COMMUNICATIONS LASER #17
September 25, 2017, 04:08:47 PM *
Welcome, Guest. Please login or register.

Login with username, password and session length
News: LASER#17 | TEXT MEMORY UNIT | ZITAT MONTAGEN | TEXT DATENBANK
=> BRUCHSTUECK-TEXT, SELEKTIVES GEDANKEN ARCHIV, UNGEORDNETE FELDFORSCHUNG, AMBIVALENZ, MENTALITAETSGESCHICHTE, GEHIRN ESKAPADEN, ZITATE, SPUREN, ASSOZIATIONEN, TUNNELREALITAET
 
   Home   Help Search Login Register  
Pages: 1 2 3 4 5 [6] 7   Go Down
  Print  
Author Topic: [Zum Spannungsfeld der Musikindustrie... ]  (Read 60002 times)
0 Members and 1 Guest are viewing this topic.
lemonhorse
Administrator
Full Member
*****
Offline Offline

Posts: 183


« Reply #75 on: June 13, 2009, 12:00:55 PM »

Quote
[...] Im Wiederaufnahmeverfahren gegen Jammie Thomas-Rasset wegen der Verbreitung urheberrechtlich geschützter Musik in einem Filesharing-Netz muss die Verteidigung kurz vor Prozessauftakt am kommenden Montag einen Rückschlag verkraften. Richter Michael Davis ließ die von den klagenden US-Plattenlabels vorgebrachte Beweismittel entgegen einem Antrag der Verteidigung zu. Thomas-Rassets neues Anwaltsgespann hatte gefordert, die vom technischen Dienstleister MediaSentry gesammelten Informationen zu Musikstücken und IP-Adressen nicht als Beweise zuzulassen.

Zugleich verwehrte der Richter der Verteidigung die Möglichkeit, nachträglich auf "Fair Use" zu plädieren. Diese im US-Copyright vorgesehene Schutzklausel für die legale Verwendung geschützten Materials hätte die Beklagte bereits in der Klageerwiderung in Anspruch nehmen müssen, meint der Richter. In dem nun schon seit Jahren dauernden Verfahren sei davon aber bisher nicht die Rede gewesen.

Darüber hinaus wies der Richter den Antrag der Kläger ab, die Aussage eines von der Verteidigung als Experten konsultierten Informatikers nicht zuzulassen. Doch schränkte Davis die Aussagemöglichkeiten von Assistant Professor Yongdae Kim von der Universität Minnesota ein. Kim darf zwar zu von den Klägern vorgebrachten Beweisen Stellung nehmen, soll sich mit Spekulationen zum Hergang der Ereignisse aber zurückhalten.

Rasset-Thomas wird die illegale Verbreitung von insgesamt 24 Musikstücken über Kazaa vorgeworfen, was sie aber zurückweist. Ihr Fall ist das erste von Tausenden vergleichbaren Verfahren, die unter Federführung des Verbands der US-Musikindustrie (Recording Industry Association of America, RIAA) angestrengt wurden, in dem es tatsächlich zu einer Verhandlung und einem Urteil gekommen war. Eine Geschworenenkammer hatte Rasset-Thomas für schuldig befunden und zu Schadensersatz in Höhe von 222.000 US-Dollar verurteilt. Richter Davis kassierte das Urteil später wegen eines Rechtsfehlers und ordnete ein Wiederaufnahmeverfahren an. (vbr/c't)

Quote
13. Juni 2009 10:23
24 Musikstücke! Was für ein abscheuliches Verbrechen!
Pro¡ektor (mehr als 1000 Beiträge seit 15.01.00)

Das ist etwas mehr als EINE CD... Und das alles wahrscheinlich noch
in nur EINEM Downloadordner! Das zeigt die hinterhältige
Skrupellosigkeit dieser Schwerverbrecherin. Sie sollte mit aller
Härte des Gesetzes bestraft werden!!!1elf
Wieviele Notleidene Plattenbosse hat dieses abscheuliche Subjekt
damit wohl um ihren wohlverdienten Profit gebracht... *kopfschüttel
über diese grauenvolle, menschenverachtene
Raubmordkopierkriminalität*

//wer Ironie findet, darf sie sich auf's Frühstückbrot schmieren.

Quote
13. Juni 2009 10:28
Re: 24 Musikstücke! Was für ein abscheuliches Verbrechen!
Necronomikon (489 Beiträge seit 17.02.04)

Dafür hat sie wahrlich den Stuhl verdient!!!



Quote
13. Juni 2009 10:26
Existenz vernichtet...
unheilig666 (700 Beiträge seit 04.01.08)

...wegen 24 MP3-Dateien.

was für eine kranke gesellschaft...





Aus: "Filesharing-Prozess: Rückschlag für die Verteidigung" (13.06.2009)
Quelle: http://www.heise.de/newsticker/Filesharing-Prozess-Rueckschlag-fuer-die-Verteidigung--/meldung/140349

Logged
Textaris(txt*bot)
Administrator
Hero Member
*****
Offline Offline

Posts: 8433

Subfrequenz Board Quotation Robot


« Reply #76 on: June 22, 2009, 08:52:24 PM »

Quote
[...] Bis 2014 möchte die Gema ihren Anteil an den Umsätzen der Konzertveranstalter deutlich steigern: zehn Prozent der Einnahmen sollen dann an die Verwertungsgemeinschaft fließen. Bisher zahlen die Konzertveranstalter sehr viel weniger.

Ihre Abgaben staffeln sich zurzeit nach der Größe des Konzerts. Für eine Veranstaltung mit bis zu 3.000 Zuschauern zahlen sie 1,9 Prozent der Einnahmen an die Gema; bei einer Show mit bis zu 15.000 Besuchern sind es 1,5 Prozent; bei Konzerten mit mehr als 15.000 Besuchern 3,6 Prozent.

Die Gema bezeichnet die derzeitige Höhe der Beteiligung als "unangemessen niedrig". Die deutliche Aufstockung bis 2014 soll Schritt für Schritt vollzogen werden. Bereits ab dem 1. Februar zahlen die Konzertveranstalter mehr. Geplant ist ein plus von 14 Prozent auf die derzeitigen Abgaben.

Die stufenweise Erhöhung soll es den Konzertveranstaltern ermöglichen, sich auf die neuen Tarife einzustellen, teilte Gema-Pressesprecherin Bettina Müller in einem offiziellen Statement mit.

Dass die Gema nun mehr auf den Live-Sektor setzt, verwundert kaum. Seit Monaten hat sich im im Musikgeschäft die Erkenntnis durchgesetzt, dass nur noch mit Konzerten Geld zu verdienen ist.

[...] Während nach Angaben der Verbände die Autorenvergütung bei einem beispielhaften Rockkonzert mit 1.200 Besuchern und einem Eintrittspreis von 23 Euro bei rund 600 Euro liege, wolle die Gema die Vergütung bis 2014 auf 2.580 Euro erhöhen. Bei einem Konzert mit 5.000 Besuchern und einem Durchschnittspreis von 45 Euro sollen es künftig 18.000 Euro statt wie bisher 3.370 Euro sein.

Ein Angebot des Verbandes für eine moderatere Erhöhung der Beteiligung, habe die Gema abgelehnt. Der idkv hatte deshalb bereits nach Weihnachten gemeinsam mit dem Verband der deutschen Konzertdirektionen ein Schiedsstellenverfahren gegen die Verwerter eingeleitet.

...


Aus: "Gema will an Konzerten mehr Geld verdienen" (30.01.2009)
Quelle: http://www.spiegel.de/kultur/musik/0,1518,604491,00.html


-.-

Quote
[...] Konzertkarten für Superstars wie Madonna oder die Rolling Stones sind heute schon fast unbezahlbar. Doch bald dürften die Preise endgültig durch die Decke gehen.

...


Aus: "Konzerte: Gema fordert 600 Prozent mehr" von Axel Postinett  (29.01.2009)
Quelle: http://www.handelsblatt.com/technologie/webwatcher/konzerte-gema-fordert-600-prozent-mehr;2136841

Logged
Textaris(txt*bot)
Administrator
Hero Member
*****
Offline Offline

Posts: 8433

Subfrequenz Board Quotation Robot


« Reply #77 on: June 23, 2009, 09:28:21 AM »

Quote
[...] Die Hersteller von Speicherkarten und Sticks haben sich mit den Verwertungsgesellschaften auf die Höhe der Vergütungssätze geeinigt. Für die Einigung hat auch die Tatsache beigetragen, dass USB-Sticks bei der Speicherung urheberrechtlich geschützer Inhalte nur eine untergeordnete Rolle spielen.

Der Branchenverband Informationskreis Aufnahmemedien (IM) und Verwertungsgesellschaften hatten sich bereits vor einigen Wochen auf eine Vergütung von 10 Cent verständigt. Danach ist künftig für diese Speichermedien unabhängig von deren jeweiliger Kapazität ein Vergütungssatz von 0,10 € je Stück zu zahlen.

Bei Speicherkarten konnten sich die Lager nach einer Gesetzesnovelle des Urheberrechtes Anfang 2008 nicht einigen, da die Zentralstelle für private Überspielungsrechte (ZPÜ) eine Abgabe rückwirkend zum 1. Januar 2008 verlangte, was der IM jedoch ablehnte.

Jetzt sei ein "Durchbruch" erzielt worden, dessen Einzelheiten jedoch noch auszuhandeln seien, so der IM in einer Pressemitteilung. Bei der Festlegung des Tarifs sind sowohl der IM als auch die ZPÜ davon ausgegangen, dass die urheberrechtlich relevante Nutzung von Speichermedien weniger als fünf Prozent beträgt.

Hierzu erklärt Rainald Ludewig, Vorsitzender des Informationskreises Aufnahme-Medien und Chefjustiziar bei Panasonic: "Mit diesem Ergebnis ist es beiden Seiten erstmals gelungen, das neue Vergütungssystem in vernünftiger Art und Weise in die Praxis umzusetzen, wie dies der Gesetzgeber neu geregelt hat." Das Ergebnis sei ausgewogen und trage sowohl den Ansprüchen der Urheber als auch der Industrie Rechnung.

Vor der Novelle des Urheberrechts am 1. Januar 2008 konnten Speicherkarten nicht in das Pauschalvergütungssystem einbezogen werden, da die alte Fassung des Gesetzes explizit zwischen Bild- und Tonträgern unterschieden hat. Bei CD- und DVD-Rohlingen einigte man sich so, dass CDs als Tonträger und DVDs als Bildträger eingestuft wurden. Die Abgabe für einen Single-Layer-DVD-Rohling beträgt 17,4 Cent pro Stück. Bei CDs beträgt die Abgabe "30 Prozent von 7,2 Cent pro Stunde Spielzeit" - einfacher ausgedrückt 2,87 Cent pro CD.


Aus: "GEMA kassiert 10 Cent für jeden USB Stick"
Martin Schindler, 23. Juni 2009, 09:11 Uhr
Quelle: http://www.silicon.de/mittelstand/0,39038986,41005643,00/gema+kassiert+10+cent+fuer+jeden+usb+stick.htm

Logged
Textaris(txt*bot)
Administrator
Hero Member
*****
Offline Offline

Posts: 8433

Subfrequenz Board Quotation Robot


« Reply #78 on: July 29, 2009, 08:48:35 AM »

Quote
[...] Die Politik reagiere nicht hart genug auf Internetpiraterie, begründete Dieter Gorny, Geschäftsführer des Bundesverbands der Musikindustrie, die Absage der Branchenmesse Popkomm in Berlin und sorgte allseits für Kopfschütteln. Mark Chung vom Verband Unabhängiger Tonträgerunternehmen, der die Indie-Label vertritt, sagt: „Starke Vereinfachungen helfen niemandem.“

Das Internet ist nämlich nicht der Feind der Musik. Es ist nur der Feind der Tonträgerindustrie. Nach Wachswalze, Schallplatte, Magnetband und CD hat sich Musik vom physischen Träger gelöst und lässt sich mit geringem Aufwand beliebig oft kopieren. Legale Musikdownloads machen zwar in Deutschland noch nicht 39 Prozent des Marktes aus wie in den USA; doch sind die Erlöse im ersten Quartal dieses Jahres wieder um 16 Prozent gestiegen. Bei allen Debatten um illegale Downloads geht es nicht um einen Konflikt zwischen Künstlern und Publikum, wie die Industrie ihn seit Jahren lautstark inszeniert. Deren Interessen lassen sich im Netz wunderbar vereinen.

Niemand führt die neuen Verhältnisse gerade selbstbewusster vor als die Amerikanerin Amanda Palmer, Sängerin des Cabaret-Rockduos Dresden Dolls. Will Amanda Palmer ihr Publikum mobilisieren, braucht sie kein PR-Büro und keine Konzertagentur. Über Twitter lädt sie zu Strandkonzerten mit Gruppenfoto oder zur Spontanparty in einer Stripbar. Einen Pressetermin in einem leeren Kaufhaus verwandelte sie in ein Gratiskonzert für 350 Fans. An einem Freitagabend im Mai entstand bei einem Massenchat ein T-Shirt-Spruch. Palmer gestaltete direkt am Laptop die Druckvorlage, ein Freund setzte einen kleinen Online-Shop auf. Am Ende der Nacht waren 200 T-Shirts verkauft. Am Tag darauf weitere 200. In ihrem Blog zog die Sängerin Bilanz: „Einnahmen durch Twitter in zwei Stunden: 11 000 Dollar. Einnahmen durch mein Major-Soloalbum dieses Jahr: 0 Dollar.“ So klingt die Verzückung einer Künstlerin, die ihre Macht entdeckt – und vorführt, dass die Zeiten, in denen sich Künstler von Managern sagen lassen mussten, wo es langgeht, endgültig vorbei sind.

Im Prinzip lassen sich heute alle Aufgaben einer Plattenfirma – Aufnahme, Design, Booking, Buchhaltung – selbst erledigen oder an Freunde delegieren; während Fans in Netzwerken wie last.fm durch automatische Empfehlungen via Geschmacksprofil für Werbung sorgen oder über Fundraising-Foren gleich in die Rolle des Investors schlüpfen und Geld für Produktionen vorstrecken. Zuletzt sammelte Patrick Wolf das Geld für sein viertes Studioalbum über die Website Bandstocks. Auch die Kölner Band Angelika Express finanzierte ihr letztes Album mittels „Angelika Aktien“ im Wert von 50 Euro, 80 Prozent der Einnahmen sollten zurück an die Fans fließen.

Es streckt ohnehin kaum noch ein Label Geld für Studioaufenthalt und Produktionskosten vor. Lieber kauft man fertige Bänder. Die vier verbliebenen Riesen Sony, Universal, EMI und Warner sehen ihre Zukunft im Lizenzhandel für Mode, Werbung, Filme und Computerspiele. Sogenannte 360-Grad-Verträge sichern das Mitverdienen an allen Aktivitäten der Künstler, vor allem an den Konzerteinnahmen. Auch Bertelsmann spielt, nachdem sich der Konzern 2008 von Sony gelöst hatte, jetzt mit BMG Rights Management wieder auf dem brummenden Rechtemarkt mit. Das Geschäft der erhabenen Alten: die Nachlassverwaltung.

So sind neue Künstler weitgehend sich selbst überlassen. Es schießen Kleinstlabels aus dem Boden, die oft nicht mehr veröffentlichen als die Musik ihrer Gründer. Der Berliner Pressungsdienstleister Handle With Care kann sich vor Aufträgen kaum retten – er hat sich auf Kleinstauflagen unter 1000 spezialisiert.

[....] Das meistverkaufte Mp3-Album 2008 bei Amazon war „Ghosts“ von Nine Inch Nails – obwohl zuvor mit CC-Lizenz veröffentlicht. In Deutschland könnten mehr Künstler diesen Weg gehen, würde die GEMA hierfür Tantiemen einführen – nur ein Beispiel, wie ausbleibende politische Weichenstellungen die neuen Möglichkeiten behindern.

Dass das Internet alles von selbst regle, erweist sich ebenso als Aberglaube wie die Hoffnung, es ließe sich beliebig regulieren. Die schönen Erfolgsbeispiele zeigen bislang vor allem, wie es gehen könnte – aber leider noch viel zu selten geht. Für Stars ist es leicht, in den neuen Kanälen gut auszusehen. Die große Frage ist, wie neue Künstler ihr Publikum finden. Hier sieht Indie-Vertreter Mark Chung derzeit schwarz: „Die neuen unter den fünf Millionen Künstlern, die ihre Myspace-Seiten eingerichtet haben, merken schnell, dass es niemanden gibt, der in sie investiert.“

Die gute Nachricht: Künstler dürfen in Zukunft wesentlich größere Stücke des Kuchens beanspruchen. Die schlechte: Der Kuchen ist alleine schwer zu backen. Andreas Gebhard von der Agentur „newthinking communications“ sieht hier einen wachsenden Markt für Beratungs- und Software-Dienstleistungen. Auch der Staat wäre gefragt, seine „Initiative Musik“ auszubauen. Was infrastrukturelle Förderung bringen kann, zeigt das Popmusterland Schweden.

Die Industrie bezichtigt die Internetpiraten gerne des Raubbaus. Eine pikante Vereinfachung, denn nichts verschwindet, wenn man eine Datei kopiert, im Gegenteil: Hinterher hat man zwei. Doch dafür waren die alten Vertriebsstrukturen nicht gemacht. Neue bilden sich erst aus. Es geht um nicht weniger als die Frage, wie die Gesellschaft in Zukunft ihre Künstler entlohnt und ihre kulturelle Erneuerung sichert. „Die Trias aus Schöpfern, Interpreten und Hörern driftet auseinander“, beklagt Christian Höppner, Generalsekretär des Deutschen Musikrats. „Jeder verfolgt seine Interessen, anstatt einen gemeinsamen Lösungsweg zu suchen.“

Auf der einen Seite steht eine Industrie, die ihre Gewinne am liebsten eins zu eins ins neue Medium hinüberretten würde; auf der anderen Seite eine große Hörerschaft, die nicht einsieht, warum sie für ein unbegrenzt kopierbares Datenbündel noch immer 10 Euro zahlen soll. Und dazwischen die Künstler, auf sich selbst gestellt und ohne eigene Interessenvertretung, in der nicht auch die Verwerter mitsprechen würden. Ein Zusammenschluss der Urheber ist eine der Chancen, die in einem öffentlich organisierten Vergütungssystem wie der Kulturflatrate liegen. Es könnte erstmals eine exakte Abrechnung zwischen Künstler und Hörer schaffen und die Tauschbörsennutzer an die Kasse holen. Industrie und CDU würden die Piraten lieber gleich vom Internet trennen. Legalisierung oder Sanktionen – eine Frage für die nächste Legislaturperiode.

Die Musikkonzerne verlieren den Anschluss an die Diskussion.

[...] Zehn Jahre ist es her, dass die erste Tauschbörsensoftware Napster das Ende der CD einläutete. Inzwischen sitzt der erste Internetpirat im Europaparlament. Kulturpiraten, argumentiert der Musikjournalist Matt Mason in seinem gratis im Netz veröffentlichten Buch „The Pirate’s Dilemma“, sind nicht der Feind. Sie erfinden neue Stile, Technologien und Geschäftsmodelle. Ohne ihre Innovationen wäre die heutige Kulturindustrie nicht denkbar.

...

Quote
von  gieslinder  gieslinder ist gerade offline  | 27.7.2009 11:15 Uhr
Ein Tag in der Kulturredaktion...
...das muß schon toll sein : Fern jeder Realität, schreibt man
sich das Leben schön.
Hier der gute Künstler, dort die fiese Industrie. Allerdings
frage ich mich, warum Künstler immer noch bei der bösen Industrie
ihre Platten rausbringen und vor allem : warum fast alle bei der
Gema sind ? Das ist für mich ein Widerspruch ! Wenn's doch alles
umsonst sein soll, dann muß doch keiner mehr die Urheberrechte
schützen lassen, wie es die Gema tut.
Aber ich kann es mir schon denken : Als Künstler und mit ihm, die
Verbündeten im Feuilleton, stehen doch lieber auf der Seite des Guten, Schönen und Wahren. Fürs harte, böse Geschäft sind dann
die Manager und eben die fiese Plattenindustrie da. So kann man
sich auch in die Tasche lügen.


Quote
Comment
von dondoof dondoof ist gerade offline | 28.7.2009 21:45 Uhr
dankedankedanke.
danke für diesen wunderbaren text und das hervorragende beispiel amanda palmer. allein schon, weil sich in den kommentaren zeigt, welche abstrusen bilder von gebilden wie "der konsument", "der künstler", "die industrie" und nicht zuletzt "die gema" existieren. fakten sind:

- die gema erstickt in einem ewig gestrigen haufen papierkram, der für die rechteverwertung "kleiner" künstler kaum förderlich ist. sie ist und bleibt verwerter, nicht etwa (wie so oft falsch verstanden) schützer im sinne des urheberrechts. sie verfolgt zudem ein tantiemen-modell, das weder zeitgemäß noch international gängig sein dürfte. in den usa ist es beispielsweise möglich, einzelne stücke aus dem katalog zu entfernen. das geht in de nicht. fazit: bist du drin, ist alles drin, was du geschrieben hast. und stellt alice cooper "i'm 18" für die nutzung in onlinesendern frei, gilt das in deutschland NICHT, weil die gema hier nach ihrem system tantiemen eintreibt. das nur mal als beispiel. somit ist es im übrigen auch nicht möglich, gema-mitglied zu werden, sofern man auch nur EINEN EINZIGEN SONG unter cc veröffentlicht hat. klar, oder? doof, oder?

- künstler, die sich selbst vermarkten, haben den entscheidenden vorteil, nicht mehr am ende der nahrungskette zu sitzen. das bringt viele vorteile. vielleicht nur regional - aber was soll's denn? ich persönlich höre einige bands aus aller welt, die ich ohne diese art von vermarktung kaum kennengelernt hätte. und ich habe einige alben in alle welt verkauft, weil ich mich selbst vermarktet habe. geht alles. natürlich sind es in erster linie exzentrische, zeigegeile menschen, die das am besten können. künstler eben. davon reden doch alle. das ist der preis für die fehlende retorte. man werfe auch einen blick auf jack conte, der mit seinen youtube-mashups gutes geld über downloads verdient.

- es zeigt sich hier auch, dass viele leute eben in megastar-kategorien denken. die frage ist doch eher: wer braucht das denn noch?

viele grüße.


Quote
Comment
von jeffrowland jeffrowland ist gerade offline | 27.7.2009 12:53 Uhr
Kein Naturgesetz
vielleicht sollte man grundsätzlich das Modell des Geldverdienens via Tonträger hinterfragen. Schließlich gibt es kein Naturgesetzt, das besagt, dass der Verkauf von Tonträgern den Lebensunterhalt sichert. Ich denke, hier wird ein Geschäftsmodell, das primär für den Pop-und Rockbereich funktioniert hat, stark verallgemeinert. Für klassische Musiker ist dies allenfalls ein Zubrot und Werbung für Liveauftritte, auch im Jazzbereich dürfte auch schon der bisherige Umsatz kaum für den Lebensunterhalt gesorgt haben. Wenn man etwa mal die Anzahl der in der Jazzthing alle zwei Monate besprochenen und beworbenen neuen CDs anschaut und sich dazu mal die Größe des Nischenpublikums für New Jazz vor Augen führt, wird sehr schnell zu dem Schluss gelangen, dass mit diesen Tonträgern keineswegs das große Geld verdient werden kann.
Die Interessen des Publikums wandeln sich, nicht umsonst wird Madonna ihren neuen Vertrag mit einer Vermarktungsfirma für Liveauftritte geschlossen haben
Wenn man jetzt ganz böse wäre, könnte man vielleicht sogar behaupten, das 'richtige' Musiker, die schon immer ihr Geld mit Liveauftritten und Unterrichten verdient haben, das Ganze auch etwas entspannter sehen, als Stars und deren 'Rechte'-Vermarkter...


Quote
von  e.elsolami  e.elsolami ist gerade offline  | 27.7.2009 13:44 Uhr
Payola

[...] Die sog. Formatradios sind für nichts nichts anderes da als das befohlene Abdudeln immer gleicher Musik. Und wer in diesem Forum die GEMA so hoch lobt, sollte sich vergegenwärtigen, daß diese in der Hand der Industrien ist. Nicht umsonst sollen die jüngsten Statutänderungen vor allem den Künstlern, die bei den Majors unter Vertrag sind, den Löwenanteil der Erlöse sichern, die durch eine schamlose Erhöhung der Gebühren für Veranstalter eingetrieben werden. Nein, die Musik spielt inzwischen woanders. Nur haben es deutsche Politiker und die Plattenindustrie noch nicht gemerkt. Und Veranstaltungen wie die Popkomm sind wirklich verzichtbar.





Aus: "Musikbranche - Die gute Tat der Piraten"  Von Kolja Reichert (26.7.2009)
Quelle: http://www.tagesspiegel.de/kultur/Musikpiraten-Musikindustrie-Internet;art772,2857452

Logged
Textaris(txt*bot)
Administrator
Hero Member
*****
Offline Offline

Posts: 8433

Subfrequenz Board Quotation Robot


« Reply #79 on: July 30, 2009, 08:07:20 AM »

Quote
[...] Der Guardian brachte heute einen Artikel eines der zufällig auserwählten Opfer der RIAA, die jetzt saftige Strafen zahlen sollen. Das ist der Prozess, wo erst ja, dann doch wieder nicht live aus dem Gerichtssaal gestreamt werden durfte: How it feels to be sued for $4.5m

...


Aus: "How it feels to be sued for $4.5m"
von carsten raddatz um 23:30 am Dienstag, 28. Juli 2009
http://netzpolitik.org/2009/how-it-feels-to-be-sued-for-45m/

-.-

Quote
[...] To a certain extent, I'm afraid to write this. Though they've already seized my computer and copied my hard drive, I have no guarantee they won't do it again. For the past four years, they've been threatening me, making demands for trial, deposing my parents, sisters, friends, and myself twice – the first time for nine hours, the second for seven. I face up to $4.5m in fines and the last case like mine that went to trial had a jury verdict of $1.92m.

When I contemplate this, I have to remind myself what I'm being charged with. Investment fraud? Robbing a casino? A cyber-attack against the federal government? No. I shared music. And refused to cave.

...

Comments in chronological order (Total 520 comments) [30.07.2009]


From: "How it feels to be sued for $4.5m" (27.07.2009)
Source: http://www.guardian.co.uk/music/musicblog/2009/jul/27/filesharing-music-industry

Logged
Textaris(txt*bot)
Administrator
Hero Member
*****
Offline Offline

Posts: 8433

Subfrequenz Board Quotation Robot


« Reply #80 on: August 01, 2009, 07:00:06 AM »

Quote
[...] Der Filesharing-Prozess gegen Joel Tenenbaum vor dem US-Bundesgericht in Boston (Massachusetts) ist am Donnerstag mit der Aussage des Beklagten fortgesetzt worden. Der 25-jährige Student hat sich den Fragen der Klageseite gestellt und dabei ohne Umschweife eingeräumt, die strittigen 30 Songs über Kazaa heruntergeladen und darüber in der Prozessvorbereitung gelogen zu haben. Tenenbaum sagte darüber hinaus aus, er sei sich dabei bewusst gewesen, dass andere Kazaa-Teilnehmer von seinem Rechner Songs herunterladen konnten. Auf die Frage der Klagevertreter, ob er die Verantwortung für "Download und Verbreitung aller 30 zur Debatte stehenden Songs" übernehme, antwortete Tenenbaum: "Ja."

Mit technischen und rechtlichen Fragen der Urheberschaft, der nachgewiesenen Verbreitung oder der Beweiskraft der vorgelegten Ermittlungsergebnisse müssen sich die Geschworenen nach dem Geständnis des Beklagten nicht mehr herumplagen. Richterin Nancy Gertner wies die Jury mit einer der vergangenen Nacht veröffentlichten Entscheidung an, die Urheberrechtsverletzung in 30 Fallen als nachgewiesen zu betrachten und nur noch über den Schadensersatz zu entscheiden. Gertner änderte damit ihre eigene Anordnung vom Vortag, in der sie zunächst nur die Urheberschaft der Kläger als nachgewiesen betrachtet und die Entscheidung über eine Rechtsverletzung den Geschworenen überlassen hatte.

Damit geht es in dem Prozess nur noch um die Höhe des Schadensersatzes. Wenn sich die Geschworenen wie geplant am heutigen Freitag zur Beratung zurückziehen, müssen sie darüber befinden, ob Tenenbaum die Urheberrechte der Kläger willentlich verletzt hat und die Summe für jeden einzelnen Song festlegen. Der Vorsatz macht dabei einen wesentlichen Unterschied: Das Gesetz sieht Schadensersatz zwischen 750 und 30.000 US-Dollar pro Verstoß vor, bei willentlichen Verstößen bis zu 150.000 US-Dollar. Tenenbaum droht damit eine Summe von bis zu 4,5 Millionen US-Dollar (3,2 Millionen Euro).

Für Tenenbaum lautet die spannende Frage nun, ob er mit 22.500 US-Dollar davonkommt oder die Geschworenen ihm eine Millionenstrafe aufbrummen – wie die Jury in dem ersten überhaupt verhandelten Filesharing-Prozess gegen Jammie Thomas-Rasset. Die 32-Jährige war in der Neuauflage ihres Verfahrens zu 1,92 Millionen US-Dollar verurteilt worden. Solche angesichts des Handelspreises für 30 Songs bei Anbietern wie iTunes oder Amazon absurd anmutenden Schadensersatzsummen dürften der Musikindustrie als Abschreckung willkommen sein, werden allerdings auch weiter die Gerichte beschäftigen. Das Verfahren gegen Thomas-Rasset geht in Berufung, unter anderem wegen Zweifeln an der Verfassungsmäßigkeit des gesetzlichen Schadensersatzes.

Das ist auch der Weg, den Tenenbaums Verteidigung einschlagen könnte. So ist neben Harvard-Professor Charles Nesson auch Thomas-Rassets Anwalt Kiwi Camara für Tenenbaum im Einsatz. Tatsächlich hat es bisher nicht so ausgesehen, als ob der umtriebige Harvard-Professor einer konkreten Strategie folgt. Im Gegenteil konnten Prozessbeobachter den Eindruck gewinnen, dass die Mätzchen des erfahrenen Juristen seinem Mandanten bisher eher geschadet haben. Nesson hatte die Geduld der vorsitzenden Richterin mehrfach auf die Probe gestellt, unter anderem mit wiederholten Anträgen, das Verfahren live ins Internet zu übertragen.

Die Schlussplädoyers am heutigen Freitag werden zeigen, ob Nesson noch ein As im Ärmel hat. Danach sieht es allerdings nicht aus, auf ihrer Website zieht die Verteidigung bereits ein Resümee des Verfahrens: "Die Schlacht wurde verloren, der Krieg ist aber noch nicht vorbei".

(vbr/c't) 

Quote
31. Juli 2009 19:44
Das Internet darf kein Rechtsfreier Raum sein...
0xd00faffe (mehr als 1000 Beiträge seit 02.04.01)

... es müssen die selben Regeln gelten wie in der offline-Welt,
schreien unsere Politiker doch immer ...

Also, vergleichen wir doch mal:
Fahrkarte von meiner Haustüre zum Stachus kostet 2,10€
Kaufe ich mir die nicht und werde erwischt kostet das 40€
Macht Faktor 19

1 Song bei Amazon oder Itunes kostet ca 1€

...



Aus: "Geständnis in US-Filesharing-Prozess" (31.07.2009)
Quelle: http://www.heise.de/newsticker/Gestaendnis-in-US-Filesharing-Prozess--/meldung/142898

Logged
Textaris(txt*bot)
Administrator
Hero Member
*****
Offline Offline

Posts: 8433

Subfrequenz Board Quotation Robot


« Reply #81 on: September 06, 2009, 12:45:56 PM »

Quote
[...] "Pop mit Staatsknete" - die Zeile, mit der die Popzeitschrift Spex in ihrer aktuellen Ausgabe den Schwerpunkt überschreibt, hat es in sich. Die Krise der Plattenkonzerne hat die Musikbranche endgültig darauf gebracht, nun auch, wie so viele andere Künste, ihr Stück vom großen Kultursubventionskuchen zu fordern. Allen voran wird der Cheflobbyist der Musikindustrie, Dieter Gorny, nicht müde auf jedem Podium temperamentvoll Unterstützung für die Popmusik zu verlangen. Aber auch exponierte Vertreter der unabhängigen Labels, Produzenten und Verlage wie der Musikverleger und ehemalige Bassist der Einstürzenden Neubauten, Mark Chung, sind längst mit im Boot.

Allzu weit sind sie im Vergleich zu anderen Künsten bislang noch nicht gekommen, die Ohren der Politik scheinen jedoch immer größer zu werden. Der "Initiative Musik" etwa, einer maßgeblich durch das Engagement des CDU-Abgeordneten Steffen Ketterer im Oktober 2007 zustande gekommene Fördereinrichtung der Bundesregierung für die Musikwirtschaft, stehen in diesem Jahr schon über 2,3 Millionen Euro zur Verfügung. Doppelt soviel wie noch 2008. Die sogenannte "siebte Förderrunde" der Initiative ist am 12. August zu Ende gegangen. Weitere zwei Infrastruktur- und 19 Künstlerprojekte werden nun mit fast 325000 Euro unterstützt. So weit, so gut.

Die Selbstverständlichkeit jedoch, mit der die nun warmlaufende Institutionalisierung einer so merkwürdigen Sache wie direkter staatlicher Förderung von kommerziell orientierter Musik (an der es zudem alles andere als mangelt) inzwischen hingenommen wird, ist erstaunlich. An der Unwiderstehlichkeit der Argumente kann das nicht liegen.

...


Aus: "Rock around the Gießkanne" Von J.-C. Rabe (04.09.2009)
Quelle: http://www.sueddeutsche.de/kultur/104/486519/text/

Logged
Textaris(txt*bot)
Administrator
Hero Member
*****
Offline Offline

Posts: 8433

Subfrequenz Board Quotation Robot


« Reply #82 on: September 11, 2009, 06:58:28 AM »

Quote
[...] Musiker und Produzenten sprechen sich gegen die Pläne der britischen Regierung aus, illegales Filesharing mit Zugangssperren für mehrfach erwischte Internetnutzer zu ahnden. Die Mitglieder der Featured Artists Coalition (FAC), der Komponistenvereinigung British Academy for Songwriters, Composers and Authors (BASCA) und des Produzentenverbands Music Producers Guild (MPG) wenden sich in einer gemeinsam veröffentlichten Erklärung gegen die auf Initiative von Labour-Wirtschaftsminister Peter Mandelson verschärfte Regierungslinie in Sachen Filesharing. Die drei Branchenorganisationen weichen damit von der Linie des Dachverbands UK Music ab.

Gut finden die Branchenvertreter die kostenlose Verbreitung ihrer Werke in den Filesharing-Netzen auch nicht. Die drei Organisationen bekennen sich zum Urheberrecht und seinem Schutz als lebenswichtig für eine gesunde Musikbranche. Doch zeigen sich die Musiker, Komponisten und Produzenten ernsthaft besorgt über die britischen Pläne für eine verschärfte Gesetzgebung. Der Ansatz der Regierung, heißt es in der gemeinsamen Antwort der Branchenorganisationen auf einen "nicht beantwortbaren" Fragenkatalog des Wirtschaftsministeriums, deute auf eine "weit von der Öffentlichkeit und den Musikkonsumenten entfernte Denkweise" hin.

Die "schwammige Schätzung" für den jährlichen Nutzen der geplanten Gesetze auf etwa 200 Millionen Pfund beruhe auf der Annahme, dass jeder getauschte Song ein der Industrie entgangener Verkauf sei. Das sei nur "Lobbyisten-Sprech" und entbehre jeder logischen und wissenschaftlichen Grundlage. Im Gegenteil gebe es Hinweise, dass regelmäßige Filesharer ebenso regelmäßig Musik oder Filme kaufen. Darüber hinaus halten die Branchenorganisationen die offiziellen Schätzungen der Kosten für die Durchsetzung des Gesetzes (65 Millionen bis 85 Millionen Pfund im ersten Jahr) für "grob untertrieben" und damit im Hinblick auf den wirtschaftlichen Nutzen für "eindeutig unverhältnismäßig".

"Die Branche muss nach vorne schauen, nicht zurück", erklärte BASCA-Chef Patrick Rackow gegenüber der BBC. "Wir haben hier ein Riesenproblem, für das wir eine Lösung finden müssen. Ich kenne die Lösung nicht, ich glaube, keiner kennt sie." Keine Lösung seien aber harte Sanktionen gegen Musikfans. "Es gibt bessere Wege, damit umzugehen, ohne die Verbraucher total aufzuregen." Mit schweren Geschützen würden die Fans endgültig vergrault, meint auch FAC-Vorstandsmitglied Ed O'Brien. "Damit beginnen sie einen Krieg, den sie nie gewinnen werden." Zu den Regierungsplänen sagte der Radiohead-Musiker: "Es wird nicht funktionieren. So einfach ist das."

Die britische Regierung drängt zu härteren Maßnahmen gegen illegale Filesharer. Die Regierung erwägt dabei Netzsperren als "letztes Mittel gegen den harten Kern von Copyright-Piraten", wie es aus dem Wirtschaftsministeriums hieß. Danach sollen die Kompetenzen der britischen Aufsichtsbehörde Ofcom erweitert werden. Die Behörde soll künftig bei Providern Sanktionen bis zu Anschlusssperren gegen illegale Filesharer durchsetzen können. Vorbild ist das in Frankreich weiter heftig umstrittene Hadopi-Gesetz, laut dem eine neue Behörde die Sanktionen gegen wiederholte Filesharer aussprechen soll. Nachdem sich die britische Regierung in ihrem Zukunftsreport "Digital Britain" zunächst gegen Netzsperren und für gemäßigtere Sanktionen ausgesprochen hatte, hat Wirtschaftsminister Mandelson eine Verschärfung in die Debatte eingebracht.

(vbr/c't)




Aus: "Musiker gegen Internetsperren bei Filesharing" (10.09.2009)
Quelle: http://www.heise.de/newsticker/Musiker-gegen-Internetsperren-bei-Filesharing--/meldung/145147

Logged
Textaris(txt*bot)
Administrator
Hero Member
*****
Offline Offline

Posts: 8433

Subfrequenz Board Quotation Robot


« Reply #83 on: May 19, 2010, 08:14:12 AM »

Quote
[...] Die PPCA glaubt nicht, dass die Fitness-Firmen tatsächlich auf kostenfreie Tonkunst umsteigen: Dies sei keine "echte Musik" und werde von den Kunden nicht akzeptiert werden.

...


Aus: "Australische Fitness-Studios wollen auf freie Musik umsteigen" (18.05.2010)
Quelle: http://www.heise.de/newsticker/meldung/Australische-Fitness-Studios-wollen-auf-freie-Musik-umsteigen-1002590.html

Logged
Textaris(txt*bot)
Administrator
Hero Member
*****
Offline Offline

Posts: 8433

Subfrequenz Board Quotation Robot


« Reply #84 on: July 15, 2010, 08:36:21 AM »

That report suggests that for every $1,000 sold, the average musician gets $23.40. Here's the chart that the article shows, though you should read the whole article for all of the details...

"RIAA Accounting: Why Even Major Label Musicians Rarely Make Money From Album Sales"
by Mike Masnick (Tue, Jul 13th 2010)
http://www.techdirt.com/articles/20100712/23482610186.shtml


"The Music Industry's Funny Money"
Still think a music career is an easy path to a blinged-out life? Don't believe the hype. A whole lot of folks have to get paid before the musician does. The Root traces the money trail.
By: Cord Jefferson | Posted: July 6, 2010 at 5:48 AM
http://www.theroot.com/views/how-much-do-you-musicians-really-make?GT1=38002

Logged
Textaris(txt*bot)
Administrator
Hero Member
*****
Offline Offline

Posts: 8433

Subfrequenz Board Quotation Robot


« Reply #85 on: November 24, 2010, 05:14:45 PM »

Quote
[...] Aachen. Für Donnerstag wird Schnee vorhergesagt, der dann still und leise über den Weihnachtsmarkt rieseln kann. Denn: Erstmals hat der Märkte und Aktionskreis City (kurz MAC) die Weihnachtsmusik abgedreht. Statt Lieder wie «O Tannenbaum» und «Süßer die Glocken nie klingen» tönen aus den dezent angebrachten Lautsprechern in diesem Jahr nur Warnhinweise und Personenaufrufe.

«Die Kosten für die Gema-Gebühren sind explodiert», sagt MAC-Geschäftsführer Manfred Piana. Bislang sei die Hintergrundmusik finanzierbar gewesen und habe pauschal mit rund 4000 Euro für die Zeit des Weihnachtsmarktes zu Buche geschlagen: «Diesmal war wohl ein neuer Sachbearbeiter am Werk und hat die Gebühren um rund 200 Prozent erhöht.»

Das heißt, der MAC hätte diesmal etwa 12.000 Euro für die nicht unumstrittene weihnachtsmusikalische Beschallung berappen müssen. «Das ist unserer Meinung nach nicht mehr angemessen und steht in keiner Relation», betont Piana.

Zahlreiche Anbieter sehen das anders. «Mir ist das zwar noch gar nicht aufgefallen, aber zu einem weihnachtlichen Flair gehört auch die passende Musik», meint Petra Permantier, die an ihrem Stand Figuren und Holzanhänger verkauft.

Regelrecht empört sind Liesel Taschbach und Adi Warrimont, die seit 30 Jahren mit einem Holzbrettchen-Stand am Weihnachtsmarkt vertreten sind: «Das Flair des Weihnachtsmarktes fehlt diesmal völlig. Die Kauflaune der Besucher ist ohne Musik ganz schlecht.»

Ähnlich sieht das auch Irma Winkens, bei der Spielzeuge über die Theke gehen: «Musik gehört untrennbar zum Weihnachtsmarkt.» Noch deutlicher wird Veronika Schorn, die Stofftiere und Räuchermännchen anbietet: «Ein Weihnachtsmarkt ohne Musik ist eine traurige Veranstaltung. Ordentliche Weihnachtsmusik motiviert die Besucher eher zu einem Bummel. Allerdings war die Auswahl der Stücke in den Jahren zuvor oft störend.»

Dieser Vorwurf ist auch Manfred Piana des Öfteren zu Ohren gekommen. «Wir hatten natürlich keinen Discjockey auf dem Weihnachtsmarkt, der passend zur Stimmung die richtigen Titel wählt. Per I-Pod und Zufallswiedergabe wurde die Musik eingespielt», erklärt Manfred Piana und ergänzt: «Wir haben im vergangenen Jahr die Musik schon runtergefahren und auch damals schon diskutiert, komplett auf weihnachtliche Hintergrundmusik zu verzichten.»

... Die Besucher des Weihnachtsmarktes beurteilen den weitestgehend musikfreien Markt unterschiedlich. Bei einer nicht repräsentativen AN-Umfrage reichten die Urteile von «ohne Musik keine Stimmung» bis hin zu «die Stille trägt zu einer schönen Atmosphäre bei». Vor allem die jüngeren Gäste vermissen die Berieselung, wie beispielsweise eine Schülergruppe vom Kaiser-Karls-Gymnasium: «Wir finden den Weihnachtsmarkt ohne Musik langweilig.»

...


Aus: "Weihnachtsmarkt: Stille statt «Stille Nacht»" (23.11.2010)
Quelle: http://www.an-online.de/lokales/aachen-detail-an/1469665?_link=&skip=&_g=Weihnachtsmarkt-Stille-statt-Stille-Nacht.html

Logged
Textaris(txt*bot)
Administrator
Hero Member
*****
Offline Offline

Posts: 8433

Subfrequenz Board Quotation Robot


« Reply #86 on: December 16, 2010, 10:40:14 AM »

Quote
[...] Im vergangenen Jahr rückten Facebook-Aktivisten dem kalkulierten "X Factor"-Hit mit krachenden Gitarrenriffs zu Leibe, indem sie zum massenhaften Download eines Songs der Crossover-Band Rage Against The Machine aufriefen. Die Mission der "X Faktor"-Gegner ging auf: Rund eine halbe Million Mal verkaufte sich der 17 Jahre alte Titel "Killing in the Name" und verwies Großbritanniens Casting-Star Joe McElderry mit seiner Schmuseballade auf Platz zwei.

An diesen Erfolg versucht die Online-Initiative Cage Against The Maschine nun anzuschließen - in diesem Jahr allerdings mit feiner Ironie statt brachialem Titel: Bei Facebook und anderen Netzwerken rufen die Aktivisten zum Kauf des Stücks "4'33" auf - Vier Minuten, 33 Sekunden aufgenommenes Nichtmusizieren.

Gegen das Gedudel

Das Opus stammt aus der Feder des verstorbenen Avantgarde-Komponisten John Cage. Im Jahr 1952 uraufgeführt, besteht es aus drei Sätzen absoluten Schweigens, die Musiker rühren ihre Instrumente nicht an, klappen höchstens den Klavierdeckel auf und nach dem Stück wieder zu. Sie zelebrieren die Stille, die, wie sich herausstellt, durchaus mehr als Nichts bietet: Da ist Hüsteln aus dem Publikum zu hören, entfernter Straßenverkehr zu ahnen, alles in allem ein Hintergrundrauschen, das viel raumeinnehmender ist als man es zunächst erwartet. Bereits damals wurde der Titel auch als Statement gegen das allgegenwärtige Kaufhausgedudel des urbanen Nachkriegs-Amerikas verstanden.

Und jetzt: Stille im Radio als Antwort auf kalkulierbare Casting-Hits? Wenn es nach dem Willen der stillen Protestler geht, werden die britischen Radiostationen nicht darum herumkommen, die Neuaufnahme von John Cages 4'33 als neue Nummer Eins vorzustellen. Facebooks Mobilisierungspotential soll es möglich machen: Bereits jetzt haben 82.500 Menschen dort ihre Sympathie für das Projekt bekundet, minütlich werden es mehr.

... Dieser Kampf richtet sich letztlich generell gegen den Kommerz von Casting-Shows und Entertainment-Industrie. Nicht die Plattenbosse oder die Ideengeber der Kampagne sollen vom Erfolg profitieren, sondern verschiedene Wohltätigkeitsorganisationen, an die, nach Angaben der Macher von "Cage Against The Machine", alle Erlöse fließen sollen. Auch hier ist der unterschwellige Sarkasmus der Kampagne erkennbar: Eine der fünf Empfängerorganisationen ist die britische Tinnitus Association.

...


Aus: "Web-Kampagne gegen Pop-Industrie: Klick gemacht, stille Nacht" Von Florentine Dame (16.12.2010)
Quelle: http://www.spiegel.de/netzwelt/web/0,1518,734375,00.html

-.-

http://www.facebook.com/cageagainstthemachine

Logged
Textaris(txt*bot)
Administrator
Hero Member
*****
Offline Offline

Posts: 8433

Subfrequenz Board Quotation Robot


« Reply #87 on: January 08, 2011, 12:31:10 PM »

Quote
[...] The music industry has spent tens of millions of dollars to lobby government officials worldwide during the past decade, but whether or not the initiative has helped to shape a viable legal and commercial framework is a subject of debate.

According to a Center for Responsive Politics analysis based on data collected from the United States Secretary of the Senate Office of Public Records (SOPR), the recorded music industry and the Recording Industry of America (RIAA) have spent over $90 million in lobbying efforts in the United States alone since 2000.

The total represents money spent after CD sales began to see steep declines in revenue as file sharing became more common. The music industry spent $4.0 million in lobbying in 2000, a figure which rose significantly to $17.5 million in 2009, according to the Center for Responsive Politics. The industry also has actively lobbied officials with the World Intellectual Property Organization (WIPO) and affiliated organisations, although data indicating how much it spent for these groups is not readily available.

The sum spent on lobbying efforts to enforce copyright protections reflects an effort to thwart file sharing that is more ambitious in scale compared to other media industry groups in the United States. The motion picture industry, for example, spent less than half of what the music industry invested in lobbying during the 2000-2010 period, according to the Center for Responsive Politics’ statistics. The RIAA and recording industry players have also spent over $50 million in legal fees for the industry’s lawsuit campaign intended to thwart illegal file sharing, according to tax filings and estimates by attorneys involved in the litigation.

“The music industry is spending more than other media groups,” said Dave Levinthal, communications director for the Center for Responsive Politics.

...


From: "Special Report: Music Industry’s Lavish Lobby Campaign For Digital Rights"
By Bruce Gain for Intellectual Property Watch @ 6 January 2011 4:38 pm
Source: http://www.ip-watch.org/weblog/2011/01/06/special-report-music-industrys-lavish-lobby-campaign-for-digital-rights/

Logged
Textaris(txt*bot)
Administrator
Hero Member
*****
Offline Offline

Posts: 8433

Subfrequenz Board Quotation Robot


« Reply #88 on: September 13, 2011, 09:04:31 AM »

Quote
[...] Der EU-Ministerrat hat wie erwartet am Montag die Geltungsdauer bestimmter Schutzrechte für Tonaufnahmen von derzeit 50 auf 70 Jahre verlängert. Laut Mitteilung (PDF-Datei: http://www.consilium.europa.eu/uedocs/cms_data/docs/pressdata/en/intm/124570.pdf) gab es keine einhellige Entscheidung: Belgien, Tschechien, die Niederlande, Luxemburg, Rumänien, Slowakei, Slowenien und Schweden haben gegen die Direktive gestimmt, Österreich und Estland enthielten sich. Zuvor hatten auch Urheberrechtsexperten und Bürgerrechtsorganisationen das Vorhaben kritisiert. Die Mitgliedsländer haben nun zwei Jahre Zeit, die neue Regelung in ihren nationalen Gesetzen zu berücksichtigen.

Damit soll der Schutz der sogenannten verwandten Schutzrechte auf Tonaufnahmen länger währen. Dazu zählen die Rechte an der Aufführung eines urheberrechtlich geschützten Werkes, nicht aber die Urheberrechte der Autoren oder Komponisten selbst. Im Musikbereich etwa sind die Einspielungen von Musikwerken betroffen: Darunter fallen die Beiträge der an den Aufnahmen beteiligten Interpreten sowie Leistungsschutzrechte für Produktion, Vervielfältigung und Veröffentlichung.

Die EU-Kommission hatte sich 2008 für eine Verlängerung der Schutzfristen auf 95 Jahre eingesetzt. Das Europäische Parlament stimmte 2009 der Verlängerung zu, allerdings nur um 20 Jahre. Urheberrechtsexperten kritisierten, die EU-Kommission habe bei den Plänen sich die Feder zu sehr von der Musikindustrie führen lassen. Der EU-Rat argumentierte, die Künstler würden in der Regel ihre Karrieren relativ früh beginnen, daher seien nach den bisherigen Regeln ihre Werke nicht über ihre gesamte Lebenszeit geschützt. Außerdem soll die Rechtslage in der EU harmonisiert werden. (anw)

Quote
13. September 2011 09:08
Dann können ja die Rechte mit dem Tod des Künstlers erlöschen...
Hightower

Zitat: "Der EU-Rat argumentierte, die Künstler würden in der Regel
ihre Karrieren relativ früh beginnen, daher seien nach den bisherigen
Regeln ihre Werke nicht über ihre gesamte Lebenszeit geschützt."


Quote
13. September 2011 08:54
Der EU-Rat argumentierte.. (Editiert vom Verfasser am 13.09.11 um 08:54)
Jotun (mehr als 1000 Beiträge seit 04.10.01)

"Der EU-Rat argumentierte, die Künstler würden in der Regel ihre
Karrieren relativ früh beginnen, daher seien nach den bisherigen
Regeln ihre Werke nicht über ihre gesamte Lebenszeit geschützt.
Außerdem soll die Rechtslage in der EU harmonisiert werden."

Dumm nur, dass es bei dem Gesetz um "die Rechte an der Aufführung
eines urheberrechtlich geschützten Werkes, nicht aber die
Urheberrechte der Autoren oder Komponisten selbst" geht. Die Rechte
an der Aufführung hat der arme, junge Künstler aber in aller Regel an
die Musikindustrie abgetreten.
Aber wer hätte etwas anderes erwartet, wenn die Politiker sich von
eben dieser Industrie beraten lassen (a.k.a. das Gesetz diktieren).

...




Aus: "EU-Rat beschließt längere Schutzfrist für Tonaufnahmen" (13.09.2011)
Quelle: http://www.heise.de/newsticker/meldung/EU-Rat-beschliesst-laengere-Schutzfrist-fuer-Tonaufnahmen-1341496.html

Logged
Textaris(txt*bot)
Administrator
Hero Member
*****
Offline Offline

Posts: 8433

Subfrequenz Board Quotation Robot


« Reply #89 on: June 13, 2012, 09:55:38 PM »

Quote
[...] Die Gema soll bei einer Aktion IP-Adressen von Anonymous-Aktivisten ermittelt haben. Auf der Grundlage gab es heute und gestern Durchsuchungen gegen 106 Menschen in Deutschland.

Das Bundeskriminalamt hat am 12. und 13. Juni 2012 bundesweit Wohnungen von mutmaßlichen Mitgliedern des Kollektivs Anonymous durchsuchen lassen. Betroffen waren insgesamt 106 Menschen, gegen die wegen Teilnahme an einer DDOS-Attacke auf die Server der deutschen Musikrechteverwertung Gema ermittelt wird. Das berichtet Welt Online unter Berufung auf Sprecher der Gema sowie der Generalstaatsanwaltschaft Frankfurt.

Ein Gema-Sprecher sagte: "Die Gema steht häufiger im Fadenkreuz von Hackerangriffen, das sind wir schon gewohnt. Doch im Dezember gab es einige Angriffe, die zu massiven Einschränkungen für Kunden und Mitarbeiter der Gema geführt haben." Die Gema habe IP-Adressen der Angreifer sammeln und die Daten den Ermittlungsbehörden übergeben können.

...


Aus: "Bundeskriminalamt startet Massenrazzia gegen Anonymous" Achim Sawall (13.6.2012)
Quelle: http://www.golem.de/news/gema-bundeskriminalamt-startet-massenrazzia-gegen-anonymous-1206-92510.html

-.-

Quote
[...] Womöglich hat es schon ausgereicht, auf einen bestimmten Link zu klicken, um auf die Liste der Verdächtigen zu kommen.

Der Vorwurf der Behörden lautet nun: Computersabotage. Wer die Datenverarbeitung anderer erheblich stört, dem können nach Strafgesetzbuch, Paragraf 303, eine mehrjährige Freiheitsstrafe oder eine Geldstrafe drohen.

Die bundesweite Aktion ging von der Generalstaatsanwaltschaft Frankfurt aus, die seit Dezember 2011 mit Unterstützung des Bundeskriminalamts in der Sache ermittelt. Es gehe um insgesamt 106 Beschuldigte, bestätigt Oberstaatsanwalt Alexander Badle dem SPIEGEL. Allein in Hessen seien zehn Durchsuchungsbeschlüsse vollstreckt worden, so Badle. Die Fälle der nicht in Hessen ansässigen Beschuldigten seien an die zuständigen Staatsanwaltschaften abgegeben worden. Der Schwerpunkt lag mit 33 Fällen in Nordrhein-Westfalen, 18 sind es in Baden-Württemberg und 15 in Berlin.

Nach ersten Erkenntnissen der Ermittler handle es sich bei den tatsächlich Verdächtigen wie zu erwarten um Jugendliche und Heranwachsende - und nicht um die ermittelten Anschlussinhaber.

Der plötzliche Polizeibesuch sorgte gestern in vielen Fällen für ernste Diskussionen im Familienkreis. Von SPIEGEL ONLINE kontaktierte Betroffene sprachen von "massivem Stress mit den Eltern". Andere haben für den Vorwurf, ebenfalls hinter den Gema-Attacken zu stecken, gar keine Erklärung.

So ist es auch im Fall einer Berliner Familie, den Doreen Kröber samt dem abfotografierten Durchsuchungsbeschluss des Amtsgerichts Wiesbaden in ihrem Blog beschreibt. Dass das gezeigte Dokument authentisch ist, wurde dem SPIEGEL bestätigt.

Es war am Dienstag kurz nach acht Uhr morgens, als drei Berliner LKA-Beamte in Zivil an einer Wohnungstür in Tempelhof klingelten und eine überraschte Berlinerin um Einlass baten. Mit der Polizei hatte die zweifache Mutter bislang vor allem als Arbeitgeber zu tun. Sie war dort mehrere Jahre als Angestellte tätig. Doch nun präsentierten ihr die Ex-Kollegen den Beschluss - in dem es heißt, vom Internetanschluss der Familie sei am 17. Dezember abends die Webseite der Gema attackiert worden.

Der Tatverdacht, heißt es in dem veröffentlichten Beschluss weiter, "beruht auf Ermittlungen des BKA und den gesicherten Logdateien des Webservers der Webseite der GEMA und der Auskunft des Internet Service Providers". Die Verdächtigen hatten sich "bewusst" an einem Anonymous-Angriff beteiligt, so der Vorwurf. Zwar sei die Gema-Seite zu keinem Zeitpunkt unerreichbar gewesen, aber erheblich langsamer geworden, heißt es in dem Beschluss.

Weder sie selbst noch ihr Mann, der als Beschuldigter geführt wird, weil der Internetanschluss auf seinen Namen läuft, könnten sich darauf einen Reim machen, sagt die Berlinerin dem SPIEGEL. Ihre Kinder seien sechs und neun. Die Beamten seien freundlich gewesen, dennoch kritisiert die 40-Jährige die Durchsuchung als "unverhältnismäßig".


...


Aus: "Razzia trifft Anonymous-Mitläufer" Von Judith Horchert und Marcel Rosenbach (13.06.2012)
Quelle: http://www.spiegel.de/netzwelt/netzpolitik/anonymous-attacke-gegen-gema-fuehrt-zu-hausdurchsuchungen-a-838656.html

-.-

Quote
[...] ...

Quote
wissen ist ohnmacht, 13. Juni 2012 22:07

Gierige Ekel Melken Ahnungslose

Was wirft man den Betroffenen eigentlich vor? Eine Webseite ist
vorübergehend ein wenig langsamer erreichbar gewesen? Oh, welch
Frevel! ...



http://www.heise.de/newsticker/foren/S-Gierige-Ekel-Melken-Ahnungslose/forum-230831/msg-21970532/read/showthread-1/

-.-

Quote
[...] Nachdem die Website der Gema Ende der vergangenen Woche wieder das Ziel von Angriffen – mutmaßlich durch die Hackergruppierung Anonymous – geworden ist, verzichtet die Musikverwertungsgesellschaft diesmal auf eine Strafanzeige. Gegenüber der dpa begründete ein Sprecher die Entscheidung damit, dass die Angreifer diesmal nur schwer zu identifizieren seien und die Auswirkungen der Attacken gering waren. Nach den Angriffen war am Sonntag im Namen von Anonymous ein Video auf Youtube veröffentlicht worden, in dem es unter anderem heißt: "Die GEMA hat eine Grenze überschritten. Wir bedauern keinen unserer Angriffe".

Erst in der vergangenen Woche hatte das Bundeskriminalamt (BKA) bundesweit Wohnungen durchsucht und Rechner sowie Mobilgeräte beschlagnahmt. Die mehr als 100 Beschuldigten sollen sich im Dezember 2011 an einer DDoS-Attacke auf den Server der Gema beteiligt haben. Diese Angriffe hätten laut der Verwertungsgesellschaft zu massiven Einschränkungen für Kunden und Mitarbeiter geführt. (mho)

Quote
19. Juni 2012 16:44
Semi-OT: Was ich an der GEMA-Kritik nicht verstehe...
srws (187 Beiträge seit 19.09.07)

Für den größten Teil der Heiseforen-Teilnehmer scheint ja klar zu
sein, dass die Gema ein mafiöser Verein ist, der durch seine
gesetzlich geschützten Umtriebe sowohl Veranstaltern und
Clubbetreibern als auch unbekannten Künstlern schadet, nebenbei noch
das Internet zensiert (youtube), durch Abgabeforderungen Datenträger
verteuert und das Geld Bohlen & Co in den Rachen schiebt. Das mag
alles stimmen und ich selbst halte diese Tatsache für eine
Ungeheuerlichkeit. Allerdings erfährt man außerhalb des Heise-Forums
und einiger Blogs relativ wenig von dieser ganzen Problematik, und
das obwohl ein Großteil der Bevölkerung davon betroffen ist: Wenn
Veranstaltungen teurer werden, Clubs schließen müssen und Musik und
Videos im deutschen Internet nicht verfügbar sind, haben darunter
nicht nur ein paar Anonymous-Geeks sondern die breite Masse zu
leiden. Diese scheint sich dieser ganzen Problematik aber kaum
bewusst zu sein.

Meiner Meinung nach geht Google hier genau den richtigen Weg: Sie
sagen ganz klar, wer hinter den Videosperrungen steht und machen so
vielleicht auch Hans Müller, der doch nur mal auf Youtube ein Video
seines Lieblingsschlagersängers sehen wollte, auf die Gema
aufmerksam. Ich verstehe nicht, wieso nicht viel mehr Betroffene
diesem Beispiel folgen: Wenn Veranstaltungen teurer werden weil die
Gema höhere Gebühren verlangt, könnten die Veranstalter ihren Gästen
den Grund ganz klar nennen, ebenso wenn Clubbetreiber höhere Preise
für Getränke in ihren Clubs verlangen müssen um damit gestiegene
Gebührenforderungen zu finanzieren. Wenn kleine Bands nicht ohne
weiteres Musik auf ihrer Website veröffentlichen dürfen, könnten sie
doch dort den Grund genau nennen und auf die Gema verweisen. Sogar
Hersteller von Speichermedien könnten die erhobenen Gebühren auf die
Verpackungen drucken.

Denn: solange nur ein paar Heise-Foristen und Anonymous-Kiddies gegen
die GEMA vorgehen, wird sich an der Situation sicher nichts ändern.
Wenn dagegen in der breiten Öffentlichkeit eine Stimmung gegen diesen
Verein erzeugt wird, wird dies über kurz oder lang dazu führen, dass
Nachwuchsmusiker nicht mehr der GEMA beitreten,
Koknkurrenzgesellschaften Erfolg haben
(http://www.heise.de/newsticker/meldung/Konkurrenz-fuer-die-GEMA-1580419.html),
die Politik mal ein Auge auf den Verein wirft oder sogar die GEMA
selbst umdenkt (auch wenn letzteres bisher sehr unwahrscheinlich
erscheint).


Quote
web goodbye , 19. Juni 2012 15:53

Dank der GEMA wissen wir jetzt wie es um die Totalüberwachung steht
denn der zurückliegende BKA Einsatz hat klar gemacht, dass die
Strafverfolgungsbehörden jeden Respekt vor dem Schutz der Privatsphäre
verloren haben.

Aus nahezu nichtigem Anlass ... wurde Hausfriedensbruch begangen. Die Hemmschwelle
dazu liegt mittlerweile im Keller.

Quote
19. Juni 2012 16:03
Re: Dank der GEMA wissen wir jetzt wie es um die Totalüberwachung steht
Jotun (mehr als 1000 Beiträge seit 04.10.01)

web goodbye schrieb am 19. Juni 2012 15:53

> Aus nahezu nichtigem Anlass, und nichteinmal mit einem begründbaren
> Anfangsverdacht, wurde Hausfriedensbruch begangen.

Ein bandenmäßiger, organiesierter Gesetzesbruch ist also nichtig? Und
eine IP-Adresse die nicht nur einmal im Log auftauchte, zu genau der
Zeit als dazu aufgerufen wurde, eine IP-Adresse von der tausende
Anfragen pro Sekunde abgeschickt wurden ist nicht begründbar?
Die IP-Adresse mag kein entscheidender Beweis sein, aber sie ist auf
jedenfall ein Indiz. Und zur Beweissicherung hat man sich jetzt die
passenden Hardware geholt.
Jeder einzelne mag nicht so viel gemacht haben. Aber die Masse
machts. Und wer Teil der Masse ist, braucht nicht damit zu rechnen
dass er deswegen in dieser untergeht.

Quote
19. Juni 2012 16:32
Re: Da waren die Urheber, also Anonymous daran schuld
web goodbye

Es hat sich ja herausgestellt, dass diese unbedarften Mitläufer mit
Ihrer Eizelaktion kaum Schaden angerichtet haben. Dies ist den
Initiatoren anzulasten.

Übrigens, wer kann schon genau sagen, ob die DoS-Attacken nur von der
besagten Website ausgingen.
Jeder Webdesigner baut im Nullkommanix eine Seite, die lädt so ein
Javaskript ohne dass man überhaupt etwas merkt. Da brauchst du noch
nicht einmal zu klicken.

... Ich will mich frei und ohne Furcht im Web bewegen
können.

Es kommt gar nicht auf den GEMA-Fall an. Das Gesetz zur
Vorratsdatenspeicherung, das gerade ohnehin ausser Kraft gesetzt ist,
sah vor, dass Verbindungsdaten nur bei schweren Straftaten
herausgegeben werden müssen.


Ich sehe wirklich nicht ein, dass die Hemmschwelle zur
Hausdurchsuchung auf den Aufruf einer problematischen Website
reduziert wird.





Aus: "Gema stellt keine Strafanzeige gegen Hacker" (19.06.2012)
Quelle: http://www.heise.de/newsticker/meldung/Gema-stellt-keine-Strafanzeige-gegen-Hacker-1620735.html

« Last Edit: June 20, 2012, 08:02:00 AM by Textaris(txt*bot) » Logged
Pages: 1 2 3 4 5 [6] 7   Go Up
  Print  
 
Jump to:  

Powered by MySQL Powered by PHP Powered by SMF 1.1.21 | SMF © 2015, Simple Machines Valid XHTML 1.0! Valid CSS!