Author Topic: [Aspekte zum Journalismus... ]  (Read 17578 times)

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[Nirgends auf der Welt sei... ]
« Reply #45 on: December 01, 2015, 11:51:30 AM »
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[...] Nirgends auf der Welt sei "die Presse freier als in der Türkei" sagte der türkische Staatspräsident Recep Tayyip Erdogan vor rund einem Jahr bei einer Rede in Ankara. Er sei sich da sehr sicher. Sogar Beleidigungen und Hetze gebe es in der türkischen Presse, auch gegen ihn selbst. Und wenn Erdogan etwas als Beleidigung auffasst - das ist die Realität in der Türkei -, dann schickt er seine Anwälte los, in letzter Zeit fast täglich. Journalisten und Redakteure werden reihenweise angeklagt, verhaftet, gefeuert.

Wer etwas schreibt, das dem Staatschef nicht genehm ist, wird als Terrorist bezeichnet und von der AKP-treuen Presse zum Abschuss freigegeben.  ...

Transparency International, Reporter ohne Grenzen und andere Organisationen zeigen sich zutiefst besorgt über den Zustand der Presse- und Meinungsfreiheit in der Türkei. Gerade in der jetzigen Situation, in der Erdogan ein Referendum über eine Verfassungsänderung hin zum Präsidialsystem vorbereitet, wäre lautstarke Kritik aus der EU so wichtig wie nie. Doch stattdessen lassen sich Angela Merkel und die anderen Staatschefs von Erdogan an die Zügel nehmen, weil sie sich von ihm Unterstützung beim Thema Flüchtlinge erhoffen. Ein fatales Signal.  ...


Aus: "Erdogan: "Die freieste Presse der Welt"" Gerrit Wustmann (01.12.2015)
Quelle: http://www.heise.de/tp/artikel/46/46705/1.html

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[...] Kurz vor dem EU-Sondergipfel mit der Türkei zur Flüchtlingskrise muss der Chefredakteur der regierungskritischen Zeitung Cumhuriyet ins Gefängnis. Gegen Can Dündar und den Hauptstadtkorrespondenten der Zeitung, Erdem Gül, sei am Donnerstag Haftbefehl erlassen worden, berichtete die Nachrichtenagentur DHA. Ihnen werde Mitgliedschaft in einer terroristischen Vereinigung und Spionage vorgeworfen. Hintergrund ist ein von Dündar und Gül verfasster Bericht über angebliche Waffenlieferungen von der Türkei an Extremisten in Syrien. ...


Aus: "Türkische Journalisten wegen Bericht über Waffenlieferungen in Haft" (27.11.2015)
Quelle: http://www.heise.de/newsticker/meldung/Tuerkische-Journalisten-wegen-Bericht-ueber-Waffenlieferungen-in-Haft-3025015.html

« Last Edit: December 01, 2015, 12:23:57 PM by Textaris(txt*bot) »

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[Aspekte zum Journalismus... ]
« Reply #46 on: February 20, 2017, 09:52:25 AM »
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[...] Wiederkehrend trifft sich Bundeskanzlerin Angela Merkel mit ausgewählten Journalisten zu Hintergrundgesprächen. Nach dem Willen der Beteiligten sollen die Inhalte nicht an die Öffentlichkeit gelangen, sie bleiben also geheim. Das Verwaltungsgericht Berlin hat das Kanzleramt nach einer Klage des Tagesspiegel-Redakteurs Jost Müller-Neuhof jetzt zu einer teilweisen Transparenz in dieser Praxis verpflichtet (AZ: VG 27 L 369.16). Die Entscheidung ist noch nicht rechtskräftig. Hier legt Müller-Neuhof die Hintergründe dar.

Es gilt strenge Vertraulichkeit, weshalb sich Beteiligte daran halten. „Unter drei“ heißt das im Journalistenjargon. Eingeladen wird telefonisch. Berichten darf niemand, nur Wissen sammeln. Trotzdem versuchen Journalisten, manche Aussage oder Information für eine Darstellung „unter zwei“ zu gewinnen, sie also zur öffentlichen Verwendung bei Nennung des Quellen-Umfelds freigegeben zu bekommen. Das sind oft „Regierungskreise“ oder „die Parteispitze“. Nur „unter eins“ darf die Information der genauen Quelle zugeschrieben werden („Merkel sagte, dass...). Zugleich nutzt die Regierung die Termine für ein Stimmungsbild. Merkel war früher selbst Pressesprecherin und weiß, wie man die richtigen Fragen stellt.

In der Anfrage vom Mai vergangenen Jahres an das Kanzleramt ging es um alle Treffen im Jahr 2016. Sowohl die, welche vom Kanzleramt organisiert wurden, als auch jene, in denen die Kanzlerin der Einladung von Journalisten gefolgt ist. Gennannt werden sollten Ort, Zeit, Themen sowie Medien und Teilnehmer; insbesondere bei Treffen, bei denen es um den Brexit, den Umgang mit der AfD sowie die Bewältigung der Flüchtlingskrise ging. Das Kanzleramt sollte auch erklären, welche Informationen Merkel dabei den Anwesenden konkret mitgeteilt hat. Außerdem wurde eine Übersicht erbeten, welche Medienvertreter außerhalb der Hintergrundgespräche einen persönlichen Termin bei Merkel hatten.

Das Presse- und Informationsamt verwies als Antwort auf ein Hintergrundgespräch Ende April, bei dem der neue Präsident des Bundesnachrichtendiensts (BND), Bruno Kahl, den Journalisten vorgestellt wurde. Die Kanzlerin habe daran ebenso wenig teilgenommen wie an Hintergrundgesprächen auf Einladung von Journalisten. Auf weiteres Drängen hieß es, dass eine Zusammenstellung der Termine nicht vorliege und sich nicht mit vertretbarem Aufwand erstellen lasse. Nach der Bitte darum, diejenigen Informationen mitzuteilen, die sich mit vertretbarem Aufwand erstellen ließen, erklärte das Bundespresseamt, es handele sich um „vertrauliche Runden“, bei denen die behandelten Themen „vielfältig“ seien. Zu Details gebe es keine Auskunft.

Das Zusammenspiel von Medien und Regierung ist vielfach in die Kritik geraten, dabei geht es um die Glaubwürdigkeit der Berichterstattung, sichtbar jetzt auch an den Konflikten in den USA. Dem Kanzleramt wurde frühzeitig erklärt, dass die Informationen zu einer Recherche über Verbindungen von Presse und Politik benötigt würden und die Ansichten der Kanzlerin zu den genannten Themen zudem von großem öffentlichen Interesse seien. Staatliche Stellen seien bei der Auskunftserteilung strikt zur Gleichbehandlung verpflichtet. Dem widerspreche es, bestimmte Informationen nur einem exklusiven Kreis von Medien zukommen zu lassen. Der Aufforderung, seine Ablehnung näher zu begründen, kam das Kanzleramt nicht nach. Hilfsweise wurde angeboten, die erbetenen Auskünfte zu den Treffen zunächst nur vertraulich zu verwenden und beim Berliner Verwaltungsgericht der Erlass einer einstweiligen Anordnung beantragt.

Vor Gericht wies das Kanzleramt auf die Interessen der Journalisten hin, die Gespräche zählten zum „Kernbestand des politischen Journalismus“. In die „grundrechtlich geschützte Vertrauenssphäre von Medien und Informanten“ dürfe nicht auf diese Weise eingegriffen werden, der Informationsfluss würde versiegen. Außerdem müsse es Wege geben, auf denen das Kanzleramt seine Ansichten mitteilt, damit die Dinge in den richtigen Kontext gesetzt werden könnten.

Das Kanzleramt muss Termine, Themen, Teilnehmer und Orte der Treffen offenlegen, ebenso Merkels geplante Treffen mit einzelnen Journalisten darüber hinaus. Inhalte müssen jedoch nicht mitgeteilt werden, auch nicht nur zur vertraulichen Verwendung.

Vertreter der Presse haben einen Auskunftsanspruch gegen Behörden. Das Bundesverwaltungsgericht leitet diesen aus Artikel 5 des Grundgesetzes ab, der die Pressefreiheit enthält. Grundsätzlich gilt damit: Journalisten dürfen im Rahmen ihrer „öffentlichen Aufgabe“ alles wissen, was eine Behörde weiß. Auskunftsersuchen dürfen nur abgelehnt werden, wenn es „berechtigte schutzwürdige Interessen gibt“, die ein Verschweigen rechtfertigen. Oft kann das eine Frage der Abwägung sein. Nach Ansicht der Richter war es das im vorliegenden Fall nicht. Um grundrechtlichen „Quellenschutz“ gehe es hier nicht, da staatliche Stellen an Grundrechte gebunden seien, sie aber nicht für sich in Anspruch nehmen könnten. Vorschriften wie die zur Vertraulichkeit aus der Satzung der Bundespressekonferenz (BPK) oder dem Pressekodex könnten keine rechtliche Wirkung entfalten. Sie seien nur „berufsethische Regelwerke“, deren Verletzung lediglich Sanktionen im Rahmen der freiwilligen Selbstkontrolle nach sich zieht.

...

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2010ff 19.02.2017, 18:38 Uhr
Was mich sehr interessiert:

    Interessierte Bürger könnten daraus ablesen, welche Medien bevorzugt informiert werden. Umgekehrt könnten sie auch sehen, welche Medien die Regierung für ihre Zusammenarbeit mit Journalisten besonders bevorzugt.

Außerdem könnte der Verdacht widerlegt werden, dass nach bestimmten Treffen im Kanzleramt ausgewählte Medien Berichterstattung im Sinn und für die Interessen des Kanzleramtes praktizieren.

Man kann sich als Zuschauer ein eigenes Bild über die tatsächliche Unabhängigkeit der jeweiligen Medien von der Regierungspolitik - umgekehrt genauso - machen.


...


Aus: "Politik und Presse: "Unter drei" - die Sache mit den Hintergrundgesprächen" (19.02.2017)
Quelle: http://www.tagesspiegel.de/politik/politik-und-presse-unter-drei-die-sache-mit-den-hintergrundgespraechen/19413420.html

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[Aspekte zum Journalismus... ]
« Reply #47 on: October 17, 2017, 09:46:16 AM »
Quote
[...] Die maltesische Bloggerin Daphne Caruana Galizia ist durch eine Autobombe getötet worden. Sie hatte der Regierung Korruption vorgeworfen und Geldwäsche sowie Steuerhinterziehung aufgedeckt.

EU-Politiker haben mit Entsetzen auf den Anschlag auf eine maltesische Journalistin reagiert. "Brutaler Mord an Daphne Caruana Galizia: tragisches Beispiel einer Journalistin, die ihr Leben geopfert hat, um die Wahrheit ans Licht zu bringen", twitterte EU-Parlamentspräsident Antonio Tajani. Die 53-jährige Bloggerin war am Montag ums Leben gekommen, als ihr Auto in dem Ort Bidnija in der Nähe ihres Hauses explodierte.

Die Hintergründe sind bislang unklar. Maltas Regierungschef Joseph Muscat sprach von einer "tückischen Attacke auf einen Bürger und auf die Meinungsfreiheit" und versprach, nicht nachzugeben, bis der Tod der Journalistin aufgeklärt sei. Dem staatlichen TV-Sender TVM zufolge hatte sich Caruana Galizia vor zwei Wochen an die Polizei gewandt, weil sie Morddrohungen erhalten habe.

Über die Grenzen Maltas hinaus hatte Caruana Galizia mit Berichten für Aufsehen gesorgt, dass eine in den sogenannten "Panama Papers" erwähnte Firma der Frau von Regierungschef Muscat gehöre. Muscat hatte diese Darstellung als Lüge bezeichnet.

"Ich bin tief schockiert über den Tod von Daphne Caruana Galizia“, teilte Sven Giegold, Abgeordneter der Grünen/EFA-Fraktion im EU-Parlament, mit. Caruana Galizia war Zeugin des Untersuchungsausschusses zu Geldwäsche und Steuerhinterziehung. Sie habe "eine entscheidende Rolle bei der Aufdeckung schwerwiegender Vorwürfe zu Geldwäsche und Korruption in Malta, einschließlich Anschuldigungen gegen hochrangige Mitglieder der maltesischen Regierung" gespielt, schrieb Giegold und fügte hinzu: "Solche Vorfälle erinnern an Putins Russland, nicht an die Europäische Union." (dpa)


Aus: "Mord an maltesischer Journalistin schockt die EU" (17.10.2017)
Quelle: http://www.tagesspiegel.de/weltspiegel/malta-mord-an-maltesischer-journalistin-schockt-die-eu/20463854.html

"Panama-Papers-Journalistin auf Malta getötet" (16. Oktober 2017)
Man könne sich Galizia vorstellen wie eine Art WikiLeaks, geführt von einer einzigen Frau: Sie sei gegen Korruption und Intransparenz in Malta vorgegangen. Für beides sei der Inselstaat berühmt. ...
http://www.zeit.de/politik/ausland/2017-10/daphne-caruana-galizia-malta-panama-papers


Daphne Anne Caruana Galizia geborene Vella (* 26. August 1964 in Sliema; † 16. Oktober 2017 in Bidnija)
https://de.wikipedia.org/wiki/Daphne_Caruana_Galizia


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[Aspekte zum Journalismus... ]
« Reply #48 on: January 16, 2018, 01:40:56 PM »
Quote
[...] BERLIN taz | Das Urteil ist hart: Für sechs Jahre muss der aserbaidschanische Journalist Afgan Muchtarli ins Gefängnis. Das entschied ein Bezirksgericht in der Hauptstadt Baku am vergangenen Wochenende. Er war wegen Schmuggels, illegalen Grenzübertritts sowie Widerstands gegen die Polizei angeklagt worden. Die Staatsanwaltschaft hatte acht Jahre Haft gefordert. Gegenüber der US-Nichtregierungsorganisation Komitee zum Schutz von Journalisten (CPJ) sagte Muchtarlis Ehefrau Leyla Mustafajeva, ihr Mann werde Berufung einlegen.

2015 waren die beiden mit der damals dreijährigen Tochter nach Georgien geflohen, da sie sich in Aserbaidschan nicht mehr sicher fühlten. Grund dafür waren Muchtarlis Recherchen und Berichte über Korruption im Klan von Staatspräsident Ilham Alijew. Der Autokrat ist seit 2003 in der Südkaukasusrepublik an der Macht. Derartige Veröffentlichungen hatten in der Vergangenheit auch schon für andere aserbaidschanische Journalisten im Gefängnis geendet.

Am 29. Mai 2017 wurde Muchtarli am hellichten Tag im Zentrum der georgischen Hauptstadt Tiflis entführt und nach Aserbaidschan gebracht. Bis heute ist nicht geklärt, ob auch der georgische Geheimdienst an der Aktion beteiligt war.

Vor Gericht hatten Muchtarlis Anwälte gefordert, alle Anschuldigungen fallen zu lassen, da der Fall politisch motiviert sei. Auch Muchtarli selbst wies alle Vorwürfe zurück. „Ihr könnt uns festnehmen oder töten, aber es werden andere kommen und den Kampf fortsetzen. Unser Hauptziel ist nicht Ilham Alijew zu stürzen. Unser höchstes Ziel ist, den Menschen Hoffnung zu geben“, sagte er in seinem Abschlussplädoyer.

Der aserbaidschanische Politikwissenschaftler Chikmet Gadschisade wertet den Fall Muchtarlis als Versuch der Staatsmacht, verstärkt auch auf Regimegegner Druck auszuüben, die Aserbaidschan verlassen hätten und vom Ausland aus weiter gegen ihre Heimat politisch aktiv seien. Das alles diene der Abschreckung, zitiert das Onlineportal Echo Kawkaza den Wissenschaftler. Nach Angaben von CPJ sitzen in Aserbaidschan derzeit zehn Journalisten im Gefängnis. Im Sommer 2017 wurde der Chefredakteur der Internetseite Turan, der einzigen noch unabhängigen Nachrichtenagentur Aserbaidschans, Mehman Alijew, festgenommen. Der Vorwurf lautet auf Steuerhinterziehung.


Aus: "Sechs Jahre Haft für Recherche" Barbara Oertel, Ressortleiterin Ausland (16. 1. 2018)
Quelle: https://www.taz.de/Aserbaidschanischer-Journalist-verurteilt/!5474554/

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[Aspekte zum Journalismus... ]
« Reply #49 on: February 28, 2018, 02:49:58 PM »
Quote
[...] Der slowakische Journalist Ján Kuciak hat vor seiner Ermordung über die italienische Mafia recherchiert. Er wollte ein Netzwerk von Verbindungen der kalabrischen 'Ndrangheta bis in höchste slowakische Regierungsstellen offenlegen. Mehrere slowakische Medien veröffentlichten nun den unvollständig gebliebenen Text in Zusammenarbeit mit dem Internetportal Aktuality.sk, für das Kuciak gearbeitet hatte.

Die 'Ndrangheta soll sich im Osten der Slowakei den Recherchen zufolge auf Steuerbetrug mit gefälschten Rechnungen spezialisiert haben. Auch EU-Förderungen seien Ziel des Betrugs gewesen.

Nach Kuciaks Recherchen ist es der Mafia gelungen, Verbindungsleute in das Büro des sozialdemokratischen Regierungschefs Robert Fico einzuschleusen. Sollten die Recherchen stimmen, hätte die Mafia so Zugang zu geheimen Staatsinformationen bekommen können und wären über geplante Sicherheitsmaßnahmen informiert gewesen.

Wie die Tageszeitung Sme berichtet, wird auch die Hauptberaterin von Fico, Mária Trošková, verdächtigt. Sie hatte vorher für italienische Unternehmer gearbeitet, die von der Justiz in Italien verdächtigt werden, Verbindungen zur Mafia zu haben.

Ministerpräsident Fico verteidigte Trošková. Unschuldige Menschen würden mit einem Doppelmord in Verbindung gebracht werden, zitiert Sme den Ministerpräsidenten.

Der britische Journalist Tom Nicholson sagte, Kuciak habe betrügerische Zahlungen von EU-Geldern an in der Slowakei wohnhafte Italiener mit Verbindungen zur kalabrischen Mafia untersucht. "Ján und ich arbeiteten mit Geheimdienstdokumenten", schrieb Nicholson bei Politico. Der slowakische Geheimdienst kenne bereits "die Namen der Gangster".

Der 27-jährige Journalist Kuciak und seine Verlobte Martina Kusnirova waren am Sonntag in ihrem Haus in der Nähe von Bratislava erschossen worden. Berichten zufolge waren neben den Leichen scharfe Schusspatronen zurückgelassen worden. Dies wird als Warnsignal an mögliche weitere Opfer gedeutet. Die slowakische Polizei hatte angekündigt, eng mit den italienischen Behörden zusammenarbeiten zu wollen.

Kuciak hatte immer wieder über Fälle von mutmaßlichem Steuerbetrug berichtet. Dabei schrieb er vor allem über prominente Unternehmer, die laut seinen Recherchen Geschäftsverbindungen zur organisierten Kriminalität sowie zu den regierenden Sozialdemokraten haben. Der Unternehmer Marián Kočner hatte Kuciak öffentlich wegen dessen Artikeln gedroht.


Aus: "Ermordeter Journalist recherchierte über Mafia" (28. Februar 2018)
Quelle: http://www.zeit.de/gesellschaft/zeitgeschehen/2018-02/slowakei-jan-kuciak-mord-italienische-mafia-regierung

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« Reply #50 on: April 17, 2018, 07:23:06 AM »
Quote
[...] Der russische Journalist Maxim Borodin ist am Sonntagmorgen gestorben. Der 32-Jährige war drei Tage zuvor aus noch ungeklärten Gründen vom Balkon seiner Wohnung aus dem fünften Stock in einem Mehrfamilienhaus im russischen Jekaterinburg gestürzt. Nachbarn hatten den Reporter gefunden und Rettungskräfte verständigt.

Nach Angaben der Ermittler handelt es sich um einen "unglücklichen Vorfall". Sie sehen kein Anzeichen für ein Verbrechen und unterstellen dem Journalisten Suizid.

Anlass für eine "ernsthafte Besorgnis" sieht dagegen Harlem Désir, Beauftragter der Organisation für Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa (OSZE) für die Freiheit der Medien. In einem Tweet forderte er eine "rasche und gründliche Untersuchung". Auch Organisationen wie Reporter ohne Grenzen machen sich für eine "sorgfältige und unvoreingenommene Aufklärung" stark. Nach Angaben des Komitees zum Schutz von Journalisten wurden seit 1992 in Russland 58 Reporter getötet.

Borodin hatte für den Pressedienst Nowi Den (Neuer Tag) gearbeitet und teils gefährliche Recherchen durchgeführt. ...

Quote
Dogwalker #13

>>Die Ermittler gingen "von einem unglücklichen Vorfall" aus ...<<
Seltsam nur, dass diese "unglücklichen Vorfälle" immer regierungskritische Journalisten treffen...


...


Aus: "OSZE will Aufklärung über Tod eines russischen Reporters" (16. April 2018)
Quelle: http://www.zeit.de/gesellschaft/zeitgeschehen/2018-04/maxim-borodin-investigativer-journalismus-todesfall-russland-pressefreiheit

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« Reply #51 on: September 11, 2018, 01:59:48 PM »
Quote
[...] Nach einer legendären ZDF-Anstalts-Sendung im Januar 2015 , in deren Verlauf die Herren Uthoff und von Wagner mit ein paar Strichen die moralische Verkommenheit vieler eingebetteten Alpha-Autoren und stets bestens informierten Hauptstadtjournalisten an die Wand warfen und vor allem deren Nato-und CIA-PR herausstellten, begannen in Deutschland endlich ein paar Kollegen aus ihrem Tiefschlaf zu erwachen und gegen den Strich zu recherchieren.

Bald stießen sie im Internet auf ganz offen abgedruckte vertragliche "Spielregeln", die zunächst mal für festen Mitarbeiter des Springer-Verlags gelten. Seither wird da munter herumgefummelt und kalibriert von Seiten der Chefetagen und man möchte damit den Bürgern sagen, dass das doch alles nur vage Betriebsanleitungen seien, Orientierungshilfen für junge Mitarbeiter und eben nette Hinweise, Petitessen eigentlich, keiner Erwähnung wert.

... Es gehört zum Komplettversagen der Linken, dass sie sich die Sache mit der Lügenpresse von den Dumpfbacken der Pegida aus der Hand nehmen ließ und seither jede substanzielle Medienkritik mit einer umständlichen und würdelosen Distanzierung von der AfD einleiten muss. Da man diesen Kampf sang- und klanglos vergeigte, verliert sich das aktuelle Rückzugsgebiet des wahrhaftigen Journalismus im parzellierten Weltreich der Off-Medien und den Social-Media Magazinen, Blogs und Foren.

... Anstatt im Dienst und Geist der Dialektik zu streiten - es muss ja nicht gleich mit Hegel, Bloch und Adorno zu tun haben - und sich die Leviten zu lesen, versanden die Debatten im verzagt altklugen Sing-sang sermonaler Konsensmessen. In einer Endlosschleife spulen die Couchbesetzer ihre Sprachregelungen, Tabusetzungen und neofeudalen Moralcodes ab. Mit zelotischer Verbissenheit machen sich diese immer gleichen Infotainer jedes Thema zu eigen: Mietpreisbremse, nervöse Märkte, Soziales, Nullzinsrisiko, Fassbomben, hellenisches Klienteldrama und, logisch, ja, Bildung, Bürokratieabbau, Maidan, Maut, Entlastung der mittleren Einkommen, NSU, NSA, Flüchtlinge, Videobeweis, Biodiesel, Cum-Ex, Hitlers Sackratten und abgehängte Schlecker-Frauen.

In diesen Schlaflabors ("Da bin ich ganz bei Ihnen") hätte kein Scholl-Latour mehr Platz, kein Frank Schirrmacher, Jean Améry, kein Balzac, Grass oder Goethe. Hier sitzen die Duz-Freunde des Guten, Hayali und Seppelt und Theveßen und Kleber und Mascolo. Die so redlichen wie unsichtbaren echten Kollegen werden in Abwesenheit diffamiert als Verschwörungstheoretiker, Putin-Trolle, Europagegner und Rechts- oder Links-Populisten.

Zu Füßen der Raute zeigenden Freiheitsstatue in Apricot schwadroniert die Echokammerelite von der westlichen Wertegemeinschaft, der offenen Gesellschaft, des liberalen Pluralismus, der Entfaltung des Gender-Individuums, den freie Märkten und der Verteidigung irgendwelcher transatlantischer Ideale. Man kann es nicht mehr hören und nicht mehr sehen und nur hoffen, dass der Russe und sein Hacker endlich den Strom abstellen.

Auch kann man die staatliche Sprachverwahrlosung nicht mehr ertragen. Ich mag nur ein Beispiel anführen, nämlich die inflationäre wie beiläufige Erwähnung von den "Menschen, die sich abgehängt fühlen". Das bezieht sich offenbar auf die kleinen Trottel von der Straße, die da draußen hinter der Mattscheibe im Land herumstreunen und deren Einzelschicksale zwischen Jobcenter, Krankschreibung, Eckkneipe, Pflegeloch, Discounthallen und Teilzeitirrsinn verziffert werden.

Naht irgendeine Wahl überbieten sich die urplötzlich so volksnahen Empört-und-betroffen-zugleich-Groko-Charmeure darin, jetzt endlich diese verlorenen Seelen "abzuholen" und "einzufangen" und sie "zurück ins Boot" zu holen. Es ist auch die besorgte Rede von der "Augenhöhe" und davon, dass man die Mühseligen und Beladenen "wieder ernst nehmen" wird - also diese RTL-II-Gimpel, halb White Trash, halb dunkeldeutsches Pack.

Der Zynismus der christlich-liberalen Biomoralisten besteht darin, Millionen von Mitbürgern bis tief in den Mittelstand hinein das Recht abzusprechen, abgehängt zu SEIN. Mit perfider Arroganz werden die Abgehängten auf sich selbst zurückgeworfen. Anschluss verpasst? Euer Problem.

Mehr leisten, mehr Ego-Shooting, mehr Anpassung an unsere schöne neue Wertewelt, einfach mal ein bisschen durch die Institutionen marschieren wie Joschka auf seinem langen Weg in den Schoß seiner Ziehmutter Madeleine Albright, die 1996 meinte: "Ja, ich glaube, die halbe Million Kinder, die wegen der US-Irak-Sanktionen starben, waren den Preis wert." Ihr rundlicher Ziehsohn, einst Vietnamkriegsgegner, dann balkanischer Kriegstreiber und heute ein stirnrunzelnd halluzinierendes Nato-Strichmännchen residiert in einer abgedunkelten Villa im Berliner Nobelviertel Dahlem und bezieht Entgelte von bis zu 30.000 Euro für trostloses Geschwätz.

Fischer wie Schröder oder das Elend namens Scharping sind gloriale Beispiele dafür, wie sich die parlamentarische Betriebsamkeit in eine jämmerliche Simulation von Demokratie verwandelt hat. Gerade die rotgrünen Anteile unseres Wahrheitsregimes tun sich hervor dabei, inzwischen jedes freie frische Denken zu konfiszieren und real-bestehende Interessengegensätze und Widersprüche zu kaschieren.

... Ach ja, der Journalismus: Diese hypnotisierten Top-Schreiber bei Zeit, FAZ, Welt, Spiegel, SZ und wer sich im Wendekreis des Talentschuppens des moralisch verwahrlosten Irrsinns sonst noch nährt, hätten es zu Willy Brandts Zeiten mit einiger Mühe gerade noch in die Rubrik "Vermischtes" geschafft.

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Aus: "Two Riders were approaching: Der Anfang vom Ende der deutschen Medien" Wolf Reiser (11. September 2018)
Quelle: https://www.heise.de/tp/features/Two-Riders-were-approaching-Der-Anfang-vom-Ende-der-deutschen-Medien-4158735.html?seite=all

Quote
     NullNullNull, 11.09.2018 00:56

Erfrischend

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