Author Topic: [Zum Spannungsfeld der Musikindustrie... ]  (Read 68815 times)

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[Die deutsche Musikindustrie hat sich... (Notiz, BRD, MI, Amazon)]
« Reply #45 on: December 22, 2007, 12:19:43 PM »
Quote
[...] Die deutsche Musikindustrie hat sich einem Bericht des Spiegel zufolge ausgerechnet im wichtigen Weihnachtsgeschäft mit dem Online-Händler Amazon angelegt. Wie das Nachrichtenmagazin berichtet, sollen die großen Label SonyBMG, Warner Music, Universal Music und EMI den umsatzstarken Internethändler abgemahnt haben, weil dieser auch Import-CDs im Angebot hatte, die billiger waren als die offiziellen europäischen Releases. Amazon soll die Beschwerde zu einer kleinen Machtdemonstration genutzt haben: Zwar nahm der Händler die beanstandeten Titel aus dem Angebot, aber auch zahlreiche von der Industrie nicht beanstandete EU-Versionen.

Damit seien für ein paar Tage nahezu alle Top-100-Titel von SonyBMG und Warner sowie zahlreiche CDs von Universal und EMI nicht bei Amazon erhältlich gewesen. Wenn Celine Dion, Amy Winehouse, James Blunt und andere prominente Kollegen (der Spiegel nennt noch Mark Medlock) bei Amazon ausgelistet werden, dürfte sich das direkt auf die Verkaufszahlen der Branche auswirken – zumal Amazon eine der ersten Anlaufstellen für Weihnachtsgeschenke ist und CDs nach Büchern auf deutschen Wunschzetteln ganz oben stehen. Die Aktion findet in der Industrie offenbar auch nicht nur Zustimmung. "Wie es passieren konnte, sich ausgerechnet im Weihnachtsgeschäft mit Amazon anzulegen, ist völlig rätselhaft", zitiert der Spiegel einen Top-Manager der Industrie.

Erst nach einem Krisengespräch zwischen Musikindustrie und Amazon nahm das Online-Kaufhaus die betroffenen CDs wieder ins Angebot; die von den Plattenfirmen als illegal angesehenen Importe bleiben weiter ausgelistet. Vom Tisch ist die Angelegenheit damit allerdings nicht. "Das ist nur ein Waffenstillstand, die Kuh ist noch lange nicht vom Eis", sagte ein anderer Manager dem Nachrichtenmagazin. Bei den betroffenen Unternehmen war am heutigen Freitag niemand zu erreichen, der eine Stellungnahme abgeben konnte. Bei Amazon hieß es auf Anfrage von heise online nur: "Kein Kommentar".

Das Verhältnis von Amazon und der Musikindustrie ist nicht frei von Spannungen. Der Online-Versender ist einer der wichtigsten Absatzkanäle für Musik im klassischen CD-Format. Gleichzeitig bietet Amazon in den USA seit vergangenem September auch Musikdownloads im kopierschutzfreien MP3-Format an und plant ein solches Angebot auch in Deutschland. Andere große US-Händler wie Wal-Mart sind ebenfalls mit einem MP3-Shop am Markt. Dadurch steigt der Druck auf die Industrie, ihre Musik in dem passenden Format anzubieten und von der bisher strikt verfolgten DRM-Strategie abzuweichen. Das zeigt Wirkung. Zuletzt hatte Edgar Bronfman, Chef des zur letzten Bastion der DRM-Befürworter gehörenden Majors Warner Music, eingestanden: "Wir lagen falsch." (vbr/c't)


Quote
21. Dezember 2007 22:48
Das freut den Heise-Troll
Alexander Gräf, Alexander Gräf (mehr als 1000 Beiträge seit 14.03.03)

Schön, dass es Amazon der bösen Musikindustrie gegeben hat. Dass
Amazon schon mehrfach wegen ihrer Beschäftigungspolitik und ihrer
Löhne in die Kritik kam, wird da natürlich gerne übersehen. Und dass
es bei Amazon auch schon wieder höchste Eisenbahn für eine
Zerschlagung wäre... Oder wie kann es sein, dass ein einzelnes
Internetversandhaus die Musikindustrie zu Gesprächen an den Tisch
zwingen kann?

Cheers



Quote
21. Dezember 2007 19:15
Arme Bundesregierung
RaSaal (225 Beiträge seit 02.02.05)

allen voran Frau Zypries. Jetzt müssen die glatt über Weihnachten an
den Gesetzen werkeln, damit das im nächsten Jahr nicht mehr passieren
kann. Die Inhalte-Industrie und deren Lobbyisten stehen bestimmt
schon auf der Matte.



Quote
21. Dezember 2007 18:12
Schade, daß Amazon eingeknickt ist !
Froodles (61 Beiträge seit 12.08.04)

und die Titel wieder ins Sortiment aufgenommen hat. Die hätten es
wirklich darauf ankommen lassen sollen. Nachdem wie sich die MI
international mit Ihrem Urheberrecht und den unverhältnismäßig hohen
Schadensersatzzahlen benimmt, hätten die es wirklich nicht besser
verdient.




Quote
21. Dezember 2007 18:31
Liebe MI ...
ichwersonst (mehr als 1000 Beiträge seit 24.04.02)

... wenn ihr mir eine CD verkaufen wollt von einem amerikanischen
Küstler mit einem schwedischen bassisten, einem mexiaknischen Drummer
und einem englischen Studiogittaristen, aufgenommen in süditalien,
weils da so schön billig ist, abgemischt in Deutschland, weil man da
am billigsten die gerade noch aktzeptabele Qualität hinbekommt die
ihr wollt, gepresst in Taiwan, assembled in China, transportiert
mittels polnischem Lastwagenfahrer ... jeweils deswegen weil es da am
billigsten war dann ... ja dann nehme ich mir das recht heraus, diese
Musik an jedem beliebigen Ort der Welt zu kaufen oder aus jedem
beliebigen Ort der Welt ... obs Euch nun passt oder nicht.

Die Globalisierung ist nicht nur für Euch da und wenn ihr der Meinung
seit, Eure eigene Ware für Illegal zu erklähren, nur weil sie im
falschen Land liegt, dann geht mir das am Popo vorbei ... und das
sollte es jedem anderen auch - mir ist keine Industrie bekannt, die
so dermaßen verbohrt und fernab der wirklichkeit ihre eigenen Kunden,
Partner, Zulieferer und Künstler gängelt, beleidigt, belästigt und
letztendlich dadurch so nachhaltig damit beschäftigt ist, sich selbst
abzuschaffen.

Und das sage ich als ein Freund von Copyrights und Urheberrecht - ja,
genau dem Urheberrecht das ihr tagtäglich durch eure abstrusen
Aktionen, Eure Unverschähmtheiten, Eure Dreistigkeiten in Verruf
bringt und der Lächerlichkeit Preis gebt.



Aus: "Bericht: Amazon lässt im Streit mit Musikindustrie die Muskeln spielen" (21.12.2007)
Quelle: http://www.heise.de/newsticker/meldung/101000


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[Blockieren von Protokollen für Peer-to-Peer-Netzwerke... (Notiz, IFPI, EU)]
« Reply #46 on: December 23, 2007, 02:03:09 PM »
Quote
[...] Die Internationale Föderation der Phonographischen Industrie (IFPI [http://www.ifpi.org/]) hat eine neue Debatte in Brüssel über das Blockieren von Protokollen für Peer-to-Peer-Netzwerke (P2P) und das Filtern von Inhalten durch Internetprovider entfacht. Das EU-Parlament arbeitet derzeit unter der Federführung des französischen Sozialisten Guy Bono an einem Bericht über die Förderung der Kulturwirtschaft. Die Lobbyvertretung der Musikindustrie hat diese Chance genutzt, um in einem "Optionspapier" einmal mehr auf die unzureichende Kooperation der Zugangsanbieter sowie auf technische Möglichkeiten im Kampf gegen Raubkopien hinzuweisen. Die konservative spanische Abgeordnete und frühere Kulturministerin ihres Landes, Pilar del Castillo Vera, hat daraufhin gefordert, dass die Provider "Filtermechanismen installieren sollen, um Urheberrechtsverstöße zu verhindern".

Laut der Eingabe (PDF-Datei: http://www.eff.org/files/filenode/effeurope/ifpi_filtering_memo.pdf) der IFPI unternehmen die Zugangsanbieter bislang kaum etwas, um der "massiven Piraterie von Musik in P2P-Netzwerken" entgegenzuwirken. Dabei stünden ihnen eine "Reihe machbarer und vernünftiger Optionen" zur Verfügung, um beim Abstellen der Urheberrechtsverletzungen zu helfen. So würden viele Provider selbst bereits Spam ausfiltern oder den Filesharing-Verkehr in Hochzeiten ausbremsen, um die Kosten der Bandbreitennutzung im Rahmen zu halten. Dementsprechend könnten die Wächter über die Internetzugänge auch den gesamten Netzverkehr auf verdächtige, mit digitalen Fingerabdrücken versehene Audiodateien hin durchsuchen, mit einer Datenbank geschützter Werke abgleichen und unlizenzierte Songs blockieren.

Zweitens ist es laut dem Papier den Providern auch möglich, den Zugang zu bestimmten, für Urheberrechtsverstöße bekannte P2P-Diensten generell zu verhindern. Nicht zuletzt stehe es auch in der Macht der Zugangsanbieter, einzelne Seiten wie die PirateBay gezielt zu sperren.

Die spanische Kulturpolitikerin hat den Filteransatz aufgegriffen und in einen Änderungsantrag (PDF-Datei: http://www.europarl.europa.eu/meetdocs/2004_2009/documents/am/692/692488/692488en.pdf) für die Empfehlungen (PDF-Datei: http://www.europarl.europa.eu/meetdocs/2004_2009/documents/pa/685/685557/685557en.pdf) des Industrieausschusses für den Bono-Bericht eingebaut. Ursprünglich ging es der Berichterstatterin in dem Gremium, Neena Gill, allein um einen unkonkreten Ansatz, "die kritische Angelegenheit des geistigen Eigentums neu zu überdenken". Der federführende Kulturausschuss des EU-Parlaments soll nun Mitte Januar darüber entscheiden, ob ein Aufruf zum Filtern des Internet auf Providerebene mit in das Empfehlungspapier aufgenommen werden soll.

Die Electronic Frontier Foundation Europe (EFF) ist strikt gegen eine solche Forderung. In einem offenen Brief (PDF-Datei: http://www.eff.org/files/filenode/effeurope/CULT-filtering-letter.pdf) an die Mitglieder des Kulturausschusses warnt die Bürgerrechtsorganisation eindringlich davor, derartige Maßnahmen zu erwägen. Sie betont dabei, dass gerade Künstler selbst oder Lehrer von pauschalen Filtermaßnahmen mit am härtesten betroffen wären. Da die IFPI jegliche "unlizenzierten" Dateien aus dem Verkehr gezogen wissen wolle, wären davon auch eigentlich erlaubte Privatkopien, wissenschaftliche Arbeiten mit Zitaten, Parodien, Collagen oder Schulmaterialsammlungen betroffen.

Generell kritisiert die EFF einen allgemeinen Filteransatz zudem als Zensurmaßnahme, die der Gesellschaft als ganzer schade. Jedes westliche Land, das ein entsprechendes zentrales Kontrollsystem für Inhalte jeglicher Art installiere und somit die private Kommunikation seiner Bürger durchstöbere, würde einen gefährlichen Präzedenzfall und ein "gefährlich mächtiges Werkzeug" schaffen, dessen Missbrauch vorgezeichnet sei. Selbst wenn die Lobbyisten der Musikindustrie die potenziellen schweren Kollateralschäden aus den Augen verloren hätten, dürfte das den europäischen Bürgern und ihren gewählten Volksvertretern nicht passieren. Das EU-Parlament selbst hatte sich 2002 entschieden gegen Ansätze zur Webzensur und die Sperrung einzelner Webseiten ausgesprochen, da sonst unter anderem eine "Fragmentierung des Internetzugangs" sowie auch eine Blockade erlaubter Inhalte drohe. (jk/c't)

Quote
22. Dezember 2007 18:59
Immer wieder das selbe Gesülze der Raubkopierer
H A L (mehr als 1000 Beiträge seit 02.02.01)

Liebe P2P Raubkopierer.
Ihr könnt euch mit euerem heuchlerischem Sermon rechtfertigen so oft
ihr wollt. Fakt ist und wird es immer bleiben: Ihr kleinen
Schweinchen (Zitat Heise) seid schuld an der ganzen Misere. Ihr seid
es, die Musik und Filme klauen. Ihr seid schuld an Kopierschutz und
Un-CDs. Ihr selbst seid der Abschau der das Internet nutzt um aus der
Anonymität heraus den Pseudo-Revoluzzer zu spielen. Ihr seid schuld
wenn es tatsächlich dazu kommt, daß die P2P Protokolle gefiltert
werden. Ihr seid nichts als erbärmliche kleine Feiglinge.

H A L



Quote
22. Dezember 2007 17:29
Alleine die Forderung zeigt
klawischnigg (mehr als 1000 Beiträge seit 04.12.03)

wie merkbefreit und ahnungslos die sogenannte "Volksvertreter" sind.
Weil ja das Filtern von Spam zumindest theoretisch möglich ist, gibts
natürlich auch Filter, die erkennen können, daß eine Datei
urheberrechtlich geschützt ist. So was deppert, da bleiben einem die
Worte weg...

Quote
22. Dezember 2007 17:55
Die Aufgabe eines Internetproviders
Reinald Cronauer, Reinald Cronauer (488 Beiträge seit 06.01.00)

Ein Internetprovider hat die Aufgabe, mir eine Dienstleistung zu
erbringen und nicht nach Gutdünken von irgendwelche Interessengruppen
zu filtern.

Wo kämen wir hin, wenn jede Interessengruppen irgendwelche
Forderungen nach Inhaltsfilterungen stellt? Heute die FI/MI, morgen
Unterdrückung von unbequemen Informationen mit Nennung von Namen,
übermorgen ist nur noch Werbung erlaubt.

Trotzdem ein frohes Fest,
Reinald


Quote
22. Dezember 2007 19:38
zurück zur Steinzeit - jetzt!
Michael Boettcher, Michael Boettcher (mehr als 1000 Beiträge seit 18.07.00)

P2P filtern/verbieten? Das ist zu wenig!

 Fernsehen, Video und DVD schadet den Kinos
- Autos schädigen die Interessen der Pferdezüchter
- Strassenbahnen nehmen den Pferdefuhrwerken die Fahrbahn weg
- automatische Mähdrescher schädigen die Rechte von Knechten und
Mägden
- Dampfmaschinen vernichten Arbeitsplätze
- Demokratie ist Verrat am Kaiser und am heiligen römischen Reich
deutscher Nation
- der Buchdruck stellt die Autorität der heiligen Kirche in Frage
...

Die Forderung muss also lauten:
"Weg mit dem Fortschritt, zurück zur Steinzeit - jetzt!"

M. Boettcher


Quote
22. Dezember 2007 21:49
An alle, die sich aufregen:
Heckler of Dreams (1 Beiträge seit 22.12.07)

Wenn die Argumentation lautete, dass die MI ja eh nur abzockt etc
etc, lest das:

> http://www.heise.de/ct/04/21/003/

und schweigt fuer immer.

IHR seid Schuld, dass solcher Humbug von IFPI & Co verlangt und von
den grenzdebilen Idioten in Schlips und Bundestag durchgewunken
werden.

IHR seid Schuld an Copy protection.
IHR seid Schuld am Verhalten von Firmen wie Kanzlei Rasch Hamburg,
GVU etc.

Wenn ihr den ganzen Mist fuer Lau wollt (obwohl er ja SOOOO Scheisse
ist), dann steht wenigstens dazu und versucht, die Gesetzeslage zu
aendern. Geht u.a. mittels www.piratenpartei.de.

Wenn ihr den ganzen Mist nicht wollt, dann koennten Euch derartige
(im Grunde voellig idiotische) Gegenmassnahmen eigentlich sonstwo
vorbeigehen.

Dass die MI versucht, ihre Geschaeftsgrundlage zu sichern, ist
normales kaufmaennisches Handeln, jeder wuerde das so machen (siehe
Autoindustrie und Elektroantriebe, um mal den unsaeglichen
Autovergleich herbeizuzerren).

Jeder, der sich durch das aktuelle Gebaren der MI zu Unrecht
"verfolgt" fuehlt, sollte nicht gegen die MI agieren, sondern gegen
das scheinheilige Pickelgesocks, das generell einen auf Robin-Hood
macht, bloss um nix bezahlen zu muessen. Wenn ihr eure Musik etc
normal kauft, egal in welcher Form, dann ist nicht die MI diejenige
die Euch von hinten f***t, sondern jeder andere, der eben NICHTS
bezahlt.

Informationsfreiheit ist das eine, simples Klauen das andere.

Quote
22. Dezember 2007 22:10
Du hast es nicht kapiert, daher ein Doppelminus
Catonga (mehr als 1000 Beiträge seit 25.06.01)

Ich bezahle GEMA Gebühren für Brenner und meine CD-Rohlinge ohne
etwas davon zu haben.

Das Recht, eine DVD auf dem Betriebssystem mit der Abspielsoftware
meiner Wahl anzuschauen, wird mir entzogen.

Im Kino oder beim Abspielen einer DVD werde ich mit lästiger Werbung
vorsorglich des Raubkopierertums verdächtigt und muß mir eine
Standpauke anhören, obwohl ich für den Kinoeintritt bzw. die DVD
bezahlt habe.

Das Recht eine Privatkopie von meiner Original CDs fürs Auto zu
erstellen, wird mir durch den Kopierschutz entzogen.

Mein Handy wird inzwischen im Kino für die Dauer der Vorführung vom
Kinobetreiber beschlagnahmt.

Jetzt will die Musik- und Filmindustrie Peer2Peer Netze verbieten und
somit meinen Zugang zu aktuellen Linux Distributionen und Co
verhindern.

Und seit heute will sie jedes TCP und UDP Paket filtern, so daß mein
Multiplayerspiel bald laggt und es Probleme mit VoIP gibt.

Und sie hört nicht damit auf zu behaupten, daß wir Konsumenten nur
raubkopieren wollten und deswegen ihre Einnahmen eingebrochen währen,
obwohl sich unser Interesse schon längst auf Computerspiele verlagert
hat und wir daher
lieber Computerspiele, anstatt Musik CDs kaufen, denn auch unser
Einkommen
oder Geldbetrag den wir für Unterhaltungsprodukte ausgeben wollen ist
begrenzt.

usw. es gibt bestimmt noch mehr Punkte die die Musikindustrie ganz
klar als wild um sich schlagenden Elefanten im Porzellanladen
ausmacht, der einfach nur noch nervt.



Quote
22. Dezember 2007 22:24
Ich verbreite meine Musik ebenfalls über P2P
alionSonny (mehr als 1000 Beiträge seit 09.08.02)

Und das wollen die Industrie<insert Schimpfwort here> unterbinden?
Das wird interessant, denn dann tue ich mich mit ein paar tausend
unabhängigen Musikern zusammen und wir ziehen vor Gericht. Dann wird
sich endgültig zeigen, ob die EU ein Lobbyistensumpf ist. Nicht nur
ich warte auf diesen Tag. Dann muss ein EU-Gericht entweder wirklich
Recht sprechen, oder das wahre Gesicht zeigen. Interessant wird das
allemal. Und wenn meine Kollegen und ich zusammenlegen, können wir
auch ein paar Anwälte bezahlen. Wäre doch gelacht, wenn wir diesen
grössenwahnsinnigen Pseudokunstverhökerern nicht Grenzen aufzeigen
könnten. Ich sage: Lasst sie ruhig kommen.

...mal ganz davon abgesehen, daß die Spassvögel mit ihren Forderungen
einmal mehr gezeigt haben,. daß sie von Internet, P2P, Dateiformaten
etc. soviel Ahnung haben wie eine Kuh vom Stricken... HAAAAALT...
eher glaube ich, daß eine Kuh stricken kann, als daß einer der
MI-Kasper auch nur irgendetwas von o.g. Begriffen versteht.

IFPI? Hahaha! Dinosaurs must die!

[...] Kunst hat keinen Preis! Kunst ist keine Ware!

[...]

Quote
22. Dezember 2007 23:11
Re: Ich verbreite meine Musik ebenfalls über P2P
Heckler of Dreams (13 Beiträge seit 22.12.07)

Schwedter schrieb am 22. Dezember 2007 22:59

> Sicher möchte er für eine Leistung bezahlt werden, warum auch nicht.
> Die MF leistet nichts und wird deswegen auch immer mehr Löcher in den
> Gürtel bohren müssen bis sie irgendwann "leider" jämmerlich verreckt,
> wenn sie nicht endlich mal die Kurve kriegt und aufhört IHRE
> ZAHLENDEN KUNDEN ZU GÄNGELN!

Die MI leistet also nichts? Hmm ok, dh. jeder Kuenstler zahlt immer
alle Produktionen generell aus eigener Tasche, macht saemtliches
Marketing selber, die CD-Pressung, ebenso den Vertrieb, die
Abrechnung und die Organisation. Hmhm, ok. Ja, deswegen gibts wohl
auch keine Musikindustrie, weil die keiner braucht. Ganz
offensichtlich.

Dir wuerde ich dringend empfehlen, dich entweder ueber die Ablaeufe
bei Musikproduktionen zu informieren, oder einfach weniger zu Themen
zu posten, von denen du gelinde gesagt keine Ahnung hast.

Quote
22. Dezember 2007 23:18
Re: Ich verbreite meine Musik ebenfalls über P2P
alionSonny (mehr als 1000 Beiträge seit 09.08.02)

Auf die MI kann man im Internetzeitalter als Künstler gut verzichten.
Ich würde sogar sagen man ist als Künstler sehr gut beraten, wenn man
das tut. Frag mal einen bei einem Majorlabel unter Vertrag
arbeitenden Musik, was am Ende für ihn an Kohle rauskommt. Ich habe
früher selbst in der MI gearbeitet und ich sage Dir: Das sind
Blutsauger. Es wird Zeit, daß dieser Anachronismus ins verdiente Grab
sinkt.




Quote
23. Dezember 2007 0:38
Re: Ich verbreite meine Musik ebenfalls über P2P
Irongate (201 Beiträge seit 10.12.02)

Heckler of Dreams schrieb am 22. Dezember 2007 23:11

> Die MI leistet also nichts?

Doch, durchaus. Es fragt sich nur für wen.

> Hmm ok, dh. jeder Kuenstler zahlt immer
> alle Produktionen generell aus eigener Tasche, macht saemtliches
> Marketing selber, die CD-Pressung, ebenso den Vertrieb, die
> Abrechnung und die Organisation.

Oft genug läuft es genau darauf hinaus.

> Hmhm, ok. Ja, deswegen gibts wohl
> auch keine Musikindustrie, weil die keiner braucht. Ganz
> offensichtlich.

Die Musikindustrie hatte ihre Daseinsberechtigung, als die Presswerke
noch selten und schweineteuer waren. Als man eben nicht mit einer in
2 Minuten gefricktelten Page und einem Paypal Button (nur einmal als
Beispiel um es einfach zu halten) Vertriebskanäle bis in die
Antarktis ausgehoben hat.

Bedauerlich ist, dass die Musikindustrie durchaus Potentiale hätte,
um sich der veränderten wirtschaftlichen und technologischen Welt
anzupassen. Aber dann verkommt ja der koksende Medienmogul zum
Dienstleister - und das wollen die alten Herren schlicht nicht. Statt
dessen werden ehrliche Kunden gegängelt, Schulkinder abgemahnt,
Künstler wie Galeerensklaven behandelt, Vertriebspartner erpresst und
dem Rest der Welt, der mit Free Music und seiner vorhandenen Sammlung
mehr als zufrieden ist noch mit verfassungsfeindlichen Ambitionen auf
den Sack gegangen.

Sicherlich hat ein Label seine Daseinsberechtigung, es gibt viel, was
ein Label für einen Künstler machen kann und viele behandeln ihre
Kunden (sowohl die Konsumenten als auch Künstler) sehr gut. Aber die
"Musikindustrie", also die Majors krallen sich so vehement und so
sehr auf Kosten anderer an ihre Profite und den verglimmenden Ruhm
alter Tage, dass jeder mit klarem Verstand diese Bande lieber heute
als morgen zur Hölle wünscht.


Quote
22. Dezember 2007 23:03
Re: Ich verbreite meine Musik ebenfalls über P2P
alionSonny (mehr als 1000 Beiträge seit 09.08.02)

Kunst und Broterwerb sind für mich zwei verschiedene Sachen.

Quote
22. Dezember 2007 23:08
Re: Ich verbreite meine Musik ebenfalls über P2P
Heckler of Dreams (12 Beiträge seit 22.12.07)

alionSonny schrieb am 22. Dezember 2007 23:03

> Kunst und Broterwerb sind für mich zwei verschiedene Sachen.
Fuer dich. Fuer andere nicht. Guess what.

Quote
23. Dezember 2007 13:36
Re: Ich verbreite meine Musik ebenfalls über P2P
Tims Katze (mehr als 1000 Beiträge seit 10.05.07)

alionSonny schrieb am 22. Dezember 2007 23:03

> Kunst und Broterwerb sind für mich zwei verschiedene Sachen.

Für andere nicht. Und nun?

Quote
22. Dezember 2007 23:14
Re: Ich verbreite meine Musik ebenfalls über P2P
alionSonny (mehr als 1000 Beiträge seit 09.08.02)

Nunja, dabei kommt dann der "Kompromiss" zwischen Kunst und Kohle
raus, der in den Charts läuft. Und das widerspricht genau dem was man
sich normalerweise von Kunst erwarten sollte, nämlich 100%
Kreativität. Kunst und Kohle vertragen sich nur äusserst schlecht.
Und wenn dann noch ein Konzern bestimmt welcher Anteil Kreativität im
Produkt sein darf, nämlich eigentlich NULL %, dann wird es laue
Standard-Lala.


Quote
22. Dezember 2007 23:13
Re: Ich verbreite meine Musik ebenfalls über P2P
Schwedter (429 Beiträge seit 20.07.07)

Das vergessen leider zu viele Künstler und vergessen was Kunst
bedeutet. In dem Moment wo diese Kunst zu Komerz wird, von
Heuschrecken angezapft, ist sie viel zu oft dem Untergang geweiht.
Wahre Künstler brauchen oft Jahre um was auf die Beine zu stellen.
Müßiggang(wichtig und praktiziert seit Jahrtausenden)gehört auch oft
dazu und ist wichtig (Plato, Da Vinci). Sobald ein gewisser Druck da
ist leidet die Qualität enorm und führt nicht selten zu einer
Supernova.

[...]


Quote
23. Dezember 2007 0:14
Re: Ich verbreite meine Musik ebenfalls über P2P
Don Lino, Philip Honermann, Don.Lino@arcor.de (409 Beiträge seit 14.11.07)

Lies den Artikel nochmal; es geht um das Blockieren von bestimmten
Files per Fingerabdruck.

Quote
23. Dezember 2007 0:34
Re: Ich verbreite meine Musik ebenfalls über P2P
alionSonny (mehr als 1000 Beiträge seit 09.08.02)

Ach ja, dann habe ich wohl Geisterbuchstaben gesehen, als ich das
hier las:

> Zweitens ist es laut dem Papier den Providern auch möglich, den Zugang
> zu bestimmten, für Urheberrechtsverstöße bekannte P2P-Diensten generell
> zu verhindern.

Dazu gehört garantiert auch EMule, Bittorrent etc... NÖÖÖÖ GARANTIERT
NICHT... Klaro..

Ausserdem las ich da was, daß der Tausch jeglicher unlizensierter
Audiodateien unterbunden werden soll. Meine Musik ist nicht
kommerziell lizensiert. Würde also auch gefiltert.



Quote
23. Dezember 2007 9:57
Ich fordere Koks- und Alkoholfilter...
VorEifelYeti (257 Beiträge seit 08.10.05)

anzuwenden natürlich nur für die abgehobene Musikindustrie...









Aus: "Musikindustrie fordert EU-weites Filtern des Internetverkehrs" (22.12.2007)
Quelle: http://www.heise.de/newsticker/meldung/101020


Offline Textaris(txt*bot)

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[Die Beziehung zur Musik ist... (Notiz, Norbert Bolz)]
« Reply #47 on: December 29, 2007, 01:33:02 PM »
    * "Die Ausweitung des Wohlfahrtsstaates untergräbt die Eigeninitiative und das Verantwortungsgefühl. Seit jeder Einzelne in der Gesellschaft Gegenstand permanenter öffentlicher Sorge geworden ist, dringt der Staat immer tiefer in die Privatsphäre vor." - „Die Helden der Familie“, S. 52

    * "Die Papst-Kritik am Werterelativismus verkennt die Errungenschaften moderner Gesellschaften." - Die Welt, 23. April 2005

    * "Es ist eine Flucht in die Einfachheit, wenn man abends im Büro bleibt, statt sich der eigenen Frau und den eigenen Kindern auszusetzen." - manager magazin, Heft 6/2006, manager-magazin.de

    * "Wer über einen Werteverlust jammert, verkennt den Werteverzicht der modernen Gesellschaft. Dass sie nicht mehr zu bieten hat als formale Demokratie, Liberalismus und soziale Marktwirtschaft, ist gerade das Geheimnis ihrer Stärke. Diese Minimalwerte sind das erstaunliche Resultat der Geschichte abendländischer Rationalität, das wir uns nicht ernsthaft anders wünschen können." - Die Welt, 23. April 2005


Quelle: http://de.wikiquote.org/wiki/Norbert_Bolz (12/2007)


-.-

Quote
[...] Norbert Bolz entwickelte eine Medientheorie, die „Theorie der neuen Medien“, die sich auf Nietzsche, Benjamin und McLuhan bezieht. Bolz' Position baut auf Friedrich Kittlers Ideen auf und wird allgemein als "antihumanistisch und antihermeneutisch" beschrieben, also als nicht am Menschen interessiert und als nicht wissenschaftlich nachvollziehbar (z.B. in Lagaay; Lauer 2004: Medientheorien).

Bolz sieht Kommunikation als Substitut für Religion: „Medien bieten Ersatzformen von Allwissenheit und Allgegenwärtigkeit an. An die Stelle religiöser Kommunikation tritt heute Kommunikation als Religion. Totale Verkabelung, die Verstrickung im elektronischen Netz, wird der unbefangene Blick aber als profane Variante der religio – und das heißt ja eben: Rückbindung erkennen. In der Vernetzung zum integralen Medienverbund ist uns eine stabile Umbesetzung der Transzendenz gelungen. Das Göttliche ist heute das Netzwerk. Und Religion funktioniert als Endlosschleife“ (Norbert Bolz: Tele! Polis!. In: Stefan Iglhaut, Armin Medosch, Florian Rötzer (Hrsg.), Stadt am Netz. Ansichten von Telepolis. Mannheim 1996, 143-150).

[...] Bolz trat in Sendungen wie "Das Philosophische Quartett", "ZDF-Nachtstudio", "3sat-Kulturzeit" oder "Hamburger Trendtag" und in der Fernsehsendung Menschen bei Maischberger am 23. Mai 2006 auf. Dort diskutierte der Anwalt der vom Feminismus gepeinigten Männer (so die Tageszeitung taz) und Vater von vier Kindern neben Christian Nürnberger, Adrienne Goehler, Howard Carpendale mit Sohn Wayne sowie Marie Theres Kroetz Relin und Sandra Maischberger über das Thema Du sollst den Mann ehren! Kehrt das Patriarchat zurück?" seine Thesen. Bolz plädierte dort für eine klare Arbeitsteilung von Mann und Frau. Männer hätten in der modernen - durch subtile feminine Werteausrichtung geprägten - Gesellschaft immer weniger die Möglichkeit, ihre sexuelle Identität auszuleben und bräuchten deshalb Nischen wie Risikosportarten, um gerade ihre sexuelle Identität entfalten zu können. Norbert Bolz empfiehlt hierzu als weiterführende Lektüre Aussichten auf den Bürgerkrieg von Hans Magnus Enzensberger sowie Theorie des Partisanen. Zwischenbemerkungen zum Begriff des Politischen von Carl Schmitt.


Aus: http://de.wikipedia.org/wiki/Norbert_Bolz (12/2007)


-.-

Quote
[...] Norbert Bolz: Wenn Sie sich früher eine Platte von Pink Floyd angehört haben, dann haben Sie sich die ganze Langspielplatte von vorn bis hinten angehört und nicht nur einen Song. Die Beatles etwa haben verblüffenderweise relativ wenige Chart-Hits gelandet, Pink Floyd so gut wie gar keinen. Aber darum ging es auch gar nicht. Man wollte sich eine ganze Platte anhören und tauchte dann ein in eine Musikwelt.

Heute ist das anders?

Norbert Bolz: Heute dominieren die Einzel-Titel, die Song-Clips, Sound-Bytes, was etwa in Klingeltönen der Mobiltelefone gipfelt, die nur noch aus dem Refrain eines Hits bestehen. Das ist eine vollkommen andere Hörkultur, die sich da entwickelt.

Welche Folgen hat das für Musiker?

Norbert Bolz: Möglichkeiten, die das alte Werk dem Künstler noch bot, einen eigenen Stil zu entwickeln und möglicherweise durchzusetzen in der Welt, werden unwahrscheinlicher. Der Darwinismus des Hörens wird stärker. Die Gestaltungsmöglichkeiten der Komponisten dagegen werden durch den Zwang zur Kürze immer weiter eingeschränkt.

Bekommt Musik dadurch eine andere Funktion in der Gesellschaft?

Norbert Bolz: Ja, die Beziehung zur Musik ist eine vollkommen andere geworden. Musik ist zum Medium geworden – jeder Konsument bastelt sich den Soundtrack zum eigenen Leben zusammen. Der Werkcharakter von Musik dagegen, der in der klassischen Musik evident ist, wird radikal ersetzt. Deshalb ist Musik heute auch nicht mehr zu vergleichen mit anderen Kunstformen, sondern mit Drogen. Musik ist die stärkste Droge der Welt. Insofern kehrt sie zurück an ihre Ursprünge – das dionysisch Rauschhafte der Musik im antiken Griechenland erlebt ein Revival.


Wie das?

Norbert Bolz: Musik wird immer mehr mit dem Körper gehört. Und weniger mit dem Kopf.

Gehen die Leute deshalb heute lieber in Konzerte, statt sich CDs zu kaufen?

Norbert Bolz: Wir erleben eine extreme Atomisierung des musikalischen Universums – Stile und Moden wechseln in rasender Geschwindigkeit. Gleichzeitig gibt es mehr denn je eine Sehnsucht nach den Celebrities und Stars, nach den Vorbildern. Darum geht es beim Konzert: um die Nähe zum Berühmten, um Gemeinschaft, den Rausch der Ekstase. So erklärt sich auch die Wiederkehr der alten Stars: Das Einzige, was die fantastischen, modernen Techniken nicht bieten können, ist die Aura des Stars. Der Wert der Musik zieht sich heute in der Aura der konkreten Person zusammen. Die kassiert als personal brand Geld dafür, dass sie andere in die Nähe des eigenen Körpers und der eigenen Person lässt. Da ist in Zukunft das Geld zu verdienen, nicht mehr auf der Ebene von Tonträgern.

Sollte die Branche Musik daher gratis abgeben, um Aufmerksamkeit zu schaffen – und dann kassieren?

Norbert Bolz: Ja, und es gibt starke Parallelen zwischen der Musik- und Software-Branche: Auf Dauer wird es unmöglich sein, Programme zu verkaufen. Die werden fast verschenkt. Und diese Grundgesetzlichkeit der Internet-Welt hat mit aller Macht auch die Musik erreicht: Bevor du Geld verdienen willst im 21. Jahrhundert, musst du erst wahnsinnig viel verschenken. Der Profit entsteht nur noch auf Umwegen über Premiumprodukte. Mit dem früheren Kerngeschäft lässt sich in Zukunft nichts mehr gewinnen. Man muss die Faszination von Aufmerksamkeit für ein bestimmtes Produkt schaffen, damit die Leute zusätzliche Angebote kaufen.

Trägt das denn dazu bei, dass Jugendliche, die illegal downloaden, wieder für Musik bezahlen?

Norbert Bolz: Es wird in einem gewissen Maße zu einer Wiederkehr der traditionellen Tonträger kommen. Die wahnsinnige Faszination des individuellen Kombinierens von Musik wird wieder abebben. Denn durch die Möglichkeit des individuellen Wählens verliert man ja auch etwas.

Was denn?

Norbert Bolz: Die Pointe des künstlerischen Werks mit seinen zehn, zwölf Stücken war ja die, dass man dort zwar auch seine Lieblingsstücke wiedergefunden hat, aber eben auch andere Tracks. So trifft man auf ein musikalisches Angebot, auf das man aufgrund der eigenen Wahl vermutlich nie gekommen wäre. Das ist, was musikalische Kultur ausmacht und Kultur insgesamt – dass man sich nicht in einer ewigen positiven Rückkopplung immer nur das besorgt, was man ohnehin mag, sondern dass man sich auf sanfte Weise konfrontieren lässt mit Dingen, die für einen neu und überraschend sind. Wenn die Menschen sich erst einmal satt gegessen haben an den Möglichkeiten des individuellen Wählens, werden sie erkennen, wie spannend es sein kann, zumindest eine Stunde lang einem Künstler und seiner Selektivität zu folgen und sich an die Hand nehmen zu lassen.



Aus: "‚‚Die stärkste Droge der Welt‘‘" - Der Philosoph Norbert Bolz über Musik - Von R. Kiani-Kress und P. Steinkirchner, Wirtschaftswoche (HANDELSBLATT, Freitag, 28. Dezember 2007)
Quelle: http://www.handelsblatt.com/news/_pv/_p/201197/_t/ft/_b/1368671/default.aspx/index.html


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[Musikindustrie im EU-Kulturausschuss vorerst gescheitert... ]
« Reply #48 on: January 24, 2008, 01:10:47 PM »
Quote
[...] Ende vergangener Woche hatte die Electronic Frontier Foundation davor gewarnt, dass die Musikindustrie einen weiteren Vorstoß unternommen hat, um das Urheberrecht zu ihren Gunsten umschreiben zu lassen. Neben einer Verlängerung der Schutzfristen für Musikaufnahmen wollte die Musikindustrie die Internetprovider zur Zwangskooperation verpflichten lassen. Geplant war nach französischem Vorbild, dass in Zukunft die Internetprovider ihre Kunden überwachen sollten. Bei wiederholten Urheberrechtsverstößen sollten die Provider den Kunden den Internetzugang komplett sperren.

Nachdem die EFF vor den vorgeschlagenen Maßnahmen gewarnt hatte, hatten sich besorgte Bürger aus ganz Europa bei ihren EU-Abgeordneten gemeldet. Die Kampagne hatte offensichtlich Erfolg: Der Kulturausschuss des EU-Parlaments hat die von der Musikindustrie initiierten Änderungsvorschläge zurückgewiesen, berichtet Danny O'Brien von der EFF.

O'Brien weist zugleich darauf hin, dass der Kampf noch nicht endgültig gewonnen sei. Vor der endgültigen Verabschiedung des Berichts müsse das EU-Parlament noch als Ganzes zustimmen. Im Prinzip könnte die Musikindustrie bis dahin "noch einen letzten Vorstoß unternehmen, um Änderungen am Dokument vornehmen zu lassen".

[von Robert A. Gehring] (ip)




Aus: "Musikindustrie im EU-Kulturausschuss vorerst gescheitert: EU-weite Proteste gegen Lobbyismus" (23.01.2008)
Quelle: http://www.golem.de/0801/57210.html


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[das sich Kreative selbst entscheiden könnten... ]
« Reply #49 on: January 28, 2008, 10:30:23 AM »
Quote
[...] Ohne bessere Lizensierungsmöglichkeiten für Peer-to-Peer-Dienste und eine Reform des Urheberrechts geht es nicht mehr, sagte der Urheberrechts- und Cyberlaw-Experte Lawrence Lessig auf der weltgrößten Musikmesse Midem in Cannes. Mit dem Urheberrecht aus dem 19. Jahrhundert könne man heute nicht mehr wirtschaften. Lessig rief die Industrie, die erstmals den renommierten Kritiker nach Cannes eingeladen hatte, zu einem Wandel auf. Wichtig sei eine bessere Ausbalancierung der Interessen und auch Respekt gegenüber alternativen Ansätzen, etwa einem Projekt wie den Creative Commons.

Creative Commons sei keineswegs, wie oft von Teilen der Industrie gescholten, ein Feind des Urheberrechts, betonte ihr Gründer Lessig. Die alternativen Lizenzen verschafften vielmehr einem ausbalancierten Urheberrecht Respekt, für das sich Kreative selbst entscheiden könnten. Die übertriebenen Forderungen und vor allem die "Urheberrechtskriege", mit denen die Unterhaltungsindustrie die Nutzer, vor allem Jugendliche überzogen habe, hätten in den vergangenen Jahren zu einer Radikalisierung geführt. "Dieser Krieg ist nicht zu gewinnen", sagte Lessig, "glauben Sie mir, ich bin Amerikaner, ich kenne mich aus damit."

Die Industrie müsse auch anerkennen, dass es keine Möglichkeit geben, die Technik, die die Möglichkeiten zur massenhaften Verbreitung eröffne, abzustellen, "man kann sie allenfalls kriminalisieren." Hätte die Industrie schon vor Jahren Peer-to-Peer-Dienste lizensiert, statt sie zu bekriegen, hätten Künstler bereits heute viel mehr Geld verdient, sagte Lessig. Gesetzliche Änderungen und bessere Lizenzbedingungen seien aber weiter vordringlich.

Urheber, die sich für Creative Commons-Lizenzen entscheiden, können laut Lessig inwzischen übrigens durchaus auch kommerzielle Lizenzen vergeben, im Rahmen von CC+. Dafür arbeitet die Organisation mit Anbietern wie Pump Audio zusammen. Auch die dänische Verwertungsgesellschaft Koda hat laut Lessig den von Ihnen vertretenen Künstlern nun angeboten, dass sie auch mit Creative-Commons-Lizenzen experimentieren können. Bislang hatten die Verwertungsgesellschaften dies ziemlich kategorisch ausgeschlossen. (Monika Ermert) / (ola/c't)

Quote
27. Januar 2008 12:53
Die Musikindustrie soll sich nicht ändern…
ventorcai (724 Beiträge seit 10.04.05)

… sie soll einfach sang- und klanglos sterben.





Aus: "Creative-Commons-Gründer ruft Musikindustrie zu Veränderungen auf" (27.01.2008)
Quelle: http://www.heise.de/newsticker/meldung/102508


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[Sperrwünsche der Musikindustrie... (UK)]
« Reply #50 on: April 06, 2008, 11:24:43 AM »
Quote
[...] Der drittgrößte britische Telekommunikationsanbieter TalkTalk widersetzt sich der Musikindustrie, die von den Providern weit reichende Maßnahmen gegen die illegale Verbreitung von Musik über das Internet fordert. Die britischen Zugangsanbieter sollen nach dem Wunsch des Musikindustrie-Verbandes BPI durch die Verbreitung illegaler Kopien aufgefallene Kunden verwarnen und beim dritten Verstoß vom Netz abklemmen, heißt es in britischen Medienberichten. Als einer der betroffenen Provider hat sich TalkTalk nun öffentlich dagegen ausgesprochen.

Charles Dunstone, CEO von TalkTalk-Mutterkonzern Carphone Warehouse, will sich nicht zur "Internet-Polizei" der Film- und Musikindustrie machen lassen und damit die Rechte seiner Kunden beschneiden. "Die Musikindustrie hat durchweg versagt, sich dem Wandel der Technik anzupassen und will ihre Probleme nun auf andere abwälzen", erklärte Dunston. "Statt uns zu drohen, sollte BPI die Zeit besser darauf verwenden, die Realität zu akzeptieren und das Geschäftsmodell entsprechend anzupassen."

"Ich kann mir keine Umstände vorstellen, unter denen wir einen Kunden aufgrund der Vorwürfe eines Dritten abschalten", stellt Dunston klar. Für TalkTalk seien die Vorschläge des Verbandes unangemessen und nicht umsetzbar. Das Unternehmen werde "jedes praktische und rechtliche Mittel zur Verteidigung seiner Kunden" einsetzen, heißt es in einer Erklärung. Der Provider habe BPI schriftlich darüber in Kenntnis gesetzt, dass er Daten seiner Kunden unter keinen Umständen freiwillig an die Musikindustrie herausgeben werde.

In einer Stellungnahme wies der Verband die Kritik zurück. TalkTalk wolle wohl die Position der Musikindustrie verzerrt darstellen oder habe sie einfach nicht verstanden, mutmaßt BPI-Chef Geoff Taylor. Es gehe darum, Künstler auch im digitalen Zeitalter eine faire Vergütung zukommen zu lassen. Der Verband glaube, dass sich zusammen mit den Providern "erstklassige, sichere und legale digitale Musikangebote" entwickeln lassen. Dies könne aber nicht funktionieren, wenn die Zugangsanbieter das Problem des illegalen Filesharings ignorierten.

"Wir verlangen von den ISPs nicht, als Polizei aufzutreten", schreibt Taylor weiter. "Jeder sozial verantwortlich handelnde ISP sollte Maßnahmen zum Schutz seiner Kunden vor illegalen Aktivitäten ergreifen und jene abschrecken, die bewusst Gesetze brechen." Von einem Internet, in dem geistiges Eigentum respektiert und Kreativität fair entlohnt werde, könnten alle profitieren. Auch TalkTalk solle sich daran beteiligen.

TalkTalks schroffe Abfuhr ist bisher die schärfste Reaktion, die sich die Musikindustrie bei den Providern abgeholt hat. Die Zugangsanbieter stehen auch unter Druck seitens der Regierung, die zwar eine freiwillige Regelung bevorzugt, aber auch mit gesetzlichen Maßnahmen droht. Der BPI führt Gespräche auch mit Virgin Media und Orange. Grundsätzlich ist auch TalkTalk zu Gesprächen bereit, denn neue Gesetze würde die Branche gerne vermeiden. Allerdings geht dem Provider die Drei-Verstöße-Regel zu weit. Sicher, so lässt ein Sprecher verlauten, könne sich der BPI noch etwas Besseres einfallen lassen.

Auch in Deutschland und anderswo richten sich die Begehrlichkeiten der Musikindustrie auf die Zugangsanbieter. Die Verbände drängen auf verschiedenen politischen Bühnen darauf, die Provider für Urheberrechtsverstöße im Internet in die Verantwortung zu nehmen. Während sich die Justiz hierzulande verstärkt gegen solche Begehrlichkeiten zur Wehr setzt, fallen sie in Berlin und Brüssel auf fruchtbareren Boden. (vbr/c't)




Aus: "Britischer Provider widersetzt sich Sperrwünschen der Musikindustrie" (04.04.2008)
Quelle: http://www.heise.de/newsticker/Britischer-Provider-widersetzt-sich-Sperrwuenschen-der-Musikindustrie--/meldung/106064



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[Der Prozesses gegen Troy Augusto... (Universal Music Group)]
« Reply #51 on: April 14, 2008, 09:58:58 AM »
Quote
[...] Die Musikindustrie konnte sich in den vergangenen Jahren einige ungewöhnliche Rechte sichern – etwa das auf direkte Datenabfrage beim Internetprovider oder ein Verbot von "Umgehungstechnologie". Nun formulierte die Universal Music Group (UMG) in den USA einen neuen Anspruch. Danach sollen auch der Weiterverkauf und das Wegwerfen von CDs Copyright-Verletzungen darstellen können.

Universals Anwalt Russell Frackman, der für die Musikindustrie unter anderem den Napster-Prozess gewann, erhob diesen Anspruch im Rahmen eines Prozesses gegen Troy Augusto, der Promo-CDs des Labels auf eBay angeboten hatte. Frackman argumentiert, Augusto habe die CDs nicht weiterverkaufen dürfen, weil sie ihm vom Musikkonzern nicht verkauft wurden und deshalb die "first-sale doctrine" nicht greife. Diese besagt unter anderem, dass die Kontrolle von Monopolrechtsinhabern nur bis zum ersten Verkaufsvorgang eines Tonträgers gilt, weshalb er gebraucht beliebig oft weiterveräußert werden darf.

Die Musikindustrie versuchte bereits mehrmals, den Weiterverkauf von gebrauchten Tonträgern zu unterbinden, was ihr aber aufgrund des bereits 1908 vom Supreme Court eingeführten Rechtsgrundsatzes nie gelang. 1976 wurde in einer Gesetzesänderung festgelegt, dass für die Geltung dieses Grundsatzes kein Verkauf notwendig ist, sondern auch andere Formen der Inverkehrbringung reichen. Nicht greifen sollte der Grundsatz dagegen bei lediglich vermieteten Objekten. Seitdem entwickelte sich vor allem zu Software eine ausgesprochen widersprüchliche Rechtsprechung. Hier beriefen sich Hersteller teilweise darauf, dass ihre Software nicht verkauft, sondern lediglich lizenziert würde.

Die Electronic Frontier Foundation (EFF) befürchtet im Falle des Erfolgs der Klage auch Folgen für Verbraucher und übernahm deshalb Augustos Verteidigung. Problematisch an der Argumentation Frackmans sei unter anderem, dass er Augusto die Beweislast für den Erstverkauf auferlegen will. Würde diesem Anliegen stattgegeben, könnte dies für Verbraucher heißen, Belege für CDs jahrzehntelang aufheben zu müssen. Der Universal-Anwalt sieht außerdem in Augustos Angabe, er hätte die CDs im Falle der Unverkäuflichkeit verschenkt oder weggeworfen, eine "ungenehmigte Verbreitung" und damit eine Copyrightverletzung.

Die Musikindustrie verschickt viele Tausende von Promo-CDs – meist ungefragt. Im Allgemeinen werfen Radiosender und Redaktionen solche CDs weg. Eine umweltbewusstere Minderheit trägt sie in Second-Hand-Läden; archiviert werden solche Musikbemusterungen in Zeiten zunehmender Raumnot kaum noch. (pem/Telepolis)

Quote
14. April 2008 0:47
***Faketicker Landgericht Hamburg***
GarryP (154 Beiträge seit 22.08.04)

Aus dem Gerichtssaal:

Heribert H. kaufte am 12. Dezember nachweislich eine CD der Gruppe
TrashASTrashCan.
Das Gericht ist der Überzeugung, daß Herr H. die geltenden
Lizenzbedinungen gem. §1234 klein a Abs.47 des Musikindustriegesetzes
verletze, als er diese CD seinem Sohn Benjamin H. zu Weihnachten
weiter verschenkte.
Weil Herr H. jedoch nicht vorbestraft war, kam er mit einer
vergleichsweise milden Strafe von 2 Jahren auf Bewährung davon,
jedoch mit der Auflage, 3 Monatsgehälter an den Verband der
notleidenden Musikindustrie zu spenden.

Das Urteil ist rechtskräftig.


Quote
14. April 2008 0:48
Abschaffung des Urheberrechts auf Musik
Diedel (mehr als 1000 Beiträge seit 28.02.01)

Welche Folgen hätte es, würde man das Urheberrechts im Falle von
Musik weltweit komplett abschaffen?

1. Innerhalb kürzester Zeit würden Altruisten dafür sorgen, dass das
gesamte aufgezeichnete musikalische Schaffen der Menschheit in
Tauschbörsen allgemein zur Verfügung steht.

2. Rein aus kommerziellen Interessen produzierte Musik würde nicht
mehr hergestellt.

3. Musiker würden von den Eintrittsgeldern für ihre Konzerte leben
und ihre Musik in geeigneter Form zu Promotionzwecken im Web
veröffentlichen. Komponisten, die Musik etwa für Filme oder
Computerspiele oder Muzak herstellen, würden auch weiterhin von ihren
Auftraggebern bezahlt. So etwas wie eine GEMA würde es nicht mehr
geben.

Quote
14. April 2008 1:34
Re: Abschaffung des Urheberrechts auf Musik
Nabeshin (mehr als 1000 Beiträge seit 11.08.03)

Es wäre vielleicht hilfreich, wenn man (durchaus im Sinne der Urheber
und nicht im Sinne der Verwerter) richtige Begriffe an richtiger
Stelle verwendet.

Das Urheberrecht ist (zumindest nach deutschem Rechtsverständnis)
NICHT übertragbar. Das bleibt für immer beim Urheber. Was auch gut
ist!

Zu reformieren ist allenfalls die Handhabung von Verwertungs- und
Vertriebsrechten UND vor allem das Ausmisten dieses unsäglichen
Begriffes "Geistiges Eigentum".


Quote
14. April 2008 2:19
Re: Abschaffung des Urheberrechts auf Musik
Diedel (mehr als 1000 Beiträge seit 28.02.01)

Nabeshin schrieb am 14. April 2008 1:34

> Das Urheberrecht ist (zumindest nach deutschem Rechtsverständnis)
> NICHT übertragbar.

Das ist mir bekannt. Aber ich plädiere für die Abschaffung des
Urheberrechts im Falle von Musik. Ein Urheberrecht, das nicht
existiert, kann auch nicht übertragen werden.

Ich kann eine Begründung auch kurz skizzieren:

Musik ist eine uralte Form menschlicher Kommunikation. Die
Herstellung von Musik ist nahezu jedem möglich. Man müsste schon
gelähmt und stumm sein, um keine Musik nach außen kommunizieren zu
können. Aber selbst dann ist nicht ausgeschlossen, dass man Musik
erdenkt, sie also im eigenen Kopf spielen lässt.
Zum therapeutischen Einsatz von Musik könnte ein Musikpädagoge
einiges Interessantes hinzufügen.

Sicher ist es schon einigen passiert, dass man sich eine Melodie hat
einfallen lassen, die man dann später in einem anderen Musikstück
wiedererkannt hat. Wir stehen auf den Schultern von Giganten, und bei
der begrenzten Anzahl von Tönen ist es wahrscheinlich, dass die
Melodie zum neuesten Charthit z.B. schon einem Leibeigenen im 12.
Jahrhundert bei der Fronarbeit auf dem Felde eingefallen ist.

Ein Urheberrecht auf Musik erscheint mir daher ebenso fragwürdig wie
ein Urheberrecht auf Sprache.

Das Kulturgut Musik ist einfach zu wichtig, um es monopolistischen
Profitgeiern zu überlassen. Und wenn diese Leute ihre radikalen
Maximalforderungen aufstellen können, sollten diejenigen, die am
Erhalt des Kulturguts Musik interessiert sind, ebenfalls ihre
Maximalforderungen ohne falsche Rücksichtnahme formulieren.

Übrigens sind gerade vier von mir bestellte Musik-CDs unterwegs.
Allesamt geordert in den USA über den Amazon Marketplace, weil sie
selbst mit Bezugskosten von je 3 Euro Porto dort deutlich preiswerter
sind als in Deutschland. Das ist natürlich ökologischer Wahnwitz,
aber die Ursache ist die seltsame Preisgestaltung der
monopolistischen Musikindustrie.

Und monopolistisch ist sie deshalb, weil es für jedes musikalische
Werk nur einen Rechteinhaber gibt, der bestimmt, auf welche Weise
dieses Werk veröffentlicht wird und ob es überhaupt veröffentlicht
wird.
Es gibt z.B. durchaus die eine oder andere LP, die ich mir gerne als
CD nachkaufen würde, die aber nie als CD in den Handel gekommen bzw.
seit Jahren oder Jahrzehnten nicht mehr verfügbar ist.







Quote
14. April 2008 1:25
Reißerische Überschrift, mehr Sachlichkeit
step, step@startplus.de (mehr als 1000 Beiträge seit 05.03.00)

Hmm, die Überschrift ist ja nun wirklich BILD-Format, also
grenzwertig. Natürlich ist der MI der Handel mit gebrauchten CDs ein
Dorn im Auge, offensichtlich hat aber selbst intensivste Lobbyarbeit
(mit allen *Vergünstigungen* die für die Zielpersonen damit verbunden
sind) keinen dahingehenden Erfolg gebracht.

In diesem speziellen Fall geht es aber um den Verkauf von Hörproben,
die von der MI an bestimmt Personen kostenlos geliefert werden, um
Bekanntheit oder bessere Positionierung ihrer Stars und Sternchen zu
erreichen. Dass der Verkauf solcher Hörproben nicht gerade auf
Zustimmung des Herstellers stößt, ist aber selbst für mich, trotz
meiner sehr kritischen Einstellung zur MI, durchaus nachvollziehbar.
Wenn jemand das Booking in einem Club macht, dann wird er ja auch die
Ihm zugesendeten Demo-CDs nicht irgendwo verkaufen, das fände ich
zumindest als ziemlich fragwürdig.

Während es in diesem Fall um den Verkauf bei ebay geht, ergeben sich
auf einem völligen Nebenschauplatz die Option Verschenken oder
Wegwerfen:

> Der Universal-Anwalt sieht außerdem in Augustos Angabe, er hätte die CDs im
> Falle der Unverkäuflichkeit verschenkt oder weggeworfen, eine "ungenehmigte
> Verbreitung"

Hier bezieht sich der Anwalt mit der Aussage "ungenehmigte
Verbreitung" doch offensichtlich auf die Variante "verschenkt".
Den ganzen Sachverhalt unter dem Titel "Musikindustrie will Wegwerfen
von CDs verbieten", ist allerübelster Stil, den BILD und Co. auch
nicht schlechter hinbekommen hätten.

MfG
Step.


Quote
14. April 2008 5:45
P0rnoindustrie will privaten Sex verbieten
ganzgenau (mehr als 1000 Beiträge seit 23.01.04)

...



Aus: "Musikindustrie will Wegwerfen von CDs verbieten" (14.04.2008)
Quelle: http://www.heise.de/newsticker/Musikindustrie-will-Wegwerfen-von-CDs-verbieten--/meldung/106423


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[IP-Nummer 195.40.39.2 und die IFPI-Geschichte... ]
« Reply #52 on: April 15, 2008, 12:20:03 PM »
Quote
[...] Sehr dumme Leute tappen in die "es-war-nicht-alles-schlecht"-Falle, etwas klügere manipulieren ihre Vergangenheit einfach ein bisschen. Zur letzteren Gruppe Gehörige sitzen offenbar beim Weltverband der Phonoindustrie, der International Federation of the Phonographic Industry oder kurz "IFPI".

Der unterließ – wie anderswo üblich – Jubelmeldungen und pompöse Pressemitteilungen zu seinem 75. Jubiläum. Auch auf der Firmenwebsite der IFPI fand sich nichts über die Geschichte des Verbandes – ein Indiz dafür, dass es möglicherweise etwas gab, was ihm ausgesprochen peinlich sein musste. Mehr noch: Die IFPI-Geschichte war auch aus der englischen Wikipedia gelöscht worden - unter anderem von einem Benutzer mit der IP-Nummer 195.40.39.2. Weil sich relativ leicht herausfinden ließ, dass die IP-Nummer zum Londoner IFPI-Hauptquartier gehört, weckte das beim schwedischen Historiker Rasmus Fleischer die Neugier, näheres zur Geschichte des Verbandes herauszufinden.

[...]

Quote
14. April 2008 1:29
Wissen als Eigentum von Staat und Konzernen - eine totalitäre Idee
Europa2010 (97 Beiträge seit 07.09.07)

Mag sein, daß Patente und Urheberrecht in bestimmten Fällen sinnvoll
sind. Die Ideologie von IFPI und Co, deren Praxis manchmal an die
Mafia erinnert (noch so eine Wurzel?) sind zutiefst totalitär. Alles
Wissen, alle Kunst und Kultur, ja im Grunde alle kreativen Gedanken
die je ein Mensch gefasst hat, sollen Eigentum eines Konsortiums aus
Verwertungsgesellschaften sein.

...


Quote
14. April 2008 9:54
Mussolinis "Korporatismus" ist ja auch eine Realität geworden.
Nordstern67 (mehr als 1000 Beiträge seit 07.04.06)

Dass da einige Wirtschaftsverbände an Geschichtsklitterung
interessiert sind, ist kein Wunder.

Oh, böse Kapitalismuskritik von mir. ;)

Der Nordstern.




Quote
14. April 2008 10:26
Geistiges Eigentum
Wächter der Nacht (301 Beiträge seit 06.12.07)

ist ein Widerspruch in sich. Etwas Immaterielles kann niemals
jemandem gehören. Schon gleich gar nicht einem Rechteverwerter, einer
Plattenfirma etc. Das bringt nur der Kapitalismus fertig, in dem
alles Ware ist.
Die ganze Chose mit dem "Urheberrecht" würde schlagartig aufhören,
wenn die Rechte allein bei den Urhebern, den Musikern und Autoren
blieben. Höchstens für die Vermarktung werden diese Dinosaurier noch
gebraucht. Aber in den Zeiten des Internet ist auch das fraglich.

Wieviel Lobby-, Gesetzes- und Ermittlungsarbeit, wieviel unsinnige
Propaganda (sorry: Aufklärung), wieviel nutzlose manpower muss von
der Industrie, von Staat und Gesellschaft geleistet werden, nur um
die Interessen einer kleinen mächtigen Clique durchzusetzen?

Dabei ist dieses System zutiefst undemokratisch, wie der Artikel
zeigt. Es hat anscheinend ja faschistische Wurzeln, es zielt auf
mächtige Monopole (sorry: Verbände), die bestimmen, wo es lang geht,
die ihre Vorstellungen beim Gesetzgeber in der EU und auch im
Bundestag durchdrücken können, die aber nie zufrieden sind, und immer
mehr wollen:
http://www.heise.de/newsticker/Musikindustrie-will-Wegwerfen-von-CDs-verbieten--/meldung/106423


Und was steht am Ende? Der geknebelte Konsument, dem vorgeschrieben
wird, wann er was wie und wo sehen und hören darf, und der geknebelte
Künstler, der nach Gutdünken vom Verwerter mit Brosamen abgespeist
wird. Ein paar fette Firmen und eine völlig verarmte, weil auf
Einheitsbrei getrimmte "Kulturindustrie".

...






Aus: "Mussolini und der Musikindustrieverband" Peter Mühlbauer (14.04.2008)
Quelle: http://www.heise.de/tp/r4/artikel/27/27717/1.html


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[Bundeskanzlerin soll Künstlerrechte schützen... ]
« Reply #53 on: April 25, 2008, 09:12:05 AM »
Quote
[...]  Rund 200 teilweise prominente Künstler haben einen vom Bundesverband Musikindustrie verfassten offenen Brief an Angela Merkel unterzeichnet, in dem die Bundeskanzlerin aufgefordert wird, sich für den Schutz des geistigen Eigentums einzusetzen und das Thema "zur Chefsache" zu machen. Anlass des offenen Briefs, der am morgigen Freitag als ganzseitige Anzeige in der Süddeutschen Zeitung, der Frankfurter Allgemeinen Zeitung und der tageszeitung erscheinen soll, ist der von der World Intellectual Property Organization (WIPO) ausgerufene "Tag des geistigen Eigentums", der am Samstag (26. April) ansteht.

"Als Komponisten und Musiker, Schriftsteller und Verleger, als Schauspieler und Filmemacher begrüßen wir es sehr, dass mit diesem Tag das Bewusstsein für den Wert geistigen Eigentums gestärkt werden soll", formuliert der Bundesverband Musikindustrie. "Denn leider müssen wir täglich mit ansehen, wie das Recht auf einen angemessenen Schutz unserer Werke missachtet wird. Vor allem im Internet werden Musik, Filme oder Hörbücher millionenfach unrechtmäßig angeboten und heruntergeladen, ohne dass die Kreativen, die hinter diesen Produkten stehen, dafür eine faire Entlohnung erhalten."

Allein in Deutschland seien im vergangenen Jahr über 300 Millionen Musikstücke illegal aus dem Internet heruntergeladen worden, heißt es weiter. Dies sei zehnmal mehr, als legal verkauft worden seien. Mehrere Millionen Menschen würden sich regelmäßig aus "Internet-Tauschbörsen und anderen illegalen Quellen" im Netz bedienen. "Und obwohl damit nicht nur die Betroffenen, sondern auch die Allgemeinheit durch Steuerausfälle und Arbeitsplatzverluste geschädigt werden, schaut der Staat bisher nahezu unbeteiligt zu", kritisieren die Verfasser. Nachdem sich die Bundeskanzlerin in China bereits vorbildlich für die Interessen der deutschen Industrie beim Thema Produktpiraterie eingesetzt habe, solle sie dies auch in Deutschland für mehr Respekt vor dem Schutz geistigen Eigentums tun.

In Anspielung auf geforderte Überwachungsmaßnahmen seitens der Provider stellen die Autoren des offenen Briefs die Behauptung in den Raum, allein 70 Prozent des Internetverkehrs in Deutschland entfielen auf "die – leider meist illegale – Tauschbörsennutzung". Und weiter: "Aber während beispielsweise die milliardenschwere Telekommunikationsindustrie massiv von der Nutzung illegaler Inhalte profitiert, verweigert sie beim Schutz geistigen Eigentums die Verantwortung." Als europäische Musterschüler in Kampf gegen illegales Filesharing werden Frankreich und England angeführt. So sollen etwa in Großbritannien ab 2009 gesetzliche Vorgaben für Provider gelten, nach denen Internet-Nutzern bei wiederholten Urheberrechtsverletzungen der Zugang gesperrt wird.

Zu den Unterzeichnern des offenen Briefs gehören unter anderem die Filmregisseure Sönke Wortmann, Bernd Eichinger und Faith Akin sowie die Schauspieler Til Schweiger, Renan Demirkan und Detlev Buck. Mit dabei sind auch Musikgruppen wie Tokio Hotel, Monrose, Söhne Mannheims und Juli sowie die Sänger Udo Lindenberg, Reinhard Mey, Peter Maffay, Roger Cicero und LaFee. Unterstützung kommt auch von der Moderatorin Barbara Schöneberger, dem Produzenten Ralph Siegel, dem Komponisten Wolfgang Rihm, der Verlegerin Ulla Unseld-Berkéwicz und dem Vorsteher des Börsenvereins des Deutschen Buchhandels, Gottfried Honnefelder. (pmz/c't)

Quote
25. April 2008 04:25
Irgendwie lustig...
dreaddy2 (7 Beiträge seit 11.03.08)

Nicht, dass ich jemals etwas von besagten Leuten herunterladen würde
oder die Illegalität dieses Tuns in Frage stelle, aber wenn ein
Haufen auch trotz Filesharing sehr sehr gut verdienender Millionäre
verzapfen, dass die zu großen Teilen Schüler, Studenten und Leute für
die 30 Euro nicht mal eben aus dem Geldbeutel gezückt sind, doch mal
ihren Krams zahlen sollten...
Egal ob das Recht auf ihrer Seite ist, ich würde mich beim
Unterschreiben von diesem geistigen Eigentum Brief recht schäbig
fühlen.
Aber ein Angehöriger einer Branche, die es unter Kundenbindung
versteht, seit Jahren potentiellen Kunden mit Gefängnis zu drohen um
sie zum kaufen zu motivieren, sieht das vermutlich nicht so.

...



Quote
25. April 2008 07:04
Ein Stück Zeitgeschichte
Tonikaparallele (397 Beiträge seit 14.05.07)

Sollte es auch weiterhin dabei bleiben, dass sich die Zeiten ändern,
dann könnte dieses Dokument irgendwann mal ganz interessant werden.
Es sagt mE viel aus über die Zeit, in der wir heute leben. Vor allen
Dingen für Musikwissenschaftler, aber nicht nur. Ich jedenfalls fühle
mich an die DDR-Musikwissenschaft erinnert, was einerseits an den
offensichtlichen Lügen im Text und andererseits am Quatsch-Begriff
"Geistiges Eigentum" liegt. Stellte die DDR-Musikwissenschaft alle
(echte, "gültige") Musik als Produkt des Volkes hin und blendete den
Künstler als Individuum völlig aus, so wird heutzutage Musik allein
als Wirtschaftsgut gesehen. Das ist sie zwar zweifellos u.a. auch,
aber doch nicht *nur*. Anders ausgedrückt: Gerade so, wie man in der
DDR auf Biegen und Brechen alle persönliche künstlerische Äußerungen
entweder als dekadenten Quatsch abtun oder der sozialistischen
Ideologie einverleiben musste (Lieder eines unglücklich Verliebten
als Ausdruck der "allgemeinen sozialen Misere"), so wird in unserer
Zeit alles nur noch im Hinblick auf Verwertbarkeit und Gewinn gesehen
und dabei vieles ausgeblendet. Man riecht den Schweiß.


Quote
24. April 2008 19:53
Geldgier vs. Freiheitsrechte
p_kater (mehr als 1000 Beiträge seit 29.07.04)

Das ist ja nichts Neues, sozusagen die Grundlage einer
kapitalistischen Demokratie im Spannungsfeld der Interessen. Aber es
gibt den Moment, indem eine Demokratie in eine Diktatur umkippt. Zum
Beispiel dann, wenn zur Durchsetzung der Geldgier Einzelner die
totale Überwachung eingeführt wird. Frage: Kann einem Künstler egal
sein, ob er in einer Demokratie oder einer Diktatur lebt? Ich finde
nicht. Diesen Künstlern ist es aber egal. Wenn sie damit leben
können...


Quote
25. April 2008 08:23
Wochenende: Kinderchorauftritt...
egnurg (173 Beiträge seit 31.07.02)

... Kostüme selbst gebastelt, Lieder AUSWENDIG GELERNT und LIVE
GESUNGEN!
Lampenfieber, freuen sich über ein Überraschungsei und den Applaus
des Publikums.

DAS sind Künstler!!

Für den Auftritt müssen sie aber GEMA anmelden und dürfen kräftig
dafür zahlen.
Soviel daß sich der Verein schon überlegt ob er überhaupt noch
Kinderchor-Auftritte finanzieren kann.
Oder so Dinge wie Kinderfasching und Jugenddisco - kaum noch
finanzierbar.
Dann sitzen die Kids eben zuhause und raubdownloaden sich ihre
Lieder, was sollen sie auch sonst machen?

Von den Abgaben müssen halt auch die "armen" Künstler finanziert
werden deren Platten immer nur raubkopiert werden...

Mein Vorschlag an Merkel:
Kostenloses Auftrittsrecht für alle Kinder und Jugendliche unter 18!


Quote
25. April 2008 09:06
ausgerechnet die Filmemacher in Deutschland
Xyrus (mehr als 1000 Beiträge seit 10.06.05)

produzieren ihre Filme oftmals mit öffentlichen Filmfördergeldern
oder im Auftrag der öffentlich rechtlichen Rundfunkanstalten mit
Zwangsgebühren und wollen nachher das Urheberrecht für sich
proklamieren. Wer Filme mit öffentlichen Geldern produziert, müsste
eigentlich gezwungen werden, seine Werke unter creativ commons Lizenz
zu stellen, meine Meinung. ...


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25. April 2008 02:16
ihr habt angst um euer geld???
dannyray (165 Beiträge seit 23.07.07)

DANN LASST ES!
denn "künstler" seid ihr NICHT!
[...]  ein künstler ist jemand, der seiner kreativität freien lauf lässt, ungeachtet materieller
faktoren. wer dabei an profit denkt, ist kein künstler mehr, sondern ein schaffender - wie jeder 0815-angestellte auch.

ganz davon abgesehen nagt keiner der unterzeichner am hungertuch, im gegenteil. sie haben bloss angst um die vermarktung ihrer produkte und das internet ist ihr natürlicher feind.  denn das internet ist grösser als das CD-regal im blödmarkt, hier gibt es zig newcomer und freie auswahl. und im internet muss man nicht kaufen, nein, hier KANN man unterstützen, was man für gut hält.

also leckt mich doch am arsch.  [...] wenn ihr kein bock habt kreativ zu sein und nur noch verkaufen wollt,
dann lasst es doch einfach sein.



Aus: "Offener Brief: Bundeskanzlerin soll Künstlerrechte schützen" (24.04.2008)
Quelle: http://www.heise.de/newsticker/Offener-Brief-Bundeskanzlerin-soll-Kuenstlerrechte-schuetzen--/meldung/106992

-.-

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[...] Liebe Musikindustrie,
schon seit Jahren schreibe ich mir im Internet die Finger wund um darauf hinzuweisen, dass der technologische Fortschritt im Internet mit Ansprüchen, die sich aus dem Term „Geistiges Eigentum“ ergeben, und den herkömmlichen Top-Down-Geschäftsmodellen nicht vereinbar ist und ich könnte es kurz machen und einfach schreiben: „Was kann ich für euer geficktes Businessmodell?“ Was letztlich viel cooler und knackiger wäre, aber irgendwie habe ich wirklich Lust, etwas weiter auszuholen. Dass ich mich dabei wiederhole, weil dieses Thema ständiger Begleiter von Nerdcore ist, ist mir völlig Wuppe. Lesen Sie das hier also als so einen Nerdcore-Copyright-Tag-Remix.

Zunächst hatten Sie es sehr leicht. Da standen in den Neunzigern hier und da die Server rum, da hatte jemand die Verantwortung dafür und wenn da böse MP3s drauf lagen, verklagte man den halt ordentlich. Und dann kam 1998 Napster, die erste Software, die eine neue Technologie namens P2P begründete und die es den Nutzern erlaubte, nicht mehr auf einen zentralen Server zuzugreifen, sondern sich gegenseitig tolle Musik zu schicken. Unerhört! Leider, leider lagen die Informationen der Dateien bei Napster, weshalb man es in Grund und Boden klagte. Anstatt sich einer funktionierenden Technologie zu bedienen und sie zu monetarisieren, haute man sie kaputt. Kann man so machen, man darf sich dann aber nicht über das Ergebnis wundern. Weil, wissense, die Internet-Leute sind ja nicht blöd.

Die programmierten nämlich schwuppsdiwupps Software, die nirgends mehr irgendwelche Dateien oder Infos zentral hostete und die deshalb für Sie, sehr geehrte Musikindustrie, leider unfickbar wurde. Seitdem weinen Sie bittere Tränen und weil Sie so bitter weinen, hat die Bundeskanzleuse schon 2006 auf dem tollen G8-Gipfel versprochen, etwas zu tun. Und die Politik hat ja auch viel für Sie getan in letzter Zeit. Zum Beispiel ist nicht nur mehr der Upload geschützter Werke strafbar, sondern auch der Download (und um den geht es Ihnen ja auch schließlich, nicht wahr?) Noch dazu haben sie die zweifelhafte Vorratsdatenspeicherung durchgewunken, wobei Ihnen gleich das Wasser im Mund zusammengelaufen ist und siehe da: Sie sollen tatsächlich Zugang zu Verbindungsdaten erhalten. Na, das ist doch was, oder? Da kann man sich doch mal ein bisschen freuen und ich verstehe nicht so recht, warum Sie im Eingangs zitierten Brief immer nichts als weinen. Naja, vielleicht ahnen Sie ja bereits das Fazit dieses Artikels, den ich nun auch mal so langsam ausklingen lassen will, denn ich möchte mich und meine Leser nicht ständig mit Themen zu Copyright und Musikindustrie langweilen. Ich mach’s jetzt kurz, okay?

Restlos alle ihre Bemühungen, Internet-Piraterie zu unterbinden sind gescheitert und werden weiterhin scheitern. Hören Sie endlich auf, sich in Ihrer beknackten Opferrolle heimisch zu fühlen und gleichzeitig zu behaupten, die Zahlen der P2P-Nutzer würde sinken. Denn es stimmt nicht. Monetarisieren Sie endlich die vorhandene, funktionierende und vor allem einfache Technologie und machen Sie Schluß mit ihren Bemühungen, den Nutzern umständliche, proprietäre und indiskutable Lösungen zu präsentieren. Es tut mir ja leid, dass die Zeiten vorbei sind, als Sie darüber bestimmten, wie und wann Musik gehört wurde. Get over it!

Kopieren Sie die Piraten! Warner, ein Vertreter Ihrer Spezies ist da schon einen Schritt weiter. Gehen Sie mit, machen Sie Vorschläge und beschäftigen Sie sich endlich mit dem Netz. Es ist nicht böse, glauben Sie mir: wir wollen nur spielen. Und tauschen. Machen Sie was draus. Sie werden nicht daran zu Grunde gehen, versprochen. Sie werden sich nur verändern.

[...]

[update2] Hier die Liste der Unterzeichner, danke für’s abtippen, Karsten.

   
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2raumwohnung, Daniel Acht, Fatih Akin, Götz Alsmann, Stefan Arndt, Bob Arnz, Uli Aselmann, Andreas Auth, Lutz Bandte, Wolf Bauer, Claudia Baumhöver BAP, Dr. h.c Wolfgang Beck, Christian Becker, Oliver Berben, Christoph Biermann, Julia Boehme, Claus Boje, Ranja Bonalana, Dr. Jörg Bong, Prof. Dr. Heinrich Breloer, Silke Brix, Till Brönner, Burkhard Brozat, Prof. Christian Bruhn, Francesco Bruletti, Anni Brunner, Detlev Buck, Sven Burgemeister, Leander Carell, Yvonne Catterfeld, Roger Cicero, Culcha Candela, Jakob Claussen, Caroline Dabue, Samy Deluxe, Renan Demirkan, Joy Denalane, Helmut Dietl, Die Labbese, DJ Ötzi, Klaus Doldinger, Bernd Eichinger, EL*KE, Peter Eötvös, Jörg Evers, Dieter Falk, Dr. Wolfgang Ferchl, Axel Fischer, Helene Fischer, Uschi Flacke, Julia Franck, Egon L. Frauenberger, Amelie Fried, Molly von Fürstenberg, Joseline Gassen-Hesse, Hans W. Geißendörfer, Bijan Ghawami, Dr. Peter Gölitz, Ulrich Granseyer, Herbert Grönemeyer, Ludwig Güttler, Till Hagen, Martin Hagemann, Kirsten Hager, Klaus Hanslbauer, Titus Häusermann, Peter Heppner, Max Herre, Gerd Hesse, Sabine Hirler, Mischa Hofmann,Dr. G.-Jürgen Hogrefe, Höhner, Dr. Gottfried Honnefelder, Klaus Humann, Viola Jäger, Christoph John, Juli, Udo Jürgens, Dr. Joachim Kaps, Ewa Karlstroem, Andreas Langenscheidt, Toni Kater, Joachim Kaufmann, Georg Kessler, Dietrich zu Klampen, Klaus&Klaus, Alexander Klaws, Patrick Knippel, Astrid Lollex, René Kollo, Meike Kordes, Harald Kügler, Mickie Krause, Joachim Król, Michael Krüger, Dieter Thomas Kuhn, Peter Lackner, LaFee, Prof. Ulrich Limmer, Udo Lindenberg, Peter Lohmann, Annett Louisan, Peter Maffay, Manfred Mai, Martin May, Helge Malchow, Marquess, Marc Marshall, Jens Meurer, Reinhard Mey, Kari Meyer, MIA, Michael Mittermeyer, Monrose, Martin Moszkowicz, Christoph Müller, Nobelpenner, Oomph!, Margit Ostewold, Erick Öxler, Wolfgang Pampel, Stefan Peters, Dr. Joerg Pfuhl, Uli Putz, Thomas Quasthoff, Rabaue, Karl-Klaus Rabe, Frank Ramond, Reamonn, Uschi Reich, Aribert Reimann, Steffen Reuter, Revolverheld, Dr. Andreas Richter, Prof. Dr. h.c. Wolfgang Rihm, Rosanne Rocci, Hilke Rosenboom, Ursula Rosengart, Rosenstolz, Jennifer Rostock, Dr. Christian Rotta, Sasha, Prof. Dr. Enjott Schneider, Philipp Schepmann, Schiller, Monika Schlitzer, Jörg Schlönvoigt, Bernhard Schmid, Kim Oliver Schmidt, Dr. Patricia Scholten, Walter Scholz, Barbara Schöneberger, Atze Schröder, Hermann Schulz, Dr. Susanne Schüssler, Jan Schütte, Til Schweiger, Scooter, Seeed, Mark von Seydlitz, Rodion Shchedrin, Ralph Siegel, Söhne Mannheims, Martin Spencker, Tom Spieß, Dagmar Stehle, Dr. Jörg D. Stiebner, Ulrich Stiehm, Dr. Henning Stump, Alexander Thies, Tokio Hotel, Imre Török, Judy Tossell, Matthias Ulmer, Andreas Ulmke-Smeaton, Ulla Unseld-Berkéwich, Philip Voges, Prof. Lothar Voigtländer, Neele Vollmar, Dr. Ralf Weigand, Stefan Waggershausen, Peter Wackel, Wagner Love, Joachim Weidler, Max Wiedemann, Ursula Woerner, Johanna Wokalek, Sönke Wortmann, Peter Zenk und Tom Zickler haben diesen Brief unterschrieben.

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Kommentare:

#

Ein bisschen viel “ficken” und “kacken” in dem Text… aber sonst: volle Zustimmung
Kommentar von margerie - 24. April 2008 @ 21:23 Uhr Reply to this comment
#

Also, „kacken“ steht gar nicht drin. „Ficken“ ja. Is ja auch schöner ;)

Danke!
Kommentar von René - 24. April 2008 @ 21:30 Uhr Reply to this comment
#

Ich zähle da nur ein “ficken”, und das wird durch das wunderschöne “unfickbar” ja quasi wieder aufgehoben.
Und ansonsten steckt da so viel wahres drin, das man auch ruhig ein paar unmissverständliche Worte nutzen darf.
Kommentar von Peter/Blogwinkel - 24. April 2008 @ 21:35 Uhr

[...]

Sollten in einer Demokratie nicht eigentlich Einzelinteressen ausgeblendet werden und nur das Allgemeinwohl zählen?

Kommentar von Bene - 24. April 2008 @ 22:24 Uhr

[...] Um es mit den Worten des Lemuren-Königs aus “Madagascar” zu sagen:

-Ihr seite die große Weischeeier!-

Anstatt sich selbst mal ein Konzept aus dem doch so großen Geist zu formen, bleibt man lieber auf dem geistigen Eigentum hocken und jammert dann der Bundelmerkel die Ohren voll. Tante Angela wird schon helfen.
Kommentar von daRONN - 25. April 2008 @ 09:11 Uhr

[...] Ich schwöre hoch und heilig, nicht ein einziges Lied der Unterzeichneten jemals besessen, geklaut, geschweige natürlich gekauft zu haben, und dies auch NIEMALS zu tun. Klaus&Klaus, Ooomph!, Udo Lindenberg, DJ Ötzi und all die anderen, ich bin ja schon froh, wenn ich Eure Ergüsse nicht zufällig im Schuhladen mithören muss. ...

Kommentar von Peel - 25. April 2008 @ 10:07 Uhr Reply to this comment

[...] Eine offene Bankrotterklärung der Musikindustrie. So rückständig, so albern.. So Web 0.1
Kommentar von ritman - 25. April 2008 @ 10:42 Uhr

[...] Darf man das, was Jennifer Rostock machen jetzt eigentlich Kanzlerpunk nennen?
Kommentar von Saint - 25. April 2008 @ 12:44 Uhr

[...] Der Bundesbürger ähä Kreative Künstler, hat nichts anderes Verdient als Schäuble, Kontrolle und wirtschaftliche Versklavung.

Deutschland, Sadomasochismus in Reinkultur!
Kommentar von lutzkettenschutz - 25. April 2008 @ 15:47 Uhr

[...] Verwundert hat mich lediglich Fatih Akin, aber das Geld für Produkte der sonstigen Mischpoke müßte man schon mit der Knarre aus mir rauspressen.
Arg gruselige Liste.

“Geistiges Eigentum…” als “.Öl des 21. Jahrhunderts” ist wirklich gaga. Und das von Getty. Das ist so als würde man Al Capone über die Prohibition befragen. “Klasse Sache, verdiene Millionen mit dem selbstgebrannten Schnappes!”

Jedes aufgeworfene Argument ließe sich einfachst zerpflücken. Besonders ärgert mich die Darstellung, daß die künstlerische Landschaft verkargen würde, wenn diese Künstler-Wanna-Bes kein Geld mehr für ihre Machwerke bekommen. Das genaue Gegenteil ist der Fall. Alle Kanäle sind verstopft mit vermarktbarem Unfug besagter “Künstler”, während die meisten passionierteren Künstler eher ein Schattendasein in obskuren Musikmagazinen oder- websites führen. (@ Meaty: Es gibt eine ganze Menge guter Musik da draußen, man muß nur danach suchen. Radio und TV helfen da recht wenig, die bedienen nur den kleinsten gemeinsamen Nenner.)
Als ob niemand mehr Musik machen würde, wenn er nix damit verdienen würde. Ein großer Teil des Internets ist doch der Beweis des Gegenteils. Manche Menschen haben einfach Spaß daran, Inhalte zu produzieren und müssen nicht noch extra bezahlt werden. Das ist der Content-Industrie (Musikindustrie, Verlage etc.) natürlich extrem unheimlich -und natürlich existenzbedrohend- und deswegen wird versucht, zu kriminalisieren, schmähen (s. auch die Mainstream-Presse zum Thema Blogs),zu drohen und zu jammern.
Trotzdem: Musik hat sich mit der Digitalisierung quasi verflüssigt, ist verlustfrei zu vervielfältigen und ist nicht mehr trägergebunden (CD, Vinyl etc.), damit gibt es auch keine Güternappheit mehr, die eigentlich eine der wirtschaftsphilosophischen Grundvoraussetzungen für die Begründung von Eigentumsrechten ist.

...

Kommentar von Stefan - 25. April 2008 @ 17:32 Uhr



[...] Also, wenn die Unterschreiber die letzten Getreuen der Musindustrie sind, dann steht deren Ende wirklich sehr kurz bevor.
Kommentar von vib - 25. April 2008 @ 18:42 Uhr

[...] # das Geilste ist doch, dass der ganze P2P-Kram den “kleinen Künstlern” schade! was ein bullshit! die haben doch echt keinen Schimmer, was die Zeichen der zeit sind bzw. wie der verfickte Hase läuft. Dass das genaue Gegenteil dieser dümmlichen Behauptung der Fall ist, geht einem aber wohl nicht auf, wenn man eben Teil einer INDUSTRIE ist und es eben nicht um “Kunst” geht. P2P ist für “Untergrund”sachen abseits des Mainstreams ein wahrhafter Segen. Ende, aus.
Kommentar von jay - 26. April 2008 @ 13:48 Uhr Reply to this comment


[...] DJ Ötzi und “geistiges Eigentum” ist eigentlich DER Oberknaller - wäre es eigentlich wert, einen eigenen Artikel drüber zu schreiben. :-)
Kommentar von Stefan - 26. April 2008 @ 14:10 Uhr

[...] “Die Krise im Schallplattengeschäft des Jahres 1959 ist nicht auf Deutschland beschränkt. Ähnliche Schwierigkeiten verzeichneten in den letzten Jahren fast alle westeuropäischen Länder und vor allem Amerika. Die Plattenhändler stöhnen über die Konkurrenz des Fernsehens mit den gleichen Worten wie die Kinobesitzer.

Die finanzielle Belastung, die dem Konsumenten beim Kauf eines Fernsehapparates auferlegt wird, tut dem Schallplattenverkauf Abbruch. Außerdem wird die Freizeit jetzt mehr vom Fernsehapparat in Anspruch genommen als vom Plattenspieler. Auch Tonband und Motorgefährt schlucken jetzt einen Teil der Gelder, die früher vom Käufer in Platten angelegt wurden. Die Überproduktion der Plattenfirmen ist jedoch der wichtigste Grund für den Umsatzrückgang.

Man rechnet, dass pro Monat in Westdeutschland ungefähr 180 neue Schlagerplatten auf den Markt kommen. Das sind 360 Titel im Monat oder 4900 pro Jahr. Welcher Käufer kann da schon mithalten?”

(zitiert nach Siegfried Schmidt-Joos: Geschäfte mit Schlagern, Seite 67/68 [© 1960 Carl Schünemann Verlag Bremen])

In späteren Kapiteln geht der Autor auf den Payola-Skandal ein, erzählt, wie die echte Mafia° Jukeboxen zum Erfolg machte und berichtet von großangelegtem Chartbetrug mit faken Hörerwunschbriefen und Claqueuren, die das Applausometer nach oben trieben.



° “When Prohibition was repealed, the Outfit moved into the jukebox and film industries. They had a hand in almost every union i n Hollywood and developed first the music industry top ten and then the top 40.

A prominent position on an Outfit jukebox almost guaranteed a song would be a hit, so record producers and promoters often paid the gangsters to put their record in the number one spot.”

(Quelle: The Mob that made modern America)
Kommentar von henteaser - 26. April 2008 @ 23:12 Uhr

[...] # Ihr seid also alle der Meinung, Musiker sollten für ihre kreative Leistung nicht entlohnt werden?
Kommentar von STU - 27. April 2008 @ 12:09 Uhr

#@ STU: Nein. Wo soll das stehen? Musiker oder genauer: die Musikindustrie gehen derzeit leider leer aus, weil die MI ihren Arsch nicht hochkriegt und ihr Geschäftsmodell nicht den technischen Gegebenheiten anpasst und so leid mir es tut: das ist nicht mein Problem.
Kommentar von René - 27. April 2008 @ 12:20 Uhr

[...] Die Zeiten in dennen von der Industrie aufgebaute “Künstler” mehrfache Millionäre wurden sind, zum Glück, vorbei. Im Falle der Musikindustrie von Künstlern zu sprechen ist sowieso lachhaft.

...

Kommentar von Börmel - 27. April 2008 @ 16:28 Uhr


...



Aus: "Offener Brief der Musikindustrie an die Kanzlerin zum Tag des geistigen Eigentums - und meine Antwort"
Von René am 24. April 2008 um 21:12 Uhr
Quelle: http://www.nerdcore.de/wp/2008/04/24/offener-brief-der-musikindustrie-an-die-kanzlerin-zum-tag-des-geistigen-eigentums-und-meine-antwort/



« Last Edit: August 05, 2008, 11:06:39 AM by lemonhorse »

Offline lemonhorse

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[Staatsminister für Internetsperre bei Urheberrechtsverletzungen... ]
« Reply #54 on: April 26, 2008, 12:00:24 PM »
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[...] Kulturstaatsminister Bernd Neumann hat vor dem morgigen "Welttag des geistigen Eigentums" freiwillige Vereinbarungen zwischen Providern und Rechteinhabern zur "wirksamen Bekämpfung der Internetpiraterie" nach französischem Vorbild gefordert. Demnach sollen Zugangsanbieter ihren Kunden bei wiederholten Urheberrechtsverletzungen zunächst Warnbriefe schreiben. Bei deren Nichtbeachtung droht die zeitweise oder dauerhafte Kappung der Netzverbindung. Dieses Thema muss dem CDU-Politiker zufolge "auch weiterhin auf europäischer Ebene diskutiert werden". Dabei müsse auch geklärt werden, wie der effektive Kampf gegen Urheberrechtsverstöße im Internet mit dem Recht auf informationelle Selbstbestimmung "in Einklang zu bringen ist".

Neumann macht sich damit eine Kernforderung von 200 Künstlern und zahlreichen Verbänden der Medienindustrie zu Eigen, welche diese gerade in einem offenen Brief an Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) vorbrachten. Ein weiterer wichtiger Aspekt ist für den Staatsminister auch die Verlängerung der Schutzfristen für ausübende Künstler, schließlich gehe es hier um die soziale und wirtschaftliche Absicherung der Urheber. Zusammen mit seiner französischen Kollegin Christine Albanel habe er daher den zuständigen EU-Binnenmarktkommissar Charlie McCreevy gebeten, in Brüssel tätig zu werden. Dieser habe versprochen, noch vor der Sommerpause einen Vorschlag zu unterbreiten. Der Ire liebäugelte bereits Anfang des Jahres mit dem Ansatz, den Urheberrechtsschutz für europäische Musikkünstler von 50 auf 95 Jahre zu verlängern.

Zugleich sprach sich Neumann für "mehr Respekt gegenüber dem Wert und der wirtschaftlichen Bedeutung des geistigen Eigentums" im Zeitalter der Digitalisierung aus. Die hohe Zahl illegaler Downloads von Musik, Filmen und Hörbüchern schade nicht nur der Kultur- und Kreativwirtschaft als Zukunftsbranche, sondern bedrohe auch die wirtschaftliche Existenz des einzelnen Künstlers. Daran sollten besonders jene denken, die mit dem irreführenden Argument, Kultur sei ein allgemein verfügbares und vor allem kostenloses Gut, Kreativen die angemessene finanzielle Vergütung vorenthalten würden.

Bei der Begehung des "Tags des geistigen Eigentums" in Berlin, den Industrie und Politik am heutigen Freitag zum dritten Mal gesondert zelebrierten, warb auch Bundesjustizministerin Brigitte Zypries für eine stärkere Achtung von Immaterialgüterrechten. Verbraucher müssten etwa besser informiert werden, was Produktpiraterie für eine Volkswirtschaft bedeute. Dabei sei auch die "persönliche Betroffenheit" etwa aufgrund drohender Gesundheitsschäden durch nachgemachte Markenartikel darzustellen.

Die SPD-Politikerin begrüßte es daher, dass Microsoft im Rahmen des Vorgehens gegen Software- und Produktpiraterie erneut und erstmals gemeinsam mit der Messe Frankfurt den Wettbewerb "Die Idee" ausgerufen habe. Dieser ehre Menschen oder Organisationen, "die sich besonders für die Achtung des geistigen Eigentums einsetzen". Besonders freute sich Zypries, dass darüber hinaus der Bundesverband der Deutschen Industrie (BDI) den Wettstreit "Ideenliebe" ausgerufen hat, mit dem vor allem Schüler in den achten bis zehnten Klassen angesprochen werden sollten.

Zypries warnte zugleich davor, bei Produktpiraterie und Raubkopien immer nur "den Zeigefinger in Richtung China auszustrecken". In China werde zwar "deutlich mehr kopiert, aber fast jeder fünfte Maschinenbauer klagt über Produktpiraterie aus dem Inland". Zudem sei die Durchsetzung geistiger Eigentumsrechte gerade erneut im Rahmen des achten "Rechtsstaatsdialogs" mit China in München angesprochen worden.

Aus der Wirtschaft waren bei der Tagung immer wieder Klagen zu hören, dass der vom Bundestag beschlossene Entwurf für ein Gesetz zur besseren Durchsetzung von Immaterialgüterrechten seinem Ziel nicht gerecht werde. Vielmehr werde damit "jede Rechtsdurchsetzung gestoppt", echauffierte sich Rüdiger Salat, Geschäftsführer der Verlagsgruppe Georg von Holtzbrinck, über "einen Zustand wie in einer Bananenrepublik". Keine Erwähnung fanden dagegen etwa im Rahmen der Adelphi-Charta lauter werdende Stimmen, wonach im System des geistigen Eigentums die Balance durch eine ständige Ausweitung der Stellung der Rechteinhaber längst verloren gegangen sei und die Innovationskraft geschädigt werde. (Stefan Krempl) / (pmz/c't)


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25. April 2008 19:32
Wer bezahlt Herrn Neumann?
Corwin Duke, Corwin Duke (838 Beiträge seit 11.05.00)

Morbus Siemens allerorten...


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25. April 2008 19:35
Ja, bitte!!!! Ganz schnell her mit dem Gesetz!
choke, choke@gawab.com (mehr als 1000 Beiträge seit 16.02.01)

Und dann bitte auch konsequent hunderttausendfach Anbindungen kappen!
Eine bessere Anti-Werbung können die Assis in der Regierung gar nicht
machen. Vielleicht gehen dann ein paar mehr Leuten die Augen auf, was
gerade in diesem Land passiert.

Weil es so schön zum Thema passt: Tokio Hotel & Co. möchten härteres
Vorgehen gegen "illegale" Downloads:

> http://www.laut.de/vorlaut/news/2008/04/25/18515/

Was habe ich gelacht. Diese Bubis gerade.


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25. April 2008 19:39
Soziale Absicherung der Urheber mit einer Schutzfrist von 95 Jahren?
ichwersonst (mehr als 1000 Beiträge seit 24.04.02)

Selbst wenn der Urheber ein knackiges Alter von 15 hatte (was dann
doch eher unwahrscheinlich ist) Würde das eine soziale Absicherung
bis ins biblische Alter von 110 bedeuten - bei einer
durchschnittlichen Lebenswerwartung von roundabout 75 Jahren.

Wer so eine absurde Forderung mit so einer durchaubar von der MI
vorhergesagten Argumentation anschleppt und auch ansonsten zu hundert
Prozent auf Linie der Industrie liegt, der zwingt einen ja geradezu
dazu, zu fragen, was sich denn diesesmal im Überraschungsköfferchen
befunden hat.


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25. April 2008 20:34
Ihr Heuchler! (Editiert vom Verfasser am 25.04.08 um 21:00)
wayland_smithers (mehr als 1000 Beiträge seit 20.08.03)

Seit endlos und 3 Tagen entgegne ich jedem von euch hier und
andernorts:

Geht an die Künstler! Geht an die Schaffenden, geht an eure Idole!

Die MI ist die falsche Adresse, die MI hat nur so lange etwas zu
sagen, wie ein Vertrag mit einem Künstler läuft und alle Verträge
dieser Art sind endlich. Einige Künstler, auch populäre, arbeiten
mittlerweile völlig auf eigene Rechnung - es geht!

Andere Künstler, leider so gut wie alle - das zeigt auch dieser
letzte Aufruf, wollen es nicht anders. Die wollen ihre Werke
fabrizieren, vielleicht zusätzlich Kohle durch Konzerte machen, die
MI soll gegen einen satten Obulus produzieren, vermarkten und Inkasso
für Datenträger machen, also die unangenehme Nebenlast abnehmen.

Wenn ihr mit diesem Modell nicht einverstanden seid, dann boykottiert
die Künstler welche dieses Modell betreiben und schützen und das sind
95% all derer, deren Titel in den Filesharingnetzen getauscht werden.
All dieser angeblich so verachtenswerte Mainstream, pff...

Wer wirklich etwas gegen dieses System unternehmen will und nicht nur
seinen eigenen, bigotten Lebenswandel schönreden will, der kauft,
sieht, hört und saugt nichts von diesen Leuten. Dann würde dieses
System in kürzester Zeit an seinen eigenen Kosten ersticken.

Ihr aber, die ihr glaubt die Befriedigung eurer eigenen
Konsuminteressen für lau wäre eine Art von Robin-Hood-Widerstand
gegen die MI, ihr, die ihr euch gegenseitig "Transfomers"-saugend
auf die Schulter klopft: Ihr widert mich an.






Aus: "Staatsminister für Internetsperre bei Urheberrechtsverletzungen" (25.04.2008)
Quelle: http://www.heise.de/newsticker/Staatsminister-fuer-Internetsperre-bei-Urheberrechtsverletzungen--/meldung/107049


Offline Textaris(txt*bot)

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[Lobbyismus vom feinsten... (Notiz, BRD, Merkel, MI)]
« Reply #55 on: April 27, 2008, 12:05:15 PM »
Quote
[...] Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) hat Künstlern Unterstützung im Kampf gegen illegale Kopien aus dem Internet zugesagt. In ihrer aktuellen Videobotschaft erklärte Merkel am Samstag, sie werde sich auch auf internationaler Ebene für mehr Schutz des geistigen Eigentums stark machen. Zugleich rief sie zu einer gesellschaftlichen Debatte über Urheberrechtsverletzungen im Internet auf. "Raubkopien sind kein Kavaliersdelikt", sagte Merkel an dem von der UN initiierten Welttag des geistigen Eigentums.

Zuvor hatten rund 200 prominente Künstler in einem offenen Brief an Merkel einen besseren Schutz geistigen Eigentums gefordert. Im Internet würden millionenfach Musiktitel, Filme oder Hörbücher illegal angeboten. 2007 seien in Deutschland mehr als 300 Millionen Musikstücke illegal heruntergeladen worden – zehnmal mehr als legal verkauft wurden. "Nehmen Sie sich dieses Themas an und machen es zur Chefsache", hatten die Künstler in Anzeigen gefordert.

Merkel verwies darauf, dass die Bundesregierung das Thema bereits im vergangenen Jahr auf die Tagesordnung der G8-Beratungen der sieben führenden Industrienationen und Russlands gesetzt habe. "Und auch in diesem Jahr werde ich dieses Thema wieder ansprechen", kündigte die Kanzlerin an. Internetpiraterie sei "eine Sache, vor der nationale Grenzen nicht schützen können". In Deutschland sei das Urheberrecht novelliert worden. Damit sei deutlich gemacht worden, was im privaten Rahmen an Kopien erlaubt sei und was geschützt werden müsse.

Allerdings hätten Künstler darauf hingewiesen, dass damit der Urheberschutz noch nicht ausreichend gesichert sei, sagte Merkel. "Denn es geht gerade um junge Künstlerinnen und Künstler, die noch kein finanzielles Polster haben, um sich mit Raubkopien auseinandersetzen zu können." Es gehe darum, dass sie die Chance haben, den gerechten Lohn für ihre Leistung zu bekommen. (dpa)/ (rek/c't)


Quote
26. April 2008 15:09
Noch deutlicher kann es sich doch gar nicht zeigen...
Kalle Kloeppel (662 Beiträge seit 07.12.06)

...was für ein korruptes pack in Berlin herumlungert!

34000 Bürger zweiter Klasse  müssen vors Bundesverfassungsgericht
ziehen, weil die Bundesregierung nicht einsieht, warum man mit
Hinblick auf VDS usw. auf eine derartige Menge Bürger und deren
Bedenken hören müsste.
Aber wenn 200 Bürger erster Klasse ein Schreiben unterzeichnen, dass
vor Lobby-Interessen nur so trieft und darauf abzielt, x Millionen
Bürgern zweiter Klasse das Leben noch schwerer zu machen, dann wird
das binnen 24 Stunden zur Chef-Sache erklärt?

Tut mir leid, aber bei mir ist der Bogen echt überspannt.

...



Quote
26. April 2008 15:17
"Raubkopien sind kein Kavaliersdelikt"
Schabernack (mehr als 1000 Beiträge seit 24.09.04)

Natürlich sind sie das, außer ich handel gewerblich mit ihnen. Die
stellt sich hin und tut so als wäre es ein Kapitalverbrechen,
vergleichbar mit Mord und Totschlag, oder was. Einfach lächerlich was
Madame da mal wieder zum Besten gibt.

Quote
26. April 2008 15:59
Re: "Raubkopien sind kein Kavaliersdelikt"
Noddaba (246 Beiträge seit 23.10.03)

Kavaliersdelikte sind nur schwarze Köfferchen, vielleicht kann man
das auch unter Jugendsünde laufen lassen; immerhin ist man so jung
wie man sich fühlt.
Kavaliersdelikte sind auch prügelnde SEK-Beamte, immerhin spricht man
die solahop frei. Ebenso bei totalen Falschmeldungen und Volkshetze
durch die BILD.
Von der grundlosen Verkabelung der Wohnung durch "heimliches
betreten" mal ganz abgesehen.

Keine Kavaliersdelikte sind hingegen schwarzfahren bei überhöhten
Preisen in Notfällen. Kugelschreiber mitgehen lassen.
Und schon gar nicht die Weiterverbreitung von guter Musik unbekannter
Künstler die sich über jeden neuen Konzertbesucher freuen.




Quote
26. April 2008 15:37
Warum kämpft Herbert Grönemeyer gegen Bürgerrechte?
Patrik (mehr als 1000 Beiträge seit 04.04.00)

Diese ganze Aktion mit dem offenen Brief ist sehr verwunderlich. Es
war doch sonnenklar, dass unsere Volksvertreter (warum auch immer die
so heissen) diese Vorlage nutzen, um das Volk in einem weiteren Schub
pauschal zu kriminalisieren.

Sollten Leute wie Herbert Grönemeyer, BAP, Götz Alsmann oder
2raumwohnung so naiv sein zu glauben, dass sie damit nicht helfen,
dem gesamten Volk einen weiteren Schlag zu versetzen?


Quote
26. April 2008 15:56
Hat die sonst nix zu tun? Dann soll sie abtreten und bei BMG anfangen.... (Editiert vom Verfasser am 26.04.08 um 15:58)
Frood (539 Beiträge seit 18.02.00)

Alle paar Sekunden stirbt irgendwo ein Mensch, weil er nix zu Essen
hat.

Wir Menschen überfischen die Meere und zerstören Naturwälder en mass.

Die Einkommensspanne zwischen den Top- und den Niedrigverdienern geht
immer mehr auseinander.

Unser Rollstuhlminister zerstört immer mehr Freiheitsrechte und
argumentiert alles mit einem 'Kampf gegen den Terrorismus' - von dem
ich mich eigentlich viel weniger bedroht fühle, als von Schäuble.

Andauernd bringen irgendwelche jungen Mütter ihre Babies um.

Unsere Gesellschaft wird immer kälter, jeder denkt nur noch an sich.

Wir zahlen immer mehr ins Gesundheitswesen, bekommen aber immer
weniger dafür.

Angies Partei schmückt sich noch mit dem 'C', hat aber mit
christlichem Verhalten immer weniger im Sinn.

Und die macht sich Sorgen wegen Raubkopien??

Wie soll man so was eigentlich ernst nehmen???

...


Quote
26. April 2008 16:30
200 Künstler reichen - 30.000 Bürger nicht!
oxnoxo (mehr als 1000 Beiträge seit 23.01.02)

Während 200 Künstler - und solche die sich so bezeichnen -
ausreichen, um das merkelsche Herz zu rühren, genügen 30.000 Bürger
nicht, um Verfassungsbruch und Entrechtung durch die
Schäuble-Connection zu stoppen.

Vielleicht sollte man den Künstlern - oder noch besser: Deren
Verlegern - etwas Nachhilfe in Betriebswirtschaft, Marketing und
Verstand geben. Denn ohne Ursache keine Wirkung. Während die Künstler
rumjammern, dass angeblich 300 Millionen Raubkopien durch die Lande
geistern (die Zahl ist reine Phantasie), vergessen die, dass
einerseits die Resultate des künstlerischen Schaffens oftmals nicht
mehr zeitgemäß sind und andererseits deren Verleger nicht verstanden
haben, in welcher Zeit wir leben und wie der moderne Markt
funktioniert.

Es klappt einfach nicht mehr, dass man einen billigen, inkompatiblen
Datenträger für 20 EUR in großen Stückzahlen unter die Leute bringt.
Die Zeiten sind vorbei. Es ist aber natürlich leicht, die bösen
Raubkopierer herzunehmen, als auf die eigenen Unzulänglichkeiten zu
achten.

Liebe Frau Merkel: Wieviele Menschen sind nötig, um Sie zum Umdenken
bei den Überwachungsvorhaben zu brngen? Wie reich müssen diese
Menschen sein? Wieviel Geld müssen die Ihnen oder Ihrer Partei
spenden?

Ich frage Sie offen Frau Merkel: Sind Sie oder ist Ihre Regierung
korrupt?




Quote
26. April 2008 16:43
"...gerechten Lohn für ihre Leistung..."
humpflsen (274 Beiträge seit 05.10.02)

auf den warten auch Millionen deutsche Arbeitnehmer, die von ihrem
Vollzeitjob nicht leben können weil sie 4€ die Stunde verdienen!
Ebenso wie die sog. Normalverdiener, die seit Jahren Reallohnverzicht
üben.
Wie wäre es damit, dieses Thema mal zur Chefsache zu machen? Ach
nein, ist zu schwierig zu lösen - also lieber weiter das Volk
auspressen und überwachen.

...


Quote
26. April 2008 18:03
cool, ich brauche also nur 200 unwichtige leute...
brian_j (54 Beiträge seit 09.11.07)

...und schon "macht die kanzlerin das". das nenn ich demokratie!


Quote
26. April 2008 17:43
Ich BIN Künstler
schwitteck-18th-Reloaded (151 Beiträge seit 29.03.08)

Ich BIN Künstler und ich will das nicht. Schon mal gar nicht will ich
von einer Person wie Merkel vertreten werden.


Quote
26. April 2008 20:30
Re: Ich BIN Künstler
schwitteck-18th-Reloaded (152 Beiträge seit 29.03.08)

GrooveX schrieb am 26. April 2008 18:15

> schwitteck-18th-Reloaded schrieb am 26. April 2008 17:43
>
> > Ich BIN Künstler und ich will das nicht. Schon mal gar nicht will ich
> > von einer Person wie Merkel vertreten werden.
>
> was du nicht willst, kann ich nachvollziehen. doch nun die
> preisfrage:
> was IST künstler?
>
> keine frage, es geht um das leben der kopierindustrie, dass diese
> industrie eine schutzwürdige existenz häbe und dass diejenigen, deren
> sachen sie kopiert und verhökert, jetzt gefälligst auch mal was
> unternehmen sollen, um ihre schutzwürdige existenz zu sichern.
>
> nochmal gefragt und hypothetisch nachgefragt:
> was IST künstler? derjenige, dessen sachen kopiert und verkauft
> werden?

die Frage ist schwerer zu beantworten, als Du denkst :-), denn was
macht einen zum Künstler? Die eigene Meinung oder die Meinung von
anderen?

Ist es letzteres, kommt man nicht umhin, auch die Instant-Kacke, mit
der sich die Musik"industrie" seit knapp 20 Jahren immer mehr ins
finanzielle Aus manövriert (und das aus reiner BWLer-Blödheit), als
"Kunst" zu bezeichnen.

Das ist es aber nicht, denn es ist seit 20 Jahren immer derselbe
Aufguss - ab und zu von einer neuen Mode und mit "zeitgemäßen"
Sounds, was man an der Flut der "Coverversionen" hören kann.

Ich bezeichne (musikalische) Kunst als etwas, das Kreativität und
Professionalität auf Instrumenten (nicht Mausschubsen) voraussetzt.
Meiner Erfahrung nach sehen das auch die meisten Konsumenten so, was
z.B. erklärt, warum die sogenannten "Altmeister" mittlerweile oft
mehr in die Kassen spülen, als neue "Topacts".
Ausnahmslos alle (auch Gutverdiener) Künstler nach meiner Definition,
die ich kennengelernt habe, haben nichts dagegen, wenn ihre Werke
kopiert werden, denn es ist tatsächlich so, dass nur die Instantkacke
geklaut wird. Wenn jemand eine Kunst wirklich genießt und bewundert
habe ich und alle die ich kenne immer die Erfahrung gemacht, dass er
sie auch kaufen will - ohne Ausnahme.
Ich und andere haben aber Probleme mit den Brotkrumen, die die MI
ihren eigenen Künstlern zuwirft. Effektiv bekommst Du von
Plattenverkäufen selten mehr als 5%, es sei denn, Du bist ein
"Topact" - wenn überhaupt. Nicht selten ist es ein Zuschussgeschäft
(vom Künstler), der sich meistens ein Beinchen ausfreuen würde, wenn
mal Massen sein Zeug überhaupt mal hören könnten.
In der Regel vergammelst Du in Proberäumen und machst ein paar
unzumutbare Gigs zu unzumutbaren Zuständen.

Nachwuchsförderung?
`
KEINE SPUR! Kein einziger Euro der Majors geht mehr in
Talentförderung. Ein paar Euros wandern in die Produktion (!) von
Talenten.

Es ist eine Schande. 90% der Künstler brauchen die MI nicht. Sie
brauchen jemanden, der sie nicht in eine Schublade stopft, finanziell
betrügt und dann wegwirft.




Quote
26. April 2008 18:09
Liebe "Künstler", ...
Provokant (reloaded) (mehr als 1000 Beiträge seit 30.03.06)

...geht doch einfach sterben! (Im Sinne von: "Haltet doch Eure
Klappe!"). Eure Zeit ist abgelaufen. Keiner will Euch und Euren
hochgecasteten/mainstrean-weichgespülten Mist, den ihr
unverschämterweise "Musik" zu nennen pflegt, mehr hören.

Und nach dem Staat zu "gröhlen" ist einfach nur peinlich und mehr als
erbärmlich.

MfG
  Der Provokant

Quote
26. April 2008 18:19
Re: Liebe "Künstler", ...
purchaser (535 Beiträge seit 03.08.06)

Provokant (reloaded) schrieb am 26. April 2008 18:09

> ... Keiner will Euch und Euren
> hochgecasteten/mainstrean-weichgespülten Mist, den ihr
> unverschämterweise "Musik" zu nennen pflegt, mehr hören.

Aber warum entsteht dann hier so ein Geschrei über illegalen
Download. Wenn es wirklich keiner mehr hören will (sehen, lesen
inklusive), dann ist doch die Welt in Ordnung. Warum das Theater um
die Durchsetzung des Schutzes geistigen Eigentums von Künstlern?

Ich versteh die Aufregung unter den heise-Usern nicht.
Oder ist dein Satz oben nur eine Schutzbehauptung?

Quote
26. April 2008 18:30
Re: Liebe "Künstler", ...
Provokant (reloaded) (mehr als 1000 Beiträge seit 30.03.06)

purchaser schrieb am 26. April 2008 18:19

[...]
> Aber warum entsteht dann hier so ein Geschrei über illegalen
> Download.

Ganz einfach: Mittels dieser "Rrrrraubkopierer"-Propaganda von
Gröhlemeyer und Co. soll es privaten Organisationen ermöglicht
werden, mal so eben nebenbei Userdaten bei den Providern abzugreifen
und das ohne jede Einschränkung (->Richtervorbehalt). Somit werden
Grundprinzipien des Rechtsstaats außer Kraft gesetzt, inclusive der
Abschaffung des Datenschutzes.

[...]

MfG
  Der Provokant




Quote
26. April 2008 22:11
Kreativität und Kopieren
Repl (5 Beiträge seit 18.10.07)


Viele Künstler wollen doch nicht nur für ihre kreative Schöpfung
entlohnt werden, sondern auch für die Verbreitung. Warum sollte ein
Künstler dafür entlohnt werden wenn z.B. ein Musikstück irgendwo hin
übertragen/übermittelt wird, egal ob Datenträger oder Ohr.
Übertragung kostet (fast) nichts im heutigen Informationszeitalter,
woher nehmen sie den Anspruch sich dafür entlohnen zu lassen?


Quote
26. April 2008 22:57
Seltsam...
consumer (39 Beiträge seit 07.04.04)

wenn sich 200 künstler für sogenannten urheberschutz einsetzen, dann
reagiert die politik und verspricht schnelle hilfe. wenn zehntausende
bürger um die einhaltung (!) der grundrechte bitten, dann ist das
nicht weiter wichtig.


Quote
26. April 2008 23:00
An: Frau Merkel
AlwinTheCatHunter (125 Beiträge seit 14.01.03)

nachdem wir unsere gemeinsame Vergangenheit überwunden haben, an der
wir zumindest bis an unsere Grenzen gehen konnten, frage ich mich,
was unterscheidet uns jetzt?
Okay, ich kann jetzt nicht mal mehr furzen, ohne in den Verdacht zu
geraten, dass das jemand vor mir gemacht hat und mich abmahnt. Meine
Wohnung brauche ich gar nicht mehr verlassen um überwacht zu werden,
man ist bereits drin.

Ich konnte weder (einige)FDJ-Sekretärinnen noch
(einige)Pastorentöchter leiden und werde heute von selbigen
drangsaliert.

Was bitte Frau Merkel, wollen Sie mir auf den Weg geben?
Das es richtig ist im Namen der Christen zu foltern, Kriege zu
unterstützen,  Bürger zu überwachen und die kleinen Leute
abzuschröpfen. Im Namen des Sozialen Menschenrechte abbauen,
Kapitalisten, Nationalsozialisten, Betrüger, ...in den Arm zu nehmen.
Entschuldigen Sie, unsere Wege waren nie die selben und werden sich
niemals treffen.

Leimi


Quote
27. April 2008 00:09
Eine widerwärtige und scheinheilige Aktion
kielykiely (298 Beiträge seit 13.10.01)

Na gut - Merkel muss wohl zunächst "ja" sagen, denn Frau kann nie
wissen wo Wählerstimmen zu ergattern sind. Sie hat wohl nicht
mitbekommen, dass ein "Welttag des geistigen Eigentums" im Format
einer Welthungerhilfe-Veranstaltung nichts anderes ist als eine
weitere Aktion der Medienmafia UND es geht am allerwenigsten um
Künstler. Hier versucht eine vom Erfolg ($$$) verwöhnte "Industrie"
auf schleimiger Art die gleichen Ziele auf dem Bettelweg zu
erreichen, die juristisch scheiterten.

Wenn eine Deutsche Kanzlerin solches scheinheiliges Gejammer ernst
nimmt, dann darf an ihrer Kompetenz gezweifelt werden.

Dieses ganze "Raub"kopiengejammer ist Lobbyismus vom feinsten.




Aus: "Merkel will Künstlern im Kampf gegen Internet-Raubkopien helfen" (26.04.2008)
Quelle: http://www.heise.de/newsticker/Merkel-will-Kuenstlern-im-Kampf-gegen-Internet-Raubkopien-helfen--/meldung/107061

-.-

Quote
[...]

Quote
25.04.2008 18:05:52

Dieter_Wondrazil:

ich kann es nicht mehr hören.

a) sind ein Grossteil der genannten keine Künstler, sondern höchstens minderbegabte Interpreten. Gut, das ist meine subjektiv-polemische Sicht, aber trotzdem

b) Der Grossteil derAutoren bekommt sowieso nur ein paar Brösel des Gewinnes.

c) Die Errechnung des "Gewinnausfalls" treibt einem doch den Blutdruck hoch: Nur ein Minimalanteil der "Sauger" würde sich den Stuss doch tatsächlich kaufen! Der Rest ist somit erstens gewinnneutral und zweitens steigert er den Bekanntheitsgrad der "Künster", was wiederum für diejenigen bare Kohle ist.

Also mal Klartext: Hier versucht eine millionenschwere Lobby ihre Pfründe zu sichern. Ohne Rücksicht auf verluste. Es geht um die RechteVERWERTER, hallo, aufwachen! Ist hier jemand, der wirklich glaubt, den Labels ginge es um ihre Künstler?

Niemand mißgönnt dem armen Musiker eine angemessene Entlohnung!

Wem ich allerdings Millionesaläre mißgönne, sind so Blindgänger wie "DJ Ötzi". Wenn der Musiker ist, bin ich Maler. Schliesslich kann ich einen Stift halten...

DW


Quote

25.04.2008 17:35:28

khm2000: Scheingefechte

Die nicht enden wollende Dämonisierung der Tauschbörsen zeigt deutlich, in welch rückwärtsgewandte Scheingefechte sich die Rechteverwalter nach wie vor verstricken. Einerseits werden gerade die millionenschweren Superstars und Plattenbosse, die es sich leisten können, schwere mediale Geschütze aufzufahren, kaum auf Verständnis stoßen. Andererseits ist die anrüchige Abmahnindustrie selbst ins Zwielicht geraten. Unterbeschäftigte Anwälte und andere Glücksritter überzogen hilflose Kleinverdiener mit vierstelligen Schadenersatzforderungen und machten mit windigen Start-Up-Unternehmen selbst den großen Reibach.

Andererseits tummeln sich die echten Download-Freaks längst auf anderen Plattformen. Sie kehrten den streng überwachten Tauschbörsen mit ihren tröpfelnden Downloads den Rücken und bevorzugen schwerer zu kontrollierende Torrent-Netze, wo die Ladegeschwindigkeit oft ein Vielfaches erreichen. Relativ neu in der Szene sind Filehoster und Usenet-Portale, die bei gigantischen Bandbreiten anonyme Downloads nahezu unter Ausschluss der Öffentlichkeit erlauben. Aber die Kreativindustrie macht noch immer Jagd auf Kids und Gelegenheitsnutzer, die aus Leichtsinn oder wider besseres Wissen ein paar Titel aus den Tauschbörsen ziehen.


Quote

25.04.2008 16:52:11

jazzbert: Candyrat

Eines der besten Gegenbeispiele zu der hirntoten Argumentation der Rechteverwerter ist das kanadische Label Candyrat.

Die stellen reihenweise Videos von kompletter Songs auf Youtube ein und haben so Künstler (ohne Anführungszeichen wie sie für DJ Ötzi und Co notwendig sind) wie z.B. Andy McKee oder Antoine Dufour innerhalb von anderthalb Jahren weit über die Landesgrenzen hinaus bekannt gemacht.

Obendrein liefern sie Bestellungen über den Atlantik hinweg schneller aus als so mancher Versender innerhalb Deutschlands.

SO generiert man Umsatz.

Ein schönes Wochenende wünscht der jazzbert


Quote

25.04.2008 16:29:44

a-zeller: Zeiten ändern sich

Zeiten ändern sich und Geschäftsmodelle müssen das auch tun!

Wie sähe wohl unsere Welt aus, wenn sich damals der Drosckenkutschenlenker-Verband durchgesetzt hätte mit seiner Forderung nach Verbot der Atomobilisierung?

Wenn der Bundesverband Musikindustrie all das Geld und die Energie, die für solche Kampagnen und die Rechtsabteilungen genutzt werden, in die Entwicklung neuer Vertriebswege stecken würde, gäb es evtl. weniger Grund zu jammern.

Und wann begreifen die Musiker/Künstler, dass Ihre Vermarkter ihren Job seit Jahren nicht mehr richtig machen? Statt das eigene Publikum zu beschimpfen und zu kriminalisieren sollten Sie Ihre Plattenfirmen und Vertrieben klar machen, dass es deren Job ist, auf die veränderte Marktlage zu reagieren. Dafür werden sie vom Künstler bezahlt.

Übrigens: Gesetze werden bei uns noch vom Parlament gemacht und nicht von der Kanzlerin.





Quelle: http://www.sueddeutsche.de/computer/artikel/805/171304/?page=3#readcomment

« Last Edit: April 29, 2008, 10:44:07 AM by Textaris(txt*bot) »

Offline Textaris(txt*bot)

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[Die Impresarios der Unterschichten-Nummer... (MI, Rap)]
« Reply #56 on: May 06, 2008, 12:18:06 PM »
Quote
[...] "Wir sind kulturell die unterste Schicht, wir bringen das Ghetto ans Licht," rappt Massiv aus Berlin.

[...] Letztendlich wetteifern sie alle darum, wer den härteren Existenzkampf führt, wessen Viertel das schlimmste ist, wer noch weiter am Rand der Gesellschaft steht. Sie wetteifern auch um die Gunst der bürgerlichen Kinder, die sich gern gruseln. Es ist ein Kampf der Realitäten in einem Geschäft, in dem es um die Wirklichkeit geht: Wann ist man noch authentisch, wann schon ein Produkt?

[...] Auf dem Tisch in Joes Plattenfirma Aggro stehen Flaschen mit italienischem Mineralwasser, die Vorhänge haben Tarnfarben. Die drei Gründer des Labels: Spaiche, ein Ostdeutscher und früher ein bekannter Breakdancer, Halil, ein Deutschtürke aus Kreuzberg, und Specter, ein gebürtiger Franzose und ehemaliger Graffitisprayer, warten. Dem Label wird oft nachgesagt, dass es seine Künstler zu Klischees aufbaue: Aus Sido wurde der Mann mit der Maske; aus Fler der deutschtümelnde Rapper aus dem Westghetto; aus B-Tight der frauenverschlingende »Neger«. Und nun füllen sie mit Joe Rilla eine letzte Nische: den Osten. Zugleich werden die Aggro-Chefs für ihr »zugespitztes Marketing« bewundert. »Wenn die Künstler das nicht in sich hätten, könnten wir das auch nicht erfinden. Wir können nur etwas verstärken«, sagt Specter.

[...] Specter zieht an seinem Joint, dann sagt er: »Die Nummer mit dem Afrikaner musst du umdrehen. Erzähl von einem Ossi, der hier nichts mehr zu fressen hat. Dann wird das was Neues, Mann.«

Rilla hat noch ein paar härtere Sachen dabei, Marzahner Berserker und Deutsch-Rap-Hooligan: »Ja, wir sind gewaltbereit. Bei mir bist du ein krasser Kunde, wenn du ein paar Namen nennst.« Halil: »Das muss aufs Album!« Und Rilla zeigt noch ein Video, zu Heavy-Metal-Klängen singt er: »Friss meinen Schmerz.« Spaiche ist begeistert. Das sei was Neues, allerdings werde MTV auch das nie spielen. »Hast du noch mehr davon?«, fragt Specter. Joe nickt. Gemeinsam überlegen sie, wann und wie sie das neue Album herausbringen sollen. Konzerte wird es kaum geben. »Joe Rilla zu verbooken ist fast unmöglich. Irgendwo sitzt immer ein gescheiterter Alt-68er, der die Jugend schützen will«, sagt Spaiche.

Im Nebenzimmer zeigt Specter auf seinem Computer ein neues Video aus Frankreich. Mehrere Araber stehen vor einem französischen Plattenbau, sie tanzen mit riesigen MGs, jemand wird zusammengeschlagen und angezündet. Alles ist auf die Spitze getrieben, ein einziger riesiger Witz. Oder nicht?

[...] »Wer das ernst nimmt, ist selbst schuld«, sagt Specter. Er findet, die Jugendlichen würden krass unterschätzt. »Kunst ist unantastbar.« Gibt es eine Grenze? Doch, die Rapperin Lady Bitch Ray habe Aggro nicht unter Vertrag genommen. »Sie wäre beim ersten Konzert erschossen worden.« Möse und Allah in einer Zeile vereint, da hätte es sein können, dass ein muslimischer Familienvater ausrastet. Das habe Aggro nicht verantworten wollen. Der Musikkonzern Universal hat sich nun ein wenig »Street-Credibility« gekauft und arbeitet mit Aggro zusammen. Hat Aggro damit seine Glaubwürdigkeit verloren? Das Musikgeschäft sei längst tot, meint Specter. »Da musst du mit dem Rudel dickster Geier unterwegs sein, sonst kriegst du nichts mehr ab.«

[...] Vor ein paar Wochen hielt der Filmwissenschaftler Stefan Linz einen kleinen Vortrag bei der Freiwilligen Selbstkontrolle Fernsehen in Berlin, einem Verein der Fernsehindustrie, der die Programme auf jugendgefährdende Inhalte hin prüft. Um die »Sprache als Risiko« ging es dem Redner Linz, »die Sprache in deutschen Hip-Hop-Videoclips«. 30 Zuhörer hatte er erwartet, aber es kamen mehr als 100. Erstaunlich, dachte er, wie viele Erwachsene sich für dieses Thema interessieren.

Erstaunlich ist auch, wie ratlos die Experten sind, sobald man von ihnen wissen möchte, warum der deutsche Rap bei Jugendlichen so beliebt ist. Rebelliert da die deutsche Unterschicht? Brüllt das Prekariat? Politiker, Verbandsfunktionäre und Jugendschützer sind über die Songtexte von Rappern sehr besorgt; aber wenn man von ihnen erfahren will, wo gesellschaftliche Ursachen liegen, bleibt ein verlegenes Schweigen.

Statt auf die Rap-Musiker einzuschlagen, müsse man fragen: »Warum ist Sexismus wieder angesagt in dieser Gesellschaft?« Klaus Farin vom Archiv der Jugendkulturen in Berlin hält die Rapper für Seismografen einer sozialen Erschütterung. Es sei dumm, den Seismografen zu zertrümmern. »Jugendliche drücken radikaler aus, was sie in der Erwachsenenwelt gelernt haben. Auch die Anbieter und Vermarkter von Gangsta-Rap sind keine Jugendlichen.«

Philip Ginthör ist zwar erst 32 Jahre alt, er trägt auch noch seine modische Fransenfrisur, aber er fühlt sich von den Teenagern, für die er immer neue Lockmittel erfinden muss, weiter entfernt als von so manchen 50-Jährigen. Es ist die Routine in einem ernsthaften Geschäft, die einem schnell das Kreischen abgewöhnt. Ginthör war früher Assistent des BMG-Chefs Rolf Schmidt-Holtz und wohnte in New York, jetzt leitet er bei Sony BMG in München eigenständig das Plattenlabel Columbia. Er hat es mit Leuten zu tun, die am Ende eines Tages Verkaufszahlen von Bildschirmen ablesen, nicht mit Träumern.

Als Ginthör die Nachricht von dem sagenhaften Ghettojungen erreichte, warnten ihn Kollegen aus der Branche: »Wenn du dich mit dem triffst, dann pass auf, dass sie dich nicht abstechen.« Philip Ginthör lachte, stieg in München in ein Flugzeug und traf sich in Berlin gleich mit diesem jungen Wilden, den er für seine Show engagieren wollte, in der schon TicTacToe und Wolfgang Petry aufgetreten sind, aber noch keiner aus der Unterwelt. »Massiv, allein dieser Körper«, dachte Ginthör, »er ist so unglaublich credible.« Das sei »der Krasseste von allen«, hatte Ginthör sich sagen lassen und handelte mit Massiv einen Vertrag aus, der in der Branche als »übertrieben fett« gilt, fast 100000 Euro.

[...] Lernt man die Leute kennen, die ihn als authentisch preisen, all die Talentspäher, Betreiber von Internetplattformen, Programmchefs von Musikkanälen, all die Impresarios der Unterschichten-Nummer, dann staunt man, wie viel gutbürgerliche Doppelmoral da zusammenkommt: wie viele 40-jährige Männer, die ihre Wohlstandsbäuchlein unter Schlabberhemden verstecken und sich bei Massiv in einem rücksichtsvollen Flüsterton nach dem Heilungsprozess im Oberarm erkundigen, wie viele gebildete Leute, die frühmorgens mit ihren getrimmten Hunden durch den Wald joggen, bevor sie sich von Ghetto-Beats in Stimmung bringen lassen, wie viele mitteilungsfreudige Menschen, die ihren grau gewordenen Eltern nicht mehr erklären können, womit sie ihr Geld verdienen.

[...] Wenn eine CD indiziert wird, verschwindet sie unter dem Ladentisch, außerdem darf nicht für sie geworben werden. Deshalb kommen die Jugendschützer oft in den Texten der Rapper vor, sie werden beleidigt.

Im Konferenzraum der Prüfstelle tagen zwölf Frauen und Männer, das Durchschnittsalter liegt bei 50. Es sind Vertreter der Länder, von Jugendbehörden, der Kirche und der Kultur. Neonlicht strahlt ihnen auf die Köpfe. Peer Bießmann, ein junger Mann im Anzug und Anwalt des Musiklabels Aggro Berlin, bemüht sich gerade, ihnen das Genre Hip-Hop zu erklären [...]

[...] Die Leiterin der Behörde, Elke Monssen-Engberding, will den Titel Alles Fotzen außer Mama hören. Es folgt Titel 12: Fick Dich. Einige Gremiumsmitglieder greifen zum Obst auf dem Tisch. Titel 18 ist dann der Höhepunkt: Sex und Gewalt. Wahrscheinlich wurde er speziell für dieses Gremium geschrieben, jeder Rapper weiß, dass die Wächter auf diese Mischung sehr sensibel reagieren. In dem Lied sticht eine Frau einen Mann ab, um sich für all die bösen Männer ihrer Vergangenheit zu rächen. Es endet mit einem langen Schmerzensschrei. Der Vertreter des Saarlandes fragt den Anwalt: »Wie soll ich die Zeile ›Ich knips dein Licht aus‹ verstehen?«

»Das heißt nicht, kauf dir eine Knarre und durchlöchere den Feind. Das ist Metaphorik, um zu erklären, was man mit dem anderem fiktiv machen will«, antwortet Bießmann.

»So kann, so muss man es aber nicht verstehen. Der einfach gestrickte Jugendliche kann das falsch auffassen«, sagt der Vertreter des Saarlandes.

Die Leiterin mischt sich ein: »Es ist immer das Gleiche beim Hip-Hop. Alles ist verbal gemeint, und wir verstehen es meistens falsch.« Bießmann geht nicht darauf ein, er sagt: »Bei dem Titel Fick Dich stößt Ihnen wahrscheinlich das ›Ficken‹ auf. Das ist nicht wörtlich zu verstehen. Es ist keine Aufforderung zum Geschlechtsverkehr.« Der Vertreter des Saarlands widerspricht: »Ficken hat ja schon Zugang zum Duden gefunden und hat mehrere Bedeutungen. Im Antifa-Bereich kann es auch ein Aufruf zur Gewaltanwendung sein.«

Bießmann wird ärgerlich. »Bei der Zeile ›Fick den Bundestag‹ ist doch klar, dass der Künstler dem nicht Gewalt antun will.« Auch die Leiterin Monssen-Engberding hat noch eine Frage: »Bei Titel 22, Ich fackle jeden Penner ab, können Sie mir sagen, für welches Synonym da Penner steht?« »Es ist kein Synonym für Obdachlose. Es ist ein abwertendes Wort für jemanden, der nicht up to date ist. Ich benutze es auch im privaten Gebrauch. Womöglich haben Sie es auch schon mal gesagt?« »Nein! Ich finde es nicht lustig.« »Sie sind nicht die Zielgruppe!« ...



Aus: "Attacke aufs Kinderzimmer" Von Jana Simon und Stefan Willeke (DIE ZEIT, 01.05.2008 Nr. 19)
Quelle: http://www.zeit.de/2008/19/Rapper?page=1


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[Ohrwürmer... (Notiz zum Spannungsfeld der Musikindustrie)]
« Reply #57 on: May 26, 2008, 11:23:23 AM »
Quote
[...] Gute Laune sollten auch die Musikfilme verbreiten. Genau beziffern lässt sich diese Gruppe nicht. Zwar können 194 Filme (16,1 %) eindeutig einem musikalischen Genre – wie Musikfilm, Operette, Sängerfilm oder Revuefilm – zugeordnet werden, die Zahl der Filme, in denen gesungen oder getanzt wird oder mit denen ein neuer Schlager herausgebracht werden sollte, ist jedoch beträchtlich höher. Selbst einschlägige Propagandafilme wie Jud Süß (1940), Ohm Krüger (1941) oder Kolberg (1945) hatten ihre musikalischen „Ohrwürmer“.


Aus: "Nationalsozialistische Filmpolitik" (20. Mai 2008)
Quelle: http://de.wikipedia.org/wiki/Nationalsozialistische_Filmpolitik


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Quote
[...] Der Kulturausschuss des Bundestags hat vergangene Woche eine vor allem an die EU-Kommission gerichtete Entschließung verabschiedet, wonach die Brüsseler Behörde das gesamte System der kollektiven Rechtewahrnehmung stärker stützen soll. So wird die Bundesregierung etwa aufgefordert, sich weiterhin bei der Kommission dafür einzusetzen, dass diese bei ihren Reformbestrebungen sowohl die berechtigten Interessen kommerzieller Nutzer als auch die der Urheber und ihrer Verwertungsgesellschaften berücksichtigt.

[...] Die Kommission will die Verwertungsgesellschaften seit längerem an die Kandare nehmen. 2005 veröffentlichte sie eine umstrittene Empfehlung zur Forcierung des Wettbewerbs im Online-Musikmarkt, mit der die Urheberrechtsvertretungen zu einheitlicheren Lizenzierungsformen für die gesamte EU sowie zu mehr Wettbewerb gezwungen werden sollten. 2006 startete die Behörde dann ein Kartellverfahren gegen den weltweiten Dachverband der Verwertungsgesellschaften, die International Confederation of Societies of Authors and Composers (CISAC) sowie deren nationale Mitglieder innerhalb der EU wie die GEMA.

Die Kommission will sich damit etwa gegen Bestimmungen wenden, denen zufolge Autoren ihre Rechte nur an ihre jeweilige nationale Gesellschaft übertragen können. Zudem hat sie die sogenannten Gegenseitigkeitsverträge zwischen europäischen Verwertungsgesellschaften im Visier, mit denen die wechselseitige Rechteeinräumung erfolgt. Weiter will die Brüsseler Behörde mit ihrer Arbeit an einer Mitteilung über kreative Online-Inhalte ebenfalls neue grenzüberschreitende Lizenzierungsregelungen im Bereich audiovisueller Werke vorantreiben.

Die Entschließung des Kulturausschusses hält dem entgegen, dass das Brüsseler Postulat eines freien Dienstleistungsverkehrs nicht zu Lasten der Honorierung kreativer Leistung und der kulturellen Vielfalt in Europa gehen dürfe. Es bestehe die Besorgnis, dass sich wenige große Verwertungsgesellschaften mit attraktivem Repertoire auf die Nichtigkeit der Gegenseitigkeitsverträge berufen oder diese kündigen würden. Zurück bliebe ein "Puzzle" verschiedener Repertoires, von denen nur noch der kommerziell interessante Mainstream lizenziert würde.

Die GEMA und ihre britische Schwester MCPS-PRS haben auf die Bestrebungen der Kommission hin den Central European Licensing and Administration Service (CELAS) aufgebaut. Damit müssten die Nutzer aber immer noch verschiedene Repertoires von unterschiedlichen Gesellschaften erwerben, monieren die Abgeordneten. Es stünde kein "One-Stop-Shop" mehr für den Erhalt der Rechte aus einer Hand zur Verfügung. Dies beträfe etwa auch öffentlich-rechtliche Sender, die nur an einem Lizenzerwerb für das eigene Territorium interessiert seien.

Geht es nach den Kulturpolitikern, sollte das System der Gegenseitigkeitsverträge im Grundsatz beibehalten werden. Zu korrigieren sei es allein in dem erforderlichen Maß, "um berechtigten Interessen kommerzieller Nutzer an einer EU-weiten Lizenzierung Rechnung zu tragen". Dabei dürfe der Erhalt kultureller Unterschiede in Europa nicht aus dem Auge verloren werden.

Die GEMA begrüßte die Verabschiedung des Antrags. " Wir freuen uns sehr über dieses klare interfraktionelle Bekenntnis des Parlaments zur Erhaltung der Verwertungsgesellschaften und ihres bewährten Vertragssystems zur gegenseitigen Rechteeinräumung", erklärte der Vorstandsvorsitzende der Musikverwertungsgesellschaft, Harald Heker. "Diese Unterstützung auf nationaler Ebene stärkt die Rahmenbedingungen für unsere weitere Arbeit im Interesse der Urheber und Rechteinhaber." (Stefan Krempl) / (pmz/c't)


Quote
25. Juni 2008 09:29
Bundestag bekennt sich zu Verwertungsgesellschaften
valen (403 Beiträge seit 03.10.00)

Jeder Abgeordnete nehme sich beim Rausgehen ein Köfferchen. Bitte nur
einen Koffer.

Zum Kotzen Ehrlich


Quote
25. Juni 2008 04:15
Das wird der GEMA nur nichts nützen
Udo_Froehn (mehr als 1000 Beiträge seit 28.02.01)

Ewig kann sie sich mit ihren drei Schlager-Opas und zwei Dutzend
Casting-Clones nämlich nicht über Wasser halten - und für unabhängige
Künstler ist die GEMA ungefähr so attraktiv, wie ein Nest
Kellerasseln unter'm Amp*.

*Letzteres ist verbreiteter, als man glaubt. *Schauder*

Quote
25. Juni 2008 09:35
Re: Das wird der GEMA nur nichts nützen
kryz (159 Beiträge seit 01.10.01)

Udo_Froehn schrieb am 25. Juni 2008 04:15

> wie ein Nest Kellerasseln unter'm Amp*.
>
> *Letzteres ist verbreiteter, als man glaubt. *Schauder*

Mein Amp steht auf Rollen, da passiert das nicht ;-)

k'



Quote
25. Juni 2008 08:28
'Verwertungsgesellschaften' - klingt ja schon irgendwie nach Gammelfleisch
Schnapprollo_ (260 Beiträge seit 01.03.07)

und wenn was am gammeln und stinken ist, kann ja unsere Regierung
nich weit sein.

Ach beneide ich die Iren ...

MfG


Quote
25. Juni 2008 00:05
Ich habe gerade wieder schallendes Gelächter gehört.
schlapp_struller (mehr als 1000 Beiträge seit 05.08.03)

Muss wohl aus dem Grab des Führers gekommen sein....

** kwT **





Aus: "Bundestag bekennt sich zu Verwertungsgesellschaften" (24.06.2008)
Quelle: http://www.heise.de/newsticker/Bundestag-bekennt-sich-zu-Verwertungsgesellschaften--/meldung/109934

-.-

Quote
[...] Musikindustrie entdeckt neue Piraterieform und zwar das gute alte Radio, das in den US of A keine Sendelizenzgebühren an Verwertungsgesellschaften abführt.

In den USA konnten Radiostationen bisher Musik ausstrahlen, ohne dafür zu bezahlen. Nicht so in Europa, wo auch die Sender stolze Summen an die Verwertungsgesellschaften (i.e. Gema) abführen müssen.

Nun fällt den Musikkonzernen ein, dass hier noch eine ungenutzte Einkommensmöglichkeit besteht. Das fegt das Argument der kostenlosen Werbung für Tonträgerverkäufe durch das Radioprogramm vom Tisch. Der Verband der US-Radios NAB (National Association of Broadcasters) dagegen sieht ein jährliches Umsatzvolumen von 2,4 Milliarden US-Dollar, das durch Airplay erst möglich wurde. Schön, wenn zum Ende einer Ära doch noch mal Klartext gesprochen wird. Pauschale Abgaben für Verbreitung via Internet sind auch ein sehr viel heisseres Thema. [fe]



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gema ist staatlich unterstützung krimineller vereinigungen. Sollen die radios doch bitte aufhören den musikmafi dreck zu spielen, dann wirds auch endlich was mit dem untergang der kriminellen content diktaturen.

    * von Anonymous
    * 24.06.08 12:25
    * comment



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Bis auf einige Klassiksender ist doch Radio die Werbeplattform der MI, oder hab ich das missverstanden?? Meinetwegen sollen sie doch ihre ‘Werbung’ einstellen. Höre sogut wie nie Radio und wenn dann keine Sender, die den lieben langen Tag, die MI-Lieblinge wie Bohlen und Konsorten, spielen.
Ich glaub den Müll, will einfach keiner haben, auch die Masse mit ihrem miserablen Geschmack wendet sich langsam ab, nachdem ihr dämmert das sie jetzt schon fast ein Jahrzehnt von Jamba verarscht wird, lol.

    * von meckerliese
    * 24.06.08 13:31
    * comment



Aus: "Musikindustrie entdeckt neue Piraterieform" von Fritz Effenberger  (24 Juni 2008, 11:16)
Quelle: http://www.theinquirer.de/2008/06/24/musikindustrie_entdeckt_neue_piraterieform.html

=> http://blog.wired.com/27bstroke6/2008/06/recording-indus.html

« Last Edit: June 25, 2008, 10:12:18 AM by Textaris(txt*bot) »

Offline Textaris(txt*bot)

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[90 Tage Haft für Filesharing... (Portugal)]
« Reply #59 on: June 30, 2008, 09:15:07 AM »
Quote
[...] Ein Verfahren in Portugal wegen Filesharings urheberrechtlich geschützter Werke endete erstmals mit einer Verurteilung zu 90 Tagen Haft, berichtet Portugal News Online. Allerdings kann die Strafe auch durch eine Geldzahlung abgegolten werden. Ausgesprochen wurde sie von einem Gericht in Portimão, das angeblich den Namen der verurteilten Person ebenso geheim hält wie die näheren Umstände des Verfahrens.

Anzeigeerstatter war der örtliche Musikindustrieverband Associação Fonográfica Portuguesa (AFP). Laut dem Generaldirektor von EMI Portugal, João Teixeira, soll dass Urteil angeblich ein Exempel statuieren, das abschreckt. Er zeigte sich über das Urteil "befriedigt", regte aber beim Gesetzgeber Internetsperren nach dem Vorbild des französischen Hadopi-Gesetzes an. In Portugal sollen noch über 100 Verfahren wegen Urheberrechtsverletzungen durch Filesharing geschützter Werke anhängig sein. (pem/Telepolis)

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29. Juni 2008 14:30
In der Tat erschreckend.
exil (mehr als 1000 Beiträge seit 31.12.02)

Falls jemand eine Liste der EMI-Tonlieferanten braucht, um sie mit
seinen Kaufgewohnheiten abzugleichen:
> http://www.emimusic.de/artist_a-z


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29. Juni 2008 14:39
Wow, geheime Gerichtsverfahren
7bit (905 Beiträge seit 28.12.02)

isses doch schon wieder so weit?


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29. Juni 2008 15:33
Sind Freiheits- und Todesstrafen abschreckend genug?
nocpaz (972 Beiträge seit 27.10.01)

Mit dem Raubkopieren ist das so eine Sache. Den Einstieg finden schon
Kinder und Jugendliche mit der unberechtigten Weitergabe von
Klingeltönen. Die Aussetzung der Strafunmündigkeit ist da sicher ein
guter Anfang, vor allem wenn man an die wehrlosen Opfer
(Klingeltonanbieter!) denkt. Viele schreckt das aber nicht ab. Als
Jugendliche raubkopiert man Musikstücke als MP3s und Filme als DivX.
Mehrjährige Haftstrafen schrecken hier doch nicht ab. Für diese
Brüder ist doch Gefängnis "cool". Gerade wenns bis zu Rente dauert.
Hat man so einen Raubkopiere immer noch nicht erwischt, dann wird er
etwa mit 18 zum Brutalkopierer. Eigene Bude, eigener Rechner, eigener
DSL-Anschluss, da ist der eigene Torrent-Server nicht weit. Was nutzt
da schon die Todesstrafe in der besonders grausigen Form? Nichts!
Hält doch keinen von ab. Diese Verbrecher hinterlassen doch
selbständig laufende Serverprogramme, die no nach ihrem Ableben der
freundlichen Medienkonzerne schädigen. Wir sollten über wirklich
grausame Strafen für diese Art Schwerverbrecher nachdenken. Das
Folterverbot kann doch nicht für alle gelten. Wir brauchen mehr
ausserstaatliche Einrichtungen wo wir diese feindlichen Kämpfer gegen
unsere arglosen kultuschaffenden Konzerne schützen können.

Gut Nacht westliche Zivilisation
noc

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Wer das jetzt ernst gemeint sieht, der hat ne Ahnung wie weit wir
schon sind!


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29. Juni 2008 17:51
Hehe, die Heise-Nerds drehen wieder am Rad. :D (Editiert vom Verfasser am 29.06.08 um 17:51)
Stukenbrok (mehr als 1000 Beiträge seit 02.11.05)

Sehr amüsante Sache, wie sich wieder künstlich aufgeregt wird. *g*

90 Tage Haft ist übrigens eine sehr angemessene Strafe in diesem
Fall. Ich hoffe, dass die Musikindustrie weitere Erfolge gegen die
Kostenlosschmarotzer einfahren kann. Irgendwann sollte nämlich mal
die Toleranzgrenze für diese Art Vergehen erreicht sein.

np: Crowded House - Fall At Your Feet (EMI)

Quote
29. Juni 2008 23:00
Re: Hehe, die Heise-Nerds drehen wieder am Rad. :D (Editiert vom Verfasser am 29.06.08 um 23:01)
Stukenbrok (mehr als 1000 Beiträge seit 02.11.05)

asims schrieb am 29. Juni 2008 22:40

> Mitleid ist es keineswegs,
> die Verhältnismäßigkeit ist auf der Strecke geblieben.
> Das ist alles!!!

Schwarzfahrer klauen nichts physisches, können ebenfalls 3 Monate
hinter Gitter landen.
Väter, die keine Alimente zahlen, können bis zu 9 Monate hinter
Gitter landen.




Quote
29. Juni 2008 21:40
Rache und Exempel
THz (mehr als 1000 Beiträge seit 26.01.01)

Der Rachegedanke darf grundsätzlich nicht in ein Urteil einfließen.
Das haben vermutlich kluge Köpfe, nicht ohne Grund, in die Gesetze
einfließen lassen.

Nachfolgende Generationen werden vermutlich dasselbe einmal fürs
"Exempel" in die Gesetze schreiben, denn was bedeutet dieses "Exempel
statuieren" denn im Klartext?

Im Klartext hat "ein Exempel statuieren" vor Gericht eine ganz
eindeutige Bedeutung: Ein Urteil fällen, das nicht Tat- und
schuldangemessen ist.

In diesem Fall ein Teil der Strategie der Monopolbildung auf
Kulturgüter wie Bildung und Musik und Mafia-artiger Verteidigung des
Monopols.

Aber halt? Was erfährt man in Wikipedia zum deutschen Strafrecht (wo
diese Exempel auch ganz gerne statuiert werden)?

"Die Strafzumessung erfolgt durch das Gericht vor allem nach der
Schwere der Schuld sowie unter Berücksichtigung von Begleitumständen
und mit Blick auf die Täterpersönlichkeit. Die im Einzelfall
schuldangemessene Strafe stellt die absolute Höchstgrenze dar."

http://de.wikipedia.org/wiki/Strafe#Straffestsetzung

sollte es in Portugal anders sein? Oder ist das Problem einfach nur
das, dass Richter nicht dafür haftbar gemacht werden können, wenn sie
sich vorsätzlich nicht an Rechtsgrundsätze halten?

MfG

THz


Quote
29. Juni 2008 19:20
Wer solch einen Bockmist auch noch runterlädt
J-M-F (146 Beiträge seit 13.04.05)

für den sind 90 tage zu wenig.

nicht mal mehr durch klagen dürften die einen pfennig mit ihrem
schrott verdienen



Aus: "Portugal: 90 Tage Haft für Filesharing urheberrechtlich geschützter Werke" (29.06.2008)
Quelle: http://www.heise.de/newsticker/Portugal-90-Tage-Haft-fuer-Filesharing-urheberrechtlich-geschuetzter-Werke--/meldung/110168