumnentitels passt: Unter der Klammer "Aus dem bürgerlichen Heldenleben" [https://nachtkritik.de/kolumnen-esther-slevogt/kolumne-aus-dem-buergerlichen-heldenleben-esther-slevogt-verneigt-sich-vor-dem-urheber-des-titels-dieser-kolumne] fasste vor mehr als hundert Jahren der große Carl Sternheim diverse Dramen zusammen, in denen er Gier, Kleingeist, verkrampften Macht- und Aufstiegswillen sowie die untrennbar damit verbundene Bigotterie des wilhelminischen Bürgertums beschrieb, das so gerne herrschende Klasse wäre, aber nie weiter kommt als die eigene Beschränktheit zu bewirtschaften.

Poschardt also, der mir schon länger immer wieder zustimmendes Grinsen entlocken konnte, wenn er auf der Plattform formely known as Twitter ein bestimmtes kulturelles Milieu aufs Korn nahm, für das er irgendwann den Begriff des "Shitbürgers" erfand. Dabei wusste ich nie wirklich sicher zu sagen: Ist hier ein Nachfahre Sternheims am Werk oder eher ein neuer Bürger Schippel? Gemeinsamkeit gibt es mit beiden. So war Sternheim ein Bewunderer Bismarcks (wie Poschardt von Trump und Elon Musk), besaß ein Schloss bei München wie Poschardt einen Ferrari bei Berlin-Zehlendorf. Beide zogen und ziehen daher Neid und Missgunst der jeweiligen Zeitgenossen auf sich, die gerne selbst Schlösser respektive Ferraris besäßen, selbiges aber nicht zugeben können. Und wie der dank seines Tenors frisch emporgekommene Bürger Schippel in seinem Gesangsverein den Altbürgern permanent seine Herkunft aus dem Proletariat vor die Nase hält, wedelt Poschardt mit seiner Herkunft aus der Linken, die aus seiner Sicht nun zu eben diesem Shitbürgertum wurde, das er jetzt so erbittert bekämpft.

Dieses Shitbürgertum (von ihm im Links-grün-woken Milieu verortet) hat aus seiner Sicht "das Bürgertum als liberale Kraft gesellschaftlicher Emanzipations- und Innovationsprozesse sediert". Doch dass es so rosig mit dem Bürgertum in der Vergangenheit nie war, wie Poschardt nun im Angesicht gefühlter shitbürgerlicher Verwerfungen fieberfantasiert, das hat am Anfang des 20. Jahrhunderts Carl Sternheim längst besser gewusst. Sternheims Figuren seien skelettiert, hat der große Kritiker Georg Hensel geschrieben, "Gerippe, die nach Macht klappern!" Zwar sieht auch Poschardt die Ambivalenz dieser Klasse durchaus im historischen Kontext, setzt zielsicher immer wieder seine Bohrer an neuralgischen Punkten an. Aber dann kippt, was gerade noch beißende Analyse war, in Borniertheit. Wie beim Bürger Schippel, der im Untergrund – und von den eigenen Leerstellen getriggert – wütet. Trotzdem gibt es Schnittmengen zwischen Poschardt und mir. Und so kam es gelegentlich vor, dass seine Sottisen mir so etwas Genugtuung verschafften. Nach dem 7. Oktober 2023 erst recht.

Wann immer ich mit Kolleg*innen über dieses guilty pleasure sprach, erntete ich strafende Blicke: Poschardt sei jemand, der die Verschiebung des Diskurses nach rechts wesentlich mitzuverantworten habe. Da hat mich manchmal verunsichert. Weil ich immer denke, in Zeiten wie diesen muss man sich eigentlich dauernd selbst monitoren und seine Navigationssysteme nachjustieren, damit man nicht abdriftet oder sich in eine unangenehme Richtung radikalisiert. Sich nicht anstecken lässt vom fatalen Klima der Polarisierung, die immunisiert gegen Zwischentöne, andere Meinungen, die grundsätzliche Einsicht in die Komplexität dieser Welt.

Dann war Ulf Poschardt eines Tages von Twitter verschwunden und tauchte erst kürzlich bei den Wiener Festwochen wieder auf, wo er für die "Wiener Kongresse" als Crash-Test-Dummy für genau das Klientel gecastet worden war, das er so leidenschaftlich hasst und publizistisch bekämpft: Und das sich dann tatsächlich nicht entblödete, sich exakt so zu verhalten, als hätte ihm Poschardt höchstselbst das Skript geschrieben. Er wurde beschimpft und ausgebuht, seine Rede immer wieder unterbrochen, und ich (die ich das Spektakel auf dem Youtube-Kanal der Festwochen verfolgte) erlebte dabei einen Poschardt, der sichtlich angefasst schien vom Hass und der Selbstgerechtigkeit, die ihm da entgegenschlugen. Und ein Festival, das nicht in der Lage war, ihm freie Rede zu gewährleisten. Statt sich für Entgleisungen aus dem Publikum zu entschuldigen, trat Festivalchef Milo Rau am nächsten Tag auch noch vor das Publikum, um sich für Poschardt zu entschuldigen. Der sei verwirrt gewesen, sagte er, oder so was in der Art. Da sprach dann eigentlich auch schon eine Sternheimfigur – ein Wiedergänger von Gesangsvereinsvorstand Hickethier vielleicht gar. Doch war da auch noch etwas anderes in Reinform zu erleben: der shitbürgerliche (um das Wort mal anzuwenden) Paternalismus nämlich, der immer glaubt, auf der richtigen Seite zu stehen, getreu des alten Klospruchs: "Alles Schlampen, außer Mutti."

Zu diesem Zeitpunkt lag hier schon Ulf Poschardts Bestseller "Shitbürgertum" auf dem Nachttisch, auf dessen Rückseite der alte Spontispruch "Macht kaputt, was Euch kaputt macht" zu lesen war – der aus Poschardts Sicht jetzt gegen seine Urheber beziehungsweise ihre Nachfahren gewendet werden muss: die nämlich Poschardt zufolge in einem langen Marsch durch die Institutionen den Staat zu ihrer Beute machten und nun, an den Rand des Abgrunds gewirtschaftet, den Aufstieg von AfD und Islamismus mitzuverantworten haben. Ihren regressiven wie infantilen Moralismus zu beschreiben beziehungsweise zu dekonstruieren, das sei das Ziel.

Das Buch fängt noch gut an, wenn Poschardt die Geburt der Intellektuellenkaste der frühen Bundesrepublik aus dem Geist der Schuldkompensation beschreibt und als frühe Leuchttürme des Shitbürgertums Günter Grass und Walter Jens nennt. Oder den von Poschardt sichtlich verachteten "Kitschier" am moralischen Mischpult: Heinrich "DJ Böll". Die antisemitische Gruppe 47 mit ihren ehemaligen Wehrmachtsoldaten, die ins zivile Autorenfach gewechselt waren. Als positive Helden laufen auch Karl-Heinz Bohrer und Friedrich Kittler (bei dem Poschardt promovierte) durchs Bild.

Dann aber entweicht die Konkretion, schmilzt ab, was gerade noch polemische Analyse war. Wird nur noch das eigene Ressentiment bewirtschaftet und statt dekonstruiert es sich in den Ruinen einer intellektuellen Biografie gemütlich gemacht, die nie wirklich in der Gegenwart ankommt. ...


Aus: "Kolumne: Aus dem bürgerlichen Heldenleben - Über Ulf Poschardts "Shitbürgertum" - Bürger Shittel"
Esther Slevogt (24. Juni 2025)
Quelle: https://nachtkritik.de/kolumnen-esther-slevogt/kolumne-aus-dem-buergerlichen-heldenleben-6


Textaris(txt*bot)

Quote[...] Das von der jeweiligen Bundesregierung zur Förderung der Kultur bereitgestellte Geld, genauer gesagt: Der Etat des Staatsministers für die Kultur und die Medien ist der letzte, dessen jährliche Steigerungen noch bejubelt werden – schon woanders lösen anschwellende Staatsausgaben eher gemischte Gefühle aus. Und der Kulturetat wird tatsächlich um etwa zehn Prozent anwachsen, falls der Bundestag im Herbst zustimmt. Mit 2,5 Milliarden Euro ist der Kultur-Säckel in der Tat so prall wie nie zuvor – und das, während der Bundesfinanzminister alle anderen Ressorts mit Blick auf Haushaltslücken in den nächsten Jahren zur strengsten Disziplin ermahnt.

"Mehr" Kultur steht allerdings nicht unbedingt in Aussicht. Mit dem finanziellen Zuwachs werden im Wesentlichen Verpflichtungen erfüllt, die aus der vergangenen Legislaturperiode stammen, also Mittel für die Reform der Stiftung Preußischer Kulturbesitz, 10 Millionen Euro, dann 22 Millionen für die Freiheits- und Einheitsdenkmäler in Leipzig und Berlin, den Bundesbeitrag für die Bayreuther Festspiele und so weiter. In den Kultureinrichtungen steigen die Kosten wie überall, es ist schon teuer genug, den Istzustand zu erhalten. Substanziell fällt jedoch die Steigerung für die Filmförderung aus, auch sie vom 2025 in Kraft getretenen Filmförderungsgesetz gefordert, aber doch in der Höhe überraschend: von 133 Millionen Euro auf 250 Millionen Euro. Die Erhöhung ist dem neuen Finanzstaatssekretär Björn Böhning zu verdanken. Böhning arbeitete bis vor Kurzem als Lobbyist der Filmwirtschaft, und er weiß um deren dramatische wirtschaftliche Lage.

Wie denn der Etat des Bundeskulturbeauftragten, so hoch er sein mag, immer schon verplant ist und nur sehr wenig Spielraum für politische oder kulturelle Weichenstellungen eröffnet. Frische fünf Millionen Euro will der Staatsminister allerdings für ein Mahnmal für die Opfer der kommunistischen Gewaltherrschaft aufwenden. Das ist eine geschichtspolitische Setzung, doch nicht, weil ein solches Mahnmal politisch strittig wäre. Die Entscheidung fällt mitten in die Debatte um das Gedenkstättenkonzept der Bundesregierung. Dieses Konzept, eine Art Leit- und auch Finanzierungsfaden der bundesdeutschen Erinnerungskultur, hatte Claudia Roth, grüne Vorgängerin im Amt, überarbeitet – und in ihrem Sinn auch politisch einfärben lassen. Es formulierte die Absicht, dem Gedenken an die Nazi-Gewaltherrschaft und an die SED-Diktatur ein Erinnern an die deutsche Kolonialvergangenheit an die Seite zu stellen.

Von dieser Absicht ist nun nicht mehr die Rede. Kulturstaatsminister Wolfram Weimer, ohnehin im Verdacht, "progressive" Kulturziele unionsmäßig zu unterwandern (gerade untersagte er seiner Behörde, Gendersprache zu verwenden), steht hier in einer Art vorwegnehmenden Kritik. Sein in Arbeit befindliches neues Gedenkstättenkonzept wird aller Voraussicht nach keinen nachdrücklichen Bezug auf den Kolonialismus mehr enthalten. Die Mittel werden also nicht für ein Projekt der Grünen verwendet. Darin besteht vorläufig die feine, für die Grünen jedoch schmerzliche Neuausrichtung der Bundeskulturpolitik.

Zur Wahrheit gehört allerdings, dass Roth keinen konkreten Vorschlag für ein Kolonialismus-Mahnmal hinterlassen hat. Die Leiter der Gedenkstätten hatten davor gewarnt, die Aufwendungen für die Erinnerungskultur weiter zu splitten und ihre Häuser finanziell zu schwächen. Sie verwiesen auch darauf, dass der bestehende Mangel an Dokumentationen und Objekten die Einrichtung eines wissenschaftlich fundierten Kolonialmuseums nicht rechtfertige.


Aus: "Mehr Millionen für die Filmförderung" Thomas E. Schmidt (Aus der ZEIT Nr. 33/2025 6. August 2025)
Quelle: https://www.zeit.de/2025/33/kulturpolitik-haushalt-kulturetat-filmfoerderung-wolfram-weimer

QuoteVerstrahlter Erzfrevler der Verlorenen

Ich hoffe doch sehr auf ein staatlich gefördertes Remake der Supernasen.

[... Die Supernasen ist eine deutsche Filmkomödie aus dem Jahr 1983 mit Mike Krüger und Thomas Gottschalk. Der Film war einer der Kassenerfolge des deutschen Kinos der 1980er Jahre ... | https://de.wikipedia.org/wiki/Die_Supernasen ]


Quoteralph5552000

Wie, die Rentnernasen?


QuoteTengil

Filmförderung erhöht von 133 Millionen Euro auf 250 Millionen Euro? Na, dann dürften wir ja demnächst mit Aushängeschilden und Meisterwerken deutscher Filmkultur wie ,,Manta, Manta" und ,,Chantal im Märchenland" Teil Drölfzig überschüttet werden. Freu' mich drauf!


QuoteHaliflor

Sie gehen offenbar äußerst selten ins Kino.


QuoteHarald_A

Ich warte noch auf das Monument "Deutsche Leitkultur"


QuoteBleib.Wild

Entfernt. Bitte formulieren Sie Kritik sachlich und differenziert. Danke, die Redaktion/mf


QuoteTordenskjold

Mit Wolfram Weimer hat Merz einen kalten Krieger und Kulturkämpfer zum Minister gemacht. Weimer ist eine personelle Fehlbesetzung, genau wie die unsägliche Julia Klöckner, wie Jens Spahn, Alois Rainer, Kataharina Reiche...

Weimer veröffentlicht in der WELT Kommentare, die klingen, als könnten sie auch gut ins redaktionelle Konzept von Nius, Compact oder der Jungen Freiheit passen. Unter den vielen Rückwärtsgewandten aus den Reihen der CDU/CSU sticht Weimer mit seiner rigoros-ideologischen Weltsicht besonders negativ hervor.

Angeblich ist er mit Merz befreundet und das glaubt man gerne, ist doch auch Merz einer, der am liebsten gesellschaftlich in die miefig/piefige Adenauerzeit zurückkehren möchte. Inklusive Homophobie, einer "Frau an den Herd"-Ideologie und einem fast manisch anmutenden Hass auf alles, was man als "links" empfindet. Weimar findet für diese Ideologie die Worte.

Die Die CDU-Abgeordnete Saskia Ludwig ist Merz und Weimer einfach nur ein paar Schritte voraus, wenn sie in Ungarn an Veranstaltungen rechtsextremer Thinktanks teilnimmt und sich dort angeregt mit ihrer Schwester im Geiste, Alice Weidel, unterhält. Sie ist nur etwas zu offensichtlich, etwas zu forsch vorausgallopiert, das zwingt die CDU nun zu einer windelweichen Distanzierung. Der Landesverband von Frau Ludwig (Brandenburg) kann sich gar nicht zu einer Distanzierung durchringen und schweigt stattdessen laut.

Merz lässt Weimeer zündeln und baut gleichzeitig "Brandmauern".


Quotepulsstrom

    einem fast manisch anmutenden Hass auf alles, was man als "links" empfindet

Ihr Kommentar klingt für mich so, als hätten sie einen fast manisch anmutenden Hass auf alles, was man als "rechts" empfindet.

Mal ehrlich: Im Welt-Forum haben sich die Leute genauso die Mäuler zerrissen über Personalien wie Nancy Faeser, so wie Sie es hier über Weimer tun. Lernen Sie damit zu leben, dass es ein politisches Pendel gibt, dass mal links, mal rechts ausschlägt, und dass all diese Politiker ein gültiges Mandat vom Wähler erhalten haben, ihre Politik zu machen.


Quoteunddso

Antwort auf @pulsstrom

Damit kann und muss man leben. Mögen muss man es nicht.


QuoteTordenskjold

Antwort auf @pulsstrom

Dramatischer hatten Sie es gerade nicht?

Hätte ich einen "manisch anmutenden Hass auf alles, was man als "rechts" empfindet", dann würde ich (als SPD-Mitglied) wohl kaum einem Daniel Günther bescheinigen, dass er in meiner Heimat Schleswig Holstein einen bemerkenswert guten Job als Ministerpräsident macht.

Voller "Hass" hätte ich wohl kaum einen Norbert Röttgen für die bessere Wahl für das Amt des Außenministers gehalten. Hendrik Wüst finde ich symphatisch und ich finde es schade, dass David McAllister im EU-Parlament "verschwunden" ist. Auch er hat als Ministerpräsident in Niedersachsen einen guten Job gemacht. Mir fallen einige Konservative ein, deren Standpunkte ich zum Teil gut, deren Arbeit ich als erfolgreich und konstruktiv bezeichnen würde. Persönlich kenne ich CDU-Mitgleider, die hier in Niedersachsen gute Kommunalpolitik machen.

Wer was im Forum der WELT sagt, ist für mich kein Maßstab.

Was ich wehement ablehne ist der rechte Rand der CDU, die nach rechts offenen Kulturkämpfer wie Weimer und jene, die sich von rechten Hetzkampagnen gegen eine Kandidain für Bundesverafssungsgericht anstacheln lassen und die Lügen wiederholen und sich diese als "Argumentation" zu eigen machen.

Weimer hat nie ein "Mandat vom Wähler" erhalten. Er wurde ernannt.


QuoteIguanodon

Wie wäre es eigentlich mal mit einem Mahnmal dass an die frühe Geschichte der CDU erinnert, die zu großem Teil aus Altnazis bestand?


QuoteEmoika

Die Ost-CDU war ja eine Blockflöte. Davon will die CDU auch nicht viel wissen.


Quotehhamman

Ein Filbingerdenkmal muss her und ein Museum für Globke, dann die Pflege der Gräber deutscher Generäle und Kriegsverbrecher und endlich ein Museum der glorreichen Wehrmacht und der entbehrungsreichen Kriegskünste in Europa.


QuoteSikasuu

Wie wäre es eigentlich mal mit einem Mahnmal dass an die frühe Geschichte der CDU erinnert, die zu großem Teil aus Altnazis bestand?

Erinnere diese Partei nicht an "Leichen im Keller"! Sonst kommen noch ANDERE Fehltritte raus. Hier ist einer:

,,Das kapitalistische Wirtschaftssystem ist den staatlichen und sozialen Lebensinteressen des deutschen Volkes nicht gerecht geworden. Nach dem furchtbaren politischen, wirtschaftlichen und sozialen Zusammenbruch als Folge einer verbrecherischen Machtpolitik kann nur eine Neuordnung von Grund aus erfolgen. Inhalt und Ziel dieser sozialen und wirtschaftlichen Neuordnung kann nicht mehr das kapitalistische Gewinn- und Machtstreben, sondern nur das Wohlergehen unseres Volkes sein. Durch eine gemeinwirtschaftliche Ordnung soll das deutsche Volk eine Wirtschafts- und Sozialverfassung erhalten, die dem Recht und der Würde des Menschen entspricht, dem geistigen und materiellen Aufbau unseres Volkes dient und den inneren und äußeren Frieden sichert." – CDU: Ahlener Programm

Quelle: https://de.wikipedia.org/wiki/Ahlener_Programm

Mein Fazit: Diese Präambel & auch der weitere Text passte 1 zu 1 auf HEUTE, doch daran will niemand mehr erinnert werden! :-(

Schon gar nicht mit dem "neuen Trend" von Merz, Linneman(n), Spahn, Ludwig uvam., die mMn. mit der/den Ideen "weit rechts spielen", um "Wir sind Das Volk" wieder in die Arme schließen zu können! :-(


Quotevollzeiter

Die SED bestand am Anfang aus 27% Altnazis.(Spiegel)
Der letzte war noch in 2020 im Ältestenrat.


QuoteZeitler 2000

Raider heißt jetzt Twix.... Die Angst vor Herrn Weimar als großer Kulturkämpfer findet wohl mehr und mehr in den Köpfen derer statt, die gerne noch mehr vom großen Staatlichen Subventionskuchen abhaben möchten oder fürchten weniger zu bekommen.


Quoteelfotografo

"Filmförderung ... von 133 Millionen Euro auf 250 Millionen Euro"

Für Schwaiger, Schweighöfer, Dagtekin & Co.

Die "dramatische wirtschaftliche Lage der Filmwirtschaft" resultiert aus miserablen Drehbüchern und unterdurchschnittlichen Ensembles von denen sich die oberen 1000 u.a. wegen der Filmförderung dumm und dusselig verdienen.

Wenn es weiterhin möglich ist, daß Til Schwaiger für ein von ihm in den USA gedrehten und dort fulminant gescheiterten Film, den er anschließend hier kurz in einer Handvoll Kinos hat laufen lassen, 4,6 Millionen € (!) Filmförderung kassiert, sahnen wie immer nur die dicken Fische ab und die Qualität, die irgendwann auch wirtschaftlichen Erfolg garantiert, bleibt auf der Strecke.


Quotehhamman

Na, es bleibt doch der Deutsche Heimatfilm: Sepp&Marie auf der Alm, Hannes auf dem Deich: das stärkt Zusammenhalt, Gemeinschaftsgefühl und deutsche Volksidentität!


QuoteDay Dream

Herr Weimer ist ein wohltuender Kontrast zu seiner Vorgängerin.


QuoteDanger Mouse

Stimmt, n guter Klecks braune Farbe schadet der Kultur nie.


Quote- ck -

So wohltuend wie eine unbetäubte Wurzelbehandlung. Der Mann ist eine komplette Fehlbesetzung. Ich warte nur noch auf das erste Mal, dass ihm "entartet" rausrutscht.


QuoteLatrino Royale

Denkmäler gegen den Kommunismus? Die sollen wohl von der Vergangenheit der €DU als kommunistische SED-Blockflöte ablenken.
Das funktioniert bei mündigen BürgerInnen aber nicht.


Quoteschulzholger

Mein Gott, da wurden nun jahrelang Mittel für die Pläsierchen von grün/rot ausgegeben. Nun geht es halt mal wieder ein bißchen in die andere Richtung.

Ich wünsche mir wirklich eine Berichterstattung von Erwachsenen für Erwachsene - und diese hyperventilierende parteipolitische Geschnatter.


Quote- ck -

Wieso wünschen Sie sich Berichterstattung für Erwachsene? Wer allen Ernstes meint, die letzten Jahre wurde nur für rot-grüne "Pläsierchen" Geld ausgegeben ist höchstwahrscheinlich überfordert mit allem was über einen Stammtischspruch hinausgeht


Quotebierosoph

Knappe Zehntausend menschliche Gebeine aus Kolonien, die gegen den Willen der Angehörigen geraubt und nach Deutschland gebracht wurden, wären schon ein Mahnmal wert. ...


QuoteEckig aber Rund

Eine kleine Umfrage. Wer hier bleibt tatsächlich an Denkmälern stehen und denkt?


QuoteNorbert Rüther

Ich.


QuoteKarlos BreBi

Ich auch!


Quotebierosoph

Etliche denken bei vielen Denkmälern darüber nach, wie viele Parkplätze da hingepasst hätten.


QuoteFelikx Krull

Können Sie an einem Holocaust-Mahnmal vorbeigehen ohne zu denken?
Oder an einem Stolperstein?


QuoteZeitler 2000

"Eine kleine Umfrage. Wer hier bleibt tatsächlich an Denkmälern stehen und denkt?"

Sehr selten, aber tatsächlich das letzte mal am russischen Ehrenmal in Berlin Pankow... Allerdings vor allem wegen der Monumentalität der Anlage....


Quotechickendad1754

Ich nicht.


QuoteFelikx Krull

Antwort auf @Zeitler 2000

Ich denke bei jedem Stolperstein darüber nach, wie die Personen gelebt haben, welche Hoffnungen un Wünsche sie hatten und wie Deutschland heute aussähe, wenn die Nachkommen der Toten heute unsere Nachbarn wären.

Welchen Einfluss es auf die Menschheit, die Geschichte der Holocaust hat. Der erste industrielle Massenmord.
Dass Geschichte nie vorbei ist, sondern Bestandteil unserer Gegenwart, der Wirklichkeit ist.


QuoteVitamin A

Antwort auf @Zeitler 2000

     Die Geschichte mit den Stolpersteinen dürfte für die Anwohner jedenfalls keinen wirklichen Effekt mehr auslösen, denke ich.

Falsch, vor unseren Haus ist ein Stolperstein und den nehme ich nicht nur an bestimmten Tagen wahr.


QuoteCarmichael00

Weimer ist mein absolute Liebling in dieser Regierung. Fand auch sein Buch ganz lesenswert.


QuoteDanger Mouse

Ja, der wird in der nächsten AFD-CDU Regierungnoch groß rauskommen.


QuoteJuckreis

"sein buch" mein kulturkrampf?

nein im ernst, welches meinen sie, es mag sein das sie nur eins haben, aber er hat mehrere geschrieben.

Das konservative Manifest. Zehn Gebote der neuen Bürgerlichkeit
oder Freiheit, Gleichheit, Bürgerlichkeit. Warum die Krise uns konservativ macht
oder Heimspiel – Eine alternativlose Realsatire


Quotespidyspidy

Alle Vorbehalte gegenüber Weimer bestätigen sich:

Weimer ist nicht nur Konservativer (was nicht schlimm wäre), sondern ein Reaktionär mit einem klaren anti-linken (neudeutsch + trumplike: anti-woken) Gesellschafts- und Geschichtsbild, dessen heutiges Kulturverständnis dem großbürgerlichen Kulturverständnis der Kaiserzeit entspricht und der sich klar auf die Förderung der Hochkultur für das Bildungsbürgertum konzentriert, dem er selbst entstammt.

Und natürlich ist er als Medien-Unternehmer vor allem Lobbyist in eigener Sache.

Er ist in der Bundesregierung eine genauso krasse Fehlbesetzung, wie die Gas.Lobbyistin Reiche als Wirtschaftsministerin und Jens Spahn als CDU-Fraktionsvorsitzender. ...


Quotemalandersbetrachtet2

Wenn man einen erzreaktionären Verleger ohne erkennbaren Bezug zur Kultur zum Kulturminister macht, dann wird das kein Versehen sein. Dahinter steckt wohl die Annahme Merzs, dass der gesellschaftliche Backlash eine kulturelle Flanke hat - anders gesagt: Weimer ist Minister geworden, um zum Kulturkampf gegen alles Progressive zu blasen. Das werden vor allem die unabhängigen Kultureinrichtungen noch zu spüren bekommen.


Quoteetn

Wenn Sie schon von Kultur reden, Merz' nicht Merzs.


QuoteLouise Michel

Wie stellte Jens-Christian Wagner am 5.2.2025 im Interview mit der Süddeutschen fest: "Das Erinnern an Auschwitz kommt im Wahlprogramm der CDU nicht vor, dafür gibt es ausführliche Ausführungen zu Flucht und Vertreibung von Deutschen nach 1945. Das ist ein geschichtspolitisches Rollback in die 1950er-Jahre und liest sich, als seien in den Augen der CDU die Deutschen die Hauptopfer des Zweiten Weltkriegs." Diese Kanzlerpartei mit dem Leitkulturstaatsminister Weimer, der in seinem ,,Konservativen Manifest" von 2018 in geschichtsrevisionistischer Tradition unter ,,europäische Selbstvernichtungsorgie" und "Dreißigjährigem Krieg" rubriziert, was Shoa, mannigfachen Genozid, ungezählte Kriegsverbrechen, deutsche Angriffskriege in Serie, nie dagewesenes Unrecht und systemische Menschenverachtung umfasst? - Woher die Glaubwürdigkeit dieses von Merz bestellten Leitkulturstaatsministers für Gedenkkulturen in der BRD? Und: Der Kolonialismus des Deutschen Reiches, Herr Schmidt, ist kein Hobby von Bündnis 90/Die Grünen sondern Gesamtverantwortung einer demokratischen, geschichtsbewussten und weltoffenen BRD. Diese BRD hat bis 2021 gebraucht, um den deutschen Völkermord an den Herero und Nama von 1904-1907 anzuerkennen. Das Gedenken Inititativen von NGOs/Zivilgesellschaft allein anheimzustellen, die "mann" (Merz-Dobrindt-Weimer) gleichzeitig diffamiert, ist respektlos: Gegenüber den Opfern und ihren Nachkommen. Verantwortungslos im Angesicht von grassierendem Rassismus in der BRD.


QuoteGonzo der Mittlere

Herr Weimer hat generell eine sehr sagen wir Mal ungewöhnliche Sichtweise auf den Kolonialismus. In früheren Interviews nachzulesen.


QuoteEmoika

"Sie verwiesen auch darauf, dass der bestehende Mangel an Dokumentationen und Objekten die Einrichtung eines wissenschaftlich fundierten Kolonialmuseums nicht rechtfertige."

Eigentlich würde es das rechtfertigen, gerade mehr Geld auszugeben, um diese Wissenslücke zu schließen.


Quotehhamman

Die Kolonialdebatte und die damit verbundene Restitutionsdebatte (u.a. Ethnologen Kulturwissenschaftler, Wissenschaftler in Museen) gibt es seit den 1960er Jahren https://www.bpb.de/shop/zeitschriften/apuz/297595/restitutionsdebatten-koloniale-aphasie-und-die-frage-was-europa-ausmacht/

Diese Debatten wurden jedoch - nicht nur in Deutschland heftig bekämpft - mit Kolonialismus wollte man sich nicht auch noch auseinandersetzen - Schlussstrich unter deutsche Vergangenheiten und Schwamm drüber.


QuoteSie kennen mich

Im Gegensatz zu manchen anderen Leserinnen und Lesern freue mich über die gute Nachricht dieses Beitrags. Trotz gravierender Sparmaßnahmen ist es der neuen Regierung gelungen, 2,5 Milliarden Euro für Kulturprojekte zu reservieren. Dass davon fünf Millionen Euro für ein Mahnmal für die Opfer der kommunistischen Gewaltherrschaft verwendet werden sollen, werden alle diejenigen unter uns begrüßen, die selbst unter diesem menschenfeindlichen Regime zu leiden hatten, aber auch diejenigen, die sensibel genug sind, dieses Leid nachzuempfinden.

Mit solchen Projekten zieht wieder etwas Menschlichkeit und Empathie in unsere Kulturszene, die in letzter Zeit immer häufiger durch hasserfüllte ideologische Auseinandersetzungen geprägt war. Ich denke dabei an die unglücklich konzipierte Documenta und die vielen von ihr inspirierten antisemitischen und judenfeindlichen Aktionen, die dadurch ausgelöst wurden.

Mit der dieser Regierung und Wolfram Weimer als Staatsminister für Kultur stehen wir vor einem neuen Anfang und sollten gemeinsam versuchen, einem versöhnlichen Weg zu beschreiten.


Quotevollzeiter

Interessanterweise hat die Linke, die sich früher mal SED nannte, im Bundestag gegen das Mahnmal gestimmt. Beide sind rechtsidentisch, wie der Vorstand eidesstattlich erklärte.

https://www.bundestag.de/webarchiv/textarchiv/2019/kw50-de-mahnmahl-opfer-kommunismus-670584

Aufarbeitung von hunderttausenden, die diese Partei zu Stalin in die Gulags geschickt hat, Foltergefängnisse zB in Hohenschönhausen und Bautzen, TOdestreifen an der Grenze und Ermordung von Flüchtlingen an der Grenze, Stasi mit Bespitzelung bis ins Schlafzimmer würde schon Sinn geben.

Unsere Umweltpartei und die AfD haben sich enthalten.


QuoteMedium Well

    ...die Linke, die sich früher mal SED nannte...  Unsere Umweltpartei ... ...die AfD...

Warum haben Sie für die AfD keine veranschaulichende Umschreibung verwendet wie bei den beiden anderen Parteien?


QuoteLars aus Köln

Ist das der renitente Typ, der im Fernsehen behauptet hat, dass die Grünen uns verboten hätten "Indianer" und "Zigeunerschnitzel" zu sagen.


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