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Author Topic: [Menschen in Schichten und Klassen... ]  (Read 479036 times)

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Textaris(txt*bot)

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[Menschen in Schichten und Klassen... ]
« Reply #1225 on: November 20, 2021, 11:04:31 AM »

Quote
[...] Kennen Sie das Wort Klassenhass? Hass ist ein sehr starkes Wort. Man kann enttäuscht von jemandem sein, dann ist man wütend auf ihn, aber man hasst ihn nicht gleich. Hass ist mir deshalb eigentlich fremd. Außer Klassenhass. Den empfinde ich, wenn Ungleichheit offen und wie selbstverständlich zutage tritt.

Etwa in der im ZDF ausgestrahlten Doku „Die Wahrheit übers Erben“ von Julia Friedrichs und Louis Klamroth. Ein Film, der das ungerechte Erbschaftsteuersystem thematisiert, das im Sinne der (Ver-)Erbenden beschaffen ist, viele Ausnahmen und hohe Freibeträge kennt, gerade wenn jemand ein Unternehmen vererbt; und in dem nicht nur die nackten Zahlen Eindruck machen: 5 Prozent der Deutschen besitzen so viel wie der Rest, jedes Jahr werden 300 Milliarden Euro vererbt, davon werden nur ungefähr 2 Prozent als Steuern abgeführt.

Auch die menschliche Manifestation dieser Ungerechtigkeit raubt einem den Atem. Vor allem eine Szene hat es in sich. Julian, Erbe von Touristikunternehmer Karlheinz Kögel mit geschätzten 300 Millionen Euro Vermögen, der in seiner Freizeit ein Cessna-Flugzeug fliegt, und zwei Freunde machen bei einer Wanderung im Schwarzwald eine Pause.

Die Wahrheit übers Erben - Warum Reiche immer reicher werden
Rund eine halbe Million Euro wird in Deutschland vererbt - statistisch pro Minute. Häuser, Schmuck, Geld - und sogar ganze Unternehmen. Kapital ohne eigene Anstrengung: Ist das gerecht? ... Während der Staat bei Einkommen aus Arbeit kräftig mit kassiert, werden sehr hohe Erbschaften oft von der Steuer verschont. Von geschätzten rund 300 Milliarden Euro pro Jahr wird der Großteil fast unversteuert auf nachfolgende Generationen übertragen. Und durch die Nutzung von Freibeträgen können wohlhabende Familien schon zu Lebzeiten nach und nach hohe Werte an die Kinder weitergeben. ...
Videolänge: 43 min Datum: 11.11.2021
https://www.zdf.de/dokumentation/zdfzeit/zdfzeit-die-wahrheit-uebers-erben-100.html

Vermögende bleiben verschont (23. 9. 2021)
Erbschaft verschärft die Ungleichheit bei Vermögen. Trotzdem traut sich die Politik nicht an eine Reform der Erbschaftssteuer. ... Eine Wiedereinführung der Vermögenssteuer lehnen CDU/CSU, FDP und AfD ab. Ihr Argument: Sie hemme die Wirtschaft. SPD und Grüne haben sich zwar für eine Wiedereinführung ausgesprochen. Die SPD plädiert in ihrem Wahlprogramm für einen einheitlichen Steuersatz von 1 Prozent für „sehr hohe Vermögen“. Gleichzeitig soll es aber hohe Freibeträge geben. ...
https://taz.de/Die-Wahl-fuer-Erbinnen/!5798112/

Gastkommentar von Yannick Haan (9.11.2021): ... Ja, ich habe geerbt. Keine Milliarden oder Millionen, aber ausreichend, um mir eine Wohnung kaufen zu können. Auch mit meinem „kleineren“ Erbe spüre ich im Leben bereits einen großen Unterschied. Ein Erbe gibt finanzielle Sicherheit. Es spannt ein Sicherheitsnetz. Für meine Generation jedoch, die Generation Y, ist es schwierig, abseits eines Erbes Vermögen aufzubauen. Gefangen zwischen steigenden Mieten, befristeten Verträgen und Familiengründungen bleiben die allermeisten jungen Menschen finanziell stecken. Dabei werden die Vermögen bei wenigen immer größer. Nur sind diese meist leistungslos geerbt.... Dieses Missverhältnis nimmt mittlerweile groteske Züge an. In den zurückliegenden zehn Jahren ist die Höhe der durchschnittlichen Erbschaft von 72.000 auf 85.000 Euro gestiegen. Parallel dazu hat sich aber auch die Ungleichheit unter den Erben erhöht. 10 Prozent der Erben erhalten die Hälfte aller Erbschaften und Schenkungen. Die anderen 90 Prozent teilen sich die restliche Hälfte. Das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung (DIW) schätzt die Höhe der jährlichen Schenkungen und Erbschaften auf atemberaubende 400 Milliarden Euro. Diese Zahlen zeigen, dass wir mittlerweile eine gesellschaftliche Schieflage erreicht haben ...
https://taz.de/Erben-in-Deutschland/!5810657/

Reporter Klamroth fragt die drei, ob es in ihrem Leben schon mal etwas gab, das sie sich nicht leisten konnten. „Klar“, sagt Julian. „Auf jeden Fall“, sagt Christina, die ein eigenes Modelabel besitzt. „Safe“, sagt Julian, „ja, viel.“ Klamroth frag nach: „Zum Beispiel?“ Es folgt eine unangenehme Pause. „Material things“, sagt dann Alexander, der ein Saft-Start-up gegründet hat. „You can always get a better something, a better car, a better house.“

Für mich als jemand, der nichts erben wird, kein Vermögen hat und von null starten musste, dessen Entscheidungen im Leben immer davon bestimmt sind, ist das der Moment, in dem der Klassenhass in der Brust brennt. Eine Freundin mit gleicher Ausgangslage beschreibt es so: „Das ist, als ob einem jemand das Gesicht in die Scheiße drücken würde.“

Bei allem Klassenhass ist klar, dass Julian und Leute wie er einfach Glück haben. Dass sie nicht verantwortlich dafür sind, was prinzipiell falsch läuft. Dass Leute wie sein Vater Charaktermasken sind, wie Marx es nennt. Jederzeit austauschbar. Denn wenn sie die für den Kapitalismus notwendige Rolle des ausbeutenden Unternehmers nicht einnähmen, würden das eben andere tun. Aber der Klassenhass ist trotzdem da. Und er lässt sich nicht mit einem Marx-Seminar bändigen.

Am Ende des Films kommt der Erbe Antonis Schwarz zu Wort. Er setzt sich für höhere Erbschaftsteuern ein. Das klingt paradox. Ist es aber nicht. Er sagt: „Die extreme Vermögenskonzentration und die Demokratie vertragen sich nicht gut.“ Und da klingt ein bisschen die Angst durch, dass er am Ende alles verlieren könnte – wenn der Klassenhass zu groß wird und die anderen einfach nehmen, was sie brauchen.


Aus: "Wenn Milliarden vererbt werden: Klassenhass" Kolumne von Volkan Agar (19.11.2021)
Quelle: https://taz.de/Wenn-Milliarden-vererbt-werden/!5812574/

Quote
Dr. Iustitia

Sollte an dieser Stelle wirklich vom Klassenhass gesprochen werden? ... Man kann in einer solchen Situation natürlich in Klassenhass verfallen, dadurch wird aber weder der Berliner Flughafen schneller fertiggestellt noch ein einziger Verwaltungsakt rationaler gestaltet werden. Klassenhass bringt nicht mehr Innovation oder Gerechtigkeit hervor. ...


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Textaris(txt*bot)

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[Menschen in Schichten und Klassen... ]
« Reply #1226 on: December 01, 2021, 02:04:33 PM »

Quote
[...] Die Mittelschicht in Deutschland schrumpft einer Studie zufolge deutlich, besonders der untere Rand ist demnach abstiegsgefährdet. 2018 zählten 64 Prozent der Bevölkerung zur mittleren Einkommensgruppe, 1995 waren es noch 70 Prozent. Das geht aus einer Analyse der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) und der Bertelsmann Stiftung hervor.

Demnach sind allein von 2014 bis 2017 etwa 22 Prozent der Menschen im erwerbsfähigen Alter in die untere Einkommensschicht geraten – und waren damit arm oder von Armut bedroht. Es gebe Anzeichen dafür, dass sich die Entwicklung durch die Pandemie noch verschärft hat. Denn acht Prozent der Menschen mit mittleren Einkommen verloren in den ersten Monaten der Krise bis Januar 2021 ihren Job, wie Berechnungen der Stiftung und des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung zeigen.

"Gefährdet sind all jene, die unter Berücksichtigung der Haushaltsgröße ein verfügbares Einkommen zwischen 75 und 100 Prozent des mittleren Einkommens haben", teilte die Bertelsmann Stiftung mit. Das waren 2018 demnach etwa 1.500 bis 2.000 Euro verfügbares Nettoeinkommen für einen Single oder 3.000 bis 4.000 Euro für eine Familien mit zwei Erwachsenen und zwei Kindern.

Eine besonders große Abstiegsgefahr hat die Stiftung bei jüngeren Erwachsenen aus der Einkommensmitte festgestellt. Der Anteil der 18- bis 29-Jährigen, die zur Einkommensmitte gehören, sank mit zehn Prozentpunkten überdurchschnittlich stark. Das zeigt auch der Generationenvergleich: Während es noch 71 Prozent der Babyboomer (Jahrgänge 1955 bis 1964) nach dem Start ins Berufsleben in die Mittelschicht schafften, gelang dies nur noch 61 Prozent der sogenannten Millenials (1983 bis 1996). Und wer in Deutschland einmal aus der Mittelschicht herausfalle, habe es heute deutlich schwerer, wieder aufzusteigen, sagte Mitautorin Valentina Consiglio.

Zudem gelinge es Ostdeutschen seltener, in den mittleren Einkommensbereich zu gelangen oder sich dort zu halten, als Westdeutschen. Im Vergleich zu den anderen OECD-Ländern schrumpfte die Mittelschicht demnach nur in Schweden, Finnland und Luxemburg stärker als in Deutschland.

Bildung spiele dabei eine immer wichtigere Rolle. Denn der Anteil der 25- bis 35-Jährigen mit niedrigem oder mittlerem Bildungsniveau, die es in die Mittelschicht schaffen, sank deutlich. "Bildungsrückstände, die durch die Pandemie entstanden sind, müssen dringend aufgeholt werden, sonst wird vielen der mühsame Aufstieg in die Mittelschicht zusätzlich erschwert", sagte Consiglio.

Um die Mittelschicht zu stärken, müssten Barrieren auf dem Arbeitsmarkt abgebaut und Frauen stärker gefördert werden. Sie arbeiteten zwar häufiger als früher, aber oft in Teilzeit und in Tätigkeiten, für die sie überqualifiziert seien. Um zur Mittelschicht zu gehören, brauche es zunehmend ein zweites gutes Arbeitseinkommen. "Wollen wir die Mittelschicht stärken, sollten Umfang und Qualität der Jobs von Frauen verbessert werden."


Aus: "OECD-Studie: Immer mehr Deutsche verlieren Anschluss an Mittelschicht" (1. Dezember 2021)
Quelle: https://www.zeit.de/wirtschaft/2021-12/oecd-studie-mittelschicht-deutschland-abstieg-pandemie-bertelsmann

Quote
genauer Leser #1

In einer anderen Zeitschrift steht zeitgleich, es handele sich um eine Verzerrung der Statistik. Die hohe Zuwanderung verdecke die positiven Entwicklungen in den Aufschwungjahren. Was ist nun richtig?


Quote
Willy Wusel #1.1

"Die hohe Zuwanderung verdecke die positiven Entwicklungen in den Aufschwungjahren. Was ist nun richtig?"

Die Vermögensverteilung in Deutschland ist schon sehr lange auf einem sehr falschen Weg. Da brauchen Sie nicht die Flüchtlinge der letzte paar Jahre bemühen.

Aber die Deutschen wollten ja unbedingt über Jahrzehnte von der Union regiert werden.
Und die interessiert sich nicht für die unteren 50%.
Soviel ist mal klar.


Quote
Florian Schwanitz #1.4

Sie haben vergessen, dass das täglich gesellschaftlich produzierte Vermögen verhältnismäßig und überproportional denen zu Gute kommt, die Unternehmen auf irgendeine Art besitzen. Und dazu bereits Vermögende absurde Zuchwächse haben:

https://www.zeit.de/wirtschaft/2020-07/vermoegensverteilung-deutschland-diw-studie-ungleichheit


Quote
think-different #1.5

[...] was nützt mir der hohe wert einer immobilie oder eines unternehmens, wenn ich es nicht veräußern mag?


Quote
Willy Wusel #1.8

"was nützt mir der hohe wert einer immobilie oder eines unternehmens, wenn ich es nicht veräußern mag?"

Oder anders formuliert:
Was nützt mir der hohe Wert einer Villa, eines Ferrari, eines Van Goghs, eines Goldbarren, eine Privatflugzeugs... wenn ich es nicht veräußern mag?
Solche Sorgen möchten die meisten Deutschen in ihren Mietwohnungen bestimmt auch haben...


Quote
Dante. #2

Komisch! Sonst ist doch so häufig von dem ach so reichen Deutschland zu lesen, das glaubt, Europa und die halbe Welt sponsorn zu können!


Quote
BBQue #2.1

Deutschland an sich ist auch reich! Das Problem ist, wie der Reichtum verteilt wird, und wie immer weniger bei den Menschen, die den Reichtum erwirtschaften, ankommt.


Quote
Dr. Graf #2.2

Das schreit ja förmlich danach, dass Sie Unternehmer werden und den offenbar zufliegenden Reichtum unter der Belegschaft verteilen. Go for it!


Quote
herold69 #2.18

"Das schreit ja förmlich danach, dass Sie Unternehmer werden und den offenbar zufliegenden Reichtum unter der Belegschaft verteilen. Go for it!"

Sie raten Leuten, die auf Missstände aufmerksam machen, auch, Bundestagsabgeordneter zu werden, oder?


Quote
BBQue #4

Der Deutschen Wirtschaft geht es gut. ...


Quote
poisonless #4.7

"Die Deutsche Wirtschaft" ist gleich wer genau? Ich bin es nicht.


Quote
Grumgully #4.17

"Profiteure staatlicher Umverteilung sind Unterschicht, Gutverdiener und Wohlhabene. Die untere Mittelschicht ist definitiv Verlierer staatlicher Umverteilung."

Ich bin bei Ihnen. Dennoch kann die Lösung nicht sein, die unteren mittleren Einkommen gegen den Niedriglohnsektor auszuspielen. Dieses Spiel beherrschen "die Eliten" jedoch leider perfekt, wie der folgende "Witz" schön illustriert:

Sitzen ein Manager, ein Arbeiter und ein Aufstocker an einem Tisch, auf dem ein Teller mit zehn Keksen steht. Der Manager isst neun von den Keksen und sagt dann zum Arbeiter: "Pass bloß auf, der Aufstocker will dir deinen Keks wegnehmen!"

Es ist genug Geld da. Das angesparte Kapital der Deutschen ist trotz diverser Krisen in den letzten Jahrzehnten auf über fünf Billionen (!) Euro angewachsen (nach jeder Krise gab es sogar mehr Millionäre als vorher). Der überwältigende Teil dieses Kapitals befindet sich in den Händen von nicht einmal 10% der Bevölkerung. Und dieser Haufen wächst stetig weiter, weil a) die Reallöhne in D seit Ewigkeiten nicht gestiegen sind obwohl die Wirtschaftsleistung (bis auf 2009) kontinuierlich wuchs und b) Einkommen aus Erwerbsarbeit mit höheren Abgaben belastet wird als Vermögen bzw. Kapitalerträge aus Vermögen.

Siehe auch:
https://de.wikipedia.org/wiki/Proprietarismus


Quote
Dropisius #10

Man kann es auch anders ausdrücken: Die Deutschen verblöden seit Jahren!


Quote
Edenjung #10.1

Das hat nix mit intelligenz zu tun.

Selbst mit guter Bildung und guter Ausbildung wird man unterbezahlt.

Unternehmen wollen vorallem eines: Billige Arbeiter. und billige Fachkräfte.

Leute, die das ihnen zustehende Gehalt fordern, werden nicht angestellt.
Die verlassen dann das Land und arbeiten wo anders.
Bei Programmierern ist das besonders offensichtlich.
Die Unternehmen wollen für nen ausgebildeten nicht das zahlen was er eigentlich bekommen sollte. Dann geht man dann zu unternehmen im ausland, die das zahlen.

Und dann fängt das geheule von wegen Fachkräftemangel an.


Quote
amo71 #16

Das ist dich elendes Zahlengeschwafel.
Irgendwo im Text finden sich ein paar Informationen, die man sprachlich deuten soll.

Bitte einfach mal eine Tabelle oder Aufzählung.
Wie groß ist welche Schicht, welches Einkommen (je nach Haushaltsgröße) steht dahinter.
Sonst lese ich lieber direkt die Studie bzw. die Zusammenfassung.


Quote
amo71 #16.1


Der Zugang zur Mittelschicht hat sich deutlich verschlechtert: 1995 zählten noch 70 Prozent der Bevölkerung zur mittleren Einkommensgruppe, 2018 waren es nur noch 64 Prozent. Zwar fand der wesentliche Rückgang bis 2005 statt, doch die Mitte erholte sich seither nicht wieder, obwohl die deutsche Wirtschaft stetig gewachsen und die Arbeitslosigkeit gesunken ist.
https://www.bertelsmann-stiftung.de/de/themen/aktuelle-meldungen/2021/dezember/die-mittelschicht-in-deutschland-broeckelt

Hier gibt es auch ein paar übersichtliche Diagramme.

Warum schafft das eine Zeitung nicht?


Quote
JonnyD #18

Solche Fakten interessiert die Mehrheit leider nicht, sonst gäbe es keine FDP im künftigen Kabinett.


Quote
Gaumata #39

... mit der Beteiligung von FDP und Grünen in der neuen Regierung wird es für die untere Mittelschicht weiter bergab gehen. Der Zuschuß für die Bezahlung einer Haushaltshilfe für Doppelverdiener hat bereits aufgezeigt wo diese Parteien ihr Klientel verorten.


Quote
Dr. Econ #41

Alle paar Monate kommt eine neue Studie, dass sich innerhalb der wohlhabenden, westlichen Leistungsgesellschaften die finanziellen und sozialen Ungleichgewichte bei Einkommen und Vermögen verstärken.

Und immer gibt es zwei vorhersehbare Reaktionen, ja fast Reflexe, die beide wie stumpfe Messer keinen Stich gegen das Problem haben:

1. Noch mehr davon. Mehr Konkurrenz, mehr Leistungsprinzip. Der Staat ist schuld, er soll weniger versuchen, die Ungleichgewichte abzumildern. Die Bürger sollen härter konkurrieren, mehr in ihr Humankapital investieren, um es dann später besser ausbeuten zu können.

Quintessenz: Die Religion verkündet die Wahrheit und bringt die Erlösung, du musst nur frommer werden und fester im Glauben. Umarme, lebe ihre Prinzipien - und so sollst auch du eines Tages ins Paradies geführt werden. Versprochen.

Das Problem ist nur: Auch die Nationen mit der niedrigsten Staatsquote und der konsequentesten Durchsetzung eines unerbittlichen Leistungsprinzips sehen Jahr um Jahr sich verschärfende soziale Umwuchten. Bis zu völlig entkoppelten Lebenswelten wo sich eine in Status, Selbstwert und wirtschaftlich völlig entkoppelte Mittelschicht nativistischen Populisten zuwendet - weil ihnen die Leistungsreligion sonst nichts mehr lässt, auch moralisch. Denn du bist ja selber schuld.

2. Wir brauchen mehr Sozialstaat. Mehr Almosen für die Armen und Abgehängten. Sonderrente, Sonderkindergeld, Sozialaufschlag, 50€ Bildungsgutscheine, sozialen Wohnungsbau etc.

Das Problem: Hier akzeptiert man schon, dass die Abgehängten abgehängt sind - man will es ihnen nur ein bisschen netter machen. Das hilft aber nicht dem Selbstwertgefühl. Das wahre Problem ist nicht die Umverteilung nach Almosenprinzip, sondern die Exklusivität der Leistungsgesellschaft.

Und daran rüttelt man nicht mit sozialem Wohnungsbau und Sondergeldern.

...

Wir müssen erst mal mit den Reflexen aus der Mottenkiste aufhören. Mit den vorbereiteten Antworten aus der jeweiligen ideologischen Schublade.

Und erkennen, dass weder "mehr davon", noch staatliche Alimentierung das Problem lösen. Wir haben beide Extreme in verschiedenen Nationen über Jahrzehnte ausprobiert aber sehen ähnliche strukturelle Entkopplungen und den Aufstieg des populistischen Nativismus.

Ich sehe in einer Zeit zunehmender Spreizung und Exklusivität die Leistungsreligion selbst als problematisch an.
Die Elite und die Mittelschicht kämpfen im Statuskampf mit ungleichen Waffen.

Das Versprechen des sozialen Aufstiegs durch Leistung ist daher bedroht.
Es galt am ehesten in der Phase der Nachkriegsjahre bis Ende der 70er - seitdem hat sich die wachsende Produktivität aller westlichen Volkswirtschaften von den Medianeinkommen immer weiter entkoppelt.

... Wir brauchen einen Kulturwandel: Wenn Karriereerfolg allein den sozialen Status bestimmt, der für viele aber immer öfter unerreichbar wird - die 60er sind vorbei - dann suchen sich die Leute ihr Selbstwertgefühl woanders. Deutsch zu sein, weiß zu sein, über den Zugewanderten zu stehen, einer wissenden Minderheit anzugehören, die die "wahren Pläne" der bösen Elite kennt, etc.
Das Problem wächst und wächst.

... Die Leistungsgesellschaft muss deutlich inklusiver werden. Muss immer lachen wenn die FDP von Chancengleichheit spricht: Echte Chancengleichheit wäre eine Revolution, die massivste Investitionen erfordern würd

Also kulturell abrüsten im Status-Wettkampf.

Das ist eine große Aufgabe und passt nicht zur derzeitigen Fetischisierung von Status, Erfolg und Berühmtheit auf Instagram, in Casting-Shows, in der Popkultur.

Und auch nicht zu den leeren Versprechen die wir schon unseren Kindern eintrichtern - du musst nur härter gegen die anderen konkurrieren, dann schaffst du den Aufstieg. Weil es nicht mehr so zutrifft wie vor 40, 50 Jahren und dann hast 95% die sich schuldig fühlen nicht genug getan zu haben obwohl sie in Wahrheit nie eine echte Chance hatten.

Oder anders gesagt: Endlich kapieren dass nicht alle Läufer eine Medaille bekommen, wenn alle 20% schneller laufen. Die Rangfolge bleibt gleich aber alle sind kaputter - auch die Gewinner. Nur gehts hier um mehr als nur einen Sprint. Um alles, die Identität, das Selbstwertgefühl, das Einkommen. Lebenslang.

Und dazu echte Chancengleichheit schaffen.

Was die FDP immer fordert aber eigentlich nicht wirklich zuende gedacht haben kann.

Denn das wäre ein gewaltiges Projekt, von dem ihre Wählerklientel definitiv nicht profitieren würde, sondern im Gegenteil.



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« Last Edit: December 01, 2021, 02:10:47 PM by Textaris(txt*bot) »
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« Reply #1227 on: December 01, 2021, 02:26:25 PM »

Quote
[...]  Unser Wirtschaftssystem hat sich für die Augen des Normalbürgers zunehmend unsichtbar gemacht und entzieht sich in großen Teilen dem Verstehen. Erkennbar ist derzeit nurmehr eine Art Nullsummenspiel, das uns in die Logik einer sich stets fortsetzenden Kapitalvermehrung einzuspannen scheint - ein Spiel, das bis zur totalen Erschöpfung gespielt wird und vielleicht kurz vor seinem Ende steht.

Jenseits der distanzierten Formeln der Finanzberichterstattung, die den Fokus nicht auf ein Verstehen des großen Ganzen setzen, macht sich Dokumentarfilmerin Carmen Losmann mit so viel Scharf- wie Eigensinn daran, den Kapitalismus der Gegenwart in seiner Struktur zu durchleuchten.

Mit "Oeconomia" unternimmt Carmen Losmann eine Reise in das strategische Zentrum neoliberaler Politik. Ein ehrgeiziges und schwieriges Unterfangen, denn viele Insider des Banken- und Finanzsektors reden lieber nicht vor einer Kamera - und denen, die sich darauf einlassen, fehlen mehr als einmal die Worte. So transparent die Architektur von Banken und Geldinstituten sich gibt, so schnell verschließen sich die Türen für die recherchierende Regisseurin. Sie macht aus der Not eine Tugend, indem sie unter anderem Telefonprotokolle und computergenerierte Bilder einsetzt, damit das Abstrakte und schwer Verständliche anschaulicher wird.

"Oeconomia" hatte auf der Berlinale 2020 in der Kategorie Forum seine Premiere.


Aus: "Film: Oeconomia" (08.11.2021)
Quelle: https://www.3sat.de/film/dokumentarfilmzeit/oeconomia-100.html

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Quote
[...] Oeconomia, D 2020 - Regie, Buch: Carmen Losmann. Kamera: Dirk Lütter. Schnitt: Henk Drees, Carmen Losmann. Verleih: Neue Visionen, 89 Min.

... Die Finanzkrise 2007 sei der Auslöser für "Oeconomia" gewesen, erzählt die Regisseurin. Sie wollte die Spielregeln eines Systems begreifen, das gerade krachend an die Wand gefahren war - mit Folgen bis heute. Weil zudem Corona gerade die Schulden in ungeahnte Höhen treibt - das Statistische Bundesamt zählte Mitte des Jahres für alle öffentlichen deutschen Haushalte 2,1089 Billionen Euro Miese - ist "Oeconomia" ein brandaktueller Film.

Losmann will den Kapitalismus verstehen - und verständlich machen. Aber wie soll das gehen? Wie lässt sich eine so abstrakte und komplizierte Materie im Film darstellen? "Oeconomia" beginnt mit einem idyllischen Waldbild, das sich aber als Desktophintergrund eines Computers entpuppt. Es ist ein Trugbild wie viele Oberflächen in diesem Film. Losmann öffnet dann einen Ordner, aus dem sie Zahlen und Diagramme zieht, schließlich blendet sie vom schwarzen Desktop mit weißem Raster auf die ebenfalls gerastert wirkenden Fassaden der Bankentürme in Frankfurt am Main. Die Glasfassaden der Hochhäuser, in denen sich Himmel oder Stadt verzerrt spiegeln, werden zum zentralen visuellen Motiv des Films: Die Transparenz, die das Glas signalisiert, ist vorgetäuscht, an den Oberflächen prallt der Blick ab.

Es ist ein Boys Club, mit dem es Losmann in der Finanzwelt zu tun bekommt, keine einzige Frau sitzt ihr in ihren Interviews gegenüber. Und es ist tatsächlich ein Club, der so schnell niemanden reinlässt. Immer wieder wurden Losmann Drehgenehmigungen verweigert; Konferenzen wurden für sie nur nachgestellt; Interviews erst zugesagt, dann zeitlich eingeschränkt. Viele Gespräche durfte sie gar nicht aufzeichnen, sie gibt sie als Gedächtnisprotokolle wieder. Sie reflektiert die Bedingungen, unter denen ihr Material entstand, und zeigt, dass die Branche sich nicht gern in die Karten blicken lässt.

Einige aufschlussreiche Gespräche hat Losmann dennoch geführt, mit Peter Praet etwa, dem ehemaligen Chefvolkswirt der Europäische Zentralbank, mit Nicolas Peter, dem Finanzchef von BMW, mit Andrew Bosomworth von der Investmentgesellschaft Pimco oder Thomas Mayer, dem ehemaligen Chefvolkswirt der Deutschen Bank. Von ihnen und mithilfe von Diagrammen und Zahlen auf Losmanns Desktop erfährt der Zuschauer, dass nicht nur die Zentralbanken Geld schaffen, sondern auch die Geschäftsbanken, indem sie Kredite vergeben, die in der Bilanz auftauchen. 90 Prozent der Gesamtgeldmenge mache dieses "Buchgeld" aus. Es entsteht quasi aus dem Nichts. Man erfährt, dass die Wirtschaft wächst, wenn die Geldmenge wächst, und dass ständiges Wachstum die Bedingung ist, damit das alles weiter funktioniert. Eine Runde kapitalismuskritischer Experten hat Losmann in der Frankfurter Fußgängerzone an einem Tisch platziert und lässt sie "Monopoly" spielen. Gleichzeitig kommentieren sie die Mechanismen der Finanzwirtschaft wie ein griechischer Chor. Popcornkino ist das nicht - und doch spannend.

Mit scheinbar spröden Themen kennt Losmann sich aus. Bekannt wurde sie mit "Work Hard - Play Hard", 2011, für den sie künstlich-heimelige Büroräume filmte, die vergessen machen sollten, dass die Menschen darin zur Arbeit angetrieben werden. Dazu ließ sie Manager und Unternehmensberater über "Human Capital Management" schwafeln. In diesem Corona-Jahr, in dem das Home endgültig zum Office geworden ist, sollte man sich den Film bei Gelegenheit (wieder) ansehen.

Losmann hat wieder mit dem Kameramann Dirk Lütter gearbeitet. Er filmt die Hochhaustürme der Banken und großen Firmen als Symbolräume, als vollkommen künstliche Bubbles. Viel Glas wurde verbaut, außen und innen; es gibt beeindruckend große Eingangshallen und überall ähnliche Konferenzräume, deren Requisiten Wichtigkeit suggerieren. Winzig erscheinen die Menschen in der Frankfurter oder Kölner Innenstadt, wenn man sie aus einem der oberen Stockwerke dieser Türme sieht. Es ist eine Architektur des Kapitalismus, die jene Prozesse spiegelt (und mit hervorbringt), die in ihr stattfinden. Uniformiert, fast wie Mitglieder eines Ordens, sehen die Männer aus, die darin agieren, in ihren weißen Hemden und teuren Anzügen. Wenn sie in einem Konferenzraum hinter gläsernen Wänden zusammensitzen (die Kamera bleibt außen vor) wirkt das Treffen konspirativ.

Dass das Finanzsystem künstlich ist, sich abgekoppelt hat von der Warenproduktion, ja von der Realität, gleichwohl zunehmend unser Wirtschaftssystem und die Politik bestimmt - auf diese Kritik steuert der Film ganz unaufgeregt zu. Außerdem bringt Losmann Ökonomie und Ökologie am Ende zusammen, wenn sie konstatiert, dass es auf einem Planeten mit endlichen Ressourcen kein unendliches Wachstum geben kann. Das alles ist nicht neu, über vieles können Wirtschaftsexperten auch sicher kundig streiten. Der "Kapitalismus für Dummies"-Ansatz aber funktioniert. Über Geld spricht man nicht? Besser doch.


Aus: "Doku "Oeconomia" im Kino:Zum Wachstum verdammt" (14. Oktober 2020)
Quelle: https://www.sueddeutsche.de/kultur/kino-doku-oeconomica-1.5068338
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« Reply #1228 on: December 02, 2021, 10:43:23 AM »

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[...] Eine Mehrheit  der 14- bis 21-Jährigen glaubt nicht, dass alle Kinder unabhängig von ihrer sozialen und kulturellen Herkunft die gleichen Chancen auf eine gute Bildung haben. Eine repräsentativen Umfrage des Meinungsforschungsinstitut Forsa im Auftrag der Initiative "Tag der Bildung" (8. Dezember) ergab, dass 59 Prozent der befragten jungen Menschen an der Chancengerechtigkeit im Bildungssystem zweifeln. 

... Der Anteil derjenigen, die glauben, dass der kulturelle Hintergrund der Erziehungsberechtigten einen großen Einfluss auf die Bildungschancen der Kinder hat, ist laut Forsa sehr deutlich auf 51 Prozent gestiegen - das sind 20 Prozentpunkte mehr als bei der ersten Abfrage dieses Faktors im Jahr 2016. 73 Prozent der Befragten sehen auch einen großen Einfluss beim Freundeskreis der Kinder und Jugendlichen und 67 Prozent bei der Bildung der Eltern.

... Für die Umfrage wurde von der Forsa Politik- und Sozialforschung im September und Oktober 2021 rund 1000 Jugendliche und junge Erwachsene im Alter von 14 bis 21 Jahren befragt.


Aus: "Deutsche Jugend zweifelt an Chancengleichheit" Jan Kixmüller (02.12.2021)
Quelle: https://www.tagesspiegel.de/wissen/bildungsgerechtigkeit-deutsche-jugend-zweifelt-an-chancengleichheit/27852896.html
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« Reply #1229 on: December 18, 2021, 10:29:11 AM »

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nur #14

Bei mir haben drei Freundinnen schon geerbt, und auch mein Mann. Alle drei Freundinnen haben mit ihrem Erbe Unternehmen aufgebaut, einen Lyrik-Verlag, eine Kindertagesstättenkette und einen Hebammenservice. Mein Mann konnte weniger arbeiten und mir durch fair geteilt Care-Arbeit eine Karriere ermöglichen. Heute ist er Aktivist und berät kostenfrei NGOs.
Da Frauen immer noch weniger gründen, weniger Kredite erhalten, öfter Care-Berufe haben, in denen sie weit weniger Geld verdienen können als z.B. Banker, ist das Erbe in diesem Fall die einzige Möglichkeit gewesen, diese Gesellschaft zu einem besseren, familien- und kunstfreundlicheren Ort zu machen. Meine Eltern waren Flüchtlinge aus dem Osten Deutschlands und haben sich alles selbst erspart, das war früher oft sehr knapp. Ich investiere jetzt viel Zeit und Gehirnschmalz, um mein späteres Erbe gut verwalten und für meine Kinder aufrecht erhalten zu können. An diesem Thema hängen so viele Gerechtigkeitsdebatten, dass man gar nicht weiß, wo beginnen...


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vonDü #8

"Belastet ein Erbe deine Freundschaft?"

Aus eigener Erfahrung kann ich diese Frage eindeutig mit Ja beantworten.

Es kann dazu führen, dass man zur Projektionsfläche des Neides und des Frusts mancher Mitmenschen wird, die man am besten konsequent von der Freundesliste streicht, wenn sie das auch nach klarer Ansage nicht einstellen.


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  Sanglos Klanglos #5

... wenn man sich das anschaut, dass 400 Milliarden vererbt werden, im Jahr, fragt man sich natürlich schon, wenn man nur die Hälfte davon abzweigen würde, könnte man die Armut der 10-20% Geringverdiener in D sofort beenden. Vielleicht wäre es anzudenken, die Erbschaftssteuer zu erhöhen. Andererseits, auch in der Familie meiner Frau wird natürlich überlegt, wie man diese Steuer möglichst gering halten kann.


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Losthorizon #5.1

So ist es. Leider wird sich auch oft über die Ungerechtigkeit des leistungslosen Erbens von Großvermögen aufgeregt, eine insgesamt linke, progressive Haltung vertreten, aber erbt man selber plötzlich siebenstellig geht's ans Steuer optimieren und ans hauen und stechen. Zweimal in der nahen Verwandtschaft erlebt. Etwas Heuchelei ist beim erben wohl unvermeidlich.


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Einer-der-es-weiß #6

Ich habe als Siebzehnjähriger von meinem Opa 2000,- DM geerbt. Davon habe ich meinen ersten CD-Player und einen E-Bass angeschafft. Von meinen Eltern gab und gibt es nur Schulden.
Die Eltern meiner Frau besitzen in Bayern ein Haus in bester Lage, das Nachbarhaus mit kleinerem Grundstück ist kürzlich für 650.000,- Euro verkauft worden. Es sieht also so aus, als würden wir durchaus bald erben.
Dieses Haus wurde durch harte Arbeit und eifriges Sparen erwirtschaftet. Eine hohe Erbschaftssteuer halte ich für ungerecht(fertigt).
Aus meinem beruflichen Umfeld kenne ich viele ältere, wohlhabende Menschen, die sich ihren Besitz ebenfalls erarbeitet haben und zu Lebzeiten alles an ihre Kinder verschenken, damit diese nicht immense Steuern zahlen müssen.


Quote
Patrick Siegismund #6.1

"Dieses Haus wurde durch harte Arbeit und eifriges Sparen erwirtschaftet. Eine hohe Erbschaftssteuer halte ich für ungerecht(fertigt)."

Es wurde vom Erblasser hart erarbeitet, nicht vom Erben. Mein Arbeitseinkommen erarbeite ich mir auch hart, trotzdem wird es mit einem Signifikanten Steuersatz besteuert. Sein "Erbschaftseinkommen" hat der Erbe nicht hart erarbeitet, zahlt darauf aber weniger Steuer als ich auf mein Arbeitseinkommen.


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Taranis #6.5

In Deutschland kann man immer noch nicht vernünftig im Freundeskreis über das Gehalt sprechen. Der Vorteil den eigenen Marktwert besser einschätzen und so auch eine Forderung nach einer Gehaltserhöhung besser begrünen zu können wird vor Neid/Missgunst/Scham völlig übersehen. Wie soll man da sinnvoll über Erbe sprechen?

Auch hier sieht man es wieder, statt einer Diskussion darüber ob/wie ein Erbe die Freundschaft belastet, wird sofort schon auf den ersten Kommentar "ein dicker Batzen Erbschaftssteuer" gefordert.
Ja große Erbschaften sind ein Teil des Problems ungleicher Vermögensverteilung in unserem Land, doch daraus die Verteufelung aller Erbschaften abzuleiten und im Endeffekt mal wieder die Mittelschicht gegen die Unterschicht auszuspielen, wird das Problem nicht ansatzweise lösen.


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derkleinefilou #6.6

Kenne ich. Doch speziell bei 0815 Immobilien entscheidet gar nicht das gebaute Häuschen über dessen Wert, sondern die Lage.

Schauen Sie sich einfach mal an, wie viele "Grundstücke mit Altbestand" es bei Düsseldorf, FFM, Stuttgart oder München gibt. Natürlich haben die alten Eigentümer das häufig erarbeitet/erspart, der heutige immense Wert ist aber dem Markt und der Stadtentwicklung geschuldet, nicht der eigenen Arbeitsleistung.

Bekannte von mir haben ein Reihenhaus in einem Außenbezirk von Köln geerbt. Der Vater war Alleinverdiener und hat das Haus in den 80ern für 220.000 Mark gebaut und als kaufmännischer, unstudierter Angestellter bei der Deutschen Post abbezahlen können. Das Haus wird aktuell auf über 700.000 € geschätzt.
Das hat mit der "Leistung" des Erbauers schon sehr wenig zu tun.

PS: Ich schreibe nicht mit neidischen Gefühlen, aber man sollte anerkennen, dass am Immobilienmarkt derzeit vieles nicht nur auf Leistung und Sparen zurückzuführen ist.


Quote
Losthorizon #7

Bei uns teilt sich der Freundeskreis in die 'Großerben' die alle Häuser (manchmal plus Ferienwohnung(en)) in guten Wohngegenden erben plus weiteres Vermögen und somit in Summe oft deutlich siebenstellig. Dabei verdienen diese oft selbst als Akademiker oder Selbständige ordentlich, hätten aber ohne den Geldregen es kaum zu eigenem Eigentum in den Wohngegenden der Eltern gebracht oder nur wenn man sich extrem gestreckt hätte. Der andere Teil kommt aus Verhältnissen wo vom Elternhaus nichts oder kaum etwas zu erwarten ist. Eltern wohnten zur Miete, sind früh verstorben oder die Immobilie auf dem Land ist fast nichts wert oder sogar belastet. Keiner von denen hat trotz ebenfalls akademischer Berufe oder guter Angestelltengehälter bisher eine eigene Immobilie in Hamburg erwerben können. Wir liegen dazwischen. Auch wir sind in der glücklichen Lage und haben etwas Eigentum geerbt und es wird weiteres Erbe erwartet wenn auch nicht solches wie unsere 'Großerbenfreunde', doch gerecht finde ich das nicht. Das Vermögen akkumuliert sehr stark in kurzer Zeit ohne eigenes zutun. Durch den Nullzins und den allgemeinen Run und Wertzuwachs von Sachwerten ist zudem zusätzlich eine enorme Schieflage entstanden. Sozialer Sprengstoff und der Weg in eine noch stärkere Klassengesellschaft ohne reale Aufstiegschancen.


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Mariëllsche #9

Ja, ich habe geerbt.
Ich lebe nun in einer deutschen Großstadt in meinem eigenen Haus, was in nicht allzu langer Zeit auch nicht mehr teilweise der Bank gehören wird.
Glücklicherweise gehörte noch ein anderes Grundstück zum Erbe und etwas Barvermögen.
Jedoch der Preis, den ich nun zahle ist nicht monetär.
Ich habe keine Generation über mir, keine Mutter, keinen Vater, die ich einmal fragen könnte "Sag, wie wir das bei Dir? Kannst Du mir raten?..."
Meine Kinder haben weder Opa noch Oma. Sie dürfen nicht erleben wie es ist heimlich Süßes oder kleine Geldbeträge zugestellt zu bekommen oder einmal bis zu den Tagesthemen wach zu bleiben, weil die Oma das erlaubt, da sie nicht den Erziehungsauftrag hat.
Das Wissen und die Weisheit, die Kraft und die Stärke, die die Vorgehensweise der nachfolgenden Generation vermitteln und geben kann ist fort.
Ja, ich habe geerbt, aber zahle dafür auch jeden Tag einen eigenen Preis...


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Weißfahrer #10

Für uns spielt das eigentliche Erbe unserer Freunde keine Rolle. Viel bedeutender ist der Umgang mit diesem: „Freunde“, die mit ihrem Erbe einen auf dicke Hose machen und bestenfalls noch als ihren Verdienst darstellen, brauchen wir nicht. Freunde, die Dank Erbe zwei Autos aus Zuffenhausen fahren und Uhren mit Krone am Handgelenk tragen, dennoch menschlich auf dem Teppich bleiben und ihre Situation reflektieren können, sind eine Bereicherung unseres sozialen Umfelds.

Aber eines stimmt: bei uns in der Gegend wird der gehobene Lebensstandard in sehr vielen Fällen mit „altem Geld“ bezahlt. Wir mussten es alleine schaffen - in so einem Fall kann man neidisch auf andere oder stolz auf sich sein.


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Heimerdinger1 #12

Also erst mal habe ich keine Freundschaften, die dadurch beeinflusst werden ob jemand mehr Geld hat / erbt. Das sind meiner Meinung nach Bekanntschaften, aber das ist ein anderes Thema. Beobachte ich in der Großstadt seit Jahren, meiner Meinung nach haben viele Menschen überhaupt keine richtigen Freunde, sondern maximal „Lifestyle-Freunde“ und bilden sich etwas Falsches ein. 20 tolle Freunde, aber beim Umzug oder Notfall haben die alle total wichtiges zu tun.

Das Thema Geld ist bei meinen engen Freunden sehr transparent, jeder weis was der andere hat und welchen background er hat, man kennt ja die Familie. Auch beim erweiterten Kreis ist das relativ transparent, man kennt die Leute oftmals seit der Jugend und weis, dass der eine nie mehr als 1000 Euro auf dem Konto hatte während der andere aus einer Familie mit kleinen mittelständischen Betrieb kommt und sich eher keine Sorgen machen muss, da genug Vermögen vorhanden ist.

Das spielt aber keine Rolle, man orientiert sich am schwächsten Glied. Da wird halt im Garten gegrillt und ein paar Kästen Bier bereit gestellt, auch wenn einige Anwesende locker im Club ne Show abziehen könnten. Das Thema Geld ist wie gesagt transparent, aber schlicht und er greifend kein Thema.


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NoDramaLama #13

Meine Lieblingsanekdote zum Thema Erben: Im reichsten Hamburger Stadtteil im Hamburger Westen sind mir mal zwei Jugendliche auf dem Fahrrad begegnet, der eine fuhr ein bisschen kreuz und quer im regen Autoverkehr. Sein Freund sagte daraufhin zu ihm, halb im Spaß und halb im Ernst: "Fahr vorsichtig, du willst doch noch was haben von deinem Erbe."
Von meinen FreundInnen werden alle erben, das ist auch allen bewusst und es wird offen darüber geredet. In meiner Familie habe ich erlebt, wie schwer es sein kann, sich von einem Erbe zu trennen (in dem Fall das Großelternhaus), einfach aus sentimentalen Gründen. Meine Mutter hat diesen Fluch zum Glück beendet und alle "Altlasten" verkauft - damit kann sie sich jetzt einen schönen Lebensabend machen und falls danach noch was übrigbleibt (und kein Heiratsschwindler oder eine Sekte was abgreift), bleibt auch noch was für meine Schwestern und mich über. Mit diesem Wissen im Hinterkopf lebt es sich natürlich anders. Meine Rente wird eher mau ausfallen, was ich zusätzlich sparen kann ist überschaubar und die Miete in einer beliebten Großstadt und Inflation tun ihr übriges. Andererseits kann ich aber auch beruflich das machen, was mich nicht kaputt macht (und generell weniger arbeiten), auch wenn ich damit nicht reich werde. Da ich aber keine Kinder habe, muss ich mir übers Vererben zum Glück keine Gedanken machen.


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fishingrod #15

Ich bin eine der wenigen Vollzeit arbeitenden Mütter in meinem Umfeld. Öfter mal werde ich von anderen Frauen gefragt, "Warum tust du dir das an?". Diese Frauen arbeiten meist nur 20 Stunden die Woche und haben einen deutlich entspannteren Alltag als ich. Wenn ich dann mal nachfrage, wie sie so entspannt umgehen können mit Themen wie finanzieller Unabhängigkeit, Altersarmut etc., dann stellt sich oft heraus, dass es in der Familie gut vermietete Immobilien gibt, mit deren Erbe sie rechnen können. ...


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ThoGi #16

Sehr spannendes Thema,
meine Frau und ich beobachten im Freundeskreis, das alle die bereits ihr Erbe (oder einen Teil, z.B. Bauplatz oder Vermögen) geerbt haben genau diejenigen sind, die gerade ein Eigenheim bauen oder renovieren.

Es geht aber auch anders. Meine Frau (Lehrerin) und ich (Informatiker bei einem Konzern) haben uns ohne jegliche finanzielle Unterstützung vor ca einem Jahr ein kleines Haus geleistet. Wir haben viel Eigenarbeit in die Renovierung gesteckt und das mit einem kleinen Kind und Job nebenbei. Es war nicht einfach aber nun haben wir tatsächlich einiges an Vermögen für uns selbst erzeugt. Eigenkapital hatten wir komplett selbst erspart ca. 100.000€. Kaufpreis vor der Renovierung war 400.000€ + 50.000€ Renovierung. (kleines Reihenhaus in Kleinstadt in Baden-Württemberg). Heutiger Wert geschätzt 575.000-600.000€.

Paradoxerweise werden wir aber dennoch einiges Erben. Ein Haus in einer begehrten Studentenstaft (2-Familienhaus) inkl. Bauplatz und zwei weitere Häuser meiner Schwiegereltern (etwas ländlicher). Aufgrund verschiedener Gegebenheiten bringt das uns zum jetztigen Zeitpunkt leider nichts.

Zumindest unsere Eltern und Großeltern haben sich diese Häuser hart erarbeitet und durch hartes Sparen finanziert. Genau wie wir das aktuell auch machen. Trotzdem ist das Erben eine große Ungerechtigkeit.


Kommentare zu: https://www.zeit.de/zett/politik/2021-12/erben-freundschaft-beziehung-geld
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« Reply #1230 on: December 18, 2021, 10:56:48 AM »

Quote
[...] Die Paketflut kennt keine Grenzen. Nachdem die Anzahl der Pakete im Vorjahr bereits um 17,2 Prozent gestiegen ist, rechnet die Regulierungsbehörde RTR für 2021 gar mit einem Plus von 30 Prozent. Laut STANDARD-Informationen sind das 340 Millionen Pakete, die voraussichtlich bis Ende dieses Jahres in Österreich zugestellt werden.

Leidtragende dieser Entwicklung sind neben Empfängern, die über Zustellprobleme klagen, vor allem die Boten, die bisher schon unter einer enormen Arbeitsbelastung zu leiden hatten. Während es bei der österreichischen Post dieser Tage teilweise zu längeren Wartezeiten kommt, dürften vor allem Zusteller mit externen Lieferanten den Druck 1:1 an das letzte Glied in der Kette weitergeben. Zwischen 200 und 300 Pakete müssen einzelne Boten laut Arbeiterkammer und der Gewerkschaft Vida pro Tag ausliefern.

Diese wissen sich meist nicht anders zu helfen, als Pakete gesammelt bei einer Abholstation abzuladen, anstatt bei den jeweiligen Empfängern tatsächlich einzeln anzuläuten. Diese für Kunden äußerst ärgerliche Praxis hat dem zweitgrößten Zusteller DPD Austria im Februar sogar ein Aufsichtsverfahren durch die RTR beschert, das derzeit noch am Laufen ist. DPD selbst reagierte im Mai mit der Ankündigung, man werde zusätzliche Arbeitskräfte einsetzen und die Zustelltouren um 25 Prozent erhöhen.

"Die Problematik ist seit Jahren unverändert. Weiterhin setzen viele der großen Zusteller fast ausschließlich auf Subunternehmen und Scheinselbstständige", sagt Susanne Bauer von der Arbeiterkammer Steiermark dem STANDARD. Diese müssten ihre Dienste unter prekären Arbeitsbedingungen leisten und noch dazu das ganze Risiko für die Zustellung tragen. "Diese Ein-Personen-Firmen fahren teilweise mit ihrem eigenen Fahrzeug und werden nicht nach Stunden, sondern pauschal bezahlt. Geht das Auto kaputt, verursachen sie einen Schaden oder geht ein Paket verloren, haften sie persönlich dafür."

Bei DPD weist man Anfrage des STANDARD die Kritik zurück. "Die Zusammenarbeit mit Systempartnern ist branchenüblich. Wir setzen auf langjährige Partnerschaften und einen vertrauensvollen Umgang mit unseren Frächtern." Vorwürfe wie Scheinselbstständigkeit oder Schwarzarbeit weise man zurück. "Bei Behördenkontrollen konnten keine derartigen Beanstandungen festgestellt werden", teilte DPD mit.

Für die angesprochenen Subfirmen führt die stressige Tätigkeit nicht selten in die Insolvenz. Bauer zufolge seien davon auch größere Firmen mit bis zu 15 Beschäftigten betroffen. Die öffentliche Hand müsse dann erst recht wieder die Versäumnisse der Branche auffangen, kritisiert die AK-Expertin. Oft handelt es sich bei den eingesetzten Boten auch um Menschen mit Migrationshintergrund, die sich aufgrund ihrer wirtschaftlichen Situation bzw. ihrer meist geringen Sprachkenntnisse ohnehin nur schwer wehren können, wie AK und Wirtschaftsuniversität Wien zuletzt aufzeigten.

Bauer fordert einmal mehr strengere Kontrollen der Arbeitsverhältnisse und vor allem eine sogenannte Versenderhaftung – also dass der Zusteller bis zum Schluss die Verantwortung für den Paketweg trägt. Auch eine Tachografenpflicht sei unabdingbar, um die durchgängigen Fahrzeiten der Zusteller überprüfen zu können und so deren Überlastung entgegenzuwirken.

Ob die Regierung die seit Jahren von AK und Gewerkschaften geäußerten Kritikpunkte und Forderungen in absehbarer Zeit aufgreifen wird, ist unklar. Eine Anfrage des STANDARD beim Arbeitsministerium blieb bis dato unbeantwortet.

Bei der österreichischen Post führt man die gestiegenen Beschwerden und bei der RTR anhängigen Schlichtungsverfahren auf die enorme Steigerung an Paketen zurück. Jeder Beschwerde – etwa auch deswegen, ob der gelbe Zettel in den Briefkasten geworfen wurde, obwohl jemand zu Hause war – gehe man nach, versichert Post-Sprecher Michael Homola im Gespräch mit dem STANDARD. Post-intern habe man entsprechende positive Anreize geschaffen, damit die eigenen Boten die Pakete tatsächlich an die Haushalte übergeben.

Vom Mitbewerb und der von AK und Gewerkschaft kritisierten Praxis will sich die Post allerdings abgrenzen. "Anders als andere Zusteller wickeln wir 80 Prozent der Paketzustellung über eigene Mitarbeiter ab. Nur etwa 20 Prozent werden – etwa zu Spitzenzeiten – an externe Frächter ausgelagert", sagt Homola. Diese würden hinsichtlich Gewerbeberechtigung und Personalausstattung streng geprüft, erst vor zwei Jahren habe man den Anforderungskatalog überarbeitet.

Von Behörden geschont werde man übrigens nicht. Auch bei der Post würden etwa in Verteilzentren regelmäßig Kontrollen durchgeführt. Anders als bei Mitbewerbern seien dabei aber keine Verstöße entdeckt worden, gibt der Post-Sprecher an. Er spricht damit wohl die aufsehenerregende Razzia bei Amazon Austria an, bei der die Finanzpolizei im Februar 2020 rekordverdächtige 987 Beanstandungen, darunter Schwarzarbeit und Abgabenhinterziehung, feststellte. Bei weiteren Razzien – zuletzt etwa im Juni 2021 – wurden hingegen kaum mehr Verstöße entdeckt.

Für Empfänger, die sich über nicht zugestellte Pakete oder Ähnliches ärgern, hat die Regulierungsbehörde RTR ein Beschwerdeformular aufgesetzt. Absender, die sich hinsichtlich von ihnen bezahlten Leistungen geprellt sehen, können das ebenfalls der RTR melden und auf ein Schlichtungsverfahren setzen. Die Behörde rechnet STANDARD-Informationen zufolge in diesem Jahr mit knapp 9.000 Empfangsbeschwerden und 660 Schlichtungsverfahren, was im Vergleich zum Vorjahr nur eine moderate Steigerung bedeuten würde.

"Angesichts der enormen Sendungsmengen sind diese Zahlen vernachlässigbar, wenn auch im Einzelfall immer höchst ärgerlich", sagt Telekom- und Post-Regulator Klaus Steinmaurer. Die Beschwerdegründe seien seit Jahren immer die gleichen: "Unsachgemäße und verspätete Zustellung, Beschädigung oder Verlust von Sendungen, kein Läuten trotz Anwesenheit."

Die Dunkelziffer der täglichen Probleme dürfte allerdings weitaus höher sein, als die RTR-Zahlen suggerieren. Denn im Normalfall beschweren sich Kunden bei den Zustellern oder, wie im Fall von Amazon, beim Online-Händler selbst. Eine nachhaltige Verbesserung der Gesamtsituation – sowohl für Paketempfänger als auch für Paketboten – scheint nicht zuletzt aufgrund der weiter steigenden Versandflut in weiter Ferne. (Martin Stepanek, 16.12.2021)

Update 16.12., 19:50: Stellungnahme von DPD im Text ergänzt


Aus: "Überforderte Zusteller, entnervte Kunden: Paketbranche bekommt ihre Probleme nicht in den Griff" Martin Stepanek (16. Dezember 2021)
Quelle: https://www.derstandard.at/story/2000131958958/ueberforderte-zusteller-entnervte-kunden-paketbranche-bekommt-ihre-probleme-nicht-in

Quote
Dr_Idioto

Es gibt einfach zu wenige Leute die den Job als Lieferant ausüben möchten.


Quote
meacosmea

Kein Wunder, so mies wie das bezahlt ist...


Quote
Pepe Gonzales1

freier Markt?

Liegt das Problem nicht vielleicht auch daran, dass Paketzusteller ein miserabel bezahlter, stressiger Job ist? ...


Quote
Bucho

Lösung: Preise rauf und mehr Personal einstellen.
Ich zahl gerne mehr für die Versandkosten, wenns dafür dann gut funktioniert.
50-80% zahl ich da gerne mehr ohne mit der Wimper zu zucken. Aber NICHT, wenn dafür dann nur wieder die Manager-Bonis und Dividenden fetter werden.


Quote
Tim Burr

Das Problem wäre lösbar, wenn der Kunde immer den Zusteller auswählen könnte. Dann würden 99% die Post wählen und die andern müssten sich zwangsläufig verbessern. So ist das kein freier Markt, wenn das Service dem Verkäufer Wurscht sein kann.


Quote
Posterboy

Wie ist das nun mit dem Neoliberalismus? Ich dachte der Markt regelt das?


Quote
Practica

Tut er auch. Nur eben schlecht.
Das Schlimme daran ist, dass man inzwischen allgemein schon glaubt, es müsse so sein, das sei ein Naturgesetz ...


Quote
Vermutet meine Unschuld!!!

Ich gebe den Zustellern auch gern Trinkgeld und habe dafür Zwei Euro Münzen bereit liegen beim Eingang.
Es ist mir klar, dass das nicht die Arbeitswelt der Zusteller total rettet quasi und daraus auch keine faire Arbeitgeber-Arbeitnehmer Welt macht. Ich verstehe das als kleine Geste von einem Arbeitnehmer zum Anderen.


Quote
Scio cum scio

„ Post-intern habe man entsprechende positive Anreize geschaffen, damit die eigenen Boten die Pakete tatsächlich an die Haushalte übergeben.“

Einer Bekannten, die sich mal beschwert hatte, dass Pakete ohne Abstellgenehmigung einfach vor ihrer Wohnungstür abgestellt werden, nachdem eines kurz nicht auffindbar war, wurde erklärt, dass dann der Fahrer dafür zahlen muss, wenn was abhanden kommt. So schauen wohl die „positiven Anreize“ aus.


Quote
EinhornkopfÜbermBett

Abholstationen?

Als ich ein Kind war hieß das Postamt und überall gab es eines.


Quote
seelenloser Inhalt

Bei den Apotheken und Ärztezustellern sind die Zustände nochmal ärger als bei Amazon, Post und Co..

ich finde das ziemlich arg, weil diese Menschen transportieren Medikamente, Corona impfstoffe, tests, eigentlich alles, was man dort kaufen kann. Das ganze Gesundheitssystem würde zusammen brechen würden die streiken. es würde rein gar nichs mehr zu kaufen geben, niemand würde sich impfen können, niemand würde sich testen können

Ich kenne leute, die verdienen für 45 stunden und mehr 1300 netto, weil auch die Verkehrstrafen zahlen sie selber, weil die Touren so "geplant" sind, das sich das nicht mal mehr auf google maps ausgeht ohne Verkehr ausgeht.

Einer der grössten Skandale in österreich.

#Apothekerkammer
#Herbachemosan
#Kwizda


Quote
donaldsneffe

Es ist schon seltsam...
... jedes Jahr ist Weihnachten.
Und Corona ist jetzt auch nicht mehr "neu".

Und trotzdem ändert sich nichts...

... und nächstes Weihnachten wieder...


...
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« Reply #1231 on: December 18, 2021, 03:58:20 PM »

Quote
[...] Überall in Frankreich bekommen die Immobilienmakler viele Kundenanfragen, Notare bestätigen den Trend, der seit dem ersten Lockdown beobachtet wurde: Eine wahre Stadtflucht hat eingesetzt. Nicht nur aus Paris, auch aus großen Städten wie Lyon.

Drei Tendenzen lassen sich dabei erkennen. Die Pariser zieht es erstens ins Umland, dorthin, wo es landschaftlich schön ist und keine sozialen Probleme zu erwarten sind. Zweitens beobachten die Immobilienexperten einen Ansturm auf Städte, die schnell mit dem Schnellzug TGV zu erreichen sind und in denen die Immobilienpreise günstig sind. Und drittens sind Immobilien an der Küste als Ferienhaus gefragt. Viele haben auch aus ihrem Wochenendhaus in der Krise ihren Hauptwohnsitz gemacht.

Das Wirtschaftsmagazin „Challenges“ zeigte die Orte im Umland auf, von denen man nicht länger als eine Stunde nach Paris braucht, darunter Fontainebleau (4200 Euro pro Quadratmeter), Meaux (2800 Euro) oder Plaisir (3000 Euro). Zu den beliebten Städten, die schnell mit dem Zug zu erreichen sind, gehören Orléans, Reims oder Rennes. Doch das Angebot wird langsam knapp und die Preise steigen. Während in Paris die Preise 2021 im Vergleich zu 2020 nur leicht stiegen, kam es im Rest Frankreichs zu Steigerungen von 9,4 Prozent bei Häusern, im Umland von Paris zu 7 Prozent.

„Le Figaro“ und „Le Monde“ listen beliebte mittelgroße Städte auf, in denen die Preise in einem Jahr rapide gestiegen sind. In Rennes um 9,8 Prozent (3480 Euro pro Quadratmeter), 10,4 Prozent in Orleans (2350 Euro), Reims 10,2 Prozent (2370 Euro). Zu den angesagten Städten gehören auch Nantes, Lille, Le Havre, und im Süden Marseille, Aix-en-Provence und Montpellier, die mit dem TGV in bis zu 3,5 Stunden zu erreichen sind.

An der Küste sind vor allem die Bretagne und die Normandie gefragt. Kleine Häuser mit Garten, die bisher für 150 000 Euro zu haben waren, sind kaum noch zu finden. In vielen Badeorten zogen die Preise in einem Jahr um 35 bis 50 Prozent an. Auch hier sind die Gegenden beliebt, die leicht zu erreichen sind, wie Deauville in der Normandie in zwei Stunden mit dem Zug von Paris.

Geschäftsleute in den Gegenden, die durch die Pariser aufleben, sind begeistert über die Kundschaft, die nicht mehr nur in den Ferien kommt. Doch die Stadtflucht sorgt auch für Probleme. Für die Einheimischen, die weniger verdienen als die Städter, werden die Immobilien teuer. Sie beschuldigen diese, auch Covid-19 mitzubringen, weil die Inzidenz in Paris höher ist. In mehreren Regionen am Atlantik wie in Saint-Malo oder im Baskenland macht sich eine Anti-Pariser-Stimmung breit. Autos, die aus Paris und Umgebung stammen, wurden mit Schlüsseln verkratzt, die Nummernschilder abgerissen oder es stand darauf geschrieben: Hau ab. Zahlreiche Bürgermeister verurteilten die Attacken auf die Pariser als „Schande“.

...


Aus: "Häuser für 150.000 Euro gibt es kaum mehr" Tanja Kuchenbecker (17.12.2021)
Quelle: https://www.tagesspiegel.de/gesellschaft/panorama/viele-pariser-ziehen-aufs-land-haeuser-fuer-150-000-euro-gibt-es-kaum-mehr/27904510.html

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« Reply #1232 on: December 23, 2021, 06:58:35 PM »

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[...] Bis zu 3000 Euro Bonus sollen Pflegekräfte demnächst bekommen, als "wichtige Anerkennung für Menschen, die in der Pandemie Großartiges leisten". Großartiges geleistet haben nach eigenem Selbstverständnis auch viele Investmentbanker. Auch sie fordern nun höhere Boni, wenngleich die Maßstäbe in der Finanzbranche wie immer andere sind: Dort geht es bekanntlich um Sonderzahlungen im sechs- bis siebenstelligen Euro-Bereich, und wer nur fünfstellig kassiert, gilt bei einigen Instituten schon als Underperformer. Die Nachrichtenagentur Bloomberg sieht europäische Investmentbanker bereits auf die beste Bonus-Saison seit 2015 zusteuern.

Dass sich zu Beginn der Pandemie noch so mancher Finanzaufseher Sorgen um das weltweite Finanzsystem gemacht hatte? Vergessen und vorbei. Weltweit fuhren die Investmentbanken 2021 hohe Gewinne ein - auch dank des beherzten Eingreifens vieler Staaten, die sich wegen Corona mit vielen Milliarden verschuldeten und auch dank der Notenbanken, die die Finanzmärkte mit billigem Geld versorgten. Die Banken profitierten vor allem davon, dass deutlich mehr Unternehmen Anleihen begaben, an die Börse gingen oder Übernahmen planten, zugleich aber eben auch davon, dass wenig Firmen pleitegingen, kurz gesagt davon, dass die Wirtschaft insgesamt nicht zusammenbrach.

Dass sie die guten Geschäfte auch den staatlichen Hilfen verdanken, dürfte für viele Banker aber eher zweitrangig sein: Und so kann man in diesen Tagen wieder ein Phänomen beobachten, das alljährlich an den Finanzmärkten auftritt, dieses Jahr aber besonders intensiv gespielt zu werden scheint: Dabei füttern auskunftsfreudige Banker Finanzmedien mit Informationen, wie gut gefüllt der Bonuspool der Konkurrenz sei - ziemlich sicher in der Absicht, den eigenen Arbeitgeber unter Druck zu setzen: Die Investmentbank-Sparte der US-Großbank JP Morgan habe elf Prozent mehr zur Seite gelegt für Boni, vermeldete die Agentur Bloomberg aus "Finanzkreisen"; Goldman Sachs, so sei zu hören gewesen, habe sogar 34 Prozent mehr zurückgestellt. Die Deutsche Bank wiederum, so ließ am Freitag jemand die Nachrichtenagentur wissen, erwäge eine 20-prozentige Erhöhung des Bonuspools für Investmentbanker oder wie es in der Agentursprache hieß, geplant ist ein "Bonus-Booster für Dealmaker".

Noch im Vorjahr sollten "Bonus-Booster" eigentlich ausfallen, zumindest hatten die Finanzaufseher mit Blick auf Corona da noch zu einer Mäßigung bei der Vergütung geraten. Nun aber scheint es kein Halten mehr zu geben: Bei der Deutschen Bank könnte der Bonuspool nun erneut auf mehr als zwei Milliarden Euro anwachsen - gar nicht schlecht für ein Institut, das immer noch im Umbau steckt und bislang nur vage Dividendenpläne hat. Bereits 2020 hatte die Deutsche Bank inklusive Halteprämien Boni in Höhe von 2,14 Milliarden Euro gewährt.

Und wie jedes Jahr heißt es auch jetzt, die Boni müssten quasi zwangsläufig so hoch ausfallen, der Wettbewerb sei hart, die Mitarbeiter andernfalls auf dem Absprung oder wie es James von Moltke, Finanzchef der Deutschen Bank, dieser Tage formulierte, es herrsche angeblich "ein Krieg um die besten Köpfe". Und natürlich sei das Geldhaus "wettbewerbsfähig in diesem Krieg". Tatsächlich hat auch die Deutsche Bank im Investmentbanking dieses Jahr zur Abwechslung ordentlich Geld verdient, klammert man aus, dass laufende Verluste aus dem Handelsbereich seit 2019 in eine interne Bad Bank gebucht wurden und damit den Geschäftsbereich nicht mehr belasten. Denn eines gehört einfach zur Tradition der Deutschen Bank: ihre Investmentbanker großzügig zu entlohnen. Gemessen am Börsenwert rangiert die Deutsche Bank unter Europas Banken zwar nur auf Platz 18, hat aber in diesem Konkurrenz-Vergleich mit großem Abstand die meisten Einkommensmillionäre in ihren Reihen.

Über allem schwebt nun die Frage, ob sich hier nicht ein Muster aus der Finanzkrise wiederholt, wonach staatliche Rettungsmaßnahmen für angeschlagene Unternehmen in der Regel vor allem wohlhabenden Bürgern zugutekommen, die Unternehmensanteile oder Anleihen besitzen oder im Finanzsektor arbeiten. "Im Laufe der Pandemie hat die Vermögensungleichheit erheblich zugenommen. Gleichzeitig kam es zu einer ungleichen Erholung nach der Krise", heißt es in einer aktuellen Studie des Vereins Finanzwende zur Größe des Finanzsektors. Die Folge: Die weniger wohlhabenden Bevölkerungsschichten, die im Verhältnis zu ihrem Einkommen auch eine höhere Steuerlast zu tragen hätten, müssten damit einen weitaus höheren Anteil an den Rettungsmaßnahmen tragen. "Sie leiden auch stärker unter den Kürzungen staatlicher Ausgabenprogramme, eine typische Maßnahme in Krisenzeiten, wie in vielen Ländern während der Finanzkrise von 2008 zu beobachten war".

Immerhin sind Banker-Boni seit der Finanzkrise strenger reguliert. 2009 hatten sich die Regierungschefs der 20 wichtigsten Industrie- und Schwellenländer auf gewisse Regeln geeinigt: Die Bezahlung von Bankern sollte sich an langfristigen Gewinnen orientieren und nicht mehr das kurzfristiges Zocken belohnen. In der Folge wurde der fixen Vergütung ein höherer Stellenwert zugestanden. Seither dürfen Boni maximal 200 Prozent des Fixgehaltes ausmachen. Ein Teil der variablen Vergütung wird in der Regel auch erst später ausgezahlt. Mehr noch, seit einigen Jahren können Boni bei Fehlverhalten und Verlusten - rein theoretisch - sogar zurückgefordert werden. Das allerdings kommt nicht allzu häufig vor. "Auch auf Grundlage der überarbeiteten Vergütungsverordnung bleibt es arbeitsrechtlich noch immer schwierig, Boni zurückzuverlangen", sagt Bankenexperte Andreas Walter von der Kanzlei Schalast. Das passiere daher immer noch sehr selten, selbst wenn der Schaden der Bank relativ klar sei, weil die Aufsicht zum Beispiel ein Bußgeld verhängt habe. Gute Aussichten also für Investmentbanker.


Aus: "Investmentbanker erwarten super Bonus-Jahr" (21. Dezember 2021)
Quelle: https://www.sueddeutsche.de/wirtschaft/banken-deutsche-bank-boni-1.5492410

Quote
Stephan Anpalagan @stephanpalagan

Es gibt sie noch die guten Nachrichten.

8:56 vorm. · 22. Dez. 2021


https://twitter.com/stephanpalagan/status/1473563181947801604

Quote
Constructive Amuse
@ConstAmusement
·
19 Std.
Antwort an
@stephanpalagan

Es gibt doch noch Gerechtigkeit


Quote
Antiphilaza
@antiphilaza
·
22. Dez.
Antwort an
@stephanpalagan

Halt doch einfach die Fresse ..


Quote
Fuddi
@DonFuddo
·
22. Dez.
Antwort an
@stephanpalagan

Gott sei Dank. Wenigstens können sie jetzt endlich mal wieder ein unbeschwertes Weihnachtsfest feiern.


Quote
amagickhand @amagickhand
·
22. Dez.
Antwort an
@stephanpalagan

Das Geld kommt da an, wo es am nötigsten ist…


Quote
Muck1104 @CarrenaMarc
·
18 Std.
Antwort an
@stephanpalagan

Man muss auch gönnen können. Obwohl…


Quote
Alex_der_Wunderhund @AWunderhund
·
20 Std.
Antwort an
@stephanpalagan

... Meine Frau hat früher #fdp gewählt, heute würde sie eher eine Bank entglasen. Ich bin ein bisschen stolz.


...
« Last Edit: December 23, 2021, 07:04:32 PM by Textaris(txt*bot) »
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« Reply #1233 on: December 23, 2021, 07:10:20 PM »

Quote
[“ … Thomas Schmid … ist ein ehemaliger Mitarbeiter in den Kabinetten österreichischer Ministerien … Er wird als ein enger Vertrauter von Sebastian Kurz angesehen und bezeichnet sich als dessen Prätorianer. … Schmid bezeichnete Menschen in Chats als „Pöbel“, weil er seinen Diplomatenpass zurückgeben und auf die damit verbundenen Privilegien verzichten musste, und als „Tiere“, weil er sich einen Strafregisterauszug persönlich im Amt abholen musste. Dies führte zu heller Empörung … Wenige Stunden nach seinem Rücktritt entschuldigte sich Schmid für seine Chats: „Heute sehe ich klar, dass das falsch und zynisch war.“ … “ | Quelle: Seite „Thomas Schmid (Generalsekretär)“. In: Wikipedia – Die freie Enzyklopädie. Bearbeitungsstand: 14. Dezember 2021, 12:43 UTC. URL: https://de.wikipedia.org/w/index.php?title=Thomas_Schmid_(Generalsekret%C3%A4r)&oldid=218183192 (Abgerufen: 22. Dezember 2021, 18:58 UTC) ]
-.-
“ … Als sich K. skeptisch zeigte, erinnerte ihn Schmid: „Vergiss nicht – du hackelst im ÖVP Kabinett!! Du bist die Hure für die Reichen!“ … Das Verfahren vor dem Bundesfinanzgericht läuft noch immer. Zur Krone sagte Wolfs Sprecher Josef Kalina, man gebe „keine Auskünfte zu einem laufenden Finanzverfahren“ …“ | Aus: „Causa Wolf: Schmid an Mitarbeiter im ÖVP-Finanzministerium: „Du bist die Hure für die Reichen“ Neue Chats zeigen aus Sicht der Korruptionsermittler, wie Siegfried Wolf bei Thomas Schmid für einen Steuernachlass interveniert hat“ Renate Graber, Fabian Schmid (22. Dezember 2021) | Quelle: https://www.derstandard.at/story/2000132106195/schmid-an-mitarbeiter-im-finanzministerium-du-bist-die-hure-fuer // —> “ … Die WKStA geht davon aus, dass der Manager Siegfried Wolf mit Hilfe von Thomas Schmid eine Finanzbeamtin bestochen hat, um einen Steuernachlass zu bekommen. …“ | https://www.falter.at/zeitung/20211222/huren-fuer-die-reichen
-.-
NinoMax: “ … Der österreichische Geldadel und die Callboys bei der ÖVP …“
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bobbythebusdriver: “ … „ÖVP, die Hure für die Reichen“ Idealer Wahlkampfslogan. …“
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Andreas_B.: “ … Eine Beleidigung für Prostituierte und ihrem, zumindest im Vergleich, ehrenhaften Beruf. …“
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aurix: “ … der Schmid wusste wenigstens, wofür er zuständig war … und mit einfachsten Wörtern bildlich dargestellt, selbst für Plebejer der einfältigen Sorte gut verständlich. …“
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Christian Bruss: “ … Titel für die nächste Netflix Staffel: ÖVP – bitch for the ritch. …“
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christianr: “ … einmal mehr gilt die unverschämtheitsgewissheit. …“
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Andreas Wasserbauer: “ … Ich denk mir bei dieser ganzen Geschichte oft: Was hätt‘ der Musil für einen Roman d’raus machen können. Das wäre Weltliteratur geworden. …“
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mayer123: “ … Wenn man bedenkt, dass Leuten, die Mindestsicherung bekommen (etwa aus Krankheitsgründen z.b.) die Wohnbeihilfe auch als Einkommen berechnet wird und daher weniger Sozialhilfe bekommen, dann weiss man gar nicht mehr, wohin mit der Empörung. …“
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Mafi: “ … Der Unterschied zwischen Geld haben und Geld brauchen. Ihre ÖVP …“
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Nyan Cat: “ … Wer nicht reich ist und ÖVP wählt, ist wie ein Mensch mit Migrationshintergrund, der die FPÖ wählt (und ja, mir ist bewusst, dass es auch davon einige gibt). …“
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RossUlbricht: “ … „Vergiss nicht, du arbeitest für die ÖVP – du bist die Hure der Reichen“ Herrlicher Sarkasmus. Ich vermute, dass Th. Schmid privat ein sehr angenehmer Mensch ist. Ich hab auch so einen Zyniker im Freundeskreis, und der entpuppt sich immer als Anker, wenn ich ihn brauche. … Die ganzen verlogenen und scheinheiligen Schreiber hier im Forum, die den Zyniker nicht erkennen wollen, weil sie sich in der moralischen Empörung suhlen, die will ich privat lieber nicht als Freunde haben. …“
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chenchen:“ … hat th. schmid ihre kronjuwelen fotografieren dürfen? …“
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gunkeldibunkel: “ … Ich könnte mir auch vorstellen, dass man privat bei einem Bierabend so seinen Spass mit Schmid hat. Nüchtern betrachtet sprechen seine Taten jedoch gegen ihn, auch ganz ohne Scheinheiligkeit. …“
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GaddaDaVida: “ … „Kinder, Betrunkene und Narren …“ … sprechen die Wahrheit. Man kann offensichtlich auch von der eigenen Großartigkeit ausreichend berauscht sein. …“
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Christian Bruss: “ … Armin Wolf beim nächsten ZIB2 Interview eines ÖVP Ministers einleitend: „Fühlen sie sich eigentlich auch als Hure für die Reichen?“ OK, OK träumen wird man ja noch dürfen… „
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Dilbert: “ … Wer jetzt noch ÖVP wählt ist eine….. „
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Slavik: “ …Reiche? …“
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Miguel Knigtos: “ … Sure der Heichen? …“
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Unterhose Gottes: 22. Dezember 2021, 13:56:12: “ … „Hure für die Reichen“ ist sowas von auf den Punkt gebracht und auch allgemein verständlich formuliert. Dazu noch im unmittelbaren Zusammenhang mit den Begriff „ÖVP-Kabinett“ – das ist ein Weihnachtsgeschenk für ganz Österreich. Danke, Thomas! …“




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Quote
Nachtrag #1

„Damaliger Finanzminister Schelling in Causa Wolf: „Bitte SMS gleich löschen““
Neue Chatauswertungen zeigen, dass sich der Minister persönlich mit Steuerproblemen von Siegfried Wolf beschäftigte. Renate Graber, Fabian Schmid (23. Dezember 2021)
https://www.derstandard.at/story/2000132147281/finanzminister-schelling-in-causa-wolf-bitte-sms-gleich-loeschen
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SpiderTarantula: “ … Also mit dem bald zu Ende gehenden 2021 kann man erneut festhalten, die großen 2 Fragen der Gegenwart bleiben weiter ungelöst: Gibt es extraterrestrisches Leben und was genau nochmal bedeutet das christlich-soziale bei der neuesten Volkspartei? …“
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Tiefenschärfe: “ … Die Verkaufszahlen von Kriminalromanen sind zuletzt deutlich eingebrochen. Viele Leser haben sich Tageszeitungen zugewandt. …“
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pei mei: “ … Treffpunkt Autobahnraststätte …. Hollywood auf der Stoffsuche für ein B-movie …“
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Lecksi19810: “ … Gehts der Wirtschaft gut, gehts uns allen gut. …“
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betterknower: “ bitte SMS gleich löschen, bitte auch das SMS „bitte SMS gleich löschen“ löschen, bitte auch das SMS „bitte auch das SMS „bitte gleich löschen“ löschen … bitte auch…. „
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KnödelMitEi: “ … Ich hab da Mal folgende Fragen… Wenn die ÖVP die „Hure der Reichen“ ist. Und die FPÖ die Partei des „kleinen Mann von der Straße“. Was wählt man denn als normalgewachsener Durchschnittsverdiener? Bzw welche Partei will denn mein Freudenmädchen sein? …“
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grommitt: “ … Immer nur das Gleiche – Man sucht nach Weltverschwörung oder sonst einer tieferen Erklärung. Und man ist dann fast enttäuscht, wenn es wieder nur ein paar privilegierte Millionäre sind, die es sich qua Status glauben richten zu können. Sie bestechen ein paar Politiker, die es cool finden, aufs Jagdschloss oder die Yacht eingeladen zu werden …“
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genial: “ … Frohe Weihnachten. Die Politik hat die Rahmenbedingungen für die Wirtschaft zu schaffen! Wer schafft den sonst die Arbeitsplätze, den Wohlstand in der Gesellschaft?! Eine ziemlich scheinheilige Aufregung!! Alles im Rahmen der Gesetze! …“
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Amducias: “ … Grenzgenial, haben sie einen psychotischen Schub? …“
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alteshaus: “ … Die Korruption hat ein proplem mit der ÖVP … „
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Gehh: “ … Ein Wahlversprechen hat Kurz aber wirklich gehalten: er hat die versprochene Transparenz ins System gebracht! Nicht ganz freiwillig und mit gewisser Verzögerung, aber er hat…. :-) …“


Nachtrag #2

„Medienberichte: Kurz soll im Februar neuen Job antreten“ (25. Dezember 2021)
Die Familie solle fortan im Zentrum stehen, ließ Ex-Kanzler Sebastian Kurz (ÖVP) bei seiner Rücktrittsrede aus der Politik Anfang Dezember wissen. Zu diesem Zeitpunkt wurde in ÖVP-Kreisen schon von einem internationalen Topjob gemunkelt, den Kurz mit Jahreswechsel antreten werde. … Laut Krone soll es ihn für diesen in die USA verschlagen – von einem Managerposten im Silicon Valley ist die Rede… | https://www.derstandard.at/story/2000132155916/medienbericht-ex-kanzler-kurz-soll-im-februar-neuen-job-antreten

rydropli: “ … Irgendein Bullshitjob war noch für jeden Övp-ler drin. …“

HomerJ: “ … Manager eines Investmentunternehmens …“

standardfetischist: “ .. Ok, Wechsel zwischen Mordor und Moria. …“

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« Last Edit: December 25, 2021, 01:50:48 PM by Textaris(txt*bot) »
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« Reply #1234 on: December 25, 2021, 01:55:11 PM »

Strom- und Gasbranche verzichtet bis Ende Jänner auf Abschaltungen
Haushaltskunden sollen sich in Härtefällen bei Zahlungsproblemen rasch an den Energieanbieter wenden
23. Dezember 2021
https://www.derstandard.at/story/2000132137039/strom-und-gasbranche-verzichtet-bis-ende-jaenner-auf-abschaltungen

Quote
H. K.

Härtefälle

Bei echten Härtefällen sollte man wirklich kulant sein. Wenn sich aber die Energie wegen Handy, Netflix und Hundefutter nicht mehr ausgeht, sollte man das überdenken ...


Quote
Ernst Scherz

Dann sind wir wieder plakativ beim Obdachlosen mit Hund, der ja auch sparen könnte. Ganz so einfach ist es dann doch nicht, liegt wahrscheinlich daran dass sich viele ein prekäres Leben gar nicht vorstellen können, und dass es viele Menschen gibt die eben nicht langfristig und strategisch mit Geld umgehen. Kann man kritisieren, darf dabei aber nicht die eigenen Lebensumstände auf diese Menschen übertragen.


Quote
H. K.

Ja eh, aber anders herum sollte es auch nicht sein, dass die Allgemeinheit für Leute zahlt, die „strategisch“ mit Geld nicht umgehen können und trotzdem alles haben wollen, im schlimmsten Fall sogar Haustiere …


Quote
NietzscheF

Dem Obdachlosen gönne ich den Hund eher als dir den Computer, mit dem du diesen Müll in Foren reinschreibst.


...


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Quote
[...] Zwei der erfolgreichsten deutschsprachigen Unternehmer der jungen Generation tun sich zusammen: Der Immobilienunternehmer René Benko (44) und der Finanz- und Biotechinvestor Christian Angermayer (43) starten zusammen einen Dachfonds, der in Venture-Capital-Fonds junger Manager investieren soll. Die Familie Benko Privatstiftung des Österreichers und das Family Office Apeiron des Deutschen geben je 50 Millionen Dollar Startkapital. Weitere 100 Millionen Dollar kommen von anderen Investoren.

Die Ziele sind ehrgeizig: Binnen fünf Jahren soll das Fondsvolumen auf eine Milliarde Dollar steigen. Es handelt sich um ein Finanzvehikel mit unbegrenzter Laufzeit. Der österreichische Milliardär Benko hält über seine Signa-Gruppe die Mehrheit an Karstadt Kaufhof, während Angermayer durch verschiedene Biotech- und Techinvestments sowie mehrere Börsengänge binnen eines Jahres zum Milliardär aufgestiegen ist.

Das Milliardärsduo wählt bewusst eine Hochrisikostrategie, selbst für Wagniskapital-Verhältnisse. Denn es setzt auf Fondsmanager, die teils noch gar keine Erfolgsbeweise vorlegen können, weil sie gerade ihren ersten Fonds starten.

"Herkömmliche Dachfonds enttäuschen oft, weil sie zwar in Risk-Taker investieren wollen, aber selbst nicht ins Risiko gehen", sagt Angermayer. Das Risiko zu scheuen ist kein Vorwurf, der dem Deutschen oft begegnet. Im Gegenteil. "Wir lieben Manager, die zum ersten Mal einen Fonds auflegen."

Verwaltet wird der neue Fonds von Angermayers Apeiron Investment Group und ist ein Schwesterfonds zu Presight Capital, die bereits mehrere eigene Fonds aufgelegt hat. Diese investieren selbst in junge Tech- und Biotech-Unternehmen, anders als das neue Vehikel, das über Fonds anderer Manager indirekt in solche Firmen anlegt.

Zu den Fondsanlegern der früheren Presight-Capital-Fonds gehört die Schauspielerin Uma Thurman (50; "Pulp Fiction", "Kill Bill"). Sie hat ebenso Geld gegeben wie der ehemalige Hedgefondsmanager und Kryptowährungs-Investor Mike Novogratz (55) sowie die Brauerfamilie Schadeberg (Krombacher).

Um die Manager für den neuen Dachfonds auszuwählen, hat Angermayer bei Presight Nick Nigam eingestellt. Er kommt von der Venture-Capital-Gesellschaft Samsung Next. Inklusiv der Kundengelder bei Presight und anderen Fonds verwaltet Angermayers Finanzgruppe Apeiron rund 3 Milliarden Euro, knapp die Hälfte davon stammen vom Gründer.

An Angermayers Grundstrategie hat sich nichts geändert. "Ich bin weiterhin der Meinung, dass Tech und Biotech die Sektoren sind, in die Anleger für die kommenden Jahre investieren sollten", sagt er.

Bei Biotech verfolgt der Deutsche zwei Hauptthemen: Geistige Gesundheit, mit dem Hauptinvestment Atai, einem seit 2020 börsennotierten Entwickler von Therapien auf Basis psychedelischer Drogen. Außerdem "Longevity", also die Forschung an Medikamenten für ein langes und gesundes Leben. In Silicon Valley hoffen viele Venture-Investoren und Gründer darauf, den Menschen schon bald ein angenehmes Leben bis zu einem Alter von 120 Jahren ermöglichen zu können. Utopisten träumen sogar davon, den Alterungsprozess noch stärker zu beherrschen. Für solche Forschungen hat Angermayer das Unternehmen Cambrian gegründet, an dem seiner Apeiron ein Viertel der nicht börsennotierten Anteile gehört.

Wer bei Angermayer und Benko in den neuen Dachfonds investiert, weiß also, wohin die Reise thematisch gehen dürfte. Mit hohen Renditezielen - und entsprechend hohem Risiko.

mbö



Aus: "Milliardäre Angermayer und Benko starten Wagniskapital-Fonds" Mark Böschen (01.10.2021)
Quelle: https://www.manager-magazin.de/finanzen/christian-angermayer-und-rene-benko-starten-venture-capital-fonds-und-peilen-milliardenvolumen-an-a-19f8fcb3-7d7b-438d-aba6-fecdd3ee24bb

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« Reply #1235 on: December 28, 2021, 12:16:18 PM »

Quote
[...] Einer neuen Studie des Paritätischen Wohlfahrtsverbandes zufolge hat die Armutsquote in Deutschland in der Pandemie ein Rekordhoch erreicht. 16,1 Prozent der Bevölkerung - das entspricht 13,4 Millionen Menschen - müssten zu den Armen gerechnet werden, heißt es in dem Bericht mit dem Titel "Armut in der Pandemie".

 Das sei ein neuer trauriger Rekord, sagte Verbandsgeschäftsführer Ulrich Schneider. Die aktuellen Daten fügten sich in das Bild der letzten Jahre ein: Es lasse sich ein stetiger Trend erkennen, der auch 2020 nicht gebrochen zu sein scheine. 2006 betrug die Quote noch 14,0 Prozent.

Als arm gilt jede Person, die über weniger als 60 Prozent des mittleren Einkommens verfügt. Dabei handelt es sich um das gesamte Nettoeinkommen des Haushaltes inklusive Wohngeld, Kindergeld, Kinderzuschlag, anderer Transferleistungen oder sonstiger Zuwendungen. Der Paritätische Wohlfahrtsverband folgt damit der in der EU verwendeten Definition von relativer Armut im Verhältnis zum Lebensstandard in einem Land.

Dass das ganz große Beben in der Armutsstatistik trotz Pandemie ausgeblieben sei, habe unterschiedliche Gründe, erläuterte Schneider. Rund vier Fünftel der Bevölkerung waren 2020 nicht von corona-bedingten Einkommensverluste betroffen, nämlich Rentnerinnen und Rentner, Beamte und Angestellte des öffentlichen Dienstes. Andere lebten als Niedrigeinkommensbeziehende ohnehin bereits unter der Armutsschwelle.

 Dass die Armutsquote verglichen zum Jahr 2019 "nur" um 0,2 Prozentpunkte gestiegen ist, ist laut Schneider vor allem ein Hinweis darauf, dass die rasch ergriffenen Unterstützungsmaßnahmen von Bund und Ländern wirkten. Insbesondere das Kurzarbeitergeld, aber auch das Arbeitslosengeld bewahrten laut dem Geschäftsführer viele Menschen in dieser Krise ganz offensichtlich vor dem Fall in die Einkommensarmut.

Dem Bericht zufolge sind insbesondere die Erwerbstätigen die Einkommensverlierer der Corona-Krise - vor allem die Selbstständigen. "Zählte die Mikrozensus-Erhebung 2019 unter den Erwerbstätigen insgesamt 8,0 Prozent und unter den Selbständigen 9,0 Prozent Arme, kommt die neue Erhebung auf 8,7 Prozent bei den Erwerbstätigen und sogar 13 Prozent bei den Selbstständigen."

 Am meisten von der Armut betroffen seien dabei nach wie vor insbesondere Haushalte mit drei und mehr Kindern (30,9 Prozent) sowie Alleinerziehende (40,5 Prozent). Erwerbslose Personen (52 Prozent) und Menschen mit niedrigen Bildungsabschlüssen (30,9 Prozent) seien ebenfalls stark überproportional betroffen. Das Gleiche gelte für Menschen mit Migrationshintergrund (27,9 Prozent) und ohne deutsche Staatsangehörigkeit (35,8 Prozent).

Im Ländervergleich zeigt sich den Angaben zufolge, dass sich der Wohlstandsgraben zwischen Bayern und Baden-Württemberg einerseits und dem Rest der Republik verfestigt und zum Teil sogar vertieft hat. Kommen die beiden süddeutschen Länder demnach auf eine gemeinsame Armutsquote von 12,2 Prozent, sind es für die übrigen Bundesländer gemeinsam 17,7 Prozent.

Der Abstand zwischen Bayern (11,6 Prozent) und dem am schlechtesten platzierten Bundesland Bremen (28,4 Prozent) beträgt mittlerweile 16,8 Prozentpunkte. Mit außerordentlich hohen Armutsquoten von um die 20 Prozent fallen auch Mecklenburg-Vorpommern, Berlin und Sachsen-Anhalt auf.

 "Einmal arm, immer arm - das ist für immer mehr Menschen eine reale Bedrohung", sagte Caritas-Präsidentin Eva Maria Welskop-Deffaa vor der Veröffentlichung des Armutsberichts. Die Pandemie habe lange angelegte Armutsrisiken sichtbar gemacht.

Laut Welskop-Deffaa brauche es Angebote, "die Menschen unverzüglich helfen, wenn sie - aus welchen Gründen auch immer - in eine Lebenskrise geraten". Eine im Lebenslauf verfestigte Armut dürfte nicht hingenommen werden.


Aus: "13,4 Millionen Menschen leben in Armut" (16.12.2021)
Quelle: https://www.tagesschau.de/inland/armut-deutschland-paritaetischer-wohlfahrtsverband-101.html
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« Reply #1236 on: December 28, 2021, 03:57:16 PM »

Quote
[...] Er ist der reichste Deutsche und inzwischen 81 Jahre alt. Doch ein ordentliches Foto von ihm gibt es immer noch nicht. Dieter Schwarz lebt nicht bloß bescheiden und diskret, er versteckt sich seit Jahrzehnten fast wie ein Geheimagent. Sein Vermögen wird derzeit auf 40 bis 50 Milliarden Euro geschätzt - das ist deutlich mehr als BMW-Erbin Susanne Klatten ihr Eigen nennen kann und etwa doppelt so viel wie bei SAP-Gründer Dietmar Hopp.

 Schwarz hat sich die Multimilliarden selbst erarbeitet. Nach der Lehre in der väterlichen "Südfrüchtenhandlung" schuf er aus Heilbronn heraus ein Weltunternehmen mit mehr als 100 Milliarden Euro Umsatz und 450.000 Mitarbeitern. Mit fast 11.000 Supermarkt-Filialen in 29 Ländern ist Lidl weltweit zum größten Discounter-Konzern gewachsen. Die Schwarz-Gruppe, zu der neben Lidl auch Kaufland gehört, gilt heute als das größte Handelsunternehmen Europas. Dieter Schwarz gehört damit in die Reihe derer von Medici und Fugger - nur eben im 21. Jahrhundert.

In den letzten 18 Monaten ist das Unternehmen weiter kräftig gewachsen, schneller als Aldi (was Lidl besonders wichtig ist) und so, als hätte es eine Pandemie nie gegeben. Auf vielen Weltmärkten drängen die Schwaben offensiv voran, man investiert mutig in immer neue Geschäftsfelder, vom französischen Recycling-Unternehmen bis zur Berliner Big-Data-Werbeplattform, von Großbäckereien über Schokoladenfabriken und Kaffee-Röstereien bis zu Getränkeherstellern und Eiscreme-Produzenten. Wie eine leise surrende Milliardenmaschine beeindruckt das Schwarz-Imperium mit millicentgenauen Handelsmargen und schwäbischem Kostenbewusstsein die globale Händlerszene.

Doch mit jeder Milliarde, die sein Imperium wächst, scheint die persönliche Sichtbarkeit von Dieter Schwarz weiter zu schrumpfen. Er verweigert jedes Interview, will keine öffentlichen Huldigungen, nicht einmal zu runden Geburtstagen dürfen Fotos gemacht werden. Angeblich hat er Angst vor Entführungen und Angriffen auf seine Familie. Tatsächlich ist Schwarz einfach das totale Gegenteil von Glamour-Milliardären wie Elon Musk. Er will weder in den Weltraum noch ins Fernsehen, er jettet nicht einmal zu seinem persönlichen Vergnügen von einer Yacht zum Penthouse-Appartement, von der Glamourparty zum Heliskifahren. Er bleibt lieber in Heilbronn, lebt protestantisch bescheiden, am liebsten wie Otto-Normal-Schwabe, und fährt zuweilen an den Chiemsee.

 Dass Schwarz in Heilbronn und Umgebung dennoch hochgeschätzt wird, liegt an seiner diskreten Großzügigkeit. So sparsam er den Konzern führt, so generös ist er als stiller Wohltäter seiner Heimat. Die nach ihm benannte Stiftung mit Sitz in Neckarsulm fördert mit großen Summen Wissenschaft und Forschung - von Schulen über Universitäten bis zum neuartigen Science Center, der "Experimenta". Im nahen Bad Friedrichshall lässt er auf acht Hektar einen riesigen Campus für bis zu 5000 IT-Arbeitsplätze des Unternehmens bauen.

Die Lidl-Gruppe bezieht in diesen Tagen eine nagelneue Konzernzentrale in Bad Wimpfen. Der Neubau eines globalen Headquarters dieser Dimension würde in anderen Unternehmen allerlei Pressespektakel auslösen. Doch der Kommunikationsstil des Konzerns bleibt schwäbisch karg. In Bad Wimpfen bezieht man die fünf Büroblöcke, die für die einen aussehen wie aufgeschnittener Baumkuchen, für andere wie das Watergate-Hotel in Washington, unter Ausschluss der Öffentlichkeit. Dabei gibt es dort mitten in der Provinz Baukörper, die mit unterirdischen Boulevards verbunden sind, mitsamt High-Tech-Fitnesscenter im Erdinneren. Ein Hauch von Silicon Valley umweht auch den autonom fahrenden Shuttle-Bus, der künftig Mitarbeiter vom Bahnhof Bad Wimpfen zum neuen Deutschlandsitz des Discounters fahren soll.

In dieser neuen Zentrale passiert nun etwas, dass die Superdiskretion der Schwarz-Gruppe spektakulär beenden könnte: Es ist ein offener Machtkampf um die künftige Führung des Konzerns entbrannt. Die rechte Hand von Dieter Schwarz, Klaus Gehrig, steht vor dem Ausscheiden und der Konzern sucht mit allerlei Nebengeräuschen einen Nachfolger.

Gehrig ist seit 1976 an der Seite von Dieter Schwarz. Der warb damals den erfolgreichen Aldi-Manager gezielt ab, um den Konkurrenten zu übertrumpfen. Gehrig verbindet strategische Intelligenz mit harter Führungshand. Er sorgte für die Impulse, die Lidl heute so erfolgreich machen. Beide zusammen, Gehrig und Schwarz, bildeten über Jahrzehnte hinweg ein geniales Geschäftspartnerdoppel und trieben sich wechselseitig voran. Unter diesem Powerdoppel expandierte die Discounter-Kette mit rasender Geschwindigkeit in alle Welt.

 Der heute 73-jährige Gehrig trägt aufgrund seiner Bissigkeit im eigenen Unternehmen den bemerkenswerten Spitznamen "Killerwal"; Schwarz nennen sie "den Blauwal" - das größte Lebewesen der Welt. Gehrig steht zu seinem Stil der Führungshärte. Dem "Spiegel" sagte er vor vier Jahren freimütig: "Ich bin jemand, der die Dinge positiv sieht. Und der Killerwal ist ein hoch soziales Wesen, das im Team arbeitet."

Killerwal und Blauwal, Gehrig und Schwarz, Hand und Kopf verstanden sich über Jahrzehnte perfekt. Damit scheint es nun vorbei zu sein. Schwarz hat sich aus dem operativen Geschäft bereits zurückgezogen, Gehrig muss ihm in wenigen Monaten folgen. Doch wer wird die Macht in dem globalen Imperium übernehmen? Gehrig hatte mit der erst 30-jährigen Topmanagerin Melanie Köhler einen Coup geplant. Im Mai kam es allerdings zum Paukenschlag in der Schwarz-Gruppe: Köhler verlässt überraschend den Konzern.

"Der Killerwal verliert seinen Biss", raunen sie nun bei Lidl. Denn die Hoffnungsträgerin Köhler ist offenbar vom Topmanager Gerd Chrzanowski im Kampf um die Konterspitze ausgestochen worden. Angeblich hat Dieter Schwarz eingegriffen. So wie im Frühjahr 2019 schon einmal. Damals wurde Chrzanowski zum neuen Vize auserkoren. Der Gesellschafterkreis rund um Patriarch Dieter Schwarz bestellte ihn zum Stellvertreter Klaus Gehrigs. Das galt damals schon als Kulturbruch. Denn Gehrig war das Alleinherrschen gewohnt. Kurzum: Der Blauwal hat den Killerwal entmachtet. Und der neue starke Mann Chrzanowski hat wegen seiner beweglichen Intelligenz der Geschicklichkeit auch schon einen Spitznamen: der Delfin.

Der Machtkampf mit maritimer Nomenklatur wirft allerlei Fragen auf. Doch beantworten wird sie offiziell niemand. Wie immer lautet das Motto bei Dieter Schwarz: Bloß nicht zu viel reden. Und keine Fotos verbreiten.

Quelle: ntv.de


Aus: "Deutschlands geheimnisvollster Milliardär" Wolfram Weimer (Dienstag, 15. Juni 2021)
Quelle: https://www.n-tv.de/politik/politik_person_der_woche/Deutschlands-geheimnisvollster-Milliardaer-article22620018.html
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« Reply #1237 on: January 14, 2022, 10:17:03 AM »

Quote
[...] Portugals Immobilienmarkt wird von Analysten als einer der „dynamischsten” in Europa bezeichnet. Ausländische Investitionen werden für den wirtschaftlichen Aufschwung Portugals verantwortlich gemacht, aber der „Kollateralschaden”, der dem sozialen Gefüge von Lissabon, Porto und anderen Städten zugefügt wurde, ist tiefgreifend, sagt der Geograf und Wohnungsbauaktivist Luís Mendes.

Unbezahlbare Mieten und Zwangsräumungen treffen nicht nur Menschen, die nur ein geringes Einkommen oder eine Rente beziehen, sondern auch einfache Arbeitnehmer*innen und ihre Familien. Ihre Notlage lässt sich auf die europäische Schuldenkrise von 2008 zurückführen. Um ausländische Investoren anzulocken, musste Portugal als Bedingung für seine internationale Rettungsaktion deregulieren. Ein „goldenes Visum”-Programm wurde eingeführt, das Aufenthaltsgenehmigungen für den Erwerb von Immobilien im Wert von 500.000 Euro oder mehr vorsah. Die Investoren waren nicht verpflichtet, nach Portugal zu ziehen, sondern mussten lediglich zwei Wochen pro Jahr im Land verbringen. Außerdem wurde ein separates Programm für den „nicht gewöhnlichen Aufenthalt” eingeführt, das ausländischen Bürgern, die die Hälfte des Jahres in Portugal verbrachten, eine 10-jährige Steuerbefreiung für anderswo verdientes Einkommen gewährte.

Zu sagen, diese Programme wären beliebt, ist eine Untertreibung: Seit 2012 wurden 10.000 goldene Visa an Käufer aus Nicht-EU-Ländern ausgestellt, die im Gegenzug mehr als 5 Milliarden Euro investierten, die größtenteils in Immobilien flossen. Die neuen Immobilienbesitzer*innen kommen vor allem aus China, Brasilien, der Türkei, Südafrika und Russland.

... Mendes, der dem Vorstand der Mietervereinigung von Lissabon angehört, ist [ ] der Meinung, dass die Umwandlung eines Großteils der Wohnungen in der Hauptstadt in wohlstandsfördernde Anlagen für viele Bewohner Lissabons „katastrophal” ist.

Zahllose Menschen mussten zusehen, wie ihr Bedarf an Wohnraum in den Hintergrund trat, als Preise in die Höhe schossen und das Sicherheitsnetz für Mieter*innen wegfiel. Eine Sparmaßnahme aus dem Jahr 2012, mit der die „Verkrustungen” auf dem städtischen Mietmarkt beseitigt werden sollten, wurde als „Gesetz über Zwangsräumungen” bekannt. Plötzlich konnte ein Mieter am Ende des Mietverhältnisses mit einer drastischen Mieterhöhung konfrontiert werden oder mit einer Zwangsräumung, wenn ein Vermieter eine Wohnung renovieren wollte, was es zuvor nicht gegeben hat. Bis 2017 hatte sich die Zahl der Zwangsräumungen im Vergleich zu 2013 verdoppelt: Täglich verloren etwa fünf Familien ihre Wohnung.

Als historisches Wohnzentrum waren die Mieten in Lissabon im Vergleich zu anderen europäischen Hauptstädten günstig, aber sie entsprachen den niedrigeren Durchschnittseinkommen in Portugal. Als das Interesse aus dem Ausland zu wachsen begann, überstieg die Nachfrage das Angebot, was die Preise in die Höhe und die Menschen aus den Wohnungen trieb.

Diese Darstellung der Angebotsknappheit ist nur die „Spitze des Eisbergs”, wie Mendes es ausdrückt. Auch in Lissabon gab es bis etwa 2010 eine ungewöhnlich hohe Zahl leer stehender Häuser. Mindestens ein Drittel der Gebäude im historischen Zentrum standen leer, viele davon in einem baufälligen Zustand, sagt Mendes. Das war eine einmalige Gelegenheit für Investor*innen.

In der darauffolgenden Aufregung wechselten Gebäude an einem Abend für 1 Million Euro den Besitzer und wurden am nächsten Morgen für 1,7 Millionen Euro verkauft. „Manchmal sind Immobilien, die vor sechs Jahren für 60.000 oder 70.000 Euro gekauft wurden, heute 400.000 oder 500.000 Euro wert”, sagt Mendes.

... Einst war die Altstadt voller verfallener Gebäude, verblasstem Mauerwerk und bröckelnder Fassaden, doch sie wurde in halsbrecherischem Tempo umgestaltet. Tuk-Tuks voller Touristen kletterten die engen, kopfsteingepflasterten Straßen hinauf und hinunter, und die Restaurants florierten. Es dauerte nicht lange, bis Lissabon in den internationalen Ranglisten als Reiseziel und als eine der „lebenswertesten” Städte Europas ganz oben stand.

Im Jahr 2019 zählte Lissabon im Durchschnitt 4,5 Millionen Touristen pro Jahr in einer Stadt mit 500.000 Einwohnern. Das bedeutete mehr als acht Touristen auf jeden Einwohner. Bis 2020 war ein Drittel der Häuser im historischen Zentrum Lissabons auf Kurzzeitvermietungs-Websites wie Airbnb gelistet, trotz der 2019 eingeführten Beschränkungen.

Die Warnung von Leilani Farha, der UN-Sonderberichterstatterin für Wohnungsfragen, aus dem Jahr 2016 wurde wahr. Farha hatte gesagt, dass die „ungezügelte Touristifizierung” in Portugal Zwangsräumungen verschärfen und das Entstehen einer „neuen Armut” bewirken könnte.

Wer mit dem portugiesischen Mindestlohn von 665 Euro im Monat auskam, wurde mit Sicherheit durch den Preis vertrieben. Heute liegt die Durchschnittsmiete in Lissabon für eine Familie je nach Stadtteil bei 700 bis 900 Euro pro Monat, während das Durchschnittseinkommen in der Stadt bei etwa 950 Euro liegt. „Viele Menschen sind davon ausgeschlossen”, sagt Mendes.

Im Jahr 2020 stiegen die Hauspreise in ganz Portugal um 8,4 Prozent, wie das nationale Statistikinstitut (INE) mitteilte. „Es sind nicht nur die vulnerablen Bevölkerungsgruppen, die keinen Zugang zu Wohnraum haben. Seit drei Jahren liegt der Mittelschicht eine Schlinge um den Hals – sie findet in Lissabon keinen Wohnraum”, sagt Silva. „Wenn man sich die Einkommen in Portugal ansieht, sind die Hauspreise absurd.”

... Die erste umfassende Regierungsuntersuchung zum Wohnen, die als Reaktion auf die Ergebnisse des UN-Sonderberichterstatters für das Wohnungswesen veröffentlicht wurde, ergab, dass 25.762 Familien in „gravierender Wohnungsnot” leben, fast 50 Prozent davon in Lissabon.

Dabei handelt es sich um Menschen, die sich, wie Silva es nennt, „in einer Situation der Erniedrigung befinden, die oft keinen Zugang zu fließendem Wasser haben”. Mehr als 11.000 Familien leben in Hütten und selbstgebauten Behausungen, die in Barackensiedlungen oder anderen „informellen Siedlungen” zusammengefasst sind. Erstaunlicherweise berücksichtigen diese Zahlen weder überfüllte Wohnungen noch von Räumung bedrohte Haushalte.

Die Ministerin für Wohnungswesen, Marina Gonçalves, erklärt, dass die Priorität der Regierung darin besteht, den Anteil des sozialen Wohnungsbaus von zwei auf fünf Prozent zu erhöhen. Sie räumt jedoch ein, dass dies „Zeit braucht”.

Jahrzehntelang, sagt sie, wurde der Wohnungsbau in Portugal den Marktkräften überlassen. Dem öffentlichen Wohnungsbau wurde keine Priorität eingeräumt. „Wir müssen die Antworten finden, wir können Marktanreize schaffen, aber wir können nicht behaupten, dass die Verantwortung beim Markt liegt. Die Verantwortung liegt beim Staat, die öffentliche Wohnungspolitik zu fördern.”

Als die Pandemie ausbrach, setzte die Regierung Zwangsräumungen aus und führte ein vorübergehendes Moratorium für Menschen ein, die mit ihren Hypotheken im Rückstand sind. Ohne ein massives öffentliches Investitionsprogramm für den Wohnungsbau, so Mendes, führt die Pandemie jedoch zu einer Welle künftiger Zwangsräumungen und einer potenziell explosiven Krise.

„Die Lage war bereits ernst und wird sich weiter verschärfen, da die wirtschaftliche und soziale Situation der Menschen immer prekärer wird”, stimmt Silva zu. „Die Preise für Wohnraum sind mit der Pandemie nicht gesunken – Wohnraum bleibt in Lissabon unbezahlbar.”

...



Aus: "Wohnungskrise zwischen Luxuswohnungen, Airbnb und verfallenen Hütten" (Betriz Ramalho da Silva,  11.01.2022)
Quelle: https://www.freitag.de/autoren/the-guardian/wohnungskrise-zwischen-luxuswohnungen-airbnb-und-verfallenen-huetten

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podengo | Community

Leider ist es aber auch so, dass es für Haus- / Wohnungseigentümer immer uninteressanter wird, Wohnraum zu vermieten. Die Steuersatz auf Mieteinkünfte liegt zwischen 25 und 28%, abhängig von der Dauer des Mietvertrags. D.h., bei einer Monatsmiete von 400 € gehen jeden Monat 100€ direkt ans Finanzamt. Wie im Artikel erwähnt, gab es einige Änderungen im Mietrecht, alte Verträge sollten davon verschont bleiben, aber mal ehrlich: Viele alteingesessene Mieter zahlen heute um die 100-200€ Miete im Monat, wie soll da eine Instandhaltung, geschweige denn Modernisierung möglich sein? Und genau so sehen diese Buden auch aus, Jahrzehnte wurde nichts gemacht. Viele Eigentümer sind wahrscheinlich froh, die alten Kästen gewinnbringend verkaufen zu können oder für AirBnB zu renovieren, dafür gibt es auch eher Kredite bei der Bank.Das Problem ist, dass hier die Portugiesen von einem Extrem ins andere gestolpert sind, erst jahrzentelang billigste Mieten; dann in kürzester Zeit Kapitalismus pur.Und ein kleiner Seitenhieb am Rande: seit 2015 ist eine sozialistische Regierung an der Macht, die hier wenig bis gar nichts unternimmt, um die Situation zu verbessern.Ich möchte die Situation nicht gutheissen, ich lebe in der Algarve (als Mieterin), und hoffe doch auch sehr, nicht umziehen zu müssen. Hier sind aber nicht nur Immobilienkonzerne am Werk, sondern auch viele private Eigentümer, die endlich mal mitverdienen wollen.


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Christian Brecht | Community

Ein "schöner" Artikel, der die extreme Spaltung der Gesellschaft und die Schere zwischen Arm und Reich einmal nicht verharmlost und schön redet, auch wenn es "nur" um bezahlbaren Wohnraum geht und nicht um das nackte Überleben. Aber wir reden hier schließlich von Portugal, einem Land im Süden Europas. Im "gebildeten" Deutschland mit seinen "aufgeklärten" Bürgern ist das selbstverständlich vollkommen anders. ...


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Bartleby | Community

Als Sozialist und Melancholiker hege ich seit den 1970ern gr0ße Sympathien für das portugiesische Volk.
Ob Lissabon (in was eigentlich?) früher überschätzt wurde, ist für mich eine Petitesse.
Der Bericht ( im TV gab es kürzlich ähnliche zu sehen) zeigt sehr deutlich, Wirklichkeit und Zerstörungskraft des globalen Kapitalismus. Erst Griechenland, jetzt Portugal ...


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Maximilianspapa | Community

Die geschilderten Verhältnisse ähneln sich immer mehr, egal, welches Land der EU man nimmt.Augsburg ist nicht unbedingt ein Touristenmagnet, aber auch hier gibt es Prata-Riverside Projekte. Gegenüber meiner Wohnung wurde eine Grünfläche geopfert und ein "Normales" Mehrfamilienhaus errichtet. 2 Zimmer-Wohnung 800 Euro Miete, die 4-Zimmer Wohnung 1500 Euro, natürlich Kaltmiete. Alle Wohnungen waren schon vor Baubeginn vermietet. Mieter sind natürlich hier, wie in Portugal auch, keine Menschen welche als Sicherheitskraft arbeiten, aber sonst ganz normale Arbeitnehmer und auch Rentner.



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[....] Ein US-Milliardär hat seine Wohnung für 190 Millionen Dollar verkauft (umgerechnet etwa 165 Millionen Euro). Erworben habe er sie vor nur drei Jahren für nicht einmal die Hälfte des Preises. Wie das „Wall Street Journal“ berichtet, handelt es sich beim bisherigen Eigentümer um den Hedgefond-Manager Daniel Och. Die Penthouse-Wohnung über dem Central Park umfasst 900 Quadratmeter und befindet sich im obersten Stockwerk eines Wolkenkratzers in der US-Metropole New York.

Dem Bericht zufolge kaufte Och die Wohnung mit vier Schlafzimmern 2019 für 93 Millionen Dollar. Das „Wall Street Journal“ schätzt, dass der Verkauf an einen anonymen Käufer „einer der teuersten ist, die jemals in New York abgeschlossen wurden“. Noch mehr hatte 2019 der US-Fondsmanager Ken Griffin für eine Wohnung in demselben Wolkenkratzer mit der Adresse 220 Central Park South gezahlt: nämlich rund 238 Millionen Dollar.

Das Vermögen des 61-jährigen Och wird von „Forbes“ auf 4,1 Milliarden Dollar geschätzt. Der Gründer und ehemaliger Geschäftsführer des New Yorker Investmentfonds „Och-Ziff Capital Management“ musste 2016 wegen des Aufbaus eines Korruptionsnetzwerks in mehreren afrikanischen Staaten eine Geldstrafe von mehr als 400 Millionen Dollar an US-Behörden zahlen.

Och hatte seinen Hauptwohnsitz nach Florida verlegt, um weniger Steuern zu zahlen. Die Luxuswohnung sollte ihm als Nebenwohnsitz dienen. Der Milliardär besitzt aber ein weiteres Penthouse im Westen des Central Parks. Dessen Wert wird dem „Wall Street Journal“ zufolge auf 57,5 Millionen Dollar geschätzt. (AFP)


Aus: "US-Milliardär verkauft New Yorker Luxuswohnung für 190 Millionen Dollar" (14.01.2022)
Quelle: https://www.tagesspiegel.de/gesellschaft/panorama/vier-zimmer-kueche-wertsteigerung-us-milliardaer-verkauft-new-yorker-luxuswohnung-fuer-190-millionen-dollar/27975124.html
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« Reply #1238 on: January 17, 2022, 11:35:04 AM »

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[...] Soziale Ungleichheiten haben sich einem Bericht der Organisation Oxfam zufolge in der Corona-Pandemie noch verstärkt. Während sich das Vermögen der zehn reichsten Milliardäre verdoppelt habe, lebten mehr als 160 Millionen Menschen zusätzlich in Armut, heißt es in dem Bericht. Das Vermögen der zehn Reichsten der Welt sei von 700 Milliarden Dollar (613 Milliarden Euro) auf 1,5 Billionen Dollar angestiegen, was einem Durchschnittszuwachs von 1,3 Milliarden Dollar pro Tag entspreche. Demnach stieg das Vermögen der Milliardäre während der Pandemie stärker als in den gesamten 14 Jahren zuvor. Die Entwicklungsorganisation veröffentlichte ihren Bericht kurz vor Beginn der digitalen Konferenz des Weltwirtschaftsforums.

Oxfam forderte von den Regierungen weltweit Steuerreformen, um damit die weltweite Impfstoffproduktion sowie die Gesundheitsversorgung im Kampf gegen die Pandemie zu finanzieren. Mittlerweile seien über drei Milliarden Menschen zweifach gegen Covid-19 geimpft, doch nur rund neun Prozent der Menschen in Ländern mit niedrigem Einkommen hätten mindestens eine Impfdosis erhalten. "Millionen Menschen, die hätten gerettet werden können, sind wegen der ungerechten Impfstoffverteilung an der Pandemie und ihren Folgen gestorben", heißt es in dem Bericht. Außerdem könnten mit den Steuereinnahmen die globale Anpassung an den Klimawandel und der Kampf gegen geschlechtsspezifische Gewalt angeschoben werden.

"Für Milliardäre gleicht die Pandemie einem Goldrausch. Regierungen haben Milliarden in die Wirtschaft gepumpt, doch ein Großteil ist bei Menschen hängen geblieben, die von steigenden Aktienkursen besonders profitieren", sagte Manuel Schmitt, Referent für soziale Ungleichheit bei Oxfam Deutschland. "Während ihr Vermögen so schnell wächst wie nie zuvor und einige Ausflüge ins All unternehmen, hat die weltweite Armut drastisch zugenommen."

Auch in Deutschland habe die Konzentration der Vermögen weiter zugenommen. Von der Bundesregierung forderte Oxfam Deutschland, Konzerne und sehr Vermögende stärker in die Verantwortung zu nehmen. So müsse die Vermögensteuer wieder eingeführt werden, zudem sei eine einmalige Abgabe auf sehr hohe Vermögen nötig. Der Patentschutz für Covid-19-Impfstoffe müsse ausgesetzt werden.

Die Jahreskonferenz des Weltwirtschaftsforums in Davos war wegen der Corona-Lage verschoben worden. Stattdessen bringt die Stiftung diese Woche digital Spitzenpolitiker zusammen. Bundeskanzler Olaf Scholz will am Mittwoch eine Rede halten.

Die Entwicklungsorganisation Oxfam versucht, Menschen weltweit zu mobilisieren, um Armut aus eigener Kraft zu überwinden. Dafür arbeiten 21 Oxfam-Organisationen mit etwa 4.100 lokalen Partnern in 90 Ländern. Für ihren Bericht stützte sich die Gruppe nach eigenen Angaben auf aktuelle, umfassende Datenquellen und verwendete die Liste der Milliardäre 2021 des US-Wirtschaftsmagazins Forbes. Diese Liste wird von Tesla- und SpaceX-Chef Elon Musk sowie Amazon-Gründer Jeff Bezos angeführt. Ebenfalls vertreten sind die Google-Gründer Larry Page und Sergey Brin, Facebook-Gründer Mark Zuckerberg, die ehemaligen Microsoft-Chefs Bill Gates und Steve Ballmer, der ehemalige Oracle-Chef Larry Ellison, der US-Investor Warren Buffet und der Chef des französischen Luxuskonzerns LVMH, Bernard Arnault.


Aus: "Vermögen der zehn Reichsten verdoppelt sich während der Pandemie" (17. Januar 2022)
Quelle: https://www.zeit.de/wirtschaft/2022-01/oxfam-corona-pandemie-reichtum-armut-steuerreform

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tom im wald #53

Freuen wir uns doch einfach mit, dass wir in einem System Leben, in dem man durch wirklich harte, systemrelevante Arbeit richtig reich werden kann. ... Es ist schade, dass sich nicht mehr Menschen so anstrengen, denn es gibt doch nichts besseres als Reich zu sein. Bedauerlicherweise gibt es auch viel Neid in Deutschland.



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Einfacher Bürger #10

Es bedarf weder Neid noch Missgunst, um zu sagen, dass die zunehmende Ungleichheit längst das Stadium verlassen hat, in dem man es noch ignorieren könnte. Die Zustände haben längst neo-feudale Formen angenommen. ...


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Beobachter43 #2

Es wäre gar nicht so verkehrt, wenn wie von so vielen während der Pandemie gefordert, Solidarität gezeigt wird, von denen, die besonders viel Macht angehäuft haben. Solidarität im Sinne der Abgabe der Gewinne an die unzähligen Geschädigten der Pandemie.



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woodielaus12 #4

Vermögenssteuer einführen? Patentschutz aufheben? Hallo??? Christian Lidner ist Finanzminister!


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Denk Panzer #4.4

Und Olaf "Cum Ex" Scholz ist Bundeskanzler.


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Der Tiger #12

Es gibt auch ein exponentiellen Anstieg des Wahnsinns, der verdoppelte Reichtum ist ein Aspekt davon. Das drohen der Kriegsmaschine ebenfalls.Wie absurd die Welt der Menschen doch ist. So viele Erkenntnisse aus so vielen Hunderttausenden von Jahren. Immer noch Armut , Hass und Gewalt, und nun steht die Zerstörung der ganzen Menschheit vor der Türe. Und was soll dieser dämliche militärische Drill noch dabei.
Wäre man halbwegs normal fühlend würde man sich schämen . Könnte man halbwegs normal denken würde man was ändern. Abgeleitet , je mehr Reichtum , je mehr Macht um so höher die Wahrscheinlichkeit dem Wahnsinn zu verfallen und die Zerstörung der Menschheit anzutreiben. Wie soll ich das nur meinen Enkeln erklären ?!


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Neopold #22

Das ist gewollt und nennt sich Kapitalismus.


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Tatamei #35

Wenn man weltweit den Menschen, die nicht mal hinreichend ihre Grundbedürfnisse befriedigen können eine Stimme geben könnte, sehe die Welt anders aus.


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JuliusU995 #37

Der Fehler liegt im System selbst. Geld ist genug da, nur die Umverteilung funktioniert nicht. Die Ungerechtigkeiten und deren Folgen kann man auch hierzulande betrachten.
Wenn man nicht gegensteuert, entlädt sich das ganze irgendwann.

Weltweit demonstrieren Kinder für eine CO2 freie Welt und die Bezos dieser Welt reisen ins Weltall.


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hansaloisd #55

Die Welt und das Leben sind keine Gerechtigkeitsveranstaltungen.

Der Mensch hat sich schließlich 1789 Jahre nach Jesus und danach weitere Jahrzehnte an der Nase herum führen lassen.

Neben der Klimakrise, den Waffen, der Umweltbelastung und Krankheiten bedroht die Dummheit, Wissenschaftsfeindlichkeit, Ungerechtigkeit und Chancenlosigkeit unsere Zukunft und Leben….


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« Reply #1239 on: January 18, 2022, 11:51:12 AM »

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[...] Ein Elternteil kann pro Kind alle zehn Jahre 400.000 Euro schenken, ohne dass das versteuert wird. Wenn zwei sehr wohlhabende Elternteile gleich nach der Geburt ihres Kindes mit dem Schenken beginnen, können so bis zum 21. Lebensjahr 2,4 Millionen Euro weitergegeben werden, ohne dass dafür Steuern bezahlt werden müssen. Zum Vergleich: Ein durchschnittlicher Angestellter in Westdeutschland, der ein Zehntel seines Einkommens spart, bräuchte 900 Jahre, um auf diese Summe zu kommen.

Jedes Jahr sterben in Deutschland rund 800.000 Menschen — so viele, wie in Frankfurt am Main leben. Viele von ihnen sind Kinder der Nachkriegsgeneration, sie haben das Wirtschaftswunder erlebt und Vermögen angehäuft. Das zeigt sich auch beim Erbe: Schätzungsweise 400 Milliarden Euro werden in Deutschland zurzeit jährlich vererbt oder verschenkt. Tendenz steigend. Soziolog:innen sprechen von einer Erbschaftswelle, angeschoben durch den demografischen Wandel.

Aber die breite Gesellschaft hat wenig davon. 2020 wurden nur 8,6 Milliarden Euro Steuern auf Erbschaften und Schenkungen erhoben. Für einen geerbten Euro so im Durchschnitt nur zwei Cent Steuern gezahlt.

Wissenschaftler:innen vom Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung (DIW) haben in einer im letzten Februar erschienen Studie festgestellt, dass Erbschaften und Schenkungen ein entscheidender Grund für die ungleiche Vermögensverteilung in Deutschland sind. 

Wer viel hat, darf also viel behalten.

... Seit 2001 wurde die Erbschaftssteuer mehrfach reformiert, die Freibeträge wurden aber nicht gesenkt. Das System sei bis heute das gleiche geblieben, sagt Grabka vom DIW: "Und das Problem ist, dass die Steuer regressiv wirkt: Auf mittlere Erbschaften zahlt man vergleichsweise hohe Steuern, auf große Erbschaften sinkt die relative Steuerlast. Das liegt an der Steuerbefreiung von Betriebsvermögen und den hohen Freibeträgen."

... Geld bedeutet Sicherheit. Menschen, die in wohlhabenden Familien aufwachsen, könnten eher Risiken eingehen ... . Sie könnten sich freier entfalten, müssten nicht jeden Job annehmen oder sich Gedanken über die Finanzierung ihrer Familienplanung machen. Sie können, wie Daniel, einen Job auch einfach mal kündigen, wenn er ihnen nicht gefällt.

...


Aus: "Generation Y - Erbschaft: Mein Haus, meine Firma, mein schlechtes Gewissen"  Torben Becker (15. Januar 2022)
Quelle: https://www.zeit.de/campus/2022-01/erbschaft-geld-erbe-ideale-moral/komplettansicht

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Der Unsichtbare #100

Das ist jetzt der drölfzigste Artikel auf ZON mit der Tendenz, den Erben die Erbschaften zu neiden. Neid ist jedoch eine der sieben Todsünden!
Ihr Redakteure, versündigt euch nicht noch mehr! Kehren um und tut Buße!



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Burkster78 #28

Nach 16 Jahren Berufsrealität sehe ich das so: Ich will, dass mein Kind persönlich und ökonomisch so abgesichert ist wie möglich. Und ja, ich arbeite bereits jetzt dafür und tue mir mehr an als andere Menschen. Ohne Kind würde ich definitiv sehr viel kürzer treten.
Der Kerl wird mal gut erben hoffe ich und dadurch vielleicht mal mehr Freiheiten haben als ich sie habe. Das wünsche ich mir für ihn.
Ich bin sicher nicht der einzige Mensch der für seine Kinder mehr tut und arbeitet als andere Leute.
Ich finde es befremdlich mir vorzustellen, dass Staat und Gesellschaft sich anmaßen sich in diese Entscheidung über Abgaben einzumischen und umzuverteilen.
Mir ist die Problematik i.S. Erbschaften vor dem Hintergrund der Chancengleichheit durchaus bewusst. Aber um mein Gefühl komme ich hier einfach nicht herum.


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ZZ. #38

Kein Mensch gibt freiwillig von seinem Vermögen ab, das ist nicht nur beim Erben so. Willkommen in der Realität. Die Abgaben u.a. auf Lohn sind bereits mehr als genug. Deal with it!
Der Autor sieht hier eine große Bewegung gegen das Erben, die es so nicht gibt, außer in Zeitungskolumnen vielleicht.


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Obdulio #25

In der fast zehn mal kleineren Schweiz sind es rund 100 Mrd die jährlich vererbt werden. 2015 gabs mal eine Volksinitiative für eine Erbschaftssteuer von 20% allerdings erst ab einem Erbfall über 2 Mio und davon wäre ein Teil der ersten Säule der Altersvorsorge der AHV zugutegekommen. Und obwohl 98% der Schweizer Bevölkerung netto keine 2 Mio besitzt, hat die Bevölkerung dagegen gestimmt. ...


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G.J.Bouwhuis #2

Steuer auf Erben und Schenkungen sind einfach Diebstal des Staates.


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Der Herr #2.34

Wie wär's damit, einfach Mal selbst was aufzubauen, anstatt sich nur an den Früchten fremder Arbeit zu bedienen? Diese Neidkultur der Besitzlosen ist einfach ätzend.


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madcetera #9

Ich bin fast arm bzw Mittelschicht von der Hand in den Mund und werde nichts erben. Meine Eltern waren immer fleißig, haben gearbeitet seit sie 15 sind. Leider pleite gegangen mit der Handwerksfirma weil abgezockt worden. Ich und meine Geschwister genau so fleißig und studiert -mit Diplom nur nicht mit dem richtigen Beruf und Drive um in dem Metier zu arbeiten welches auch als Angestellte Geld bringt. Ich glaube wenn man als Erbe bzw Mensch in trockenen Tüchern (Eigentumswohnung in einer Großstadt oder von Mieteinkünften) lebt lebt fände man irgendwann auch doof wenn viele der Freunde und Bekannte nicht auf demselben Niveau das Leben mit voller finanzieller Sicherung genießen können. Das macht irgendwann schlechte Laune und man kann das e-lastenrad und den dritten Urlaub über Weihnachten in einer Öko lodge auf Teneriffa dann garnicht richtig genießen (überspitzt) .. auch wegen der Klimakrise. Das kommt noch dazu.
Klar bin ich neidisch- weil es unverdient ist und ich mich mein Leben lang anstrengen und sorgen muss. Und diese Glücksmenschen oft so tun als wäre der Unterschied nicht groß. Es spielt ein schlechtes Gewissen anderseits vielleicht auch eine wirkliche Empathie und Großzügigkeit eine Rolle wenn reiche Kinder etwas am System ändern wollen aber ich glaube dass niemand auf dem Niveau 0 anfangen möchte. Also Bafög, nie mal eine Auszeit nehmen, nie einfach mal Dinge ausprobieren und trotzdem nur auf 1000 Rente kommen und davon noch Miete zahlen … Ich bin für Umverteilung


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Lass uns reden #9.3

"Klar bin ich neidisch- weil es unverdient ist und ich mich mein Leben lang anstrengen und sorgen muss."

"Ich bin für Umverteilung"

Hätten diese Sätze noch Bestand, wenn ihre Eltern nicht "abgezockt" worden wären und der Handwerksbetrieb viel Geld eingebracht hätte? ...


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TaubeaufdemDach #2.55

Tatsächlich kenne ich zwei richtige Selfmademillionäre, Ossis mit Eltern ohne Geld. Die haben am Anfang die Auftragnehmer angelogen was sie alles können und was ihnen an Möglichkeiten zur Verfügung steht und haben sich mit den Aufträgen dann die Bankkredite erschlichen und im Bekanntenkreis mit dem Geld was sie hatten zusätzliches Geld ran geholt.

Persönlich sind mir die beiden etwas zu verbissen. Erben ist doch die wesentlich entspanntere Variante des Vermögensaufbaus.

Heirat würde ich, für Frauen, auch noch akzeptieren, damit haben wir die Dreifaltigkeit des Vermögensaufbaus dann auch schon zusammen. :-)


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bassmonster #3

Es ist vielleicht auch ein Symptom zunehmender Individualisierung, wenn der Sohn einer Unternehmerfamilie das Familenvermögen nicht haben will, weil es nicht sein Verdienst ist. Wenn er die Familie als Entität begreifen würde, und sich selber als Teil der Familie, wäre seine Haltung u.U. eine andere.


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Koronbock #3.1

Soso. Tiefschürfende Erkenntnis.


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Theo Larkin #3.3

So wie die Habsburger :)

...


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EinTollerName #3.4

Ja, das Prinzip hatten wir auch schon mal. Nannte sich Adel.
Hat sich nicht so bewährt.


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EinTollerName #4.1

Da gibt es doch diese FDP, die ein glühender Verfechter individueller Chancengerechtigkeit und des Leistungsprinzips ist.
Die müsste ihrer Philosophie entsprechend leistungsloses Einkommen ja vehement ablehnen.
Ach, tut sie nicht? ...


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unkraut2008 #52

Der gefühlt 100este Artikel zum Thema Erben(neid) in der Zeit. Irgendwer hat da ein Problem... Ich finde ja auch dass die großen Vermögen da zu billig wegkommen, aber es fällt auf dass bei der Zeit jemand einen "Komplex" hat. Andere Themen werden völlig ignoriert. Was ist den mit der Kapitalertragssteuer? 25% auf Dividenden und auf Arbeitseinkommen bis zu 42%? Das paßt nicht zusammen.


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Bananenkönig #70

Es werden in der Diskussion mal wieder diejenigen die nichts haben gegen diejenigen die etwas mehr haben ausgespielt. Das Haus der Eltern oder die kleine Firma mit sechs Angetellten zu vererben braucht man nicht massiv zu besteuern, erst Recht wenn diese von den Eltern selbst hart erarbeitet wurden. Problematisch sind die viel größeren Vermögen. Wenn jemand eine Wohnung als einen Kredit über Jarzehnte mit seinem Arbeitseinkommen angestottert hat fühlt er sich zurecht ungerechr behandelt, dass der Staat nochmal zulangt.
Wenn aber jemand 10 oder 50 Immobilien erbt und nichts anderes tun muss als diese zu Beleihen um weitere Immobilien zu kaufen, was er wiederum von seinen Mietern bezahlen lässt, dann steckt da keine große Leistung dahinter. ...


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SanfterRiese #75

Meine Eltern haben das Erbe ihrer Eltern angenommen und es für ihre Kinder verwaltet. Ich bin in der Haltung erzogen worden, dass das Erbe der Familie immer für die kommenden Generationen aufgehoben und verwaltet wird. Der Staat bekommt mehr als genug Steuern.


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phisad #79

Witzig, dass das unter "Generation Y" kategorisiert wird, als wenn das alle jungen Leute betreffen würde und nicht eher generell ein Oberschichtenproblem ist. :D


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MiaH #91

Die meisten Arbeitnehmer müssen 40-50% Steuern und Abgaben auf ihre Löhne bezahlen.
Die sinkenden Real-Löhne und schlechten Rentenprognosen sind eigentlich nur als glücklicher Erbe auszuhalten, für alle anderen sieht es ziemlich schlecht aus. ...


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« Reply #1240 on: January 18, 2022, 12:08:01 PM »

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[...] Im Oktober des Vorjahres demonstrierte das Wiener Kindergartenpersonal gegen die schlechten Bedingungen im Kindergarten. Die Belastung sei zu hoch, zu wenige Pädagoginnen seien für zu viele Kinder verantwortlich. Wie sehr die Menschen in diesem Beruf am Limit sind, zeigen auch die Gespräche, die DER STANDARD geführt hat. Darin war die Rede von der Unmöglichkeit, allen Kindern die Aufmerksamkeit zu geben, die sie eigentlich benötigen würden. Die Rolle der ersten Bildungsinstitution, die der Kindergarten sein soll, kann er aus der Sicht unserer Befragten nur unzureichend erfüllen.

"In den Kindergärten herrscht oft eine extreme Massenhaltung", kritisiert eine junge Frau, die gewillt ist, die Missstände publik zu machen – aber nur, wenn sie anonym bleibt. Julia K. hat bereits in privaten und öffentlichen Kindergärten in Wien gearbeitet und ist dort für Null- bis Dreijährige zuständig. Ihr größter Kritikpunkt: der Betreuungsschlüssel. Bei den Kleinkindern sind zwei bis vier Erwachsene für rund 15 Kinder verantwortlich, "wobei man die meiste Zeit zu zweit ist".

Sie sei "im Dauerstress", könne sich um die 15 Kinder oft "nicht einmal richtig kümmern", sagt die junge Frau. "Wir kommen einfach nicht dazu, mit ihnen zu spielen, ihnen ein Buch vorzulesen, oder zu anderen Dingen, die man mit Kindern in dem Alter eigentlich ständig machen würde. Wir sind nur am Pflegen, Wickeln, Füttern und Fläschchenzubereiten."

Teilweise könnten sie und ihre Kolleginnen nicht einmal die Aufsichtspflicht gewährleisten: Wenn eine Pädagogin ausfällt – und das könne bei den grassierenden Kindergartenkeimen schnell passieren –, müsse eine andere manchmal zwei Gruppen gleichzeitig betreuen. Die Kinder sind dann zeitweise mit der Assistentin allein. "Das ist natürlich ein Problem, weil die Pädagogin verantwortlich ist, wenn etwas passiert, aber vielleicht nicht einmal dabei war." Es sei also kaum möglich, die Kinder die ganze Zeit über adäquat zu behüten, geschweige denn, sie zu fördern. Was K. jedoch am meisten belastet: "Dass wir nicht einmal alle trösten können."

Besonders besorgniserregend ist für sie die Situation bei den ganz Kleinen. Die Kinder, die kommen, würden immer jünger – das jüngste in ihrem Kindergarten sei derzeit zehn Monate alt. In diesem Alter seien viele noch nicht bereit für diesen Schritt, sagt K. Bei der Eingewöhnung hätten sie "dieses starke Gefühl des Verlassenwerdens, das Existenzängste auslöst. Sie brüllen wie am Spieß vor lauter Verzweiflung." Anders als älteren Kindern könne ihnen noch nicht erklärt werden, dass Mama und Papa nicht für immer weg sind, sondern wiederkommen. Den Eltern die Situation klarzumachen sei schwer. "Sie sehen oft den Fehler bei uns und stellen uns als schlechte Pädagoginnen dar." Dabei sei es einfach nicht möglich, den Säuglingen und Kleinkindern das Maß an Liebe, Zuwendung und Aufmerksamkeit zu geben, das sie brauchen.

Oftmals stecke ein weinendes Kind die anderen an – eine Situation, die die Pädagogin an ihre Grenzen bringt. "Wir haben an manchen Tagen jeweils zwei weinende Kinder am Arm. Am Boden liegen aber noch mehr, die wir nicht mehr trösten können. Das macht extrem hilflos." Zu der seelischen Belastung kämen Rückenprobleme vom vielen Tragen. Manche ihrer Kolleginnen, die länger im Beruf sind, hätten wegen des Geräuschpegels auch mit Hörproblemen zu kämpfen.

Das sind Zustände, die so manche an ihrer Berufswahl zweifeln lassen.

... Bei gleichbleibendem Gehalt würden die Anforderungen immer höher. "Seit einigen Jahren sind für uns Fortbildungen vorgeschrieben – es ist aber nicht geregelt, wo sie zu machen sind und wer sie bezahlt", kritisiert Weichselbaum. "Wir sollen die Kinder individuell und bedürfnisorientiert betreuen, und das entsprechend ihrer Entwicklung. Das bedeutet, man muss sich mit jedem Kind genau auseinandersetzen." Dafür sei jedoch schlichtweg nicht ausreichend Zeit.

... Zum Glück bekomme man von den Kindern viel zurück – liebevolle Blicke oder eine Umarmung. "Ohne das hätten wahrscheinlich viele mehr längst das Handtuch geworfen."


Aus: "Berichte - Missstände im Kindergarten: "Wir können nicht einmal alle trösten"" Lisa Breit (15.1.2022)
Quelle: https://www.derstandard.at/story/2000132121489/missstaende-im-kindergarten-wir-koennen-nicht-einmal-alle-troesten

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404 not found, 15. Jänner 2022, 11:32:38

Ich bin erst mit 3 in den Kindergarten gekommen, bis dahin hat Mama eine Berufsauszeit genommen und erst dann wieder angefangen.
Nur konnte man Mitte der 70er mit einem Angestelltengehalt die Familie erhalten - nicht in Luxus, aber so, dass niemandem etwas fehlte. Das ist heute eher nicht mehr der Fall.


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Juminor, 15. Jänner 2022, 10:55:17

Ich bin erschüttert über diese Zustände. Meine Mutter hat selber bis vor ein paar Jahren in der Kinderbetreuung gearbeitet (als Assistentin) und konnte irgendwann nicht mehr. ...


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Noahus

Als männliche Person in der pädagogischen ausbildung kann ich jetzt, nach 3,5 von 5 Jahren sagen, ich mache den Beruf nicht, von knapp 30 Personen in meiner Klasse wollen maximal 10 (optimistisch gesehen) den Beruf wirklich machen weil die Bedingungen und die Entlohnung zu schlecht ist im Vergleich zu dem Geforderten. Meine Mutter war jahrelang selbst Pädagogin und später selbst Leitung und ist daran nach "nur" 15 Jahren im Beruf zerbrochen, zuhause war dann keine Energie mehr übrig und ich weiß, das würde bei mir viel früher passieren.


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kbye

Wieder eines der vielen Probleme die man mit besseren Arbeitsbedingungen und allgemein für alle besseren Lohn verhindern könnte.


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« Reply #1241 on: January 18, 2022, 12:22:24 PM »

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[...] Madrid/Rabat – Beim Untergang eines Flüchtlingsbootes vor der Küste Marokkos sind mehr als 40 Menschen ums Leben gekommen. Unter den 43 Toten seien drei Babys und 14 Frauen, erklärte die spanische Organisation Caminando Fronteras, die die Fluchtroute zwischen Marokko und den Kanarischen Inseln überwacht, am Montag. Die meisten Opfer stammten demnach aus südafrikanischen Ländern und wollten über den Atlantik die Kanaren erreichen.

Das Unglück ereignete sich den Angaben zufolge am Sonntag vor der Küste von Tarfaya im Süden Marokkos. Bisher seien nur zwei Leichen geborgen worden, teilte die Organisation mit, die ihre Informationen von Überlebenden und Angehörigen erhält. Zehn Insassen des Boots, darunter sechs Frauen, seien gerettet worden.

Die Überlebenden hätten um vier Uhr in der Früh einen ersten Notruf abgesetzt, sagte ein Sprecher von Caminando Fronteras. Es habe Stunden gedauert, bis marokkanische Rettungskräfte das Boot gefunden und geborgen hätten. Von den marokkanischen Behörden gab es zunächst keine Informationen zu dem Schiffsunglück.

Nach Angaben des spanischen Innenministeriums haben im Jahr 2021 mehr als 373.000 Menschen Spanien über den Seeweg erreicht. Nach Angaben von Caminando Fronteras sind mehr als 4.000 Menschen bei der Überfahrt gestorben oder werden seither vermisst. Die meisten Leichen werden demnach nie gefunden.


Aus: "Mehr als 40 Tote bei Untergang von Flüchtlingsboot vor Marokkos Küste" (APA, 18.1.2022)
Quelle: https://www.derstandard.at/story/2000132617845/mehr-als-40-totebei-untergang-von-fluechtlingsboot-vor-marokkos-kueste

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Obolus

Werden die APA-Artikel hier gekürzt? Bei dem, den ich gelese hab, stand, dass der Großteil aus wirtschaftlichen Gründen migriert. Warum wird das hier unterschlagen? Bewußt?


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Zentrist

Das ist einfach nur tragisch. Da kämpfst du um ein besseres Leben, reist tausende Kilometer, ohne zu wissen, was dich am nächsten Ort erwartet, hast deine Kinder dabei, steigst in so ein Boot mit 40 anderen Unbekannten, und um 4 Uhr früh - es muss eisig kalt gewesen sein - kommt es zu einem Unglück, vermutlich auch zur Panik, Menschen sterben vor dir, darunter deine Kinder, und dann auch du.

Ich kann es diesen Leuten echt nicht übel nehmen, dass sie ein besseres Leben suchen. Ich würde genau dasselbe machen.


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der Vierte Mann

Dass sie sich vorher überlegt haben ob ein Kind finanziell machbar ist!
Das ist eigentlich der Hauptgrund in diesen Ländern, dass es sich dort niemand überlegt. Dazukommt oft noch eine nicht gerade dienliche Religionsauffassung, die dann sogar Verhütung verbietet.
Mangelnde Bildung, gepaart mit Religion sind die Bausteine dieses Übels.


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Der Esel

Liebe Leser:innen

Es sind 4.000 Menschen auf grausame Art gestorben. Ertrunken im Meer, mussten zusehen, wie die eigenen Kinder sterben, ohne Hilfe zu erwarten!
Hier ist nicht die Plattform über „selber Schuld“ zu reden, oder über „man muss die Gefahr vorher erkennen“ zu diskutieren.
Lassen Sie einfach 4.000 Tote im Mittelmeer stehen, denken einmal nach wie das sein muss, wenn man das Risiko eingeht und freuen sich in Europa geboren zu sein und hier sorgenfrei zu leben!


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« Reply #1242 on: January 18, 2022, 12:38:30 PM »

Quote
[...] Vergangene Woche preschte Finanzminister Magnus Brunner (ÖVP) mit der Forderung nach einer Entlastung für Aktionäre vor. Gewinne aus dem Verkauf von Wertpapieren, die eine bestimmte Zeit lang im Depot liegen, sollen steuerfrei sein – und nicht mehr mit der Kapitalertragssteuer (KESt) von 27,5 Prozent belastet werden.

Neu ist der Vorschlag Brunners keineswegs: Die Forderung nach der "Wiedereinführung einer Behaltefrist" steht seit 2020 im türkis-grünen Regierungsprogramm. Die Idee: Sparer sollen einen Anreiz bekommen, ihr Geld nicht auf ein Sparbuch zu legen, sondern in Unternehmen zu investieren.

... Die SPÖ kündigte "massiven Widerstand" gegen den Plan an. Die ÖVP habe "überhaupt keinen Genierer mehr in ihrer Politik für die Reichen und Superreichen", ließ SPÖ-Finanzsprecher Jan Krainer verlautbaren. Die Arbeiterkammer warnte vor einem "ökonomisch unsinnigen Steuergeschenk an die reichsten zehn Prozent der Haushalte".

Zustimmung kam – wenig überraschend – von der Wirtschaftskammer. Generalsekretär Karlheinz Kopf sprach von einer Win-Win-Situation für Kapitalmarkt und Eigenvorsorge. Der Fachverband der Pensionskassen bezeichnete die Ankündigung Brunners als "gutes Signal zum Jahresauftakt".

... Die Wiedereinführung einer Behaltefrist wäre zweifellos eine Entlastung für Aktionäre – und damit für Menschen, die genug Geld haben, das sie in den Kapitalmarkt investieren können. Geringverdiener hätten davon wenig bis gar nichts.

...


Aus: "Entlastung von Aktionären: Steuerzuckerl für die Reichen?" Jakob Pflügl (17. Jänner 2022)
Quelle: https://www.derstandard.at/story/2000132569863/entlastung-von-aktionaeren-steuerzuckerl-fuer-die-reichen

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SleepyJoe, 17. Jänner 2022, 11:03:55

Was hat der Besitz von Aktien bitte mit Reichtum zu tun? ...


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Fletch

Beim Thema Aktien kommt in AUT leider oft der Beißreflex. Eine bunte Mischung aus Ahnungslosigkeit und Neid.
Sind sie dann in Rente, kommt das Gejammer warum die Rente so gering ist und das der Staat (als Ersatz für den allmächtigen Kaiser) Schuld ist.
Jeder kann uns sollte vorsorgen, auch mit Aktien. ...


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ralfiii

Top

Ich find's super. Der erbärmliche Plebs der verzweifelt versucht durch Arbeit zu Wohlstand zu kommen (hihi, diese Naivlinge) soll ruhig weiter Steuern zahlen. Ich wähl ja nicht umsonst die Hu. der Reichen wenn dann plötzlich auch die Armen was von der ÖVP kriegen. Wo kommen wir da hin? Wir dürfen nie vergessen, dass wir mal Monarchie waren. Hierarchien haben sich bewährt und sollen unbedingt erhalten bleiben, sonst glaubt der Pöbel gach irgendwann tatsächlich, dass er was zu melden hat. Ich vermisse ohnehin noch immer eine Initiative, die Sklaverei wieder legalisiert....


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Peter Silje

Die meisten Geringverdiener arbeiten ohnehin für Kost und Logis. Billiger wirds nicht mehr.


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« Reply #1243 on: January 18, 2022, 12:51:18 PM »

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[...] HAMBURG taz | Überdacht und mitten im Ausgeh-Kiez – die Arkaden der Struensee-Schule sind ein guter Aufenthaltsort für Obdachlose in Hamburg. Doch seit kurzem ist dieser Ort für sie versperrt. Die Schule hat einen Gitterzaun installieren lassen. Abgerissene Plakate erinnern an den Unmut von Kiez-Bewohnern darüber, dass die Obdachlosen ausgesperrt werden. Auf einem grünen Karton steht: „Ey Nachbar – Zaun weg = etwas cooler hier“.

Schulleiter Frank Berend ist erkennbar angefasst wegen der Kritik. „Wir haben das Problem, dass hier offen Drogen konsumiert werden“, berichtet er fröstelnd auf der Straße. Es sei Crack geraucht und Heroin aufgekocht worden. Der Platz sei vermüllt, in den Eingangsbereich der Schule sei gepinkelt worden. Die Fünft- und Sechstklässler hätten Angst, auf dem Weg zum Spielplatz hier vorbeizugehen.

„Natürlich sind trockene Stellen, wo man schlafen kann, dünn gesät“, räumt der Schulleiter ein. Deshalb habe er auch dafür plädiert, die obdachlosen Menschen am Rande des Schulgeländes zu dulden, nachdem die Schule zum Winterhalbjahr 2020 hierher gezogen war. „Die Menschen dort vertreiben, wollte ich in der kalten Jahreszeit nicht“, schrieb Berend den Eltern in einem Brief.

Das sei zunächst auch gut gegangen, doch nach einigen Wochen habe es zunehmend Streit und Pöbeleien unter den dort lebenden Obdachlosen gegeben. Nicht akzeptabel sei, dass der Hausmeister tätlich angegriffen wurde. Der Mann hatte Drogenkonsumenten aufgefordert, den Platz zu verlassen. Das brachte ihm einen Faustschlag gegen den Kopf und eine Einlieferung ins Krankenhaus ein.

Immer wieder hätten er selbst und der Hausmeister „Wege gesucht, wie eine Koexistenz vielleicht möglich sein könnte“, schildert Berend. Sie hätten die Menschen vor Schulbeginn geweckt und gebeten zu gehen. Bei Drogenkonsum hätten sie die Polizei informiert. Es habe sich aber gezeigt, dass eine Koexistenz auf der Basis einfacher Regeln mit den oft suchtkranken Menschen nicht funktioniere.

„Ihnen einfach diesen Platz zuzubilligen, löst das Problem der Menschen nicht“, schreibt Berend. Sie benötigten dringend Einzelfallbetreuung, Suchtberatung, Hilfe bei der Wohnungssuche. „Dies kann die Schule nicht leisten“, sagt Berend. Sie sei zuallererst für ihre Schülerinnen und Schüler verantwortlich.

„Ein Zaun kann nie eine Lösung sein und ist ein schlimmes Signal“, sagt Stephan Karrenbauer, Sozialarbeiter bei Obdachlosenzeitung Hinz&Kunzt, einem Projekt der Diakonie. „Obdachlose zu vertreiben – das geht nicht.“ Karrenbauer sieht in dem Zaun aber auch einen Hilferuf. In allen Stadtteilen nehme die Verelendung der Menschen auf den Straßen zu. „Das führt immer öfter zu Konflikten mit An­woh­ne­r:in­nen – und das ist kein Wunder“, sagt er.

Im Fall des Struensee-Gymnasiums äußert sich der sichtbar gewordene Protest für die Obdachlosen gegen die Schule. Ein langes Transparent der Ultras St. Pauli forderte: „Weg mit den Zäunen!“ Jemand machte sich auch ans Werk und öffnete ein Element des Zauns.

Schulleiter Berend will die Fläche in Zukunft nutzen, um Fahrradständer aufzubauen. Solche gibt es bereits auf der anderen Seite an der Einfahrt zum Schulhof, auf ähnliche Weise eingezäunt wie die Arkaden. Am gestrigen Nachmittag wollte er sich mit Vertretern von Hinz&Kunzt und Anwohnerinitiativen treffen, um deren Meinung zu hören. „Ich bin da sehr gesprächsbereit“, versichert er. Zumal die Befassung mit Obdachlosigkeit ja auch ein Bildungsthema sei.

Das Dilemma des Struensee-Gymnasiums wirft ein Schlaglicht auf die Situation in der Großstadt. Die Sozialbehörde geht von rund 7.000 Wohnungslosen in Hamburg aus. 5.000 davon sind öffentlich-rechtlich untergebracht, 2.000 leben auf der Straße, sind also obdachlos. Für sie gibt es bisher nur eine Unterkunft im Rahmen des Winternotprogramms, das aber nicht von allen Obdachlosen angenommen wird.

„Städtisch finanzierte Straßensozialarbeiterinnen und -arbeiter suchen obdachlose Menschen gezielt auf, um sie auf Angebote hinzuweisen“, teilt die Sozialbehörde auf taz-Anfrage mit. In Hamburg gebe es das ganze Jahr über ein breit aufgestelltes umfangreiches Hilfesystem für obdachlose Menschen.

Karrenbauer findet, dass das nicht reicht. Es sei an der Zeit, dass die Stadt dezentrale Unterkünfte schaffe, „die so ausgestaltet sind, dass die Menschen diese auch annehmen“, sagte Karrenbauer. Dafür müssten alle Beteiligten an den Tisch.

Ein Anfang könnte der „Housing First“-Ansatz sein, bei dem Menschen zunächst mit einer eigenen Wohnung versorgt werden, bevor ihre anderen Probleme angegangen werden. Ein Projekt mit 30 Plätzen hat der Senat gerade ausgeschrieben. Es soll in diesem Jahr starten.


Aus: "Kein Platz für Obdachlose: Schule zieht Zaun gegen Obdachlose" Gernot Knödler (17. 1. 2022)
Quelle: https://taz.de/Kein-Platz-fuer-Obdachlose/!5826230/

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Holger Steinebach 17.01.2022, 22:51

Würde ich wollen dass mein Kind jeden Tag an suchtkranken Obdachlosen vorbei geht? Möchte ich, dass in meinen Hauseingang gepinkelt wird? Sicher nicht. Das ist nicht Aufgabe der Schule, Obdach für Obdachlose zur Verfügung zu stellen.


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adagiobarber 17.01.2022, 21:22

einen schulleiter an den pranger zu stellen ...
welcher für den schutzraum von schülern verantwortlich ist, ist armselig.
auch hintz&kunz wählen sich den falschen sündenbock aus.


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Eimsbüttler 17.01.2022, 23:24

Wir sind hier in Hamburg wo grüne Senatoren auch mal kein Geld mehr für Obdachlosenunterkünfte haben, aber...Porsche fahren.


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« Reply #1244 on: January 18, 2022, 03:09:28 PM »

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[...] Müll, Spritzen, Wildpinkler: Orte, die anziehend auf die Drogen- und Obdachlosenszene wirken, werden für Anwohner und Passanten anstrengend.

Berlin - Die Verwahrlosung des Stuttgarter Platzes in Berlin-Charlottenburg durch Müll, Spritzen von Drogensüchtigen und sogenanntes Wildpinkeln von Obdachlosen kann aus Sicht des zuständigen Bezirks nur schwer gestoppt werden. Die Einrichtung eines Raums zum Rauschgiftkonsum sei bisher „gescheitert“ und das Verhängen von Bußgeldern sei oft sinnlos. Das antworteten der Senat und der Bezirk auf eine Anfrage der Grünen.

„Vorrangiges Ziel“ sei weiterhin ein Drogenkonsumraum am Platz, „um die hygienischen Rahmenbedingungen der Drogensüchtigen zu verbessern und gleichzeitig die Beeinträchtigung der Bevölkerung durch weggeworfene Spritzen und andere Begleitumstände so gering wie möglich zu halten“. Wegen der Ablehnung der Vermieter in der Umgebung des Platzes sei das bisher nicht möglich gewesen. Das gleiche gelte für andere Standorte. Nun will der Bezirk einen Drogenkonsumraum in einem geplanten Fahrradparkhaus einrichten – etwa in „drei bis vier Jahren“.

Für die Obdachlosen gebe es zahlreiche Unterstützung und Hilfe: Beratungsstellen, Notübernachtungen, Sozialarbeit vor Ort, ambulante medizinische Versorgung, Bahnhofsdienste und ein Angebot zur Körper- und Kleidungshygiene. Die Annahme der Angebote sei jedoch freiwillig, räumte der Bezirk ein. „Allerdings verfügt die soziale Arbeit über keine methodischen oder gesetzlichen Möglichkeiten, „wildpinkeln“ verbindlich zu unterbinden oder im Nachgang zu sanktionieren.“ Verwarn- oder Bußgelder seien „gegenüber obdach- und
mittellosen Menschen häufig wenig zielführend“.


Aus: "Berlin: Stuttgarter Platz verwahrlost zusehends, Behörden hilflos" (dpa, 18.1.2022)
Quelle: https://www.berliner-zeitung.de/news/berlin-stuttgarter-platz-verwahrlost-behoerden-hilflos-li.206696

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« Reply #1245 on: January 19, 2022, 10:06:16 AM »

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[...] Eine Gruppe von mehr als 100 Millionären aus neun Ländern fordert zusammen mit internationalen Organisationen eine Vermögensteuer für die Reichsten. „Besteuert uns, die Reichen, und zwar jetzt“, forderten die Gruppen Patriotic Millionaires, Millionaires for Humanity und Tax Me Now nach Angaben der Nothilfeorganisation Oxfam die Regierungen auf.

Dies würde helfen, die extreme Ungleichheit zu verringern und soziale Grunddienste wie eine öffentliche Gesundheitsversorgung und Bildung zu finanzieren, teilte Oxfam am Mittwoch weiter mit. Oxfam verwies auf eine Analyse, wonach ein Steuervolumen von mindestens 2,5 Billionen Dollar (2,2 Billionen Euro) pro Jahr möglich sei.

Die Patriotic Millionaires veröffentlichen ihren Brief anlässlich der Veranstaltungsreihe „Davos Agenda“ des Weltwirtschaftsforums. Zu den Unterzeichnern und Unterzeichnerinnen gehören den Angaben zufolge die amerikanische Filmproduzentin und Erbin Abigail Disney, der dänisch-iranische Unternehmer Djaffar Shalchi, der amerikanische Unternehmer und Risikokapitalgeber Nick Hanauer sowie die österreichische Studentin und BASF-Erbin Marlene Engelhorn.

Eine Vermögensteuer, die bei Millionären mit nur zwei Prozent jährlich ansetze und bei Milliardären auf fünf Prozent jährlich steige, könnte den Angaben zufolge weltweit 2,52 Billionen US-Dollar pro Jahr einbringen. Damit wären wesentliche Fortschritte bei Armutsbekämpfung, Verteilungsgerechtigkeit bei Covid-19-Impfstoffen und allgemeiner Gesundheitsversorgung möglich. In dem Schreiben heißt es, die Welt habe in den vergangenen zwei Jahren großes Leid erfahren, während die Reichsten noch reicher geworden seien und nur sehr wenige von ihnen angemessen Steuern bezahlt hätten. (dpa)


Aus: "Mehr als 100 Millionäre fordern Vermögenssteuer für Superreiche" (19.01.2022)
Quelle: https://www.tagesspiegel.de/politik/besteuert-uns-und-zwar-jetzt-mehr-als-100-millionaere-fordern-vermoegenssteuer-fuer-superreiche/27987632.html

https://www.zeit.de/politik/2022-01/superreiche-millionaere-vermoegenssteuer-pandemie-armut

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« Reply #1246 on: January 22, 2022, 11:24:31 AM »

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[...] Wie die deutsche Bild-Zeitung berichtet, verkauft Heidi Goess-Horten ihre die letzten Jahre vor Venedig ungenutzt herumstehende Luxusyacht „Carinthia VII“. Für kolportierte 160 Millionen Euro bekommt man die Yacht mit sechs Suiten, Hubschrauber, Bentley, Dampfbad, Sauna und Kapitän.

Es heißt, die „Carinthia VII“ sei Frau Horten inzwischen „mehr Last als Lust“. Der 80-Jährigen seien die Törns „zu anstrengend“ geworden. Sie wolle nicht mehr „ständig eine Gruppe von Leuten um sich haben und sich laufend umziehen müssen“.


Aus: "Heidi Goess-Horten verkauft ihre Luxusyacht „Carinthia VII“ für 160 Millionen Euro" (10.10.2021)
Quelle: https://www.mein-klagenfurt.at/pressemeldungen-oktober-2021/heidi-goess-horten-verkauft-ihre-luxusyacht-carinthia-vii-fuer-160-millionen-euro

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[...] Das Wort "Nazi-Makel" ist im Umfeld der Milliardärin Heidi Goëss-Horten, bei ihrem Tross an Anwälten und Beratern, längst zum Reizbegriff mutiert. Irgendwie kann man es der bald 81-jährigen Erbin des 1987 im Schweizer Tessin verstorbenen Helmut Horten nicht verdenken. Sie selbst ist Jahrgang 1941, kam am 13. Februar in Wien zur Welt. Mit dem Aufstieg ihres Mannes zum Kaufhausmagnaten während des Regimes der Nationalsozialisten hat sie nichts zu tun.

Mit dem Vermögen, das aus jenen Jahren wurzelt, allerdings schon. Es bot die Grundlage für den Start der Nachkriegskarriere des Selfmademan, der "zu jenen Unternehmerpersönlichkeiten" avancierte, "welche die Bundesrepublik Deutschland in der Nachkriegszeit zur wirtschaftlichen Blüte gebracht haben". So der Wortlaut auf der Website der Schweizer Horten-Stifung, die am 22. Oktober 2021 ihr 50-jähriges Bestandsjubiläum feierte.

... Heidi Goëss-Horten waren Medienberichte, die sich – seit der öffentlichen Präsentation von Teilen ihrer Kunstsammlung im Leopold-Museum 2018 und dem Bekanntwerden ihres geplanten Privatmuseums – nicht nur kritisch, sondern überhaupt mit diesem Kapitel der Vergangenheit ihres einstigen Ehemannes beschäftigten, ein Dorn im Auge.

Sie selbst äußerte sich dazu nie, ihre Berater schon: Die Wortwahl "NS-Profiteur" und "Ariseur" sei unrichtig. Eine Ansicht, die man – Begriffsinterpretation hin oder her – auch irgendwann mal belegen können musste.

Das innert weniger als einem Jahr erarbeitete und nun vorliegende Forschungsergebnis umfasst mehr als 200 Seiten. Inwieweit bei diesem Privatgutachten die wissenschaftliche Unabhängigkeit gewahrt wurde, erschließt sich auf den ersten Blick nur bedingt. Diese sei eine Grundvoraussetzung für die Vertragsunterzeichnung gewesen, heißt es.

Auch dazu wurde ein Segen eingeholt. Heidi Goëss-Horten beauftragte damit Michael Wolffsohn. Der Historiker lehrte von 1981 bis zu seiner Pensionierung 2012 an der Uni der Bundeswehr München. Dort sei er längst nicht mehr tätig, wie ein Anruf an der Uni ergab. Den Briefkopf seiner ehemaligen Wirkstätte hat er trotzdem noch in Verwendung: Der Expertise zufolge bescheinigt er dem Kollegen Peter Hoeres die Vorlage eines "methodisch und inhaltlich höchst überzeugendes Gutachtens", das "auch Zweiflern" erlaube, die Schlussfolgerungen nachzuvollziehen.

Demnach habe Horten als engagierter und "stets elegant gekleideter" Unternehmer verstanden, die Gelegenheiten für sich zu nutzen, die ihm die Umstände seit der Nazi-Machtübernahme Anfang 1933 boten, die er ja nicht selbst herbeigeführt hatte: Bei der von 1936 gezielt betriebenen "Übernahme" von Kaufhäusern aus jüdischem Vorbesitz habe er – kurz gefasst – "vergleichsweise fair" agiert. Dass die jüdischen Eigentümer unter dem zunehmenden Druck der Verfolgung bei "Arisierungen" in der denkbar ungünstigsten Verhandlungsposition standen, sei erwähnt.

So hatte sich etwa im Falle des Kaufhauses der Gebrüder Alsberg in Duisburg aufgrund der von den Nazis betriebenen Boykottmaßnahmen und Einschüchterungen potenzieller Kunden der Umsatz von 1933 bis 1936 nahezu halbiert. Im Gutachten wird mehrfach auf das "erhebliche Risiko" im Hinblick auf "große finanzielle Verbindlichkeiten" verwiesen, für die Horten bei "Misserfolg seiner Aktivitäten persönlich" gehaftet hätte.

In vielen, wenngleich nicht in allen Fällen kam Horten Wiedergutmachungsansprüchen nach, die von Vorbesitzern nach Ende des Zweiten Weltkrieges beantragt wurden. Neu ist, dass Horten auch in Rüstungsgeschäfte involviert war. Konkret beim Flugzeugwerk Johannisthal, wo Zwangsarbeiter eingesetzt wurden. Eine Praxis, die von Horten und einem Geschäftspartner nach ihrem Einstieg als Mitgesellschafter im Juni 1943 auch noch intensiviert wurde: Zurückzuführen sei das "auf den sich zuspitzenden Mangel an heimischen Arbeitskräften".

Der überwiegende Teil des Gutachtens bezieht sich auf Erkenntnisse aus den Akten der Lastenausgleichsverfahren. Zeugenaussagen aus dem Entnazifizierungsverfahren, die gemeinhin mit Vorsicht zu genießen sind, zeichnen rückblickend ein wohlwollenderes Bild, als es womöglich tatsächlich angebracht wäre.

Die nach Kriegsende verfügbaren Vermögenswerte, so die Historiker, hätten sich in Grenzen gehalten. "Als Horten 1948 seinen Wiederaufstieg begann, konnte er nur auf stark reduzierte Mittel zurückgreifen." "Was nach wie vor schmerzlich fehlt", heißt es in der Zusammenfassung der Gutachter, sei "eine seriöse Biografie Helmut Hortens". Eine indirekte Bewerbung bei der Milliardärin, die Erfolg zeigte: Peter Hoeres und Maximilian Kutzner arbeiten nun an einer solchen. Ein lukrativer Folgeauftrag. Allein für das nun vorliegende Gutachten könnten 300.000 Euro oder auch mehr bezahlt worden sein.

Nun, da es vorliegt, können andere Historiker die Möglichkeit nützen, mit ihren Recherchen anzuknüpfen. Etwa im privaten Umfeld von Nachfahren all jener jüdischen Geschäftsleute, die ihre Unternehmen an Horten abtraten. Oder auch nicht, wie im Falle von Reinhold Stephan, dem Horten in Verhandlungen einen Aufenthalt im KZ angedroht haben soll. Seine Tochter war von Kutzner kontaktiert und um Einsicht in ihr Privatarchiv gebeten worden.

Dass er im Auftrag von Hortens Witwe forschte, hatte er aber nicht erwähnt. Stephans Tochter verweigerte jedenfalls. Noch heuer wird ihr Buch über den Fall und die damit befasste Nachkriegsjustiz veröffentlicht. (Olga Kronsteiner, 22.1.2022)


Aus: "Der Fall Helmut Horten: Erbe mit Schattenseiten" (22. Jänner 2022)
Quelle: https://www.derstandard.at/story/2000132741596/der-fall-helmut-horten-erbe-mit-schattenseiten

https://de.wikipedia.org/wiki/Horten_AG
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« Reply #1247 on: January 26, 2022, 11:31:30 AM »

" ... Strom, Gas, Öl sind eklatant teurer geworden. Für viele Menschen bedeutet das mitunter kalte Wohnungen. Wie geht es Ihnen mit den Preiserhöhungen?
Diskussion ..." (26. Jänner 2022)
https://www.derstandard.at/story/2000132827027/wie-sehr-belasten-die-hoeheren-energiekosten-ihr-budget

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Audi Max

Ich merke das kaum

da schlägt ein neues Auto, eine größere Instandhaltung am Gebäude, ein guter oder schlechter Geschäftsabschluss, die Bewegung auf Aktien- und Kryptomärkten schon viel stärker durch.
Wer eine Verdoppelung der Energiekosten spürt, lebt aus meiner Sicht weit über den Verhältnissen, oder bereits am Existenzminimum.

[... Viele ziehen zu früh von zu Hause aus. Gehen in der Partnerschaft keine Kompromisse ein und wollen eine Singlewohnung in einer Größe wo vor 30 Jahren noch 4 Personen gelebt haben und dann kommt noch dazu, dass die Bereitschaft wirklich zu arbeiten auch sinkt und der Fokus auf der work life balance liegt. ...]


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Hemlock

Sie haben vergessen: "Eure Armut kotzt mich an"...


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Praise the sun

aus dem weg, geringverdiener!


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« Reply #1248 on: January 26, 2022, 12:01:46 PM »

Quote
[...] Viele Menschen verbringen wegen der Corona-Pandemie in diesen Tagen mehr Zeit zu Hause. Das bedeutet: mehr heizen, mehr kochen, mehr streamen, kurz: mehr Energieverbrauch. Parallel dazu steigen die Preise für Gas, Strom und Sprit stetig an – und damit auch die Zahl derer, die die anfallenden Kosten nicht mehr begleichen können. Betroffen sind vor allem Hartz-IV-Empfängerinnen und verschuldete Haushalte. Wer die Stromrechnung nicht mehr zahlen kann, dem droht im schlimmsten Falle die Stromsperre. Das kann laut der Grundversorgungsverordnung für Stromkunden bereits ab 100 Euro Versäumnis passieren.

Während die französische Regierung Energiegutscheine für bedürftige Haushalte beschlossen und die spanische Regierung die Mehrwertsteuer auf Strom gesenkt hat, erwägt die Ampel-Koalition eine zügige Abschaffung des Strompreisaufschlags für die erneuerbaren Energien, der sogenannten EEG-Umlage. Auch Wohngeldempfänger sollen einen einmaligen Zuschuss von 135 Euro bekommen.

Haben auch Sie Probleme, Ihre Stromrechnung zu begleichen? Fürchten Sie, dass Ihnen der Strom abgestellt werden könnte – oder ist das bereits passiert? Wie gehen Sie mit Ihrer Situation um? Was sagt Ihr Energieversorger? Und welche Forderungen stellen Sie an die Politik? 


Aus: "Fürchten Sie die Stromsperre?" (25. Januar 2022)
Quelle: https://www.zeit.de/wirtschaft/2022-01/energiepreis-stromsperre-energiearmut-belastung-geld

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alice_42 #15

>> Parallel dazu steigen die Preise für Gas, Strom und Sprit stetig an – und damit auch die Zahl derer, die die anfallenden Kosten nicht mehr begleichen können. <<

Wirklich pervers an der Sache ist der Umstand, dass der Ressourcenverbrauch im Schnitt umso höher ist, je höher das Einkommen ist, während die Preiserhöhungen aber die mit den geringeren Einkommen und dem geringeren Ressourcenverbrauch am härtesten treffen - es zahlen die Ärmeren die Zeche der Reicheren.


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John French #14

Ich habe keine Angst vor einer Stromsperre. Irgendwann werden die Leute auf die Straße gehen. Die hohen Gaspreise und damit auch die hohen Strompreise sind nichts anderes das Ausplündern der Mittel und Unterschicht durch Spekulanten. Dasselbe gilt auch für den Wohnungsmarkt. ...


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Buttercreme #12

Die vom Abstellen bedrohten werden mehrheitlich nicht ZON lesen. Leider!


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DeS_DeS #12.1

Um Himmels willen, am Ende halten dann noch Fakten Einzug in den Foren.


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« Reply #1249 on: January 28, 2022, 11:40:38 AM »

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[...] Es ist wie eine Szene aus einem Katastrophenfilm, sagt die CNN-Reporterin. Zu sehen sind drei Bahngleise aus Vogelperspektive, vollgemüllt mit Verpackungsmaterial. Die Gleise befinden sich im kalifornischen Los Angeles und der Beitrag handelt von einem „neuen Trend in USA“, wie es Spiegel Online Mitte Januar bezeichnet: „Diebe plündern Amazon-Güterzüge“.

In US-Medien findet man Aufnahmen der Plünderer in Aktion, von einem Polizeibeamten, der zu Fuß zwei Personen verfolgt, von offenen Containertüren. Die Menschen nehmen nicht alles mit, im Müllhaufen liegt ein Familienfoto. Zu einem anderen Müllfoto heißt es, dass jener Gleisabschnitt nicht einmal 30 Tage zuvor gereinigt worden sei.

Laut der Eisenbahngesellschaft Union Pacific haben die Fälle im letzten Jahr um 160 Prozent zugenommen. Der Schaden betrage für das vergangene Jahr 5 Millionen Dollar. In den letzten drei Monaten von 2021 seien täglich 90 Container beschädigt worden.

Ein Sprecher der Eisenbahngesellschaft wirft den Behörden vor, festgenommene Personen zu schnell wieder freizulassen. Ein Berater des zuständigen Staatsanwalts entgegnet, dass in diesen Fällen Beweise fehlten.

Ein Polizist spricht von „Sturm der Kriminalität“ und bringt diesen mit der Pandemie in Verbindung: „Menschen verlieren ihre Jobs. Es gibt sehr viele Obdachlose gerade.“ Die Polizei von Los Angeles habe außerdem wegen Kündigungen und Corona sehr viele Kol­le­g:in­nen verloren.

Alleine 50 in seinem Revier. Eine Professorin, die ein Paper über den Zusammenhang von sozialer Ungleichheit und Diebstahl geschrieben hat, sagt: „Viele Menschen stehen vor finanziellen Herausforderungen.“

Amazon hat seinen Gewinn im ersten Quartal 2021, mitten in der Pandemie verdreifacht, auf 8,1 Milliarden Dollar. Die zehn reichsten Männer der Welt, zu denen Amazon-Gründer Jeff Bezos gehört, haben ihr Vermögen in der Pandemie verdoppelt, auf 1,5 Billionen Dollar. Überfälle auf Züge sind so alt sind wie die Zugfahrt selbst. Aber wofür steht das Bild der vollgemüllten Gleise in Los Angeles?

Es kann sein, dass Kriminelle einfach leichte Beute entdeckt haben und diesen Umstand auf organisierte Weise ausnutzen, wie der Geschäftsführer von Union Pacific vermutet. Es kann aber auch sein, dass sich die Hilflosigkeit jener zeigt, die angesichts des sich monopolisierenden Tech-Kapitalismus weiter an den gesellschaftlichen Rand gedrängt werden.

Es kann sein, dass sich eine Warenverkehrsform, die immer absurder wird, selbst erledigt, weil sie nur auf Basis gesteigerter Ausbeutung funktionieren kann und somit langfristig ihre eigenen Grundlagen zerstört, nämlich Menschen, die sie ausbeuten kann.

Das Bild der vollgemüllten Gleise wäre dann ein sehr grundsätzliches: das eines Angriffs auf ein Verteilungsprinzip, in dem Reichtum von vielen produziert, aber von wenigen angeeignet wird.


Aus: "Plünderung von Amazon-Güterzügen: Symbolbild des Kapitalismus" Kolumne von Volkan Agar (28.1. 2022)
Quelle: https://taz.de/Pluenderung-von-Amazon-Gueterzuegen/!5827431/

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« Reply #1250 on: January 28, 2022, 11:46:56 AM »

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[...] Steffen Kampeter erinnerte an Andreas Nahles, die als Bundesarbeitsministerin 2015 anlässlich der Einführung des gesetzlichen Mindestlohns ein Versprechen abgegeben habe: Die zukünftige Höhe überlassen wir den Tarifpartnern. Sechs Jahre später kommt die Politik nun mit einem „Staatslohn“, ärgert sich der Hauptgeschäftsführer der Arbeitgeberverbände (BDA) über die geplante Mindestlohnerhöhung auf zwölf Euro zum 1. Oktober.

„Das läuft nach dem OWD-Prinzip“, meinte Kampeter: „Olaf will das.“ Olaf Scholz hatte mit zwölf Euro Wahlkampf gemacht. In den Koalitionsverhandlungen erkauften sich SPD und Grüne die Zustimmung der FDP, indem sie sich auf die Beibehaltung der arbeitsmarkt- und sozialpolitisch umstrittenen Minijobs einließen.

Derzeit beträgt der Mindestlohn 9,82 Euro, ab Juli sind es 10,40 Euro. Nach dem von Bundesarbeitsminister Hubertus Heil (SPD) vorgelegten Gesetzentwurf steigt der Stundensatz dann zum 1. Oktober auf zwölf Euro. Anschließend soll dann wieder die von Gewerkschaften und Arbeitgebern gebildete Mindestlohnkommission über Erhöhungen befinden. Das erste Mal im Juni 2023 für 2024.

Die Gewerkschaften freuen sich über den Eingriff der Politik, die Arbeitgeber sind sauer. Am Donnerstag lud die BDA zu einer Diskussion ein, um ihren Protest zu Beginn des Gesetzgebungsverfahrens zu artikulieren.

Überraschendes Bekenntnis Kampeters: „Niemand regt sich über zwölf Euro auf, es geht um Verfahrensfragen.“ Die Ampel-Regierung greife in die Tarifautonomie ein und verstoße womöglich gegen das Grundgesetz.

Der Ökonom und ehemalige Sachverständige Lars Feld, der auf Vorschlag der Arbeitgeber die Mindestlohnkommission berät, stellte sich an die Seite Kampeters. Die Kommission drohe zum „Pausenclown“ zu werden mit Auftritten zwischen den Bundestagswahlen.

Bereits vor der Einführung des Mindestlohns 2015 bei 8,50 Euro habe man gewarnt, dass sich die Politik vermutlich aus wahltaktischen Gründen nicht zurückhalten werde mit Vorschlägen und Versprechungen über höhere Mindestlöhne. Diese Befürchtung bestätige sich jetzt.

Obwohl der Schritt von 10,45 Euro auf zwölf Euro groß ist, befürchtet auch Feld keinen größeren Stellenabbau. „Arbeitskräfte werden insgesamt knapper“, das führe flächendeckend zu höheren Löhnen. „Zwölf Euro werden deshalb vielleicht keine Auswirkungen haben“, meinte der Wissenschaftler.

Er sehe sich keineswegs als Pausenclown, reagierte DGB-Vorstandsmitglied Stefan Körzell auf die Einschätzung Felds. Körzell sitzt gemeinsam mit Kampeter in der Mindestlohnkommission, man duzt sich, man versteht sich und lebt Sozialpartnerschaft. Wechselseitige Vorwürfe gehören dazu.

Kampeter hält dem DGB seine Schwäche vor: Die Gewerkschaften seien nicht in der Lage, zwölf Euro in Tarifverhandlungen durchzusetzen und riefen deshalb nach dem Staat.

Körzell schildert die Zusammenhänge so: Die Gewerkschaften würden ja gerne zwölf Euro tarifieren, doch „es fehlt ein Verhandlungspartner auf der anderen Seite“. Vor allem die BDA habe durch die Etablierung sogenannter OT-Arbeitgeberverbände (ohne Tarif) zum „Unwesen“ der Tarifflucht beigetragen.

„Das ist der Kern allen Übels“, meinte Körzell. Tatsächlich werden bundesweit nur noch knapp 50 Prozent der abhängig Beschäftigten nach Tarif bezahlt – im Westen mehr, im Osten weniger.

„Wir hätten es in der Hand gehabt in der Mindestlohnkommission, selbst an die Zwölf heranzukommen, das ist uns nicht gelungen“, sagte Körzell. Die BDA beziehungsweise Kampeter hätten sich nicht auf einen Korridor in Richtung zwölf Euro eingelassen, weshalb die Politik jetzt den Geburtsfehler des gesetzlichen Mindestlohn korrigiere.

„Der Einstieg war bei 8,50 Euro zu niedrig“, blickte der DGB-Mann zurück. „Wenn wir bei neun oder 9,50 Euro gestartet wären, hätten wir das Problem nicht.“ Im Übrigen werde das Thema von beleidigten Arbeitgebern aufgebauscht: „In England hat die Politik schon zweimal eingegriffen und den Mindestlohn erhöht.“

Löhne sind für die Unternehmen Kosten – auf diesen Umstand wies Feld hin. Nach Berechnungen des Arbeitsministeriums bekommen 6,2 Millionen Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer zum 1. Oktober eine Lohnerhöhung, weil sie weniger als zwölf Euro verdienen.

In der Summe müssen die Firmen dann im vierten Quartal gut 1,6 Milliarden Euro mehr für ihr Personal zahlen respektive rund 6,5 Milliarden mehr 2023. „Ein höherer Mindestlohn wird zu höheren Preisen führen“, kündigte Andrea Belegante an, die Chefin des Verbandes der Systemgastronomie, in dem sich McDonald’s, Starbucks, Nordsee und andere Filialisten zusammengeschlossen haben.

Vor zwei Jahren hatte der Verband mit der Gewerkschaft NGG einen Tarifvertrag abgeschlossen, der in fünf Schritten eine Erhöhung des Mindestlohns für die Branche mit 120 000 Mitarbeitern vorsieht: Von zehn Euro (2020) geht es über aktuell elf Euro hoch auf zwölf Euro – aber erst Ende 2023, also ein gutes Jahr nach den gesetzlich vorgeschriebenen zwölf Euro.

„Wir können uns so eine Erhöhung auf einen Schlag nicht leisten“, meinte Belegante, zumal viele Mitarbeitende aufwendig eingearbeitet werden müssten. „Vielleicht wird der eine oder andere Burger teurer“, kommentierte Körzell und führte Umfragen an: Die Bürger seien bereit, mehr zu zahlen, wenn das Geld bei den Beschäftigten ankommt.


Aus: "Arbeitgeber hadern mit höherem Mindestlohn" Alfons Frese (28.01.2022)
Quelle: https://www.tagesspiegel.de/wirtschaft/pausenclowns-der-politik-arbeitgeber-hadern-mit-hoeherem-mindestlohn/28015606.html
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« Reply #1251 on: January 30, 2022, 04:18:15 PM »

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ℝ𝕀𝕆𝕋 𝔾ℝℝ𝕃 @VioletRiot161

Über halbe Stunde in eisigen Orkanböen am Hintereingang vom Restaurant auf die Bestellung warten..
..weil der Restaurantmanager die Optik nich mag wenn wir Rider in Arbeitsklamotten in seinem ach so noblen Saftladen sitzen.

Es is wieder einer dieser Tage..

Und einfach dreist reinsetzen wär zwar voll mein Ding, aber dann krieg ich die bestellung halt garnicht, weil die sich weigern uns das Essen in den Schankraum zu bringen obwohl sie es für die normalen Kunden auch dorthin schleppen... Muss man nich verstehn.

Is einfach einer dieser Punkte an dem Job die mich ankotzen. Für alle etwas teureren Restaurants biste Mensch 2. Klasse.



https://twitter.com/VioletRiot161/status/1487482981719711755

-

Quote
[...] An einem Punkt des Netzes, das Berlin im Untergrund zusammenhält, befüllt Sait an jedem Arbeitstag um 6:30 Uhr seinen Putzwagen mit einem Liter Reinigungsmittel, Mopps, Toilettenpapier, Blausäcken und Handpappe. Wenn wieder einmal – wie an diesem Morgen – der Aufzug kaputt ist, bleibt Sait nichts anderes übrig, als sich auf der Rolltreppe gegen das schiefe Wägelchen zu stemmen. Dann fährt er hinab, unter die Straßen der Stadt. Sait putzt seit 18 Jahren Berliner U-Bahnhöfe. Jede Station folgt demselben Putzparcours. Er reinigt die Bahnsteige, die Treppen, den Ausgangsbereich. Er leert die Mülleimer, er fegt, er wischt, wenn es Flecken gibt: irgendwas Vergossenes, trockenen Urin, Kotreste. Hektisch putzt er auch über die Fahrkartenautomaten. Sein Plan gesteht ihm 40 Minuten pro Bahnhof zu. Braucht er länger, hat er ein Minus, und um das Minus wieder hereinzuholen, muss er an der nächsten Station noch schneller arbeiten.

Hat er einen Bahnhof fertig gereinigt, schiebt er seinen Putzwagen in die U-Bahn, um zur nächsten Station zu fahren. Für ihn der schlimmste Moment der Schicht. Wird er, der für Sauberkeit sorgt, in diesem Moment doch von den Anderen als schmutzig empfunden. Die Wagen, sagt Sait, würden in drei Schichten benutzt, die Auffangsäcke sollen nur einmal pro Woche gewechselt werden. Er würde sich wünschen, seine Materialien an jedem Bahnhof in Schränken einlagern zu können. Aber das, so vermutet er, sei wohl zu teuer. Also bleibt ihm nichts anderes übrig, als seine Putzsachen von Station zu Station zu fahren. „Jetzt stellen Sie sich vor“, sagt er. „Sie haben Ihre Stulle in der Hand. Ich steige zu. Ich habe gerade Kotze und Pisse weggewischt und der Mopp stinkt. Da rücken Sie von mir weg, natürlich!“
Im Herbst 2019 verdient Sait 10,56 Euro brutto pro Stunde. Inzwischen sind es knapp über 12. Dafür soll er aber mehr Bahnhöfe in weniger Stunden schaffen. Seine Schicht wurde verkürzt. Rund 1.700 Euro verdient Sait im Monat. Er hat zwei Kinder. Der große Sohn macht inzwischen eine Lehre und verdient dazu. Zum Glück. Denn vorher ging Sait Monat für Monat zum Amt und ließ seinen Lohn aufstocken. Wie gern würde er allein aus eigener Arbeit die Familie ernähren. Aber es reicht nicht. Obwohl auch seine Frau verdient, als Näherin in einer kleinen Schneiderei. Denn vieles, was er zahlen müsse, sei teurer geworden. Die Miete: 500 Mark für drei Räume hat seine Wohnung in den 1990er Jahre gekostet, jetzt 700 Euro. Der Strom: verdoppelt. Die Sozialabgaben: gestiegen. Dass sich jemand wie er ein gutes Leben leisten kann, sei vorbei, sagt Sait und fasst damit all die Statistiken und Studien, die zur Lage von Arbeitern wie ihm erschienen sind, nüchtern zusammen.
Seit fast 20 Jahren erledigt er zuverlässig eine Arbeit, die getan werden muss. Wenn er morgens in den U-Bahnhof hinabsteigt, sieht er all das, was am Vortag nicht da war: Blätter, Dreck, Kronkorken, Plastik, Papier, leere Flaschen, Urinpfützen, gebrauchte Spritzen. Wie schmutzig wäre es, wenn Sait einen Tag nicht käme, eine Woche, einen Monat oder nie?
Natürlich ist Sait das, was Soziologen „ungelernt“ nennen. Man kann sein Berufsleben so erzählen, wie er es selbstkritisch tut: als Folge des eigenen Scheiterns im Bildungssystem. Eine Ausbildung, gar ein Studium hätte seine Chancen gemehrt. Aber ließe sich Saits Lebensleistung nicht auch ganz anders erzählen?

David Graeber, der 2020 viel zu früh verstorbene Ethnologe an der London School of Economics, schrieb in seinem Buch Bullshit-Jobs: „Angenommen, wir würden alle eines Morgens aufwachen und feststellen, dass nicht nur Krankenschwestern, Müllarbeiter und Mechaniker verschwunden sind, sondern dass auch Busfahrer, Lebensmittelverkäufer, Feuerwehrleute und Schnellrestaurantköche in eine andere Dimension transportiert wurden: Die Folgen wären katastrophal.“

Nicht ganz klar dagegen sei, ob die Welt leiden würde, wenn alle Private‑Equity‑Manager, Marketingexperten, Versicherungsfachleute oder Telefonverkäufer verschwänden.
„Aber gerade dort arbeiten vielfach die Menschen, die besonders hohe Gehälter beziehen.“ - und von denen einige zudem auf die, die sie auf die unterschiedlichste Art umsorgen, herabblicken. Dass Saits Arbeit notwendig und sinnvoll ist, ist unstrittig. Dass er sie – auch ohne Studium – ordentlich und zuverlässig erledigt auch. Warum also soll jemand wie Sait keinen Anspruch darauf haben zu hoffen, dass er auf diese Arbeit ein sicheres, ein gutes Leben bauen kann?
Eine Generation zuvor war das noch möglich. Sogar für Ungelernte. Auch Saits Vater war Working Class in Berlin. Er arbeitete als Fahrer auf dem Berliner Großmarkt. Die Mutter war Hausfrau. Drei Kinder hatte die Familie. Damals, sagt Sait, sei mit nur einem Einkommen ein gutes Leben möglich gewesen. Die Familie hätte eine geräumige Wohnung mieten können, sei ins Restaurant gegangen, in den Urlaub gefahren, sogar sparen konnte sein Vater. Ob das, wie manche Ältere behaupten, daran liegt, dass sie genügsamer waren? Fakt ist auf jeden Fall, dass Saits Vater damals inflationsbereinigt mehr verdiente als sein Sohn heute und ihn das auch wissen lässt. Sein Vater sage immer: „Mit deinem Lohn habe ich meinen Arsch abgewischt.“
In den Worten des Spitzenökonomen Marcel Fratzscher klingt das, wir erinnern uns, so:
„Der Anteil junger Menschen mit einem niedrigen und mittleren Bildungsniveau, die es in die Mittelschicht schaffen, nimmt dramatisch ab.“
Oder, wie es Bettina Kohlrausch, wissenschaftliche Direktorin am Forschungsinstitut der Hans-Böckler-Stiftung, formuliert: „Erwerbsarbeit ist kein Sicherheitsversprechen mehr“, insbesondere für die Jüngeren. Denn die Vorleistung der Jungen ist enorm.

Unter dem Strich war keine Generation in der Breite besser gebildet als die jetzige. Anfang der 1950er Jahre besuchten 15 Prozent eines jeden Jahrgangs in Westdeutschland das Gymnasium, heute fast 50 Prozent. 1950 studierten 100.000 junge Menschen, heute über zwei Millionen. Und ja, natürlich ist das Abitur nicht mehr so anspruchsvoll wie es vielleicht war, als nur eine schmale, elitäre Schicht die Prüfung ablegte. Aber lernintensiver als der Volksschulabschluss, der in der Generation der über 65-Jährigen der häufigste war, ist es dennoch.
Zwar wurden durch die Expansion der Bildung tatsächlich einige Ungleichheiten getilgt, die die Generation unserer Eltern und Großeltern noch prägten: die zwischen Jungen und Mädchen und die zwischen Stadt und Land. Allerdings nicht die zwischen Kindern von Akademikern und denen der Working Class. Diese Kluft wuchs.

Um das zu verstehen, sei hier ein kurzes Rechenbeispiel angeführt: Stellen Sie sich vor, eine Ärztin verdient 3.000 Euro und ein Pfleger 1.500. Nun verdoppeln beide ihr Gehalt. DieÄrztin bekommt 6.000, der Pfleger 3.000. Prozentual bekommen beide gleich viel mehr, aber der Abstand zwischen ihnen steigt.
Genau das ist in den Schulen und an den Universitäten passiert. Schaut man sich die soziale Herkunft Studierender vor und nach der Bildungsexpansion an, stellt man fest, dass aus allen Schichten mehr Abiturienten an die Uni wechseln. Aber genau das hat den Vorsprung der Akademikerkinder anwachsen lassen.
Ein Beispiel: 1969 fingen drei Prozent der Arbeiterkinder ein Studium an, 2000 waren es sieben Prozent, mehr als doppelt so viele. Bei den Kindern von Beamten stieg der Anteil von 27 Prozent im Jahr 1969 auf 53 Prozent im Jahr 2000. Danach wurde die Zählweise geändert, so dass die Statistiken nicht mehr vergleichbar sind. Der Befund aber bleibt: Die Quote derer, die studieren, stieg in allen Schichten an. Gleichzeitig aber wuchs der Abstand zuungunsten der Kinder der Working Class.

... Die 80er Jahre waren das Ende einer Epoche des am stärksten gezähmten Kapitalismus, den die westlichen Industrieländer je erlebten. Das Normalarbeitsverhältnis war, zumindest für die männliche Hälfte der Bevölkerung, die Norm, die Lohnquote hoch, der Abstand zwischen Spitzengehältern und Durchschnittseinkommen gering. Ein Vorstand bekam damals im Schnitt 14-mal so viel wie seine Angestellten, mittlerweile ist es das 50-Fache. Die Vermögen lagen näher beieinander. Die Aufstiegschancen waren größer. Wer in den 1980er Jahren arm war, blieb dies nur mit 40-prozentiger Wahrscheinlichkeit auch fünf Jahre später noch. Bis heute ist dieses Risiko auf 70 Prozent angestiegen.

Und so sehen etliche Ökonomen die 1980er Jahre als Wendepunkt für die Working Class. In den westlichen Ländern, die in den Nachkriegsjahrzehnten immer gleicher geworden waren, kehrte sich die Entwicklung um: Die Ungleichheit der Vermögen und Einkommen nahm zu.

Die Ursachen sind zahlreich. Es gibt nicht den einen Grund. Sondern, fatalerweise eine ganze Reihe von Hindernisse, die sich vor den Jüngeren der Working Class auftürmte, als sie ihren Aufstieg versuchten.
Einige sollen hier schnell mit einem Schlagwort beschriftet werden:
Globalisierung. Deregulierung, der Aufstieg des Finanzkapitalismus. All das spürte auch die Working Class. Firmenteile wurden verlagert, Belegschaften im Land unter Druck gesetzt. Die Löhne der unteren 40 Prozent stiegen – inflationsbereinigt – über mehr als zwei Jahrzehnte kaum. Gewerkschaften schwächelten.

... Saits Rentenbescheid verheißt ihm aktuell 739 Euro.


Aus: "Working Class - Die Wohlstandsillusion" Julia Friedrichs (30.01.2022)
Quelle: https://www.deutschlandfunk.de/working-class-die-wohlstandsillusion-100.html
« Last Edit: January 30, 2022, 07:41:33 PM by Textaris(txt*bot) »
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« Reply #1252 on: January 30, 2022, 08:53:32 PM »

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[...] Theaterbesucher, die während der Vorstellung ihren Unmut bekunden und Türen schlagend den Saal verlassen, sind seltener geworden. Woran liegt das?

[Doris Kolesch, Professorin für Theaterwissenschaft]: ... Die wildeste Zeit im Theater war definitiv im 17. und 18. Jahrhundert: Da wurde gegessen und getrunken während der Vorstellung, und Prostituierte boten ihre Dienste an. ... Verglichen mit den Theaterskandalen im 18. Jahrhundert geht es heute absolut bieder und langweilig zu. Provokationen gab und gibt es aber immer wieder. Das zeigt, wir stark Theater sozial codiert ist: Relativ strenge Codes regeln, wie wir uns im Saal zu verhalten haben. ... Das Publikum wurde etwa dazu erzogen, erst am Schluss zu klatschen und nicht ständig zwischen den Szenen. Das Theater ist zudem ein öffentlicher Ort, das heisst, ich zeige mich dort und interagiere mit anderen. Und diese Interaktion ist hochgradig trainiert. Eine soziale Disziplinierung, die in Bezug auf den Bildungsstand ausgrenzend wirkte. Das hatte zur Folge, dass das Theater bis heute primär ein bildungsnahes und finanziell gut situiertes Publikum anzieht.

...


Aus: "«Ein netter Abend ist absolut legitim»" Lena Rittmeyer (20.05.2017)
Quelle: https://www.derbund.ch/kultur/theater/ein-netter-abend-ist-absolut-legitim/story/23057835
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« Reply #1253 on: February 03, 2022, 01:26:04 PM »

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Christina Schlag
@Die_Schlag

"Brücke abbauen" - metaphorischer kann man die immer größer werdende Schere zwischen Arm und Reich dann eigentlich auch nicht mehr darstellen.

10:37 vorm. · 4. Feb. 2022


https://twitter.com/Die_Schlag/status/1489533652807688198


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[...] Die niederländische Hafenstadt Rotterdam will eine historische Brücke vorübergehend abbauen, damit die fast 40 Meter hohe Superjacht von Amazon-Gründer Jeff Bezos passieren kann. "Es ist der einzige Weg zum Meer", sagte ein Sprecher des Bürgermeisters von Rotterdam der Nachrichtenagentur AFP am Mittwoch. Der US-Milliardär habe zugesichert, die Kosten zu tragen.

Der 57-Jährige hatte eine Werft im niederländischen Alblasserdam mit dem Bau des 430 Millionen Euro teuren Dreimasters beauftragt. Die gigantische Segeljacht passt jedoch nicht unter der Rotterdamer Koningshaven-Brücke durch. Die Brücke war 1878 erbaut und nach deutschen Bombardierungen im Zweiten Weltkrieg 1940 wieder aufgebaut worden.

Die Werft hat nun bei der Rotterdamer Stadtverwaltung beantragt, den mittleren Teil der stahlverkleideten Brücke zu entfernen, um Bezos Jacht ausliefern zu können. Bei einigen Niederländern stößt das Vorhaben jedoch auf Verärgerung, da die Stadtverwaltung nach einer umfassenden Renovierung im Jahr 2017 versprochen hatte, dass die Brücke nie abgebaut würde.

Die Stadtverwaltung versprach, die Brücke in ihrer jetzigen Form wieder aufzubauen. Sie verwies zudem auf den wirtschaftlichen Nutzen und die Arbeitsplätze, die durch den Bau des Dreimasters geschaffen wurden. (AFP)


Aus: "Rotterdam baut historische Brücke für Jacht von Bezos zeitweilig ab" (03.02.2022)
Quelle: https://www.tagesspiegel.de/gesellschaft/panorama/dreimaster-des-amazon-gruenders-ist-zu-hoch-rotterdam-baut-historische-bruecke-fuer-jacht-von-bezos-zeitweilig-ab/28035062.html

Quote
klauschristiankoch13:11 Uhr
Die Werft beantragt die Genehmigung das Schiff in die Nordsee zu überführen, nicht Herr Bezos. Auch in Deutschland wird das so gehandhabt. Die Meyer Werft in Papenburg lässt die Ems aufstauen damit die Schiffe zur Nordsee kommen.
Auch in Deutschland ist man dankbar wenn reiche Menschen ihre Schiffe bauen lassen, sichert Tausende Arbeitsplätze.


Quote
froggy0812:25 Uhr

Eine Machtdemonstration des Geldadels mit einem 3-Mast-Phallus.


Quote
SchartinMulz12:32 Uhr

Wer das Geld hat, hat die Macht. Da scheint es keine Hemmungen mehr zu geben. Klar, für den "wirtschaftlichen Nutzen" muss man das doch hinnehmen. ...


...

"Kontroverse: Brücken-Abbau für Bezos-Jacht: Rotterdam kriegt kalte Füße" (4. Februar 2022)
Die Empörung in der Bevölkerung war so groß, dass der Bürgermeister nun Schadensbegrenzung versucht
https://www.derstandard.at/story/2000133099527/bruecken-abbau-fuer-bezos-jacht-rotterdam-kriegt-kalte-fuesse
« Last Edit: February 05, 2022, 12:47:59 PM by Textaris(txt*bot) »
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« Reply #1254 on: February 03, 2022, 01:33:46 PM »

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[...] Wer Donald Trump einmal persönlich erleben möchte, sollte sich den 23. Februar vormerken – vor allem aber genug Geld haben. In knapp drei Wochen lädt der frühere US-Präsident zu einem „Take Back Congress Candidate Forum“ auf sein Luxusanwesen Mar-a-Lago in Florida, Palm Beach.

Unter dem Trumpschen Motto „Make America Great Again, Again“, mit dem er für eine Wiederwahl antrat, geht es vordergründig darum, Kandidaten für die im Herbst anstehenden Midterm-Wahlen zu unterstützen. ... Satte 250.000 Dollar für ein Paar (umgerechnet gut 221.000 Euro) oder 125.000 Dollar für einen Einzelgast kosten die teuersten Tickets für die Teilnahme an der Trump-Show, wie „New York Times“-Reporterin Maggie Haberman berichtete.

Geboten werden dafür ein Foto mit Trump sowie ein Privatessen mit ihm, beste Plätze beim Kandidatenforum und für die ersten zehn Rückmelder die Option, einen Aufenthalt von zwei Nächten in Mar-a-Lago zu buchen. Die müssten dann natürlich extra bezahlt werden.

Für deutlich weniger Geld, 100.000 Dollar pro Paar, muss man auf die Übernachtungsoption sowie das Privatessen mit Trump verzichten. Immerhin gibt es noch ein Foto mit ihm, während man beim Dinner mit den Kandidaten vorliebnehmen muss. Ist einem das Foto mit Trump nicht so wichtig, kann man noch einmal 50.000 Dollar sparen. Dafür gibt ein Bild mit den Kandidaten.

... das Geld aus dem „Take Back Congress Candidate Forum“ fließt der „New York Times“ und auch dem britischen „Guardian“ zufolge nicht in die Kasse der Partei, sondern in Trumps „Super Pac“. Solch ein „Political Action Committee“ kann unbegrenzt Spenden einsammeln, ohne dass damit Kandidatinnen oder Kandidaten direkt unterstützt werden.

...


Aus: "Trump bittet seine Anhänger kräftig zur Kasse" Kai Portmann (03.02.2022)
Quelle: https://www.tagesspiegel.de/politik/125-000-dollar-fuer-foto-und-privatdinner-trump-bittet-seine-anhaenger-kraeftig-zur-kasse/28034442.html

Quote
provinzler13:11 Uhr

Satte 250.000 Dollar für ein Paar (umgerechnet gut 221.000 Euro) oder 125.000 Dollar für einen Einzelgast kosten die teuersten Tickets für die Teilnahme an der Trump-Show

Wem es das eben wert ist.


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« Reply #1255 on: February 03, 2022, 01:42:39 PM »

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[....] Auf der türkischen Seite der EU-Grenze mit Griechenland sind offenbar die Leichen von zwölf erfrorenen Menschen gefunden worden. Der türkische Innenminister Süleyman Soylu schreibt auf Twitter, die Personen hätten zu einer Gruppe von 22 Migranten gehört, die von griechischen Grenzschützern wieder zurück über die Grenze gedrängt worden seien. Soylu veröffentlichte verschwommene Fotos von leblosen Körpern. Ob die Bilder authentisch sind, ist noch nicht klar. In der betreffenden Provinz fallen die Temperaturen derzeit nachts oft unter null Grad.

Soylu schreibt, die Flüchtlinge seien in der Nähe des Dorfs Paşaköy, nahe dem Grenzübergang İpsala zwischen der Türkei und Griechenland gefunden worden. Er wirft den griechischen Grenzern vor, die Menschen zuvor entkleidet und zurück in die Türkei gedrängt zu haben. Wörtlich hieß es: "Zwölf von 22 Migranten, die von griechischen Grenzeinheiten zurückgedrängt wurden, ihrer Kleidung und Schuhe beraubt, sind erfroren." "Griechische Grenztruppen gehen gegen Opfer vor", schreibt Soylu weiter in dem Tweet. Er warf den griechischen Einheiten Grausamkeit und der EU Milde gegenüber Griechenland vor. Die EU sei "unheilbar, schwach und inhuman", schreibt Soylu.

Auch das Gouverneursamt der westtürkischen Provinz Edirne berichtete von zwölf getöteten Flüchtlingen. Zwei von ihnen seien jedoch erst später im Krankenhaus gestorben. Die Vorwürfe, Griechenland sei an der Tragödie schuld, wies der griechische Migrationsminister Notis Mitarakis zurück und bezeichnete die Aussagen Soylus als falsch und reine Propaganda. "Diese Migranten haben es nie bis zur Grenze geschafft", sagte Mitarakis laut einer Pressemitteilung. "Die Aussage, dass sie es schafften und sogar zurückgedrängt wurden, ist völliger Unsinn." Die Türkei solle keine haltlosen Behauptungen aufstellen, sondern daran arbeiten, die gefährlichen Reisen zu unterbinden. "Anstatt andere zu beschuldigen, muss die Türkei Verantwortung übernehmen, wenn wir solche Tragödien künftig vermeiden wollen."

Die Türkei wirft Griechenland immer wieder sogenannte Pushbacks vor. Damit gemeint sind illegale Zurückweisungen von Flüchtlingen an den Grenzen. Griechenland bestreitet dies. Mehreren Medienberichten zufolge haben griechische Grenzschützer in der Vergangenheit jedoch mehrfach Boote mit Migranten zurück in Richtung Türkei getrieben. Die europäische Grenzschutzagentur Frontex soll dies, so lauten die Vorwürfe, zumindest nicht verhindert haben. Die Untersuchung in der Sache dauert noch an.

Im Februar und März 2020 waren Zehntausende Migranten an der Landgrenze zwischen den beiden Ländern gestrandet. Griechenland hinderte sie am Grenzübertritt in die EU und warf der Türkei vor, die Flüchtlinge absichtlich an die Grenze geholt und durchgelassen zu haben, um Druck auf die EU auszuüben. Die Türkei wies die Vorwürfe zurück.

In der Türkei leben derzeit nach offiziellen Angaben fast fünf Millionen Flüchtlinge, davon fast vier Millionen aus dem Bürgerkriegsland Syrien. Ein Abkommen mit der EU von 2016 sieht vor, dass die Türkei die Zahl der Flüchtlinge begrenzt, die über ihr Staatsgebiet in die EU kommen. Im Gegenzug erhält die Türkei EU-Finanzhilfen in Milliardenhöhe.

Die Türkei ist ein wichtiges Etappenziel für Migranten aus dem Nahen Osten, Asien und Afrika, die auf ein besseres Leben in EU-Ländern hoffen. Die meisten versuchen über die nordöstliche Landgrenze nach Griechenland zu gelangen, oder sie drängen sich in überfüllte Schmugglerboote auf dem Weg zu den östlichen Inseln im Ägäischen Meer.

Im Dezember war es in der Ägäis zudem zu mehreren Bootsunglücken gekommen, bei denen mindestens 30 Menschen ums Leben kamen. Laut der staatlichen Nachrichtenagentur Anadolu hat die türkische Küstenwache im vergangenen Jahr 15.000 Menschen gerettet, die von Griechenland zurückgedrängt wurden.

Nach Schätzungen des UN-Flüchtlingshilfswerks (UNHCR) sind im vergangenen Jahr mehr als 2.500 Migranten auf dem Seeweg nach Europa ums Leben gekommen. Seit 2015 haben fast eine Million Menschen, hauptsächlich Bürgerkriegsflüchtlinge aus Syrien, von der Türkei aus griechische Inseln und damit die EU erreicht.


Aus: "Zwölf Flüchtlinge offenbar an griechischer Grenze erfroren" (2. Februar 2022)
Quelle: https://www.zeit.de/gesellschaft/zeitgeschehen/2022-02/tuerkei-griechenland-grenze-fluechtlinge-erfroren

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« Reply #1256 on: February 03, 2022, 03:41:23 PM »

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[...] Freiburg - Der Winter kann für obdachlose Menschen sehr hart werden. Ein wohnungsloser Hartz-IV-Bezieher hat vor dem Sozialgericht Freiburg geklagt, weil das Jobcenter im November 2021 die Zahlung der Heizkostenbeihilfe* abgelehnt hat. Der Mann lebt in den Wintermonaten in seinem Zelt in einem Wald im Landkreis Emmendingen bei Freiburg.

Von 2016 an erhielt er vom Jobcenter für die Monate Oktober bis März eine Heizkostenbeihilfe von jeweils bis zu 46 Euro im Monat. Dabei musste er aber die Anschaffungskosten für das Heizmaterial immer nachweisen. Erst zum vergangenen Winterbeginn lehnte das Jobcenter weitere Zahlungen ab. Die Begründung: Ein Zelt sei keine Unterkunft, die vor Unwetter schütze und die Wahrung der Privatsphäre sicherstelle. Außerdem fehle es an Hygienemöglichkeiten und Komfort. Voraussetzung für eine Heizkostenbeihilfe sei aber eine Unterkunft.

Das Sozialgericht sah das anders: Laut Gesetzgebung müsse das Jobcenter angemessene Kosten sowohl für eine Unterkunft als auch für die Heizung gewährleisten. Eine Heizkostenbeihilfe hängt also nicht zwangsweise mit dem Vorhandensein einer Unterkunft zusammen.

Im Gegenteil: Durch die enge Definition einer Unterkunft als Wohnung würden laut Gericht „gerade Menschen benachteiligt, die aus wirtschaftlichen oder persönlichen Gründen keine qualitativ bessere Obdach erlangen könnten“. Dies widerspreche aber dem Grundrecht auf menschenwürdige Existenz und dem Sozialstaatsgedanken.

Der im Zelt lebende Hartz-IV-Bezieher soll deshalb laut Urteil (Az.: S 9 AS 84/22 ER) ab Januar eine Heizkostenbeihilfe von bis zu 50 Euro im Monat erhalten. Auch in diesem Fall muss er die Beschaffungskosten für das Heizmaterial wieder für das Jobcenter* nachweisen.

...


Aus: "Hartz-IV-Empfänger lebt in einem Zelt und will Heizkostenzuschuss - Gericht fällt überraschendes Urteil" Lisa Mayerhofer (03.02.2022)
Quelle: https://www.fr.de/wirtschaft/hartz-iv-4-buergergeld-empfaenger-zelt-heizkostenzuschuss-gericht-urteil-freiburg-unterkunft-obdachlos-tn-91276374.html

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[...] Berlin - Einem Berliner Hartz IV*-Antragsteller ist offenbar sein Balkonschmuck zum Verhängnis geworden. Das berichtet die Erwerbsloseninitiative Basta. Die Person hat einen Hartz IV-Antrag gestellt, der vom Jobcenter abgelehnt wurde - weil sie angeblich mit ihrem WG-Mitbewohner in einer Bedarfsgemeinschaft zusammenlebt. Als Beweis führt das Jobcenter unter anderem eine Regenbogenflagge an, die am Balkon hängt.

Die Regenbogenflagge ist ein Symbol für Frieden, Toleranz und der Unterstützung aller Lebensformen wie zum Beispiel der Rechte Homosexueller. Für das Berliner Jobcenter scheint sie auch ein Beweis dafür zu sein, dass zwei Mitbewohner eine Beziehung führen und dies vor den Behörden verheimlichen würden.

... Hintergrund: Hartz IV-Bezieher, die in einer Partnerschaft zusammen leben, erhalten einen geringeren Regelsatz, da von einem gemeinschaftlichen Wirtschaften ausgegangen wird. Sie bilden mit dem Partner eine Bedarfsgemeinschaft. In einer Wohngemeinschaft (WG) wirtschaftet jeder Bewohner dagegen für sich selbst - Miete ausgenommen - und erhält so als Hartz IV-Empfänger einen höheren Regelsatz.

...


Aus: "Hartz-IV: Jobcenter lehnt Antrag ab - wegen der Deko auf dem Balkon" Lisa Mayerhofer (15.02.2022)
Quelle: https://www.fr.de/wirtschaft/jobcenter-hartz-iv-antrag-pruefung-hartz-4-bedarfsgemeinschaft-tn-91350303.html
« Last Edit: February 15, 2022, 05:20:55 PM by Textaris(txt*bot) »
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« Reply #1257 on: February 03, 2022, 04:07:13 PM »

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[...] Was Esra Karakaya gerne mal über sich lesen würde? „Gründerin von Medienimperium wird Multimillionärin“, sagt sie, lacht und schickt ein „saaaafe“ hinterher. Aus ihr spricht, wenn sie das so sagt, der Habitus des Rap. Der unbedingte Wille zum Aufstieg vereint mit der Überzeugung, dass ihr ein Teil des Kuchens zusteht. Aus sozialromantischer Perspektive ist es die Herkunft, die da aus ihr spricht – nicht die türkisch-koreanischen Wurzeln ihrer Eltern, sondern der Berliner Wedding. ...


Aus: "Karakaya Talks: Zwangsläufig politisch" Olivier David (01.02.2022)
Quelle: https://www.fr.de/zukunft/storys/kultur/esra-karakaya-talks-youtube-zwangslaeufig-politisch-91277359.html
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« Reply #1258 on: February 06, 2022, 12:22:15 PM »

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[...] Um spektakuläre 26,6 Prozent brach die Aktie der Facebook-Mutter Meta am Donnerstag nach einer enttäuschenden Umsatzprognose ein, mehr als 200 Milliarden Dollar Börsenwert lösten sich in Luft auf. So mancher Anleger verlor ein Vermögen, aber keiner so viel wie Konzerngründer Mark Zuckerberg selbst: Binnen weniger Stunden war "Zuck" um rund 30 Milliarden Dollar ärmer, haben CNBC und Bloomberg ausgerechnet. ...

Man kann nicht sagen, dass der 37-Jährige nun zu verarmen droht: Im Forbes-Ranking der reichsten Menschen der Welt (Stand Freitagnachmittag) rutschte der Konzernchef mit einem Vermögen von rund 85 Milliarden Dollar gleichwohl auf Rang 12 ab - und tauchte damit zum ersten Mal seit 2015 nicht mehr unter den Top Ten auf. Zuckerberg besitzt rund 13 Prozent von Meta.

Zuckerbergs Vermögensverlust hat gleichwohl historische Dimensionen: Bislang verlor lediglich Tesla-Chef Elon Musk (50) mit rund 35 Milliarden Dollar mehr Geld an einem Tag: Nach einer Twitter-Umfrage im vergangenen November, wo der Milliardär seine Millionen Fans fragte, ob er sich von 10 Prozent seiner Tesla-Anteile trennen solle. Aktuell beläuft sich das Vermögen des Unternehmers auf 232 Milliarden Dollar. Allerdings haben die deutlichen Kursverluste bei Technologiewerten in der zurückliegenden Woche auch das Vermögen von Musk um rund 26 Milliarden Dollar zusammenschmelzen lassen.

... Nun sind dies lediglich Momentaufnahmen und nicht selten kommen Aktien nach einem brachialen Kurssturz gestärkt wieder zurück. Meta ist immer noch ein hochprofitabler Konzern. So spielten Facebook, Whatsapp und Instagram im vergangenen Jahr fast 118 Milliarden Dollar Umsatz bei rund 40 Milliarden Dollar Nettogewinn ein.

Doch dort, wo Zuckerberg in Zukunft das Geld verdienen will, im Metaversum eben, laufen noch horrende Verluste auf: Die Sparte "Realitiy Labs" verbrannte im vergangenen Jahr zehn Milliarden Dollar bei lediglich 2,3 Milliarden Dollar Umsatz. Und die Verluste werden steigen, kündigte der Konzern an.

...


Aus: "Zuckerbergs Vermögen schmilzt um mehr als 30 Milliarden Dollar – an einem Tag" (05.02.2022)
Quelle: https://www.manager-magazin.de/finanzen/boerse/mark-zuckerbergs-vermoegen-schmilzt-um-mehr-als-30-milliarden-dollar-a-5dfac237-1a91-4272-8303-bc6d095c15e4

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[...] Mit diesem Ergebnis hatte das Auktionshaus Sotheby's nicht gerechnet: Eine Versteigerung von 200 identischen Sneakern des im November verstorbenen Designers Virgil Abloh hat 25 Millionen Dollar erzielt. Die braun-weißen, mit den Logos von Louis Vuitton und Nike versehenen Schuhe waren im Juni 2021 im Rahmen der Louis-Vuitton-Kollektion Frühling/Sommer 2022 gezeigt worden. Abloh, 1980 in Illinois geboren, war 2018 zum Kreativchef der Männermodelinie von Louis Vuitton berufen worden. Dort hatte er die Welt der Streetwear und der Luxusmode miteinander verwoben.

Die Auktion war am 26. Jänner mit einem Angebot von 2.000 Dollar pro Sneaker-Paar gestartet worden. Sotheby's hatte mit einem Preis zwischen 5.000 und 15.000 Dollar gerechnet. Letztlich wurden ein Paar im Schnitt um 100.000 Dollar versteigert. Der Erlös kommt einer Stiftung des Designers zugute. (red, 10.2.2022)


Aus: "25 Millionen Dollar für 200 Paar Sneaker von Virgil Abloh" (10. Februar 2022)
Quelle: https://www.derstandard.at/story/2000133255783/25-millionen-dollar-fuer-200-paar-sneaker-von-virgil-abloh
« Last Edit: February 10, 2022, 03:56:18 PM by Textaris(txt*bot) »
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Textaris(txt*bot)

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« Reply #1259 on: February 07, 2022, 04:00:46 PM »

Pierin Vincenz (* 11. Mai 1956 in Chur) ist ein Schweizer Bankmanager. Von 1999 bis 2015 war er Vorsitzender der Geschäftsleitung der Raiffeisen Schweiz. ... Am 28. Februar 2018 eröffnete die Zürcher Staatsanwaltschaft gegen mehrere Personen eine Strafuntersuchung wegen ungetreuer Geschäftsbesorgung, und Vincenz wurde in Untersuchungshaft genommen. Nachdem die Raiffeisenbank durch die Zürcher Justiz über das Strafverfahren informiert worden war, reichte sie ebenfalls eine Strafanzeige gegen ihren ehemaligen Chef ein. ...
https://de.wikipedia.org/wiki/Pierin_Vincenz

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[...] Pierin Vincenz und Beat Stocker waren für eine Stellungnahme nicht erreichbar. Für sie gilt wie für alle Beschuldigten die Unschuldsvermutung. ...


Aus: "U-Haft traf Pierin Vincenz völlig unerwartet - Die brisantesten Aussagen der Abhörprotokolle" (06.02.2022)
Quelle: https://www.blick.ch/wirtschaft/u-haft-traf-pierin-vincenz-voellig-unerwartet-die-brisantesten-aussagen-der-abhoerprotokolle-id17210267.html

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[...] Ungetreue Geschäftsbesorgung, gewerbsmässiger Betrug, Urkundenfälschung und passive Bestechung. Die Bestürzung darüber ist gross, dass diese Anklagen ausgerechnet den charmanten Pierin Vincenz treffen, der so anders schien als die arroganten Banker vom Paradeplatz. Er war langjähriger Chef der Raiffeisen-Gruppe und beeindruckte viele mit seiner steilen Karriere. Er baute die kleine Raiffeisenbank zur drittgrössten Bank in der Schweiz auf.

Letzte Woche begann der Prozess gegen Vincenz und sechs weitere Mitangeklagte vor dem Zürcher Bezirksgericht. Im Prozess geht es um womöglich unrechtmässige Gewinne im Umfang von rund 25 Millionen Franken und fragwürdige Spesenabrechnungen über fast 600 000 Franken. Besonders zu reden gibt, dass etwa ein Drittel dieser Spesen für Champagner, Cabaretbesuche und Stripperinnen in Nachtclubs ausgegeben wurde. Die konkreten Verfehlungen der Person mögen spektakulär sein. Doch im Grunde geht es um die Grundstrukturen der Finanzwelt sowie der Gesellschaft insgesamt.

Worum wird bei diesem Konflikt eigentlich gestritten? Was erregt so viel Aufmerksamkeit? Aufregende Sexskandale? Der öffentliche Vertrauensbruch? Der Graubereich zwischen Erlaubtem und Unerlaubtem? All dies trifft zu, denn immer geht es um Grenzen und deren Überschreitungen. Diese zeichnen die Struktur bürgerlicher Männlichkeit als auch die bürgerliche Gesellschaft insgesamt aus.

Zur Gesellschaft gehört seit der bürgerlichen Revolution Ende des 18. Jahrhunderts eine Trennung zwischen Ökonomie, Staat und Privatsphäre. Erstere gelten als männliche Bereiche, Letztere als weiblich. Dabei kommt es auch zu Auseinandersetzungen zwischen den männlichen Sphären. Vater Staat und der Unternehmer stehen in einem ständigen Konkurrenzkampf. Die raffinierte Suche nach Schlupflöchern ist das Erfolgsrezept des Unternehmers für die eigene Karriere. Hingegen versucht der Gesetzgeber, mit disziplinierendem Appell oder strafender Hand mal mehr, mal weniger die Schlupflöcher zu stopfen.

Ganz grundsätzlich wird darüber gestritten, ob die Wirtschaft, die Politik oder die Privatsphäre der Ort der Freiheit ist.* Gegenüber beiden männlichen Sphären ist die weiblich und familial konnotierte Privatsphäre abgewertet. Gemeinsam haben die Privatwirtschaft und die Privatsphäre, dass sie nicht direkt unter der Leitung des Staates stehen, gleichzeitig jedoch nur innerhalb der Gesetze und der Vertragsstrukturen des Staates bestehen können (zum Beispiel durch Arbeits- oder Eheverträge).

Die verschiedenen Grenzkonflikte, um die es im Raiffeisen-Prozess geht, hängen in der bürgerlichen, insbesondere unternehmerischen Männlichkeit zusammen. Erfolgreich und anerkannt ist, wer «jemand» wird. Zu «jemandem» wird «Mann», indem man Karriere macht, in der Unternehmenshierarchie möglichst weit aufsteigt und über Status, Geld und Macht verfügt.

Der französische Soziologie Pierre Bourdieu sprach darum von der «libido dominandi», dem Begehren, zu beherrschen. Dieses Begehren war für ihn ein zentrales Element männlicher Herrschaft. Erst das erfolgreich durchgesetzte Bedürfnis, Herrschaft und Kontrolle über andere auszuüben und den eigenen Willen auch in anderen umzusetzen, führt dazu, dass andere eben beherrscht und dem Willen einiger unterworfen werden. Die (Männer-)Welt sähe anders aus, wenn nicht die eigenen Normen und Bedürfnisse gesetzt, sondern bestmögliche Arrangements im Sinne aller angestrebt würden.

Doch Anerkennung von Männern funktioniert oft über Macht, über «Anerkennung der Macht als das Prinzip aller Beziehungen», wie es die Vertreter der Kritischen Theorie Max Horkheimer und Theodor Adorno formulierten. Die verschiedenen Grenzüberschreitungen sind in diesem Streben nach Macht angelegt. «The sky is your limit», lautet das Erfolgsrezept.

Das Machtstreben und die Grenzüberschreitungen betreffen nicht nur die Wirtschaft und das Recht. Auch in den Beziehungen zu Frauen, zur Familie oder in anderen privaten Beziehungen wird dieses Prinzip gelebt. Die Verfügung über den weiblichen Körper zur Erfüllung von Lust und das «Recht», Frauen im öffentlichen Raum, finanziell und in Liebesbeziehungen «in ihre Schranken zu weisen», sind von Beginn an zentrale Elemente dieser Gesellschaft. Und sie sind eng verbunden mit bürgerlichen Männlichkeitsvorstellungen.

Zwar hat sich im Vergleich zur Hochblüte der bürgerlichen Gesellschaft einiges geändert: Die Geschlechtsvormundschaft ist mittlerweile aufgehoben, Frauen dürfen über ihr Vermögen und ihre Einkünfte verfügen und wählen. Auch ist die Vergewaltigung in der Ehe – zwar erst, aber immerhin – seit 1992 strafbar und seit 2004 ein Offizialdelikt. Doch die Abwertung von Weiblichkeit und von Eigenschaften, die mit Weiblichkeit verbunden werden, wie Hilfsbereitschaft, Sorge, Empathie oder Mitgefühl besteht fort und führt zu anhaltender tatsächlicher Ungleichheit zwischen den Geschlechtern.

Die Abwertung dieser Eigenschaften ermöglicht erst die exorbitanten Höhenflüge vieler Businessmänner, die auf Verantwortungs- und Sorglosigkeit gegenüber anderen beruhen. Auch der Besuch von Striplokalen, die Liebschaften und das Hintanstellen der Bedürfnisse der Familie sind Teil dieses männlichen Machtstrebens. In diesen Punkten ist Vincenz nicht so unkonventionell, wie er oft dargestellt wird, sondern entspricht ganz konventionell bürgerlichen Männlichkeitsvorstellungen des Unternehmers.

Der jetzige Finanzskandal lässt erkennen, wie Männlichkeit mit dem Streben nach Macht sowie mit Korruption und Sexismus zusammenhängt. Auch werden in der Debatte um den Prozess die Konflikthaftigkeit und die Fragilität der bürgerlichen Sphärentrennung deutlich. Erleben wir in diesem Prozess eine Stärkung der Justiz oder eher ein verzweifeltes Aufbäumen gegen die Macht der Finanzbranche? Denn die Brüchigkeit des bürgerlichen Arrangements ist vielleicht auch Effekt seiner Zersetzung durch multinationale Akteure, die nationale Gesetze umgehen. Auch sie erweitern ihren Handlungsspielraum, indem sie Schlupflöcher nutzen, pflegen und gezielt schaffen.

Dies wiederum schränkt die regulatorische Arbeit der Justiz stark ein. Nationalstaaten müssten koordiniert und solidarisch neue Entscheidungsprozesse mit globaler Tragweite entwickeln. Die Brüchigkeit kann dabei eine Chance sein, denn sie könnte einen Wandel eröffnen hin zu demokratischeren globalen Formen des Zusammenlebens mit mehr gemeinsamer Selbstbestimmung über die Sphärentrennung hinweg. Gelingen Absprachen auf globaler Ebene jedoch nicht, um demokratische Strukturen und Menschenrechte zu sichern, besteht die Gefahr, die bürgerliche Sphärentrennung nicht im emanzipatorischen Sinn zu überwinden, sondern neue globale autoritäre Strukturen zu begünstigen.

Anika Thym promoviert in Geschlechterforschung an der Universität Basel zu kritischen (Selbst-)Reflexionen von Männern aus Führungspositionen in der Finanzbranche und hat dazu über zwanzig Interviews mit Führungskräften aus international operierenden Schweizer Finanzinstituten geführt.

* Korrigendum vom 4. Februar 2022: In der Printversion sowie in der alten Onlineversion wurde die Privatsphäre nicht erwähnt.



Aus: "Raiffeisen-Prozess - Entgrenzte Männlichkeit" Anika Thym (Nr. 05/2022 vom 03.02.2022)
Quelle: https://www.woz.ch/2205/raiffeisen-prozess/entgrenzte-maennlichkeit
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