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[Menschen in Schichten und Klassen... ]

Started by Textaris(txt*bot), February 18, 2007, 02:21:01 PM

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Textaris(txt*bot)

Quote[...] Die Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer in Deutschland haben 2022 real zum dritten Mal in Folge weniger verdient als im Jahr davor. Die Bruttomonatsverdienste einschließlich Sonderzahlungen seien zwar um 3,5 Prozent gestiegen, die Verbraucherpreise mit 6,9 Prozent aber deutlich stärker, teilte das Statistische Bundesamt mit. Damit sanken die Reallöhne im Rekordtempo von 3,1 Prozent. Eine frühere Schätzung hatte sogar ein Minus von 4,1 Prozent ergeben, wurde aber nun deutlich nach unten korrigiert.

Das wurde notwendig, weil die Inflationsrate für das vergangene Jahr neu berechnet wurde. Der zur Preisermittlung herangezogene Warenkorb wurde auf die Konsumgewohnheiten aus dem Jahr 2020 umgestellt, bislang diente 2015 als Basis. Dadurch wurde die Inflationsrate deutlich nach unten korrigiert, nämlich von 7,9 auf 6,9 Prozent.

"Nach wie vor handelt es sich um den höchsten Anstieg der Nominallöhne bei gleichzeitig stärksten Reallohnverlust für die Beschäftigten, der seit Beginn der Zeitreihe 2008 in Deutschland gemessen wurde", teilten die Statistikerinnen mit. Während 2020 insbesondere der vermehrte Einsatz von Kurzarbeit wegen der Corona-Pandemie zur negativen Nominal- und Reallohnentwicklung beigetragen hat, zehrte 2021 und 2022 die hohe Inflation den Nominallohnanstieg auf. Zuletzt fiel die Entwicklung ebenfalls negativ aus: Im vierten Quartal 2022 sanken die Reallöhne um 3,7 Prozent.


Aus: "Inflation: Reallöhne das dritte Jahr in Folge gesunken" (1. März 2023)
Quelle: https://www.zeit.de/wirtschaft/2023-03/realloehne-inflation-statistisches-bundesamt

QuoteJaguarCat #1

Läuft also für die Reichen.


...

Quote[...] Jeder fünfte vollzeitbeschäftigte Arbeitnehmer in Deutschland muss mit einem Bruttogehalt von 2.500 Euro oder weniger auskommen. Das geht aus der Antwort des Bundesarbeitsministeriums auf eine Anfrage von Linksfraktionschef Dietmar Bartsch hervor, die der Neuen Osnabrücker Zeitung (NOZ) vorliegt. 2021 lagen 4,7 Millionen Vollzeitbeschäftigte in Deutschland unter dieser Lohngrenze von 2.500 Euro brutto. Das entspricht 21,9 Prozent.

Linkenfraktionschef Dietmar Bartsch nannte die Zahlen "ein Armutszeugnis für unser Land". Er forderte: "Wir brauchen höhere Löhne in Deutschland." Eine Familie lasse sich damit kaum ernähren, zudem sei massenhafte Altersarmut programmiert. Schlechte Löhne seien auch eine Ursache für den grassierenden Fachkräftemangel. "Wir brauchen eine Lohnoffensive in Deutschland, die die Inflation zumindest ausgleicht." Die Forderungen der Gewerkschaften seien gerechtfertigt, sagte Bartsch.

Der Verdienst fällt von West nach Ost steil ab. Während in den westlichen Bundesländern 2021 nur 19,6 Prozent der Beschäftigten weniger als 2.500 Euro brutto bekamen, war es im Osten fast jeder Dritte (31,9 Prozent), wie aus der Tabelle des Ministeriums hervorgeht.

Nach dem von der EU gesetzten Standard gilt eine Person als armutsgefährdet, wenn sie über weniger als 60 Prozent des mittleren Einkommens der Gesamtbevölkerung verfügt. Für einen Einpersonenhaushalt waren das 2021 1.148 Euro netto im Monat. Für eine alleinerziehende Person mit einem Kind unter 14 Jahren waren es 1.492 Euro.

Mehrere Gewerkschaften streiken derzeit und fordern mehr Gehalt. Im Tarifkonflikt des öffentlichen Diensts in Bund und Ländern hat die Dienstleistungsgewerkschaft ver.di für Freitag Warnstreiks im öffentlichen Nahverkehr in sechs Bundesländern angekündigt. 


Aus: "Jeder Fünfte verdient trotz Vollzeit weniger als 2.500 Euro brutto" (1. März 2023)
Quelle: https://www.zeit.de/arbeit/2023-03/einkommen-vollzeitjob-2500-euro-loehne

QuoteÖrkelchen #2

So ist das letzten Endes ja auch gedacht, könnte man meinen.


Quote-Palomino- #2.1

Könnte man nicht meinen, ist so, nennt sich Kapitalismus.


QuoteKiwimann #2.2

Stimmt, weil die Geschichte gezeigt hat, dass die Menschen in anderen Wirtschaftsformen so viel besser da stehen. [Wenn jemand pauschal den Kapitalismus kritisiert, kann ich ihn auch pauschal verteidigen.]


QuoteBlaubeerchen #2.5

In der Kritik des Kapitalismus sind sich in der Regel alle einig, aber bisher konnte niemand eine bessere Wirtschaftsform präsentieren, bei der am Ende der gemeine Pleb langfristig nicht sogar noch schlechter dastand.

Selbst China hat die Idee der ewigen kommunistischen Revolution alá Mao aufgegeben und sich einem Staatskapitalismus zugewandt als man erkannt hat, dass die roten Träume nicht funktionieren und erst recht keinen Wohlstand schaffen.


QuoteTwixoderRaider #2.9

Ja es ist schon erstaunlich und es wird auch kaum auf eine entscheidende Ursache medial eingegangen. Im Artikel wird z.B. einerseits das gewaltige Niedriglohnprekariat benannt (welches auf 40% anwachsen würde würde man die Grenze bei gut 3000€ brutto festlegen) am Ende kommt aber die vermeintliche Trostmeldung: 'Mehrere Gewerkschaften streiken derzeit und fordern mehr Gehalt. Im Tarifkonflikt des öffentlichen Diensts in Bund und Ländern hat die Dienstleistungsgewerkschaft ver.di für Freitag Warnstreiks im öffentlichen Nahverkehr in sechs Bundesländern angekündigt'
Nur, der weit überwiegende Teil der schlecht bezahlten Billiglöhner in unserem Land ist nicht tariflich gebunden. Deutschland hat die niedrigste Tarifbindungsquote aller größeren EU-Staaten. Sie ist von 63% 1998 auf unter 43% in 2021 gesunken und fällt weiter. Die Brüsseler Zielsetzung von 80% Tarifbindung verfehlt Deutschland weit.
Profitieren von durch Streiks erstrittenen Gehaltssteigerungen werden daher nur die, die sowieso schon mindestens durchschnittlich bis überdurchschnittlich verdienen. Die Schere wird immer größer. Und nicht der Mindestlohn stabilisiert das Lohnsystem entscheidend nach unten sondern Tarifbindung.


QuoteTordenskjold #2.10

"- nennen Sie mir die konkreten Punkte, die Sie kritikwürdig finden."

Wenn Familien vom Vollzeitjob des Vaters ohne staatliche Unterstürtzung nicht mehr leben (wohnen, heizen etc.) können? Und wenn die staatliche Unterstützung vom Steuerzahler kommt und so die Arbeitgeber indirekt subventioniert werden?

Wenn die Eliten sich reproduzieren und die soziale Mobilität gegen Null tendiert? Wer studiert? Kinder von Akademikern...

Wenn Susanne Klatten, Milliarden Dividendenausschüttung bekommt und davon kaum Steuern bezahlen muss?

Wenn Privatpatienten sofort einen Termin beim Facharzt bekommen und der Rest monatelang (und manchmal komplett vergeblich) auf einen Termin warten muss?

Wenn Löhne und Gehälter stagnieren, die Kaufkraft des unteren Drittels der Gesellschaft kontinuierlich sinkt, während Managementgehälter inzwischen durch die Decke gehen und die Zahl der Armen und die Zahl der Millionäre immer mehr zunimmt?

Das sind so vier spontane Dinge, die mir einfallen...


QuoteDas denke ich #7

"Wir brauchen eine Lohnoffensive in Deutschland, die die Inflation zumindest ausgleicht. Die Forderungen der Gewerkschaften sind gerechtfertigt."

Was dabei am Ende herauskommt ist eine Verstärkung der Inflation, die letztlich auch den Geringverdienern schadet.


QuoteJinx Powder #7.1

,,Was dabei am Ende herauskommt ist eine Verstärkung der Inflation, die letztlich auch den Geringverdienern schadet."

Was kommt denn dabei raus wenn man flächendeckend prekäre Lebensumstände zementiert und Geringverdiener in Armut stürzt und die Sozialsysteme überfordert?


QuoteDas denke ich #7.2

Genau deshalb ist eine hohe Inflation schädlich, weil sie letztlich dazu führt, dass soziale Sicherungssysteme überfordert werden, Lebensumstände zementiert und Geringverdiener in Armut stürzt.


QuoteEarl Byrd #7.3

Sie wollen also die Inflation bremsen, indem Sie die gering Verdienenden als Prellbock benutzen? Gestern kam im Radio die Meldung, dass die Zahl der Überschuldungen rasant steigt. Anspruchslos lebende Menschen können ihr Dasein in Deutschland nicht mehr mit Arbeit finanzieren. Und das ist okay für Sie? ...


QuoteSmoove13 #8

Es ist der 01.03.2023 und im Artikel geht es um Zahlen für das Jahr 2021.
In der Zwischenzeit wurde der Mindestlohn deutlich angehoben, Hartz IV ersetzt durch Bürgergeld und im Zuge von einem Krieg innerhalb Europas eine Energiekrise ausgelöst.
Die Zahlen von 2021 beinhalten zudem noch diverse Schließungen im Rahmen von corona. Da gab es mit Sicherheit noch einige Vollzeitstellen mit Kurzarbeitergeld.
Unsere Datenlage zwei Monate nach Ende des Jahres 2022 ist offensichtlich so schlecht, dass wir für eine solche Diskussion auf veraltete und überholte Daten zugreifen müssen.
Und hier begehen Foristen den Fehler die Daten aus 2021 mit den Kosten aus 2023 zu vergleichen.


QuoteDagehtnochwas #8.1

,,Und hier begehen Foristen den Fehler die Daten aus 2021 mit den Kosten aus 2023 zu vergleichen"

Die grundlegenden Fakten haben sich doch nicht verändert, hier verdienen viel zuviele Menschen zu wenig. Und zwar meist die, deren Jobs den Laden am Laufen halten.


QuoteSmoove13 #8.2

2021: Mindestlohn 9,50€/9,60€ 1. HJ/2. HJ

Oktober 2022: Mindestlohn 12€ Steigerung von 25%
Sie sagen also, dass sich nichts verändert hat seit 2021?


QuoteOkidastova #8.3

Na ja. Inflation von 10% frisst das halt wieder auf.


QuoteEarl Byrd #10

Die Spanne zwischen Top- und Kleinstverdienern im selben Unternehmen ist um ein Vielfaches größer als früher. Es gibt keine Arbeit, die wirklich 60mal soviel wert ist wie eine andere. Wenn die Kleinlöhne angepasst werden, darf das nicht jedesmal dazu führen, dass die Steigerung (womöglich noch überproportional) nach oben durchgereicht wird. Wir haben eindeutig ein Gier- und Neidproblem. Neidisch sind aber die Reichen auf die Armen, und gönnen ihnen nicht das Hemd auf dem Leib. Zu erkennen an den hier auch wieder zu lesenden Sprüchen wie "Warum soll der mehr bekommen? Der kann doch nichts!" Damit lässt sich jede Ausbeutung perfekt rechtfertigen. Umgekehrt: Die "Führungselite" ist oft genug die Personalschicht ohne fachliche Qualifikation, welt- und sachfremd BWL-verseucht. "Nieten in Nadelstreifen", kennt das noch jemand?


QuoteBüffelmozzarella #10.2

""Warum soll der mehr bekommen? Der kann doch nichts!""

Traurig ist dass. Arbeit sollte immer geschätzt werden und vor allem anständig entlohnt werden. Auf Baustelle gibt es auch ungelernte Handlanger die dem Maurer zum Beispiel zu arbeiten. Die bewegen tagtäglich mehrere Tonnen an Material. Verdienen aber meistens nur Mindestlohn. Ohne diese Menschen würde es aber teilweise nicht laufen.

...


QuoteTwixoderRaider #40

Würde man die Grenze bei 3.000 brutto setzen würden fast 40% der Arbeitnehmer darunter fallen. Das ist skandalös. Was mir dann besonders übel aufstösst aber zeigt wie weit viele Medien wohl von den Verhältnissen des Normalbürgers entfernt sind ist die Rubrik 'Kontoauszug' hier bei Zeitonline.
Reihenweise werden dort Arbeitnehmer vorgestellt die 7.000, 10.000 oder 14.000€ im.Monat verdienen, drei, fünf oder 10 Immobilien besitzen oder 1.000, 2.000 oder mehr Euro im Monat für Hobbys, Reisen oder Investitionen ausgeben. Ist das die Welt wie sie ZON Redakteure erleben und die irgendwie repräsentativ sein soll? Das würde viel erklären.


QuoteEinfach Mensch #40.1

"..Reihenweise werden dort Arbeitnehmer vorgestellt die 7.000, 10.000 oder 14.000€ im.Monat verdienen, drei, fünf oder 10 Immobilien besitzen oder 1.000, 2.000 oder mehr Euro im Monat für Hobbys, Reisen oder Investitionen ausgeben. ..."

Ja, das ist mir auch schon aufgefallen. Schön wäre es, wenn dort einmal andere Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer zu Wort kommen würden. Die Reinigungskraft mit zwei Jobs zum Beispiel, der Handwerksgeselle, die/der "kleine" Sachbearbeiter im mittelständischen Unternehmen, der ungelernte Zeitarbeiter etc. Die Ergebnisse dieser Interviews könnten gewisse Leute allerdings stark verunsichern...



QuoteMistral_2000 #46

Die sind halt alle zu faul.
So hat man mir das damals 2004 erklärt.
Agenda 2010 sag ich da mal.
Ausbau des Niedriglohnsektors
Leiharbeit
Ausstieg aus den Manteltarifverträgen (SPD in Berlin) Etc etc etc

Wenn man jetzt die Mittelstandsverortung von Herrn Merz zum Maßstab nimmt ? Was man ja dringend tun sollte, weil der Mann hat ja ,,Ahnung von Wirtschaft ,,,
dann wären all die Arbeitnehmer mit 2500 Euro brutto jetzt WAS genau im sozialen Ranking ?
Also 2500 Euro brutto. Davon gehen im Schnitt (und der ist jetzt optimistisch) 800 Euro für Miete drauf, Versicherungen , Lebensmittel , Transport , etc.
Vom Rest kauft man sich natürlich ne Eigentumswohnung und investiert in die Aktienrente. Wir leben halt in einer LEISTUNGSGESELLSCHAFT!
So jedenfalls propagieren es und die Politiker, die dann eben auch mit ihren ,, überdurchschnittlichen Leistungen" als gutes Beispiel unser Land anführen.
Na Hauptsache es gibt genug Hartz 4 Empfänger denen man dann seine ganze Verachtung schenken kann, spätestens an DER Grenze sind dann viele in Deutschland wieder gleich .
Auch irgendwie ne Form des ,, sozialen Ausgleichs ,,


QuoteFTzFL #54

So ist es eben, wenn Dividenden wichtiger sind als tatsächliche Arbeits und Lebensleistung!


...

Textaris(txt*bot)

Quote[...] Die Tafeln in Deutschland sehen sich am Limit. Im bundesweiten Durchschnitt seien im vergangenen Jahr 50 Prozent mehr Menschen zur kostenlosen Lebensmittelverteilung gekommen, sagte der Vorsitzende des Bundesverbandes der Tafeln, Jochen Brühl, den Zeitungen der Mediengruppe Bayern. "Die Tafeln unterstützen aktuell etwa zwei Millionen Menschen, so viele wie nie zuvor in unserer 30-jährigen Geschichte." Die Helfer seien "psychisch und physisch am Limit".

Die Tafeln stehen demnach außerdem vor dem Problem, dass vielerorts Lebensmittel zum Verteilen fehlen. Das liege an der gestiegenen Nachfrage – aber auch daran, dass Supermärkte anders kalkulierten und dadurch nicht mehr so viele Lebensmittel übrig hätten.

Brühl forderte eine neue Politik für von Armut betroffene Menschen. "Es ist keine Lösung, dass alle zu den Tafeln kommen", sagte er. "Wir können nicht auffangen, was der Staat nicht schafft." In Armut lebende Menschen müssten schnell, direkt und krisenfest unterstützt werden. "Es ist genug da, nur nicht gerecht verteilt."


Aus: "Tafeln sehen Helfer "psychisch und physisch am Limit"" (3. März 2023)
Quelle: https://www.zeit.de/gesellschaft/2023-03/tafel-deutschland-versorgungsknappheit-fodert-unterstuetzung

Textaris(txt*bot)

Quote[...] In Berlin ist bei fast jedem zehnten Ausreisepflichtigen mit abgelehntem Asylantrag das Herkunftsland unbekannt. Ein vergleichbar hoher Anteil von ausreisepflichtigen Menschen mit ungeklärter Herkunft findet sich in keinem anderen Bundesland. Das geht aus einer Antwort der Bundesregierung auf eine Anfrage der Linksfraktion hervor, die der Deutschen Presse-Agentur vorliegt.

Den Angaben zufolge stammen knapp 18 Prozent der insgesamt etwa 21.654 Ausreisepflichtigen in Berlin aus Moldau. Die mit Wohnsitz Berlin im Ausländerzentralregister erfassten 2020 Menschen mit ungeklärter Identität bilden mit rund 9,3 Prozent die zweitgrößte Gruppe, gefolgt von Menschen aus dem Irak sowie Ausreisepflichtigen aus der Russischen Föderation und aus Georgien.

Das Bundesinnenministerium hatte 2021 gegenüber dem Berliner Innensenat die Vermutung geäußert, die hohe Zahl der Asylantragsteller aus Moldau könne mit der damals gängigen Praxis der Auszahlung von Sozialleistungen für mehrere Monate im Voraus in Berlin zusammenhängen.

In Bayern, Nordrhein-Westfalen, Niedersachsen, Schleswig-Holstein und Thüringen stammten die meisten Ausreisepflichtigen 2022 aus dem Irak. In Brandenburg kam fast jeder vierte Ausreisepflichtige aus der Russischen Föderation. In Baden-Württemberg bildeten Menschen aus Gambia unter den Ausreisepflichtigen die größte Gruppe.

Laut Bundesregierung waren zum Stichtag 31. Dezember 2022 insgesamt 304.308 Ausländer ausreisepflichtig, davon verfügte die Mehrheit (248.145 Menschen) über eine sogenannte Duldung.

Geduldete bleiben ausreisepflichtig, dürfen aber vorübergehend bleiben, weil sie nicht abgeschoben werden können, etwa weil sie keine Ausweisdokumente haben oder eine Krankheit.

Im vergangenen Jahr hatten 26.545 ausreisepflichtige Menschen Deutschland freiwillig verlassen. 12.945 Menschen wurden abgeschoben. Wie die Bundesregierung weiter mitteilte, wurde rund die Hälfte (6348) dieser Abschiebungen ohne Begleitung vollzogen.

Bei der Abschiebung von 340 Menschen waren Sicherheitskräfte aus den Zielstaaten zugegen - eine Variante, die vor allem bei Abschiebungen nach Algerien häufiger angewandt wurde. In Begleitung von Sicherheitskräften einer Fluggesellschaft liefen demnach 1637 Abschiebungen ab.

Eine Frage der Linksfraktion nach den Namen von an Abschiebungen beteiligten Fluggesellschaften beantwortete die Bundesregierung nicht öffentlich. Zur Begründung schrieb sie: ,,Eine öffentliche Benennung der Fluggesellschaften, die Rückführungsflüge anbieten, birgt die Gefahr, dass diese Unternehmen öffentlicher Kritik ausgesetzt werden und in der Folge für die Beförderung von ausreisepflichtigen Personen in die Heimatländer nicht mehr zur Verfügung stehen." Dadurch würden Rückführungen weiter erschwert oder sogar unmöglich.

Aus Sicht der Abgeordneten Clara Bünger (Linke) sind das keine überzeugenden Argumente. Sie sagte: ,,Wenn Fluggesellschaften befürchten, für ihre Beteiligung an Abschiebungen kritisiert zu werden, müssen sie sich eben aus diesem Geschäft zurückziehen, ganz einfach."

Dass Abschiebungen und Zurückschiebungen 2022 wieder deutlich zugenommen haben, sieht sie kritisch. Sie meint, oft würden dadurch Menschen unter Androhung oder Anwendung von Gewalt an Orte zurückgezwungen, an denen ihnen Krieg, Folter, willkürliche Haft, extreme Armut oder Perspektivlosigkeit drohten.

Im Vergleich zu den Jahren vor Beginn der Corona-Pandemie, die vorübergehend zu erheblichen Einschränkungen für internationalen Verkehr führte, war die Zahl der Abschiebungen im vergangenen Jahr jedoch immer noch relativ niedrig.

So gab es 2019 rund 22.000 Abschiebungen aus Deutschland. Im Jahr 2020 lag die Zahl mit 10.800 Abschiebungen dann deutlich niedriger: Ein Jahr später wurden 11.982 Abschiebungen organisiert und durchgeführt.

Zu den Faktoren, die zuletzt zu einem Rückgang der Abschiebungszahlen geführt hatten, zählen die Machtübernahme durch die militant-islamistischen Taliban in Afghanistan 2021 sowie der Wegfall direkter Flugverbindungen nach Russland infolge des russischen Angriffskrieges gegen die Ukraine und die Repression nach den Massenprotesten im Iran. (dpa)


Aus: "Fast jeder Zehnte: Mehr als 2000 Ausreisepflichtige in Berlin haben ungeklärte Herkunft" (07.03.2023)
Quelle: https://www.tagesspiegel.de/berlin/fast-jeder-zehnte-uber-2000-ausreisepflichtige-in-berlin-haben-ungeklarte-herkunft-9462920.html


Textaris(txt*bot)

Quote[...]  Erbstreit: Hast du jung geerbt und es endete im Streit? Von Tülay Karakuş

Bei Erbstreitigkeiten kommen oft Konflikte aus der Kindheit an die Oberfläche. Manchmal enden sie vor Gericht oder im Kontaktabbruch. Welche Erfahrungen hast du gemacht?  ...


Aus: "Hast du jung geerbt und es endete im Streit?" (9. März 2023)
Quelle: https://www.zeit.de/campus/2023-03/erbstreit-erbe-kinder-gericht-aufruf

QuoteNicetohave #5

Da kommen die tiefsten Dämonen zum Vorschein. ...


QuoteSphärischerMathestein #10

Wir haben uns als Geschwister schon immer versprochen nicht über das Erbe zu streiten. Die Immobilien und Depots gehen uns nicht über unsere enge Bindung. Jeder hat schon einen Vorbezug bekommen mit dem wir sehr gut leben können, es gab keinerlei Streit. Der Löwenanteil wird, hoffentlich spät, ebenso gerecht und einvernehmlich aufgeteilt. Mir tun Menschen leid die sich um ein Erbe streiten. Da fehlt offensichtlich der Blick auf das Wesentliche. ...


Quote4h-Liga #19

Diese Art von Problemen liegt mir und meinem Bruder fern. Meine Familie ist dafür schlicht zu arm ...


QuoteMartello #11

In Anbetracht der besitzlosen Mehrheit auf unserem Planeten kann ich ob dieser Luxusprobleme nur sagen: I don't give a f**k. ...


QuoteSCHNATTERHENNE #2

"Welche Erfahrungen hast du gemacht?" Die richtigen Eltern ausgesucht und nichts geerbt;-)


Quoteunendliche weiten #2.1

Doch, Schulden! Man kann nämlich auch die Schulden der Eltern erben. Die Panik, irgendwelche Fristen zu verpassen und die Schulden nicht rechtzeitig auszuschlagen, überschattet dann leider die Trauerzeit. Aber hey, dafür hat man keinen Ärger mit Erbstreitigkeiten!


QuoteCantrikant #21

Das einzige Erbe, das unbegrenzt vererbt werden dürfte wäre: Vernunft.


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Textaris(txt*bot)

Quote[...] Fast 30 Jahre nach ihrem Tod wird die Villa der früheren First Lady Jackie Kennedy in der US-Hauptstadt Washington verkauft. Dem Nachrichtensender CNN zufolge liegt der aufgerufene Preis bei 26,5 Millionen US-Dollar.

Dafür bekommt man allerdings auch ein riesiges Gelände mitten in DC, die betreuende Immobilienfirma "Sotheby's Realty" gibt die Gesamtgröße mit fast 15.000 Quadratmetern an. Insgesamt befinden sich darauf drei Villen mit 13 Schlafzimmern und 13 Bädern, die mit einem Tunnel verbunden sind und über eine Tiefgarage verfügen. Auf der Internetseite des Unternehmens können Kaufinteressierte auf zahlreichen Fotos einen Eindruck von der Immobilie bekommen.

Den Angaben zufolge stammt das älteste Haus von 1794 und gehört zu den bedeutendsten Anwesen Georgetowns. Nicht nur Jackie Kennedy habe hier gelebt, sondern auch der Bürgermeister von Georgetown, Thomas Beall, der Kriegsministers Newton D. Baker und die ehemalige Miss America, Yolande Fox.

Vor dem Verkauf seien umfangreiche Renovierungsarbeiten durchgeführt worden. Sotheby's verweist auf die "große Empfangshalle, originale Kamineinfassungen und elegante Zierleisten" sowie edle Parkettböden und richtet sein Angebot an die "anspruchsvollsten" Käuferinnen und Käufer. Bei den Arbeiten sei die "historische Eleganz" erhalten worden, gleichzeitig genüge alles modernsten Ansprüchen, "Design, Oberflächen und Ausstattung" seien von "höchster Qualität". Geschirrspüler, Wäschetrockner und Kühlschränke sind in dem Preis natürlich inbegriffen, ebenso wie ein Sicherheitssystem. Mit dem aufgerufenen Preis könnte die Immobilie als eine der teuersten je in Washington verkauften werden.

Jackie Kennedy war Ende Januar 1964 mit ihren beiden Kindern Caroline und John in das Haus in der 3017 North Street NW gezogen, nur zwei Monate nach der Ermordung ihres Mannes. Sie habe damit die Hoffnung verbunden, dass es ein Zufluchtsort für ihre trauernde junge Familie werden würde, berichtet die Zeitschrift "Elle Decor". Nachdem Touristenbusse vor dem Haus vorfuhren, zog sie jedoch noch im selben Jahr mit ihren Kindern nach New York.

Quelle: ntv.de, sba


Aus: "Jackie Kennedys Haus steht zum Verkauf" (12.03.2023)
Quelle: https://www.n-tv.de/panorama/Jackie-Kennedys-Haus-steht-zum-Verkauf-article23978314.html

Textaris(txt*bot)

Quote[...] Mehr als 1300 Menschen sind aus überfüllten Flüchtlingsbooten im Mittelmeer in italienische Häfen gebracht worden. Die in verschiedenen italienischen Häfen an Land gebrachten mehr als 1300 Flüchtlinge wurden laut Küstenwache von drei völlig überfüllten Booten gerettet. Videos der Küstenwache zeigten ein großes Fischerboot mit Dutzenden Menschen an Deck, das in rauer See hin- und hergeworfen wird. Andere Bilder zeigten Rettungs-Schlauchboote, die sich einem weiteren Fischerboot voller Menschen nähern.

In der süditalienischen Region Kalabrien nahmen derweil Tausende Menschen an einem Gedenkmarsch für die Opfer des Bootsunglücks teil, bei dem vor knapp zwei Wochen Dutzende Flüchtlinge ertrunken waren. Mit dem Fund der Leiche eines Mädchens stieg die Zahl der Todesopfer der Flüchtlingstragödie vor der kalabrischen Küste auf mindestens 76.

In Cutro nahe dem Ort des Bootsunglücks vor der kalabrischen Küste marschierten Tausende Menschen hinter einem aus Wrackteilen des gesunkenen Flüchtlingsbootes gezimmerten Kreuz. "Dieses Kreuz ist ein Symbol des Leids", sagte der frühere Bürgermeister und Flüchtlings-Aktivist Domenico Lucano der Nachrichtenagentur Ansa. Die Flüchtlingsunglücke bewegten die Bewohner der Region, "und es herrscht ein Geist der Solidarität, den die Regierung nicht zeigt".

Die Tragödie vom 26. Februar hat der rechtsgerichteten Regierung unter Ministerpräsidentin Giorgia Meloni scharfe Kritik eingebracht. Ihr wird vorgeworfen, nicht rechtzeitig eingegriffen zu haben, um die Menschen bei schwerem Seegang aus ihrem sinkenden Boot zu retten. Am Donnerstag kündigte Meloni nach einer Kabinettssitzung in Cutro zwar längere Haftstrafen für Schlepper an, aber keine neuen Maßnahmen zur Rettung von Flüchtlingsleben.

Melonis seit Oktober amtierende, weit rechts stehende Regierung hatte im Wahlkampf angekündigt, Boote mit Migranten zu stoppen. Nach Angaben des italienischen Innenministeriums sind seit Anfang des Jahres knapp 17.600 Geflüchtete nach Italien gelangt, fast dreimal so viele wie im Vorjahreszeitraum.

Vor der Südwestküste der Türkei ertranken derweil laut der türkischen Küstenwache fünf Flüchtlinge, die bei rauer See in einem Schlauchboot offenbar nach Griechenland übersetzen wollten. Elf Insassen des Bootes wurden demnach gerettet. Fünf weitere Überlebende gelangten nach Angaben der griechischen Küstenwache aus eigener Kraft zur zehn Kilometer von der türkischen Küste entfernten griechischen Insel Farmakonisi. Insgesamt sollen demnach 31 Menschen an Bord des Schlauchboots gewesen sein.

Quelle: ntv.de, als/AFP


Aus: "An Deck hin- und hergeworfen: Italien rettet mehr als 1300 in Seenot geratene Migranten" (11.03.2023)
Quelle: https://www.n-tv.de/panorama/Italien-rettet-mehr-als-1300-in-Seenot-geratene-Migranten-article23977981.html

Textaris(txt*bot)

Quote[...] Die Pleite zweier US-Banken löst ein Börsenbeben aus. Investoren fürchten eine Kettenreaktion des Misstrauens oder gar eine Finanzkrise wie 2008. Die Sorge in den USA ist so groß, dass Präsident, Notenbankchef und Finanzministerin die Bevölkerung beruhigen wollen.

... Die Pleite der SVB gilt bereits als möglicher Endpunkt der Boomjahre im Silicon Valley. Der spektakuläre Erfolg vieler Tech-Unternehmen basierte auch auf einer Phase billigen Geldes. Viele Projekte mit hohen Risiken wurden leichthändig finanziert. Damit könnte es nun vorbei sein. Gerade die SVB war bekannt dafür, dass Startups hier in Finanzierungsrunden leicht an viel Geld kommen konnten.

... Der CEO der Bank war in Kalifornien beliebt, weil er mutiger und kreativer Geld fließen ließ als die vermeintlich konservativen Banker in New York. Greg Becker verkündete noch vor wenigen Wochen, dass man für 2023 wieder prächtige Geschäfte erwarte. "Wir sind optimistisch, weil unsere Kristallkugel ein wenig klarer ist", sagte Becker gegenüber CNBCN. Nur 24 Stunden vor der Pleite hatte Becker persönlich Kunden angerufen, um ihnen zu versichern, dass ihr Geld bei der Bank sicher sei.

Er selbst aber brachte Geld in Sicherheit. Nach Angaben der Aufsichtsbehörden verkaufte Becker am 27. Februar 12.451 SVB-Aktien für 3,6 Millionen Dollar. Auch ein Jahresbonus wurde ihm noch kurz vor der Pleite ausbezahlt. Seine Jahresbezüge bei SVB lagen zwischen 9 und 10 Millionen Dollar im Jahr.

Becker war schon 30 Jahre bei der SVB und arbeitete sich vom Kreditsachbearbeiter bis zum Vorstandsvorsitz (seit 2011) hoch. Er inszenierte sich als Held der kalifornischen Geldwelt. Auf der Webseite der SVB steht noch heute, dass er ein "Champion der Innovationsindustrie" sei. Unter seiner Führung sei SVB in den S&P500-Index aufgestiegen, sei zu einer der besten Banken der USA gewählt worden, überhaupt das weltführende Institut zur Innovationsfinanzierung geworden. Becker ließ sich als Spender und Philanthrop feiern, als einer, der in Gender- und Umweltfragen die Avantgarde verkörpere und die Nähe zu Politikern wie Al Gore suchte. Becker gehörte dem Vorstand der Federal Reserve Bank of San Francisco an und ist dafür eingetreten, dass Insidergeschäfte zeitlich nicht zu sehr beschränkt werden sollten. Genau davon hat er nun profitiert.

In seiner Belegschaft herrscht - wie CNN berichtet - inzwischen offene Wut über ihren Chef, der die Bank mit zu hohen Risiken, allerlei Ungeschicklichkeiten im Krisenmanagement und einer unverhohlenen Selbstbereicherung in die Pleite geführt hat. Beckers Videobotschaft an die Mitarbeiter vom Freitag wird als zynisch wahrgenommen. Darin sagte er, dass die 48 Stunden bis zum Zusammenbruch der Bank wohl "unglaublich schwierig" gewesen seien. Doch Becker hat schon im Dezember die BBC wissen lassen, dass man sich in seiner Branche ohnedies gar keine Sorgen machen müsse. Gute Leute aus der Innovationswirtschaft verfügen immer "über wirklich endlose Möglichkeiten". Seine eigenen Möglichkeiten sind mit den geretteten Millionen bestimmt größer als die seiner Mitarbeiter, die jetzt arbeitslos werden.

Quelle: ntv.de


Aus: "Person der Woche: Greg Becker" Wolfram Weimer (14.03.2023)
Quelle: https://www.n-tv.de/politik/politik_person_der_woche/Die-Angst-vor-einem-Banken-Crash-ist-groesser-als-man-zeigt-article23982492.html


Textaris(txt*bot)

Quote[...] Bis Ende Juni 2023 sollen zunächst 21 Filialen in diesen Städten geschlossen werden: Celle, Coburg, Cottbus, Duisburg Düsseldorfer Straße, Erlangen, Gelsenkirchen, Hagen, Hamburg-Harburg, Hamburg-Wandsbek, Leipzig Neumarkt, Leverkusen, München-Bahnhof, Neuss, Nürnberg Königstraße, Nürnberg-Langwasser, Offenbach, Paderborn, Regensburg Neupfarrplatz, Saarbrücken am Bahnhof, Siegen, Wiesbaden Kirchgasse.

Bis Januar 2024 sind folgende 31 Standorte zur Schließung vorgesehen: Bayreuth, Berlin-Charlottenburg, Berlin-Müllerstraße, Bielefeld, Braunschweig, Bremen, Darmstadt am weißen Turm, Dortmund, Düsseldorf Schadowstraße, Essen, Esslingen, Frankfurt Zeil, Hanau, Heidelberg Bismarckplatz, Hildesheim, Kempten, Krefeld, Leonberg, Limburg, Lübeck, Mönchengladbach, Oldenburg, Pforzheim, Reutlingen, Rosenheim, Rostock, Schweinfurt, Siegburg, Stuttgart-Eberhard-Straße, Viernheim-RNZ, Wuppertal.

Über 5000 Menschen drohe die Kündigung, heißt es.

... Die Warenhauskette gehört der milliardenschweren Signa-Holding des österreichischen Investors Rene Benko, der Karstadt und Kaufhof zusammengeführt hatte. Vor zwei Jahren hatte Galeria Karstadt Kaufhof bereits im damaligen Insolvenzverfahren gut 40 von damals 172 Filialen geschlossen, wobei rund 5000 Mitarbeiter ihre Stellen verloren.


Aus: "Karstadt Kaufhof: Diese Galeria-Warenhäuser schließen" (13.03.2023)
Quelle: https://www.n-tv.de/wirtschaft/Karstadt-Kaufhof-Diese-Galeria-Warenhaeuser-schliessen-article23981121.html

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Quote[...] München - Kaut-Bullinger war sein letzter Coup. Bis jetzt. Milliardär René Benko kauft sich die Münchner Innenstadt Filetstück für Filetstück, wie bei einem namhaften Brettspiel. 2020 hatte der österreichische Investor mit seiner Signa Holding das alte Kaut-Bullinger-Haus an der Rosenstraße erworben. Das Haus, in dem bis vor Kurzem noch Schreibwaren verkauft wurden, existiert seit dem Zweiten Weltkrieg, die Firma ist sogar noch älter, gegründet wurde sie 1794. Doch zuletzt brach der Umsatz im Einzelhandel ein. Kugelschreiber und Radiergummis shoppen die Kunden lieber im Internet. Wie viel Geld Benkos Signa bezahlt hat, ist geheim. Insgesamt 4200 Quadratmeter fasst die Mietfläche, 3300 davon entfallen auf den Einzelhandel. Das Haus soll schon dieses Jahr abgerissen werden. Geplant ist der Neubau eines Büro- und Geschäftsgebäudes.

Die Ära Benko in München begann allerdings weit früher, bereits im Juni 2011 erwarb die Signa die Immobilien des Oberpollingers und des benachbarten Karstadt Sporthauses für 250 Millionen Euro vom einem Konsortium.

... Benkos Einkaufstour ging 2013 weiter, als er vom Freistaat für 240 Millionen Euro die Alte Akademie an der Fußgängerzone im Rahmen einer 65-jährigen Erbbaurechtsvergabe erwarb. Der Gebäudekomplex aus dem 16. Jahrhundert ...

... Benkos Einfluss in München wuchs 2015 weiter an, als er sich mit der Signa Retail ein Joint Venture mit der italienischen Eataly einging. Seitdem ist der gebürtige Innsbrucker auch am Lebensmittelhändler in der Schrannenhalle beteiligt.

... Zwischenzeitlich erwarb die Signa die Warenhauskette Galeria Kaufhof Karstadt. So betreibt die Signa den Kaufhof am Marienplatz. Und seit 2017 gehört Benko auch das Karstadt-Gebäude am Hauptbahnhof, im Komplex am Stachus war die Warenhauskette lediglich Mieter. Mieter ist Benko auch in der Neuhauser Straße, im Joseph-Pschorr-Haus, das der Schörghuber-Gruppe gehört. Denn 2020 erwarb der österreichische Multimilliardär die Sport Scheck-Warenhauskette von der Otto-Group.

Benko hatte 1999 mit einem Zwei-Personen-Unternehmen angefangen. Sein Vermögen wurde von Forbes 2021 auf 5,6 Milliarden Dollar geschätzt. 2004 hatte er mit dem Kaufhaus Tyrol in seiner Heimatstadt Innsbruck sein erstes großes Bauvorhaben umgesetzt. Seitdem wächst sein Imperium unaufhaltsam – nicht nur die Münchner Innenstadt trägt immer stärker seine Handschrift. Auch das KaDeWe in Berlin sowie das Alsterhaus in Hamburg gehören zu seinem Portfolio.


Aus: "Milliardär René Benko: Österreicher sichert sich immer mehr Filetstücke in Münchens Innenstadt" Sascha Karowski (14.03.2023)
Quelle: https://www.tz.de/wirtschaft/bullinger-muenchen-rene-benko-oesterreichischer-milliardaer-oberpollinger-karstadt-sport-kaut-92140066.html

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Quote[...] Zum zweiten Mal setzt der österreichische Multimilliardär und Galeria-Eigentümer Rene Benko der Bundesregierung die Pistole auf die Brust: Geld her, oder die 17.000 pleitebedrohten Galeria-Kaufhof-Jobs sind weg, so lautet kurz zusammengefasst die Forderung. Auf 590 Rettungsmillionen aus dem ersten Insolvenzverfahren, bei dem die damaligen Gläubiger mit zwei Milliarden bluten mussten, soll der Staat verzichten. Andernfalls, so heißt es kühl im Juristendeutsch des Insolvenzplans, sei der ,,Geschäftsbetrieb unmittelbar einzustellen". Für die leidgeprüften Angestellten der Warenhauskette ist das der nächste Schock, für die Bundesregierung eine Zumutung. Im besten Fall bleiben 80 der 120 Filialen erhalten.

Zugegeben: Benko war seit dem Erwerb der maladen Kaufhof-Kette nicht vom Glück verfolgt. Erst kam Corona, dann der Ukrainekrieg und die Inflation, die weniger betuchte Kunden vertrieb. Allein die Energiekosten stiegen von 65 Millionen auf 150 Millionen im Jahr. Das ist die eine Seite.

Die andere ist das anrüchige Geschäftsmodell des Signa-Chefs Benko. Das funktioniert, jedenfalls in einem Teil seiner Häuser, so: Der Milliardär kauft Warenhäuser in besten Innenstadtlagen, trennt die meist schwachbrüstigen Betreibergesellschaften von den werthaltigen Immobilien, als deren neuer Mitinhaber er Galeria dann stattliche Mieten abverlangt. Aufgehen kann diese Rechnung nur mithilfe des Steuerzahlers, der einspringen soll, wenn den Kaufhäusern die Luft ausgeht – schließlich gehe es ja, heißt es dann stets, um viele Jobs und lebendige Innenstädte. So wurden Gewinne privatisiert und Verluste sozialisiert.

Ob und wie (und wo!) das Modell Warenhaus noch funktionieren kann, ist nach den Pleiten von Innenstadtgrößen wie Goertz und Peek & Cloppenburg offener denn je. Klar aber ist: Der Steuerzahler ist nicht dazu da, Raubtierkapitalismus zu finanzieren. Benko wird, will er Vorwürfe entkräften, viel eigenes Geld in die Hand nehmen und in die Modernisierung seiner Warenhäuser stecken müssen. Der neue Insolvenzplan birgt Chancen - aber noch mehr Risiken.


Aus: "Schon wieder: Milliardär Benko bittet die deutschen Steuerzahler zur Kasse" Georg Anastasiadi (14.03.2023)
Quelle: https://www.merkur.de/wirtschaft/bundesregierung-muenchen-rene-benko-milliardaer-immobilien-galeria-karstadt-kaufhof-kaut-bullinger-92137736.html

QuoteFrank Pech

... So kommen diese Leute zu ihren Milliarden.


QuoteFranz

Benko war ein Mitglied der Buberl-Gruppe und damit Günstling des dubiosen, nun wegen des Verdachtes unlauterer Aktionen und wegen unwahrer Aussagen in einem Nationalrats-Untersuchungsausschuss vor Gericht stehenden ehemaligen österreichischen Bundeskanzler S. Kurz. Benko hat keinerlei abgeschlossene höhere Schulbildung und auch keine abgeschlossene Berufsausbildung, sondern wurde durch seinen Onkel, einen Immobilienmanager, als Jungspund in die Tricks der Immobilienbranche eingeweiht. Schlau und gerissen wie er war, arbeitete er sich rasch hoch und gewann das Vertrauen von Banken, die händeringend einen wagemutigen Hasardeur gesucht hatten, um anstatt für ihr bei der Bundesbank und der EZB geparktes Geld teure Strafzinsen zu zahlen, dieses lieber günstig als Kredit zu verleihen. So kaufte dieser Typ der Reihe nach in der Pandemie in Schieflage geratene Groß-Kaufhäuser in Österreich und in Deutschland auf Kredit auf und und luchste jeweils dem Staat mehrmals zig-millionenfache Unterstützungen ab, um angeblich diese Betriebe zu retten. Wie sich inzwischen herausgestellt hat, war jedoch Benko's Ziel von vorne herein, die Kaufhausketten entweder stark abzuspecken oder überhaupt zu zerschlagen, um vorallem die Immobilien teuer zu verhökern. Dazu meldete er jeweils Insolvenz an und die zuvor erhaltenen Millionen-Zuschüsse waren futsch. ...


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Textaris(txt*bot)

Quote[...] [Fabian Soethof, 40, hat das Buch ,,Väter können das auch!" geschrieben. Der Journalist arbeitet als Online-Redaktionsleiter beim Musikexpress.  Er schreibt einmal im Monat samstags auf der Familienseite die Kolumne ,,Oh Mann" über den Vater-Alltag in Berlin.]

... Das Abendessen beim Lieferdienst bestellen? Mit den Kindern ins Kino? Im Sommer Freibad mit Pommes und Eis? All diese kleinen Luxusmomente, die für at least durchschnittlich verdienende Eltern wie uns über Jahre hinweg Selbstverständlichkeiten waren, sind es plötzlich nicht mehr. Von einem großen Urlaub ganz zu schweigen.

Die Mieten steigen, die Nebenkosten steigen, die Lebensmittelkosten steigen, die Energiekosten explodieren – aber die Gehälter stagnieren. Na klar, wir leben (noch) in Frieden und ohne Lieferengpässe. Im eigenen Portemonnaie wird es für den, der nicht an sein karges Erspartes will, seit Monaten trotzdem knapp.

Ein paar Inflations- und Preissteigerungsbeispiele aus dem eigenen Alltag: Als ich neulich beim Friseur meines Vertrauens war, nahm der für Haarschnitt und Rasur plötzlich 30 statt 25 Euro. Frauen können darüber nur müde lächeln, ich weiß.
Ein BVG-Einzelticket kostet nun 3 Euro, die Packung Käse 2,50 Euro. Ich schätze: Pro Monat geben wir im Supermarkt rund 200 Euro mehr als noch vor einem Jahr aus. Die gute Schokolade? Das leckere lokale IPA-Bier? Lieber mal im Regal lassen.

Klar, Doppelverdienern wie uns geht es trotzdem gut. Große Sprünge bleiben Wunschdenken, doch wir kommen über die Runden und haben keine Angst, in einem halben Jahr unsere Miete nicht mehr bezahlen zu können. Aber wenn wir die Teuerungsrate schon derart spüren, wie muss es dann den viel zu vielen Menschen in dieser Stadt gehen, die schon vor Kriegsbeginn an der Armutsgrenze lebten? Wie sollen die sich Hoffnung wahren, wenn viel Arbeit zunehmend weniger bringt?

Doch nicht alle spüren das. Als es uns neulich ausnahmsweise mal ins KadeWe verschlug, stand da eine ältere Dame mit mehreren prall gefüllten Hermès-Einkaufstaschen nett lächelnd neben uns, als ob es das Normalste der Welt wäre – während wir den Kindern mehrfach sagten, dass sie nichts anfassen sollten.

Ich werde in dieser knappen Kolumne nun nicht das Fass einer Vermögenssteuer oder zumindest weiterer Elternhilfen aufmachen. Ich finde aber: Jetzt, da wir Durchschnittsverdiener langsam eine Ahnung davon kriegen, wie es den vielen Familien geht, die noch nie ,,fette Jahre" erleben durften, wäre es hilfreich, wenn auch andere – wie die Hermès-Dame – dies erführen.

Ich finde [ ] durchaus: Jetzt, da wir langsam eine Ahnung davon kriegen, wie sehr viel zu viele andere Familien schon längst auf ihr Geld achten müssen, wäre es doch nur menschlich und der Nächstenliebe helfend, wenn andere dies auch erführen. Weil viele in ihrem Leben noch nie ,,fette Jahre" erleben durften und auch nicht mehr werden.


Aus: "Die fetten Jahre sind vorbei: Eine Ahnung von Armut bekommen"  Ein Kommentar von Fabian Soethof (07.03.2023)
Quelle: https://www.tagesspiegel.de/berlin/die-fetten-jahre-sind-vorbei-ein-ahnung-von-armut-bekommen-9445895.html


Textaris(txt*bot)

Quote[...] Paris – In Frankreich: ausfallende Züge, blockierte Raffinerien, geschlossene Schulen – dafür 1,3 Millionen Menschen auf den Straßen. In Paris probt die Bevölkerung gerade den Aufstand. Der Grund: Die Regierung von Präsident Emmanuel Macron will das Alter für den regulären Beginn der Rente schrittweise von 62 auf 64 Jahre anheben. Außerdem soll die Zahl der nötigen Einzahlungsjahre für eine volle Rente schneller steigen.

In Deutschland: Hier fordert die Gewerkschaft Verdi für die 2,5 Millionen Beschäftigten von Bund und Kommunen 10,5 Prozent mehr Einkommen, mindestens aber 500 Euro pro Monat. Grund sind die Inflation und die gestiegenen Lebenshaltungskosten. Einigen konnte man sich mit den Arbeitgebern bislang nicht. Bis zur dritten Verhandlungsrunde Ende März hat Verdi daher weitere Streiks in Nordrhein-Westfalen, Hessen, Baden-Württemberg, Sachsen, Niedersachsen und Rheinland-Pfalz angekündigt.

Die konkreten Anlässe in den beiden Ländern mögen verschieden sein, doch die Motive sind ähnlich: Es ist die Angst vor dem sozialen Abstieg, die immer mehr Menschen umtreibt. Doch während in Frankreich am 7. März insgesamt 1,3 Millionen Menschen Lärm machten (so viele wie nie in der jüngeren Geschichte), hört man auf den deutschen Straßen wenig bis gar nichts. Den größten Aufschrei löste hierzulande die Friedens-Kundgebung von Sahra Wagenknecht und Alice Schwarzer aus.

Zahlen unterstreichen die Streiklust der Franzosen beziehungsweise die Streikfaulheit der Deutschen – je nachdem, wie man es liest. Auf 1.000 französische Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer kommen im Schnitt 123 Streiktage pro Jahr. In Deutschland sind es sieben Tage. Das hat das Institut der deutschen Wirtschaft (IW) in Köln in einer Untersuchung für die Jahre 2007 bis 2016 herausgefunden. Warum ist das so?

Johannes Maria Becker ist Politikwissenschaftler. Er hat das Zentrum für Konfliktforschung an der Universität Marburg mit aufgebaut. Einer seiner Forschungsschwerpunkte ist Frankreich. Becker hat drei Jahre in Paris gearbeitet und hat seit 45 Jahren einen zweiten Wohnsitz in Frankreich. Seine Analyse: ,,In Frankreich sind Proteste weniger vorhersehbar als bei uns. Das liegt unter anderem an den Gewerkschaften, die viel radikaler agieren. Es gibt dort politische Richtungsgewerkschaften, zum Beispiel eine sozialdemokratisch orientierte, eine kommunistisch orientierte und sogar eine zuweilen trotzkistisch maoistisch agierende Gewerkschaft. In Deutschland hingegen haben wir eine sozialdemokratisch orientierte Einheitsgewerkschaft."

Neben der institutionellen Erklärung gibt es auch eine kulturelle Begründung: die Volksseele. ,,Das französische Volk hat – neben der Kultivierung der obsiegenden Revolutionen – ein kollektives Bewusstsein für Unrecht. Es läuft etwas schief? Dann macht man eher die zentrale Obrigkeit verantwortlich und geht auf die Straße – und zwar alle, nicht nur diejenigen, die direkt betroffen sind. Deutsche suchen die Schuld eher bei sich, sie zweifeln die Makrostrukturen nicht an."

Becker erzählt eine Geschichte, die ihm diese Erkenntnis konkret vor Augen führte. ,,Als 2005 Hartz IV eingeführt wurde, sollte es hier in Marburg eine Demonstration geben. Man rechnete damit, dass von den etwa 500 erwerbslosen Lehrern in der Region viele kommen würden, denn sie mussten durch die Reform massive Verluste hinnehmen. Letztlich sind sechs gekommen."

Eine Zahl, die in Frankreich undenkbar wäre, sagt Becker. Die Streiklust hänge auch mit einem grundlegenden Misstrauen in den Staat zusammen. ,,Die Franzosen sagen: Wenn Macron meint, er müsse mehr Geld einnehmen, dann soll er die Superreichen stärker besteuern oder Steuerhinterziehung effektiver bekämpfen. Mit dieser Einstellung gilt man in Deutschland als Neider", so Becker.

Dass die Streikkultur in Frankreich anders ist, hat auch historische Gründe. Erst wurde das Streikrecht eingeführt, danach kamen die Gewerkschaften. Protestieren kommt vor Verhandeln – das hat in Frankreich eine lange Tradition. Seit dem Ende des Zweiten Weltkriegs steht das Streikrecht sogar in der Präambel der Verfassung. Grundsätzlich darf in Frankreich jeder streiken – auch Beamte. In Deutschland ist Staatsbediensteten dieses Recht untersagt.

Was als Streik gilt, ist ebenfalls unterschiedlich definiert. Wenn in Frankreich mindestens zwei Beschäftigte ihre Arbeit niederlegen, gilt das als Streik. In Deutschland dürfen nur Gewerkschaften zum Streik aufrufen. Trotzdem gibt es eine Gemeinsamkeit: Streiks sind nur zulässig, wenn es um Forderungen geht, die sich im Rahmen des Tarifvertrags regeln lassen. Es muss also beispielsweise um das Gehalt, die Arbeitsbedingungen oder den Kündigungsschutz gehen.

Ein Ende des Streiks ist in Frankreich noch nicht abzusehen. Das hat, sagt Konfliktforscher Becker, auch mit der Historie des Landes zu tun: ,,In Frankreich gibt es eine Protestkultur, die auf Siege zurückschauen kann. Man feiert dort Revolutionen. Der Nationalfeiertag ist der 14. Juli. Das ist in Deutschland undenkbar."


Aus: "Tränengas und Gewalt: Warum sind Streiks in Frankreich so viel explosiver als bei uns?" Max Müller (13.03.2023)
Quelle: https://www.fr.de/politik/streik-proteste-frankreich-deutschland-verdi-macron-gehalt-rente-zr-92142009.html

QuoteMinando

Vermutung: französische Bürger treten dem Staat selbstbewusster gegenüber.
Und nicht halbkniend wie mancher Deutsche.


QuoteRene Kummetat

Dann bin ich wohl im Herzen Franzose. Es ist unfassbar was momentan abgeht in Sachen Preissteigerung und Löhnen. Aber niemand macht auch nur ansatzweise den Mund auf. Die Bevölkerung wird regelrecht geschöpft und wenn ich ausspreche woran es liegt, werde ich als, Verschwörer abgetan.

Dabei wäre es alles ganz einfach, der Kapitalismus braucht eine gewisse Obergrenze, ab der Einkommen zu rechtfertigen ist.
Bzw. ein Plan vorgelegt werden muss, wie und wann das Geld ausgegeben werden soll um eine Teilenteignung zu verhindern. (Jedem seien seine Millionen und sein Reichtum gegönnt. Aber bei Milliarden wird es albern)

So wird es wenigstens ausgegeben und der Motor bleibt in Gang. Auch der Bau einer Superyacht schafft Arbeitsplätze und der nächste muss sehen, wie er seine Milliarden loswird, wenn er schon meint, sie auf Kosten seiner Angestellten erwirtschaften zu müssen. Aber dass einfach mal gut 90% des gesamten Geldes der Erde, auf Konten von alten Männern schlunmert, ist falsch.
So funktioniert das einfach auf Dauer nicht. Wo soll das denn hinführen? ...


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Textaris(txt*bot)

Quote[...] Hamburg – Inflation, Energiekrise und höhere Mieten: Sarna Röser (Familienunternehmerin) sieht, wie in ihrem mittelständischen Betrieb die Beschäftigten jeden Tag zu kämpfen haben. Sie würde sich – wie viele andere auch – wünschen, dass am Ende des Monats mehr Netto vom Brutto übrig bleibt. Auch für Roman Pletter (Leiter des ,,Zeit"-Wirtschaftsressorts) ist es bei Markus Lanz nicht ersichtlich, warum ,,jemand, der jeden Tag arbeitet (...), mehr bezahlen soll als jemand, der etwas erbt."

Johannes Vogel (stellvertretender FDP-Bundesvorsitzende) verspricht seit Jahren mit seiner Partei, dass ,,jemand, der sich anstrengt" mehr haben sollte als ,,jemand, der sich nicht anstrengt", – das sei aber nicht der Fall: Die Menschen, die ,,viel Geld und Ressourcen einsetzen", können sich ,,dieses System untertan machen", erklärt Roman Pletter. Denn die ,,Vermögensverteilung in Deutschland ist extrem ungleich", – ja ,,fast wieder so wie im Feudalismus", findet auch Christoph Trautvetter (Steuerexperte vom ,,Netzwerk Steuergerechtigkeit") deutliche Worte.

Das eigene Vermögen mit möglichst wenigen Steuerausgaben verwalten zu können, das ist ,,ein Privileg, das sich (außer den Reichen) sonst kein Mensch leisten kann." Da kämpft die Millionenerbin Marlene Engelhorn dafür, mehr Steuern oder überhaupt Steuern zahlen zu dürfen: Denn in Österreich, wo sie lebt, gibt es mittlerweile überhaupt keine Erbschaftsteuer mehr, – was sie als ein ,,Armutszeugnis der Demokratie" empfindet. In ihren Augen kann es nicht sein, dass ,,ein Mensch, der arbeiten geht, ganz normal Steuern bezahlt" und da ,,auch nie gefragt wird", wohingegen bei Menschen, die erben, lange diskutiert wird. ,,Das verletzt schon an und für sich den Gleichheitsgedanken, den wir immer so hochhalten."

Gäbe es das Empfinden in der Bevölkerung, dass das ,,ein supergerechtes Steuersystem" ist, dann ,,gäbe es die ganze Debatte nicht." Unter www.taxmenow.eu kämpft Marlene Engelhorn bereits die letzten Jahre für einen ,,demokratischen, transparenten, partizipativen und inklusiven Diskurs" sowie dafür, dass ,,Gerechtigkeit nicht das Maß derer ist, die davon profitieren." Wieso ist es in Ordnung, führt sie bei Markus Lanz weiter aus, dass Menschen, die für einen Haushalt schuften müssen, die Pflegeeinrichtungen der Eltern bezahlen und ihre Kinder finanzieren, es schaffen, ihre Einkommenssteuer zu bezahlen, – aber ein Unternehmen in einer hochrangigen Größenordnung schafft es nicht, ,,so zu wirtschaften", das sie angemessen Steuern abgeben können?

In den Gesellschaften kommen immer wieder dieselben Familien durch Vererbung in die Machtposition und entscheiden damit auch politisch ,,wie Geld und Vermögen verteilt wird, wie die Unternehmenslandschaft aussieht und welche Priorität bestimmte Krisen haben", erklärt Marlene Engelhorn anschaulich weiter. Ist es ,,demokratisch legitim", dass manche Menschen nur aufgrund ihrer Familie mehr ,,Macht im kleinen Finger" haben als ganze Gesellschaftsgruppen ,,in großer Stimmenanzahl"? Auch Roman Pletter bestätigt, wie das Steuersystem ,,Machtinteressen" widerspiegelt und damit die Basis einer Gesellschaft mit den Schwerpunkten in der Ausrichtung bestimmt.

Währenddessen läuft die Diskussion, als wäre ,,eine Naturkatastrophe am Werk, vor der man sich schützen muss." Dabei ist das Steuersystem eingebettet in das Rechtssystem: Somit können alle Menschen mitentscheiden, wie sich dieses System gestaltet. Marlene Engelhorn sieht bei Markus Lanz (ZDF) die ,,Steuerpolitik als das Herz der Demokratie." Da müssten viel mehr Menschen darüber nachdenken, ,,wie Macht verteilt wird" und wie dafür gesorgt werden kann, ,,dass soziale Herkunft nicht darüber bestimmt, ob man es gut im Leben hat oder nicht." (Tina Waldeck)


Aus: ",,Armutszeugnis der Demokratie": Millionenerbin Marlene Engelhorn spricht bei Lanz Klartext" Tina Waldeck (15.03.2023)
Quelle: https://www.fr.de/politik/markus-lanz-zdf-marlene-engelhorn-millionenerbin-tv-kritik-92146550.html

QuoteRolf Luebbers

Wenn es Menschen gibt, die rund um die Erde Schlösser (Villen) besitzen und Jachten von der Größe eines Kreuzfahrtschiffes ihr eigen nennen, sich auch noch lächelnd von Steuern befreien, andererseits aber Millionen an der Armutsgrenze leben (Millionen von hungernden Menschen nicht erwähnt), dann erinnert dies tatsächlich an feudale, herrschaftliche Zeiten, von demokratischen Verhältnissen weit weg! Ja die Politik, die Politiker, dass die da nicht viel tun könnte daran liegen, dass sie sich eher zu den Feudal-Herren hingezogen fühlen, als zum arbeitende Volk.


QuoteFuntapur

Nach gut einer halben Stunde hat man den Eindruck, dass alle von unterschiedlichen Themen sprechen. Die Fr. Röser verteilt Panik, dass aufgrund von z.B. Konsumrückgang die Unternehmen nichts mehr verdienen. Davon wird ihr Betonwerk wohl nicht betroffen sein. Zudem hält sie sich, aufgrund ihrer Medienpräsenz, für wichtiger als sie ist. Mehr Schein als sein.

Der Ansatz von Fr. Engelhorn ist ja nicht, unbedingt die Steuern zu erhöhen. Sie stellt Grundsatzfragen, die für viele schwer verständlich sind, aber das Fundament der friedlichen Demokratie sind. Erstaunlich, dass das niemanden interessiert! Solche Fragen haben sich reiche Menschen nie gestellt, weil es ihnen egal ist.

Am Ende erzählt der Hr. Vogel, wir sollten dieses Thema sprachlich anders behandeln, weder von Feudalismus etc zu sprechen, obwohl genau diese Wörter exakt das ausdrücken, was hier in Deutschland - sogar belegbar - passiert.

In Frankreich gehen die Menschen auf die Straße, weil das Eintrittsalter für Rentner auf 64 Jahre erhöht werden soll, welches es in Deutschland noch nie gegeben hat. Aber im Vergleich dazu geht in Deutschland niemand auf die Straße, wenn das Eintrittsalter auf 67 angehoben wird. Erstaunlich ist auch, dass immer mehr und immer wieder - sogar Gewerkschaften !! - davon sprechen, dass in den letzten 20-30 Jahren eine Umverteilung von unten nach oben stattgefunden hat. Und niemanden haut das aus den Sessel. Absolut niemanden.

Mit uns Deutschen kann man halt alles machen. Und das weiß die Politik auch. Brot und Spiele funktioniert immer noch.


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Textaris(txt*bot)

Quote[...] Reportage - Für die Ultra-Reichen reicht reguläre Therapie nicht aus. Bei psychischen Problemen wie Alkohol- oder Drogenmissbrauch bieten Luxus-Kliniken wie Paracelsus Recovery in Zürich konzentrierte Einzeltherapie und vor allem Diskretion


[...] Mitarbeiter bei Paracelsus sind [ ] an Leute gewöhnt, die ihr Gepäck nicht selbst tragen und für die eine Million in jeder beliebigen Währung eine zu vernachlässigende Summe ist.

Die Patienten sind typischerweise Mitglieder königlicher Familien aus dem Nahen Osten, Selfmade-Milliardäre, berühmte Schauspiel- und Sportstars oder die geplagten Kinder all dieser Leute, die ihren Reichtum und die damit verbundenen Belastungen geerbt haben.

Noch frappierender als der materielle Luxus des Paracelsus-Büros mit seinen hohen Decken und Reihen von weißen Orchideen war die Menge an Aufmerksamkeit, die mir geschenkt wurde, sobald ich durch die Tür getreten war. Ich war nicht für eine Behandlung hier, würde aber in einer der Penthouse-Apartments auf dem Klinikgelände untergebracht sein, während ich die Mitarbeiter:innen interviewte. Dennoch kamen aus allen Zimmern gepflegte Pflegekräfte, Ärzte, Verwaltungsangestellte und Ernährungsberater, die mit einem Lächeln lächelten, das man oft auf den Gesichtern von Geistlichen und Psychotherapeuten oder anderen Personen sieht, die glauben, Zugang zu einer schmerzlindernden Wahrheit zu haben.

... Für den typischen Patienten der Paracelcus-Klinik ist Zuhause normalerweise eins von mehreren großen Häusern, möglicherweise ein Palast. Nach Zürich kommen sie für eine besondere Form der Behandlung, bekannt als Einzel-Reha, oder ,,nur ein Patient gleichzeitig", für die die Stadt weltweit unter den Ultra-Reichen bekannt geworden ist. Außer Paracelsus gibt es in Zürich auch noch die Kusnacht Practice, in der das Konzept seinen Ursprung hat. Im Gegensatz zu anderen bekannten Kliniken – das Meadows in Arizona, Betty Ford in Kalifornien, The Priory in Großbritannien – sehen oder interagieren in den Züricher Kliniken Klienten niemals mit anderen Klienten. Es gibt keine Gruppentherapie, keine Gemeinschaftsräume.

Die Klienten oder Klientinnen wohnen in ihrem eigenen Haus oder Apartment und haben einen eigenen Fahrer, eine Haushälterin, einen Koch und persönliche therapeutische Betreuung rund um die Uhr durch einen Live-in-Therapeuten. Dazu kommen tägliche Einzelsitzungen bei einem 15- bis 20-köpfigen Team, darunter Psychiater, Ärzte, Krankenpflegepersonal, Yogalehrer, Masseur, Ernährungsberater, Hypnotiseur und Traumatherapeuten, die sich nach jedem Termin über den Zustand und den Fortschritt des Patienten austauschen. Obwohl sich in verschiedenen Residenzen der Klinik drei oder vier Klienten gleichzeitig aufhalten mögen, sind ihre Terminpläne so ausgeklügelt, dass der Eindruck erhalten bleibt, sie seien der einzige Fokus der gesamten Einrichtung. Abgesehen von den Mitarbeiter:innen wird niemals jemand wissen, dass sie da sind.

So, erklärte Gerber, müsse es auch sein. Nicht, dass der Schmerz der Superreichen komplizierter ist als der aller anderen. Sicherlich sind sie laut dem sich entwickelnden Gebiet der Reichtumspsychologie von speziellen Erfahrungen betroffen, etwa Problemen wie ,,plötzlicher Reichtum" oder die Verantwortung für eine enorme Erbschaft. Angstzustände, Depressionen, Suchtverhalten und Essstörungen sind jedoch nicht auf diese Bevölkerungsgruppe beschränkt. Alle nehmen Drogen und trinken Alkohol; nur dass bei den Reichen ,,ihre Drogen teurer sind", erklärte die medizinische Leiterin bei Paracelsus, Doktor Anna Erat (Kokain-Konsum, der tausende Dollar die Woche kostet, eher als die Abhängigkeit von billigem Wodka).

Dennoch würde laut Gerber ein normaler Entzug einfach nicht funktionieren. Die Klienten sind oft weltberühmt und wollen absolute Diskretion. Abgesehen von dem Wunsch nach Privatsphäre hat extremer Reichtum eine seltsam isolierende Wirkung. ,,Wenn man einen Milliardär in eine Gruppe steckt, selbst mit gut situierten Menschen aus der Mittelschicht, können sie keine Beziehung zueinander aufbauen", erklärte mir Gerber. Diese Leute seien nicht wie wir anderen. Ihr Leben und ihr Denken haben sich durch ihr Vermögen verändert.

In Zürich fühlt sich sogar das Sonnenlicht teuer an. Die Berge und der See verleihen ihm einen goldenen Glanz, der von den Schmuckstücken in den Schaufenstern der Designerläden an der Bahnhofstraße und den makellosen weißen Segeln der Schiffe, die über den See fahren, reflektiert wird. Die Lebenshaltungskosten in der Stadt sind die höchsten in der Schweiz und die sechsthöchsten auf der ganzen Welt. Die ,,goldene Küste" Zürichs zieht sich über die Stadtgrenze hinaus den See entlang. Am Ende der Straßen, die zum Seeufer führen, befinden sich Strände, an den Kinderfrauen kleine Kinder zum Spielen bringen und Männer in knappen Badehosen schwimmen, bevor sie wahrscheinlich heimgehen, um ihre Investitionen zu checken. Als ich eine der größeren Straßen entlanglief, kam ich am Algonquin vorbei, einem mit einem Zaun verschlossenen Schloss, in das sich 2009 Tina Turner zur Ruhe gesetzt hat. Wenn sie in den lokalen Supermarkt geht, dreht sich scheinbar niemand um, um sie anzustarren. Für die Reichen und Berühmten ist Zürich ein guter Ort, um sich in Ruhe zu verstecken, dank der – wie es ein Züricher nannte – ,,einzigartigen Unaufgeregtheit der Schweizer".

Einen kurzen Spaziergang von Turners Zuhause befindet sich im Ortsteil Küsnacht am Seeufer das Haus von Carl Jung, eine große, crèmefarbene Villa, in der der Psychiater den Großteil seines Lebens verbrachte. In den späten 1920er-Jahren behandelte Jung mehrere Monate lang einen alkoholsüchtigen amerikanischen Geschäftsmann namens Rowland Hazard III. Nachdem Hazard wieder zu trinken begonnen hatte, sagte ihm Jung, ohne ein spirituelles Erwachen werde er sich nie erholen. Daraufhin schloss sich Hazard einer evangelikalen christlichen Gemeinschaft namens Oxford Group an, hörte mit dem Trinken auf und unterstützte einen alten Freund bei der Bewältigung seiner Alkoholsucht. Dieser alte Freund wiederum betreute Bill Wilson, der dann 1935 die spirituell angehauchten Anonymen Alkoholiker gründete.

Was Heilung angeht, ist die Gegend um Zürich also geschichtsträchtig. Sie ist sowohl der Ursprung des größten, kostenlosen, Peer-to-Peer Anti-Sucht-Programms der Welt als auch am anderen Ende der Skala des exklusivsten. Die erste Klinik für ,,einen Klienten nach dem anderen" wurde hier 2009 von einer Krankenschwester und ihrem damaligen Ehemann, einem Suchtberater, gegründet. Das Paar – Christine Merzeder und Lowell Monkhouse – beschloss, einem alkoholkranken Freund zu helfen. Anstatt ihn an eine etablierte Suchtklinik zu überweisen, fanden sie ihm eine Wohnung, verwandelten ein ungenutztes Schlafzimmer in ihrer Wohnung in einen Praxisraum und holten jemanden für die Anleitung von Yogaübungen ins Boot.

Merzeder fand die tägliche, gezielte Behandlung eines einzelnen Klienten befriedigender und effektiver als die übliche Einheitsbehandlung in einer öffentlichen Klinik. Nur war das arbeitsintensiv. Merzeders Sohn, Jan Gerber, erkannte eine Gelegenheit. Nach seinem Abschluss an der London School of Economics (LSE) arbeitete Gerber als Finanzberater für Investmentbanken und hatte verschiedene Unternehmen gegründet, darunter eine Schönheitsoperationsklinik für Männer in Zürich. Er kannte die Gewohnheiten der sehr Reichen und ihre Probleme. Er wusste, es würde viele Leute geben, die bereit waren, zu zahlen.

Gemeinsam gründeten sie 2011 die Kusnacht Practice. Am Anfang kam der Erfolg durch persönliche Weiterempfehlung. Laut Moustafa Hammoud, der früher als Vermittler für Kunden aus dem Nahen Osten arbeitete, schickte ein Kunde aus Saudi-Arabien mindestens drei seiner Kinder, die alle an Suchtproblemen oder Depressionen litten. Hammoud schätzt, dass anfangs rund 70 Prozent der Klienten aus Saudi-Arabien, den Vereinten Arabischen Emiraten, Kuwait und Ägypten stammten. Zu Hause berühmt, suchten viele Klienten im Ausland Hilfe, damit die ,,Schande" ihrer Probleme nicht öffentlich wurde. Viele, erzählte er, kamen mehrere Male. ,,Sie erholten sich, wurden wieder rückfällig und kamen dann wieder. Die Klinik wuchs schnell, stellte mehr Mitarbeiter ein und mietete weitere Häuser für die Kunden. 2013 verließ Gerber das Unternehmen und gründete Paracelsus. In der Zwischenzeit verkaufte Monkhouse das Kusnacht an eine Private-Equity-Firma. Es wird nun von einem brasilianischen Unternehmer geführt und bietet verschiedene medizinische Behandlungen, darunter ,,biomolekulare Wiederherstellung", sowie Reha an. Paracelus bleibt kleiner – ,,mehr Boutique und persönlicher", erklärte Gerber.

Von Anfang an brachte diese Art Klienten Herausforderungen mit sich, denen Merzeder während ihrer Laufbahn im öffentlichen Gesundheitssystem der Schweiz nicht begegnet waren. Oft kamen sie mit mehreren Rezepten an, die das Ergebnis von Überbehandlungen durch konkurrierende Privatärzte waren, die nicht die Anmerkungen der jeweils anderen gelesen hatten. Sie erinnerte sich an eine jüngere Patientin, ,,eine Prinzessin", die vom besten US-amerikanischen Professor für Kinderpsychiatrie behandelt worden war und ,,vollgepumpt mit Pillen" bei ihr ankam. Merzeder war überzeugt, dass ein Ansatz, der die Versorgung von Körper und Psyche zusammenführt, ein besseres Ergebnis bringen würde. ,,Ich habe mich nie für die Geschäftsentwicklung oder das wirtschaftliche Ergebnis interessiert", fügte sie hinzu. ,,Ich war nur an den klinischen Erfolgen interessiert." Gerber, der neben ihr saß, strahlte: ,,Darum sind wir ein gutes Team!"

Gerber kennt seinen Markt und weiß, dass er am Wachsen ist. Von 2019 bis 2021 wuchs die Zahl der sehr vermögenden Personen, die mehr als 50 Millionen US-Dollar (47,4 Millionen Euro) besitzen, von 174.800 auf 264.000 an. Obwohl sie finanziell gegen zahllose Schwierigkeiten gewappnet sind, ist laut Gerber die Wahrscheinlichkeit, an einer psychischen Krankheit oder einem Drogenproblem zu leiden, für Menschen in dieser Wohlstandsklasse drei- bis fünfmal höher als für den Durchschnitt. Angesichts der Tatsache, dass Paracelsus nur 30 bis 40 Patientinnen im Jahr aufnimmt, ist der Pool sicher groß genug, um die Klinik zu beschäftigen.

Die ultra-exklusive Behandlung psychischer Krankheiten ist eine von vielen neuen Mikroindustrien, die im Dienst der Superreichen entstanden sind. Der Spears 500, ein jährlicher Index für Beratungsdienste, empfiehlt jetzt Experten für alles, vom Erwerb von Weinbergen bis Krypto-Reputations-Management. Die ,,Ultra-Nettowert-Psychologin" Dr. Ronit Lami pendelt zwischen Los Angeles und London. Als sie im Jahr 2000 mit ihrer Arbeit begann, habe niemand viel über diesen Bereich gewusst, erzählte sie. Heute wollen ihre Klienten spezialisierte Fachleute, die sich mit den Besonderheiten der Nachfolgeplanung und der Übertragung von Generationenvermögen auskennen. Sie wünschen sich wie in vielen anderen Bereichen eine maßgeschneiderte und exklusive Dienstleistung, einen Privatjet statt einer kommerziellen Airline.

Frühere Kusnacht-Mitarbeiter exportierten die Idee der Einzelklienten-Reha inzwischen in die ganze Welt und eröffneten ähnliche Kliniken auf Mallorca (The Balance), in Irland (Rosglas) und eine weitere in Zürich (Calda). Das erste luxuriöse Einzelklienten-Zentrum in London, Addcounsel, wurde von einem Geschäftsmann namens Paul Flynn eröffnet. Er verkaufte seine Personalvermittlungsfirma und gründete 2016 die Klinik, nachdem ein Freund, der bei Kusnacht arbeitete, die Idee vorgeschlagen hatte. Flynn erzählte mir, das Unternehmen sei im vergangenen Jahr um 300 Prozent gewachsen. Für 2023 erwartete er einen ähnlichen Anstieg. Das Elend der Superreichen ist ein Markt wie jeder andere, und es gibt eine Marktlücke. In den kommenden Jahren wird es seiner Meinung nach ,,zu einer Menge Fusionen und Übernahmen in diesem Bereich kommen."

Man muss sich anstrengen, nicht vom Luxus verführt zu werden. Gerber zeigte mir das Apartment, in dem ich bei Paracelsus wohnen würde, eine Reihe von Penthouse-Räumen mit Seeblick, in denen alles zu glitzern schien: Glastische, silberne Kerzenständer, Marmoroberflächen. Im Schlafzimmer hatte die Bettwäsche ein leuchtendes, makelloses Weiß, das unmöglich zu erreichen ist, wenn man seine Wäsche selbst wäscht. Ein Tablett mit frisch zubereiteten Miniatur-Auberginen und Ricotta-Cannelloni wurde auf den Couchtisch gestellt, nur für den Fall.

Sie strebt danach, mühelos zu erscheinen, diese Opulenz, während die Arbeit, die sie ermöglicht, im Verborgenen stattfindet. Haushälterin Izabela Borowska-Violante und Küchenchef Moritz von Hohenzollern kommen normalerweise zur Arbeit, bevor ein Klient aufgewacht ist. Während ich durch die perfekten Räume lief, nichts zu berühren versuchte und mir wünschte, mein Rucksack wäre nicht ganz so schmutzig, kamen sie aus dem Personalraum der Wohnung, als hätten sie dort in aller Ruhe gewartet. Gerber erzählte mir, dass die Mitarbeiter sich ganz so verhalten, wie ein Klient es möchte, sei es gesprächig oder unsichtbar. Auf jeden Fall sollten sie die ,,ruhigen, guten Geister des Hauses" sein, fast wie eine Familie, wenn auch keine Familie, die ich kenne. ,,Bei mir geht es vor allem darum, still im Hintergrund zu sein", bestätigt von Hohenzollern, es sei denn, der Kunde wünscht Gesellschaft. Trotz dieser Politik der Zurückhaltung konnte er seinen Enthusiasmus nicht immer zügeln. ,,Ein herzliches Willkommen von uns von der gastronomischen Seite", dröhnte er bei meiner Ankunft.

Anfangs kam ich ins Schleudern, weil ich das Vorhaben nicht ganz verstanden hatte. Ich dankte ständig allen, sodass es schon für Irritationen sorgte. Weil es mir peinlich war, versuchte ich Dinge selbst zu tun, etwa mir selbst Wasser zu holen – bis von Hohenzollern mich daran erinnerte, dass das sein Job sei. Am ersten Morgen fragte er mich, ob ich Pilze möge. Oh ja, log ich höflich. Später bereitete er Pilze zum Abendessen zu und ich aß sie alle auf. Am nächsten Tag, während einer Beispielsitzung mit einer Ernährungsberaterin, fragte sie mich, ob es etwas gebe, was ich nicht besonders gern esse. Ich sagte: Pilze. Noch bevor ich ins Apartment zurückkehrte, war die neue Information bereits im Team weitergegeben worden. Von Hohenzollern war geknickt. Warum hatte man ihm das nicht vorher gesagt? Wie konnte er seinen Job gut machen, wenn er mir nicht zu jederzeit das bot, was ich genau wollte?

Der typische Klient wäre einen solchen Service natürlich gewohnt. Wenn überhaupt, ist das Paracelsus-Apartment – mit seiner Küche und dem Esszimmer und einem großen privaten Bereich für die Klient:innen – wahrscheinlich beengt im Vergleich mit ihrem eigenen Zuhause. Die Klinik wolle eine sichere, Kokon-artige Umgebung schaffen, ideal für die Genesung, erklärte Gerber. Im Gegensatz dazu beherbergt die Kusnacht Practice, die eine zehnminütige Autofahrt entfernt liegt, ihre Kunden in großzügigen Villen. Als man mir eine zeigte, mit Marmorbädern auf allen drei Stockwerken, einem Außenpool und einer riesigen Dachterrasse, fiel mir das Porträt eines Mannes auf, der einen aus dem Rahmen heraus anstarrte. Mir wurde versichert, dass man es entfernen könne, falls der Kunde es als störend empfände, angeblickt zu werden, wenn auch nur von einem Gemälde.

Die letzte Komponente des Paracelsus-Apartments, die bei meinem Aufenthalt fehlte, war die Rundumbetreuung durch die Live-In-Therapeutin. Es sei ,,eine sehr enge Beziehung", sagte Danuta Siemek, die seit einem Jahr in dieser Funktion tätig ist. Sobald sie Patienten zugewiesen ist, begleitet sie sie für die gesamte Dauer eines Aufenthalts. Sie isst mit ihnen, spricht mit ihnen, wann immer ihnen danach ist, und kümmert sich um sie, wenn sie um 4 Uhr morgens eine Panikattacke haben. Es ist eine intensive und intime Arbeit, eine Dynamik, die andere Psychotherapeuten, mit denen ich sprach, überraschte, da sie an das konventionelle Format streng begrenzter, wöchentlicher 50-minütiger Sitzungen gewöhnt sind. Um Unklarheiten zu vermeiden: den Patient:innen werden in der Regel Therapeut:innen zugeteilt, die nicht in ihrem Alter sind und ein Geschlecht haben, das nicht mit ihren sexuellen Präferenzen übereinstimmt. ,,Das Leben, wie wir es kennen, hört auf", sagte Siemek über ihre Arbeit. Ich fragte mich laut, wie man da nicht verrückt wird. ,,Power Walking", antwortete sie.

Es hat einen bestimmten Effekt, das Zentrum der Aufmerksamkeit mehrerer professioneller Mitarbeiter zu sein. Ich erwähnte, dass ich Nüsse mag. Leicht gewürzte Nüsse wurden gebracht. Wenn ich ein Handtuch auch nur streifte, wurde es sofort neu gefaltet, um unberührt zu wirken. Während der Sitzung mit der Ernährungsberaterin begann ich mich zu fragen, ob meine Essgewohnheiten tatsächlich einzigartig faszinierend sind. Ein sanftes Abgleiten in den Narzissmus schien unausweichlich.

Aber genau dafür zahlt der Patient: die komplette Hingabe eines ganzen Teams. Zu Beginn des Aufenthalts hat die körperliche Stabilisierung Priorität. Das medizinische Personal führt Bluttests durch, überwacht den Blutdruck und die Herzfrequenz und erstellt anschließend einen Bericht, der alle Schwachpunkte aufzeigt. ,,Viele unserer Kunden sind sehr datenorientiert", sagt der medizinische Leiter Erat. Manchmal seien sie ein wenig besessen von den Berichten, die sie als Tabellenkalkulation wiedergeben, als ob ihre Probleme durch die Korrektur eines einzigen schlechten Werts gelöst werden könnten. Aber für ihre Genesung ,,ist es nur eine Methode von vielen", erklärte Erat.

Psychische Heilung ist harte Arbeit, ob man extrem reich ist oder nicht. Paracelsus' leitender Psychiater Thilo Beck ist einer der renommiertesten in Zürich. Der ruhige Mann mit dem rasierten Kopf, den riesigen weißen Turnschuhen und der kühlen, unerschütterlichen Ausstrahlung teilt seine Zeit zwischen Paracelsus und der Arud auf, einer der größten nichtkommerziellen ambulanten Suchtkliniken der Schweiz. In der Arud behandelt er Leute vom anderen Ende des sozioökonomischen Spektrums, Abhängige, die in Armut oder an der Grenze zur Obdachlosigkeit leben. Beide Gruppen sind laut Beck ,,in gewisser Weise stigmatisiert und marginalisiert. Sie werden nicht als ganz normal angesehen". Bei beiden trifft er häufig auf emotionale Vernachlässigung. Auf der einen Seite wurde ein Klient möglicherweise von einem Elternteil aufgezogen, das mehrere Jobs jonglieren musste, um über die Runden zu kommen. Auf der anderen Seite des Spektrums wurden die Klienten oft ,,von Kinderfrauen aufgezogen". Häufig war da das Gefühl – wie er es formulierte –, dass man niemandem richtig wichtig war.

... Die Klienten lassen sich grob in zwei Gruppen einteilen: diejenigen, die in den Wohlstand geboren sind und diejenigen, die ihn als Erwachsene erworben haben. Erstere fühlen sich oft richtungslos, erdrückt durch den Erfolg ihrer Eltern und beschämt über die Leichtigkeit ihres Lebens. ,,Die Selfmade-Männer sind komplett anders", erzählte Beck. ,,Nicht einfacher." Häufig hatten sie eine Arbeitsethik, die selbstzerstörerisch war und dazu führte, dass sie Familie, Freunde und ihre eigene Gesundheit vernachlässigten. Aber es gab auch Ähnlichkeiten zwischen den beiden Gruppen. Beide schienen zu spüren, dass etwas fehlt: ein tieferes ,,Werteproblem", wie Beck es formulierte, das sich letztlich mit der Frage zusammenfassen lässt: ,,Was soll ich auf dieser Welt tun?" Es fehlte an Sinn; etwas, das nicht da oder verloren gegangen war; eine klaffende Leere, die unter dem Geld lag.

An meinem zweiten Abend in Zürich erzählte mir Pawel Mowlik von dem Moment, an dem er die Leere spürte. Im Sommer 2014 wachte er in der Präsidentensuite in einem Hotel in Monaco auf, umgeben von den nackten Körpern von Leuten, die er nicht kannte. Da wurde ihm klar, dass seinem Leben der Sinn fehlte.

Wir saßen dabei in einem seiner Lieblingsrestaurants in Zürich, einem von Hunderten, die er im Laufe eines einzigen Jahres aufsucht und rund eine Million Euro für gehobenes Essen ausgibt. Mowlik ist in einer polnischen Kleinstadt geboren und hatte eine strenge Mutter und einen unglücklichen Vater. Nach der Scheidung seiner Eltern begann er, mit Amphetaminen zu experimentieren. Laut seiner Erinnerung lag er einmal drei Tage lang wach und redete mit jedem Nachbarn, der ihm zuhören wollte. Mit 15 verließ er die Schule und arbeitete als Page im Hotel Atlantic Kempinksi in Hamburg. Dort machte ihn sein Charme so bekannt, dass er in einem Lokalmagazin porträtiert wurde. (Ein Foto des Artikels hebt er auf seinem Handy auf). Während des Studiums an einer Hotel-Management-Schule in Zürich traf er einen Hedgefonds-Manager, der ihm einen Job im Bereich Investor Relations in der Schweizer Niederlassung des Fonds anbot. Mit 24 Jahren hatte er Millionen verdient, zog von New York nach London (,,meine Glanzzeit") und machte so viel Party, wie man von jemandem erwartet, der früher nichts hatte und mittlerweile alles erworben hat. Er trug Anzüge von Louis Vuitton und Hemden von Tom Ford und wurde, wie er es ausdrückte, ,,so ein James-Bond-Typ". Zu diesem Zeitpunkt betrachtete er Kokain nicht mehr als Droge, sondern als eine praktische Notwendigkeit, um weiterzumachen.

Als Mowlik merkte, dass er kurz davor war, sich selbst zu zerstören, begab er sich in eine Sucht-Reha-Klinik, zunächst in Florida, dann in mehrere andere, bis er bei Paracelsus landete. Nach seiner Genesung schloss er sich Gerber's Team an. Mowlik liebte es, sich mit den Kunden anzufreunden. Oft reiste er mit ihnen in die Provence, nach Monaco oder Mailand. Er erzählte seine Geschichte, und im Gegenzug erfuhr er ihre. ,,Manchmal ist es lustig, manchmal ist es traurig", sagte er, ,,denn ich habe viele traurige Dinge erlebt. Mehr als einmal nahm er eine Überdosis. Und er hatte das Gefühl, dass alle seine Freundschaften gekauft waren. ,,Mein ganzes Leben lang habe ich mich irgendwie einsam gefühlt, obwohl ich so viele Leute kenne", erklärte Mowlik. ,,Es gibt einen Unterschied zwischen Alleinsein und Einsamkeit. Ich habe mich einsam gefühlt, nicht allein. Und das tue ich immer noch. Er schien das gelassen zu sehen, als sei das einfach der Preis für ein Leben wie seines. ,,Ich bin nicht mehr traurig darüber, nicht wie in der Zeit, als ich Drogen und Alkohol brauchte, um es zu kompensieren. Ich akzeptiere es einfach."

Das Thema Einsamkeit taucht wiederholt auf. Gerber skizzierte das typische Profil eines Kindes von Milliardären, das von einem teuren Kindermädchen aufgezogen und auf ein Eliteinternat geschickt wird. Später wird erwartet, dass es in das Familienunternehmen eintritt oder sich zumindest einem bestimmten Lebensstil anpasst. Oft dürften solche Kinder auch nicht heiraten, wen sie wollen, weil ihre Eltern ,,dafür sorgen, dass du niemanden mit nach Hause bringst – aus Sicherheitsgründen".

Es fiel mir auf, dass die Bedingungen in der Klinik die Einsamkeit zu wiederholen schien, die das Leben vieler Klientinnen bestimmt: abgeschnitten von der Gemeinschaft, kostspielig isoliert und geplagt von einem Gefühl der ungerechtfertigten Besonderheit. Gerber betonte zwar oft, dass es für die Genesung der Klienten wichtig sei, in einer vertrauten Umgebung zu sein, die einem Standard entspricht, an den sie gewöhnt sind. Aber wie mir eine frühere Live-in-Therapeutin in einer der Schweizer Kliniken erzählte: ,,Es ist Segen und Fluch zugleich. Letztlich unterstützen wir die Dynamik, dass die Person die wichtigste im Raum ist."

Beunruhigende Anzeichen stellten sich ein. Am zweiten Tag in dem Apartment hatte ich fast völlig aufgehört, mich unermüdlich zu bedanken. Auch hatte ich mich so sehr daran gewöhnt, herumgeführt zu werden, dass ich mich, als ich ausnahmsweise meinen Weg allein finden musste, aussperrte. Ich musste eine Krankenschwester rufen, damit sie mich hereinließ, hilflos wie ein Kind.

Das Umfeld schien zu begünstigen, nicht selbst Verantwortung zu übernehmen. Oft seien die Leute, die zur Behandlung kommen, nicht daran gewöhnt, früh aufzustehen, erzählte mir Hammoud. ,,Manchmal darf man sie nicht wecken. Sie gucken dich dann von oben nach unten an und sagen: Wer bist du, dass du mich aufweckst?" Ein Patient griff alle verbal an, erinnerte sich von Hohenzollern. Einmal schleuderte der Mann seinen Teller voll Essen auf den Boden. ,,Wir gehen auf alle ihre Bedürfnisse und Wünsche ein", stellte die frühere Live-in-Therapeutin fest. ,,Sie machen nicht die Erfahrung, in der Realität anzukommen." Manche hätten nie in ihrem Leben ein Nein gehört, erzählte Gerber. Es seien dennoch Menschen mit sehr hohem Leidensdruck, betonte er, möglicherweise, weil er in meinem Gesichtsausdruck Wellen der Verurteilung bemerkt hatte.

Laut Live-In-Therapeutin Danuta Siemek ist das Prinzip ihrer heiklen Beziehung zu den Klienten, ihnen mit ,,bedingungslos positiver Wertschätzung" zu begegnen. Sie akzeptiert sie ohne Vorbehalt. Das bedeutet nicht, dass die Patienten nie herausgefordert werden, aber ,,wenn wir sie zu sehr fordern", erklärte Gerber, ,,könnten wir eine Situation schaffen, in der beide Seiten verlieren. Sie packen ihre Sachen und verschwinden." Es ist nicht ungewöhnlich, dass der Privatjet-Pilot eines Klienten in einem nahegelegenen Hotel in Zürich untergebracht ist, damit eine Abreise jederzeit möglich ist. Natürlich ist es besser für die Bilanz, wenn der Patient bleibt.

... Mehr als einmal hörte ich bei meiner Recherche in den Luxus-Kliniken in Zürich, dass der entscheidende Moment der Veränderung, das spirituelle Erwachen der Behandelten, der Besuch eines Lebensmittelgeschäfts war. In einer Version wurde ein Mitglied einer königlichen Familie aus dem Nahen Osten von ihren Kindern gefilmt, wie sie in der Schlange an der Kasse stand und sich freute, dass sie etwas in ihren Korb gelegt und dann bezahlt hatte. Sie hatte so etwas noch nie getan. Ein andermal wurde von einem jungen Patienten berichtet, der völlig überwältigt in einem Regal mit verschiedenen Joghurt-Sorten stand, weil er noch nie zuvor vor so einem Regal stehen und auswählen musste.

Ich fragte mich, ob ein Patient wirklich ein gesamtes Klinik-Team braucht, um einen Moment der Erleuchtung im Supermarkt zu erleben. Angesicht der Beobachtung, dass extremer Reichtum die Menschen in eine leidende Kombination aus sich selbst isolierenden Einzelgängern und verwöhnten Kindern zu verwandeln scheint, ist das aber vielleicht doch der Fall

Thilo Beck beschrieb die ,,kleinen Schritte", die er häufig mit Patient:innen geht, indem er sie ermutigt, ,,neue Freunde zu finden oder eine Gruppe von Freunden oder andere Hobbys". Es ist allerdings eine Menge Geld für den Rat, sich bei einem Akt-Zeichenkurs anzumelden. Die Klinikmitarbeiter, insbesondere diejenigen, die auch mit Menschen mit drastisch niedrigeren Einkommen arbeiten, sind sich der Ungleichheit in der Versorgung durchaus bewusst. ,,Ich wäre sehr gern in der Lage", meinte Beck, ,,das jedem anzubieten". (Wobei natürlich ein solcher Schritt, den Anspruch der Klinik auf Exklusivität deutlich dämpfen würde.)

,,Als ausgebildeter Ökonom weiß ich, dass das keine Option ist", erklärte denn auch Gerber, argumentierte aber, dass ihre Arbeit einen Trickle-Down-Effekt habe. Hilf dem Menschen an der Spitze eines riesigen Unternehmens oder dem Mittzwanziger mit nicht selbst verdienten Millionen auf der Bank und ihr verwandeltes Ich könnte sich entschließen, ihren Mitarbeitern zu helfen, ihrer Gesellschaft, der Welt. Wie bei einem Großteil der Trickle-Down-Rhetorik schien eher eine Hoffnung beschrieben zu werden als Realität. Ich konnte nicht umhin zu denken: Wenn Reichtum zum Teil die Krankheit ist, könnte auch radikale Besteuerung ein Mittel zur Heilung sein.

Für Mowlik, der Paracelsus kurz nach meinem Besuch verließ, liefen seine Erkenntnisse als Mitbetreiber einer Reha-Klinik auf einige einfache Wahrheiten hinaus. ,,Ich glaube ganz ehrlich, dass selbst der reichste Mensch der Welt letztlich eine Verbindung zu Menschen sucht", erklärte er. Der Behandlungserfolg hänge ausschließlich von der Entschlossenheit des Klienten selbst ab. ,,Man muss dazu bereit sein, sich zu ändern. Weder ein Bentley noch eine Villa werden den Ausschlag geben."

Er war zu der Überzeugung gelangt, dass der Überfluss an Luxus – ,,dieser ganze Schwachsinn, entschuldigen Sie mein Französisch" – nur eine Ablenkung war. Diese Kliniken seien Blasen, unhaltbar und zerbrechlich, ,,weshalb viele Patient:innen keine Antworten finden und wieder in ihrem alten toxischen Lebensstil landen". Als nächsten Schritt beschloss er, eine gemeinnützige Stiftung für psychische Gesundheit zu gründen. Rückblickend empfand Mowlik die Arbeit als Hotelpage in Hamburg als den authentischsten Abschnitt seines Lebens. Sinn, Dienstleistung, menschliche Verbundenheit: Alle Lektionen des Lebens waren dort zu finden.

Spät in der zweiten Nacht merkte ich, wie ich ziellos allein im Apartment herumwanderte. Nach zwei Tagen, in denen alle Bedürfnisse vorweggenommen und alle praktischen Dinge für mich erledigt worden waren, hatte ich keine Ahnung, was ich tun sollte. Ich wusste, dass es Luxus war, nicht kochen und putzen zu müssen oder die alltäglichen logistischen Aufgaben zu bewältigen, aber mich überkam auch ein deutliches Gefühl von Leere. Alles, woran ich denken musste, war ich selbst: ein schrecklicher Zustand.

Am nächsten Morgen verabschiedete ich mich von von Hohenzollern, der mir einige selbstgemachte Schokoladen für zu Hause mitgab. Er wollte mir noch zeigen, wo man etwas zum Lunch kaufen kann, wie ich zum Flughafen komme und den besten Ort zum Brotkaufen in Zürich empfehlen. Keine Sorge, antwortete ich, das finde ich schon heraus. Ich wollte es dringend selbst herausfinden. Ich schnappte meinen schäbigen Mantel und rannte aus dem Gebäude, als sei ich auf der Flucht vor einem Feuer.


Übersetzung: Carola Torti



Aus: "Aus dem Inneren einer Schweizer Luxus-Klinik: Wo sich Milliardäre therapieren lassen" Sophie Elmhirst (14.03.2023)
Quelle: https://www.freitag.de/autoren/the-guardian/aus-dem-inneren-der-paracelsus-klinik-wo-sich-milliardaere-therapieren-lassen


"The long read - 'One billionaire at a time': inside the Swiss clinics where the super-rich go for rehab" Sophie Elmhirst (Thu 23 Feb 2023 06.00 GMT)
https://www.theguardian.com/society/2023/feb/23/one-billionaire-at-a-time-swiss-clinics-super-rich-rehab-therapy-paracelsus-kusnacht


Sophie Elmhirst is a journalist. She writes regularly for the Guardian Long Read and the Economist's 1843 magazine, among others. In 2020, she won the British Press Award for Feature Writer of the Year, and a Foreign Press Award for Finance and Economics Story of the Year.
https://www.sophieelmhirst.com/

Textaris(txt*bot)

Quote[...] Die Bankenaktien schlugen einen Erholungskurs ein. Große Geldhäuser wie Goldman Sachs, Citigroup und Wells Fargo gewannen zwischen 2,1 und 5,9 Prozent und machten damit ihre Verluste vom Vortag größtenteils wett. Kleine regionale Banken wie First Republic und PacWest, die bis zu 85 Prozent verloren hatten, kletterten um bis zu 34 Prozent. Auch die Facebook-Mutter Meta stand im Rampenlicht. Eine neue Entlassungswelle trieb die Aktie um mehr als sieben Prozent in die Höhe. Das Unternehmen, zu dem auch der Messengerdienst WhatsApp und die Fotoplattform Instagram gehören, will weitere 10.000 Stellen streichen. Zudem sollten rund 5000 offene Stellen nicht besetzt werden. Erst vor vier Monaten hatte Meta bereits die Entlassung von 11.000 Mitarbeitern angekündigt. ... Gefragt waren auch die Papiere des Fahrdienstvermittlers Uber, die um knapp fünf Prozent zulegten. Ein kalifornisches Gericht hat eine Regelung wieder in Kraft gesetzt, die es App-basierten Fahrdienstleistern erlaubt, ihre Fahrer als unabhängige Unternehmer und nicht als Angestellte einzustufen. ...


Aus: "Zinshoffnungen beflügeln Wall Street" (14.03.2023)
Quelle: https://www.n-tv.de/wirtschaft/Zinshoffnungen-befluegeln-Wall-Street-article23984758.html


Textaris(txt*bot)

Quote[...] 50 Milliarden Franken stellte die Schweizerische Nationalbank (SNB) am vergangenen Donnerstag der angeschlagenen Schweizer Großbank Credit Suisse (CS) zur Verfügung. "Wir danken der SNB", ließ sich CS-CEO Ulrich Körner in einer Mitteilung zitieren.

... Auch am Sonntagabend im Medienzentrum blieb die Stimmung auf dem Podium kuschelig. Kein kritisches Wort fiel über das CS-Management, das die Bank überhaupt erst in diese Lage gebracht hatte – und in den vergangenen 20 Jahren trotzdem 42 Milliarden Franken an Boni kassiert hatte. Weder durch den sozialdemokratischen Bundespräsidenten, die freisinnige Finanzministerin, noch die Finma-Verwaltungsratspräsidentin Marlene Amstad. Diese verstieg sich sogar zur Behauptung, es seien Social-Media-Gerüchte gewesen, welche die CS ins Wanken gebracht hätten. Auf eine Nachfrage relativierte sie ihre Aussage immerhin. Und als der CS-Verwaltungsratspräsident Axel Lehmann darauf angesprochen wurde, wer an diesem Desaster eigentlich die Schuld trage, sagte er: "Schauen Sie, rückwärts zu schauen ist immer einfach und mit dem Finger auf jemanden zu zeigen."

... Für das globale Finanzsystem stellt sich an diesem Sonntagabend die Frage: Ist das Ganze wirklich nur eine Vertrauenskrise einer Schweizer Bank, die seit 15 Jahren mit Missmanagement und einem Skandal nach dem nächsten auffiel? ...


Aus: "Das Monster vom Paradeplatz" Aus einer Analyse von Matthias Daum, Zürich  (19. März 2023)
Quelle: https://www.zeit.de/wirtschaft/2023-03/credit-suisse-uebernahme-ubs-bankenkrise-stabilitaet-finanzmarkt-steuerzahler/komplettansicht

Quoteloge1881 #1.18

... die 42Mrd betreffen die gesamte Belegschaft über die letzten 20 Jahre ... macht dann bei ca. 20'000 Angestellten immer noch stolze 100'000 pro Nase und Jahr .... da der Schalterbeamte wohl eher Vierstellig abgespeist wurde, dürften für die Investment-Gambler halt bis zu Millionenbeträge drin gelegen haben.


QuoteJinx Powder #13

War wieder niemand Schuld.


Quotevetterling #17

Das Top Management von vielen Großunternehmen erinnert immer mehr an den unfähigen Adel...


QuoteIzel #22

Too big to fail and whatever it takes! Großbank müsste man sein...


QuoteThatsLife943 #26.1

"Schwierigkeiten" der CS aus den letzten knapp 4 Jahren: Millionenstrafen wegen Beihilfe zur Steuerhinterziehung und Geldwäsche für bulgarische Mafia, 600+ Mio Schadensersatzzahlung weil ein Mitarbeiter Kundengelder unterschlagen hat, Strafe von 475 Mio USD wegen Bestechungsaffäre, 5 Mrd Verlust wegen der Pleiten von Greensill Capital und Archegos Capital. Ein CEO tritt zurück, weil man einen ehemaligen Mitarbeiter hat beschatten lassen, der nächste CEO wegen 3 Verlustquartalen in Folge. Der Verwaltungsratspräsident muss gehen, weil er sich nach einer Auslandsreise nicht an die Corona-Quarantänebedingungen gehalten und dazu gelogen hatte.

Das hat das Vertrauen der Kunden untergraben, die daraufhin ihre Guthaben abgezogen haben.


QuoteJan der Freie Denker #20

Der Finanzplatz Schweiz lebt zum Teil immer noch von den Vermögen von Kriminellen und Korrupten aus der ganzen Welt.
Da möchte man natürlich auch die Pleite einer involvierten Grossbank möglichst diskret abwickeln. Und es ist ausreichend belegt, dass auch die UBS tief in diesem Sumpf steckt. Die Übernahme der CS durch die UBS passt also.


QuoteThatsLife943 #28

"... noch die Finma-Verwaltungsratspräsidentin Marlene Amstad. Diese verstieg sich sogar zur Behauptung, es seien Social-Media-Gerüchte gewesen, welche die CS ins Wanken gebracht hätten"

Andere Länder haben also auch Probleme mit der Qualität vom Behördenpersonal.


QuoteDirekte Demokratie 1 #30

Wenn wir eines aus den letzten Finanzkrisen gelernt haben, dann, was jetzt kommt: ,,Gewinne privatisieren, Verluste, sozialisiert!" Solange die Bank gewinnt macht, dürfen sich alle Manager fette Boni geben. Wenn die Bank dann fast pleite geht, dürfen Sie diese Boni natürlich behalten, obwohl diese ja wegen Missmanagement gezahlt wurden. Die Verluste muss dann der Steuerzahler zahlen! Ich bin sehr gespannt, wie lang sich die Bevölkerung das noch bieten lässt, dass der Steuerzahler für alle Verfehlungen der Bankmanager dieser Welt verantwortlich gemacht wird!


QuoteMirgas #30.1

Ich fürchte das lassen wir uns noch ewig so bieten. Selbst die Boni werden ja immer in Schutz genommen. Die Bonzenindustrie hat Narrenfreiheit. Aber wehe ein Bauarbeiter mahnt an dass er nicht bis 65 arbeiten will. ...


Quoteunendliche weiten #41

Wenn man sich die Geschichte der Großbanken anschaut, war das sicher ein großer Fehler. UBS musste vor 15 Jahren noch selber gerettet werden. Zerschlagung und Verstaatlichung der Großbanken ist die einzig richtige Antwort auf die maßlose Gier. Die Schweiz hätte die Chance gehabt, das Ende des Großbanken-Kapitalismus einzuleiten. Dass sie es nicht getan hat, war ein Riesenfehler.


QuoteAlles-nur-eine-Phase #44

Nach der letzten Bankenkrise war das große Ziel, künftig "to big to fail" tunlichst zu vermeiden.
Das hat ja schon einmal hervorragend geklappt.


QuoteKlaus Go #52

Da legt man jetzt 2 Banken zusammen, die allein schon "too big to fail" waren. Kannste Dir nicht ausdenken.


QuoteRun4fun #48

Hier findet sich erwartungsgemäß das übliche Böse-Banker-BS-Bingo
- Alle kassieren Boni
- Alle Banker reich und alle Banker gierig
- und überhaupt sollen doch alle pleite gehen.
Sachlich fundierte Argumentation sieht anders aus.

Dass die letzten Schieflagen dadurch ausgelöst wurden, dass Spekulationen die Runde machten und ein gewisser saudischer Aufsichtsratchef eine folgenschwere Äußerung in den Raum geworfen hat, interessiert nicht.
Insgeamt gesehen hatte die CS in den letzten Jahren durchaus schwere Fehler gemacht. Zu nennen wären da bspw. das Spygate von 2019/20, der Zusammenbruch von Greensill, die geplatzte Kredite an Bill Hwang.

Die Finanzwelt ist nun mal nicht so einfach schwarz weiß wie sich manche das vorstellen.


QuoteJupp_Zupp #48.1

,,Die Finanzwelt ist nun mal nicht so einfach schwarz weiß wie sich manche das vorstellen."
Natürlich nicht. Aber hatte man nicht vor einiger Zeit behauptet, für immer und ewig gelernt und gesichert zu haben? Und?

Interessant zu erfahren: eine Ewigkeit hält fünfzehn Jahre.


QuoteSo gut wie Neu #55

Ich bin immer fasziniert davon wie schnell Geld vorhanden ist um z.B. Banken zu retten. ...


Quoteechoderzeit #63

Wenn's um die Kohle geht, hört die Neutralität bei den Schweizern auf. Ja, dann herrscht Notrecht!


...

Textaris(txt*bot)

#1414
Quote[...] Gosford Park ist ein Spielfilm des US-amerikanischen Regisseurs Robert Altman aus dem Jahr 2001.  ... Robert Altmans Sittengemälde der englischen Klassengesellschaft, verkleidet in einem Whodunit, feierte seine Premiere am 7. November 2001 beim London Film Festival.

...


Quelle: https://de.wikipedia.org/wiki/Gosford_Park (8. Februar 2023)

-

Quote[...] Altmeister Robert Altman ("M*A*S*H*", "Short Cuts") feierte mit dem sarkastischen Kriminalfilm "Gosford Park" einen seiner größten Triumphe. Mit scharfem Humor und genauer Beobachtungsgabe fertigt der Regisseur ein pointiertes Sittengemälde der britischen Klassengesellschaft an, wobei er auch die Diener und Zofen nicht verschont, die untereinander ähnliche Hierarchien wie ihre aristokratischen Arbeitgeber führen und eine Klassengesellschaft innerhalb der Klassengesellschaft bilden.

...


Aus: "Gosford Park" (2023)
Quelle: https://www.br.de/br-fernsehen/programmkalender/sendung-3632012.html

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Quote[...] König Charles III. sucht einen neuen Sous Chef für den Buckingham Palast. Der neue Stellvertreter des Küchenchefs soll nicht nur für den Monarchen kochen, sondern auch für Mitarbeiter des Palastes und die Gäste bei großen Staatsbanketten, wie es in der Stellenausschreibung heißt. "Dieser Job ist wirklich einzigartig", ist dort zu lesen. Der "Premier Sous Chef" wird dabei helfen, "ein Team talentierter Profis in den königlichen Küchen" zu leiten.

Zu den zukünftigen Aufgaben erklärt das Königshaus weiter: "Als Unterstützung des Küchenchefs beaufsichtigen Sie den täglichen Betrieb und stellen sicher, dass jede Mahlzeit den höchsten Standards entspricht, egal ob es sich um Mitarbeiteressen oder ein großes Staatsbankett handelt." Der neue Sous Chef wird zu einem 30-köpfigen Team stoßen, das von sechs verschiedenen Residenzen aus operiert, dadurch seien "die Möglichkeiten und die Vielfalt, die diese Rolle bietet, unübertroffen".

Die Stellenanzeige besagt weiter: "Sie werden verschiedene Menüs entwickeln und zubereiten und die allerbesten saisonalen Zutaten beschaffen sowie dabei helfen, die Lagerbestände zu verwalten und die Dienstpläne der Mitarbeiter zu koordinieren."

Bewerben können sich Köche, die "hochqualifiziert und erfahren" sind, schon auf Führungsebene gearbeitet haben und aus einem gehobenen Restaurant- oder Fünf-Sterne-Catering-Betrieb kommen. Nützlich wäre es für den neuen Palastmitarbeiter wohl auch, Erfahrung in der veganen Küche zu haben. König Charles ernährt sich einen Tag in der Woche vegan und zwei Tage die Woche vegetarisch, wie er einmal in einem BBC-Interview verriet.

Wer nicht kochen, aber mit Geld umgehen kann, kann über die Sommermonate ebenfalls eine Stelle im Buckingham Palast finden. Dort wird gerade auch ein Kassierer gesucht. "Sie unterstützen das Finanzteam während der geschäftigen Sommermonate, wenn der Buckingham Palast seine Türen und Geschäfte für Tausende von Besuchern öffnet", lautet die Anzeige für diesen Job.

Im Büro des königlichen Privatsekretärs werden ebenfalls neue Mitarbeiter gesucht, unter anderem für die Öffentlichkeitsarbeit. Briefe, die das Königshaus "zu sozialen, kommunalen und nationalen Angelegenheiten" erhält, sollen hier beantwortet werden. Auch die Stelle eines Programmkoordinators für die Planung der offiziellen Termine und Reisen von König Charles ist ausgeschrieben. Zudem ist im Buckingham Palast eine Stelle im Digital-Team frei, um Innovationen auf diesem Feld für die Royals voranzutreiben.

Quelle: ntv.de, nan/spot


Aus: "Stellen im Palast zu vergeben Neuer Koch für König Charles III. gesucht" (22.03.2023)
Quelle: https://www.n-tv.de/leute/Neuer-Koch-fuer-Koenig-Charles-III-gesucht-article24005069.html

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Quote[...] Nach dem Staatsbesuch noch eine Runde Klavierspielen mit Blick auf das Brandenburger Tor oder mitten in der Nacht dem Butler Sonderwünsche auftragen. Wenn König Charles und Königin Camilla in dieser Woche in der Hauptstadt zu Gast sind, dürften sie Insidern zufolge im Hotel Adlon nächtigen. Das Luxushotel bestätigt das zwar offiziell ,,aus Diskretionsgründen" nicht – gewährte aber Einblicke, wie es sich auf einen Staatsbesuch vorbereitet.

Königin Elizabeth II. hat hier residiert bei ihren Besuchen 2004 und 2015. Eine der drei Präsidenten-Suiten wurde deshalb zur Royal Suite ernannt, wie eine Hotel-Sprecherin berichtet. Seit den Besuchen der Monarchin kennt das Personal die Vorlieben des britischen Königshauses. ,,Die Engländer leben diese britische Höflichkeit", sagt Concierge Ole Petersen und schwärmt vom ,,schönsten Staatsbesuch".

Bei dem muss alles auf die Minute sitzen: roten Teppich vom Wagen hieven; ausrollen unter den neugierigen Augen von Berlin-Besuchern bis zur Straße, wo die Limousine halten wird; mit dem Besen letzte Krümel wegfegen. Ist der Staatsgast vorgefahren, geht es über den roten Teppich in die Lobby, vorbei an den Gästen in den Fahrstuhl – und ohne Zwischenstopp zur Royal Suite.

Nach dem Fall der Mauer 1989 und Deutschlands Wiedervereinigung ist das berühmte Adlon wieder aufgebaut worden. Es war 1997 das erste neue Gebäude am Pariser Platz, wo der Zweite Weltkrieg und die DDR alle alten Prachtbauten zerstört hatten. Im Sommer 2000 eröffnete Queen Elisabeth in unmittelbarer Nachbarschaft die Britische Botschaft als erste Vertretung an dem historischen Ort. Im Vergleich zu neuen Luxushotels mit modernem Einrichtungsstil punktet das Adlon mit einer mehr als 100-jährigen Geschichte und Tradition, wie etwa der Tea-Time im Foyer mit Elefantenbrunnen.

,,Wir haben eine sehr große Nähe zum britischen Königshaus", sagt Butler Ricardo Dürner – ebenfalls Fan von Queen Elisabeth. ,,Ich habe sie als sehr freundliche, nette Person kennengelernt." Seine Dienste rund um die Uhr gehören zum Service, wenn man für mindestens 20.000 Euro die 185 Quadratmeter große Suite mietet.

Im Wohnzimmer mit Kamin und schwarzem Flügel hängt ein signiertes Foto von der Queen und Ehemann Prinz Philip. Gegenüber dem Esszimmer gibt es eine Mini-Küche, in der Dürner auch mitten in der Nacht einen Tee zubereiten könnte. Im Badezimmer hätten Charles III. und Ehefrau Queen Camilla ihre ganz persönliche Sauna. Das Bett im benachbarten Schlafzimmer hat Übergröße – King Size eben.

Florist Mario Weidner plant in der Regel eine Woche vor königlichem Besuch den Blumenschmuck. Den bevorzugte die Queen ,,sehr dezent", verrät er. Nun plant Weidner vor allem in Weiß. Die Ausstattung erfolgt in enger Abstimmung mit Ricardo Dürner. Vorlieben bei Süßigkeiten oder Obst, Unverträglichkeiten oder Extra-Wünsche wie Fitnessgeräte in der Suite – der 54-Jährige sollte sie kennen.

Seit 1999 bietet das Nobelhotel einen Butler-Service an – seitdem ist Dürner da. Er hat den Dalai Lama erlebt. Hat mit dem früheren russischen Präsidenten Michail Gorbatschow gemeinsam auf das Brandenburger Tor geschaut. Und er war im November 2002 zugegen, als Michael Jackson seinen kleinen Sohn aus dem geöffneten Hotelfenster hielt, um ihn den Fans zu zeigen.

Besonders beeindruckt haben ihn aber die Besuche des britischen Königshauses: ,,Da wird nichts dem Zufall überlassen. Jeder weiß, was er wann zu tun hat. Das ist einfach nur perfekt." (dpa)


Aus: "20.000 Euro pro Nacht: So luxuriös kommt König Charles im Berliner Hotel Adlon unter" (29.03.2023)
Quelle: https://www.tagesspiegel.de/gesellschaft/20000-euro-pro-nacht-so-luxurios-kommt-konig-charles-im-berliner-hotel-adlon-unter-9568727.html

Textaris(txt*bot)

Quote[...] Es ist Sonntagabend, die Sonne steht tief über der 60.000-Quadratmeter-Halle im Gewerbegebiet von Winsen an der Luhe, die das größte Logistikzentrum Amazons im Norden der Republik beherbergt. Rund 2.000 Menschen arbeiten hier im Süden Hamburgs in drei Schichten. Etwa 400 Beschäftigte sind es pro Schicht, die Spätschicht beginnt um 19.30 Uhr. Doch an diesem Abend werden nur wenige Menschen an den Streikposten vorbei zum Eingangstor laufen, um den Dienst anzutreten. Die anderen scharen sich um die Zelte der Gewerkschaft ver.di und tragen ihre Namen in die Listen ein, damit sie ihr Streikgeld bekommen. "Du bekommst dein Geld, auch wenn du nicht arbeitest", erklärt Hedi Tounsi einer Frau, die noch unsicher ist.

Tounsi, 32 Jahre alt, 1,90 groß, mit Sonnenbrille und Dauerlächeln im Gesicht, ist Betriebsrat bei Amazon Winsen. Mit einer kleinen Gruppe von ver.di-Mitarbeitern hat er diesen Streik organisiert, 28 Stunden lang dauert er, von Sonntagabend bis Montagnacht. Es ist sofort zu spüren: Tounsi ist der Motor dieses Arbeitskampfes. Er kennt hier alle, spricht Leute auf Arabisch an, auf Englisch, Französisch und Deutsch, macht Späße, ruft Slogans. Und er nimmt seinen Kolleginnen und Kollegen die Angst. Dieser Streik in Winsen ist außergewöhnlich, er ist auch eine Geschichte der Selbstermächtigung. Ein Arbeitskampf der Menschen, die neu in Deutschland sind und meist noch gar nicht wissen, welche Rechte sie als Arbeitnehmende hier haben. Sie müssen besonders viel Mut aufbringen, um sich zu organisieren und gegen ihren Arbeitgeber aufzubegehren. Doch das tun sie eindrucksvoll.

"Wir haben Leute aus 93 Nationen hier", erklärte Tounsi, und in der Tat: Gut 90 Prozent der Menschen, die aus den Bussen steigen, sind schwarz. Viele sprechen wenig Deutsch, sie kommen aus Eritrea, Somalia, Marokko, Ghana oder Afghanistan. Hedi Tounsi ist einer von ihnen. Er ist 2016 aus Tunesien nach Deutschland gekommen. "Ich bin der Liebe gefolgt", sagt er. In Tunesien war er bei der Polizei, Hundetrainer. Aber die Aufnahmeprozedur bei der deutschen Polizei war zu schwierig für ihn, der kaum Deutsch sprach. Ein Job im Amazon-Lager hingegen, der war erreichbar für Tounsi. Und so geht es vielen Menschen, die erst vor Kurzem zugewandert sind. Amazon bietet ihnen eine Chance, schnell in das Arbeitsleben einzusteigen. Später merkten viele, sagt Tounsi, dass die Bezahlung doch recht knapp bemessen sei.

"Kurdistan" steht auf dem Halstattoo des bärtigen Mannes, mit dem Tounsi jetzt ein Transparent am Zaun zum Parkplatz anbringt. "Make Amazon Pay" steht darauf, der Slogan einer internationalen Bewegung, die für faire Löhne bei dem Onlinelonzern kämpft. Aus Sicht des Konzerns selbst sind die Löhne längst fair. "Als Arbeitgeber bietet Amazon gute Bezahlung, Zusatzleistungen und Entwicklungsmöglichkeiten – und das alles in einem attraktiven und sicheren Arbeitsumfeld", heißt es auf Anfrage von ZEIT ONLINE. Nach zwei Jahren Betriebszugehörigkeit liege die Bezahlung in der Lagerlogistik "im Durchschnitt bei rund 35.000 Euro brutto pro Jahr". Das sind knapp 3.000 Euro monatlich, hinzu kämen Extras wie Mitarbeiteraktien, Familienboni und Ausbildungszuschüsse.

Ob das stimmt und aus welchen Löhnen sich der Durchschnitt zusammensetzt, lässt sich schwer überprüfen, denn Amazon schließt für seine Logistikzentren keine Tarifverträge ab und verhandelt nicht mit Gewerkschaften. Hedi Tounsi arbeitet zum Level-One-Tarif, der niedrigsten Lohngruppe in der Lagerlogistik. Er verdiene 2.600 Euro brutto, sagte er, das seien netto maximal 1.800 Euro im Monat. Eine 43-Stunden-Woche habe er und nur zwei freie Samstage im Monat. Zu wenig, findet Tounsi, angesichts einer Inflationsrate zwischen sieben und zehn Prozent. "Die letzte Lohnerhöhung waren gerade mal drei Prozent. Das nervt mich, das kann ich nicht akzeptieren. Eine Flasche Olivenöl kostet fünf Euro und wir bekommen 44 Euro brutto mehr?"

Von seinem Lohn gehen rund 400 Euro für den Kleinwagen ab, den er sich anschaffen musste, um nicht noch zwei Stunden täglich für den Arbeitsweg zu vergeuden. Er wohnt in Neugraben, ein südlicher Vorort von Hamburg, mit Frau und drei Kindern. Die Anfahrt mit Bahn und Bus ist mühselig. "Der Metronom ist immer zu spät", sagt er. "Und wir Mitarbeiter müssen es ausbaden. Wir versuchen mit Amazon darüber zu reden, aber sie sagen: Ist nicht mein Problem, das müsst ihr regeln." Amazon sponsert allerdings ein Monatsticket für den Nahverkehr. Bis vor zwei Jahren habe das Logistikunternehmen einen Mitarbeiterbus unterhalten, sagt Tounsi, um die Leute aus dem Süden Hamburgs in die Halle nach Winsen zu bringen. Jetzt fährt nur noch der normale Linienbus.

An der Haltestelle zu diesem Bus sprachen ihn Leute von ver.di zum ersten Mal an, vor fünf Jahren sei das gewesen. Weil es den Gewerkschaftsflyer auch in arabischer Übersetzung gab, verstand Tounsi, worum es geht. Er habe selbst in Tunesien eine Gewerkschaft mitgegründet: In den Jahren 2010 und 2011, als eine Protestwelle die korrupte tunesische Regierung stürzte, habe er mitgeholfen bei der Gründung einer Polizeigewerkschaft. "Ich bin Mitgliedsnummer 100. Wir haben den ersten Polizei-Betriebsrat in der arabischen Welt gegründet", sagt Tounsi. "Ich habe mich sofort bei ver.di gemeldet und mich zum Betriebsrat aufstellen lassen." Die Hälfte seiner Arbeitszeit ist er nun freigestellt, um Betriebsratsarbeit zu machen. In der restlichen Zeit arbeitet Tounsi im Techniksupport.

Wenn ein Problem auftaucht mit den Fließbändern oder den Transportrobotern, die die bestellten Produkte herumfahren: Tounsi läuft hin und versucht, es zu klären. In der Belegschaft ist er bekannt wie ein bunter Hund. "Hedi ist total wichtig für uns, der kennt hier alle", sagt Havva Öztürk, ver.di-Gewerkschaftssekretärin, während sie am Streikposten-Zelt beim Ausfüllen neuer Mitgliedsanträge hilft. Es war nur eine Handvoll Leute, mit denen Tounsi 2018 die erste ver.di-Gruppe gründete. Inzwischen sind nach Angaben der Gewerkschaft mehr als 400 Beschäftigte am Standort organisiert – und beim heutigen Streiktag werden es noch rund zwei Dutzend mehr.

Für ver.di ist dieser Arbeitskampf der Winsener Beschäftigten, von denen viele als Geflüchtete nach Deutschland kamen, ein Erfolg. Seit Jahren versucht die Gewerkschaft in den 20 Logistikzentren Fuß zu fassen, kann aber nur mäßige Erfolge vorweisen. Viele Streiks liefen bislang ins Leere, weil nicht genügend Beschäftigte mitmachten. Das Ziel, Amazon in den Tarif für den Einzelhandel zu zwingen, wurde bisher nicht erreicht. Ausgerechnet in Winsen aber ist nun mit dieser besonderen Belegschaft neue Dynamik in die Bewegung gekommen.

Aus den Lautsprechern plärren Mottosongs zum Streik: von Bob Marley Get Up Stand Up oder I Want It All von Queen.  Aber die Musik ist kaum zu hören. Alle reden und rufen durcheinander, machen Selfies in kämpferischen Posen. Nein, ein deutscher Routinestreik ist das hier nicht. Die Streikenden in ihren gelben Warnwesten stehen im Halbkreis um Hedi Tounsi herum und skandieren: "Make Amazon pay! Make Amazon pay!" "Jetzt in verschiedenen Sprachen", ruft Tounsi. "Eritrea! Wer macht es? Du? Komm her!" Sprechchöre auf Tigrinya, Somali, Arabisch und Kurdisch folgen. "Der Streik läuft perfekt", sagt Tounsi, "gut 80 Prozent der Nachtschicht machen mit, obwohl die Manager hier auch aufgetaucht sind und die Leute beobachten." 

Die Manager, auch Teamleiter genannt, sind ein Riesenthema hier. Aus Sicht der Streikenden sind sie für die überzogene Mitarbeiterüberwachung zuständig. Ein Mann zeigt ver.di-Sekretärin Öztürk die Abmahnungen, die er bekommen hat, weil er angeblich mit seinem Smartphone gedaddelt habe. "Das hören wir in letzter Zeit häufig. Leute werden abgemahnt, weil sie kurz auf ihr Handy schauen", sagt Öztürk. "Amazon nutzt die Abmahnungen dann, um Leuten zu kündigen."

Auch Hedi Tounsi berichtet von einem Klima der Angst bei Amazon Winsen. Teamleiter verfolgten die Leute bis auf die Toilette, um zu beobachten, ob sie dort heimlich Pause machten. Amazon äußert sich zu diesen Vorfällen gegenüber ZEIT ONLINE nicht, verweist aber darauf, dass Mobiltelefone nur in Pausen und bei Notfällen benutzt werden dürften und die Angestellten "jederzeit die Toilette aufsuchen" dürften. Im Februar entschied das Verwaltungsgericht Hannover, dass das Amazon-System zur permanenten Mitarbeiterüberwachung für die Steuerung der logistischen Abläufe notwendig und daher rechtens sei. Die Datenschutzbeauftragte des Landes Niedersachsen hat dagegen geklagt, dass der Konzern in seinem Logistikzentrum durchgehend Daten seiner Mitarbeitenden erhebt.

Für Hedi Tounsi endete die Datenüberwachung im vergangenen November mit einem Minus auf seinem Gehaltszettel, angeblich, weil er in der falschen Schicht da war. Tounsi wird wütend, wenn er darüber spricht. "Ich habe 250 Euro weniger bekommen, obwohl ich als Betriebsrat wählen darf, zu welcher Schicht ich komme", sagt er. "Die lassen mich meine Arbeit als Betriebsrat nicht machen. Ich bekomme Stress, weil ich meinen Kollegen helfen will. Sie wollen, dass ich aufhöre zu kämpfen." Aber es müsse jetzt Schluss sein mit diesem "amerikanischen Scheißsystem", sagt Tounsi. Amazon solle akzeptieren, dass "wir in Deutschland sind".

Tarifverträge, Streikrecht, legale Gewerkschaften, Kündigungsschutz. Hedi Tounsi ist ein großer Deutschlandfan, wenn es um das Arbeitsrecht geht. Seine Mission: den Kolleginnen und Kollegen klarzumachen, dass sie keine Angst zu haben brauchen, wenn sie für ihre Rechte eintreten. "Wir wissen doch, was in anderen Ländern passiert, wenn es keine Gewerkschaft gibt", sagt er. "Kameras überall, keine Rechte, sechs Tage arbeiten in der Woche, und wenn du krank wirst, ist es scheißegal. Ich höre das doch, von meinen Schwestern in Tunesien. Ich will nicht, dass das hier passiert in Deutschland."

Die Hauptforderung des Streiks ist auch in Winsen, dass Amazon endlich einen Tarifvertrag mit der Gewerkschaft verhandeln soll. Dagegen heißt es aus der Amazon-Pressestelle: Die Gewerkschaft spreche nur für eine Minderheit, und dass man mit den Betriebsräten direkt über neue Bonuszahlungen verhandeln wolle. "Wir finden das nicht okay", sagt ver.di-Sekretärin Öztürk dazu. "In Deutschland verhandeln Gewerkschaften über Gehälter, nicht Betriebsräte, weil das sehr willkürlich ist." Kann so ein Streik so viel Druck aufbauen, um Amazon zum Einlenken zu zwingen? Der Arbeitskampf betreffe nur eines von 20 Logistikzentren in Deutschland, heißt es vom Konzern, direkte Auswirkungen auf die Kundschaft sieht das Unternehmen nicht. Es lohne sich zu streiken, meint hingegen ver.di-Frau Öztürk. Es sei das dritte Mal, dass bei Amazon in Winsen gestreikt werde, und jedes Mal habe es danach mehr Geld gegeben. Zumindest habe das Unternehmen danach die Löhne angepasst.

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Aus: "Streik bei Amazon: Mach mit, Bruder!" Aus einer Reportage von Christoph Twickel, Winsen-Luhe (4. April 2023)
Quelle: https://www.zeit.de/gesellschaft/2023-04/amazon-warnstreik-logistikzentrum-winsen-luhe-arbeitsbedingungen/komplettansicht

QuoteGutentag

Wenn Amazon seine Verteilzentren auf Roboter umgestellt haben, werden die Leute andere Probleme haben.....


Quoteacross the rhine

Ich drücke Euch die Daumen! Es wird Zeit, dass immer mehr Leute kapieren (gerade in den unteren Lohngruppen), dass es sich lohnt, sich zu organisieren.
Die hohen Tariflöhne der Metaller kommen auch nicht von alleine, ... und getade im Dienstleistungssektor ists schwer die Arbeitsplätze ins Billiglohnland zu verlegen.


QuoteChocoholic

2600€ Brutto für eine ungelernte Kraft mit geringen Deutschkenntnissen - wo liegt das Problem? Tut mir leid, aber hier fehlt mir wirklich das Verständnis, dass man dagegen streiken muss. Über Amazon bin ich verwundert, dass keine Werksbusse eingesetzt werden.


Quote
Der VfL ist wieder da

Toller Artikel. Viel Erfolg den Streikenden. Glück auf!


Quotefh
fiete-hansen

Mit dem Bau von Amazon ist in Winsen der Wohnungsmarkt zusammen gebrochen.


Quotetrespanes

Wer hätte gedacht dass es keinen Arbeitskampf mehr gibt. Man sieht wo er heute stattfindet und wen es betrifft. Irgendwie spiegelt sich dieser Typ Arbeiter und dieser Spirit heute so gar nicht mehr in der SPD wieder. Zumindest nicht in der Partei Prominenz, die man als normalsterblicher so kennt. Aber es gibt sie.


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Textaris(txt*bot)

Quote[...] Nach Einschätzung der Wirtschaftsweisen Veronika Grimm passen die Pläne von Bundesfinanzminister Christian Lindner (FDP) zur Entlastung der Steuerzahler nicht in die Zeit. "Eine Reform, bei der nominal die Besserverdienenden mehr gewinnen, kommt einfach zum falschen Zeitpunkt", sagte Grimm der Rheinischen Post.

Prinzipiell sei es zwar richtig, die sogenannte kalte Progression auszugleichen und die Mitte der Gesellschaft angesichts der hohen Inflation zu entlasten. "Andererseits brauchen wir zurzeit eine Entlastung vorwiegend der unteren und mittleren Einkommen, die die Härten durch die Preissteigerungen nicht allein tragen können", sagte das Mitglied des Sachverständigenrats zur Begutachtung der gesamtwirtschaftlichen Entwicklung.

Man müsse versuchen, zielgerichtet untere und mittlere Einkommensgruppen zu entlasten, bis in die Mitte der Gesellschaft, sagte die Ökonomin. "Entlastungen mit der Gießkanne, wie etwa beim Tankrabatt oder einer Mehrwertsteuersenkung, sind nicht angezeigt."

Lindner will nach eigenen Angaben 48 Millionen Bürgerinnen und Bürger bei der Steuer entlasten. Die Verringerung der Steuerlast soll im kommenden Jahr demnach insgesamt gut zehn Milliarden Euro betragen. Neben einer Anpassung des Einkommensteuertarifs sollen zudem das Kindergeld und der Kinderfreibetrag erhöht werden. Lindners Pläne sind in der Bundesregierung umstritten. Auch Sozialverbände und andere Ökonomen äußerten Kritik.

Im heute journal des ZDF verteidigte Lindner erneut seine Pläne. "Das ist sozial ausgewogen", sagte er. "Die starken Schultern werden weiter auch eine große Last tragen. Aber sie werden eben nicht stärker belastet. Und vor allen Dingen sorgen wir dafür, dass nicht Menschen, die in Wahrheit keine breiten Schultern haben, durch die Inflation plötzlich mehr Steuern zahlen." Es sei eine "reine Inflationsanpassung".

Der Chef des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW), Marcel Fratzscher, bezeichnete die Pläne in der ARD als "sehr unausgewogen". "70 Prozent davon kommen den 30 Prozent mit den höchsten Einkommen zugute", sagte er in den ARD-tagesthemen. "Menschen mit geringen Einkommen, die keine oder wenig Einkommensteuer zahlen, bekommen praktisch gar nichts davon." Diese Menschen seien von der Inflation aber besonders betroffen.

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Aus: "Wirtschaftsweise nennt Christian Lindners Steuerpläne nicht zeitgemäß" (11. August 2022)
Quelle: https://www.zeit.de/politik/2022-08/chstistian-lindner-steuer-entlastungen-wirtschaftsweise-veronika-grimm

QuoteEinfacher Bürger

Das alte FDP-Spiel

Die mit den kleinen Brotkrumen ausspielen gegen die mit den etwas größeren Brotkrumen.
Das lenkt wunderbar davon ab, das Augenmerk auf die zu richten, die die richtig fetten Brocken wegschnappen.
Geringverdiener, mittlere Einkommens-Verdiener, Besserverdiener, sorry, aber sie alle haben gemeinsam, dass sie den finanziellen Bodensatz darstellen. Die einen mit Hartz IV, die anderen mit 70.000 Euro im Jahr. Oder von mir aus auch 100.000 Euro im Jahr. Klar macht das für die Einzelnen einen gigantischen Unterschied, aber im großen Bild nicht.

Die Leute hetzt man gegeneinander auf. Die einen bekommen zum Leben zu wenig, die anderen werden tatsächlich ungerecht hoch besteuert, während...

...die, bei denen die WIRKLICHE Kohle landet, sich in die Steueroasen vertschüssen - wenn sie uns nicht gerade mal wieder um Rettung ihrer Konzerne anbetteln, die ihnen jahrzehntelang Milliarden in die Taschen (eher Schrankkoffer) gespült haben, aber wehe, es droht mal ein Verlust. Dann wird sofort nach UNSEREN Steuergeldern gerufen, nein, geschrien.

Man könnte den finanzschwachen helfen, UND die höheren Einkommen entlasten, gleichzeitig. Wenn wir uns das Geld dafür dort holen würden, wo es wirklich landet.

Aber, dieses Thema meidet ein Lindner wie die Pest. Wir ahnen, warum.


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Quote[...] Vom millionenschweren Medienmanager über Immobilieninvestoren, Vermögensverwalter, Risikokapitalgeber bis hin zum ,,Jägermeister"-Aufsichtsratschef – sie alle eint eine beeindruckende, wenn auch nicht unbedingt uneigennützige Spendenbereitschaft. Ihre Präferenz lässt keine Zweifel, von welcher Regierungskonstellation sie sich erwarten, dass sie ihren Geschäften nicht unangenehm in die Quere kommt: Stand Donnerstag liegt die FDP da mit mehr als 1,9 Millionen Euro vor den Grünen mit knapp 1,8 Millionen Euro, und auf Platz 3 folgt die CDU mit 1,4 Millionen Euro. SPD und Linkspartei gehen hingegen leer aus. Das Votum ist eindeutig. ...

Dass die FDP ganz hoch im Kurs steht, verwundert nicht. Denn sie gilt in jenen Kreisen, die viel haben, als Garant dafür, noch mehr zu bekommen und wenig geben zu müssen. Schon bisher auf dem vordersten Platz im Spendenrennen, kann sich die Klassenkampf-von-oben-Partei schon auf den nächsten Geldsegen freuen.

Eine Gruppe aus der Start-Up-Szene soll der Christian-Lindner-Truppe noch einmal insgesamt 500.000 Euro überwiesen haben. Das hat der umtriebige Investor Frank Thelen auf Twitter mitgeteilt. ,,Ich bin überzeugt, dass eine rot-rot-grüne Regierung verheerende Folgen für unsere Wirtschaft und somit den Standort Deutschland hätte", begründete er sein Engagement.

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Aus: "Wunschkoalition des Kapitals" Pascal Beucker (2. 7. 2021)
Quelle: https://taz.de/Spenden-an-die-FDP/!5779431/

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QuoteChristian Lindner will Start-ups massiv bei der Steuer entlasten - Um im Kampf um Talente bestehen zu können, startet der Bundesfinanzminister eine Start-up-Offensive. ...


Aus: "Christian Lindner will Start-ups massiv bei der Steuer entlasten" Martin Greive, Jan Hildebrand, Larissa Holzki, Nadine Schimroszik (05.04.2023)
Quelle: https://www.handelsblatt.com/politik/deutschland/gruenderszene-christian-lindner-will-start-ups-massiv-bei-der-steuer-entlasten/29072168.html

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Quote[...] Die Pläne von Bundesfinanzminister Lindner zur stärkeren Förderung von Startups stoßen in der Branche auf ein positives Echo. Deutsche Startups könnten so einen echten Schub bekommen und der Standort international wettbewerbsfähiger werden, so die einhellige Meinung.

Die Gründer- und Digitalbranche begrüßt die Pläne von Bundesfinanzminister Christian Lindner zur stärkeren Förderung von Startups. "Die Regelungen im Zukunftsfinanzierungsgesetz können deutschen Startups einen echten Schub verpassen und den Standort Deutschland international wettbewerbsfähiger machen", sagte Christian Miele, Vorsitzender des Startup-Verbands, in Berlin. Die angekündigten Veränderungen seien eine "wirklich gute Nachricht für unsere Startup-Szene und den Tech-Standort Deutschland", ergänzte Achim Berg, Präsident des Digitalverbands Bitkom.

Lindner will mit einer Reform der Mitarbeiterbeteiligung den Startup-Standort Deutschland stärken. So will der FDP-Politiker den steuerlichen Freibetrag bei Mitarbeiterbeteiligungen deutlich von 1440 Euro auf 5000 Euro anheben, wie aus einem Gesetzesentwurf des Bundesfinanzministeriums hervorgeht. "Der Finanz- und Startup-Standort Deutschland braucht ein Update", twitterte Lindner. Er will zudem ein weiteres Problem abmildern. Startups binden Beschäftigte oft mit Beteiligungen, die später lukrativ sein können - etwa, wenn es zu einem Börsengang oder Verkauf der Firma kommt.

Bisher müssen Mitarbeiter ihre Unternehmensanteile nach spätestens zwölf Jahren als Einkommen versteuern - auch, wenn noch gar keine Gewinne aus Beteiligungen angefallen sind. Die Startup-Branche beklagt das schon länger als internationalen Wettbewerbsnachteil. "Statt nach bisher zwölf Jahren müssen unveräußerte Anteile künftig erst nach 20 Jahren versteuert werden", erklärte Bitkom-Präsident Berg die Pläne. Vor allem entfalle die Besteuerung beim Arbeitgeberwechsel, zumindest wenn das Startup freiwillig für die Sicherung des Steueranspruches von Beschäftigten hafte.

Von den Steuervorteilen sollen zudem künftig deutlich mehr Firmen profitieren, heißt es im Entwurf. Statt für Unternehmen mit 250 Beschäftigten sollen die neuen Regeln für Firmen mit bis zu 500 Mitarbeitern greifen. Die Umsatzschwelle will Lindner von 50 auf 100 Millionen verdoppeln, die Jahresbilanzsumme von 43 auf 86 Millionen Euro. Der Gesetzesentwurf muss noch innerhalb der Ampel-Koalition abgestimmt werden.

Quelle: ntv.de, jki/dpa


Aus: "Update für Finanzstandort Startups loben Pläne von Lindner" (04.04.2023)
Quelle: https://www.n-tv.de/wirtschaft/wirtschaft_startup/Startups-loben-Plaene-von-Lindner-article24033490.html

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Quote[...]  Auf deutsche Banken wartet ein großes Geldgeschenk: Bundesfinanzminister Christian Lindner (FDP) liebäugelt damit, gut 2,2 Mrd. Euro an sie zurück zu überweisen. Bei dem Geld handelt es sich um Beiträge, die die deutschen Kreditinstute zwischen 2011 und 2014 in den nationalen Restrukturierungsfonds RSF einzahlen mussten. Diese Bankenabgabe sollte nach der Finanzkrise vermeiden, dass erneut Steuergelder für die Rettung von Banken eingesetzt werden müssen.

Das frei werdende Geld wollen die Institute ,,für die zusätzliche Finanzierung der Transformation der Wirtschaft" einsetzen, heißt es in einer Unterrichtung des Bundesfinanzministeriums für den Finanzausschuss des Bundestages, die Capital vorliegt. Wie daraus hervorgeht, fordern die Banken das Geld offensiv zurück und haben dem Ministerium dafür wohl die verbindliche Verwendung der Mittel zugesagt. Lindner will dem offenbar folgen.

Die Mittel werden spätestens zum Januar 2024 frei, weil der inzwischen eingeführte europäische Bankenrettungsfonds bald soweit gefüllt ist, dass das Geld aus dem deutschen Notfalltopf nicht mehr zur Brückenfinanzierung benötigt wird.

Die Verwendung der Gelder dürfte in den kommenden Wochen für Streit innerhalb der Ampelkoalition sorgen. Während die FDP das Geld den Banken überlassen würde, sehen SPD und Grüne die Erstattung des Milliardenbetrags kritisch.

Die rechtliche Situation ist verfahren: Ein juristisches Gutachten, das vom Bundesfinanzministerium selbst in Auftrag gegeben wurde, widerspricht Lindners Plan: Die Heidelberger Rechtswissenschaftler Ekkehart Reimer und Andela Milutinović kommen darin zu dem Schluss, der Gesetzgeber könne die Mittel nicht einfach in voller Höhe an die Kreditinstitute auszahlen, weil dem beihilferechtliche Bedenken gegenüberstünden. Außerdem hätten die Banken keinen Anspruch auf Rückzahlung.

Gleichzeitig können sie jedoch auch nicht dem Bundeshaushalt zugeführt werden, weil die Mittel als Sonderabgabe erhoben wurde und künftig ,,gruppennützig" verwendet werden müssen. Die Juristen von der Universität Heidelberg schlagen daher vor, die 2,2 Mrd. Euro zur Tilgung von Schulden eines anderen Fonds zu nutzen: dem Finanzmarktstabilisierungsfonds ,,Soffin". Er wurde damals aufgelegt, um havarierte Banken wie die WestLB und die Hypo Real Estate zu stützen, aber auch die Commerzbank.

Ende 2021 klaffte im ,,Soffin" laut Finanzministerium ein Loch von 22,8 Mrd. Euro an Schulden. Dass diese mit dem Geld aus dem Bankenrettungsfonds getilgt werden sollen, war bereits 2012 so vorgesehen. Rechtlich bindend ist das heute aber nicht mehr.

Dennoch plädiert auch Gerhard Schick vom Verein Finanzwende für diese Lösung. Er kritisiert, dass das Finanzministerium genau das Gegenteil dessen verfolge, was das juristische Gutachten vorschlage. ,,Nach dem Riesenschaden, den der Bankensektor angerichtet hat", sei es wichtig, das Geld nicht an die Banken zu verschenken. Das Argument der Kreditinstitute, mit den zusätzlichen Milliarden die Transformation der Wirtschaft zu finanzieren, hält er für vorgeschoben.

Eine Entscheidung darüber, was mit dem Geld passieren soll, könnte schon in einigen Wochen fallen – sofern sich FDP, SPD und Grüne einigen.


Aus: "Lindner will 2,2 Mrd an Banken zurückgeben, statt Schulden zu tilgen" Laura Eßlinger (04.04.2023)
Quelle: https://www.capital.de/geld-versicherungen/lindner--trotz-schulden-sollen-banken-2-2-milliarden-zurueckbekommen-33346404.html

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Quote[...] Hat Finanzminister Lindner seine Luxusuhr versteckt, um nicht protzig zu wirken?  ... "Kommen Sie gut durch die Nacht, bye bye." Das waren die Schlussworte von Maybrit Illner, mit denen die Moderatorin am vergangenen Donnerstag ihre gleichnamige Talk-Sendung im ZDF beendete. ... Während man [Christian Lindner] nach rund fünf Sekunden noch diplomatisch Nicken sieht, zeigt sich etwas mehr als zehn Sekunden nach der Abmoderation bereits ein anderes Bild: Ab diesem Zeitpunkt unterhält er sich deutlich gelassener mit den anderen Talkgästen. Nach etwa 20 Sekunden holt er dann eine Uhr unter dem Tisch hervor und legt sie sich um das Handgelenk.

... Zahlreiche Twitter-Nutzer sind sich einig, dass es sich um eine Uhr der Luxusmarke Rolex handle – und spotten über den Finanzminister. "Sollte der Pöbel das nicht sehen, was Lindner am Arm trägt?", fragt ein Nutzer. "Schnell die teure Uhr wieder dran und rein in den 911 Porsche!", schreibt ein anderer.

Auch der Ökonom Lukas Scholle greift die Szene in einem Tweet auf: "Lindner neulich: Versteckt im TV extra seine Luxusuhr. Lindner heute: Blockiert die Kindergrundsicherung", schreibt er dazu. Zuvor hatte der Finanzminister den Bedarf für eine Leistungserhöhung für die Kindergrundsicherung angezweifelt.

... Die Sendung mit dem Thema "Kompromiss statt Masterplan – Ampel-Streit wirklich beigelegt?" wurde am 30. März 2023 um 22.15 Uhr im ZDF ausgestrahlt. Neben Lindner zählten zu den Gästen der SPD-Parteivorsitzende Lars Klingbeil, der Grünen-Parteivorsitzende Omid-Nouripour, Eva Quadbeck, Chefredakteurin des "Redaktionsnetzwerk Deutschland", und Theo Knoll, Leiter des ZDF-Hauptstadtstudios.

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Aus: "Lindner sorgt mit Luxusuhr für Kritik" Nilofar Eschborn (05.04.2023)
Quelle: https://www.t-online.de/nachrichten/deutschland/id_100155868/bei-tv-show-christian-lindner-sorgt-mit-luxusuhr-fuer-kritik.html

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Quote[...] Berlin – Man hatte nie das Gefühl, Finanzminister Christian Lindner (FDP) lege besonderen Wert auf seine persönliche Beliebtheit in den ärmeren Bevölkerungsteilen. Lindners aktuelle Einlassungen zeugen jedoch von einem blanken Zynismus, der selbst einige seiner größten Widersacher zugleich überraschen und bestätigen dürfte: In Zeiten der Krise, in denen der für Nahrung vorgesehene Anteil des Hartz-IV-Regelsatzes nicht einmal mehr für einen Döner reicht, sorgt sich der Finanzminister in der Debatte um das 9-Euro-Ticket vor ,,Gratismentalität". Man könnte meinen, der Finanzminister habe verpasst, dass die Frage nach ,,Essen oder Heizen" für viele Menschen in Deutschland immer realer wird – doch vermutlich gehören die Betroffenen einfach nicht zu Lindners Klientel. ...

... Der Hauptgeschäftsführer des Paritätischen, Ulrich Schneider, ordnete die Lindner-Aussagen in einer Reaktion bei RTL/ntv unmissverständlich ein: ,,Menschen wissen nicht, wie sie über den Monat kommen sollen, Menschen sind verzweifelt, und dann von ,,Gratismentalität" zu sprechen, ist eine Frechheit." Der Vorwurf der Klientelpolitik an Lindner ist kaum neu, doch er bekommt ein anderes Gewicht, seit Lindner in Regierungsverantwortung steht: Es drängt sich der Eindruck auf, die Ärmsten der Gesellschaft sind nach wie vor kein Teil seiner Zielgruppe.

... Eines kann man Christian Lindner, wie auch immer man zu ihm stehen mag, nicht vorwerfen: Wofür und für wen er steht, ist klar, unmissverständlich und ohne Spielraum für jegliche Interpretation. Das machte er erst zuletzt wiederholt deutlich: Während ein Großteil der Bevölkerung die Übergewinnsteuer will, lehnt der Finanzminister sie aufs entschiedenste ab. Zu seinen Superlativen und Wortschöpfungen gehört ,,Gratismentalität", nicht jedoch ,,Raubtierkapitalismus" – und genau das zeichnet das wohl treffendste Bild von Christian Lindner: Von Porsches Konzernchef holt er sich bisweilen ,,argumentative Unterstützung", die Argumente derjenigen, die sich vor dem Abrutschen in den Ruin sorgen, verhallen hingegen, so scheint es, meist ungehört.

... Alles, was auch nur den leisesten Anschein von Umverteilung nach unten macht, blockt Lindner selbst in Zeiten großer Not ab. Der Vollständigkeit halber muss gesagt werden, dass er, in der Diskussion um ein neues Entlastungspaket, auch angeregt hat, die Pendlerpauschale ab 2023 zu erhöhen, den Grundfreibetrag und Einkommensgrenzen anzuheben und das Kindergeld zu steigern. Jeder anderen wirklich weitreichenden Maßnahme stellt er sich indes weiter in den Weg– vom Kriegssoli, über einen 9-Euro-Ticket-Nachfolger bis hin zur Übergewinnsteuer. Stattdessen hatte Lindner kurz vor seiner Hochzeit, standesgemäß auf Sylt stattfindend, noch kurzerhand Leistungen bei Hartz IV deutlich eingedampft.

... Christian Lindner ist längst seine eigene Karikatur: Neben dem schlechten Gespür für die Situation waren die Reaktionen wohl auch deshalb besonders ausgeprägt. Mit Verlaub: Bei anderen Persönlichkeiten, auch aus der Politik, wäre das Entsetzen wohl geringer ausgefallen. Die Person ,,Christian Lindner" setzt sich aus vielen Mosaiksteinen zusammen, die alle ein ähnliches Bild ergeben, dem auch die Äußerungen zu ,,Gratismentalität" entsprechen. Auch die Reaktionen auf seine Hochzeit und ihre Umstände verwundern daher wenig: Selbst Christian Lindners Privatleben erweckt den Eindruck des ,,Klassenkampfs von oben".

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Aus: ",,Gratismentalität": Christian Lindner verkommt zur eigenen Karikatur" Alexander Eser-Ruperti (10.08.2022)
Quelle: https://www.kreiszeitung.de/politik/christian-lindner-und-die-gratismentalitaet-klassenkampf-von-oben-entlastungspaket-91714277.html

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Quote[...] Lindners Sparpolitik erhält im Endeffekt Kinderarmut. Familienministerin Lisa Paus von den Grünen fordert 11 Milliarden Euro jährlich aus dem Bundeshaushalt für die Kindergrundsicherung. 11 Milliarden Euro dafür, Kinder vor Armut zu schützen. Denn in Deutschland lebt statistisch jedes fünfte Kind in Armut. Zur Erinnerung: Deutschland ist die viertgrößte Volkswirtschaft der Welt.

Als Argument schiebt Lindner die im Koalitionsvertrag festgelegte Schuldenbremse vor. Diese ließe sich natürlich leicht umgehen, wie das Sondervermögen für die Bundeswehr gezeigt hat. Aber für arme Kinder möchte die FDP keine Ausnahme machen. Damit zeigt diese Partei, was sie priorisiert und was nicht: Die Beseitigung von Kinderarmut ist jedenfalls keine Priorität, obwohl auch die Grundsicherung im Koalitionsvertrag festgeschrieben ist.  ...

... Es ist das Eine, Steuersenkungen für Reiche zu fordern. Aber gleichzeitig Steuererhöhungen für Arme zu fordern, ist schon ein starkes Stück. Man muss sich auf der Zunge zergehen lassen, was die FDP in ihrem neuen Papier vorschlägt: »höhere indirekte Steuern, weniger Ausnahmen vom normalen Mehrwertsteuersatz und einen Abbau fragwürdiger Steuerermäßigungen«. Bedeutet übersetzt: Gewisse Produkte sollen teurer werden.

Das trifft in den meisten Fällen vor allem die Ärmsten, denn sie zahlen gemessen an ihrem Einkommen vor allem Mehrwertsteuer. Die Reichsten zahlen dagegen im Verhältnis kaum Mehrwertsteuer. Wenn jetzt indirekte Steuern wie die Mehrwertsteuer erhöht werden, gehen die Preise noch weiter hoch. Und das in Zeiten, in denen viele Menschen sowieso schon schwer über die Runden kommen. Das ist nichts weniger als Klassenkampf von oben.

Vor allem die Forderung nach weniger Ausnahmen vom normalen Mehrwertsteuersatz hat es in sich. Damit könnten Ausnahmen für Hotelübernachtungen gemeint sein, die die FDP selbst »im Gegenzug« für Parteispenden für Hotelkette Mövenpick durchgesetzt hat. Es könnte aber auch Lebensmittel treffen. Letzteres wäre fatal, da gerade der tägliche Bedarf ein riesiger Kostenblock für die Menschen ist, bei dem sie derzeit unter einer ermäßigten Mehrwertsteuer entlastet werden. Dass die FDP genau darauf abzielt, ist ihr zuzutrauen. Immerhin forderte kürzlich auch Lindners neoliberaler Chefökonom Lars Feld, die Mehrwertsteuer auf Lebensmittel zu erhöhen. Richtig wäre es im Gegenteil, sie abzuschaffen.

Die aus der Mehrwertsteuererhöhung resultierenden Steuermehreinnahmen möchten die Liberalen nutzen, um den Mittelstandsbauch abzubauen, indem sie den Anstieg des Einkommensteuersatzes etwas abflachen. Das ist an sich keine schlechte Idee, aber um den finanziellen Spielraum dafür zu erlangen, könnte man auch einfach den Reichensteuersatz minimal anheben. Dann würden die Ärmsten nicht noch mehr zahlen. Aber so möchte es die FDP nicht.

Die FDP will seit jeher die Körperschaftsteuer senken – also jene Steuer, die Körperschaften wie GmbHs oder Aktiengesellschaften auf ihre Gewinne bezahlen. Unternehmensgewinne machen in jedem Fall die Besitzenden reicher. Denn entweder werden sie reinvestiert, woraus zukünftiger Gewinn resultiert, oder es werden an der Börse Anteile zurückgekauft, wodurch die restlichen Anteile wertvoller werden, oder die Gewinne werden direkt an die Eigentümer ausgeschüttet. Egal was passiert, die Reichen profitieren.

Die Körperschaftsteuer zu senken, führt also unmittelbar dazu, dass die Reichen reicher werden. Ironischerweise legt die FDP keinen Plan vor, wie diese Steuersenkung gegenfinanziert werden soll. Dabei würde ein solcher Schritt ziemlich schnell ins Geld gehen.

Die der Politik der FDP zugrundeliegende Theorie, Unternehmensteuersenkungen würden das Wachstum ungemein ankurbeln, ist mittlerweile empirisch widerlegt. 2021 hat das Institut für Makroökonomie und Konjunkturforschung eine Meta-Studie aus 42 Primärstudien vorgelegt, die zum Urteil kam, dass solche Steuersenkungen nicht signifikant zum Wachstum beitragen. Im Gegenteil ist es schlecht für die Wirtschaft, wenn der Staat im Gegenzug anderswo seine Ausgaben kürzt.

Ob nun Sozial-, Klima- oder Steuerpolitik – überall steht die FDP auf der Bremse und es gibt kein Weiterkommen. Dass sich daran etwas ändern wird, ist äußerst unwahrscheinlich.

... Die Ampel ist ein Zweckbündnis, unter dem echter Fortschritt unmöglich ist und die Reichen ungestört noch reicher werden.

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Aus: "Die FDP legt jetzt richtig los" Lukas Scholle (7. Februar 2023)
Quelle: https://jacobin.de/artikel/christian-lindner-die-fdp-legt-jetzt-richtig-los-kindergrundsicherung/

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Quote[...] Diakonie-Präsident Ulrich Lilie hat scharfe Kritik an den Äußerungen von Bundesfinanzminister Christian Lindner zur geplanten Kindergrundsicherung geübt. "Das geht schon in Richtung Fake News", sagte Lilie dem Redaktionsnetzwerk Deutschland (RND) mit Blick auf Lindners Aussage, zusätzliche Milliardentransfers für die Kindergrundsicherung würden nicht weiterhelfen, weil Kinderarmut oft in der Bildungs- oder Erwerbsarmut der Eltern begründet sei. "Tatsächlich haben viele dieser Eltern Jobs im Niedriglohnsektor", sagte Lilie. Sie bräuchten Sozialhilfe, um überhaupt über die Runden zu kommen.

Je höher die Belastung der Eltern, desto höher müsse auch die Förderung sein. Bei bestehenden Hilfen wie dem Kinderzuschlag sei die Antragstellung jedoch so kompliziert, dass die meisten berechtigten Familien sie nicht in Anspruch nähmen, beklagte Lilie. Nach offiziellen Angaben beantragen nur rund 30 Prozent der Berechtigten den - inzwischen auf bis zu 250 Euro erhöhten - Kinderzuschlag.

Der Präsident des deutschen Lehrerverbandes, Heinz-Peter Meidinger, hält allein mehr Geld für die Eltern nicht für die beste Lösung. Er plädierte stattdessen für kostenlose, verpflichtende Förderkurse für Kinder mit Lerndefiziten, die häufig auch aus sozialschwachen Familien kämen und schlug vor, das Programm Digitalpakt Schule zum Aufbau digitaler Infrastrukturen an Schulen neu aufzulegen. 500 Millionen Euro für Schülerlaptops seien bereits geflossen. "Während an manchen Schulen das Geld nicht vollständig abgerufen wurde, hat es an anderen Schulen, gerade in sozialen Brennpunkten, nicht ausgereicht", sagte Meidinger dem RND.

Bei kostenintensiven Schulprojekten wie Schulfahrten sei die Unterstützung sozial benachteiligter Kinder noch unzureichend - hier könne eine Kindergrundsicherung für die Betroffenen theoretisch nützlich sein. "Allerdings habe ich so meine Zweifel, ob dieses Geld am Ende wirklich zu 100 Prozent bei den Kindern selbst ankommt", sagte Meidinger.

Die Kindergrundsicherung soll ab 2025 verschiedene Leistungen wie Kindergeld und Kinderzuschlag bündeln. Dies dürfte dazu führen, dass mehr Menschen, die Anspruch auf die Zahlungen haben, diese auch erhalten - heute ist das oft nicht der Fall, weil Familien ihre Rechte nicht kennen oder die Antragstellung zu kompliziert ist. Bundesfamilienministerin Lisa Paus hält zudem Leistungserhöhungen für nötig. Finanzminister Lindner sieht dafür aber keinen Spielraum und zweifelt auch den Bedarf an.

Quelle: ntv.de, als/AFP


Aus: "Diakonie-Chef Lilie wirft Lindner "Fake News" vor" (05.04.2023)
Quelle: https://www.n-tv.de/politik/Diakonie-Chef-Lilie-wirft-Lindner-Fake-News-vor-article24034271.html

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Quote[...] Ein [ ] Argument von Christian Lindner ist [...] "Eine reine Erhöhung von passiven Leistungen wäre aber nicht fair gegenüber denjenigen, die mit geringem Lohn voll arbeiten und vom Staat keine Leistungen erhalten", sagte der 43-Jährige.

Natürlich hat er recht, es gibt sehr viele Arbeitnehmer, die für einen viel zu geringen Lohn arbeiten. Doch statt gegen diejenigen zu treten, die noch weniger haben, sollten vielmehr die Löhne in Deutschland auf breiter Front steigen – dies wäre auch gut für die Binnennachfrage und damit für das Wirtschaftswachstum, und nein, dies würde nicht zu einer schlimmen Inflation führen.

Die Teuerung, die wir gegenwärtig erleben, ist durch hohe Energiepreise, Probleme mit den internationalen Lieferketten und Spekulation unter dem Deckmantel des Ukraine-Krieges verursacht worden, mit den Löhnen in Deutschland hat sie überhaupt nichts zu tun.

... Daher sei hier an einen wichtigen Punkt erinnert: Die Einführung des Niedriglohnsektors und des Hartz-IV-Regimes in Deutschland haben einen Prozess in Gang gesetzt, der in der Arbeitssoziologie als "Prekarisierung" bezeichnet wird.

Dadurch wurden alle Angehörigen der lohnabhängigen Klasse – also nicht nur Geringverdiener, sondern auch die Angehörigen der Mittelschicht – in eine Situation gebracht, die mit dem Blick auf das absichtlich politisch herbeigeführte schlimme Schicksal der Arbeitslosen für Verunsicherung und Disziplinierung bei den Arbeitnehmern führt.

Genau diesen Zustand wollen Christian Lindner und die Liberalen beibehalten, denn die FDP ist eine reine Klientel-Partei, sie macht ausschließlich Politik für die Reichen, die Superreichen und die Konzerne. Diese haben natürlich ein Interesse daran, dass ihre Angestellten aufgrund der Angst vor Hartz IV nur sehr zurückhaltend Forderungen hinsichtlich Gehalt und Arbeitszeit stellen.

Die neoliberale Politik der FDP ist daher im wahrsten Sinne des Wortes das, was man früher mit dem Begriff "Klassenkampf" bezeichnet hat: Es ist der Kampf der Partei der Reichen und Konzerne gegen die Lohnabhängigen.

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Aus: "Kommentar: Die Lindner-FDP betreibt fiesen Klassenkampf gegen alle Lohnabhängigen" Florian Gürtler (22.07.2022)
Quelle: https://www.tag24.de/thema/kommentar/kommentar-die-lindner-fdp-betreibt-fiesen-klassenkampf-gegen-alle-lohnabhaengigen-2554780


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Quote[...] 15,5 Stunden am Montag, 14 Stunden am Dienstag, 15 Stunden am Mittwoch, 16,5 Stunden am Donnerstag und 17 Stunden am Freitag. Milan* liefert für einen Subunternehmer des Paketdienstleisters DPD in der Steiermark Pakete aus. Seine Stundenlisten lesen sich wie aus einer anderen Zeit. Im April 2022 arbeitet er im Schnitt 15 Stunden pro Tag, bis zu 370 Kilometer legt er dafür täglich zurück. Netto verdiente er im April circa 5,20 Euro pro Stunde. In den Monaten davor und danach sieht es nicht viel besser aus.

Dem STANDARD wurden mehrere Hundert Seiten Dokumente aus dem Logistikzentrum Kalsdorf bei Graz (Depot 0628) zugespielt, Stundenlisten, Fahrtenlisten, Arbeitsverträge und Lohnzettel. Die Dokumente betreffen mehrere Dutzend Beschäftigte. Betreiber des DPD-Depots 0628 ist die Gebrüder Weiss Paketdienst Ges.m.b.H, einer der drei Gesellschafter von DPD. Mit mehreren der betroffenen Fahrer hat der STANDARD gesprochen. Sie alle arbeiten seit Jahren bei unterschiedlichen der gut 15 Subunternehmer im Depot 0628 und berichten von ähnlichen Zuständen: überlange Arbeitszeiten, keine Pausen, unbezahlte Überstunden, ausstehende Gehälter, angebliches Lohndumping und Sozialbetrug, dubiose Vertragskonstrukte.

Viele Indizien deuten darauf hin, dass DPD um die Zustände für die Fahrer weiß. Jedenfalls steht aufgrund der Dokumente, die dem STANDARD zugespielt wurden, fest: DPD liegen sämtliche Informationen vor, aus denen sich die Arbeitsbedingungen der Fahrer leicht ableiten lassen. Öffentlich beteuert das Unternehmen regelmäßig die Einhaltung sämtlicher gesetzlicher Vorschriften.

Mit einem Marktanteil von knapp 19 Prozent (Stand drittes Quartal 2022) ist DPD Austria (DPD Direct Parcel Distribution Austria GmbH) Österreichs führender privater Paketdienstleister und Teil der DPD Group, des laut eigenen Angaben größten internationalen Paketnetzwerks in Europa. Mit Corona stieg das Geschäft sprunghaft an, vergangenes Jahr lieferte DPD in Österreich 66 Millionen Pakete aus, 27 Prozent mehr als im Vor-Corona-Jahr 2019. Der Umsatz belief sich auf 281,5 Millionen Euro, gegenüber 205 Millionen Euro im Jahr 2019. Bei Fahrern wie Milan kommt davon wenig an.

Seit rund sieben Jahren arbeitet Milan als Zusteller bei verschiedenen Subfirmen von DPD. Bei den Subunternehmen handelt es sich meist um kleine bis mittelgroße Transportunternehmen mit mindestens zwei und maximal 30 Angestellten, die als sogenannte Frächter die einzelnen Touren im Einzugsgebiet des Depots abdecken. Regelmäßig kommt es zu Insolvenzen, Übernahmen oder Fusionen. Nicht selten handelt es sich um Familienunternehmen, in denen Söhne, Töchter, Cousinen oder Neffen des Geschäftsführers oder der Geschäftsführerin beschäftigt sind.

Im Sommer fängt Milan meist um halb fünf an, zur Weihnachtszeit noch früher, sagt er. Seine Arbeit beginne im Depot, dort scanne er Pakete und sortiere sie anschließend in seinen Lieferwagen ein. Erst gegen acht verlasse er das Gelände. An guten Tagen seien es 100 Stopps, an schlechten Tagen 200 Stopps und bis zu 350 Pakete. Seine zwei Sandwiches isst er während der Fahrt, seine Toilette ist der Straßenrand. Zeit für Pausen habe er nicht – auch wenn er laut Arbeitsvertrag dazu verpflichtet sei, sich an Lenkzeiten, Lenkpausen und Ruhezeiten zu halten. Stelle er ein Paket falsch oder zu spät zu oder halte sein Auto nicht sauber, zahle er bis zu 50 Euro Strafe. Ein entsprechender Strafenkatalog findet sich in seinem Arbeitsvertrag, der dem STANDARD vorliegt. "Du bekommst überhaupt keine Luft", sagt Milan mit resignierter Stimme.

Zwischen 18 und 19 Uhr komme er nach Hause. "Und da bist du tot. Du kannst nichts mehr machen, nichts. Du kannst deine eigenen Sachen nicht mehr erledigen. Du kannst nicht ausruhen. Weil am nächsten Tag musst du um halb 5 im Lager sein."

Mehrere Fahrer, mit denen der STANDARD gesprochen hat, schildern ähnliche Zustände. "Die Arbeitgeber in dieser Branche wissen genau, wo die Schwachstellen liegen", erklärt Walter Gagawczuk, Arbeitsrechtsexperte der Arbeiterkammer (AK) Wien. Migrantische Beschäftigte seien mit ihren Rechten oft weniger vertraut und hätten vor allem aufgrund mangelnder Sprachkenntnisse oder formeller Qualifikation keine gute Position am Arbeitsmarkt, weshalb sie derartige Bedingungen eher "runterschlucken". Große Konzerne würden dieses Machtungleichgewicht häufig für sich nutzen und die Kosten über Subunternehmerstrukturen nach unten durchgeben. "Eine solche Konstellation ist der ideale Nährboden für Schwarzarbeit, Sozialbetrug und Lohndumping", betont Gagawczuk.

Wie in der Branche üblich, arbeite auch DPD mit Transportpartnern zusammen, erklärt DPD auf Nachfrage. Die Vorwürfe könne man "nicht nachvollziehen" und weise diese "strikt zurück". "Eine faire und partnerschaftliche Zusammenarbeit mit all unseren Geschäftspartner:innen ist uns äußerst wichtig. Wir achten sehr genau auf die Einhaltung aller geltenden gesetzlichen Vorschriften und prüfen diese sowohl regelmäßig als auch engmaschig durch interne und externe Spezialisten", bekräftigt DPD.

Aber wie "engmaschig" sind diese Kontrollen tatsächlich? Wie viel weiß DPD über die Missstände, die bei ihren Subunternehmen herrschen?

Eine Annäherung liefert ein Blick in die Schweiz. Eine Recherche des Schweizer Rundfunks (SRF) vom November 2021 zeigte ähnliche Zustände auf: Arbeitstage von bis 15 Stunden, ohne Pausen, zu Hungerlöhnen. Aus der SRF-Recherche geht hervor: In der Schweiz weiß man bei DPD um die Situation der Fahrer – denn DPD selbst ist es, die die Fahrpläne mittels der Planungs- und Kontrollsoftware Predict auf die Scanner der Fahrer lädt. In der Schweiz erstellt das Unternehmen laut der Doku regelmäßig Statistiken, in denen die Arbeitszeiten der Fahrer bis auf die zweite Nachkommastelle aufgeführt sind, und DPD weiß daher um die Anzahl der Pakete und die Arbeitsstunden ihrer Fahrer.

Gilt das auch für Österreich? Laut DPD-Homepage kommt Predict auch hierzulande zur Anwendung. Eine DPD-Sprecherin beteuert, diese fungiere hierzulande nicht als Planungs- oder Kontrollsoftware. Im Interesse der Versand- und Empfangskunden stelle man "ein Pakettracking bereit, welches Transparenz zu den Paketlebensläufen bietet". Angesprochen auf die Recherchen des SRF erklärt das Unternehmen, da DPD international als Franchisemarke betrieben wird, bestehe "weder ein organisatorischer noch ein rechtlicher Zusammenhang mit DPD in Österreich".

Ein weiteres Indiz dafür, dass DPD durchaus über die Zustände in Kalsdorf Bescheid wissen müsste, ist das Österreichische Postmarktgesetz (PMG). Dieses schreibt Postdienstleistern vor, Statistiken unter anderem über Sendungsmengen, Aufgabezeitpunkt und Zustellzeitpunkt, Beschäftigte und ihre Subunternehmer zu erheben und diese anschließend an die Rundfunk- und Telekom Regulierungs-GmbH (RTR) zu übermitteln. Auch hier beteuert DPD, keine detaillierten Einblicke in die Arbeitsabläufe ihrer "Systempartner" zu haben. Man liefere sämtliche "vom Gesetzgeber geforderten Informationen an die entsprechenden Institutionen bzw. Behörden", erstelle aber "keine Aufzeichnungen über die Arbeitszeiten der Mitarbeiter:innen unserer Systempartner".

Nichts gehört, nichts gesehen also? Personen, mit denen der STANDARD gesprochen hat, zeichnen ein anderes Bild. Mehrere Fahrer, darunter Milan, behaupten, die Depotleiter würden bewusst wegschauen. "Sicher" wüssten die Verantwortlichen im Verteilerzentrum in Kalsdorf, welche Zustände herrschen, sagt Milan verärgert. Jedes Paket, das er in seinen Transporter einlädt und beim Kunden abgibt, erfasst er mit einem Scanner. Über diese Daten könnte DPD genau nachvollziehen, wie lange er arbeitet und wie viele Pakete er ausliefert.

Über die Scannerdaten, erklärt ein Insider, der auch die Zustände im Depot Kalsdorf kennt, kann DPD den gesamten Weg eines Pakets nachvollziehen, von der Einreichstelle, zum Beispiel einem Paketshop, bis zur Zustellung an der Haustür. Derselbe Insider behauptet: "DPD weiß um die Bedingungen. Sie kennen die Länge der Touren, die Anzahl der Pakete und die Zeit, die die Lieferanten dafür brauchen."

Milan sagt, er habe sich bei einem Vorgesetzten im Verteilerzentrum über die Arbeitsbedingungen beklagt. Er sei nicht zuständig, habe dessen Antwort gelautet. Solange die bezahlte Leistung erbracht werde, interessiere ihn nicht, was bei den Subunternehmern vor sich gehe, soll dieser gesagt haben.

Vor wenigen Monaten wechselte Milan innerhalb des Depots zu einem anderen Subunternehmen, sein vierter Arbeitgeber innerhalb der vergangenen zwei Jahre. Bei seinem neuen Dienstherrn seien die Bedingungen etwas besser. "Aber wenn ich merke, dass irgendwas nicht in Ordnung ist, höre ich auf. Genug. Ich mache lange genug Zustellung. Und das wird von Jahr zu Jahr immer schlimmer." (Johannes Greß, 5.4.2023)


* Der Name wurde geändert und ist der Redaktion bekannt.


Aus: "Verheerende Arbeitsbedingungen beim Paketversand DPD in Kalsdorf bei Graz" Johannes Greß (6. April 2023)
Quelle: https://www.derstandard.at/story/2000145213953/verheerende-arbeitsbedingungen-beim-paketversand-dpd-in-kalsdorf-bei-graz

https://www.derstandard.at/story/2000130779273/prekaer-und-unsichtbar-beschaeftigt-als-subunternehmer-fuer-amazon

https://www.derstandard.at/story/2000122462001/ware-die-nie-kommt-shops-die-es-nie-gab-ausgebeutete

https://www.derstandard.at/story/2000122026707/fuer-heerscharen-an-paketkurieren-ist-der-shoppingwahnsinn-kein-grund-zum

https://www.derstandard.at/story/2000114777492/16-stundentag-fuer-1600-euro-der-arbeitsalltag-der-paketzusteller

https://www.derstandard.at/story/2000099486342/ueber-die-hackordnung-bei-paketzustellern

QuoteKremšnite

Gewisse Parteien und Thinktanks finden das auch noch geil.


QuoteObacht!

Eine bittere Wahrheit, die im weichgewaschenen politischen Diskurs gern beiseitegeschoben wird: sobald und solange es ungestraft geht, werden Arbeitnehmer zum Zwecke der Gewinnmaximierung bis zur Grenze ihrer Leidensfähigkeit getrieben - und darüber hinaus. ...


Quoteolympus13

Sind das die Arbeitgeber die sich über "Fachkräftemangel" beschweren ?


QuoteJust Me

Der wahre Grund

...warum die Wirtschaft nach mehr Zuwanderung schreit.


QuoteCedric Bergamasco

"DPD wisse um die Bedingungen, behaupten Eingeweihte"

DPD macht die Bedingungen, behaupte ich!


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Textaris(txt*bot)

Quote[...] Generell ziehe sich das Schimmelproblem "durch alle Gesellschaftsschichten", betont der Bausachverständige Remeco Rainer Reichel, der zu seinen Einsätzen mit Wärmebildkamera und Datenlogger anrückt, mit dem Raumluftfeuchtigkeit, Temperatur und Oberflächentemperatur erhoben werden. ...


Aus: "Was gegen Schimmel in der Wohnung getan werden kann" Martin Putschögl, Bernadette Redl, Franziska Zoidl (4. April 2023)
Quelle: https://www.derstandard.at/story/2000145183151/was-gegen-schimmel-in-der-wohnung-getan-werden-kann

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Quote[...]  Die Gewerkschaft Bauen-Agrar-Umwelt (IG BAU) hat die Zahl der Unfälle auf Baustellen in Deutschland als zu hoch kritisiert. 74 Bauarbeiter seien vergangenes Jahr tödlich verletzt worden, erklärte der Bundesvorsitzende Robert Feiger. Statistisch gesehen ereigne sich damit alle dreieinhalb Arbeitstage ein tödlicher Unfall.

Insgesamt seien im vergangenen Jahr 99.380 Unfälle auf Baustellen gemeldet worden. Im Jahresvergleich sanken die Zahlen damit: 2021 gab es 85 tödliche Unfälle, die Gesamtzahl der registrierten Unfälle auf Baustellen lag bei 103.518. Die Gewerkschaft berief sich auf die vorläufige Jahresbilanz 2022 der Berufsgenossenschaft für die Bauwirtschaft.

"Auch wenn die Zahlen gegenüber dem Vorjahr zurückgegangen sind, ist das Unfallgeschehen auf dem Bau hoch", erklärte Feiger. "Baustellen gehören nach wie vor zum Sorgenkind in Sachen Arbeitsschutz."

Es gebe eine Dunkelziffer, die vermutlich deutlich höher sei. "Zum einen werden viele - gerade kleinere Unfälle - gar nicht gemeldet. Zum anderen werden da, wo ausländische Beschäftigte auf Baustellen arbeiten, Unfälle vielfach bagatellisiert oder vertuscht."

Hauptursache bei den tödlichen Unfällen seien im vergangenen Jahr Abstürze von Dächern und Gerüsten gewesen, nach tödlichen Verletzungen durch Baumaschinen und herabfallende Bauteile. "Sicherheit auf den Baustellen muss oberste Priorität haben", forderte der Vorsitzende der Gewerkschaft.

Hoher Kosten- und Zeitdruck dürften nicht dazu führen, dass der Arbeitsschutz vernachlässigt werde. Man könne nicht nur auf Eigenverantwortung der Unternehmen setzen, mahnte das für Arbeitsschutz zuständige IG-BAU-Vorstandsmitglied Carsten Burckhardt. Nötig seien mehr Prävention sowie mehr staatliche Arbeitsschutzkontrollen in den Bundesländern, erklärte die Gewerkschaft.


Aus: "Alle drei Tage stirbt ein Arbeiter auf dem Bau" (08.04.2023)
Quelle: https://www.tagesschau.de/wirtschaft/unternehmen/bauarbeiter-unfaelle-tote-101.html

Riff-Raff ist ein Spielfilm des britischen Filmregisseurs Ken Loach aus dem Jahre 1991. Wie bei den meisten Filmen von Ken Loach ist Riff-Raff ein lebensnahes Porträt von Großbritannien. Riff-Raff bedeutet auf deutsch ,,Gesindel". So dreht sich diese schwarze Komödie um den Bodensatz der englischen Gesellschaft und legt den Niedergang der britischen Arbeiterklasse während des Thatcherismus schonungslos offen. ... Angesiedelt ist diese grimmige Komödie auf einer Baustelle in einer tristen Umgebung am Rande Londons zur Regierungszeit von Premierministerin Margaret Thatcher. Hier herrscht ein rauer Ton. Die Arbeitsbedingungen sind halsbrecherisch. Baugerüste werden nicht gesichert.  ...
https://de.wikipedia.org/wiki/Riff-Raff_(1991)

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Quote[...] Verdeckt vom Vorhang sitzt ein Mann im Fotoautomat im U-Bahnhof Frankfurter Allee und konsumiert etwas, das nicht zu erkennen ist. Ein anderer Mann sitzt davor, als ob er darauf warten würde, selbst an die Reihe zu kommen.

Es ist ein Mittwochnachmittag Mitte März. Auf den Bänken sitzen Männer, die sich betrinken. Eine Wodkaflasche geht herum. Immer wieder fällt das Wort ,,Kurwa", das im Polnischen ein vulgärer Ausdruck für Prostituierte ist. Auch Deutsche, die Bier trinken, sind dabei. Manche wirken verwahrlost und psychisch auffällig, andere sehen zugedröhnt aus, tragen aber intakte Kleidung. 

Es sind Menschen, von denen viele täglich dort sind. Menschen, von denen viele obdachlos wirken. Menschen, die permanent Drogen konsumieren. Menschen, die Hilfe bräuchten. Alltag an einem gewöhnlichen Berliner Bahnhof, der stadtweit bei der Polizei nicht mal als Hotspot gilt.

Ein Backwarenverkäufer im Bahnhof, der dort seit sechs Jahren arbeitet, aber nicht möchte, dass sein Name genannt wird, zeichnet ein düsteres Bild. Er schätzt, dass die Szene dort in den vergangenen Monaten zwei- bis dreimal größer geworden ist.

Warum, das könne er sich nicht erklären. Immer wieder sehe er Leute, die aggressiv werden. Täglich werde bei ihm geklaut. Auch eine Messerstecherei habe er schon beobachtet. ,,Dieses Jahr ist es bisher richtig schlimm", sagt er. Andere Händler teilen seinen Eindruck.

Hat sich die Lage auch abseits von bekannten Hotspots wie dem Görlitzer Park, dem Kottbusser Tor oder dem Leopoldplatz verschärft? Oder haben gerade in den kälteren Monaten einfach mehr Leute im U-Bahnhof Frankfurter Allee Schutz gesucht? Wie groß ist Berlins Drogen- und Obdachlosigkeitsproblem?

In der Frankfurter Allee wird mit Blick auf die Drogenkriminalität kein Anstieg verzeichnet. Ermittlungsverfahren nach dem Betäubungsmittelgesetz seien im Vergleich mit Hotspots ,,verschwindend gering", heißt es bei der Polizei auf Anfrage. Im Schnitt etwa vier Taten gebe es pro Monat.

Dem gegenüber stehen durchschnittlich bis zu 38-mal so viele Taten an besonders kriminalitätsbelasteten Orten. Demnach wurden etwa im Bereich des Görlitzer Parks zwischen 2018 und Februar 2023 insgesamt 7724 Drogendelikte registriert. Im Bereich des Bahnhofs Frankfurter Allee waren es im selben Zeitraum 216.

Auch Beschwerden wegen obdachloser Menschen und Vermüllung um den S- und U-Bahnhof gab es laut Bezirksamt Friedrichshain-Kreuzberg dieses Jahr noch nicht, während es noch im zweiten Halbjahr 2021 22 Beanstandungen gegeben habe. Nach wiederholten Räumungsmaßnahmen habe seit Anfang 2022 ,,keine dauerhafte Campbildung mehr stattgefunden." Und doch ist die Not offensichtlich. Wie schätzen die Menschen, die die Szene kennen, die Lage an der Frankfurter Allee und berlinweit ein?

Gleich neben dem S-Bahnhof befindet sich eine Notunterkunft der Berliner Stadtmission der evangelischen Kirche, in der Menschen ohne Obdach über Nacht bleiben können. Dort bekommen sie ein Bett, Essen, soziale und medizinische Betreuung. Bedingung: Sie dürfen dort keine Drogen konsumieren. Wer dagegen verstößt, fliegt raus.

Im Winter kommen dort über Nacht stets etwa 120 Menschen unter, sagt die Sprecherin der Stadtmission, Barbara Breuer. Zuletzt sei die Unterkunft ,,knackevoll" gewesen. Eine Erklärung: ,,Die Staatsarmut ist gestiegen. Die Pandemie und vor allem die Inflation treiben die Menschen hierher", sagt Magdalena Stefan, die dort als Sozialarbeiterin tätig ist.

Rund 70 Prozent der Gäste sind suchtkrank, schätzen sie. Bei vielen kommen psychische Erkrankungen hinzu. Etwa die Hälfte, vermuten sie, bleibe tagsüber in der Umgebung. Die andere Hälfte fahre in andere Bezirke.

Ob die Szene an der Frankfurter Allee größer geworden ist, können sie nicht sagen. Die Gegend sei aber lange schon Treffpunkt für Wohnungslose, die tagsüber in der Nähe der Notunterkunft bleiben wollen. Und auch für Süchtige, von denen manche eine Substitutionstherapie machen, wie sie etwa in der Ambulanz für Integrierte Drogenhilfe des Notdienstes für Suchtmittelgefährdete und -abhängige in der Nähe des Bahnhofs möglich ist. In solchen Praxen werden Abhängige von Opioiden wie etwa Heroin oder Tilidin legal von Ärzten mit Ersatzstoffen behandelt.

Es fehlt an Tagesunterkünften, weshalb viele Menschen sich am oder im U-Bahnhof aufhalten. Petja und seine Lebenspartnerin Nika Mouz wissen das aus eigener Erfahrung. Die beiden 37-Jährigen aus Berlin, die ihre richtigen Namen hier lieber nicht lesen wollen, sind obdachlos und drogenabhängig – lange schon kämpfen sie gegen ihre Sucht, vor allem nach Opioiden. Nachts kommen sie seit vergangenem Sommer regelmäßig in die Notunterkunft.

Als Petja Mouz sich auf einer Ledercouch im Gemeinschaftsbereich der Unterkunft niederlässt, ist ihm anzusehen, dass er nicht nüchtern ist. Seine Wangen sind gerötet. Er sieht müde aus. Vor allem, sagt er, weil er Valium intus und Alkohol getrunken habe. Auch habe er Methadon bekommen, in einer Substitutionspraxis in Mitte.

Drogen gehören zu seinem Leben, seit er 10 oder 11 Jahre alt ist. Damals hätten sich seine Eltern scheiden lassen und ihn ins Heim gegeben. Bald habe er täglich gekifft, sei in die Kriminalität abgerutscht. Nach der achten Klasse sei er nicht mehr zur Schule gegangen. Kokain, Crack, Heroin: Die Drogen werden härter.

Als er 19 Jahre alt ist, trifft er am Alexanderplatz auf Nika. Sie sagt, ihre Mutter habe sie zu Hause rausgeschmissen. Gemeinsam mit Petja habe sie harte Drogen genommen, sei abhängig geworden. Sie verschmelzen mit der Drogen- und Straßenszene.

Tagsüber, wenn sie raus müssen aus der Unterkunft, halten sie sich an vielen Orten auf. Mal am Alex, mal am Halleschen Tor, dann wieder am Kotti oder eben an der Frankfurter Allee, sagt Petja Mouz. Ab 10 Uhr fange er an zu trinken. Aber nur bis 19 Uhr. Dann sei Schluss. Nur ab und zu rauche er einen Crack-Kokain-Kopf. Vor vier Jahren hätten sie ihre zweite Substitutionstherapie begonnen. Deshalb nähmen sie inzwischen 85 Prozent weniger Drogen.

Zur Szene im U-Bahnhof verweist er auf die ,,Substipraxis" in der Nähe. Bei solchen Praxen, sagt er, halten sich immer viele Süchtige auf. Und – das regt ihn besonders auf – das würden Dealer für sich ausnutzen. Die, sagt er, geben vor, von Opioiden abhängig zu sein, nähmen aber nur kleinste Mengen ein. In den Praxen träfen sie auf potenzielle Kunden.

Dass die Frankfurter Allee ein Szenetreffpunkt ist, hat aber noch andere Gründe. ,,Der Bahnhof ist ein Knotenpunkt. Man ist schnell da, man ist schnell weg. Es gibt das Ringcenter, wo man sich im Warmen und unauffällig aufhalten kann, und öffentliche Toiletten", sagt Antje Matthiesen, die sich mit der Szene gut auskennt. Sie leitet beim Notdienst die Fachbereiche Substitution und Psychosoziale Betreuung und begleitet die Ambulanz, wo Betroffene zugleich medizinisch und sozial betreut werden, seit deren Anfängen 2008.

Am und im Bahnhof seien nur wenige, die aufgrund ihrer Opioidabhängigkeit in der Ambulanz in Behandlung sind. ,,Da sind viele Menschen, die geflüchtet sind. Menschen mit psychischen Erkrankungen, Alkoholabhängige, Obdachlose und manchmal eben auch Menschen, die von allem etwas haben", sagt Matthiesen.

Die Szene in der Frankfurter Allee habe sich über die Jahre sehr verändert, ,,aber das hat sie an vielen anderen Orten in dieser Stadt auch", sagt Matthiesen. ,,Die Verelendung in dieser Stadt fällt einfach auf, und nimmt deutlich mehr Platz ein im öffentlichen Raum." 

Das sieht auch der Geschäftsführer des Notdienstes, Michael Frommhold, so. ,,Die Situation auf der Straße verschärft sich". sagt er. Kleine Szenen gebe es inzwischen auch am Yorckpark oder Gleisdreieckpark.

Die Obdach- und Wohnungslosigkeit in der Hauptstadt werde größer. ,,Es gibt immer weniger Plätze in der Wohnungshilfe." Und wer in einer Unterkunft für betreutes Wohnen unterkomme, sei auf dem Wohnungsmarkt kaum vermittelbar. Umso wichtiger seien weitere Unterkunftsangebote. Doch dabei scheitere man fast immer an Räumen und Geld. ,,Insgesamt wird die Situation im sozialen Bereich immer schlimmer", sagt Frommhold.

Der Suchtbeauftragten des Landes, Heide Mutter, entgeht die Not auf den Straßen nicht. ,,Auch ich nehme wahr, dass es in Berlin an vielen Orten eine Zunahme des Konsums im öffentlichen Raum gibt", teilt sie mit. Sie führt ,,die Situation zu einem großen Anteil auf die zunehmende bauliche Verdichtung und den Mangel an bezahlbarem Wohnraum zurück".

,,Grundsätzlich halte ich das Berliner Suchthilfesystem für sehr ausdifferenziert und sehr vielfältig in seiner Angebotsstruktur", sagt sie. Nötig seien aber mehr Notübernachtungsstellen, Streetworker und vor allem Mediziner:innen, die die Substitutionsbehandlung sicherstellen. Die trage dazu bei, gesundheitliche Gefahren zu reduzieren, den öffentlichen Raum zu entlasten. Doch: ,,Viele scheiden aktuell altersbedingt aus, ohne dass gleichzeitig ausreichend Kolleginnen und Kollegen die Lücken füllen."

Heide Mutter fordert mehr Geld. ,,Sowohl die Sucht- und Drogenberatungsstellen als auch die Alkohol- und Medikamentenberatungsstellen benötigen dringend einen finanziellen Aufwuchs, um den veränderten Bedarfen der suchtkranken Menschen und den gestiegenen Anforderungen an qualifizierte Suchtberatung verlässlich nachkommen zu können."

Statistische Daten könnten Aufschluss darüber geben, wie verbreitet Drogensucht und Obdach- wie Wohnungslosigkeit in Berlin sind. Das Problem ist nur: Trendstudien oder Längsschnittanalysen, die Entwicklungen aufzeigen könnten, fehlen.

Zwar wird regelmäßig eine Suchthilfestatistik für Berlin erstellt, doch die letzte basiert auf den Daten von 2020. Noch dazu sind es Daten, die nur von wenigen ambulanten und stationären Einrichtungen der Suchthilfe erhoben werden. Obendrein lässt sich nicht jede suchtkranke Person behandeln.

Was die Daten zeigen, ist, dass es in Berlin im Vergleich zum Bund eklatant mehr Hauptdiagnosen gibt, die Abhängigkeit von Kokain oder Opioiden betreffen. Zudem geht aus der jüngsten Abwasseranalyse der Europäischen Beobachtungsstelle für Drogen und Drogensucht hervor, dass der Kokain- (um 58 Prozent) und Crystal-Meth-Konsum (knapp 70 Prozent) in Berlin in den vergangenen fünf Jahren rasant gestiegen ist. Noch dazu kletterte die Zahl der Drogentoten im Jahr 2021 auf den höchsten Wert seit 20 Jahren. Mit 223 Fällen gab es über 100 mehr als zehn Jahre zuvor.

Wohnungslose – das schließt Menschen auf der Straße ein und solche, die etwa in den Wohnungslosenunterkünften des Landes leben – gab es in der Hauptstadt Ende Januar 2022 laut Statistischem Bundesamt rund 26.000. Wobei Fachleute immer wieder von rund 50.000 Betroffenen ausgehen.

Sehr schlecht ist die Datenlage auch bei der Obdachlosigkeit. Wie viele Menschen es in Berlin gibt, die nur im öffentlichen Raum schlafen und höchstens über Nacht in Notunterkünften unterkommen, ist nicht bekannt. Schätzungen gehen von 10.000 Obdachlosen in Berlin aus. Doch bei der einzigen Zählung im Jahr 2020 erfassten Freiwillige laut Senatsverwaltung für Integration, Arbeit und Soziales in einer Nacht gerade einmal knapp 2000 Menschen.

Wie aber lässt sich eine angemessene Politik betreiben, wenn die Datengrundlage so löchrig ist? Immerhin soll bis 2030 die Obdachlosigkeit in der Hauptstadt besiegt werden. Die Senatssozialverwaltung verweist darauf, die Angebote für wohnungslose Menschen erheblich ausgebaut zu haben. Das Finanzierungsvolumen sei seit 2015 von 2,93 Millionen Euro auf mehr als 10 Millionen Euro 2023 ausgeweitet worden, so Sprecher Stefan Strauß.

Die Senatsverwaltung setze verstärkt auf eine aufsuchende Straßensozialarbeit. Ein besonderes Projekt sei zudem das ,,Housing First". Dabei solle den betroffenen Menschen bedingungslos eine Unterkunft gestellt werden, ohne bürokratische Hürden oder sonstige Bedingungen.

Auch Stadtmissionssprecherin Breuer hält das Projekt für vielversprechend. Während der Pandemie seien wohnungslose Menschen in Hostels mit Vollverpflegung untergebracht worden. Viele, die nie nüchtern gewesen seien, hätten plötzlich aufgehört zu trinken und angefangen, sich mit der Suche nach Arbeit zu beschäftigen. Sie hatten Hoffnung.

Auch Petja und Nika Mouz haben noch Hoffnung. Kraft gibt ihnen, dass sie seit 18 Jahren einander haben. ,,Seit sie bei mir ist, ist alles in meinem Kopf ruhiger geworden", sagt er. ,,Ich bin so froh, ihn in meinem Leben zu haben", sagt sie. Doch Petja Mouz weiß auch: Mit bald 40 Jahren werden die Chancen weniger.


Aus: "Drogen, Armut, Obdachlosigkeit: Das alltägliche Elend an einem gewöhnlichen Berliner Bahnhof" Christoph Zempel (11.04.2023)
Quelle: https://www.tagesspiegel.de/berlin/drogen-armut-obdachlosigkeit-das-alltagliche-elend-an-einem-gewohnlichen-berliner-bahnhof-9504251.html

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Quote[...] Das Münchner ifo Institut beschäftigt sich seit 1949 mit der Analyse von Wirtschaftspolitik. Etwa zwei Drittel seines Etats stammen aus öffentlichen Zuwendungen. Der Rest stammt aus anderen Quellen, etwa aus der Politikberatung. Das Institut, zu dessen bekanntesten Publikationen der monatliche Geschäftsklimaindex gehört, ist als eingetragener Verein organisiert und wird seit 2016 von dem Ökonomen Clemens Fuest geleitet.

Kinder von Eltern mit hohem Einkommen und guter Bildung haben deutlich höhere Bildungschancen als Kinder aus Familien mit niedrigem Einkommen und Eltern ohne Abitur. Das Ausmaß dieser bereits bekannten Unterschiede ist hoch, wie Erkenntnisse aus einer Studie des ifo Instituts und des Vereins Ein Herz für Kinder bestätigen. 

Nur 21 Prozent der Kinder, deren Eltern beide kein Abitur haben und zusammen weniger als 2.600 Euro netto im Monat verdienen, besuchen demnach das Gymnasium. Bei Kindern, deren Eltern Abitur und ein Haushaltseinkommen von mehr als 5.500 Euro netto haben, sind es 80 Prozent. 

Diese Zahlen zeigten ein "frappierendes Ausmaß" an Ungleichheit in den Bildungschancen in Deutschland in Abhängigkeit des familiären Hintergrunds der Kinder, heißt es in dem Chancenmonitor des ifo Instituts. Die Forscher untersuchten den Anteil von Kindern zwischen zehn und 18 Jahren an Gymnasien in Abhängigkeit des Bildungsniveaus und Einkommens der Eltern. Auch die Frage, ob die Schülerinnen und Schüler bei Alleinerziehenden leben oder einen Migrationshintergrund haben, spielte eine Rolle.   

Den Forscherinnen zufolge sind Einkommen und Bildungsniveau die entscheidenden Faktoren bei der Wahrscheinlichkeit eines Gymnasialbesuchs der Kinder. Migrationshintergrund sei hingegen ein Faktor, der nur wenig ins Gewicht falle.

Bildung scheint dabei einen höheren Einfluss zu haben als Einkommen: 75 Prozent der Kinder, deren Eltern beide Abitur haben, besuchen das Gymnasium ungeachtet des Einkommens. Bei Kindern, deren Eltern auf ein gemeinsames Nettoeinkommen von mehr als 5.500 Euro kommen, beträgt er ungeachtet deren Bildungsniveaus 60 Prozent. Bei einem Einkommen von unter 2.600 Euro netto gehen 26 Prozent der Kinder aufs Gymnasium. Haben beide Eltern darüber hinaus kein Abitur, sinkt der Anteil um fünf Prozentpunkte.

Wie die Studienautorinnen hervorheben, beeinflusst die ungleiche Chance auf einen Gymnasialbesuch das Leben der Kinder massiv, da das Abitur alle weiterführenden Bildungswege öffne und somit über Berufsaussichten entscheide. Zudem verwiesen sie auf Studien, die einen Zusammenhang zwischen höherer Bildung und späterem Einkommen, Lebenszufriedenheit und erwarteter Lebensdauer herstellten.

Als möglichen Lösungsweg empfehlen die Autorinnen eine gezielte Förderung von Kindern aus "benachteiligten Verhältnissen" schon im frühen Alter. Denkbar wäre etwa eine sogenannte Opt-out-Regelung für den Kitabesuch: Kinder würden dann automatisch für die Kita angemeldet, Eltern könnten nur in begründeten Fällen eine Ausnahme beantragen.   

Zudem sprachen sie sich dafür aus, Kinder nicht schon nach der vierten Klasse in weiterführenden Schulen zu trennen, sondern wegen einer "ausgleichenden Wirkung" länger gemeinsam lernen zu lassen. Der Leiter des ifo Zentrums für Bildungsökonomik Ludger Wößmann forderte zudem eine Förderung durch kostenfreie Nachhilfe- und Mentoring-Programme. Zudem sei es wichtig, besonders qualifizierte Lehrkräfte für Schulen mit vielen benachteiligten Kindern zu gewinnen, etwa durch attraktivere Gehälter.

"Soziale Herkunft und Bildungserfolg, sie hängen immer noch viel zu stark zusammen", sagte Bundesbildungsministerin Bettina Stark-Watzinger (FDP). Man dürfe nicht hinnehmen, dass Kinder von Eltern mit niedrigerer Bildung mehr Schwierigkeiten in der Schule hätten. Kein Kind suche sich aus, in welches Umfeld es geboren werde.

Datengrundlage für die Zahlen ist der Mikrozensus von 2019, bei dem rund 810.000 Menschen zu Arbeits- und Lebensbedingungen befragt worden sind. Untersucht wurden die Angaben von mehr als 51.000 Kindern. In Zukunft will das ifo Institut den Chancenmonitor jährlich veröffentlichen und weitere Faktoren wie etwa regionale und geschlechtsspezifische Unterschiede einbeziehen. 


Aus: "Studie bestätigt Einfluss von Klasse auf Bildungschancen" (18. April 2023)
Quelle: https://www.zeit.de/gesellschaft/2023-04/ungleichheit-bildung-gymnasium-einkommen-kinder-eltern

Quote
Babadingo

Wow! Diese Ergebnisse sind alles andere als neu. Es ist schon seit Dutzend Jahren bekannt, dass der sozioökonomische Status mit der größte prädiktor für Bildung ist.


QuoteArribaChinchita

Und noch eine Studie, die zeigt, was eigentlich alle wissen. ...


QuoteMichael_W.

Es gibt immer eine Korrelation zwischen Bildungsabschluss der Eltern und Bildungsabschluss der Kinder, in allen OECD-Staaten.
Das lässt sich letztlich gar nicht komplett vermeiden.

ABER (und bekanntermaßen ist alles vor dem aber bedeutungslos)

Man muss sich fragen, warum diese Korrelation ausgerechnet in Deutschland so überaus groß ist. Von allen OECD-Staaten ist sie nur in Griechenland größer.
Wollen wir uns daran orientieren? Selbst die USA bekommen es mit ihrem Stipendiensystem besser hin.
Und das ist peinlich.


Quoteamo71

Interessanter Weise nimmt auch die Einsprüche bei der Notengebung stark zu. Gerade auch bei den Noten gut/befriedigend. Die Einsprüche komme gerade von gutsituierten/gebildeten Eltern.


Quotesintwell

Ich erlebe seit einigen Jahrzehnten, dass die gestiegenen Abizahlen doch eher mit Erbe und Einkommen zu tun haben, jedenfalls in der ebenfalls gestiegenen Mittelschicht. Die Nachkriegskinder profitierten von Wirtschaftswunder und konnten auch als Volksschüler mit nur 8 Schuljahren tolle Karrieren hinlegen und der Pillenknick war positiv für eine Kleinfamilie, in der auch die Mutter ein gutes (Zusatz)Einkommen erreichen konnte. So konnte das eine oder die zwei Kinder super gefördert werden, Hausaufgabenbetreuung und Nachhilfe ist das Stichwort. Geld für die studierende Tochter sowieso.

Gab es früher auch schon bei besseren Bauernfamilien, die sich aus Prestigegründen ein Klavier in die Stube stellten und die kleine Maria Unterricht erhielt.

Die Massen dieser gestiegenen Mittelschicht sind heute Akademiker (aus guten Gründen) und bei den abgehängten Kindern sitzt der Frust tief, da sie als Bäckereifahrer einfach nicht annähernd auf das Einkommen kommen, welches die Architektin erhält.

Und hier liegt das gesellschaftliche Problem, nicht nur in Deutschland. Dass wir hinnehmen, dass der Niedriglohnsektor übersehen wird, die Relevanz dieser Berufsgruppen nicht erkannt und die Mär vom Aufsteiger weiterhin unser Mantra ist.


QuoteTordenskjold


Eliten tendieren dazu sich selbst zu reproduzieren. Die meisten Kommentare hier belegen das ja prompt.

Man strebt nach oben und tritt nach unten. Und wer seine Kinder mühsam durchs Abi geprügelt hat (mit teuren Nachhilfestunden), der verkündet nun vollmundig, dass eben ,,- nicht jeder Abitur haben kann". Der Abstand zu denen da unten muss ja irgendwie gewahrt bleiben. Statt sich also zu fragen, ob Erben auch eine Leistung ist (die sich ja angeblich lohnen soll) und ob da nicht was schief läuft, wenn Susanne Klatten eine Dividendenausschüttung von über einer Milliarde Euro bekommt, tritt man lieber nach unten. Die deutsche Neidgesellschaft. Dem Armen wird das Wenige geneidet, was er hat und gegen die Förderung jener Kinder, die aus ,,bildungsfernen Schichten" stammen, wird stramm andiskutiert. Die Methoden von Studien werden angezweifelt und durch anekdotische Erlebnisschilderungen und ganz viel Bauchgefühl ersetzt. Die soziale Schere klafft immer weiter auf und in Sachen sozialer Mobilität wird Deutschland inzwischen von vielen Ländern überholt. Der Erosion der Solidarität kann man täglich zuschauen. Lindner, Kubicki, Döpfner und Weidel freuen sich.


Quote
dreimalgescheit

Unfug, man muss sich der Realtiaet der Welt stellen anstatt zu lamentieren ueber angebliche Ungerechtigkeiten und Verschwoerungen. Das kaschiert alles nur die eigene Unfaehigkeitet, Familien Geschichte etc..


QuoteTordenskjold
Antwort auf @dreimalgescheit

Als ,,Unfug" würde ich eher Ihren in jeder Hinsicht missglückten Kommentar bezeichnen. Ihnen ist die soziale Mobilität in unserer Gesellschaft egal? Und die Verlierer des Systems haben also am Ende selber schuld? Wahrscheinlich ohne es zu wissen, predigen Sie hier die Ständegesellschaft in der es ,,Gottes Wille" oder ,,Schicksal" ist, wo man in der gesellschaftlichen Hierarchie landet.


Quote
dreimalgescheit
Antwort auf @Tordenskjold

Noe, Intelligenz, Herkunft etc. kann ich zwar versuchen zu kompensieren, aber irgendwann geht das nicht mehr, genau wie 1+1=2. Da koennen Sie lamentieren wie Sie wollen irgendwann kann man sich den Realitaeten nicht mehr verweigern. Koennen Sie gern machen, die Frage ist wie weit man mit Selbstbetrug kommt - wahrscheinlich das Gegenteil von weit.


QuoteBabadingo
Antwort auf @dreimalgescheit

Was zum Geier tippen Sie hier in die kommentarleiste? Unverständliches schwadronieren.


Quote
Realo11

Intelligenz ist auch erblich bedingt. Diese Tatsache völlig außen vor zu lassen kann auch Schaden anrichten: Wenn Kinder in der Annahme, jeder müsse das schaffen überfordert und frustriert werden, ist nichts Gutes getan.

Auch ohne Studium kann man mit Fleiß und richtiger Einstellung gut Geld verdienen und glücklich sein.


QuoteDean.
Antwort auf @Realo11

Intelligenz kann erblich bedungt sein, bislang wurde aber noch kein Zusammenhang der Intelligenzverteilung zum Bildungsniveau der Eltern hergestellt. Unter "Arbeiterkindern" gibt es demnach genauso viele Schlaue und Dumme wie unter Akademikerkindern


QuoteimmerMalWieder
Antwort auf @Realo11

Intelligenz ist nur ein Faktor und Sie stellen es so hin als wäre ein IQ alleine ausschlaggebend.

Welche Zahl passt denn und ab welcher nicht mehr?

Ja, das ist Unfug!

Wenn mein Sohn schon in der 3.Klasse Bruchrechnen kann und tolle Aufsätze schreibt, ist es vor allem dem geschuldet, dass er nicht vor dem Fernseher oder der Konsole sitzt, sondern sich z.b. für Mathe interessiert.


QuoteWwvvwW

Ich denke, dass es Eltern, die gebildet sind und denen Bildung wichtig ist, noch irgendwie möglich ist, die großen Mängel unseres Schulsystems etwas auszugleichen.
Andere nehmen sich da nicht die Zeit oder können auch nicht helfen und schwupps, sind die Lücken und damit auch der Frust da.
Mangel ist allerdings überall und auch gebildete Eltern wünschen sich regelmäßigen, qualifizierten und gut vorbereiteten Unterricht für ihr Kind.


QuoteHonig und Salz

"Ungleichheit"

Menschen sind nicht "gleich".


QuoteDer_Kommentierende

Zunächst dachte ich: Wieso dazu eine Studie? Diese Fakten sind seit sehr langem bekannt. Es gab auch ausreichend Studien dazu. Dann las ich ifo-institut und wurde hellhörig. Denn dieses Institut gibt sich gerne unabhängig, ist aber extrem durch konservative Werte und Ansichten geprägt. Hier soll es dann wohl um etwas Anderes gehen als das offensichtlich sich abzeichnende Untersuchungsergebnis.

Und, ja, da stehen sie, die Empfehlungen! Wie zuvor etwa bei Themen aus der Arbeitswelt, sie folgen einer einzigen Richtlinie: Schuld ist jeder selbst - und weil dies bei Kindern schlecht funktioniert, muss man eben dafür sorgen, dass sie von klein auf passend erzogen und ausgebildet werden. Und dafür soll der Staat Geld bereitstellen.

Kein Wort darüber, nicht ein Hauch davon, dass diese Unterschiede per Klasse nicht nur bei Bildung und Lebensperspektiven von Kindern auftreten! Dass Ungleichheit trotz Grundgesetz in vielen Fällen besteht und bewusst gepflegt wird. Dass der Zusammenhang zwischen elterlichem Einkommen auch als Hinweis auf deren Möglichkeiten gesehen werden kann, etwa auch für eigene Bildung oder Unterstützung ihrer Kinder durch Zeit, bezahlbare Hobbies oder geschenkte Bücher. Nein, auf keinen Fall! Das würde ja zu einer gesellschaftspolitischen Diskussion führen, die das Geschäftsmodell der Bessergestellten in Frage stellt. ...


QuoteHenrybens

War die Artikelüberschrift ("...Einfluss der Klasse auf ...") ein Versehen?
Ich vermute es. Offiziell haben wir ja keine Klassengesellschaft, in der Realität allerdings schon ...


QuoteMagischesMarc

Das Traurige ist: das ist alles nichts Neues! ...


...

Textaris(txt*bot)

#1422
... Friede Springer ... übertrug ihm 2019 ... Aktien im Wert von rund 1 Milliarde Euro ...

Quote[...] Keine Überraschung! So lautet die vermutlich häufigste Reaktion auf die Döpfner-Causa am Donnerstagmorgen bei Twitter, dem Lieblingsnetzwerk der Jour­na­list*in­nen. Anlass war eine Recherche der Zeit, die nach eigenen Aussagen E-Mails und Chats einsehen konnte, die Springer-Chef Mathias Döpfner in den vergangenen Jahren an Personen aus dem engsten Führungskreis geschickt haben soll. Viele davon sind voller Rechtschreibfehler, englischer Wörter und lesen sich, als hätte sie jemand in besoffenem Zustand abgeschickt. ,,Die ossis sind entweder Kommunisten oder faschisten. Dazwischen tun sie es nicht. Eklig." Oder eine SMS an den damaligen Bild-Chefredakteur Julian Reichelt: ,,Please Stärke die FDP. Wenn die sehr stark sind können sie in Ampel so autoritär auftreten dass die platzt. Und dann Jamaika funktioniert."

Aus der Zeit-Recherche ergibt sich das Bild eines mächtigen Mannes, der die Bundespolitik beeinflussen, Angela Merkel absägen und die Ostdeutschen fertigmachen will. Ein Mann, der den Klimawandel eigentlich ganz gut findet, in Trump einen geeigneten US-Präsidenten sieht und die Wahl Kemmerichs zum thüringischen Ministerpräsidenten mithilfe der Stimmen der AfD unproblematisch findet. Er selbst fasst sein Weltbild in einer Nachricht so zusammen: ,,free west, fuck the intolerant muslims und all das andere Gesochs."

Wer in den letzten Jahren die Berichterstattung der Springer-Medien, allen voran die der Bild, verfolgt hat, wird von diesen Aussagen wahrlich nicht überrascht sein. Döpfners rechtes Weltbild war bekannt. Dass der Mann an der Spitze eines der größten Medienunternehmen weltweit gegen journalistische Grundsätze verstoßen möchte, um Politik zu beeinflussen, ist skandalös – aber leider nicht verwunderlich.

Jetzt mit dem Finger auf diesen einen fiesen Typen zu zeigen, der peinliche denglische Chats voller Fehler an seine Mit­ar­bei­te­r*in­nen verschickt, ist wenig hilfreich. Denn, ob wir Jour­na­lis­t*in­nen das nun wollen oder nicht: Mathias Döpfner ist ein Kollege von uns. Und zwar nicht irgendeiner, sondern ein ziemlich mächtiger. Dass er an der Spitze eines Medienhauses sitzt und seine Macht willkürlich ausleben kann, ist gefährlich – aber er hat sich dort nicht alleine hingesetzt.

In erster Linie liegt die Verantwortung natürlich beim Verlag selbst. An Döpfners steiler Karriere vom Welt-Chefredakteur zum Quasiherrscher über den Springer Verlag ist vor allem Friede Springer, die Witwe von Axel Springer, schuld. Sie übertrug ihm 2019 nicht nur Aktien im Wert von rund 1 Milliarde Euro, sondern auch ihr Stimmrecht.

Seitdem kann Döpfner eigentlich machen, was er will. Zuletzt zeigte sich das in der Reichelt-Affäre. Als Reichelt 2021 Machtmissbrauch und verschiedene Affären mit Mitarbeiterinnen vorgeworfen wurde, stellte Döpfner sich schützend vor ihn. In dem folgenden Jahr erschienen neben Recherchen vom Spiegel auch welche von der Financial Times und der New York Times, die Döpfner eine Mitschuld daran geben, dass Reichelt so lange seine Macht missbrauchen konnte. In diesem Zusammenhang wird eine SMS zitiert, in der Döpfner Reichelt als letzten und einzigen Journalisten in Deutschland bezeichnet, der noch mutig gegen den ,,neuen DDR-Obrigkeitsstaat" aufbegehre. Infolge der Recherchen wurde Reichelt gefeuert, Döpfner blieb an der Spitze.

Nicht nur innerhalb des Springer-Konzerns hat Döpfner nichts zu befürchten, auch ansonsten hat er ein gefestigtes Standing in der Branche. Dort wird lieber mit ihm abgekumpelt, als sich von ihm zu distanzieren – und das, obwohl seine Ansichten kein Geheimnis sind. 2016 wurde er Präsident des Bundesverbands Deutscher Zeitungsverleger (BDZV) – also Cheflobbyist der Journalismusbranche. Auch hierzu hat er sich nicht selbst ernannt, er wurde gewählt.

Nach der Reichelt-Affäre gab es zwar einige, die Konsequenzen forderten: Madsack-Chef Thomas Düffert trat als Vize zurück, die Funke Mediengruppe trat zum Jahresende 2022 aus. Der BDZV nahm eine Entschuldigung von Döpfner damals an und ließ ihn im Amt. Peinlich für die Branche. Erst Ende Mai 2022 kündigte Döpfner dann selbst an, sein Amt abzugeben.

...


Aus: "Enthüllung über Springer-Chef Döpfner: Das Monster, das wir schufen" Carolina Schwarz (13. 4. 2023)
Quelle: https://taz.de/Enthuellung-ueber-Springer-Chef-Doepfner/!5924617/

QuotePLAGIATOS

Nach zweitem mal lesen finde ich bereits den Titel unpassend. Als ob keiner genauer hingeschaut hätte und keiner etwas gemerkt hätte.  ...


-

Quote[...] Döpfner ist, dank des Wohlgefallens der Springer-Witwe, zum CEO eines global einflussreichen Medienkonzerns aufgestiegen. In manchem erinnert er an Trump: nicht so vulgär, aber ebenso beseelt von der Ideologie der rechten US-Libertären, für die das Ich alles, die Gesellschaft nichts und der Staat der Gegner ist. Mit Trump verbindet Döpfner auch, dass sein größtes Talent ist, sich selbst für absolut großartig zu halten.

Friede Springer hat ihrem Protegé 2019 Aktien im Wert von einer Milliarde Euro geschenkt – mit einem legalen Trick steuerfrei. Dass solche Gaben am Fiskus vorbei möglich bleiben, dafür sorgt der FDP-Finanzminister, dessen Partei von Bild auf Ansage des Verlegers publizistisch unterstützt werden sollte.

...


Aus: "Geleakte Chatnachrichten bei Springer: Unser Trump" Aus einem Kommentar von Stefan Reinecke (14. 4. 2023)
Quelle: https://taz.de/Geleakte-Chatnachrichten-bei-Springer/!5925363/

QuoteRicky-13, Samstag, 11:58

taz: "Mit Trump verbindet Döpfner auch, dass sein größtes Talent ist, sich selbst für absolut großartig zu halten."

Der Springer-Chef Döpfner ist ja auch ein großer Fan von Trump. "Mathias Döpfner hatte bei den US-Wahlen 2020 dazu aufgerufen, für den Sieg Donald Trumps zu beten. Im September 2022 berichtete die Süddeutsche Zeitung, der Ex-Präsident habe sich auf seiner Social-Media-Plattform Truth Social bei Döpfner dafür bedankt. Die Washington Post deckte am 6. September 2022 eine entsprechende E-Mail Döpfners an seine engsten Führungskräfte wenige Wochen vor der US-Wahl 2020 auf. Der Verleger Döpfner hatte zuvor die Existenz dieser E-Mail geleugnet." [Quelle: Wikipedia - 'Süddeutsche Zeitung, The Washington Post']


QuoteCM

Herr Reinecke, Sie äußern sich in Ihren privaten Nachrichten sicher immer sehr ausgewogen, nie empört oder wütend, sondern immer voller abgeklärter Empathie mit jeder und jedem.
Dumm, dass die meisten Menschen Ihren Stand nicht erreichen werden.


QuoteBenedikt Bräutigam
Samstag, 06:22

@CM Erstens: ja, denn es macht einfach keinen Sinn, wenn man "im Privaten" ein jämmerlicher, hasserfüllter und überheblicher Mensch ist, während man offiziell auf "Kunst und Liebe" macht. Zweitens: "Privat?" Sind Mails zwischen Vorstandsvorsitzendem und Chefredakteur privat? Mails mit eindeutigem Bezug auf journalistische Inhalte und mit unverhohlener Einflussnahme? Ne, das ist nicht privat.


...

Textaris(txt*bot)

#1423
Quote[...] Für seine Krönung erhält König Charles III. ein besonderes Präsent von Papst Franziskus. Der Pontifex schenkt dem britischen Monarchen, dem Oberhaupt der Anglikanischen Kirche, zwei Splitter des Heiligen Kreuzes, an dem der Bibel zufolge einst Jesus gekreuzigt wurde. Die Reliquien wurden in das Kreuz von Wales eingearbeitet, das bei der Zeremonie am 6. Mai die Krönungsprozession anführen soll. Der Erzbischof des britischen Landesteils, Andrew John, soll das Kreuz heute bei einem Gottesdienst in der nordwalisischen Stadt Llandudno segnen. Anschließend wird es nach London gebracht.

Die Fragmente sind einen Zentimeter beziehungsweise fünf Millimeter klein und haben je die Form eines Kreuzes. Sie sind in ein größeres Silberkreuz hinter einem Rosenkristall-Edelstein eingelassen, sodass sie nur aus der Nähe gesehen werden können. Der König - der bis zu seiner Thronbesteigung den Titel des Prinzen von Wales trug - hatte das Kreuz der Church of Wales zu deren 100. Geburtstag geschenkt. Er hatte im November 2022 persönlich einen Leopardenkopf als königliches Zeichen darauf angebracht.

Nach der Krönung soll das Kreuz in Wales von der Anglikanischen und der Katholischen Kirche genutzt werden. Es besteht aus recycelten Silberbarren, die von der Münzprägeanstalt Royal Mint in Südwales zur Verfügung gestellt wurden. Dazu gehören auch ein Schaft aus walisischem Fallholz und ein Ständer aus walisischem Schiefer. Auf der Rückseite sind Worte aus der letzten Predigt des Heiligen David auf Walisisch eingeprägt: "Byddwch Lawn. Cadwch y ffydd. Gwnewch y Pethau Bychain" - auf Deutsch: "Sei fröhlich. Behalte den Glauben. Tu die kleinen Dinge."

Erzbischof John zeigte sich geehrt über die Kreuzgabe. "Sein Design entspricht unserem christlichen Glauben, unserem Erbe, unseren Ressourcen und unserem Engagement für Nachhaltigkeit", sagte er. "Wir freuen uns auch, dass sein erster Nutzen sein wird, Ihre Majestäten beim Krönungsgottesdienst in die Westminster Abbey zu führen."

Quelle: ntv.de, jpe/dpa


Aus: "Splitter vom Heiligen Kreuz Papst schenkt Charles wertvolle Reliquien zur Krönung" (19.04.2023)
Quelle: https://www.n-tv.de/leute/Papst-schenkt-Charles-wertvolle-Reliquien-zur-Kroenung-article24062611.html

-

Quote[...]

Eine knappe Mehrheit der erwachsenen Briten lehnt ab, dass der Staat für die Krönung von König Charles III. zahlt.

In einer YouGov-Umfrage gaben von mehr als 4.200 Befragten 51 Prozent an, der Staat solle ihrer Meinung nach nicht die Kosten für das Ereignis tragen. Knapp ein Drittel sprach sich hingegen dafür aus, der Rest konnte sich nicht entscheiden.

Der britischen Nachrichtenagentur PA zufolge könnte das Ereignis Schätzungen zufolge 50 bis 100 Millionen Pfund, umgerechnet bis zu 113 Millionen Euro, kosten.

dpa/cd


Aus: "Mehrheit der Briten will nicht für Krönung von Charles III. zahlen" (19.04.2023)
Quelle: https://brf.be/international/1711458/


Textaris(txt*bot)

Quote[...] Der Verbandspräsident der deutschen Maschinen- und Anlagenbauer, Karl Haeusgen, plädiert für die Rückkehr zur 40-Stunden-Woche und für die Rente mit 68 Jahren. "Der Arbeitskräftemangel wird von Jahr zu Jahr dramatischer", sagte Haeusgen der Augsburger Allgemeinen. "Wir kommen nicht um eine Verlängerung und Flexibilisierung der Arbeitszeit herum."

Die Maschinen- und Anlagenbauer könnten heute schon 14.000 Arbeitsplätze nicht besetzen. Die 40-Stunden-Woche müsse in der Metall- und Elektroindustrie wieder die Regel werden und die 35-Stunden-Woche die Ausnahme. "Das Thema wird irgendwann bei den Gewerkschaften ankommen. Der Schmerz muss nur groß genug sein", sagte der VDMA-Präsident: "Die 40-Stunden-Woche wird kommen."

Zudem seien längere Lebensarbeitszeiten notwendig. "Eine Rente mit 68 halte ich für einen gangbaren Weg", sagte der Maschinenbau-Präsident. Zumindest aber sollten Arbeitnehmer, wenn sie das wollen, bis 68 arbeiten können. Wer eine gesundheitlich belastende Arbeit macht, sollte jedoch früher in Rente gehen können.

Das Arbeitskräftepotenzial müsse zudem besser ausgeschöpft werden. Der Anteil der Frauen in den Ingenieurberufen sei zwar gestiegen, "aber elf Prozent sind immer noch eine jämmerliche Zahl", sagte Haeusgen. Für den Klimaschutz brauche es Technik und Maschinen, Windkraftanlagen zum Beispiel. "Die Gretas unserer Zeit sollten also am besten Maschinenbau-Ingenieurinnen werden."

Der Maschinen- und Anlagenbau gehört zu Deutschlands wichtigsten Industriezweigen. Die Branche beschäftigt 1,2 Millionen Menschen, hat im vergangenen Jahr Maschinen für 192 Milliarden Euro exportiert und 244 Milliarden Euro erwirtschaftet.


Aus: "VDMA-Chef für 40-Stunden-Woche und Rente mit 68" (22. April 2023)
Quelle: https://www.zeit.de/wirtschaft/unternehmen/2023-04/fachkraeftemangel-vdma-40-stunden-woche-rente

QuoteWander_

"VDMA-Chef für 40-Stunden-Woche und Rente mit 68"

Ich bin für Rente mit 98..


QuoteI only smile in the dark

"Die Maschinen- und Anlagenbauer könnten heute schon 14.000 Arbeitsplätze nicht besetzen."

Es ist mir unbegreiflich, wie ein Kapitalist glaubt, dies könne man lösen, indem man die Arbeitsbedingungen noch beschissener macht. Soll der Typ sich doch selbst hinter die Maschinen setzen, anstatt dumme Sprüche zu klopfen, dann wäre es schonmal eine unbesetzte Stelle weniger.


...

Textaris(txt*bot)

Quote[...] TBLISSI taz | Die letzten fünf Jahre hat Wasil Itschirauli in einem Lastwagen gelebt. Er hat Waren von Ost- nach Westeuropa transportiert und praktisch nichts anderes gesehen, als Straßen und Ampeln. Doch seit Ende März sind Wasil und 64 andere Lkw-Fahrer, die für den polnischen Geschäftsmann Łukasz Mazur arbeiten, im Streik. Die Mehrheit von ihnen kommt aus Georgien und Usbekistan. Die Fahrer haben ihre Trucks in der Nähe der hessischen Kleinstadt Weiterstadt abgestellt. Sie sagen, dass ihr Arbeitgeber sie ausbeute und bereits seit zwei Monaten keinen Lohn bezahlt habe.

Der 35-Jährige Itschirauli ist 2017 von Georgien nach Litauen gegangen. Seit über einem Jahr arbeitet er für die polnische Firma Mazur und habe nie den versprochenen Lohn von 2.650 Euro in voller Höhe ausbezahlt bekommen. ,,Vor Kurzen ist an meinem Lkw die Lüftungsklappe im Dach kaputtgegangen. Dafür wurden mir am Monatsende 1.500 Euro vom Gehalt abgezogen", sagt Itschirauli. So laufe das ständig.

Zwar seien alle Fahrzeuge versichert, aber beim geringsten Schaden müssten die Fahrer dafür aufkommen. Zudem seien ihnen oft freie Tage verweigert und Überstunden nicht bezahlt worden. Schlafen und essen, das müsse man fast die ganze Zeit hinter dem Steuer erledigen. Itschirauli hat kein Arbeitsvisum. Der Arbeitgeber hatte zwar versprochen, ihm mit den Dokumenten zu helfen, doch es passierte nichts.

Der Arbeitgeber stieß Drohungen aus und tauchte am 7. April mit bewaffneten Männern auf. Diese versuchten, den Fahrern ihre Lkws wegzunehmen. Inzwischen haben 50 Streikende ihr Gehalt nachbezahlt bekommen. Aber Leute wie Wasil haben das abgezogene Geld für die Reparatur nicht erstattet bekommen. Dieser kleine Sieg ist den georgischen Gewerkschaften zu verdanken, so Itschirauli. Gleich zu Beginn des Streiks hatten sich die Fahrer an sie gewandt. Dieser informierte die deutschen und niederländischen Gewerkschaften. Der Vorsitzende des georgischen Gewerkschaftsverbandes, Irakli Petriaschwili, reiste vor einigen Tagen nach Weiterstadt.

Für Petriaschwili war es nicht der erste derartige Fall. Viele georgische Staats­bür­ge­r*in­nen, die nach Europa gingen, arbeiteten unter schwierigsten Bedingungen. Zum Beispiel hätten Georgier*innen, die 2021 in Deutschland als Erd­beer­pflü­cker*­in­nen beschäftigt waren, nur drei Euro pro Stunde verdient – drei mal weniger als der Mindestlohn.

Einige Tage vorher kamen EU-Abgeordnete mit den Streikenden zusammen. Am 18. April räumten EU-Parlamentarier bei einem Treffen in Straßburg ein, dass es systemische Probleme in der Europäischen Union (EU) gebe – Menschen aus Drittstaaten, insbesondere Lkw-Fahrer, würden oft ausgebeutet. ,,Die EU-Maßnahmen zum Schutz aller Ar­beit­neh­me­r*in­nen werden nicht richtig angewendet und sind zum Teil nicht ausreichend", sagte Gabriele Bischoff der Fraktion der Progressiven Allianz der Sozialdemokraten.

,,Egal, wie sehr ich in Polen ausgebeutet werde, in Georgien war es noch schlimmer", erzählt der 44-jährige Koba Kwantaliani. Die meiste Zeit seines Lebens hat er im kleinen Dorf Kazreti, im Westen Georgiens, verbracht. Dort, bei der Goldmine, fuhr er auch einen Lastwagen. Er musste 12 Stunden am Tag arbeiten, oft schob er auch Nachtschichten. Dafür erhielt er monatlich 1.700 Lari (umgerechnet 607 Euro).

Vielleicht nur für ein paar Monate wird er nach Georgien zurückfahren, denn seit September hat er seine Frau und Töchter nicht gesehen. Dasselbe berichtet Itschirauli. Er hat seine Familie seit zwei Jahren nicht getroffen. ,,In Georgien gibt es keine Perspektiven, um die Familie zu ernähren." Seine Familie – das sind seine Frau, sein dreijähriger Sohn und die Eltern, die bereits in Rente sind. Diese beträgt durchschnittlich umgerechnet rund 90 Euro monatlich. Ein Durchschnittsgehalt liegt bei 500 Euro.

2021 lebten 17 Prozent der Bevölkerung unterhalb der Armutsgrenze. Beide Männer sagen, dass sie nicht mehr in Polen arbeiten würden. Ihre größte Hoffnung sei ein Arbeitsvisum in Deutschland. Nach Angaben des Statistischen Dienstes der EU haben in den vergangenen neun Jahren über 110.000 georgische Staats­bür­ge­r*in­nen versucht, in EU-Ländern Asyl zu erhalten. Die überwiegende Mehrheit der Anträge wurde abgelehnt.

Aus dem Russischen von ­ Barbara Oertel


Aus: "Lkw-Streik mit Fahrern aus Georgien: Moderne Sklaverei auf Rädern" Sandro Gvindadze (23. 4. 2023)
Quelle: https://taz.de/Lkw-Streik-mit-Fahrern-aus-Georgien/!5927187/

"Lkw-Streik auf dem Rastplatz: Lieferstopp wegen Lohnausfall" Nelli Tügel (2.4.2023)
Seit Wochen warten sie auf ihren Lohn. Jetzt protestieren Lkw-Fahrer aus Usbekistan und Georgien. Erst wenn das Geld da ist, fahren die Lkw weiter.
https://taz.de/Lkw-Streik-auf-dem-Rastplatz/!5925578/

Textaris(txt*bot)

Quote[...] Deutschland weist – nach Belgien – die höchste Steuer- und Abgabenbelastung der Industriestaaten auf. Zu diesem Ergebnis kommt die Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) nach einem entsprechenden Vergleich ihrer 38 Mitgliedsländer.

Demnach muss ein verheiratetes Paar mit Kindern durchschnittlich 40,8 Prozent seines Arbeitseinkommens abführen. Höher ist die Belastung nur in Belgien mit 45,5 Prozent, während der OECD-Schnitt bei 29,4 Prozent liegt.

Bei Alleinstehenden werden in Deutschland durchschnittlich 47,8 Prozent an Steuern und Sozialabgaben auf die Arbeitseinkommen fällig. Auch in diesem Vergleich liegt nur Belgien mit 53,0 Prozent darüber. Der OECD-Schnitt für diesen Haushaltstypen wird mit 34,6 Prozent angegeben.

"Niedrigere und mittlere Arbeitseinkommen unterliegen in Deutschland im internationalen Vergleich relativ hohen Steuern und Abgaben", sagte die Leiterin des OECD Berlin Centre, Nicola Brandt, der Nachrichtenagentur Reuters. "Das liegt vor allem daran, dass die Sozialversicherungssysteme im Wesentlichen über Sozialabgaben finanziert werden." Den relativ hohen Abgaben stünden damit aber auch direkte Leistungen wie Rentenansprüche, Kranken- und Arbeitslosenversicherung gegenüber. "Das ist nicht in allen OECD-Ländern so", sagte Brandt.

Dabei könnten Steuern und Abgaben auch Fehlanreize schaffen. "Unter Umständen lohnt es sich nicht, mehr zu arbeiten und besser bezahlte Stellen anzunehmen", sagte Brandt.

Die OECD-Expertin verweist darauf, dass Umwelt- und Grundsteuern im internationalen Vergleich in Deutschland nicht sehr hoch seien. Zudem gebe es zum Teil recht großzügige Befreiungen von der Besteuerung auf Erbschaften und Kapitaleinkünfte. Brandt sieht deshalb durchaus Potenzial für "aufkommensneutrale Reformen der Steuer- und Transferstruktur", die vor allem geringere Arbeitseinkommen entlasten könnten. Dies habe die OECD auch schon mehrfach empfohlen.


Aus: "Deutschland hat zweithöchste Steuer- und Abgabenlast der OECD-Staaten" (25. April 2023)
Quelle: https://www.zeit.de/wirtschaft/2023-04/oecd-deutschland-steuern-abgaben-paare

Quote
MiaH

Ich beobachte in meinem Leben auch dass Arbeiten sich nicht mehr lohnt.


QuoteLogeg

Ein Studie, bei der nicht berücksichtigt wird, dass ein Teil der Beschäftigten in Deutschland überhaupt keine Beiträge zur Sozialversicherung leistet, ist nur für den Papierkorb gut.


Quote
E_Dantes

Ein Vollzeit arbeitender alleinstehender Mindestlöhner hat immerhin knapp 600 Euro Abzüge


QuoteAvatarbild von alliance1979
alliance1979
Antwort auf @E_Dantes

Wer als Single 1800 € im Monat verdient, hat mit Steuerklasse 1 ca. 92,69 € Einkommensteuer zu zahlen und 370,35 € Sozialabgaben.
Ihre knapp 600 € sind also falsch. Es sind deutlich weniger als 500 €.

MfG


Quote
azhiaziam
Antwort auf @alliance1979

Ich komm gerundet auf 2076€ Brutto, 140€ Lohnsteuer und 427€ Sozialabgaben.

Netto etwa 1500€, je nachdem ob Kirchensteuer fällig wird und dem Zusatzbeitrag bei der KV.


Quote
Critical Mass

Liebe Redaktion, warum gibt es nicht einfach einen Link zum OECD-Bericht? Stattdessen völlig unsinnige Links, den zu ,Belgien' zum Beispiel.


QuoteAvatarbild von alliance1979
alliance1979

Weil viele Menschen dann feststellen könnten, wie falsch diese Meldung ist?
Naja. Ganz so dramatisch ist es nicht. Es ist wohl eher der Aufwand der gescheut wird und der Umstand, dass niemand in der Redaktion des Bericht gelesen hat. Ist ja nur eine (falsche) Agenturmeldung.

Hier ist der Link für Sie.

https://www.oecd.org/tax/taxing-wages-20725124.htm

MfG


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Herr Lüdenscheidt

Tolle Headline und sonst? Äpfel mit Birnen vergleichen? Alle Sozialleistungen abschaffen? Der Inhalt eines solchen Artikels schafft es locker ins Lanzsche Laber-Fernsehen, ist aber ansonsten eher ausschließlich zur Stimmungsmache zu gebrauchen. Die FDP wird es freuen, die Zeitung mit den 4 Buchstaben auch. Was aber hat so ein unreflektierter Artikel in der Zeit zu suchen?


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Tabmoc

,,Deutschland hat zweithöchste Steuer- und Abgabenlast" ,,Die OECD-Expertin verweist darauf, dass Umwelt- und Grundsteuern im internationalen Vergleich in Deutschland nicht sehr hoch seien. Zudem gebe es zum Teil recht großzügige Befreiungen von der Besteuerung auf Erbschaften und Kapitaleinkünfte" ... ist wie: das Wetter ist kalt und großzügig warm.


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azhiaziam

Eigentlich bräuchten wir in den mittleren Einkomensbereichen höhere Steuern und eine Entlastung bei den unteren. Wir haben in Deutschland einen gewaltigen Medianbuckel bei den Einkommen. Der muss abgeflacht werden sodass die Gehaltsunterschiede wieder etwas angeglichen werden. Weiter ist unser Sozialsystem hoch komplex, mit tausenden Regelungen, Ausnahmen usw...

Interessanterweise sind wir mittlerweile soweit dass der Beamtenstatus in Deutschland die meisten monetären Vorteile bietet. D.h. um Vermögend zu werden muss man entweder Selbständig oder Beamter sein.

Was in Deutschland noch ein entscheidender Faktor ist das sind die weiteren Abgaben wie Müllabfuhr, Energiekosten, Kosten der Verwaltung, Gebühren usw... Die sind nämlich im Vergleich zu anderen Ländern auch nicht zu vernachlässigen.


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Tupper

Die hart arbeitenden, fleißigen und ehrlichen Steuerzahler sorgen für jene, die sich von dem großzügigen Sozial-System verwöhnen lassen und nicht an Integration denken. Wie lange will die Politik dieses "Unrecht" weiter unterstützen?


QuoteSheeple

"Die hart arbeitenden, fleißigen und ehrlichen Steuerzahler sorgen für jene, die sich von dem großzügigen Sozial-System verwöhnen lassen und nicht an Integration denken"

Besser hätte ich Spitzenverdiener nicht beschreiben können, die wir hier alle mit durchfüttern. Wird Zeit die Mitte zu entlassen und Links zu wählen.


QuoteAWKBL

"Niedrigere und mittlere Arbeitseinkommen unterliegen in Deutschland im internationalen Vergleich relativ hohen Steuern und Abgaben."

"Zudem gebe es zum Teil recht großzügige Befreiungen von der Besteuerung auf Erbschaften und Kapitaleinkünfte."

Hat noch jemand Bedarf an weiteren Erläuterungen ...?


...

Textaris(txt*bot)

Quote[...] Weil Lebensmittel immer teurer werden, reißen die Wocheneinkäufe tiefe Löcher in die Budgets der Deutschen. Wegen der Inflation gibt jeder Haushalt durchschnittlich 100 Euro mehr als sonst im Supermarkt und Discounter aus. Das zeigen Daten des Preisvergleichsdienstleisters smhaggle, der mehr als 800.000 Kassenzettel von Kundinnen und Kunden in Deutschland ausgewertet hat. Die Daten liegen ZEIT ONLINE exklusiv vor. Darin wird deutlich: Besonders dem Osten des Landes droht Ernährungsarmut.

Grundlage für die Auswertung sind die Nutzungsdaten der smhaggle-App. Ihre Nutzer fotografieren, was sie einkaufen, und laden den Kassenzettel hoch. Ein Algorithmus erkennt Muster in den gekauften Produkten und ordnet sie bestimmten Kategorien zu. Dadurch lässt sich vergleichen, wie viel einzelne Waren kosten, und berechnen, wie viel die Deutschen beim Einkauf ausgeben. In den ersten drei Monaten bezahlte der Durchschnittsbürger demnach genau 24,90 Euro pro Kassenzettel.
Die Daten lassen aber noch weitere Rückschlüsse zu: Sie zeigen pro Bundesland, wie viel die Menschen dort in den ersten drei Monaten des Jahres für Brot, Milch, Mehl und andere Lebensmittel ausgegeben haben. Setzt man diese Ausgaben ins Verhältnis dazu, über wie viel Geld ein durchschnittlicher Haushalt im jeweiligen Bundesland verfügt und wie viel er davon im Schnitt für Essen und Trinken ausgibt, entsteht ein Eindruck davon, wie sehr die Menschen ihr jeweiliges Lebensmittelbudget derzeit überziehen.

Die Daten zeigen: Ostdeutschland leidet stärker unter teureren Lebensmitteln als der Westen. In den ostdeutschen Bundesländern verfügen Haushalte durchschnittlich über 3.444 Euro Nettoeinkommen pro Monat. Davon gehen mehr als ein Sechstel für Einkäufe ab, rund 527 Euro. Wegen der Inflation gaben die Haushalte in Ostdeutschland im März 2023 aber 670,64 Euro für Lebensmittel aus. Daher fehlen ostdeutschen Bürgern durchschnittlich 143,74 Euro in der Haushaltskasse. Von Januar bis März fehlten den Menschen dort laut smhaggle-Daten im Schnitt zwischen 58 und 143 Euro monatlich fürs Einkaufen. In Westdeutschland liegen das durchschnittliche Einkommen und damit auch die durchschnittlichen Ausgaben für Lebensmittel höher. Die gestiegenen Preise treffen die Haushalte dort weniger stark.

Der teuerste Monat im Discounter und Supermarkt war der März. In Sachsen-Anhalt fehlten den Menschen im März mehr als 200 Euro, in Thüringen knapp 180 Euro für Lebensmittel, in Sachsen fast 150 Euro. Dagegen kommen wohlhabendere Bundesländer glimpflicher davon. Die drei Länder mit den höchsten Haushaltseinkommen sind Bayern, Baden-Württemberg und Hamburg. Hamburgerinnen hatten in jedem der ersten drei Monate dieses Jahres noch Geld für Lebensmittel übrig. Wer in München oder Stuttgart wohnt, kam nur im März nicht mehr mit seinem Budget für Lebensmittel aus. 

Zum Vergleich: Mit Ausnahme von Berlin reichte das durchschnittliche Einkaufsgeld in keinem der ostdeutschen Bundesländer im Januar, Februar und März. "Eine Dresdnerin isst und trinkt genauso viel wie ein Berliner oder Kölner. Auch zwischen Stadt und Land gibt es bei Einkaufsmenge und -preisen kaum Unterschiede", sagt Sven Reuter von smhaggle. Große Supermarkt- und Discounterketten verlangten für gleiche Waren gleiche Preise, egal ob auf dem Land oder in der Stadt.
Er weist aber auf die logische Konsequenz der Inflation hin: Wer das Lebensmittelbudget überzieht, muss an anderer Stelle sparen. "Die unteren Einkommensschichten der Deutschen müssen auf Urlaub oder Kleidung verzichten, um sich ihr gewohntes Essen leisten zu können", sagt der Geschäftsführer Sven Reuter von my-valueshopping, zu dem smhaggle gehört. Wer sich vorher schon keinen Urlaub leisten konnte, kann diesen auch nicht einsparen. Wer keine oder wenige Rücklagen hat, wie die ärmsten 40 Prozent Deutschlands Bevölkerung, muss sich im schlimmsten Fall verschulden. Wenn Lebensmittel teurer werden, würde das die Ungleichheit in der Gesellschaft noch weiter verschärfen.
Die Verbraucherzentralen beobachten schon lange, wie gerade ärmere Haushalte unter der Inflation leiden. "Diese Preisentwicklung verschärft bestehende Probleme, zum Beispiel die Ernährungsarmut in Familien mit niedrigen Einkommen", sagt Michaela Schröder. Sie verantwortet die Verbraucherpolitik beim Bundesverband der Verbraucherzentralen. "Schon vor dem rasanten Anstieg der Lebensmittelpreise hatten Familien, die zum Beispiel Hartz IV bezogen, meist nicht genügend Geld, um sich gesund und ausgewogen zu ernähren", sagt Schröder. Diese Entwicklung verschlimmere sich nun. In der Folge könnten sich ärmere Kinder schlechter konzentrieren, schnitten schlechter in der Schule ab. Eine Negativspirale.

Das Problem laut Schröder: Ernährungsarmut erforscht in Deutschland niemand systematisch. Anders sieht es etwa im Vereinigten Königreich aus. Die Family Resources Survey erhebt dort jährlich, wer von Ernährungsarmut betroffen ist und wie viele Menschen im Vereinigten Königreich zur dortigen Tafel, der food bank, gehen. Im ersten Pandemiejahr galten 88 Prozent der Bevölkerung als food secure, hatten also ihre Ernährung gesichert. Die Daten des britischen Statistikamts zeigen auch, dass im früher stark industrialisierten Norden Menschen eher von Hunger bedroht sind als im Süden. Diese Analysen gibt es bisher nicht in Deutschland. Auch weil Ernährungsarmut als Begriff kaum in der Debatte ist. 

Was ließe sich nun tun? Das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung (DIW) fordert etwa, die Mehrwertsteuer auf Lebensmittel zu erlassen. Arme Menschen verdienen oft wenig oder nichts und zahlen daher keine Einkommensteuer. Die Mehrwertsteuer zahlen sie aber immer: Beim ärmsten Fünftel der Bevölkerung macht sie knapp zwei Drittel der Steuerlast aus. Anteilig zu ihrer Steuerlast würden sie durch eine Steuersenkung bei Lebensmitteln am stärksten entlastet. Portugal hat Mitte April gezeigt, wie es geht, und die Mehrwertsteuer von sechs Prozent für Grundnahrungsmittel wie Käse, Eier und Brot zunächst bis Ende Oktober 2023 abgeschafft. 
Den Verbraucherzentralen geht das nicht weit genug. Nicht nur müsse Ernährungsarmut offiziell erfasst werden: "Außerdem muss der ernährungsbezogene Regelsatz in der Grundsicherung und beim Bürgergeld angehoben werden", sagt Verbraucherschützerin Michaela Schröder. Auch in die Berechnung von Bürgergeld und Mindestlohn müssten die gestiegenen Preise einfließen. Eine gesunde Ernährung, sagt Schröder, ließe sich mit den aktuellen Fördersätzen nicht bezahlen.   


Aus: "Inflation: Wo in Deutschland die Ernährungsarmut droht" Nathanael Häfner (27. April 2023)
Quelle: https://www.zeit.de/wirtschaft/2023-04/inflation-lebensmittel-bundeslaender-vergleich

https://taz.de/Buergergeld-Regelsatz-zu-niedrig/!5909759/

QuoteDiogeno

Man könnte armen Menschen solche Kochbücher geben, in denen das Kochen mit wenig Geld beschrieben ist.


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Quote[...] Die Reallöhne sind in Deutschland 2022 das dritte Jahr in Folge gesunken – deutlich stärker als bislang angenommen. Der Rückgang habe vier Prozent im Vergleich zu 2021 betragen, teilte das Statistische Bundesamt mit. Das ist das größte Minus seit Beginn dieser Statistik im Jahr 2008 und zugleich der dritte Rückgang in Folge.

Bislang war nur von einem Minus von 3,1 Prozent ausgegangen worden. In den ersten beiden Corona-Jahren 2020 und 2021 hatte es mit minus 1,1 und minus 0,1 Prozent weit geringere Einbußen gegeben.

Grund für die deutliche Korrektur ist, dass die Berechnungsgrundlage auf das neue Basisjahr 2022 umgestellt wurde. Dadurch wurden zum Beispiel auch kleinere Betriebe erfasst und zusätzlich zu Vollzeit-, Teilzeit- und geringfügig Beschäftigten auch alle weiteren Beschäftigungsarten wie Auszubildende und Altersteilzeitbeschäftigte abgebildet.

Die Bruttomonatsverdienste stiegen einschließlich Sonderzahlungen im Schnitt nur um 2,6 Prozent, da mehr Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer einbezogen wurden. Nach dem alten Konzept hatte das Plus bei 3,5 Prozent gelegen.

"Während im Jahr 2020 insbesondere der vermehrte Einsatz von Kurzarbeit zur negativen Nominal- und Reallohnentwicklung beigetragen hatte, zehrte 2021 und besonders 2022 die hohe Inflation das Nominallohnwachstum auf", teilten die Statistiker mit. Die Verbraucherpreise stiegen im vergangenen Jahr um durchschnittlich 6,9 Prozent und damit deutlich stärker als die Löhne.

Für das laufende Jahr rechnen viele Experten mit einem erneuten Rückgang der Reallöhne. Grund dafür ist die hartnäckig hohe Inflation, die das Lohnplus für viele Beschäftige erneut aufzehren dürfte.

So geht die Bundesregierung für 2023 von einer Inflationsrate von 5,9 Prozent aus. Erst im kommenden Jahr dürften die Reallöhne wieder wachsen, da die Teuerungsrate dann auf 2,7 Prozent sinken soll. In vielen Branchen wurden bereits kräftige Lohnerhöhungen vereinbart, die über diesem Wert liegen.


Aus: "Reallöhne sinken deutlich" (27. April 2023)
Quelle:  https://www.zeit.de/arbeit/2023-04/realloehne-2022-rueckgang-statistisches-bundesamt

Quote
Meister_Yoda

Ist jetzt für mich keine Neuigkeit.

Wie soll das auch anders sein? Energiekonzerne, Ölkonzerne und Nahrungsmittelproduzenten schrauben die Preise einfach nach oben und zocken die Bevölkerung ab. Alles unter dem Deckmantel einer angeblich hohen Inflation. Die Politik guckt dumm aus der wäsche, diskutiert ewig, ob sie beispielsweise eine Übergewinnsteuer einführen soll, sehen dann aber davon ab.

Das nenne ich marktkonforme Demokratie. ... Die Ampel ist bereits so krass in der Denkstruktur verhaftet, dass sie gar nicht mehr auf die Idee kommen, dass hier was gewaltig schief läuft. Lobbyisten in Berlin (vor allem FDP) tun ihr Übriges.  ...


Quote09871348723471234

" Und das, trotz eines Zuwachses der Bruttoverdienste."

Zynische Formulierung, wenn man weis, dass es die Zuwächse vornehmlich in den oberen Gehaltsklassen gab und die Zusammenrechnung den Reallohnverlust in den unteren Gehaltsklassen sogar noch kleiner erscheinen lässt, als er in Wirklichkeit war. Außerdem ist das ja keine neue Entwicklung sondern das Muster der vergangenen Jahre(Jahrzehnte), nur dieses Jahr besonders schwerwiegend.


QuoteLangeweile20

Ist das ein Bauchgefühl oder gibt es dazu Zahlen?

Ich habe mich nicht im Detail damit beschäftigt, aber bei einigen Tarifvereinbarungen, von denen ich gelesen habe, war der prozentuale Anstieg in den unteren Gehaltsklassen höher als in den oberen Gehaltsklassen. Würde aber Ihrer Aussage widersprechen, dass es die Zuwächse vornehmlich in den oberen Gehaltsklassen gab.


Quote0
09871348723471234
Antwort auf @Langeweile20

Der Teufel steckt im Detail, wenn jemand, der 1000€ im Monat verdient 10% mehr Lohn erhält, sind das 100€, wenn jemand der 3000€ verdient 5% mehr bekommt, sind das 150€. Dazu kommt, dass die Gehaltshöhe starken Einfluss darauf hat, wie stark sich die Inflation auf ihn auswirkt. Nahrung, Energie und Miete waren die Inflationstreiber, das bekommen Menschen mit wenig Geld stärker zu spüren als Menschen mit mehr Geld.

Ihre Schlussfolgerung ist also schlicht falsch, höhere prozentuale Lohnzuwächse in den unteren Lohnstufen bedeuten nicht, dass die mehr Lohnzuwachs hatten als die oberen Lohnstufen. Zudem bedeutet ein Tarifabschluss oberhalb der Inflationsrate genauso wenig, dass die Menschen trotz Inflation "mehr" Geld haben, weil die offizielle Inflationsrate nicht berücksichtigt, wie sich die Inflation praktisch auf die Ausgaben der Haushalte auswirkt. Zudem gibt es hier auch zeitversetzte Effekte, die dafür sorgen, dass Menschen trotz Tarifabschluss oberhalb der Inflation über größere Zeiträume trotzdem insgesamt weniger Geld haben.


Quote
Sotha42

In Anbetracht der Mindestlohnerhöhungen in 2022 würde ich annehmen, dass der untere Rand bei der Reallohnentwicklung in 2022 eher besser als der Rest abgeschnitten hat und nicht nur der obere Bereich den Wert nicht noch höher werden lassen hat.


Quote
09871348723471234
Antwort auf @Sotha42

Mindestlohn ist keine Verbesserung, sondern lediglich die Abschaffung völlig untragbarer Verhältnisse. Verfaulte Zehen abschneiden ist auch keine Verbesserung der Gesundheit, sondern nur ein notwendiger Schritt um überhaupt erst mit der Heilung beginnen zu können. Die Idee, dass Mindestlohn "normal" ist, gehört abgeschafft! Mindestlohn ist nicht normal, sondern das mindeste um überhaupt von einem Arbeitsverhältnis sprechen zu können. Alles darunter ist Ausbeutung. Wollen Sie sich öffentlich hinstellen und behaupten, ein Unternehmen, das einen Teil seiner Arbeiter gerade so nicht ausbeutet, ist ein guter Arbeitgeber??


Quote
St.Ma

Die großenMiineralölkonzerne haben ihren sowieso schon exorbitanten Gewinn verdoppelt. Ein paar Dutzend zusätzliche Milliarden sind auf deren Konto gelandet.

Warum? Weil die es können!

Alle haben ihre Preise erhöht, egal ob für Lebensmittel oder Autos.
Alles ist sehr viel teurer geworden - ohne das davon ein angemessener Anteil an die Beschäftigten ginge.
Wir haben angeblich den Fachkräftemangel - vom Lkw-Fahrer bis zum Ingenieur- und gleichzeitig einen enormen Realohnverlust.
Das mit dem "Markt" funktioniert offenbar immer nur gegen die Arbeitnehmer, die in Deutschland erstaunlich friedlich bleiben.


Quote
Taranis

Wen überrascht das? Die Rekordgewinne, die viele Großunternehmen verzeichnen, kommen sicher nicht von dem Wirtschaftswachstum, welches in den letzten Jahren nicht stattgefunden hat.


Quote
Lumilie

Das muss diese Lohn-Preis-Spirale sein, welche die Gewerkschaften befeuern. :)


QuoteJuppderdritte

Hier vesteht nicht jeder Sarkasmus, aber der war gut.


Quoteullibulli

Vergleicht man den Reallohn der deutschen Arbeitnehmer der letzten 25 Jahre wird deutlich, dass in diesem Land vieles falsch läuft. ALLES DAS IST BEKANNT! Seit Jahrzehnten weigert sich die deutsche Politik aller regierenden Parteien gegenzusteuern. Sogar mit der Erbschaftssteuer hat man die Reichen privilegiert und wundert sich dann über Kinderarmut, Prekariat, soziale Schere und Radikalisierung der nach unten schrumpfenden Mittelschicht.

Der Reallohn im Vergleich Einkommen der Oberschicht macht deutlich wer prozentual individuell die Hauptlast in diesem Land trägt.


QuoteTucker Carlson jetzt auf ZON

Sensationelle Meldung!

Bei Preissteigerungen von durchschnittlich 30-40% v.a. bei Lebensmitteln und gleichzeitiger Lohnsteigerung von 1,7% bei mir als generösem "Inflationsausgleich" meines Chefs, wäre ich da nie drauf gekommen...

Einige werden wohl noch nichtmal eine Gnadenanpassung ähnlicher Art bekommen haben.


...

Textaris(txt*bot)

Quote[...] Fast 7,3 Millionen Menschen in Deutschland arbeiten derzeit in einem sogenannten atypischen Beschäftigungsverhältnis – also in befristeter Anstellung, in Teilzeit mit weniger als 20 Wochenstunden, bei einer Zeitarbeitsfirma oder als geringfügig Beschäftigte. Das entspricht mehr als einem Fünftel der insgesamt 34,2 Millionen abhängig Beschäftigten, wie aus einer Auswertung des Statistischen Bundesamtes für die Linkspartei hervorgeht, über die das RedaktionsNetzwerk Deutschland (RND) berichtet.

Im Vergleich zum Jahr 2020 ist die Zahl der Menschen in einem atypischen Beschäftigungsverhältnis demnach um 288.000 gestiegen. Allerdings hat sich zeitgleich auch die Zahl aller abhängig Beschäftigten noch viel stärker erhöht – nämlich um rund 800.000 Menschen.

Die Linkspartei nannte es dennoch ein "alarmierendes Zeichen", dass immer mehr Menschen ohne feste Stelle seien. "Wenn mehr als jeder fünfte Arbeitnehmer einen unsicheren Arbeitsvertrag hat, ist das verheerend", sagte der Fraktionschef der Linken, Dietmar Bartsch, den Zeitungen des RND vor dem Tag der Arbeit am 1. Mai.

Vor allem die Zahl der Leiharbeiterinnen und Leiharbeiter ist laut der Statistik wieder stark gestiegen, nachdem sie während der Corona-Pandemie zeitweise zurückgegangen war. Waren 2020 noch 641.000 Menschen als Zeitarbeitnehmer registriert, so sind es derzeit über eine Million, heißt es in dem Bericht.

"Immer mehr Leiharbeit und Befristungen stehen für eine schlechte Entwicklung auf dem Arbeitsmarkt", sagte Linksfraktionschef Bartsch. "Von prekärer Beschäftigung kann man kaum eine Familie ernähren."


Aus: "Deutlich mehr Leiharbeiter und unsicher Beschäftigte" (30. April 2023)
Quelle: https://www.zeit.de/wirtschaft/2023-04/atypische-beschaeftigung-befristet-teilzeit-statistik

QuoteTill Varo

Bin überrascht; wie passt das zum sich vergrößernden Personalmangel?


QuoteDeparture

Ich verstehe jeden Unternehmer, der gute Leiharbeiter beschäftigt. Warum soll ein Unternehmer Urlaubs- Weihnachtsgeld - Krankengeld - Rentenbeiträge etc. für einen Mitarbeiter das ganze Jahr bezahlen, wenn er nicht das ganze Jahr für ihn arbeitet. Leiharbeiter rechnen sich besser und ich kann sie "abbestellen" wenn ich sie nicht brauche bzw. einsetzen kann.


QuoteTulius R.

Peter Hartz: ,,Die bei Jobzentren oder Privatvermittlern angesiedelten Personal-Service-Agenturen (PSA) sollten jeder und jedem Arbeitslosen eine Beschäftigung als Leiharbeiterin oder Leiharbeiter anbieten. Diese erhalten während der Probezeit einen Nettolohn in Höhe des Arbeitslosengeldes, bei Übernahme sollten sie nach PSA-Tarif bezahlt werden."

Quelle:   Die Hartz-Gesetze: Entstehung und Umsetzung (lpb-bw.de)

Peter Hartz war Berater der rot-grünen Schröder-Regierung. Nur zur Info für die jüngeren unter uns und die, die das vergessen haben.


QuotePaper Backwriter

Systemische Geringschätzung von abhängig Beschäftigten durch die Unternehmen ist das Kernproblem in Deutschland.


QuoteGinger_Collins

Eine nicht uninteressante Meldung. Ein Artikel mit mehr Informationsgehalt wäre durchaus denkbar.


Quotesonneundmond

Schön wäre noch eine Einordnung gewesen um welche Berufe, Berufszweige, Arbeitsfelder es geht.


Quote
guenterk

War es nicht eine sogenannte "sozialdemokratische" Partei, die uns diesen Billiglohn-Sektor einbrockte und seit 20 Jahren an der Verteidigung des beschämenden Zustandes beteiligt ist ?


QuoteKing Tut

Wenn wir das mit anderen Ländern vergleichen, die das nicht gemacht haben, merken wir, dass ganz viele der atypisch beschäftigten hier , schlicht dort Arbeitslos sind


Quote
Barsch auf Grundeis
Antwort auf @King Tut

Und das rechtfertigt jetzt inwieweit, dass Arbeit nicht ordentlich entlohnt und Menschen ausgebeutet werden?


QuoteMistral_2000
Antwort auf @King Tut

Welche Länder möchten sie denn zum Vergleich strapazieren? Es sollten aber schon Länder sein die ein ähnliches Industrie und Wirtschaftspotential im Jahre 2003 hatten.

Dazu kommt das spätestens bei Renteneintritt die ,,Arbeitnehmer ,, zu Sozialfällen werden, da die billiglohnschiene das Rentenniveau dramatisch gedrückt hat.

... Die Neo liberale selbstreferenziell-alternativlose Denke, welche in vorauseilendem Gehorsam dem ,, Unternehmer ,, gegenüber nun Schmerzhaft daran erinnert wird das ohne Volk auch keine Wirtschaft zu machen ist, meidet da jede Form der selbstkritischen Analyse. Zum Glück sehen das die jüngeren mittlerweile sehr deutlich an den abschreckenden Beispielen ihrer Boomer Eltern, von denen gut 25% die letzten Jahrzehnte gnadenlos ausgepresst wurden.


Quote
Mistral_2000

Leiharbeit hat vor allem die Aufgabe "unternehmerische Risiken" an den Arbeitnehmer durch zu reichen ( z.B. abfangen von Auftragsspitzen ohne dauerhaft Leute ein zu stellen ).

Viele große Unternehmen haben im letzten Jahrzehnt selber kaum Menschen fest angestellt, sondern sich per Leiharbeit von solchen Verpflichtungen wie Kündigungsschutz, Betriebsrenten u.ä. verabschiedet.
Kein Wunder das gerade die jungen Leute dieses Spiel schon lange durchschaut haben, und mittlerweile ihre Forderungen stellen.

Der angebliche Fachkräftemangel ist ein Mangel an Menschen die sich blind ausbeuten lassen.

Demgegenüber steht ein angeblicher Mittelstand, der verzweifelt versucht, mit Status Symbol und Habitus, es den wirklich Reichen gleich zu machen, inklusive des nachplapperns Neo willhelminischer reaktionärer Textbausteine. [] [D]as wahre Gemeinschaftsgefühl entsteht im Erniedrigen und Verachten der jeweils unteren sozialen Schichten. Das wiederum ist bitter nötig, da der ,,Mittelstand,, dem Prekariat näher ist als den super Reichen.

...


QuoteMeister_Yoda

Und das zu Zeiten des angeblichen Fachkräftemangels. Wie kann das sein? Wir haben doch angeblich immer mehr einen Arbeitnehmermarkt. Oder ist das lancierte Propaganda?


QuoteFarbspiel

Nur weil ein Mensch arbeitet, ist er noch lange keine Fachkraft. Dieser Artikel sagt nichts über die Qualifikation der Arbeitnehmer. Meine Vermutung, es handelt sich um viele Beschäftigte ohne Ausbildung, vielleicht sogar ohne Schulabschluss. Diese Menschen haben es schwer auf dem Arbeitsmarkt. Firmen suchen bestimmt Fachkräfte, aber diese Menschen erfüllen eben nicht die Voraussetzungen


QuoteAvatarbild von Kaeptnbligh
Kaeptnbligh

''Zeitarbeitsfirma'' ... Eine Bekannte von mir war mal in einer Zeitarbeitsfirma als quasi Managerin (also Leute rekrurtieren fuer die Zeitarbeitsfirma, und eben dann vermitteln, oder verwalten) beschaeftigt, also irgendwie mittlere Ebene. Sie fand es toll, bis sie dann selber gefeuert wurde.

...


QuoteOllec

... Mein Vater war früher Allein Versorger mit nem Auto und einer 80qm Wohnung hier in HH. 1 im Jahr großer Familien Urlaub, heute ist das völlig undenkbar. ...


QuoteGewissenloser Fleischverzehr

Es ist Zeit für eine Abkehr von neoliberalen Denkmustern. Dringend!
Denn Egoismus, Hass und Verrohung wird durch solche ausbeuterischen Beschäftigungsverhältnisse gefördert.
...


QuoteTinaVahn

Ein Trauerspiel, dass in einem reichen Land wie Deutschland es solche Jobs überhaupt gibt.


QuoteF
Farbspiel

Warum soll es nicht solche Jobs geben? Kann nicht jeder eine Führungskraft, Arzt , IT ler sein. Einfache Jobs wird es immer geben und müssen auch gemacht werden


QuoteB
Binane

Ja das stimmt. Das ist die Quintessenz von 40 Jahren "Liberalisierung des Arbeitsmarktes". Es fehlen noch die ganzen Scheinselbständigen in der Rechnung und dann noch die Menschen ganz ohne Job. Im Endeffekt kommt man auf ca. 25% + x der Menschen in Deutschland die perspektivlos ihr Leben fristen. Dafür sind die Einkommen am anderen Ende der Scala enorm gewachsen.


QuoteDieLetzteEiche

Danke fürs Thematisieren. Seit der Inflationssteigerung ist überleben für mich eine echte Qual geworden, auch weil die Arbeitgeber meine Lage teils schamlos ausnutzen und keinerlei Sicherheiten anbieten, obwohl es kontinuierlich um mein finanzielles Überleben geht. Mich teilweise sogar betrügen. Dort wo sie sich eben rechtlich in Sicherheit wiegen können, weil sie sich besser auskennen als ich. Bin Student und arbeite neben dem Studium.


...

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Textaris(txt*bot)

"Ein Markt so kaputt wie ungerecht" Lukas Tobler (Nr. 17 – 27. April 2023)
Die Preise für Wohnungen steigen seit Jahren. Immer mehr von ihnen gehören institutionellen Vermietern mit riesigen Anlagevermögen. Der Wohnungsmarkt ist komplex – seine Wirkung nicht: Umverteilung nach oben. ... Vor allem in den städtischen Zentren sind die Immobilienpreise so hoch, dass es eines enormen Anlagevermögens bedarf, um überhaupt auf dem Markt mitmischen zu können. Die Voraussetzungen dafür erfüllen institutionelle Anleger, also Unternehmen, Fonds und Pensionskassen. Ihr Anteil am Wohnungsmarkt hat in den letzten zwanzig Jahren zulasten der privaten Vermieter:innen deutlich zugenommen. Und damit auch ihr Anteil am jährlichen Geldsegen von rund vierzig Milliarden Franken, den Mieter:innen der Schweiz jährlich abdrücken müssen. ... Der grösste Player unter den institutionellen Vermietern ist neu die UBS. Mit der Übernahme der CS ist ein Gigant entstanden. Die neue UBS wird rund 70 000 Mietwohnungen in der ganzen Schweiz kontrollieren. Wobei Markus Germann, Mediensprecher der UBS, insistiert, dass die Wohnungen sich nicht tatsächlich im Besitz der Bank befinden, sondern zum grössten Teil zu Immobilienfonds und anderen Anlagegefässen gehören – und damit den Investor:innen, die Anteile daran halten. In Immobilienfonds können auch kleinere Anleger:innen investieren und damit von den satten Renditen des Immobilienmarkts profitieren. Einzige Voraussetzung dafür: Kapital. ...
https://www.woz.ch/2317/mietwohnungen/ein-markt-so-kaputt-wie-ungerecht/!GBP0EBBD3QXQ

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"«Solange die Schweizer nicht das Weltall erobern»"  Kaspar Surber (Nr. 17 – 27. April 2023)
Von der Allmende über die Bodeninitiative zur Enteignung der CS-Immobilien: Die Geschichte der Gemeingüter in der Schweiz weist einen Weg aus der Wohnungskrise. ... «Uns gehen die Wohnungen aus», («Beobachter», 2. März), «In der Schweiz fehlen bald 50 000 Wohnungen» («Die Zeit», 20. April), «Im Aargau wurde für eine Asylunterkunft 49 Mietern gekündigt» («Watson», 27. Februar): So lauten einige der Schlagzeilen, die in den letzten Monaten die Wohnungskrise in der Schweiz zum Thema hatten. Auffällig an den Berichten ist: Allzu gerne wird die Wohn- sogleich mit der Asyl- und Migrationsdiskussion vermischt und die Knappheit an Wohnungen auf die Einwanderung zurückgeführt: Da kommt ja eine Kleinstadt pro Jahr!
Als ob es nicht andere, etwas kompliziertere Treiber dafür geben würde, dass die Leerwohnungsziffer als wichtigster Indikator auf dem Wohnungsmarkt speziell in den Zentren derzeit tief ist. Auf der Seite der Nachfrage ist die Zunahme von Haushalten mit nur ein oder zwei Personen zu nennen als Folge von Individualisierung und gestiegener Lebenserwartung: In den letzten drei Jahrzehnten ist gemäss dem Bundesamt für Statistik die fürs Wohnen genutzte Fläche fast doppelt so stark gewachsen wie die Bevölkerung.
Auf der Seite des Angebots macht sich der Einfluss von privaten, renditegetriebenen Gesellschaften als Vermieter bemerkbar. Ihr Anteil stieg in der Stadt Zürich laut offiziellen Daten im gleichen Zeitraum um sechs Prozentpunkte, während jener von gemeinnützigen Wohnungen sogar um zwei Punkte gesunken ist. Nimmt günstiger Wohnraum mit Vorschriften zur Mindestbelegung ab, wächst die Wohnfläche pro Person ebenfalls. ...
https://www.woz.ch/2317/anleitung-zur-enteignung/solange-die-schweizer-nicht-das-weltall-erobern/!EFTQR6DQMQGW

«Der Begriff ‹Enteignung› gibt der Wut ein Ventil»  Daniela Janser, Anna Jikhareva (Interview) (Nr. 17 – 27. April 2023)
Wie ist Privateigentum eigentlich entstanden? Wieso empfinden wir es als selbstverständlich, dass die grosse Mehrheit eigentumslos ist? Und wie kommen wir aus diesem Denken raus? ... In meinem Buch «Keine Enteignung ist auch keine Lösung» spreche ich von drei Bedeutungen des Begriffs «Enteignung». Die erste ist die juristische. Im deutschen Grundgesetz ist das Recht des bürgerlichen Staates zur Enteignung verankert – wenn der Staat dies für das öffentliche Wohl macht und die enteignete Person entschädigt wird. 2019 gab es etwa 200 Enteignungsverfahren, vorwiegend für Strassen oder Kohleabbau. Diese Enteignung wird als legitim erachtet. In Berlin ist die Enteignungsdebatte extrem aufgeladen, die Konservativen behaupten, Enteignung sei Gulag und Stalinismus. Aber wenn der Staat für Kohleabbau oder Autobahnen enteignet, hört man nichts. ... Eine Form von Sozialbindung von Eigentum existiert eigentlich überall: Sobald du Eigentum in der Verfassung verankerst, musst du eine Einschränkungsmöglichkeit für den Staat vorsehen – der berühmte Spruch «Eigentum verpflichtet». Hätte der Staat keine Eingriffsmöglichkeiten, würde das Privateigentum frei flottieren. Das wäre gefährlich für den Staat und das Kapital selbst – die Wahrscheinlichkeit, dass die Wachstumslogik des Privateigentums irgendwann seine eigenen Grundlagen zerstört, ist zu gross. ... Man darf zwei zentrale Entwicklungen der letzten Jahrzehnte nicht vergessen: das drastische Öffnen der Schere zwischen Arm und Reich – nicht nur im globalen Massstab, sondern auch in den einzelnen Ländern. Das liegt nicht zuletzt an der Dominanz von Privateigentum in den letzten vierzig Jahren. Der französische Ökonom Thomas Piketty hat hergeleitet, dass die Privatisierungsoffensiven eine der Hauptursachen für die wachsende soziale Ungleichheit seien. ...
https://www.woz.ch/2317/woerterkunde/der-begriff-enteignung-gibt-der-wut-ein-ventil/!SW7ZFSJC5B0Y


Textaris(txt*bot)

Quote[...] Für Inge Gräßle ist der Luxemburger Pensionsfonds, aus dem zahlreiche Europaabgeordnete eine mehr als üppige Zusatzrente bekommen, ,,ein Evergreen". Die CDU-Bundestagsabgeordnete, die lange Jahre dem Europäischen Parlament angehörte und dort zeitweise dem Haushaltskontrollausschuss vorstand, sorgte zusammen mit anderen dafür, dass die Altersvorsorge für EU-Parlamentarier 2009 vereinheitlicht wurde und die ,,abenteuerliche Konstruktion" des Fonds zumindest kein Teil der aktuellen Pensionsansprüche mehr ist.

Gedacht war er ursprünglich einmal, um auch jene Parlamentarier abzusichern, deren Heimatländer – zum Beispiel Italien – keine angemessene Versorgung für Europaabgeordnete boten. Im Laufe der Jahre schlossen sich jedoch immer mehr Kolleginnen und Kollegen auch aus anderen Ländern an, in denen es bereits Pensionen für Europaparlamentarier gab.

Gräßle bezeichnet das System daher als ,,Lizenz zum Gelddrucken". Mit Eigenbeiträgen, die aus der Büropauschale bestritten wurden und vom Parlament und damit aus Steuermitteln um das Doppelte aufgestockt wurden, ergab sich schon nach zwei Jahren der Einzahlung ein lebenslanger Anspruch.

Zu den Begünstigten gehört auch der heutige EU-Außenbeauftragte Josep Borrell, der von 2004 bis 2007 Präsident des EU-Parlaments war.

Es gibt aber vereinzelt auch ehemalige EU-Abgeordnete, die den Fonds aus freien Stücken verlassen haben. Zu ihnen gehört Margaritis Schinas, der von 2007 bis 2009 dem EU-Parlament angehört hatte. Anschließend war Schinas Chefsprecher der EU-Kommission gewesen, heute ist er als Vizepräsident der EU-Kommission unter anderem für das Thema der Migration verantwortlich.

Offiziell ist das Parlament gar nicht an der privatrechtlichen Struktur des Luxemburger Fonds beteiligt. Es ist vielmehr eine Art Zusammenschluss der einzahlenden Abgeordneten. Zugleich aber zahlt es Geld aus und erwägt nun sogar, das inzwischen aufgelaufene Defizit von bis zu 300 Millionen Euro aus Steuermitteln zu begleichen, worüber das Rechercheteam von Investigate Europe im Tagesspiegel berichtet hat [https://www.tagesspiegel.de/internationales/skandal-um-eu-luxus-doppelte-und-dreifache-pensionen-auf-kosten-der-steuerzahler-9736673.html].

Die Enthüllung mache ihn ,,fassungslos", sagte der CDU-Politiker Gunther Krichbaum, der lange Jahre dem Europaausschuss des Bundestages vorsaß, dem Tagesspiegel. ,,Es ist der Öffentlichkeit nicht vermittelbar, dass eine solche Zusatzversorgung für Europaabgeordnete doppelt vom Steuerzahler finanziert wird – erst durch die Aufstockung der Beiträge und jetzt zum Ausgleich der Verluste." Er erinnert daran, dass Deutschland alle europäischen Haushaltsausgaben zu 27 Prozent finanziert.

Seine Forderung an die Entscheidungsträger in Brüssel und Straßburg ist deshalb ganz eindeutig, es soll nicht noch mehr öffentliches Geld in den Fonds fließen: ,,Im Zweifelsfall muss man den Fonds pleitegehen lassen." Das sieht auch seine Parteifreundin Gräßle so: ,,Die entsprechenden Klagen der betroffenen Abgeordneten sollte man riskieren."

Der ,,Freiwillige Pensionsfonds des Europäischen Parlaments" bestand zwischen 1990 und 2009. Er wurde im Juli 2009 mit dem neuen Abgeordnetenstatut für neue Mitglieder geschlossen, als eine Neuregelung zur Pensionsversorgung der Europaabgeordneten in Kraft trat. Die finanzielle Schieflage erklärt sich damit, dass zahlreiche Europaabgeordnete aus jener Zeit inzwischen das Rentenalter erreicht haben.

Eine Lösung zur Abwendung des drohenden Defizits könnte nun darauf hinauslaufen, dass Mitglieder des Pensionsfonds wie Borrell entweder freiwillig aus der Versorgung austreten oder eine Kürzung ihrer Pensionen hinnehmen müssen. Auch eine Schließung des Fonds mit einer Auszahlung der Mitglieder oder eine Erhöhung der Beiträge bei gleichzeitiger Verringerung der Leistungen gehören zu den Möglichkeiten zur Stabilisierung der Kasse.

In der kommenden Woche will sich das Präsidium des EU-Parlaments während der Sitzungswoche in Straßburg mit der Schieflage des Fonds befassen. ,,In diesen Fonds dürfen keine weiteren Steuergelder fließen", sagte der Europaabgeordnete Daniel Freund (Grüne) dem Tagesspiegel. ,,Alle, die schon mit Pensionen der öffentlichen Hand gut versorgt sind, dürfen nicht noch obendrauf Pensionen erhalten."

Inhaltlich wird das Thema im EU-Parlamentspräsidium von den sogenannten Quästoren betreut, die mit Verwaltungs- und Finanzaufgaben betraut sind. Dazu zählen die Französin Fabienne Keller von der liberalen Renew-Fraktion, die Sozialdemokratin Monika Benova aus der Slowakei, der Luxemburger Christophe Hansen von der konservativen EVP-Fraktion sowie die Französin Anne Sander, die ebenfalls der EVP-Fraktion angehört.

Eine Lösung zur Stabilisierung des Fonds, für die in erster Linie EU-Parlamentspräsidentin Roberta Metsola verantwortlich zeichnet, muss allerdings vor dem Europäischen Gerichtshof (EuGH) Bestand haben. Klar ist aber auch: Weil sich das Gezerre um den umstrittenen Pensionsfonds noch einige Zeit hinziehen dürfte, wird davon wohl auch die Europawahl im kommenden Jahr überschattet werden.


Aus: "Luxusrenten für Europaabgeordnete: ,,Eine Lizenz zum Gelddrucken"" Albrecht Meier, Christopher Ziedler (03.05.2023)
Quelle: https://www.tagesspiegel.de/politik/luxusrenten-fur-europaabgeordnete-9751085.html

QuoteHanebutt
02.05.23 18:01

    Die Entwicklung mache ihn fassungslos, sagt der CDU-Politiker Gunther Krichbaum.


Seit Jahrzehnten ist Brüssel für die Luxusgehälter und Pensionen bekannt. ...


QuoteZweiglein
02.05.23 17:55

Deprimierend.

Selbst ausgewiesenen Freunden von Europa werden solche ohnehin mehr als üppigen Gelder, die lediglich zur Folge haben, dass Politik sich immer weiter abkoppelt vom realen Leben der meisten Bürgerinnen, echt zu viel.
Irgendwann wirds dekadent; gut, dass zumindest solche krassen Auswüchse Thema wurden.


Textaris(txt*bot)

Quote[...] Armut und Schulden gehen oft Hand in Hand, das ist nicht neu. Dass sich die Inflation seit Monaten rund um die Zehn-Prozent-Marke bewegt, jedoch schon, was für viele Menschen in Österreich zu einem existenzbedrohlichen Problem geworden ist. 18.500 Erstgespräche haben bei der Schuldnerberatung vergangenes Jahr stattgefunden, das sind zehn Prozent mehr als noch im Jahr 2021, wie aus dem aktuellen Schuldenreport hervorgeht. Bei etwas mehr als 60.000 Euro habe die durchschnittliche Verschuldung pro Person gelegen.

... Auch die absoluten Zahlen zeigen deutlich, dass immer mehr Leute gefährdet sind, in die Armut abzurutschen. Insgesamt 201.000 Menschen lebten vergangenes Jahr in Armut, wie Daten der Statistik Austria belegen – um 41.000 mehr als noch 2021. Sorgen bereitet Mitterlehner die Kindersituation im Land, denn mehr als 350.000 Kinder und Jugendliche gelten als armuts- oder ausgrenzungsgefährdet.

... Im März lag der allgemeine Preisauftrieb beispielsweise bei 9,2 Prozent, Lebensmittel verteuerten sich aber um 14,5 Prozent. Das will sich der Sozialminister näher ansehen. Am 8. Mai gibt es einen Lebensmittelgipfel.

...


Aus: "Viel Andrang bei Schuldnerberatung wegen hoher Inflation" Andreas Danzer (2.5.2023)
Quelle: https://www.derstandard.at/story/2000146054631/viel-andrang-bei-schuldnerberatung-wegen-hoher-inflation

QuoteStandardJunkie

Anscheinend leben 1,76 Millionen Kinder in Österreich. Davon sind 350 Tausend ~20%.

Jedes fünfte Kind ist armutsgefährdet: Das ist schon heftig.


Quoteorfloch

Warum nur müssen gerade Arme
immer so viele Kinder haben?


QuoteE.D.Ote

... Haben Arme viele Kinder, oder machen Kinder arm? Beides stimmt wohl. Eine höhere Bildung führt jedenfalls bei Frauen zu weniger Kindern und häufigerer Kinderlosigkeit.


QuoteFiskerne

Wobei zu sagen ist, dass die Statistiker, die diese Quote berechnen selbst sagen, dass diese im Prinzip nichts über Armut aussagt. Das ist einfach eine Angabe, wie viele Personen ein Einkommen unter einem bestimmten Prozentsatz des Medianeinkommens haben.

"Dieser Indikator misst nicht den Wohlstand oder die Armut, sondern ein (im Vergleich zu anderen Personen im gleichen Land) niedriges Einkommen, das nicht zwangsläufig mit einem niedrigen Lebensstandard gleichzusetzen ist."

"Glossar:Armutsgefährdungsquote"
Die Armutsgefährdungsquote ist der Anteil der Personen mit einem verfügbaren Äquivalenzeinkommen (nach Sozialtransfers) unterhalb der Armutsgefährdungsschwelle, die bei 60 % des nationalen verfügbaren Median äquivalenzeinkommens (nach Sozialtransfers) liegt. ...
https://ec.europa.eu/eurostat/statistics-explained/index.php?title=Glossary:At-risk-of-poverty_rate/de


QuoteDerGipser

Die sollen sich freuen, die Inflation entschuldet sie alle.


QuoteM-A-X

"Wenn die leute kein geld haben dann sollens doch ein paar aktien verkaufen...versteh den pöbel nicht" - Marius Krocher


Quotezuschauer69

Bildung ist gefragt - solange die leute glauben, der einkaufsrahmen ist eine guschrift sind diese personen selbst schuld dass sie finanzielle probleme bekommen.


QuoteKritischer Humanist

"Viel Andrang bei Schuldnerberatung wegen hoher Inflation"

Falscher Titel!
Die Schuldnerberatung muss kontaktiert werden, weil viele überhaupt nicht mit ihrem Einkommen wirtschaften können und lieber mehrmals pro Jahr Urlaub machen und Restaurants und Beiseln wichtiger sind, als sich selbst einmal zu beschränken

Der zu hohe Schuldenstand war schon vor der Inflation da....


QuoteRuhebewahren

Bei den Schuldnern geht es nicht um die aktuelle Teuerung

1) Bei etwas mehr als 60.000 Euro habe die durchschnittliche Verschuldung pro Person gelegen......UND

2) "Wer zur Schuldenberatung kommt, hat monatlich durchschnittlich 1400 Euro zur Verfügung".

Da geht es um grob fahrlässiges Schuldenmachen.
Dass solche Eltern sich gegenüber den eigenen Kindern damit auch grob fahrlässig verhalten ist noch viel schlimmer.
Gesetzlicher Mindestlohn und Arbeiten hilft sehr gegen Armut. Bessere Schulen würde gegen das Schuldenmachen helfen.
Meiner Meinung nach höchste Zeit nicht mehr auf offene Rechnung zu liefern.

Ja, ich kann rechnen und weiß, dass ihre Rechnung völlig falsch war. Ich kann auch meinen Verstand benutzen und weiß, dass mit einem Einkommen von 1.400.- Euro pro Monat keine Schulden über 60.000.- Euro gemacht werden dürfen. Das machen nur sehr emotionelle Menschen ohne den Verstand zu benützen.

Und nein, keine Empathie mit Menschen, welche Schulden machen und dann nicht bezahlen. Die schädigen andere Menschen.


Quotesociovation

Wir werden so lange nichts ändern können, so lange wir zu 90% nur über Armut und nur in seltenen Ausnahmefällen über Überreichtum reden.
Eine angemessene Verteilung des unbestreitbar vorhandenen Reichtums bedeutet definitiv NICHT, dass man nur den Armen mehr gibt. Es muss auch das ungerechtfertigt akkumulierte Milliarden-Vermögen RÜCKverteilt werden. ...


QuoteDaniel_123

Warum ist eigentlich immer der Staat schuld wenn die Bevölkerung nicht mit Geld umgehen kann und in die einfachsten Finanzfallen tappt? kein Mitleid dafür. wer immer sein ganzes Geld zum Fenster rauswirft hat es nicht anders verdient und soll mal auf die schnauze fallen.

Es geht doch allen gut, aber es muss bei Gottes willen nicht jeder ein Haus oder ein Auto haben. Wir leben alle im Luxus...


Quotekeywords

... arme haben kein recht auf auto und haus, deswegen sollen sie sich gefälligst auch bei der butter und dem brot zurück halten und die mieterhöhungen aushalten.
sie haben eh recht. wer will schon würdevoll leben können?


QuoteDaniel_123

also jeder hat in Österreich die Möglichkeit wohlhabend zu werden. das Märchen mit man hat keine Chance stimmt doch nicht. bei den meisten scheitert es auch nicht am verdienst sonder an der finanziellen Intelligenz, sie können schlicht und einfach nicht mit Geld umgehen und Geld richtig investieren schon garnicht. die meisten beschäftigen sich auch einfach nicht damit und verstehen das Geldsystem nicht, aber für jeden ist es in Österreich möglich wohlhabend zu werden, man müsste halt was dafür tun als nur das nötigste.

das Reichtum ungleich verteilt ist, liegt doch in der Natur der Sache.


QuoteIch sag ja nix, ich mein ja nur

"also jeder hat in Österreich die Möglichkeit wohlhabend zu werden"

Wo Sie gerade von Märchen sprchen...

Sie verstehen das "Geldsystem"? Also Sie verstehen z.B. alle Bankgeschäfte? Interessant. ...

"das Reichtum ungleich verteilt ist, liegt doch in der Natur der Sache."
Ähm, nein, das liegt am kapitalistischen System. Da gibt es immer Gewinner und Verlierer. Auf welcher Seite man steht, liegt leider allzu oft nicht im eigenen Einflussbereich.


Quotekeywords

...jeder hat die möglichkeit, wohlhabend zu werden?
in der welt würde ich gern leben. dann wären alle nicht-wohlhabenden leute nicht auf glück und vitamin B angewiesen sondern müssten sich nur a bissl mehr bemühen.
es liegt keineswegs in der natur der sache, dass reichtum ungleich verteilt ist. das ist eine reine definitionsfrage, die zumeist mit macht einher geht. also eine reine kultur/soziologische frage.


QuoteLuke Jordan


'nicht mit Geld umgehen können' ist also genetisch bedingt und biologisch vererbt in ihrer Sicht?

Manchmal habe ich das Gefühl, ja. Im deutschen Hartz-4-TV sieht man, dass die Kinder von Hartz4-Menschen auch oft in Hartz-4 landen.


QuoteFranz Weinfolter

Weil nichts oder viel zu wenig gegen die Inflation gemacht wird z.B. ... Aber Sie haben schon recht, Mitleid ist in Zeiten wie diesen Luxus.


QuoteDaniel_123

und was soll man gegen die inflation machen, dass einzige was hilft ist die zinsen zu erhöhen und das wird gemacht. in einem jahr wird keiner mehr über die inflation reden und da muss man jetzt halt einfach durch. der staat kann nicht immer die retten die so gelebt haben als könnte nie etwas passieren.


Quotekeywords

meinen sie unternehmer, zb die gastro während covid?


QuoteFranz Weinfolter

Derzeit reisst es aber sehr viele mit, die keineswegs auf zu großem Fuß leben...


Quoteorfloch

Schön, dass sich der Sozialminister bald einmal die enormen Preissteigerungen bei Lebensmittel näher anschauen will: Was hat ihn bisher ein ganzes Jahr lang daran gehindert?


QuoteRosa Rossa

Seine Haushälterin wird nix gesagt haben.


QuoteEU Freund

Absolute Katastrophe

Die Sozialisten in Spanien haben es geschafft die Inflation auf 3% drücken. (Quelle: https://twitter.com/MarterbauerM/status/1653375567251505152 )

Die Wirtschaftspartei ÖVP ist komplett unfähig und scheitert auf ganzer Linie. Nur die Familie und Spender werden bedient. Nich nie waren meine Zukunftsaussichten für Österreich düsterer als jetzt. Hauptsache ein schwachsinniger Autogipfel. Ich hätte ja nichts gegen einen sinnvollen Wasserstoff- und Efuel Gipfel für Industrie und Flugzeuge etc. Der Autogipfel ist aber reine Showpolitk. Seit Jahren ist Österreichs Politik nun Showpolitik, Postenschacher und das Bedienen der Familie und Spender. Die Grünen schauen zu und tun nichts oder tragen bei bei dem Müll. Meine Stimmen haben sie für lange Zeit verloren.


QuoteIt works on my machine!

Schulden wegen Inflation kaum noch zu stemmen?

Einfach mehr Geld verdienen, dann ist alles wieder im Lot.

... "IF YOU'RE HOMELESS.... JUST BUY A HOUSE"


Quotenoonecares

... die neue art des kuchen essens


QuoteWerk100

95 Prozent der Weltbevölkerung würden sofort mit jedem Mindestsicherungsbezieher hierzulande tauschen


QuoteAustrian worker2

Wenn die Övp so weitermacht heißen wir Österarm.


...

Textaris(txt*bot)

Quote[...] Desa, die Witwe des Gewerkschaftsvorsitzenden, kämpft für die Rechte der Beschäftigten in ihrer geliebten Heimat Madjanpek. Seit 50 Jahren lebt sie dort. 2000 serbische Dinar Monatsgehalt erhält sie, das entspricht etwa 17 Euro: ,,Wir sind Bürger der zehnten, statt der zweiten Klasse", bemerkt sie. Ihr Bruder Dragan verbrachte 42 Jahre in der Mine. In Ostserbien haben 120 Jahre Bergbau erhebliche Auswirkungen auf Land und Gewässer. Blei und Schwefeloxid verpesten die Luft, die Privatisierung des Bergbaus nimmt den Menschen ihre Zukunftsperspektive. Die Regisseurinnen Alessandra Tatic und Eluned Zoë Aiano weisen auf Diskurse von Ausbeutung, Arbeit und Umwelt hin. Viel zu selten gelangen solche Filme zu einem westeuropäischen Publikum. ...

Der öffentliche Diskurs entscheidet, wann ein Leben zu sehen und ein Tod zu beklagen ist und wann nicht. Film hat das Potenzial, den Dialog mit dem Rest der Welt herzustellen, in der Festival-Auswahl konnte dieses Potenzial sich acht Tage lang ausbreiten.

...


Aus: "Filmfestival GoEast: ,,Wir sind Bürger zehnter Klasse"" Johanna Krause (02.05.2023)
Quelle: https://www.fr.de/kultur/tv-kino/filmfestival-goeast-wir-sind-buerger-zehnter-klasse-92250155.html


Textaris(txt*bot)

Quote[...] BERLIN taz | Gerade hat Bundesinnenministerin Nancy Faeser (SPD) die gemeinsame Position der Ampelkoalition zur Reform der europäischen Asylpolitik vorgestellt, schon gibt es Kritik aus den eigenen Reihen. Eine faire Verteilung Schutzsuchender in der EU werde es dadurch nicht geben, sagte der taz der Grünen-Bundestagsabgeordnete Julian Pahlke.

,,Das ist keine Verbesserung des europäischen Asylsystems. Im Koalitionsvertrag haben wir uns darauf geeinigt, dass jeder Asylantrag inhaltlich geprüft werden muss", so Pahlke. ,,Verpflichtende Grenzverfahren, sichere Drittstaatskonzepte und schnellere Abschiebungen untergraben diesen Grundsatz."

Schon lange ringt die EU um eine Reform der Asylpolitik. Strittig ist vor allem die Frage der gerechten Verteilung Asylsuchender unter den Mitgliedstaaten. Die Bundesregierung will sich auf Ratsebene nun für Asylverfahren an den EU-Außengrenzen einsetzen: ,,Das heißt, dass bereits dort die Registrierung und Erfassung und Identifizierung der Geflüchteten stattfinden wird", sagte Fae­ser in der ARD. Es gebe derzeit ,,ein historisches Momentum" für ein gemeinsames Asylsystem.

Entsprechende Vorschläge der EU-Kommission liegen schon länger auf dem Tisch. Die Position, mit der Deutschland nun in die Verhandlungen gehen will, trägt diese im Grundsatz mit – will aber an einigen Stellen weniger weit gehen. Die Kommission plant Grenzverfahren für alle Menschen aus Ländern, deren Anerkennungsquote unter 20 Prozent liegt. Damit sind etwa Herkunftsländer wie Syrien oder Afghanistan nicht betroffen.

Deutschland will das Instrument etwas restriktiver handhaben: Nur wer aus Ländern mit einer Schutzquote unter 15 Prozent kommt, soll bereits in einem sogenannten Ankunftszentrum an der EU-Außengrenze sein Asylverfahren durchlaufen. Damit würden zusätzlich Länder wie Kongo, Benin oder Kasachstan aus dem Grenzverfahren herausfallen.

Falls es in den Aufnahmezentren zu Überfüllung kommt, soll die Quote nochmals auf fünf Prozent abgesenkt werden. Für Familien mit Kindern unter 18 Jahren solle es grundsätzlich kein Grenzverfahren geben – die Kommission hatte hier 12 Jahre angesetzt –, ebensowenig für besonders vulnerable Gruppen wie alleinreisende minderjährige, schwangere, behinderte oder queere Geflüchtete.

Für das Asylverfahren ist jener Staat zuständig, in dem ein Mensch in die EU einreist. Auch für die Grenzverfahren sollen die jeweiligen Länder zuständig sein. Faeser betonte, dass die Menschen nach diesen Verfahren auf ,,solidarische Mitgliedstaaten" verteilt werden sollen.

Einen freiwilligen Verteilmechanismus gibt es bereits, in der Realität funktioniert er aber nur bedingt. Auch der nun geplante verpflichtende Soli-Mechanismus soll nicht regeln, welches Land wie viele Menschen aufnimmt – sondern lediglich, dass alle Länder sich in irgendeiner Form einbringen müssen, ob nun durch Aufnahme oder durch finanzielle oder materielle Unterstützung.

,,Ohne dass die Verteilung tatsächlich explizit geregelt ist, werden die Mittelmeranrainer solchen Plänen vermutlich nicht zustimmen", sagte der SPD-Politiker Hakan Demir der taz.

Seiner Erfahrung nach bergen Grenzverfahren zudem die Gefahr, dass rechtsstaatliche Standards abgesenkt werden. Positiv bewertete Demir den Einsatz der Bundesregierung für ein umfassendes Menschenrechtsmonitoring.

Pro Asyl hat die Äußerungen Faesers derweil harsch kritisiert. Damit rückten ,,Grenzverfahren in Haftlagern an der EU-Grenze mit Ziel der Zurückweisung in nicht sichere Drittstaaten immer näher", so die Menschenrechtsorganisation. ,,Grenzverfahren sind der Kardinalsfehler der letzten Jahre, denn die Erfahrung zeigt, dass Verfahren an der Grenze zu humanitären Missständen, schlechten Verfahren und letztlich zu einer Verweigerung von Schutz führen", sagte Karl Kopp, der die Europa-Abteilung von Pro Asyl leitet.

Eine deutsche Zustimmung dazu passe nicht zu dem ,,Versprechen des Koalitionsvertrags, bessere Standards für Schutzsuchende in den Asylverfahren zu schaffen und das Leid an den Außengrenzen zu beenden", so Kopp.


Aus: "Europäische Flüchtlingspolitik: Asylverfahren abgeschoben" Dinah Riese (2.5.2023)
Quelle: https://taz.de/Europaeische-Fluechtlingspolitik/!5928621/

QuoteV M

... Gilt die Würde des Menschen nicht für Menschen, die auf der Flucht nach Deutschland sind? ...


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Textaris(txt*bot)

Quote[...] Den deutschen Einzelhändlern setzt die Kaufzurückhaltung ihrer inflationsgeplagten Kunden immer mehr zu. Ihr Umsatz fiel im März um 1,3 Prozent geringer aus als im Vormonat, wie das Statistische Bundesamt am Dienstag mitteilte. Inflationsbereinigt (real) sank der Umsatz sogar um 2,4 Prozent und damit so stark wie seit fünf Monaten nicht mehr. Das kommt überraschend: Ökonomen hatten hier mit einem Wachstum von 0,4 Prozent gerechnet, nachdem es bereits im Februar ein Minus von 0,3 Prozent gegeben hatte. Im Vergleich zum Vorjahresmonat verzeichnete der Einzelhandel sogar ein reales Umsatzminus von 8,6 Prozent.

,,Der Rückgang der Einzelhandelsumsätze reflektiert die durch Energiepreisschock und hohe Inflation fallende Kaufkraft der Privathaushalte in Deutschland", sagte der wissenschaftliche Direktor des Instituts für Makroökonomie und Konjunkturforschung (IMK), Sebastian Dullien. In den kommenden Monaten dürften die Kaufkraftverluste dank stärker steigender Löhne und steuer- und abgabenfreier Inflationsausgleichprämien aber nachlassen. ,,Dann dürfte sich auch der private Konsum wieder allmählich erholen", sagte Dullien. Das Konsumniveau vom Vor-Corona-Jahr 2019 dürfte aber frühestens 2025 wieder erreicht werden. ,,Der Energie- und Nahrungsmittelpreisschock bedeutet damit ein halbes verlorenes Jahrzehnt für die deutschen Konsumentinnen und Konsumenten", sagte Dullien.

Ähnlich sehen das auch Banken-Volkswirte. ,,Der Umsatz befindet sich ganz klar in einem Abwärtstrend", kommentierte der Chefvolkswirt der Hauck Aufhäuser Lampe Privatbank, Alexander Krüger, die Entwicklung. ,,Wegen der hohen Inflation wird es der Einzelhandel weiter schwer haben."

Der reale Umsatz im Einzelhandel mit Lebensmitteln sank im März um 1,1 Prozent zum Vormonat. Im Vergleich zum März 2022 gab es sogar einen Einbruch von 10,3 Prozent. ,,Dabei handelt es sich um den stärksten Umsatzrückgang zum Vorjahresmonat seit Beginn der Zeitreihe im Jahr 1994", betonten die Statistiker. Eine Ursache dafür dürften teure Nahrungsmittel sein, die im März 22,3 Prozent mehr kosteten als ein Jahr zuvor. ,,Der Preisauftrieb für Nahrungsmittel war im März damit dreimal so hoch wie die Gesamtteuerungsrate", so das Bundesamt.

Ökonom Dullien bezeichnete diese Entwicklung als bedenklich. ,,Hier ist davon auszugehen, dass besonders ärmere Familien, die ohnehin oft qualitativ schlechtere Nahrungsmittel kaufen, nun noch einmal weiter sparen", sagte der IMK-Direktor. Der reale Umsatz im Einzelhandel mit Nicht-Lebensmitteln sank im März um 2,3 Prozent zum Vormonat. Der lange Zeit boomende Internet- und Versandhandel verzeichnete sogar einen Rückgang von 4,8 Prozent.

Der Handelsverband Deutschland (HDE) befürchtet angesichts der Konsumzurückhaltung ein Ladensterben, zumal auch die Kosten für viele Geschäfte gestiegen seien. In diesem Jahr dürften etwa 9000 Geschäfte aufgeben, prognostizierte der HDE.


Aus: "Umsatz des deutschen Einzelhandels bricht ein" (02.05.2023)
Quelle: https://www.faz.net/aktuell/wirtschaft/unternehmen/deutscher-einzelhandel-macht-weniger-umsatz-als-vor-der-pandemie-18862473.html