Author Topic: Terror als Themenfeld...  (Read 16962 times)

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Terror als Themenfeld...
« Reply #20 on: September 10, 2020, 03:26:03 PM »
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[...] Die IS-Fanatikerin ist Elina F. nicht mehr anzusehen. Statt der Vollverschleierung, in der sie jahrelang das Haus verließ, trägt sie an diesem Morgen eine blassrosa Bluse und kräftiges Make-up, die blondierten Haare stecken unverhüllt in einem Zopf. Sie sieht wieder aus wie damals als Jugendliche, als sie in Tonndorf lebte und im Einzelhandel arbeitete, als sie am Wochenende mit Freundinnen zum Tanzen ging. Eine Angeklagte, sagt die Vorsitzende Richterin am Oberlandesgericht, die das Gegenteil der Frau ist, die sie zwischenzeitlich war. Sieben Jahre lang war Elina F. in Syrien beim IS. Der Staatsschutzsenat verurteilt sie dafür zu einer Haftstrafe von zwei Jahren und setzt die Strafe zur Bewährung aus.

Elina F., die Angeklagte, wächst in Hamburg auf. Sie geht zur Schule, macht ihren Abschluss, hat anschließend einen festen Job. Mit 19 Jahren lernt sie Serkan E. kennen. Er ist ihre große Liebe. Ein Mann, der damals polizeibekannt ist, er ist Mitglied bei den Hells Angels. Doch Serkan E. macht eine erstaunliche Wandlung: Er entdeckt den Islam für sich, wird von der Rotlichtgröße zum Glaubensbruder. Elina F. macht diese Wandlung mit.

Sie konvertiert zum Islam. Heiratet Serkan E. in einer Moschee am Steindamm, geht regelmäßig zum Gebet. Die beiden radikalisieren sich immer mehr. So sehr, dass sie sich 2013 entschließen, in den Dschihad zu ziehen, den heiligen Krieg. Serkan E. reist nach Syrien aus, Elina F. kommt zwei Monate später hinterher.

An dieser Stelle beginnt das Kapitel ihres Lebens, mit dem sie rückblickend so schnell wie möglich abschließen will. Deshalb akzeptiert sie auch das Urteil des Hanseatischen Oberlandesgerichts sofort. Sie will keine Rechtsmittel mehr, nur noch ein neues Leben. Nach dem Urteil weint sie vor Erleichterung, mit einer Bewährungsstrafe davongekommen zu sein. Dann öffnet Elina F., umringt von Freundinnen und ihrer Mutter, vor dem Gerichtsgebäude mit lautem Knall einen Sekt.

Die heute 30-Jährige hat sich endgültig vom IS abgewandt. Und sie hat ausgepackt. Sie hat nichts beschönigt, sondern eingeräumt, sogar Propaganda für das Leben im IS-Kalifat gemacht zu haben. Das betont die Vorsitzende Richterin, und sie begründet damit, wieso Elina F. mit einer Bewährungsstrafe davongekommen ist. Das ist ungewöhnlich in einem solchen Fall. Anderen Syrien-Rückkehrerinnen drohen viele Jahre Gefängnis. So auch Omaima A., der Witwe des früheren Rappers und späteren IS-Kämpfers Denis Cuspert alias Deso Dogg, die zurzeit parallel in Hamburg angeklagt ist. Für sie hat der Oberstaatsanwalt am Montag vier Jahre und zehn Monate Haft verlangt.

Das Geständnis und die Abkehr unterscheiden den Fall Elina F. fundamental von anderen. Viele Syrien-Rückkehrerinnen geben sich vor Gericht ganz naiv, als hätten sie kaum gewusst, dass der IS Menschen terrorisiert. Sie behaupten, nur ihrem Mann den Haushalt geführt zu haben, mehr nicht. Auch Omaima A., die Cuspert-Witwe, hat vor Gericht nur zögerlich über ihr Leben in Syrien ausgesagt. Der Staatsanwalt bedauerte in seinem Plädoyer am Montag, dass sie keine Lebensbeichte abgelegt habe. "Sie sind mit einzelnen Taten des IS nicht einverstanden," sagte er. "Aber Sie haben sich nicht grundsätzlich distanziert."

Anders Elina F. Sie hat einen hohen Preis für ihren Fanatismus bezahlt. 2014 kam ihr Mann Serkan E. bei Kämpfen in Syrien ums Leben, als sie im sechsten Monat schwanger war. Anschließend lebte sie weiter im sogenannten Kalifat, "wie eine Prinzessin", wie sie selbst sagt: als Märtyrerwitwe war sie hoch angesehen. Dann aber heiratete sie erneut, war der Gewalt ihres Mannes ausgesetzt, floh mit ihm und den inzwischen zwei Kindern aus Rakka, als die Bombardierungen dort zunahmen. 2017 kam auch ihr zweiter Ehemann ums Leben. Elina F. ließ sich von Schleusern an die türkische Grenze bringen. Dort landete sie in einem kurdischen Gefangenenlager. Zwei Jahre lang lebte sie dort unter katastrophalen Bedingungen, wie die Richterin sagt, und wollte nur noch weg: Zurück nach Hause. Nach Hamburg.

Diesen Januar wurde sie ausgewiesen. Mitte des Monats kam sie mit den Kindern auf dem Flughafen Fuhlsbüttel an. Ihre Anwältin Ina Franck hatte alle Hebel in Bewegung gesetzt, schließlich hatte sich auch das Auswärtige Amt für die Frau und ihre beiden Kinder eingesetzt. Das sei keine Selbstverständlichkeit, sagt die Richterin: "Bei einer selbst gewählten Ausreise zum IS gibt es keine Rückholgarantie."


Aus: "Ehefrau von IS-Kämpfer: Radikal ehrlich"  Elke Spanner, Hamburg (10. September 2020)
Quelle: https://www.zeit.de/hamburg/2020-09/ehefrau-is-kaempfer-hamburg-urteil-gericht-familie

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« Reply #21 on: September 20, 2020, 08:20:06 PM »
Aus: "Opfer des Terroranschlags von Hanau: „Wir wollen Gerechtigkeit“"
In einem offenen Brief fordert ein Bündnis mehr Hilfe für die Familien der Opfer. Bund und Land reagieren verhalten.
Quelle: https://taz.de/Opfer-des-Terroranschlags-von-Hanau/!5714888/

"Prozess zum Nazi-Anschlag von Halle: Der Schmerz der Opfer"  Konrad Litschko, Redaktion Inland (15.9.2020)
Im Prozess um den Anschlag in Halle offenbart der Vater des erschossenen Kevin S., wie die Tat sein Leben veränderte. Eine Aussage führt zu Applaus.

"Gedenken an Enver Şimşek: Jena benennt Platz nach NSU-Opfer" (18.9.2020)
Enver Şimşek war der erste Mensch, den der NSU ermordete. Die Stadt Jena hat nun einen Platz nach ihm benannt.
https://taz.de/Gedenken-an-Enver-imek/!5714905/


""Rohwedder": Mord mit Hintergründen" Eine Rezension von Matthias Dell (24. September 2020)
Netflix startet seine erste deutsche True-Crime-Serie. "Rohwedder" verhandelt den ungeklärten Mord an dem Treuhandchef – und berührt dabei große Fragen des Kapitalismus.
Was den Fall betrifft, haben die Filmemacher nichts Neues zu erzählen. Aufgeklärt ist das Verbrechen bis heute nicht. O-Ton-Geber in Rohwedder wie der einstige Bundesfinanzminister Theo Waigel und der BKA-Mann Rainer Hofmeyer haben schon in anderen Formaten zum selben Thema rumgesessen, stellenweise fast wortgleich (Wolfgang Schäuble konnte dagegen nicht gewonnen werden); der RAF-Erklärer Winfried Ridder hat auf seiner – zuletzt offenbar nicht mehr aktualisierten – Website sogar eigens seine Filmografie aufgelistet. Doch die RAF-Theorie ist nun die, von der die neue Serie Rohwedder am wenigsten hält. Das merkt man daran, dass sie zuerst verhandelt wird, als die am wenigsten spannende.
Es folgt die zweite Möglichkeit: Ex-Stasi-Leute könnten aus Hass oder aus Sorge, die Treuhand käme ihren durch Ex-DDR-Außenhandelsfirmen veruntreuten Vermögen auf die Spur, von ihrer Ausbildung Gebrauch gemacht haben. Und schließlich die dritte Version: Rohwedder wurde westdeutschen Machtinteressen geopfert, um die Kritik an der Treuhand zu erschweren und mit Birgit Breuel als seiner Nachfolgerin zugleich den Kurs zu ändern (Privatisierung! Privatisierung! Privatisierung!). ...
https://www.zeit.de/kultur/film/2020-09/rohwedder-doku-serie-netflix-duesseldorf-verbrechen-mord-deutschland/komplettansicht
« Last Edit: September 25, 2020, 11:23:58 AM by Link »

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« Reply #22 on: September 27, 2020, 05:07:56 PM »
Quote
[...] Als Motiv habe er die erneute Veröffentlichung umstrittener Mohammed-Karikaturen durch "Charlie Hebdo" genannt, die er "nicht ertragen" habe.

Vor dem einstigen Sitz der "Charlie Hebdo"-Redaktion hatte ein Angreifer am Freitag zwei Journalisten einer Agentur mit einem Hackmesser attackiert und schwer verletzt. Kurze Zeit später wurde der Hauptverdächtige in der nähe des Tatorts festgenommen. Nach eigenen Angaben ist er 18 Jahre alt und kommt aus Pakistan.

... Sie wurden im Gesicht schwer verletzt. Der Angriff war unglaublich gewalttätig“, sagte Hermann. „Es gab eine echte Bereitschaft zum Töten.“ Hermann kritisierte, dass das Gebäude während des seit Anfang September laufenden Prozesses gegen mutmaßliche Helfer der Terrorserie im Januar 2015 nicht geschützt wurde.

...


Aus: "Verdächtiger gesteht Messerattacke in Paris" (26.09.2020)
Quelle: https://www.tagesspiegel.de/gesellschaft/panorama/er-habe-die-mohammed-karikaturen-nicht-ertragen-verdaechtiger-gesteht-messerattacke-in-paris/26219180.html

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Firebird 15:51 Uhr
Antwort auf den Beitrag von mcgyver 26.09.2020, 19:11 Uhr

    Ich verstehe auch nicht, warum Charlie Hebdo nun zum zweiten Mal diese Karikaturen veröffentlicht. Es war doch absehbar, dass wieder ein Anschlag stattfinden würde und vielleicht war das nicht mal der letzte. 

Hm, so haben die Attentäter wohl auch gedacht.


Quote
countrylover 26.09.2020, 16:47 Uhr

    Als Motiv habe er die erneute Veröffentlichung umstrittener Mohammed-Karikaturen durch "Charlie Hebdo" genannt, die er "nicht ertragen" habe.

Ein guter Grund für europäische Tageszeitungen wie z.B. dem TSP nun erst recht die Mohammed-Karikaturen zu veröffentlichen und damit Solidarität mit den schwerverletzten Redakteuren in Paris zu zeigen.


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Pumpi-macht-Stress 26.09.2020, 14:02 Uhr

Ideologien/Religionen vertragen schwer die Freiheiten in einer westlich-pluralistischen und demokratischen Gesellschaft. Einge der Foristen werden natürlich wieder die erneute Veröffentlichung der Karikaturen kritisieren: Ach, man muss nicht erneut Öl ins Feuer gießen.  Aber das Öl, ein heilsames Balsam, ist nicht das Problem - Feuer hat nicht nur Bücher verbrannt sondern au f den Scheiterhaufen religiöser Fanatiker brannten Menschen, bizarrerweise auch Tiere. Ach ja, Religionen sind was feines - sie geben uns Halt im morden, verbrennen, erstechen, hängen.


Quote
mansfield 26.09.2020, 16:07 Uhr
Antwort auf den Beitrag von ZyanKarli 26.09.2020, 15:13 Uhr

    Oder können Sie sich an aktuelle  Attentate von in ihrem Glaubensempfinden verletzten Buddhisten/Juden/Christen erinnern?

Na ja, z.B. als Gynaekologe, der Abtreibung vornimmt, wuerde ich mich in den USA sehr unsicher fuehlen. Was aber nicht von der Tatsache ablenkt, dass ich den Safalfismus als sehr gefaehrlich empfinde.


Quote
Pumpi-macht-Stress 26.09.2020, 18:20 Uhr
Antwort auf den Beitrag von ZyanKarli 26.09.2020, 15:13 Uhr

    Warum nehmen Sie alle Gläubige in Sippenhaft?

Sie sollten auf die Nuancen achten: Ich spreche von Ideologien/Religionen die "letzte Wahrheiten" verkünden, nicht von Gläubigen, die mal mehr oder weniger angefasst sind wenn es Kritik hagelt.


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« Reply #23 on: October 17, 2020, 11:10:26 AM »
"Mann nahe Paris enthauptet: Neun Festnahmen - Macron spricht von islamistischem Terroranschlag" (17.10.2020)
Der Lehrer war am Freitag auf offener Straße ermordet worden. Anti-Terror-Fahnder gehen von einem Zusammenhang mit den umstrittenen Mohammed-Karikaturen aus. In der Nähe von Paris ist ein Geschichtslehrer offenbar im Zusammenhang mit den umstrittenen Mohammed-Karikaturen auf offener Straße enthauptet worden. Nach der Tat am späten Freitagnachmittag nahe einer Schule in Conflans Saint-Honorine schaltete sich die französische Anti-Terror-Staatsanwaltschaft ein. Der von der Polizei angeschossene mutmaßliche Täter starb nach Angaben aus Justizkreisen später. ... Bei dem Mordopfer handelt es sich nach Polizeiangaben um einen Geschichtslehrer, der seinen Schülern im Rahmen seines Unterrichts über Meinungsfreiheit die Mohammed-Karikaturen gezeigt hatte. Die Polizei war nach Ermittlerangaben zu der Schule nordwestlich der französischen Hauptstadt gerufen worden, weil Augenzeugen einen Verdächtigen in der Nähe beobachtet hatten. Als die Beamten vor Ort eintrafen, fanden sie die Leiche des Lehrers. ... Laut „Le Monde“, die sich auf Polizeikreise beruft, behandelt der Lehrer in seiner Klasse das Thema Meinungsfreiheit im Zusammenhang mit den Karikaturen Mohammeds. Dieser Aspekt sei der Grund, weshalb die Anti-Terror-Staatsanwaltschaft die Ermittlungen übernommen habe. ... Frankreich wird seit Jahren von islamistischen Anschlägen erschüttert – dabei starben mehr als 250 Menschen. Daher ist die Terrorgefahr fast ständig im Bewusstsein der Menschen. Erst vor einigen Wochen hatte es vor dem ehemaligen Redaktionsgebäudes des Satiremagazins „Charlie Hebdo“ eine Messerattacke gegeben. Als Motiv hatte der Täter die erneute Veröffentlichung umstrittener Mohammed-Karikaturen genannt, die er „nicht ertragen“ habe. (Tsp, dpa, AFP)
https://www.tagesspiegel.de/politik/mann-nahe-paris-enthauptet-neun-festnahmen-macron-spricht-von-islamistischem-terroranschlag/26283278.html
« Last Edit: October 17, 2020, 11:12:13 AM by Link »

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« Reply #24 on: October 20, 2020, 09:17:50 AM »
Quote
[...] Die Tat war grauenhaft, dennoch oder gerade deshalb wird der Täter gefeiert. „Darf ich vorstellen: der Löwe aus Frankreich“, schreibt ein deutscher Nutzer des Messengerdienstes Telegram über den jungen Islamisten, der vergangenen Freitag im Pariser Vorort Conflans-Sainte-Honorine den Lehrer Samuel Paty enthauptet hat.

Nichts anderes als die Ehre des Propheten Mohammed „bewegte sein eifersüchtiges Herz“, postete ein anderer Muslim bei Telegram, „möge Allah dich zu seinen Shuhada zählen. Wahrlich bist du zu beneiden für deine Tatkräftigkeit.“ Shuhada ist im Arabischen der Plural für „Märtyrer“.

Die Polizei hatte den 18-jährigen Mörder kurz nach der Tat erschossen, als er die Beamten, die ihn festnehmen wollten, bedrohte. Für militante Islamisten ist der russisch-tschetschenische Attentäter Abdullah Anzorov ein Idol. Und ein Vorbild, dem womöglich weitere junge, radikalisierte Muslime nacheifern werden.

Wie gefährlich dieses Milieu in Deutschland ist, zeigt schon ein Blick auf einschlägige Straftaten. Im März 2011 verübte der gerade 21 Jahre alte gewordene Kosovare Arid Uka das erste tödliche islamistische Attentat in der Bundesrepublik. Uka erschoss am Frankfurter Flughafen zwei US-Soldaten und verletzte zwei weitere schwer. In der Nacht vor der Tat hatte sich der schon länger in Deutschland lebende Mann mit islamistischen Videos aufgeputscht.

Im Juli 2006 stellten zwei in Deutschland studierende Libanesen, 20 und 21 Jahre alt, im Kölner Hauptbahnhof zwei Bomben in Regionalzügen ab. Die Passagiere blieben nur wegen eines technischen Defekts bei den in Trolleys versteckten Sprengsätzen von einer Katastrophe verschont. Tatmotiv der Libanesen war die Wut über den Nachdruck der verhassten Mohammed-Karikaturen in deutschen Zeitungen, darunter dem Tagesspiegel.

Ein ähnliches Motiv hatte jetzt der Mörder des Lehrers in Frankreich. Samuel Paty hatte im Unterricht beim Thema Meinungsfreiheit die Karikaturen angesprochen. Zunächst wurde Paty im Internet bedroht und beschimpft, dann stach der junge Flüchtling Abdullah Anzorov auf ihn ein.

Wie die Sicherheitsbehörden warnt auch Claudia Dantschke, eine der führenden Islamismus-Expertinnen aus dem Spektrum der Nichtregierungsorganisationen (NGOs), „das kann in Deutschland genauso passieren“. Dantschke leitet die 2011 gegründete Beratungsstelle „Hayat“ (Leben), die sich mit den härtesten Islamsten, den Salafisten, und deren Angehörigen befasst.

Zur Klientel zählen auch Dschihadisten, die Anhänger von Terrororganisationen wie dem „Islamischen Staat“ und Al Qaida. Das Bild, das Dantschke im Laufe der Jahre von den selbsternannten „Löwen“ gewonnen hat, ist allerdings jämmerlich.

„Meistens haben die keine Ahnung vom Islam“, sagt sie und spricht spöttisch von „Passmuslimen“. Das Gros der Männer im Milieu sei zwischen 17 und 27 Jahre alt. Die Jungs, die nach Syrien und Irak zum IS gereist sind, „waren zwischen 18 und 21“, sagt Dantschke. Die Frauen seien noch jünger gewesen, „von 16, 17 Jahren bis 21“.

Mädchen stiegen früher in die salafistische Szene ein, „schon mit 13 oder 14“. Warum? Mädchen seien „früher entwickelt“, sagt Dantschke. Aber sie bescheinigt auch den jungen Salafistinnen „ganz, ganz naive Vorstellungen vom islamischen Leben“. Der „Mudschahid“, der islamistische Kämpfer, sei für die jungen Frauen „ein Popstar wie Justin Bieber“.

Wie groß das Milieu junger radikalisierter muslimischer Männer und Frauen ist, lässt sich für Dantschke nicht seriös beziffern. Offensichtlich ist allerdings, dass es sich um eine kleine Minderheit handelt.

In der Bundesrepublik leben mindestens viereinhalb Millionen Muslime, der Verfassungsschutz stellt bei der Salafistenszene etwas mehr als 12.000 Männer und Frauen fest. Das Wachstum verlief rasant, 2011 waren es erst 3800. Der Anteil der Frauen sei auf über 13 Prozent gestiegen, heißt es im Bericht des Bundesamtes für Verfassungsschutz für 2019. Die Behörden tröstet nur wenig, dass die Szene, wie es in Sicherheitskreisen heißt, in diesem Jahr offenbar stagniert.

Weder der Verfassungsschutz noch Dantschke signalisieren Entwarnung. Die Ursachen für Radikalisierung verschwinden nicht. „Es gibt Jugendliche, die kommen aus sehr autoritären Familien und haben keinen Freiraum“, berichtet Dantschke.

„Und es gibt die Jugendlichen aus eher losen Familien, wo der Halt fehlt.“ Die Jungen und Mädchen aus beiden Familientypen „suchen jemanden, der sie wahrnimmt, der sie ernst nimmt, der ihnen eine Lebensperspektive bietet“. Dantschke hat die Erfahrung gemacht, „die sind nicht auf der Suche nach dem Islam, die sind auf der Suche nach Orientierung, nach Aufmerksamkeit“. Und landeten bei den Salafisten.

Aus Sicht von Dantschke ist die Situation in Frankreich allerdings noch bedrohlicher als in Deutschland. Die soziale Ausgrenzung junger Muslime aus den „Banlieues“, den Hochhaussiedlungen am Rande von Paris und weiteren Großstädten, sei härter als in der Bundesrepublik. Der französische Staat reagiere auf Protest meist mit Repression, „das geht nicht an die Ursachen ran“. Deutschland sei mit dem staatlich geförderten Netzwerk der Prävention besser aufgestellt.


Aus: "Für sie ist der Mörder aus Frankreich ein Idol" (19.10.2020)
Quelle: https://www.tagesspiegel.de/politik/radikalisierte-muslime-in-deutschland-fuer-sie-ist-der-moerder-aus-frankreich-ein-idol/26288138.html


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« Reply #25 on: October 20, 2020, 09:35:29 AM »
Thomas Pany (17. Oktober 2020): “ … Der Lehrer für Geschichte und Geografie, Mitte Vierzig, unterrichtete seit vielen Jahren Schüler über Religionen. Eine Unterrichtsstunde, die er Anfang Oktober am Collège du Bois-d’Aulne in dem genannten Ort Conflans-Saint-Honorine gab, sorgte für Aufregung. Es ging um Meinungsfreiheit. Das Thema wollte der Lehrer anhand der Mohammed-Karikaturen erläutern [https://de.wikipedia.org/wiki/Mohammed-Karikaturen]. Dazu fragte er die Schüler danach, wer muslimischen Glaubens ist und erklärte ihnen, dass sie den Unterrichtsraum verlassen können, wenn sie wollen. …“ https://www.heise.de/tp/features/Der-gekoepfte-Lehrer-4931243.html

-

Quote
[...] In Frankreich laufen nach der Ermordung des Lehrers Samuel Paty zahlreiche Polizeieinsätze gegen Islamisten. Sie würden sich gegen "Dutzende Personen" aus dem radikalisierten Milieu richten, sagte Innenminister Gérald Darmanin. Derartige Polizeieinsätze würden auch in den kommenden Tagen fortgesetzt.

Die Islamisten stünden "nicht unbedingt in Verbindung" mit dem Mord an dem Lehrer, sagte Darmanin. Die Einsätze zielten vielmehr darauf ab, "eine Botschaft zu vermitteln: nicht eine Minute Aufschub für die Feinde der Republik".

Darmanin ordnete zudem an, eine Moschee in einem Vorort von Paris zu schließen. Die Moschee habe bei Facebook ein Video geteilt, in dem der Unterricht des getöteten Lehrers angeprangert wurde, sagte der Minister. Dem Imam der geschlossenen Moschee im Pariser Vorort Pantin warf der Minister vor, den Lehrer bedroht und die Adresse der Schule veröffentlicht zu haben.

Eine Gruppe namens BarakaCity, gegen die die französischen Behörden ebenfalls vorgehen wollen, warf dem Innenminister beim Onlinedienst Twitter vor, "verrückt" zu werden und eine Tragödie auszunutzen. Die Gruppe beschreibt sich selbst als humanitäre Organisation.

Im französischen Verteidigungsrat unter Vorsitz von Präsident Emmanuel Macron war am Sonntagabend beschlossen worden, stärker gegen Radikalisierung vorzugehen und auch den Hass im Netz stärker in den Blick zu nehmen.

Seit der Ermordung des Lehrers seien rund 80 Beschwerden gegen die Verbreitung von Hass im Internet eröffnet worden, sagte der Minister. Es handele sich dabei etwa um Nachrichten, die die Tat verherrlicht hätten.

Darmanin sprach auch davon, dass der Mann, der im Netz gegen den Lehrer mobilisiert hatte, und andere, "eine Fatwa gegen den Lehrer erlassen" hätten. Es gebe kein anderes Wort, sagte Darmanin. Eine Fatwa ist im Islam eine Rechtsauskunft, um ein religiöses oder rechtliches Problem zu klären. Weltweit negative Schlagzeilen machte der Begriff, als der iranischen Revolutionsführer Ajatollah Ruhollah Chomeini 1989 eine Todesdrohung gegen den britischen Schriftsteller Salman Rushdie wegen Gotteslästerung aussprach.

Der Lehrer war am Freitagvormittag in einem Vorort von Paris ermordet worden. Der Täter mit russisch-tschetschenischen Wurzeln wurde von der Polizei erschossen. Kurz nach der Tat hatte dieser im Netz damit geprahlt und geschrieben, der Pädagoge habe den Propheten Mohammed herabgesetzt.

Der 47-jährige Geschichtslehrer Samuel Paty hatte zum Thema Meinungsfreiheit Mohammed-Karikaturen im Unterricht gezeigt. Daraufhin hatte der Vater einer Schülerin massiv im Netz gegen ihn mobilisiert. Macron nannte die Tat einen islamistischen Terrorakt.

Die Bundesregierung zeigte sich entsetzt von dem Anschlag. Es handele sich um die "Tat eines islamistischen Fanatikers" und einen "grauenhaften Mord", der weit über Frankreich hinaus Entsetzen ausgelöst habe, sagte Regierungssprecher Steffen Seibert. Das Opfer habe über Meinungsfreiheit und die Freiheit, zu glauben oder nicht zu glauben, unterrichtet. Damit habe der Lehrer "ganz den Werten Frankreichs, Deutschland, unseres gemeinsamen Europas" entsprochen.

Es sei bewegend gewesen, zu sehen, wie am Sonntag in Paris die Menschen in Trauer und Erinnerung an den Getöteten für diese Werte demonstrierten, sagte Seibert weiter. "Die Bundesregierung steht an ihrer Seite gegen islamistische Gewalt, gegen Hass in jeder Form." Das Mitgefühl gelte der Familie des Ermordeten. Zehntausende hatten am Sonntag in ganz Frankreich an Trauerkundgebungen für Samuel Paty teilgenommen.


Aus: "Polizeieinsätze nach Enthauptung von Lehrer in Paris" (19. Oktober 2020)
Quelle: https://www.zeit.de/gesellschaft/zeitgeschehen/2020-10/frankreich-enthauptung-lehrer-islamismus-polizeieinsaetze

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Malteserkreutz #5
"Der Geschichtslehrer Samuel Paty hatte zum Thema Meinungsfreiheit Mohammed-Karikaturen im Unterricht gezeigt."

Schlimm, wenn die Ausübung von Aufklärung inzwischen mit Todesgefahr verbunden ist. Den militanten Feinden der Freiheit muss auch in Deutschland mit mehr Härte begegnet werden und es muss unterbunden werden, dass sie das Freiheitsrecht der Religionsausübung so missbrauchen.

Monsieur Paty, es tut mir sehr leid!


Quote
LinuxSchurke #5.2

Enthauptung fällt aber nicht unter „Freiheitsrecht der Religionsausübung“


...


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« Reply #26 on: October 20, 2020, 09:43:00 AM »
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[...] PARIS taz | Zehntausende von Menschen sind am Sonntagnachmittag in zahlreichen Städten Frankreichs zusammengeströmt, aus Solidarität mit dem Lehrer Samuel Paty, der am Freitag von einem jungen Tschetschenen ermordet worden war. Dazu aufgerufen hatten Gewerkschaften und auch die Redaktion von Charlie Hebdo.

Am Freitag gegen 17 Uhr hatte die Kriminalpolizei auf der Straße im Pariser Vorort Conflans-Sainte-Honorine einen Mann mit einem blutigen Küchenmesser entdeckt. Nach einer kurzen Verfolgungsjagd wurde er gestellt. Auf die Aufforderung der Polizei hin, seine Stichwaffe auf den Boden zu legen, habe der Mann aggressiv reagiert und die Beamten auch mit einer Schusswaffe bedroht, so die Polizei, die ihn daraufhin erschoss. Nicht weit entfernt, vor der Mittelschule von Conflans-Sainte-Honorine, machten die Polizisten dann einen makabren Fund: Die Leiche des erstochenen und enthaupteten Geschichtslehrers Paty.

Der Schock darüber sitzt tief, und die Aufmärsche sollen auch zum Ausdruck bringen, dass man sich nicht einschüchtern lassen will. Neben Schildern, auf denen „JeSuisSamuel“ in Anlehnung an „Ich bin Charlie“ steht, trugen viele Demons­tran­ten Kartons mit der Aufschrift „Je suis Enseignant“ oder „Je suis Professeur“ (Ich bin Lehrer). Ist allein die Tatsache, in einer Schule zu unterrichten, heute ein Grund, buchstäblich den Kopf zu riskieren, weil der offizielle Lehrplan irgendwelche Fanatiker empört?

Solche Gedanken bewegten die Demonstrierenden am Sonntag auf der Place de la République. Ihnen ist bewusst, dass es nicht um ein terroristisches Verbrechen unter vielen geht. Das Attentat von Conflans-Sainte-Honorine ist wie die Attacke auf Charlie Hebdo im Januar 2015 ein Test für die Grundrechte und im Speziellen für die Verteidigung der Presse- und Meinungsfreiheit, die in Frankreich explizit das Recht auf Blasphemie einschließt. Doch zunächst geht es darum, etwas an sich Unbegreifliches zu verstehen.

Dazu wird die Persönlichkeit des Täters unter Lupe genommen. Der 2002 in Moskau geborene Tsche­tsche­ne Abdoullakh Anzorov war mit seiner Familie nach Frankreich geflüchtet und genoss politisches Asyl. Weder seine Angehörigen noch die Behörden wussten offenbar etwas von seiner islamistischen Radikalisierung: Er war nicht als Extremist in der „S-Datei“ potenzieller Staatsfeinde registriert. Die Polizei kannte ihn wegen kleinerer Delikte in Evreux. Ein Nachbar verriet der Sonntagszeitung Journal du di­manche nachträglich: „Er sprach mit niemandem, er machte mir Angst.“

Der junge Anzorov war weder ein ehemaliger Schüler von Samuel Paty, noch kannte er diesen persönlich. Er hatte auf dem Internet von einer Polemik in einer Schule in Conflans-Sainte-Honorine gehört. Auf Twitter bekannte er sich zu seiner Tat, mit der er den Propheten zu „rächen“ suchte. Er war dafür am Freitag aus Evreux angereist. Inzwischen ist auch bekannt, dass er mehrere Stunden vor der Mittelschule wartete und Jugendliche fragte, wer unter den herauskommenden Erwachsenen Samuel Paty sei.

Begonnen hatte alles mit einer Unterrichtstunde über Meinungsfreiheit. Zu diesem Zweck wollte der Lehrer als Beispiel unter anderem zwei Mohammed-Karikaturen aus Charlie Hebdo zeigen. Da er wusste, dass dies einige Muslime unter seinen Schülern stören konnte, sagte er ihnen, sie sollten wegschauen oder kurz das Klassenzimmer verlassen. Am Tag darauf kam eine Mutter in die Schule und beschwerte sich, weil ihre Tochter „wegen ihres Glaubens“ aus der Klasse verwiesen worden sei. Auf Wunsch der Schulleitung organisierte Paty eine Aussprache und entschuldigte sich sogar.

Doch im Viertel wurde die Geschichte verdreht. In einer anonymen empörten Mail an die Schule war von einem „islamophoben Klima“ die Rede. Und am selben Tag veröffentlichte Brahim C., der Vater einer Schülerin, die nicht in Patys Klasse war, auf Facebook einen feindseligen Appell gegen den Lehrer. Später nannte er sogar Patys Namen und Wohnadresse. Er befindet sich deswegen heute zusammen mit zehn anderen Personen zur Befragung in Polizeigewahrsam.

Schnell verbreitete sich die islamistische Version der Geschichte über Conflans-Sainte-Honorine hinaus. Wie genau sie Anzorov zu seiner Bluttat anstiftete, ist noch nicht klar. Verantwortlich für die Eskalation könnte nach Polizeiangaben mit seinen denunzierenden Aufrufen der ebenfalls festgenommene marokkanische Prediger Abdelhakim S. sein, der wegen seiner Nähe zu Islamisten registriert ist. Paty sei ein „Schurke, der die Meinungsfreiheit instrumentalisiere“, sagte er der Schulleitung, die ihn vergeblich zu einem Treffen mit Paty eingeladen hatte.

Paty, der sich bedroht fühlte, reichte Klage wegen Verleumdung ein. Inzwischen war die Sache auch den Sicherheitsbehörden bekannt, die indes nicht reagierten. In diesem Zusammenhang fordern jetzt die demonstrierenden LehrerInnen, dass ihre Hinweise ernster genommen werden als bisher.


Aus: "Trauer um ermordeten Lehrer bei Paris: Der Lehrer und die Hetze" Rudolf Balmer (18. 10. 2020)
Quelle: https://taz.de/Trauer-um-ermordeten-Lehrer-bei-Paris/!5720050/

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« Reply #27 on: October 22, 2020, 08:59:26 PM »
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[...] BERLIN taz | In Dresden wurde offenbar ein islamistischer Terrorakt verübt. Am 4. Oktober stach ein bislang unbekannter Mann in Dresden mit einem Messer auf zwei Touristen aus Nordrhein-Westfalen ein. Einer der beiden, ein 55-jähriger Mann aus Krefeld, wurde dabei tödlich verletzt und starb im Krankenhaus. Sein 53-jähriger Begleiter wurde verletzt.

Am Dienstagabend, über zwei Wochen nach der Tat, wurde der 20-jährige mutmaßliche Täter festgenommen und Haftbefehl wegen Mordes, versuchten Mordes und gefährlicher Körperverletzung erlassen. Am Dienstag wurden DNA-Spuren des Verdächtigen am Tatort gefunden. Die Generalbundesanwaltschaft hat mittlerweile die Ermittlungen an sich gezogen, im Raum steht ein islamistisches Tatmotiv.

Der Verdächtige kam im Oktober 2015 als Asylsuchender aus Syrien nach Deutschland, und wandte sich offenbar in Dresden dem Islamismus zu. Seit dem 31. August 2017 führten die Behörden ihn als islamistischen Gefährder und hielten „politisch motivierte Straftaten von erheblicher Bedeutung“ für möglich.

Der 20-Jährige war den Behörden also einschlägig bekannt, saß zudem bis vor Kurzem in Haft. Verurteilt wurde er unter anderem wegen Anleitung zur Begehung einer schweren staatsgefährdenden Gewalttat sowie des Werbens für die islamistische Terrororganisation „Islamischer Staat“ zu mehr als zwei Jahren Haft. Diese saß er bis zum 29. September dieses Jahres in der Jugendstrafvollzugsanstalt Regis-Breitingen ab – bis fünf Tage vor der Tat also.

In der Haft sei an einer Deradikalisierung des Verdächtigen gearbeitet worden, jedoch ohne Erfolg, wie Petric Kleine, Präsident des sächsischen Landeskriminalamts, am Donnerstagnachmittag mitteilte. Noch am 17. Juli sei die Gefahr weiterer islamistisch motivierter Straftaten als „hoch“ eingeschätzt worden, entsprechend wurden ihm strenge Auflagen erteilt.

Der Verdächtige musste sich mehrfach in der Woche persönlich bei der Polizei melden, der Besitz von Hieb- und Stichwaffen sowie eines internetfähigen Telefons wurde ihm verboten. Diesen Auflagen kam er zunächst offenbar nach. Eine 24-Stunden-Observation sei laut Dirk-Martin Christian, Präsident des sächsischen Landesamts für Verfassungsschutz, rechtlich nicht möglich gewesen.

Und doch beobachtete sein Landesamt den Tatverdächtigen. In den beiden Tagen vor dem und sogar am Tattag selbst hätten punktuelle Observationen stattgefunden, am 9. Oktober noch eine Gefährderansprache. Weder den Kauf eines Messers, mutmaßlich in einem Dresdner Kaufhaus, noch die Tat selbst konnte dadurch verhindert werden. Dies liege, so Christian, an der Art der Tat. „Es gibt keine hundertprozentige Sicherheit“, bedauert der Verfassungsschützer.

Auch die politische Debatte um den Fall beginnt hochzukochen. Sachsens Innenminister Roland Wöller (CDU) kritisierte die nicht mögliche Abschiebung des Tatverdächtigen nach Syrien. Bereits am 27. November 2019 wurde dessen Ausweisung aus Deutschland wegen dessen Straffälligkeit angewiesen. Da Deutschland aufgrund der unsicheren Lage nicht nach Syrien abschiebt, kam es hierzu nicht. „Die Sicherheit der Bevölkerung geht eindeutig vor“, schrieb Wöller bei Twitter. Politiker der AfD forderten ebenfalls Abschiebungen.

„Abschiebungen nach Syrien sind rechtlich nicht möglich“, entgegnet Ferdinand Dürr von der Nichtregierungsorganisation Adopt a Revolution. Er verweist auf systematische Folter des syrischen Regimes und den nach Syrien gereisten deutschen Islamist*innen. „Innenminister Wöller will offenbar vom Versagen seiner Sicherheitsorgane ablenken“, so Dürr.


Aus: " Messerattacke in Dresden: Verdächtigter wurde beobachtet"  Kevin Čulina ( 22.10.2020)
Quelle: https://taz.de/Messerattacke-in-Dresden/!5720528/

"Mann in Dresden erstochen Islamist wurde am Tag der Tat observiert" (Donnerstag, 22. Oktober 2020)
https://www.n-tv.de/politik/Islamist-wurde-am-Tag-der-Tat-observiert-article22118049.html