Author Topic: kulturwissenschaft und medienrecycling...  (Read 3043 times)

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kulturwissenschaft und medienrecycling...
« on: August 20, 2008, 09:21:42 PM »
Cultural studies sind ein Feld der Sozialwissenschaften und Kulturwissenschaften. Dieser interdisziplinäre Forschungsansatz kombiniert Soziologie, Filmtheorie, Literaturtheorie und Kulturanthropologie in der Betrachtung von kulturellen Phänomenen der Gesellschaft, vor allem der Populärkultur im Gegensatz zur vermeintlichen Hochkultur. Wichtiges Anliegen ist das Hinterfragen und Aufspüren von Ideologien und Identitäten. Dabei werden partikulare und lokale Erscheinungen auf ihren Zusammenhang mit sozialstrukturellen Merkmalen, wie z. B. Rasse, Ethnie, Klasse, Schicht, Gender und sexuelle Orientierung hin untersucht. Cultural studies erforschen die Bedeutung (meaning) von Kultur als Alltagspraxis (everyday practice). Diese Bedeutungen werden als sozial konstruiert aufgefasst. Je nachdem, wie ein kultureller Gegenstand konsumiert wird, ändert sich dessen Bedeutung. Bedeutungen können somit nicht endgültig fixiert werden, sondern unterliegen Verschiebungen, bei welchen Macht eine wichtige Rolle zukommt. ...
http://de.wikipedia.org/wiki/Cultural_Studies

Medienphilosophie
Der Begriff Medienphilosophie steht für eine philosophische Auseinandersetzung mit medienpraktischen und medientheoretischen Fragestellungen. Ihr genuin philosophisches Vorgehen unterscheidet die Medienphilosophie von der Medientheorie, mit der sie ansonsten aufgrund des kulturwissenschaftlichen Zugangs durchaus Gemeinsamkeiten teilt. Die Herausbildung von Medienphilosophie steht im Zusammenhang mit Entwicklungen, die sich seit Mitte des zwanzigsten Jahrhunderts in einem verstärkten Interesse für die kulturellen und politischen Aspekte von verschiedenen Informationsverarbeitungstechnologien, Kommunikationstheorien und Medienpraktiken (u.a. audiovisuellen und digitalen) erkennen lassen.
https://de.wikipedia.org/wiki/Medienphilosophie


OFFSREEN (Medienwissenschaft)
Einzelne Projekte Kieler Medienwissenschaftler
http://www.uni-kiel.de/medien/


Medienphilosophie
Online-Texte von Frank Hartmann // "DISCLAIMER: Theory can seriously damage your mental health"
http://homepage.univie.ac.at/Frank.Hartmann/


"Was ist ein Computerspiel?"
Kulturwissenschaftlicher Text von Natascha Adamowsky
http://www.culture.hu-berlin.de/na/publikation/computerspiel.pdf


Situationisten und Culture Jammer
Eine Untersuchung von Methoden von Situationisten und Culture Jammern von Oliver Schneider (2003) / pdf file 53 Seiten
http://www.randomat.org/spektakel/wege_aus_dem_spektakel_72.pdf


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"Die Weltgesellschaft – eine gigantische Benutzeroberfläche" (1999)
Herr Bolz, läßt sich das, was Sie machen, mit dem Begriff "Medienästhetik" hinreichend
beschreiben?

Norbert Bolz, Jahrgang 1953:  Das habe ich zumindest früher einmal selbst geglaubt. Mit Medienästhetik war gemeint: Theorie der Wahrnehmung unter  Bedingungen neuer technischer Medien. Schon aus beruflichen Gründen muß ich heute etwas einfacher und blasser formulieren: Kommunikationstheorie. Medien untersuche      ich heute nur noch als Kommunikationsmedien. Und "ästhetisch" heißt eine besonders privilegierte, besonders gepflegte Kommunikationsform, die man heute vielleicht weniger gut in der Kunst, viel besser aber in Design, Mode, Werbung und Pop-Kultur analysieren kann. ...
http://www.rudolf-maresch.de/interview/12.pdf

"Wir brauchen die Heuchelei, die Illusion, die "Politik als ob""
Der heuchlerische Kulturbetrieb - Norbert Bolz im Interview (Rudolf Maresch im Gepräch mit Norbert Bolz in Essen, Datum ????)
Ich halte Benjamins Kritik der Ästhetisierung von Politik nach wie vor für zutreffend und möchte sie nicht abmildern. Die Fragestellung hat sich aber längst umgekehrt. Wir haben gar nicht mehr die Option, Politik zu ästhetisieren. Sie ist längst ästhetisiert. Medienästhetik hat die Weltpolitik ersetzt. Was noch wie Option oder Entwurf klingt, ist längst Realität. Wir brauchen nun neue Theorien, um überhaupt den Stand der Dinge zu begreifen. Deshalb dränge ich auch mehr auf eine Analyse und eine Phänomenologie der Gegenwart als auf einen Zukunftsentwurf oder eine politische Alternative.  ...
http://www.rudolf-maresch.de/interview/1.pdf

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"Der weibliche Star als Kriegsbraut" Triebmodellierung und Kulturindustrie im 2. Weltkrieg und in Korea (Text von Hartmut Winkler)
http://wwwcs.upb.de/~winkler/kriegsbr.html


1933-39 NS-Kunst und Kultur (Deutsches Historisches Museum)
http://www.dhm.de/lemo/html/nazi/kunst/index.html


Oft werden wir gefragt, was Reproducts ist und wer hinter diesem Unternehmen steht. Vor allem aber eine Frage bewegt viele Neugierige: Was soll man unter "Verwertungsstrategien" verstehen?!? Dieses Internetangebot soll Ihnen helfen, Reproducts ein bisschen besser kennen zu lernen. Auf externe Anforderung oder als interne Forschungsinvestition betreibt das in seiner Art einzigartige Unternehmen seit dem vorigen Jahrtausend Medienrecycling.
http://www.reproducts.de/


« Last Edit: July 14, 2016, 12:09:55 PM by Link »

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kulturwissenschaft und medienrecycling...
« Reply #1 on: December 15, 2009, 10:28:36 AM »
Bürgerliches Selbstverständnis Kinoreform und früher Schulfilm
- Eine Kulturwissenschaftliche Analyse -
Dr. Paul Ferd. Siegert (1997)
http://dok.uni-lueneburg.de/kollegen/siegert/kinoref.pdf

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Tagesschau, ARD vom 16.11.1960
Die Tagesschau (eigene Schreibweise: tagesschau) ist eine Nachrichtensendung der ARD, die von ARD-aktuell produziert und täglich mehrmals in Das Erste und als Live-Stream auf tagesschau.de[2] sowie als Hauptausgabe um 20 Uhr zusätzlich in den Dritten Fernsehprogrammen (außer BR und MDR), Phoenix, 3sat, EinsPlus und tagesschau24 ausgestrahlt wird.
Die Tagesschau gilt als die älteste noch bestehende Nachrichtensendung im Fernsehen der Bundesrepublik Deutschland und startete offiziell am 26. Dezember 1952, einen Tag nach dem Programmstart des NWDR-Fernsehens und fünf Tage nach der Erstausgabe ihres DDR-Pendants Aktuelle Kamera. ...

https://www.youtube.com/watch?v=GkcM8LAoMXU
« Last Edit: September 08, 2016, 09:53:31 AM by Link »

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medienrecycling...
« Reply #2 on: January 14, 2010, 08:20:36 PM »

Welcome to Recyclism™
The Rubbish is what is lost after using a material. It’s also a product without any value. It’s something that we don’t know how to use or what to do with, a resource that waits for a use or can’t be used because of a technological gap. The rubbish is connected to the idea of property, or to be more precise it’s an object without any owner, so when something is trashed it becomes public property.
http://www.recyclism.com/

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kulturwissenschaft und medienrecycling...
« Reply #3 on: January 20, 2010, 01:14:49 PM »

Carceral Notebooks is a non-profit interdisciplinary project critically exploring contemporary culture and society through the lens of art, philosophy, social science, and law.
http://www.thecarceral.org/

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kulturwissenschaft und medienrecycling...
« Reply #4 on: September 13, 2010, 11:20:59 AM »
Klare Ansagen (Deutsches Fernsehen)
http://klareansagen.tumblr.com/


Zuschauerpost.de basiert auf der HÖRZU-Sammlung von
Christel und Hellmuth Ahlgrimm aus Hamburg, die in den Jahren 1949 bis 2000 nahezu jede Ausgabe archivierten. Die Sammlung wurde von mir (Axel Schneider) im März 2002 übernommen und wird seitdem für die tvprogramme.net von Heiko Thöle und für diese Website ausgewertet. ... Ich habe ich es mir zur Aufgabe gemacht, zu dokumentieren, wie man in früheren Jahren fern sah, beziehungsweise, wie man in Leserbriefen und Fernsehkritiken auf das damalige Fernsehprogramm reagierte. Natürlich kann die Zusammenstellung von Zitaten keinen Anspruch auf Vollständigkeit erheben. Darum geht es mir auch gar nicht. Ich möchte unterhalten, informieren und eine Lücke schließen, die neben den anderen bekannten Sites zum Thema "Fernseh-Geschichte" noch offen war. ...
http://www.zuschauerpost.de/
« Last Edit: October 16, 2016, 09:37:29 PM by Link »

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kulturwissenschaft und medienrecycling...
« Reply #5 on: July 14, 2016, 11:25:22 AM »
"DIE ÜBERLEGENHEIT DES BLICKS" Aria Sebastian Wojciechowski (Studiengang: Medien-Kommunikation-Kultur, 2014)
Eine transdisziplinäre Verortung des fotografischen Blicks zwischen Kolonialismus und Tourismus ...
http://www.whitecharity.de/wp-content/uploads/Wojciechowski.pdf

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60 Jahre TV-Werbung „Der gebildete Mensch sagt nur Persil“ Kurt Sagatz (02.11.2016)
Am 3. November 1956 lief der erste TV-Werbespot im deutschen Fernsehen. Es ging um einen hässlichen Fleck - aus dem ein Multi-Milliarden-Eurogeschäft wurde. ... Nach kurzer Zeit wurden so viele Spots gesendet, dass sich viele Zuschauer zwar an die Geschichten erinnern konnten, aber schon Minuten später nicht mehr wussten, um welche Marke es sich gehandelt hat. Die Werbewirtschaft reagierte mit der Erfindung der Markenfigur. Zu den Ersten gehörte der Bär der Bärenmarke, das HB-Männchen, Fridolin (Maggi) und Frau Antje aus Holland, später kamen Klementine (Ariel), Tante Tilly (Palmolive) und der Herr Kaiser von der Versicherung dazu. ...
http://www.tagesspiegel.de/medien/60-jahre-tv-werbung-der-gebildete-mensch-sagt-nur-persil/14784486.html

"Werbung aus den 50er Jahren"
https://www.youtube.com/watch?v=dQXZNC-3aIo

"Flotter Osten - DDR Werbung der 60er Jahre"
medien, unternehmen, DDR, werbung
Ein Film von Holger Theuerkauf und Michael Reinicke.
https://www.youtube.com/watch?v=I1Z0zomERu8


"Deutsche Werbung: 1945-1995"
... Nivea, 8×4, Rama, Nescafe, and Ariel.
https://www.youtube.com/watch?v=m5o49gcjWb4

Werbespots in den 1980er Jahren (über eine Stunde!)
https://www.youtube.com/watch?v=7F9FC-5KmwM
« Last Edit: March 07, 2018, 09:17:26 PM by Link »

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kulturwissenschaft und medienrecycling...
« Reply #6 on: November 23, 2017, 10:59:58 AM »
Als der Verwaltungsrat des Nordwestdeutschen Rundfunks (NWDR) im August 1948 beschließt einen Fernseh-Versuchsbetrieb aufzunehmen, ist der Startschuss für das Nachkriegsfernsehen gefallen. Hamburg wird zum Zentrum des Fernsehens in der Bundesrepublik Deutschland.
http://www.fernsehmuseum-hamburg.de/

Meine HÖRZU-Sammlung habe ich mittlerweile an einen Interessenten aus Worms verkauft.
Dies bedeutet, dass es zukünftig keine weiteren Updates geben wird. Auch wird es leider nicht mehr möglich sein, Rechercheanfragen zu beantworten.
Die Website wird jedoch in der vorliegenden Form und unter dieser Domain erhalten bleiben.
Ich wünsche also weiterhin viel Spaß auf zuschauerpost.de!
http://www.zuschauerpost.de/

Fernsehserien von A bis Z
https://www.fernsehserien.de/serien-a-z/a

Informationen zu nostalgischen TV-Serien
http://www.steffi-line.de/

"Straßenfeger – Die besten Krimis der 60er und 70er Jahre"
https://www.jpc.de/s/1238938_46280?searchtype=cid

Mit bamby finden Sie Informationen zu Fernsehserien der Vergangenheit und Gegenwart.
Die notwendigen Daten wurden (und werden) aus alten Fernsehzeitschriften gesammelt und zusammengetragen. Angefangen wurde mit dem Jahr 1959, der Erstausstrahlung der Serie "So weit die Füsse tragen". Dies war die erste greifbare Fernsehserie, denn die "Familie Schölermann" wurde noch live produziert, und folglich sind die Informationen zu diesen Gestalten deutscher Fernsehwirklichkeit sehr rar. ...
http://www.bamby.de/

http://www.tvder60er.de/tvserien.html

Universalität der ‘Bodenlosigkeit’ - Zur Parallelität der ‘Entwurzelung’ von Gesellschaft, Subjektivität und Denken – Ein systemtheoretischer Erklärungsversuch
Vom Fachbereich Philosophie-Religionswissenschaft-Gesellschaftswissenschaften der Universität - Gesamthochschule - Duisburg zur Erlangung des akademischen Grades
Von Feltes, Stefan aus Rheinberg --- Die Arbeit hat sich zum Ziel gesetzt, diesen zunächst mehr vordergrün-
digen Eindruck zu belegen, die Genese des Phänomens aufzuzeigen und
eine strukturelle Parallelität zwischen den drei Ebenen nachzuweisen. Vor
allem  aber  unternehmen  wir  in  dieser  Arbeit  den  Versuch,  die  unterstellte
‘Bodenlosigkeit’  von  Subjekt,  Gesellschaft  und  Denken  im  Bezugsrahmen
der Systemtheorie Luhmanns zu erklären sowie gleichermaßen aus dieser
Theorie  heraus  Anhaltspunkte  zu  finden,  mit  denen  die  Parallelität
  der‘Entwurzelung’  von  Gesellschaft  und  Denken  einerseits  sowie  von  Gesell-
schaft und Subjektivität andererseits erklärt werden kann. ...
http://duepublico.uni-duisburg-essen.de/servlets/DerivateServlet/Derivate-5074/bodenlosigkeit.pdf
« Last Edit: March 07, 2018, 09:14:00 PM by Link »

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kulturwissenschaft und medienrecycling...
« Reply #7 on: August 08, 2018, 07:35:25 PM »
Quote
[...] Hans-Joachim Kulenkampff war ein Entertainer des westdeutschen Fernsehens, mit Ausstrahlung bis in die DDR. Seine Quiz-Show „Einer wird gewinnen“, sonnabends in der ARD von 1964 mit Unterbrechungen bis 1987, zog ein riesiges Publikum an.

Wenn nun in der ARD zu einer für Dokumentationen luxuriös frühen Zeit ein 90-Minuten-Film unter dem Titel „Kulenkampffs Schuhe“ angekündigt ist, sollte man erwarten, es ginge um diesen Showmaster. Doch die Regisseurin Regina Schilling erzählt vielmehr eine Geschichte der Männer der jungen Bundesrepublik.

Ausgehend von Kulenkampffs Aussage, er habe sich im Krieg vier erfrorene Zehen selbst amputiert, schaut Schilling ihm und seinen Zeitgenossen auf die Füße. Welchen Weg ist der 1921 in Bremen geborene Fernsehunterhalter gegangen? Und wie wurde der Vater der Regisseurin, mit dem sie im Wohnzimmer die Sendungen schaute, zu dem, der er war? Kulenkampff zog mit der Wehrmacht in die Sowjetunion, Schillings Vater, 1925 geboren, meldete sich freiwillig zum Kriegsdienst. Was hat er gesehen, getan? Er habe nie über diese Zeit gesprochen, sagte die Mutter der Filmemacherin.

Stück für Stück arbeitet sie sich durch den Geist der Zeit. Fotos zeigen ihre Eltern in der eigenen Drogerie, die im Wirtschaftswunder wuchs und mit der freien Marktwirtschaft ins Straucheln kam. Zwischen Super-8-Filmschnipseln der Familie stehen Ausschnitte aus „Einer wird gewinnen“ und Szenen aus einem Fernsehfilm mit dem „Derrick“-Star Horst Tappert. Der spielte 1970 einen Drogisten, und so wie sich die Bilder ähneln, wird nochmals deutlich, wie allgemeingültig Schillings Spurensuche ist. Tappert, stellte sich später heraus, war bei der Waffen-SS. Der Fernsehproduzent Martin Jente, der den Butler in Kulenkampffs Show mimte, war SS-Hauptscharführer.

Ein anderer Fernsehheld jener Zeit, Hans Rosenthal, dessen Quiz-Show „Dalli Dalli“ 1971 zum ersten Mal auf Sendung ging, kam aus einer jüdischen Familie. Im selben Jahr geboren wie Regina Schillings Vater, erlebte er ab 1934 Ausgrenzung und Verbote. Die Demütigungen beschleunigten den frühen Tod der Eltern, sein Bruder wurde nach Riga deportiert und ermordet, er überlebte die letzten zwei Jahre von Hitlers Herrschaft im Versteck. Den Termin seiner 75. Sendung zu verlegen, gestattete man ihm nicht. Es war der 9. November 1978, 45 Jahre nach der Pogromnacht. Rosenthal trug Schwarz.

Durch die Folie der Unterhaltung zeichnet der Film ein eindrückliches Bild der frühen Jahre der Bundesrepublik. Als eine Protestwelle Ende der 60er-Jahre das Land durchzog, witzelte Hans-Joachim Kulenkampff in einer Talkshow über die Hippies. Seine Frau indes sagte, sie empfinde Sympathie für jene, die aufbegehrten.

Kulenkampffs Schuhe, 8.08.2018, 22.30 Uhr, ARD


Aus: "ARD-Dokumentarfilm „Kulenkampffs Schuhe“ Eindrückliches Bild einer jungen Republik" Cornelia Geißler (08.08.2018)
Quelle: https://www.berliner-zeitung.de/kultur/medien/ard-dokumentarfilm--kulenkampffs-schuhe--eindrueckliches-bild-einer-jungen-republik-31077160

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Quote
[...] In dem Bestseller "Generation Golf" hat Florian Illies der Samstagabend-Seligkeit seiner Kindheit in den Achtzigerjahren ein Denkmal gesetzt: erst Badewanne und Playmobil-Schiff, dann "Wetten, dass..?". Regina Schillings Doku "Kulenkampffs Schuhe" schürft tiefer: Die Autorin, 1962 geboren, erinnert sich an ihre eigene Fernsehkindheit, die von den Vorgängern Frank Elstners geprägt war: Hans Joachim Kulenkampff, Hans Rosenthal und Peter Alexander.

Das Baderitual gehörte bei ihr auch schon dazu, doch sie empfand die Familienidylle vor dem Empfangsgerät nicht als ungetrübt: "Ein Schweigen, etwas Verschlossenes" habe ihren Vater umgeben, erzählt sie im Off-Kommentar.

Dies führt zum entscheidenden Twist ihres Films: Als Schilling vor ein paar Jahren erfährt, dass ihr einstiges Idol Kulenkampff (Jahrgang 1921) sich als Soldat im Zweiten Weltkrieg an der Ostfront eigenhändig vier abgefrorene Zehen mit dem Taschenmesser amputiert hat, beginnt sie, die Biografien der Showmaster zu untersuchen - und zu der ihres früh verstorbenen Vaters (Jahrgang 1925) in Beziehung zu setzen. Denn auch der war in der Nazizeit Soldat gewesen, wenngleich darüber nie gesprochen wurde.

Wer hat damals eigentlich für wen Fernsehunterhaltung gemacht? Mit dieser Fragestellung hat Schilling Senderarchive und privates Super-8-Material durchforstet - und wurde überreich fündig. Dabei sind gar nicht alle von ihr zusammengetragenen Aspekte Neuigkeiten - aber dank ihrer virtuosen Montage und des feinsinnigen Kommentars erscheinen sie in neuem Licht, gewinnen neue Bedeutung.

Da ist der Holocaust-Überlebende Hans Rosenthal, der in der Quizshow "Dalli Dalli" Kandidaten zerbrochenes Porzellan in eine Maschine kippen lässt, aus der es heil wieder herauskommt. Und der dann für sein Publikum zum "Sie sind der Meinung, das war spitze!"-Sprung ansetzt. Da ist der ehemalige Flakhelfer Peter Alexander, der mit Caterina Valente (als Kind deportiert) den Wirtschaftswunderhit "Es geht besser, besser, besser" performt. Und da sind erstaunlich viele kleine Anspielungen auf Krieg, Russland und das Soldatsein in Kulenkampffs "Einer wird gewinnen"-Moderationen.

Was mag ihr Vater gedacht haben, wenn er Kulenkampff sah, fragt Regina Schilling: "Wie viele sind neben dir verreckt? Wie viele Menschen hast du auf dem Gewissen?" Wenn in einem anderen Ausschnitt der Showmaster sein Publikum mit den Worten begrüßt, man wolle jetzt "friedlich, gemütlich und richtig schön langweilig" die nächsten zwei Stunden miteinander verbringen, wirkt das auf einmal nicht mehr nur spießig, sondern wie ein Anzeichen für ein kollektives Ruhe- und Sedierungsbedürfnis.

Kriegstraumatisierte Showmaster halfen einem kriegstraumatisierten Publikum mit infantilen Spielchen beim Verdrängen. Zitat aus dem dritten Band der Romantrilogie "08/15", die später mit dem Ex-Fallschirmjäger Joachim Fuchsberger verfilmt wurde: "Im Grunde braucht Deutschland keine Befreier, sondern Ärzte. Denn die Menschen hier sind krank."

Wie nah und unverarbeitet Kriegserfahrung und Nazizeit in Wahrheit noch waren, schält Schilling auf vielen Ebenen heraus. Sie dokumentiert, wie sich ihr Vater mit 17 freiwillig zu den Fliegern meldete und in ein Ausbildungsregiment nach Belgien kam, später dann in ein Gefangenenlager am Rhein. Dass er nach dem Krieg eine Ausbildung zum Drogisten machte, wertet die Tochter auch als zeittypisch: "aufräumen, reparieren, Schädlinge bekämpfen, Wunden heilen" - darum sei es gegangen.

Meisterhaft, wie Schilling einerseits sehr persönlich erzählt - und gleichzeitig die Allgemeingültigkeit ihrer Beobachtungen belegt: Die Drogerie-These etwa stützt sie mit Ausschnitten aus dem Fernsehspiel "Industrielandschaft mit Einzelhändlern" (1970), in dem der spätere "Derrick"-Darsteller Horst Tappert, einst Mitglied der Waffen-SS, einen Drogisten im weißen Kittel spielt. Auch in den Produkten und Werbespots der Zeit macht sie deren Spuren fest: "Unsere weiße Weste verdanken wir Persil", warb der Waschmittelhersteller in einem Spot mit Pinguinen.

Die kindliche Begeisterung der Autorin fürs Unterhaltungsfernsehen endete jäh am 9. November 1978. Es war der Tag, an dem erstmals offiziell der Reichspogromnacht von 1938 gedacht wurde. Hans Rosenthal hatte zwar nicht durchsetzen können, die anstehende 75. Jubiläumsausgabe von "Dalli Dalli" zu verlegen, moderierte aber in Schwarz und ließ nur Opernmusik spielen. Und im Anschluss wurde zum ersten Mal Alain Resnais' dokumentarischer KZ-Film "Nacht und Nebel" im TV gezeigt.

Über Kulenkampffs Schuhe wird im Film übrigens nicht viel mehr gesprochen. Das ist aber auch nicht nötig. Mag sich jeder seinen eigenen Reim auf die polierten Hochglanztreter machen, unter denen sich so viel Versehrtheit verbarg. Fest steht: Man blickt nun einfach anders auf sie.


Aus: "Deutsches Wirtschaftswunderfernsehen Freie Fahrt ins Verdrängen" Peter Luley (08.08.2018)
Quelle: http://www.spiegel.de/kultur/tv/ard-doku-kulenkampffs-schuhe-freie-fahrt-ins-verdraengen-a-1221861.html

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Quote
[...] Kulenkampffs Schuhe läuft heute, Mittwoch 8. August, um 22.30 Uhr im Ersten. ...  Kulenkampff kokettiert später mit der von Kritikern monierten Harmlosigkeit seiner Sendung: „Mit acht Nationen einen friedlichen Abend verbringen, richtig schön langweilig“, das sei doch was angesichts der jüngeren deutschen Geschichte. In den besten Jahren erzielt er Einschaltquoten von neunzig Prozent. Die „EWG“-Kulisse mit den gemalten beleuchteten Hochhäusern, die nach New York aussieht, die internationalen Gäste, die Kindergeburtstagsspiele, die charmanten Anzüglichkeiten des Moderators, die Showtreppe und Stars wie Caterina Valente – all das ist, wie Schilling in ihrer höchst subjektiven, aber exemplarischen Untersuchung zeigt, weniger harmlos, als sie damals wissen kann. Insbesondere die späteren, aus Amerika importierten Quizshows bedienen das „Re-Education“-Kalkül der westlichen Siegermächte. Das ist bekannt. Lutz Dammbecks Grimme-Preis-nominierter Film „Overgames“ beispielsweise zieht die Einflusslinien bis hin zu Methoden der Behandlung von Psychiatriepatienten durch forensische Spiele in Amerika.

Kulenkampff kokettiert später mit der von Kritikern monierten Harmlosigkeit seiner Sendung: „Mit acht Nationen einen friedlichen Abend verbringen, richtig schön langweilig“, das sei doch was angesichts der jüngeren deutschen Geschichte. In den besten Jahren erzielt er Einschaltquoten von neunzig Prozent. Die „EWG“-Kulisse mit den gemalten beleuchteten Hochhäusern, die nach New York aussieht, die internationalen Gäste, die Kindergeburtstagsspiele, die charmanten Anzüglichkeiten des Moderators, die Showtreppe und Stars wie Caterina Valente – all das ist, wie Schilling in ihrer höchst subjektiven, aber exemplarischen Untersuchung zeigt, weniger harmlos, als sie damals wissen kann. Insbesondere die späteren, aus Amerika importierten Quizshows bedienen das „Re-Education“-Kalkül der westlichen Siegermächte. Das ist bekannt. Lutz Dammbecks Grimme-Preis-nominierter Film „Overgames“ beispielsweise zieht die Einflusslinien bis hin zu Methoden der Behandlung von Psychiatriepatienten durch forensische Spiele in Amerika.

Schillings Film streift das Thema zwar – „für meinen Vater waren diese Showmaster wie Therapeuten“. Der faszinierendste Befund ihrer Arbeit mit dem Fernseharchivmaterial, der durch private Super-8-Filme, zahlreiche Fotos und Dokumente gestützt und ergänzt wird (Montage Jamin Benazzouz), ist aber ein anderer. Kulenkampff etwa macht häufig Witze über den Krieg, was dem Mädchen damals entgeht. Hans Rosenthal, jüdischer Herkunft, überlebte im Versteck einer Berliner Laube, sein Bruder wurde deportiert und erschossen. Später schreibt und spricht Rosenthal darüber im Interview mit Joachim Fuchsberger. Selbst beim ewig lustigen Peter Alexander gibt es wehmütige Chansons über Ruinen und zerbombte Städte: „Berlin hat mich mit einem Teppich empfangen – einem Bombenteppich.“

Unter der Oberfläche der Harmlosigkeit dieser Unterhaltungsshows gibt es überall Bodenloses. Einiges sieht man erst durch Schillings Film. Manches ist vorher bekanntgeworden. Martin Jente, der als Butler Kulenkampff am Ende der Show stets hinauskomplimentiert und der auch Produzent von „EWG“ ist, diente als SS-Hauptscharführer und Adjutant im Führerhauptquartier, wie sich bei Sichtung seines Nachlasses herausstellt.

Auch Horst Tappert, der 1970 in einem Fernsehspiel einen Drogisten vor der Geschäftsaufgabe spielt –, die Parallelen zum imaginierten Leben von Schillings Vater sind evident – war Soldat bei der SS. Unter Kulenkampffs glänzendem Showschuh verbarg sich ein Fuß, dem vier erfrorene Zehen fehlten, die er sich als junger Soldat an der Ostfront mit dem Taschenmesser abgeschnitten hatte. Robert Lembke hatte einen jüdischen Vater. Einmal kommt in „Dalli Dalli“ eine Maschine zum Einsatz, die Porzellanscherben zusammenklebt. Die Mitspieler schaufeln am einen Ende Zerbrochenes hinein und ziehen am anderen Kannen und Tassen auf Tabletts heraus. Eine solche Art Maschine ist in „Kulenkampffs Schuhe“ auch die Nachkriegs-Unterhaltungsshow. ...


Aus: "„Kulenkampffs Schuhe“ in der ARD : Mach sie alle wieder ganz" Heike Hupertz (08.08.2018)
Quelle: http://www.faz.net/aktuell/feuilleton/medien/die-dokumentation-kulenkampffs-schuhe-in-der-ard-15725292.html

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