Author Topic: [Zum Spannungsfeld der Musikindustrie... ]  (Read 71832 times)

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Offline Textaris(txt*bot)

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["Häppchenmusik" (TextFraktale)]
« Reply #30 on: December 05, 2006, 03:51:09 PM »
[...] zu einem zwei- bis dreistündigen kostenlosen Event mit Sektempfang, leckeren kleinen Häppchen Musik und einem Fotoshooting...

[...]  wo man beliebig einen Button anklickt und der ein Häppchen Musik abspielt das System den Rollenspiels...

[...] Kleine Häppchen Musik oder ein ganzes Menü –. kein Problem, hier findet jeder etwas...

[...] Im iTunes Music Stroe gibts derezit kleine Häppchen Musik für lau. Allerdings frag ich mich...

[...] Der kommerzialisierte Jazz: Eine Häppchen-Musik, platziert auf den Silbertabletts des Narzismus einer ersterbenden, kalten New Economy...

[...] Hier gibt es mal wieder ein nettes Häppchen Musik vom allseits sehr geschäzten...

[...] Ein feines Häppchen Musik flatterte mir noch kurz vor Redaktionsschluss in meinen Briefkasten, das ich Euch nicht vorenthalten möchte...

[...] Da clickt ja wer ganz absichtlich auf MEIN Magelo - Profil , und mit einem Häppchen Musik gebe ich MEINEM Char halt auch einen Hauch Individualität...

[...] Am Abend genießen wir bei Rotwein und kleinen Häppchen Musik von...

[...] Ein ganz konventionelles Häppchen Musik hatte die Ohren geöffnet. Ich begreif es nicht...

[...] Das übermuntere Ansagergesäusel samt Häppchenmusik nervte schlichtweg...




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[Die Gema, Rapidshare + "Rechtswidrig Musikdateien"...]
« Reply #31 on: January 22, 2007, 10:54:34 AM »
Quote
[...] Die Verwertungsgesellschaft Gema hat eine einstweilige Verfügung gegen den Download-Dienst Rapidshare erwirkt. Grund: Über die Server des Unternehmens wurden rechtswidrig Musikdateien verteilt.

Bei Wiederholung droht Rapidshare nun ein Ordnungsgeld von 250.000 Euro. Rapidshare erlaubt jedem Nutzer das Hochladen von Dateien, diese werden dann automatisch zum Download bereitgestellt. Das Unternehmen ist nach eigenen Angaben der größte Internetdienst seiner Art – seit seiner Gründung im Juli 2001 seien insgesamt 30 Millionen Dateien hochgeladen worden.

Mit der einstweiligen Verfügung hat die Gema auch einen Etappensieg in einem viel größeren Streit errungen - es geht um den schwelenden Streit mit der weltgrößten Videotauschbörse Youtube. Hierbei möchte die Gema sowohl bei der frischgebackenen Google-Tochter wie auch bei anderen Hosting-Diensten und sozialen Netzwerken durchsetzen, dass diese die Verantwortung für die bei ihnen gespeicherten Inhalte übernehmen und entsprechend hart kontrollieren.

Bei Rapidshare ist man bislang der Meinung, dass ein Hoster nicht alle Dateien prüfen kann, die hochgeladen werden. Aus diesem Grund lehnt das Unternehmen die Verantwortung für Urheberrechtsverletzungen durch seine Nutzer ab. Auch ansonsten sieht der Plattformbetreiber dem weiteren Fortgang des Rechtsstreits gelassen entgegen.

"Der Beschluss des Landgerichts Köln zeigt in bemerkenswerter Weise, wie leicht es gelingt, deutsche Gerichte durch einseitige Sachverhaltsdarstellungen zu beeinflussen", sagte Geschäftsführer Bobby Chang. "Wir löschen alle Raubkopien, die uns bekannt werden, wir setzen darüber hinaus Software-Filter und ein ganzes Team von Abuse-Mitarbeitern ein. Damit leisten wir zur Bekämpfung von Raubkopien bereits mehr als die sonstigen Webhosting-Provider." Chang kündigte an, dass Rapidshare Rechtsmittel gegen den Beschluss einlegen wird.


Aus: "Einstweilige Verfügung: Gema setzt sich gegen Rapidshare durch" (19.01.2007)
Quelle: http://www.silicon.de/enid/b2b/24831


Offline Textaris(txt*bot)

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["Manchmal weiß ich selber nicht so genau"... ]
« Reply #32 on: January 31, 2007, 10:05:49 AM »
Quote
[...] WELT.de: Nicht jeder findet Sprüche wie: „Deine Art zu singen klingt wie ein Darmverschluss“, lustig.

Dieter Bohlen: Aber alle gucken es. Hören Sie, vor einem halben Jahr habe ich in Hamburg eine Pressekonferenz gegeben und gesagt, wenn wir mit der vierten Staffel von DSDS wieder "talk of the town" werden, wird es die erfolgreichste von allen sein. Keiner hat mir das geglaubt. Und jetzt? Hab' ich recht gehabt. Bis zu neun Millionen Zuschauer gucken zu, und der Marktanteil bei der werberelevanten Zielgruppe der 14- bis 49-Jährigen lag sogar schon bei über 38 Prozent. Das schafft sonst keiner in Deutschland.

[...] Das Musikbusiness ist hammerhart. Sensible Menschen, die keine Kritik vertragen, haben da nichts verloren. Als ich früher bei Bertelsmann meine Nummern vorspielen wollte, da haben die gar nicht erst mit mir geredet. Ich hab' erst mal drei Jahre winseln müssen, dass ich mit jemandem sprechen durfte. Dann haben die auch nicht gleich "toll" gesagt, sondern: "Verschonen Sie uns mit ihrem Gesang." Das hat natürlich schon sehr wehgetan.

WELT.de Der Schlagersänger Tony Marshall hat in der vergangenen Woche in einem Interview gesagt, Sie könnten schlechter singen als die meisten Kandidaten.

Dieter Bohlen: (lacht) Ich sag' gegen ältere Herren nichts.

WELT.de Würden Sie sich selbst zum Recall einladen?

Dieter Bohlen: Ja, natürlich.

WELT.de Hm.

Dieter Bohlen: Also bitte. Sie können sich doch nicht vor jemanden setzen, der 60 oder 70 Millionen Modern-Talking-Platten auf der Welt verkauft hat, und sagen, ich könne nicht singen. Da kann man doch nicht sagen: "Ey, Alter, die 70 Millionen sind alle Flachköpfe und haben keine Ahnung."

WELT.de Sind Sie kritikfähig?

Dieter Bohlen:(lacht) Ja, aber wie.

WELT.de Aber Sie regen sich doch gerade auf?

Dieter Bohlen: (verschränkt die Arme) Nein, so bin ich immer.

WELT.de Die Kommission für Jugendmedienschutz hat ein Prüfverfahren eingeleitet. Begründung: "Antisoziales Verhalten wird hier von einer Identifikationsfigur wie Bohlen als cool und Erfolg versprechend dargestellt."

Dieter Bohlen: Ich will gar kein Vorbild sein. Ich komm' doch selber nicht mit mir klar. Manchmal weiß ich selber nicht so genau, warum ich gewisse Sachen mache. Ich bin ein Mensch, der seinen Gefühlen freien Lauf lässt. Man hat es nicht geschafft, mir mein Rückgrat zu verbiegen. Ich mach' das, was ich will. Manchmal ist das richtig, und manchmal geht es in die Hose.

WELT.de Sie werden von vielen Jugendlichen trotzdem als Vorbild gesehen.

Dieter Bohlen: Darum geht es doch gar nicht. In Deutschland ist es einfach schick, was gegen den Bohlen zu haben. Zack, schon ist man in der Zeitung. Sichere Bank. Die Politiker können über Klimaschutz reden - interessiert keinen Menschen, aber sobald da irgendein Bischof sagt: "Ich hab' auch was gegen Bohlen", ist er auf der Titelseite.

WELT.de Auf Teufel komm raus in die Medien zu wollen, wirft man Ihnen auch häufig vor. Im Dezember wurden Sie in Ihrem Haus überfallen, 90 Sekunden nach der Polizei waren die Paparazzi-Teams da.

Dieter Bohlen: Ja, das stimmt, hat ziemlich lange gedauert. Und die "Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung" hat behauptet, ich hätte die gerufen. Das ist absoluter Schwachsinn. Es gibt keine Person in Deutschland, die so belagert wird wie ich. Ich werde fast 24 Stunden am Tag von denen verfolgt. Das ist total schrecklich, aber es ist eben so.

WELT.de Sie haben keine zwei Stunden nach dem Überfall einem "Bild"-Redakteur ein Interview gegeben. Das hätten Sie doch nicht machen müssen.

Dieter Bohlen: Nein, das hätte ich nicht. Da bin ich auch ganz ehrlich, das ist Geben und Nehmen in dieser Branche. Ich arbeite mit der "Bild" sehr kollegial zusammen. Da ist es schwer, Nein zu sagen.

WELT.de Sie hätten ermordet werden können - ein Nein hätte jeder verstanden.

Dieter Bohlen: In dem Moment war ich gar nicht in der Lage, so was zu entscheiden. Aber eigentlich muss ich ehrlich sagen, war ich sogar ganz froh, mit jemandem zu reden. Jetzt denken Sie bestimmt, warum redet der mit einem "Bild"-Reporter? Aber Martin Heidemanns war da, den kenn' ich seit 20 Jahren, wir sind sogar befreundet. Es hat mich abgelenkt, mit ihm zu reden. Reden hilft mir in solchen Momenten. Die Prominenz ist eben der Preis, den ich für meinen Erfolg zahle. Sonst wäre ich auch wohl kaum überfallen worden.

WELT.de Geld haben Sie genug, warum ziehen Sie sich also nicht zurück?

Dieter Bohlen: Wenn es danach geht, hätte ich schon 1985 aufhören können. Aber ich bin ein Macher.

WELT.de Gibt es Seiten an Ihnen, die die Öffentlichkeit nicht kennt?

Dieter Bohlen: Ich verstelle mich nicht, aber es gibt natürlich schon andere Seiten. Ich bin ein sehr politischer Mensch, war früher in der Deutschen Kommunistischen Partei, war jahrelang in der SPD. Es gab mal eine Abstimmung bei RTL, da sollten die Leute zwischen Schröder oder Bohlen wählen. Ich hab' 80 Prozent gekriegt.

WELT.de Wäre das noch was: Bundeskanzler Bohlen?

Dieter Bohlen: Nein. Zu schlecht bezahlt.


Aus: "DSDS: Bohlen-Interview: Wer zu den Superstars geht, hat selbst Schuld" Von Tina Kaiser (Artikel erschienen am 31.01.2007)
Quelle: http://www.welt.de/data/2007/01/31/1195430.html
« Last Edit: January 31, 2007, 10:09:23 AM by Textaris(txt*bot) »

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[Wir konnten es nicht so weitergehen lassen...]
« Reply #33 on: February 03, 2007, 11:21:00 AM »
Quote
[...] Der US-Medienriese Viacom, zu dem unter anderem die Sender MTV, Nickelodeon und Comedy Central gehören, will, dass die populäre Website YouTube mehr als 100.000 Videoclips entfernt. Es handelt sich dabei um Mitschnitte von Sendungen der Viacom-Sender. Zuvor waren monatelange Gespräche zwischen dem von Google gekauften YouTube und Viacom über eine Vergütung ergebnislos geblieben. Nach Viacom-Angaben wurden die Clips insgesamt 1,2 Milliarden Mal angesehen. "Wir konnten es nicht so weitergehen lassen", sagte ein Sprecher dem Wall Street Journal am Freitag.

Aus: "YouTube soll mehr als 100.000 Videos entfernen" (02.02.2007)
http://www.heise.de/newsticker/meldung/84736

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[Die GEMA und MP3flat.com... (Verwertungsindustrie)]
« Reply #34 on: February 03, 2007, 11:36:47 AM »
Quote
[...] Die Gesellschaft für musikalische Aufführungs- und mechanische Vervielfältigungsrechte (GEMA) hat eigenen Angaben zufolge eine einstweilige Verfügung gegen die Betreiber des Radio-Recorder-Dienstes MP3flat.com erwirkt. Das Landgericht Köln habe den Betreibern die Vervielfältigung geschützter Musikwerke im Rahmen des Dienstes ohne Zustimmung der GEMA untersagt, teilte die Rechteverwertungsgesellschaft am heutigen Freitag mit. Über den Webdienst können Musikfreunde Radioprogramme mitschneiden lassen und die Mitschnitte dann innerhalb einer bestimmten Frist auch auf den eigenen Rechner herunterladen.

Die GEMA sieht in dem Angebot eine Verletzung der Urheberrechte der von ihr vertretenen Komponisten, Textdichter und Musikverleger. Ohne Lizenz der GEMA würden über MP3flat.com monatlich bis zu 30.000 Musiktitel illegal zur Verfügung gestellt. Als Folge flatterte den Betreibern im Dezember vergangenen Jahres eine Abmahnung ins Haus – und die GEMA berichtete bereits von der Einstellung des Dienstes. Allerdings etwas voreilig, denn MP3flat.com bietet seine Dienstleistungen nach einigen Umgestaltungen auch heute noch an.

Nach Ansicht der Betreiber ist das Angebot von MP3flat.com vom Recht auf Privatkopie gemäß § 53 Urheberrechtsgesetz (UrhG) gedeckt. Auch wenn man dem Nutzer Technik und Festplattenplatz zur Verfügung stelle, handele sich doch um ganz private Radiomitschnitte, die jeweils einem einzelnen Nutzer zugeordnet werden. Einzelne Aufnahmen könnten nur individuell mittels Usernamen und Passwort abgerufen werden. Zudem seien alle Aufnahmen und der Download der mitgeschnittenen Radioprogramme kostenlos.

"Die von den Betreibern vorgebrachten Argumente vermochten das Gericht nicht zu überzeugen", schreibt die GEMA in einer Pressemitteilung. Der Dienst sei auch nach erfolgter Neugestaltung nicht von der Privatkopieregelung des § 53 UrhG gedeckt. Ob und wie es mit MP3flat.com weiter geht, ist derzeit nicht bekannt. Für Stellungnahmen – etwa zum genauen Wortlaut der einstweiligen Verfügung – waren weder MP3flat.com, die GEMA noch das Landgericht Köln am Freitagnachmittag erreichbar.

Quote
2. Februar 2007 19:29
Für pauschale Abgaben erwarte ich aber auch eine Gegenleistung.
Klaus818

Ich zahle inzwischen für jeden Scheiß Pauschalabgaben. Wenn ich für
einen alten Computer einer TreiberCD brenne, dann verdient die Mafia
dran. Wenn ich mir Linux installiere, dann verdient die Mafia dran.
Ich muß es ja auf CD oder DVD brennen.

Aber wenn ich das in Anspruch nehmen will, für was ich bezahlt habe,
dann bin ich ein Raubdownloader.

Und diese kriminellen Vereinigungen haben ja ihre Vertreter in der
aktuellen Ministerriege platziert.

Quote
2. Februar 2007 19:56
GEMA und GEZ - Die Volksverdummungsmaschinerie auf vollen Touren
Dirk Hillbrecht

wir halten fest: Die GEZ verlangt Gebühren für Computer und Internet
und gleichzeitig geht die GEMA gegen diejenigen Dienste vor, die die
Möglichkeiten der Mediennutzung per Computer und Internet
ausschöpfen. Und was macht die Politik? Sie stimmt kritik- und
vorbehaltlos in das Wehklagen des großindustriell-mafiösen
Verwerterkartells ein und fabuliert was vom "Schutz geistigen
Eigentums". Das von den "Volksvertretern" vertretene Volk ist mal
wieder ein bemerkenswert kleiner Teil der Gesamtmenge...

Man kann nicht so viel fressen wie man kotzen möchte!

Ciao, Dirk


Quote
2. Februar 2007 21:51
Ich fordere GEMA/GEZ für Hörgeräte !!!
Macbom

Warum muss man denn noch nicht für HÖRGERÄTE GEZ oder Gema zahlen ?


Aus: "GEMA lässt bei MP3flat.com nicht locker" (02.02.2007)
Quelle: http://www.heise.de/newsticker/meldung/84735


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[Schwall wurstegaler Töne... (Musikindustrie)]
« Reply #35 on: February 11, 2007, 05:47:12 PM »
Quote
[...] Bei MTV und Viva hat Theweleit ein «einig Volk von angehenden Zuhältern des Anti-Lust-Lebens, Ruinateuren des Öffentlichen» ausfindig gemacht. Und kann der andauernden Produktion von Stars und Sternchen nicht viel abgewinnen: «Beinarbeit also, das eigene Körpergewicht in den Frontbereich der Scheinwerfer hieven und wieder verschwinden in der nächsten Sprühwolke, die eine neue Schnuppe ausspuckt, mit offenen Keramikzähnchen, um den nächsten Schwall wurstegaler Töne durchzulassen. Was für eine behämmerte Veranstaltung.»...

Aus: "Donald Ducks hoch komplexe Verfahren" Von Jan Süselbeck (02.03.2006)
Quelle: http://www.netzeitung.de/voiceofgermany/385031.html

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[Pop, Porno und die Ästhetik der Stimulation... (Musikindustrie)]
« Reply #36 on: February 23, 2007, 10:26:35 AM »
Quote
[...] Tatsächlich kann man sagen, dass Pop im Zeichen von Disco auf ein grösstmögliches Publikum ausgerichtet wurde. Und der neue Sound, der Lüste stimulierte, statt Gefühle zu evozieren, erleichterte im Vergleich zur herkömmlichen, prozesshaft-dynamischen Musik nicht nur die industrielle Produktion. Die Stimulation an sich setzte auch weniger Vorwissen voraus und konnte mithin ein Publikum jenseits von irgendwelchen Szenen oder Traditionsgemeinschaften erreichen. Ähnliches zeigte sich ja gerade auch in der Pornographie, deren Spielplan sich auf unmittelbar verständliche Geschlechter-Plots reduziert.

Wenn Disco zunächst auch noch den Anschein von Songs zu wahren schien, so war das mit der gleichzeitigen Entwicklung des Pornofilms zu vergleichen: Im frühen Sexfilm mochten einschlägige Sexszenen verschämt in Kulissen und Rahmenhandlungen eingebettet werden; erst später fand das Genre im Rhythmus eines seriellen Kopulationsgeschehens zur Struktur, die sich im Zweck der Stimulierung erschöpft. Entsprechend ging es in Disco (später in Techno und House) trotz Strophen und Refrain kaum mehr um Botschaft und Erzählung, sondern um Animation zum Tanzen und um Stimulierung der körperlichen Lust (davon zeugen Bandnamen wie «Disco-Tex & The Sex-O-Letters» oder Hits wie «Sex Shooter»). Style und Sex-Appeal erwiesen sich fortan als ebenso bedeutend wie gesangliches bzw. künstlerisches Engagement - das galt erst recht, seit in den achtziger Jahren das Image der Popstars in Videoclips geprägt wurde. Popmusik wollte jetzt nicht mehr nur Emotionen generieren, sie stimulierte immer die physische Motion: «Dance to the music!», tönte es noch munter in der Disco - später aber befahl ein DJ: «Move your body!».

Die Entwicklung von Soul über Funk zu Disco bis hin zu House oder neuerem R'n'B ist keine musikalische Verfallsgeschichte - vielmehr geht es um eine ästhetische Akzentverschiebung zwischen Narration und Stimulation. Was hier bisher als ein Nacheinander geschildert wurde, erweist sich in der popmusikalischen Gegenwart überdies als ein Nebeneinander diverser und beliebig mischbarer Bestände und Verfahren. Gerade im Auswählen und Mischen können sich heutige Star-DJ und -Produzenten wie die Neptunes, Timbaland und will.i.am als Künstler behaupten - in steter Suche nach neuen Kicks, nach prägnanten Sound-Beat- Einheiten glückt ihnen bisweilen ein Pattern, das sich wiederum zu einem Song verketten lässt. Letztlich beweisen die zahllosen pornographisch angehauchten Songs zeitgenössischer Popstars - von Prince, Mariah Carey, Britney Spears, Kelis, Tweet, Justin Timberlake usw. -, dass Popmusik durch eine Doppelstruktur geprägt wird: Es geht hier nicht nur um expressive Kunst, es geht auch um stimulierende Technik.



Aus: "Body statt Soul" - Pop, Porno und die Ästhetik der Stimulation -
Von Ueli Bernays (22. Februar 2007, Neue Zürcher Zeitung)
Quelle: http://www.nzz.ch/2007/02/22/fe/articleEXN7H.html


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[Der Musikantenstadl war Milieuberichterstattung... ]
« Reply #37 on: March 01, 2007, 02:26:21 PM »
Quote
[...] Die Toten wissen einen Nachruf doch gar nicht zu schätzen. Da rufe ich lieber einem Lebenden etwas Freundliches nach; einem Lebenden, der die Bühne verlässt und von dem man nicht annimmt, dass er Lob verdient hätte. Eine Belehrung auf Moiks Abgang.


LINK: "Letzter Moikaner" Von Michael Ziegelwagner (mindestenshaltbar; 2006)
Quelle: http://www.mindestenshaltbar.net/0104/stories/274/

-.-

Quote
[...] nicht selten wird eine heile Welt transportiert. [...]

Aus: "Volkstümlicher Schlager" (03/2007)
Quelle: http://de.wikipedia.org/wiki/Volkst%C3%BCmlicher_Schlager

« Last Edit: October 10, 2007, 06:59:27 PM by lemonhorse »

Offline lemonhorse

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[Zum Spannungsfeld der Popkultur... (Notizen)]
« Reply #38 on: March 13, 2007, 02:23:57 PM »
Quote
[...] Langsam jedoch stellen müde gewordene Dreißigjährige fest, dass ihnen das Ausgehen und das Herumhängen in Plattenläden nicht mehr ganz so leicht fällt. Der Freudenspender Popmusik taugt für das eigene Leben in erster Linie nur noch als Prozac-Ersatz und wird vor allem als Folie gebraucht, auf der der Broterwerb organisiert sein will. Da hilft es enorm, wenn man ungestraft von früher erzählen darf oder hier und da über außermusikalische Dinge reflektieren kann. Das vermeintliche Ende der Jugendkultur, die Entdeckung der Vierzigjährigen als Käuferschicht und die Erfindung des Alters als der besseren Lebenshälfte sind Ausdruck dieser tief verankerten Sinnkrise. Und die Berichterstattung über die - zu Recht in Trümmern liegende - Musikindustrie ist für den Popjournalismus genau das, was Brecht/Weill-Interpretationen für in die Jahre gekommene Sängerinnen sind: eine als Weiterentwicklung verbrämte Zwischenstation an der Einbahnstraße von der Resignation in die Bedeutungslosigkeit.

[...] Niemand bestreitet, dass die Popmusik schon mal bessere Zeiten gesehen hat. Aber die viel zitierte Krise der Musikindustrie betrifft nur am Rande die Musik selbst. Sie ist in allererster Linie eine Krise der etablierten Distributionsformen und der ökonomischen Ausbeutung von Pop. Es gibt nach wie vor genreübergreifend spannende, interessante, gewagte, kaputte, mutige oder einfach nur schöne Musik. Das Problem dabei ist, dass wir es mittlerweile mit einem extrem heterogenen und ausdifferenzierten Feld zu tun haben und uns möglicherweise daran gewöhnen müssen, dass die Zeit der großen Verwerfungen erst mal vorbei ist. Die Popmusik ist nach über 40 Jahren Dauerrevolution erwachsen geworden und im Stadium ihrer ästhetischen Verfeinerung angekommen. Um diese zu diagnostizieren, bedarf es anderer Analysesysteme, eines genaueren Blickes. Es ist wenig hilfreich, wenn man dem Kranken übermüdet und mit schlecht übersetzten alten Lehrbüchern auf die Pelle rückt und direkt den Leichenwagen bestellt, nur weil der Patient schlecht riecht und sich nicht mehr schnell genug bewegt.


Aus: "Die Neokons der Popkritik" Auf in die Vergangenheit: Die bürgerliche Popkritik ruft zur neokonservativen Sinnstiftung und reaktiviert dafür einen zwanzig Jahre alten Popbegriff. Wo einst bedingungslos die Oberfläche gefeiert wurde, soll auch heute wieder Glamour sein. Die feinen Unterschiede bleiben dabei auf der Strecke / Von STEFFEN IRLINGER (taz vom 22.5.2004, S. 20, 382 Z.)
Quelle: http://www.taz.de/pt/2004/05/22/a0256.1/text

-:-

Quote
[...]  Thomas Gross verkündete in der Zeit vom 22.02.2007 anlässlich der neu gestalteten / besetzten Spex das Ende der Bescheidwisser – die Popkritik müsse angesichts der neuen, virtuellen Informationsströme ihre Position als Instanz abgeben und sich vielmehr darauf konzentrieren, einen slow journalism anzugehen, der sich vom traditionellen Eurozentrismus ebenso emanzipiert wie von dem Gedanken der Vollständigkeit. Zitiert wird dabei Boris Groys, der sagt: Der Kritiker ist ein Zeigender.
Darauf antwortete nun gestern (mit allerlei schwerem Geschütz – Bourdieu etc.) in der taz Diedrich Diedrichsen, also einer der Wenigen, die sich vielleicht noch als Instanz bezeichnen dürfen, und das im Rahmen einer Besprechung der neuen Platte von Air. Popkritik müsse den engen Spielraum der Bemusterungsnormalität durchbrechen, sei aber weiterhin notwendig, nicht zuletzt, weil die Mentalität bloßen Zeigens keine über die eigene Subjektivität hinausgehende, politisch-kulturelle Relevanz besitze und somit nichts in der Hand hat gegen die Dominanz von reaktionären Ideen im Impliziten heutiger Pop-Musik. [Der Kritiker] darf ja nicht argumentieren, geschweige denn werten, er soll ja nur zeigen.
Rede, Gegenrede – es wäre wünschenswert, dass daraus tatsächlich eine breit geführte Debatte entsteht, die nicht - wie bei den letzten Ansätzen - bei der Feststellung stehenbleibt, dass Blogs einfach schneller sind bzw. die Spex früher besser war.


Aus: "Popkritik-Debatte" (10. März 2007)
Quelle: http://www.echoes-online.de/blog/index.php?/archives/438-Popkritik-Debatte.html

-.-

"Das Ende der Bescheidwisser" Die Allgegenwart von Musik hat die Popkritik in eine Krise gestürzt. Im Streit um »Spex«, einst das wichtigste deutsche Musikmagazin, zeigt sich die Sehnsucht nach alten Verbindlichkeiten. Doch der Kritiker als Stilpapst hat ausgedient
Von Thomas Gross (22.02.2007)
Quelle: http://zeus.zeit.de/text/2007/09/Musikkritik

-.-

Quote
[...] Kein Erhabenheitsschwindel mehr im Angesicht des absoluten Nichts kapitalistischer Kultur.


Aus: "Den Einsatz erhöhen!" - Kritisieren heißt, einen Unterschied zu machen. Und davon zu sprechen, was man politisch und kulturell für wünschenswert hält. Aus Anlass von "Pocket Symphony", dem neuen Album des Pariser Duos Air: einige Gedanken zum Stand der Popkritik /
VON DIEDRICH DIEDERICHSEN" DIEDRICH DIEDERICHSEN (taz vom 9.3.2007, S. 15, 323 Z. (Kommentar))
Quelle: http://www.taz.de/pt/2007/03/09/a0219.1/text

-.-

Quote
[...] Der Begriff Popkultur als Kulturtechnik kennzeichnet eine Strömung, die seit dem beginnenden 20. Jahrhundert für ein kulturelles und gesellschaftspolitisches Phänomen steht, das auch unter dem Begriff Massenkultur subsumiert wird. Durch den gesamtgesellschaftlichen Charakter ist Popkultur (kurz: Pop) nicht bloß eine kulturelle Sparte unter vielen, sondern kennzeichnet eine gesamtgesellschaftliche Entwicklung westlicher Wert- und Moralvorstellungen, die nahezu alle kulturellen Sparten umfasst. Popkultur nahm ihren Ursprung in den Anfängen der Industrialisierung und den mit ihr einhergehenden strukturellen Veränderungen.

[...]

Popkultur folgt verschiedenen Mechanismen:

    * Ambivalenz: scheinbare Gegensätze werden aufgehoben: Massen-/Elitekultur, Kunst/Kapitalismus, Virtualität/Realität, Glokalisierung, Prosumer, Technologie/Emotion, etc.

    * Aktualitätsprinzip und das Streben nach Neuem: Up to date zu sein, ist essentiell. Meistens erscheinen die Ideen revolutionär und/oder einfach. Oft wird auch Altes wiederholt, aber stets überreizt wiedergegeben. Die Popkultur folgt also dem Modeprinzip.

    * Gebrauch der Medien: Sie sind das zentrale Darstellungs- und Hilfsmittel zur Distribution der Hervorbringungen der Popkultur. Durch sie werden die Konsumenten beeinflusst und/oder interaktiv miteinbezogen, z. B. bei Wikipedia, Ebay oder Podcasts. Wegen zunehmendem cocooning der heutigen Gesellschaft wächst die Macht der Medien und Marken kontinuierlich, z.B. durch branded entertainment.

    * Ständige Grenzüberschreitungen, schnelle Veränderung und ein damit verbundenes subkulturelles und revolutionäres Image, das ausgehend von der früheren Popbewegung heute von großen Marken benutzt wird.

    * Befriedigung des Bedürfnisses nach Spaß und intensiven Erlebnissen.

[...]

Zur Theorie der Popkultur lassen sich im wesentlichen zwei Ansätze unterscheiden. Zum einen die Kritische Theorie, die vor allem auf Adorno und die Frankfurter Schule zurückgeht, zum anderen die Cultural Studies, die sich auf das Birminghamer Centre for Contemporary Cultural Studies (CCCS) stützen. Auf der Seite der Kritischen Theorie ist vor allem das Kapitel Kulturindustrie in Adornos und Horkheimers Dialektik der Aufklärung zu nennen, auf der Seite der Cultural Studies haben sich Autoren wie John Fiske, Stuart Hall, Dick Hebdige und Lawrence Grossberg hervorgetan.

Die Cultural Studies untersuchen Kultur im eigentlichen Sinne, ohne wie bei der Kritischen Theorie auf einen gemeinsamen ideologischen Kern zurückzugreifen. Diese wissenschaftliche Disziplin hat sich interdisziplinär weiterentwickelt und eint verschiedenste Lesarten. In den Cultural Studies werden partikulare und lokale Erscheinungen auf ihren Zusammenhang mit sozialstrukturellen Merkmalen, wie z. B. Ethnie, Klasse, Schicht, Gender und sexuelle Orientierung hin untersucht.

Cultural Studies erforschen die Bedeutung von Kultur als Alltagspraxis. Diese Bedeutungen werden als sozial konstruiert aufgefasst. In seiner extremsten Form wird alles als Kultur aufgefasst, was im Zusammenhang mit menschlicher Sprache entsteht und somit einen soziokulturellen und zivilisatorischen Ursprung hat. Die Kritik an den Cultural Studies hinterfragt den Erkenntnisgewinn durch die genannten Ergebnisse.

Die These der Totalitätstheorie der Kulturindustrie Adornos und Horkheimers analysiert die gesellschaftlichen Verhältnisse der 1940er Jahre. Ihre These ist keine kulturkritische, sondern eine gesellschaftskritische Theorie. Die Form der ökonomischen Analyse ihrer Theorie genießt heute keine Aktualität mehr. Sie stellen Kapitalismus als einen ausweglosen, sich in monopolkapitalistischer Formation verdichtenden Block dar. Aktualität wird hingegen der Diagnose des Spätkapitalismus zugerechnet. Adorno und Horkheimer gehen davon aus, dass sich Kapitalismus zum allgegenwärtigen System entwickelt hat. Darin habe sich fortwährend die Idee der Nische aufgelöst. Die Autoren haben diese Erkenntnis auf die einfache Formel gebracht: „Es gibt kein richtiges Leben im Falschen.“


Aus: "Popkultur" (03/2007)
Quelle: http://de.wikipedia.org/wiki/Popkultur


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["aufgepasst!"... (Notizen)]
« Reply #39 on: April 16, 2007, 11:59:06 AM »
Quote
[...] Nachwuchsbands aufgepasst! - 20 Minuten und Coca-Cola suchen den besten Newcomer der Schweiz!
So funktionierts: Vom 16. April – 9. Mai 2007 können Sie Ihren Song als mp3-Datei auf www.mycokemusic.ch raufladen und am MyCokemusic Soundcheck 2007 teilnehmen. Bedingung: Text und Musik sind Eigenkreationen, der Song ist nicht kommerziell erhältlich und Sie haben noch keinen Plattenvertrag abgeschlossen.

Mitmachen lohnt sich!
Insgesamt werden 20 Bands, welche aus der Online-Abstimmung hervorgehen, ermittelt.

Diese werden am Openair St. Gallen bzw. am Gurtenfestival auf der MyCokemusic-Bühne vor einer Experten-Jury gegeneinander antreten.

Als Hauptpreis bietet MyCokemusic Soundcheck die Unterstützung durch ein professionelles Beraterteam für die musikalische Karriere im Wert von Fr. 20'000.-.

Zudem verlosen 20 Minuten und Coca-Cola bis am 9. Mai 2007 einen Gutschein für 250 Songs zum Herunterladen auf www.mycokemusic.ch


Aus: "Nachwuchsbands aufgepasst! - 20 Minuten und Coca-Cola suchen den besten Newcomer der Schweiz!" (2007)
Quelle: http://www.20min.ch/unterhaltung/wettbewerbe/story/25586857


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« Reply #40 on: April 30, 2007, 01:47:58 PM »
Quote
[...] Wer hat noch nicht spontan den Weltuntergang als etwas Wunderbares empfunden, während man im Warenhaus mit der Musik von Simply Red, Madonna, Sarah Connor, den Fantastischen Vier, Wolfgang Ambros und Jan Delay dauerbeschallt wurde oder hätte es vorgezogen in einem Bottich voll mit Hundekotze zu baden als in einem Zahnarztwartezimmer parallel zur Focus- oder Bunte-Lektüre in den Genuss sämtlicher Klassiker des Kuschelrock-Genres von Chris De Burgh und Phil Collins über Blumfeld bis Guns'n'Roses zu kommen?

Beim sogenannten Durchschnittskonsumenten soll diese Dauerberieselung zwar anscheinend libidinös gesteigerte Begehrlichkeiten in Richtung Warenkonsum wecken und beim Normalpatienten mutmaßlich eine beruhigende Wirkung hervorrufen, das einzige was diese Harmonien knapp über den Hirntod jedoch bei Menschen bewirken, die ihren Kopf noch immer nicht ausschließlich zum Tür anklopfen benutzen, ist eine einzigartige Mischung aus absoluter Lethargie und totaler Aggression, welche in einem zumindest für Sekunden die Erkenntnis reifen lässt, dass die Taliban auch nur Menschen sind.

Quote
30. April 2007 10:52
Ganz schlimmer Bockmist...
astrachanschaf (mehr als 1000 Beiträge seit 03.03.05)

Zugegeben: Der Artikel war überaus amüsant formluiert und manchesmal
hätte es mich fast vom Sessel gerissen. :-)

Aber mal abgesehen von der Forderung, die Zwangsbeschallung in der
Öffentlichkeit sein zu lassen: Wer gibt dem Autoren das Recht zu
entscheiden, was gute Musik ist?

Ein Death-Metal-Fan wird alles unterhalb seiner musikalischen
Aggressionsschwelle als lächerliches Geschwubbel und damit
unerträglich abtun. Der Klassikhörer wird die nach einer Atomuhr
gestellten Beats von Techno zum Teufel wünschen. Na und? Es hat jeder
seinen Geschmack und niemand das Recht, eine Musikrichtung wegen
persönlicher Abneigung als abartig zu verurteilen.

Diesen Aspekt hätte ich gern aus dem Artikel gestrichen gesehen. Er
hätte an Objektivität gewonnen. Wenn schon Zwangsbeschallung
verbieten, dann allgemein. Ich entscheide nicht für andere, was gute
Musik ist und deswegen in der Öffentlichkeit gehört werden sollte und
das entscheiden auch nicht andere für mich.

Quote
29. April 2007 11:01
DANKE!!
Rookie-Doo, (55 Beiträge seit 16.02.06)

Noch nie hat mir ein Artikel hier so aus der Seele gesprochen! :D

Quote
29. April 2007 17:14
deutsches Phänomen?
Mr Mo (10 Beiträge seit 24.09.06)

Habe manchmal die Vermutung, dass es sich bei Gedudel um 'ne deutsche
Problematik handelt. Auch im Radio ist ein Weichspülen bis zum geht
nicht mehr üblich. Bloß kein Lied, das irgendjemanden zu
"hart"/"modern"/"altbacken"/... sein könnte scheint mir die
Zielvorgabe bei all den den gleichen Weichspül-Wegwerf-Mist
spielenden Sendern zu sein - und das ist ja auch häufig die
öffentliche Beschallung. Ein bischen breiteres Musikspektrum könnte
dazu beitragen, dass es einen weniger schnell nervt? Ich erinner mich
noch, dass swr die letzte AC/DC Tour präsentierte - jeden Morgen "wir
präsentieren, die Götter des Hardrock, am..." unterlegt mit dem Intro
von "Hells Bells" (wenn ich mich richtig erinner). Glaubt ihr, sie
hätten auch nur einmal ein AC/DC Song gespielt...?
Andere Erfahrung zB in Stockholm: mehrere Spartensender für (harte)
Rockmusik, ein Freund berichtet ähnliches über elektronische Musik,
und beim Einkaufen kann man schonmal auch mit Rammstein beschallt
werden.

Der einzige mir bekannte Fall, bei dem die Hintergrundbeschallung
Situationsbedingt geändert wird ist übrigens der McDonalds in
Balingen. Während direkt neben an das "Bang Your Head" Festival
stattfindet, wird dort tatsächlich Gitarrenmusik gespielt.




Aus: "Aktion gegen Zwangsbeschallung" Reinhard Jellen (29.04.2007)
Quelle: http://www.heise.de/tp/r4/artikel/25/25150/1.html

-.-

Video: "Geld zurück für Dudelmusik!"
Quote
[...] Unter dem Titel `Dudelstopp -- Musik ohne Zwang´ unterstützt die Plattform moderne21 im Frühjahr 2007 ein Projekt zur Huldigung des Phänomens `Stille´ in einer von den staatlich gestützten Anmaßungen des Lärms geplagten Umwelt...

Quote
caspa7   
Gute Idee, schlechte Schauspieler. Aber wird schon!


Link: http://www.youtube.com/watch?v=GaQ7AKDnPvM&


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[zuletzt in der DDR... (Notizen)]
« Reply #41 on: May 09, 2007, 09:58:37 AM »
Quote
[...] Radioquoten für deutschsprachige Musik gab es schon mehrmals, zuletzt in der DDR.


Aus: "Her mit der französischen Radioquote!" Der Bundestag will wieder mal deutsche Musik fördern – und übersieht dabei das wichtigste
Von Peter Mühlbauer  (TP; 09.05.2007)
Quelle: http://www.heise.de/tp/r4/artikel/25/25240/1.html

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[Dieses eiserner Gesetz der Ökonomie ist die Mutter der Charts... ]
« Reply #42 on: May 16, 2007, 02:31:57 PM »
Quote
[...] Die Suche nach dem kleinsten gemeinsamen Nenner war die Aufgabe der Popkultur. Die Kunst, und viele hielten Kunst im Kontext der Popkultur lange für unmöglich, die Kunst der Popper bestand darin, den gemeinsamen Nenner noch in den kleinen und kleinsten Details der Umwelt aufzuspüren, um ihn als respektvolle und/oder ironische Referenz ans Tageslicht zu zerren. Die Popkultur war somit auf der stetigen Suche nach sich selbst, in vielfachen Varianten mit sich selbst verschlungen, wieder und wieder. Ein monolithisches Knäul aus gemeinsamen Nennern und deren Retorten.

Das ist jetzt vorbei.

Es wird keinen gemeinsamen Nenner mehr geben. Keinen generationenübergreifenden. Nicht mal einen generationenumfassenden. Nicht mal einen regionalen. Es wird überhaupt gar keinen "gemeinsamen Nenner" mehr geben, nicht mal als geflügeltes Wort. Der gemeinsame Nenner wird so was von tod gewesen sein.

Denn der gemeinsame Nenner ist das Produkt eines bestimmten medientechnologischen Einschnitts. Er wurde produziert in den Fabriken und Presswerken, in den Funkstationen und Mediamärkten. Warum? Die Antwort heißt: Economy of scale.

Economy of scale ist ein ökomomischer Begriff für die Beschreibung des betriebswirtschaftlichen Phänomens, dass die Stückkosten eines Gutes proportional zu seiner Produktionsmenge schrumpfen. Wenn ich ein Stück eines Produktes produziere, kostet mich das 10 Euro. Bei 100 nur noch 5, bei 1000 einer und so weiter.
Dieses eiserner Gesetz der Ökonomie ist die Mutter der Charts. Welche wiederum, die Mutter der Popkutur ist. Die Charts SIND unser Gemeinsamer Nenner. (natürlich nicht nur die Musikcharts, auch die Bildungscharts, die Newscharts, die Bestsellerliste bei Büchern, etc.)
Sie geben die Basis ab, auf der die ganze Popkultur (und die Popkultur war immer schon viel mehr als nur "die Popkultur") gegründet ist. Die Popkultur ist das Resultat eines ökonomischen Kalküls. Eines Kostenzwangs. Einer betriebswirtschaftlichen Bilanz. Einer Rationalisierung.

Heute verlassen wir die Arena der Massenproduktion nach und nach. Massenproduktion wird es sicherlich noch lange geben, aber sie wird ihre Dominanz verlieren. Denn es ist und wird immer mehr möglich, massenhaft Individualprodukte herzustellen. Wir erleben das im Internet, alle möglichen kulturellen Güter betreffend, wir werden es auch im materiellen Bereich erleben. Und dann wird alles anders.

[...]  Man hat ihn abgeschoben mit Begriffen wie "Freak", "Nische" oder "Hobby". Jetzt zuckt er kräftig und man kann sich sicher sein, er wird sich erheben. Und wenn er sich erhebt wird die kulturelle Welt erbeben. Denn, Massenkonsum ist vor allem ein struktureller Zwang, der von der Massenproduktion auferlegt war. Und dessen werden sich die Leute gewahr, sobald sie in Kontakt treten mit Dingen, die sie WIRKLICH interessieren. Der Rattenschwanz wird sich also nicht nur erheben, er wird auch zunehmend größer. Viel größer. (Zur Zeit kann man ihn Anhand der Verkaufszahlen bei iTunes auf etwa 40% beziffern. Das ist noch lange nicht das Ende. Ich würde auf 80 bis 90% wetten. (Der Witz, wenn es so weit ist, ist POP selber nur eine Nische und somit Teil des long tail. Also doch ... 100%?))

Wenn jetzt aber niemand Teil einer großen Verwertergemeinschaft mehr sein wird, wenn die kulturelle Segmentierung so weit und so tief um sich greift, dass sie Gemeinsamkeiten nur noch handverlesen stiftet, dann wird die Popkultur vor Referenzlosigkeit schlicht verhungern.

Ich werde, glaub ich, keine Träne vergießen, wenn es so weit ist.


Aus: "Das Ende der Popkultur" (5.5.200507; geposted von mspro um 13:25)
Quelle: http://mymspro.blogspot.com/2007/05/letztens-vorm-bloggen.html


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[Sich über Textzeilen von Rap-Musik aufzuregen, ist doch witzlos... ]
« Reply #43 on: August 01, 2007, 01:03:21 PM »
Quote
[...] Aggro-Rapper G-Hot, ein 24 Jahre altes Milchgesicht aus Berlin, hat einen an Widerlichkeit nur schwer zu überbietenden Song über oder besser: gegen Schwule eingespielt: "Keine Toleranz" heißt das Stück und ist, wie der Rapper in einem Video auf seiner MySpace-Seite sagt, "schon so zwei, drei Jahre alt. Ich wollte den Track niemals veröffentlichen." Seit ein paar Tagen kursiert der Song im Internet.

Eine dritte Person habe das Stück gegen seinen Willen veröffentlicht. "Da bin ich zuhause an die Decke gehüpft", gesteht G-Hot, der eigentlich Gökhan Sensan heißt. Alles habe er getan, "dass dieser Track wieder aus dem Netz gezogen wird." Weil: "Mir gehen Schwule am Arsch vorbei."

Massenweise Lob

In Internetforen erntet G-Hot für den Song massenweise Lob, wie dieses vom User a.k.a 47 auf G-Hots MySpace-Seite: "ich war früher nicht so fan aber jetzt mit Toleranz hast du Eier gezeigt Entschuldige dich auf keinen fall bei diesen schwuchteln nur wenn es um die ganze karriere geht aber wie gesagt nur wenns sein muss". In anderen Foren wird G-Hot nach allen Regeln der Kunst argumentativ vermöbelt. Der Videoclip zum Song wurde vom Videoportal YouTube bereits wieder gelöscht.

Eine Berliner Rapperin hat Strafanzeige gegen G-Hot gestellt - wegen Aufrufs zum Mord von Homosexuellen: "So etwas habe ich bisher noch nicht gehört", sagt sie, die unerkannt bleiben möchte. Bei Textzeilen wie dieser nur allzu verständlich: "Ich gehe mit zehn MGs zum CSD und kämpfe für die Heten, die auf Mädchen stehen."

Und Aggro Berlin? Kündigt seinem türkischstämmigen Nachwuchskünstler einfach die Zusammenarbeit. "Nachdem vor ein paar Tagen der Track ,Keine Toleranz' im Internet erschien, haben wir G-HOT mitgeteilt, dass wir jede weitere Zusammenarbeit ausschließen", heißt es auf der Website. "Die gesamte Aggro Berlin Crew, Künstler und Mitarbeiter, distanzieren sich entschieden von den in jenem Titel geäußerten Ansichten und Äußerungen."

Was ist da los? War die gezielte Provokation für Sidos "Arschficksong" noch das Mittel der Wahl, um die Plattenverkäufe in die Höhe zu treiben, so ist es jetzt die gezielte Mäßigung. Fürchtet Aggro etwa die ewige Pressehölle, in der es wegen des Albums "Neger Neger" seines Rappers B-Tight wieder einmal schmort? "Kein Kommentar" hieß es dazu am Freitag auf Anfrage der SZ.

Quote

17.07.2007 05:42:16

Jonas.Bornemann: @smart.ass

"Ich verstehe die Aufregung gar nicht. Hat den jemals Rap oder Hip-Hop intelligente Texte gehabt.
Die denken doch seit 10 Jahren nur an Gangsta-Image und Chicken-Checken und langen sich alle paar Sekunden an ihren Lümmel um zu zeigen wie männlich sie sind.
Ist der SZ das erst jetzt aufgefallen ? "

die hip-hop und rap szene so zu pauschalisieren deutet nur daraufhin dass sie sich nie ernsthaft mit dem thema auseinander gesetzt haben. Ich werde nun auch nicht weiter darauf eingehen, weil diese diskussion endlos waere. es genugt schon zu sagen dass sie mit sicherheit unrecht haben. Desweiteren wird mit der kuendigung von G-Hot nur das bestaetigt was schon laenger meine meinung ueber die deutsche rap szene aus berlin ist. und zwar dass die jungs wie sido oder b-tight sich selber und ihre texte nicht ernst nehmen und jeder der dass tut, hat ihr konzept nicht verstanden. Ihre lieder sind meiner meinung nach hauptsaechlich satiren. Allein schon wie paradox es ist sich selber "arschf**kman" zu nennen und einen "arschf**ksong" raus zu bringen und dann auf der anderen seite homophob sein??? Die jungs von beispielsweise aggro berlin lachen sich doch kaputt dass sie mit solchen texten erfolg haben und sogar gold status erreichen. Zwar leben sie teile ihrer texte sicher wirklich, aber eigentlich geht es meiner meinung nur darum, extreme zu schildern, die so absurd sind, dass man drueber lachen muss. ich zumindest finde die deutsche rap szene amuesant. auf youtube gibt es ein gutes video in dem Orgie bei Alice Schwarzer zu sehen ist. Natuerlich ist sie ihm intellektuell ueberlegen, aber das juckt ihn eigentlich garnich und er lacht selber ueber dass was er da fabriziert und geld verdient kaputt......Die kuendigung von G-hot zeigt meiner meinung nach nur, dass man hip hop aus deutschland mit einem schmunzeln betrachten sollte bzw mit einem augenzwinkern, oder man sollte es ganz lassen. Wer dies nicht kann und ernsthafte propaganda gegen homosexuelle betreibt, und somit diese meinung weiter gibt an jugendliche die beeinflussbar sind, ist ja zumindest bei aggro berlin nicht willkommen. und das finde ich schonmal durchaus positiv. Aber anstatt aggro berlin diesen schritt positiv anzurechnen werden sie als unglaubwuerdig bezeichnet und weiterhin negativ bewertet. irgendwie paradox dafuer dass sie eigentlich momentan nur dass tun was alle fordern. sich von homophobie in deutscher rap musik abgrenzen.

Quote

16.07.2007 15:09:24

MarcusL: Feuer frei

Ich find es echt gandios! Solange diese Typen frauenverachtende Songs singen ist die Aufregung überschaubar, aber wenn es gegen die mächtige Schwulensszene gibt, wird man gefeuert.

Quote

16.07.2007 14:48:37

Europa ++:

Diesen Kommentar können wir leider nicht veröffentlichen. Bitte beachten Sie unsere netiquette und unsere AGB.

Quote

16.07.2007 13:21:02

Theymademedoit: Eingeschränktes Ironieverständnis

Ich persönlich habe so meine Schwierigkeiten damit, derartige Aussagen als Ironie zu behandelt. Auch das Aggro-Label selbst stellt ja offenbar gerade fest, das die Unterscheidung "Ist das noch Ironie?" schwer zu treffen, wenn nicht gar unmöglich ist. Ich finde, dass derartige "Ironie" einfach ein Kreativitätsdefizit ausdrückt - die Jungs können einfach nichts anderes, als mit Kraftausdrücken um sich zu werfen. Was dem einen sein Porsche als Ersatzgenital, ist dem anderen eben sein grobholzig zusammengezimmerter Rap-Song. (Es wäre im Übrigen wohl auch nicht übertrieben, auf den Zusammenhang derartiger Statements mit der in Immigrantenkreisen nicht gerade selten anzutreffenden Homophobie hinzuweisen - Toleranz hört bei mir nämlich bei der Intoleranz anderer auf.)

Wenn ein solcher Dämliche-Intoleranz-getarnt-als-Ironie-Stil (übrigens auch bei Neo-Nazis recht beliebt!) nicht leider einen gewissen Einfluss auf die heranwachsende Anhängerschaft hätte, würde ich sagen "Lasst sie doch spielen, sind ja noch klein." So muss man aber leider befürchten, dass hier der Genuss gerade durch den Ruch des Verbotenen gesteigert wird und letztlich auch Werte der "Idole" bei der Anhängerschaft hängen bleiben. Um so mehr, als die parolenhafte Verkürzung auch noch den letzten Rest eventuell vorhandener Ironie ausmerzt. Ein lustiges Beispiel dazu: Vor 25 Jahren haben bestimmt auch nicht alle Jung-Punks kapiert, dass mit dem "No Future", das sie sich in weiß auf die Jacke geschrieben hatten, ursprünglich mal - durchaus mit einem ordentlichen Schuss Ironie - die Queen gemeint war, und eigentlich nicht die gesamte Menschheit...


Quote

16.07.2007 13:17:26

seropa: wildstylemag.com

Man sollte fairerweise auch mal anmerken, daß das Magazin www.wildstylemag.com dieses Vergehen aufgedeckt hat. Das zeigt endlich mal, daß das Internet mit Hilfe eines jungen auch förderlich für unsere Demokratie sein kann.

Quote

16.07.2007 13:05:56

Europa ++:

Diesen Kommentar können wir leider nicht veröffentlichen. Bitte beachten Sie unsere netiquette und unsere AGB.

Quote

16.07.2007 13:02:01

Europa ++: ....ps....

....Toleranz gegenüber Intoleranz fördert Intoleranz und
Intoleranz gegenüber Intoleranz fördert Toleranz

Quote

16.07.2007 12:50:05

grabovski: Hip Hop

Für wenig sinnvoll halte ich es gerade jetzt, Rap bzw. die Hiphop Kultur pauschal zu verurteilen. Dass überwiegend unterbelichtete, aggressive und frauenfeindliche oder homophobe Texte verfasst werden, entspricht schlicht nicht der Wahrheit. Viele Rapper (v.a. auch aus den USA) steuern klar gegen diesen Trend - und das nicht erst seit heute. Ich verweise dabei auf Combos wie Zion I, Souls of Mischief, Sage Francis, Buck 65, u.v.m. - auf deutscher Seite wüsste ich nicht wann bspw jemals die Absoluten Beginner, Fettes Brot oder Fanta 4 durch speziell tumbe Texte aufgefallen wären.
Was vielmehr faszinierend ist: Gerade Mainstream Rap in den USA sowie in Deutschland scheint sich bewusst an solchen Klischees zu orientieren - wohl auch verständlich, die Masse geifert ja offensichtlich danach. Populäre Musik lässt sich immer auch als Spiegel der Gesellschaft auslegen; in diesem Fall finde ich das persönlich irgendwo zwischen furchterregend und traurig.

Quote

16.07.2007 12:49:35

manesse: Hans Apel

Jüngst ließ der frühere Bundesfinanzminister Apel im Deutschlandfunk eine Schwulen-Verunglimpfung vom Stapel, die ähnliches Niveau wie diese subkulturelle Psuedolyrik der Rapper hatte. Dem ollen Apel ist aber niemand über den Mund gefahren: Zweierlei Maß?

Quote
16.07.2007  12:40:40

VIELFÜSSLER: Rap ist minderwrtige Musik

Sich über Textzeilen von Rap-Musik aufzuregen, ist doch witzlos. [...]

Quote

16.07.2007 12:40:29

Europa ++:

Diesen Kommentar können wir leider nicht veröffentlichen. Bitte beachten Sie unsere netiquette und unsere AGB.

Quote

16.07.2007 12:27:43

TCHe: Psychologie

Da kann ich mir einen Kommentar doch nicht verkneifen.
in der Psychologie ist es bekannt, dass Homophobie oftmals eine nach außen gerichtete Form des Selbsthasses ist, etwa, wenn man selbst entsprechende Neigungen hat, aber diese nicht akzeptiert und sich auf diese Weise dann „zu reinigen“ sucht.

Die Formulierung, dass ihm „Schwule am Arsch vorbei“ gingen, lässt sich da doch sicherlich auch mittels Freud erklären …




Aus: "Aggro Berlin kündigt G-Hot wegen Homophobie: "Ihr lasst euch von Schwulen regieren"" Von Dominik Schottner (16.7.2007)
Quelle: http://www.sueddeutsche.de/,tt6m2/kultur/artikel/790/123616/

-.-

Quote
[...] Wieso ist Gangsta-Rap denn gerade bei Jugendlichen so beliebt?

Seim: Pop und Provokation gehörten schon immer zusammen. Seit Aufkommen der modernen Jugendkultur vor gut 50 Jahren zeichnet sie sich durch jeweils zeitgemäßes Rebellentum aus und definiert sich auch durch die Reaktionen der „Spießbürger“. Nur wenn sich die Elterngeneration über die Grenzverletzungen aufregt, macht es auch Spaß. Nach Gammlern, Hippies, Rockern und Punks ist es heute schon schwieriger, Aufmerksamkeit zu erregen. Dazu greift man dann schon mal tief in die Kiste mit Tabus, Ressentiments und Vorurteilen, mixt sie mit vulgärer Fäkalsprache, und „pimpt“ es mit „cooler“ Gangsta-Pose und Gewaltbereitschaft auf. Damit ist schon mal der Unmut der „Alten“ erreicht.


[...] Wie ist der große Erfolg des Labels Aggro Berlin zu erklären?

Seim: Die Proll-Attitüde scheint den Zeitgeist getroffen zu haben. Ballermann-Niveau, gern auch mit „Kanak-Sprak“, verkauft sich gut.

Können Sie sich erklären, weshalb sich Aggro Berlin, dessen Künstler für harte Texte bekannt sind, sich ausgerechnet wegen dieses Textes von G-Hot distanziert?

Seim: In einer Stadt mit schwulem Bürgermeister geht die Aussage von „Keine Toleranz“ natürlich gar nicht. Vielleicht wollte man nicht von den falschen Leuten Applaus bekommen. Ich sehe das nicht als Zeichen von Schwäche, wenn sich das Label auch mal selbstkritisch mit den eigenen Hervorbringungen befasst.


Aus: "Schwulenfeindlicher Rap - „Tief in die Kiste der Vorurteile gegriffen“" (31. Juli 2007 )
Quelle: http://www.faz.net/s/Rub21DD40806F8345FAA42A456821D3EDFF/Doc~E0D9A22274D7E4F60A831DD2A5F954F7C~ATpl~Ecommon~Scontent.html

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Quote
[...] G-Hot, der eigentlich Gökhan Sensan heißt, weiß, dass es nichts bringt, im Leben aus zu vielen Fenstern zu schauen. Feindbilder dienen der Selbsterhaltung. In der Schwulenszene hat er sein Feindbild gefunden. Mit Männern, die sich ein bisschen wie Frauen benehmen, weiß einer wie er nichts anzufangen. Denn Frauen, das wird er zu besingen nicht müde, sind ihm einzig zu einem nützlich: zum Beweis seiner Potenz. Davon hat G-Hot, das behauptet er, viel.

G-Hot, der sich wie „Dschihad“ ausspricht, führt also einen heiligen Krieg: gegen Schwule, die sein Weltbild verstören. Und in einem Moment besonderer Kühnheit rief er zum Mord an ihnen auf, wollte sie kastrieren und empfahl, sie „mit der Axt zu halbieren“. So etwas wie die habe „kein Leben verdient“. Der Song gelangt ins Internet, auf das Videoportal YouTube. Da kündigte ihm Aggro Berlin. Dabei war er nicht einmal der Erste und Einzige, der in diese Kerbe geschlagen hatte; auch Aggro-Kollege Bushido und der Maskenträger Sido haben homophobe Texte in ihrem Repertoire.

G-Hot weiß jetzt, dass es nur wenig echte Freundschaft auf der Welt gibt. Doch er hat einen guten Freund, der ihn nie im Stich lässt. Auch ihm hat er ein Lied geschrieben. Man soll ihn sich groß vorstellen, riesengroß und prall gefüllt mit einer Flüssigkeit, die er loswerden möchte. Das ist halt so. Das muss er einfach. Da führt, bei einem wie ihm, kein Weg dran vorbei.

Jetzt, da ihm ein teurer Prozess droht, ist G-Hot kleinlaut geworden. Es sei nicht so gemeint gewesen, er habe doch eigentlich nur hinweisen wollen auf Vorurteile gegen Schwule. Und er entschuldigte sich offiziell bei allen Homosexuellen, denn die gingen ihm, „Alter, am Arsch vorbei“. Er werde weitermachen und sich von ihnen nicht die Karriere verderben lassen. Und deswegen habe er jetzt ein eigenes Label gegründet. „Suppe inna Puppe“ heißt es und erspart jedes weitere Resümee.

Text: F.A.Z., 26.07.2007, Nr. 171 / Seite 31
Bildmaterial: ddp, dpa, POP-EYE, Pedersen

Quote
Wer?
Steve Schuster (PreSize)
26.07.2007, 13:27
Ist eigentlich G-Hot?

jemand der sich neben Mark Medlock und sonstigen Eintagsfliegen einreihen kann. Oh... das geht ja gar nicht. Vielleicht ist im Mark zu "Mädchenhaft".

Bestimmt gibt es einen Markt für so qualitativ hochwertige Musik, wie die seine. Aber die Kids, die Snuffclips auf ihren Handys haben und sich lyrische Ergüsse wie diese geben, haben eh´schon ihr Weltbild. Und weder Familie, Staat oder Freunde werden diesen Hobby Gangstas den Horizont erweitern können.

Ich höre Hip Hop seit fast 20 Jahren. Ich habe selbst als DJ in den ersten Tagen dieser Musik fungiert. Hip Hop war damals eine Art zu leben, sich auszudrücken und sich mit Themen zu beschäftigen die so nirgend wo anders ausgesprochen wurden. Heute gibt es im Jahr vielleicht 3-5 CD`s die sich lohnen sie anzuhören.

Das was heute als deutscher Hip Hop verkauft wird, langweilt nur. Es ist eine Kopie von Bling Bling und Bla Bla aus den Charts der U.S.A.

Leider gibt es eben einen Markt dafür.

Noch...



Aus: "Homophobie im Hip-Hop: Des Rappers Fluch" Von Thomas Thiel (26. Juli 2007)
Quelle: http://www.faz.net/s/RubE219BC35AB30426197C224F193F54B1B/Doc~EAC2EB57C8A0F4AC4976AB78B6811776C~ATpl~Ecommon~Scontent.html

-.-

Quote
Tarek: Wir überdrehen die Realität extrem. Musik ist Kunst. Dazu gehört Abstraktion.

[...] Maxim: Und dieses Vokabular dient einfach nur der sprachlichen Distanzierung. Dadurch schafft man sich selbst eine Identität, indem man einen härteren Sprachgebrauch hat.

SPIEGEL ONLINE: Haben Sie schon mal überlegt, über andere Themen zu schreiben - jenseits von Sex und Gewalt?

Maxim: Frieden und Liebe? Nee, für mich muss Musik etwas Bewegendes sein.

SPIEGEL ONLINE: Aggression ist bewegender?

Nico: Darin sind wir geschult, das können wir sehr gut. Liebeslieder sind einfach zu 99 Prozent scheiße. Wenn ich eins machen würde, wäre es auch nicht viel besser.

Maxim: Aggro ist außerdem einfacher, weil man sich keine Blöße gibt. Es ist einfacher, erst mal mit Aggressionen fertig zu werden, als sentimental von sich zu sprechen.

Das Interview führte Johannes Gernert


Aus: "PORNO-RAPPER K.I.Z.: "Unsere Freundinnen finden das lustig"" (23. August 2007)
Quelle: http://www.spiegel.de/kultur/musik/0,1518,501390,00.html

« Last Edit: August 23, 2007, 01:13:32 PM by Textaris(txt*bot) »

Offline Textaris(txt*bot)

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[Prince schickt Websheriffs... (Notiz)]
« Reply #44 on: November 08, 2007, 09:32:06 AM »
Quote
[...] Im Auftrag des Künstlers geht das britische Unternehmen Web Sheriff mit Unterlassungsforderungen und der Androhung von Schadensersatz gegen mutmaßliche Rechtsverletzungen im Internet vor und hat dabei die Nutzung von Fotos, Songtexten und Plattencovern auf Fansites im Visier. Das sei aber nicht gegen die Fans gerichtet, erklärte ein Vertreter des Unternehmens gegenüber BBC, vielmehr gebe es einen "Disput" bezüglich zahlreicher Fotos, an denen Prince das Copyright halte. Schließlich sei es dem Künstler überlassen, welche Inhalte der die Leute nutzen lassen wolle.

Die Betreiber dreier Fansites sehen das anders und wollen sich gegen diesen "Angriff auf die Redefreiheit" gemeinsam zur Wehr setzen. Das Copyright der fraglichen Fotos, darunter zahlreiche Handyschnappschüsse, liege in der überwiegenden Mehrheit nicht bei Prince. Zudem seien die Fansites sämtlich privater Natur und verfolgten keine kommerziellen Interessen.

Die Betreiber der drei Fansites sehen sich zudem voll vom Urheberrecht geschützt. Das Gesetz erlaube die Veröffentlichung von Prominenten-Fotos zur Dokumentation von Nachrichten und Angelegenheiten des öffentlichen Interesses, heißt es auf ihrer gemeinsamen Website, die Cover-Abbildungen unterlägen dem Schutz des Fair-Use-Prinzips. Sie hoffen nun, das Prince seine Strategie überdenkt und die Websheriffs zurückpfeift. (vbr/c't)

Quote
7. November 2007 20:21
Für das Recht streiten...
DLC-4775 (mehr als 1000 Beiträge seit 24.09.03)

...einem Künstler huldigen zu dürfen der einem in den Hintern tritt?
Ich würde diesem adelstitelanmaßenden Herren den Gefallen tun - und
eine Kampagne starten ihn aus dem Netz zu tilgen. Mal schauen ob nach
2 Monaten überhaupt noch jemand auf dem Planeten weiß wer er
überhaupt ist :-D

Quote
7. November 2007 20:58
Falsche Reaktion der Fanseiten...
Eigenartig (586 Beiträge seit 20.10.06)

... als Betreiber so einer Seite würde ich sie direkt schliessen und
nur noch einen Text zeigen der erklärt, dass Prince seine Fans
offensichtlich hasst, und die Aufforderung in Zukunft nichts mehr was
von Prince stammt zu kaufen.

Quote
7. November 2007 23:14
Faszinierend...
Marco Gruss, Marco Gruss (425 Beiträge seit 07.07.00)

...wie exakt man schon beim Lesen der Artikelüberschrift den Tenor
des Forums vorhersagen kann...

Quote
8. November 2007 9:17
When Doves Cry fällt Purple Rain ...
soma_summarum (2 Beiträge seit 30.10.07)

[...]

tja, zu Money Don't Matter 2 Night fällt mir so spontan [ ] nichts ein

... hmm ;)



Aus: "Prince schickt Websheriffs gegen Fansites los" (07.11.2007)
Quelle: http://www.heise.de/newsticker/meldung/98626