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Author Topic: [Menschen in Schichten und Klassen... ]  (Read 469099 times)

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Textaris(txt*bot)

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[Eine Art psychologische Trennwand... ]
« Reply #315 on: October 17, 2012, 12:32:37 PM »

Quote
[...] Beziehungsarmut Auch wohlhabende Menschen leiden unter ihrem sozialen Status. ... Menschen, die sich auf den unteren Stufen der sozialen Leiter befinden, verfügen über eine wesentlich schlechtere körperliche und geistige Gesundheit als bessergestellte Menschen. Sie leiden häufiger an Herzkrankheiten, Depressionen, verschiedenen Krebsarten, höheren Todesraten und begehen häufiger Selbstmord.

... Was nun die sozial Bessergestellten betrifft, waren die Forscher anfänglich davon ausgegangen, dass diese vermehrt von „Managerkrankheiten“ betroffen wären wie etwa Herzleiden, die zurückgeführt werden auf die vergleichsweise hohe Verantwortung, die in Top-Positionen gefordert ist. Stattdessen aber fand man heraus, dass ein höherer Status sich vielmehr auf andere Herzensangelegenheiten auswirkt: Er erzeugt eine Art psychologische Trennwand zum sozialen Umfeld.

2010 wurde beispielsweise in der Zeitschrift Psychological Science eine Studie veröffentlicht, die zeigt, dass Menschen mit einem höheren sozioökonomischen Status schlechter darin sind, die Emotionen anderer Menschen wahrzunehmen und zu erkennen. „Mit zunehmendem Wohlstand wird man selbstbezogener“: so fasst Michael Kraus, Hauptautor der Studie und Professor für Psychologie an der Universität Illinois, die Ergebnisse zusammen. „Wenn man oben auf der sozialen Leiter steht, treten in der Wahrnehmung die Freiheiten und Möglichkeiten in den Vordergrund, die man selbst den anderen voraushat. Das führt dazu, dass man die Gefühle anderer weniger gut erkennt.“

Weitere Belege liefert eine Studie, die Ende letzten Jahres in der wissenschaftlichen Zeitschrift Emotion veröffentlicht wurde und derzufolge College-Studenten aus der Oberschicht weniger Mitgefühl als andere Studenten zeigten, wenn sie ein Video über Kinder sahen, die an Krebs litten. Der Herzschlag der weniger wohlhabenden Studenten verlangsamte sich beim Schauen des Videos. Die Herzen der reichen Studenten hingegen zeigten dieses physiologische Zeichen für Mitgefühl nicht.

„Es ist nicht so, dass Leute aus der Oberschicht kaltherzig sind“, erklärt Jennifer Stellar, Leitautorin der Studie und Doktorandin an der Universität Berkeley in Kalifornien. „Sie sind möglicherweise nur weniger versiert darin, die Hinweise und Anzeichen von Leid zu erkennen.“

Eine weitere Studie, die in der Zeitschrift Psychological Science veröffentlicht wurde, unterstreicht diesen Schluss. Hier wurde gezeigt, dass Studenten aus wohlhabenderen Familien sich offenbar weniger in Unterhaltungen einbringen als solche mit niedrigerem sozioökonomischem Status. Im Experiment kritzelten sie während Unterhaltungen herum, wühlten in ihren Rucksäcken und guckten immer wieder auf ihre Mobiltelefone – legten also ein unverhohlenes Desinteresse an ihrem Gegenüber an den Tag, selbst wenn die betreffende Person ebenfalls wohlhabend war. Sie reagierten auf etwas, das das Gegenüber gesagt hatte, sogar seltener mit einem Kopfnicken oder Lachen.

Dass die Studien allesamt – wie üblich- mit Studenten durchgeführt wurden, mag auf den ersten Blick deren Aussagekraft einschränken. Tatsächlich jedoch offenbart sich dadurch, dass die psychologischen Auswirkungen von hohem Status so groß sein können, dass sie sich sogar in Bezug auf ein Gegenüber bemerkbar machen, mit dem man sehr viel gemeinsam hat. Dies unterstreicht eine der größten Erkenntnisse der neueren Forschungen: Wohlhabende sind nicht nur weniger geneigt, sich mit schlechter Gestellten einzulassen, sondern mit überhaupt irgendjemandem.

Das sind schlechte Nachrichten auch für die Reichen selbst. „Mitgefühl, empathische Genauigkeit, Vertrauen und Kooperation sind Schlüssel zu sozialer Verbundenheit und schließlich Glück“, sagt Paul Piff. Er ist Forscher in Berkeley und hat herausgefunden, dass Menschen mit höherem sozioökonomischem Status weniger bereit waren, einem Fremden Geld zu geben oder für einen wohltätigen Zweck zu spenden.

Innerhalb der sogenannten Positiven Psychologie geht man davon aus, dass Glück (und Gesundheit) zu einem großen Teil durch die Qualität und Quantität unserer sozialen Beziehungen bestimmt wird. „Prosoziales“ Verhalten und Emotionen wie Mitgefühl, Empathie und Altruismus stehen dieser Forschungsrichtung nach mit der Lebenszufriedenheit in engem Zusammenhang.

Dies zeigen auch die Arbeiten von Sonja Lyubomirsky, einer der führenden Glücksforscherinnen. In ihren Untersuchungen berichten Menschen, dass sie sich glücklicher fühlten, wenn sie etwas Nettes für jemand anderen getan hatten. Verschiedene neurowissenschaftliche Studien zeigen darüber hinaus, dass es die Lustregionen des Gehirns aktiviert, anderen etwas zu geben. Experimente der Psychologinnen Lara Aknin und Elizabeth Dunn haben sogar ergeben, dass es größeres Glück verschafft, Geld für andere auszugeben als für sich selbst. Bei einer weiteren, im vergangenen Jahr veröffentlichten Studie, bei der die Teilnehmer sich nur fünf bis 15 Minuten in der Woche um andere kümmern sollten, berichteten die Probanden noch ein halbes Jahr später von einem signifikanten Anstieg ihres Glücks- und Selbstwertgefühls.

„Wenn man anderen gegenüber freundlich handelt, hat man ein besseres Gefühl sich selbst gegenüber und fühlt sich optimistischer“, sagt Glücksforscherin Lyubomirsky. „Man sieht die Menschen stärker miteinander verbunden und stärkt die eigene Verbundenheit zu anderen, die man in schlechten Zeiten einmal brauchen könnte. All dies zusammen macht glücklicher.“

Diese Ergebnisse bieten eine Erklärung dafür, warum Amerikaner jenseits eines Einkommens von jährlich 75.000 Dollar nicht mehr glücklicher werden, wenn sie noch mehr Geld verdienen. Jenseits dieser Marke bringt das Gefühl des erhöhten Status möglicherweise jene abträglichen sozialen und emotionalen Effekte mit sich, die die Freude über das viele Geld wieder aufheben.

Genau betrachtet folgt aus den Forschungsergebnissen jedoch nicht, dass Geld ein Problem ist. Problematisch scheint vielmehr der mit dem Reichtum einhergehende Status – die in Relation zu anderen Menschen höhere Stellung.

Außerdem: Wenn Geld unglücklich machen würde, dann wären die ärmsten Länder zugleich die glücklichsten. Sind sie aber nicht. Der Schlüssel scheint vielmehr in dem Ausmaß sozialer Ungleichheit zu liegen. Die glücklichsten Länder sind diejenigen, in denen die Gleichheit am größten ist, wie es in Norwegen, Dänemark, Finnland und Schweden der Fall ist. Diese Länder rangieren nicht zufällig auch im Mitgefühlsindex des Forschers Ron Anderson von der University of Minnesota unter den Höchstplatzierten.

Im Gegensatz dazu haben Länder mit größerer Ungleichheit wie die USA oder Großbritannien signifikant höhere Raten an gesundheitlichen und sozialen Problemen. Laut Analyse des britischen Epidemiologen Wilkinson sind mentale Erkrankungen in ungleichen Ländern dreimal häufiger. Desgleichen ist die Säuglingssterblichkeit höher und die Lebenserwartung erheblich geringer. Vertrauen und sozialer Zusammenhalt – die wichtige Glücksfaktoren darstellen – sind in gleicheren Gesellschaften deutlich stärker ausgeprägt.

Die verschiedenen Forschungsergebnisse legen weiterhin nahe, dass Ungleichheit selbstverstärkend wirkt. Das fehlende Mitgefühl der Reichen macht es unwahrscheinlicher, dass sie sich um die weniger Begüterten kümmern, wodurch die Kluft zwischen Arm und Reich sich vertieft. Und je tiefer sie wird, desto weniger werden die Reichen wohl etwas dagegen tun wollen.

Was also tun? Wenn nicht zu erwarten ist, dass die höheren Gesellschaftsschichten sich plötzlich von selbst um die niedrigeren Schichten kümmern – welcher Weg bleibt dann, um zumindest die psychologischen Folgen der Ungleichheit zu bekämpfen, welche Reiche wie Arme betreffen?

Es gibt durchaus Grund zur Hoffnung. Studien zeigen, dass es die Empathiefähigkeit bereits erhöht, wenn man sich auch nur in der Vorstellung weiter unten auf der sozialen Leiter platziert. Ein Beispiel dafür sind „Armutssimulationen“. Dabei handelt es sich um Programme, in denen Menschen in Führungspositionen sich für ein paar Stunden in jemanden mit niedrigem Status versetzen und aus dieser Perspektive versuchen sollen, die Herausforderungen des Lebens zu meistern.

„Die Teilnehmer sind von dem Experiment geradezu überwältigt“, berichtet Tiela Chalmers, Anwältin aus San Francisco, die seit fünf Jahren Armutssimulationen in Kanzleien in ganz Amerika durchführt. „Sie gehen daraus mit einer mitfühlenderen Sicht der Dinge hervor.“

Auch wenn also Ungleichheit sich zunächst in den oberen Gesellschaftsschichten als Empathie-Killer auswirkt und möglicherweise auch als Glücksbremse, lässt sich diesen Effekten durchaus gezielt entgegensteuern – zum Beispiel durch ehrenamtliche Arbeit, die die Kontakte zwischen Menschen verschiedener Hintergründe fördert. Ein anderer Ansatz, die Empathiekluft zu verkleinern, wäre, die Ungleichheit zu reduzieren. Aber wie dies geschehen könnte – darüber streiten die Experten.

Letztlich, betont Berkeley-Wissenschaftler Piff, gehörten Hierarchien zum Leben, die Ungleichheit abzuschaffen sei kein realistisches Ziel. Wirklich wichtig für das Glück der Reichen, der Armen und aller anderen dazwischen sei es jedoch, jene Form krasser sozialer Spaltung zu kurieren, wie man sie heutzutage in den USA findet: „Wenn es gelingt, die Extreme zwischen denjenigen, die etwas haben, und denen, die nichts haben, zu reduzieren, hat man viel dafür getan, die Mitgefühls- und Empathiekluft zu schließen.“

Übersetzung: Zilla Hofmann


Aus: "Geld schlägt aufs Herz" Jason Marsh (16.10.201)
Quelle: http://www.freitag.de/autoren/the-guardian/geld-schlaegt-aufs-herz

http://www.misik.at/texte-aus-dem-standard-wien/mehr-gleichheit-macht-glucklich.php

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[Die kleinen Geschäfte müssen akzeptieren... ]
« Reply #316 on: October 17, 2012, 04:51:33 PM »

Quote
[...] Russlanddeutsche sind hier, sie bleiben unter sich. Die Deutschen im Viertel haben oft keine Arbeit, leben von Hartz IV. Oder sie sind in Rente. Diese Renten sind niedrig. Die kleinen Geschäfte müssen akzeptieren, dass nicht jeder sofort bezahlen kann. Das war schon schwierig genug. Und jetzt kommen auch noch die Ausländer.

... Die Menschen kommen von irgendwoher nach Deutschland, sie werden über die Bundesländer verteilt, dann weitergereicht an die Landkreise, von dort schließlich in die Kommunen geschickt. Bis zu 220 Asylbewerber könnten es werden, die Wolgast aufnehmen muss. Von Wollen kann keine Rede sein. "Wir haben keine andere Wahl", sagt Bürgermeister Stefan Weigler.

... Sie haben keine Wahl: Es ist eine ziemlich peinliche Geschichte, die sich da in Wolgast abspielt, peinlich nicht nur für die Wolgaster, sondern fürs ganze Land. Seit Jahrzehnten kommen Flüchtlinge nach Deutschland, aus den unterschiedlichsten Gründen, ob aus wirtschaftlicher Not, weil sie politisch oder religiös verfolgt werden, oder weil ihre Heimat in Kriegswirren untergeht. Das Elend ist täglich in den Nachrichten. Und immer noch passiert es, dass eine Stadt wie Wolgast auf die Fremden reagiert wie auf Außerirdische. Plötzlich sind sie da, und alles kommt durcheinander.

...  Im April hat Wolgast erfahren, dass es nun auch Asylbewerber unterbringen muss, die Verwaltung des Landkreises Vorpommern-Greifswald hat das so verfügt. Eine Weile haben sie gesucht, dann fanden sie dieses sechsstöckige Haus in Wolgast-Nord, ein Plattenbau mit drei Aufgängen, jede dritte Wohnung stand leer. Die verbliebenen Bewohner wurden umgesiedelt, das Haus umgewidmet, ein Unternehmen mit dem schönen Namen European Home Care beauftragt, es in ein Heim für Asylbewerber umzugestalten. Mitten im sozialen Brennpunkt. Ein Abriss weniger.

Es hat nicht lang gedauert, dann wurde getuschelt. Für die alten Bewohner sei nie etwas gemacht worden, für die Ausländer aber, da würden jetzt Luxuswohnungen hergerichtet. Außerdem seien die deutschen Mieter mit Druck aus ihren Wohnungen vertrieben worden. Solche Sachen erzählten sie sich erst in Wolgast-Nord, dann in der ganzen Stadt und darüber hinaus. Dann kamen ein paar Hansel von der NPD vorbei und bauten einen Tapeziertisch auf und eine pfeifende Lautsprecheranlage und drehten die Wahrheit noch einmal auf links. Seitdem kursieren Flugblätter, in denen sich die Lügen über das angebliche Luxusheim lesen wie Fakten. "Leider sind ein paar unserer Bürger darauf angesprungen und haben es weiterverbreitet", sagt der Bürgermeister.

... Dann kam auch noch das Fernsehen und drehte wenig schmeichelhafte Bilder von Wolgast-Nord, wo gerade der Sperrmüll zur Abholung stand, und ließ eine Hand voll hasserfüllter Menschen zu Wort kommen, ohne dass die auch nur ihre Namen hätten nennen müssen. Da wolle jemand das Heim anzünden, durften sie sagen, einfach so. Es wurde gesendet.

Und dann schrieb jemand von Stop it!, einer Kampagne für die Abschaffung von Flüchtlingsheimen, einen offenen Brief an alle Verantwortlichen im Kreis und in der Stadt. Es wurde Bezug auf den TV-Bericht genommen. Nazi-Propaganda dominiere Teile des Stadtbildes, die NPD könne offen Falschinformationen verbreiten. Es tauchte auch "Rostock-Lichtenhagen" in dem Brief auf. Dort brannte 1992 ein Wohnheim für Asylbewerber, Tausende Menschen applaudierten den tobenden Neonazis. Als ob so etwas wieder kurz bevorstünde. Eine Menge Politiker unterschrieben.

Seit dem Brief und dem Fernsehbericht ist nichts mehr, wie es war in Wolgast. Ein Feuerwerk an Gegenbriefen wurde gezündet, an den NDR, an den Ministerpräsidenten, ans ganze Land. Alle haben den gleichen Inhalt: So sind wir Wolgaster nicht! Die Stadt versucht, ihren Ruf zu retten, und dabei gewährt sie einen sehr intimen Blick in die Auffassung von Asyl, die in diesem Land herrscht. Um die Neiddebatte zu beenden, erzählt Bürgermeister Weigler ständig, wie wenig die Stadt den Flüchtlingen biete. Stockbetten aus Eisen, ein Tisch, zwei Stühle, ein Stahlschrank - mehr nicht. Nichts Wohnliches. Kein Teppich. Kein Bild. Kein Fernseher auf der Stube. Er selbst würde so nicht wohnen wollen, sagt er sogar. Die bloße Hilflosigkeit.

... Jörg Wojciechowski ist der Leiter der Wolgaster Flüchtlingsunterkunft, die seit August in Betrieb ist. Er ist der Mann, den die Bewohner, knapp 80 sind es nun, "Chef" nennen. Wojciechowski sagt, die Angst vor Übergriffen sei völlig übertrieben, gerade jetzt, nach den negativen Berichten, komme viel Hilfe an. Plötzlich sind sie da, die Wolgaster, wollen Sprachunterricht geben und Plätze in Sportvereinen finden. "Das hatte auch sein Gutes", sagt er. Wojciechowski führt das Heim wie ein Hotel, sein Büro ist die Rezeption. Tagsüber stehen alle Türen offen, von sieben bis sieben kontrolliert ein Wachdienst. Angst, dass etwas passieren könnte? "Nein."

... Es ist aber schon etwas passiert. Eine Parole ist an die Wand geschmiert worden: "Heute sind wir tolerant - morgen fremd im eigenen Land." Das ist Nazi-Jargon. Böller sind auf einen Balkon geflogen, eine Fensterscheibe eingeworfen worden. "Böller finden Sie hier an jeder Bushaltestelle", sagt der Bürgermeister; aber nicht an jeder Bushaltestelle leben Flüchtlinge. Viele der Hausbewohner haben von diesen Übergriffen nichts mitbekommen, die Polizei notierte in ihrem Bericht über den Böllerwurf einen Sachschaden von 50 Euro. Aber der Staatsschutz ist eingeschaltet. Wolgast hat sich in einem Labyrinth aus Beschwichtigung und Hysterie verirrt. "Über die Brücke, dass hier gar nichts passiert, gehe ich nicht", sagt der Sprecher des Kreises. Dass etwas passiert, glaubt er aber auch nicht.

Pastor Jürgen Hanke sucht einen Weg aus dem Labyrinth. Er hat den Ernte-Dank-Gottesdienst den Flüchtlingen gewidmet, die Erntegaben wurden dann später ins Wohnheim geliefert. Die Kollekte hat er aber Brot für die Welt gespendet, er wollte "nicht übertreiben". Er hat die Panikmacher auf der einen Seite satt und die anstrengenden Rufretter für Wolgast auf der anderen. "Es geht mir auf den Keks, dass jetzt alle die besseren Wolgaster sein wollen", sagt er. Es gehe doch nicht um die Wolgaster. "Es geht um die Flüchtlinge."

Vielleicht dann doch die Geschichte von Sethy Gouraw. Er ist 28, mit seiner Frau Britti und seinem zweijährigen Sohn Roneg kam er aus Kabul über Pakistan nach Deutschland. Wo sie gelandet sind, erfuhren sie, als sie ihre zwei Taschen im Büro von Heimleiter Wojciechowski abstellten. Sein Bruder, der mit ihnen aus Kabul geflohen war, ging in Pakistan verloren. Seit zwei Monaten wissen sie nicht, wo der andere steckt. Sethy und Britti haben keine Fotos, keine Andenken an ihr bisheriges Leben dabei. Sie hätten jahrelang als Hindus in einem Tempel gelebt, sich aus Angst vor den Taliban nicht raus getraut. "Es war kein Leben in Kabul", sagt Sethy Gouraw. Dass Menschen neidisch auf ihn sein könnten, kann er nicht fassen.


Aus: ""Die Leute sind nicht froh, dass wir hier sind"" Von Ralf Wiegand, Wolgast (17.10.2012)
Quelle: http://www.sueddeutsche.de/panorama/fluechtlingsheim-in-mecklenburg-vorpommern-die-leute-sind-nicht-froh-dass-wir-hier-sind-1.1498186

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[Sie hatten ihr Leben im Griff... ]
« Reply #317 on: October 18, 2012, 01:37:31 PM »

Quote
[...]  Schöne Wohnung, guter Job: In Spanien hatten sich viele Menschen auf ein Leben in Sicherheit eingestellt. Doch die Krise ändert alles. Plötzlich haben normale Bürger Probleme, das Nötigste zum Leben zusammenzubekommen.

... 35,9 Prozent der spanischen Haushalte haben laut spanischem Statistikamt keine Reserven für unvorhergesehene Ausgaben. Spanien ist zu einem Land geworden, in dem einer von vier Haushalten nur mit größter Mühe seine monatlichen Ausgaben decken kann. Das passt zu der Zahl, dass jeder vierte Spanier arbeitslos ist.

... Es ist eine stille Tragödie, die sich jeden Tag in der spanischen Gesellschaft abspielt. Nicht mal ihren Vornamen nennen will eine gut ausgebildete Frau von 50 Jahren, die bei einer großen Beratungsfirma arbeitete und zum ersten Mal zum Arbeitsamt geht. Sie und ihr Mann wurden gleichzeitig arbeitslos. "Wir haben viele gleichaltrige Freunde in derselben Situation", sagt sie. "Was sollen wir machen, bis wir 67 sind? Wir kriegen noch keine Pension und bald keine Sozialversicherung mehr. "

Isabel, 55, arbeitete als Konditorin, kauft jetzt nur noch Discounter-Ware, ausgehen ist abgesagt. Stattdessen trifft man sich mit Freunden zu Hause und guckt Filme, die man aus dem Internet heruntergeladen hat. José Antonio klagt, dass die Krise viele Spanier mit einem Federstrich zu Bürgern zweiter Klasse gemacht habe.

Luisa, 60 Jahre, hat mit angesehen, wie sie ihr und ihrem Mann das Gehalt immer wieder gekürzt haben. Sie ist besorgt, weil ihr 33-jähriger Sohn trotz Universitätsabschluss bisher nur Arbeit auf dem Bau und in einer Pizzeria gefunden habe.

Luis Fernández ist Sprecher der Arbeitslosenorganisation Adesorg. Er sagt: "Die, die schon lange arbeitslos sind, haben sich daran gewöhnt. Wir leben nach Plan B, sind wie die Sklaven und bekommen bald Federn vom vielen Hühnchenessen." Was nun aber mit der Mittelschicht passiert, besorgt ihn. "Die sind bald auch ganz unten, das wird ein brutales Trauma. Sie hatten ihr Leben im Griff, wenn auch ohne großen Luxus, und werden bald niemand mehr sein."

...



Aus: "Wie die spanische Mittelschicht verschwindet" Von Joseba Elola, El País (18.10.2012)
Quelle: http://www.sueddeutsche.de/wirtschaft/wirtschaftskrise-in-europa-wie-die-spanische-mittelschicht-verschwindet-1.1498395

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[Die Shows sind damit ein Spiegelbild... ]
« Reply #318 on: October 23, 2012, 10:20:16 AM »

Quote
[...] Die kulturwissenschaftlich argumentierende Fernsehtheorie beschreibt "Unterschichtenfernsehen" nicht als eine empirische Tatsache, sondern untersucht das Sprechen, das sich an diesem Begriff entzündet, auf seine Vorannahmen und Konsequenzen. In diesem Sinne – und unter Bezug auf die Theorien der Gouvernementalität – bezeichnet der Medienwissenschaftler Thomas Waitz "Unterschichtenfernsehen" als eine "Regierungstechnologie".

...


https://de.wikipedia.org/wiki/Unterschichtenfernsehen
 Datum der letzten Bearbeitung: 9. Oktober 2012, 21:49 UTC
Versions-ID der Seite: 109136427
Permanentlink: http://de.wikipedia.org/w/index.php?title=Unterschichtenfernsehen&oldid=109136427
Datum des Abrufs: 23. Oktober 2012, 08:19 UTC


-.-

Quote
[...]  "Hohle Idole" lautet der bereits resümeehaft klingende Titel einer Studie des deutschen Medienwissenschafters Bernd Gäbler, die jetzt von der Otto Brenner Stiftung in Frankfurt veröffentlicht wurde. ...

... Der 59-Jährige Gäbler, der früher das Grimme-Institut in Marl leitete, sagt in einer seiner Thesen über Castingshows wie "Deutschland sucht den Superstar" mit Bohlen, "Germany's next Topmodel" mit Klum oder die Dokusoap "Natürlich blond" mit Katzenberger: "Diese Sendungen bedienen das Motiv, nur die Stärksten würden überleben. Schwache ernten eher Häme als Mitgefühl. Die Shows sind damit ein Spiegelbild gesellschaftlicher Aggressivität."

Klum & Co verbreiteten die Illusion, von ihnen könne man lernen, wie man berühmt und erfolgreich wird. Die Castingshows tun laut Gäbler so, als seien sie Exerzierplätze fürs Leben - Feuertaufen, durch die man hindurch muss, um dann abgehärtet im Leben zu bestehen. Die Werte, die offen oder versteckt propagiert würden, seien Egoismus und ein schon überwunden geglaubter Sexismus. Die Kandidaten lernten, dass erfolgreich nur sein werde, wer sich anpasse. Insbesondere Klums Modelshow erziehe zu Gehorsam.

... Die Jugend sei sich unsicher, was die eigene Zukunft betrifft, so der Medienforscher weiter. "Die offiziellen Bildungszertifikate garantieren nicht automatisch einen hohen sozialen Status. Welches Können ist für einen guten Beruf nötig? Fragen der Selbstdarstellung, des Designs, des selbstbewussten Auftretens scheinen oft wichtiger zu sein als substanzielles, fachliches Können oder nachhaltiges Wissen. In diese Verunsicherung hinein wirken die Castingshows mit ihren vermeintlichen Weisheiten fürs Leben."

Gäbler garniert seine Studie mit Zahlen, Tabellen und einigen Hintergründen, und, um den Duktus nicht zu trocken werden zu lassen, auch noch mit populistischen Bohlen-Sprüchen, wie zum Beispiel: "Wisst ihr, was der Unterschied zwischen euch und einem Eimer Scheiße ist? Der Eimer." Oder: "Damit kannst du Kakerlaken ins Koma singen." Das Fazit aber lautet ganz ernst: "Zu den Illusionen der TV-Unterhaltung gehört es, ein falsches Bild von der Leistungsgesellschaft zu zeichnen. Tatsächlich bleibt das Sein wichtiger als der Schein, sind Wissen und Können auch in einer googelnden Gesellschaft nicht obsolet geworden."

Was will denn Gäbler nun mit seiner Studie, die vermutlich von den angesprochenen jungen TV-Zuschauern nie gelesen wird, bezwecken? "Ich will eine Debatte darüber, über die Richtung, in die sich diese Art der TV-Unterhaltung entwickelt. Und ich möchte auch, dass jemand die Bertelsmänner dieser Welt - wenn große Reden gehalten werden über Werte und gesellschaftliche Verantwortung - daran erinnert, womit sie tatsächlich ihr Geld verdienen."

(APA, 22.10.2012)


Aus: ""Hohle Idole": Lug und Trug auf dem Bildschirm" (22. Oktober 2012)
Quelle: http://derstandard.at/1350259028123/Hohle-Idole-Lug-und-Trug-auf-dem-Bildschirm

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[Die Kinder der Mittelschicht... ]
« Reply #319 on: October 25, 2012, 10:03:35 AM »

Quote
[...] Ein Empfänger von Arbeitslosengeld sitzt täglich vor den primitivsten Formaten des Privatfernsehens, trinkt dazu Bier und lässt seine Kinder verwahrlosen. Er hat kein Abitur, geschweige denn ein abgeschlossenes Studium. An Intelligenz, Intellektualität, Motivation und Disziplin fehlt es ihm, sonst hätte er schließlich Arbeit.

Das Bild der Arbeitslosen, das viele Menschen haben, ist menschenverachtend und in vielen Fällen falsch. Auch Intellektuelle und Wissenschaftler, Vertreter der geistigen Elite, sind bei der Agentur für Arbeit: die Bildungsprekarier.

Ich beispielsweise bin promovierter Mathematiker mit mehr als zehn Jahren Erfahrung in Forschung und Lehre. Derzeit verdiene ich nur etwas Geld durch schlecht bezahlte Lehraufträge oder indem ich Gymnasiasten und Studenten Nachhilfe gebe. Davon alleine kann ich aber nicht leben. Meine Bewerbungen in der freien Wirtschaft sind aussichtslos. Ich bin mit über 40 Jahren zu alt und mein Lebenslauf verrät, dass meine Bewerbungen nur eine Notlösung sind. Das sehen Unternehmen nicht gerne.

Arbeitslose Akademiker wie ich sind typischerweise Kinder der Mittelschicht. Sie haben Geisteswissenschaften studiert, reine Mathematik oder theoretische Physik. Nicht wenige haben promoviert, wenn nicht sogar habilitiert. Natürlich streben wir alle eine Hochschulkarriere an. Doch einige scheitern im Wettbewerb des akademischen Betriebs.

Wirtschaftlichen Nutzen verspricht die Forschung von uns Bildungsprekariern nicht. Sie erhalten keine öffentliche Aufmerksamkeit, weil sie sich der zweckfreien Einsicht und Erkenntnis widmen. Unsere Gebiete sind nicht in Mode, oder wir haben es versäumt, vor einflussreichen Professoren zu katzbuckeln. Auf jeden Fall gibt es in den Fakultäten zu wenige Professuren und zu wenige Stellen im akademischen Mittelbau. Deshalb sind unsere Aussichten, an einer Hochschule unterzukommen, schlecht.

Bei einigen läuft das auf Langzeitarbeitslosigkeit hinaus und auf viel freie Zeit. Sie haben die Möglichkeit, ihre humanistische Bildung zu vervollkommnen. Mit großer Disziplin und Motivation publizieren sie dann eigenständig mehr als viele Professoren in ihrem Gebiet.

Doch als Empfänger staatlicher Transferleistungen kämpfen Bildungsprekarier ständig mit Armut und mangelnder Anerkennung. In manchen Augenblicken hilft mir nur zu hoffen, dass mir Nachruhm zuteil wird, oder dass sich die gesellschaftlichen Werte endlich ändern. Die Hegemonie der Wirtschaft in Politik und Gesellschaft muss ein Ende finden.

Quote
    F.K.
    24.10.2012 um 9:11 Uhr

Tenor dieses Artikels

Als Hochschul-Absolvent hat man das Recht auf einen Arbeitsplatz erworben.

Dem ist eben nicht so, auch wenn über Jahrzehnte die Realität eine andere war. Wieso sollte ein Akademiker mehr Rechte haben auf soziale Absicherung als ein Arbeiter.

Kann mir mal jemand erklären, welcher humanistische Grundgedanke das aussagt, dass der gebildete Mensch per se besser dazustehen hat?


Quote
    ffes
    24.10.2012 um 10:25 Uhr

Dumme Frage

"Die Hegemonie der Wirtschaft in Politik und Gesellschaft muss ein Ende finden"
Glaube Sie wirklich die Verwirklichung Ihrer Träume würde die Welt verbessern?

Die jüngere ostdeutsche und osteuropäische Geschicht spricht dagegen.


Quote
    Bayreuther
    24.10.2012 um 10:30 Uhr

Viele der schwachen Jura-Absolventen

landen in der versteckten Arbeitslosigkeit: Staatsdienst und freie Wirtschaft stehen als Arbeitsmarkt nicht zur Verfügung, da schon die Note nicht stimmt. Anwälte gibt es genug, so dass auch eine "echte" Anstellung in einer Kanzlei für die Masse dieser Leute unrealistisch ist.

Die einzige Möglichkeit sind freie Mitarbeit in einer Kanzlei oder Niederlassung als Anwalt; beides wenig lukrativ, erst recht nicht angesichts der schwierigen und langen Ausbildung (Studium und Referendariat).

Zu dem Artikel: wer sich in den akademischen Lehrbetrieb begibt, landet auf dünnem Eis, da nun einmal nicht jeder Assi Prof werden kann. Das ist aber jedem klar, der diese Laufbahn einzuschlagen versucht. Insoweit hält sich mein Mitleid abstrakt in Grenzen, wobei natürlich jeder Einzelfall traurig ist. Noch dazu ist es eine Verschwendung von Talenten - in aller Regel handelt es sich ja um die besseren Absolventen.

Quote

    Klüger
    24.10.2012 um 12:39 Uhr

Schlecht informiert - heutzutage kommen auf eine feste Stelle bis zu 5 Lehrbeauftragte - also Honorarkräfte OHNE Stelle. An der Uni meiner Frau wird die nächste feste Stelle in ca. 10 Jahren frei.
So wird ein immer größerer Anteil der Lehre in prekärer Beschäftigung ausgeübt - ohne Sozialversicherungspflicht.
Die chronische Unterfinanzierung der Hochschulen wird auf die Schwächsten abgewälzt - nämlich Berufseinsteiger.
Diese machen sich zuerst Hoffnungen auf eine feste Stelle irgendwann, da sie hochqualifiziert, motiviert und meist ein ausgezeichnetes Examen in der Tasche haben (denn die Ansprüche der Universitäten an die Lehrkräfte hat sich nicht reduziert!).
Bis man merkt, dass das System keine Stellen für normale Lehrkräfte mehr vorsieht, hat man Jahre verloren.
Und die nächsten hoffnungsvollen Berufseinsteiger warten schließlich ...
Leider sind diese Zusstände an den Hochschulen nicht algemein bekannt.
Das kann ich Ihrem Kommentar ebenfalls entnehmen.



Quote
    Bayreuther
    24.10.2012 um 10:39 Uhr

Auf dem Arbeitsamt kann man lustige Sachen erleben

Ein Freund von mir, Jurist und Personalleiter, war kurzzeitig arbeitslos. Der Test auf dem Arbeitsamt, ergab, dass er gute Chance als Gärtner habe.
Eine anderere Bekannte promovierte VWLerin wurde gefragt, ob sie studiert habe.

usw.


Quote
    Anna L.
    24.10.2012 um 10:41 Uhr

Die Kinder der Mittelschicht

So sehr ich die Entäuschung des Autors nachvollziehen kann - es ist genau diese gebildete Mittelschicht gewesen, die diese unselge Agenda begrüßte und sich dem menschenverachtenden, ja bewußt inszenierten Bild der Alos angeschlossen hat. Bis Prantl dereinst schrieb: "Huch, es trifft ja auch uns!"

Es ist bis heute der Irrtum dieser Mittelschicht und deren "Kinder" zu glauben, sie wären nicht dem allgemeinen Verwertungsprozeß unterworfen, der in der Arbeiterschaft nur seinen Anfang nahm.

Nach Verkündung der Agenda waren die Foren voll mit Prognosen über Auswirkungen auf und Entwicklungen in der Gesellschaft und es waren beileibe nicht Akademiker, die all dies erkannten, noch bevor das "Machwerk" in Kraft gesetzt war.

Schadenfreude liegt mir fern, aber es ist die logische Konsequenz, dass es nun auch die gehobene Mittelschicht zu spüren bekommt. All die Abgrenzungsversuche zur *Unterschicht* nützen da gar nichts.


Quote
    Peter G.
    24.10.2012 um 11:14 Uhr

Hätte ich diesen Artikel als Musiker und Komponist geschrieben,

wäre mir schallendes Gelächter sicher gewesen (Musiker sind bekanntlich nicht systemrelevant)
Ich meine das nicht despektierlich, aber hat man durch seine Ausbildung Anspruch auf Anerkennung?
Ich würde mir auch wünschen, dass mir zumindest Nachruhm zuteil wird, derweil lebe ich halt wirtschaftlich selbstständig auf einem Nebenschauplatz meiner Fähigkeiten (Tontechnik, Werbung, Sounddesign, Produktion) und schreibe meine Musik mehr als Hobby!
Vielleicht haben wir Musiker das Glück kreativ veranlagt zu sein oder wir haben die Notwendigkeit besser angenommen, nicht unbedingt mit dem was wir tun wollen unser Geld verdienen zu können.
Wie dem auch sei, es schwingt eine Frustration in diesem Artikel mit, die sicher nicht hilfreich ist auf der Suche nach dem individuellen Weg!
Über Hartz IV brauchen wir nicht reden und dass auch die Mittelschicht schon längst angekommen ist in dieser *Wohltat des Wohlfahrtstaates* ist auch klar.
Von studierten und analytisch denkfähigen Opfern dieses Systems erwarte ich allerdings mehr als Selbstmitleid!
Beschäftigen Sie sich mal mit dem BGE, da gäbe es noch viel zu rechnen und zu entwickeln,
und mit diesem System würden sich auch Ihre persönlichen Möglichkeiten neben dem Grunderwerb zu forschen oder selbstständig tätig zu sein, wesentlich erweitern!
Engagieren sie sich für unsere Gesellschaft, wozu haben wir Ihnen schliesslich ein teures Studium (mit) finanziert ? :-)



Aus: "Die geistige Elite bei der Arbeitsagentur"  Jörg Neunhäuserer (24.10.2012)
Quelle: http://www.zeit.de/karriere/bewerbung/2012-10/leserartikel-bildungsprekarier-arbeitslos

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« Reply #320 on: October 31, 2012, 09:59:26 AM »

Quote
[...] Die kleine Amateur-Kamera filmt noch immer das bunte Treiben vor dem Brandenburger Tor. Der junge Journalist zündet sich eine Zigarette an. Europa, dessen Lebensmodell er für sein somalisches Publikum propagiert, hat ihm oft übel mitgespielt. "Auf meiner Reise habe ich auch die Schattenseite Europas kennengelernt: die Diskriminierung, die Abgrenzung", sagt Harun. "Wenn man auf der Straße lebt", fährt er fort, "hat man oft das Gefühl, dass sich eine Mauer zwischen dir und dem Rest der Welt erhebt. Man versucht, so wenig wie möglich aufzufallen. Bei den Schaffnern im Zug, bei der Polizei auf der Straße. Wenn man überleben will, muss man ein Nichts werden." ...


Aus: ""Schickt mich zurück nach Somalia, aber nicht nach Italien!"" Fabio Ghelli (30.10.2012)
Quelle: http://www.zeit.de/gesellschaft/zeitgeschehen/2012-10/asylbewerber-berlin-deutschland-fluechtlinge/seite-2

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[Im verhandelten Fall... ]
« Reply #321 on: October 31, 2012, 04:44:45 PM »

Quote
[...] Weigert sich ein Arbeitnehmer beharrlich die vorgeschriebene Dienstkleidung zu tragen und bleibt auch nach einer Abmahnung bei dieser Haltung, berechtigt das den Arbeitgeber zu einer verhaltensbedingten Kündigung. Denn wie die 6. Kammer des Arbeitsgerichts Cottbus in einem jetzt veröffentlichen Urteil verkündete, unterliegt die Frage der Dienstkleidung grundsätzlich dem Weisungsrecht des Arbeitgebers (Urteil vom 20.3.2012, Az.: 6Ca 1554/11).

Im verhandelten Fall reichte die ehemalige Mitarbeiterin eines Möbelhauses Klage gegen ihren bisherigen Arbeitgeber ein. Dieser hatte die Einführung einer einheitlichen Dienstkleidung für alle Mitarbeiter beschlossen. Das Unternehmen gewährte den Mitarbeitern einen einmaligen Zuschuss von 200 Euro für die Anschaffung der vorgeschriebenen Bekleidung. Die Klägerin erschien dennoch weiterhin ohne Dienstkleidung zur Arbeit und reagierte auch nicht auf entsprechende Abmahnungen. Daraufhin wurde sie vom Arbeitgeber gekündigt und reichte dagegen eine Kündigungsschutzklage ein.

Sie begründete ihre Weigerung, die vorgeschriebene Dienstkleidung zu tragen, damit, dass die Zuzahlung des Unternehmens zu niedrig gewesen sei. Für die Erstausstattung wären mindestens 350 Euro erforderlich gewesen. Auch hätte sie die Kosten für eine Zweit- bzw. Drittgarnitur sowie die Kosten für den natürlichen Verschleiß der Dienstkleidung selbst tragen müssen, das sei nicht zumutbar. Sie hätte sich keinesfalls grundsätzlich geweigert, die Dienstkleidung zu tragen. Außerdem hätte sie das Problem gerne dem Geschäftsführer geschildert, doch dieses Gespräch sei ihr verwehrt worden.

Die Richter zeigten jedoch kein Verständnis und entschieden zu Gunsten des beklagten Unternehmens. Die verhaltensbedingte Kündigung wurde für wirksam erklärt. Es sei dem Unternehmen auf Dauer nicht zuzumuten, eine Arbeitnehmerin zu beschäftigen, die als einzige im Unternehmen ohne die einheitliche Dienstkleidung erscheint, so die Richter.

Die Arbeitnehmerin habe durch ihr Verhalten eine Vertragspflicht erheblich verletzt, weil sie sich beharrlich einer zulässigen Weisung des Arbeitgebers verweigert habe. Das sei eine schwerwiegende Pflichtverletzung, die sogar als Grund für eine fristlose Kündigung herhalten könne. Aufgrund der fortgesetzten Pflichtverletzungen trotz zweier Abmahnungen sei wohl auch künftig mit ähnlichem Verhalten zu rechnen und dem Unternehmen eine Weiterbeschäftigung der Mitarbeiterin somit nicht zumutbar.

Die Vorgabe, die Dienstkleidung selbst zu beschaffen, sei grundsätzlich erlaubt. Zwar dürfe der Arbeitgeber nicht verlangen, dass der Arbeitnehmer einen Teil seines Lohns für die Erstausstattung verwenden muss. Schließlich geschehe die Einführung der einheitlichen Dienstkleidung ausschließlich in seinem Interesse. Doch wäre es der Klägerin nach Ansicht des Gerichts ohne Weiteres möglich gewesen, für 200 Euro ausreichend Dienstkleidung anzuschaffen. Ein Anspruch auf Ersatz der durch natürlichen Verschleiß entstehenden Kosten bestehe für die Arbeitnehmer nicht. (gs)

Quote
Meisenkeiser, 31. Oktober 2012 14:35
... Die wenigsten dürften im abgetragegen Schlabberlook daherkommen.



Aus: "Arbeitgeber darf Dienstkleidung vorschreiben - Optik unterliegt Weisungsrecht des Arbeitgebers"
Marzena Sicking (25.10.12)
Quelle: http://www.heise.de/resale/artikel/Arbeitgeber-darf-Dienstkleidung-vorschreiben-1732197.html

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[Man muss sich nur einen Moment lang vorstellen... ]
« Reply #322 on: November 01, 2012, 03:02:37 PM »

Quote
[...] Es ist nicht so, dass die Polizei nachlässig gewesen wäre, gerade die bayerische nicht. Sie sind bis in die Türkei gefahren, nach Serbien, ins Kosovo, haben Verwandte, Kreditkarten, Reisebewegungen geprüft. Zwei Millionen Daten haben sie erhoben. Aber eben immer Daten von "Ausländern". Die Angehörigen der Toten gerieten unter Verdacht, jahrelang. Freunde wandten sich ab – Drogenhändler, Kriminelle, wer wollte damit etwas zu tun haben. Wenn man die zuständigen Behörden, auch die Staatsanwälte, LKA-Chefs, Abteilungsleiter im NSU-Untersuchungsausschuss hörte, drängte sich immer wieder ein Gedanke auf. Sie waren nicht faul. Sie waren auch nicht blind. Aber für sie waren das einfach nicht "unsere Toten". Man muss sich nur einen Moment lang vorstellen, die ersten neun Toten – ohne die Polizistin Michèle Kiesewetter – wären deutsche Politiker oder Industrielle gewesen, wie damals bei der RAF. Die Republik wäre in heller Panik gewesen.

...


Aus: "Es gibt keine Ausreden mehr"  Von Mariam Lau (01.11.2012)
Quelle: http://www.zeit.de/gesellschaft/zeitgeschehen/2012-10/nsu-nazi-terror-auslaenderhass

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[Merkwürdig... ]
« Reply #323 on: November 08, 2012, 09:06:23 AM »

Quote
[...] Die Zahl fällt sofort auf: 25.000 Euro. Es ist das höchste Honorar, das Peer Steinbrück für eine Veranstaltung bekommen hat, nachzulesen in der Aufstellung seiner Nebenverdienste, die der SPD-Kanzlerkandidat ("Transparenz gibt es nur in Diktaturen") nach massivem öffentlichen Druck veröffentlicht hat. Gezahlt von den Stadtwerken Bochum. Bochum? Ja: Bochum. Deren Stadtwerke, Fachgebiet: Strom- und Wasserversorgung, waren bei der Entlohnung weit großzügiger als jeder andere Klient Steinbrücks. Darunter: JP Morgan, die Deutsche Bank und das Institut des SAP-Milliardärs Hasso Plattner.

Aber was soll's: Das Ruhrgebiet hat's ja. Oder vielleicht doch nicht? Wer sich die Fundamentaldaten Bochums anschaut, bekommt Magenschmerzen. Die Arbeitslosigkeit liegt mit 9,8 Prozent deutlich über dem Bundesschnitt. Die Einwohnerzahl nimmt rapide ab. Und die Verschuldung ist mit geplanten 4300 Euro pro Kopf im Jahr 2013 immer noch so hoch, dass die Stadt sparen muss, dass es quietscht. Selbst an der Zahl der Friedhofswärter wird herumgeknapst. Aber mitten in dieser schwierigen kommunalen Landschaft steht ein Geldbrunnen, die Stadtwerke, deren Haupteigentümer die Stadt Bochum ist. Geschäftsführer der Stadtwerke ist SPD-Mitglied Bernd Wilmert, der sich mit dem Titel "Energiemanager des Jahres 2011" schmücken darf. Chefin des Aufsichtsrates ist SPD-Mitglied Ottilie Scholz, die zugleich Oberbürgermeisterin der Stadt ist. Gerne hätte stern.de beide gefragt, warum sie für Steinbrück mehr Honorar hinlegten als, sagen wir: die Deutsche Bank. Aber weder Wilmert noch Scholz waren zu sprechen.

Merkwürdig. Dabei scheinen Scholz und Wilmert doch stolz auf den sogenannten "Atriumtalk" zu sein, zu dem die Stadtwerke seit 2008 Prominente einladen, um sie vor geladenem Publikum ein wenig plaudern zu lassen. Wie das Unternehmen auf seiner Homepage vermeldet war schon Schauspielerin Senta Berger zu Gast, außerdem Altbundespräsident Richard von Weizsäcker, Barde Peter Maffay, Ex-Außenminister Joschka Fischer, Fußballmanager Uli Hoeneß und Bundespräsident Joachim Gauck. Als Vermittler und Akquisiteur der Prominenz trat - zumindest im Fall Steinbrück - die "Hellen Medien Projekte GmbH", deren Impresario Sascha Hellen derzeit aber, oh Wunder, auch nicht zu erreichen ist.

Dass es ein paar Euro kostet, in Bochum große Welt zu spielen, verschweigen die Stadtwerke nicht, beruhigen aber mit dem Hinweis: "Alle Honorare kommen wohltätigen Zwecken zu Gute". So steht es unter einer Meldung zum Atriumtalk mit Senta Berger vom 9. Mai 2011. Auch nachdem Steinbrück aufgetreten war, behauptete ein Sprecher der Stadtwerke noch treuherzig, es handele sich um eine "Charity-Veranstaltung", die Gäste seien gehalten, ihre Honorare zu spenden. Steinbrück, der dies nicht getan hatte, geriet in die Defensive und legte seine gesamte Korrespondenz mit der "Hellen Medien Projekte GmbH" offen. Darin war kein Wort von Spende zu lesen. Nach Recherchen des "Spiegel" waren auch die Gäste Uli Hoeneß und Ex-Außenminister Hans-Dietrich Genscher nicht dazu aufgefordert worden, das Geld karitativen Zwecken zukommen zu lassen. Mittlerweile haben die Stadtwerke im Fall Steinbrück eingeräumt, dass es tatsächlich keine derartige Vereinbarung gab. Sie hatten einfach gezahlt. 25.000 Euro.

... Ein lauschiges, sozialdemokratisches Tête-à-tête auf Kosten der Wasser- und Stromkunden der Bochumer Stadtwerke.

...


Aus: "25.000 Euro für ein bisschen Plauderei" Elias Schneider (7. November 2012)
Quelle: http://www.stern.de/politik/deutschland/steinbrueck-auftritt-bei-den-stadtwerken-bochum-25000-euro-fuer-ein-bisschen-plauderei-1922123.html

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[Die Frau der gehobenen Schichten erhielt Anerkennung... ]
« Reply #324 on: November 08, 2012, 09:46:50 AM »

Quote
[...] Das Bürgerliche Zeitalter, das mit der Industrialisierung und der Trennung von Wohn- und Arbeitsplatz zu Anfang des 19. Jahrhunderts begann, war die große Zeit für das romantische Liebes- und Familienideal. Die Bürgersfrau war für das Heim, die Familie und auch die Liebe zuständig. Der Mann ernährte die Familie, und erfuhr, wenn er nach getaner Arbeit heimkehrte, von seiner Frau Anerkennung für die materielle Sicherheit, die er ihr bot. Die Frau der gehobenen Schichten erhielt Anerkennung für die Kinder, die sie gebar, und die Geborgenheit, die sie dem Ernährer bot. Und im besten Falle liebten sich beide auch.

...  Die Zugehörigkeit zur Klasse konnte man bis vor wenigen Generationen daran erkennen, ob die Ehefrauen arbeiteten oder nicht. Nur die ärmsten Frauen arbeiteten außerhalb der Familie, Bauersfrauen und Kleinbürgerinnen mussten zumindest die Hausarbeit selbst machen. In besseren Familien taten die Ehefrauen und Töchter nichts, was irgendwie an Arbeit erinnerte. Das war Voraussetzung für ein hohes soziales Ansehen der Familie. Die Gattin eines Gutsbesitzers oder Großkaufmanns hätte niemals freiwillig Hausarbeit, geschweige denn Erwerbsarbeit verrichtet. Fontanes unglückliche Romanheldin Effi Briest muss erst als Hauslehrerin Geld verdienen, als ihr Mann sie verstößt. Die ultimative Schande für eine Frau aus guter Familie im 19. Jahrhundert.

Quote
    digit.a.
    07.11.2012 um 22:45 Uhr

Ach, jetzt beginne ich doch, den Artikel auseinanderzunehmen.

Nehmen wir nur diesen Satz, der so einfach und einleuchtend klingt:

"In besseren Familien taten die Ehefrauen und Töchter nichts, was irgendwie an Arbeit erinnerte."

Was sind "bessere" Familien?
Kaufleute? Da hatten die Frauen durchaus Vermögen und das ein oder andere Wörtchen beim Geschäft mitzureden. Schon im Mittelalter. Und sie führten die Geschäfte bei Abwesenheit (gar nicht so selten) des Ehemannes. So eine Frau durchaus praktisch, ggf. als Aufseherin des Verwalters. Denn wer hätte denn - außer dem Kaufmann persönlich - ein größeres Interesse am Blühen des Geschäftes gehabt... ?

Ähnliches sehen wir beim Großbürgertum und beim Adel. Auch war das "Repräsentieren" eine Pflicht. Klingt heutzutage wohl lächerlich, war aber ein Faktum und ein wichtiges dazu. Ein Mann ohne (standesgemäße) Ehefrau war prestigegemindert in den hohen Kreisen.
Und so einen Riesenhaushalt wie im gehobenen Bürgertum/Adel zu führen ... ach, das ist doch bekannt.
Früher nannte sich das "Oikos". Also gaaaannnnzzzz früher.
Als etwas, was nicht an Arbeit erinnert, kann man das wahrlich nicht bezeichnen.

Soweit zu diesem Satz. Die anderen lasse ich mal einfach stehen, soviel Zeit kann ich nun nicht (unbezahlt, verzeiht meine weibliche Geldgier!) im Internet verbringen... ;-)



Aus: "Wenn die Arbeit die Liebe frisst" Ferdinand Knauß (07.11.2012)
Quelle: http://www.zeit.de/karriere/beruf/2012-09/familie-beruf-karriere

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[Champagner Korken!... ]
« Reply #325 on: November 08, 2012, 09:58:40 AM »

Quote
[...] Zehntausende haben vergebens protestiert: Das Parlament in Athen billigte weitere Kürzungen in Milliardenhöhe. Der Weg für die nächste Hilfstranche ist damit frei. ...

Quote

    wolfgang sternberg
    08.11.2012 um 1:59 Uhr

Griechisches Parlament verabschiedet neues Milliarden Sparpaket
und begrüßt ein weiteres Hilfspaket, -Tranche- von

31,5 Milliarden Euro,
= 31.500 Millionen Euro,
= 31.500.000 Tausend Euro,
= 31.500.000.000 Euro.

Und wer bekommt das so notwendige weitere Hilfspaket?,
doch nicht etwa das griechische Volk . ...
Nein, nein nur das nicht, auf gar keinem Fall.



Quote
    hunter100
    08.11.2012 um 1:11 Uhr

Champagner Korken!

"Der entsprechende Gesetzesentwurf sieht neben Massenentlassungen und Steuererhöhungen vor allem neue Kürzungen bei Renten und Gehältern sowie im Gesundheits- und Sozialwesen, außerdem Streichungen von Kinder- und Weihnachtsgeld vor."

Ich höre schon, wie bei diesen Nachrichten in den Think Tanks der Neoliberalen die Champagnerkorken knallen.
Ja, und sie werden sich dabei selbst wieder einmal überrascht in die Augen sehen und es kaum glauben können, dass es tatsächlich so leicht sein würde, die Bevölkerung eines ganzen Landes zu drangsalieren und bis auf´s Hemd auszurauben, während das übrige Europa dabei steht und auch noch Beifall klatscht!
Sapperlot, so werden sie sagen, die Herren mit den dicken Zigarren, der Euro ist schon ein ganz dolles Ding!

http://www.zeit.de/wirtschaft/2012-11/griechenland-sparpaket-abstimmung?commentstart=1#cid-2415056



Aus: "Griechisches Parlament verabschiedet neues Milliarden-Sparpaket" (07.11.2012)
Quelle: http://www.zeit.de/wirtschaft/2012-11/griechenland-sparpaket-abstimmung

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[Das Fingerspitzengefühl... ]
« Reply #326 on: November 11, 2012, 08:52:04 PM »

Quote
[...] "Sind 25.000 Euro für eine Stunde Arbeit angemessen?", fragt Mascolo Steinbrück, nachdem die Runde zuvor über Jahresgehälter von Managern geplaudert hat. Die 25.000 Euro sind nicht eine beliebige Zahl. Es ist die Honorarsumme, die der frühere Finanzminister 2011 für einen Vortrag beim sogenannten Atrium-Talk von den Stadtwerken des hochverschuldeten Bochum erhalten hatte. Steinbrück ist nicht nach Hamburg gekommen, um herumzudrucksen: "Unverhältnismäßig!", sagt er
... schließlich dürften dem früheren Finanzminister die Geldsorgen der Ruhrgebietsstadt klar gewesen sein. ... Beim 25.000-Euro-Honorar der Bochumer Stadtwerke habe ihm "das Fingerspitzengefühl" gefehlt. ...


Aus: "Steinbrücks Nebenverdienste - Der Büßer"
Von Björn Hengst (11.11.2012)
Quelle: http://www.spiegel.de/politik/deutschland/steinbrueck-uebt-selbstkritik-fuer-honorar-von-bochumer-stadtwerken-a-866570.html

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[Das geht niemanden etwas an... ]
« Reply #327 on: November 12, 2012, 01:29:27 PM »

Quote
[...] Die Stuttgarter Staatsanwaltschaft ermittelt gegen Baden-Württembergs Ex-Regierungschef Stefan Mappus in der EnBW-Affäre wegen des Verdachts der Untreue. SPIEGEL ONLINE sprach mit seinem Anwalt Christoph Kleiner über die derzeit anhängigen Klagen des CDU-Politikers.


SPIEGEL ONLINE: Herr Kleiner, im Stuttgarter Staatsministerium wurden alte E-Mails ihres Mandanten Stefan Mappus sichergestellt. Nun fordert er von der Staatsanwaltschaft, dass diese gelöscht werden. Was hat er zu verbergen? ...

...

[Christoph Kleiner:] ... Die Staatsanwaltschaft hat uns gegenüber erklärt, dass sie diese Unterlagen ohne weitere Prüfung an den Untersuchungsausschuss weitergeben will. Wir sind der Ansicht, dass nur Daten weitergegeben werden dürfen, die den Untersuchungszweck betreffen. Dazu gehören zum Beispiel nicht Daten, die sich mit der Planung der beruflichen Zukunft unseres Mandanten oder seinem Kontostand befassen. Das geht niemanden etwas an.


Aus: "Mappus und seine E-Mails - "Das geht niemanden etwas an"" (12.11.2012)
Quelle: http://www.spiegel.de/politik/deutschland/der-anwalt-von-mappus-ueber-die-klagen-in-der-enbw-affaere-a-866689.html

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[Immigranten machten das... ]
« Reply #328 on: November 14, 2012, 10:22:54 AM »

Quote
[...] "Vor wenigen Jahren riss sich kein Andalusier darum, sich für 50 Euro am Tag von Sonnenaufgang bis Sonnenuntergang zu martern", sagt Porras, "in erster Linie Immigranten machten das." Nun würden immer mehr Spanier mit Studienabschluss als Erntehelfer arbeiten. ...

... Mehr als acht Millionen Spanier sind mittlerweile von Sozialeinrichtungen wie der Caritas abhängig. Die Schlangen vor Armenküchen werden stetig länger.

Noch ein Phänomen wird von der hohen Arbeitslosigkeit verstärkt: Ausländerfeindlichkeit. Die Einstellung der Spanier gegenüber Migranten habe sich "besorgniserregend verschlechtert", heißt es in einem Länderbericht der Internationalen Organisation für Migration (IOM). Vier von fünf Spaniern sind der Meinung, dass Zuwanderung zu Lohndumping führe. In der Zeit des wirtschaftlichen Aufschwungs stieg die Zahl der Migranten auf 5,5 Millionen Personen, EU-Bürger inklusive. Die Politik reagiert nun mit Abschiebungen, deren Zahl sich heuer auf 24.000 verdoppeln dürfte.


Aus: "Spanien: Massenarbeitslosigkeit, Armut und Ausweglosigkeit" Jan Marot aus Granada, (14.11.2012)
Quelle: http://derstandard.at/1350261259166/Arbeitslosigkeit-Armut-Ausweglosigkeit-in-Spanien

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[Akzeptanz... ]
« Reply #329 on: November 14, 2012, 01:51:43 PM »

Quote
[...] Der US-Militärstaatsanwalt hat einen Prozess mit möglicher Todesstrafe gegen Unteroffizier Robert Bales verlangt. Ihm wird ein Massaker an 16 Afghanen zur Last gelegt. ...

Quote
    Shitstormtrooper
    14.11.2012 um 11:42 Uhr

Bigotterie staatlichen Rechts

Einem psychisch kaputtes "Rädchen" des staatlichen Repressions- und Gewaltapparates wie Bales droht für 16-fachen Mord die Todesstrafe; den befehlenden staatlichen Schreibtischtätern die nicht für dutzendfachen Mord sondern hundertausendfachen Mord verantwortlich sind wie Bush, Kissinger & Co winken dagegen lukrative Pöstchen und Einladungen zu den erlesensten Klüngel- und Plauschrunden, mit Champagnerempfang und allem was für verdiente Persönlichkeiten dazu gehört.
Und während die "seriösen Staatsmänner" wie Bush und Co Millionen durch Vorträge, Bücher und Interviews in gepflegter Kaminrundenatmosphäre scheffeln, sitzt seit 800 Tagen ein anderer US-GI in Isolationshaft, weil er das Grauen des Krieges mit ähnlichen Abscheulichkeiten wie die von Bales begangenen Mord an Zivilisten an die Öffentlichkeit leakte...

Unverständlich für mich wie derart hochverlogene Gesellschaftssysteme immer noch eine so große Akzeptanz haben können.

http://www.zeit.de/politik/ausland/2012-11/robert-bales-afghanistan?commentstart=1#cid-2426488



Aus: "GI Bales droht die Todesstrafe" (14.11.2012 )
Quelle: http://www.zeit.de/politik/ausland/2012-11/robert-bales-afghanistan

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[Das Taxifahrer oftmals dazu neigten... ]
« Reply #330 on: November 14, 2012, 02:03:25 PM »

Quote
[...] BERLIN dpa | Den Abgeordneten des Bundestags sind kleinere Fahrzeuge oder Taxis für ihre Fahrten in der Hauptstadt nicht komfortabel genug. Die Fahrbereitschaft des Parlaments darf laut einem Medienbericht deshalb im kommenden Jahr wieder stärker gegen Umweltauflagen des Bundestags verstoßen.

Nach Informationen der Hannoverschen Allgemeinen Zeitung hat der Ältestenrat die Grenzwerte kurzerhand von 120 auf 140 Gramm Kohlendioxid-Ausstoß pro Kilometer heraufgesetzt. Aus einem Schreiben von Bundestagspräsident Norbert Lammert an Parlamentarier gehe hervor, dass es kaum Limousinen gebe, die die vereinbarten Grenzwerte einhalten. Den Standard für solche Einsätze setzen gehobene Wagentypen von Mercedes, BMW und Audi, die teilweise Spitzenwerte knapp unter 200 Milligramm erreichen.

„Die Abgeordneten von Union und FDP wollen nur mit großen Limousinen durch Berlin gefahren werden“, sagte die stellvertretende Fraktionsvorsitzende der Grünen, Bärbel Höhn, der Zeitung. Dies sei auch deshalb unverständlich, weil man für solche Fahrten in der Regel nur wenige Minuten im Auto sitze. Dafür reichten auch kompaktere Fahrzeuge.

Nach Höhns Angaben wurde ein Vorschlag, vermehrt Taxis einzusetzen, im Ältestenrat mit der Bemerkung abgeschmettert, „dass die Taxifahrer oftmals dazu neigten, Belehrungen politischer Art abzugeben“.


Aus: "Bundestag ändert eigene Auflagen - Lieber große Karren als Umweltschutz" (14.11.2012)
Quelle: https://www.taz.de/Bundestag-aendert-eigene-Auflagen/!105530/

-.-

Quote
[...] BERLIN taz | Direkter könnte der Kontakt der Chauffeure zu ihren Volksvertretern im Bundestag kaum sein. In den Sitzungswochen steigen die Abgeordneten täglich in die schwarzen Nobelkarossen, um sich von den Fahrern von Termin zu Termin kutschieren zu lassen.

Vor prekärer Beschäftigung schützt sie der direkte Kontakt jedoch nicht, klagt der SPD-Abgeordnete Steffen Lemme. „Unhaltbare Zustände“ herrschten bei den Arbeitsverhältnissen des Bundestags. Viele der Fahrer müssten ihre geringen Verdienste durch Nebenjobs oder Sozialleistungen aufstocken.

Der Bundestag beschäftigt nur gut dreißig der Fahrer selbst. Der Großteil ist bei einem von der Bundestagsverwaltung beauftragten externen Dienstleister angestellt. Über hundert Fahrer des Berliner Unternehmens RocVin stehen bei Bedarf mit Limousinen für den kostenlosen Service bereit.

 Zwar zahlt RocVin seinen Angestellten nach Informationen von Ver.di Stundenlöhne von mindestens 8,50 Euro. Dennoch wirft ihm die Gewerkschaft „arbeitnehmerunfreundliches Verhalten“ vor. Demnach arbeiten die meisten Angestellten als Teilzeitkräfte und hätten befristete Verträge. Viele sollen zudem geringfügig Beschäftigte auf 400-Euro-Basis sein.

Wehren will sich Ver.di auch dagegen, dass RocVin versucht, einigen Teilzeitkräften die Arbeitszeit zu kürzen. Für die Fahrer bedeute das Lohneinbußen von bis zu 230 Euro im Monat. RocVin-Geschäftsführer Torsten Diehl äußerte sich zu den Vorwürfen auf Anfrage der taz nicht.

 „Das ist dieses hohen Hauses unwürdig“, meint der Bundestagsabgeordnete Lemme. Es sei unerklärlich, warum im Bundestag keine festen Anstellungsverhältnisse herrschten. Das Problem betreffe zudem nicht nur die Fahrer, sondern setze sich in anderen Bereichen fort, beim Sicherheitspersonal oder den Kantinenangestellten etwa.

Im Ältestenrat des Bundestags, der mit der Sache befasst ist, teilen nicht alle die Kritik Lemmes. Es gebe durchaus Fahrer, die genau solche Arbeitsverhältnisse suchten und kein Interesse an einer Vollzeitbeschäftigung hätten, meint Ratsmitglied Manfred Grund (CDU). In der vergangenen Woche machte der Ältestenrat den Weg frei für die jetzt anstehende Neuausschreibung des Auftrags.

Eine Verankerung sozialer Kriterien, die Steffen Lemme durchsetzen wollte, wurde dabei nicht beschlossen. Ginge es nach ihm, würden in der Ausschreibung Auflagen wie ein Mindestlohn, eine Mindestanzahl von Arbeitsstunden oder die ausschließliche Beschäftigung von Festangestellten festgeschrieben. Würde RocVin diese Kriterien nicht erfüllen, ginge der Vertrag an ein anderes Unternehmen. Umstritten ist jedoch, ob solche sozialpolitischen Vorgaben bei öffentlichen Ausschreibungen rechtlich durchsetzbar wären.

Ver.di versucht unterdessen, den vermeintlich prekären Verhältnissen auf andere Weise ein Ende zu bereiten und mit RocVin einen Tarifvertrag auszuhandeln. Doch nach ersten gemeinsamen Gesprächen zweifelt die Gewerkschaft am „ernsthaften Verhandlungswillen“ von Geschäftsführer Diehl. Dieser wies gegenüber Ver.di den Vorwurf zurück, er sei an einem Tarifvertrag für seine Angestellten nicht interessiert. Die Verhandlungen hat er wegen des Streits vorerst ausgesetzt.

Quote
07.11.2012 15:58 Uhr
von Weinberg:

TAZ: „Vor prekärer Beschäftigung schützt sie der direkte Kontakt jedoch nicht, klagt der SPD-Abgeordnete Steffen Lemme. ‚Unhaltbare Zustände‘ herrschten bei den Arbeitsverhältnissen des Bundestags. Viele der Fahrer müssten ihre geringen Verdienste durch Nebenjobs oder Sozialleistungen aufstocken.

Hochverehrte SPD-Frau Lemme, wer hat den Weg für die „Unhaltbaren Zustände“ geebnet?
Es waren die sogenannten Sozialdemokraten, die in einer Großen Deutschland-Koalition mit CDU/CSU, Grünen und FDP für die „vorbildliche“ Deregulierung im Sinne der Leiharbeiterbranche gesorgt haben.

...


Quote
07.11.2012 15:08 Uhr
von Joachim:

Ich hab es immer gewusst: Die SPD macht alles richtig. Sie führt den Billiglohnsektor ein, erfindet die Zeitarbeit neu und privatisiert alles und jedes. Toll.

Nur keiner dankt es den Genossen. Schauen wir uns den typischen Aufstocker doch mal an: arbeitet nur ein paar Stunden am Tag, aber fährt nen dicken Wagen, im Winter beheizt, im Sommer mit Klimaanlage.

Andere wären froh mal mit einem solchen Auto fahren zu dürfen. Die Fahrer sollten Geld mitbringen und nicht auch was bekommen. Leute dieses Land steht vor großen Herausforderungen. Welche Bank muss noch gerettet werden?

JO


Quote
07.11.2012 14:20 Uhr
von Detlev:

€8,50 sind für einen Familienvater oder -mutter schlichtweg ein Armutslohn. Der DGB muss unter Drogen gestanden haben, als er diesen Lohn als Minimallohn festgelegt hat. Das ist aber selbst für einen 19-jährigen noch sehr wenig. Richtig gering ist der Lohn, wenn man reinrechnet, dass ein Niedriglohn immer eine private Renten-Vorsorge braucht, um gegen Altersarmut gewappnet zu sein. Damit geht es einfach nicht.

Dass der Bundestag solche Beschäftigungsverhältnisse kennt und fördert, wundert mich aber ganz und gar nicht. Denn diese Form von Beschäftigung wurde genau im Bundestag ausgehandelt und beschloßen. Mit Angela Merkel und Peer Steinbrück sind zwei Vertreter dieser Philosophie für 2013 für die Kanzlerschaft im Rennen. ...



Aus: "Teure Karren, billige Fahrer" von Jannis Hagmann (07.11.2012)
Quelle: https://www.taz.de/Chauffeur-Ausbeutung-am-Bundestag/!105004/

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« Reply #331 on: November 19, 2012, 04:16:38 PM »

Quote
[...]  Tahir Della von der ISD sieht die Behörden in der Gefahr gefährlichen Realitätsverlusts. "Racial Profiling" befördere "Einschätzungen, die an der Wirklichkeit völlig vorbeigehen", sagte er dem Tagesspiegel. Wer schwarz oder dunkelhäutig mit "ausländisch" und dann mit "illegal" gleichsetze, gerate oft an die Falschen, ganz normale Deutsche. "Da stimmt das Selbstbild Deutschlands immer noch nicht mit der tatsächlichen Vielfalt überein, auch bei der Polizei" – obwohl sich dort viel geändert habe.

Was das für die Polizeipraxis bedeuten kann, stellte der UN-Menschenrechtsausschuss im Fall einer schwarzen Spanierin fest, die kontrolliert wurde, während ihr weißer Ehemann unbehelligt blieb: "Maßnahmen, die sich gegen eine bestimmte Rasse richten, könnten die Aufmerksamkeit der Polizei von andersstämmigen Migranten ohne Papiere ablenken und insofern kontraproduktiv werden."

Von den Folgen für die Betroffenen ganz abgesehen. "Racial Profiling" sei "institutionalisierte Demütigung", bloggte kürzlich ein Betroffener, nicht nur auf Bahnstrecken nahe der Grenze – überall: Selbst wenn er sich abends entscheide, zwei Haltestellen weit nach Hause zu laufen, komme es vor, dass ihm eine Streife in Schrittgeschwindigkeit folge. Und obwohl es in Deutschland keine Pflicht gebe, den Ausweis dabei zu haben: "Als Schwarzer käme ich nie auf die Idee, meinen zu Hause zu lassen."


Quote
    FrankyX
    19.11.2012 um 15:03 Uhr

Ein türkischer Freund ...

Ein türkischer Freund wird am Bahnhof manchmal kontrolliert, wenn er in Freizeitkleidung unterwegs ist, mit Anzug nie. Es scheint also noch andere Kriterien zu geben.



Aus: "Racial Profiling - Dunkelhäutig in Deutschland" Andrea Dernbach (19.11.2012)
Quelle: http://www.zeit.de/gesellschaft/2012-11/initative-schwarzer-menschen-racial-profiling

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[Eine Klausel sieht demnach vor... ]
« Reply #332 on: November 20, 2012, 09:57:32 AM »

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[...] Hamburg - Gegen Dirk Jens Nonnenmacher laufen mehrere Ermittlungsverfahren, dem früheren Vorstandschef der HSH Nordbank und weiteren Ex-Managern droht eine Anklage wegen Untreue und Bilanzfälschung. Die rund vier Millionen Euro Abfindung, die Nonnenmacher nach seinem Abschied kassierte, wird er wohl dennoch behalten können, berichten die "Süddeutsche Zeitung" und der NDR - selbst wenn er in einem Prozess verurteilt würde.

Demnach nahm die Konzernspitze eine von den Ländern Hamburg und Schleswig-Holstein geforderte Ausschlussklausel für diesen Fall nicht mit in den Aufhebungsvertrag des Bankers auf. Die Länder halten zusammen rund 85,5 Prozent an der Bank.

Nonnenmacher hatte seinen Posten als Vorstandschef Anfang vergangenen Jahres nach einer Reihe von Skandalen geräumt. Unter anderem hatte die Staatsanwaltschaft Kiel Ermittlungen aufgenommen, weil das frühere Vorstandsmitglied Frank Roth mit schmutzigen Tricks aus der Bank entfernt worden sein soll. Zudem wurden Details über Bespitzelungen durch einen privaten Sicherheitsdienst bekannt. Da Nonnenmacher jedoch zunächst kein Fehlverhalten nachgewiesen werden konnte, hatte die Bank ihm zu seinem Abschied 1,8 Millionen Euro ausstehende Prämien und weitere 2,13 Millionen Euro Abfindung gezahlt.

Die Staatsanwaltschaft Hamburg ermittelt zudem gegen Nonnenmacher und weitere Ex-Managern der HSH Nordbank im Zusammenhang mit einem hochriskanten Wertpapierdeal namens "Omega 55" aus dem Jahr 2007. Das Geschäft hatte in der Jahresbilanz des Instituts mit rund 334 Millionen Euro zu Buche geschlagen.

Ein Landesbanker spekuliert mit Steuergeld und kassiert dann eine Millionenabfindung - die Anschuldigungen gegen Nonnenmacher hatten für Empörung gesorgt. Politiker aus den Ländern hatten daraufhin stets betont, dass Nonnenmacher das Geld im Falle einer Verurteilung zurückzahlen müsse. Eine entsprechende Aufforderung sendete der damalige Wirtschaftsminister von Schleswig-Holstein, Jost de Jager, laut "SZ" schon 2011 an HSH-Aufsichtsratschef Hilmar Kopper. Doch die Bank kam der Aufforderung offenbar nicht nach: Die Passage fehlt, wie die Zeitung nun berichtet.

Schon zuvor war bekannt geworden, dass im Aufhebungsvertrag einige Klauseln untergebracht waren, die Nonnenmacher vor den Folgen möglicher Verfahren absichern. Eine Klausel sieht demnach vor, dass die Abfindung nur dann zurückgefordert werden kann, wenn sich neue Erkenntnisse ergeben, die zum Zeitpunkt des Abschlusses des Aufhebungsvertrages mit Nonnenmacher noch nicht bekannt waren. Damit sind auch die Feststellungen rund um "Omega 55" ausgeschlossen. Eine entsprechende Frist läuft im Dezember aus. Neu ist jedoch, dass Nonnenmacher die vier Millionen selbst dann behalten kann, wenn er verurteilt wird.

... Während der Finanzkrise musste das Institut von den Ländern gerettet werden, durch eine Kapitalspritze von drei Milliarden Euro sowie einen Rettungsschirm aus Garantien über weitere sieben Milliarden - letztlich alles bezahlt aus Steuergeldern.

...

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Finde ich richtig
sorosch gestern, 23:07 Uhr
und auch, dass eine Verkäuferin wegen 1,5 Euro entlassen wird.

http://forum.spiegel.de/f22/ex-chef-der-hsh-nordbank-nonnenmacher-darf-millionenabfindung-behalten-75945.html#post11384394


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Ist das eklig!
diddldaddl gestern, 23:14 Uhr
Wieder so ein Fall, der einen an allem zweifeln läßt. ....

http://forum.spiegel.de/f22/ex-chef-der-hsh-nordbank-nonnenmacher-darf-millionenabfindung-behalten-75945.html#post11384420


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laxer Aufhebungsvertrag
Mustermann gestern, 23:16 Uhr
Ach was, Nonnenmacher ist Leistungsträger, der hat Millionen von Arbeitsplätzen geschaffen, eigenhändig. Wenn wir ihm die Abfindung wegnehmen, geht er bestimmt ins Ausland und leistet da, die warten doch alle auf ihn.

http://forum.spiegel.de/f22/ex-chef-der-hsh-nordbank-nonnenmacher-darf-millionenabfindung-behalten-75945.html#post11384434


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Ehrbare Kaufleute und Bankster
Zaphod gestern, 23:23 Uhr
Wenn Herr Nonnenmacher ein Ehrgefühl hätte, wie es gerne von Kaufleuten oder Bankiers gefordert wird, so würde er die Abfindung niemals annehmen bzw. umgehend zurück zahlen. Er wüsste, dass er dieses Geld nicht für Leistungen erhält, sondern auf Grund reiner Vettern-Wirtschaft der Bankster. ... Ein maßloser Egoismus prägt die Chefetagen und führt letztendlich zu einer großen Verwahrlosung der Gesellschaft. Nun müssen diejenigen, die den Vertrag mit Herrn Nonnenmacher unterschrieben haben, ebenfalls zur Rechenschaft gezogen werden, damit die Gesellschaft erkennt, dass derartiges sozialschmarotzerhaftes Verhalten genauso schlimm ist wie die Einlösung eines gefundenen Pfandbons.

http://forum.spiegel.de/f22/ex-chef-der-hsh-nordbank-nonnenmacher-darf-millionenabfindung-behalten-75945-2.html#post11384455


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noch Fragen?
eingedanke gestern, 23:29 Uhr

"Leistung muss sich wieder lohnen".

http://forum.spiegel.de/f22/ex-chef-der-hsh-nordbank-nonnenmacher-darf-millionenabfindung-behalten-75945-2.html#post11384483


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Die Länder Schleswig Holstein und Hamburg..
fxe1200 heute, 00:04 Uhr
...sind also unfähig, ihre berechtigten Forderungen bei der HSH durchzusetzen, bzw. zu darauf zu achten, ob die genannten Forderungen in den Aufhebungsvertrag aufgenommen wurden und das bei über 85% Anteil.. Die dafür zuständigen Mitarbeiter der Länder gehören genauso in den Knast, wegen der Veruntreuung von Steuergeldern, wie der Kriminelle Nonnenmacher. SPON nennt leider die Namen nicht.

http://forum.spiegel.de/f22/ex-chef-der-hsh-nordbank-nonnenmacher-darf-millionenabfindung-behalten-75945-2.html#post11384558


Quote
Bankräuber
hj.binder heute, 06:15 Uhr
"Bankräuber" bekommt eine völlig neue Bedeutung. Vielleicht kann nach einer Verurteilung der Vizekanzler noch für ein Bundesverdienstkreuz sorgen und die Ehrenmitgliedschaft in der FDP

http://forum.spiegel.de/f22/ex-chef-der-hsh-nordbank-nonnenmacher-darf-millionenabfindung-behalten-75945-3.html#post11384824


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Peanuts
ctwalt heute, 06:53 Uhr
Die HSH verbrennt Milliarden, da ist es doch egal, ob der bilanzfaelschen de chef noch ein paar Millionen erhält.....

http://forum.spiegel.de/f22/ex-chef-der-hsh-nordbank-nonnenmacher-darf-millionenabfindung-behalten-75945-3.html#post11384854



Aus: "Ex-Chef der HSH Nordbank: Nonnenmacher darf Millionenabfindung behalten" (19.11.2012)
Quelle: http://www.spiegel.de/wirtschaft/soziales/hsh-nordbank-nonnenmacher-darf-millionenabfindung-wohl-behalten-a-868146.html

-.-

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[...] Der ehemalige Chef der HSH-Nordbank, Dirk Jens Nonnenmacher, muss sich wegen des Verdachts der Veruntreuung von Bankvermögen und der Bilanzfälschung vor Gericht verantworten. Die Süddeutsche Zeitung berichtet, das Hamburger Landgericht habe die Anklage gegen Nonnenmacher und fünf weitere ehemalige Vorstände zugelassen.

Das Gericht hat den Bericht bisher noch nicht bestätigt. Dies tat aber Nonnenmachers Anwalt Heinz Wagner: "Das Landgericht hat die Anklage der Staatsanwaltschaft gegen die ehemaligen Vorstände der HSH Nordbank zur Hauptverhandlung zugelassen." Der Beginn der Verhandlung sei für Mitte Juli geplant.

Hintergrund des Verfahrens sind Geschäfte unter dem Codenamen Omega 55 aus dem Jahr 2007. Dabei hatte die Bank versucht, ihre Bilanz zu verbessern, indem sie ein Immobilienpaket bei der französischen Bank BNP Paribas gegen Verluste versichern ließ, um so nicht mehr mit Eigenkapital haften zu müssen. Im Gegenzug übernahm die HSH die Garantie für ein Finanzprodukt der BNP, das in der Finanzkrise schwere Verluste machte.  

Die Hamburger Staatsanwaltschaft hatte bereits Ende 2011 Anklage gegen den gesamten früheren HSH-Nordbank-Vorstand erhoben. Die Behörde wirft den sechs ehemaligen Mitgliedern des Gremiums vor, durch das Geschäft im Dezember 2007 vorsätzlich und vorhersehbar einen Vermögensschaden von rund 160 Millionen Euro für die Bank verursacht zu haben.

Der Vorstand sei ein unvertretbares Risiko eingegangen, hieß es damals bei der Staatsanwaltschaft. Nach Ansicht der Anklagebehörde war das Geschäft wirtschaftlich sinnlos. Die Staatsanwaltschaft folgte nicht den Darstellungen der Vorstände, nach denen es sich um ein übliches Bankgeschäft handelte. Die Beschuldigten weisen die Vorwürfe zurück.

Der zweite Vorwurf der unrichtigen Darstellung richtet sich nach den früheren Angaben der Staatsanwaltschaft nur gegen Nonnenmacher und ein weiteres ehemaliges Vorstandsmitglied. Er beziehe sich auf einen Zwischenbericht für das erste Quartal 2008, bei dem das Omega 55-Geschäft wie ein normaler Kredit zum Anschaffungswert bilanziert worden sei statt zum aktuellen Marktwert. So sei aus einem Quartalsverlust ein Gewinn geworden. Die Bank hat diesen Fehler eingeräumt und korrigiert. Die Finanzaufsicht verhängte wegen der unvollständigen Darstellung der Transaktion ein Bußgeld gegen die HSH Nordbank.

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   Passionsefeu
    01.05.2013 um 10:46 Uhr

... Der eigentliche Skandal liegt für mich darin, dass der Herr Nonnenmacher auch noch ABFINDUNG kassierte, als er aufgrund seiner Verfehlungen gehen musste!
Wenn ICH auf meiner Arbeitsstelle die Waren oder eine wichtige Maschine zerstören würde, worauf man mich rausschmeißt, könnte ich froh sein, wenn ich keinen Schadenersatz leisten müsste.
Dagegen würde sich der Chef wohl kringelig lachen, wenn ich auch noch Abfindung verlangen würde.
Aber naja, ich bin halt kein Finanzjongleur, der sich seine Arbeitsverträge selbst basteln kann und dann auf Buddy-Ebene vom Unternehmen bewilligt bekommt (wofür ich mich natürlich revanchiere, etwa, wenn ein Mitglied des bewilligenden Rates bei einem anderen Unternehmen, wo ich in der entsprechenden Position bin, mitmachen möchte).
Meiner persönlichen Meinung nach sollten Arbeitsverträge und festgehaltene Abfindungen null und nichtig sein, wenn der Mitarbeiter aufgrund eigener, grober Verfehlungen höchsten Schaden anrichtet und deshalb rausgeschmissen wird.
Es kann nicht akzeptiert werden, dass das Volk immer die Zeche zu zahlen hat für die Verfehlungen der Finanzjongleure, die ohne jedes Schuldbewusstsein handeln.
Und es ist mir wirklich unbegreiflich, warum das Volk dies ruhig geschehen lässt...



Aus: "Prozess gegen Nonnenmacher beginnt im Juli" (01.05.2013)
Quelle: http://www.zeit.de/wirtschaft/unternehmen/2013-04/nonnenmacher-hsh-nordbank-gericht

-.-

Quote
[...] In einem Verfahren um vorsätzliche Pflichtverletzung sind Dirk Jens Nonnenmacher und seine Vorstandskollegen entlastet. Es ging um die umstrittene Transaktion Omega.

... Im Untreue-Prozess gegen ehemalige Vorstände der HSH Nordbank hat das Hamburger Landgericht die Angeklagten überraschend freigesprochen. Die Vorstände um den damaligen Finanzvorstand Dirk Jens Nonnenmacher hätten ihre Pflichten nicht vorsätzlich verletzt, als sie in der aufziehenden Finanzkrise per Eilentscheid die umstrittene Omega-Transaktion beschlossen, befand die Wirtschaftsstrafkammer.  ... Die Staatsanwaltschaft hatte den Angeklagten vorgeworfen, grob pflichtwidrig gehandelt zu haben. Sie hätten die Risiken des Kreditgeschäfts nicht abschätzen können. ...

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   JeanLuc7

So ist der Rechtsstaat

"Ich dachte wir leben in einem Rechtsstaat?"

Genau da leben wir. Und daher gelten für Nonnenmacher & Co dieselben Gesetze wie für uns und auch der Grundsatz "in dubio pro reo".

Die Frage nach der moralischen Schuld stellt das Gericht nicht. Dass sich Nonnenmacher & Co wie Sonnenkönige benommen haben, aber ihr eigenes Geschäft nicht im Griff hatten, ist nach dem Urteil aber offenbar strafrechtlich nicht relevant, weil es eben keine "grobe Pflichtwidrigkeit" war.

Dass gerade Nonnenmacher einer durchaus zweifelhaften Gruppe von Bankern angehört, steht auf einem anderen Blatt. Über seine Beteiligung beim fragwürdigen Rausschmiss eines Vorstandskollegen, dem Kinderpornographie untergejubelt worden war, ist in diesem Prozess nicht entschieden worden.


Quote
   hühnergott

Wenn...

die Politik im Rahmen ihrer Möglichkeiten die hoch dotierten Posten mit ahnungslosen besetzt, diese dann für den der Allgemeinheit entstandenen Schaden weder strafrechtlich noch zivilrechtlich haften, dann sollten wir Ahnungslosen uns dringend Freunde in der Politik suchen.
Auch wenn es immer noch nicht überall angekommen ist, die häufig unterbezahlten Polizisten, Feuerwehrleute, Krankenpfleger, Erzieher, Reinigungskräfte usw. halten seit Jahren den Laden hier am Laufen.
Unsere Wirtschaftseliten nehmen größtenteils einfach nur mit was geht. ....



Aus: "Gericht spricht Manager von Untreue-Vorwurf frei" (9. Juli 2014)
Quelle: http://www.zeit.de/wirtschaft/unternehmen/2014-07/hsh-nordbank-gerichtsverfahren-nonnenmacher
« Last Edit: July 09, 2014, 01:18:02 PM by Textaris(txt*bot) »
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[Jeder vierte Mieter... ]
« Reply #333 on: November 25, 2012, 03:41:42 PM »

Quote
[...] Hamburg - Die steigenden Mieten in Deutschland bringen viele Bürger an die Grenze der Belastungsfähigkeit. Jeder vierte Mieter (24 Prozent) will die Konsequenz ziehen und nach einer billigeren Wohnung suchen. Fast die Hälfte (45 Prozent) plant zudem, beim Energieverbrauch und bei den Konsumausgaben zu sparen. Das ist das Ergebnis einer Umfrage des Marktforschungsinstituts TNS Infratest im Auftrag der Wüstenrot Immobilien GmbH.

Unter den befragten Mietern, die eine günstigere Wohnung suchen wollen, sind nicht nur Geringverdiener, sondern besonders viele Haushalte aus der Mittelschicht: Zwei Drittel verfügen über ein Nettoeinkommen zwischen 1500 und 2500 Euro. Im Schnitt geben Mieter in Deutschland 37 Prozent des Haushaltsnettoeinkommens für das Wohnen aus. Geringverdiener, die weniger als 1000 Euro zur Verfügung haben, wenden 43 Prozent auf.

Erst Mitte November ergab ein bundesweiter Mietspiegelvergleich der Firma F+B, dass die Bestandsmieten 2012 im Vergleich zum Vorjahr um 1,2 Prozent gestiegen sind. Damit lag der Anstieg leicht über dem des Vorjahres. In München zahlen die Bewohner mit durchschnittlich 9,74 Euro pro Quadratmeter den teuersten Mietpreis. In Schwerin werden durchschnittlich 5,44 Euro verlangt.

...


Aus: "Jeder vierte Mieter sucht billigere Wohnung" (25.11.2012)
Quelle: http://www.spiegel.de/wirtschaft/soziales/mieten-steigen-und-70-000-studentenwohnungen-fehlen-a-869148.html
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[Geheimnisumwitterte Handelsbarone... ]
« Reply #334 on: December 03, 2012, 10:33:09 AM »

Quote
[...] Erivan Haub ist ein Patriarch, einer der großen alten Männer der deutschen Wirtschaft. Er steht in einer Reihe mit Karl und Theo Albrecht, den Aldi-Brüdern, Josef und Dieter Schwarz von Lidl und dem einstigen Drogeriekönig Anton Schlecker. Allesamt geheimnisumwitterte Handelsbarone, die in den Jahrzehnten des Kalten Krieges Deutschland zu einem Land unbegrenzter Konsummöglichkeiten machten. Große Marken sind bis heute mit dem Namen Haub verknüpft: allen voran die Tengelmann-Supermärkte, aber auch die Baumärkte Obi, die Textilkette Kik und der Lebensmitteldiscounter Plus. Darüber wurden die Haubs zu einer der reichsten Familien Deutschlands. Ihr Vermögen wird heute auf vier Milliarden Euro geschätzt.

... Bewahren. Das trifft auch auf das Weingut Abril in Bischoffingen zu. Es steht für noch so eine Familientradition, die es in die Zukunft zu führen gilt, diesmal aber eine Tradition der Familie von Helga Haub, deren Vorfahren das Weingut 1740 erwarben. Vor einigen Jahren suchte ihr Vetter einen Nachfolger für den Betrieb, der mit sechs Hektar Land nur am Rand der Selbstausbeutung zu bewirtschaften war. Die Haubs übernahmen es, kauften weitere 14 Hektar Rebfläche dazu und investierten: Mehr als zehn Millionen Euro hat allein der Bau aus Beton und Stahl – das Roschtkäschtle – gekostet. Mit der Anlage lassen sich jährlich 140.000 Flaschen Biowein herstellen. Ohne CO₂ zu produzieren, soll das Gut wirtschaften. Der Wein fließt ohne Pumpen, nur durch Schwerkraft getrieben, in die Edelstahltanks und Holzfässer. Das, wissen Experten, spart nicht nur Strom, sondern ist auch besser für den Wein.

Quote
    Grellseher
    02.12.2012 um 18:59 Uhr

Wenn die Realtät so gnadenlos positiv sein sollte wie dieser Artikel, dann sind die Portraitierten wohl die Lichtgestalten Deutschlands.


Quote
    Sirisee
    02.12.2012 um 23:45 Uhr

Netter Artikel das sind halt Unternehmerpersönlichkeiten. Ihnen sei der Reichtum gegönnt.

...





Aus: "Durchs Weib zum Wein" (02.12.2012)
Quelle: http://www.zeit.de/2012/48/Tengelmann-Erivan-Haub

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[Crépeau kritisierte darüber hinaus... ]
« Reply #335 on: December 04, 2012, 10:15:35 AM »

Quote
[...] Die Vereinten Nationen kritisieren den Umgang der griechischen Regierung mit Flüchtlingskindern in ihrem Land. "Ich habe Flüchtlingskinder angetroffen, die allein in verlassenen Häusern und unter Autobahnbrücken leben", berichtete der UN-Menschenrechtsbeauftragte François Crépeau nach einem neun Tage langen Besuch in Griechenland. Die Kinder seien ohne Begleitung und ohne irgendeinen regulären Aufenthaltsstatus aus Auffanglagern entlassen worden.

Crépeau kritisierte darüber hinaus, dass Migranten in Flüchtlingslagern sehr lange ohne klaren Rechtsstatus festgehalten würden, teilweise "bis zu eineinhalb Jahren", sagte der UN-Beauftragte. Die Zustände in den Lagern seien katastrophal.

"Die meisten Anlagen haben keine Heizung und kein heißes Wasser, die Insassen beklagen sich über zu wenig und schlechtes Essen", berichtete Crépeau weiter. Auch die medizinische Versorgung sei "völlig unzureichend".

Nach Angaben des UN-Flüchtlingswerks gibt es derzeit in Griechenland etwa 45.000 Asylsuchende. Diese nach Crépeaus Einschätzung sehr hohe Zahl an Flüchtlingen ergibt sich, weil in den letzten Jahren die Einwanderung über die türkisch-griechische Grenze stark zugenommen habe.

Viele dieser Menschen würden in nördliche Regionen der EU reisen, bleiben aber in Griechenland, weil sie entweder von den Behörden festgesetzt werden oder nur einen unklaren Aufenthaltsstatus besitzen. Gerade in der Wirtschaftskrise würden sich kaum Perspektiven für ein menschenwürdiges Leben ergeben.

Besonders beanstandete Crépeau, dass die griechische Regierung in diesem Jahr die "Reinigungsaktion Xenios Zeus" gestartet habe. Dabei seien Migranten festgenommen und in Flüchtlingslager geschafft worden, die teilweise schon lange in dem Land lebten und arbeiteten.

Auch zeigte sich der Menschenrechtsbeauftragte besorgt über "weit verbreitete fremdenfeindliche Gewalt und Angriffe gegen Migranten". Crépeau habe bei seinem Besuch erfahren, dass auch "die Polizei in solche Angriffe verwickelt" sei.

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    Humanist.
    04.12.2012 um 2:28 Uhr

6. Ursache und Wirkung.

Griechenland steht das Wasser bis zum Hals, die Arbeitslosenquote spricht Bände, die finanzielle Lage ist hinreichlich bekannt, wo soll da also das Geld für Asylheime herkommen? Geschweige denn Nahrung, Medizin etc. für Flüchtlinge?
"Auch die medizinische Versorgung sei "völlig unzureichend"
Das ist aber nicht nur bei den Flüchtlingen so.

Bei diesen Forderungen "heißes Wasser, Heizung, gutes Essen" verstehe ich den Aufstieg der Chrysi Avgy, denn unter genau die selben Probleme leiden auch Griechen ohne Migrationshintergrund, oder haben die keine Menschenrechte verdient?

Nun also die Frage, wie soll man Geld ausgeben wenn man kein Geld hat?

...

http://www.zeit.de/gesellschaft/2012-12/migranten-griechenland-un?commentstart=1#cid-2465006



Quote
    Sebastian1977
    04.12.2012 um 8:41 Uhr

Differenzieren

Man muss hier deutlich zwischen verschieden Migrationsgruppen in Griechenland unterscheiden.
1. Es gibt eine grosse Anzahl illegaler Immigranten, welche bisher ohne Probleme in Griechenland zurecht gekommen sind. Es gibt und gab hunderttausende Jobs, gerade in der Landwirtschaft auf Tageloehnerbasis bei denen dich niemand nach deinen Papieren fragt. Das gleiche gilt fuer Gaertner, Jobs auf dem Bau usw. Viele dieser Migranten sind aus Pakistan und deren Chance auf Asyl ist auch in Nordeuropa gleich null. Ein klassisches hausgemachtes Problem in Griechenland verursacht durch mangelnde Kontrolle und versagende Instutionen.

2. Es gibt Fluechtlinge aus aktuellen Krisenregionen wie Afghanistan und Somalia deren Zahl ist jedoch wesentlich geringer. Aus dem Artikel ist zu entnehmen dass es etwa 45.000 offene Asylverfahren gibt bei etwa 500-800.000 Menschen die sich ohne Status in Griechenland aufhalten. Von diesen 45.000 Asylverfahren werden nach etwa 4-5 Jahren Wartezeit ohne jegwede Unterstuetzung und Unterkunft etwa 100 (einhundert) pro Jahr akzeptiert. Die Quote liegt damit unter 1%. Es gab bis letztes Jahr in Griechenland etwa 1000 (eintausend) Plaetze in Auffanglagern die allerdings eher Internierungslagern aehneln.

Da es faktische keine Chance auf Asyl in Griechenland gibt, versuchen viele dieser Fluechtlinge weiter nach Nordeuropa zu gelangen ohne in Griechenland aktenkundig zu werden, denn entsprechend Dublin II (mittlerweile ausgesetzt) waere dann Griechenland zustaendig. Die griechische Polizei hat da gerne mitgespielt , denn sonst haette man sich ja mit dem Problem auseinandersetzen muessen.
Das Problem ist nicht ueber Nacht entstanden sondern in den letzten 15 Jahren. Die EU hat Griechenland bereits vor mehreren Jahren hunderte Millionen angeboten um das Asylsystem zu reformieren und entsprechende Unterkuenfte zu bauen das Geld wurde jedoch nicht abgerufen und das Problem ignoriert.

Gruss aus Patras/Griechenland

...

http://www.zeit.de/gesellschaft/2012-12/migranten-griechenland-un?commentstart=1#cid-2465128

http://www.zeit.de/gesellschaft/2012-12/migranten-griechenland-un?commentstart=1#cid-2465130



...


Aus: "Allein in verlassenen Häusern und unter Brücken" Zacharias Zacharakis (03.12.2012)
Quelle: http://www.zeit.de/gesellschaft/2012-12/migranten-griechenland-un

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[Einige der mutmaßlichen... ]
« Reply #336 on: December 04, 2012, 03:13:35 PM »

Quote
[...] Der Kauf von Steuer-CDs durch Nordrhein-Westfalen hat einem Medienbericht zufolge Steuerbetrügereien in Milliarden-Höhe enthüllt. Wie die Süddeutsche Zeitung berichtet, enthält eine CD mit Daten deutscher Kunden der Schweizer Großbank UBS nach einer ersten Bilanz Angaben zu rund 750 Stiftungen sowie zu 550 weiteren Fällen mit einem Gesamtanlagevolumen von umgerechnet rund 2,9 Milliarden Euro. Allein die Stiftungen sollen 204 Millionen Euro an Steuern hinterzogen haben.

Der Chef der Deutschen Steuergewerkschaft, Thomas Eigenthaler, sagte der Süddeutschen Zeitung, die erste Auswertung der CD widerspreche der Annahme, dass mittlerweile viele Steuerflüchtlinge Selbstanzeige erstattet hätten und der Erwerb von Daten daher nichts mehr bringe. Seit dem ersten CD-Kauf dieser Art im Jahr 2007 gab es dem Bericht zufolge bundesweit geschätzt 40.000 solcher Anzeigen. Von den jetzt aufgeflogenen UBS-Kunden seien aber nur wenige diesen Weg gegangen: Von den 1.300 auf der CD registrierten Fällen seien laut Staatsanwaltschaft nur 135 bekannt gewesen, weil sich die Betroffenen vor Beginn der Ermittlungen selbst angezeigt hatten.

Die Düsseldorfer Regierung hatte in den vergangenen Monaten vier Steuer-CDs gekauft. Nach ersten Schätzungen könnten sie dem Fiskus 1,3 Milliarden Euro einbringen. Die UBS-CD soll dem Bericht zufolge 3,5 Millionen Euro gekostet haben. Anders als in früheren Fällen gebe es diesmal noch keine Hinweise auf massive Beihilfe zur Steuerhinterziehung durch Angestellte der Bank.

Der Ankauf der CDs ist allerdings umstritten. Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble (CDU) hatte das Vorgehen wiederholt kritisiert, weil es seiner Ansicht nach den Abschluss eines Steuerabkommens zwischen der Schweiz und Deutschland torpediert. SPD und Grüne halten den von Schäuble ausgehandelten Vertragsentwurf für nicht ausreichend und blockierten ihn daher kürzlich im Bundesrat. Das Thema geht nun in den Vermittlungsausschuss von Bundestag und Bundesrat.

Mitte November hatte es im UBS-Fall die ersten Durchsuchungen gegeben – vor allem in Nordrhein-Westfalen, Bayern, Baden-Württemberg, Hamburg und Hessen. Einige der mutmaßlichen Hinterzieher hatten hohe zweistellige Millionen-Vermögen in der Schweiz versteckt.

Quote
    iSinn
    04.12.2012 um 14:33 Uhr

Zu gerne würde ich ungeschönt und ungefiltert die Stimme eines solchen – höchst wahrscheinlich sehr wohlhabenden – deutschen UBS-Kunden vernehmen. Welches Pamphlet würde dieser verbreiten? Was denken Sie, werte Mitschreiber, und Zeit(-Mit)-Leser?

http://www.zeit.de/wirtschaft/2012-12/steuer-cds-ubs?commentstart=17#cid-2465948


...


Aus: "Steuer-CD belegt Milliarden-Betrug" (04.12.2012)
Quelle: http://www.zeit.de/wirtschaft/2012-12/steuer-cds-ubs

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[Drei exemplarische Fälle... ]
« Reply #337 on: December 05, 2012, 11:15:04 AM »



Quote
[...]  Nicole Glockes [https://de.wikipedia.org/wiki/Nicole_Glocke] Buch „Wir Kinder von Hartz IV“ legt nahe, dass es bessere Wege zur Kinderförderung gibt als staatliche Transferzahlungen.

... Der deutsche Kinderschutzbund gibt eine Zahl um die 2,5 Millionen an – so viele Kinder leben in unserem Land auf Sozialhilfeniveau.

In ihrem Buch Wir Kinder von Hartz IV porträtiert Nicole Glocke drei Familien, die nur über geringe Einkommen verfügen. Die freie Autorin lebt in Berlin, einer Stadt mit besonders hoher Kinderarmutsrate von mehr als 30 Prozent. In der Einleitung zu den drei Reportagen verschweigt Glocke nicht, mit welchen Schwierigkeiten sie sich jedoch konfrontiert sah, nicht nur diese drei exemplarischen Familien zu finden, sondern auch die Zusammenarbeit mit ihnen zu einem positiven Abschluss zu führen. Ihre ursprüngliche Überzeugung, „dass viele dieser Menschen schuldlos in ihre unsichere Lage geraten sind und der schwierige Zugang zum ersten Arbeitsmarkt die Hauptursache für deren Erwerbslosigkeit“ sei, musste sie beim Schreiben des Buchs früh revidieren.

Auch wenn „schuldlos“ vielleicht kein ganz glücklich gewählter Ausdruck ist, so zeigen die drei Fällen doch, dass die materielle Situation nur zum Teil richtungsweisend ist für die Entwicklung der Kinder, für ihr Selbstbewusstsein und ihre schulischen Erfolge. Grundlegend ist dagegen die Vorbildfunktion und der Aufstiegswille der Eltern sowie deren Fähigkeit, Verantwortung für das eigene Leben und das der Kinder zu übernehmen.

Die alleinerziehende, langzeitarbeitslose Mutter im ersten Fall hat auch eine große Erbschaft nicht vor Armut bewahrt; die 250.000 Euro waren bald durchgebracht, die angestrebte Ausbildung dagegen blieb unabgeschlossen. Im zweiten Fall, der von einer kinderreichen Familie mit geringverdienendem Vater und nicht erwerbstätiger Mutter berichtet, scheitert der soziale Aufstieg am Widerstand der Mutter; eine der Töchter, die dank einer Stiftung und Unterstützung seitens der Schule und einer sozialen Einrichtung ein renommiertes Internat besuchen könnte, darf das nicht.

Die dritte Reportage über eine gleichfalls kinderreiche türkische Familie dagegen zeigt, dass ein Elternhaus trotz ungünstiger materieller Ausgangslage durchaus in der Lage ist, den Kindern Zugang zu Förder- und Bildungsangeboten zu verschaffen – wenn es an der Entfaltung ihrer Fähigkeiten interessiert ist. Da Nicole Glocke nicht nur die gegenwärtige Lage der Familien, insbesondere der Kinder, schildert, sondern auch die Biografien der Eltern, zum Teil sogar der Großeltern und Geschwister mit erzählt, wirft sie implizit die alte, ebenso drängende wie vermutlich nicht eindeutig beantwortbare Frage auf: Sind die Menschen an ihrem Elend selbst schuld oder Opfer der Verhältnisse?

Sowohl als auch, muss es jedenfalls nach Lektüre der drei exemplarischen Fälle heißen. Natürlich haben die Vorgeschichten, haben Erziehung, Charakter, Erfahrungen Einfluss auf die Situation. Aber dass weitere staatliche Transferleistungen, die direkt an die Eltern gehen, nicht dazu führen, die Situation nachhaltig zu verbessern, wird ebenso deutlich. Dass die Autorin ihr ursprüngliches Konzept verwerfen musste, weil sie keine kooperationswilligen Gesprächspartner fand, verdeutlicht, wie prekäre Verhältnisse sich nur zum Teil auf materielle Not zurückführen lassen. Die Zusammenarbeit scheiterte an Unzuverlässigkeit, Überforderung, Desinteresse, am Einhalten sozialer Normen und der Haltung gegenüber Anforderungen.

Nicole Glockes Reportagen zeigen anhand dreier Familienbiografien, dass der soziale Hintergrund entscheidender ist als die materielle Ausstattung. Zu einem ähnlichen Ergebnis kommt eine im September vorgestellte Studie der Arbeiterwohlfahrt, die nachweist, dass Kinder aus Hartz-IV-Familien materiell schlechter ausgestattet sind, häufiger vernachlässigt und weniger gefördert werden als Kinder aus armen Familien, in denen die Eltern arbeiten; dabei verfügen Hartz-IV-Familien zumeist sogar über mehr Geld als die Vergleichsgruppe.

Daher sollte eine ernsthafte Diskussion darüber beginnen, ob es nicht im Interesse der Kinder wie der Gesellschaft im Ganzen ist, die direkten staatlichen Transferleistungen nicht nur einzufrieren, sondern sogar zurückzufahren und stattdessen Kinderbetreuung, (Früh-)Förderung, Freizeit- und Bildungsangebote auszubauen, Sach- und Personalausstattung zu erhöhen und immer wieder das Gespräch mit den Eltern zu suchen, um diese über die Vielzahl der Angebote und das Entwicklungspotenzial ihrer Kinder zu informieren.

Selbstverständlich kann der Staat eine intakte Familienstruktur nicht ersetzen. Und selbstverständlich kann er auch nicht den erklärten Willen der Eltern ignorieren. Aber er kann ausgleichend wirken, indem er einen Raum bietet, in dem ein Kind sich angenommen fühlt und in dem Bewusstsein heranwächst, dass es, für seine Mitmenschen, die Gesellschaft, wichtig und schön ist, dass es existiert. Nur aus dem Vertrauen der anderen entsteht Selbstvertrauen.

Quote
Sikkimoto
Sikkimoto 04.12.2012 | 11:38

Mir kommt die Erkenntnis reichlich selbstverständlich vor. Aber ich unterschätze wohl wie viele "Bildungsbürger" über prekäre Familien reden, die sie höchstens mal aus der Ferne beim Einkaufen beobachtet haben.


Quote
Rupert Rauch 04.12.2012 | 12:15

Werden hier gerade anhand von 3 Beispielen allgemeine Schlüsse gezogen, oder habe ich das missverstanden? Und wie passt das zusammen, dass zwar mehr Kinder an Armut leiden, seit H4, das aber angeblich gar nichts mit der materiellen Ausstattung zu tun hat? Laienpsychologie at its best.

Oder leben in Berlin einfach besonders viele ungebildete Asoziale? (der Süddeutsche vermutet sowas ja ohnehin :-) Und ist es nicht so, dass in Vollbeschäftigungssituationen auch solche Probleme nahezu verschwinden?

Natürlich kann eine arme Familie idR trotzdem gut (wenn auch nicht optimal) für die Kinder sorgen, aber es ist tendenziell zu erwarten, dass abgehängte und demotivierte Menschen ihre Familie mit runterziehen.

Die Frage der "Schuld" stellt sich übrigens nie, da es im Kern eine christlich-religiöse ist, nichts weiter als ein schlechtes Hilfskonstrukt, welches bei genauer Betrachtung von "Tätern" normalerweise zerfällt.

Ein Mensch ist so wie er ist und damit zu 100% Produkt seiner Erfahrungen/Umwelt und seiner Gene. Man fährt besser, wenn man fragt: wie motivieren und integrieren wir die wieder? Ohne ausreichend bezahlte Arbeit und persönliche Perspektiven wird das nicht gehen. Aber um dieses Problem drückt sich die Politik ja trefflich.
...


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Phineas Freek 04.12.2012 | 14:13

…dass außer einer nachvollziehbaren „Kooperationsunwilligkeit“ mit dieser Argument befreiten Tugendwachtel Glocke, diese selber nicht auch noch gehörig was auf die ideologische Glocke bekam, darüber darf man sich angesichts der offensichtlich anvisierten Vorführung von angeblich „exemplarischen“ Elendsfällen aufgrund mangelnder Untertannenmoral und ihre fehlende Vermittlung an die lieben Kleinen nur wundern…

 Was für ein zynischer Dreckscheiß - diese „Sorge um das Kindswohl“...


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OceanWide 04.12.2012 | 15:44

kurz und knackig: der beitrag möchte mal wieder darauf hinweisen, dass direkte zahlungen nicht alle eltern automatisch in die position versetzt ihre kinder bestmöglich auf ihre zukunft vorzubereiten. auch die alternativen maßnahmen sollte ja mittlerweile eigentlich jeder kennen.

außer eben jenen die uns eben erst das betreuungsgeld eingebrockt haben.


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Lapis 04.12.2012 | 15:48

"Bettina Hartz" schreibt eine Rezension zum Buch „Wir Kinder von Hartz IV“?

Da das Buch auch ein Interview mit dem Schröder-Kumpanen, Maschmeyer-Freund und Rentenzerstörer Walter Riester enthält, und dieser sogar bei den Promotionsveranstaltungen zugegen ist, gibt es bezüglich der Stoßrichtung dieses Machwerks von vornherein keinen Zweifel.

Wie man nach Betrachtung von drei (!) "porträtierten Familien" aber zum Schluß kommen kann, es "sollte eine ernsthafte Diskussion darüber beginnen, ob es nicht im Interesse der Kinder wie der Gesellschaft im Ganzen ist, die direkten staatlichen Transferleistungen nicht nur einzufrieren, sondern sogar zurückzufahren", bleibt mir ein Rätsel, welches wohl nur neoliberale Ideologen mit zutiefst asozialer Gesinnung verstehen.


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Mühlenkamper 04.12.2012 | 20:19

so merkwürdige Texte finden sich in letzter Zeit öfter im FREITAG. Hat wohl mit Pluralismus zu tun, denn Positionen wie von Glocke und Hartz kommen ja sonst auch kaum zu Wort in unserer Medienlandschaft. Die Kinder retten, während man die Eltern verhungern läßt - man kann es weit bringen auf der ideologischen Hartz-Schiene. Es ist widerwärtig.


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Aus: "In einer prekären Lage" Bettina Hartz (04.12.2012)
Quelle: http://www.freitag.de/autoren/der-freitag/in-einer-prekaeren-lage

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« Reply #338 on: December 10, 2012, 01:04:14 PM »

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[...] Die Agenda 2010 (sprich „Agenda zwanzig-zehn“) ist ein Konzept zur Reform des deutschen Sozialsystems und Arbeitsmarktes, das von 2003 bis 2005 von der aus SPD und Bündnis 90/Die Grünen gebildeten Bundesregierung weitgehend umgesetzt wurde. Als Grundlage der Reform diente der „Wirtschaftspolitische Forderungskatalog für die ersten hundert Tage der Regierung“ der Bertelsmann-Stiftung – seinerzeit u. a. im Wirtschaftsmagazin Capital publiziert –, dessen Inhalte zu weiten Teilen übernommen wurden.[1][2]

... Die Agenda 2010 wurde in der Regierungserklärung von Bundeskanzler Gerhard Schröder am 14. März 2003[3] verkündet. Vorarbeiten waren bereits im Schröder-Blair-Papier von 1999 geleistet worden. Als Ziele nannte Schröder unter anderem die Verbesserung der „Rahmenbedingungen für mehr Wachstum und für mehr Beschäftigung“ sowie den „Umbau des Sozialstaates und seine Erneuerung“[3]. Die mit den Worten „Wir werden Leistungen des Staates kürzen“[3] angekündigten Maßnahmen führten zu heftigen Kontroversen, insbesondere auch in der SPD selbst.

Nachdem die SPD auf ihrem Sonderparteitag am 1. Juni 2003 mit deutlich über 80 Prozent für den Leitantrag des SPD-Bundesvorstandes gestimmt hatte, wurde ein Leitantrag zur Agenda 2010 auf dem Sonderparteitag von Bündnis 90/Die Grünen am 14./15. Juni 2003 mit etwa 90-prozentiger Mehrheit angenommen.

Ein innerparteiliches Mitgliederbegehren, das von mehreren linken SPD-Mitgliedern gestartet worden war, scheiterte.

Große Teile des Konzeptes wurden von den Oppositionsparteien unterstützt und von CDU/CSU aktiv mitgestaltet. In ihrer Regierungserklärung vom 30. November 2005 äußerte Schröders Amtsnachfolgerin Angela Merkel: Ich möchte Kanzler Schröder ganz persönlich danken, dass er mit der Agenda 2010 mutig und entschlossen eine Tür aufgestoßen hat, unsere Sozialsysteme an die neue Zeit anzupassen.[4]

... Neuere Evaluationen bescheinigen der Agenda 2010 einen nachhaltigen positiven Effekt auf Beschäftigung.[5][6][7] So stellen Brenke und Klaus F. Zimmermann, die Autoren der ersteren Evaluation fest, dass „obwohl die Wirtschaftsleistung im gegenwärtigen Aufschwung nicht stärker zulegte als im vorhergehenden“ sich „die Beschäftigung am Arbeitsvolumen gemessen besser“ entwickelte und die „Arbeitslosigkeit deutlicher zurückging“. Besonders auffallend sei, „dass die Langzeitarbeitslosigkeit außergewöhnlich stark gesunken ist – ein im Vergleich zu früheren Konjunkturzyklen neues Phänomen. Und bei Problemgruppen wie jungen und älteren Erwerbspersonen hat die Erwerbslosigkeit ebenfalls überdurchschnittlich abgenommen. Dies lässt sich weder auf konjunkturelle Ursachen zurückführen, noch kommt in Betracht, dass sich durch eine Ausweitung von Maßnahmen der aktiven Arbeitsmarktpolitik die statistisch erfasste Unterbeschäftigung reduziert hat.“


... Eine erste kritische Reaktion auf die Agenda 2010 folgte am 23. Mai 2003: 400 Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler unterzeichneten den Aufruf Sozialstaat reformieren statt abbauen - Arbeitslosigkeit bekämpfen statt Arbeitslose bestrafen![8] und weitere Wissenschaftler schlossen sich an.

... Folgen für Arbeitslose
Der Zwang, nach einem Jahr jede Stelle annehmen zu müssen, dränge Arbeitslose aus ihren alten Berufsfeldern. Ihre Chancen, qualifizierte Arbeit zu finden, sänken mit der steigenden Zahl an Jahren, die sie in Fremdberufen arbeiten. Häufig seien dies Aushilfstätigkeiten im Niedriglohnbereich. Das Ziel, erhöhten Vermittlungserfolg durch bessere Betreuung zu erreichen, setze freie Arbeitsstellen mit angemessenen Löhnen voraus, an denen es unverändert fehle. Die Kontrolle und Überwachung des Lebensalltags eines Arbeitslosen durch den Staat hätte mit den Arbeitsmarktreformen stark zugenommen. Dies würde einerseits von Arbeitslosen als erniedrigend empfunden, andererseits hätte der bürokratische Aufwand der Arbeitslosenbetreuung infolgedessen stark zugenommen. ... Eine Änderung in der Begriffsdefinition "Arbeitslosigkeit" führte ferner zu einer scheinbar niedrigeren Arbeitslosigkeit als real. Die tatsächliche Arbeitslosigkeit wird derzeit als "Unterbeschäftigung" erfasst. [11] Hinzu kommen zahlreiche Arbeitslose, die sich nicht als arbeitslos gemeldet haben und gar kein Arbeitslosengeld empfangen. Beweggrund liegt meist darin, der staatlichen Überwachung des Lebensalltags eines offiziell gemeldeten Arbeitslosen zu entgehen. Aufgrund dieser Aspekte sei die Agenda 2010 hinsichtlich der Bekämpfung von Arbeitslosigkeit nicht so erfolgreich wie vermeintlich angenommen.

Folgen für Beschäftigte
Ein häufig hervorgebrachter Vorwurf ist, dass moderate Arbeitslosenzahlen mit Herausbildung eines umfangreichen Sektors prekärer Beschäftigung erkauft worden seien. So wurde im Rahmen der Agenda 2010 der Leiharbeitssektor massiv ausgebaut. [12] [13] Insbesondere der Wegfall der zeitlichen Beschränkung der Überlassungsdauer führte zu einer problematischen Verselbstständigung der Leiharbeit zu einem dauerhaft prekären Arbeitsverhältnis. Leiharbeit sei aufgrund der günstigen Personalkosten für Arbeitgeber ein attraktives Modell und fände daher weite Verbreitung. [14] Kritiker werfen der SPD vor, dass diese von ihr gesetzte Entwicklung nichts mehr mit sozialdemokratischer Politik zu tun habe.

Auswirkungen auf das Sozialsystem

Kritiker wie die Gewerkschaften und zahlreiche Sozialverbände werfen dem Konzept zu starke Einschnitte in den Sozialstaat vor. Die Gleichstellung der Arbeitslosen- mit Sozialhilfe führe zu erhöhter Armut. Das DIW Berlin kommt in einer Studie zum ALG II zum Ergebnis: „Die Zusammenlegung von Arbeitslosenhilfe und Sozialhilfe zum Arbeitslosengeld II bedeutet für mehr als die Hälfte der Betroffenen Einkommenseinbußen. Etwa ein Drittel wurde durch die Reform finanziell besser gestellt. […] Die Armutsquote der Leistungsempfänger – vor der Reform gut die Hälfte – erhöhte sich auf zwei Drittel.“[15]

Die Maßnahmen der Agenda 2010 tragen vielen Kritikern zufolge nur kurzfristig zur Lösung der Rentenproblematik und den steigenden Kosten der Krankenversicherung bei. Mehr Arbeitsplätze seien nötig, um die Zahl der Beitragszahler für die Sozialversicherung zu erhöhen. Für mehr Beschäftigung sollen durch Reduzierung der Lohnnebenkosten die Kosten für Arbeitsplätze gesenkt werden.

Im Gesundheitsbereich wird häufig das Stichwort der Zwei-Klassen-Medizin angeführt, bei der selbst die wichtigsten Leistungen für Kranke nur gegen Barzahlung erfolgen würden. Die medizinische Grundversorgung sei jedoch wie bisher sichergestellt, so Regierung und Opposition, die die Agenda 2010 aushandelten.

...


Aus: "Agenda 2010" (23. November 2012)
Quelle: https://de.wikipedia.org/wiki/Agenda_2010 (https://de.wikipedia.org/w/index.php?title=Agenda_2010&oldid=110837411)

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[...] Steinbrücks Standardhonorar für einen Vortrag liegt bei 15.000 Euro (brutto). Von 89 Reden, die der frühere Finanzminister gegenüber der Bundestagsverwaltung gemeldet hat, wurden 74 mit dieser Summe vergütet. Dreimal lag die Vergütung über dem Standardhonorar:

    bei der DZ Bank AG (2011): 18.000 Euro
    bei der Bausparkasse Schwabisch Hall (2011): 20.000 Euro
    beim “Atriumtalk” der Stadtwerke Bochum (2011): 25.000 Euro

Bislang waren zahlreiche Auftraggeber unbekannt, da Steinbrück gegenüber der Bundestagsverwaltung lediglich den Namen von Rednervermittlungsagenturen angegeben hatte. Aus der heute vorgelegten Liste geht hervor, dass Steinbrück einen Großteil dieser Vorträge in der Finanz- und Versicherungsbranche zu einem Honorar von jeweils 15.000 Euro hielt, z.B.

    bei einer Investorenkonferenz der Deutschen Bank in Wien
    beim Investorenforum von JP Morgan
    bei der Swiss Life-Versicherung
    beim “Führungstreffen der Wirtschaft” der Hypo Vereinsbank
    beim Investmentkongress der DAB bank AG

Auffallend ist, wie viele Volksbanken und Sparkassen (insbesondere kleinere Institute) sich einen Steinbrück-Auftritt leisteten:

    Volksbank Lippstadt: 15.000 Euro
    Volksbank Geest: 15.000 Euro
    Volksbank Mosbach: 15.000 Euro
    Volksbank Mittelhessen: 2 Vorträge a 15.000 Euro
    Volksbank Dortmund: 15.000 Euro
    Sparkasse Altmark-West: 15.000 Euro
    Sparkasse Leverkusen: 15.000 Euro
    Sparkasse Witten: 15.000 Euro
    Sparkasse Schwarzwald-Bahr: 15.000 Euro

Wie aus der heute vorgelegten Liste außerdem hervorgeht, erhielt Steinbrück für einen umstrittenen Vortrag bei der Großkanzlei Freshfields am 12. September 2011 ein Honorar in Höhe von 15.000 Euro. Im Sommer hatte abgeordnetenwatch.de erstmals darüber berichtet, dass Steinbrück während seiner Amtszeit als Bundesfinanzminister mehrere Berateraufträge im Zusammenhang mit dem Finanzmarktstabilisierungsgesetz an Freshfields vergeben hatte.

Steinbrück trat in der Regel bei Banken, Versicherungen oder auf Finanzkongressen auf.  ...

... abgeordnetenwatch.de begrüßt die Transparenzoffensive von Peer Steinbrück. Nun muss die schwarz-gelbe Koalition liefern, die den SPD-Kanzlerkandidaten in den vergangenen Wochen zur Komplettoffenlegung seiner Nebeneinkünfte aufgefordert hatte. “Wer Transparenz von anderen fordert, muss sich daran messen lassen und darf sich auch nicht wundern, wenn sie von ihm persönlich eingefordert wird.​“ Diese Forderung stammt nicht von Steinbrück oder einem anderen SPD-Politiker, sondern vom bayerischen Ministerpräsidenten Horst Seehofer.

...




Aus: "Die Steinbrück-Honorare (Kurzanalyse)"
geschrieben am 30.10.2012 um 13:41 in Nebeneinkünfte von Redaktion
Quelle: http://blog.abgeordnetenwatch.de/2012/10/30/die-steinbruck-honorare-kurzanalyse/

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Quote
[...] Der Ex-Finanzminister [Peer Steinbrück] [...] beginnt mit einer persönlichen Geste und überreicht den ersten Blumenstrauß des Tages an den langjährigen SPD-Vordenker Erhard Eppler, der seinen 86. Geburtstag feiert. Neben Eppler sitzen andere Parteilegenden wie Helmut Schmidt und Egon Bahr. Auch Gerhard Schröder ist gekommen.

Fast alle spricht Steinbrück persönlich an. Ausführlich erinnert er an die lange SPD-Geschichte. "Wir sind seit 150 Jahren die Partei, auf die Menschen sich verlassen können", ruft er ins Publikum. An den SPD-Werten habe sich nichts geändert. "In der Verpflichtung dieser Werte bewerbe ich mich als Bundeskanzler für die Bundesrepublik Deutschland."

Mehrfach bemüht sich Steinbrück sichtlich darum, auch die Herzen der Delegierten zu gewinnen. Ich bin einer von Euch, stolz darauf, Mitglied dieser Partei zu sein, lautet seine Botschaft.

Besonders gut kommen persönliche Passagen an. Er zitiert aus Briefen seiner beiden Großväter, von denen einer von Nazi-Schergen umgebracht wurde. Erzählt von seiner Mutter, seinen Studententagen und wie er zur SPD gekommen ist.

Im politischen Teil gibt es kaum weniger Applaus. Natürlich stehe er für soziale Gerechtigkeit, betont Steinbrück wiederholt. ... Es gehe im kommenden Jahr nicht nur um einen Machtwechsel. Er stehe für einen klaren Richtungs- und Politikwechsel gemeinsam mit den Grünen. Dafür gibt Steinbrück die Marschrichtung vor: Mindestlohn, faire Löhne, Rente oder bezahlbare Mieten.

...


Aus: "Steinbrück versichert SPD: Ich bin einer von Euch" Joachim Schucht (9. Dezember 2012)
Quelle: http://www.stern.de/politik/deutschland/spd-parteitag-in-hannover-steinbrueck-versichert-spd-ich-bin-einer-von-euch-1939382.html


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Quote
[...]  Berlin - Peer Steinbrück hat in Hannover einen schönen Satz gesagt: "Es gibt eine Sehnsucht in unserer Gesellschaft." Die Exzesse der Finanzmärkte, die Entwertung der persönlichen Leistung, der überbordende Egoismus - all das habe eine Sehnsucht nach mehr Maß und nach mehr Gerechtigkeit in den Menschen wachsen lassen: "Deutschland braucht wieder mehr "Wir" und weniger "Ich"!"

Steinbrück sagte:

"Die Fliehkräfte in dieser Gesellschaft nehmen zu: durch eine wachsende Kluft in der Vermögens- und Einkommensverteilung, durch unterschiedliche Startchancen von Kindern aus materiell besser gestellten Etagen unserer Gesellschaft und Kindern aus bildungsferneren Schichten, durch die Spaltung des Arbeitsmarktes, weil die Zahl der unsicheren und unterbezahlten Jobs zunimmt, und auch durch finanziell marode Kommunen, die ihre sozialen Brennpunkte nicht mehr in den Griff kriegen, weil ihnen das Geld dafür fehlt."

 Es ist gut, dass Steinbrück den Kampf gegen diese Fliehkräfte in den Mittelpunkt seiner Rede gestellt hat. Er wies selber darauf hin, dass er das schon einmal getan hat: "Diesen Begriff habe ich in der Tat bei einer anderen Nominierungsrede das erste Mal gebraucht, nämlich im November 2002 auf einem Parteitag, bei dem es um die Nominierung für die Wahl zum nordrhein-westfälischen Ministerpräsidenten ging." Seitdem ist viel geschehen. Es war eine rot-grüne Bundesregierung, unter der die Zentrifugalgeschwindigkeit des gesellschaftlichen Umbaus drastisch erhöht wurde. Und es war der sozialdemokratische Finanzminister Steinbrück, der selbst nach dem Ende dieser Regierung noch durch großzügige Deregulierung der Kapitalmärkte die Verteilungsfliehkräfte immer weiter beschleunigte.

Hier sprach also einer, der dabei war. Der Verantwortung trug. Dazu fiel kein Wort. Kein Wort des Eingeständnisses, keines der Einkehr. Das ist nicht üblich auf Nominierungsparteitagen. Ein bisschen mehr Selbstkritik hätte dem Kandidaten aber gut gestanden. Denn er musste sie ohnehin üben. Die ersten Wochen nach Bekanntwerden seiner Kandidatur sehen in der Rückschau wie ein Stück politischer Satire aus. Kaum zu glauben, wie viel im echten Leben in so kurzer Zeit schiefgehen kann. Das (vorerst?) letzte Kapitel: In der vergangenen Woche wollte Steinbrück schon wieder einen seiner Bankvorträge halten. Bei einer Schweizer Privatbank, während in Nordrhein-Westfalen gerade die jüngste Steuersünder-CD in den Staatsrechner geschoben wurde. Steinbrücks Begründung: Die Abmachung sei alt, er könne nicht zurück, es drohe sonst Konventionalstrafe. Im Ernst. Aber es kam nicht dazu, die Staatsanwaltschaft kam vor ihm. Das reicht ihm dann als Grund zur Absage.

Steinbrück erinnert an Sandor Nadelmann, die berühmte Figur von Woody Allen. Der beugt sich einmal in der Mailänder Scala zu weit aus seiner Loge und stürzt kopfüber in den Orchestergraben. Und damit nur niemand denken soll, das sei aus Versehen geschehen, springt er von nun an mit Absicht jeden Abend in die schmerzvolle Tiefe.

...

Quote
qvoice heute, 12:10 Uhr
---Zitat--- Die Exzesse der Finanzmärkte, die Entwertung der persönlichen Leistung, der überbordende Egoismus - all das habe eine Sehnsucht nach mehr Maß und nach mehr Gerechtigkeit in den Menschen wachsen lassen ---Zitatende--- Und jemand, der für eine Rede 25.000 EURO von einem hochverschuldeten Stadtwerk kassiert, kann die Sehnsucht nach mehr Mass und Gerechtigkeit erfüllen?

http://forum.spiegel.de/f22/spd-kanzlerkandidat-ein-loblied-auf-steinbrueck-ausnahmsweise-77648.html#post11525530


Quote
Gratulation
Frost1 heute, 12:16 Uhr
Steinbrück gestern im TV-Interview: Die SPD kann stolz auf die Agenda 2010 sein! Sollte die Realität wieder Einzug halten in der SPD ist sie wieder wählbar.

http://forum.spiegel.de/f22/spd-kanzlerkandidat-ein-loblied-auf-steinbrueck-ausnahmsweise-77648-2.html#post11525589



Aus: "Ein Loblied auf Steinbrück, ausnahmsweise" Von Jakob Augstein (10.12.2012)
Quelle: http://www.spiegel.de/politik/deutschland/spd-kanzlerkandidat-steinbrueck-punktet-mit-thema-gerechtigkeit-a-871878.html

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Quote
[...]  Dem Mantra, Wahlen könnten nur in der Mittelschicht gewonnen werden, entspricht die merkwürdige Überzeugung, die Zugehörigkeit zu dieser Schicht sei der Normalfall und Armut eine betrübliche Panne des Systems. Als ob es angesichts der wirtschaftlichen Entwicklung nicht gute Gründe gäbe, sich auf einiges von dem zu besinnen, was früher auch die SPD über Klassengegensätze gewusst hat.

Steinbrück hat über die steigende Zahl derer gesprochen, die sich „abgehängt“ fühlen, und betont, dass „wir“ – gemeint waren Sozialdemokraten – mit denen durchaus „in Berührung kommen“. Eine aufschlussreiche Formulierung. Früher kam die SPD mit solchen Leuten nicht nur in Berührung. Sie hat sie vertreten.

...

Quote
09.12.2012 21:44 Uhr
von tazitus:

Die Entpolitisierung der Unterschicht war und ist ein (leider erfolgreiches) Projekt von Privatfernsehen, "Bild", Kohl und Merkel. Die Menschen dieser Kreise als Wähler wieder zu gewinnen, ist ein schwieriges bis hoffnungsloses Unterfangen. Aktuell kann deshalb auch die SPD nur in der Mitte die nächste Bundestagswahl gewinnen. Darum ist Steinbrück der richtige Kandidat. ...


Quote
09.12.2012 20:39 Uhr
von tsitra:

... Ubriges halte ich die sogenannte Mittelschicht, auch zumeist für ziemlich "abgehängt", auch wenn die das selbst nicht so sehen. (Bernt Engelmann erklärt dieses im Buch "Wir Untertanen").
Die so geringe Wahlbeteiligung bei der letzten Bundestagswahl war eine Katastrophe.
(Überschrift bei "Der Spiegel": "Sofa statt Steinmeier!")
Warum lernen die Kinder/Jugendlichen offenbar nicht in der Schule, dass Demokratie nur von der Beteiligung lebt?
Was ist der Grund dafür, dass die SPD die "Abgehängten" nicht mehr, bzw. kaum noch, vertritt?



Aus: "Die Mittelschichtspartei" Bettina Gaus (09.12.2012)
Quelle: https://www.taz.de/Kommentar-SPD-Parteitag/!107124/

« Last Edit: December 10, 2012, 01:36:24 PM by Textaris(txt*bot) »
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« Reply #339 on: December 11, 2012, 10:47:24 AM »

Quote
[...] Berlin - Der deutsche Wirtschaftsminister Philipp Rösler sieht in den umstrittenen 400-Euro-Jobs einen "wichtigen Standortvorteil" für Deutschland. Mit diesen Worten unterstützte der FDP-Politiker in einem Interview der "Neuen Osnabrücker Zeitung" (Samstagausgabe) die Vereinbarung der Arbeitsmarktexperten von Union und FDP, die Einkommensgrenzen für rund 7,5 Millionen Mini-Jobber im kommenden Jahr auf 450 Euro zu erhöhen. Für Minijobs gelten besondere Vergünstigungen: Arbeitnehmer zahlen dafür keine Sozialabgaben. Stattdessen entrichten Arbeitgeber pauschal 30 Prozent für Kranken- und Pensionsversicherung sowie für Steuern.

Rösler widersprach damit einer am Freitag bekanntgewordenen Stellungnahme aus dem Familienministerium von Kristina Schröder. "Ich halte es für falsch, Mini-Jobs als Armutsfalle abzulehnen", sagte Rösler. Der Mini-Job sei "vor allem ein Beitrag zu mehr Flexibilität auf dem Arbeitsmarkt. Und das ist ein wichtiger Standortvorteil, den wir bewahren sollten." Deshalb befürworte er "die Einkommensanhebung von 400 auf 450 Euro".

Auf die Reform hatten sich Experten der Fraktionen von Union und FDP verständigt. Sie wollen dies im Herbst als Koalitionsinitiative in den Bundestag einbringen. In ihrem Auftrag arbeitet das Bundesarbeitsministerium derzeit eine Formulierungshilfe für den Gesetzentwurf aus. Die "Passauer Neue Presse" hatte am Freitag aus einer Stellungnahme des Frauen- und Familienministeriums vom Juni zitiert, wonach durch die Reform "bestehende Fehlanreize für eine substanzielle Erwerbsbeteiligung" etwa von Frauen noch verstärkt würden.

Bei Gewerkschaftern und Sozialpolitikern stehen Mini-Jobs ohnehin in der Kritik. Mini-Jobber erhalten demnach geringe Stundenlöhne und trügen zur Verfestigung des Niedriglohnsektors bei. Zudem werde Schwarzarbeit durch Minijobs eher verschleiert als verhindert. Arbeitgebern wird vorgeworfen, sie würden reguläre Stellen in schlecht bezahlte Minijobs umwandeln. (APA/Reuters, 28.7.2012)

Quote
Leo Kreitzer, 30.8.2012, 00:47
400 EURO-JOBS

Die Abgehobenheit der Politiker kommt schon einem Frevel der eigenen Spezies gegenüber. So scham.- und charakterlos zu sein gehört eine Kaltblütigkeit eines Killers, denken diese Volksvertreter überhaupt wen und was Sie reden. Ein Leitgedanke ist die Verführung zum Menschenfeind, wie könnte man vorgehen um der Wirtschaft und den Reichen zu helfen das es keine Gewinneinbrüche gibt. Hr. Dr. Rösler ... warum machen sie Ihren Wählern es nicht vor wie toll das Leben sein kann mit so einem Job, ich bin davon überzeugt, wen Sie es vormachen wird man vielleicht wieder Achtung vor Ihnen bekommen. Wo kommt so eine eiskalte Respektlosigkeit her...


Quote
Martin F.3, 2.8.2012, 08:43

Ein aparter Gedanke: Unsere Politiker als Minijobber mit 400 EUR im Monat zu bezahlen. Auch in der Politik dürfte dann die Flexibilität drastisch ansteigen. Aber das bleibt wohl nur ein Scherz. Interessanter dürfte es sein, einmal darüber nachzudenken:

„Hinter der sichtbaren Regierung sitzt
auf dem Thron eine unsichtbare Regierung,
die dem Volk keine Treue schuldet
und keine Verantwortlichkeit anerkennt.
Diese unsichtbare Regierung zu vernichten,
den gottlosen Bund zwischen korruptem
Geschäft und korrupter Politik zu lösen,
das ist die Aufgabe des Staatsmannes.“

Man muss heute, 100 Jahre nachdem Theodore Roosevelt das gesagt hat, wohl sagen „wäre die Aufgabe des Staatsmanns“. Rösler und Konsorten jedenfalls sind weit davon entfernt.


Quote
Günther Hoppenberger, 31.7.2012, 17:12
Warum sollte es nicht auch dumme Minister geben?
Bekanntlich ist Rösler ja eigentlich Arzt. Da mag er fachlich durchaus exzellent sein, das sei unbestritten. Unbestreitbar ist jedoch auch, dass es ihm an gesellschaftlichem Weitblick mangelt und er ein eher menschenverachtendes Weltbild - sofern er eines hat - pflegt. Arztsein allein schützt offensichtlich nicht vor Dummheit und Zynismus.
Rösler vergaß darauf hinzuweisen, dass natürlich jeder Minijober zumindest 3 solche Jobs annehmen muss, um halbwegs in Würde überleben zu können und um die Flexibilität des deutschen Wirtschaftsstandorts maximieren zu helfen (auf Kosten welcher anderer Standorte?). Wird es diese Jobs überhaupt geben?
Erfolgsmodelle sehen anders aus!


Quote
worry1, 29.7.2012, 16:48
Wie lange lassen wir uns das noch gefallen, daß von Machtgeilheit, Geiz und Gier getriebene Politiker und Manager mit eigenem Millionenkonto uns auf diese zynische Weise erklären, daß wir glücklich sein sollen uns für 400 Euro den Rücken krumm zu schuften, damit die Reichen noch reicher werden.
Diese Typen kotzen mich sowas von an.

Dr. Seltsam, 29.7.2012, 13:31
Gemessen an seiner Leistung macht Rösler einen Mini-Job. Er sollte leistungsgemäß entlohnt werden.

Leistung muss sich wieder lohnen!

Quote




Aus: "Rösler lobt Mini-Jobs als Standortvorteil" (28. Juli 2012)
Quelle: http://derstandard.at/1342947953938/Roesler-lobt-Mini-Jobs-als-Standortvorteil-fuer-Deutschland

-.-

Quote
[...] Minijobs ersetzen nach einer Studie vor allem in Dienstleistungsbranchen reguläre Jobs. Im Einzelhandel, im Gastgewerbe sowie im Gesundheits- und Sozialwesen gebe es Hinweise darauf, dass sozialversicherungspflichtige Arbeitsplätze durch Minijobs verdrängt würden, heißt es in einer Studie des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB). Betroffen seien vor allem kleine Betriebe mit weniger als zehn Mitarbeitern.

Dass Minijobs besonders im Dienstleistungsbereich auf dem Vormarsch sind, erklärten die Autoren der Studie mit langen Öffnungszeiten, Kundenorientierung und teilweise stark schwankender Nachfrage. "Wenn beispielsweise längere Öffnungszeiten im Einzelhandel oder ein hohes Gästeaufkommen in der Gastronomie zu bewältigen sind, lässt sich dies mit Hilfe vieler kleiner Beschäftigungsverhältnisse passgenauer bewältigen", schreiben die Arbeitsmarktforscher des bei der Bundesagentur für Arbeit (BA) angesiedelten Instituts.

In größeren Betrieben mit bis zu 99 Beschäftigten ist die Verdrängung der regulären durch Minijobs der Studie zufolge geringer, bei größeren Betrieben mit mehr als hundert Beschäftigten ergänzten sich beide Beschäftigungsformen sogar eher: Hier gehe die Zunahme der Minijobs teilweise auch mit einem Wachstum der sozialversicherungspflichtigen Beschäftigung einher.

Laut BA-Statistik gibt es derzeit mehr als 7,4 Millionen Minijobs. Davon werden rund 2,5 Millionen als Nebenjob ausgeübt. Als Minijobs werden Beschäftigungsverhältnisse mit einem Monatsgehalt von bis zu 400 Euro bezeichnet; ab dem kommenden Jahr dürfen 450 Euro verdient werden. Minijobber sind bis zu dieser Gehaltsgrenze von Steuern und Beiträgen zur Sozialversicherung befreit.

Quote
Es wäre endlich mal an der Politik
10. Dezember 2012 - 15:44 — eseip

diesen "Billigen Jacob" zu beenden! SPD und Gewerkschaften haben hier noch verdammt viel Wiedergutmachungsarbeit zu leisten, denn SPD u n d Gewerkschaften haben diesem Treiben alle Türen geöffnet. Charakterstärke wäre, wenn endlich mal ein Verantwortlicher offen sagen würde, wir haben Mist gemacht - es ist alles ins Gegenteil dessen verkehrt, was es eigentlich einmal bewirken sollte!


Quote
Minijobs von heute...
10. Dezember 2012 - 16:14 — Rinsui
...sind die Löcher in der Rentenkasse von morgen. Kommt mir so vor, als wäre das Rösler + Merkel komplett schnuppe. Hauptsache die Leute verschwinden aus der Arbeitslosenstatistik.


Quote
Dr. Kawasaki
10. Dezember 2012 - 19:45 — heige

Es läuft doch genau so, wie unsere Wirtschaftspolitiker
sich das wünschen.
Durch die indirekte Lohnzahlung (Hartz IV) ist unsere
Wirtschaft wettbewerbsfähig, d.h. die Unternehmen sind
in Lage, leichter Gewinne zu erzielen, dadurch steigt
die Bereitschaft unsere Parteien zu sponsern, denn es
kommt ja alles wieder zurück.
Die Kleinen bleiben auf der Strecke, aber das ist den
Regierenden völlig unwichtig. ...



Aus: "Kleinbetriebe ersetzen Vollzeit- durch Minijobs" (10.12.2012)
Quelle: http://www.tagesschau.de/wirtschaft/minijobs-verdraengen-teilweise-regulaere-jobs100.html

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« Reply #340 on: December 13, 2012, 04:24:13 PM »

Quote
[...] Manchmal können die Eltern nicht helfen, weil sie selbst keine Ausbildung haben oder weil sie Türkisch, Arabisch oder Serbisch sprechen und kaum ein Wort Deutsch. Das deutsche Bildungssystem ist ihnen weitgehend unbekannt. ...

In der Sorge um die bestmögliche Ausbildung für ihren Nachwuchs schotten sich engagierte Eltern regelrecht ab, und der Abstand der Abgehängten wächst weiter. So erntete etwa die Schulverwaltung der Bezirke Mitte und Wedding wütenden Protest für ihren Versuch, den Eltern eine größere Freiheit bei der Wahl der Grundschule für ihre Kinder einzuräumen. Ziel war es, deutsche und ausländische Schüler gleichmäßiger auf alle Schulen zu verteilen.

Angesehene Schulen wie die Papageno-Grundschule in Mitte erlebten daraufhin einen wahren Ansturm und mussten etliche Bewerber abweisen. Diejenigen, denen das Selbstbewusstsein oder das Interesse fehlte, um die Schulkarriere ihrer Kinder zu kämpfen, zählen jetzt umso mehr zu den Abgehängten.

In einer Auswertung der Daten von 108 Berliner Grundschulen stellte der Sachverständigenrat Integration fest, dass der Ausländeranteil an knapp jeder fünften Schule im Schuljahr 2011/2012 mehr als doppelt so hoch war wie der im dazugehörigen Schulbezirk. "Gerade Eltern der Mittelschicht wollen das Beste für ihr Kind, verschlechtern dadurch aber ungewollt die Bedingungen für die verbleibenden Kinder vor allem mit Migrationshintergrund", klagt Geschäftsführerin Gunilla Fincke.

...

Quote
Warum ist es in Melbourne anders?
petros heute, 09:41 Uhr
Hallo allerseits, vor zehn Jahren ausgewandert, meine Tochter war zwei, sprach kein Wort englisch. Zuhause wurde nur deutsch gesprochen. Heute besteht sie Begabtentests und geht in eine Klasse fuer beschleunigtes Lernen. In Melbourne hat ein Grossteil der Einwohner zumindest eingewanderte Eltern. Die kommen aus Italien, Griechenland, der Tuerkei, aus Vietnam, aus China, aus dem Sudan, aus.. you name it. Und alle, wie auch mein sehr chinesisch aussehende Stiefsohn, sind einfach Aussies. Im Berliner Wedding hingegen waren Tuerken halt Tuerken - auch wenn sie halt in Berlin geboren sind. Die Ausgrenzung in Deutschland findet taeglich in jedem deutschen Kopf statt. Ich habe hier noch nie gehoert, dass jemand sagt: "Ich bringe mein Kind nicht in diese Schule, da sind zu viele Tuerken" (oder andere "Auslaender"). Die Ausgrenzung hat es hier auch schon gegeben, aber das ist mindestens dreissig Jahre her. Aber alle gingen in die gleiche Schule, kein "die guten ins Gymnasium, die schlechten in die Hauptschule" - und siehe da, aus den Wogs ist was geworden! Sie hatten alle die gleiche Chance. In Deutschland guckt doch immer noch, wer denn da mit dem BMW vorfaehrt. Dessen Kind muss unbedingt aufs Gymnnasium. Und DU nicht. Du sein Tuerke, gehen in die Hauptschule und spater wirste Muellfahrer.

Gruss Peter


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theodorheuss heute, 07:03 Uhr
Rührend diese naiven Gutmenschenpädagogen die jedem kleinen Schulkind "helfen" wollen und die einfach nicht akzeptieren können das es Schichten in unserer Gesellschaft gibt, Klassen wo es die einen einfacher haben als die anderen. Diese Schönwetternaiven werden niemals die Defizite in Asozialenhaushalten ausgleichen können, nicht einmal im Ansatz. Was ist so schlimm dabei die Bildungsfernen unter sich zu lassen, der Arbeitsmarkt braucht auch einfältige Fließbandarbeiter und Helfer die billig und willig unreflektiert die einfachsten Anlerntätigkeiten ausführen. Genau dieses Klientel wächst in den Berliner Problemschulen heran. Das viele dieser Abgehängten später auf staatliche Hilfeleistungen angewiesen sind und das allgemeine Miteinander durch Aggression und Kriminalität verderben steht auf einem anderen Blatt. Aber der betrieben Aufwand um einen dieser verlorenen Seelen "zu retten" steht in keinem Verhältnis zum Erfolg! Lieber das Geld in willige und lernbereite Schüler investieren, in Kinder die aus ordentlichen Familien stammen und wo Bildung kein abzulehnendes Übel ist vor dem man sich gefälligst zu distanzieren hat. Der übrigbleibende Rest des eingesparten Geldes in Polizei und Strafanstalten investieren um die ehrlichen, gesunden Bürger zu schützen!


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optional
Minniemaus15 heute, 07:34 Uhr
Ich glaube dass Kinder in erster Linie ihre Eltern als Vorbilder brauchen. Wenn die im Zweifelsfall komplett versagen, dann kann ein Förderungs- oder Bildungssystem den Fall maximal verlangsamen, aber nicht wirklich aufhalten. Für Kinder sind die Eltern die Vorbilder, als Kind vertraut man blind darauf, dass die Eltern nur richtige Dinge tun. Indem jemand fremdes mir eine andere Sprache, andere Werte, einen anderen Tagesablauf vermitteln will, kritisiert er doch hintenrum das Verhalten meiner Eltern. Ein Kind weiß doch mit 3 Jahren noch nicht, was mal gut für seine Zukunft ist. Es schlägt sich blind auf die Seite seiner Eltern. Wenn man das nicht berücksichtigt, versanden meiner Meinung nach viele gute Ansätze einfach.


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Lüge!
moserer heute, 07:37 Uhr

Wann hört Berlin endlich auf mit dieser Lüge. In den Großstädten des Südens: Frankfurt, München, Stuttgart und Nürnberg (alle über 25%) ist der Ausländer-Anteil DOPPELT so hoch wie in Berlin, die mit einem Ausländer-Anteil von geringen 13,5 % ganz weit hinten rangieren. Im Grunde genommen ist das eine schweinerei, wenn man mit so einer preußisch-chauvinistischen Aussage kommt. Heißt es ja nichts anders als Ausländer sind dumm! Und das spiegelt dann wohl doch eher den inneren Integrationswillen und der Einstellung im Norden der Nation. Der Rest sind wohlweißlich von triefender politcal correctness geprägte Lippenbekenntnisse zum Thema Integration. Die Frage, die sich mir immer wieder stellt ist wieso nimmt man in Berlin und Hamburg HALB soviele Ausländer im Stadtbild um das DOPPELTE wahr wie in Städten wie Nürnberg, München und Stuttgart. Die Wahrheit ist doch, dass man sich dort im Norden nicht gerne zu Ausländern an einen Tisch sitzt und es deshalb als gesteigerte Fremdenwahrnehmung eben wahrgenommen wird. Und so läßt sich auch dort die Ballung von Ausländern und Bürgern mit Migrationshnitergrund erklären, weil die deutschen Hamburger und Berliner aus diesen Stadtteilen fliehen. Sorry, Du integrations-heuchelnder hohe Norden Deutschlands. Du investierst viel Geld in die Integration. Aber im Grunde genommen machst Du es mit Geld, weil Du Dich selbst nicht mit "Anderen" an einen Tisch sitzen willst. Hier WERDEN Menschen abgehängt, die es an sich einfach nicht SIND. Aber viellecht sollten wir mal die Ausländer und Mitbürger mit Migrationshintergrund fragen wie sehr sie sich in der jeweiligen Stadt heimisch und wohl fühlen. Mit freundlichen Grüßen. Matthias Walser


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flüchtig heute, 07:42 Uhr

Gethosierung in Großstädten,hauptsächlich in den Gebieten der Städte, in denen es noch bezahlbare Mietpreise gibt, führen bestimmt auch zu den bekannten Mangelerscheinungen. Um eine bessere Integration zu erreichen müsste gerade in den Wohngegenden der Besserverdienenden viel mehr sozialer Wohnungsbau entstehen! Sprach- und Bildungsprobleme würden sich dann tatsächlich viel schneller im Sandkasten lösen lassen. Ich fürchte allerdings das die Ausführung solcher Maßnahmen auf Ewig Wunschdenken bleiben wird.


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Sinnlose Debatte

Frazo heute, 07:45 Uhr

Man könnte beim Lesen dieses Textes denken, dass eine Bildungskarriere für alle Kinder in Deutschland das Lebensziel sein sollte. Aber nicht jeder kann/ will Professor oder Doktor werden. Natürlich gibt es einen Zusammenhang zwischen Bildung und Einkommen. Viele Eltern haben sehen aber nichts schlimmes dabei, wenn ihre Kinder in ihre Fußstapfen tretten. Wenn der Sohn eines Elektrikers auch ein Elektriker werden will, anstatt ein Elektroingenieur, ist das keine Zerstörung seiner Bildungskarriere, sondern ein anderer Lebensentwurf. Wir sollten auch die "einfachen" dreckigen Arbeiten respektieren. Wir sollten den Kanalputzern, den Müllmännern und den Toilettenfrauen den Respekt entgegenbringen, den sie verdienen. Mit Artikeln wie dieser werden diese Leute als Totalversager dargestellt, die in ihrem Leben nichts erreicht haben, obwohl es auch diese Leute sind, die unser tägliches Leben am Laufen halten. Aber es macht natürlich mehr Spass, anderen Menschen das Scheitern ihres Lebensentwurfts vorzuwerfen, da es einem dann noch neben der eigenen Überlegenheit die Legitimation gibt, deren Leben zu bewerten und mit klugen Ratschlägen auseinanderzunehmen.


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die bösen Eltern

j.c78. heute, 08:07 Uhr

wer einmal mitbekommen hat wie hilflos die Schule auf gewalttätige Kinder reagiert, meldet sein Kind ab! Die Schule kann (und will?) das Opfer nicht vor dem Täter schützen! Ist es dann verwunderlich wenn ich mein Kind abmelde um es vor weiteren blauen Flecken zu bewahren. Und nein! In diesm Punkt ist es mir egal ob der Junge es schwer zu Hause hat!


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shakyamuni heute, 08:10 Uhr
Ich komme aus einer Bildungsfernen Familie, meine Eltern sind Gastarbeiter gewesen und nun Deutsche. Sie haben beide 2 Jobs und 12h Tage. Bin in einem sozialen Brennpunkt aufgewachsen. Doch unser Freundeskreis hat sich dazu motiviert studieren zu gehen und gut zu werden(Höhere Gehälter waren eine große Motivation :-)). Nun sitze ich in der Vorlesung und es läuft ganz gut, obwohl ich ein Paar Umwege hinnehmen musst, aufgrund Lehrer die meine Herkunft nicht mochten. Was ich damit sagen will, man muss sich selbst motivieren und dann schafft man es auch.


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Scheidungskind heute, 08:25 Uhr

[Zitat von sysop]Die sozial Abgehängten bleiben unter sich, weit weg von den Bildungsbürgern in den besseren Vierteln.

Was für eine ideologisch eingefärbte Weltsicht. Wenn ich mir ansehe, welch oberflächlichen und freudlosen Beziehungen unter den Bildungsbürgern üblich sind, stellt sich mir die Frage, wer sozial abgehängt ist und wer nicht. Der Umgang mit aufrechten und einfachen Menschen ist der wahre Genuss des Lebens, statt immer nur Fassaden der Stärke aufzubauen und nur ja nicht verletzlich zu wirken.


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ja, man kann es nicht mehr hören/lesen,
gundolino heute, 08:32 Uhr
Deutschland ist das einzige Land auf der Erde, wo Menschen keinen Finger krumm machen müssen, noch nicht mal die Geld-Geber-Sprache lernen muss, dafür zur Belohnung oft mehr Geld bekommen, wie Menschen, die jeden Tag schwer arbeiten müssen.


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nicht gewollt
mibarina heute, 08:51 Uhr
[Zitat von sysop]Sie lernen spät Deutsch, ihre Eltern haben wenige Bücher, sie bleiben unter sich: Risikoschüler können nach der vierten Klasse nicht ausreichend lesen und rechnen, wie neue Studien bestätigen. Förder-Aktivisten versuchen mit viel Geld und Eifer, den Abgehängten zu helfen. Warum nur klappt das nicht?
Weil das keiner will. Im Grunde finden wir es ja ganz gut so, wie es ist. Was, wenn die abgehängten 15% bis 20% vernünftig ausgebildet wären und uns leidlich situierten Mittelschichtlern auf dem Arbeitsmarkt ernsthaft Konkurrenz machen würden? Wer will denn das wirklich??? So wie es jetzt ist, gibt es eine Gruppe, die wir treten können, die uns täglich vor Augen führt, wie toll wir selber sind, und die uns ansonsten in Ruhe lässt. Also ist doch alles in Butter.

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derhenne heute, 09:00 Uhr
[Zitat von Frazo]Viele Eltern haben sehen aber nichts schlimmes dabei, wenn ihre Kinder in ihre Fußstapfen tretten. Wenn der Sohn eines Elektrikers auch ein Elektriker werden will, anstatt ein Elektroingenieur, ist das keine Zerstörung seiner Bildungskarriere, sondern ein anderer Lebensentwurf.
Trotzdem wäre es schön, wenn der Elektriker später eine Rechnung fehlerfrei schreiben kann und in der Schule nicht der Notenschlüssel für ALLE nach unten angepasst wird. Sie haben das Thema verfehlt. Es geht nicht um Elektrikerkinder, sondern um "Unterschichtenkinder".


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Der Tritt in den Hintern ist die beste Fördermassnahme
Vox libertatis heute, 09:09 Uhr
Meine Eltern kamen als Kinder aus Osteuropa nach Deutschland. Neben Dingen , die eigentlich selbstverständlich sein sollten (die deutsche Sprache beherrschen, sich an die Gesetze halten), wussten sie, dass sie sozialen Aufstieg nur schaffen würden, wenn sie mindestens genauso gut sind wie andere. Später, als mein Vater Professor war, regte ihn nichts mehr auf als Migrantenkinder, die Sonderrechte geltend machen. Zum Glück für ihn gab es diesen ganzen Fördermist damals nicht. Inzwischen lebe ich selbst im nicht-deutschsprachigen Ausland und wünsche auch keine Privilegien für meine Kinder, die auf eine lokale Schule gehen.


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Super Idee ...
epigone heute, 09:11 Uhr
[Zitat von marcuspüschel]Wenn es denn so ist, dass die alle eine andere Sprache sprechen, wie z.B. Türkisch, dann stellt sich doch die Frage, ob man nicht um des besseren Lernerfolges willen den Unterricht in Türkisch halten sollte.
... aber dann lasst uns auch Libanesisch, Kroatisch, Serbisch, Russisch, Arabisch, Paschtun und Persisch (Dari) in unseren Schulen anbieten - da sprechen nämlich "aktuelle" Flüchtlinge vor allem. Bitte auch alle amtlichen Dokumente in entsprechenden Übersetzungen bereithalten! Bitte auchalle med. Einrichtungen mit ausreichend Übersetzern ausstatten, die diesen Sprachgruppen bei Bedarf mit Übersetzungen beistehen! Bitte auch alle Behörden und öffentliche Einrichtungen entsprechend ausstatten! Oder will hier irgend jemand ernsthaft das Grundrecht von Menschen aus anderen Kulturen auf Parallelgesellschaften, Desintegration Fremdheit und Dauerhilfsbedürftigkeit mit so was Ekligem wie Bildung und eigenem Engagement gefährden???


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nein so ist es nicht
indosolar heute, 09:17 Uhr

... als Vater eines Immigrationskindes, der 2007 nach Deutschland zurück kam, kenne ich die Misere aus dem FF. Wer um Hilfen bittet wird schnell Staatsfeind! Trotz abgelehnter Sprachförderung wurde bei der Schuleinstellungsuntersuchung Schulunfähigkeit festgestellt, das Kind an die Sprachheilschule verwiesen. Es bestehen interne Anweisungen der Jugendämter, Kinder möglichst auf §35a (seelisch krank oder behindert) einzustufen, dann bezahlt die Kasse nicht das Amt! Das JA Leipzig hat mich mehrfach, massiv und mit kriminellen Methoden daran gehindert, mein Kind zu förden und zu erziehen. Es erfolgte eine grundlose Inobhutnahme, welche mein Kind schwer traumatisierte. Die Eltern wurden, aktenkundig, gegeneinander aufgehetzt. Die Fördernotwendigkeit wurde verschwiegen und negiert, Schulen unter Druck gesetzt, dass Kind nicht zu fördern. Erst Prozeß und gerichtliches Gutachten, sorgten nach drei verlorenen Jahre des Kindes dafür, das es nach Hause kam. Da war es mittlerweile tatsächlich lernbehindert. Weder eine Entschuldigung noch personelle Konsequenzen für Fallmanipulation, Dokumentenfälschung und fortgesetzte Falschaussagen vor Gericht. Strafanzeigen abgeschmettert wg. Verjährung. Rechtsaufsichtverfahren durch Aktenmanipulation und falsche Aussagen erfolglos. Wer jetzt denkt, das Leiden hat ein Ende irrt. Förderung auf Bildung und Teilhabe wird nur bei Versetzungsgefährdung gewährleistet, ist zusätzlich mit 50 Euro zu bezahlen, wird nur für 3 Monate gewährt. Das bedeutet, jede Mühe das Kind auf 4 zu bringen, entzieht sofort die Förderung. Fazit: Ämter haben wenig Ahnung, verschwenden Geld, sind kriminell und Eltern die sich abrackern, werden zu Feinden von Jugend- und Schulämtern, laufen in Gefahr, ihr Kind zu verlieren. Hartz4 Bashing bringt da nicht weiter. Fragwürdige Ideen der Schul- und Sozialbürokratie wie DAZ(deutsch als Zweitsprache)Schulen sind weiteres Lernhindernis. Dort sind bei 20 Kindern teilweise 18 aus 9 verschiedenen Nationen. Die Lehrer verstehen die Kinder nicht und diese nicht untereinander. In Leipzig wo es 2 DAZ Schulen gibt, wurde in der einen ein Jahr lang!!! bei vollem Schulbetrieb umgebaut und in der anderen wurden 1 Euro Jobber(Immigranten) als Hilfserzieher eingesetzt.(Wie diese Stadt als Kinderfreundlich ausgezeichnet werden konnte, bleibt ein schleierhaft!) Der Amtsleiter der Leipziger Amtes für Jugend, Bildung und Erziehung verlor seine Doktorbeit wegen Abschreibens, im ASD geht es drunter und drüber (mit tödlichen Folgen für Kinder) usw. Wo der Erfolg herkommen soll, wenn die Institutionen versagen, bestenfalls eine gigantische Arbeitsbeschaffungsmaßnahme für den Soziologenüberhang sind, bleibt fraglich! Vielleicht mal schauen wo der Fisch stinkt!


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Bildungsferne Familien
juerler@saxonia.net heute, 09:20 Uhr

[Zitat von sysop]Sie lernen spät Deutsch, ihre Eltern haben wenige Bücher, sie bleiben unter sich: Risikoschüler können nach der vierten Klasse nicht ausreichend lesen und rechnen, wie neue Studien bestätigen. Förder-Aktivisten versuchen mit viel Geld und Eifer, den Abgehängten zu helfen. Warum nur klappt das nicht? Warum Berlin mit der Förderung der Schüler so wenig Erfolg hat - SPIEGEL ONLINE (http://www.spiegel.de/unispiegel/studium/warum-berlin-mit-der-foerderung-der-schueler-so-wenig-erfolg-hat-a-869007.html

"Bildungsferne" Familien ist ein wunderbares Wort - deren es in der Politik viele gibt um eigene Unfähigkeit mittels Wortspiel zu kaschieren und der Spiegel macht mit. Einprägsamer wäre "chancenlos" dies wurde ja in offiziellen Studien nachgewiesen, dass Chancengleichheit in Deutschland ein Fremdwort ist. Warum also nicht einprägsame und verständliche Worte wählen oder ist das nicht gewünscht?


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alafesh heute, 09:30 Uhr
[Zitat von DJ Doena]Aber sind die Elten, die sich trotz Hartz 4 reinhängen und versuchen, wieder Arbeit zu finden und machen und tun wirklich die Eltern der Kinder, die Probleme haben? Aber was ist mit dem Rest?

Dieser Rest ist systembedingt. Und, wie ein Forist schrieb, auch gar nicht ungewollt als "Faule Masse", auf die man herabschauen kann und die den eigenen Kindern keine Konkurrenz machen soll, wenn wir ehrlich sind. Und: Armut wird geächtet. Das zeigt sich auch an den Schulen, wo Armut "gedisst" wird. Da hat ein Kind Probleme, auch wenn sich die Eltern "reinhängen". Die Arbeitslosenindustrie blüht, Bildungsgutscheine, Kurse für dies und das, Schulungen,....von oft fragwürdiger Qualtität. Lesen Sie keine Zeitung? Wenn ich all die Entlassungsmeldungen, die ich in den Wirtschaftsteilen lese, wird mir schwindlig. Warum sollen die Ex-Schlecker-Beschäftigten Erzieher werden, und die Opelaner nicht? Diesen Rest müssen wir einfach tragen in einer Gesellschaft, die dem WACHSTUM keine Alternative gegenüberstellt. Er ist bestimmt nicht so teuer wie so mancher (Flug-)Bahnhof. Wenn wir alle Arbeitswilligen sinnvoll und würdig beschäftigt haben, können wir uns gerne auch die Faulen vornehmen.


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Und was genau
Bondurant heute, 09:31 Uhr
[Zitat von sysop]"Gerade Eltern der Mittelschicht wollen das Beste für ihr Kind, verschlechtern dadurch aber ungewollt die Bedingungen für die verbleibenden Kinder vor allem mit Migrationshintergrund", klagt Geschäftsführerin Gunilla Fincke.

soll man diesen Mittelschichteltern jetzt vorwerfen? Mangelnde Opferbereitschaft?


http://forum.spiegel.de/f22/schueler-aus-bildungsfernen-familien-viel-foerdern-nichts-fordern-77905.html


Aus: "Viel fördern, nichts fordern" Von Michael Kröger (13.12.2012)
Quelle: http://www.spiegel.de/unispiegel/studium/warum-berlin-mit-der-foerderung-der-schueler-so-wenig-erfolg-hat-a-869007.html

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[In der City West entstehen fast nur noch... ]
« Reply #341 on: December 15, 2012, 03:37:59 PM »

Quote
[...] Den Berliner Sozialämtern fällt es immer schwerer, Wohnungen oder Heimplätze für Obdachlose zu finden. Die Senatssozialverwaltung bestätigte am Freitag, dass die „Berliner Unterbringungsleitstelle“ (BUL) des Landesamts für Gesundheit und Soziales den Bezirken oft keine freien Plätze mehr melden könne. Ein Grund dafür seien Veränderungen auf dem Wohnungsmarkt wie die „geringere Fluktuation“, sagte Sprecherin Franciska Obermeyer. Die BUL verwaltet 5100 Plätze für Wohnungslose und 500 für Asylbewerber und Flüchtlinge. Betrieben werden Wohnheime in der Regel von freien Sozialhilfeträgern.

Der Charlottenburg-Wilmersdorfer Sozialstadtrat Carsten Engelmann (CDU) beklagt, wie berichtet, eine „katastrophale Situation“.

Als „totaler Fehlschlag“ hätten sich Gespräche mit Betreibern von Hostels und Pensionen erwiesen: Diese hätten auf schlechte Erfahrungen mit Obdachlosen verwiesen oder mitgeteilt, ihre Häuser seien ausgebucht. Nun prüfe man Angebote privater Wohnungseigentümer, müsse dabei aber baurechtliche Fragen beachten. Zudem verhandele man mit dem Insolvenzverwalter der Treberhilfe darüber, ob Einrichtungen des Vereins „aus der Insolvenzmasse herausgelöst“ werden können.

Die Sozialverwaltung plant, die Zahl der Notübernachtungsplätze in der Kältehilfe von 415 auf 500 aufzustocken. Doch nicht nur im Winter gibt es Probleme. Schon seit eineinhalb Jahren seien Unterkünfte für Obdachlose „sehr knapp“, sagt Ekkehard Hayner, Bereichsleiter für die Wohnungsnotfallhilfe bei der gemeinnützigen Gesellschaft „Gebewo – Soziale Dienste“. Diese betreibt mehrere Wohnheime, darunter eines in Charlottenburg.

Auch Hayner sieht eine Ursache der Probleme darin, dass Wohnungsmieter seltener um- oder wegzögen. Außerdem „liegt der Wohnungsmarkt darnieder“. Für die Unterbringung von Obdachlosen liege die Obergrenze der Nettokaltmiete bei 7,36 Euro pro Quadratmeter. Von Investoren höre er, dass sich Neubauten erst ab einer Miete von 8,50 Euro je Quadratmeter lohnten.

In der City West entstehen fast nur noch Luxuswohnungen wie im alten Haus Cumberland. Zu den wenigen Ausnahmen zählt Baustadtrat Marc Schulte (SPD) einen Neubau in der Sömmeringstraße mit „bezahlbaren“ Wohnungen. Laut Engelmann verstärken Zuzügler aus Osteuropa die Platznot: Vor allem aus dem Baltikum kämen viele Menschen, ohne in Berlin einen Wohnsitz zu haben. Sie wüssten wohl, dass die Bezirke ihnen helfen müssen. Stadtweit steigen zudem die Asylbewerberzahlen. Auch dadurch gibt es weniger Plätze für Berliner, die ihre Wohnung etwa durch eine Zwangsräumung verloren haben.

Quote
    von DerArmeKonrad
    15.12.2012 12:50 Uhr
  
Der Senat bestätigt
Der Senat bestätigt den Mangel an Unterkünften. Als Grund gelten vor allem Veränderungen im Wohnungsmarkt: Es gibt weniger Fluktuation – und in begehrten Innenstadtlagen bauen Investoren fast nur noch Luxusquartiere.

Wie billig ist das denn? Der Markt ist schuld, daß der Staat versagt? ...


Quote
    von minimal
    15.12.2012 14:15 Uhr

Gründe "In der City West entstehen fast nur noch Luxuswohnungen"

Läßt sich ergänzen: In ehemaligen Ostteil entstanden in den letzten 20 Jahren ausschließlich Eigentumswohnungen, überwiegend im gehobenen Standard.

Kein Wunder, wenn der Senat Bauflächen in den letzten 20 Jahren ausschließlich und ganz bewußt an private Investoren verhökert hat. Und überdies zugelassen hat, dass zigtausende Mietwohungen in Eigentums-, Gewerbe- oder Ferienwohnungen umgewandelt wurden.

Und wenn Mieter sich heute dreimal überlegen umzuziehen, dann hat das vor allem auch damit zu tun, dass die Mieten allein in den letzten 10 Jahren um 30 Prozent gestiegen sind und bei jeder Neuvermietung noch mal kräftig zugelangt wird.
Die jetzige Situation war daher absehbar!



Aus: "Kaum noch Platz für Obdachlose" Cay Dobberke (15.12.2012)
Quelle: https://www.tagesspiegel.de/berlin/sozialentwicklung-kaum-noch-platz-fuer-obdachlose-/7525056.html

-.-

Quote
[...] Laut Schätzungen stehen in Frankreich landesweit rund 2,4 Millionen Gebäude leer. Die für die Häusermärkte verantwortliche Ministerin Cécile Duflot kündigte nun an, sich eines seit 1945 bestehenden Gesetzes zur temporären Beschlagnahmung von Immobilien bedienen zu wollen, um der zunehmenden Zahl an Obdachlosen einen Unterschlupf vor der diesjährigen Winterkälte zu bieten. Davon betroffen sind vor allem die Hauptstadt Paris und andere Großstädte des Landes.

Nachdem es in Paris bereits zum Kältetod von Obdachlosen gekommen ist, kündigte die zuständige Ministerin Duflot an, leer stehende Häuser temporär beschlagnahmen zu wollen. Die in den letzten Jahren stark wachsende Anzahl an Obdachlosen solle auf diese Weise geschützt werden, um die betreffenden Gebäude für die Wintermonate in Obdachlosenquartiere umzufunktionieren. Laut Duflot sei die Lage sehr ernst, so dass in diesem Jahr dringender Handlungsbedarf bestehe.

Obdachlosenverbände und sonstige Organisationen kritisieren die Ministerin dennoch für ihr zögerliches Handeln. Eine entsprechende Verordnung hätte schon vor mehreren Wochen auf den Weg gebracht werden müssen, und nicht erst dann, wenn die ersten Erfrierungsopfer von den Straßen aufgelesen werden. Die Ministerin scheint sich nun dem zunehmenden Druck zu beugen und erklärte, dass laut Schätzungen etwa 2,4 Millionen Gebäude im ganzen Land leer stünden.

Diese Anwesen würden teilweise seit mehreren Jahren schon nicht mehr benutzt, weshalb nicht einzusehen sei, dass obdachlose Bürger auf den Straßen Frankreichs im Winter erfrieren müssten. Um mit gutem Beispiel voranzugehen, will sich Duflot dafür einsetzen, dass auch Staatsgebäude genutzt werden können. Dazu gehören zum Beispiel Krankenhäuser, leer stehende Bürogebäude und verwaiste Militärkasernen.

Die Obdachlosenorganisation Droit au Logement begrüßte unterdessen die Haltung der Ministerin. Private Interessen hätten hinten anzustehen, wenn es um das Leben von Menschen gehe. Damit waren wohl die Haus- und Gebäudeeigentümer gemeint, deren Anwesen zurzeit leer stehen. Schon in den vergangenen Jahren habe man sich darum bemüht, die Regierung davon zu überzeugen, sich des seit 1945 existierenden Gesetzes zur temporären Beschlagnahmung zu bedienen.

Diesen Forderungen war jedoch kein Erfolg beschieden, was sich in diesem Winter ändern dürfte. Die betreffenden Hauseigentümer hätten nach der Verabschiedung eines staatlichen Erlasses keine Handhabe mehr, die Nutzung ihrer Anwesen zu verweigern. Auf welches Echo eine solche Verordnung treffen würde, ist bislang noch nicht klar. Eine Mehrheit der Franzosen würde derartige Maßnahmen jedoch begrüßen.


Aus: "Frankreich: Immobilienbeschlagnahme zum Schutz von Obdachlosen" (Oktober 30, 2012)
Quelle: http://www.wirtschaftsfacts.de/2012/10/frankreich-immobilienbeschlagnahme-zum-schutz-von-obdachlosen/
« Last Edit: December 15, 2012, 05:02:10 PM by Textaris(txt*bot) »
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[Anders als in der A-Jugend... ]
« Reply #342 on: December 18, 2012, 06:33:02 PM »

Quote
[...] Ayodele hofft einfach nur, dass er hier bleiben darf. Um sein Abitur zu machen und um in der kommenden Saison Fußball spielen zu dürfen. Eigentlich ist er für die dritte Mannschaft der HSV-Herren eingeplant. Dort darf er aber - anders als in der A-Jugend - nur kicken, wenn er nicht mehr nur geduldet wird, sondern eine Aufenthaltsgenehmigung bekommt.

...


Aus: ""Warum darf Ayo nicht einfach bleiben?"" Von Annick Eimer (18.12.2012)
Quelle: http://www.spiegel.de/schulspiegel/schueler-kaempfen-per-facebook-gegen-abschiebung-eines-klassenkameraden-a-873353.html
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[Überarbeitete Postboten... ]
« Reply #343 on: December 18, 2012, 08:21:49 PM »

Quote
[...]  Seit Jahren steige das Arbeitspensum, klagen die Briefträger, die Bezirke würden größer, die Zeit immer knapper. Für den Zuschnitt der Bezirke ist bei der Post das "IT-gestützte Bemessungs- und Informationssystem", kurz Ibis, zuständig, eine Software, die festlegt wie lange ein Briefträger für die Zustellung brauchen darf. Durchschnittlich angeblich gut vier Sekunden pro Brief, über Einzelheiten schweigt die Post. ...


Quote
[...] Hafenschiff heute, 11:17 Uhr

[Zitat von mimija]
... die Bosse der Post die Zustellerbezirke zuteilen, müssten sie verpflichtet werden jeden Bezirk selbst einmal mit Post zu begehen! Vielleicht würde das helfen!


Genau das hab ich mir auch gedacht: "Manager aller Ebenen in die Produktion!" ... wenigstens mal für ein paar Tage oder besser für zwei Wochen. Und das wäre nicht nur bei der Post angebracht. Auch in fast allen anderen Wirtschaftszweigen wäre das notwendig, beispielsweise in der Pflege und in Krankenhäusern, bei Zustelldiensten allgemein, bei Filialverkäufern, bei der Müllabfuhr, bei der Bahn, im Busverkehr und und und. Viele, die heute als Manager (egal ob unteres, mittleres oder gehobenes Management) oder in der Politik irgendwo tätig sind, haben noch nie in ihrem Leben richtige Arbeit gemacht, sondern sind meist direkt nach Schule und Studium in die Management-Ebene eingestiegen. Eigentlich sollte es Usus sein, dass jeder Vorgesetzte und Manager jedes Jahr mal zwei Wochen die Arbeit seiner Untergebenen machen muss, um nicht ganz den Bodenkontakt zu den normalen Arbeitnehmern zu verlieren und zu den Arbeitsbedingungen, die man diesen überträgt.

http://forum.spiegel.de/f22/ueberarbeitete-postboten-sie-fallen-um-wie-die-fliegen-78265-2.html#post11578306

...


Aus: "Überarbeitete Postboten "Sie fallen um wie die Fliegen"" Von Nicolai Kwasniewski (18.12.2012)
Quelle: http://www.spiegel.de/wirtschaft/unternehmen/zusteller-der-deutschen-post-klagen-ueber-die-arbeitsbedingungen-a-872264.html#spCommentsBoxPager

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[Aber ich bewahre den Geist Frankreichs... ]
« Reply #344 on: December 18, 2012, 08:31:14 PM »

Quote
[...] Gérard Depardieu verlässt Frankreich, um sich in der belgischen Ortschaft Néchin gleich hinter der französisch-belgischen Grenze niederzulassen. Der auch in Deutschland aus vielen Filmen bekannte Schauspieler hat in einem offenen Brief dem französischen Premierminister Jean-Marc Ayrault vorgeworfen, ihn als erbärmlich (“minable“) bezeichnet zu haben. Ayrault hat am Mittwoch diesen Vorwurf zurückgewiesen. Er habe nicht Depardieu als Person als erbärmlich bezeichnet, sondern festgehalten, die Verlagerung eines Wohnsitzes ins Ausland aus steuerlichen Gründen „trage erbärmliche Züge“. In schwierigen Zeiten seien „patriotischer Geist“ und „bürgerliche Solidarität“ gefragt.

Um seine französische Staatsbürgerschaft zu verlieren, benötigt Depardieu zunächst eine andere. Gegenwärtig haben rund 500 Franzosen die belgische Staatsangehörigkeit beantragt, darunter auch der bekannte Unternehmer Bernard Arnault des Luxusgüterkonzerns LVMH. Erst wenn der Schauspieler Belgier ist, kann ihm ein französisches Gericht seine französische Staatsangehörigkeit aberkennen. Das Gesetz würde es Depardieu erlauben, zu einem späteren Zeitpunkt wieder auf Antrag französischer Staatsbürger zu werden, da er in Frankreich geboren wurde.

Depardieu erwähnt in seinem Schreiben seinen Sohn Guillaume (1971 bis 2008), der früh mit Drogen und dem Gesetz in Konflikt gekommen war und mit dem ihn eine sehr schwierige Vater-Sohn-Beziehung verband. Guillaume Depardieu starb im Alter von nur 37 Jahren an einer Lungenentzündung. Die Erwähnung des Motorrollers bezieht sich auf einen Unfall Depardieus im November 2012. Depardieu war mit einem Blutalkoholgehalt von 1,8 Promille in Paris von seinem Motorroller gefallen, ohne sich zu verletzen. Anschließend verbrachte er mehrere Stunden in einer Ausnüchterungszelle. Vor wenigen Monaten hatte Depardieu einen Autofahrer geschlagen, der ihn angeblich mit seinem Motorroller bedrängt hatte. Der nachfolgende Brief an Premierminister Jean-Marc Ayrault wurde zuerst am 16. Dezember 2012 in der französischen Sonntagszeitung „Journal du Dimanche“ veröffentlicht.

Offener Brief an Monsieur Ayrault, Jean-Marc, Premierminister von Monsieur François Hollande

“Erbärmlich, Sie haben „erbärmlich“ gesagt? Wie erbärmlich das ist.

Im bin 1948 geboren, ich habe im Alter von 14 Jahren als Drucker angefangen zu arbeiten, dann als Lagerarbeiter, später als Schauspieler. Ich habe immer meine Steuern und Abgaben gezahlt, wie hoch auch immer der Satz war, und unter allen Regierungen.

Niemals bin ich meinen Verpflichtungen nicht nachgekommen. Die historischen Filme, in denen ich gespielt habe, belegen meine Liebe für Frankreich und seine Geschichte. Berühmtere Personen als ich wurden ins Ausland verbannt oder haben das Land verlassen.

Unglücklicherweise bleibt mir hier nichts mehr zu tun. Aber ich werde auch künftig die Franzosen lieben und dieses Publikum, mit dem ich so viele Emotionen geteilt habe! Ich gehe, weil Sie der Ansicht sind, dass der Erfolg, die Schaffenskraft, das Talent, im Grunde: der Unterschied, bestraft werden müssen.

Ich verlange nicht, dass man meinen Schritt gutheißt, aber ich könnte zumindest respektiert werden. All jene, die Frankreich verlassen haben, wurden nicht so beleidigt wie ich. Meine Gründe, die zahlreich und persönlich sind, habe ich nicht zu rechtfertigen.

Ich gehe, nachdem ich in diesem Jahr 85 Prozent Einkommensteuer gezahlt habe. Aber ich bewahre den Geist Frankreichs, der schön war und, wie ich hoffe, es bleiben wird.

Ich überlasse Ihnen meinen Pass und meine Sozialversicherungskarte, die ich niemals benutzt habe. Wir haben nicht mehr dasselbe Vaterland, ich bin ein wahrer Europäer, ein Bürger der Welt, so wie es mir mein Vater beigebracht hat.

Ich finde die Verbissenheit der Justiz gegenüber meinem Sohn Guillaume erbärmlich, die ihn als Jungen wegen zwei Gramm Heroin zu drei Jahren Haft verurteilt hat, während andere trotz weitaus schlimmerer Vergehen vom Gefängnis verschont bleiben.

Ich werfe keinen Stein auf Menschen mit zu viel Cholesterol, mit Bluthochdruck, Diabetes oder die zu viel trinken. Ich werfe keinen Stein auf jene, die auf ihrem Motorroller eingeschlafen sind: Ich bin einer von ihnen, wie Ihre teuren Medien so gerne wiederholen.

Ich habe niemals einen Menschen umgebracht. Ich denke nicht, dass ich mich jemals als unwürdig erwiesen habe. Ich habe in 45 Jahren 145 Millionen Euro Steuern gezahlt. Ich habe für 80 Personen Arbeit geschaffen in Unternehmen, die für sie entwickelt wurden und die von ihnen geleitet werden.

Ich bin weder zu bedauern noch zu beneiden, aber ich lehne das Wort „erbärmlich“ ab.

Wer sind Sie, dass Sie mich derart verurteilen, das frage ich Sie, Monsieur Ayrault, Premierminister von Monsieur Hollande. Ich frage Sie, wer sind Sie? Trotz meiner Exzesse, meines Appetits und meiner Lebensfreude bin ich ein freies Wesen, Monsieur, und ich werde höflich bleiben.“

Gérard Depardieu

Übersetzt aus dem Französischen und eingeordnet von Gerald Braunberger.


Aus: "Aufschrei eines „Erbärmlichen“ - Der Brief des Schauspielers Gérard Depardieu an Frankreichs Premierminister Jean-Marc Ayrault" (17.12.2012)
Quelle: http://www.faz.net/frankfurter-allgemeine-zeitung/aufschrei-eines-erbaermlichen-11997113.html

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[...] Frankreichs höchstes Gericht hat die umstrittene 75-Prozent-Steuer für Spitzenverdiener gekippt. Der Verfassungsrat teilte am Samstag seine Entscheidung mit, die einen herben Rückschlag für die seit sieben Monaten amtierende Regierung des sozialistischen Präsidenten Francois Hollande bedeutet.

Der Steuersatz von 75 Prozent auf Einkommen von mehr als einer Million Euro war Kern seiner im Wahlkampf propagierten Bemühungen, reiche Bürger zur Sanierung der Staatsfinanzen in die Pflicht zu nehmen.

Gegen die neue Regelung, die 2013 in Kraft treten sollte, waren erwartungsgemäß vor allem wohlhabende Franzosen Sturm gelaufen. Schauspieler Gérard Depardieu beispielsweise war erst kürzlich nach Belgien gezogen, um sich der Abgabe zu entziehen.

Dem Verfassungsrat gehören zwölf Mitglieder an. Aktuell sind dies neun in das Gremium berufene Richter, Politiker und Beamte sowie drei frühere Präsidenten. Das Staatsoberhaupt gehört dem Verfassungsrat nach Amtsablauf bis zum Lebensende an.


Aus: "Frankreichs Verfassungsrat stoppt Reichensteuer" (29.12.2012)
Quelle: http://www.sueddeutsche.de/politik/rueckschlag-fuer-praesident-hollande-frankreichs-verfassungsrat-stoppt-reichensteuer-1.1561326

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[...] Der französische Filmstar Gérard Depardieu hat sich seinen neuen russischen Pass persönlich in Russland abgeholt. Im Rahmen eines "privaten Besuchs" des Schauspielers in Russland habe er am Samstagabend ein "kurzes Treffen" mit Staatschef Wladimir Putin in dessen Residenz in Sotschi am Schwarzen Meer abgehalten, sagte ein Sprecher Putins. Dabei habe der Kremelchef dem Künstler das Dokument mit dem Doppeladler auf der Vorderseite ausgehändigt.

Das russische Fernsehen zeigte Bilder von dem Treffen. Zu sehen war, wie Depardieu und Putin sich umarmten und zusammen aßen. Depardieu sprach demnach seinen Gastgeber auf einen Film an, in dem er den mysteriösen russischen Mönchen Rasputin verkörperte, der großen Einfluss auf Russlands letzten Zar Nikolaus II. hatte. "Beide haben auch über den Film "Rasputin" gesprochen, der bisher nicht in Russland zu sehen war", bestätigte Putins Sprecher.

Putin hatte Depardieu am Donnerstag per Dekret die russische Staatsbürgerschaft zugesprochen. Zuvor hatte der Filmstar im Streit mit Frankreichs sozialistischer Regierung um hohe Steuern für Reiche ein Haus in Belgien gekauft, um weniger Abgaben zahlen zu müssen. Die Affäre schlägt in Frankreich hohe Wellen.


Aus: "Depardieu holt russischen Pass ab" (6. Januar 2013)
Quelle: http://www.stern.de/lifestyle/leute/zu-besuch-bei-putin-depardieu-holt-russischen-pass-ab-1950518.html

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[...] Die französische Filmlegende Brigitte Bardot hat ihre Drohung bekräftigt, einen russischen Pass zu beantragen, sollten zwei kranke Elefanten in einem Zoo wie angeordnet eingeschläfert werden. "Ich meine es sehr ernst. Ich habe es satt. Ich habe die Nase gestrichen voll. Ich ertrage dieses Land nicht mehr", sagte die 78-Jährige in einem am Samstag veröffentlichten Interview mit der Zeitungsgruppe Nice-Matin. Niemand antworte auf ihre Anfragen, beschwerte sich Bardot. Dabei verlange sie nichts Außergewöhnliches: "Eine ANT-WORT, um diese Tiere zu retten!".

Wie Bardot weiter sagte, schrieb sie wegen der Elefanten auch Präsident François Hollande, dem sie auch eine Dokumentation über den Fall geschickt habe - "keine Antwort". In höchsten Tönen lobte die frühere Schauspielerin dagegen Russlands Staatschef Wladimir Putin. Sie sehe "viel Menschlichkeit" in Putin, sagte Bardot. "Jedes Mal, wenn ich ihn um etwas bitte, erfüllt er es mir eigentlich. Er hat mehr für den Tierschutz getan als alle unsere Präsidenten zusammen". Bardot kündigte an, nach Russland zu reisen, um Putin zu treffen.

... Bereits am Freitag hatte Bardot angekündigt, wenn die Elefanten Baby und Népal aus dem Zoo von Lyon getötet würden, werde sie die russische Staatsbürgerschaft beantragen, "um aus diesem Land zu fliehen, das nur noch ein Tierfriedhof ist".

...


Aus: "Brigitte Bardot schwärmt von Putin" (5. Januar 2013)
Quelle: http://www.stern.de/lifestyle/leute/zu-besuch-bei-putin-depardieu-holt-russischen-pass-ab-1950518-photoshow.html

« Last Edit: January 06, 2013, 11:46:56 AM by Textaris(txt*bot) »
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[Makaber ist die Askese die man im Gegenzug von anderen... ]
« Reply #345 on: December 20, 2012, 12:27:51 PM »

Quote
[...] Hamburg - Noch bis 2005 waren die Funktionäre der Kassenzahnärzte ehrenamtlich tätig. Dann bekamen sie durch die Gesundheitsreform einen neuen Status als Hauptamtliche - und ein üppiges Gehalt. Rund 240.000 Euro pro Jahr erhalten der Chef der Kassenzahnärztlichen Bundesvereinigung (KZBV), Jürgen Fedderwitz, und seine beiden Stellvertreter Wolfgang Eßer und Günther Buchholz. Dienstwagen und Beiträge für die Altersversorgung kommen noch dazu.

Obendrauf sollen die Zahnärztechefs künftig auch noch ein üppiges Übergangsgeld erhalten, um den Schritt in den Ruhestand abzupolstern. Bis zu 30 Monatsgehälter waren ursprünglich geplant. Ausgehend von den aktuellen Vorstandsgehältern käme ein einzelner Funktionär so im Extremfall auf 626.587,50 Euro Übergangsgeld. Diese Summe nennt das Gesundheitsministerium in seiner Antwort auf eine Anfrage der Linkspartei, die SPIEGEL ONLINE vorliegt.

Die KZBV vertritt als Körperschaft des öffentlichen Rechts die Zahnärzte gegenüber der Politik und den Krankenkassen. Die Funktionäre regeln zudem den Zahlungsausgleich zwischen Kassenzahnärztlichen Vereinigungen der Länder. Finanziert wird die KZBV durch Beiträge der Zahnärzte. Da diese aber zur Mitgliedschaft verpflichtet sind und die Beiträge als Kosten verbuchen, werden indirekt auch die Versicherten belastet. Denn die Zahnärzte nutzen steigende Kosten bei den Verhandlungen mit den Kassen als Argument, um höhere Leistungsabschlüsse zu erzielen.

Zuständig für die Kontrolle der KZBV ist das Gesundheitsministerium. Das heißt: Das Haus von FDP-Mann Daniel Bahr muss die Vorstandsverträge absegnen. Das Interessante war in diesem Fall aber, dass das Ministerium zwar die Brisanz der hohen Übergangsvergütung sah; statt nach einer billigeren Lösung zu suchen, versuchte man aber lieber gemeinsam mit den Funktionären, die fragliche Summe kleiner aussehen zu lassen.

In einem internen Schreiben des Vorsitzenden der KZBV-Vertreterversammlung heißt es, das Ministerium habe eine Schmerzgrenze von zwölf Monatsgehältern. Alles darüber hinaus sei "als Übergangsentschädigung nicht akzeptabel". Der Grund wird auch genannt: Das Ministerium sehe sich "einer öffentlichen Diskussion" über Vorstandsgehälter gegenüber, man könne sich dem Druck nicht entziehen.

... Tatsächlich erweckt die Umwandlung von Teilen des Übergangsgelds in Rentenansprüche den Eindruck, als solle hier eine allzu üppige Summe verschleiert werden. Das Ministerium weist das zurück. Die Altersversorgung entspreche jenen Leistungen, die andere Körperschaften gewähren, "und hätte daher mit aufsichtsrechtlichen Mitteln nicht untersagt werden können".

Doch für die KZBV-Vorstände erfolgen ohnehin schon Zahlungen in die berufsständische Altersvorsorge. Und zwar laut Bundesanzeiger in Höhe von knapp 40.000 Euro jährlich. Die umgewandelten Rentenansprüche sind also ein ordentlicher Bonus.

Was die Gespräche über das Übergangsgeld angeht, widersprechen sich die Angaben von Ministerium und KZBV. In der Antwort auf die Linken-Anfrage heißt es, es habe nur ein Gespräch stattgefunden, am 30. August. Der Kassenzahnarztvertreter schreibt in seinem Brief dagegen von "weiteren, überwiegend telefonisch geführten Verhandlungen". Darin seien verschiedene Modelle erörtert worden, wie das Geld "in andere Formen der Vergütungsleistungen bzw. von Versorgungsleistungen einbezogen werden könnten".

Weder das Ministerium noch die KZBV wollten sich zum Inhalt der Gespräche äußern. Diese seien vertraulich. Ein Ministeriumssprecher sagte, vor formalen Aufsichtsverfahren sei es "sinnvoll, Lösungen zu diskutieren, die zu einer Beseitigung der problematischen Regelungen führen". Die von der KZBV angepassten Verträge würden derzeit geprüft.

...

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_muskote gestern, 21:32 Uhr
Sehr schön. Und wie immer mittendrin: die FDP. Da weiß man, was man hat :)


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Nicht nur die FDP
grauwolf1949 heute, 10:09 Uhr

[Zitat von curti]..... Makaber ist die Askese die man im Gegenzug von anderen erwartet/verlangt, um sich selbst opulent saturieren zu können. Williger Steigbügelhalter seit jeher die FDP. Man denke z.B. nur an heuchlerische Floskeln, dem Sozialbereich "spätrömische Dekadenz" zu attestieren!

Auch CDU/CSU oder SPD hatten jahrzehntelang die Möglichkeit, unser Rentensystem in Ordnung zu bringen, das Wahlvolk hätte es bestimmt honoriert. Also warum geschah nichts? Da es naturgemäß mehr "einfache" Leute gibt kann man wahltaktische Befürchtungen wohl ausschließen.



Aus: "Ministerium segnete Luxus-Rente ab" Von Christian Teevs (19.12.2012)
Quelle: http://www.spiegel.de/wirtschaft/soziales/regierung-gewaehrt-kzbv-vorstaenden-ueppige-rente-a-873897.html

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[Fast die Hälfte von ihnen hat einen Job... ]
« Reply #346 on: December 23, 2012, 06:26:36 PM »

Quote
[...] Fast jeden Tag fragt sich Julius Torrevillas, 58, warum er das alles überhaupt macht. In dieser Enge in seinem rostigen Dodge Van leben, ohne fließendes Wasser, ohne Dusche, ohne Toilette. Dazu der Zwang, jeden Morgen aufzustehen, zur Arbeit zu gehen, dort gepflegt auszusehen und freundlich zu sein. Doch er weiß ganz genau: Er hat keine andere Wahl.

Denn von irgendetwas muss er ja leben und ihn, den Busfahrer aus der Nähe von Berkely, hat es nun einmal an die Küste nach Santa Barbara verschlagen. Dort hat er mitten in der Wirtschaftskrise einen Job gefunden, er und seine Frau Mary hätten sich sehr gefreut damals, vor fast drei Jahren, sagt er. Sie hatten gehofft, dass jetzt alles besser wird, wo er wieder einen Job hat. Dass sie ihre Schulden abstottern können, die sie als Arbeitslose mit ihren Kreditkarten angehäuft haben und dass sie bald in eine kleine Wohnung ziehen können.

Mehr als 15 Prozent der Menschen in den USA gelten offiziell als arm, fast die Hälfte von ihnen hat einen Job. Die Tendenz ist steigend, ebenso wie die Zahl der Obdachlosen. "Die Zahl derjenigen, die sich trotz Vollzeitjob kein Dach über dem Kopf leisten können, nimmt zu, nicht nur in Santa Barbara", sagt Nancy Kapp, die sich in der Kleinstadt um Menschen wie die Torrevillas kümmert. Sie sind Teil der amerikanischen Mittelschicht, die von den Krisen der vergangenen Jahre hart getroffen wurde. Seit Jahrzehnten fallen die mittleren Einkommen in Amerika, allein im Jahr 2011 durchschnittlich um fast zwei Prozent.

Von den Hoffnungen des Ehepaares hat sich fast nichts erfüllt. Nur vorübergehend wollten sie damals in einem Van wohnen, sagt Torrevillas, um die Miete zu sparen und weil die Wohnungen hier in Santa Barbara, auch amerikanische Riviera genannt, so teuer sind. Also haben sie sich einen rostigen Dodge gekauft, ihn "Pink" getauft, die Sitze hinten herausgerissen eine Matratze hineingelegt. Eine Toilette gibt es in dem Auto nicht, dafür muss ein Plastikeimer mit Deckel herhalten, in dem eine Mülltüte steckt, die regelmäßig entsorgt wird. Morgens duscht er in der Busfahrerbaracke, seine Frau in dem Fitnessstudio, in dem sie Mitglied ist.

Rund 1,3 Millionen Dollar muss man im Schnitt hinblättern, wenn man in Santa Barbara ein Haus kaufen will. Der Ort lockt Touristen und Prominente aus aller Welt an und die Hügel hinter der Strandpromenade sind gesäumt von Villen. Rund 1400 Dollar kostet eine kleine Einzimmerwohnung zur Miete durchschnittlich im Monat. Wer vom Vermieter den Zuschlag bekommen will, muss das rund Dreifache an Gehalt vorweisen können. So viel verdient Julius bei dem kommunalen Busunternehmen Santa Barbaras nicht. Ein zweites Gehalt haben sie nicht, da seine Frau keine Arbeit findet.

Zwar gibt es in Santa Barbara ein staatliches Hausprogramm für Geringverdiener, dafür ist der Verdienst des Busfahrers nicht gering genug. "Wir werden von beiden Seiten in den Hintern getreten", sagt Mary Torrevillas. Doch zumindest haben die beiden jetzt keine Angst mehr, wenn sie nachts im Auto liegen.

Denn seit rund einem Jahr nutzen sie das Safe Parking Program von Santa Barbara. Dort können die Betroffenen von sieben Uhr abends bis sieben Uhr morgens kostenlos und auf einem bewachten Parkplatz bleiben, ohne dass die Polizei oder sonstwer sie stört. Initiativen wie diese gibt es mittlerweile im ganzen Land. Vornehmlich dort, wo die Immobilienpreise hoch sind wie in Kalifornien und Oregon, aber auch in einigen Städten im mittleren Westen.

Rund 120 Menschen wohnen in ihren Autos über die sicheren Parkplätze von Santa Barbara verteilt. Die Warteliste ist lang. "Gerade in Gegenden wie hier, wo so viele reiche Menschen wohnen, verschwindet die middle class einfach oder sie driftet in Armut ab", sagt Kapp. Wenn Mitt Romney gewählt worden wäre, hätte es für die Obdachlosen noch mehr Probleme gegeben: Er hätte dieses und andere soziale Programme wohl gestrichen.

Viele Menschen würden ihn fragen, warum er sich das antue, meint Torrevillas. Busfahren könne er ja schließlich auch an einem billigeren Ort in den USA. Doch das will er nicht. Denn er mag seinen Job in Santa Barbara und er hat endlich Anspruch auf ein paar Sozialleistungen und eine kleine Rente. Also bleibt er.

Ganz aufgegeben will er den amerikanischen Traum immer noch nicht, den Traum vom Haus, dem Auto und dem guten Job. Ja, es sei härter geworden, in einer Zeit, in der es immer härter werde für die middle class. Aber er will dafür kämpfen, jeden Tag wieder. Manchmal, wenn die Sonne über der Bucht von Santa Barbara untergegangen ist, spielt er für seine Frau Mary Gitarre. Die beiden stellen sich dann vor, wie es schön es wäre, wieder ein eigenes Haus zu haben. Vielleicht klappt es ja wieder sagt er, irgendwann.



Aus: "Hohe Immobilienpreise in den USA - Obdachlos trotz Fulltimejob" Von Corinna Kreiler (11.11.2012)
Quelle: https://www.stern.de/wirtschaft/job/hohe-immobilienpreise-in-den-usa-obdachlos-trotz-fulltimejob-1923635.html

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[Da bin ich marktwirtschaftlich orientiert... ]
« Reply #347 on: December 23, 2012, 09:04:49 PM »

Quote
[...] Kardinal Reinhard Marx betrachtet Forderungen nach Einführung einer Reichensteuer mit Skepsis. "Der Begriff riecht nach Klassenkampf", sagte der Erzbischof von München und Freising dem Nachrichtenmagazin "Focus". Die Grundlinie im Steuersystem müsse sein, "dass die, die mehr haben, auch mehr beitragen müssen", sagte der Sozialexperte der katholischen Deutschen Bischofskonferenz. Es reiche aber nicht zu sagen: "Die Reichen haben es ja, von denen können wir es nehmen." "Wir brauchen ein Steuersystem, das effektiv, transparent und nachvollziehbar ist", betonte der Kardinal. Zugleich kritisierte er, dass Vermögende heute oft viele Möglichkeiten hätten, sich durch Schlupflöcher zu entziehen. Über Forderungen nach einer Vermögensabgabe könne man diskutieren, sagte der katholische Sozialexperte. Das Bundesverfassungsgericht habe eine gut begründete und gestaltete Steuer dieser Art nicht verworfen. Die Einführung eines Mindestlohns ist für den Kardinal "nur eine Notlösung". Mindestlöhne seien "eine Kapitulation unserer sozialen Marktwirtschaft, in der die Tarifparteien dafür Verantwortung tragen, auskömmliche Löhne zu finden", unterstrich Marx. "Wenn der Staat eingreifen muss, ist schon etwas faul", so der Kardinal. Auch eine gesetzliche Regelung der Managergehälter ist für ihn keine Lösung: "Lohnvorschriften zu machen, ist in einer freien Gesellschaft ein Problem. Da bin ich marktwirtschaftlich orientiert", sagte der Münchner Erzbischof.


Aus: "Kardinal Marx gegen Reichensteuer und Mindestlohn" (07.10.2012)
Quelle: https://www.domradio.de/nachrichten/2012-10-07/nachrichtenarchiv-07102012-1226

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[Altkanzler Schröder fordert... ]
« Reply #348 on: December 24, 2012, 04:12:25 PM »

Quote
[...] Altkanzler Gerhard Schröder (SPD) hat den Umgang der französischen Regierung mit der Wirtschaftskrise kritisiert und dem Land Reformen empfohlen. Frankreich habe strukturelle Wettbewerbsprobleme, sagte Schröder der Neuen Osnabrücker Zeitung. Manche Entscheidung der sozialistisch geführten Regierung in der Steuer- und Arbeitsmarktpolitik hätte er so nicht getroffen. "In Frankreich wird sich nach meiner Überzeugung die Erkenntnis durchsetzen, dass man nicht auf Dauer gegen wirtschaftliche Notwendigkeiten Politik machen kann", sagte Schröder.

Der Exkanzler ist in der Vergangenheit wiederholt als Kritiker der sozialistischen Regierung und des Präsidenten François Hollande aufgetreten. Generell kritisiert er fehlende Strukturreformen auf dem Arbeitsmarkt und in der Verwaltung. ...

Quote
    c4ntst0pth3truth
    24.12.2012 um 12:33 Uhr

Man kann Herrn Schröder nur zustimmen und das Schöne ist, die Franzosen können in D sehen, wo das nach 10 Jahren hinführen wird: Altersarmut, prekäre Beschäftigung, massive Quersubventionierung der Wirtschaft durch den Steuerzahler (Niedriglohn-Aufstocker, Nötigung in 1-Euro Jobs durch die ARGEN), Rentenrückgang bei gleichzeitigem Anstieg im öffentlichen Dienst, langsamer Rückbau des sozialen Netzes auf den Stand von 1870 etc.

Also nichts wie ran an die Reformen Franzosen, eine goldene Zukunft winkt.



Quote
    Dr.No
    24.12.2012 um 12:48 Uhr

Gerd, gib keine "guten" Ratschläge

Lieber Gerd,
vergnüge dich mit deinen Gazprom Millionen, aber verschone die Welt mit guten Ratschlägen. Dass es in Deutschland (noch) so gut läuft, liegt an einem produktiv arbeitenden und verantwortungsvoll denkenden Mittelstand, der in Teilen immer noch nach den Prinzipien des rheinischen Kapitalismus funktioniert, aber mit Sicherheit nicht wegen deiner Politik. Lass uns in Ruhe. Du bist der unerträglichste aller deutschen Politiker - selbst Roland Koch ist mir lieber - und das will was heißen.


Quote
    geschafft
    24.12.2012 um 12:48 Uhr

10. Die Erfolge der neoliberalen Politik

Schauen wir auf die Musterschüler Deutschland und Großbritannien:

Fast jeder vierte Arbeitnehmer ist Geringverdiener.
Studie: Deutschland hat die meisten Niedriglöhner in Europa
http://deutsche-wirtschafts-nachrichten.de/2012/12/24/studie-deutschland-ist-das-niedriglohn-paradis-in-europa/

Deutsche Schulden zu hoch: Nach der Wahl kommt Rentenkürzung.
Das Bundesfinanzministerium arbeitet still und leise an Möglichkeiten der Haushaltskonsolidierung nach der Bundestagswahl. Einem internen Papier zufolge müssen die Renten gekürzt werden, damit der Haushalt nicht außer Kontrolle gerät.
http://deutsche-wirtschafts-nachrichten.de/2012/12/24/deutsche-schulden-zu-hoch-nach-der-wahl-kommt-rentenkuerzung/

Großbritannien: Nettoneuverschuldung in 2012 ab durch die Decke
"Trotz rigider Sparpakete kletterte die Nettoneuverschuldung des Staates das gesamte Jahr über."
http://www.wirtschaftsfacts.de/2012/12/grosbritannien-nettoneuverschuldung-in-2012-ab-durch-die-decke/



Quote
    Hokan
    24.12.2012 um 12:55 Uhr

ZEITgeschenk an ihre Leser

Knecht Gerd mit der Rute fürs gemeine Volk samt Weihnachstsmann Schröder mit froher Botschaft und besten Wünschen fürs französische Großkapital. ...



Aus: "Altkanzler Schröder fordert Umdenken von Frankreich" (24.12.2012)
Quelle: http://www.zeit.de/politik/deutschland/2012-12/schroeder-kanzler-frankreich


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[Maria und Josef in... ]
« Reply #349 on: December 26, 2012, 12:03:16 PM »

“Maria und Josef im Ghetto des Geldes”
Henning Sußebach (26.12.2011)
http://www.zeit.de/2011/52/DOS-Maria-und-Josef

Abend der harten Herzen – Das ZEIT-Dossier über Maria und Josef rief im reichen Kronberg Empörung hervor. Unser Reporter folgte der Einladung zu einer Diskussion am Ort. Das Gespräch verlief hitzig. Henning Sussebach (10.02.2012)
http://www.zeit.de/2012/07/WOS-Kronberg

“Maria und Josef in Neukölln”
Von Nadine Ahr & Henning Sußebach (26.12.2012)
Verkleidet als Obdachlose, zogen zwei ZEIT-Reporter vor einem Jahr durch Kronberg im Taunus, einen Ort voll reicher Menschen. Sie bekamen wenig Hilfe – später aber viele Briefe, in denen stand: Arme wären nicht mitfühlender mit ihnen gewesen. Zum Beispiel die in Berlin-Neukölln. Nadine Ahr und Henning Sußebach haben sich auf den Weg gemacht.
http://www.zeit.de/2012/52/Maria-Josef-Neukoelln/

Quote
   Michael Sonntag
    26.12.2012 um 10:13 Uhr

Tja...

So ist das eben wenn man nach alle den Jahren medialer Hirnwäsche, in denen Neukölln immer wieder als der schlimmste Ort auf Erden (oder zumindest Deutschlands) beschrieben wurde, einen Blick auf die Realität wirft.

Heute "weiß" eigentlich jeder westdeutsche Mittelschichtsangehörige durch SPIEGEL TV, Buschkowsky und der bürgerlichen Presse ganz genau, dass in NK eigentlich nur Kriminelle, ungebildete Sozialschmarotzer und Islamisten leben. Immer wieder kommen solche pauschalen Aussagen von Leuten, die nie auch nur einen Fuß dorthin gesetzt haben aber deren Bild des Bezirkes trotzdem in Zement gegossen ist.

Neukölln ist sicherlich ein raues Pflaster mit vielen Problemen aber dort leben eben auch Menschen und keine Ziffern aus der Armutsstatistik. Und diese Menschen sind eben keineswegs so homogen wie gerne dargestellt wird und teils aufgrund ihrer persönlichen Erfahrungen zu mehr Mitgefühl/Empathie in der Lage als viele der saturierten Wohlstandsbürger, die bei sichtbarer Armut in ihrem Sozialraum eher die Polizei rufen als auf die Idee kommen Hilfe anzubieten ("da sinken ja die Immobilienpreise, wie sieht das überhaupt aus und ich bezahle ja schon so hohe Steuern").


http://www.zeit.de/2012/52/Maria-Josef-Neukoelln/?commentstart=9#cid-2506226

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Quote
   vincentvision
    26.12.2012 um 11:35 Uhr

Genau diese Erfahrungen...

...sind der Grund für viele - nicht nur für mich vor dreißig Jahren - nach Berlin zu ziehen und machen die Faszination Berlins aus. Während die Menschen der wohlhabenden Regionen Deutschlands mehrheitlich damit beschäftigt sind, ihren persönlichen Lebensoptimierungsplan voranzutreiben und dabei oft Solidarität und Gemeinsinn auf der Strecke bleiben, erlebt man hier nicht nur in Neukölln, Kreuzberg oder dem Wedding generell offenere, tolerantere Menschen ohne Abgrenzungstendenzen oder der Furcht vor zuviel Nähe mit den "Schmuddelkindern" anderer Schichten. Wer selber souverän, offen und neugierig gegenüber anderen Menschen und Nationalitäten ist, wird diese Faszination teilen können. Alle anderen tendieren eher dazu, Berlin als chaotisch, arm, dreckig und verwahrlost wahrzunehmen, sie brauchen die soziale Abgrenzung ...


http://www.zeit.de/2012/52/Maria-Josef-Neukoelln/?commentstart=25#cid-2506343


Quote
    akomado
    26.12.2012 um 19:12 Uhr

Die Freiheit, nur wenig zu verlieren zu haben ... Kein Reicher hat seinen Reichtum tatsächlich "verdient". Selbst wenn er 80 Wochenstunden und mehr für seinen Reichtum ackern würde. Denn jede alleinerziehende Krankenschwester käme - Hausarbeit und Kinderbetreuung eingerechnet - auf ähnliche Stundenzahlen und findet sich doch bloß bei den Vermögenslosen wieder. Wir leben in einer Klassengesellschaft, deren Staat die besitzende Klasse permanent begünstigt und schützt.


http://www.zeit.de/2012/52/Maria-Josef-Neukoelln?commentstart=121#cid-2507008

-.-

Quote
[...]
    Medley
    26.12.2012 um 19:41 Uhr

Mal eine ehrliche Frage an die beiden Autoren Ahr & Sußebach:

Warum haben Sie diese Sozialreportage nicht auch experimentell im Prenzlauer Berg, in Kreuzberg, in Mitte(Hackeschen Markt) oder in gewissen hippen Gegenden in Berlin-Tiergarten, Schöneberg, Wilmersdorf oder Charlottenburg durchgeführt? Also da, wo viele linksliberale ZEIT_Journalisten und noch viel mehr linksliberale ZEIT_Leser wohnen? Also, wenn man mal die eigene Gesellschaftsschicht, das eigene Sozialbiotop, zu der/dem man zugehörig ist, selbstkritisch unter die Lupe genommen und sich an die eigene Nase gefasst hätte? Wäre das nicht AUCH! interessant gewesen? Wie hätten wohl die kosmopolitischen Vaties und Mutties, die ihre 3 jährigen "Erziehungsprojekte" zweimal wöchentlich zum Joga- und Französischkurs für Kleinkinder schicken, auf sie Beiden reagiert, wenn Sie sie beim Kaffee Latte schlürfen und dabei eMails und "ZEIT-Online" auf dem "iPad" lesen, gestört hätten?(Also diejenigen, die ggf. ganz schnell ihren Wohnsitz ummelden, wenn sie ihren Nachwuchs auf eine Stadtteilschule mit einer hohen Quote an "nichtdeutschen" Schülern schicken müssen.) Hätte das "fortschrittliche" bildungsbürgerliche Etablissement dann gar soviel arg unangenehmes und schockierendes über sich selbst erfahren müssen, daß man ihm das vorsichtshalber nicht zumuten wollte?!

Ps. Arm hilft Arm. Und? Es ist soziale Normalität, daß man sich vorallem DANN untereinander hilft, wenn man der gleichen sozialen Schicht angehört, wenn man ein gleiches Schicksal teilt oder wenn man sonstwas gemeinsam hat.


http://www.zeit.de/2012/52/Maria-Josef-Neukoelln?commentstart=121#cid-2507058

« Last Edit: December 26, 2012, 10:16:38 PM by Textaris(txt*bot) »
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