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Author Topic: [Menschen in Schichten und Klassen... ]  (Read 485336 times)

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[Die Substandard-Bedingungen sind... ]
« Reply #385 on: August 14, 2013, 09:59:56 AM »

Quote
[...] Amygdaleza ist ein grauenhafter Ort. In dem für 800 Menschen konzipierten Lager nahe der griechischen Hauptstadt Athen sind etwa 1700 Flüchtlinge eingepfercht, Unterbringung und Versorgung spotten jeder Beschreibung. Abgeordnete der Grünen Fraktion im EU-Parlament formulierten nach einer Besichtigung im November 2011: „Die Substandard-Bedingungen sind inakzeptable für einen EU-Mitgliedsstaat. Nicht allein sind die Zustände inhuman, unsere Gruppe sah auch Minderjährige ohne Begleitung, die dort eingesperrt waren. (…) Als wir mit irregulären Immigranten sprachen, hörten wir Beschwerden über unzureichende Kontaktmöglichkeiten zu Anwälten, unzureichende Einsicht in ihre eigenen Fälle, ungenügender Zugang zu medizinischer Versorgung, Nahrung und Waschgelegenheiten und mangelhafte Kontaktmöglichkeiten zur Familie und der Außenwelt.“

In der Nacht von vergangenem Samstag auf Sonntag begannen nun inhaftierte Flüchtlinge zu rebellieren. Unmittelbarer Anlass war offenbar die Verlängerung der möglichen Dauer der Abschiebehaft von 12 auf 18 Monate. Einige der Flüchtlinge zündeten Matratzen und Müll an, gegen die anrückende Polizei verteidigten sie sich mit Steinen und Flaschen.

Aktivisten aus Athen erklärten gegenüber Hintergrund, die Polizei sei mit Tränengas und Schlagstöcken brutal gegen die protestierenden Flüchtlinge vorgegangen, es soll mehrere Verletzte gegeben haben, in welchem Zustand sie sich befinden, ist unklar. Medienberichten zufolge sollen außerdem zehn Polizisten verletzt worden sein.

...

 http://www.gruene-europa.de/amygdaleza-the-five-star-detention-centre-8705.html
 http://ekathimerini.com/4dcgi/_w_articles_wsite1_1_12/08/2013_513725
 http://www.proasyl.de/de/news/detail/news/griechenland_gigantische_saeuberungsaktion_gegen_fluechtlinge/


Aus: "Griechenland: Flüchtlingsaufstand in Amygdaleza" THOMAS EIPELDAUER (12. August 2013)
Quelle: http://www.hintergrund.de/201308122754/politik/politik-eu/griechenland-fluechtlingsaufstand-in-amygdaleza.html
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[Wenn man nichts von Wein verstand... ]
« Reply #386 on: August 20, 2013, 10:50:48 PM »

Quote
[...]  ... Tatsächlich aber beherbergt Basel die älteste, geheimnisvollste und wohl einflussreichste Finanzinstitution der Welt: die Bank für Internationalen Zahlungsausgleich (BIZ). Wenn man überhaupt einmal von ihr gehört hat, dann meist mit dem ehrfurchtgebietenden Zusatz "Zentralbank der Zentralbanken". Doch selbst dies wird ihrer Bedeutung nicht gerecht. In ihren Mauern tagt der wohl mächtigste Klub der Welt. Seine 18 Mitglieder sind von niemandem gewählt und auch niemandem rechenschaftspflichtig. Doch was sie hier alle zwei Monate besprechen, beeinflusst das Schicksal von Milliarden Menschen.

Nicht schlecht für eine Bank wie die BIZ, die mit nur 120 Kunden und zwei Zweigstellen ein Eigenkapital von 28 Milliarden Dollar und einen Jahresgewinn von 1,17 Milliarden Dollar vorweisen kann. Nicht schlecht auch für eine Organisation, die vor 83 Jahren aus der Erbmasse des Ersten Weltkrieges hervorging, im Zweiten Weltkrieg den Holocaust und die Kriegsmaschine der Nazis finanzierte und nach dem Krieg die Einführung einer europäischen Einheitswährung zu einer Zeit vorantrieb, als Politiker dies als Hirngespinst verwarfen.

... Ihre Gebäude sind bis heute ebenso unantastbar wie ihre Einlagen und Guthaben, ihre Mitarbeiter genießen Steuerfreiheit und diplomatische Immunität. LeBor nennt die BIZ "eines der weltweit wirksamsten Instrumente von soft power". Diese weiche Macht kommt jeden zweiten Monat zum Einsatz, wenn Notenbankpräsidenten aus der ganzen Welt zum Jour fixe nach Basel kommen. Die Sitzung beginnt Sonntagabend im Konferenzraum E des BIZ-Towers. Dann ziehen sich die Chefs allein zu einem exquisiten Dinner zurück. Dieser innerste Zirkel besteht aus den 18 mächtigsten Notenbankern: Mario Draghi von der EZB gehört dazu, Ben Bernanke aus Washington, Jens Weidmann von der Bundesbank, der Chinese Zhou Xiaochuan, Mark Carney von der Bank of England.

... Mervyn King, der frühere Chef der Bank of England, bezeichnete diese Treffen als eigentliche Raison d'être der BIZ: "Imstande zu sein, informell und offen miteinander zu reden, war immer ungeheuer wertvoll", sagte er dem Autor. "Wir können sagen, was wir wirklich denken, wir können Fragen stellen und von anderen profitieren." Bodenständiger beschrieb Péter Ákos Bod, Ex-Chef der ungarischen Nationalbank, die Treffen. "Hauptthemen waren die Qualität des Weins und die Dummheit der Finanzminister. Wenn man nichts von Wein verstand, konnte man am Gespräch gar nicht teilnehmen." An die fragwürdige Vergangenheit der Institution erinnert bei diesen Anlässen nichts.

...


Aus: "Bank für Internationalen Zahlungsausgleich - Einblicke in die geheimnisvollste Bank der Welt" Wolfgang Koydl (20. August 2013)
Quelle: http://www.sueddeutsche.de/wirtschaft/bank-fuer-internationalen-zahlungsausgleich-einblicke-in-die-geheimnisvollste-bank-der-welt-1.1750087

http://www.adamlebor.com/books/tower_of_basel/

Book TV: Adam LeBor, "Tower of Basel" (09.07.2013)
http://www.youtube.com/watch?v=JHtSmg9Ixgs

Bank für Internationalen Zahlungsausgleich
http://de.wikipedia.org/wiki/Bank_f%C3%BCr_Internationalen_Zahlungsausgleich

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[So geht diese Logik... ]
« Reply #387 on: August 27, 2013, 07:19:36 AM »

Quote
[...] Wenn man sich die Weltkarte ansieht, wäre zum Beispiel eine stabile Türkei wünschenswert. Und war nicht Tunesiens Diktator Ben Ali ein Verbündeter des Westens im Kampf gegen den Terrorismus? Jetzt hingegen machen tunesische Dschihadisten die arabische Welt unsicher. Unter Gaddafi wiederum war Libyen wenigstens kein Hinterland für Al-Kaida wie jetzt. Sogar Syriens Assad – übel, nun ja, aber man wusste immerhin, woran man mit ihm war. So geht diese Logik. Sie ist die Basis des polizeistaatlichen Denkens. Der Zweck heiligt die Mittel. Diese Logik bestimmte Europas Politik noch zu Beginn des Arabischen Frühlings; zu dessen zivilisatorischen Wirkungen gehört, dass Europa sie weitgehend abgelegt hat.

... da gibt es ein Wort, das taucht auf Demonstrationen und Kundgebungen allenthalben auf und bringt es auf den Punkt: Würde. Es ist unwürdig, alles hinnehmen zu sollen.

...

Quote
    ahlibaba2
    20.06.2013 um 17:12 Uhr

Journalisten mit Wendehalsattitüde sind nicht ernst zu nehmen.

Gestern noch waren die Demonstranten alle Radikale, Extremisten, Ewig Gestrige, Unbelehrbare, bolschewistische Ideologen, Terroristen, Kommunisten etcpp. ...

Heute, 6 Jahre nach Ausbruch der Krise, 8 Jahre nach der den Deutschen heilgsten Agenda, findet die große Neuausrichtung der Diskurse statt. Jetzt sind die Radikalen plötzlich junge Menschen, die sich gegen Willkür wehren und die für ihre Würde kämpfen.

Werte Journalisten, entscheidet euch und begründet euren ideological turn! Es kann ja wohl nicht sein, dass hier ein ganzer Berufszweig scheinbar die Fahne nach dem Wind ausrichtet. Wir, die Protestierenden, haben eure Schmähungen jahrelang ertragen und wollen uns nicht von euch unsere Emanzipation ausdeuten lassen.

Erst neoliberal sein und Verarmung und totale Flexibilität wollen, sich dann aber plötzlich auf die Seite der Indignados schlagen. Das geht, pardon, auf keine Kuhhaut. Wenn hier schon neue Zeiten gesehen werden, lasst wenigstens andere Leute darüber nachdenken und schreiben als die, von denen jahrelang eine Heroisierung des total entfesselten Humankapitals betrieben wurde.


Quote
    Der_Consigliere
    20.06.2013 um 17:40 Uhr

... Die Millionen HartzIVler, Aufstocker, Leiharbeiter, Minijobber, Praktikanten, Werkvertragsarbeiter, etc. sehen sich aber nicht als EINE Interessengruppe. Im Gegenteil. Der Aufstocker verachtet den Arbeitslosen, weil der ohne Arbeit in etwa so viel bekommt, wie er selbst. Der Leiharbeiter hält den noch schlimmer gestellten Werklohnarbeiter für einen unterpreviligierten Konkurrenten um den Stammbelegschaftsplatz, den im Endeffekt beide nicht bekommen. Die Praktikanten hoffen auf die Festanstellung, wie der Esel auf die vor ihm baumelnde Möhre, und beißen jeden weg, der ihnen in die Quere kommen könnte. ...
Und so kommt es, daß diese Menschen nicht "nach oben rebellieren", weil sie viel zu sehr damit beschäftigt sind, "nach unten zu treten".
Für meinen Geschmack Ergebnis subtiler, aber durchaus gezielter Entsolidarisierungs- und Verblödungskampagnen.



Aus: "Die Revolution der Würde" Gero von Randow (20.06.2013)
Quelle: http://www.zeit.de/2013/26/proteste-globales-erwachen/

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[Ein Mosaikbild... ]
« Reply #388 on: September 24, 2013, 09:54:40 AM »

Quote
[...]  je höher man in die Regionen des Superreichtums aufsteigt, umso verbissener ist die Bereitschaft, das bestehende ökonomische System zu verteidigen. Auch Freeland kann sich von diesem Einfluss der "thought leadership", der Macht der kognitiven Geiselnahme nicht ganz befreien. Und Akademiker können "in Gebieten, die von der Superelite geschätzt werden, ihr Einkommen vervielfachen, indem sie für sie als Berater tätig werden oder exklusive Vorträge für sie halten".

An den Anfang ihres Schlusskapitels stellt Freeland ein bekanntes Zitat des früheren Richters (1916-1938) am Obersten Gerichtshof der Vereinigten Staaten, Louis Brandeis: "Wir mögen Demokratie haben oder Reichtum in den Händen der wenigen, aber wir können nicht beides haben." Freelands Buch vereint hellwache journalistische Beobachtungen mit einer Distanz zum eigenen System. Die vielen Details und Geschichten ergeben ein Mosaikbild der "plutokratischen Globalisierung", auch wenn es manchmal an historischer und soziologischer Tiefe mangelt. Aber insgesamt weiß sie besser als viele andere Reichtums-Autoren (und es werden immer mehr), wovon sie spricht. Und sie ergreift in dieser globalen Revolution, die keine Revolution der Revolutionäre ist, ganz bewusst nicht Partei. Sie bleibt im bestmöglichen Sinne liberal. Deshalb können sowohl die Apologeten des Kapitalismus als auch seine schärfsten Kritiker aus dieser "tour de force" etwas lernen. Das Buch ist ein Muss.


Aus: "Die neuen Superreichen" Hans-Jürgen Krysmanski (24.09.2013 )
Quelle: http://www.heise.de/tp/artikel/39/39961/1.html

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[Nach Schätzungen... ]
« Reply #389 on: October 03, 2013, 01:15:09 PM »

Quote
[...] Insgesamt wurden seit Jahresbeginn in Italien mehr als 22.000 Bootsflüchtlinge gezählt. Dies sind dreimal mehr als im gesamten Jahr 2012. Von 1999 bis 2012 kamen mehr als 200.000 Menschen auf Lampedusa an. Nach Schätzungen kamen in den vergangenen 25 Jahren rund 19.000 Flüchtlinge bei der oft gefährlichen Überfahrt ums Leben.

...


Aus: "Drama im Mittelmeer: Dutzende Flüchtlinge ertrinken vor Lampedusa" (03.10.2013)
Quelle: http://www.spiegel.de/politik/ausland/lampedusa-dutzende-fluechtlinge-ertrinken-vor-mittelmeerinsel-a-925941.html

Quote
[...] Nach dem Flüchtlingsdrama vor der italienischen Insel Lampedusa hat die Küstenwache weitere Tote entdeckt. Die Nachrichtenagentur Ansa meldete, dass Taucher in und neben dem gekenterten Flüchtlingsboot etwa 40 weitere Leichen entdeckt haben. Damit steigt die Zahl der Toten auf mindestens 133. Das gekenterte Schiff soll in etwa 40 Meter Tiefe vor der Nachbarinsel Isola dei Conigli im Mittelmeer liegen.

An Bord des am frühen Morgen vor der italienischen Küste gekenterten Bootes waren rund 500 Flüchtlinge, vor allem aus Somalia und Eritrea. Etwa 155 von ihnen konnten gerettet werden. Damit bleiben mehr als 200 Menschen vermisst.

... Der UN-Flüchtlingsbeauftragte António Guterres sagte, er sei schockiert über die steigende Zahl von Flüchtlingen, die im Meer ihr Leben verlören. Wegen des guten Wetters versuchen zur Zeit besonders viele Menschen aus Afrika, in kaum seetauglichen Booten Europa zu erreichen. Insgesamt wurden seit Jahresbeginn in Italien mehr als 22.000 Bootsflüchtlinge gezählt – drei mal mehr als im gesamten Jahr 2012.

...


Aus: "Zahl der toten Flüchtlinge steigt auf mehr als hundert" (3. Oktober 2013)
Quelle: http://www.zeit.de/gesellschaft/zeitgeschehen/2013-10/lampedusa-bootsunglueck-tote

-.-

Quote
[...] Vor der italienischen Insel Lampedusa haben Rettungskräfte weitere 83 Tote aus dem im Mittelmeer gesunkenen Flüchtlingsschiff geborgen. Die Anzahl der Toten stieg damit auf knapp 200. Die Einsatzkräfte rechnen mit weiteren Toten. An Bord des gekenterten Schiffs sollen 450 bis 500 afrikanische Flüchtlinge gewesen sein.

155 Menschen haben das Unglück überlebt. Gegen sie soll wegen illegaler Einwanderung ermittelt werden. Ihnen drohen Geldstrafen von bis zu 5.000 Euro. Das Schiff war am Donnerstag vor Lampedusa in Flammen aufgegangen und gekentert. Das Wrack liegt in etwa 40 Meter Tiefe.

...


Aus: "Weitere Tote vor Lampedusa geborgen" (7. Oktober 2013)
Quelle: http://www.zeit.de/politik/ausland/2013-10/lampedusa-fluechtlingspolitik-eu

« Last Edit: October 07, 2013, 10:45:44 AM by Textaris(txt*bot) »
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[Die Frage der freien Entscheidung... ]
« Reply #390 on: October 07, 2013, 11:09:41 AM »

Quote
[...] Anand – Die Britin Rekha P. wiegt selig ihre neugeborene Tochter in der Neugeborenen-Station der Akanksha Klinik. Sie und ihr Mann Daniel sind in der Klinik im nordwestlichen Indien im Bundesstaat Gujarat gelandet, weil sie auf natürlichem Weg kein Kind bekommen konnten. Der letzte Ausweg für sie schien eine Leihmutterschaft.

Die Geschichte der 42-Jährigen ist das perfekte Werbebild für Indiens boomende Leihmutterschaftsindustrie, die im letzten Jahrzehnt tausende unfruchtbare Paare meist aus dem Ausland zu einem eigenen Kind verholfen hat. Dank günstiger Technologie, geschulten Ärztinnen und Ärzten, einer kaum vorhandenen Bürokratie und einem großes Pool an potentiellen Leihmüttern hat sich das Land zur bevorzugten Destination für FertilitätstouristInnen gemacht. Diese kommen vorwiegend aus Großbritannien, den USA, Australien und Japan.

Doch seit längerem regt sich in Indien auch Unmut über die Entwicklung. Vor allem Frauenrechtsgruppen brandmarken die einschlägigen Kliniken als "Babyfabriken" für Reiche. Aufgrund der mangelnden Rechtslage sei es möglich, dass arme und oftmals unwissende Frauen von Agenturen angeheuert werden, ohne alle Details des Vertrags zu verstehen, den sie unterzeichnen.

... Für die 33-jährige Naina, die die kleine Charlotte mittels Kaiserschnitt zur Welt gebracht hat, überwiegt das Geld über die Nachteile einer bestellten Schwangerschaft. Sie selbst hat drei eigene Töchter und ihr Mann ist Auto-Rikscha-Fahrer. Die Frage der freien Entscheidung ist allerdings auch hier nicht leicht zu beantworten: "Ich habe mich gefreut, es tun zu können, aber letztlich hatte ich keine Wahl: wir brauchten das Geld." (Reuters/red, dieStandard.at, 6.10.2013)


Aus: "Indien will mehr Kontrolle über boomende Leihmutterschaft" (6. Oktober 2013)
Quelle: http://diestandard.at/1379293080185/Indien-will-mehr-Kontrolle-ueber-boomende-Leihmutterschaft

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[Hintergrund ist... ]
« Reply #391 on: October 07, 2013, 11:13:59 AM »

Quote
[...] Laut dem deutschen Nachrichtenmagazin Spiegel fördern nun die internen Prüfungen Details über die Geschäftsmethoden der Bank zutage, die wenig appetitlich gewesen sein sollen. Demnach unterhielten mehr als tausend Kunden jahrelang Konten bei dem Institut, obwohl ihnen dies nach den Regeln der Bank gar nicht erlaubt gewesen sein soll. Auf diesen Konten befanden sich bis Sommer 2013 insgesamt mehr als 300 Millionen Euro. Vatikanbank-Insider gehen davon aus, dass es sich dabei "zum allergrößten Teil" um Schwarzgeld handelt, so der Spiegel.

Hintergrund ist laut dem Magazinbericht, dass die Bank laut Satzung nur einem ganz kleinen Kundenkreis offensteht: katholischen Geistlichen, Angestellten und Pensionären des Vatikans und seiner Institutionen, katholischen Organisationen und wohltätigen Stiftungen. Die nun entdeckten Kontoinhaber gehören keiner dieser Kategorien an: Es handelt sich um Privatleute.

Als Kontoinhaber bei der Vatikanbank profitierten diese Personen über Jahre von der Tatsache, dass es dort keine Steuern gab, die sie auf ihr Vermögen oder ihre Zinseinkünfte hätten abführen müssen. Außerdem ist Geldwäsche im Vatikan überhaupt erst seit dem Jahr 2011 verboten. (red, derStandard.at, 6.10.2013)

...


Aus: "Privatkunden horten Millionen in Vatikanbank" (6. Oktober 2013)
Quelle: http://derstandard.at/1379293203359/Vatikanbank-Privatkunden-horten-Millionen

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[Die Begeisterung wächst... ]
« Reply #392 on: October 15, 2013, 02:45:10 PM »

Quote
[...] König Edward VII. hatte eins, Prinz Albert von Sachsen-Coburg und Gotha, genauso wie Zar Nikolaus II. und Prinzessin Marie von Orléans. Königin Victoria soll sogar Tiger und Python an intimen Stellen des Körpers getragen haben - wer glaubt, das Tattoo sei ein Massenphänomen der Gegenwart, ausgelöst von ganzkörperverzierten Fußballern und Musikern, der irrt.

Die Begeisterung wächst zwar seit Jahren - mehr als ein Viertel der deutschen Männer und Frauen zwischen 25 und 34 Jahren sind schon tätowiert -, doch gegenüber der Tätowierfreude im 19. Jahrhundert ist das geradezu noch zurückhaltend. 1897 soll die Zahl der tätowierten Frauen in der New Yorker Oberschicht bei 75 Prozent gelegen haben. Angehörige nahezu aller europäischen Fürstenhäuser waren tätowiert. Die Regenbogenpresse belegt das ausführlich. Wer es sich leisten konnte, lud gleich einen japanischen Tätowiermeister zu sich nach Hause.

Auch wenn es sich heute nicht mehr zwangsläufig um ewige Zeichen auf der Haut handelt und die Dermatologen wohl bald mit dem Entfernen von Ganzarmtattoos beginnen werden, lohnt gerade jetzt ein Blick auf die Kulturgeschichte des Tattoos. Denn was im Westen oft als Wunsch nach Individualität, nach dem Herausstechen aus der Masse interpretiert wird, ist in anderen Kulturkreisen genau das Gegenteil: Zeichen von Gruppenzugehörigkeit.

...


Aus: "Das Tattoo - ein Phänomen der Oberschicht" (15. Oktober 2013)
Quelle: http://www.sueddeutsche.de/kultur/koerperkunst-im-wandel-der-zeit-das-tattoo-ein-phaenomen-der-oberschicht-1.1794767

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[53,3 Prozent befinden sich in Streubesitz... ]
« Reply #393 on: October 15, 2013, 05:18:11 PM »

Quote
[...] Die Christdemokraten erhalten kurz nach der Bundestagswahl drei Spenden von insgesamt 690.000 Euro von der Familie Quandt. ... Die BMW-Anteilseigner Johanna Quandt und ihre Kinder Stefan Quandt und Susanne Klatten haben der Partei am 9. Oktober je 230.000 Euro gespendet. Die Bundestagsverwaltung veröffentlichte die Spende knapp eine Woche später auf ihrer Website. Die CDU bestätigt die Zahlungen.

Stefan Quandt hält 17,4 Prozent der BMW-Anteile, Mutter Johanna 16,7 Prozent und Susanne Klatten 12,6 Prozent. Die verbleibenden 53,3 Prozent befinden sich in Streubesitz.

...


Aus: "Parteienfinanzierung: CDU erhält Riesenspende von BMW-Großaktionären" (15.10.2013)
Quelle: http://www.spiegel.de/politik/deutschland/union-erhaelt-riesenspende-von-bmw-eignern-klatten-und-quandt-a-927871.html

Quote
RIESENspende ?
farview heute, 11:28 Uhr
690.000 Euro sind für die Quandts vermutlich so viel wie 6,90 Euro bei einem Durchschnittsverdiener. Und das ist noch hoch gegriffen.


http://forum.spiegel.de/f22/parteienfinanzierung-cdu-erhaelt-riesen-spende-von-bmw-grossaktionaeren-103267.html#post13989383

-.-

Quandt ist der Name einer deutschen Industriellenfamilie. Das heutige Vermögen der Familie wird auf 20 Milliarden Euro geschätzt. Die Mitglieder der Familie zählen zu den reichsten Menschen Deutschlands und gelten als öffentlichkeitsscheu. ...
https://de.wikipedia.org/wiki/Quandt_%28Familie%29

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[Die meisten ignorierten... ]
« Reply #394 on: October 17, 2013, 01:01:24 PM »

Quote
[...] Der Erste Bürgermeister der Freien und Hansestadt Hamburg, Olaf Scholz (SPD), sowie Innensenator Michael Neumann (SPD) haben mehrfach klar gemacht, dass es kein Bleiberecht für die als "Lampedusa in Hamburg" bekannte Flüchtlingsgruppe geben wird. Nun soll im Rahmen der "Operation Lampedusa" deren Identität festgestellt und so letztendlich die Abschiebung vorbereitet werden.

... Seit April 2013 leben ca. 300 Flüchtlinge afrikanischen Ursprungs obdachlos in Hamburg, die in Libyen ihre zweite Heimat gefunden hatten und durch den Krieg dort vertrieben wurden (Lampedusa in Hamburg: http://www.heise.de/tp/artikel/39/39351/1.html). Etwa ein Drittel von ihnen fand Aufnahme in der St. Pauli Kirche, in Wohnprojekten oder Kulturzentren. Sie organisierten sich, protestieren gegen Krieg und Vertreibung und fordern ein Bleiberecht. Mittlerweile sind sie nicht mehr nur die "armen Opfer", sondern aktiver Teil des politischen, kulturellen und sportlichen Lebens in St. Pauli und darüber hinaus. So gibt es gemeinsame Projekte mit dem FC St. Pauli, mit der Hafenstraße, mit Künstlerinnen und Künstlern, mit Studentinnen und Studenten sowie Gewerkschaftsgruppen.

...


Aus: "Hamburg: SPD-Senat im Law-and-Order-Rausch" Birgit Gärtner (16.10.2013)
Quelle: http://www.heise.de/tp/blogs/8/155149

-.-

Quote
[...] Die meisten ignorierten die Hungerstreikenden demonstrativ. Doch manche konnten sich nicht verkneifen in Richtung der Geflüchteten "Alle abschieben", oder "Für die müssen wir zahlen, wenn die krank werden" zu rufen.
... Die durch die vielen Toten vor Lampedusa ausgelöste Debatte um eine Änderung der Flüchtlingsgesetzgebung stößt aus der Mitte der Gesellschaft auf massive Abwehr. Da sehen sich Bundesregierung und speziell der Bundesinnenminister mit ihrer harten Haltung im Einklang mit einer gesellschaftlichen Mehrheit.

... Dieser parteiübergreifende Konsens, weitere Flüchtlinge abzuwehren, zeigt sich auch im SPD-regierten Hamburg, wo eine Gruppe afrikanischer Refugees, die über Monate mit vielen Aktionen auf sich aufmerksam machten, abgeschoben werden soll.

... Schon seit Monaten versucht eine Initiative unter dem programmatischen Titel "Die letzte Meile laufen wir" deutlich zu machen, dass der Kampf gegen Residenzpflicht und für die Rechte der Flüchtlinge eine Frage der Mehrheitsgesellschaft und nicht nur der Betroffenen ist. Die jetzige Zuspitzung des Kampfes der Geflüchteten ist auch eine Folge dieser begrenzten Unterstützung. Es gibt in allen Städten solidarische Menschen, aber ihre Anzahl und ihre Kapazitäten sind begrenzt.

Die Worte der Flüchtlinge, die im letzten Jahr ihren Kampf mit viel Enthusiasmus begonnen haben, sind düster geworden: "Die Regierung wird unsere Stimmen hören müssen, oder es zeichnet sich ein neues dunkles Kapitel der Geschichte dieses Systems ab. Im Herzen Europas, Berlin."

...

Quote
17. Oktober 2013 02:34
Es ist nie eine gute Idee ...
Herr Troll

...ein Volk, bei dem man als Flüchtling unterkriechen will, als
moralisch verkommen hinzustellen und damit die Aufnahme erzwingen zu
wollen.

Wobei ich gar nicht glaube, dass diese dreiste Haltung die der
Flüchtlinge ist : Sie werden instrumentalisiert von ihren "Helfern",
die mit dem Hungerstreik, zu dem sie ihre Schützlinge eingeteilt
haben, es den Deutschen mal wieder so richtig eintränken wollen.

Dennoch gilt:
Wer "Arschloch" zu mir sagt, hat in meinem Haus nichts verloren.
So einfach ist das.

Quote
17. Oktober 2013 04:03
Re: In deinem Haus?
rand0m1z3r

Nobody1 schrieb am 17. Oktober 2013 03:55

> > Das hier ist weder dein Haus noch sonst irgendwas, worauf du irgend ein Recht
> > hättest.
>
> Richtig, es ist mein Haus.

http://www.heise.de/tp/blogs/foren/S-Es-ist-nie-eine-gute-Idee/forum-267475/msg-24256513/read/



Quote
17. Oktober 2013 08:36
Die Mitte der Gesellschaft besteht aus egoistischen Nazis.
D'Spayre

Die würden doch eher tausende verrecken lassen als zu riskieren auch
nur 100 Euro von ihrem Hungerlohn einzubüssen. Das neue iPhone ist
tausendmal wichtiger als jedes Menschenleben!

Divide et impera par excellence. Die Ausgebeuteten hier lassen sich
gegen die Ausgebeuteten der Welt aufhetzen, in der Hoffnung auf
weitere Brotkrumen vom Tisch der Reichen und Mächtigen.

Das Herz Deutschlands verrottet und stinkt und die deutsche
Bevölkerung besteht aus den gleichen teilnahmslosen und egoistischen
Kleinbürgern, die den Holocaust erfolgreich ignoriert haben.


http://www.heise.de/tp/blogs/foren/S-Die-Mitte-der-Gesellschaft-besteht-aus-egoistischen-Nazis/forum-267475/msg-24256817/read/


Aus: "Zuspitzung im Hunger- und Durststreik vor dem Brandenburger Tor" Peter Nowak (17.10.2013)
Quelle: http://www.heise.de/tp/blogs/8/155150

« Last Edit: October 17, 2013, 01:05:26 PM by Textaris(txt*bot) »
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[Im Lauf dieser Untersuchung... ]
« Reply #395 on: November 06, 2013, 09:53:51 AM »

Quote
[...] Die HVB mit Sitz in München ermittelt schon seit längerem intern wegen verdächtiger Dividendentricks und hat bereits Rückstellungen von 200 Millionen Euro gebildet. Im Lauf dieser Untersuchung soll ein HVB-Beschäftigter laut "SZ" ausgesagt haben, bei solchen Geschäften mit einem großen Kunden der Hypo-Vereinsbank sei es um eine "doppelte Steuergutschrift" gegangen. Ziel der Deals sei es demnach gewesen, eine Gesetzeslücke so auszunutzen, dass der Staat eine nur einmal abgeführte Kapitalertragsteuer doppelt erstatte. So habe es ein mit diesen Geschäften befasster Steuerexperte bei einer Besprechung in der HVB erklärt, schreibt die Zeitung.

In dem Bericht heißt es, der HVB-Beschäftigte habe den Ermittlern gesagt, es sei intern klar gewesen, dass man Geschäfte auf Kosten des deutschen Staates mache. Es wäre das erste Mal, dass ein an solchen Geschäften beteiligter Banker offen zugibt, dass der Fiskus ausgenommen wurde. Bei den internen Ermittlungen der HVB kam heraus, dass die mutmaßlichen Steuerschummeleien mindestens in den Jahren 2006 bis 2008 stattgefunden haben. Die Generalstaatsanwaltschaft Frankfurt ermittelt deshalb gegen frühere und heutige HVB-Angestellte sowie laut "SZ" gegen einen weiteren Verdächtigen wegen schwerer Steuerhinterziehung.

Weiter heißt es in dem Bericht, dass solche Aktiengeschäfte zu Lasten der Steuerzahler erst seit vergangenem Jahr technisch nicht mehr möglich seien, weil es neue gesetzliche Vorgaben gebe. Insgesamt sollen die deutschen Behörden neben der HVB mehr als 40 Fälle untersuchen.

Quote
Was heißt
Kottan heute, 08:18 Uhr
Weiter heißt es in dem Bericht, dass solche Aktiengeschäfte zu Lasten der Steuerzahler erst seit vergangenem Jahr technisch nicht mehr möglich seien, weil es neue gesetzliche Vorgaben gebe. Was heißt "technisch nicht mehr möglich"? Steuerbetrug war und bleibt immer "technisch möglich". Entscheidend ist, ob er gesetzlich abgesegnet war. Wer zur Hölle hat denn diese Gesetze erlassen und gebilligt bzw. nicht früher geändert oder korrigiert? Wer hat diese Betrügerei wann legalisiert? Und wer außer den Banken hat davon profitiert. Das muss hinterfragt werden.

http://forum.spiegel.de/f22/geldkonzerne-unter-verdacht-banken-sollen-deutschen-staat-um-milliarden-betrogen-hab-105222-3.html#post14166587


Quote
Da ist das Geld das die Gesellschaft benötigt
wortfeil25 heute, 08:31 Uhr
Da werden immer die Jungen gegen die alten aufgehetzt - hier sehen wir, dass es kein Problem der Demographie gibt sondern ein Problem der sozialen Moral! In einer automatisierten Gesellschaft wird nicht mehr alles von Menschenhand erwirtschaftet - sondern Maschinen von Menschenhirn entwickelt erwirtschaften Werte. Diese Werte gehören dann aber auch zum Großteil der Gesellschaft und nicht einer kriminellen, mafiösen Gruppe, die dann das "steueroptimierte" Geld noch ins Ausland verbringt und dann wieder gewaschen neu anlegt.

http://forum.spiegel.de/f22/geldkonzerne-unter-verdacht-banken-sollen-deutschen-staat-um-milliarden-betrogen-hab-105222-3.html#post14166690


Quote
Schmarotzer
Wunderläufer heute, 08:40 Uhr
Worum geht es denn nun wirklich? Laut Artikel wird eine bestehende Gesetzeslücke ausgenutzt. Diese Lücke kann durchaus das Werk emsiger Lobbyisten sein, die dies bewusst so konstruiert haben. Wer eine solche Lücke ausnutzt ist nicht unbedingt kriminell, auf jeden Fall jedoch asozial; denn wenn der Fiskus betrogen wird, handelt es sich im Endeffekt um den einzelnen Steuerzahler. Das sind die wahren Schmarotzer des Systems

http://forum.spiegel.de/f22/geldkonzerne-unter-verdacht-banken-sollen-deutschen-staat-um-milliarden-betrogen-hab-105222-4.html#post14166759


Quote
BILD strikes back
fam.weber11 heute, 08:44 Uhr
Wahrscheinlich startet BILD alsbald eine neuerliche Kampagne zu HARTZ 4-Empfängern, die durch perfide und mit hoher krimineller Energie betriebene Tricksereien die Gutgläubigkeit, ja sogar vielleicht Naivität des deutschen Gesetzgebers ohne moralische Skrupel zu ihren Gunsten ausnutzen. Sie sind die wahren Ausbeuter der Volksgemeinschaft.

http://forum.spiegel.de/f22/geldkonzerne-unter-verdacht-banken-sollen-deutschen-staat-um-milliarden-betrogen-hab-105222-4.html#post14166781



Aus: "Geldkonzerne unter Verdacht: Banken sollen deutschen Staat um Milliarden betrogen haben" (06.11.2013)
Quelle: http://www.spiegel.de/wirtschaft/unternehmen/banken-sollen-deutschen-staat-um-milliarden-betrogen-haben-a-932026.html

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[Die Zusammensetzung... ]
« Reply #396 on: December 12, 2013, 01:39:12 PM »

Quote
[...] Die Zusammensetzung des Parlaments ist überdies nicht repräsentativ für die Bevölkerungsschichten, denn zu den Nichtwählern gehören vor allem die Menschen aus den unteren Schichten, wie nun die Bertelsmann-Studie Prekäre Wahlen -Milieus und soziale Selektivität der Wahlbeteiligung bei der Bundestagswahl 2013 bestätigt.

Das Parlament wird von Abgeordneten beherrscht, die aus den oberen sozialen Schichten, also aus denen kommen, die höhere Einkommen haben. Mit sinkender Wahlbeteiligung und steigender Kluft zwischen Arm und Reich verschieben sich die parlamentarischen Machtverhältnisse zugunsten der reicheren Schichten, denen es natürlich auch um den Erhalt ihres Wohlstands geht, während die Interessen der unteren Schichten zu kurz kommen, weil deren Mitglieder sich selbst von demokratischen Prozessen abklemmen und damit ihren Verliererstatus gewissermaßen bekräftigen.

"Sozial prekär" nennen die Autoren der Studie die Bundestagswahl: "Das soziale Gefälle in der Wahlbeteiligung war enorm: die Differenz zwischen den Stimmbezirken mit der jeweils höchsten und niedrigsten Wahlbeteiligung lag bei 29,5 Prozentpunkten." Analysiert wurde von Armin Schäfer vom Max-Planck-Institut für Gesellschaftsforschung und dem Meinungsforschungsinstitut infratest-dimap die Wahlbeteiligung in 28 Großstädten und 640 Stimmbezirken, die für Deutschland repräsentativ sind. Je ärmer die Bevölkerung eines Stadtteils oder Stimmbezirks ist, desto weniger nimmt sie an den Wahlen teil.  ...


Aus: "Demokratie der Besserverdienenden"  Florian Rötzer (12.12.2013)
Quelle: http://www.heise.de/tp/artikel/40/40551/1.html

http://www.wahlbeteiligung2013.de/
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[Das Ressort wird... ]
« Reply #397 on: January 02, 2014, 05:32:22 PM »

Quote
[...] Ronald Pofalla soll ein neues Ressort bekommen – dieses Mal aber bei der Deutschen Bahn AG. Wie die Saarbrücker Zeitung unter Berufung auf gut unterrichtete Kreise meldet, wird der bisherige Kanzleramtsminister und enge Vertraute von Bundeskanzlerin Angela Merkel Teil des Vorstands der Deutschen Bahn.

Der 54-Jährige CDU-Politiker soll sich dort um die langfristige Unternehmensstrategie und Kontakte zur Politik kümmern. Das Ressort wird demnach extra für ihn geschaffen. Laut der Zeitung soll Pofalla ein jährliches Gehalt von 1,3 bis 1,8  Millionen Euro bekommen. Die Deutsche Bahn wollte sich auf Nachfrage nicht zu Spekulationen über Personalfragen äußern. In dem Bericht heißt es, der Aufsichtsrat werde sich wohl im März mit der Personalie befassen.

Pofalla hatte erst vor wenigen Wochen bekannt gegeben, dass er seine politische Karriere beendet. Er wolle im neuen Jahr mehr Zeit für sein Privatleben haben, so seine Begründung. Schon damals war über einen neuen Posten in der Wirtschaft spekuliert worden.


Quote
meeresfarbe, 02.01.2014
... War Pofalla nicht derjenige, der im Sommer die NSA-Affäre für nichtig und beendet erklärt hatte?

http://www.zeit.de/politik/deutschland/2014-01/pofalla-vorstand-deutsche-bahn?commentstart=65#cid-3264664

Quote
Nach Bekanntwerden der Überwachungs- und Spionageaffäre 2013 wurden zunächst keinerlei Stellungnahmen Pofallas öffentlich, obwohl diese in den unmittelbaren Aufgabenbereich Pofallas als den für den Bundesnachrichtendienst und für die Geheimdienstkoordination zuständigen Chef des Bundeskanzleramts fiel.[19][20] In einem Interview mit der Zeit verwies Angela Merkel explizit auf die Zuständigkeit Pofallas.[21] Später erklärte er ungeachtet neuer Enthüllungen, dass alle gegen die beteiligten Geheimdienste erhobenen Vorwürfe „vom Tisch“ seien und es „keine millionenfache Grundrechtsverletzung“ in Deutschland gegeben habe.[22] Vielmehr hätten ihm die beteiligten Geheimdienste schriftlich zugesichert sich an deutsches Recht zu halten.[23] Diese Äußerungen wurden vielfach mit Häme kommentiert und entwickelten sich zu einem Internet-Phänomen.[24] So wurde beim Internetdienst Tumblr ein Blog unter dem Titel „Pofalla beendet Dinge“ eingerichtet, welches ihm ähnliche Aussagen zu weiteren ungelösten Problemen zuschrieb. ... Als im folgenden Oktober enthüllt wurde, dass auch ein Mobiltelefon der Bundeskanzlerin Merkel vom amerikanischen Geheimdienst NSA abgehört worden sein soll, äußerte Pofalla sich vor der Presse empört und sprach von einem „schweren Vertrauensbruch“ seitens der USA. Ebenso kündigte er an, alle bisherigen US-amerikanischen Aussagen zu den Überwachungsmaßnahmen neu zu prüfen.[30] ...

http://de.wikipedia.org/wiki/Ronald_Pofalla (02.01.2014)



Quote

Karl Josef Schleidweiler, 02.01.2014
Es macht Freude zu sehen, dass es mit der "Anschlussverwendung" für einzelne Bürger doch klappt - im Gegensatz zu vielen, die sich mit einem etwas anderen Salär nach Wegfall ihrer Stelle zufriedengeben müssen.

http://www.zeit.de/politik/deutschland/2014-01/pofalla-vorstand-deutsche-bahn?commentstart=17#cid-3264443


Quote
r.schewietzek, 02.01.2014

So geht ebend 'marktkonforme Demokratie' - hey, wer ist schon interessiert an Anstand und Moral? Die sind doch von Seiten unserer Politikerkaste für die kleinen Leute reserviert, die schon verurteilt bzw. entlassen werden, wenn sie Brötchen aus der Kantine mitnehmen, die für den Abfall bestimmt waren. ...

http://www.zeit.de/politik/deutschland/2014-01/pofalla-vorstand-deutsche-bahn?commentstart=41#cid-3264548


Quote
Manni Kopfeck, 02.01.2014
Die Taktrate der Schläge ins Gesicht der für ihr bißchen Geld hart Arbeitenden nimmt immer unverschämtere Frequenzen an.

http://www.zeit.de/politik/deutschland/2014-01/pofalla-vorstand-deutsche-bahn?commentstart=49#cid-3264573

Quote
   Thomas Letschert, 02.01.2014
Immer schön wenn Vorurteile bestätigt werden.

http://www.zeit.de/politik/deutschland/2014-01/pofalla-vorstand-deutsche-bahn?commentstart=49#cid-3264593

Quote
Expodigital, 02.01.2014

Respekt, Herr Pofalla,
jetzt haben Sie's uns mal so richtig gezeigt. Sein Gehalt binnen 3 Wochen zu verzehnfachen. Echt jetzt, wie fädelt man denn sowas ein? Aber ist ja eigentlich auch kein Wunder, irgendwann müssen ja herausragende Leistungen mal belohnt werden. Wir sind uns alle absolut sicher, dass die Bahn gerade durch Sie enorm gewinnen wird. Also, nicht lange nachdenken. Die Bahn braucht so profilierte Fachleute wie Sie.

http://www.zeit.de/politik/deutschland/2014-01/pofalla-vorstand-deutsche-bahn?commentstart=65#cid-3264669


Quote
winnirich, 02.01.2014

Korruption - hier wird wieder deutlich, warum die Bundesrepublik neben dem Sudan, Nord-Korea und Syrien das Anti-Korruptionspaper nicht ratifizieren will!

http://www.zeit.de/politik/deutschland/2014-01/pofalla-vorstand-deutsche-bahn?commentstart=73#cid-3264712


Aus: "Früherer Kanzleramtschef Pofalla wechselt in den Bahnvorstand" (2. Januar 2014)
http://www.zeit.de/politik/deutschland/2014-01/pofalla-vorstand-deutsche-bahn

-.-

Quote
[...] Martin Bangemann, ehemaliger EU-Kommissar für Industrie und Telekommunikation und Ex-FDP-Chef, nimmt während seiner Amtszeit einen Job beim spanischen Telekommunikationsunternehmen Telefónica an. Altkanzler Gerhard Schröder wird kurz nach seiner Abwahl Aufsichtsratschef des Pipeline-Konsortiums NGEP. Der frühere Staatsminister im Kanzleramt, Eckart von Klaeden, geht als Cheflobbyist zu Daimler. Martin Jäger war vor seinem Wechsel, ebenfalls zu Daimler, Sprecher von Außenminister Steinmeier.

Mit jedem dieser Fälle verfestigt sich bei der Bevölkerung der Eindruck, dass es Politik eigentlich gar nicht mehr gibt. Dass sie sich auflöst in reine Funktionalität; in ein korruptes, unüberschaubares Geflecht aus Egoismen und Vetternwirtschaft. In dem zynisch jede verlorene Illusion zu einer gewonnen Erfahrung umgedeutet - und so zu Geld gemacht wird. Volksvertretung? ...

Quote
Awesomeness 3.1.2014 | 22:11 Uhr

Bei einem Facharbeiter, Handwerker oder Pfleger fragt man sich immer: was hat derjenige auf dem Kasten? Wieso sollte ich gerade diese Person einstellen und nicht jemanden sonst - und zwar bezogen auf den Job!

...


Quote
erichheini 3.1.2014 | 21:40 Uhr

Man hätte verstehen können, wenn er von den 16 Geheimdiensten der USA zu deren Verbindungsmann in Deutschland berufen worden wäre. ...


Quote
ttoo70 3.1.2014 | 22:29 Uhr

Aber aber , liebe Leute - ... das ist a u c h "marktkonforme Demokratie" ! Und : Seid ihr nicht etwa alle "marktkonform" ? Nehmen wir hier mal ein durchaus analoges Beispiel aus der Wirtschaft : Wenn hochbezahlte , langgediente Manager "gegangen" werden , schickt man die etwa mittellos in die Arbeitslosigkeit ? Und : Glaubt jemand , dass das kein Knochenjob ist , in der Politik nach oben - wie Pofalla bis ins Kanzleramt - zu kommen , und dort jahrelang rundum die Uhr "präsent" zu sein ?! Nein , es ist absolut systemkonform , in unser aller Wirtschaftsdemokratie , was da passiert . Da muß niemand aus dem ganzen Millionenheer der Ich-AG-Konkurrenzsubjekte heuchlerisch die Nase rümpfen .


Quote
Naonao 4.1.2014 | 8:23 Uhr

Seit Jahren,auch vom wiedergewählten Parlamentspräsidenten,wurden die Damen und Herren im Bundestag wiederholt aufgefordert endlich die UN-Konvention gegen Korruption im Bundestag ohne jegliche Einschränkung zu ratifizieren und damit in geltendes Recht umzuwandeln.Das wäre ein erster Schritt in die richtige Richtung.Warum aber verweigern die Damen und Herren im Bundestag diese Ratifizierung denn so nachhaltig?Was hat es mit Demokratie zutun,wenn Mandatsträger ihr Mandat als Lobbyist von Wirtschaftsunternehmen missbrauchen? Was hat es mit Demokratie zu tun,wenn Mandatsinhaber das Recht haben,Spendengelder oder andere Leistungen,die im Zusammenhang mit ihrer Funktion als Mandatsträger zusammen hängen oder zusammen hängen könnten anzunehmen??Das Beamtenrecht muss auch für die Damen und Herren im deutschen Bundestag gelten,erst so wird wieder eine gewisse Glaubwürdigkeit im Sinne eines demokratischen Rechtsstaates ermöglicht.Herr Pofalla ist leider kein Einzelfall und das Bewusstsein dafür,was ein ehemaliger Amtsinhaber darf und tun sollte,oder eben nicht tun sollte, ist meist nicht vorhanden.Das schadet dem Ansehen eines demokratischen Rechtsstaates,wenn er denn einer sein sollte ...



Aus: "Vertretet das Volk, nicht die Firmeninteressen" Sebastian Gierke (4. Januar 2014)
Quelle: http://www.sueddeutsche.de/politik/deutsche-bahn-posten-fuer-pofalla-vertretet-das-volk-nicht-die-firmeninteressen-1.1855303

-.-

Quote
[...] Ob Ex-Kanzleramtschef Pofalla zur Bahn wechselt, wird immer fraglicher. Der SPIEGEL hatte berichtet, dass sich im Bahn-Aufsichtsrat Widerstand gegen die geplante Berufung des CDU-Politikers formiert.  ... Pofalla gerät wegen seines geplanten Wechsels nun auch an der eigenen Parteibasis in die Kritik. Ein CDU-Ratsmitglied vom Niederrhein, wo Pofalla sei 13 Jahren Vorsitzender des Bezirksverbands ist, wirft ihm laut "Süddeutscher Zeitung" vor, seine Wähler "betrogen" und die CDU im Kreis Kleve "jämmerlich im Stich gelassen" zu haben. Die Mail mit der Kritik kursiere in mehreren CDU-Bezirksverbänden. Der Verfasser resümiere, er sei von Pofallas möglichem Wechsel zur Deutschen Bahn "sehr, sehr enttäuscht".

Auch andere CDU-Funktionäre am Niederrhein hätten Pofallas Verhalten heftig kritisiert, schreibt die Zeitung weiter. So habe der CDU-Stadtverbandschef in Kleve, Jörg Cosar, erklärt, der Vorgang habe "mit politischer Kultur nichts mehr zu tun" und sei auch für die Chancen der CDU bei den anstehenden Kommunalwahlen "nicht gerade günstig". Falls Pofalla in den Vorstand der Bahn wechseln und sein Bundestagsmandat niederlegen sollte, hätte die CDU in Kleve erstmals seit 1949 keinen Abgeordneten mehr im Bundestag.

Die Grünen fordern jetzt ein Gesetz, das Spitzenpolitikern erst nach drei Jahren den Wechsel in die Wirtschaft erlaubt. Sie wollen kommende Woche im Bundestag die Regierung auffordern, einen entsprechenden Gesetzentwurf vorzulegen. Grünen-Fraktionschefin Katrin Göring-Eckardt sagte der "Rheinischen Post": "Wenn jemand selbst, wie Pofalla, Entscheidungen getroffen hat, die den künftigen Arbeitgeber betreffen, muss die Übergangszeit drei Jahre betragen."

Auch der Koordinator des linken SPD-Parteiflügels, Ralf Stegner, forderte ein rasches Gesetz zu Übergangsfristen für in die Wirtschaft wechselnde Politiker. "Die Große Koalition sollte noch in diesem Jahr ein Gesetz auf den Weg bringen, das den Wechsel von Politikern in die Wirtschaft regelt", sagte Stegner der "Rheinischen Post". Die stellvertretende SPD-Fraktionsvorsitzende Eva Högl sagte dagegen dem "Handelsblatt", sie setze auf eine Selbstverpflichtung der Betroffenen.

Der Staatsrechtler Hans Herbert von Arnim erhob schwere Vorwürfe gegen Pofalla. "Für mich ist das eine Form der bezahlten Korruption", sagte er. Das Vorgehen begründe den Verdacht der Interessenkollision, denn Pofalla könne schon in seinem politischen Amt die Interessen seines künftigen Arbeitgebers mit im Blick gehabt haben. Pofalla erschüttere damit das Vertrauen der Menschen in die Demokratie und beschädige das Ansehen des Kanzleramts und der demokratischen Repräsentanten insgesamt.


Aus: "Umstrittener Wechsel: Bahn-Aufsichtsräte bremsen Pofalla aus" (07.01.2014)
Quelle: http://www.spiegel.de/politik/deutschland/umstrittener-wechsel-bahn-aufsichtsrat-bremst-pofalla-aus-a-942128.html

« Last Edit: January 07, 2014, 09:25:25 AM by Textaris(txt*bot) »
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[Experten betonen... ]
« Reply #398 on: January 05, 2014, 02:53:52 PM »

Quote
[...] Dass der Einfluss von Vornamen früh zum Tragen kommt, deckte 2009 eine Studie der Universität Oldenburg auf, an der sich 2000 Grundschullehrer beteiligten: In ganz Deutschland hegen Pädagogen Vorurteile gegen Kinder mit Namen wie Justin, Marvin, Cedric, Mandy, Angelina, Chantal, Maurice oder Kevin und ordnen sie einem bildungsfernen Unterschichtmilieu zu. Kevins haben es besonders schwer. Zu diesem Namen fielen den Lehrkräften am häufigsten die Attribute "verhaltensauffällig" und "leistungsschwach" ein.

Vornamen wie Charlotte, Sophie, Hannah, Alexander oder Jakob verbanden sie dagegen mit Eigenschaften wie "leistungsstark" oder "freundlich". Belegt ist zudem, dass Lehrer Schüler, denen sie mehr zutrauen, wohlwollender benoten als solche, deren Potenzial sie geringer einschätzen.

Vergangene Woche veröffentlichte der Leipziger Namenforscher Thomas Liebecke seine jüngsten Erhebungen. Felix, so stellte er nach einer Internet-Umfrage fest, ruft das Bild eines sportlichen, frechen Jungen hervor – der allerdings nicht durch Intelligenz auffällt. Als schlau (und aus wohlhabender Familie stammend) gilt hingegen Maximilian. Bei Anton denken die meisten an ein vorgerücktes Alter. Elisabeth steht für Intelligenz und Zuverlässigkeit – nicht aber für Attraktivität. Anders Emilia, hier erwarten viele eine junge, attraktive Person. Nachteilig kann der Gebrauch der Kurzform sein. Träger von Vollformen (Jennifer, Alexander, Maximilian) schätzten Liebeckes Probanden als erfolgreicher ein als eine Jenny, einen Alex, einen Max.

... Können Vornamen auch verführen oder Liebestöter sein? Eine Studie der Humboldt-Universität Berlin von 2012 legt das nahe. Das Team des Psychologen Jochen Gebauer nutzte Rankings zur Beliebtheit einzelner Vornamen und analysierte deren Klickraten bei 47.000 Usern eines Online-Dating-Portals. Die Seiten von Männern mit dem beliebten Vornamen Alexander wurden mehr als doppelt so häufig angesteuert wie diejenige eines Kevin. Begehrt waren auch Singles namens Lena, Felix, Paul oder Hannah, während die Mikes und Chantals schlechte Karten hatten.

... Wer einen unbeliebten Vornamen hat, verfügt in der Regel über ein niedrigeres Selbstbewusstsein als der Durchschnitts-Single und raucht mehr, ergab die Studie darüber hinaus. Inzwischen hat sich für das Phänomen der negativ behafteten Vornamen, die ihrer Träger Lebenschancen schmälern, der Fachbegriff Kevinismus etabliert. "Selbstverständlich bestimmt der Name nicht alles", betont Gebauer. "Aber ich denke schon, dass Eltern bei der Auswahl eine Verantwortung tragen."

Auffallend ist, dass die Experimentierfreudigkeit steigt. Allein 2012 wurden auf deutschen Standesämtern rund 50.000 verschiedene Vornamen eingetragen. Für Jungen etwa Raider, Don Armani Karl-Heinz, Sexmus Ronny, Belmondo und Ducati, für Mädchen Amsel, Maybee, Hedi-Rocky und La-Vie. Dabei haben es Männer und Frauen mit außergewöhnlichen Vornamen nachweislich schwerer als die Mehrheit. Sie landen häufiger in psychiatrischen Kliniken und in Gefängnissen. Bereits in den späten 1940er Jahren zeigte eine Untersuchung der Harvard University: Studenten, deren Vorname unter den 3000 Eingeschriebenen nur ein einziges Mal auftauchte, machten lediglich vier Prozent der Prüflinge aus – aber neun Prozent der Durchgefallenen.

... Experten betonen, dass sich Assoziationen zu Namen durchaus verändern. Denkbar also, dass selbst Problemnamen wie Chantal oder Kevin in ferner Zukunft salonfähig werden.

Quote
    Gerry10
    vor 3 Stunden 14 Minuten

Wäre es nicht wesentlich wichtiger zu erforschen...

...warum(!) und wer(!) Menschen nur wegen ihres Vornamens vorverurteilt?


Quote
    Meerschwimmer
    vor 3 Stunden 47 Minuten

Werden Vorurteile beschrieben oder wird der Leser aufgeklärt?

>>> Wer einen unbeliebten Vornamen hat, verfügt in der Regel über ein niedrigeres Selbstbewusstsein als der Durchschnitts-Single und raucht mehr, ergab die Studie darüber hinaus.

Ist dieser Artikel in der Zeit jetzt aufklärend oder reine belanglose Unterhaltung zum Wochenende, in der Vorurteile zum Thema geschürt werden? Insgesamt wird hier mehr über Vorurteile als über die Bedeutung von Namensgebung berichtet.
Wird der kleine Lars in der Grundschule am Bodensee noch ausgegrenzt oder Nils im Allgäu. Hat Kevin in England oder Chantal in der Schweiz ähnliche Persönlichkeitsprobleme wie die Namensvetter in Deutschland? Ist Mesut schwach in Deutsch oder gewaltbereit oder nur im Ausland zu vorurteilsfreier Entfaltung fähig? Kennen Apple oder Peaches in den USA ähnliche Probleme? Wenn nicht, warum nicht, Till Hein?



Aus: "Uschi oder Maybee?" Till Hein (5. Januar 2014)
Quelle: http://www.zeit.de/2014/01/namen-sympathie


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« Reply #399 on: January 17, 2014, 03:31:03 PM »

Quote
[...] Berlin/München - Die CSU will auf ihrer Klausurtagung Anfang Januar einen schärferen Kurs gegen Armutszuwanderer aus EU-Staaten beschließen. So soll ihnen der Zugang zum deutschen Sozialsystem erschwert werden. Das geht aus der Beschlussvorlage hervor, über die mehrere Medien berichten.

Anlass sind Befürchtungen, die vom 1. Januar an geltende Arbeitnehmerfreizügigkeit für Rumänen und Bulgaren könnte zu einem verstärkten Zuzug aus diesen Ländern führen.

Nach der Vorlage soll eine generelle Aussetzung des Bezugs von Sozialleistungen für die ersten drei Monate des Aufenthalts geprüft werden. Außerdem will die CSU härter gegen Sozialbetrüger vorgehen. "Wer betrügt, der fliegt", heißt es laut "Süddeutscher Zeitung" in dem Papier. So müsse es in diesem Fall nicht nur eine Möglichkeit zur Ausweisung der Person, sondern auch zur Verhinderung einer Wiedereinreise geben.

Ähnlich hatte sich bereits der frühere Innenminister Hans-Peter Friedrich von der CSU geäußert. Auch im schwarz-roten Koalitionsvertrag hatte die CSU unter der Überschrift "Armutswanderung innerhalb der EU" mehrere migrationskritische Passagen durchgesetzt. Dort heißt es etwa, "dass Anreize für Migration in die sozialen Sicherungssysteme verringert werden" sollen, wofür unter anderem "die Ermöglichung von befristeten Wiedereinreisesperren" notwendig sei.

Die angesprochenen Maßnahmen bewegen sich schon jetzt im Rahmen der EU-Regeln. So ist ein Gastgeberland nicht verpflichtet, innerhalb der ersten drei Monate des Aufenthalts Sozialleistungen zu gewähren. Auch eine Wiedereinreisesperre ist danach möglich.

Seit Monaten ist die sogenannte Armutseinwanderung ein Thema. Jüngst hatte Großbritanniens Premierminister David Cameron die Debatte befeuert und vorgeschlagen, die EU solle die Freizügigkeit von Arbeitnehmern in Europa einschränken. Auch deutsche Gemeinden klagen zunehmend über Zuwanderer aus Rumänien und Bulgarien, die in Deutschland Sozialleistungen beantragen.

In der CSU-Vorlage heißt es: "Der fortgesetzte Missbrauch der europäischen Freizügigkeit durch Armutszuwanderung gefährdet nicht nur die Akzeptanz der Freizügigkeit bei den Bürgern, sondern bringt auch Kommunen an die Grenzen ihrer finanziellen Leistungsfähigkeit."

...


Aus: " Bulgarien und Rumänien: CSU will Migranten aus Osteuropa abschrecken" (28.12.2013)
Quelle: http://www.spiegel.de/politik/deutschland/csu-will-armutsmigranten-aus-bulgarien-und-rumaenien-abschrecken-a-941075.html

-.-

Quote
[...] Die Pflegebranche ist besorgt, dass sich die Zuwanderungsdebatte negativ auf die Rekrutierung von Fachkräften aus dem Ausland auswirkt. Bereits heute fehlten in Deutschland bis zu 50.000 Pflegekräfte, sagte der Geschäftsführer des Bundesverbandes privater Anbieter sozialer Dienste, Bernd Tews, dem Evangelischen Pressedienst. Die meisten Rumänen und Bulgaren kämen, "um zu arbeiten, um ein deutlich höheres Einkommen zu erzielen und ein besseres Leben zu führen", sagte Tews. Mit Sozialhilfeleistungen hätten sie nichts zu tun.

...


Aus: "Bouffier unterstützt CSU in Zuwanderungsdebatte" (5. Januar 2014)
Quelle: http://www.zeit.de/politik/deutschland/2014-01/migration-zuwanderungsdebatte-csu-bouffier

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Quote
[...] Die miserablen Arbeitsbedingungen für Mitarbeiter in der Schlachtindustrie sind seit langem bekannt. In einer langen Wertschöpfungskette der Verantwortungslosigkeit stehen Osteuropäer, die offenbar wie Sklaven leben, als schwächstes Glied. Das ist längst auch der Fleischindustrie peinlich. Sie hatte Jahre lang die Augen vor diesem Problem verschlossen und sich die Verhältnisse schöngeredet: Die Rumänen machten die Arbeit doch freiwillig, und man sei nicht verantwortlich für die Arbeitsbedingungen der Subunternehmer.

Die Zustände auf den Schlachthöfen sind inzwischen in den Blick von Ermittlungen geraten. Es werde gegen 22 Beschuldigte und ein Firmengeflecht von rund zwei Dutzend Unternehmen ermittelt, bestätigte Staatsanwalt Ralf Möllmann am Montag in Düsseldorf Informationen des „Norddeutschen Rundfunks“. Durchsuchungen gab es in Kamp-Lintfort und Moers.

Bereits Mitte Mai hätten 450 Ermittler bundesweit an 90 Orten Büros und Wohnungen durchsucht, hieß es weiter von der Staatsanwaltschaft. Sie geht dem Verdacht nach, dass mit dem Einsatz der Leiharbeiter aus Rumänien und Polen Steuern und Sozialabgaben in Millionenhöhe hinterzogen wurden. ...

Quote
Kai Schraube (schrauber) - 24.06.2013 13:25 Uhr
Wie geht's eigentlich unseren Gewerbeaufsichtsämtern und Berufsgenossenschaften?
Die haben in Deutschland doch ein etliche Tausend Beschäftigte, die sich um solche Fälle kümmern (sollten) - oder sind das alles Vegetarier?


Aus: "Staatsanwaltschaft ermittelt wegen Arbeitsbedingungen auf Schlachthöfen" (24.06.2013)
Quelle: http://www.faz.net/aktuell/wirtschaft/wirtschaftspolitik/bundesweite-razzia-staatsanwaltschaft-ermittelt-wegen-arbeitsbedingungen-auf-schlachthoefen-12242111.html

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Quote
[...] Es ist ein sogenannter Arbeiterstrich, wie es in Deutschland inzwischen mehrere gibt. In Hamburg ist er nur wenige Kilometer von Innenstadt und teurer Hafencity entfernt. Während die Republik über vermeintliche Armutseinwanderer aus den EU-Staaten im Südosten in das deutsche Sozialsystem debattiert, versuchen hier ungelernte Rumänen, Bulgaren und andere Osteuropäer, die vor der Not und der miserablen wirtschaftlichen Lage in ihrer Heimat geflohen sind, sich als Tagelöhner zu verdingen. Für zwei, drei oder, wenn sie Glück haben, fünf Euro die Stunde.  Welche Arbeit sie ergattern, ist ihnen egal. Hauptsache, sie bekommen Geld, um etwas zu essen zu kaufen, ein Quartier zu bezahlen, zu überleben. 

... Die Menschen auf dem Wilhelmsburger Arbeiterstrich stammen meist aus Elendssiedlungen rumänischer oder bulgarischer Großstädte oder aus kleinen Dörfern. Viele von ihnen sind Roma. In Hamburg hausen sie in heruntergekommenen Häusern, oft zu fünft oder sechst in einem Zimmer, mehrere Familien teilen sich eine Wohnung. Denn obwohl die Mieten in Wilhelmsburg niedriger sind als in anderen Teilen Hamburgs, reicht der Verdienst meist nicht. 

Manche bekommen auch keinen Mietvertrag, weil sie kein regelmäßiges Einkommen nachweisen können. Sie werden dann leicht zu Opfern illegaler und ausbeuterischer Vermieter. Und weil sie keine feste Wohnung haben, bekommen sie wiederum keine feste Arbeit. Ein Teufelskreis. 

... Viele der Rumänen und Bulgaren kommen durch Schleuser nach Deutschland: In beiden Ländern bieten Firmen den Menschen an, sie für 200 oder 300 Euro nach Deutschland zu bringen. Sie versprechen ihnen Arbeit. In Hamburg setzen sie sie dann einfach am Busbahnhof ab und verschwinden.

... Die Lage der Arbeitssuchenden in Wilhelmsburg ist prekär, allerdings ist sie nicht repräsentativ für alle Bulgaren und Rumänen in Deutschland. Die meisten sind gut integriert. Knapp 1.000 haben in Hamburg einen regulären Job, weniger als 500 bekommen als Aufstocker Hilfe vom Staat. Bundesweit liegt der Anteil der Arbeitslosen unter den etwa 400.000 Bürgern aus den beiden EU-Staaten sogar unter dem der Deutschen; zehn Prozent erhalten Hartz IV – weit weniger als bei den übrigen Ausländern.     

... Kontrollen gibt es kaum. Der zuständige Zoll prüft zwar gelegentlich, doch wenn die Beamten etwa auf Baustellen auftauchen, fällt es ihnen schwer, festzustellen, wer dort zu welchen Bedingungen arbeitet. Hinter vorgehaltener Hand heißt es, Kontrollen seien nirgendwo sonderlich erwünscht. "Die Billigmigranten sind nicht nur auf dem Bau Teil des Systems", sagt ein Ermittler. "Schauen sie mal auf die Elbphilharmonie, da finden sie viele von denen."

In Hamburg gibt es viele Formen von Ausbeutung: In Hotels, wo rumänische und bulgarische Frauen für wenige Euros Zimmer reinigen, in der Gastronomie oder im Hafen. Viele würden werden um ihren Lohn betrogen. Die wenigsten wehren sich, weil dann auffliegen würde, dass sie illegal oder scheinlegal gearbeitet haben.

In der Anlaufstelle für osteuropäische Migranten am Rande der Innenstadt landen die, die jede Hoffnung verloren haben. 30 bis 40 sind es jeden Tag, sie leben auf der Straße, finden keine Arbeit und haben nichts zu essen. "Sie sind mit falschen Erwartungen gekommen und stellen nun fest, dass sie in Deutschland keine Chance haben", sagt Angel Rusev, ein bulgarischer Student, der als Dolmetscher hilft. In vielen Fällen rät Rusev, in die Heimat zurückzukehren. Er und die anderen Berater organisieren die Rückfahrt, besorgen Tickets, die das Sozialamt bezahlt, und manchmal ein Taschengeld, und sorgen dafür, dass die Betroffenen bis dahin in einer Obdachlosenunterkunft unterkommen.

Manche wollen dennoch bleiben, weil die Situation in ihrer Heimat noch schlimmer ist. "Denen können wir dann auch nicht mehr helfen", sagt Andreas Skasiewicz, der Leiter der Anlaufstelle, der sich seit 20 Jahren auch um polnische Einwanderer kümmert. Von denen leben manche seit zehn Jahren, seit dem EU-Beitritt ihres Landes, auf der Straße. "Das wollen wir bei den Rumänen und Bulgaren vermeiden."

Quote
    WirWarenHier
    vor 1 Stunde 38 Minuten

Wohnen Am Strich

Meine Wohnung liegt direkt an an einem solchen Arbeiterstrich in Wilhelmsburg.
Jeden Morgen und Abend sehe ich die Jungs warten und ab und zu kommen Unternehmen mit Kleinbussen und laden ein.

Gepennt wird im Wald dahinter. Gezahlt wird so schlecht, dass von dem Traum in Deutschland ein bisschen Geld zu machen völlig illusorisch ist.

Aber Dicke Leute in Bayern reden von Sozialtourismus.
Die haben keine Ahnung von der Realität.

Ich hab es mir früher auch nicht vorstellen können...

http://www.zeit.de/politik/deutschland/2014-01/mirgranten-osteuropa-wilhelmsburg/seite-2?commentstart=1#cid-3302649

Quote
    HilmarHirnschrodt
    vor 1 Stunde 38 Minuten

Neiddebatte gegen die ganz unten

Hetze gegen Arme (Hartz-4 -Bezieher und Aufstocker) und gegen Zuwanderer und alles Fremde ist das Machtmittel in der aktuellen Neoliberalen Neiddebatte! Neoliberale Freiheit ist die Freiheit der Reichen und Mächtigen zum Machtausbau und zur Bereicherung durch Entmachtung und wirtschaftliche Ausbeutung aller anderen Menschen; siehe prekäre Arbeitsverhältnisse überall auf der Welt, die organisierte Umverteilung von Unten nach oben im Steuersystem und die aktuelle Neiddebatte gegen Arme und Benachteiligte hierzulande. Neiddebatte hierzulande bedeutet: nicht die Armen gönnen den Reichen nichts, sondern umgekehrt gönnen die Wohlhabenden und Reichen den Armen und Benachteiligten nicht einmal eine Existenzsicherung.

http://www.zeit.de/politik/deutschland/2014-01/mirgranten-osteuropa-wilhelmsburg/seite-2?commentstart=1#cid-3302650



Aus: "Sie wollen nur überleben" (17. Januar 2014 )
Quelle: http://www.zeit.de/politik/deutschland/2014-01/mirgranten-osteuropa-wilhelmsburg

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[Dem Bericht zufolge... ]
« Reply #400 on: January 20, 2014, 10:08:17 AM »

Quote
[...] Berlin - Trotz einer guten Ausbildung arbeiten einer neuen Studie zufolge Hunderttausende Akademiker in Deutschland zu Niedriglöhnen. Nahezu jeder zehnte bekam 2012 nicht mehr als 9,30 Euro brutto pro Stunde, berichtet die "Welt am Sonntag" unter Berufung auf Berechnungen des Instituts für Arbeit und Qualifikation (IAQ) der Universität Duisburg-Essen. Von den abhängig Beschäftigten mit Hochschulabschluss erhielten demnach 8,6 Prozent einen Niedriglohn. Laut dem IAQ liegt dieser bei zwei Dritteln des mittleren Stundenlohns - 2012 waren das 9,30 Euro brutto in der Stunde.

Dem Bericht zufolge waren rund 688.000 Menschen betroffen. "Es gibt seit Jahren eine konstante Gruppe von akademisch ausgebildeten Arbeitnehmern, die zu geringen Löhnen arbeiten", sagte die IAQ-Expertin Claudia Weinkopf. Die Zahl schwanke seit Jahren grob zwischen sieben und fast zwölf Prozent. Den IAQ-Zahlen zufolge ist unter Akademikerinnen das Risiko, zu Niedriglöhnen zu arbeiten, fast doppelt so hoch wie unter Männern: Während 11,4 Prozent der Frauen mit Hochschulabschluss auf dem Niedriglohnsektor arbeiten, sind es bei den Männern nur 6,1 Prozent.

Die Zahl der arbeitslosen Akademiker erhöhte sich 2013 im Jahresdurchschnitt gegenüber dem Vorjahr um 21.400 auf 191.100 Menschen, berichtete die "Welt am Sonntag" unter Berufung auf Zahlen der Bundesagentur für Arbeit (BA). Dies sei ein Anstieg um 13 Prozent. Grund sei unter anderem die deutlich gestiegene Absolventenzahl. Das Risiko, arbeitslos zu werden, sei für Akademiker aber weiterhin sehr gering, erklärte die BA. Ihre Arbeitslosenquote habe sich auch 2013 weiterhin auf einem sehr niedrigen Niveau von unter drei Prozent bewegt.


Aus: "Neue Studie: Hunderttausende Akademiker arbeiten zu Niedriglöhnen" (19.01.2014)
Quelle: http://www.spiegel.de/wirtschaft/soziales/neue-studie-hunderttausende-akademiker-arbeiten-zu-niedrigloehnen-a-944311.html

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[Der Datensatz der Offshore-Leaks... ]
« Reply #401 on: January 22, 2014, 08:32:32 AM »

Quote
[...] Der Datensatz der Offshore-Leaks bringt neue Enthüllungen zutage: Mehr als ein Dutzend Angehörige von Chinas Top-Politikern und Militärs wickeln angeblich Transaktionen über anonyme Briefkastenfirmen auf den Virgin Islands ab. Das berichteten die "Süddeutsche Zeitung" ("SZ"), der Norddeutsche Rundfunk (NDR) und der britische "Guardian" am Dienstagabend. So taucht Deng Jiagui, der Schwager des amtierenden Staatschefs Xi Jinping, als Geschäftsführer und Anteilseigner der Firma Excellence Effort Property Development Limited auf, berichtet der NDR. Neben ihm kommen auch der Sohn, die Tochter und der Schwiegersohn von Ex-Premierminister Wen Jiabao in den Dokumenten vor.

Auf der Liste befinden sich den Berichten zufolge auch die Namen der Tochter des früheren Premiers Li Peng, eines Neffen zweiten Grades von Ex-Staatschef Hu Jintao und die der Schwiegersöhne des einstigen Reformers Deng Xiaoping. Zudem würden Mitglieder des Nationalen Volkskongresses aufgeführt. Auch Führungskräfte staatlicher Unternehmen, die in Korruptionsskandale verwickelt waren, sind laut "SZ" in den Papieren zu finden.

Die Daten würden ebenfalls dokumentieren, dass westliche Banken wie die Schweizer Institute UBS und Credit Suisse sowie die Deutsche Bank in die Errichtung der Strukturen sowie dessen Instandhaltung verwickelt waren, berichtet die "SZ" weiter. So soll der Hongkong-Ableger der Credit Suisse die Firma Trend Gold Consultants auf den British Virgin Islands für Wen Yunsong, den Sohn von Wen Jiabao, gegründet haben, schreibt der "Guardian". Hunderte ähnliche Dienstleistungen seien etwa von UBS und anderen Instituten vorgenommen worden.

Die Deutsche Bank teilte auf Anfrage von SPIEGEL ONLINE mit, die Kunden würden "ihre Steuerangelegenheiten vollumfänglich regeln und dabei alle Steuergesetze und Meldeverpflichtungen befolgen". Ein Sprecher der UBS betonte laut "SZ", die internen Regularien der Bank gehörten "zu den striktesten der Branche". Auf eine Anfrage von SPIEGEL ONLINE reagierte die Bank bisher nicht. Credit Suisse hat sich laut "SZ" bisher nicht geäußert und war auch für SPIEGEL ONLINE am Abend nicht zu erreichen.

Insgesamt offenbare der 260 Gigabyte große Datensatz, dass mehr als 21.000 Offshore-Firmen mit Kunden aus China und Hongkong in Verbindung gebracht werden könnten. Schätzungen zufolge seien seit dem Jahr 2000 Gelder und Firmenanteile im Wert von bis zu vier Billionen Dollar aus der Volksrepublik verschoben worden. Auf Anfrage der "SZ" habe sich keine der betroffenen Politikerfamilien geäußert.

Was mit dem Geld passiert, ist unklar. "SZ" und "Guardian" spekulieren, dass die Aktionen die wahren Besitzverhältnisse der chinesischen Elite der restlichen Bevölkerung gegenüber womöglich verschleiert werden sollten. Die Steueroasen könnten den Betroffenen aber auch helfen, Restriktionen zu umgehen. Wie der NDR berichtet, gelten in der Volksrepublik strenge Regeln für den Abfluss von Kapital - größere Investitionen im Ausland müssten demnach genehmigt werden.


Aus: "Steueroasen: Chinas Mächtige schafften angeblich Vermögen in die Karibik" (21.01.2014)
Quelle: http://www.spiegel.de/politik/ausland/offshore-leaks-chinas-maechtige-schafften-vermoegen-in-die-karibik-a-944819.html

Quote
nr.42 gestern, 23:59 Uhr
... diese Zahl finde ich auch mehr als krass! "the country's 100 richest men are collectively worth over $300bn, while an estimated 300m people in the country still live on less than $2 a day." ...
http://forum.spiegel.de/f22/steueroasen-chinas-maechtige-schafften-angeblich-vermoegen-die-karibik-111371.html#post14707904


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[Analysten schätzen... ]
« Reply #402 on: February 10, 2014, 02:13:37 PM »

Quote
[...] Düsseldorf - Für das vergangene Geschäftsjahr will Commerzbank-Chef Martin Blessing seine Manager üppig belohnen. Mehr als 300 Millionen Euro soll der Bonustopf für 2013 enthalten, wie das "Handelsblatt" aus Finanzkreisen erfuhr: "Der Bonus-Topf wird größer ausfallen als der Konzerngewinn", zitiert die Zeitung einen Insider.

Die zweitgrößte deutsche Bank, die 2008 vom Staat vor der Pleite gerettet werden musste, wollte sich zu dem Thema nicht äußern und verwies auf die Präsentation der Zahlen am Donnerstag dieser Woche. Analysten schätzen aber, dass der Jahresüberschuss 2013 nur bei rund 77 Millionen Euro lag.

Blessing will die Prämienzahlung für die Top-Manager der Commerzbank - Investmentbanker und die beiden Führungsebenen unterhalb des Vorstands - durchsetzen, um sie für den bevorstehenden Strukturwandel zu motivieren.

...


Aus: "Prämien: Commerzbank-Boni sollen Gewinn um das Dreifache übersteigen" (10.02.2014)
Quelle: http://www.spiegel.de/wirtschaft/unternehmen/bonus-zahlungen-der-commerzbank-sollen-gewinn-uebersteigen-a-952523.html

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[Politisch gewollt... ]
« Reply #403 on: February 11, 2014, 09:45:08 AM »

Quote
[...]  Wisse, wo dein Platz in der Gesellschaft ist
Montag, 3. Februar 2014

Über die Festschreibung des Niedriglohnsektors.

Die Fläche, die der flächendeckende Mindestlohn abdecken wird, ist nur eine sehr kleine. Ein Ausschnitt der Gesamtfläche gewissermaßen. Es gibt so viele Ausnahmeregelungen, dass Millionen Menschen davon ausgeschlossen sein werden. Diese Arbeitsmarktpolitik bedient sich des Mittels der Exklusion und schafft die Grundlagen eines Zwei-Klassen-Arbeitsmarktes.

Es ist ja nicht nur so, dass man arbeitenden Rentnern, Schülern, Studenten, Aufstockern, Praktikanten, Auszubildenden, Einsteiger in der Arbeitsmarkt nach Hartz IV-Bezug und vor allem Minijobbern mehr Geld vorenthält. Man sagt diesen Leuten auch indirekt, dass ihre Arbeit einen geringeren Wert hat. So wenig Wert, dass man sie selbst von diesem eigentlich viel zu niedrigen Mindestlohn ausschließt. Sie gehören zur Fläche, die man eigentlich abdecken wollte, nicht dazu. Es sind arbeitende Parias, denen man weiterhin 5,70 Euro in der Stunde zahlen kann. Gesinde, das politisch gewollt weiterhin bis an den Rande der Unsittlichkeit ausgebeutet werden darf. Wir reden hier von Leuten, die aufgrund ihrer geringfügigen Beschäftigung, wie es im verächtlichen Amtsdeutsch heißt, ohnehin nie gesellschaftliche Anerkennung bekamen. Und von Leuten, die nebenher Hartz IV beziehen müssen und als Belastung der Sozialkassen gelten. Die können sich anstrengen wie sie wollen. Aus dieser Ecke kommen sie nicht mehr raus. "Arbeit muss sich wieder lohnen" ist ein Slogan, der für sie nicht gilt - nicht gelten soll.

Der Mindestlohn sollte ja die Auswüchse im Niedriglohnsektor wenigstens etwas regulieren. Und genau der Teil der Erwerbslosen, der besonders darunter leidet, wurde als Preis für einen Koalitionsvertrag ausgeschlossen. Die Konservativen erzählten etwas von Arbeitsplatzverlusten und mangelnder Finanzkraft von Unternehmern. Deshalb brauche es Ausnahmeregelungen. Und die sind ihnen immer noch nicht genug. Das waren hübsche Argumente, die die Konservativen da vorbrachten. Übersetzt haben sie aber gesagt: Tastet uns ja nicht unseren schönen Niedriglohnsektor an. Wir brauchen Leute, die hart arbeiten und dabei nicht sonderlich gut verdienen. So bleiben wir in Europa wettbewerbsfähig. Wir wollen Exportweltmeister bleiben. Da müssen uns doch Leute ohne Anspruch auf Mindestlohn nur recht und billig sein - und vor allem billig bleiben.

So wie der Mindestlohn kommen soll, fixiert er den Niedriglohnsektor lediglich. Er bekämpft ihn nicht. Er degradiert Millionen Menschen zu Arbeitnehmern zweiter Klasse und verunmöglicht es nahezu, je aus dem Hartz IV-Bezug herauszukommen. Denn wer Leistungen von Jobcenter bezieht hat kein Anrecht auf den Mindestlohn und wer daher weniger als Mindestlohn verdient, muss aufstocken gehen und bezieht also Leistungen vom Jobcenter und hat damit wieder keinen Anspruch auf den Mindestlohn. Eine Tautologie. Was war zuerst da? Ei oder Huhn, Hartz IV oder verweigerter Mindestlohn?

So gesehen ist dieser Mindestlohn nicht nur die Festschreibung des Niedriglohnsektors, sondern auch eine Garantie dafür, dass man diesem Sektor lebenslang verhaftet bleibt. Dieser Mindestlohn sagt: Wisse, wo dein Platz in der Gesellschaft ist. Und verdammt nochmal, bleib dort.

Quote
Anonym 3. Februar 2014 13:39

    "Diese Arbeitsmarktpolitik bedient sich des Mittels der Exklusion und schafft die Grundlagen eines Zwei-Klassen-Arbeitsmarktes"

    Die Grundlagen für einen Zwei-Klassenarbetsmarkt sind längst geschaffen, ein solcher Arbeitsmarkt besteht seit Jahren, Insofern wäre das Wort "verfestigt" statt "schafft" wohl richtiger gewesen


Quote
Sledgehammer 3. Februar 2014 13:48

    Die politisch, wie teilgesellschaftlich intendierte Flexploitation, Disparität und Stigmatisierung seiner "Parias" bzw. "Minderleister", primär über tendenziöse Berichterstattung gesteuert und befeuert, von der Majorität weitgehend unreflektiert affirmiert und internalisiert, scheint bei aller und gegen alle monetäre(r) Kosmetik durabel festgeschrieben.


Quote
Anonym 3. Februar 2014 14:20

    Zwei Klassen? Vier Klassen:
    1. Die Elite-Klasse, welche aus Kapital noch mehr Kapital schlagen läßt und dafür selbst nicht arbeitet.
    2. Die Gutverdiener, welche sich selbst tragen können und ein gutes Leben genießen.
    3. Die Schlechtverdiener, dessen Gehalt kaum oder nicht für den Alltag reicht.
    4. Die Ausgestossenen, welche auf Sozialleistungen angewiesen sind und bewußt ausgegrenzt werden ("Selber Schuld").

    Vielleicht gibt es sogar fünf oder sechs Klassen. Das spielt aber keine Rolle. Die Elite-Klasse schreibt auch die Gesetze vor, daß alles so bleibt wie es ist - für Sie.

    Selbstmord ist ein Ausweg (sagte mal ein Arzt -2. Klasse- zu mir).


...



Aus: "Wisse, wo dein Platz in der Gesellschaft ist" (Montag, 3. Februar 2014)
Quelle: http://ad-sinistram.blogspot.ch/2014/02/wisse-wo-dein-platz-in-der-gesellschaft.html

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[Im Vorjahr waren sie mit der gleichen Aktiensumme... ]
« Reply #404 on: February 11, 2014, 09:47:58 AM »

Quote
[...] Wie heute von der Wohltätigkeitsorganisation "The Chronicle of Philanthropy" bekannt gegeben wurde, stiegen Zuckerberg und seine Frau Priscilla Chan auf den ersten Platz der großzügigsten US-Amerikaner des Jahres 2013 auf, indem sie 18 Millionen Facebook-Aktien im Wert von knapp einer Milliarde Dollar (Dezember-Kurs) an ddie Organisation "Silicon Valley Community Foundation" spendeten.

Im Vorjahr waren sie mit der gleichen Aktiensumme noch auf Platz zwei gelandet. Dafür verantwortlich war lediglich der schlechtere Aktienkurs, der im Dezember 2012 nur etwa die Hälfte vom Kurs im Dezember 2013 betrug. Wie die jüngste Spende genau eingesetzt wird, wurde noch nicht kommuniziert. Wie viele andere erfolgreiche Business-Leute in den USA hat Zuckerberg bisher vor allem Gesundheits- und Bildungsprojekte unterstützt.
(futurezone) Erstellt am 10.02.2014, 20:07


Aus: "Gute Tat: Mark Zuckerberg spendet eine Milliarde Dollar in Aktien" (10.02.14)
Quelle: http://futurezone.at/digital-life/mark-zuckerberg-spendet-eine-milliarde-dollar-in-aktien/50.774.895

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[Sie wären nach den geltenden Vergütungsrichtlinien... ]
« Reply #405 on: February 16, 2014, 07:16:30 PM »

Quote
[...] Bundespräsident a. D. Roman Herzog, 79, verlagerte 2010 sein Büro von München nach Heilbronn in die Nähe der Burg Jagsthausen, wo er seinen Ruhestand verbringt. Dieser Umzug schlug im Bundeshaushalt mit 15.700 Euro zu Buche. Für die Büroausstattung inklusive Sicherheitsumbauten wurden 74.700 Euro ausgegeben, die monatliche Warmmiete beläuft sich auf 2200 Euro.

Nicht nur in Hinblick auf solche Räumlichkeiten sind ehemalige Präsidenten gut abgesichert: Derzeit stehen ehemaligen Amtsinhabern 199.000 Euro Ehrensold im Jahr zu. Vor knapp zwei Jahren hatte sich Herzog für eine Verringerung dieser Bezüge ausgesprochen.


Aus: "Ex-Bundespräsident: Roman Herzogs Büro-Ausstattung kostete 74.600 Euro" (16.02.2014)
Quelle: http://www.spiegel.de/politik/deutschland/roman-herzog-hohe-kosten-fuer-buero-renovierung-a-953798.html

-.-

Quote
[...] Löscher war im vergangenen Sommer vorzeitig aus dem Technologiekonzern ausgeschieden. Bereits auf der Hauptversammlung Ende Januar musste Aufsichtsratschef Gerhard Cromme heftige Kritik einstecken, weil er seinem einstigen Wunschkandidaten zum Abschied laut Geschäftsbericht gut 17 Millionen Euro Abfindung bewilligt hatte.

Dass die tatsächliche Summe noch deutlich höher ist, erklärt sich durch Aktienzusagen, die der Konzern Löscher eingeräumt hat - also Anrechte auf den Gratisbezug von Siemens-Anteilscheinen. Löscher hatte zum Zeitpunkt seines Abgangs insgesamt rund 132.000 derartige Aktienzusagen angesammelt, im Gesamtwert von knapp 13 Millionen Euro. Sie wären nach den geltenden Vergütungsrichtlinien eigentlich verfallen.

Bei Löscher und einem weiteren ausgeschiedenen Vorstandsmitglied blieben sie jedoch aus Kulanzgründen erhalten. Im Gegenzug sicherte er zu, bis Herbst 2015 bei keinem direkten Siemens-Wettbewerber anzuheuern. Gut ein Drittel der Bezugsscheine durfte der Ex-Konzernchef im vergangenen November schon einlösen.

...


Aus: "Höhere Abfindung: Ex-Siemens-Chef Löscher erhält bis zu 30 Millionen Euro" (16.02.2014)
Quelle: http://www.spiegel.de/wirtschaft/unternehmen/abfindung-ex-siemens-chef-loescher-bekommt-30-millionen-euro-a-953791.html

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[Ehemals ein Magnet für Künstler... ]
« Reply #406 on: February 18, 2014, 09:28:46 AM »

Quote
[...] Paula Tejeda lebt mitten in der "Kampfzone". Im Herzen von San Franciscos Mission District betreibt die 54 Jahre alte Geschäftsfrau seit 20 Jahren eine Snackbar mit chilenischen Spezialitäten. Das Viertel ist für seine bunte Mischung aus Studenten, Künstlern, Arbeitern und Immigranten bekannt. Und neuerdings auch für explodierende Mieten, Häuserräumungen und einen erbitterten Kulturkampf, der immer mehr Bürger gegen IT-Giganten wie Google und Apple aufbringt. Tejeda warnt: "Es wird zu Krawallen kommen, so viele Menschen sind schon an der Armutsgrenze. Dieser Tsunami muss gestoppt werden."

Der IT-Boom in San Francisco und im rund 60 Kilometer entfernten Silicon Valley hat der Region zigtausende Arbeitsplätze, lukrative Investments und viele neue Millionäre beschert. Die Kehrseite: rasant steigende Mieten und Gentrifizierung, Spekulanten, die ganze Häuserblocks in Luxusobjekte verwandeln, und Eigentümer, die längjährige Mieter auf die Straße setzten, um von dem Boom zu profitieren.

Nach 17 Jahren hat Tejeda nach eigenen Angaben kürzlich ihre "gerade noch bezahlbare" Mietwohnung verloren, sie setzt sich mit Hilfe der Mietergewerkschaft zur Wehr. San Francisco, ehemals ein Magnet für Künstler, Aussteiger und Einwanderer und frühere Festung der Flower-Power-Bewegung, steht dem teuren Manhattan in Mietpreisen nicht mehr nach. Eine kleine Zweizimmerwohnung für 2750 Dollar im Monat (über 2000 Euro) ist inzwischen die Norm. Für einen gutverdienenden Programmierer oder Softwareingenieur ist das kein Problem. Sie zahlen gerne etwas mehr, um in der hippen Stadt zu leben, statt zwischen IT-Burgen und Einkaufszentren in Silicon Valley.

"San Francisco wird eine Stadt, in der sich nur noch Reiche vergnügen, wenn sie abends von ihren Jobs zurückkehren", prophezeit Erin McElroy. Die 31 Jahre alte Aktivistin rief mit Sozialarbeitern und Bürgern im vorigen Sommer die Bewegung "Heart of the City" ins Leben. Private Luxusbusse, die jeden Tag Tausende Menschen von San Francisco zu den IT-Firmen in Silicon Valley fahren, waren die erste Zielscheibe ihrer Proteste. "Wir stoppten einige Busse, aber dachten nicht, dass dies so viele Schlagzeilen machen würde", sagt McElroy.

Die wiederholten "Google-Bus"-Blockaden, zuletzt im Januar, sind längst Symbol des Kampfes in den Straßen von San Francisco geworden. Nicht nur Google, auch Facebook, Apple und weitere IT-Giganten mit Sitz in Silicon Valley nehmen die Berufspendler an vielen Haltestellen in der Stadt mit. Eine gute Stunde dauert die Fahrt gen Süden hinter verdunkelten Scheiben, mit WLAN, Snacks und Kaffee an Bord. Einer Studie der Universität Berkeley zufolge sind die typischen Pendler männlich, um die 30, mit einem Jahreseinkommen von mehr als 100.000 Dollar.

Mit ihren Laptops und Smartphones sind sie an den Haltestellen leicht auszumachen. Die polierten Luxusbusse halten an öffentlichen Haltestellen, wo die meist klapprigen Stadt-Busse ihre Fahrgäste aufnehmen. Das ist den Aktivisten ein Dorn im Auge. Zum Nulltarif halten die Privatbusse in Sonderzonen, wo Normalbürger einen Strafzettel in Höhe von 271 Dollar zahlen müssten. Mit Protestsprüchen wie "Fuck off Google" und "Zweiklassensystem" rückten Demonstranten im Dezember und Januar an und blockierten Busse. An einigen Stellen eskalierte der Protest, eine Fensterscheibe ging zu Bruch, Reifen wurden aufgeschnitten.

Die Stadtverwaltung horchte auf. Nach Beschluss des Stadtrats Ende Januar müssen die Busunternehmen ab Juli für jeden Haltepunkt einen Dollar pro Tag zahlen. Als "Beleidigung" wiesen McElroy und andere Aktivisten diesen Betrag zurück. Die Stadt räume den IT-Firmen weiter Privilegien und Steuervergünstigungen ein, statt ihre Bürger vor überzogenen Mieten und Räumungen zu schützen. Die Aktivisten drohen mit weiteren Aktionen. Die Lage ist angespannt.

Die Pendler an den Haltestellen wollen nicht reden. "Kein Kommentar", ist die typische Antwort. Auch Firmen wie Google und Facebook halten sich mit öffentlichen Äußerungen bedeckt und suchen stillschweigend nach Alternativen zu dem kontroversen Bus-Shuttle. Wie der San Francisco Chronicle kürzlich berichtete, probieren sie nun auch den Weg über das Wasser der Bucht. Mit großen Katamaranen werden demnach Mitarbeiter versuchsweise an den Arbeitsplatz gebracht.

Der für den Mission-Bezirk zuständige Stadtrat David Campos hofft, dass die Kluft in San Francisco zu überwinden ist. Ende Januar hätten sich sieben IT-Firmen mit Bürgern zusammengesetzt und ein "produktives" Gespräch geführt, sagte Campos der dpa. Einzelheiten könne er aber nicht nennen, wehrte er diplomatisch ab.

Tejeda und McElroy machen sich weiter gegen Mieterhöhungen und Rauswürfe stark. Für sie geht es auch ums eigene Überleben in ihrer Stadt. "Wir haben zusätzliche Wände in unsere Drei-Zimmer-Wohnung gezogen, denn nur zu fünft können wir uns die Miete leisten", sagt McElroy. Für ein Mini-Zimmer zahlt sie 653 Dollar. Tejeda sorgt sich um ihr Geschäft. "Wo gehe ich hin, wenn meine Angestellten hier nicht mehr leben und arbeiten können? Jeder sorgt sich, dass er als Nächstes dran ist". (Barbara Munker, dpa) / (anw)


Aus: "Mietenkrieg und Busproteste – San Francisco verärgert über IT-Boom" (18.02.2014)
Quelle: http://www.heise.de/newsticker/meldung/Mietenkrieg-und-Busproteste-San-Francisco-veraergert-ueber-IT-Boom-2116760.html

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[Aufmerksamkeit... ]
« Reply #407 on: March 27, 2014, 09:39:54 AM »

Quote
[...] Bei den Berichten zu den Snowden-Enthüllungen fällt auf, dass die Empörung umso größer ist, je besser gestellt die von der Überwachung Betroffenen sind. Von der Bundeskanzlerin angefangen über Behörden und Konzerne, die Bürger in Deutschland oder anderen Industrienationen bis hin zu der Bevölkerung von Ländern, die Journalisten in der Überschrift besser nicht erwähnen, wenn sie wollen dass die Texte gelesen werden, gibt es einen gewaltigen Unterschied in der Aufmerksamkeit.

...


Aus: "Human Rights Watch über Zensur und Überwachung in Äthiopien"
Von Kilian Froitzhuber | Veröffentlicht: 26.03.2014
Quelle: https://netzpolitik.org/2014/human-rights-watch-ueber-aethiopien/

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[Wer nie in dieser Mühle zermahlen wurde... ]
« Reply #408 on: April 24, 2014, 11:09:05 PM »

Quote
[...] Eine Idee ist, dass Hartz-IV-Empfänger, die in eine neue Wohnung umziehen, die nicht größer, aber teurer ist, den Aufpreis nicht mehr erstattet bekommen. Vor allem in sich schnell verteuernden Großstadt-Vierteln könnte das Hartz-IV-Empfänger empfindlich treffen. Auch die umstrittenen Bedarfsgemeinschaften sollen bleiben – gemischtgeschlechtliche Wohngemeinschaften müssen bisher nachweisen, dass sie keine Paarbeziehung haben.
Kein Thema in der Reform-Gruppe ist die Höhe des Hartz-IV-Satzes und dessen Berechnung. Dazu laufen weiterhin mehrere Klagen vor dem Bundesverfassungsgericht.
So ist "die Hartz-IV-Reform" mehr ein Justieren im bestehenden System, bei dem es auf das Kleingedruckte ankommen wird.    ...

Quote
    morphine, 24.04.2014

Ich habe nie einen Termin versäumt.

Zu Sanktionen ist es bei mir nie gekommen. Aber nie zuvor habe ich mich mehr als Mensch zweiter Klasse gefühlt. Demütigungen, Drohungen, Bevormundungen aushalten zu müssen, bis nicht zuletzt auch das Selbstwertgefühl auf ein "Existenzminimum" reduziert wurde...diese Erfahrung hat mich geprägt.

Wer nie in dieser Mühle zermahlen wurde, kann nicht nachvollziehen wie unsagbar unmenschlich dieses System konzipiert wurde. Ich hatte dergleichen nie für möglich gehalten und hätte man mir erzählt, was ich heute vom Leben im SGB II Bezug berichten kann, ich hätte es wohl nicht geglaubt.

Die (damals) ARGE-Mitarbeiter, die verständnisvoll und zielführend an einer Verbesserung der Situation mitgewirkt hatten, sind heute nicht mehr im Dienst. Gehalten haben sich echte Sadisten, empathielose Bürokraten und rücksichtslose Profit Units, die an ihrer Selbsterhaltung verdienen.

Ich habe sinnbefreite Maßnahmen durchlaufen, musste mich fragen lassen wann der Pflegebedürftige (für den ich mein Studium abbrach) "denn nun mal stirbt?", durfte mich dutzende Male neuen Sachbearbeitern (die nie zu erreichen sind) erklären, es gab unangekündigte Hausbesuche, 6 Monate Vorbereitung auf eine Ausbildung die dann dank Sachbearbeiterwechsel obsolet wurde...

Am Ende blieb das Gefühl, "unwertes Leben" zu repräsentieren. Klingt pathetisch, überzogen? Hätte ich auch gesagt, bis ich es erleben durfte...


Quote
    253103Baerchen, 24.04.2014

Genau das ist der Sinn dieses Hartz 4-Systems. Die Menschen so klein zu kriegen, daß sie dankbar für prekäre Beschäftigung sind.




Aus: "Die Hartz-IV-Reform ist halb so schlimm" Lisa Caspari (24. April 2014)
Quelle: http://www.zeit.de/politik/deutschland/2014-04/hartz-iv-reform-jobcenter-ideen-arbeitslose/seite-2
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[Umgerechnet... ]
« Reply #409 on: May 03, 2014, 05:12:30 PM »

Quote
[...] Fahrer, die bei der Deutschen Post beschäftigt sind, bekommen laut Tarifvertrag etwa 11 Euro die Stunde, nach zwölf Jahren sogar rund 14 Euro, und haben eine 38,5-Stunden-Woche.

Matthias Jungs Vertrag sieht demgegenüber 40 Wochenstunden vor – bei einem Gehalt von 789 Euro brutto im Monat. Sein Tag beginnt um sieben Uhr morgens und endet um 19 Uhr. Mittags hat er zwei Stunden frei, samstags früher Feierabend. Umgerechnet verdient er 4,50 Euro die Stunde. Jung muss also fast zweieinhalb Stunden arbeiten, um genauso viel zu verdienen wie ein Post-Angestellter in einer Stunde. ...

Quote
    Arlequin
    vor 6 Stunden 49 Minuten

Wie kann man seinen Kindern bei einem Bruttogehalt von 789 Euro/Mon eine Lebensperspektive schaffen? Wie kann bei diesem 'Verdienst' für sich selber eine Altersversorgung ansparen? Wie kann man sich weiterbilden, wenn der Arbeitstag um 7.00 beginnt und um 19.00 endet, wie kann man bei dieser Arbeitsbelastung Kontakte knüpfen, um sich gegebenenfalls berufliche Alternativen zu erarbeiten?

... Es ist nicht gut, daß es in D eine Kaste von gut abgesicherten Berufspolitikern gibt. Können sich diese Leute die Lebensrealität vieler H4er, Subunternehmer, Scheinselbständiger, niedrig qualifizierter, Gastarbeiter, etc. überhaupt vorstellen?


http://www.zeit.de/2014/18/post-dumpingloehne?commentstart=9#cid-3602202

Quote
    Arlequin
    vor 6 Stunden 31 Minuten

Das habe ich mich z.B. oft auch im Fall von Privatdozenten gefragt, die Lehraufträge für 50 Euro/Sem (nicht 50 Euro/Std !) übernehmen, einschließlich der Vor- und Nachbereitung von Vorlesungen und Seminaren und der Korrektur von Hausarbeiten. In unserem Land lebt es sich recht gut für einen Teil der Bevölkerung (Beamte, Angestellte in gut aufgestellten Unternehmen, arrivierte Selbstständige). Für den Rest sieht es dunkel aus.


http://www.zeit.de/2014/18/post-dumpingloehne?commentstart=9#cid-3602259

Quote
    K_Weber
    vor 5 Stunden 44 Minuten

Die Post

Der Post bleibt gar nichts anderes übrig, als diese allgemeine Niedrigstlohnpraxis mitzumachen. Man kann ja nicht teurer als die Konkurrenz sein.

Mein Bruder arbeitet als Subunternehmer bei trans-o-Flex. Das ist ein Paketdienst wie DHL. Der arbeitet 12 Stunden am Tag, nach Abzug seiner Kosten hat er ca. 1.200 EUR übrig pro Monat. Aber das ist üblich in der Branche.


http://www.zeit.de/2014/18/post-dumpingloehne?commentstart=25#cid-3602473

Quote
    R-Minator
    vor 5 Stunden 31 Minuten

Totale Verwirrung

...herrscht bei mir. Harr Joffe hat uns doch erst vor wenigen Tagen klar bewiesen, dass der Mindestlohn eine Erfindung des Teufels ist, und Deutschland auf direktem Weg in den Ruin treiben wird. Der Beweis ging etwa so: Mindestlohn und andere Eingriffe in den Markt sind Methoden verblendeter Ideologen. Oder so ähnlich. ...

http://www.zeit.de/2014/18/post-dumpingloehne?commentstart=33#cid-3602545


Quote
    at engel
    vor 5 Stunden 15 Minuten

Die Frage ist warum gerade Journalisten immer als letzte soziale Missstände entdecken. Das, was hier beschrieben wird ist schließlich die Basis des deutschen Wirtschaftsmodels, und das seit fast zehn Jahren.
Eine andere Frage ist dann nur noch, für was man in Deutschland eigentlich Demokratie braucht.


http://www.zeit.de/2014/18/post-dumpingloehne?commentstart=33#cid-3602622



Aus: "Weniger ist leer" Bettina Malter (DIE ZEIT Nº 18/2014)
Quelle: http://www.zeit.de/2014/18/post-dumpingloehne

-.-

Quote
...Im Oldenburger Land und im Emsland leben Tausende Schlachter aus Rumänien und Bulgarien unter erbärmlichen Verhältnissen – wer darüber redet, wird bedroht. ... Etwa 9000 ausländische Fleischarbeiter leben im Oldenburger Land und im Emsland, die Zahlen sind geschätzt, niemand weiß es genau. Sie wohnen in alten Häusern, Sammelunterkünften, meistens außerhalb des Ortes. Sie arbeiten von sehr früh bis sehr spät. Sie treten nicht in Erscheinung, nur im Aldi fallen sie auf, wenn sie sich etwas zu essen holen.

Über Caritas und Kolpingwerk drangen Geschichten aus der Nebenwelt zu Kossen vor: In Rumänien würden den Arbeitslosen bunte Lügen erzählt, 1300 Euro Lohn, warme Mahlzeiten, Doppelzimmer, Ferien. Und dann die Wirklichkeit: Der anheuernde Subunternehmer kassiere erst einmal 500 Euro Vermittlungsgebühr für den Job. Dann werde der Pass einbehalten. Der neue Schlachtarbeiter unterschreibe einen Blanko-Auflösungsvertrag. Zum Teil gebe es überhaupt keine Arbeitsverträge, keine Lohnabrechnung, höchstens Geld cash auf die Hand. "Wir reden hier nicht von einigen schwarzen Schafen", sagt Prälat Kossen. "Es ist ein Sumpf aus Subunternehmern, der alles abschöpft. Es ist eine hoch kriminelle Szene." ...


Aus: "So ergeht es osteuropäischen Arbeitern in der Schweinemast-Branche"  Bernhard Honnigfort (14. April 2014)
Quelle: http://www.badische-zeitung.de/deutschland-1/so-ergeht-es-osteuropaeischen-arbeitern-in-der-schweinemast-branche--83245124.html

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[Middelhoff müsse an seine eigenen Interessen denken... ]
« Reply #410 on: May 05, 2014, 02:07:35 PM »

Quote
[...] Middelhoff müsse an seine eigenen Interessen denken und mache darum in vollem Umfang Gebrauch von seinem Auskunftsverweigerungsrecht, sagte der Anwalt. Die Vorsitzende Richterin Sabine Grobecker stellte dem 60-Jährigen anschließend zwar ihre Fragen, Middelhoffs Verteidiger sagte jedoch immer: "Diese Frage beantworten wir nicht." Oberstaatsanwalt Torsten Elschenbroich bezeichnete dieses Vorgehen als "Unverschämtheit".

Middelhoff war Chef des Handelskonzerns Arcandor, zu dem auch die Karstadt-Warenhäuser gehörten. Der Zusammenbruch von Arcandor 2009 brachte auch Sal. Oppenheim als Großaktionär des Konzerns an den Rand des Ruins. Die Kölner Privatbank wurde kurz darauf von der Deutschen Bank übernommen.

Die vier ehemaligen Top-Banker von Sal. Oppenheim und der Immobilienmanager Josef Esch müssen sich seit über einem Jahr teils wegen Untreue in besonders schwerem Fall, teils wegen Beihilfe dazu vor Gericht verantworten. Sie bestreiten die Vorwürfe.

Middelhoff ist derzeit gleich in mehreren Gerichtsverfahren als Kläger, Beklagter und Zeuge involviert. Unmittelbar nach seiner Zeugenaussage am Montag im Sal.-Oppenheim-Strafprozess in Köln steht der Top-Manager ab Dienstag selbst vor Gericht. Die Staatsanwaltschaft Bochum wirft dem 60-Jährigen Untreue in 49 Fällen vor. In dem Strafverfahren vor dem Essener Landgericht geht es vor allem um Charterflüge auf Firmenkosten, die von Arcandor bezahlt worden waren, obwohl sie laut Staatsanwaltschaft privaten Zwecken dienten. Middelhoff hatte öffentlich erklärt, er habe sich korrekt verhalten.

Middelhoff streitet auch selbst mit Sal. Oppenheim. Das Kölner Institut hatte das Ehepaar Middelhoff Ende 2013 auf knapp 78 Millionen Euro verklagt. Kredite seien nicht zurückgezahlt worden. Zuvor hatte Middelhoff seinerseits die Bank auf 101 Millionen Euro verklagt.

Im September 2013 hatte Middelhoff einen juristischen Rückschlag erlitten: Das Landgericht Essen hielt einen Sonderbonus, den der Manager kurz vor seinem Arcandor-Ausscheiden erhielt, für nicht gerechtfertigt. Er soll rund 3,4 Millionen Euro an den Insolvenzverwalter zahlen, hat aber Berufung angekündigt.

Middelhoff verlangt wiederum von den Insolvenzverwaltern wegen angeblichen Rufmords Schadensersatz in Höhe von 120 Millionen Euro. Gegen einen entsprechenden Mahnbescheid haben die Insolvenzverwalter Klaus Hubert Görg und Hans-Gerd Jauch Widerspruch eingelegt. Sie hatten Middelhoff und andere Arcandor-Manager auf Schadensersatz von insgesamt 175 Millionen Euro verklagt, unter anderem wegen angeblicher Managementfehler. Der Prozess vor dem Oberlandesgericht Hamm könnte Jahre dauern.

...


Aus: "Oppenheim-Prozess: Ex-Arcandor-Chef Middelhoff verweigert Aussage" (05.05.2014)
Quelle: http://www.spiegel.de/wirtschaft/unternehmen/thomas-middelhoff-verweigert-im-oppenheim-prozess-die-aussage-a-967591.html

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[Im Hausflur hängt der Stromkasten... ]
« Reply #411 on: May 05, 2014, 02:57:19 PM »

Quote
[...] Wenn Sven Vogel früh aufstehen muss, zündet er eine Kerze an und tastet sich ins Bad. Er stellt die Kerze aufs Waschbecken, lässt kaltes Wasser ein, macht Katzenwäsche. Meist schläft er einfach aus, so lange, bis es draußen hell ist.

Seit gut einem Jahr lebt Sven Vogel, der eigentlich anders heißt, ohne Strom. Es gibt in Deutschland viele, denen es so ergeht. Weil die Energiepreise steigen, fallen immer mehr Verbraucher aus der Versorgung. 2012 wurde rund 320.000 Haushalten der Strom abgeklemmt, schreibt die Bundesnetzagentur, gut 10.000 mehr als im Jahr zuvor. Betroffen seien vor allem Geringverdiener.

Verbraucherschützer unterscheiden grob zwei Gruppen. Es gibt die, die normalerweise über die Runden kommen: Rentner, Studenten, Zeitarbeiter, die plötzlich in eine Lebenskrise geraten, krank werden, sich scheiden lassen, den Job verlieren - und dann reicht das Geld nicht mehr. Und dann gibt es die, die so sind wie Vogel: Geringverdiener, die ihren Alltag kaum noch im Griff haben.

Es ist hell geworden in Dortmund. Vogel sitzt im Wohnzimmer, in der Couch-Ecke, seinem Schlaf- und Lieblingsplatz. In den anderen Räumen ist er kaum. Im Flur lagern bruchreife Möbel, im Schlafzimmer stehen Müllsäcke voll schmutziger Wäsche. Die Küche nutzt er gar nicht, wozu auch? Vorräte kann er ohne Kühlschrank nicht lagern, Essen ohne Herd nicht kochen. Er hat höchstens mal eine Flasche Billigsprudel da.

Fenster, Fliesen, Heizkörper sind voller Schlieren. Vogel sagt, dass er regelmäßig putze, dass er die Wohnung ohne heißes Wasser aber nicht wirklich sauber bekomme. "Ein Zuhause ist das hier nicht", sagt er. "Mehr so eine Schlafgelegenheit."

Sven Vogel ist 48 Jahre alt, doch er wirkt jünger mit dem abgewetzten Shirt, den sehnigen Armen, den energischen Gesten. Er braucht viel Bestätigung; bekommt er sie nicht, wirkt er rasch verunsichert. Er ist abgemagert, dabei hat er, wie er sagt, zuletzt zehn Kilo zugenommen.

Die Mutter starb, als er zwölf war. Der Vater war ein Trinker und schlug oft zu. Nie hatten sie genug Geld, jahrelang trug Sven dieselben Sachen. Mit 18 ging er zur Armee, bei Schießübungen stellte er sich das Gesicht des Vaters vor. Später wurde er Elektroinstallateur, verlegte Kabel in Büros und Fußballstadien, war stolz, auf eigenen Füßen zu stehen. Doch 2011, bei einem Job im Knastkrankenhaus, knickte er um, fiel von der Leiter. Kreuzbandriss, Knochenabsplitterungen. Er meldete sich arbeitslos. Er sagt, er habe noch heute Schmerzen.

Auf dem Couchtisch stapelt sich Post vom Jugendamt, 9000 Euro Unterhalt für die Älteste, 10.000 für den Jüngsten, noch mehr Schulden. "Wie oft wollt ihr mir das noch schicken?", klagt Vogel. Seine vier Kinder hat er vor zwei Jahren zuletzt gesehen. Manchmal fragen sie, ob sie ihn besuchen können. Er sagt dann ab. "Ich will sie nicht damit konfrontieren, wie tief ich gerade in der Scheiße stecke."

Er steht auf, will los. Meist zieht er sich morgens kurz an, packt Tabak und Handy ein, und dann raus.

Im Hausflur hängt der Stromkasten für Vogels Wohnung. In ihm stecken drei schwarze Scheiben, die wie normale Sicherungen aussehen, doch man braucht einen Spezialschlüssel, um sie zu entfernen. Den hat nur der Versorger. Er hatte die Sperrsicherungen schon dem Vormieter reingedreht. Vogel war es egal. Er brauchte eine Wohnung. Er war gerade obdachlos.

Als er einzog, bat er den Versorger, die Sperrsicherungen zu entfernen. Die Firma lehnte ab, weil Vogel ihr noch 2506,64 Euro schuldet. Schon früher hatte sie ihm den Strom abgestellt, zweimal schon.

Eine Weile spielte er mit dem Gedanken, den Stromkasten im Keller anzuzapfen. Immerhin ist er vom Fach. "1,5 Quadrat, fünfadriges Kabel - das geht ganz leicht", sagt Vogel. Er kennt viele, die das so machen. Sein Versorger auch. Allein in Dortmund stehen gut 120 sogenannte Problemhäuser unter Beobachtung. "Das sind Gebäude, deren Bewohner improvisierte Leitungen zum Nachbarhaus spannen", sagt eine Sprecherin. "Manche Konstruktionen sind lebensgefährlich."

Vogel wollte keine krummen Dinger drehen. Er erwog eine legale Lösung: ein Verlängerungskabel durchs Treppenhaus legen und die Steckdose eines Nachbarn anzapfen. Auch das machen viele. Nur, wen im Haus hätte er fragen sollen? Den Drogendealer? Den drogensüchtigen Hausmeister?

Vogel schließt die Haustür, läuft los Richtung Innenstadt, vorbei am Balkan-Shop, an der "Letzten Kneipe vor der Autobahn". Die Fassaden sind vollgesprüht und schwarz von Abgasen. Er läuft mit großen Schritten. Von seiner Fußverletzung, wegen der er angeblich nicht arbeiten kann, ist nichts zu bemerken. Nach 15 Minuten erreicht er seinen Stammladen, den "Brückentreff".

 ein Leben an? Sven Vogel erzählt.

Wenn Sven Vogel früh aufstehen muss, zündet er eine Kerze an und tastet sich ins Bad. Er stellt die Kerze aufs Waschbecken, lässt kaltes Wasser ein, macht Katzenwäsche. Meist schläft er einfach aus, so lange, bis es draußen hell ist.

Seit gut einem Jahr lebt Sven Vogel, der eigentlich anders heißt, ohne Strom. Es gibt in Deutschland viele, denen es so ergeht. Weil die Energiepreise steigen, fallen immer mehr Verbraucher aus der Versorgung. 2012 wurde rund 320.000 Haushalten der Strom abgeklemmt, schreibt die Bundesnetzagentur, gut 10.000 mehr als im Jahr zuvor. Betroffen seien vor allem Geringverdiener.

Verbraucherschützer unterscheiden grob zwei Gruppen. Es gibt die, die normalerweise über die Runden kommen: Rentner, Studenten, Zeitarbeiter, die plötzlich in eine Lebenskrise geraten, krank werden, sich scheiden lassen, den Job verlieren - und dann reicht das Geld nicht mehr. Und dann gibt es die, die so sind wie Vogel: Geringverdiener, die ihren Alltag kaum noch im Griff haben.

"Ein Zuhause ist das hier nicht"

Es ist hell geworden in Dortmund. Vogel sitzt im Wohnzimmer, in der Couch-Ecke, seinem Schlaf- und Lieblingsplatz. In den anderen Räumen ist er kaum. Im Flur lagern bruchreife Möbel, im Schlafzimmer stehen Müllsäcke voll schmutziger Wäsche. Die Küche nutzt er gar nicht, wozu auch? Vorräte kann er ohne Kühlschrank nicht lagern, Essen ohne Herd nicht kochen. Er hat höchstens mal eine Flasche Billigsprudel da.

Fenster, Fliesen, Heizkörper sind voller Schlieren. Vogel sagt, dass er regelmäßig putze, dass er die Wohnung ohne heißes Wasser aber nicht wirklich sauber bekomme. "Ein Zuhause ist das hier nicht", sagt er. "Mehr so eine Schlafgelegenheit."

Sven Vogel ist 48 Jahre alt, doch er wirkt jünger mit dem abgewetzten Shirt, den sehnigen Armen, den energischen Gesten. Er braucht viel Bestätigung; bekommt er sie nicht, wirkt er rasch verunsichert. Er ist abgemagert, dabei hat er, wie er sagt, zuletzt zehn Kilo zugenommen.

Die Mutter starb, als er zwölf war. Der Vater war ein Trinker und schlug oft zu. Nie hatten sie genug Geld, jahrelang trug Sven dieselben Sachen. Mit 18 ging er zur Armee, bei Schießübungen stellte er sich das Gesicht des Vaters vor. Später wurde er Elektroinstallateur, verlegte Kabel in Büros und Fußballstadien, war stolz, auf eigenen Füßen zu stehen. Doch 2011, bei einem Job im Knastkrankenhaus, knickte er um, fiel von der Leiter. Kreuzbandriss, Knochenabsplitterungen. Er meldete sich arbeitslos. Er sagt, er habe noch heute Schmerzen.

Auf dem Couchtisch stapelt sich Post vom Jugendamt, 9000 Euro Unterhalt für die Älteste, 10.000 für den Jüngsten, noch mehr Schulden. "Wie oft wollt ihr mir das noch schicken?", klagt Vogel. Seine vier Kinder hat er vor zwei Jahren zuletzt gesehen. Manchmal fragen sie, ob sie ihn besuchen können. Er sagt dann ab. "Ich will sie nicht damit konfrontieren, wie tief ich gerade in der Scheiße stecke."

Er steht auf, will los. Meist zieht er sich morgens kurz an, packt Tabak und Handy ein, und dann raus.

"Manche Konstruktionen sind lebensgefährlich"

Im Hausflur hängt der Stromkasten für Vogels Wohnung. In ihm stecken drei schwarze Scheiben, die wie normale Sicherungen aussehen, doch man braucht einen Spezialschlüssel, um sie zu entfernen. Den hat nur der Versorger. Er hatte die Sperrsicherungen schon dem Vormieter reingedreht. Vogel war es egal. Er brauchte eine Wohnung. Er war gerade obdachlos.

Als er einzog, bat er den Versorger, die Sperrsicherungen zu entfernen. Die Firma lehnte ab, weil Vogel ihr noch 2506,64 Euro schuldet. Schon früher hatte sie ihm den Strom abgestellt, zweimal schon.

Eine Weile spielte er mit dem Gedanken, den Stromkasten im Keller anzuzapfen. Immerhin ist er vom Fach. "1,5 Quadrat, fünfadriges Kabel - das geht ganz leicht", sagt Vogel. Er kennt viele, die das so machen. Sein Versorger auch. Allein in Dortmund stehen gut 120 sogenannte Problemhäuser unter Beobachtung. "Das sind Gebäude, deren Bewohner improvisierte Leitungen zum Nachbarhaus spannen", sagt eine Sprecherin. "Manche Konstruktionen sind lebensgefährlich."

Vogel wollte keine krummen Dinger drehen. Er erwog eine legale Lösung: ein Verlängerungskabel durchs Treppenhaus legen und die Steckdose eines Nachbarn anzapfen. Auch das machen viele. Nur, wen im Haus hätte er fragen sollen? Den Drogendealer? Den drogensüchtigen Hausmeister?

Vogel schließt die Haustür, läuft los Richtung Innenstadt, vorbei am Balkan-Shop, an der "Letzten Kneipe vor der Autobahn". Die Fassaden sind vollgesprüht und schwarz von Abgasen. Er läuft mit großen Schritten. Von seiner Fußverletzung, wegen der er angeblich nicht arbeiten kann, ist nichts zu bemerken. Nach 15 Minuten erreicht er seinen Stammladen, den "Brückentreff".

"Der lebt ja noch! Datt der noch lebt!", wird er drinnen begrüßt. "Wie geht's?" - "Beschissenen Leuten geht's immer gut", sagt Vogel, steckt das Handy-Ladegerät in die Steckdose und hockt sich an den Tresen. Um ihn sitzen Obdachlose, pokernd, rauchend, im Dämmerschlaf.

Im "Brückentreff" und in anderen sozialen Einrichtungen macht Vogel viel von dem, was andere zu Hause machen. Zweimal die Woche duscht er hier. Er isst hier, schmiert sich Wurst- und Käsebrote für den Rest des Tages. Früher, als er selbst obdachlos war, hat er hier auch seine Wäsche gewaschen. Jetzt, wo es ihm besser geht, geht er in den Waschsalon ein paar Straßen weiter. 6,50 Euro, eine Trommel pro Monat, das meiste Unterwäsche, er hat ohnehin nicht viel Kleidung.

Leben ohne Strom - für Vogel ist es eine Zwischenwelt. Besser als die Straße, besser als die Winternächte im Wartehaus von Gleis 18 am Bahnhof, wo er sich oft auf einer Eisenbank zusammenkrümmte, den Rucksack als Kissen, unter einer dünnen Decke. Doch die belegten Brote, die speckigen Duschen im "Brückentreff", das Stromziehen unterwegs: All das ist noch so wie damals, als der Vermieter ihn aus der Wohnung schmiss, die Freunde ihn hängenließen und er plötzlich obdachlos war.

Es dämmert, doch Vogel will noch nicht heim. Lange läuft er durch die Stadt, ziellos, ruhelos. Dann macht er sich es auf einer Bank bequem, am Rande von Dortmunds Nordmarkt, einem Treffpunkt für Junkies, Trinker, Prostituierte. Hier sitzt er oft, kaut die selbstgeschmierten Brote, trinkt vier, fünf Kaffee, ein Becher 50 Cent. Er sagt, es sei seine Ersatzdroge, seit er nicht mehr an der Flasche hängt.

Wenn das Handy geladen ist, spielt er "Texas Holdem Poker". Rund 16 Millionen virtuelle Dollar hat er auf seinem Account. Einmal gewann er in einer Nacht drei Millionen. "Ich war so stolz", sagt Vogel.

Für sein Stromproblem hat er jetzt Hilfe. Die Verbraucherzentrale hat mit seinem Versorger einen Deal gemacht. 154 Euro im Monat soll er zahlen, das Jobcenter soll die Abschläge direkt an den Versorger überweisen. Seine Schulden soll Vogel nach und nach abstottern. Die Caritas will ihn beim Energiesparen beraten, damit er die hohen Abschläge bald drücken kann.

Am 19. April hatte Vogel einen Termin im Jobcenter. Er sollte Papiere einreichen, damit die Behörde die Überweisung an den Versorger starten kann. Er ist nicht hingegangen. Er sagt, er hat die Papiere nicht.

Es ist tiefe Nacht, als Sven Vogel die Wohnungstür aufschließt. Er setzt sich wieder auf die Couch, zündet eine Kerze an. Draußen vor dem Fenster leuchtet das Logo des Dortmunder Hafens. Manchmal löst er im Funzellicht noch ein Sudoku-Rätsel, meist legt er sich gleich hin.

Das Kabel des Fernsehers steckt schon in der Steckdose. Wenn er wieder Strom hat, will er erst die Wohnung putzen. Dann einkaufen und kochen. Und seine Ex anrufen und sagen, dass sie die Kinder vorbeibringen kann.

Quote
Phil2302: Lebenserfahrung fehlt
Barxxo heute, 13:04 Uhr

[Zitat von Phil2302]: Damit habe ich kein Mitleid. 75€ im Monat für Kaffee, aber sich keinen Strom leisten können. Laufen wie ein Irrer, aber arbeitsunfähig, natürlich. ...

Da ist einem Menschen sein Leben entglitten, er lebt im Elend und Sie neiden ihm die paar €. Das ist peinlich und nur mit Ihrer mangelnden Lebenserfahrung erklärbar. Vielleicht sind Sie ja selbst irgendwann auch mal so mies dran, daß ihnen die Kraft für die einfachsten Sachen fehlt. Ich wünsche Ihnen das nicht, aber wenn es passiert, werden sie plötzlich verstehen. Und sie werden später, wenn Sie sich mit viel Glück davon erholt haben, nicht mehr neidisch sein auf Leute, denen es viel dreckiger als Ihnen geht


http://forum.spiegel.de/showthread.php?p=15596133#post15596133


Aus: "Leben ohne Strom: Im dunklen Deutschland" Stefan Schultz, Dortmund (05.05.2014)
Quelle: http://www.spiegel.de/wirtschaft/soziales/energiearmut-reportage-ueber-menschen-ohne-strom-a-964258.html
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[Diese Arbeit ermöglicht ihnen zwar oft... ]
« Reply #412 on: May 05, 2014, 04:17:04 PM »

Quote
[...] Beatrice Hennig sagt, diese jungen Frauen seien vor allem erschöpft: weil sie jeden Tag neu organisieren müssten, wo sie die nächste Nacht schlafen, weil sie verhindern müssen, krank zu werden – denn schon eine Krankenversicherung zu organisieren, überfordert viele. Sie versuchen ihre Schulden zu kontrollieren, aber wissen nicht, wie man einen Hartz-IV-Antrag ausfüllt. Sie haben zu niemandem Vertrauen. Sie haben nie gelernt alleine zu wohnen, zu kochen, einzukaufen. Es sei schon ein großer Erfolg, wenn sie ihre Post öffnen und beantworten.

Prostituierte werden in den Medien oft in zwei Schubladen abgelegt. Repräsentantin der einen Gruppe ist die selbstbestimmte eloquente Frau, die Sexarbeiterin ... Zur anderen ... Zwangsprostituierte, Sklavinnen, die erst mit falschen Versprechungen, dann mit Gewalt und Schulden gezwungen werden, ihre Körper zu verkaufen.

Doch die jungen Frauen, die Beatrice Hennig betreut, gehören zur wesentlich größeren Gruppe von Prostituierten, die weder das eine noch das andere sind. Sie haben sich nicht ausgesucht, was sie tun, aber sie werden auch nicht versklavt. Diese Arbeit ermöglicht ihnen zwar oft nur schlecht für sich selbst zu sorgen – aber sie sorgen immerhin für sich und es ist ihnen wichtig, sich nicht als Opfer zu fühlen. Und das sei schon ein Erfolg, sagt Hennig.

... Hennig sagt, von alleine kommen vor allem junge Frauen, die in Hamburg aufgewachsen sind. Sie finden sich in der Stadt zurecht. Und haben auch ihre Strategien, mit dem Sperrbezirk einigermaßen klarzukommen. Sie verabreden sich mit dem Handy oder online mit ihren Stammkunden. Die andere Gruppe von Mädchen, die die Beraterinnen auf der Straße ansprechen, stammen meist aus Osteuropa, viele von ihnen sind Roma. Sie sprechen kein Deutsch, manche sind sogar Analphabetinnen. Sie kennen sich in Hamburg nicht aus und kommen teilweise nie aus dem Stadtteil heraus, weil sie sich nicht trauen, mit S- oder U-Bahn zu fahren. Sie wissen nicht, an wen sie sich wenden sollen, wenn sie in Schwierigkeiten geraten. Alles macht ihnen Angst. Einen Deutschkurs zu belegen oder gar ein Schulabschluss anzustreben sowieso. Sie werden auch häufiger von der Polizei erwischt und geraten so noch schneller in die Schuldenfalle als die deutschen Mädchen.

Manche waren schon im Heimatland Prostituierte, die meisten waren dort extrem arm. Manche wurden verfolgt oder haben schon mit Anfang 20 mehrere Kinder, die sie zu Hause gelassen haben und denen sie Geld schicken wollen. Sie sind oft mit dem Partner hergekommen, der manchmal auch ihr Zuhälter ist. Sie brauchen noch eine andere Anlaufstelle als die deutschen Mädchen, sagt Hennig, einen Ort, wo sie sich auch ausschlafen können, essen, trinken und Wäsche waschen.

... Und die Männer? Immer wieder, erzählt Hennig, gebe es diese älteren Herren, die sich verlieben und glauben, die Mädchen retten zu müssen. Am besten, indem sie sie heiraten. Das klingt rührend, macht es den Frauen jedoch nicht leicht, weil die Männer etwas in die Begegnung hinein interpretieren, was nicht vorhanden ist. "Natürlich gibt es auch die respektvollen Freier aus allen Schichten und Altersgruppen, die die jungen Frauen auf Augenhöhe behandeln und für eine Dienstleistung angemessen bezahlen", sagt Hennig. Aber im Sperrgebiet seien sie seltener geworden. Stattdessen werden jene immer mehr, die das Prostitutionsverbot nutzen, um die Preise zu drücken. Auch gewalttätige Übergriffe nehmen zu. In der Regel bestimmen die Frauen zwar selbst, welche Praktiken sie anbieten und welche Männer sie ablehnen: "Die meisten gehen nach ihrem Bauchgefühl, sie haben eine unglaublich gute Menschenkenntnis." Aber wenn eine Frau lange keinen Kunden gefunden hat, ließe sie sich eben doch auf Praktiken ein, die sie ekeln oder demütigen.


Aus: "Nicht freiwillig, aber auch nicht versklavt" Parvin Sadigh (5. Mai 2014)
Quelle: http://www.zeit.de/hamburg/stadtleben/2014-04/prostitution-stgeorg-hamburg

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[Die am Rand... ]
« Reply #413 on: May 15, 2014, 09:43:49 AM »

Quote
[...] Der besondere Charakter, der Ruf von Hamburg als weltoffener Metropole gründete sich lange darauf, dass die Stadt Platz bot, auch für die am Rand der Gesellschaft Stehenden. Hamburg bedeutete Jungfernstieg-Chic und St.-Pauli-Prekariat gleichermaßen. Jetzt kam die Hamburger Stadtreinigung auf eine perfide Idee: Sie ließ 160 neue Mülleimer in der Innenstadt aufstellen, aus denen sich – wegen eines Kippmechanismus – keine Pfandflaschen mehr herausfischen lassen. Die Sammler sollen offenbar aus dem Stadtbild verschwinden.

Es war schon immer ein probates Mittel, unerwünschte soziale Gruppen nicht explizit durch Verbote auszuschließen, sondern ihnen die Lebensgrundlage zu entziehen. Man spart sich die ganzen Paragrafen und schafft ganz einfach Fakten.

...


Aus: "Hamburg gegen die Pfandsammler" Dennis Yücel (15.05.2014)
Quelle: https://www.freitag.de/autoren/der-freitag/flaschenkrieg-hamburg-gegen-die-pfandsammler

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[Es waren zahlreiche Anrufe nötig... ]
« Reply #414 on: May 15, 2014, 01:51:07 PM »

Quote
[...] Laut dem Zeitungsbericht befürchteten die europäischen Energiekonzerne, unter ihnen deutsche, französische und italienische Unternehmen, dass Sanktionen gegen Miller die Kooperation mit Gazprom erschwert hätten. "Es war nicht einfach, sich in Brüssel Gehör zu verschaffen, es waren zahlreiche Anrufe nötig, um eine Reaktion zu erhalten", zitierte Wedomosti einen namentlich nicht genannten Firmenvertreter.

Europa bezieht fast ein Drittel seines Gases aus Russland. Gazprom wollte sich ebenso wie Deutschlands größter Energieversorger E.ON und andere europäische Mitbewerber nicht zu dem Bericht äußern.

Die EU hatte am Montag die Sanktionen gegen Russland verschärft. 13 weitere Verantwortliche wurden mit Einreiseverboten und Kontosperren in der EU belegt. ...


Aus: "EU-Energiekonzerne verhinderten Sanktionen gegen Gazprom-Chef" (15. Mai 2014)
Quelle: http://www.zeit.de/politik/ausland/2014-05/ukraine-liveblog-mai-15

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[Ein Schweizer Gericht hat entschieden... ]
« Reply #415 on: May 20, 2014, 01:19:57 PM »

Quote
[...] Genf - Michael Douglas musste 45 Millionen Dollar für die Scheidung von Diandra zahlen, Roman Abramowitsch zahlte seiner Frau Irina angeblich sogar 300 Millionen Dollar. Doch gegen das, was Elena Rybolowlew von ihrem Exmann bekommen soll, sind das nur Kleckerbeträge.

Ein Schweizer Gericht hat entschieden, dass der russische Oligarch Dmitrij Rybolowlew seiner Exfrau Elena mehr als vier Milliarden Schweizer Franken (etwa 3,3 Milliarden Euro) zahlen muss. Das berichten der "Guardian" und der Schweizer "Blick". Die genaue Summe beträgt demnach 4.020.555.987,90 Schweizer Franken, fast die Hälfte des Vermögens des Unternehmers. Hinzu kommen noch Wertgegenstände wie etwa Schmuck und Juwelen.

Elena Rybolowlews Anwalt Marc Bonnant sprach nach dem Urteil, das bereits am 13. Mai fiel, aber erst am Montag öffentlich gemacht wurde, von der "teuersten Scheidung der Geschichte". Sechs Jahre hatte das Verfahren gedauert, Elena bekam nun auch das Sorgerecht für Tochter Anna (13 Jahre alt) zugesprochen. Ob der 47-jährige Rybolowlew das Urteil anfechten wird, ist bislang noch unklar.

Der Unternehmer hatte nach dem Zusammenbruch der Sowjetunion ein Vermögen mit Düngemittel gemacht, laut dem Magazin "Forbes" verfügt Rybolowlew über 9,5 Milliarden Dollar. Damit zählt er zu den 100 reichsten Menschen der Erde. Er besitzt zudem seit 2011 durch seine Firma Mehrheitsanteile des französischen Fußballklubs AS Monaco.

Dmitrij Rybolowlew und Elena hatten sich als Studenten kennengelernt und vor 27 Jahren auf Zypern geheiratet. 2004 erregte das Paar Aufsehen, als es in Cologny am Genfer See für 86 Millionen Schweizer Franken eine Kopie des Versailler Schlosses Petit Trianon bauen wollte. Die Behörden untersagten den Bau jedoch.

bka


Aus: ""Teuerste Scheidung der Geschichte": Russischer Oligarch muss Exfrau vier Milliarden Franken zahlen" (20.05.2014)
Quelle: http://www.spiegel.de/panorama/rekord-scheidung-oligarch-muss-ex-frau-vier-milliarden-zahlen-a-970423.html

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Quote
[...] Im Fall des Zweijährigen, der nach dem Tod seiner Mutter verdurstete, ist ein Sozialarbeiter schuldig gesprochen worden. Das Amtsgericht Leipzig verurteilte ihn wegen fahrlässiger Tötung durch Unterlassen zu einer Geldstrafe von 3600 Euro.

Als Betreuer der Mutter habe der Angeklagte von deren langjähriger Drogensucht gewusst, sagte die Richterin bei der Urteilsbegründung. Seit Anfang 2012 mehrten sich die Anzeichen, dass die junge Frau ihr Leben nicht mehr unter Kontrolle hatte und wieder harte Drogen nahm. Sie blieb dem Methadon-Programm fern und meldete ihren Sohn bei der Tagesmutter ab. Als sie im Februar im Wahn Müll aus ihrer Wohnung schmiss, rückte die Polizei an. Vor dem Tod von Mutter und Sohn hatte der Sozialarbeiter zwei Monate keinen Kontakt mehr zu ihnen.

Die Mutter war wahrscheinlich an einer Überdosis gestorben. Der Junge blieb allein und hilflos in der Wohnung eines Mehrfamilienhauses zurück und starb wenige Tage später. Warum niemand die Frau und ihren kleinen Sohn vermisste oder mögliche Hilferufe des Jungen hörte, ist nicht bekannt. Nachbarn hatten schließlich die Polizei informiert, weil sie Verwesungsgeruch rochen.

Natürlich sei in erster Linie die drogensüchtige Mutter schuld an der Tragödie, sagte die Richterin weiter. Der Sozialarbeiter, der von Kollegen als engagiert und kompetent geschildert wurde, sei aber aufgrund seines Berufs mit in der Verantwortung für Kieron-Marcel gewesen. Zudem habe er viel Erfahrung mit Drogensüchtigen gehabt. Die Risiko eines Rückfalls müsse ihm bewusst gewesen sein.

Der Verteidiger des Mitarbeiters des Jugendamts hatte einen Freispruch verlangt. Der Mann selbst hatte zu Beginn des Prozesses im Januar eine Verantwortung für den Tod des Jungen zurückgewiesen. Der Anwalt ließ nach dem Richterspruch nun offen, ob er gegen das Urteil Rechtsmittel einlegen wird.

vks/dpa


Aus: "Verdurstetes Kleinkind in Leipzig: Sozialarbeiter wegen fahrlässiger Tötung verurteilt" (26.05.2014)
Quelle: http://www.spiegel.de/panorama/justiz/tod-von-kleinem-jungen-in-leipzig-sozialarbeiter-schuldig-gesprochen-a-971794.html

« Last Edit: May 26, 2014, 04:47:41 PM by Textaris(txt*bot) »
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[In der Einladung zur Hauptversammlung... ]
« Reply #416 on: May 22, 2014, 10:25:19 AM »

Quote
[...] 4,5 Milliarden Euro erhielten die rund 25.000 Mitarbeiter der Investmentbanking-Sparte im vergangenen Jahr. 2,1 Milliarden Euro davon waren Bonuszahlungen. Ein Großteil ging an die gut 3000 Topverdiener des Bereichs. Das Geld sollte die Erfolge der Finanzjongleure honorieren. Wie diese Erfolge aussahen, zeigt ein Blick auf die Geschäftszahlen. Gerade mal 681 Millionen Euro Gewinn hat die Bank 2013 gemacht - ein schlechtes Ergebnis, vor allem im Investmentbanking.

Allein die Boni sind dreimal so hoch wie der Gewinn: Angesichts solcher Zahlen sollte man erwarten, dass die Aktionäre bei der Hauptversammlung an diesem Donnerstag so richtig Ärger machen. Was rechtfertigt eine so hohe Bezahlung einiger Mitarbeiter, wenn die Ergebnisse, die sie liefern, so mau sind?

Doch die Führung der Bank plant einfach weiter mit hohen Gehältern ... In der Einladung zur Hauptversammlung teilt die Chefetage den Aktionären mit, dass man bei begrenztem Bonus eben die Fixgehälter entsprechend anheben werde, um "weiterhin eine wettbewerbsfähige Vergütung" sicherzustellen. Das mag legal sein - und die Deutsche Bank ist sicher auch nicht die einzige, die es so handhabt.

...

Quote
kobalt666 heute, 07:19 Uhr

Das Problem sind in erster Linie nicht die Leute, die die Gehälter und Boni empfangen. ... Wenn man bedenkt, dass so etwas von Leuten gemacht wird, die für Ihren Job zumindest die Grundrechenarten beherrschen sollten kann man wirklich nur mit dem Kopf schütteln und das Argument der wettbewerbsfähigen Vergütungen IST entlarvt und ad absurdum geführt!

http://forum.spiegel.de/showthread.php?p=15735932#post15735932



Aus: "Der Kommentar am Morgen: Eine Bank als Beute" Stefan Kaiser (22.05.2014)
Quelle: http://www.spiegel.de/wirtschaft/unternehmen/deutsche-bank-hauptversammlung-soll-boni-grenze-erhoehen-a-970946.html
« Last Edit: May 26, 2014, 04:47:57 PM by Textaris(txt*bot) »
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[Wonach richten sich... ]
« Reply #417 on: May 26, 2014, 04:53:28 PM »

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[...] KarriereSPIEGEL: Wonach richten sich Ihre Preise?

Bordellchefin Felicitas Schirow: Unsere Preise bewegen sich zwischen 150 und 200 Euro die Stunde, je nachdem, was der Mann sich wünscht. Meine eigenen Preise richte ich aber auch danach, wie sympathisch ein Gast ist. Ist jemand nett, nehme ich auch mal weniger Geld. Von wohlhabenden Kunden verlange ich mehr.

KarriereSPIEGEL: Woran erkennen Sie, ob ein Kunde Geld hat?

Schirow: Man kommt an der Bar ins Gespräch, oft kann man das aber schon an Äußerlichkeiten festmachen. Die Reichsten sehen oft unscheinbar aus, denn wohlhabende Männer lassen ihren Reichtum nicht unbedingt raushängen. Feilschen wollen immer die, die einfach gestrickt sind. Geschäftsleute verhandeln meist gar nicht.

KarriereSPIEGEL: Denen kann die Summe auch ziemlich egal sein.

Schirow: Ja, aber es gibt auch einen anderen Grund: Männer mit Klasse wollen keine billigen Frauen, die sich unter Wert verkaufen. Von denen höre ich oft: Wenn du einen günstigeren Preis genannt hättest, hätte ich dich nicht bestellt.

...


Aus: ""Von wohlhabenden Kunden verlange ich mehr"" Ein Interview von Anja Tiedge (26.05.2014)
Quelle: http://www.spiegel.de/karriere/berufsleben/sex-fuer-geld-so-verhandeln-prostituierte-a-966619.html

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Textaris(txt*bot)

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[Während weite Teile Europas... ]
« Reply #418 on: June 01, 2014, 11:57:49 PM »

Quote
[...] London. Das Vermögen der 1.000 reichsten Briten ist auf ein Rekordhoch geklettert: 518.975 Milliarden Pfund (637.217 Milliarden Euro) besitzen sie zusammen laut einer Liste der „Sunday Times“. Das sind gut 15 Prozent mehr als vor einem Jahr. ...


Aus: "Großbritanniens Superreiche vermögend wie nie - Queen auf Platz 285 " (18.05.2014)
Quelle: http://www.sz-online.de/nachrichten/grossbritanniens-superreiche-vermoegend-wie-nie-queen-auf-platz-285-2841133.html

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[...] Hamburg - Während weite Teile Europas unter der Euro-Krise leiden, sind Wachstum und Beschäftigung in Deutschland robust. Dennoch sind die Vermögen hierzulande so stark konzentriert wie nirgendwo anders in der Euro-Zone. Das ist das Ergebnis einer Studie des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW) im Auftrag der gewerkschaftsnahen Hans-Böckler-Stiftung.

2012 lag der Gini-Koeffizient, der die Vermögensverteilung in einem Land misst, bei 0,78. Damit liegt Deutschland vor Griechenland oder Italien - Länder, in denen nach gängiger Vorstellung extremer Reichtum auf bittere Armut trifft. Dass die Reichen in Deutschland reicher und die Armen ärmer werden, bestätigt die Studie aber nur teilweise: In den vergangenen zehn Jahren verharrte die Ungleichheit etwa auf gleichem Niveau. ....


Aus: " Vergleich in der Euro-Zone: Kluft zwischen Arm und Reich in Deutschland am größten" (26.02.2014)
Quelle: http://www.spiegel.de/wirtschaft/soziales/vermoegen-in-deutschland-ungleicher-verteilt-als-im-rest-der-eurozone-a-955701.html

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[...] Wichtiger zur Erklärung der anhaltend großen Ungleichheit hierzulande als all diese eher individuellen Gründe sind aber die niedrige Chancengleichheit und geringe soziale Mobilität in Deutschland. In kaum einem anderen europäischen Land ist es so schwierig für Menschen aus sozial schwächeren Schichten, sich in die oberen Einkommensgruppen hochzuarbeiten. Es ist ein Skandal, dass in einer sich "sozial" nennenden Marktwirtschaft 70 Prozent der Akademikerkinder die Universität besuchen, aber nur 20 Prozent der Kinder von Eltern ohne akademischen Abschluss. ...

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   mr_murdock
    15. März 2014 19:12 Uhr

Zielsicher daneben

Der Autor hat in diesem Beitrag wirklich zielsicher an einer der wichtigsten Ursachen für die Ungleichheit der Vermögen in Deutschland vorbeigeschrieben:
Die zunehmende Entkopplung der Lohnentwicklung vom Anstieg der Produktivität. Die Gewinne, die durch das Produktivitätswachstum in den letzten Jahrzehnten generiert wurden, gingen vornehmlich in die Taschen der Unternehmen bzw. ihrer Anteilseigner, während Arbeitnehmer sich in Zurückhaltung üben sollten - um ihren Arbeitsplatz nicht zu gefährden natürlich.



Aus: "Kein Wohlstand für alle" (15. März 2014)
Quelle: http://www.zeit.de/2014/11/ungleichheit-vermoegen-bildungspolitik-altersvorsorge

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[...] [2014 sorgte seine Veröffentlichung Capital in the Twenty-First Century (französisch 2013: Le Capital au XXIe siècle) weltweit, vor allem in den USA für sehr große Aufmerksamkeit. [http://de.wikipedia.org/wiki/Thomas_Piketty] ]

... Das Buch ist nicht nur eine Abhandlung über die Geschichte der Verteilung von Einkommen und Vermögen, sondern es entwickelt auch eine Erzählung, die sich in die Zukunft fortschreiben lässt. In den Industrieländern hat sich demnach die Verteilung seit der industriellen Revolution gespreizt. Das lag nicht daran, dass die Arbeiter gegenüber den Managern ins Hintertreffen gerieten. Wichtiger als die Verteilung innerhalb der Arbeitseinkommen war das zunehmende Gewicht der Einkommen aus Kapital: der Zinsen und Dividenden, Mieten und anderer Einnahmen aus Eigentum. Das Kapital ist nämlich immer und überall deutlich ungleicher verteilt als das Volkseinkommen. Und wenn es schneller wächst als die Wirtschaft, wird eine Gesellschaft irgendwann ungleicher.

... Das Gewicht des Kapitals nimmt fast überall zu, und dieses Vermögen konzentriert sich weiter in den Händen von wenigen. Das geschieht nicht nur, weil die Reichen oft höhere Renditen mit ihrem Kapital erzielen als die kleinen Sparer, sondern mehr noch, weil die Vermögen an eine sinkende Zahl von Kindern vererbt werden.

An dieser Stelle wagt Piketty die Prognose: Wenn wir den Kapitalismus nicht verändern, dann wird die Ungleichheit in diesem Jahrhundert weiter zunehmen, und der soziale Frieden wird zerstört werden. Das System entzieht sich seine eigene Basis. Aus all dem folgert Piketty: Weil der Kapitalismus aus sich heraus keine befriedigende Antwort auf diese bedrohliche Entwicklung findet, müssen die Staaten handeln, und zwar am besten gemeinsam.

...  Längst hat Thomas Piketty die Arm-Reich-Debatte verändert. Das Wissenschaftsmagazin Science hat dem Thema gerade eine ganze Ausgabe gewidmet. Die New York Times debattiert sogar die Ungleichheit in der Kunstwelt. Und selbst Ökonomen, die lange gar nichts davon wissen wollten, stürzen sich in den Streit.

Die größte Herausforderung trifft dabei die liberale Seite. Will sie die These wachsender Ungleichheit nicht verwerfen und etwas an den Umständen ändern, braucht sie eine Antwort, die den Staat nicht aufbläht. Sie kann also nicht einfach Ja sagen zu höheren Steuern, wohl aber zu einem veränderten Steuersystem, in dem zum Beispiel die Sätze auf hohe Erbschaften und hohe Kapitalerträge steigen – und in dem gleichzeitig Arbeitnehmer durch sinkende Abgaben mehr vom Brutto haben.

In Paris verabschiedet Thomas Piketty den Besucher mit seinem Merksatz: "Die Konzentration von Vermögen ist auf Dauer entscheidender als die Konzentration von Einkommen." Und der Besucher denkt: Kann gut sein, aber welche Schlüsse man daraus zieht, ist jedem selbst überlassen.

Quote
   maniak
    29. Mai 2014 16:16 Uhr

Wie dogmatisch die neoliberale Ökonomie doch ist, zeigen diese Angriffsversuche auf die Ehre eines Mannes, der eine unbequeme Wahrheit bewiesen hat und ausspricht, eine, die die mit der Wirtschaft zu stark verschränkte liberale Ökonomie als existenzbedrohend wahrnehmen muss.

Ich jedenfalls lasse mir weder von der Financial Times noch von irgendeinem anderen Wirtschaftsmagazin erzählen, dass diese eine unabhängige Meinung vertreten.

Piketty hat recht, und das behält er auch, wie man es dreht und wendet, wie absurd, menschenverachtend und zynisch ein Hans-Werner Sinn oder wer auch immer dagegen versucht zu argumentieren. Sie alle ignorieren doch das Hauptproblem der westlichen Welt: Die Wirtschaft dient nicht mehr dem Volk, sondern das Volk der Wirtschaft. Die Wirtschaft ist ja nicht einmal mehr durch die ArbeitnehmerInnen und ArbeitgeberInnen mehrheitlich repräsentiert, wenn man bedenkt, was die Finanzmärkte für einen Anteil am BIP bestreiten! ...


Quote
   iboo
    29. Mai 2014 17:11 Uhr

Ist das nicht alles seit der 0ccupy-Bewegung bekannt?

Oder auch schon vorher, da entsprechende Datenreihen ja auch schon vorher publiziert wurden. Mir war die wachsende Kluft, die sich insbesondere seit der Jahrtausendwende ausweitet, jedenfalls schon vor ein paar Jahren aufgefallen, so dass ich schon etwas überrascht bin, dass jetzt plötzlich alle überrascht sind. Aber vielleicht hat Pikkety nun zum richtigen Zeitpunkt die richtigen Worte gefunden, um die Leute aufzuwecken - immerhin.



Aus: "Die Wahrheit über Arm und Reich" (DIE ZEIT Nº 23/2014)
Quelle: http://www.zeit.de/2014/23/thomas-piketty-umverteilung-kapitalismus/

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Quote
[...] Pikettys Thema ist die Ungleichheit. Seit Jahren sammelt er Daten über das Geld der Welt, insbesondere über das der Reichen. Das ist nicht einfach; denn so omnipräsent und wirkmächtig sich das Kapital zunehmend erweist, so wenig untersucht ist es. Seit Jahren arbeitet er mit seinen Kollegen an einer Datensammlung, die die finanziellen Verhältnisse der Reichen abbildet. Er hat diese Erkundungen auch in historischen Epochen unternommen, in seinem Buch kann Piketty also eine historische Anatomie des Kapitals vornehmen, mit ausführlichen, nahezu philosophischen Betrachtungen zu Themen wie Rente, Steuern und anderem mehr.

Er versteht die Wirtschaftswissenschaften im Unterschied zu seinen Kollegen nicht als eine der hohen Mathematik verwandte schöne Kunst, sondern als Sozialwissenschaft, der es darum gehen sollte, mit realen Daten reale Probleme zu erörtern oder gar zu lösen. „Mir kam es immer mehr auf das Urteil der Kollegen in den Geschichtswissenschaften oder der Soziologie an als auf jenes der Wirtschaftswissenschaftler, die, obwohl – oder gerade weil – sie alle anderen Wissenschaften ignorieren, von nichts etwas verstehen.“

Was er herausgefunden hat, ist leicht zu verstehen, aber schwer zu beweisen und von nicht abzuschätzender Tragweite, denn es widerlegt die neoliberale Lehre, die uns nun schon so viele Jahrzehnte regiert. Es ist das Bild einer Lawine: Einmal ausgelöst, vermehrt sich die Masse des Kapitals schneller, als der Arbeitnehmer rennen kann. Wenn der Staat oder die Geschichte nicht regulierend eingreifen, wächst das Kapital immer schneller als alles andere, insbesondere der Ertrag der Arbeit. Das bürgerliche Leistungsprinzip ist dann ausgehebelt, wie jetzt schon in den südeuropäischen Ländern oder in Russland. Es ist egal, ob ihre Kinder eine gute Schule besuchen, sich Mühe geben, eine gute Stelle bekommen – wenn die Eltern nicht bereits reich sind, ist der soziale Aufstieg eine komplizierte und äußerst unwahrscheinliche Sache.

Auf unsere Zeit bezogen, bedeutet dies, dass die Lasten, die zur Aufrechterhaltung unseres Lebensstandards als Kulturnation und Sozialstaat zu tragen sind, künftige Arbeitnehmer erdrücken werden. Und der Einfluss jener, die ihr Geld schlicht geerbt oder auf unmoralischen, ja, illegalen Wegen vermehrt haben, der Oligarchen und der Steuerhinterzieher, ist stärker als die matte politische Repräsentanz der ausgebrannten Mittelschichten. Öfter mal müde und abgespannt, volle Arbeitstage und doch regelmäßig zu Gast im Dispo? Dann empfiehlt sich diese Lektüre von „Capital au XXième siècle“, um zu kapieren, dass es mit individueller Work-Life-Balance, mit Coaching und Duftkerzen an der Badewanne allein nicht zu ändern ist.

Dass wir die jetzige Entwicklung, die Ausweitung der Schere zwischen Arm und Reich als Rückschritt verstehen, ist darauf zurückzuführen, dass die vergangenen Jahrzehnte eine historische Ausnahme waren. Die Abmilderung der sozialen Spannungen, der Aufstieg der Mittelklassen und das Maßhalten der Reichen verdankten sich nicht allein weiser Steuerung großer Männer, sondern historischer Kontingenz. Kurz gesagt, waren es der Zweite Weltkrieg und die Folgen, die zu einer historischen Ausnahmesituation führten, in der das Kapital nicht schneller wuchs als beispielsweise der Ertrag der Arbeit.

Doch nun kündigen sich die alten Verhältnisse wieder an, die aus den Romanen des neunzehnten Jahrhunderts, von Balzac und Jane Austen, die Piketty immer wieder zitiert. Bloß dass diese Dynamik zu Beginn unseres Jahrhunderts weitaus stärker wirkt, weil sie sich global entfaltet.

Besonders streng fällt das Urteil Pikettys über die Verhältnisse in den Vereinigten Staaten aus, wo sich die politische Klasse, was die Vermögensverhältnisse betrifft, längst und wohl unwiderruflich in einer ganz anderen ökonomischen und sozialen Sphäre bewegt als jene, die sie zu repräsentieren hätte. Er weist nach, dass das einstige Land der Pioniere nur noch die Rentiers belohnt, und befürchtet, es könne zum stagnierenden alten Kontinent der neuen Weltordnung mutieren, in dem Dynastien wie die der Bushs und Clintons alternierend regieren und die großen Trends bestenfalls moderieren.

Pikettys wahres Engagement aber gilt Europa. Wir leben, seine Arbeiten zeigen es, auf einem der reichsten Flecken der Erde. Dass die öffentlichen Kassen leer, die politische Gestaltungsmacht schwach und die supranationale Zusammenarbeit kapriziös erscheinen, das ist allein ein Produkt der Politik der gegenwärtigen Regierungen, die alle ein Interesse daran haben, Europa schwächer dastehen zu lassen, als es ist.

Und fiskalisch, das betont er, ist unser Teilkontinent ein echtes Sieb: Luxemburg, Monaco, die Schweiz, die britischen Kanalinseln – wer seine Steuerlast minimieren will, muss nicht mal in irgendeinen Oligarchenstaat ziehen, er kann dies mitten in Europa tun und die Vorteile einer Zivilisation genießen, ohne dafür den angemessenen Anteil beizutragen. Für Piketty ist dies: reiner Diebstahl.

Dabei spart er allerdings auch nicht mit Kritik am staatlichen Umgang mit eingenommenen Geldern. Die Erfordernisse der Modernisierung und zur Transparenz politischen Handelns sind gerade vielen Verantwortlichen unter den Linken noch nicht genügend im Bewusstsein, klagt er. Er macht es sich nie einfach und bemüht sich geradezu obsessiv, pragmatisch und im Sinne des Common Sense zu formulieren. Am Ende des Buches aber gestattet er sich eine Utopie: eine progressive Steuer auf das Kapital, weltweit harmonisiert erhoben. Technisch und juristisch wäre das problemlos zu machen, politisch natürlich nicht.

... Pikettys Buch zeigt nebenbei auch, dass wir im intellektuellen Austausch zwischen Deutschland und Frankreich zurückgefallen sind. Hans Hütt, gelegentlich Autor auch in dieser Zeitung, wies auf den Umstand hin, dass Piketty in Deutschland erst auf dem Umweg über Amerika rezipiert wurde, die Originalausgabe blieb weitgehend unbemerkt. Und die deutsche Ausgabe steht noch in weiter Ferne, sein deutscher Verlag C.H. Beck will dieses so wichtige Werk erst irgendwann 2015 in deutscher Übersetzung herausbringen – so kann es zu keiner europäischen Debatte kommen.

Piketty ist müde, der plötzlich hereinbrechende Ruhm ruft auch Gespenster auf den Plan. Er muss sich mit seiner durchdachten, sozialdemokratisch-popperianischen Anthropologie des Kapitals plötzlich gegen den Vorwurf verteidigen, ein gefährlicher Linksradikaler zu sein, sein Wikipedia-Eintrag ist ein Tummelplatz der Trolle. Er macht sich mit einem aggressiv wirkenden Espresso aus einem kleinen braunen Plastikbecher Mut. Bevor wir uns verabschieden, äußert er noch einen Wunsch: „Könnten Sie bitte deutlich machen, dass ich ein optimistisches Buch geschrieben habe? Wir in Europa, wir haben alles, was wir brauchen. Wir müssen es halt nutzen.“


Aus: "Zu Besuch bei  Thomas Piketty: Der neue Star der Intellektuellenszene" Nils Minkmar  (07.05.2014)
Quelle: http://www.faz.net/aktuell/feuilleton/zu-besuch-bei-thomas-piketty-der-neue-star-der-intellektuellenszene-12927888.html

http://www.ipg-journal.de/kommentar/artikel/globale-ungleichheit-376/

« Last Edit: June 02, 2014, 12:02:17 AM by Textaris(txt*bot) »
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Textaris(txt*bot)

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[Bevölkerungen... ]
« Reply #419 on: June 03, 2014, 10:36:06 AM »

Quote
[...] Kosten der Bewältigung der globalen Finanz- und Wirtschaftskrise hätten viele Staaten "an die Bevölkerungen weitergegeben, die seit mehr als fünf Jahren weniger Arbeitsplätze und niedrigere Einkommen verkraften müssen".


Aus: "Folgen der Wirtschaftskrise: Uno-Arbeitsorganisation rügt Sozialabbau in Europa" (03.06.2014)
Quelle: http://www.spiegel.de/wirtschaft/soziales/ilo-warnt-vor-sozialabbau-in-europa-a-973023.html

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Quote
Horatio Caine, 03.06.2014

Ich behaupte mal mit dem Wort...

"Viele Staaten hätten Kosten der Bewältigung der globalen Finanz- und Wirtschaftskrise "an die Bevölkerungen weitergegeben, die seit mehr als fünf Jahren weniger Arbeitsplätze und niedrigere Einkommen verkraften müssen"."

"Bevölkerungen" sind nicht alle Schichten gemeint.



http://www.zeit.de/wirtschaft/2014-06/finanzkrise-armut-sozialabbau-ilo-bericht?commentstart=1#cid-3691199

Kommentar zu: http://www.zeit.de/wirtschaft/2014-06/finanzkrise-armut-sozialabbau-ilo-bericht

« Last Edit: June 03, 2014, 11:06:55 AM by Textaris(txt*bot) »
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