Author Topic: [Versprengte Notizen zum Krieg... ]  (Read 327958 times)

0 Members and 1 Guest are viewing this topic.

Offline Textaris(txt*bot)

  • Administrator
  • Hero Member
  • *****
  • Posts: 8862
  • Subfrequenz Board Quotation Robot
[Versprengte Notizen zum Krieg... ]
« Reply #615 on: February 12, 2018, 11:11:36 AM »
Quote
[...] AIRO taz | „Wenn der Tod die Spitze erreicht, sind die Gräber zu klein“, heißt es in einem syrischen Sprichwort, das derzeit häufig in Ost-Ghouta, einem von der Opposition kontrollierten Vorort von Damaskus, zitiert wird. Dort scheint man derzeit nirgends sicher zu sein. Onlinevideos, wie sie die Nachrichtenagentur Reuters verbreitet, zeigen chaotische Szenen: Menschen kommen panisch aus den Häusern gelaufen, die Verletzten, darunter auch Kinder, werden zu Krankenwagen gebracht, und währenddessen fallen weitere Bomben. Seit Tagen wird die Gegend von Kampfjets der russischen Luftwaffe und der Luftwaffe des Regimes Baschar al-Assads bombardiert. Die syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte hat dort allein am vergangenen Donnerstag 59 tote Zivilisten, darunter 15 Kinder, dokumentiert.

Das östliche Ghouta-Gebiet ist genauso wie die derzeit heftig umkämpfte Provinz Idlib in Norden des Landes eine der vorgesehenen sogenannten Deeskalationszonen. Die waren mit Russland, dem Iran und der Türkei ausgehandelt worden. Aber das Regime in Damaskus versucht nun genau diese von der Opposition gehaltenen Gebiete zu erobern – mithilfe der russischen Luftwaffe und Milizen, die vom Iran kontrolliert werden.

Die Situation dort ist so dramatisch, dass sogar die UNO sie öffentlich anprangert, die sich bisher zum Schutz ihrer humanitären Aktivitäten in Syrien eher zurückgehalten hatte. „Mit den Deeskalationszonen, die geschaffen worden waren, hatten wir zunächst die Hoffnung, dass wir dort Hilfslieferungen hinbringen können“, sagt Panos Moumtzis, der regionale UN-Koordinator für humanitäre Angelegenheiten in Syrien, im Gespräch mit der taz. „Idlib und die östliche Ghouta, das sind zwei dieser Deeskalationszonen. Aber in Wirklichkeit sind sie alles andere. Sie sind Reeskalationszonen. Wir haben dort ein dramatisches Anwachsen der Kampfhandlungen und der Not.“

Das größte Problem für die UN sei es, im Moment überhaupt Zugang zu den umkämpften Gebieten zu bekommen. Immer wenn ein Hilfskonvoi organisiert würde, erteile das Regime in Damaskus keine Genehmigung. „Seit zwei Monaten, seit dem 10. Dezember, haben wir keinen Zugang bekommen“, klagt der UN-Koordinator. Es gebe Oppositionsgebiete, die einzig von Regierungsgebieten erreichbar und ansonsten von der Außenwelt abgeschlossen seien.

„Nehmen wir Ost-Ghouta, dort leben 400.000 Menschen unter einer Belagerung, und wir haben seit zwei Monaten keinen Zugang mehr dorthin. 2,9 Millionen Menschen leben in solchen belagerten und für uns schwer zugänglichen Gebieten“, beschreibt er die Lage. „Diese Menschen hängen von unseren Hilfslieferungen ab. Der Zugang zu Nahrungs- und Hilfslieferungen sollte niemals dazu verwendet werden, politischen Druck zu erzeugen“, formuliert er eine Forderung, die nach internationalem Recht eigentlich selbstverständlich sein sollte.

Auch medizinische Evakuierungen seien nicht mehr möglich. Über 700 Schwerverletzte und Kranke im östlichen Al-Ghouta hofften derzeit, von der UN evakuiert zu werden, erklärt Moumtzis. Bisher ohne Erfolg. „Die östliche Al-Ghouta ist praktisch ein Vorort von Damaskus. Man müsste nur eine halbe Stunde mit dem Auto fahren und man hätte Zugang zu Krankenhäusern“, sagt er frustriert angesichts der dringend benötigten Hilfslieferungen in die belagerten Gebiete.

„Letztes Jahr haben wir es nur geschafft, 27 Prozent unseres Plansolls in diese belagerten und schwer zugänglichen Gebiete zu liefern. Das heißt, schon 2017 konnten wir drei Viertel der Leute, die dort leben, nicht helfen, weil wir keine Genehmigung dafür bekommen haben“, bilanziert der UN-Koordinator. „Seit 10. Dezember haben wir nichts geliefert – null.“

Auch in der nördlichen Provinz Idlib, die von der Opposition kontrolliert wird und derzeit einer Offensive der Regierungstruppen und massivem russischem Bombardement ausgeliefert ist, sei die Lage dramatisch. „Der Schutz von Zivilisten, Infrastruktur und humanitären Arbeitern ist lebenswichtig. Allein in Idlib haben wir 40 Vorfälle und 117 Angriffe auf Krankenhäuser erlebt“, sagt Moumtzis. Was dort passiert, könnte auch bald Folgen für Europa haben. Denn die nächste Flüchtlingswelle droht, warnt er. „Wir erleben dort eine dramatische Verschlimmerung der humanitären Lage.

In Idlib leben zwei Millionen Menschen, darunter eine Million, die aus anderen Teilen Syriens geflohen sind“, beschreibt er die Lage. „Mit der letzten Offensive könnten also demnächst bis zu zwei Millionen Menschen an der türkischen Grenze auftauchen. Und wenn sie in die Türkei kommen, dann werden einige auch früher oder später nach Europa weiterwollen“, prophezeit er.

Es gebe einen Widerspruch, sagt Moumtzis. „Einerseits haben wir uns international an den Krieg in Syrien gewöhnt, andererseits war die dortige humanitäre Lage noch nie so dramatisch wie heute.“ Er fasst das in Zahlen: „Im Moment sind in Syrien 13 Millionen Menschen in einer unmittelbaren humanitären Notsituation, das ist die Hälfte des Landes. Es gibt 5,3 Millionen Flüchtlinge in den Nachbarländern. 6 Millionen Menschen sind im Land auf der Flucht, allein in Idlib sind das seit Januar über 300.000 Menschen.“

Der UN-Koordinator ist frustriert: „Wir sprechen zu tauben Ohren der humanitären Diplomatie, UN-Mitgliedstaaten, Regierungen, Hauptstädte. Sie alle sollten ihre Möglichkeiten nutzen, Druck auszuüben, um hier etwas zu verändern“, sagt er. Und dann kommt Moumtzis zu seinem Kernanliegen: Alle Kriegsparteien seien zu einem humanitären Waffenstillstand aufgerufen, „damit wir Schwerverletzte oder Kranke evakuieren können und ein wenig Frieden in eine Situation bringen, die extrem chaotisch ist“. Doch ist die Wahrscheinlichkeit groß, dass auch dieser UN-Vorstoß für eine Feuerpause auf taube Ohren stoßen wird.

Quote
Velofisch 12.02.2018, 00:29

Da passiert doch nichts zufällig. Interessant wären Hintergrundberichte, wer hier warum wen unterstützt, welche Söldner finanziert und wen bombardiert. Gibt es einen Zusammenhang des Angriffs auf Afrin mit der Bombardierung von Idlib und dem Stadteil von Damaskus? Wer wird von Erdogan, Trump und Netanjahu unterstützt? Hier sind viele skrupellose Mächte am Werk. Diejenigen, die Zivilisten bombardieren aber auch diejenigen die terroristische Söldner finanzieren und mit Waffen und von deutschen Aufklärungsflügen gewonnenen Informationen beliefern.


Quote
Carl Radek 11.2.2018, 23:55

Warum führt Deutschland Krieg in Mali, Syrien und in Afgahnistan, bildet Kämpfer im Irak aus und werden aktuell mit deutschen Waffen in Afrin Kurden getötet? Warum weiß jeder für das deutsche Schlachten gute Gründe zu nennen und verlangt nur von der nationalen Konkurrenz einen Willen zum Frieden? Warum ist die eigene Nation immer das Opfer einer Aggression, die feindliche immer die Täter? Dies simple chauvinistische Denken sollte ablegen wer nicht nur Hampelmann/frau seiner nationalen Führung sein will.


Quote
Reinhard Jung-Hecker 11.2.2018, 20:35

Putin und Assad gehören vor das Kriegsverbrechertribunal in Den Haag. Große Teile der europäischen/deutschen Linken verschliesst aus ideologischen Reflexen die Augen vor den Kriegsverbrechen in Syrien. Welche Schande!


...


Aus: "Die Hälfte des Landes ist in Not" Karim El-Gawhary, Auslandskorrespondent Ägypten (11. 2. 2018)
Quelle: https://www.taz.de/Angriffe-auf-eine-Schutzzone-in-Syrien/!5481264/


Offline Textaris(txt*bot)

  • Administrator
  • Hero Member
  • *****
  • Posts: 8862
  • Subfrequenz Board Quotation Robot
[Versprengte Notizen zum Krieg... ]
« Reply #616 on: February 28, 2018, 07:28:04 AM »
Quote
[...] Nothilfe, Essensrationen nur als Gegenleistung für Sex – das ist in weiten Teilen Syriens Alltag für viele Frauen. So berichtet es die BBC unter Berufung auf mehrere Entwicklungshelfer aus Syrien. Demnach fordern Helfer vor Ort häufig sexuelle Gefälligkeiten von Frauen in Not. Unter den Helfern sollen auch lokale Organisationen sein, die mit den Vereinten Nationen zusammenarbeiten – eigentlich, um die humanitäre Krise vor Ort zu lindern.

Die Vereinten Nationen bestreiten laut BBC, Kenntnis von solchem Fehlverhalten bei ihren lokalen Partnern zu haben und versprechen eine Null-Toleranz-Politik. Wegen der gefährlichen Lage im Land sind viele internationale Organisationen auf Unterstützung einheimischer Helfer angewiesen.

Frauen tauschten sexuelle Handlungen für Essen oder Fahrdienste, berichtet die Helferin Danielle Spencer dem britischen Sender. Hilfsrationen würden so zurückgehalten. Teilweise weigerten sich Frauen inzwischen zur Ausgabe von Hilfsorganisationen zu gehen, um nicht als promisk zu gelten.

Dabei ist das Phänomen nicht neu. Im Herbst veröffentlichte der United Nations Population Fund (UNFPA) einen Bericht, in dem die Lage von Frauen in Syrien untersucht wird. Demnach leiden Frauen besonders unter dem Bürgerkrieg. Oft seien sie sexueller Gewalt schutzlos ausgeliefert. Besonders junge Frauen, Flüchtlinge und Witwen sind demnach gefährdet, Opfer von sexuellen Übergriffen zu werden. Auch Übergriffe von Helfern werden in dem Bericht angesprochen. "Sexuelle Ausbeutung von Helfern bei Verteilaktionen werden häufig von Betroffenen berichtet", heißt es in dem Bericht. "Je mehr ein Mädchen dem Verteiler gibt, desto mehr Hilfe bekommt sie", zitiert der Bericht eine Syrerin. Hilfe sei nicht umsonst, sagt eine andere. Von Übergriffen durch Helfer, die mit den Vereinten Nationen in Verbindung stehen, ist in dem Bericht nicht die Rede.

Quote
Tado HBS #6

Wenn es Möglichkeiten zur Willkür gibt, so wird es immer Menschen geben, die dies als Chance nutzen.


Quote
siar1 #6.2

"Chance" ist wohl die falsche Bezeichnung, denn sie ist positiv besetzt.
Ich würde es eher als "für Übergriffe" beschreiben.


Quote
a thousand eyes and one #6.7

Machgefälle = Machtmissbrauch

So einfach ist das, weil der Mensch nun einmal so ist wie er ist. Man sollte sich nicht von der hauchdünnen Schicht "Zivilisationslack" täuschen lassen, welcher so schön glänzend auf die Bestie aufgetragen ist...


Quote
Ktarianer #7

Das ist ein wichtiger Beitrag. Wenn bereits Akteure von lokalen Hilfsorganisationen Deals aus einer solchen Machtposition heraus ausnutzen, braucht man sich keine Illusionen über diesen Krieg zu machen.

An die gleichen Themenfelder habe ich gedacht, als ich den Artikel "Tod auf Raten" gelesen habe und mir die Lage in den "Rebellengebieten" vorgestellt habe, denn der Mikrokosmos über den Alltag wird gerne ausgeblendet, da man nicht erst seit Aleppo weiß, wer die Nahrungsmittel in diesen Gebieten verwaltet, wer hungrig und wer gut genährt aussah. Man sollte die Augen nicht davor verschließen, dass hier nur "Frauen und junge Frauen betroffen sind, sondern wahrscheinlich auch Mädchen. Neben des Ausnutzens der Körper und Seelen wird die Angst vor ungewollten Schwangerschaften oder gar Krankheiten die Opfer begleiten.


Quote
In.der.Tat #7.1

Ja. Wobei mich bei dem Artikel stört, das es wieder einmal so dargestellt wird, als bestände die leidende Bevölkerung ausschließlich aus Frauen.

"Demnach leiden Frauen besonders unter dem Bürgerkrieg. Oft seien sie sexueller Gewalt schutzlos ausgeliefert. Besonders junge Frauen, Flüchtlinge und Witwen sind demnach gefährdet, Opfer von sexuellen Übergriffen zu werden."

Als Kanonenfutter gezwungen zu werden, für eine Sache die man nicht vertritt zu sterben oder gar zu töten, ist nicht auch erwähnenswert? Warum hört man nichts über das Leiden der Männer im Krieg? Ich finde keinen Artikel. ...


Quote
cave felem #7.2

Es geht hier um sexuellen Missbrauch, und das betrifft nun einmal Mädchen und Frauen in besonderem Maße - übrigens nicht nur im Krieg.

Ein Grund für das Klischeebild des "jungen männlichen Flüchtlings" ist übrigens, dass tatsächlich viele junge Männer fliehen, um nicht in einem Krieg für eine Sache, die sie nicht vertreten, zu töten und zu sterben. Das hält haben viele hierzulande nicht davon ab, gegen sie zu hetzen.


Quote
Tunte #8

Man muss gar nicht in's Ausland schauen. Ausgerechnet in Berlin, wo alle immer nur Refugees Welcome riefen, sind unzählige Asylanten (beider Geschlechter)) dazuwungen sich zu prostituieren, weil sie anderweitig nicht überleben können. Junge Männer aus Afghanistan haben ihre Zelte in diversen Berliner Parks aufgeschlagen, in der Lokalpresse wurde schon berichtet, dass diese für den Preis einer Pizza Oralverkehr anbieten, usw.

Es gibt Menschen ohne Scham, die Mitmenschen gerade dann auch noch ausbeuten wenn diese in Not sind. Damit ist eigentlich alles über die wahre menschliche Natur gesagt, von wegen Menschlichkeit als Synonym für besonders wohltätiges und gütiges Verhalten. Nur unsere Spezies in ihrem Narzissmus kann solches Ausnahmeverhalten als Menschlichkeit, Humanität usw bezeichnen. Den Charakter einer Gesellschaft erkennt man immer daran wie sie mit den Schwächsten umgeht. ...


Quote
straightinyourface #14

"Je mehr ein Mädchen dem Verteiler gibt, desto mehr Hilfe bekommt sie"
Das ist ziemlich euphemistisch ausgedrueckt.. - je willfaehriger das Objekt der Bgierde sich zeigt, umso hoeher ist die Chance die dringend benoetigen Hilfsgueter, Nahrung od. was auch immer zu erhalten.


Quote
Kettensäge CH #14.1

Fehlt nur noch, das man dem ganzen einen brutal zynischen Namen verpasst, etwa "Trostfrauen" würde sich da anbieten (stammt von den Japanern ausnahmsweise, nicht von den Deutschen)
Die "trösten" dann die armen NGO-Mitarbeitern, die stets so harte Arbeit verrichten müssen in Krisengebieten...


...


Aus: "Helfer sollen Frauen in Syrien sexuell ausgebeutet haben" (27. Februar 2018)
Quelle: http://www.zeit.de/gesellschaft/zeitgeschehen/2018-02/buergerkrieg-syrien-sexuelle-gewalt-gegen-frauen

Offline Textaris(txt*bot)

  • Administrator
  • Hero Member
  • *****
  • Posts: 8862
  • Subfrequenz Board Quotation Robot
[Versprengte Notizen zum Krieg... ]
« Reply #617 on: April 03, 2018, 09:56:27 AM »
Quote
[...] In der Woche vor Ostern wurde gemeldet, es würden jetzt Vorbereitungen dafür getroffen, dass Panzer künftig schneller durch Europa rollen können. Straßen sind zu schmal, Brücken zu schwach und Unterführungen zu niedrig. Die EU-Kommission will sich darum kümmern. Wenn auch sonst in Europa die Grenzen wieder dicht gemacht werden - wenigstens für Kriegsgerät soll es freie Fahrt geben. Es war kein Geheimnis, dass sich die EU-Kommission vor allem für die Routen nach Osten interessiert. Die westliche Aufrüstung hat Russland im Visier. Wen sonst? Also Panzer nach Osten. Bald dreißig Jahre nach dem Fall der Mauer. Was für eine Meldung! Aber es gab keine Reaktion. Nichts.

Ostern war mal die Zeit der Friedensmärsche. Hunderttausende auf der Straße. Das ist lange her. Es finden immer noch Demonstrationen, Kundgebungen, Mahnwachen und Vortragsveranstaltungen statt. Da kommen ein paar hundert Leute, kein Vergleich zu damals, als sich die Massen in Bewegung gesetzt haben.

Wer demonstriert heute schon für den Frieden?

Gut, damals dachten die Leute, es gehe um ihren Kopf: Atomkrieg, eine Rakete für jeden, mehr als genug, jeden einzelnen auszuradieren. Das hat ihnen wirklich Angst gemacht Aber friedlicher sind die Zeiten seitdem nicht geworden. Die Friedenswächter von SIPRI, dem Stockholmer Forschungsinstitut, schrieben in ihrem Jahresbericht für 2017, die Zahl der gewaltsamen Konflikte liege in den letzten Jahren wieder auf dem Niveau von 1990 - 1992. Die Organisation Save the Children hat mitgeteilt, dass eins von sechs Kindern auf der Welt mittlerweile in einem Konfliktgebiet lebt. Das sind 357 Millionen Jungen und Mädchen. Dies bedeute einen Anstieg um mehr als 75 Prozent seit Beginn der Neunzigerjahre. In den vergangenen zehn Jahren sei die Anzahl der getöteten und versehrten Kinder um 300 Prozent gestiegen.

Nach dem Ende des Kalten Krieges konnte man sich kurz der Hoffnung hingeben, es habe ein Zeitalter des Friedens begonnen. Aber das war eine Illusion. Es gibt keinen Frieden. Nur Krieg, Krieg, Krieg. Nato-Generalsekretär Jens Stoltenberg war richtig froh, als er verkünden konnte, dass immerhin acht der 29 Mitgliedstaaten das Ziel, mindestens zwei Prozent ihres Bruttoinlandsprodukts für das Militär auszugeben, in diesem Jahr bereits erfüllt hätten: "Wir bewegen uns in die richtige Richtung", sagte der Generalsekretär.

Kein Wunder, dass die Atombombe so in Verruf geraten ist. Sie ist überhaupt keine gute Waffe. Atomwaffen machen Kriege eigentlich unführbar: das eigene Risiko ist zu groß. Aber der Krieg muss vor allem eines sein: führbar. Er muss als politisches und wirtschaftliches Instrument zur Verfügung stehen.

Die Leute sagen, dass sie den Krieg hassen. Das stimmt gar nicht. Sie reden vom Krieg, aber sie meinen nur den totalen Krieg. Das ist der entscheidende Unterschied. Unter den Bedingungen der angedrohten wechselseitigen Vernichtung - also unter totalen Bedingungen - hört Krieg auf, ein gültiges Instrument der Politik zu sein. Das ist misslich. Denn die Regierungen wollen auf den Krieg nicht verzichten. Und die Konzerne ebensowenig.

Die Waffenexporte nach Nordafrika und in den Nahen Osten haben in den letzten zehn Jahren um beinahe 90 Prozent zugenommen. Im Koalitionsvertrag der neuen deutschen Bundesregierung wird Rüstungskontrolle als Ziel uneingeschränkt gefordert und gepriesen. Und gleichzeitig verkauft Deutschland sogar dann noch Waffen in die Türkei, während dieser Staat einen offenkundig rechtswidrigen Angriffskrieg gegen die syrischen Kurden führt.

Aber die Öffentlichkeit stört sich daran nicht. Was den Krieg angeht, haben sich die meisten von uns einen berufsmäßigen Zynismus angeeignet. Es ist im Gegenteil so, dass sich wieder verdächtig macht, wer für den Frieden ist. Weil er scheinbar Partei für "unsere" Gegner bezieht: für Russland, für die Palästinenser, für den Iran, für China, für Nordkorea.

Dabei muss man immer für ein Ende des Krieges sein. Manchmal auch auf Kosten der besseren Moral. Aber es gibt einen verlogenen Moralismus, der fordert nicht weniger Tote als der schlimmste Imperialismus. Wir zerstören immer noch Städte und Länder, um sie zu befreien. Seit Vietnam nichts dazugelernt. Wer wollte leugnen, dass Hussein und Gaddhafi besser waren als der IS? Und dasselbe gilt immer noch für Assad.

Natürlich. Bislang hat noch jeder, der aufrüstet, gesagt: "Wenn Du den Frieden willst, bereite den Krieg vor." Ehrlicher wäre die Wahrheit: die Leute wollen gar keinen Frieden. Ohne Krieg fehlt ihnen was. Darum bereiten sie ihn vor. ...

Quote
rainer_daeschler 02.04.2018, 15:15 Uhr

Die Generation, welcher der Schrecken eines Krieges noch in den Knochen saß und davon Kindern und Enkeln erzählen konnte, ist leider ausgestorben. ...


Quote
Suppenelse 02.04.2018, 15:30 Uhr

Bigotterie

Das Problem der Friedensbewegung ist heute dasselbe wie damals zu den Anfangszeiten: Das geradezu bigotte Mit-zweierlei-Maß-Messen und die politische Einseitigkeit allen Realitäten zum Trotz. Protestmärsche gegen Putins Annexion der Krim? Seinerzeit völlige Fehlanzeige. Gegen das von Russland mitverursachte Leid in Syrien? Nö. Gegen andere Kriegsakteure, bei denen anti-amerikanische und anti-westliche Rhetorik nicht passt? Weit gefehlt. Dafür demonstriert man gegen die Existenz der Bundeswehr und der NATO und wirbt dafür, sämtliche Waffenexporte zu verbieten und sämtliche Auslandseinsätze zu beenden, ohne auch nur irgendeine Lösung anzubieten. Es ist nicht weiter verwunderlich, dass der weit überwiegende Teil der Deutschen keine Lust hat, Teil einer solchen Veranstaltung zu sein, und dass die Resonanz Jahr für Jahr abnimmt.


Quote
lieschen müller 02.04.2018, 15:38 Uhr
11. Vorsicht! Bitte Ironie kennzeichnen!

[Zitat von nickleby] Wer davon überzeugt ist, den Frieden zu garantieren, muss sich so verhalten wie die erfolgreichste Friedensorganiosation der Gechichte, die Nato. Sie ist ein "animus in consulendo liber " (Sallust) ein freier Geist während der Beratung. Deswegen ist die Nato der Inbegriff der Hüterin der Demokratie, die uns Deutsche vor der Gewaltherrschaft Stalins bewahrt hat und dazu erfolgreich beigetragen, den Kommunismus im Osten friedlich zu beerdigen. Es lebe die Nato, das vorbildlichste Verteidigungsbündnis seit dem Attischen Seebund.

Denn man muss tatsächlich damit rechnen, dass hirnbefreite Geister ihre Worte für bare Münze nehmen.


Quote
vera gehlkiel 02.04.2018, 16:18 Uhr

Naja, hier ist die routiniert gefühlige Osterbräsigkeit wohl eher im Spielfeld von denjenigen angesiedelt, die seit einiger Zeit Erscheinungen wie Assad, Saddam Hussein, die Hamas oder Gaddafi nicht mehr als postkolonialistische Monstrositäten mit zum Glück begrenzter Halbwertzeit einordnen, sondern als dauerhafte Lösungen für einen "Frieden", der mit sadistischer Unterdrückung und Grössenwahn für die einen einhergeht, während dem er den anderen den Anblick brennender Häuser und Menschen erspart, und so die konsumistische Ruhe nicht weiterhin aufstört. Muss ich doch bei Gelegenheit mal meinen deutsch-syrischen Kumpel fürs Fussballgucken befragen, der zugleich mein Lieblingsarzt ist und dessen Verwandte in der halben Welt verstreut sind, ob er Assad wirklich besser findet als den IS, oder beide nicht für ihn Vorder- und Rückseite des gleichen goldenen Petrodollars darstellen. Vielleicht liegt der Schwund bei den Demonstrationen auch den naiven Fragestellungen der Organisatoren, und vielleicht ist es da wirklich besser, aus Solidarität mit der Sorte Palästinenser, die einfach keine Lust mehr haben, sich von rechtsradikalen Fundamentalisten mit Mann und Maus plus der alten Oma zu Todesschwadronen umfunktionieren zu lassen, in Düsseldorf abends lecker arabisch - nahöstlich essen zu gehen. Fettes Trinkgeld dabei bitte nicht vergessen, liebe Reiche!


Quote
Dr. Kilad 02.04.2018, 16:43 Uhr

... die Pazifisten, wurden immer schon mitleidig belächelt.


Quote
franke08 02.04.2018, 16:47 Uhr

Ja leider stimmt es, die heutige junge Generation interessiert sich nur noch für Selfies und Facebook, zumindest bis Ihnen die Bomben um die Ohren fliegen und jedes Selfie vermiesen. Man könnte meinen, alle sind irrsinnig geworden. ...


Quote
hugahuga 02.04.2018, 18:33 Uhr

Vorweg. Ich bin kein Freund des Salon-Sozis Augstein, aber mit diesem Beitrag hat er den Nagel auf den Kopf getroffen. Nun - immerhin kann Augstein Dinge schreiben, die bei normalen Foristen nicht durchgelassen werden würden. Beispiel: "Die westliche Aufrüstung hat Russland im Visier. Wen sonst? Also Panzer nach Osten. Bald dreißig Jahre nach dem Fall der Mauer. Was für eine Meldung! Aber es gab keine Reaktion. Nichts." Leider reicht es aber nicht aus, sozusagen einen "Alibi-Journalisten" vorweisen zu können und ansonsten sehr restriktiv gegen - na sagen wir mal vorsichtig - "aneckende Gedanken" vorzugehen. Die Meinungsfreiheit ist ein hohes Gut - sicher - nur nützt es rein gar nichts, wenn eben diese unterdrückt wird. Insofern ist es gut, dass hier - auf diesem Platz - wenigstens ein Herr Augstein offen sagen und schreiben darf, was er (und viele, viele seiner Mitbürger) genauso empfinden.  ...


Quote
richey_edwards 02.04.2018, 19:22 Uhr

Langsam gerät in Vergessenheit wie Deutschland von den Nazis befreit wurde. Sich hinzustellen und gegen Krieg sein ist zu wenig. Gegen Unterdrückung, Völkermord, und Diktaturen helfen keine salbungsvollen Osterkolumnen und selbstgerechten Friedensmärsche.


Quote
Traumfrau gestern, 19:23 Uhr

Man darf ja auch in diesem Forum erleben, wie manche (aus welchen Gründen auch immer) schon wieder mit Drohen, Einschüchtern, Wir sind die Besten usw. Politik gestalten wollen. Da kann einem Angst und Bange werde. Oder mit anderen Worten: "denn sie wissen nicht was sie tun".


...


Aus: "Ostermärsche: Krieg, Krieg, Krieg" Eine Kolumne von Jakob Augstein (02.04.2018)
Quelle: http://www.spiegel.de/politik/ausland/konflikte-ewiger-krieg-statt-oesterlicher-frieden-kolumne-a-1200892.html

Offline Textaris(txt*bot)

  • Administrator
  • Hero Member
  • *****
  • Posts: 8862
  • Subfrequenz Board Quotation Robot
[Versprengte Notizen zum Krieg... ]
« Reply #618 on: April 18, 2018, 07:52:24 AM »
Quote
[....] Bewaffnete Gruppen im Südsudan haben mehr als 200 Kinder freigelassen. Es war die zweite von den Vereinten Nationen unterstützte Freilassung innerhalb weniger Monate. Bereits im Februar hatten Rebellengruppen etwa 300 Kinder befreit. Insgesamt sollen innerhalb weniger Monate etwa 1.000 ehemalige Kindersoldaten in ein ziviles Leben zurückkehren, teilte das UN-Kinderhilfswerk Unicef mit.

Unicef, die UN-Friedensmission und Regierungspartner hätten mit den Konfliktparteien verhandelt, um diese Freilassung in der Nähe von Yambio im Südwesten des Landes zu ermöglichen, sagte Mahimbo Mdoe, der Unicef-Vertreter im Südsudan. Jetzt müsse sichergestellt werden, dass die Kinder alle nötige Unterstützung erhalten. Nach ihrer Freilassung werden die Ex-Kindersoldaten Unicef zufolge ärztlich und seelsorgerisch betreut. Zudem werde die Organisation die Kinder bei der Ausbildung und Berufsbildung unterstützen.

In dem 2013 ausgebrochenen Bürgerkrieg in dem ostafrikanischen Land setzen Rebellengruppen sowie Regierungskräfte Kinder ein. Viele müssen kämpfen, etliche werden aber auch etwa als Köche, Spione, Boten oder Sex-Sklavinnen genutzt. Dem UN-Kinderhilfswerk zufolge werden derzeit etwa 19.000 Kinder im Südsudan für diese Rollen missbraucht.



Aus: "UN befreien mehr als 200 Kindersoldaten" (18. April 2018)
Quelle: http://www.zeit.de/gesellschaft/zeitgeschehen/2018-04/suedsudan-kindersoldaten-befreiung-unicef-un-buergerkrieg

Offline Textaris(txt*bot)

  • Administrator
  • Hero Member
  • *****
  • Posts: 8862
  • Subfrequenz Board Quotation Robot
[Versprengte Notizen zum Krieg... ]
« Reply #619 on: April 24, 2018, 07:36:53 AM »
Quote
[...] Nordwestlich der jemenitischen Hauptstadt Sanaa sind bei einem Luftangriff auf eine Hochzeitsgesellschaft mindestens 20 Menschen getötet und 40 weitere verletzt worden. Nach Angaben der örtlichen Gesundheitsbehörde ereignete sich der Angriff bereits am Sonntagabend in der Ortschaft Bani Kais, die von den Huthi-Rebellen kontrolliert wird. Diese machten die von Saudi-Arabien geführte Militärkoalition für die Attacke auf die Festzelte verantwortlich.

Das Bündnis unter Führung des Königshauses fliegt seit mehr als drei Jahren Angriffe auf Gebiete der schiitischen Huthi-Rebellen und unterstützt damit die Regierung in Sanaa. Aus dem langjährigen Bürgerkrieg entwickelte sich so ein Stellvertreterkrieg zwischen Saudi-Arabien und dem Iran, der als Schutzmacht der Schiiten auftritt. Beide Staaten kämpfen so auf unterschiedlichen Seiten um die Vorherrschaft in der Region.

Seit Beginn des Konflikts wurden fast 10.000 Menschen getötet. Beobachter werten die Situation im Bürgerkriegsland Jemen als eine der schwersten humanitären Krisen der Gegenwart.

Quote
Politikhexe #19

Ich gehe davon aus, dass wenigstens unser Regierungssprecher heute seine Empörung im Namen der Bundesregierung kundtut, Herr Macron sich äußert, Frau May, dass endlich Sanktionen gegen Saudi Arabien verhängt wird, was mit seinen kriegerischen Aktionen die größte humanitäre Katastrophe ausgelöst hat.


Quote
Haiko Stricher #14

Hat sich Maas schon zu Wort gemeldet, ich rechne mit härtesten Sanktionen von der selbsternannten Wertegemeinschaft.


Quote
abby #12

Die Saudis dürfen das. Sie sind unsere strategischen Verbündeten und somit die Guten.


Quote
Ben Noach #22

Aufschrei des Westens: Null!!! Soviel zu unseren Werten die wir täglich am Hindukusch und bald vielleicht auch in Syrien verteidigen.


Quote
Philly89 #30

Dann dürften wir ja bald damit rechnen dass die USA, zusammen mit dem Vereinigten Königreich und Frankreich, einen Raketenangriff auf Riad startet, um dieses abscheuliches Verbrechen an unschuldigen Zivilisten zu vergelten. Oder wird hier [ ] mit zweierlei Maß gemessen?



Aus: "Mindestens 20 Tote bei Luftangriff auf Hochzeitsgesellschaft" (23. April 2018)
Quelle: https://www.zeit.de/gesellschaft/zeitgeschehen/2018-04/jemen-luftangriff-hochzeitsgesellschaft-bani-kais



"Saudi-Arabien: Krieg gegen die schiitische Minderheit?"
In Awamiya im Osten des Ölscheichtums wird seit Monaten heftig gekämpft. Teile der Stadt wurden dem Erdboden gleichgemacht. Die harte Hand Riads gegenüber den saudischen Schiiten hat die Lage eskalieren lassen. ...
http://www.dw.com/de/saudi-arabien-krieg-gegen-die-schiitische-minderheit/a-40025351

Offline Textaris(txt*bot)

  • Administrator
  • Hero Member
  • *****
  • Posts: 8862
  • Subfrequenz Board Quotation Robot
[Versprengte Notizen zum Krieg... ]
« Reply #620 on: April 29, 2018, 03:09:21 PM »
Quote
[...] Die Bundeskanzlerin war zu einem knapp dreistündigen Treffen mit US-Präsident Donald Trump nach Washington gereist. Themen des Arbeitsbesuchs waren neben den internationalen Konflikten auch der Welthandel und die Verteidigungsausgaben. Es war das erste Treffen beider seit etwa einem Jahr und mit der Erwartung verbunden, dass sich die Beziehungen Deutschlands zu den USA verbessern. ... Merkel sagte [ ], Deutschland stehe zu seinem Ziel, die Verteidigungsausgaben zu erhöhen. Man sei auf gutem Weg, aber noch nicht an der in der Nato vereinbarten Marke. Trump forderte Deutschland erneut auf, mindestens zwei Prozent seines Bruttoinlandsprodukts für Verteidigung auszugeben. Die Europäer müssten angemessen für ihre Sicherheit sorgen, sagte der US-Präsident.

...

Quote
Herbstmeister #49

Taugt ein diplomatisch-heuchlerisches Kompliment von Trump - der von den Medien ansonsten verabscheut wird - tatsächlich zur Schlagzeile? Ich nenne so etwas Hofberichterstattung ...


Quote
SirCantona #12

"Merkel sagte, Deutschland stehe auch zu seinem Ziel, die Verteidigungsausgaben zu erhöhen"

Also mein Ziel ist das nicht.


Quote
intrasat #12.1

"Merkel sagte, Deutschland stehe auch zu seinem Ziel, die Verteidigungsausgaben zu erhöhen"

Also mein Ziel ist das nicht.

Sie sind ja auch nicht Deutschland - Gott sei Dank. ...


Quote
Gryf Andra #14

Also kurz zusammen gefasst: Fr.Merkel hat ihre Anweisungen bekommen.


...


Aus: "Deutsch-amerikanische Beziehung: "Sie macht einen fantastischen Job"" (27. April 2018)
Quelle: https://www.zeit.de/politik/ausland/2018-04/deutsch-amerikanische-beziehungen-angela-merkel-donald-trump-washington-nato-importzoelle-treffen

-

Quote
[...] Bundesverteidigungsministerin Ursula von der Leyen (CDU) verlangt in dieser Legislaturperiode einem Zeitungsbericht zufolge zwölf Milliarden Euro mehr für die Bundeswehr. Diese Summe habe die Ministerin in den vertraulichen Haushaltsverhandlungen mit Finanzminister Olaf Scholz (SPD) angemeldet, berichtete die Bild am Sonntag. Scholz' Finanzplan sehe dagegen bis 2021 eine Erhöhung des Wehretats um 5,5 Milliarden Euro vor.

Die geplanten Zuwächse seien "gemessen am gewaltigen Nachhol- und Modernisierungsbedarf insbesondere in der Mittelfrist noch unzureichend", hatte das Ministerium bereits am Freitag kritisiert. Dem Bericht zufolge will von der Leyen bei den anstehenden Haushaltsberatungen mit dem Stopp eines internationalen Rüstungsprojekts drohen, falls die Verteidigungsausgaben nicht deutlich aufgestockt werden. Ihr Ministerium habe bereits eine Streichliste von Rüstungsprojekten erarbeitet: Auf Platz eins stehe die Kooperation im U-Boot-Bereich, an zweiter Stelle stehe der Kauf von sechs Transportflugzeugen C-130 Hercules.

Dem Bericht zufolge haben zuletzt sieben Eurofighter-Piloten ihren Dienst bei der Bundeswehr quittiert. Für die Truppe sei dies ein teurer Verlust, da die Ausbildung der Piloten pro Kopf etwa fünf Millionen Euro koste. Mit Fluglehrern und Einsatz-Crews gibt es laut BamS insgesamt etwa 120 Eurofighter-Piloten. "Die Kündigungen sind bedauerlich. Unsere Einsatzbereitschaft ist dadurch aber nicht gefährdet", sagte ein Sprecher der Luftwaffe der Zeitung.

Der Bundeswehrverband hatte zuvor eine Aufstockung des Wehretats um ganze 15 Milliarden Euro in der laufenden Legislaturperiode gefordert. Zuletzt war mehrfach Kritik an der Ausrüstung und Einsatzfähigkeit der Bundeswehr laut geworden. Der Bundesrechnungshof hatte der Truppe aber auch Verschwendung bei der Ausbildung von Eurofighter-Piloten und bei der Modernisierung von IT-Systemen vorgeworfen. Für eine bessere Ausstattung plant das Verteidigungsministerium laut Medienberichten, Rüstungsaufträge in Milliardenhöhe zu vergeben.

Quote
karlmitdembart #24

Wer die ganze Welt als Sicherheitsproblem definiert und Verteidigungsinteressen von Mali bis Afghanistan und von Brasilien bis zum Cyberspace hat. Wer Handels- und Flüchtlingsrouten, Datenverkehr und Riots unter Kontrolle bekommen möchte, der hat eben einigen Geldbedarf. Erhellend für das Studium der ausufernden deutschen Sicherheitsinteressen ist das aktuelle Weißbuch.


Quote
Gänsefingerkraut #28

Rüstungsaktien kaufen! Wer Arbeit sucht, schon immer mal eine Blindbewerbung starten!


Quote
Toto2.0 #28.1

Unbedingt. Vor allem da die neue Bundeswehr ständig Nachschub an Material und Personal bedarf, sollte die Anzahl der Auslandseinsätze in Zukunft gesteigert werden. Man könnte auch sarkastisch von einem Langzeitkonjunkturprogramm für die Aktionäre der Rüstungsindustrie sprechen.


Quote
Lilly.K #32

Erwähnen möchte ich noch , dass Deutschland 2017 die neunthöchsten Rüstungsausgaben weltweit hatte, nämlich 38,3 Milliarden Euro! Mit einem Ergebnis,das sich leider nicht sehen lassen kann. Der Auslandseinsatz eines Soldaten kostet 5,16 Millionen.

Stockholm/Berlin | Die weltweiten Rüstungsausgaben sind gestiegen. So erhöhte etwa Deutschland seine Rüstungsausgaben im vergangenen Jahr um 2,9 Prozent und ist damit mit 41,1 Milliarden US-Dollar (rund 38,3 Mrd. Euro) weiter das Land mit den neunthöchsten Ausgaben. Das geht aus einem am Montag veröffentlichten Bericht des Stockholmer Friedensforschungsinstituts Sipri hervor. Insgesamt stiegen die weltweiten Militärausgaben laut Sipri geschätzt um 0,4 Prozent auf 1686 Milliarden US-Dollar (1570 Mrd. Euro).
Quelle: https://www.shz.de/16655426 von dpa 24. April 2017,


Quote
Marybeth #42.1

Der Ausdruck "Verantwortung übernehmen" ist zum Synonym für den nächsten Waffengang verkommen. Würde man tatsächlich Verantwortung übernehmen,
und vor allem vorausschauend und nachhaltig, könnte man das Geld für Rüstung
sinnvoller einsetzen, Raketen und Kanonen können die Menschen nicht essen.


Quote
Tritratrulala #59

Trump wirkt.


...


Aus: "Haushalt: Von der Leyen will zwölf Milliarden Euro mehr für Bundeswehr" (29. April 2018)
Quelle: https://www.zeit.de/politik/deutschland/2018-04/haushalt-ursula-von-der-leyen-bundeswehr-olaf-scholz-bericht

Offline Textaris(txt*bot)

  • Administrator
  • Hero Member
  • *****
  • Posts: 8862
  • Subfrequenz Board Quotation Robot
[Versprengte Notizen zum Krieg... ]
« Reply #621 on: May 23, 2018, 03:10:57 PM »
Quote
[...] Gegen Ende des Abends werden sie ihre jeweiligen Erlebnisse teilen: Emin, der Muslim im Talkessel von Srebrenica, Boris, der im Vlašić-Gebirge stationierte Serbe, und es wird zu meiner Überraschung ein von beidseitigem Lachen unterbrochenes Darbieten von Anekdoten sein. ...


Aus: "„Der Krieg hat einen Sklaven aus mir gemacht“" Robert Prosser (22. Mai 2018)
Quelle: https://www.zeit.de/freitext/2018/05/22/srebrenica-massaker-prosser/

Offline Textaris(txt*bot)

  • Administrator
  • Hero Member
  • *****
  • Posts: 8862
  • Subfrequenz Board Quotation Robot
[Versprengte Notizen zum Krieg... ]
« Reply #622 on: June 02, 2018, 12:31:23 PM »
Quote
[...] Laut Medienberichten will Google dem US-Verteidigungsministerium künftig nicht länger künstliche Intelligenz für Kriegsführung zur Verfügung stellen. Ein Verantwortlicher des US-Unternehmens habe gegenüber den Mitarbeitern am Freitag erklärt, Google werde ein Projekt für den Einsatz künstlicher Intelligenz bei Drohnen des US-Militärs nicht verlängern, berichteten die New York Times und die Technologiewebseite Gizmodo unter Berufung auf interne Kreise. Die Vereinbarung sieht vor, dass Google Algorithmen bereitstellt, die dem Pentagon bei der Bewertung von Videobildern helfen und effizientere Drohnenangriffe ermöglichen sollen.

... Das sogenannte Project Maven hat die Google-Belegschaft gespalten, etliche Angestellte haben den Konzern aus Empörung über das Programm verlassen. Tausende andere unterzeichneten eine Petition, in der sie den Unternehmenschef Sundar Pichai baten, das Projekt einzustellen.

Zudem fordern die Angestellten eine Firmenpolitik, die generell eine Nutzung von Google-Technologie zum Zweck der Kriegsführung verhindert. Unterstützung für die Petition kam auch von der US-Bürgerrechtsorganisation Electronic Frontier Foundation (EFF) und dem International Committee for Robot Arms Control (ICRAC), das sich dafür einsetzt, die militärische Nutzung von Robotern zu begrenzen.

Quote
Herr Klaus-Maria Musterfrau #4

Respekt! Googles Belegschaft scheint einen gut geeichten moralischen Kompass zu haben.


Quote
juiceshop #6

...hat Mr. President eigentlich schon gezwitschert und Google unamerikanisches Verhalten vorgeworfen?


Quote
LouiDerLustigeLeguan #9

Sehr gut. Und ein schönes Beispiel dafür, dass viel von dem Mist, der ständig produziert wird, nicht produziert werden würde, würden die Arbeiter*innen eines Betriebs dessen Produktion bestimmen.


Quote
kinxa #9.1

Ich weiss nicht ob diese Aussage von Ihnen so stimmt. Fragen sie mal die Belegschaft bei Krauss Maffei . Ich denke die sehen das anders.


...


Aus: "Google beendet Vertrag mit US-Verteidigungsministerium" (2. Juni 2018)
Quelle: https://www.zeit.de/digital/2018-06/drohnen-projekt-google-pentagon-vertrag-ende

Offline Textaris(txt*bot)

  • Administrator
  • Hero Member
  • *****
  • Posts: 8862
  • Subfrequenz Board Quotation Robot
[Versprengte Notizen zum Krieg... ]
« Reply #623 on: June 05, 2018, 07:26:34 AM »
Quote
[...] Die Angriffe der USA, Großbritanniens und Frankreichs könnten daher als Kriegsverbrechen gewertet werden.  Am 6. Juni hatte die von den USA angeführte Koalition damit begonnen, Angriffe auf die Bastion der Terrormiliz "Islamischer Staat" (IS) zu fliegen. Hunderte Menschen seien dadurch getötet und Tausende verletzt worden, berichtet Amnesty. Mit den Luft- und Artillerieangriffen unterstützte die Koalition eine Bodenoffensive der kurdisch geführten Demokratischen Kräfte Syriens (SDF). Die Stadt am Euphrat war nach monatelangen erbitterten Kämpfen schließlich von den SDF-Einheiten eingenommen worden.

Insgesamt starben nach Angaben von Beobachtern mehr als 1.000 Zivilisten in der syrischen Stadt. Die Koalition habe wiederholt unpräzise Waffen in dicht bewohnten Stadtteilen eingesetzt, kritisiert Amnesty.

Ein Sprecher der Operation "Inherent Resolve" wies die Vorwürfe zurück. Es gebe hohe Standards bei der Auswahl der Waffen und Ziele. Die Koalition unternehme hohe Anstrengungen, um Zivilisten zu schützen.

Quote
MK3575 #1

Ich bin schockiert, habe ich doch zuletzt immer gelesen, dass nur der fiese Schlächter Assad mit unpräzisen Fassbomben wirft, während die hochpräzisen Waffen des Westens nur die Terroristen treffen.



Quote
merman2 #4

... Humaner wäre es, wenn sich nur Politiker und militärische Befehlshaber gegenseitig bekämpfen würden. Aber die kommen komischerweise immer unbeschadet aus jedem Krieg heraus.


...


Aus: "Amnesty sieht Hinweise auf Kriegsverbrechen durch Anti-IS-Koalition" (5. Juni 2018)
Quelle: https://www.zeit.de/politik/ausland/2018-06/rakka-syrien-amnesty-international?page=2#comments

Offline Textaris(txt*bot)

  • Administrator
  • Hero Member
  • *****
  • Posts: 8862
  • Subfrequenz Board Quotation Robot
[Versprengte Notizen zum Krieg... ]
« Reply #624 on: June 12, 2018, 09:14:17 AM »
Quote
[...]   Ein halbes Jahr nach der Besetzung der nordsyrischen Stadt Afrin droht eine weitere humanitäre Katastrophe. Die Türkei betreibt dabei Siedlungspolitik gegen die Kurden.

... Abu Kurdo, 62 Jahre alt, wohnt in jenem Streifen seit zwei Monaten in einem von der YPG beschützen Flüchtlingslager, 15 Kilometer vor Aleppo. In die Stadt selbst, das erklärt Kurdo in einem Telefongespräch, könne er nicht. Denn sie wird von Assads Truppen kontrolliert und die lassen viele kurdische Flüchtlinge nur gegen Schmiergeld durch: Umgerechnet 1000 Euro seien pro Person zu zahlen, um nach Aleppo, wo es ein kurdisches Viertel gibt, zu gelangen. Derart viel Geld habe kaum jemand. „Ich hatte in Afrin einen Lebensmittelladen, ich hatte ein ziemlich ruhiges Leben“, sagt Kurdo. „Bis vor wenigen Wochen musste ich meinen Kiez kaum verlassen – und nun warte ich in riesigen Schlangen hier weit weg, um ein Stück Brot zu bekommen.“

... Mit der Arabisierung Afrins möchte Erdogan verhindern, dass ein grenzüberschreitendes, womöglich von der PKK dominiertes Kurdengebiet entstehen könnte. Denn im Süden der Türkei leben ebenfalls – oft oppositionelle – Kurden. In Afrin lebten jedoch nicht nur Kurden, sondern auch christliche und muslimische Araber. Viele von ihnen flohen einst aus Aleppo vor Assads Bomben nach Afrin – einige flohen nun erneut.

In den Auffanglagern südlich von Afrin brechen immer wieder Krankheiten aus. Jiwan S., 22, stammt aus Kobane. Das ist jene syrische Stadt an der türkischen Grenze, die im Herbst 2014 weltweit bekannt wurde, weil die Kurden dort die Angreifer des „Islamischen Staates“ abwehrten. Jiwan S. arbeitet im Flüchtlingslager bei Aleppo für den Kurdischen Roten Halbmond. Auch er berichtet am Telefon: „In den vergangenen Wochen haben wir mehr als 1000 Fälle von Leishmaniose und Tuberkulose festgestellt – wegen des Mülls und der mangelnden Hygiene.“ Zwischen den Feldbetten tauchten Schlangen und Skorpione auf.

...


Aus: "Wie die Türkei Siedlungspolitik betreibt" Muhamad Abdi Hannes Heine (12.06.2018)
Quelle: https://www.tagesspiegel.de/politik/syrien-wie-die-tuerkei-siedlungspolitik-betreibt/22672764.html

Offline Textaris(txt*bot)

  • Administrator
  • Hero Member
  • *****
  • Posts: 8862
  • Subfrequenz Board Quotation Robot
[Versprengte Notizen zum Krieg... ]
« Reply #625 on: July 08, 2018, 09:21:23 PM »
Quote
[...] Vor dem Nato-Gipfel wächst der Druck auf Kanzlerin Angela Merkel (CDU), die deutschen Militärausgaben deutlich hochzufahren. „Ich erwarte, dass Deutschland noch mehr tut“, sagte Nato-Generalsekretär Jens Stoltenberg der „Bild am Sonntag“. Merkel bekennt sich zu steigenden Verteidigungsausgaben – trotz Warnungen von US-Präsident Donald Trump lässt sie ein Erreichen der Nato-Ziele aber offen. Bei der Bundeswehr gehe es jetzt „um Ausrüstung und nicht etwa um Aufrüstung“, sagte Merkel in einer Videobotschaft.

Um die 2014 als Nato-Zielmarke vereinbarten Ausgabenpläne vollständig zu schaffen, müsste der Bundeswehretat bis 2024 um fast 40 Milliarden auf rund 80 Milliarden Euro steigen. Ob das noch zu schaffen ist und überhaupt gewollt ist, ließ Merkel offen. Deutschland wird dies kaum erreichen können – derzeit liegen die Militärausgaben bei 38,95 Milliarden Euro (2018) – das entspricht einer Quote von 1,24 Prozent des Bruttoinlandsprodukts.

Die Staats- und Regierungschefs der Nato hatten 2014 im Zuge der Krim-Krise als Antwort auf das russische Verhalten vereinbart, dass sich alle Mitgliedstaaten bei ihren Verteidigungsausgaben bis 2024 einem Wert von zwei Prozent des BIP annähern sollen, einige wie die USA liegen längst darüber. Der US-Präsident forderte im Vorfeld des Nato-Gipfels am Mittwoch und Donnerstag in Brüssel deutlich höhere Ausgaben Deutschlands, um die USA in der Nato zu entlasten.

Merkel hat als Kompromiss 1,5 Prozent bis 2024 angeboten – da das BIP weiter steigen wird, wären das auch rund 18 Milliarden Euro mehr als heute, was der Koalitionspartner SPD skeptisch sieht. „1,5 Prozent sind nicht zwei Prozent“, sagte Stoltenberg dazu. Er gehe davon aus, dass Deutschland die zwei Prozent anstrebe. „Zumal Deutschland allein wegen seiner wirtschaftlichen Größe eine sehr wichtige Rolle hat.“

Merkel betonte, zu Zeiten des Kalten Kriegs hätten die Ausgaben noch über dem Zwei-Prozent-Ziel gelegen, dann sei es aber zu starken Einsparungen gekommen, so Merkel. Unter der von ihr geführten Bundesregierung von Union und FDP war 2010 ein Sparpaket vereinbart worden, 2011 wurde die Wehrpflicht ausgesetzt. „Eine gute Ausrüstung sind wir auch den vielen Soldatinnen und Soldaten schuldig, die sich für unsere Sicherheit einsetzen“, sagte Merkel nun. Immerhin soll der Etat von Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen (CDU) 2019 um vier Milliarden auf 42,9 Milliarden Euro steigen. Damit läge Deutschland dann bei 1,31 Prozent des BIP – und nicht bei etwa einem Prozent, wie US-Präsident Trump es jüngst behauptet hatte.

Vor dem Nato-Gipfel kritisierte auch der Vorsitzende der Münchner Sicherheitskonferenz, Wolfgang Ischinger, die Militärausgaben der Bundesregierung als zu gering. Man könne lange darüber diskutieren, ob das Nato-Ziel sinnvoll sei, sagte er der „Welt“. „Aber die Wahrheit ist: Wir haben es als Ziel akzeptiert. Es ist deshalb bedauerlich, dass es in der Koalition nicht vereinbart werden konnte.“ Ohne militärische Schlagkraft bleibe Europa trotz seiner wirtschaftlichen Größe weltpolitisch bedeutungslos, so Ischinger.

Der frühere Kommandeur des US-Heers in Europa, General Frederick B. Hodges, schlug vor, dass Deutschland seine Autobahnen, Schienenwege und Häfen militärtauglicher mache und die Investitionen auf die Militärausgaben bei der Annäherung an das Zwei-Prozent-Ziel der Nato angerechnet werden. „Europa benötigt von Deutschland mehr als Panzer, es braucht deutsche Züge“, sagte Hodges den „Stuttgarter Nachrichten“ mit Blick auf schnellere Truppenverlagerungen in Europa. In Manövern dauerten Militärtransporte heute mitunter Wochen und Monate.

US-Präsident Trump betonte zuletzt vor Anhängern: „Ich werde der Nato sagen, Ihr müsst Eure Rechnungen bezahlen, die Vereinigten Staaten werden sich nicht um alles kümmern.“ Deutschland als größter EU-Staat wende nur ein Prozent des Bruttoinlandsprodukts für Verteidigung auf, während dieser Wert für die USA bei vier Prozent liege. Trump sagte zudem mit Blick auf Merkel: „Weißt Du, Angela, (...) ich weiß nicht, wie viel Schutz wir bekommen, indem wir Euch beschützen. Und dann gehen sie raus und machen einen Gas-Deal, Öl und Gas von Russland (...). Sie wollen vor Russland beschützt werden – und trotzdem zahlen sie Russland Milliarden Dollar. Und wir sind die Deppen.“

Ob gewolltes Zeichen oder nicht: Direkt nach dem Nato-Gipfel trifft Trump in Finnland erstmals den russischen Präsidenten Wladimir Putin zu einem bilateralen Treffen. Merkel unterstrich die Bedeutung des westlichen Militärbündnisses. Die Nato sei auch im 21. Jahrhundert als „Garant für unsere Sicherheit und zwar als transatlantisches Bündnis“ nötig. Die Herausforderungen hätten sich stark verändert, etwa nach der Annexion der Krim durch Russland. „Das bedeutet, dass wir uns wieder stärker auf die Bündnisverteidigung konzentrieren und dafür auch Vorkehrungen treffen“, sagte Merkel mit Verweis auf die Präsenz in Mittel- und Osteuropa. Ziel sei ein vernünftiges Verhältnis zu Russland. „Aber gleichzeitig müssen wir als Nato Entschlossenheit zeigen, uns zu verteidigen“, so Merkel.

Der Transatlantik-Koordinator der Bundesregierung, Peter Beyer (CDU), wies darauf hin, dass in der Nato die Befürchtung wachse, dass sich Trump in Helsinki auf einen Deal mit Putin einlassen könnte. „Dem einen oder anderen treibt allein die Tatsache Schweißperlen auf die Stirn, dass sich Trump und Putin treffen, ohne dass irgendetwas mit den Nato-Partnern abgestimmt ist“, sagte er der Funke-Mediengruppe. (FR/dpa)

Quote
Kalle52

Es ist mehr als betrüblich, dass auch über 70 Jahre nach Ende des 2. Weltkrieges die Evolution wenigstens bei den Entscheidungsträgern dieser Welt keine Weiterentwicklung hin zu einer friedensorientierten Grundeinstellung hervorgebracht hat.


Quote
anteater

Kann man den Amis vielleicht anbieten, dass sie im Gegenzug ihre Sozialausgaben auch verdoppeln?


Quote
Peter Uhlemann

"Deutschland als größter EU-Staat wende nur ein Prozent des Bruttoinlandsprodukts für Verteidigung auf, während dieser Wert für die USA bei vier Prozent liege."

Dann sollte er mal mit gutem Beispiel vorangehen und die Ausgaben der USA erst mal auf die geforderten zwei Prozent senken. Das eingesparte Geld könnte er dann in den Wiederaufbau der Länder, die in den letzten Jahren, auch und vor allem durch Einmischung der USA, durch Kriege zerstört wurden, investieren. Das wäre mal ein wirklicher Beitrag für den Weltfrieden.


...


Aus: "Nato-Gipfel Mehr Geld von Merkel fürs Militär gefordert" (08.07.2018)
Quelle: http://www.fr.de/politik/nato-gipfel-mehr-geld-von-merkel-fuers-militaer-gefordert-a-1540399

Offline Textaris(txt*bot)

  • Administrator
  • Hero Member
  • *****
  • Posts: 8862
  • Subfrequenz Board Quotation Robot
[Versprengte Notizen zum Krieg... ]
« Reply #626 on: Yesterday at 01:09:52 PM »
Quote
[...] Der Konflikt im Jemen eskalierte vor drei Jahren. Im März 2015 begann die Militäroffensive einer Allianz von arabischen Staaten und Regierungstruppen gegen die Huthi-Rebellen, die Teile des Landes, darunter Hudaida, kontrollieren. Mehr als zehntausend Menschen sind bereits gestorben, acht Millionen Jemeniten leiden Hunger, 22 Millionen sind auf humanitäre Hilfe angewiesen. Der Krieg ist brutal und unübersichtlich, zahllose Soldaten, Rebellen, Söldner, Stammeskrieger und Milizionäre sind teilweise auf wechselnden Seiten aktiv.

Recherchen der ZEIT zeigen, dass Kämpfer aller Kriegsparteien mit deutschen Sturmgewehren und Maschinengewehren im Jemen und im saudischen Grenzgebiet feuern – und dass die Waffen sich unkontrolliert weiterverbreiten. So präsentieren Huthi-Rebellen auf zahlreichen Fotos im Internet ihre Beutestücke, die sie verfeindeten Gruppen abgenommen haben. Auf einem Bild lehnen an einer Lehmwand mehrere Gewehre. Drei alte AK-47 sind darunter, besser bekannt als Kalaschnikows, aber auch zwei modernere Waffen, die in Deutschland entwickelt wurden: Gewehr 36 (G36) heißen sie, die Standardwaffe der Bundeswehr. Sie wurde von Heckler & Koch auf den Markt gebracht, vom größten Kleinwaffenproduzenten des Landes. ...

Auch die Maschinengewehre MG4 und MG3, alles Waffen, die von der Bundeswehr genutzt werden und in Deutschland entwickelt wurden, sind auf den Fotos aus den Kampfgebieten zu sehen. Das Maschinengewehr 4 (MG4) ist eine neue Waffe, sie wurde erst seit 2005 bei den deutschen Streitkräften eingeführt und wurde in den Auslandseinsätzen in Afghanistan oder Mali genutzt. Dessen Hersteller Heckler & Koch wirbt mit der enormen Feuerkraft: "Die große Kampfkraft und Kampfreichweite, die optimale Feuergeschwindigkeit und die einfache Handhabung machen es zu einer Waffe, die ihresgleichen sucht." In den Jemen hat Heckler & Koch das MG4 nicht geliefert – wohl aber an Staaten, die mit der jemenitischen Regierung verbündet sind wie Saudi-Arabien.

Das G36 wird ebenfalls in Jemens Nachbarland hergestellt. Der saudische Staatskonzern MIC produziert es in Lizenz. Im Jemen aufgetauchte G36 sollen den Stempel der MIC tragen. Die eigenen Soldaten, die im Jemen kämpfen, darf die saudische Regierung damit ausstatten. Aber an ihre Verbündeten darf sie die Sturmgewehre nur mit Genehmigung der deutschen Bundesregierung geben. Einen Re-Export der Waffen hat das Kabinett von Angela Merkel nicht genehmigt. Großes Interesse herauszufinden, woher die Waffen stammen, zeigt die Regierung in Berlin dennoch nicht. Sie erklärte: "Konkrete Erkenntnisse über den gegenwärtigen Einsatz von Klein- oder Leichtwaffen aus deutscher Entwicklung beziehungsweise Produktion im Konflikt im Jemen, die über die öffentlich zugänglichen Informationen hinausgehen, liegen der Bundesregierung nicht vor."

... Welche Folgen die zahlreichen Kleinwaffen im Jemen für die Menschen dort haben, erleben die Mitarbeiter von Ärzte ohne Grenzen (MSF) täglich. "Im Jemen wird momentan viel geschossen und bombardiert. Es kommt zu vielen Zwischenfällen, bei denen Unbeteiligte verwundet oder getötet werden", sagt Christian Katzer, Operational Manager für den Jemen. "Jede Waffe, die im Jemen eingesetzt wird, verlängert den Krieg."

Ärzte ohne Grenzen ist eine der wenigen internationalen Organisationen, die humanitäre Hilfe im Jemen leisten und nicht aus einem der Länder kommen, die Kriegspartei sind.

Quote
Weatherman #1

Ja, wir leben in einer Externalisierungsgesellschaft, die ihren Luxus mit dem Leid bzw. dem Ausnützen anderer ermöglicht. Wird bei der Flüchtlingsdebatte oft vergessen. Ist nicht nur ein Thema bei deutschen Waffen.


Quote
P_S #1.4

WAs ist da bitte Irrational?

Man weiß dass
- Deutchalnd Exportweltmeister ist,
- die meisten Rüstungsgüter ins Ausland gehen
- Länder wie Saudia-Arabien die Waffen kauft, aber auch gleich weiterverkauft (Jemen, Sysrien..)
- man Saudi-Arabien nicht vor den Kopf stoßen darf, sonst könnte s Öl engpässe geben
- man die Rüstiungsindustrie nicht auf Eis legen darf, den es hängen Arbeitsplätze und Steuereinnahmen darn, und Ausgaben für die BW sind billiger wenn der Hersteller aus Deutschland kommt

D.h. um halbwegs das Unheil von dt. Waffen auszugleichen, ist es nur logisch Opfer / Flüchtlinge aufzunehmen!

Humanitärer aber innenpolitisch gefährlicher wäre es den Weg der Linken zu gehen, d.h. Rüstungskonzeren stilllegen und die Bundeswehr entlassen, die neu gewonnen Arbeitslosen mit Hartz IV abzuspesen (natürlich aufgestockten Hartz IV), und damit doppelt so hohe Arbeitslosenversicherung für alle Beschäftigten.

....


Quote
Sven88 #1.7

Und so lange man auf der Siegerseite steht, wird alles mit einem Schulterzucken abgetan. ...


Quote
Demokratische Europäerin #1.10

Und Sie sind sich sicher, dass Waffen und Waffenhandel zu verbieten, nicht auch nur Symptombehandlung wäre?


Quote
RedDuke #1.11

Vielleicht. Aber vielleicht wäre es auch ein erster Schritt. Momentan kann man doch bei besten Willen nicht behaupten es läuft gut, aber solange man selbst einer der größten Waffenlieferanten ist, auch gerade in dieser Region, kann man schlecht andere auffordern die Lieferungen einzustellen.

Vielleicht würde es nichts ändern, vielleicht gäbe es uns aber auch die Position, auch moralisch und als Vorbild, das immer weniger Staaten Waffen in diese Region verkaufen. Auch in anderen Staaten gibt es viele Menschen die damit ein Problem haben, aber der Begriff Realpolitik sie schweigen lässt. Neue Wege, neue Möglichkeiten.

Oder aber man belässt alles wie es ist, verkauft an jeden der will und hat die Probleme immer mehr zuhause und wundert sich, wie es den soweit kommen konnte. Es heißt immer Fluchtursachen bekämpfen, aber die die direkt vor einem liegt, will man gar nicht erst anfassen.


Quote
Leser00 #3

Deutschland muss eben Exportweltmeister bleiben, was sind da schon die paar Tote?


Quote
Coolie #9

Das sind halt die Werte und Moralvorstellungen, die wir von anderen erwarten, aber selbst nicht vorleben. Der Rüstungsindustrie kann es egal sein, in der Politik haben Arbeitsplätze Vorrang vor Moral und Ethik. Könnte aber auch am ungezügelten Lobbyismus liegen. ;-)


Quote
AWKBL #15

Nachdem die Massaker im Völkermord in Rwanda (April - Juli 1994, geschätzte 800000 Tote) vorüber waren, konnte man in der französischen Presse eine sehr böse Karikatur sehen: Zwei Kommandanten, einer Hutu, einer Tutsi, sowie ein französischer "Militärberater" gehen über eines der Schlachtfelder, auf dem zwischen zahllosen Leichen jede Menge Waffen herumliegen. Der Franzose zu den beiden anderen: "Schauen Sie mal, die haben sich mit den gleichen Waffen bekämpft." Für die Leser war klar, daß er Waffen aus französischer Produktion meinte.
Nichts Neues unter der Sonne; und der geschäftsmäßige Zynismus wird sich auch nicht ändern.


Quote
Uwee #17

Was nicht über Waffenlieferungsgesetze der BRD läuft kann über Frankreich oder andere EU-Staaten, bzw. darüber hinaus, Südafrika usw, laufen.


Quote
Zivilcouragee #17.1

und macht das nicht Unterschied? liegt dann in der Verantwortung dieser Länder!


Quote
Du weißt schon wer #18

Selbst wenn Saudi Arabien nicht Krieg im Jemen führen würde, ist es fragwürdig dieses Land mit Kriegswaffen zu beliefern. Deutschland macht sich zum aktiven Handlanger Saudi Arabiens.


Quote
Coolie #18.1

Saudi-Arabien sind doch die "Guten".


Quote
Tornado2016 #23

Hört auf zu Heucheln! Alle westlichen Länder verscheuern Waffen ins Ausland, die einen mehr die anderen weniger. Wenn Deutschland sie nicht verkauft, dann tun es andere.
Waffenverkäufe ganz verbieten, nur herstellen, was man selber braucht, dass wäre eine Alternative, in dieser westlichen Welt aber überhaupt nicht umsetzbar. In westlichen Demokratien zählt einzig der Profit. Menschenrechte sind nur für die Gegner notwendig und werden vom Gegner gefordert!
Es sind doch nicht nur die Kleinwaffen, wir verkaufen bzw. verschenken auch U-Boote, natürlich ohne Atomwaffen und mit dem Hinweis an die Käufer an unsere U-Boote dürft Ihr auch keine anbauen. Und schon sind unsere Politiker beruhigt. Bei Flugzeugen ist es das Gleiche. Und mal ehrlich, warum wird uns immer noch erzählt, dass Kriege von irgendwelchen Stammeskriegern verursacht werden und wurden. Warum gehen unsere Medienprofis nicht darauf ein, wer mit Lügen ganze Völker ins Unglück stürzt, warum wir angeblich in Afgahnistan Deutschland verteidigen, warum wir überall Aufbauhilfe leisten, nachdem die Amis alles zerstört haben?
Warum mischen wir uns einseitig in die Politik anderer Ländern ein? Obwohl das nach unseren "westlichen Werten" gar nicht sein dürfte?
Warum akzeptieren wir keine Volksabstimmungen bzw. nur wen sie uns passen?
Fragen über Fragen!



Quote
TheBearx #29

Der Spruch von Brecht (Erst kommt das Fressen, dann kommt die Moral!) liefert die Erklärung, aber mit einer zusätzlichen, traurigen, Erkenntnis.

Die ursprüngliche Aussage war ja wohl, dass man sich nicht gross um Moral kümmern kann, solange es einem wirtschaftlich schlecht geht. Diese gerade noch akzeptable Erkärung setzt Deutschland aber in ein sehr schlechtes Licht, denn es geht uns wirtschaftlich recht gut (sagt zumindest Merkel).

Die traurige Erkenntnis ist also: Obwohl es uns wirtschaftlich gut geht, bringen wir es dennoch nicht fertig moralisch zu handeln.


Quote
kael #37

Es passt was nicht zusammen

Auf der einen Seite belehren wir gebetsmühlenartig die ganze Welt über unser Verständnis von Demokratie, Freiheit und Menschenrechten, auf der anderen Seite zählt Deutschland zu den größten Waffenexporteuren dieser Welt. Damit trägt es - zumindest anteilmäßig - zu Verbrechen an der Menschlichkeit bei. Christlich ist das nicht.


Quote
Aeiou12345 aggiaggi #37.1

"Es passt was nicht zusammen"

Willkommen im Neuland. Ihr erster Artikel zu einem politischen Thema?
Sie müssen jetzt ganz stark sein, den Weihnachtsmann gibt es garnicht. ...


Quote
Gaius1995 #44

So what. Die wollen sich umbringen, welche Waffen sie dabei verwenden ist egal. ...


...


Aus: "Jemens Krieg und Deutschlands Beitrag" Hauke Friederichs (11. Juli 2018)
Quelle: https://www.zeit.de/2018/29/waffenexporte-bundesregierung-jemen-krieg/komplettansicht