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[Das Internet der Konzerne (Notizen)... ]

Started by Textaris(txt*bot), November 24, 2016, 04:16:20 PM

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Textaris(txt*bot)

#35
Quote[...] Der US-Techkonzern Meta, dem unter anderem Facebook und Instagram gehören, erfährt über seine Nutzer viel mehr, als diese es sich vorstellen dürften. Möglich machen das die Meta-Business-Tools. Diese Tools verwenden viele Nachrichtenportale, Online-Shops und wohl zumindest zeitweise sogar auch der Wahl-o-mat der Bundeszentrale für politische Bildung. Der US-Konzern ist dadurch bei jedem Besuch dabei, sogar wenn Nutzerinnen und Nutzer sich bei den sozialen Netzwerken ausgeloggt haben – und oft sogar selbst dann, wenn diese im Browser die Übertragung von Daten an Drittanbieter abgeschaltet hatten.

Auf diese Weise weiß das Unternehmen von vielen Benutzern, was sie einkaufen, für welche Medikamente sie sich interessieren, ob und wo sie nach Partnern suchen und zuweilen auch, welche psychischen Probleme sie beschäftigen. Das ist rechtswidrig. Rund 500 Verurteilungen haben deutsche Gerichte bereits verkündet. Bis zu 10 000 Euro Schadenersatz muss Meta danach an Facebook- und/oder Instagram-Nutzer zahlen. Unsere Urteilsliste zeigt: Eine Klage kann sich lohnen. Wer den Aufwand und die Prozesskosten scheut, bekommt vielleicht die Chance, sich einer Verbandsklage anzuschließen. Das Verbraucherinkassounternehmen Privacy ReClaim will ebenfalls eine ,,Sammelklage" starten. Das meint allerdings: Facebook- und Instagram-Benutzer treten ihr Recht auf Schadenersatz vollständig ans Unternehmen ab. 50 Euro sofort will das Unternehmen dafür bieten. Wir finden: Das ist zu wenig. Einzelheiten dazu unten unter Was Privacy ReClaim anbietet [https://www.test.de/Datenschutzverstoss-Meta-sieht-fast-jeden-Klick-6234106-0/#id6236551].

Meta setzt seine Meta-Business-Tools ein, um es Betreibern von Webseiten zu ermöglichen, den Erfolg ihrer Werbung auf Facebook und Instagram zu verfolgen. Von solchen Informationen hängen Werbestrategien und damit auch der Erfolg von Unternehmen ab. Vor allem zwei Techniken sind in den Meta-Business-Tools wichtig: das Meta-Pixel und die Meta Conversion-API.


Meta-Pixel

Das ist eine Zeichenfolge, die die Anbieter in den Code ihrer Webseiten einbauen. Sie führt dazu, dass von Meta-Servern ein Script geladen und ausgeführt wird. Es überträgt Daten wie die IP-Adresse, das Betriebssystem und die Browserversion des Besuchers an Meta. Hinzu kommen oft weitere Daten aus Cookies. Sie ermöglichen es Meta, seine Benutzer wiederzuerkennen und die Daten dieses Besuchs mit den schon vorhandenen Daten zu diesem Benutzer zu verknüpfen.

Tipp: Sie können die Datenerhebung und -übermittlung über Meta-Pixel unterbinden, indem Sie die Zustimmung zur Datenübertragung an Dritt-Server verweigern oder blockieren.


Meta Conversion-API

Das ist die Bezeichnung für ein Programm, dass Webseiten-Betreiber auf ihren Servern installieren können. Dadurch werden Daten, die der Webseiten-Betreiber selbst erhebt, an Meta übertragen. Diese Daten ermöglichen es Meta, Facebook- und Instagram-Benutzer wiederzuerkennen und die Daten zum Besuch mit ihrem Profil zu verknüpfen.

Ob Webseiten die Meta Conversion-API einsetzen und ob sie Daten zum konkreten Besuch an Meta übertragen, können Benutzer nicht erkennen und sie können es auch nicht verhindern.

Welche Techniken genau Meta auf seinen Servern einsetzt, um Benutzer wiederzuerkennen, wissen wir nicht. Fest steht: Niemand kann sich darauf verlassen, dass er anonym bleibt. Die Bewegungen der Computer-Maus etwa sind so individuell wie die eigene Handschrift.



Welche Webseiten-Betreiber die Meta-Business-Tools einsetzen und welche Technik jeweils im Einsatz ist, wissen wir nicht. Erkennbar ist allerdings, wo das Meta-Pixel und andere Meta-Business-Tools im Einsatz waren oder sind. Wichtige und bekannte Beispiele aus den Bereichen...

...Nachrichten & Politik: tagesschau.de, spiegel.de, bild.de, welt.de, faz.net, stern.de und wahl-o-mat.de
...Reisen und Freizeitgestaltung: bahn.de, airbnb.de, tripadvisor.de, hrs.de, holidaycheck.de und momondo.de
...Medizin und Medikamente: apotheken.de, shop-apotheke.de, docmorris.de, ärzte.de, helios-gesundheit.de und jameda.de
...Dating- und Erotik: parship.de, amorelie.de, orion.de und lovescout24.de
...Höchstpersönliche Probleme: krebshilfe.de, fertility.com und nie-wieder-alkohol.de

So hatte es das Landgericht Mainz festgestellt, siehe unten unter Liste mit Urteilen [https://www.test.de/Datenschutzverstoss-Meta-sieht-fast-jeden-Klick-6234106-0/#id6234111]. Aktuell fanden wir auf tagesschau.de und wahl-o-mat.de kein Spur von Meta-Business-Tools. Wo diese im Einsatz sind, läuft vermutlich oft auch die Meta Conversions-API. Sie ermöglicht es, den Erfolg von Meta-Werbung für Benutzer, die dem jeweiligen Anbieter gegenüber in die Übertragung der dazu nötigen Daten eingewilligt haben, auch dann zu verfolgen, wenn diese die Datenübertragung an Drittparteien per Browser (zum Beispiel: Safari) oder Browsereinstellung unterbinden.



Die Datenschutzgrundverordnung (DSGVO) schreibt vor: Jede Speicherung und Verarbeitung von personenbezogenen Daten bedarf der Rechtfertigung. Grob vereinfacht: Sie ist nur zulässig, soweit Betroffene einverstanden, sind oder es aus technischen oder rechtlichen Gründen nötig ist. Soweit Meta Facebook- und Instagram-Nutzer ausreichend genau über die Datenspeicherung und -verarbeitung bei Benutzung der Netzwerke informiert hat und diese damit einverstanden sind, ist die Speicherung der Daten bei Facebook- und Instagram-Besuchen rechtmäßig. Sind Nutzerinnen und Nutzer bei Besuchen anderer Webseiten mit der Datenspeicherung dort einverstanden sind, gilt das gleiche.

Die Speicherung und Verarbeitung der Daten über Besuche anderer Webseiten bei Meta allerdings ist rechtswidrig, auch wenn der Betreiber der Seite selbst vielleicht berechtigt war, die Daten an Meta zu übertragen.

Gestartet hat die Klagewelle die BK Baumeister & Kollegen Verbraucherkanzlei in Berlin. Zahlreiche Facebook-Benutzer hatten Rechtsanwalt Max Baumeister und seine Kollegen beauftragt, für sie bei Meta Schadenersatz wegen der Facebook-Datenpanne durchzusetzen, bei der Hacker die unzureichend geschützten Daten von weltweit rund 500 Millionen Benutzern erbeutet hatten. Baumeister wies sie darauf hin: Das im Vergleich viel größere Probleme und aus seiner Sicht ebenfalls klar rechtswidrig ist die bis tief in die Intimsphäre reichende Datensammlung bei Meta selbst. Tausende beauftragten ihn daraufhin, auch deswegen gegen Meta vorzugehen.

Zahlreiche Gerichte in Deutschland haben Meta inzwischen in rund 500 Fällen mit überzeugenden Begründungen zu bis zu 10 000 Euro Schadenersatz und fast immer auch zur Unterlassung der Datenspeicherung und zur Löschung verurteilt. Rund 1 000 Klagen scheiterten zunächst. Die Begründungen zu diesen Urteilen halten wir allerdings für dürftig. Für sämtliche Urteile gilt: Sie sind nicht rechtskräftig. Meta und die von Baumeister & Kollegen vertretenen Verbraucher und Verbraucherinnen haben jeweils Berufung eingelegt.

Die ersten Berufungsurteile werden in den nächsten Monaten erwartet. Wir gehen davon aus: Sie werden die Verurteilungen von Meta bestätigen. Wie viel Schadenersatz die Berufungsgerichte und am Ende der Bundesgerichtshof für angemessen halten, ist offen. Wir denken angesichts der Menge und der Sensibilität der Meta-Datensammlung allerdings: Er wird sehr viel höher ausfallen als im Streit um die Facebook-Datenpanne. Da hatten die Richter am Bundesgerichtshof in Karlsruhe 100 Euro für ausreichend gehalten, sofern keine besonderen Umstände vorliegen.

[...]


Liste mit Urteilen:

Stiftung Warentest listet ausgewählte Urteile auf und wird die Liste fortlaufend aktualisieren. Meist haben die Gerichte Meta auch zur Löschung der Daten und zur Unterlassung der Erhebung, Speicherung und Verarbeitung verurteilt.

    Amtsgericht Tempelhof-Kreuzberg, Urteil vom 09.05.2025
    Aktenzeichen: 3 C 8/25 (nicht rechtskräftig) Verbraucheranwälte: BK Baumeister & Kollegen Verbraucherkanzlei, Berlin 1 500 Euro Schadenersatz
    Landgericht Aachen, Urteil vom 20.11.2024 Aktenzeichen: 12 O 470/23 (nicht rechtskräftig) Verbraucheranwälte: BK Baumeister & Kollegen Verbraucherkanzlei, Berlin 1 000 Euro Schadenersatz
    Landgericht Aachen, Urteil vom 21.11.2024 Aktenzeichen: 12 O 114/24 (nicht rechtskräftig) Verbraucheranwälte: BK Baumeister & Kollegen Verbraucherkanzlei, Berlin 1 500 Euro Schadenersatz
    Landgericht Augsburg, Urteil vom 28.03.2025 Aktenzeichen: 082 O 262/24 (nicht rechtskräftig) Verbraucheranwälte: BK Baumeister & Kollegen Verbraucherkanzlei, Berlin 5 000 Euro Schadenersatz
    Landgericht Augsburg, Urteil vom 28.03.2025 Aktenzeichen: 082 O 4297/23 (nicht rechtskräftig) Verbraucheranwälte: BK Baumeister & Kollegen Verbraucherkanzlei, Berlin 3 000 Euro Schadenersatz
    Landgericht Augsburg, Urteil vom 28.03.2025 Aktenzeichen: 082 O 260/24 (nicht rechtskräftig) Verbraucheranwälte: BK Baumeister & Kollegen Verbraucherkanzlei, Berlin 4 000 Euro Schadenersatz
    Landgericht Aurich, Urteil vom 26.06.2025 Aktenzeichen: 5 O 219/24 (nicht rechtskräftig) Verbraucheranwälte: BK Baumeister & Kollegen Verbraucherkanzlei, Berlin 1 500 Euro Schadenersatz
    Landgericht Berlin (Littenstr.), Urteil vom 11.04.2025 Aktenzeichen: 58 O 72/24 (nicht rechtskräftig) Verbraucheranwälte: BK Baumeister & Kollegen Verbraucherkanzlei, Berlin 2 000 Euro Schadenersatz
    Landgericht Berlin (Tegeler Weg), Urteil vom 04.04.2025 Aktenzeichen: 39 O 97/24 (nicht rechtskräftig) Verbraucheranwälte: BK Baumeister & Kollegen Verbraucherkanzlei, Berlin 2 000 Euro Schadenersatz
    Landgericht Berlin (Tegeler Weg), Urteil vom 04.04.2025 Aktenzeichen: 39 O 57/24 (nicht rechtskräftig) Verbraucheranwälte: BK Baumeister & Kollegen Verbraucherkanzlei, Berlin 2 000 Euro Schadenersatz
    Landgericht Berlin (Tegeler Weg), Urteil vom 04.04.2025 Aktenzeichen: 39 O 218/24 (nicht rechtskräftig) Verbraucheranwälte: BK Baumeister & Kollegen Verbraucherkanzlei, Berlin 2 000 Euro Schadenersatz
    Landgericht Berlin (Tegeler Weg), Urteil vom 04.04.2025 Aktenzeichen: 39 O 67/24 (nicht rechtskräftig) Verbraucheranwälte: BK Baumeister & Kollegen Verbraucherkanzlei, Berlin 2 000 Euro Schadenersatz
    Landgericht Berlin (Tegeler Weg), Urteil vom 09.05.2025 Aktenzeichen: 15 O 138/24 (nicht rechtskräftig) Verbraucheranwälte: BK Baumeister & Kollegen Verbraucherkanzlei, Berlin 1 000 Euro Schadenersatz
    Landgericht Berlin (Tegeler Weg), Urteil vom 19.05.2025 Aktenzeichen: 12 O 23/24 (nicht rechtskräftig) Verbraucheranwälte: BK Baumeister & Kollegen Verbraucherkanzlei, Berlin 2 000 Euro Schadenersatz
    Landgericht Berlin (Tegeler Weg), Urteil vom 22.05.2025 Aktenzeichen: 58 O 98/24 (nicht rechtskräftig) Verbraucheranwälte: BK Baumeister & Kollegen Verbraucherkanzlei, Berlin 2 000 Euro Schadenersatz
    Landgericht Berlin (Tegeler Weg), Urteil vom 26.05.2025 Aktenzeichen: 36 O 65/24 (nicht rechtskräftig) Verbraucheranwälte: BK Baumeister & Kollegen Verbraucherkanzlei, Berlin 2 000 Euro Schadenersatz
    Landgericht Berlin (Tegeler Weg), Urteil vom 05.06.2025 Aktenzeichen: 51 O 69/24 (nicht rechtskräftig) Verbraucheranwälte: BK Baumeister & Kollegen Verbraucherkanzlei, Berlin 2 000 Euro Schadenersatz
    Landgericht Bielefeld, Urteil vom 12.06.2025 Aktenzeichen: 6 O 77/24 (nicht rechtskräftig) Verbraucheranwälte: BK Baumeister & Kollegen Verbraucherkanzlei, Berlin 1 000 Euro Schadenersatz
    Landgericht Bielefeld, Urteil vom 09.07.2025 Aktenzeichen: 6 O 392/23 (nicht rechtskräftig) Verbraucheranwälte: BK Baumeister & Kollegen Verbraucherkanzlei, Berlin 1 000 Euro Schadenersatz
    Landgericht Bielefeld, Urteil vom 09.07.2025 Aktenzeichen: 6 O 438/23 (nicht rechtskräftig) Verbraucheranwälte: BK Baumeister & Kollegen Verbraucherkanzlei, Berlin 1 000 Euro Schadenersatz
    Landgericht Bielefeld, Urteil vom 09.07.2025 Aktenzeichen: 6 O 78/24 (nicht rechtskräftig) Verbraucheranwälte: BK Baumeister & Kollegen Verbraucherkanzlei, Berlin 1 000 Euro Schadenersatz
    Landgericht Bielefeld, Urteil vom 09.07.2025 Aktenzeichen: 6 O 259/24 (nicht rechtskräftig) Verbraucheranwälte: BK Baumeister & Kollegen Verbraucherkanzlei, Berlin 1 000 Euro Schadenersatz
    Landgericht Darmstadt, Urteil vom 02.05.2025 Aktenzeichen: 2 O 50/24 (nicht rechtskräftig) Verbraucheranwälte: BK Baumeister & Kollegen Verbraucherkanzlei, Berlin 2 000 Euro Schadenersatz
    Landgericht Ellwangen, Urteil vom 19.02.2025 Aktenzeichen: 2 O 222/24 (nicht rechtskräftig) Verbraucheranwälte: BK Baumeister & Kollegen Verbraucherkanzlei, Berlin 10 000 Euro Schadenersatz
    Landgericht Ellwangen, Urteil vom 21.02.2025 Aktenzeichen: 2 O 371/23 (nicht rechtskräftig) Verbraucheranwälte: BK Baumeister & Kollegen Verbraucherkanzlei, Berlin 10 000 Euro Schadenersatz
    Landgericht Ellwangen, Urteil vom 30.05.2025 Aktenzeichen: 2 O 266/24 (nicht rechtskräftig) Verbraucheranwälte: BK Baumeister & Kollegen Verbraucherkanzlei, Berlin 10 000 Euro Schadenersatz
    Landgericht Frankfurt am Main, Urteil vom 27.05.2025 Aktenzeichen: 2–01 O 30/24 (nicht rechtskräftig) Verbraucheranwälte: BK Baumeister & Kollegen Verbraucherkanzlei, Berlin 2 500 Euro Schadenersatz
    Landgericht Hamburg, Urteil vom 17.04.2025 Aktenzeichen: 325 O 22/24 (nicht rechtskräftig) Verbraucheranwälte: BK Baumeister & Kollegen Verbraucherkanzlei, Berlin 3 000 Euro Schadenersatz
    Landgericht Hamburg, Urteil vom 17.04.2025 Aktenzeichen: 325 O 56/24 (nicht rechtskräftig) Verbraucheranwälte: BK Baumeister & Kollegen Verbraucherkanzlei, Berlin 3 000 Euro Schadenersatz
    Landgericht Hamburg, Urteil vom 17.04.2025 Aktenzeichen: 325 O 261/23 (nicht rechtskräftig) Verbraucheranwälte: BK Baumeister & Kollegen Verbraucherkanzlei, Berlin 3 000 Euro Schadenersatz
    Landgericht Hamburg, Urteil vom 01.07.2025 Aktenzeichen: 301 O 20/24 (nicht rechtskräftig) Verbraucheranwälte: BK Baumeister & Kollegen Verbraucherkanzlei, Berlin 3 000 Euro Schadenersatz
    Landgericht Karlsruhe, Urteil vom 14.04.2025 Aktenzeichen: 6 O 72/24 (nicht rechtskräftig) Verbraucheranwälte: BK Baumeister & Kollegen Verbraucherkanzlei, Berlin 2 500 Euro Schadenersatz
    Landgericht Karlsruhe, Urteil vom 28.05.2025 Aktenzeichen: 6 O 51/24 (nicht rechtskräftig) Verbraucheranwälte: BK Baumeister & Kollegen Verbraucherkanzlei, Berlin 5 000 Euro Schadenersatz
    Landgericht Köln, Urteil vom 04.06.2025 Aktenzeichen: 28 O 583/23 (nicht rechtskräftig) Verbraucheranwälte: BK Baumeister & Kollegen Verbraucherkanzlei, Berlin 1 500 Euro Schadenersatz
    Landgericht Köln, Urteil vom 04.06.2025 Aktenzeichen: 28 O 582/23 (nicht rechtskräftig) Verbraucheranwälte: BK Baumeister & Kollegen Verbraucherkanzlei, Berlin 1 500 Euro Schadenersatz
    Landgericht Köln, Urteil vom 04.06.2025 Aktenzeichen: 28 O 589/23 (nicht rechtskräftig) Verbraucheranwälte: BK Baumeister & Kollegen Verbraucherkanzlei, Berlin 2 000 Euro Schadenersatz
    Landgericht Köln, Urteil vom 04.06.2025 Aktenzeichen: 28 O 615/23 (nicht rechtskräftig) Verbraucheranwälte: BK Baumeister & Kollegen Verbraucherkanzlei, Berlin 2 000 Euro Schadenersatz
    Landgericht Köln, Urteil vom 18.06.2025 Aktenzeichen: 28 O 634/23 (nicht rechtskräftig) Verbraucheranwälte: BK Baumeister & Kollegen Verbraucherkanzlei, Berlin 1 500 Euro Schadenersatz
    Landgericht Leipzig, Urteil vom 04.07.2025 Aktenzeichen: 05 O 2351/23 (nicht rechtskräftig) Verbraucheranwälte: BK Baumeister & Kollegen Verbraucherkanzlei, Berlin 5 000 Euro Schadenersatz
    Landgericht Mainz, Urteil vom 27.06.2025 Aktenzeichen: 3 O 29/24 (nicht rechtskräftig) Verbraucheranwälte: BK Baumeister & Kollegen Verbraucherkanzlei, Berlin 10 000 Euro Schadenersatz
    Landgericht München I, Urteil vom 27.01.2025 Aktenzeichen: 6 O 14304/23 (nicht rechtskräftig) Verbraucheranwälte: BK Baumeister & Kollegen Verbraucherkanzlei, Berlin 1 500 Euro Schadenersatz
    Landgericht Münster, Urteil vom 29.01.2025 Aktenzeichen: 4 O 241/23 (nicht rechtskräftig) Verbraucheranwälte: BK Baumeister & Kollegen Verbraucherkanzlei, Berlin 1 500 Euro Schadenersatz
    Landgericht Münster, Urteil vom 19.03.2025 Aktenzeichen: 12 O 95/24 (nicht rechtskräftig) Verbraucheranwälte: BK Baumeister & Kollegen Verbraucherkanzlei, Berlin 1 500 Euro Schadenersatz
    Landgericht Siegen, Urteil vom Aktenzeichen: 2 O 78/24 (nicht rechtskräftig) Verbraucheranwälte: BK Baumeister & Kollegen Verbraucherkanzlei, Berlin 1 500 Euro Schadenersatz
    Landgericht Stuttgart, Urteil vom 23.05.2025 Aktenzeichen: 48 O 93/24 (nicht rechtskräftig) Verbraucheranwälte: BK Baumeister & Kollegen Verbraucherkanzlei, Berlin 3 000 Euro Schadenersatz

...


Aus: "Facebook und Instagram Meta kann fast jeden Klick verfolgen – Klagen dagegen können lohnen"
Text: Christoph HerrmannFaktencheck: Angela Ortega Stülper (31.07.2025)
Quelle: https://www.test.de/Datenschutzverstoss-Meta-sieht-fast-jeden-Klick-6234106-0/


Textaris(txt*bot)

#36
Quote[...] Nach Apple jetzt auch Google: Das Unternehmen hat eine App aus seinem Play Store entfernt, die dazu diente, Aufenthaltsorte von Beamten der US-Einwanderungs- und Zollbehörde "Immigration and Customs Enforcement" (ICE) zu melden und will das auch bei ähnlich gelagerten Fällen tun. Bereits zuvor hatte Apple die App "ICEBlock" auf Druck der US-Regierung aus seinem App-Store entfernt [https://www.heise.de/news/ICE-Tracking-App-Apple-beugt-sich-dem-Druck-der-Staatsanwaltschaft-10711762.html]. Damit können Nutzer verdächtigte ICE-Aktivitäten und -Standorte in ihrer Umgebung anonym melden und gegenseitig Warnungen austauschen. Google hat nach eigenen Angaben aber keine solche Aufforderung der Regierung erhalten, sondern beruft sich auf seine eigenen Richtlinien.

Im Falle von Google ging es nicht um "ICEBlock", sondern um eine ähnliche App namens "Red Dot". Das hat das Unternehmen gegenüber 404 Media bestätigt [https://www.404media.co/google-calls-ice-agents-a-vulnerable-group-removes-ice-spotting-app-red-dot/]. Demnach seien auch Apps entfernt worden, welche "den Aufenthaltsort vulnerabler Gruppen preisgeben, nachdem es im Zusammenhang mit solchen Apps zu gewalttätigen Übergriffen gegen diese Gruppen kam", wie Google ausführt.

"Red Dot" soll ganz ähnlich wie "ICEBlock" funktionieren. Letztere ermöglicht es Nutzern, Sichtungen von ICE-Beamten in einem Radius von acht Kilometern zu melden und auf einer Karte einzusehen. Die Plattform zählte vor ihrer Entfernung aus dem App Store über 1,1 Millionen Nutzer, auch nach einem Hype aufgrund von Regierungskritik [https://www.heise.de/news/App-gegen-US-Einwanderungsbehoerde-nach-Regierungskritik-auf-Platz-1-10472453.html].

Erst am Donnerstag hatte Apple die "ICEBlock" aus seinem App Store und laut dem Tech-Magazin "TheVerge" auch "Red Dot" entfernt, offiziell wegen eines Verstoßes gegen die Richtlinien zu anstößigen Inhalten. Der Entwickler der App wies diese Vorwürfe als haltlos zurück und will sich gegen den Schritt wehren. Auf der Webseite von "ICEBlock" stellt das Team klar, dass die App zurzeit allgemein nicht zum Download verfügbar sei.

Dass die Initiative nicht nur von Apple selbst kam, machte US-Generalstaatsanwältin Pam Bondi deutlich. Sie bestätigte gegenüber einem US-Fernsehsender, dass das US-Justizministerium Apple direkt zur Entfernung der App aufgefordert habe – mit Erfolg. Bondi bezeichnete die Anwendung als ein gefährliches Werkzeug, das die Arbeit der ICE-Beamten gezielt behindere.

Zuvor hatte bereits die US-Heimatschutzministerin Kristi Noem die App laut als eine Form der Justizbehinderung kritisiert. Sie vertrat sogar die Ansicht, dass ICEBlock nicht unter den Schutz der Meinungsfreiheit des ersten Verfassungszusatzes falle.

Google beteuert indes gegenüber 404 Media, keinen Druck vom Justizministerium erhalten zu haben. Apps mit hohem Missbrauchsrisiko würden grundsätzlich gesperrt. Apps mit nutzergenerierten Inhalten müssten zudem bestimmte Anforderungen an Content-Moderation erfüllen, was bei "Red Dot" nicht der Fall gewesen sei. "ICEBlock war nie bei Google Play verfügbar, aber wir haben ähnliche Apps wegen Verstößen gegen unsere Richtlinien entfernt" heißt es von Google demnach weiter.

Auch die Macher von "Red Dot" haben auf die Entwicklungen reagiert. Auf der Webseite der App stellen sie klar, dass die App nicht dazu dient, ICE-Beamte in Echtzeit zu verfolgen oder persönliche Daten zu speichern und zu verarbeiten. Weiter heißt es: "Wir lehnen Belästigungen oder Gewalt gegen Menschen kategorisch ab und handeln in voller Übereinstimmung mit lokalen, staatlichen und bundesstaatlichen Gesetzen."

Update: 05.10.2025, 18:14 Uhr

Kristi Noem ist seit diesem Jahr US-Heimatschutzministerin und nicht mehr Gouverneurin von South Dakota. Wir haben ihr Amt im Artikel korrigiert und bitten den Fehler zu entschuldigen.



Aus: "Jetzt auch Google: Konzern geht gegen ICE-Tracking-Apps vor" Niklas Jan Engelking (05.10.2025)
Quelle: https://www.heise.de/news/Jetzt-auch-Google-Konzern-geht-gegen-ICE-Tracking-Apps-vor-10712218.html

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"ICE to Use ImmigrationOS by Palantir, a New AI System, to Track Immigrants' Movements" Steven Hubbard (August 21, 2025)
U.S. Immigration and Customs Enforcement (ICE) has partnered with Palantir Technologies—a Denver-based software company co-founded by billionaire entrepreneur Peter Thiel—to use artificial intelligence and data mining to identify, track, and deport suspected noncitizens. ...
https://www.americanimmigrationcouncil.org/blog/ice-immigrationos-palantir-ai-track-immigrants/

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"Palantir, ICE, and the quiet expansion of a biometric dragnet" Anthony Kimery (Sep 23, 2025)
They've built a system that normalizes the surveillance of immigrants and, by extension, anyone connected to them
Categories Biometrics News | Border and Port Security | Surveillance
https://www.biometricupdate.com/202509/palantir-ice-and-the-quiet-expansion-of-a-biometric-dragnet

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"Documents offer rare insight on Ice's close relationship with Palantir" Johana Bhuiyan (Mon 22 Sep 2025)
For years, little was known about the multibillion-dollar company that handles data for the US immigration enforcement agency. Now, a cache of emails, training documents and reports sheds light on how Palantir helps Ice with investigations and on-the-ground enforcement ... The documents span the period of 2014 to 2022, illustrating Palantir's work with both Democratic and Republican administrations. But experts say the insights are especially alarming in light of the second Trump administration's unprecedented investment in Ice. As the agency chases aggressive deportation quotas, Ice is set to gain even more personal data from federal agencies, including the Internal Revenue Service, as well as from new tools such as facial-recognition software made by Clearview AI. ...
https://www.theguardian.com/us-news/ng-interactive/2025/sep/22/ice-palantir-data

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"Das Eis schmilzt" Ann-Kathrin Leclere (7.10.2025)
Gegen das brutale Vorgehen der US-Migrationsbehörde ICE halfen Tracking-Apps. Jetzt entfernten Apple und Google sie aus ihren Stores. ... Die Debatte zeigt, wie eng Technik, Aktivismus und staatliche Kontrolle miteinander verknüpft sind. Während Apple und Google auf Sicherheit und Richtlinien pochen, kritisieren Bürgerrechtsorganisationen die Entfernung der Apps als Eingriff in die Meinungsfreiheit. ... In Illinois etwa existiert eine Hotline zur Meldung illegaler ICE-Aktivitäten, und die American Civil Liberties Union (ACLU) stellt Informationsmaterial für Migrant:innen bereit, damit sie über ihre Rechte bei möglicherweise illegalen Übergriffen der ICE-Mitarbeiter aufgeklärt sind. ...
https://taz.de/Apple-und-Google-entfernen-Apps-die-zum-Tracking-von-ICE-Agenten-benutzt-wurden/!6115407/

QuoteResistor 08.10.2025, 07:33 Uhr

Ist ja klar, denn beide Konzerne haben schon, oder versprechen sich, grosse Aufträge vom Staat. Das ist ähnlich wie damals, als eine bekannter Onlineversandhändler die Server von Assange/wikileaks proaktiv sperrte [https://de.wikipedia.org/wiki/Julian_Assange], noch ehe überhaupt irgend eine Anfrage von irgend welchen Justizbehörden gekommen war.

Leider sind solche Aktionen den meisten Menschen egal und sie bescheren diesen Unternehmen weiterhin Milliardenumsätze. Zu faul um sich nach ethisch vertretbaren Alternativen umzusehen.


...

Quote[...] Google is hosting a Customs and Border Protection (CBP) app that uses facial recognition to identify immigrants, and tell local cops whether to contact ICE about the person, while simultaneously removing apps designed to warn local communities about the presence of ICE officials. ICE-spotting app developers tell 404 Media the decision to host CBP's new app, and Google's description of ICE officials as a vulnerable group in need of protection, shows that Google has made a choice on which side to support during the Trump administration's violent mass deportation effort.

Google removed certain apps used to report sightings of ICE officials, and "then they immediately turned around and approved an app that helps the government unconstitutionally target an actual vulnerable group. That's inexcusable," Mark, the creator of Eyes Up, an app that aims to preserve and map evidence of ICE abuses, said. 404 Media only used the creator's first name to protect them from retaliation. Their app is currently available on the Google Play Store, but Apple removed it from the App Store [https://www.404media.co/apple-banned-an-app-that-simply-archived-videos-of-ice-abuses/].

"Google wanted to 'not be evil' back in the day. Well, they're evil now," Mark added.

The CBP app, called Mobile Identify and launched last week [https://www.404media.co/cbp-quietly-launches-face-scanning-app-for-local-cops-to-do-immigration-enforcement/], is for local and state law enforcement agencies that are part of an ICE program that grants them certain immigration-related powers. The 287(g) Task Force Model (TFM) program allows those local officers to make immigration arrests during routine police enforcement, and "essentially turns police officers into ICE agents," according to the New York Civil Liberties Union (NYCLU) [https://www.nyclu.org/commentary/what-are-287g-agreements-and-how-do-they-fuel-trumps-mass-deportations]. At the time of writing, ICE has TFM agreements with 596 agencies in 34 states, according to ICE's website.

After a user scans someone's face with Mobile Identify, the app tells users to contact ICE and provides a reference number, or to not detain the person depending on the result, a source with knowledge of the app previously told 404 Media. 404 Media also examined the app's code and found multiple references to face scanning.

A Google spokesperson told 404 Media in an email "This app is only usable with an official government login and does not publicly broadcast specific user data or location. Play has robust policies and when we find a violation, we take action."

Last month, Google removed an app called Red Dot. That app, in much the same vein as the more well-known ICEBlock, lets ordinary people report sightings of ICE officials on a map interface. People could then receive alerts of nearby ICE activity. "Anonymous community-driven tool for reporting and receiving ICE activity alerts," Red Dot's website reads.

Red Dot's removal came after a cascading series of events starting in September. That month 29-year-old Joshua Jahn opened fire at an ICE facility in Dallas, killing two detainees and wounding another. Authorities say Jahn used his phone to search for ICE-spotting apps, including ICEBlock, before the shooting, Fox reported. A short while after, the Department of Justice contacted Apple and demanded it remove ICEBlock, which Apple did, despite such an app being First Amendment protected speech.

Both Apple and Google then removed Red Dot, which works similarly, from their respective app stores. Google previously told 404 Media it did not receive any outreach from the Department of Justice about the issue at the time. The company said it removed apps that share the location of what it describes as a vulnerable group: a veiled reference to ICE officials.

A representative for Red Dot told 404 Media in an email they "see 100% dissonance" in Google's position. Google removed the app claiming it harms ICE agents "while continuing to host a CBP app that uses facial recognition to identify immigrants for detention and deportation."

"This is unequivocally morally and ethically wrong. We are deeply concerned about the number of violations that must be occurring to deploy AI facial recognition on people for the purpose of making arrests. It is a clear and unacceptable case of selective application of their policies," they added. The representative did not provide their name.

Google's decision to host CBP's immigrant-hunting app while removing one designed to warn people about the presence of ICE has concerned free speech experts.

"Providing tech services to supercharge ICE operations while blocking tools that support accountability of ICE officers is entirely backwards," Kate Ruane, director of the Center for Democracy & Technology's Free Expression Project, told 404 Media. "ICE is currently deploying armed, masked agents to take people from daycares, street corners, parking lots, and even their own homes, often based on paper thin suspicion and frequently with unjustifiable use of force. It is the mothers, fathers, children, friends, neighbors and coworkers being targeted by ICE who are most vulnerable in this situation."

"ICE agents don't want to face accountability for their actions, but documenting ICE and other police activities is essential to guard against abuse of power and improper conduct. Courts have recognized for decades that tracking and reporting on law enforcement activities is an important and time honored public accountability mechanism," she continued.

Ruane said apps like this are an exercise of First Amendment protected rights. "As with any other app, if someone misuses it to engage in unlawful activity, they can be held accountable. Google should restore these services immediately," she added.

Joshua Aaron, the creator of ICEBlock, told 404 Media "Big tech continues to put profit and power over people, under the guise of keeping us safe. Right now we are at a turning point in our nation's history. It is time to choose sides; fascism or morality? Big tech has made their choice."


From: "Google Has Chosen a Side in Trump's Mass Deportation Effort" Joseph Cox (Nov 13, 2025 at 9:06 AM)
Source: https://www.404media.co/google-has-chosen-a-side-in-trumps-mass-deportation-effort/

"Google Calls ICE Agents a Vulnerable Group, Removes ICE-Spotting App 'Red Dot'" Joseph Cox (Oct 3, 2025)
https://www.404media.co/google-calls-ice-agents-a-vulnerable-group-removes-ice-spotting-app-red-dot/

Textaris(txt*bot)

Typepad is closed for business!
What will happen to my blog data?
All of the blog data will be purged.
https://www.typepad.com/

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Quote[...] Nach mehr als 20 Jahren endet in wenigen Wochen die Geschichte von Typepad. Die Blogging-Software hat Anfang des Jahrtausends mit dazu beigetragen, die Online-Tagebücher zu einem Massenphänomen zu machen. In einem Blogeintrag erklären die Verantwortlichen jetzt, dass sich Nutzer und Nutzerinnen von Typepad nach dem 30. September nicht mehr einloggen können. Die Accounts und alle damit zusammenhängenden Dienste würden dann unwiderruflich gelöscht. Ab diesem Datum nehme das Unternehmen auch keine Zahlungen mehr an; darüber hinaus bezahlte Beträge sollen erstattet werden. Wer will, könne seine Daten noch bis zum 30. September exportieren, beispielsweise um sie in eine WordPress-Seite zu importieren.

Typepad gibt es seit 2003, der Dienst sollte die Blogging-Software Movable Type für eine breite Nutzerschaft verfügbar machen. Genutzt wurde der Dienst dann aber nicht für Blogs von Privatleuten, auch verschiedene Medienorganisationen haben zwischenzeitlich darauf gesetzt. Später geriet der Dienst aber unter anderem gegenüber WordPress ins Hintertreffen, seit fünf Jahren konnten sich keine neuen User mehr dafür registrieren. Noch im März haben die Verantwortlichen auf die Nachfrage eines Nutzers versichert, dass man aber nicht vorhabe, den Dienst für die noch aktiven User einzustellen. Trotzdem wurde damals aber bereits eine Exportfunktion angekündigt, die ist seit dieser Woche verfügbar.

Die Typepad zugrunde liegende Technik Movable Type wurde von der Firma Six Apart entwickelt und hat in den frühen 2000er-Jahren die Blogging-Szene dominiert. Dann haben die Verantwortlichen aber Wagniskapital angenommen und eine schnelle Erweiterung ihrer Firma vorangetrieben. Schließlich änderte Six Apart die Lizenzierung der vormals freien Software, woraufhin ein Großteil der begeisterten Nutzerschaft zum Konkurrenten WordPress gewechselt ist. Noch später hat Six Apart Movable Type unter der GPL wieder als Open Source veröffentlicht, aber schon damals war darüber spekuliert worden, dass das wohl zu spät war. Zwei Versionen war auch wieder Schluss mit Open Source. Movable Type gibt es weiterhin, aber für Typepad endet die Geschichte nun 18 Jahre später.

(mho)


Aus: "Anfänglicher Liebling der Blogger: Typepad wird Ende September geschlossen" Martin Holland (28.08.2025)
Quelle: https://www.heise.de/news/Urgestein-der-Blogging-Szene-Typepad-wird-Ende-September-geschlossen-10624983.html

QuoteShakeHead, 28.08.2025 20:17

Sind Blogs (außer X) überhaupt noch ein Thema? In den 2000ern wurde so getan als ob mit Blogs ein neues Zeitalter begonnen hätte, es wurde sogar über einen Bürger Journalismus geschrieben.

Heute wird scheinbar nur noch auf X oder Truth-Social geschrieben, statt Beiträge mit Inhalt werde Video auf YT oder TikTok gepostet.


QuoteJochem Huhmann, 28.08.2025 19:06

Seufz...

Nicht konkret wegen Typepad, aber Blogs als einfache Homepages waren schon toll. Da hat man so viel randständiges, aber oft hochinteressantes Zeug von Leuten gefunden, heute findet man nur noch Shops und Content-Kaugummi.

War aber eine sehr kurzlebige Angelegenheit und dann sind alle auf Facebook etc. umgeschwenkt, weil noch einfacher und das war dann zu einfach und zu schnell und doof und dann ist selbst Reddit den Bach runtergegangen.

Oder um das mal am Beispiel des Usenet festzumachen: Da hieß es immer "Das Internet ist das mit den Servern, das Usenet ist das mit den Menschen". Heute ist alles nur noch Maschinen oder saure Menschenkotze, dazwischen gibt es kaum noch etwas online.

Dass Heise heute fast noch das einzige halbwegs verbreitete Internet-Medium ist, bei dem wenigstens noch Kommentare möglich sind, sollte man vielleicht mal löblich erwähnen. Die Tagesschau, der Spiegel, die taz etc. haben das inzwischen schon als zu lästig abgeschafft, da gibt es nur noch Druckbetankung mit Meinungen ohne Gegenstimmen oder öffentliche Korrekturen und Ergänzungen.

Das war das Wort zum Freitag, ein schönes Vorwochenende euch allen!

Das Posting wurde vom Benutzer editiert (28.08.2025 19:06).


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Textaris(txt*bot)

Quote[...] Die Ökonomie der Aufmerksamkeit, auch als Aufmerksamkeitsökonomie bezeichnet, ist ein Konzept der Informationsökonomie, das die Aufmerksamkeit von Menschen als knappes Gut betrachtet, und ökonomische Theorien zur Erklärung von menschlichen Verhaltensweisen und Thesen der Informationsökonomie verwendet. Mit der zunehmenden Vernetzung und den Neuen Medien sinken die Kosten für Information und Unterhaltung immer weiter. Begrenzend ist nicht mehr der Zugang, sondern die Aufmerksamkeit.

... In den Massenmedien und der Pop-Kultur wird Beachtung tatsächlich als Kapitalfaktor akkumuliert. Im Bereich der Werbung in Kriterien der Reichweite auch konkret zu Geld gemacht. In sozialen Netzwerken spricht man in diesem Zusammenhang von Influencer-Marketing.

... Roger McNamee, einer der frühesten Investoren von Facebook, warnt, die auf Werbebotschaften beruhende Aufmerksamkeitsökonomie gefährde die öffentliche Gesundheit und die Demokratie.[10] Er verwies auf das Detailwissen über die Nutzer, das durch ihre Verwendung sozialer Netzwerke wie Facebook und Alphabet mittels mobiler Endgeräte (Smartphones) entstehe. In der Aufmerksamkeitsökonomie wetteiferten Anbieter darum, dem Nutzer genau das anzubieten, ,,was er wolle", und die Aufmerksamkeit der Nutzer werde am stärksten durch Inhalte gefesselt, die an die Emotionen appellierten und nicht an den Verstand. Durch dieses Prinzip, gepaart mit dem Detailwissen über die Nutzer, würden Filterblasen um jeden Nutzer geschaffen. Diese würden mehr als je zuvor vorgefasste Meinungen verstärken und Nutzern die Illusion geben, alle würden genauso denken wie sie. Im Ergebnis würden Überzeugungen dadurch rigider und extremer, und die Offenheit für neue Ideen und sogar für Fakten sinke. McNamee führte an, dass die Technologie der Aufmerksamkeitsökonomie Schulkinder abhängig mache, Rassendiskriminierung erleichtere und zur Wahlmanipulation genutzt werde. Die Gesellschaft habe Regularien, um dem entgegenzutreten, nutze sie aber nicht ausreichend.

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Quelle: https://de.wikipedia.org/wiki/%C3%96konomie_der_Aufmerksamkeit (29. Juni 2025)

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Quote[...] Facebook hat einige seiner Mitarbeiter und Investoren reich und einflussreich gemacht. Doch seit der Gründung des sozialen Netzwerks haben sich auch einige von ihnen schon wieder von dem Unternehmen abgewandt. Mit ihrem früheren Weggefährten Mark Zuckerberg gehen sie hart ins Gericht.

Ein weiterer wichtiger Kopf könnte dazu kommen: Sicherheitschef Alex Stamos, der für einen offenen Kurs bei der Frage russischer Wahlbeeinflussung stand, verliert nun deshalb seinen Posten in der eingedampften Abteilung, berichtete die "New York Times".

Die Kritik, die man von den Ex-Managern hört, klingt allzu vertraut: Von einer Konzernspitze, die Probleme ignorierte, ist da die Rede. Einige Vorwürfe richten sich aber auch allgemein gegen das Konzept und die Ausrichtung sozialer Netzwerke, nicht nur von Facebook. Mehrere Ex-Mitarbeiter haben sich deshalb mit früheren Google- und Apple-Beschäftigten zusammengetan und das "Center for Humane Technology" gegründet, das strengere Kontrollen fordert.

t-online.de hat zusammengetragen, welche einstmals führenden Köpfe sich heute von Facebook distanzieren und warum.

1. Datenschutz-Manager: Sie schauten weg

Sandy Parakilas war Leiter des Teams, das vor dem Börsengang 2012 schärfere Datenschutz-Regeln erarbeitete und zuständig war für den Umgang mit Datenschutzverstößen durch Programme von Drittanbietern: Vorgesetzte hätten ihn gewarnt, er solle nicht so genau hinsehen, sagte er dem "Guardian". "Willst du wirklich herausfinden, was du da finden könntest?"

Für ihn habe das so ausgesehen, dass Facebook durch Wegsehen bei Missbrauch juristisch weniger angreifbar sein wollte, erklärte er. "Ich fand das schockierend und erschreckend." Bereits im vergangenen Jahr schrieb er für die "New York Times" in einem Gastbeitrag: "Wir können Facebook nicht vertrauen, sich selbst zu regulieren."

2. Investor: Aufmerksamkeit um jeden Preis

Roger McNamee war einer der ersten Investoren in Facebook: Er habe geholfen, das "Monster" Facebook zu erschaffen, beklagt er. Facebook spreche unser Reptilienhirn an. "Dich wütend oder ängstlich zu machen – das ist gut für das Geschäft von Facebook, aber nicht für Nutzer oder die Menschen ", erklärte er bei einer Vorstellung des "Center for Humane Technology".

Der Fehler liege in der Finanzierung mit Anzeigen. "Das bringt die Firmen dazu, um jeden Preis Aufmerksamkeit zu maximieren. Das führt zu noch aggressiverer Manipulation der Hirne."

Nach dem Bekanntwerden der aktuellen Vorwürfe schrieben er und der frühere Datenschutz-Zuständige Sandy Parakilas im "Guardian", "dass Daten zu wichtig sind, um nicht reguliert zu werden." Wir lebten in einer Welt der Big Data, "wo Unternehmen mit wenigen Auflagen und fast keiner Aufsicht mit deinen persönlichen Informationen reich werden".

3. Wachstums-Manager: Es zerstört Gesellschaft

Chamath Palihapitiya war Facebooks Vize-Präsident für Nutzerwachstum, ehe er 2011 ging. "Ich fühle mich sehr schuldig", sagte Palihapitiya 2017 an der Stanford Graduate School of Business . "Im Hintergrund, in den untersten Tiefen unseres Geistes, wussten wir, dass etwas Schlimmes passieren könnte." Seinen Kindern verbiete er, "diesen Scheiß" zu nutzen, sagte er.

Die Jagd auf Likes und Shares sei das Problem: "Die kurzfristigen, dopamingesteuerten Feedbackschleifen, die wir geschaffen haben, zerstören die Funktionsweise der Gesellschaft." Folge sei: "Kein ziviler Diskurs. Keine Kooperation. Fehlinformationen."

Facebook erklärte danach, man sei zu Palihapitiyas Zeit ein anderes Unternehmen gewesen. Er relativierte, es sei ihm nicht nur um Facebook gegangen: "Es ist Zeit, dass die Gesellschaft diskutiert, wie sie die Werkzeuge von Social Media nutzt, was wir von ihnen erwarten und am wichtigsten, wie wir jungen Generationen verantwortungsvollen Umgang beibringen."

4. Zuckerberg-Mentor: Es war von Anfang an fies

Sean Parker war Mentor von Marc Zuckerberg bei der Gründung, erhielt sieben Prozent der Anteile, die ihn zum vielfachen Milliardär gemacht haben. Facebook ändere das Verhältnis des einzelnen zur Gesellschaft und zu anderen Menschen, es könne sich absurd auf die Produktivität auswirken.

"Nur Gott weiß, was es den Hirnen eurer Kinder antut", sagte er. Schon bei der Gründung habe der Gedanke im Vordergrund gestanden: "Wie bekommen wir so viel deiner Zeit und Aufmerksamkeit wie irgend möglich." Möglich sei das mit ständigen Belohnungen, durch Dopamin, das bei Likes und Kommentaren ausgeschüttet werde.

"Es wird eine Verwundbarkeit in der menschlichen Psyche ausgenutzt. Die Erfinder, also ich und Mark (...) haben das verstanden. Und wir haben es trotzdem gemacht."

5. Like-Programmierer: Es ist ein Pseudo-Vergnügen

Justin Rosenstein programmierte den Like-Button für Facebook: Er sieht seine Arbeit heute kritisch. "Es ist nicht ungewöhnlich, dass Menschen Dinge mit der besten Absicht entwickeln, die dann ungewollte negative Folgen haben", erklärte er. Ein Like sei ein "helles Klingeln eines Pseudo-Vergnügens", das so verführerisch wie leer sein könne. Er hat Facebook nicht mehr auf seinem Handy.

6. Like-Verantwortliche: Es fühlt sich schlecht an

Leah Perlman war die verantwortliche Produktmanagerin für die Einführung des Like-Buttons und verkündete die Einführung 2009. Inzwischen arbeitet sie als Illustratorin und lässt eine Social-Media-Managerin ihre Seite betreuen – weil sie selbst den Newsfeed nicht mehr anschauen will: "Ich checke und fühle mich schlecht. Was immer wir uns erhoffen, es kommt nie daran heran."

Sie selbst habe sich schlecht gefühlt, als nach der Änderung des Algorithmus die Likes zurückgingen: "Es war, als ob ich nicht genug Sauerstoff zum Atmen hätte." Sie habe dann zunächst sogar Werbung gekauft, um wieder mehr Likes zu bekommen. "Ich dachte, ich bin weniger wert."


Aus: "Ex-Mitarbeiter rechnen mit Facebook ab" Lars Wienand (21.03.2018)
Quelle: https://www.t-online.de/digital/aktuelles/id_83423918/facebook-so-rechnen-ex-manager-mit-dem-internetriesen-ab.html

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Quote[...] Haben Sie den Eindruck, dass Sie selbst steuern, wofür Sie sich interessieren? Haben Sie diesen Eindruck auch von Ihren Mitmenschen? Einige der interessantesten Texte, die ich zuletzt gelesen habe, handelten von Aufmerksamkeit. Vielleicht fand ich sie auch nur interessant, weil Aufmerksamkeit gerade ein Thema der Stunde ist, es meine Aufmerksamkeit also schon gebunden hat – wenn ich nicht gerade auf Social Media herumscrolle und mich frage, ob all die Hass- und Hohn-Schleudern dort überhaupt echte Menschen sind oder programmiert.

,,Brainrot", also Gehirnfäule durch Social-Media-Konsum, dürfte bald Gegenstand ökonomischer Forschung sein, und zwar unter dem Stichwort Diebstahl, schrieb der Economist kürzlich. Aufmerksamkeit werde in der Wissenschaft zunehmend wie eine wirtschaftliche Ressource behandelt – neben den Klassikern Land, Arbeit und Kapital. Höchste Zeit, möchte man meinen, machen doch die teuersten Unternehmen der Welt ihren Profit mit unserer Aufmerksamkeit. ,,Attention is the new money", schreibt auch New-York-Times Kolumnist Ezra Klein. Elon Musk sei der reichste Mann der Welt nicht wegen der Menge seines Geldes, sondern wegen der Mengen an Aufmerksamkeit, die er mit seiner Plattform X steuere.

Aber, so der schlaue Economist wieder, dann lasst uns doch bitte unter Eigentumsgesichtspunkten auch darüber reden, wie wir unsere Konzentration gegen die Social-Media-Plattformen verteidigen. Denn die Umstände seien widrig: ,,Die Umgebung ist feindlich."

Vor ziemlich genau 40 Jahren schrieb Neil Postman in ,,Wir amüsieren uns zu Tode", das Fernsehen lenke unsere Aufmerksamkeit auf Belanglosigkeiten. Mit Bitte um Verzeihung für die sehr grobe Zusammenfassung: Der ganze große Unterhaltungsquatsch im Privatfernsehen, erklärte Postman, zerstöre die Chancen auf Bildung, Aufklärung und damit die Idee des vernünftigen, demokratischen Staatswesens. Das würde heute niemand mehr so sagen – nicht etwa, weil die These widerlegt ist, sondern weil das Privatfernsehen neben den US-Netzgiganten inzwischen so niedlich wirkt.

Wie stark uns das zusätzlich sorgen sollte, seitdem die Plattform-Inhaber sich mit Donald Trump verbrüdert haben und keinen Hehl daraus machen, dass der europäische Humanismuskram ihnen sonst wo vorbeigeht, trägt der Kölner Medienwissenschaftler Martin Andree engagiert vor. Um auch nur in die Nähe einer Chance zu kommen, die zerstörerischen Wutmaschinen im Netz zu regulieren, brauche Europa mehr als den Digital Services Act, meint Andree – dafür brauche es europäische Souveränität. Aber, so erklärte er im Schweizer Radio: ,,Die EU wird natürlich massiv erpresst von Donald Trump."

Die EU sei auf Trumps Unterstützung im Ukrainekrieg angewiesen und könne auch keine weiteren Zölle mehr gebrauchen. So ,,ist natürlich schon längst eine Situation entstanden, wo militärische Bedrohung und auch eine wirtschaftliche Bedrohung" damit verknüpft würden, sagt Andree, ,,dass diese Plattformen nicht angetastet werden dürfen, und das sind Plattformen, die den rechtsradikalen Diskurs in Europa schieben".

Nun ist niemand gezwungen, diese Plattformen zu nutzen, mögen Sie einwenden. (Wenn Sie taz lesen, wissen Sie von den Alternativen.) Aber erstens handelt es sich für viele – besonders Jüngere – eben doch um eine Art Zwang. Und zweitens sollte sich angesichts eines 80- oder 95-prozentigen De-facto-Monopols der Trump-Broligarchen niemand im Besserwissen suhlen, sondern eher überlegen, wie man die Monopole aufbricht.

Es klingt nur eben schwer danach, als müssten wir lernen, unsere Aufmerksamkeit als Konzentrations-KleinunternehmerInnen selbst zu bewirtschaften. Sonst tun es eben andere.

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Aus: "Bewirtschaftet eure Aufmerksamkeit doch lieber selbst" Aus der Kolumne Ernsthaft? von Ulrike Winkelmann  (18.10.2025)
Quelle: https://taz.de/Kampf-um-neue-Ressource/!6116862/

"Can you make it to the end of this column? - Understanding the new economics of attention"
https://www.economist.com/finance-and-economics/2025/09/11/can-you-make-it-to-the-end-of-this-column

Quoteuvw

19.10.2025, 02:53 Uhr

Gut, dass solche Erkenntnisse inzwischen mehr Verbreitung finden. Wirklich angekommen und verstanden ist das Thema wohl noch nicht, die Gefahr oder eher der Mechanimus dorthin ist leider ziemlich abstrakt.

Wieso unterstütze ich demokratiefeindliche Konzerne und damit entsprechende Regierungen, nur weil ich bestimmte Dienste und Programme im Netz nutze? Hier wünsche ich mir eine längerfristige Aufklärungskampagne durch Medien, so wie in diesem Artikel, so dass nicht nur Menschen die Problematik verstehen, die aus dem IT-Bereich kommen oder sich mit Herrschaftstheorien befassen.

Auf die Politik können wir lange warten. Teilweise sind ihr die Hände gebunden, teilweise hat sie gar kein Interesse an einer Veränderung.

Was wir ab sofort tun können, ist Dezentralisierung in Gang bringen. Das Internet war anfangs extrem dezentral, und damit nahezu basisdemokratisch. Da müssen wir wieder hinkommen, weg von der Monopolstellung weniger Konzerne.

ZB durch technische Standards für die Kommunikation, die das Lock-In erschweren. Messenger nutzen können wie Mailprogramme. Und mit den Füßen abstimmen: Signal oder Threema statt WhatsApp, Mistral statt ChatGPT. Linux statt Windows.


QuoteMartin Rees

19.10.2025, 00:26 Uhr

Interessant, aber wir reden auch v. Vertrauen als Währung i.d. Konsum-Welt.

Scheinbar ein Paradoxon: "Die permanente Verfügbarkeit von Informationen, Reizen und sozialen Signalen führt zu einem Zustand chronischer Fragmentierung: Aufmerksamkeit wird ständig unterbrochen, zersplittert, abgelenkt.

Die Fähigkeit zur sustained attention – also zur anhaltenden, konzentrierten Fokussierung auf eine Aufgabe – nimmt messbar ab. Studien zeigen eine Zunahme von Symptomen, die mit Reizüberflutung, Entscheidungsmüdigkeit und digitalem Stress zusammenhängen. Gleichzeitig verändert sich die Art, wie Menschen Informationen bewerten: Inhalte, die emotional aufgeladen, polarisierend oder visuell spektakulär sind, erhalten mehr Aufmerksamkeit – unabhängig von ihrer faktischen Qualität."

Quelle: "Von der Wissens- zur Aufmerksamkeitsökonomie zur Ökonomie der Verknappung – Der Wandel ökonomischer Ressourcen im digitalen Zeitalter"

Prof. Dr. Dr. Oliver Hoffmann

Wirtschaftspsychologe | Autor | Board Member

Veröffentlicht: 3. Apr. 2025

Gefund. b. LinkedIn.com

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Textaris(txt*bot)

Quote[...] Serverprobleme beim Internetkonzern Amazon haben am Montag weltweit bei zahlreichen Online-Diensten für Störungen gesorgt. Betroffen waren neben Services von Amazon selbst unter anderem auch Zahlungsdienstleister, Börsenplattformen und Spieleanbieter.

,,Wir können erhöhte Fehlerraten und Latenzen für mehrere AWS-Dienste in der Region US-EAST-1 bestätigen", erklärte der Cloud-Anbieter Amazon Web Services (AWS) in einer Statusmeldung auf seiner Website. Es seien bereits mögliche Störungsursachen identifiziert worden. Erste Maßnahmen zur Wiederherstellung der Dienste zeigten Erfolge, erklärte AWS am späten Vormittag mitteleuropäischer Zeit.

Betroffen waren die Amazon-Dienste Amazon.com, PrimeVideo und Alexa. Bei den Zahlungsdienstleistern Venmo von Paypal und Chime traten ebenso Probleme auf wie auf der Aktienhandelsplattform Robinhood und der Kryptowährungsbörse Coinbase. Auf dem Störungsportal ,,Allestörungen" meldeten Nutzer Probleme unter anderem mit dem Sprachlerndienst Duolingo und der Dating-App Tinder.

Auch der Messenger Signal war von den AWS-Störungen betroffen, wie Signal-Präsidentin Meredith Whittaker auf X erklärte. Die auf den Einsatz Künstlicher Intelligenz (KI) spezialisierte Suchmaschine Perplexity fiel aus. ,,Perplexity ist derzeit nicht verfügbar. Die Ursache dafür ist ein Problem bei AWS. Wir arbeiten daran, das Problem zu beheben", teilte Firmenchef Aravind Srinivas auf X mit. Die App des Fahrdienstvermittlers Lyft war für Tausende Nutzer in den USA nicht verfügbar.

Zu den betroffenen Gaming-Plattformen zählten Fortnite des Unternehmens Epic Games, Roblox, Clash Royale und Clash of Clans. (Reuters/Tsp)


Aus: "Amazon-Serverprobleme sorgen weltweit für Ausfälle bei Online-Diensten" (20.10.2025)
Quelle: https://www.tagesspiegel.de/wirtschaft/primevideo-duolingo-und-tinder-betroffen-amazon-serverprobleme-sorgen-weltweit-fur-ausfalle-bei-online-diensten-14609174.html


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Quote[...] Viele Apps auf Smartphones sammeln auch Daten darüber, was Nutzer in anderen Programmen und auf Webseiten so treiben. Bei iPhones lässt sich dieses Tracking von anderweitigen Aktivitäten deaktivieren. Doch laut Apple wird der Konzern möglicherweise dazu gezwungen, die Funktion zu entfernen.

Apple könnte die Funktion, mit der Nutzer Apps daran hindern, ihr Verhalten zu Werbezwecken quer über verschiedene Dienste und Websites nachzuverfolgen, in Deutschland und anderen europäischen Ländern abschalten. Der iPhone-Konzern verweist auf einen kontinuierlichen Gegenwind aus der Tracking-Industrie. "Nun könnten uns Wettbewerbsuntersuchungen in Deutschland, Italien und anderen europäischen Ländern dazu zwingen, diese Funktion zum Nachteil der europäischen Verbraucher zurückzuziehen", kündigte Apple an.

Bei der Funktion mit dem Namen ATT (App Tracking Transparency) werden Nutzer beim ersten Start einer App gefragt, ob sie ihr erlauben wollen, zu Werbezwecken ihre Aktivitäten in Apps und auf Websites anderer Anbieter zu erfassen. Viele lehnen das ab. Seit der Ankündigung vor rund fünf Jahren gibt es Kritik aus der Werbebranche und unter anderem besonders stark vom Facebook-Konzern Meta.

Die ATT-Funktion steht im Mittelpunkt mehrerer Untersuchungen von Wettbewerbsbehörden. In Deutschland kam das Bundeskartellamt im Februar zur vorläufigen Einschätzung, dass die Ausgestaltung der Funktion gegen Missbrauchsvorschriften verstoßen könnte. Die Behörde verwies unter anderem darauf, die Anforderungen gälten nur für andere App-Anbieter, aber nicht für Apple.

Der Konzern teilt mit, die eigenen Apps des Konzerns sammelten keine Daten in Apps anderer Anbieter. Das Bundeskartellamt bemängelte aber, dass die Regeln den Konzern selbst nicht daran hinderten, Daten etwa aus dem App Store, der Apple ID oder angeschlossenen Geräten zu kombinieren und zu Werbezwecken zu verwenden. Wann das Bundeskartellamt seine endgültige Einschätzung bekanntgibt, ist unklar. In Italien wird eine Entscheidung der dortigen Wettbewerbshüter zu dem Thema im Dezember erwartet.

Apple betont, man habe den Wettbewerbsbehörden verschiedene Lösungen vorgeschlagen, habe deren Bedenken damit aber bisher nicht ausräumen können. Man wolle ATT weiterhin europäischen Nutzern anbieten. Den Wettbewerbshütern schwebten aber komplexe Abfragen vor, die die Funktion aus Sicht von Apple faktisch aushöhlen würden. "Wir hören nicht auf, die zuständigen Behörden in Deutschland, Italien und Europa aufzufordern, Apple zu erlauben, unseren Nutzern dieses wichtige Datenschutz-Tool auch weiterhin zur Verfügung zu stellen", hieß es in der Stellungnahme des Konzerns.

Quelle: ntv.de, rog/dpa


Aus: "Anti-Tracking-Funktion auf iPhones droht Abschaltung" (22.10.2025)
Quelle: https://www.n-tv.de/technik/iPhone-Anti-Tracking-Funktion-droht-Abschaltung-article26113509.html


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Quote[...] Es sind beunruhigende interne Dokumente des Tech-Konzerns Meta, die Reuters in einem Bericht zusammengefasst hat. 16 Milliarden Dollar: So viel soll Meta allein im Jahr 2024 mit Scam-Werbungen, die über Instagram oder Facebook ausgespielt werden, verdient haben. Das sind etwa zehn Prozent des gesamten Jahresumsatzes.

Die Rede ist hier von Werbungen, die Betrügereien, illegale Online-Casinos und verbotene Waren angepriesen haben. Im Durchschnitt, so heißt es in einem Dokument vom Dezember 2024, zeigt das Unternehmen den Nutzern seiner Plattformen täglich schätzungsweise 15 Milliarden solcher intern als "höher risikoreich" bezeichneten Werbungen an.

Dem Konzern war das Ausspielen dieser Werbungen sehr wohl bewusst, jedoch hat man sich bei der Bekämpfung offenbar sehr bewusst Zeit gelassen.

Eigentlich hat der Konzern ein Warnsystem, das bei Anzeigen mit Betrugsverdacht Alarm schlägt. Das Unternehmen sperrt Werbetreibende jedoch nur dann, wenn das automatisierte System den Vermarkter mit mindestens 95-prozentiger Sicherheit als Betrüger erkennt. Wenn das Unternehmen weniger sicher ist – aber dennoch glaubt, dass der Werbetreibende wahrscheinlich ein Betrüger ist – verlangt Meta den Dokumenten zufolge als Strafe höhere Anzeigenpreise.

Die Idee dahinter ist nachvollziehbar. Verdächtige Werbetreibende sollen davon abgehalten werden, Anzeigen zu schalten. Rechnet sich jedoch deren Geschäftsmodell, greift diese sanfte Regulierung von Meta-Seite natürlich nicht. Besonders dreist scheint die Tatsache, dass Nutzer, die auf betrügerische Anzeigen klicken, wahrscheinlich sogar mehr davon zu sehen bekommen. Dank Metas Anzeigen-Personalisierungssystem wird versucht, "passende Werbung basierend auf den Interessen eines Nutzers auszuspielen".

All diese Informationen basieren auf Dokumenten aus den Jahren 2021 bis 2025, schreibt Reuters. Laut dem Nachrichtenportal stammen diese aus den unterschiedlichsten Abteilungen, darunter Finanzen, Lobbyarbeit, Sicherheit oder Technik. Meta sammelte diese Daten, um das Ausmaß des Missbrauchs zu quantifizieren, heißt es. Erkennbar sei in jedem Fall die Zurückhaltung des Konzerns, wohl um die massiven Einnahmen, die auf diesem Weg in Richtung Meta flossen, nicht zu gefährden.

Ein Betrugsprüfer, der im Rahmen dieses Berichts zu Wort kommt, weist auf die mangelnde behördliche Aufsicht in der US-Werbebranche hin. Wenn ein Konzern Einnahmen aus Quellen bezieht, bei denen Betrugsmaschen vermutet werden, müssen Regularien greifen, meint der Fachmann. "Wenn Aufsichtsbehörden es Banken nicht gestatten, von Betrug zu profitieren, sollten sie es auch im Tech-Bereich nicht tolerieren", sagte er Reuters.

Meta reagierte bereits auf die Vorwürfe. In Form von Unternehmenssprecher Andy Stone erklärte man, dass die eingesehenen Dokumente eine "selektive Sichtweise" darstellen würden. Sie würden das Vorgehen des Unternehmens gegen Betrug "verzerren". Die interne Schätzung des Unternehmens, wonach es 10,1 Prozent seiner Umsätze im Jahr 2024 aus Betrügereien und anderen verbotenen Anzeigen erzielen würde, sei "grob" gewesen, so Stone. Die Zahl, so habe man intern festgestellt, läge wesentlich niedriger. Um wie viel niedriger, wollte Stone nicht sagen.

Die Einschätzung wurde bei Meta deshalb gemacht, erklärt er, um Investitionen in die Bekämpfung von Betrug validieren zu können. "Wir bekämpfen Betrug aggressiv, weil die Nutzer auf unseren Plattformen diese Inhalte nicht wollen, legitime Werbetreibende sie nicht wollen und wir sie auch nicht wollen."

In den vergangenen 18 Monaten habe man die Zahl der betrügerischen Anzeigen weltweit um 58 Prozent reduziert. Das bestätigen indirekt auch die Reuters vorliegenden Dokumente. Auch dort werden Meta-Verantwortliche zitiert, dass man den Anzeigenbetrug im Jahr 2025 reduzieren möchte.

In den Dokumenten wird außerdem festgestellt, dass Facebook und Instagram offenbar zu einer "Säule der globalen Betrugswirtschaft" geworden sind. In einer Präsentation vom Mai 2025 schätzen Sicherheitsberater von Meta, dass die Plattformen des Unternehmens in einem Drittel aller erfolgreichen Betrugsfälle in den USA involviert waren. Konkurrenten, so die interne Erkenntnis, wären hier erfolgreicher bei der Eliminierung von Betrug.

Tatsächlich drängen Regulierungsbehörden weltweit zu mehr Schutz gegen Onlinebetrug, und auch Meta steht hier bereits im Fokus von Ermittlungen. So soll die Securities and Exchange Commission (SEC) den internen Dokumenten zufolge bereits wegen der Schaltung von Werbung für Finanzbetrügereien gegen Meta ermitteln. In Großbritannien stellte eine Aufsichtsbehörde vergangenes Jahr fest, dass Metas Produkte im Jahr 2023 an 54 Prozent aller Verluste durch zahlungsbezogene Betrügereien beteiligt waren, was mehr als dem Doppelten aller anderen sozialen Plattformen zusammen entspricht.

Natürlich wäre eine effizientere Bekämpfung der betrügerischen Werbung möglich, aber das würde die Werbeeinnahmen stark beeinträchtigen. Das Geld braucht Meta allerdings dringend. Bis zu 72 Milliarden will Zuckerberg in diesem Jahr in das KI-Rennen investieren. Finanziert soll das durch das eigene Werbegeschäft werden, wie er im Juli einmal mehr versichert hat.

Eine abrupte Reduzierung der Einnahmen aus Betrugswerbung wäre deshalb wohl ein gewagter Schritt für das Unternehmen. Auch in den internen Dokumenten wird darauf hingewiesen, dass zu schnelle Maßnahmen die "Geschäftsprognosen beeinträchtigen" könnten.

Das Vorgehen von Meta solle deshalb "vorsichtig" geschehen, wird ein Manager zitiert, der die internen Bemühungen zur Scam-Bekämpfung beaufsichtigt. So wurden tatsächlich Beschränkungen dafür festgelegt, wie viel Umsatz man bereit sei zu verlieren, wenn man gegen verdächtige Werbetreibende vorgeht. Das Team für "fragwürdige Werbetreibende" durfte in der ersten Hälfte des Jahres 2025 laut einem Dokument vom Februar keine Maßnahmen ergreifen, die Meta mehr als 0,15 Prozent des Gesamtumsatzes des Unternehmens kosten könnten. Das entspricht etwa 135 Millionen US-Dollar. Metas Sprecher Stone bestritt in einer Stellungnahme, dass die zitierte Zahl von 0,15 Prozent aus einem internen Umsatzprognosedokument stammt.

Im Oktober 2024 präsentieren Führungskräfte dem CEO eine Strategie, wie man sich dem verschärfenden Druck der Regulierungsbehörden stellen wolle. Anstelle eines raschen harten Durchgreifens würde das Unternehmen seine Anstrengungen auf Länder konzentrieren, in denen es kurzfristige regulatorische Maßnahmen befürchtete.

Die Probleme auf den Meta-Plattformen sind mannigfaltig, wie die Dokumente zeigen. Im Jahr 2022 soll ein umfassendes Netzwerk von Konten vorgegeben haben, Mitglieder des in Kriegsgebieten stationierten US-Militärs zu sein. Diese Konten verschickten wöchentlich Millionen von Nachrichten, um Facebook-Nutzer dazu zu bringen, Geld zu spenden – und damit zu verlieren. Auch Sextortion – bei der Betrüger unter falschen Voraussetzungen sexuelle Bilder von Nutzern, oft Teenagern, erlangen und diese dann erpressen – wurde auf Metas Plattformen immer häufiger. Zudem gab es eine Flut von gefälschten Konten, die sich als Berühmtheiten ausgaben oder große Verbrauchermarken repräsentierten, um Nutzer zu täuschen.

Die Ambitionen von Meta, diese Betrugsfälle zu bekämpfen, blieben bescheiden. Laut den Dokumenten stufte der Konzern Betrugsanzeigen als Problem mit "geringer Schwere" ein und betrachtete sie laut dem Dokument lediglich als schlechte "Nutzererfahrung". Laufende Entlassungen bei Meta behinderten zusätzlich die Durchsetzung wirkungsvoller Maßnahmen. Ein Planungsdokument aus dem Jahr 2023 merkte an, dass jeder, der im Team rund um "Bedenken von Werbetreibenden hinsichtlich Markenrechtsfragen" angestellt war, kurz darauf entlassen wurde.


Aus: "Meta macht Milliarden mit betrügerischer Werbung auf Facebook und Instagram" Alexander Amon (7. November 2025)
Quelle: https://www.derstandard.at/story/3000000295358/meta-macht-milliarden-mit-betruegerischer-werbung-auf-facebook-und-instagram

QuoteCmd. Ed Straker

Haha, da kassiert META von den Verbrechern zusätzlich. Was für ein "Geschäftsmodell"! Hut ab;-)


QuoteGagiPeter

Ja, hab diese Anzeigen auch schon gesehen. Z.B. ein Fake Thomann Shop der Turntables die normal über 1000 Euro kosten um 120 Euro angeboten hat.

Hab den Shop bei Facebook und Thomann gemeldet. Thomann äußerte seine Verzweiflung, da sein ständiges Vorgehen keinen Erfolg bringt. Facebook hingegen erklärte mir zwei mal dass diese Anzeigen nicht gegen ihre Richtlinien verstoßen würde.  ...


Quoteklartexten

Was sich die wohl über uns Dumpfbacken denken? Wir sind so leicht über den Tisch zu ziehen, dass es schon fade ist.
Da geht noch viel mehr.


QuoteI Zerfix

YouTube (Google) macht das auch.
Vorher gerade eine Anzeige eines Fake oe24 Artikels gesehen, in dem der Nehammer erklären soll wie man schnell reich wird. (Am Bild ist auch der kleine BIMAZ)


Quotelieber total frontal, als gar keinen Spaß

Derweilen im Standard:
Unglaublich! Dieses einfache Hausmittel hilft gegen Diabetes!
Arzt entdeckt: 10 Jahre jünger durch Heilsocken.
Die besten internationalen Online-Casinos.



Quotekoyaanisqatsi

Echt?
Meta betrügt?
Facebook betrügt?
Instagram betrügt?

Wirklich?

Ich kann's nicht glauben.


Quoteroslmaria

Facebook und Instagram hab ich gelöscht, weil sie völlig irrelevante Zeiträuber sind. Nur aus WhatsApp komm ich nicht raus...


QuoteEnten haben keine Ohren

Meta saugt die Daten der Nutzer ab, ...
... manipuliert sie, müllt sie mit Werbung zu und verdient damit Milliarden.

Jeder weiß das. Und trotzdem wollen die wenigsten weg davon. So lange das so ist, wird sich bei Meta ganz sicher nichts ändern. Ist da vielleicht nicht nur Meta das Problem?


...

Textaris(txt*bot)

Quote[...] Rage Bait bezeichnet Online-Inhalte, die gezielt Wut oder Empörung hervorrufen, um das Engagement der Nutzer zu steigern. Diese Inhalte erscheinen oft auf Social-Media-Plattformen und zielen darauf ab, virale Interaktionen zu generieren, indem sie emotionale Reaktionen provozieren. Ein weiterer Ausdruck, der in diesem Zusammenhang verwendet wird, ist Engagement farming.

Zu den typischen Formen von Rage Bait gehören kontroverse Aussagen, irreführende Informationen oder polarisierende Themen, die besonders auf Plattformen wie Twitter, Facebook, Instagram, TikTok und YouTube verbreitet werden. Der Algorithmus dieser Plattformen fördert Inhalte mit hoher Interaktionsrate, da sie Nutzer stärker binden. Empörung, Frustration und Wut sind dabei besonders wirkungsvoll, da diese Emotionen häufig zu hitzigen Diskussionen und intensiven Reaktionen in Kommentarbereichen führen. Diese Taktik ist nicht neu und fand bereits in traditionellen Medien durch reißerische Schlagzeilen oder kontroverse Themen Anwendung. Die Anonymität des Internets und die Algorithmen der sozialen Netzwerke haben Rage Bait jedoch im digitalen Zeitalter noch effektiver gemacht. Studien, wie die der Beihang-Universität in China, belegen, dass Wut sich schneller und kraftvoller im Netz verbreitet als positive Inhalte. ...

Langfristig kann Rage Bait sowohl für die Nutzer als auch die Gesellschaft erhebliche Folgen haben. Die ständige Konfrontation mit emotional aufgeladenen und kontroversen Inhalten kann zu einem verzerrten Realitätsbild, gesteigerter sozialer Polarisierung und einer toxischen Online-Umgebung führen. Zudem können diese Inhalte psychische Belastungen wie Angstzustände und Depressionen begünstigen. Auf gesellschaftlicher Ebene verstärkt Rage Bait bestehende Spannungen und erschwert sachliche Diskussionen. Aus finanziellen Gründen bevorzugen Plattformen bisweilen diese Inhalte und der emotionale Zustand der Nutzer ist zweitrangig.

Rage Bait ist häufig durch provokative Überschriften, polarisierende Themen und emotional aufgeladene Formulierungen erkennbar.  ...

... Rage Bait ist eng verwandt mit den Konzepten Clickbait und Rage Farming. Clickbait setzt in erster Linie auf irreführende oder übertriebene Überschriften, um Klicks zu generieren, Rage Bait hingegen versucht gezielt, durch Provokation emotionale Reaktionen auszulösen. Rage Farming beschreibt die kontinuierliche Produktion solcher Inhalte, um wiederholt Empörung hervorzurufen und die Reichweite langfristig zu maximieren; in Sozialen Netzen, die Autoren nach Reichweite und Engagement entlohnen, handelt es sich dabei auch oft um gezielte Strategien dieser Autoren zur Gewinnsteigerung.

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Ingrid Brodnig: Wider die Verrohung: Über die gezielte Zerstörung öffentlicher Debatten: Strategien & Tipps, um auf Emotionalisierung und Fake News besser antworten zu können. Hrsg.: Brandstätter Verlag. 1. Auflage. Brandstätter Verlag, 2024, ISBN 3-7106-0812-0, S. 176.

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Kim Staudt: Polarisierung der Gesellschaft: Wie soziale Medien Debatten im Netz beeinflussen. In: Der Spiegel. 11. Juli 2024, ISSN 2195-1349


Aus: "Rage Bait" (26. Oktober 2025)
Quelle: https://de.wikipedia.org/wiki/Rage_Bait

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Quote[...] Die Gegenwart hat ein Affektproblem. Genauer gesagt: ein Aufmerksamkeitsproblem, das als Affekt auftritt. Plattformen haben die Reaktionsökonomie des Internets längst so weit zugespitzt, dass zahme Regungen wie Neugier oder Ergriffenheit kaum mehr Klicks bringen. Heute braucht es mehr, Wut, Empörung oder Ärger, und so flutet Rage-Bait gleichermaßen die digitale wie analoge Welt. Es ist ein lähmender Umstand: Wie reagiert man auf etwas, dem es nur um Reaktion geht, egal welcher Art?

Ursprünglich war Rage-Bait einmal harmlos, eine Troll-Praxis in einem Internet, das noch aus unsortierten Foren bestand. "Wer schält seine Chicken-Nuggets auch gern?", wirft jemand als Köder aus. Ein anderer beteuert, die Erde sei eine Scheibe. Ein dritter behauptet, Animes seien bloß Kinderkram – für die sehr viel Zeit online verbringenden Fans des Genres oft ein Trigger. Das Ziel der Reaktionsfallen war einfach: Man wollte sich über die aufgebrachten Antworten amüsieren. Das war mal nervig, aber meist auch harmlos.

Doch in der algorithmischen Aufmerksamkeitsökonomie sozialer Netzwerke erweist sich Rage-Baiting als winning strategy. Die Plattformen belohnen Klicks, Kommentare, Shares mit dem digitalen Kapital der Sichtbarkeit, während sie selbst die entstehenden Datenberge in reales Kapital verwandeln. Ob Ablehnung oder Zustimmung ist dabei zweitrangig, alles, bloß kein gleichgültiges Weiterswipen. Das führt zu teils absurden Strategien: YouTuber bauen bewusst Fehler in ihre Videos ein, um korrigierende Kommentare zu ernten. Food-Creator verhauen ihr Gericht mit einer letzten, komplett unpassenden Zutat, mischen Cola mit Käse oder Monster Energy mit Milch. Oder mit Guinness, dann ist es ein Gonster. Der Barista-TikToker Ryan Gawlik sagte eine Zeit lang konsequent "Expresso" statt Espresso oder biss einmal quer in den viergliedrigen KitKat-Riegel – seine Reichweite vervielfachte sich. Aus Trollerei wird Taktik, aus Spaß wird Geschäft – und natürlich: Politik.

... Empörung ist rein kognitiv ein Aufmerksamkeitsgarant, Algorithmen befeuern die Inflation von Empörungsbeiträgen, auf der Plattform X in Studien nachgewiesen und auch sonst täglich spürbar. Das weist erneut auf eine Verkehrung im psychologischen Klima der Gesellschaft hin: Empörung markiert sonst Normbrüche und stellt sich gegen wahrgenommene Ungerechtigkeiten auf. Ihre Zirkulation zeigt einmal mehr, dass Grenzüberschreitungen längst etablierte Routine öffentlicher Kommunikation sind. Wie also etwas in Schranken weisen, das sich rein dadurch auszeichnet, jegliche Beschränkung genüsslich zu durchbrechen?

... die Philosophin Judith Butler schreibt in Bezug auf Trumps Obszönitäten, dass diejenigen, die vor Empörung gelähmt sind, sich ebenso in seiner Logik verfangen wie seine Anhänger. Man solle die Funktionsweise der Empörung verstehen – um dann aber von den "leidenschaftlichen Reaktionen Abstand zu nehmen". Doch sich der Unterwerfung eines Gefühlsregimes zu widersetzen, heißt auch, sich nicht von ihm abhängig zu machen, indem man seine Regungen zwangszügelt, und sich eben weiterhin zu empören, wenn man es für angebracht hält – doch eben ohne den Rage-Baitern zu viel Wind in die Segel zu blasen.

Was es dafür braucht, ist mehr als Medienkompetenz. Es braucht ein politisches Verständnis der digitalen Öffentlichkeit. Mit dem Digital Services Act erwirkt die EU etwas Transparenz: Die VLOPs (Very Large Online Platforms) müssen die wichtigsten Parameter ihrer Empfehlungssysteme offenlegen. Die EU-Kommission hat außerdem ein Verfahren gegen TikTok eingeleitet, wegen des Verdachts auf Wahlbeeinflussung in Rumänien. Das Ziel: Zugang zu den Algorithmen.

Das politische Bohren in die schwarzen Kisten der Techgiganten ist richtig, aber reicht schwerlich aus. Es braucht mehr interdisziplinäre Forschung zur sozialen Netzwerken, ein besseres Verständnis dafür, wie Gefühle online funktionieren. Denn wer nur wenig von den Dynamiken der digitalen Öffentlichkeit versteht, die globale Ereignisse beeinflussen, bleibt in der in ihrem Wesen nachzüglerischen Reaktion gefangen.

Das ist alles nicht neu, nur neu drängend. Medien- und Kulturwissenschaftler Simon Strick hat bereits 2021 in seinem heute wie ein Warnschuss wirkenden Buch Rechte Gefühle gezeigt, wie der "digitale Faschismus" über Gefühle operiert. Dafür leiht er sich einen Kofferbegriff aus der Gamingwelt, Emotioneering (emotion engineering): Emotionen werden im digitalen Raum konstruiert, designt, optimiert und instrumentalisiert.

... Das permanente Hämmern auf den Moralreflex läuft die fatale Gefahr, ihn zu betäuben. ...


Aus: "Komm doch, empör dich!" Luca Rehse-Knauf (11. Juni 2025)
Quelle: https://www.zeit.de/kultur/2025-06/rage-bait-soziale-medien-empoerung-reaktionen-internet/komplettansicht

QuoteJoe Bloggs

Artikel hab ich gern gelesen. Man muss aber nicht immer mit deinen Steinen aus der Blase rauswerfen, Trump, Söder, AfD etc pp. Das trifft auch auf ZON hier und viele der Kommentierenden inklusive mir zu, will ich mal keck behaupten. Von daher ganz gut, hin und wieder zu reflektieren..

    Die Plattformen belohnen Klicks, Kommentare, Shares mit dem digitalen Kapital der Sichtbarkeit, während sie selbst die entstehenden Datenberge in reales Kapital verwandeln.


QuoteFool on the hill

Donald Trump schießt auch hier den Vogel ab. Kein Politiker schafft mehr Clicks und bitterböse Kommentare. Beste Unterhaltung für Freunde des Schwarzen Humors.


Quoterasierpinsel

Ein ersthaftes Problem ist, dass das einige für "Beste Unterhaltung" halten - insbesondere in den USA, wo scheinbar immer mehr Menschen Fiktion oder Film nicht mehr von der Realität unterscheiden können.

Das ist keine Unterhaltung - da werden Menschen ruiniert, Kultur und Wissenschaft vernichtet - ich kann das nicht lustig oder unterhaltend finden.


Quotereimtuecke

Platon sagte es seiner Zeit schon in seinem Dialog Phaidon, "dass die Seele jedes Menschen unwillkürlich mit der übermäßigen Freude oder Trauer über etwas auch den Glauben verbindet, dass das, was im stärksten Maße Anlass dazu gibt, auch das am schärfsten Erkennbare und Wahrste sei; was doch ganz und gar nicht der Fall ist."

Hätten wir nur mehr und rechtzeitig auf ihn gehört ...


QuoteRolux

Solche Artikel, so wichtig und richtig ihr Inhalt auch sein mag, finde ich auf ZON einfach heuchlerisch hoch drei. Hier gibt es so viele empörungsgenerierende Click-Bait-Überschriften, dass ich manchmal fluchtartig wieder abdrehe.


QuoteWabi_Sabi

Wutköder, Klickköder, KI-generierte Fotos und Texte. All das sind Dinge, die mir ein wenig Hoffnung geben, dass soziale Medien in ihrer jetzigen Form ein natürliches Ende nehmen.


...

Textaris(txt*bot)

Quote[...] Mal ein kleines Gedankenspiel: Wie viel vom Internet, wie wir es kennen, bliebe übrig, wenn Microsoft Azure, Amazon Web Services (AWS) und Cloudflare gleichzeitig Schluckauf hätten? Nach den vergangenen Wochen muss man nur des Addierens mächtig sein und eine gewisse Schnittmenge abziehen, um eine Antwort darauf zu bekommen.

Zwar waren es nur zeitlich begrenzte Ausfälle, die die drei großen Cloud- und Netzwerkdienste plagten. Aber sie genügten, um zweierlei sichtbar zu machen: Erstens, in welchem Umfang das Netz inzwischen von einigen wenigen großen Playern abhängig ist. Und zweitens, dass all das Geschwätz, dass es bei diesen großen Playern keinen Single Point of Failure gibt, dem Reich der Fabeln und Mythen entspringt.

Die Ausfälle haben gezeigt, dass E-Commerce, Banking- und Finanz-Apps, Nachrichtenportale, Unternehmenstools, kritische Infrastrukturdienste und teilweise auch Social-Media-Plattformen von den großen Drei abhängig sind. Gewiss: Kosten, Flexibilität, Schutz vor DDoS-Angriffen, Bots und anderen Bedrohungen sind starke Argumente, warum jeder einzelne sich für diese Abhängigkeit entschieden hat. Aber der Preis, den die Netzgemeinschaft dafür zahlen muss, ist, dass ein gewichtiger Teil der Dezentralität des Netzes dafür geopfert wurde.

Das Versprechen der Plattformen, durch globale Verteilung auf verschiedene Rechenzentren geschützt zu sein, ist nun mehr als einmal Lügen gestraft worden. Einmal ist keinmal – das kann man vielleicht im Falle des Ausfalls eines einzelnen kleinen Servers sagen, aber nicht, wenn geraume Teile des öffentlichen Netzes unerreichbar sind. Von möglichen politischen Machtspielchen, weil all diese Technik von den USA aus gesteuert wird, wollen wir gar nicht erst reden. Welche Ironie, dass sich der jüngste Ausfall just in dem Moment zutrug, in dem in der EU über digitale Souveränität gesprochen wird.

Die Titanic war entgegen aller Beteuerungen eben doch nicht unsinkbar. Die großen Cloud-Dienstleister haben sehr wohl Single Points of Failure. Und der Countdown zum Internet-GAU läuft, wenn nicht nur in Sonntagsreden darüber fabuliert wird, dass aus Warnschüssen wie dem aktuellen endlich mal Konsequenzen gezogen werden müssen.

Aber es scheint, als rede man gegen die Wand: Nach einer Serie von Kommentaren, warum wir es blöd finden, sich auf die Cloud zu verlassen, sind wir inzwischen an den Punkt gelangt, wo wir es blöd finden, jede Woche einen Kommentar darüber schreiben zu müssen.

...

(mki)


Aus: "Nach dem Cloudflare-Ausfall: Digital völlig unsouverän" Malte Kirchner (19.11.2025)
Quelle: https://www.heise.de/meinung/Nach-dem-Cloudflare-Ausfall-Digital-voellig-unsouveraen-11083678.html

"Cloudflare-Ausfall: Dienste am Dienstag global gestört" (18.11.2025)
Die Dienste des Internetanbieters Cloudflare waren Dienstagnachmittag gestört. Davon waren zahlreiche Websites betroffen. ... Der Ausfall oder Störungen von Cloud-Systemen hat aufgrund ihrer Verbreitung inzwischen oftmals globale Auswirkungen. Das musste auch Amazon feststellen, als vor rund vier Wochen dort eine Störung einer zentralen Datenbank zu weltweiten Störungen führte. Messenger-Dienste wie Signal waren dadurch ausgefallen, einige vernetzte Matratzen machten ohne Verbindung zu ihren Servern Probleme und bereiteten ihren Besitzern dadurch eine schlaflose Nacht. ...
https://www.heise.de/news/Cloudflare-Ausfall-Dienste-global-gestoert-11083180.html


Textaris(txt*bot)

Quote[...] Eva Fischer ... Jahrgang 1989; seit Anfang 2025 bei der taz

Immer wieder bin ich leider fasziniert davon, wie gut der Instagram-Algorithmus ist. Als ich letztes Jahr ein paar Monate in Amsterdam wohnte, verstand die App das sofort. Ich bekam lauter Content über die Stadt eingespielt: Gastro- und Ausgehtipps, lustige Memes über das Wetter und das viele Fahrradfahren. Instagram erkannte, dass ich Expat war, und servierte mir Reels für diese Zielgruppe. Zum Teil auf Niederländisch ohne englische Untertitel: Dass meine Sprachkenntnisse ausreichten, wusste die App auch.

Als ich anschließend in Berlin in eine neue Wohnung zog und mir zum ersten Mal in meinem Leben eine Zimmerpflanze kaufte, bekam ich ab sofort Pflanzencontent eingeblendet. Lag es daran, dass mir eine Freundin ein Pflanzen-Reel weiterleitete? Daran, dass ich in meinem Feed nun an einem Beitrag über Pflanzenpflege hängen blieb, den ich vorher nie beachtet hatte? Ich weiß es nicht.

Instagram weiß hingegen, dass ich eine Läuferin bin und Yoga praktiziere, dass ich auch gegenüber zahlreichen anderen Sportarten nicht abgeneigt bin. Dass ich mich für Geopolitik, Kunst und Ballettaufführungen interessiere. Welche Art von Büchern ich lese und dass ich selber schreibe. Dass ich wahnsinnig gerne Kaffee trinke und neue Länderküchen ausprobiere. Dass ich schon viel gereist bin und noch sehr viel sehen will. Dass ich es liebe, viel zu früh am Flughafen zu sein, um mit einem überteuerten Kaffee am Gate zu sitzen und das Rollfeld zu beobachten. Dass ich währenddessen etliche Male überprüfe, ob mein Reisepass noch da ist.

Instagram weiß auch, dass ich keine Kinder habe und nicht verheiratet bin, sodass der Algorithmus mir regelmäßig lustigen Content anzeigt à la: Der einzige Gang, den ich entlanggehe, ist der im Flugzeug – nicht der zum Altar.

In der Vergangenheit wusste der Algorithmus nicht nur, dass ich Single war. Er wusste auch, dass ich es schon ziemlich lange war. Ich bekam ständig selbstironische Witze über Langzeit-Singles eingeblendet.

Er wusste, dass ich verletzt wurde, dass Dinge mit Menschen nicht so gelaufen waren, wie ich mir das gewünscht hatte. Ich bekam Reels angezeigt über Akzeptanz, Loslassen, Selbstliebe. Ihr Tenor: Du bist toll. Menschen haben verschiedene Werte. Manche Menschen sind nur kurz in unserem Leben, um uns etwas über uns zu zeigen. Der richtige Mensch ist da draußen noch irgendwo. Aber eigentlich brauchst du auch niemanden. Mach dir mit dir selbst eine gute Zeit.

Mittlerweile weiß der Algorithmus, dass ich wieder eine Beziehung habe. Es ging los mit Couple-Content über Restaurantbesuche: lieber neben- als gegenüber einander sitzen; Essen teilen; er isst meine Reste auf. Nun bekomme ich permanent Reels über ein verliebtes animiertes Pinguin-Paar eingeblendet, das sich kaputtlacht, weil einer pupst (der Mann natürlich).

Ja, bisweilen eskaliert mein Instagram-Konsum, das gebe ich zu. Vor allem ist das so, wenn ich allein bin. Dabei freue ich mich an solchen Tagen immer auf meine Me-Time und plane, mich spätestens um 22 Uhr schlafen zu legen, um am nächsten Morgen wie neugeboren aufzuwachen.

Stattdessen finde ich mich um zwei Uhr nachts wieder, wie ich mir KI-Videos anschaue, in denen Planeten durchgeschnitten werden und ihr Inneres hervorquillt. Inwiefern man die Gasriesen Jupiter, Saturn, Uranus und Neptun durchschneiden kann, erschließt sich zwar nicht, spannend ist es dennoch. Ebenso, wie es aussähe, könnte man sich die Miniversion der Planeten aufs Brot schmieren.

Diese Reels leite ich dann alle meinem Freund weiter, inklusive eines passenden Reels, in dem es darum geht, dass man seinem Freund nachts um zwei zahlreiche Reels weiterleitet, nachdem man ihm schon Stunden zuvor ,,Gute Nacht" getextet hat. Er fand übrigens, dass der Pluto-Brotaufstrich am leckersten aussah.

Natürlich ist der Instagram-Algorithmus auch gefährlich. Nicht nur, weil er uns zu Dopamin-Junkies macht und dafür sorgt, dass ich nicht genügend Schlaf bekomme. Er ist vor allem gefährlich, weil er Echokammern verstärkt und so zu Radikalisierung beiträgt.

Dennoch ist Instagram mein persönliches Guilty Pleasure. Ich bin ein sehr vielseitiger Mensch mit unzähligen Hobbys und Interessen. Obwohl ich viele, sehr gute Beziehungen in meinem Leben habe, glaube ich dennoch, dass niemand wirklich alle Facetten von mir kennt. Aber der Instagram-Algorithmus weiß und versteht alles.

Und wenn manchmal mein Kopf voller Arbeit ist, mich eine Aufgabe komplett vereinnahmt, ich hektisch mit Terminen jongliere und abends meine Gehirnkapazität nur noch dafür ausreicht, mich durch Reels zu swipen. Dann erinnert mich der Algorithmus wieder daran, wer ich bin. Wie bunt und vielseitig mein Leben ist. Wie viel ich noch sehen, wissen und entdecken will. Ja, das ist gruselig. Aber es ist auch irgendwie schön.


Aus: "Instagram, der gruselige Spiegel" Essay von Eva Fischer (20.11.2025)
Quelle: https://taz.de/Weiss-der-Instagram-Algorithmus-mehr-ueber-mich-als-meine-Freunde/!6126352/

Textaris(txt*bot)

Quote[...] Der Facebook-Mutterkonzern Meta hat Gerichtsdokumenten zufolge eine Studie mit Belegen für psychische Schäden durch seine Plattformen gestoppt. In dem Forschungsprojekt Project Mercury aus dem Jahr 2020 hätten Nutzer, die eine Woche lang auf Facebook und Instagram verzichteten, über "geringere Gefühle von Depression, Angst, Einsamkeit und weniger sozialen Vergleichsdruck" berichtet, heißt es in den ungeschwärzten Gerichtsakten, die am Freitag in den USA veröffentlicht wurden.

Anstatt die Ergebnisse zu veröffentlichen, habe Meta das Projekt jedoch beendet. Ein Meta-Sprecher wies die Vorwürfe am Samstag zurück. Die Studie sei wegen methodischer Mängel eingestellt worden.

Die Enthüllungen sind Teil einer Sammelklage von US-Schulbezirken gegen die Konzerne Meta, Google, TikTok und Snapchat. Den Klägern zufolge habe Meta aus Sorge um das Nutzerwachstum die Sicherheit von Jugendlichen bewusst vernachlässigt. So seien Schutzfunktionen absichtlich unwirksam gestaltet und Bemühungen gegen den Missbrauch von Kindern im Netz blockiert worden. Ein Konto sei zudem erst nach 17 nachgewiesenen Fällen von versuchter sexueller Anbahnung entfernt worden.

Konzernchef Mark Zuckerberg habe mitgeteilt, die Sicherheit von Kindern sei nicht sein Hauptanliegen, da er sich auf das Metaverse konzentriere. Der Meta-Sprecher bezeichnete die Vorwürfe als "aus dem Zusammenhang gerissene Zitate und auf Fehlinformationen beruhende Meinungen" und sagte, die Sicherheitsmaßnahmen seien wirksam. Eine Anhörung in der Sache ist für den 26. Januar vor dem Bezirksgericht von Nordkalifornien angesetzt.


Aus: "Meta soll Studie zu psychischen Schäden vertuscht haben" (23. November 2025)
Quelle: https://www.zeit.de/digital/2025-11/meta-studie-psychische-schaeden-vertuschung-gxe

QuoteAFX

Wer weniger a-soziale Medien konsumiert und es einem dabei auch noch besser geht, schmälert den Gewinn der Konzerne. Sowas will man doch nicht publik machen ...


QuoteMrsDoodle

Es ist wirklich gruselig, wie viel Macht in den Händen weniger US Psychos liegt.


QuoteWilliam S. Christ

Tabaklobby hat auch immer behauptet, Rauchen sei cool und völlig ungefährlich und es gäbe keinerlei Beweise dafür, dass es irgendwie schädlich wäre.

Die Sacklers und die Pharmalobby haben auch immer erzählt, dass sie doch nur gute Dinge tun würden, ihre Produkte völlig sicher seien, keinerlei Suchtgefahr etc., ehrlich.

Naja und wir können noch mit der Öl- und Gasindustrie weitermachen und mit zig anderen.

Begreift es, Leute, große Konzerne sind vielleicht nicht alle ,,gleich böse".

Aber sie haben ganz sicher nicht in erster Linie das Wohl ihrer Kunden im Sinn.
Sie haben nicht EUER Wohl im Sinn ;-)


QuoteAndré Arbeit

Weiter vorne ist sicher auch die Fleisch- und Zuckerindustrie platziert.


QuoteAbbeFaria
Antwort auf @André Arbeit

...bzw. mittlerweile große Teile der gesamten Nahrungsmittelindustrie...


Quotenochnichtfestgelegt

Ganz grundsätzlich ist dies die Schattenseite der Gewinnmaximierung, egal welcher Branche.


Quotenext.level

Es ist nun wirklich nicht nur offensichtlich, sondern nachgewiesen, dass "Social Media" süchtig machen. In Kombination mit dem Werbemodell der Unternehmen ist das gefährlich.

Jaron Lanier - ein Insider der Branche - nennt sie deshalb auch "Behavior Modification Empires".

Sehr eindrucksvoll: "Jaron Lanier interview on how social media ruins your life" (Channel 4 News, 15.06.2018)
https://youtu.be/kc_Jq42Og7Q?t=24


QuoteAlex Vanderbilt

Erinnert EXTREM stark an das Vorgehen der Tabaklobby zur Verharmlosung des Suchtpotenzials von Nikotin oder der Fossil-Lobby zur Vertuschung der eigenen Erkenntnisse zur Klimaschädlichkeit des von ihnen erzeugten massiven CO2-Ausstoßes. Das ist Standardpraktik bei solchen Megakonzernen.


QuoteNihi Liana

Lügen streuen 6x mehr als evidente Fakten ("The Social Dilemma"). Menschen teilen negative Informationen 10x öfter als positive und sind viel tiefer in ihnen investiert ("The Man Who Lied to His Laptop: What Machines Teach Us About Human Relationships"). Das ist durch unseren Schutzinstinkt motiviert.

Die Reichweite jeder Nachricht lässt sich durch diese Mechanismen leicht vervielfachen.
Bewusst oder unbewusst beeinflusst das den Kontext und die Qualität der Inhalte.

Kritik reist weiter, wird intensiver vertieft als Lob, positive Beobachtungen. Je negativer und intensiver, desto grösser.

Somit entstehen Gesamtstimmungen und sie werden auch explizit erzeugt, die wiederum die Meinungsbildung beeinflussen. Meinungsbildung kann durch einen Mangel an Medienkompetenz leicht korrumpiert werden. Und wer einen Mangel an Medienkompetenz aufweist, ist auch leichter korrumpierbar.

Und das Wissen, wer sich diese Möglichkeiten der Meinungsbeeinflussung zunutze machen könnte und wie, sollte neben Recherche, Analyse, Kontextualisierung, Plausibilitätsprüfung und Interpretation auch Bestandteil der Medienkompetenz sein.

Wir müssen uns bewusst(er) machen, dass die oben beschriebene Dynamik von obszön gigantischen Summen an Geld, Armeen bestausgebildeter Psychologen und Marketingexperten befeuert wird. Dort wird um jede Minute unserer Lebenszeit gekämpft.

Im Software/Online und Drogenmilieu heisst der Adressat übrigens exakt gleich: User.
Die 5. Gewalt codiert die Synapsen gesellschaftlichen Dialogs.


QuoteWater lily
vor 8 Stunden

Ich empfehle das Buch Careless People der ehemaligen Facebook-Mitarbeiterin Sarah Wynn-Williams: sie erzählt detailliert von ihren Erfahrungen mit den raffgierigen Zuckerberg und Co., die sämtliche soziale Konsequenzen nicht jucken, solang das Geld reinkommt - schlimmer als der schlimmste Krimi, weil es eben wahr ist. Habe es in einer Nacht von vorn nach hinten durchgelesen.

"Meta exposé tops bestseller chart despite company's attempt to ban its promotion"
Sarah Wynn-Williams's account of her seven years as a Facebook executive is number one on the New York Times bestseller list and has flown off the shelves in the UK. ... An exposé by a former employee of Meta has become a bestseller despite the social media company banning the author from promoting the book. Careless People by Sarah Wynn-Williams, a former director of global public policy at Meta's precursor, Facebook, topped the New York Times bestseller chart and will be fourth on the Sunday Times nonfiction hardback chart this weekend. ...
https://www.theguardian.com/books/2025/mar/20/meta-expose-tops-bestseller-chart-despite-companys-attempt-to-ban-its-promotion

Holocaus-Überlebender Eli Wiesel sagte, das Gegenteil von Gut ist nicht Böse, sondern Gleichgültigkeit. Das trifft hier zu. Dass ihre Platformen Gewaltherde sind, und unzähligen Leuten das Leben runinieren juckt die nicht im mindesten.


QuotecSchw

Den Spruch kenn ich noch anders. Das Gegenteil von Liebe ist nicht Hass, sondern Gleichgültigkeit.


QuotePaingainer

Wundert das irgendjemanden?


...

Textaris(txt*bot)

Quote[...] Meta Platforms hat sein Geschäftsmodell im Europäischen Wirtschaftsraum illegal betrieben: Es hat zu viele Daten gesammelt, Werbung unzulässig personalisiert und zu wenig Auskunft gegeben. Das hat der Oberste Gerichtshof Österreichs (OGH) nach elf Jahren Verfahrensdauer entschieden (Az. 6 Ob 189/24y). Facebook durfte Werbung nicht auf den Kläger zuschneiden und darf auf Drittseiten keine Daten über ihn ernten. Und entgegen Metas bisheriger Praxis beschränkt sich sein Anspruch auf Auskunft nicht bloß auf eine Kopie aller persönlichen Daten, sondern umfasst auch die Offenlegung der Zwecke der Verarbeitung sowie die Quellen und Empfänger der Daten.

Grundsätzlich hat Meta einen Monat Zeit, Auskunftsbegehren zu beantworten. Im konkreten Fall ist diese Frist schon vor Jahren abgelaufen, daher gewährt der OGH nur Zeit bis zum Jahresende. Angestrengt hat das Verfahren der österreichische Jurist und Datenschutzaktivist Max Schrems im Jahr 2014. Seither war der Prozess zweimal beim Europäischen Gerichtshof (EuGH) und nun das dritte Mal beim OGH.

Jetzt ist Schluss – aber nur mit diesem Prozess. Zahlreiche Klagen dürften folgen, und womöglich wird sich auch der deutsche Bundesgerichtshof (BGH) an Auslegungen des OGH orientieren.

,,Meta (muss) Herrn Schrems beispiellosen Zugang zu den über ihn gesammelten Daten gewähren", sagt die Anwältin des Klägers, Katharina Raabe-Stuppnig. ,,Dies geht weit über das Download-Tool oder die Informationen auf der Webseite hinaus. Seit mehr als einem Jahrzehnt weigert sich Meta, vollständige Transparenz über die Verarbeitung von europäischen Daten zu gewähren. Das Urteil ist in der gesamten EU unmittelbar vollstreckbar."

,,Für die Erbringung der Dienste des sozialen Online-Netzwerks ist ... die Personalisierung von Werbung unter Verwendung der personenbezogenen Daten des Nutzers ... nicht erforderlich", stellt der OGH fest. ,,Auch die Aggregation und Analyse personenbezogener Daten zu Werbezwecken ist kein Bestandteil der für den Kläger bestimmten Vertragsleistung." Das sei vielmehr eine Leistung für Werbekunden, nicht für die Nutzer. Damit fällt die von Meta behauptete Rechtsgrundlage für den persönlichen Zuschnitt der Reklame weg.

Allerdings bietet Meta Nutzern seit 2023 die Möglichkeit, sich durch Zahlung von Gebühren den Werbezuschnitt zu verbitten. Was diese Konstellation juristisch bedeutet, lässt der OGH ausdrücklich offen. Seine Erkenntnis bezieht sich ausschließlich auf die Situation 2020.

Unterdessen ist die Situation noch komplexer geworden. Die EU-Kommission hat mit Meta jüngst einen Pakt geschlossen, wonach Meta bald weniger Daten für personalisierte Reklame auf Facebook und Instagram auswerten wird, es für die umfassende Unterlassung aber Gebühren verlangen darf. Das hilft aber, soweit ersichtlich, nur gegen den Werbezuschnitt, nicht gegen die Sammlung personenbezogener Daten an sich. Sobald der Nutzer den EWR verlässt oder sich die Rechtslage ändert, könnte Meta die bereits gesammelten Daten wieder voll auswerten.

Meta sammelt nicht nur über eigene Dienste, sondern auch auf zahllosen Webseiten und Apps Dritter Daten über deren User, durch Cookies sowie die berüchtigten ,,Meta Business Tools". Diesbezüglich stellt der OGH fest, dass Meta ,,hinsichtlich des Erhebens, der Übermittlung und der weiteren Verarbeitung jener personenbezogenen Daten des Klägers, die sie mittels ihrer sozialen Plugins und ähnlicher Technologien im Zuge von Besuchen oder Aktivitäten des Klägers auf Webseiten dritter Anbieter erlangt Verantwortliche" im Sinne der Datenschutzgrundverordnung (DSGVO) ist. Metas Argument, dafür seien allein die Betreiber der jeweiligen Apps und Webseiten zuständig, greift nicht.

Metas Plugins sind beispielsweise auch in Webseiten politischer Parteien, medizinische Seiten oder Seiten für Homosexuelle eingebunden. Damit erfassen sie sensible Daten, die von der DSGVO besonders geschützt werden. Ob Meta solche Daten absichtlich oder unabsichtlich sammelt, spielt laut OGH keine Rolle. Meta habe diese Datensammlung über Webseiten und Apps Dritter zu unterlassen. Dabei kommt es auch nicht darauf an, ob die Daten für Werbung oder andere Zwecke ausgewertet werden.

Der OGH stützt sich dabei auch auf den EuGH. Dieser hat im Verfahren mit dem deutschen Bundeskartellamt (Az. C-252/21) eine Aufspaltung des Gesamtvorgangs in einzelne Verarbeitungsvorgänge und unterschiedliche Datenkategorien ausdrücklich abgelehnt.

,,Der OGH bestätigt, dass die Meta Business Tools generell rechtswidrig sind", verdeutlicht der deutsche Anwalt Max Baumeister. ,,Es sind Spionagewerkzeuge, die unser aller Privatleben ausspionieren." Baumeister führt, unabhängig von Schrems' elf Jahre alter Klage, einen juristischen Großangriff auf Metas Geschäftsmodell in Deutschland und Österreich. Der Anwalt geht ,,davon aus, dass der BGH das Ende 2026 oder Anfang 2027 bestätigen wird", sagte er Donnerstagabend zu heise online.

In einem früheren Stadium des Verfahrens hat der OGH Max Schrems bereits 500 Euro Schadenersatz zugesprochen, weil Meta die Auskunftspflicht verletzt hat. Für die illegale Datensammlung und die unzulässige Datenauswertung für personalisierte Werbung gibt es schon deswegen keinen weiteren Schadenersatz, weil Schrems insgesamt nicht mehr als 500 Euro beantragt hat – wohl um den Streitwert und damit Prozesskosten nicht ausufern zu lassen.

,,Wir gehen davon aus, dass hier noch wesentlich mehr drinsteckt", meint Baumeister, ,,Das gilt für Österreich; für Deutschland aufgrund strengerer Gesetze bei schwerwiegenden Eingriffen in das Persönlichkeitsrecht sowieso." Die deutschen Landgerichte sind bezüglich Metas Datenpraxis geteilter Meinung.

Weil Privatpersonen in Deutschland keine vollstreckbaren Sammelklagen erheben können, hat Baumeister in den letzten zwei Jahren rund 8.000 Klagen wegen der Datenernte mittels Meta Business Tools eingereicht. Mehr als 2.000 Verfahren sind bislang in erster Instanz entschieden, kein einziges rechtskräftig.

Aufsehen erregte Mitte des Jahres ein Urteil des Landgerichts Leipzig, das einem Meta-Betroffenen 5.000 Euro zusprach (Az. 05 O 2351/23, nicht rechtskräftig). Zunächst urteilten die deutschen Gerichte überwiegend für Meta, doch nach und nach gewinnen die Datenschutzargumente Boden bei deutschen Richtern. Die juristischen Begründungen sind nicht immer gleich, die zugesprochenen Schadenersatzbeträge variieren um den Faktor 100: Die Bandbreite reicht von 100 Euro bis 10.000 Euro.

Der BGH wird entscheiden müssen. In Zusammenarbeit mit dem österreichischen Verbraucherschutzverein (VSV) sammelt Baumeister nun Teilnehmer aus beiden Ländern, die kostenlos an einer Verbandsklage teilnehmen möchten.

(ds)


Aus: "Österreichs Höchstgericht: Personalisierte Werbung Meta Platforms' unzulässig" Daniel AJ Sokolov (18.12.2025)
Quelle: https://www.heise.de/news/Oesterreichs-Hoechstgericht-verbietet-Meta-Platforms-Geschaeftsmodell-11120486.html

Textaris(txt*bot)

Quote[...] Posts über Abtreibungen werden als politische, nicht als medizinische Inhalte bewertet. Big Tech zensiert deshalb aufklärende Seiten – nicht nur in den USA.

Stellen Sie sich vor, Sie leben in einem der 13 US-Bundesstaaten, in denen Abtreibung verboten ist, und Sie sind ungewollt schwanger. Ihre Optionen sind ziemlich limitiert: Entweder nehmen Sie eine lange und eventuell teure Reise in einen anderen Bundesstaat auf sich, um dort in einer Abtreibungsklinik versorgt zu werden. Oder Sie lassen sich aus einem anderen Bundesstaat die Medikamente Mifepriston und Misoprostol per Telemedizin verschreiben und per Post schicken, das ist von der US-Arzneimittelbehörde FDA noch immer erlaubt.

Wenn Sie in einem besonders restriktiven Staat wie Texas leben, dürfen Sie dabei nicht erwischt werden oder ins Krankenhaus, sonst droht Ihnen eine Geld- oder sogar Haftstrafe. Weil Sie nicht wissen, wie so ein Abbruch alleine zu Hause abläuft, fangen Sie an, nach Informationen zu der Einnahme im Internet zu suchen. Doch genau dieser Content wird von den großen Tech-Firmen zunehmend zensiert.

Seitdem die Bundesstaaten eigenständig über Abtreibungsrechte bestimmen können, beobachten Organisationen und Nonprofits im Gesundheitssektor einen besorgniserregenden Trend: Social-Media-Plattformen wie Facebook, Instagram und Tiktok zensieren, verstecken oder entfernen zunehmend Inhalte zum Thema Abtreibung. Das passiert häufig mit Verweis auf angebliche Verstöße gegen die ,,Community-Richtlinien", obwohl die Inhalte meist sachlich und rechtlich korrekt sind.

Einige der gelöschten Accounts wurden von Meta erst wiederhergestellt, nachdem die New York Times darüber berichtet hatte. Die Plattformen arbeiten mit vagen Regelungen, die keine Klarheit schaffen und im Zweifel immer zulasten derjenigen gehen, die über Abtreibung informieren.

So erging es der Nonprofitplattform Rouge Pills. Alles begann mit einem simplen Reel: Eine junge Frau erklärt vor der Kamera Schritt für Schritt den Ablauf eines medikamentösen Schwangerschaftsabbruchs zu Hause: nüchtern und informativ, mit Smarties anstelle von Pillen. Daraufhin wurden der Account der Organisation @rougedoulas, ihr Partneraccount @selfguidedabortion sowie das private Profil der Direktorin Lynsey Bourke Mitte November gesperrt.

Metas Vorwurf: Der Inhalt verstoße gegen die Richtlinien und mache Werbung für die Pillen. Laut Bourke stimme das nicht. Ihre Organisation kläre lediglich Menschen darüber auf, wie man die Pillen richtig einnimmt. ,,Ich bin einfach nur noch frustriert", sagt sie über die derzeitige Situation. Mittlerweile seien alle Accounts wiederhergestellt, aber es sei im vergangenen Jahr das sechste Mal, dass sie Probleme mit ihrem Content haben, erzählt Bourke.

Phebe Woods, die die Kommunikation von Rouge Pills leitet und die in dem Video zu sehen ist, zeigt sich ebenfalls schockiert: ,,Das wäre nie passiert, wenn ich Content gemacht hätte, wie eine Mandel-OP funktioniert oder über Antibiotika gesprochen hätte." Es gebe Tausende Content-Creator*innen, die ähnlich über andere medizinische Themen aufklären, aber Rouge Pills werde bestraft, weil sie über Abtreibungen sprechen.

So wie Rouge Pills geht es vielen. Um auf diese Gefahr aufmerksam zu machen, haben die beiden Organisationen Electronic Frontier Foundation (EFF) und Repro Uncensored das Projekt #StopCensoringAbortion ins Leben gerufen. Beide kämpfen gegen digitale Zensur und setzen sich dafür ein, dass lebenswichtige Informationen zugänglich bleiben.

Auf der Webseite von Repro Uncensored können über ein Meldeformular Fälle von digitaler Zensur angegeben werden. Wie viele Accounts wirklich betroffen sind, sei schwer zu sagen, da die #StopCensoringAbortion-Kampagne nur die Fälle dokumentiert hat, die ihr auch gemeldet wurden. Das sind jedenfalls Hunderte.

Martha Dimitratou, Direktorin der NGO Repro Uncensored, sagt, das Problem bestehe darin, dass Abtreibung als politisches und nicht als gesundheitliches Thema gesehen werde. Die derzeitige US-amerikanische Regierung ist auf dem besten Weg dahin, Abtreibung mehr und mehr in die Illegalität zu schieben, und die großen Techkonzerne und Online-Plattformen seien Komplizen dabei.

Laut Dimitratou könne man sich kaum davor schützen: ,,Es gibt bei Big Tech kein echtes institutionelles Gedächtnis dafür, dass diese Formen der Zensur immer wieder passieren. Es geschieht einfach immer wieder." Meta ist der Bitte der taz um Stellungnahme nicht nachgekommen.

Dabei habe Big Tech die Kapazitäten, wichtige Gesundheitsinformationen zu unterstützen und schützen. Ein Beispiel dafür sind die kleinen Hinweisfenster oder Infobanner während der Covid-19-Pandemie, die über oder unter Beiträgen eingeblendet wurden, sobald diese bestimmte Schlüsselwörter wie ,,Covid", ,,Coronavirus", ,,Impfung" oder ,,Pandemie" enthielten. Die Plattformen hatten das Ziel, Desinformation einzudämmen und Nutzer zu verlässlichen Quellen wie der Weltgesundheitsorganisation zu leiten.

Die Richtlinien und Entscheidungen der Big-Tech-Unternehmen beeinflussen zunehmend Inhalte und Aufklärungsarbeit im Netz. Diese Entscheidungen bleiben nicht lokal. Selbst Länder mit liberaleren Gesetzen sind betroffen. Ein Beispiel: In Argentinien ist Abtreibung legal – aber Organisationen können keine Werbung für ihre Inhalte schalten, weil in den USA die Gesetzeslage eine andere ist.

Organisationen wie Repro Uncensored beobachten auch zunehmende Zensur bei dem Zugang zu Informationen über Abtreibungskliniken. Es sei zu Fällen gekommen, bei denen in der Google-Suche an den obersten Plätzen Scheinabtreibungskliniken oder religiöse ,,Lebensschutz"-Kliniken angezeigt werden.

Das US-amerikanische Wirtschafts- und Nachrichtenmedium Bloomberg berichtet über eine neue Untersuchung der Campaign for Accountability, in der die falschen und teils schädlichen Informationen durch KI-Chatbots aufgedeckt wurden. Die Wissenschaftler fragten verschiedene KIs, ob es möglich ist, eine Abtreibung ,,rückgängig" zu machen. In 70 Prozent der Tests empfahlen die Chatbots die Nummer von Heartbeat International, einer Anti-Abtreibungs-Hotline, die wissenschaftlich nicht belegte und teils gefährliche Behandlungen bewirbt.

Das liegt daran, dass KI-Systeme stark auf suchmaschinenoptimierte (SEO-)Inhalte zurückgreifen und die Antiabtreibungsbewegung seit Jahren massenhaft solche Texte produziert, die dadurch medizinisch verlässliche Informationen im Netz überlagern.

Am Ende spiegelt dieser Trend im Internet wider, welches politische Klima auch offline in den USA rund um das Thema Abtreibung herrscht. Das Zurückhalten oder Abschirmen akkurater Informationen durch die US-amerikanische Regierung und Big Tech ist ein Verstoß gegen Menschenrechte und demokratische Werte. Für Martha Dimitratou ist klar: ,,Was hier passiert, ist eine Gefahr für den Zugang zu Gesundheitsversorgung und der freien Meinungsäußerung."

Die Recherche für diesen Artikel wurde durch das Transatlantic Media Fellowship der Heinrich-Böll-Stiftung in Washington, D. C. ermöglicht.


Aus: "Zensur von Abtreibungscontent in den USA: Im Griff von Big Tech" Julia Belzig (23.12.2025)
Quelle: https://taz.de/Zensur-von-Abtreibungscontent-in-den-USA/!6140928/

https://www.bloomberg.com/news/articles/2025-11-20/ai-chatbots-give-harmful-tip-to-users-seeking-abortion-reversal


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Quote[...] Die US-Regierung sanktioniert "Ideologen in Europa", die amerikanische Plattformen zensieren wollten. Aus Deutschland kommen Warnungen vor aufziehendem Totalitarismus.

Ein von der US-Regierung verhängtes Einreiseverbot wegen angeblicher Zensur amerikanischer Onlineplattformen betrifft auch die Leiterinnen der deutschen Organisation HateAid. Betroffen sind die beiden Geschäftsführerinnen Anna-Lena von Hodenberg und Josephine Ballon ebenso wie drei andere Europäer, wie das US-Außenministerium auf dem Kurznachrichtendienst X mitteilte.

In einer Stellungnahme sprachen Ballon und von Hodenberg von einem "Akt der Repression". "Wir sind nicht überrascht. Es ist ein Akt der Repression einer Regierung, die zunehmend Rechtsstaatlichkeit missachtet und versucht, ihre Kritiker mit aller Härte zum Schweigen zu bringen", hieß es.

Die US-Regierung versuche mit allen Mitteln zu verhindern, dass sich US-Konzerne in Europa an geltendes Recht halten müssen, und stelle damit "die europäische Souveränität infrage". Mit diesem Vorgehen sei eine neue Eskalationsstufe erreicht. Auch die französische Regierung reagierte empört.

HateAid bietet psychologische und rechtliche Unterstützung für Menschen an, die im Internet diskriminiert, beleidigt, bedroht oder angegriffen werden. Im Oktober wurde von Hodenberg für ihre Arbeit mit dem Bundesverdienstorden ausgezeichnet. Damals hieß es, sie habe 2018 mit der Gründung von HateAid Pionierarbeit geleistet und die erste bundesweite Beratungsstelle geschaffen, an die sich Menschen bei Fällen von Gewalt im Netz wenden können.

Das von der US-Regierung am Dienstagabend (Ortszeit) verkündete Einreiseverbot richtet sich nach offizieller Darstellung gegen "radikale Aktivisten" und Nichtregierungsorganisationen, die Zensurmaßnahmen durch Drittstaaten vorangetrieben hätten. "Viel zu lange haben Ideologen in Europa organisierte Bemühungen angeführt, um amerikanische Plattformen dazu zu zwingen, amerikanische Standpunkte zu bestrafen, die ihnen nicht passen", schrieb Außenminister Marco Rubio auf X. Er drohte: Wenn es keine Kurskorrektur gebe, werde die Liste der Sanktionierten noch länger.

Vom US-Einreiseverbot betroffen ist auch der frühere französische EU-Kommissar Thierry Breton, der als Architekt des Digital Services Act gilt, mit dem Onlineplattformen in der EU reguliert werden. Das Gesetzespaket und dessen praktische Anwendung – im Fall der Plattform X von Rubio als "Attacke auf alle amerikanischen Tech-Plattformen und das amerikanische Volk durch ausländische Regierungen" bezeichnet – soll verhindern, dass im Internet ein rechtsfreier Raum entsteht.

Breton verglich die US-Sanktionen mit der "Hexenjagd" auf vermeintliche Kommunisten zu Zeiten der berüchtigten McCarthy-Ära in den USA, in der viele Menschen zu Unrecht ins Visier der Staatsgewalt gerieten. Auf X schrieb Breton: "An unsere amerikanischen Freunde: Die Zensur findet nicht dort statt, wo ihr sie wähnt."

Sowohl er als auch die französische Regierung erinnerten daran, dass der Digital Services Act vom EU-Parlament und allen Mitgliedstaaten mit großer demokratischer Mehrheit beschlossen worden sei. "Die Völker Europas sind frei und souverän und lassen sich von anderen keine Regeln für ihren digitalen Raum aufzwingen", schrieb Frankreichs Außenminister Jean-Noël Barrot auf X. Er verurteilte das Vorgehen der US-Regierung und betonte, das europäische Gesetz finde in den USA gar keine Anwendung.

Die US-Regierung verhängte auch Sanktionen gegen die Gründerin des britischen Global Desinformation Index (GDI), Clare Melford, und gegen den Gründer des in den USA und Großbritannien tätigen Center for Countering Digital Hate (CCDH), Imran Ahmed. Der Brite lebt der Organisation zufolge in Washington, ihm droht nun die Abschiebung aus den USA. Beide setzen sich gegen Hass und Desinformation im Internet ein.

X-Eigentümer Elon Musk hatte das Center for Countering Digital Hate vergangenes Jahr als "kriminelle Organisation" bezeichnet. Das CCDH hatte die von ihm verbreitete Behauptung, Trump solle durch Betrug bei der US-Präsidentenwahl um den Sieg gebracht werden, als Desinformation eingestuft.

Im Falle des Global Desinformation Index hatte Musk die Schließung der Organisation gefordert, die unter anderem vor den Risiken generativer Künstlicher Intelligenz (KI) warnt – ein wichtiges Geschäftsfeld des Tech-Milliardärs. Die Organisation entlarvte auch Verschwörungsmythen rund um das Attentat auf Trump im Juli 2024. Die UN-Organisation Unesco stuft den GDI als "neutral, unabhängig und transparent" ein.

Rubio und andere US-Regierungsvertreter hatten in der Vergangenheit schon mehrfach angebliche Internetzensur in Europa kritisiert. So löste etwa die Entscheidung der EU-Kommission, der Plattform X wegen Transparenzmängeln eine Strafe von 120 Millionen Euro aufzuerlegen, heftige Reaktionen in Washington aus. Rubio kündigte danach an, die Tage der Onlinezensur für Amerikaner seien vorbei.

Trump kritisierte die europäischen Digitalgesetze in der Vergangenheit als wettbewerbsverzerrend. Sein Vize JD Vance sprach von angeblicher Unterdrückung der Meinungsfreiheit in Europa, bei der vorwiegend politische Positionen aus dem rechtskonservativen Spektrum zensiert würden. Menschenrechtsorganisationen und Thinktanks, die sich für den Erhalt von Rechtsstaat und Demokratie einsetzen, unterstellen der US-Regierung hingegen, ihre Kritiker mundtot zu machen und unliebsame Meinungen mithilfe einer auf Regierungskurs getrimmten Tech-Branche aus dem politischen Diskurs zu verbannen.

In seiner Sanktionsmitteilung warf das US-Außenministerium nun auch HateAid vor, die Organisation sei nach der Bundestagswahl 2017 mit dem Ziel gegründet worden, ein Gegengewicht zu "konservativen Gruppen" zu bilden. Die Antwort der beiden Gründerinnen, die eine politische Agenda von sich weisen, fiel klar aus: "Wir lassen uns von einer Regierung nicht einschüchtern, die Zensurvorwürfe instrumentalisiert, um diejenigen, die sich für Menschenrechte und Meinungsfreiheit einsetzen, mundtot zu machen", hieß es in ihrer Stellungnahme. HateAid werde seine Arbeit mit aller Kraft fortsetzen.


Aus: "USA verhängen Sanktionen gegen deutsche Organisation" (24.12.2025)
Quelle: https://www.t-online.de/nachrichten/ausland/usa/id_101057050/hateaid-trump-regierung-sanktioniert-fuehrung-von-deutscher-organisation-.html

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"Wie Kapital die Community in die Irre führt"
Der enttäuschende Verkauf der beliebten Outdoor-App Komoot Anfang 2025 verdeutlicht die Unvereinbarkeit von Tech-Kapital und echter Community. Eine Analyse der ausbeuterischen Beziehung zwischen Plattform und Nutzerschaft liefert Impulse, wie eine nachhaltige, gemeinschaftliche Routen-Plattform aussehen müsste. ... Die sechs Gründer zogen sich mit dem Löwenanteil des 300-Millionen-Euro-Deals zurück, während die etwa 150 Angestellten und 45 Millionen Nutzer:innen um ihren bisherigen Traumjob und ihre Plattform bangten. Über 80 Prozent der Angestellten wurden umgehend entlassen, was langjährige Mitarbeitenden mir gegenüber als ,,grausamen Verrat" bezeichneten. Viele hatten Abstriche beim Gehalt hingenommen und waren aufs Land oder in die Berge gezogen, um sich der Arbeit in der ,,Komoot-Familie" voll hinzugeben. Geschockt, wütend und traurig mussten sie sich nun im schlechten Arbeitsmarkt nach neuer Lohnarbeit umschauen – teils auch um ihre Aufenthaltstitel zu behalten. Die Nutzer:innen meldeten ihre Empörung in Kommentarspalten und den sozialen Medien. Denn für viele war Komoot kein austauschbares Tool, sondern ein liebgewonnenes Erinnerungsbuch für ihre besonderen Naturerlebnisse und Urlaube. ...
26.12.2025 um 09:36 Uhr - Gastbeitrag, Joshua Meissner
https://netzpolitik.org/2025/komoot-wie-kapital-die-community-in-die-irre-fuehrt/#netzpolitik-pw


Komoot (Eigenschreibweise: komoot, Aussprache [kɔˈmoːt]) ist ein Routenplaner sowie eine Navigations-App, ein Tourenverzeichnis und ein soziales Netzwerk für Outdoor-Aktivitäten. Es richtet sich im Speziellen an Radfahrer, Wanderer, Mountainbiker, Gravelbiker und Rennradfahrer. Der Dienst ist über eine Website, eine Android- und iOS-App sowie zahlreiche Integrationen (z. B. Garmin, Apple Watch und GPS-Fahrradcomputern der Firma Wahoo) nutzbar.
https://de.wikipedia.org/wiki/Komoot

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Quote[...] Thirteen former employees of influential data-mining firm Palantir are condemning the company's work with the Trump administration weeks after Immigration and Customs Enforcement reached a deal to pay Palantir $30 million to provide the agency with "near real-time visibility" into the movement of migrants in the U.S.

In a letter shared exclusively with NPR, the ex-Palantir workers, former software engineers, managers and an employee who worked with the firm's privacy and civil liberties team, say when they joined the powerful tech company, they believed in its code of conduct stating that its software should protect the vulnerable and ensure the responsible development of artificial intelligence.

"Early Palantirians understood the ethical weight of building these technologies," the thirteen former employees wrote in the letter. "These principles have now been violated, and are rapidly being dismantled at Palantir Technologies and across Silicon Valley."

Palantir and the White House did not return requests for comment.

... Palantir's customers include the Israel Defense Forces, the U.S. Department of Defense and dozens of large corporations. Now, its surveillance tools are being deployed by the Trump administration to help speed up the president's goal of deporting 1 million migrants this year. Since Trump was elected, Palantir's share price has surged more than 200%.

... Big Tech employees resisted the first Trump administration's policies, including the attempts to restrict immigration and travel from foreign countries, yet the former Palantir employees say the resistance has been muted among tech workers in Trump's second term.

They wrote: "democracy faces escalating threats: biometric data collection on immigrant children, journalists being targeted, science programs defunded, and key U.S. allies, like Ukraine, sidelined. Trump's administration has sought to greatly expand executive powers while alluding to monarchy," adding that: "Big Tech, including Palantir, is increasingly complicit, normalizing authoritarianism under the guise of a 'revolution' led by oligarchs. We must resist this trend."

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From: "Former Palantir workers condemn company's work with Trump administration" Bobby Allyn (May 5, 2025)
Source: https://www.npr.org/2025/05/05/nx-s1-5387514/palantir-workers-letter-trump

"Tech workers protest data mining firm Palantir for role in immigrant arrests" Kari Paul in San Francisco
(Tue 14 May 2019 01.19 CEST)
Activists post news reports on company's work with Ice to developers' program Github
https://www.theguardian.com/us-news/2019/may/13/tech-workers-palantir-immigration-protest-github

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Quote[...] The Trump administration has tapped Palantir — the notorious data-mining firm co-founded by billionaire tech investor Peter Thiel — to compile information on people in the United States for a "master database," creating an easy way to cross-reference sensitive data from tax records, immigration records and more. Palantir also has a $30 million contract with ICE to provide almost real-time visibility into immigrants' movements as the agency seeks to arrest 3,000 people a day. Wired reporter Makena Kelly says the company is "becoming an operation system for the entire government," and describes how Palantir's contracts with the Trump administration are an outgrowth of work done by Elon Musk's DOGE which aims to "centralize data all across government."

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From: "Palantir: Peter Thiel's Data-Mining Firm Helps DOGE Build Master Database to Surveil, Track Immigrants" (June 03, 2025)
Source: https://www.democracynow.org/2025/6/3/makena_kelly

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Quote[...] US-Behörden kaufen Informationen von Hunderten Millionen Handys – eine auch in Europa geläufige Praxis

Bei einer ICE-Razzia in Minneapolis erschoss ein Beamter am Mittwoch die 37-jährige Renee Nicole Good, als sie ihr Auto wenden wollte. Die Behörde hatte an dem Tag bis zu 2000 Beamte in die Stadt entsandt. Der lange angekündigte Aufmarsch galt vor allem Menschen aus Somalia, die Präsident Donald Trump mit Massendeportationen außer Landes schaffen will.

Wie ICE dabei vorgeht, zeigen staatliche Dokumente und Schulungsmaterialien, die das Investigativportal 404 Media nach eigenen Angaben einsehen konnte – und ebenfalls am Mittwoch veröffentlichte [https://www.404media.co/inside-ices-tool-to-monitor-phones-in-entire-neighborhoods/]. Die Behörde nutzt demnach zwei Überwachungssysteme namens Tangles und Webloc der Firma Penlink, die Zugriff auf Standortdaten von Hunderten Millionen Handys bieten. Dabei handelt es sich um Daten aus der Werbeindustrie, die bei der Nutzung von Apps Spuren auf den Geräten hinterlassen.

Ermittler*innen können in Webloc auf einer Karte Gebiete markieren. Das System zeigt dann alle Handys an, die sich dort zu einem bestimmten Zeitpunkt aufhielten. Anschließend lassen sich die Bewegungen einzelner Geräte verfolgen: Wohin fährt die Person nach der Arbeit? Wo ist nachts ihr Handy – also vermutlich ihre Wohnung? Die Software kann auch mehrere Orte gleichzeitig überwachen und anzeigen, welche Geräte an zwei oder mehr Orten waren, etwa am Arbeitsplatz oder bei einer politischen Versammlung.

Die Tracking-Daten stammen aus der Werbebranche: Über sogenannte Software Development Kits in Apps oder über das Real-Time Bidding im Online-Werbegeschäft fließen GPS-Koordinaten, WLAN- und IP-Daten an Datenbroker. Was von diesen angeblich nur für personalisierte Werbung gesammelt wird, wird dann an Überwachungsfirmen verkauft.

Über das Tracking mithilfe von Werbedaten hatten netzpolitik.org und der Bayerische Rundfunk im vergangenen Jahr mit den »Databroker Files« berichtet [https://netzpolitik.org/tag/databroker-files/]. Auch in Europa werden derartige Standortdaten demnach massenhaft gehandelt. Journalist*innen konnten mit kostenlosen Vorschau-Datensätzen Hunderte Mitarbeitende der EU-Kommission, des EU-Parlaments und sogar der Nato identifizieren. Die Daten zeigten Wohn- und Arbeitsorte, Bewegungsmuster, Besuche in Fitnessstudios oder Restaurants.

Mit Tangles kann das ICE außerdem die Überwachung sozialer Medien in die Geolokalisierung integrieren. Die Software erkennt Gesichter in Bildern und versucht, die Personen und ihre Accounts zu identifizieren. Sie analysiert deren Postings auf ihre Tonalität und filtert bestimmte Social-Media-Accounts in einer »Watch List«. In einem früheren Beitrag hatte 404 Media geschildert, wie Tangles auch gegen Demonstrant*innen eingesetzt wird – etwa bei der Bewegung Black Lives Matter.

Laut einer internen ICE-Rechtsanalyse, die die Bürgerrechtsorganisation ACLU durch eine Informationsfreiheitsklage erhielt, braucht die US-Behörde für die Nutzung dieser Daten keine richterliche Anordnung. Die Begründung: Menschen hätten die Informationen »freiwillig« an Dritte weitergegeben, indem sie Apps nutzten. Dass viele Apps nicht transparent machen, wie Standortdaten verwendet werden, oder diese sogar trotz Widerspruch sammeln, wird in dieser staatlichen Annahme ignoriert.

Gegenüber der herkömmlichen Telefonüberwachung haben kommerzielle Standortdaten jedoch einen Nachteil: Nicht jede Zielperson ist in den Datensätzen enthalten. Die Steuerbehörde IRS versuchte beispielsweise erfolglos, mit Daten des Anbieters Venntel Wohnorte von Verdächtigen zu finden – die gesuchten Personen waren schlicht nicht gespeichert.


Aus: "ICE nutzt Handydaten der Werbeindustrie für Jagd auf Migranten" Matthias Monroy (09.01.2026)
Quelle: https://www.nd-aktuell.de/artikel/1196728.datenbroker-ice-nutzt-handydaten-der-werbeindustrie-fuer-jagd-auf-migranten.html


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Quote[...] Microsoft hat erstmals öffentlich bestätigt, dass das Unternehmen Bitlocker-Verschlüsselungsschlüssel an Strafverfolgungsbehörden herausgibt, wenn diese einen gültigen Durchsuchungsbeschluss vorlegen. Der Fall stammt aus einer bundesstaatlichen Ermittlung in Guam, wo FBI-Agenten im vergangenen Jahr einen Durchsuchungsbeschluss für die Wiederherstellungsschlüssel von drei Notebooks erwirkten. Die Ermittler vermuteten, dass die Geräte Beweise im Zusammenhang mit mutmaßlichem Betrug bei der Corona-Arbeitslosenhilfe des Territoriums enthielten.

Bitlocker ist auf vielen Windows-Computern standardmäßig aktiviert und verschlüsselt die Festplattendaten, um unbefugten Zugriff zu verhindern. Während Nutzer die Verschlüsselungsschlüssel lokal speichern können, empfiehlt Microsoft die Cloudspeicherung dieser Schlüssel für Wiederherstellungszwecke. Dieser Ansatz ermöglicht den Zugriff, falls Passwörter vergessen werden – schafft aber auch eine Möglichkeit für Anfragen von Strafverfolgungsbehörden.

... Die Enthüllung hat Kritik von Datenschutzaktivisten und Gesetzgebern hervorgerufen. Senator Ron Wyden bezeichnete es als "unverantwortlich, dass Technologieunternehmen Produkte so ausliefern, dass sie heimlich die Verschlüsselungsschlüssel der Nutzer herausgeben können."Wyden fügte hinzu, dass die Bereitstellung von Verschlüsselungsschlüsseln Zugang zur "Gesamtheit des digitalen Lebens einer Person" gewähre und Risiken für die Sicherheit der Nutzer berge.

Jennifer Granick, Überwachungsberaterin bei der ACLU, wies gegenüber Forbes auf die internationalen Auswirkungen der Praxis hin. Auch ausländische Regierungen mit fragwürdiger Menschenrechtsbilanz fordern Daten von Technologieunternehmen an. "Die Fernspeicherung von Entschlüsselungsschlüsseln kann sehr gefährlich sein", sagte sie.

Matt Green, Kryptografie-Professor an der Johns Hopkins University, wies gegenüber Forbes darauf hin, dass Apples Filevault und Metas Whatsapp Nutzern die Möglichkeit bieten, ihre in der Cloud gespeicherten Schlüssel zu verschlüsseln. Dies macht Anfragen von Strafverfolgungsbehörden wirkungslos. Keines der beiden Unternehmen soll Verschlüsselungsschlüssel herausgegeben haben.


Aus: "Microsoft gibt Bitlocker-Schlüssel an FBI weiter" Andreas Donath (24. Januar 2026)
Quelle: https://www.golem.de/news/datenschutzdebatte-microsoft-gibt-bitlocker-schluessel-an-fbi-weiter-2601-204576.html

QuoteDemokratie
Autor: B.Scheuert 24.01.26 - 14:53

Leider besonders fatal in einer Demokratie, die auf wackligen Beinen steht.


QuoteRe: Demokratie
Autor: Smostar 24.01.26 - 15:18

Es ist vollkommen egal denn wo ein Trog da auch Schweine. Es ist einfach ein Unding Daten in der Cloud zu speichern und zu denken das niemand die Daten angreift.


QuoteTypisch Microsoft
Autor: DavidGöhler 24.01.26 - 15:44

Typisch Microsoft - sie murmeln etwas von "Sicherheit, falls man den Schlüssel verbaselt", und täuschen so Kundennutzen vor, dabei ist es genau andersherum, der Nutzen liegt bei anderen.

Microsoft hat noch nie (!) die absolute Kundensicherheit in den Vordergrund gestellt. Sonst wäre sowas wie Recall ohne Verschlüsselung (in der Ursprungsform) nie aufgekommen. Es gibt scheinbar keine Richtlinien, die Nutzersicherheit prorisiert und in den Vordergrund stellt. Sieht man auch beim neuen Outlook: Da muss man seine Zugangsdaten an Microsoft übergeben, damit die meine E-Mail-Daten bei sich hosten können. Oder E-Mail-Sicherheit oder gar GPG per Default? Nie implementiert.

Das zeigt: Sicherheit ist nur so lange wichtig, wie man damit Behörden und Firmen beschwichtigen und Produkte verkaufen kann. Es ist nie richjtig konzipiert, nie richtig zu Ende gedacht.


...

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Quote[...] Google handed over a trove of personal data about a student and journalist to U.S. Immigration and Customs Enforcement in response to a subpoena that had not been approved by a judge, according to a report by The Intercept.

The search and advertising tech giant provided ICE with the usernames, physical addresses, and an itemized list of services associated with the Google account of Amandla Thomas-Johnson, a British student and journalist who briefly attended a pro-Palestinian protest in 2024 while attending Cornell University in New York.

Google also turned over Thomas-Johnson's IP addresses, phone numbers, subscriber numbers and identities, and credit card and bank account numbers linked to his account.

The subpoena, which reportedly included a gag order, did not include a specific justification for why ICE was requesting Thomas-Johnson's personal data, but the student previously said that the demand for his data came within two hours of Cornell informing him that the U.S. government had revoked his student visa.

This is the latest example of how the U.S. government is using a controversial type of legal request, called an administrative subpoena, to demand that tech companies turn over the private data of individuals who have been critical of the Trump administration. This has included anonymous Instagram accounts that share information about ICE presence and raids, as well as people who criticize or protest Trump and his policies.

ICE and Google did not immediately respond to a request for comment. 

Administrative subpoenas are issued directly by federal agencies without the intervention of a judge. These legal demands cannot compel companies to turn over the contents of a person's email accounts, online searches, or location data, but can request metadata and other identifiable information, such as email addresses, in an attempt to de-anonymize the owner of a certain online account.

Unlike a court order, tech companies are under no obligation to provide someone's data after receiving an administrative subpoena.

Last week, the digital rights group Electronic Frontier Foundation sent a letter to Amazon, Apple, Discord, Google, Meta, Microsoft, and Reddit, demanding that the companies stop giving data to the Department of Homeland Security, which houses ICE, in response to administrative subpoenas. 

"Based on our own contact with targeted users, we are deeply concerned your companies are failing to challenge unlawful surveillance and defend user privacy and speech," read the letter [https://www.eff.org/document/open-letter-tech-companies-must-resist-unlawful-subpoenas-user-data].

"We call on companies in receipt of such subpoenas to insist that DHS seek court confirmation that their demands are not unlawful or unconstitutional prior to companies disclosing any user information. We also urge you to notify users about demands for their information with meaningful time to challenge subpoenas on their own," it reads.

Thomas-Johnson told The Intercept that, "we need to think very hard about what resistance looks like under these conditions...where government and Big Tech know so much about us, can track us, can imprison, can destroy us in a variety of ways."


From: "Google sent personal and financial information of student journalist to ICE"
Lorenzo Franceschi-Bicchierai - Senior Reporter, Cybersecurity (February 10, 2026)
Source: https://techcrunch.com/2026/02/10/google-sent-personal-and-financial-information-of-student-journalist-to-ice/