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Author Topic: [Das Schweigen... ]  (Read 4255 times)

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Textaris(txt*bot)

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[Das Schweigen... ]
« on: December 07, 2010, 11:33:33 AM »

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... Schweigen ist eine Form der nonverbalen Kommunikation ... Schweigen kann speziell das Verweigern einer Antwort auf eine Frage oder generell eines Dialoges zum Ausdruck bringen. Das gilt insbesondere für ein eisiges Schweigen in Konflikten oder ein langwieriges Schweigen in Partnerschaftskonflikten. Bisweilen wird im Konfliktfall ein einseitiges Schweigen als Strafe eingesetzt.

... Eine Person kann durch ein Gerichtsurteil zum Schweigen verurteilt werden. Noch heute ist es zum Beispiel in der römisch-katholischen Kirche üblich, einen Priester zu einem zeitlich befristeten Bußschweigen zu verurteilen.

... Im Altertum und Mittelalter gab es eine Bestrafung, einem Boten oder Dienern die Zunge herauszuschneiden, um sie zum Schweigen zu bringen, das Reden zu verhindern. Auch die Todesstrafe wurde angewendet, um Gegner „zum Schweigen zu bringen".

...


Quelle: http://de.wikipedia.org/wiki/Schweigen (26. November 2010)


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Textaris(txt*bot)

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[Silenced by a brutal past... ]
« Reply #1 on: December 07, 2010, 11:35:24 AM »

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[...] Older people just do not talk about the past and their mantra to the young is that staying silent is always a solution if there is a problem.

What used to be a survival strategy for them as children, in a time of unimaginable brutality, has become almost a national characteristic a generation or two on.

...


From: "Cambodia: Silenced by a brutal past" (4 December 2010)
Source: http://news.bbc.co.uk/2/hi/programmes/from_our_own_correspondent/9251334.stm

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Textaris(txt*bot)

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[Das Schweigen... ]
« Reply #2 on: July 14, 2016, 03:11:20 PM »

Quote
[...] Joachim Scholl: Das Zentralmotiv seines Schreibens sei das Schweigen in seiner Familie über die Ereignisse auf der Flucht aus den früheren Ostgebieten gewesen, erzählte Treichel. So handele der Roman "Der Verlorene" vom Verlust seines älteren Bruders auf der Flucht aus den ehemaligen Ostgebieten im Januar 1945. Seine Eltern hätten das Kind später immer wieder gesucht, aber sie hätten nie darüber gesprochen ...

Hans-Ulrich Treichel: "Diese Suche hat hinter dem Rücken ihrer späteren Kinder stattgefunden. Und ich habe erst in den neunziger Jahren davon erfahren."

Joachim Scholl: "Es gibt Dinge, die verschweigt man sogar den Toten", so heißt es an einer Stelle des Buches "Tagesanbruch". Es gab auf dieser Flucht einen weiteren schrecklichen Vorfall – von dem die Mutter des Buches ihrem toten Sohn nichts berichtet.

Hans-Ulrich Treichel: "Das ist das eigentlich traumatisierende Ereignis, von dem ich auch erst sehr viel später erfahren habe. Das ist noch gar nicht lange her. Meine Eltern wurden aus dem Treck herausgenommen. Es kam zu einer Mehrfach-Vergewaltigung meiner Mutter im Beisein meines Vaters. Und dann gab es das Kommando, meine Eltern zu erschießen. Sie sind dann in einen Wald geführt worden. Und dann gab es den Mann, der diese Exekution durchführen sollte – er wurde später in der Familie immer wieder 'Der gute Russe' genannt -, und dieser Soldat hat dann in die Luft geschossen und meine Eltern entkommen lassen."

Joachim Scholl: Von diesen Geschehnissen habe er erst vor fünf Jahren bei einem Familientreffen erfahren, sagte Treichel. Er könne das Schweigen der Eltern durchaus nachvollziehen ...

Hans-Ulrich Treichel: "Doch man kann sich fragen: Wie lange kann so ein Nicht-Erzählen eigentlich aufrecht erhalten werden? In diesem Fall war es ein Leben lang. Doch ich habe dafür auch Verständnis. In der Erzählung 'Tagesanbruch' gibt es allerdings noch eine zweite Stufe des Schweigens: nämlich das Verschweigen vor sich selbst."

...

Hans-Ulrich Treichel: Tagesanbruch
Suhrkamp Verlag, Berlin 2016
88 Seiten, 17,95 Euro



Aus: "Hans-Ulrich Treichel: "Tagesanbruch"Verheerendes Schweigen in Nachkriegsfamilien"
Hans-Ulrich Treichel im Gespräch mit Joachim Scholl (14.07.2016)
Quelle: http://www.deutschlandradiokultur.de/hans-ulrich-treichel-tagesanbruch-verheerendes-schweigen-in.1270.de.html?dram:article_id=360088

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Quote
[...] Maurice Brenninkmeijer, Oberhaupt des verschwiegenen C&A-Clans, eine der reichsten Unternehmer-Familien in Europa, hat sich erstmals öffentlich zur Geschichte seiner Familie im Dritten Reich geäußert. Die neuen Erkenntnisse, die nun wissenschaftlich aufgearbeitet wurden, seien "verstörend und geradezu schockierend für meine Familie", sagte Brenninkmeijer der ZEIT .

Die Familie habe ihre Geschichte im Dritten Reich von dem Historiker Mark Spoerer, Professor an der Universität Regensburg, wissenschaftlich aufarbeiten lassen. Die Dokumentation erscheint dieser Tage als Buch.

... Auslöser für die Untersuchung der Familiengeschichte sei die Ausstellung "100 Jahre C&A in Deutschland" im Jahr 2011 gewesen. Damals seien Informationen aufgetaucht, "die unsere Familie in der NS-Zeit in einem anderen Licht erscheinen ließen, als wir es zuvor wahrgenommen hatten. Also wollten wir sichergehen, dass wir unsere Familiengeschichte wirklich kennen", sagte Maurice Brenninkmeijer.

...


Aus: "C&A: "Verstörend und schockierend für meine Familie"" (13. Juli 2016)
Quelle: http://www.zeit.de/wirtschaft/unternehmen/2016-07/c-und-a-maurice-brenninkmeijer-ns-vergangenheit?page=5#comments

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Quote
[...] Gabriele Quandt: Wir haben erkannt, dass es falsch war, nicht ganz genau wissen zu wollen, was damals geschehen ist.

... ZEIT: In dem Film bekamen die Opfer der Zwangsarbeit ein Gesicht und konnten über ihr Leid sprechen. Wie hat das auf Sie gewirkt?

Stefan Quandt: Das war sehr schmerzhaft zu sehen und zu hören.

ZEIT: Sven Quandt, Ihr Bruder und Cousin, ist in dem Film mit der Aussage zu hören: »Wir müssen endlich mal versuchen, das zu vergessen. Es gibt in anderen Ländern ganz ähnliche Dinge, die passiert sind.«

Stefan Quandt: Mein Bruder war auf diese Fragen nicht vorbereitet.

ZEIT: Ihre Familienloyalität in Ehren: Können Sie jetzt zugeben, dass diese Äußerungen unglücklich waren?

Stefan Quandt: Ja, das waren sie. Ich sehe in Deutschland keinen Zeitpunkt, zu dem wir sagen könnten: Wir sollten über die NS-Zeit nicht mehr nachdenken, nicht mehr reflektieren. Es kann aber auch nicht sein, dass sich dieses Land nur über die zwölf Jahre Nationalsozialismus definiert.

ZEIT: Was ja auch niemand tut. Für Außenstehende ist allerdings schwer nachvollziehbar, warum Sie Ihre Familiengeschichte erst 66 Jahre nach Kriegsende aufarbeiten. ... Hat Ihr Vater Harald Quandt mit Ihnen über seine Mutter und über Goebbels gesprochen?

Gabriele Quandt: Überhaupt nicht. Genauso wenig wie, glaube ich, die meisten Väter dieser Generation. Ich wusste, dass er im Krieg Fallschirmjäger gewesen war. Ich habe ihn gefragt: Was heißt das, Fallschirmjäger? Heißt das, du sitzt im Gebüsch und schießt Fallschirmspringer ab? Da hat er auch gesagt, dass er nicht darüber reden will.

...


Aus: "NS-Vergangenheit der Quandts: "Man fühlt sich grauenvoll und schämt sich"" (22. September 2011)
Quelle: http://www.zeit.de/2011/39/Interview-Quandt/komplettansicht

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