.:: Super8 + 16mm Film Erkundschaftungen - Logbuch der Filmgruppe Laterna 24143 ::.

lemonhorse / 27/01/2009 / Laterna Logbuch

[Ansonsten… ]

200808gaarden5dach8mm

Die Aussicht in Kiel Gaarden:
Manchmal tun wir so als wären wir schwindelfrei auf abgekühlten Dachpappedächern und sehen uns den HDW Kran an.

Vince the Vomiter:
Vince musste plötzlich nachts kotzen nachdem ihm (aus noch unerfindlichen Gründen) der neuer PC (mit dem eigentlich Neila und sein UFO gerendert werden soll) auseinandergeschüsselt ist. Booten geht nicht mehr. Der Festplatten-Controller wird verdächtigt des Übels Quell zu sein. Die alte Super8 Technik erscheint uns im Übrigen um einiges stabiler und zuverlässiger als der moderne Computerschrott!

Super8 schwarz weiß Kaffeporno (Esspresso mit Milchschaum):
Zur Erbauung ist immerhin ein Super8 Kaffeporno aus der Elisabethstrassen-Küche (4. Stock) in der Warteschleife: da ist der frische Esspresso, die heiße Nachbarin und der erstaunlich gehemmte Student mit Brille bekommt einen außerordentlichen wie auch heftigen Milchschaum Cumshot!

Ansonsten ist uns in der Garage das Gas für unseren Blaulichtofen ausgegangen – aber wir geben nicht auf!

lemonhorse / 26/01/2009 / Filmgruppe Laterna 24143, Laterna Logbuch

[Jack the Vomiter… ]

jackfilm2008

A (Super8) Film by Mike Corrigan Travis Hiibner Derrick King Gary McLeod
Starring Jon Swanstrom Reese McMullen Jerome Larsen

[…] “A killer named Jack is stalking the streets in a re-imagined 19th-century slum. He preys on women, on the ragged prostitutes who walk the alleys at night, peddling their own flesh for a handful of coins.
Once they meet Jack, however, their streetwalking nights are brought to a most gruesome and unusual end. Yet this murderer bears only a passing resemblance to his more infamous London counterpart. Yes, the exploits of Jack the Vomiter will certainly be well remembered in the annals of crime history. Jack himself will see to that — as he leaves his unique calling card at the scene of each new slaying.”

Trailer => youtube.com/watch?v=JHXJ9PwqC5k

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[…] “Independent filmmakers Mike Corrigan, Travis Hiibner, Derrick King and Gary McLeod formed Head Juice Productions in 2004 after working alone and in lose affiliation with one another for years. Their collaboration has thus far produced two short films, the award-winning What’s in the Barn? (2005), and the newly-released Jack the Vomiter (2006), an irreverent homage to the silent film era thriller. The Spokane, Washington-based collective works exclusively in film-based formats, primarily Super 8 and 16mm. Areas of film interest include — but are not limited to — expressionism, surrealism, noir, stop-motion animation, documentary, and found footage. Their next film is currently in pre-production.”

=> headjuiceproductions.com/films.htm

lemonhorse / 13/01/2009 / Super8:Art, Super8:Movie

[Super8 für den Tag X … ]

Da fliegt mir doch ein breites Grinsen über das Gesicht – wie lange schon ist mir die Diskussion über das endgültige Ende der Super8 Technik bekannt. Wenn es zu Gesprächen mit Interessierten kommt, so ist das Erstaunen nicht weit, dass der Super8 Film noch nicht unter dem Grabstein der Geschichte liegt. Gerade vor ein paar Wochen saßen Lennardo und ich in einem sich abkühlenden Auto und diskutierten wild mögliche Alternativen zum Super8 Film (wir kamen trotz lebhafter Debatte zu keinem Ergebnis) – und nun lese ich heute bei Wittner Cinetec (Hamburg) etwas über die “Investitionen zur Sicherung der Schmalfilm-Zukunft” – dort wird bereits in Schmalfilm Dekaden (grinz) gedacht:

“Im Rahmen dieser Bemühungen für den Schmalfilmer ist es nun an der Zeit, auch die Verfügbarkeit von neuer Technik für die Konfektionierung von Filmemulsionen für die Zukunft zu sichern. Daher gilt es, alle entsprechenden Einrichtungen so neu wie möglich anfertigen zu lassen, um für die nächsten Jahrzehnte gerüstet zu sein.” …


[Splittingmaschine für Schmalfilmformate]

[…] “Es ist die Anschaffung einer weiteren Schneidemaschine geplant sowie der Ausbau unserer Kapazitäten zur Filmkonfektionierung in Super 8 Kassetten. Ferner wurde die Anschaffung von neuen oder neuwertigen Perforiermaschinen für alle gängigen Schmalfilmformate beschlossen. Auch hier mit dem Hintergedanken, diese für den Tag X bereit zu halten, wenn es niemanden mehr gibt, der für Schmalfilmformate perforieren kann oder will. Wir gehen davon aus, daß irgendwo auf der Welt auch in ferner Zukunft zwar Filmemulsionen gegossen werden, aber wir möchten uns dafür rüsten, diese selbst bei uns in-house konfektionieren zu können. …”

Aus: “Splittingmaschine für Schmalfilmformate eingetroffen”
Info-Redaktion 2008 Wittner Cinetec Hamburg (06.12.2008)
Quelle: wittner-kinotechnik.de/neu/news2008.php

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Ich halte nun rein gar nicht von inhaltsloser Werbung – und leider sind die gestiegenen Kosten für Super8 Filmmaterial wahrlich nicht unerheblich, aber was Wittner da veranstaltet ist erstaunlich und erfreulich.

Lang lebe Super8 ! ;-)

lemonhorse / 18/12/2008 / Super8:Stuff

[Schnee von gestern… ]

[…] “Schnee von gestern – Der private Blick auf die Schneekatastrophe 1978/79”. … 120 Rückmeldungen erhielten die Filmemacher seit Anfang des Jahres, nachdem sie unter anderem auch in unserer Zeitung zu Einsendung von Filmmaterial aufgerufen hatten: “30 Stunden Material von Flensburg bis Itzehoe, von 20 Sekunden bis zu 15 Minuten”, erzählt Oppermann, der besonders erstaunt war über die technische Qualität der Filme “mit Super-8-Charme”. …

Aus: “”Schnee von gestern”: Der Katastrophen-Winter auf Schmalfilm-Dokumenten” Von Jörg Meyer | kn | 05.12.2008, Quelle: kn-online.de/lokales/kiel/?em_cnt=65037

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8mm kino von Gerald Grote und Claus Oppermann:
=> http://www.8mm-kino.de/

lemonhorse / 10/12/2008 / Super8:Movie

lemonhorse / 19/11/2008 / Laterna Logbuch / 1 Comment

lemonhorse / 08/10/2008 / Super8:Movie, Super8:Stuff

[Gegenbilder… (Super8, DDR)]


[Thomas Frick, 1988 (Quelle, frickfilm.de)]

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[…] Thomas Frick […] organisierte Underground-Filmfestivals und einen Filmklub in seiner Heimatstadt Greifswald. Nach Verhaftungen, Hausdurchsuchungen und der Beschlagnahmung seiner Filmarbeiten und Schriften durch das Ministerium für Staatssicherheit nahm Frick Kontakt zu prominenten Künstlern in der DDR und Ungarn auf. Vor allem seinen Super-8-Filmen und der Vermittlung durch den DEFA – Regisseur Heiner Carow verdankte Frick seine Aufnahme 1987 ins Volontariat beim DEFA Studio für Spielfilme in Potsdam-Babelsberg. […]

Quelle: http://de.wikipedia.org/wiki/Thomas_Frick (27. Mai 2008)

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[…] Da Lenin einmal gesagt hatte, daß der Film die wichtigste Kunst sei, war es in der DDR nicht schwer, als ambitionierter Schmalfilmer anzuecken. Um so mehr galt dies, wenn man auch noch vorhatte, sich mit Gleichgesinnten zusammenzutun. Die gesamte Arbeit des “Greifswalder Experimentalfilmzirkels” stand in einer Mixtur aus Naivität, Gerechtigkeitswahn, Selbstbetrug und Zweckoptimismus unter diesem Vorzeichen. Es gab Verräter und Helden, Opfer und Täter, aber es gab auch Filme und immer die Hoffnung auf Tauwetter.

So entstanden die ersten Versuche von Thomas Frick und auch die Filme von Martin Bernhard, Oskar Manigk und Robert Conrad. Kontakte zum DDR-Schmalfilmunderground (u.a Lutz Dammbeck, Christine Schlegel, Mario Achsnick, Thomas Frydetzky) wurden geknüpft und gipfelten in den legendären “G.E.Z. – Informationasveranstaltungen” – illegalen Undergrondfilmfestivals. Die Wirrungen dieser Zeit an diesem Ort sind in dem Buch “Gegenbilder – Filmische Subversion in der DDR 1976 – 1989” im Kapitel “Der Greifswalder Kreis – oder: Lizenz zum Filmen” festgehalten.

Zum Nachlesen – Kritiken von Stasi-Rezensenten zu:
“Massaker”, “Ausflug ins Gebirge”, “SU” und “Riß”
LINK => frickfilm.de/Biografie/Stasi/stasi.html

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[…] [Thomas Frick]: Wir führten die Filme dann auf zahlreichen Untergrundveranstaltungen, auf Parties oder in Abrißhäusern vor. Das Problem war, daß es sich dabei durchweg um nicht lizenzierte Filme, also generell illegale Aufführungen, handelte.

Was bedeutet denn lizenziert?

Wenn man seinen Schmalfilm vom Urlaub im Familienkreis vorführte, gab es keine Probleme. Probleme. In dem Moment, wo ein Film öffentlich vor Publikum gezeigt wurde, mußte er vorher einer sachkundigen Stelle vorgeführt werden. Wenn diese den Film dann für nicht staatsfeindlich befand, durfte er öffentlich gezeigt werden, war also lizenziert. …

Damals in der DDR – Ein Besuch beim Filmemacher Thomas Frick
Text: Claus Krönke, 2006
=> http://www.frickfilm.de/Interview-Schmalfilm__1_.pdf

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// [Literatur, Medien: Gegenbilder. Filmische Subversion in der DDR 1976-1989. Hrsg. von Karin Fritzsche und Claus Löser. Janus Press, Berlin. 180 Seiten, illustriert / Gegenbilder: DDR-Film im Untergrund 1976-1989. Absolut Medien, Berlin. VHS, Farbe und s/w, ca. 90 Min.,]

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Update: 01.09.2008

[…] “Das war in der DDR nicht vorgesehen: Filme, die sich der unmittelbaren Kontrolle durch staatliche Institutionen ganz bewusst entzogen. Ein dichtes Netz von Regelwerken definierte, was wann, wo und wie zulässig war … Doch Not macht erfinderisch. Für eine Gruppe Unentwegter, die technische Provisorien und auch Einschränkungen in der beruflichen Entwicklung in Kauf genommen haben, war der Super-8-Film eine Möglichkeit zur Erweiterung des als starr empfundenen, hergebrachten Kunstbegriffes. Aus dem latenten Notstand des kulturellen Abgeschnittenseins heraus entwickelten sich ganz selbstverständlich ästhetische und inhaltliche Verortungssysteme, die es zugleich im Zustand der totalen Freizügigkeit so nie gegeben hätte. Die FilmemacherInnen codierten die Not des Provisoriums zur improvisatorischen Tugend um und vollzogen mit ihrem offensiv intermedialen, konzeptionellen Ansatz unbewusst ihren Anschluss an die internationale Avantgarde.

Die DVD »Gegenbilder« zeigt eine Filmkultur des Verborgenen und Konspirativen – von keiner Institution gefordert oder gefördert, durch die Gesetzeslage sogar eindeutig in den Bereich der Illegalität verbannt, sind diese Filme dennoch entstanden. Sie zeugen von Lebenswirklichkeiten, die in den offiziellen Medien der DDR keine oder nur rudimentäre und verfälschte Darstellung fanden. Und auch heute gibt es kaum eine historische Fernsehsendung über die DDR, die sich nicht offizieller DDR-Bilder bedient und damit das realosozialistische Abbildungsdogma am Leben hält. Dem setzen die Super-8-Dokumente eine eigene, unverstellte und höchst autonome Blickweise entgegen.”

Aus: “Gegenbilder – Super-8-Dokumente im Untergrund der DDR”
Super-8-Dokumente im Untergrund der DDR: GEGENBILDER (1983–89)
DigitalVD.de – 2008-08-29 08:15:01 – Autor: Patrick Fiekers
Filme von Helge Leiberg, Tohm di Roes, Thomas Frydetzki, Gino Hahnemann, Cornelia Klauß, Via Lewandowsky, Cornelia Schleime, Ramona Köppel-Welsh, Thomas Werner, Claus Löser (Hg.)
Quelle: Gegenbilder—Super-8-Dokumente…

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“Wasser flutet durch das Leck” Von Ralf Schenk
(Berliner Zeitung, 13.09.2008)
Gegenbilder: DDR-Film im Untergrund 1983-1989
=> berlinonline.de/berliner-zeitung/spezial/kritiken…

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[…] “Wir haben immer davon geträumt, dass die sich alles angucken”, sagt Thomas Frick, der heute Filme produziert und Seifenopern. Frick spricht von der Stasi. Heute weiß er, dass die Stasi sich dem freien Film gewissenhaft gewidmet hat. …

Aus: “Und du bleibst da!” Von Michael Pilz (3. November 2008)
Schmalfilme aus dem Untergrund der DDR zeigen, was die Partei nicht zeigen wollte, aber genau beobachtet hat
Quelle: http://www.welt.de/welt_print/article…

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Update 14.01.2010:

[…] Mangel macht bekanntlich erfinderisch und so begannen ab Ende der 1970er Jahre auch in der DDR vor allem Künstler mit dem Filmedrehen. Viele Super-8-Filme entstanden mit der sowjetischen Kamera „Quarz“. Diese Kamera besaß einen Federwerk-Motor und musste jeweils für 30 Sekunden Aufnahmezeit aufgezogen werden. Es gab in Berlin-Johannisthal die einzige zentrale Kopierwerkstatt der DDR für Super-8-Filme. Dorthin wurden die Filme zum entwickeln geschickt. Trotz diesem Umstands und das dadurch auch die Staatssicherheit Zugriff auf das Material hatte, kamen fast alle Filme wieder beim Absender an. Einige Filmemacher entwickelten ihre Schwarzweißfilme auch selbst. Die entwickelten Filmrollen wurden dann geschnitten, montiert oder übermalt. …

Aus: “Gegenbilder
natter | 07.12.08, ostblog.de
=> http://www.ostblog.de/2008/12/gegenbilder.php

lemonhorse / 16/07/2008 / Super8:Stuff / 1 Comment

[The Saddest Music In The World… ]

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[…] Kanada im Jahre 1933: Soeben ist die kanadische Stadt Winnipeg erneut zur traurigsten Stadt der Welt gekürt worden, was die Unterschenkel amputierte Brauerei-Unternehmerin Lady Helen Port-Huntley (Isabella Rossellini) zu der Idee veranlasst, einen Wettbewerb um die traurigste Musik der Welt auszuschreiben. Neben einer Krone aus gefrorenen Tränen gibt es vor allem 25.000 „Depression-Era-Dollars“ zu gewinnen – ein Preisgeld, das Musiker aus aller Herren Länder ins eiskalte Winnipeg lockt. Neben sentimentalen Mariachi-Musikern, depressiven Dudelsack-Spielern aus Schottland und tristen Trommlern aus Afrika ist es vor allem eine Familie, die den Wettbewerb dominiert: Das ist zum einen der schmierige Broadway-Produzent Chester Kent (Marc McKinney), der von Narcissa (Maria de Medeiros) begleitet wird, und zum anderen dessen Bruder Roderick alias Gavrilo (Ross McMillan), der für Serbien antritt. Zwischen den beiden Brüdern steht deren Vater Fyodor (David Fox), ein einstiger Chirurg, der sich nun als Straßenbahnfahrer durchschlägt und der – wie seine Söhne – der Ausrichterin des Wettbewerbs einst verfallen war. Im Kampf der beiden Söhne und ihres Vaters um die Gunst der Preisstifterin entspannt sich nun eine Dramödie, die schonungslos die emotionalen Verstrickungen aller Beteiligten bloß legt.

Aus: “The Saddest Music in the World” Von Joachim Kurz (Datum 200?)
Quelle: kino-zeit.de/…the-saddest-music-in-the-world…

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[..] Nur sehr selten finden Werke den Weg in die Lichtspielhäuser, die sich einer Katalogisierung hartnäckig entziehen und aus diesem Grund denjenigen, die zufällig über sie stolpern, wie Fremdkörper erscheinen müssen in einem System, welches eigentlich keinen Platz für sie zu besitzen scheint. […] The Saddest Music in the World ist auf inhaltlicher Ebene als politische Parabel lesbar. Chester verkörpert amerikanisches Kunsthandwerk in Perfektion, entwirft melodramatische, verkitschte Bühnenshows, die das Publikum durch die reine Quantität der dargebrachten Sentimentalitäten berauschen. Als Ausgangsmaterial dient prinzipiell alles, was ausreichend emotional besetzt ist, von moderner Großstadtmelancholie bis zum Massaker europäischer Einwanderer an der indigenen amerikanischen Bevölkerung. Chesters Showkonzept ist die Perversion der Melting Pot-Metapher, mit der bis heute die hybride Bevölkerungsstruktur der USA beschrieben wird. Der Broadwaygigant gemeindet in seine Künstlertruppe mithilfe des Scheckhefts Musiker ärmerer Nationen ein und entwirft mit deren Hilfe eine ebenso zuckersüße wie verlogene historiografische Melange, in der indische Bauern mit ein paar Handgriffen zu Eskimos umstaffiert werden. Parallelen zu bis heute gültigen Praktiken in der Filmindustrie Hollywoods sind nicht zu übersehen. Sein Bruder und Gegenspieler Gavrilo wird dagegen als romantischer Künstlertypus europäischer Tradition präsentiert: Selbstzerstörerisch, grüblerisch und letztlich genauso weit von der sozialen Wirklichkeit entfernt wie die verkitschte Geschichtsschreibung Chesters.

[…] Diese politische Lesart ist jedoch nur ein kleiner Teil der sinnlichen Erfahrung, die The Saddest Music in the World ermöglicht. Zu allererst springt die ganz und gar eigenartige filmische Form ins Auge. Maddins Werk ist größtenteils in Schwarz-Weiss gedreht, setzt exzessiv Weichzeichner sowie andere Verfremdungsverfahren ein und wird von einem halluzinatorischen Leuchten durchzogen. Gelegentlich eingeschobene, verfremdete Farbaufnahmen und wilde Montagefolgen verstärken den hypnotischen Effekt, der von den scheinbar einer anderen Zeit – wenn nicht gar einem anderen Universum – entsprungenen Aufnahmen ausgeht. Um sich der Faszination, die von The Saddest Music in the World ausgeht, analytisch zu nähern, ist ein Rückgriff in die Filmgeschichte unabdingbar.

Maddins Arbeiten waren stets von einer Obsession für den späten Stumm- und frühen Tonfilm der Zwanziger- und Dreissiger Jahre geprägt, für das überbordende Melodrama der damaligen Plots genauso wie für ungewöhnliche Kamera- und Färbetechniken, rasante Montagen sowie spielerische Experimente auf der Tonspur. Besonders der deutsche expressionistische Stummfilm mit seinen abgründigen, schizoiden Charakteren und einem gnadenlos antirealistischen Gestaltungswillen findet sich als durchgängiges Referenzsystem. The Saddest Music in the World greift weiter aus und bedient sich nicht nur bei Murnau und Co. Ikonografisch orientiert sich Maddin oft am frühen amerikanische Tonfilm, an der ornamentalen Bildgestaltung der Werke Josef von Sternbergs etwa oder der naiv überbordenden Bildsprache früher Musicals, an welchen auch die narrative Struktur, die sich oftmals einer Nummernrevue annähert, erinnert. Dynamische Montagesequenzen evozieren dagegen die französische und russische Stummfilmavantgarde um Abel Gance und Sergej Eisenstein.

Doch die tiefsten Spuren hat auch in diesem Werk der deutsche filmische Expressionismus, Maddins Dauer- und Lieblingsthema, hinterlassen. Denn unter dem absonderlichen Musical mit politischer Grundierung brodelt eine ebenso melodramatische wie bizarre Familiengeschichte, an der die Großmeister der Weimarer Studioproduktionen ihre helle Freude gehabt hätten. Es geht um sexuelle Obsessionen, ödipale Konflikte und enttäuschte Liebe. Im Mittelpunkt aller Intrigen befindet sich die von Isabella Rossellini grandios verkörperte Lady Helen. Die Szene, in welcher die Bierbaronin mit zwei langsam zersplitternden Glasprothesen in Chesters Show auftritt, muss man gesehen haben, um sie zu glauben. Letzten Endes ist diese Sequenz jedoch nur einer unter vielen Höhepunkten in einem Film, der auch dem größten Skeptiker den Glauben an die Möglichkeiten des Kinos zurückgeben sollte.

Aus einer Kritik von Lukas Foerster
(Veröffentlicht am 09.11.2006)
Quelle: critic.de/…/the-saddest-music-in-the-world…

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[…] Es ist eine Geschichte über Liebe, Vertrauen, Verlust, Schmerz und die verschiedenen Möglichkeiten, damit umzugehen. So vielschichtig und wahr all das ist, so wild und surreal ist auch die filmische Umsetzung. Guy Maddin inszenierte “The Saddest Music In The World” als avantgardistisches schwarz-weißes Super8-Spektakel […] – mit leichtem politischen Kommentar. In liebevollen, selbst gebauten Kulissen mit mehreren Kameras gleichzeitig gefilmt, sorgen auch Schnitt und Montage für wohltuend irritierende Konventionsbrüche. Aber dahinter steckt System und eine Energie, eine cineastische Experimentierfreude, die kraftvoll und anrührend von der Schönheit der Traurigkeit erzählt.

Aus: “Traurigkeit in Bier – The Saddest Music In The World”
(cnet.de, Autor ?, teleschau – der mediendienst, Datum 200?)
Quelle: cnet.de/…the+saddest+music+in+the+world…

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[…] „Oberflächlich betrachtet begegnen uns Bilder aus einer Zeit, als diese ihre Unschuld noch nicht verloren hatten. Jedoch ihre Logik widerspricht dem ersten Eindruck: denn was sie zu erzählen haben, sind in Parodie getränkte, brüchige, dramatisch überspitzte, traumhafte, bösartig komische und vollkommen verrückte Geschichten. Es sind sperrige Fabeln, doch in der Art eines Kinderliedes eingängig erzählt. Als wollte Maddin mit seiner kindlichen Fabulierlust bittere Einsichten versüßen, wenn große Gefühle spielerisch auf Freud’sche Psychologie prallen, wenn eine dem Blick schmeichelnde üppige Sinnlichkeit und Detailbesessenheit in der Ausstattung den Zuseher verführen. Der meist nachsynchronisierte Ton gesellt sich dazu, als käme er wie ein entferntes Echo den Bildern zu Hilfe, deren entrückte und flüchtige Schönheit zu untermalen. Kurz und mit den Worten der Cahiers du Cinéma gesagt: ‚Man kann sich keine schönere Antithese zum aktuellen Kino vorstellen.’” (Xenix, Zürich)

Aus: “In Person – Guy Maddin”, Von Brigitta Burger-Utzer (sixpackfilm.com, 2003)
Quelle: sixpackfilm.com/…/inperson/maddin/maddin.html

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[…] “When Maddin was still a young boy, his older brother committed suicide, and while he does not often talk about it, suicide has certainly become a prominent theme that runs throughout his body of work. For that matter, fathers with missing eyes also frequently appear as characters in Maddin’s films, and so, no matter how fictional and exotic the director’s landscapes may seem, they are often fused with pieces of his own autobiographical history”…

From “Guy Maddin” by Jason Woloski (2003)
=> sensesofcinema.com/contents/directors/03/maddin.html

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“Images – The Cinema of Guy Maddin” (imagesjournal.com)
=> imagesjournal.com/issue09/reviews/maddin/text.htm

lemonhorse / 15/06/2008 / Super8:Art, Super8:Movie

lemonhorse / 14/06/2008 / Laterna Logbuch, Neila.Film