Author Topic: Zur Thematik von Verschwörungstheorien...  (Read 27350 times)

Link

  • Global Moderator
  • Hero Member
  • *****
  • Posts: 2486
    • View Profile
Zur Thematik von Verschwörungstheorien...
« Reply #80 on: November 17, 2018, 04:09:04 PM »
Quote
     Pussy Galore, 16.11.2018 17:34

Und wieder einmal zeigt sich, dass so ein Aluhut in der heutigen Zeit ein durchaus kleidsames und angebrachtes Accessoire ist, da sich der Worst Case allzu oft eben nicht als Verschwörungstheorie, sondern als bittere Realität herausstellt.

Abgesehen davon sind 'geheime Anklagen' eines Rechtsstaates einfach unwürdig und zeugen von Feigheit und Durchtriebenheit.


Quelle: https://www.heise.de/forum/Telepolis/Kommentare/USA-planten-geheime-Anklage-gegen-Julian-Assange/Und-wieder-einmal-zeigt-sich/posting-33440929/show/
Kommentar zu: https://www.heise.de/tp/features/USA-planten-geheime-Anklage-gegen-Julian-Assange-4223973.html

Link

  • Global Moderator
  • Hero Member
  • *****
  • Posts: 2486
    • View Profile
Zur Thematik von Verschwörungstheorien...
« Reply #81 on: November 19, 2018, 04:49:39 PM »
Quote
[...] Es klingt nach einem Thriller-Plot, ist aber traurige Realität. Wie die Tageszeitung taz herausgefunden hat, haben sich in ganz Deutschland wohl Gruppen formiert, die an einem bewaffneten Umsturz arbeiten: darunter Soldaten, Reservisten, Polizisten, Mitarbeiter des Verfassungsschutzes. Im Mittelpunkt steht ein Mann mit dem Decknamen "Hannibal".

In einer Chatgruppe soll Hannibal vertrauliche Informationen und Lagebilder aus dem Innern der Bundeswehr an Gleichgesinnte verschicken. Hannibal war zu der Zeit ein Elitekämpfer beim KSK, der Spezialeinheit der deutschen Bundeswehr, stationiert in der Graf-Zeppelin-Kaserne im württembergischen Calw. Der Soldat sei der Administrator diverser Chatgruppen in ganz Deutschland. Auch in Österreich und der Schweiz soll es solche Gruppen geben. In diesen sind unter anderem Mitglieder der Polizei oder der Bundeswehr, die sich verschlüsselt darüber austauschen, dass ein Krisenfall in Deutschland eine Chance bedeute. Man könne die Macht übernehmen, linke Politiker und Aktivisten gefangen nehmen oder gleich umbringen.

"Vorbereitung einer schweren staatsgefährdenden Gewalttat" – so lautet der Vorwurf der Generalbundesanwaltschaft, berichtet die taz. Sie berichtet auch davon, dass Hannibal eigentlich André S. heiße und der Fadenzieher in einem bundesweiten rechten Untergrundnetzwerk sei. Diese Chatgruppen sollen im Herbst 2015 entstanden sein, als sich die Zahl der Asylbewerber in Europa fast verdoppelte. Die taz nennt das Netzwerk "Hannibals Schattenarmee". Radikalisierte Männer, die vom Umsturz träumen.

Das Chatnetzwerk, das André S. unter dem Decknamen Hannibal führte, ist ein Netzwerk aus "Preppern". So nennt man Leute, die sich auf eine Katastrophe vorbereiten, zum Beispiel, indem sie einen ganzen Supermarkt leerkaufen und sich mit allem eindecken, was ihnen im Ernstfall zum Überleben dient, wie Konserven, Schutzkleidung oder auch Funkgeräte.

In Deutschland soll die Prepper-Szene oft in rechtsextremen Kreisen zu finden sein. Sie rüsten sich für die Apokalypse und statten sich mit Waffen und "Safe-Häusern" aus. Das Autohaus der Eltern von André S. soll so ein geplanter Rückzugsort gewesen sein. Im Keller der Eltern haben Ermittler wohl eine Kiste mit Übungsgranaten aus den Beständen der Bundeswehr gefunden.

... Das Ziel dieses Untergrundnetzwerkes bestehe darin, sich auf den "Tag X" vorzubereiten. Auf eine extreme Krise, so der 48-jährige Horst S., ein Major der Reserve, der den Ermittlern des BKA als Zeuge dient, wie der Focus berichtet. Eine Krise mit "Überfällen von Flüchtlingen auf Kinder und Frauen, Vergewaltigungen, Terroranschläge, verslumte deutsche Städte, der Zusammenbruch der öffentlichen Ordnung". Das Netzwerk habe sich darüber ausgetauscht, linke Politiker, Aktivisten und andere politische Gegner festzusetzen und zu beseitigen. Man habe darüber gesprochen, Lastwagen der Bundeswehr zu benutzen, um Gegner in Lagerhallen zu transportieren – für die "Endlösung".

Die Chatgruppen gebe es in ganz Deutschland, aufgeteilt nach Nord, Süd, Ost und West. Der MAD ermittelt intern, genau so wie der Verfassungsschutz und das BKA. Es ist unklar, wer mit wem genau vernetzt ist. Klar ist nur, dass sich in Deutschland ein rechtes Untergrundnetzwerk bewegt, das intensiv daran arbeitet, die Macht zu übernehmen.


Aus: "Ein rechtes Untergrundnetzwerk plant in Deutschland offenbar den Umsturz" (2018)
Quelle: https://www.vice.com/de/article/nepzbb/tag-x-hannibal-prepper-rechtes-bundeswehr-untergrundnetzwerk-plant-umsturz


Link

  • Global Moderator
  • Hero Member
  • *****
  • Posts: 2486
    • View Profile
Zur Thematik von Verschwörungstheorien...
« Reply #82 on: November 19, 2018, 04:50:03 PM »
Quote
[...] BERLIN taz | Am 13. September 2017, einem Mittwoch, bekommt André S. in Sindelfingen Besuch vom Geheimdienst der Bundeswehr. Mal wieder. S. ist Soldat beim Kommando Spezialkräfte in Baden-Württemberg. Er gehört zu den am besten ausgebildeten Soldaten der Bundeswehr, ein Elitekämpfer. Der Mann, der ihn besucht, ist ein Oberstleutnant des Militärischen Abschirmdiensts. Er ist gekommen, um S. über rechtsextreme Tendenzen in seiner Kompanie zu befragen.

Für S. ist das kein ungewöhnlicher Termin. Seit Längerem schon trifft er sich regelmäßig mit dem MAD. Die Aufgabe des Nachrichtendiensts der Bundeswehr ist es, extremistische Entwicklungen innerhalb der Armee zu erkennen und zu verhindern. Der MAD nennt S. eine „Auskunftsperson“.

An diesem Tag im September bekommt S. für seine Auskünfte offenbar etwas zurück: Der MAD-Mann berichtet ihm wohl von Ermittlungen des Generalbundesanwalts gegen ein geheimes Netzwerk von Männern, die geplant haben sollen, Politiker und Aktivisten aus dem linken Spektrum zu töten. Die Bundesanwaltschaft sieht darin die Vorbereitung einer schweren, staatsgefährdenden Gewalttat – Terror also.

Von den Razzien, die es kurz zuvor in Norddeutschland gegeben hat, weiß André S. zu diesem Zeitpunkt bereits. An diesem 13. September soll er aber erfahren haben, dass weitere Durchsuchungen und Befragungen kurz bevorstehen. So steht es in einer Anklageschrift des Amtsgerichts Köln, das zurzeit einen Prozess gegen den MAD-Mitarbeiter wegen Verletzung des Dienstgeheimnisses führt.

Denn: André S. soll dadurch gewarnt worden sein. Und S. ist niemand Geringeres als der Kopf eines bundesweiten Netzwerks, das im Zentrum weitreichender Ermittlungen steht. Sein Deckname ist Hannibal.

Seit einem Jahr recherchiert ein Team der taz zu der Frage: Gibt es ein rechtes Untergrundnetzwerk in Deutschland, in dem sich Regierungsgegner vernetzen, radikalisieren und gezielt auf bewaffnete Kämpfe vorbereiten? Gibt es ein Netzwerk, das hineinreicht in deutsche Behörden, in Verfassungsschutzämter und bis in die oberen Etagen der Bundeswehr?

Dabei stießen wir auf Prepper, die sich mit eingewecktem Gemüse versorgten, recherchierten zu Ermittlungen der Bundesanwaltschaft, deren Beamte zunächst glaubten, Rechtsterroristen in Norddeutschland gefunden zu haben. Wir lasen geheime Telegram-Chats und redeten mit Männern, die zwar bei rechtsextremen Verlagen Bücher bestellten, aber ihre völkische Gesinnung nicht für bedenklich hielten.

Als wir im Dezember 2017 den ersten größeren Text über das „Kommando Heimatschutz“ veröffentlichten, wussten wir noch nicht, wer sich hinter dem Pseudonym Hannibal verbarg. Hannibal, sagte uns jemand, sei der Administrator eines bundesweiten Chatnetzwerks sogenannter Prepper. Wir fragten uns damals: Ist es denkbar, dass Hannibal Mitglied der Bundeswehr ist und direkt aus der Bundeswehr heraus ein Untergrundnetzwerk mitaufgebaut hat?

Heute kennen wir Hannibals vollen Namen. André S., geboren 1985 in Halle an der Saale, ist Mitglied des Kommandos Spezialkräfte der Bundeswehr in Calw. Er ist Gründer und Vorsitzender eines Vereins mit Postadresse in Dormagen, Nordrhein-Westfalen, in dem sich Elitekämpfer organisieren. Aus Gründen des Persönlichkeitsschutzes kürzen wir seinen Nachnamen ab.

Nach einem Jahr fügt sich aus unseren Recherchen ein Bild, das keinen anderen Schluss zulässt: Überall in Deutschland, auch in Österreich und der Schweiz, haben sich Gruppen formiert, die daran arbeiten, einen eigenen Staat im Staate aufzubauen. Mitglieder in diesen Gruppen sind Polizisten und Soldaten, Reservisten, Beamte und Mitarbeiter des Verfassungsschutzes, die unter konspirativen Bedingungen einen Plan hegen: Wenn sie die Zeichen sehen, wenn „Tag X“ da ist, wollen sie zu den Waffen greifen.

Manche ihrer Pläne sind erschreckend konkret. Der Focus schreibt von einer „Untergrundarmee“. Wie ein Netz sind die Gruppen miteinander verbunden. Unsere Recherchen ergeben, dass die einzelnen Fäden immer wieder zu einer Person führen: Hannibal.

Wer ist dieser Hannibal? Wie kann es sein, dass administriert vom Gelände der Graf-Zeppelin-Kaserne in Calw bundesweit extremistische Zellen entstehen? Und wie kann es sein, dass der MAD Hannibal sogar noch warnt?

Ende August 2017. Der Generalbundesanwalt lässt in Mecklenburg-Vorpommern Wohnhäuser und Büros durchsuchen. Unter anderem von einem Anwalt und einem Kriminalpolizisten. Der Vorwurf: Sie sollen sich verabredet haben, an einem „Tag X“ Politiker und Menschen aus dem linken Spektrum festzusetzen oder zu liquidieren. Die Ermittlungen dauern an.

Das Besondere damals ist: Die Staatsanwälte der Bundesanwaltschaft misstrauen den Staatsdienern im Norden. Landespolizisten werden nicht einbezogen. Selbst der Innenminister Mecklenburg-Vorpommerns wird erst unmittelbar vor den Razzien informiert. Denn der verdächtige Anwalt und der Polizist agierten nicht allein. Sie weihten in ihre Pläne unter anderem einen SEK-Polizisten und einen ehemaligen Soldaten ein, der damals noch einer Reservistenkompanie vorstand, die sich auf einen Einsatz beim G20-Gipfel in Hamburg vorbereitete.

Diese Männer sind Teil einer größeren Gruppe, die sich auf Katastrophen vorbereitet, Stromausfälle, Stürme und Nahrungsmittelknappheit, auf Momente, in denen der Staat seine Bürger nicht mehr versorgen kann. Sie organisieren sich in mehreren Chatgruppen in Norddeutschland. Eine von ihnen heißt Nordkreuz, eine heißt Nord.Com, mal geht es darin um Impfstoffknappheit, mal um Truppenbewegungen in Osteuropa.

Eine dritte Gruppe heißt Nord. Es ist Hannibal, der diese Gruppe mit vertraulichen Informationen und Lagebildern aus dem Inneren der Bundeswehr versorgt. In der Gruppe erzeugen seine Nachrichten das Gefühl, zu einem inneren Zirkel zu gehören, der einen Wissensvorsprung hat. Es ist auch kein Zufall, dass diese Gruppen im Herbst 2015 entstehen, denn es geht auch um die Flüchtlingspolitik der Bundesregierung – und wie man sich dagegen wehren kann.

An einem Abend Anfang 2017 treffen sich vier Männer, darunter der beschuldigte Polizist sowie ein weiterer und der Reservist bei einem Stehimbiss an einer Landstraße nahe Schwerin. Sie sprechen über Lagerhallen, in denen sie am „Tag X“ ihre politischen Gegner internieren wollen. Könnte der Kompaniechef der Reservisten im Ernstfall dafür nicht Lastwagen der Bundeswehr organisieren?

Ließen sich so auch mögliche Straßenkontrollen überwinden? Sie reden auch über Erschießungen. Im Laufe des Gesprächs soll auch das Wort „Endlösung“ gefallen sein. Das sagen Menschen, die mit den Vorgängen betraut sind, der taz.

Sie erzählen auch: Der beschuldigte Anwalt hatte bei Geburtstagsfeiern hinter seinem Haus ein Wettschießen veranstaltet und einen Wanderpokal dafür ausgelobt – benannt nach Mehmet Turgut, einem Mann, den die rechtsextremistische Terrorzelle NSU im Jahr 2004 erschossen haben soll. In Rostock. Sein Mord ist bis heute nicht aufgeklärt.

Aus Ermittlungsunterlagen, die der taz vorliegen, geht hervor, dass Mitglieder dieser Nord-Gruppe bereits Depots mit Treibstoff, Nahrungsmitteln und Munition angelegt haben sollen. Jeder von ihnen zahlte dafür etwa 600 Euro in eine gemeinsame Kasse. Jenseits der Chatgruppe gab es noch weitere Unterstützer – etwa den Betreiber eines Schießstandes Nahe Rostock. Er verließ zwar den Chat, verkaufte den Mitgliedern aber weiterhin Waffen. Oder ein Ausbilder am Fliegerhorst der Bundeswehr in Laage, wo Eurofighter stationiert sind. Er lud seine Freunde nach Dienstschluss in den Sicherheitsbereich. Dort durften sie im Flugsimulator den Eurofighter fliegen.

Nach den Razzien vom August 2017 war der Aufklärungswille des zuständigen Innenministers, Lorenz Caffier (CDU), überschaubar. Er richtete eine sogenannte Prepper-Kommission ein. Befund bislang: Es gibt kein Problem. Einen Bericht hat die Kommission ein Jahr später noch nicht vorgelegt.

Es gab aber in dem Chatnetzwerk nicht nur die Nord-Gruppe. Es gab: Ost, West, Süd – organisiert entlang der geografischen Aufteilung der Wehrbereichsverwaltung. Außerdem: Österreich und die Schweiz. Auch in Süd, der größten und aktivsten Gruppe, war Hannibal der Administrator.

Das ist die Gruppe, in der der frühere Bundeswehrsoldat Franco A. Mitglied war. Das Auffliegen Franco A.s war einer der größten Bundeswehrskandale der letzten Jahre. Ein Soldat, der mutmaßlich rechtsextreme Terroranschläge geplant hat – und niemand, nicht seine Vorgesetzten, nicht der MAD, wollten etwas bemerkt haben?

Franco A. war nicht nur passiv Mitglied in der Süd-Gruppe. Einmal war er bei Hannibal zu Hause, einmal nahm er mit Hannibal an einem Treffen in Albstadt teil, bei dem die Handys im Auto gelassen wurden. Es war ein Treffen in einem Schützenverein.

Franco A. warb auch neue Mitglieder für die Süd-Gruppe. Zum Beispiel einen Händler von Waffenteilen, bei dem A. zuvor Zubehör gekauft hatte, als Barkauf, damit sein Name nicht auf der Rechnung auftauchte. Dem Händler hatte A. auch gesagt, bei der Süd-Gruppe handele es sich um eine besondere Gruppe innerhalb der Bundeswehr.

Als Hannibal erfährt, was Franco A. vorgeworfen wird, gibt er umgehend Anweisung, alle Chats zu löschen: Nord, Süd, West, Ost. Es hätte kein gutes Licht auf die Richter, Beamten und Soldaten in den Chatgruppen geworfen, wird er später sagen, wenn man sie mit Franco A. in Verbindung brächte.

Weil Franco A. auffliegt, ermittelt die Bundesanwaltschaft. Jetzt gerät das Netzwerk unter Druck. Wie schon in Norddeutschland legen sie auch in der Süd-Gruppe sichere Treffpunkte und Unterkünfte fest, in denen sich die Mitglieder am „Tag X“ treffen können.

Bei der Vernehmung wollen die Ermittler von Hannibal wissen, wie viele solcher „Safe-Häuser“ es in Deutschland gebe – und wo diese sich befinden. André S. antwortet: überall. Sogar das Autohaus seiner Eltern hatte er im Chat als solches vorgeschlagen.

Es ist bisher noch unklar, was diese „Safe-Häuser“ genau ausmacht. Den Ermittlungsbehörden bereiten diese Orte Kopfzerbrechen. Es gibt sie in Nürnberg und Ulm, in Lenggries und Bad Tölz und auch die Graf-Zeppelin-Kaserne in Calw, wo das KSK stationiert ist, wurde in der Chatgruppe Süd als ein solcher Ort definiert – vorausgesetzt allerdings, man habe im Krisenfall die Kaserne bereits erfolgreich übernommen.

Franco A.s Verhaftung führt schließlich dazu, dass deutschlandweit Bundeswehrkasernen nach NS-Devotionalien durchsucht und Soldaten auf ihre Gesinnung überprüft werden. Das Verteidigungsministerium will aufräumen, Soldaten wie Franco A. sollen künftig schneller auffallen. Rechtsextreme Kameraden sollen die Bundeswehr verlassen.

Hannibal bleibt.

Der Deckname Hannibal und der bürgerliche Name André S. kursieren im vergangenen Jahr unter Sicherheitspolitikern im Bundestag. Ihnen gegenüber muss der MAD zugeben, dass er Hannibal schon lange kennt, der scheinbar so bereitwillig Auskunft gibt. Und obwohl auch dort bekannt wird, dass die Nord-Chatgruppe Äquivalente in anderen Landesteilen hat, heißt es: Menschen, die Konservendosen horten, sind doch harmlos.

Dabei möchte der MAD von Hannibal auch wissen: Was weiß er über diese Abschiedsfeier, die einen Gerichtsprozess nach sich zog?

Frühjahr 2017, auf einem Schießstand nahe Stuttgart feiert ein Kompaniechef des KSK seinen Abschied. Seine Soldaten lassen ihn einen Parcours absolvieren, lassen ihn Bogen schießen und Köpfe von Schweinen werfen. Als Belohnung haben sie eine Frau eingeladen, mit der er Sex haben soll. Es kommt nicht dazu, sagt die Frau später aus. Der Kompaniechef sei zu betrunken gewesen.

Sie erzählt auch, dass auf der Feier Musik der rechtsextremen Band Sturmwehr gespielt worden sei. Der Kompaniechef und andere hätten dann den Hitlergruß gezeigt.

Auf Anfrage der taz möchte der Militärische Abschirmdienst nicht mitteilen, ob ihre Auskunftsperson Hannibal an jenem Abend mitgefeiert hat. Der MAD hat ein Interesse daran, Hannibal zu schützen.

Im KSK hat der MAD fast keine Quellen, der Kontakt zu Hannibal ist wertvoll. Das Kommando, das streng abgeschirmt operiert, pflegt ein Eigenleben. Im Jahr 2004 war der berüchtigte KSK-Kommandeur Reinhard Günzel ohne Dank entlassen worden, nachdem er die antisemitische Rede des heutigen AfD-Abgeordneten Martin Hohmann in einem Bundeswehrschreiben gelobt hatte. Später wurde Günzel zum Helden im rechtsextremen Milieu.

Im September fragen wir das Bundesverteidigungsministerium nach Uniter. Ein Verein, den Hannibal vor Jahren gegründet hat, in dem sich ehemalige und aktive Mitglieder von Spezialeinheiten vernetzten. Ein Sprecher des Ministeriums antwortet schriftlich: Das Ministerium verfüge über keine weiteren Kenntnisse zu Uniter als die „öffentlich zugänglichen“. Zu diesem Zeitpunkt war Hannibal bereits Auskunftsperson des MAD. Der MAD ist direkt dem Ministerium unterstellt.

Die Bundesregierung muss natürlich keine Informationen an die Presse geben, die sie aus nachrichtendienstlicher Aufklärung hat. Sie muss aber auch nicht lügen.

Uns interessiert in unserer Anfrage auch: Nutzt Uniter Liegenschaften der Bundeswehr? Üben die Vereinsmitglieder mit Bundeswehreigentum? „Es liegen hierzu keine Informationen vor“, schreibt das Ministerium. Weiß denn das Ministerium etwas darüber, dass sich KSK-Soldaten als Prepper weiterbilden? „Keine Erkenntnisse.“

Als wir schließlich den bürgerlichen Namen von Hannibal kennen und André S. selbst im April 2018 per Mail kontaktieren, erhalten wir 23 Minuten später eine Antwort. Er schreibt: „Prinzipiell schreiben und kommunizieren wir nicht mit der Presse, da die Masse der Mitglieder der Geheimhaltung unterstehen und jegliche Verbindungen das Leben von Mitgliedern und deren Familien beeinträchtigen könnte.“ Weiter heißt es: „Sollten weitere Fragen und Bedrängungsversuche von ihrer Seite aus kommen, müssen wir den Militärischen Abschirmdienst etc. informieren.“

Uniter also, ein Verein, dessen Gründer ein bundesweites Chatnetzwerk mit vertraulichen Informationen aus deutschen Behörden belieferte; der den unter Terrorismusverdacht verhafteten Soldaten Franco A. in seiner Chatgruppe hatte; und der auch diejenige Chat-Gruppe in Norddeutschland administrierte, deren Mitglieder an einem „Tag X“ mit Bundeswehrlastwagen politische Gegner in Lager fahren wollten – dieser Verein also möchte im Falle von Presseanfragen den Militärischen Abschirmdienst informieren.

Natürlich interessiert uns daher, worum es sich bei Uniter handelt. Uniter, das bedeutet, auf Latein: „In Eins verbunden“. Der Verein möchte die Elite der deutschen Bundeswehr vernetzen.

Dafür gibt es auch gute Gründe: Oft scheiden KSK-Soldaten im Alter von 35 Jahren aus dem Verband aus, die Auslandseinsätze entfallen – und damit Auslandsbezüge und Gefahrenzulagen der Soldaten. Plötzlich ist weniger Geld auf dem Konto. Uniter könnte da eine Hilfe sein. In dem Netzwerk sollen sich aktuelle und ehemalige Soldaten gegenseitig unterstützen. Viele von ihnen haben Sicherheitsfirmen oder Kampfsportschulen gegründet, andere sind weiter beim Militär. Im Online-Shop werden Krawatten, Manschettenknöpfe und Siegelringe mit dem Uniter-Emblem verkauft: Schwert und Kreuz, umfasst von einem Eichenkranz.

Auf Facebook lädt Uniter ein zu einem Marsch auf eine Burgruine in Baden-Württemberg, um Veteranen zu gedenken. Ein anderes Mal treffen sich Uniter-Mitglieder in einer Bundeswehrkaserne bei Berlin. Hier gibt sich der Verein offen für Interessierte. Eine Gruppe lädt die taz schließlich ein.

Es ist ein Samstagmorgen im September dieses Jahres. In einer Kampfsporthalle in Berlin-Köpenick erklärt ein Trainer, Messerkampf brauche viel Übung, Jahre, es sei eine der gefährlichsten Disziplinen. Die Männer, ein Sicherheitsmitarbeiter vom Flughafen, ein Personenschützer und ein Polizeiausbilder, ahmen die Bewegungen des Russen nach. Sie wollen vorbereitet sein.

Also üben sie mit Kunststoffmessern, wie es wohl wäre, jemandem die Klinge durch die Kehle zu ziehen? „Um jemanden mit dem Messer zu töten, muss man ihn am Oberschenkel treffen, dann in den Bauch, dann in den Hals.“ So erklärt es der Trainer auf russisch. Einer muss übersetzen. Das klingt dann so: „Schneiden, schneiden, schneiden.“

Auch Uniter ist, wie die Chatgruppen, in die Distrikte Nord, Süd, Ost und West gegliedert. Auch hier gibt es Ableger in Österreich und der Schweiz. Auch hier kennen sich viele Mitglieder nicht über ihre eigenen Distrikte hinaus. Einer der Distriktleiter-Ost ist ein Polizeiausbilder. Uniter hat auch schon mal Spenden für Obdachlose gesammelt, der Verein ist wiederum Teil eines Ritterordens. Mehrere Mitglieder sind auch Freimaurer. Ungefragt erklärt der Polizistenausbilder im Gespräch mit der taz: Jedes neue Mitglied werde überprüft, Extremismus nicht geduldet. So steht es auch in der Satzung des Vereins.

Franco A. hatte seinem Waffenhändler Uniter empfohlen. Der Verein dementiert, dass A. formal Mitglied gewesen war.

Der MAD interessiert sich für Uniter, will ein Gefühl für die Vereinigung bekommen, lässt sich von Hannibal erzählen, was er da so macht. Hannibals Gesinnung ist dagegen nie Gegenstand einer MAD-Überprüfung.

Als die Ermittler des BKA André S. im vergangenen Jahr befragen, worauf er und die anderen Prepper sich denn vorbereiteten, sagt er: Es gehe in diesen Chats nur um Planspiele. Und er wird sagen, eine gesunde Vorbereitung mache ja heutzutage jeder, der im Staatsdienst arbeite.

Alles nur ein Spiel? Im Süd-Chat hatte Hannibal vor Jahren geschrieben, dass sich das Autohaus seiner Eltern als Safe-Haus eigne. Bei einer Durchsuchung finden die Ermittler in deren Wohnhaus eine Kiste mit Übungsgranaten aus den Beständen der Bundeswehr und Zünder. Was er dazu sagen könne, fragen sie Hannibal im September 2017 und weisen darauf hin, dass er sich nicht selbst beschuldigen muss. Hannibal sagt, er wolle darauf nicht antworten.

Zwei Wochen später, Anfang Oktober 2017, wird der MAD-Oberstleutnant Peter W., Kontaktmann Hannibals, von der Wehrdisziplinar-Anwaltschaft befragt. Sie werfen ihm vor, Interna verraten zu haben. Peter W. fungiert beim MAD als Ansprechpartner für Generalbundesanwalt und Bundeskriminalamt. Die Staatsanwaltschaft Köln hat Anklage gegen ihn erhoben.

Der Generalbundesanwalt führt Hannibal nicht als Beschuldigten. Das KSK hat er inzwischen verlassen.

Als an diesem Freitag der Chef des Militärischen Abschirmdienstes, Christof Gramm, im Bundestag befragt wird, sagt er: „Wir haben keine gewaltbereiten Rechtsextremisten festgestellt.“ Und: „Eine Vernetzung von gewaltbereiten Extremisten innerhalb der Bundeswehr findet daher auch nach unserer Wahrnehmung nicht statt.“


Aus: "Hannibals Schattenarmee" Martin Kaul, Christina Schmidt, Daniel Schulz (16. 11. 2018)
Quelle: https://www.taz.de/!5548926/

Quote
Primitivismuskeule 18.11.2018, 07:53

Danke für diesen Artikel! Das Ganze erinnert mich mehr als mir lieb ist an die stay behind-Geschichten, auch bekannt als Gladio. Gruselig...


Quote
Wen wundert es noch? - Freitag, 20:44

Stay behind 2.0?

Deep State?

...und wie immer: "Eine Vernetzung von gewaltbereiten Extremisten innerhalb der Bundeswehr findet daher auch nach unserer Wahrnehmung nicht statt.“


...

Link

  • Global Moderator
  • Hero Member
  • *****
  • Posts: 2486
    • View Profile
Zur Thematik von Verschwörungstheorien...
« Reply #83 on: November 20, 2018, 04:46:45 PM »
Quote
[...] Der Druck durch die Bevölkerung, durch Wahlen war offensichtlich groß genug, um „strengere“ Abgaswerte für Autos durchzusetzen. Es kam zu einer Verschärfung der Abgaswerte, auch in der EU.

Tatsächlich konnten und wollten die „deutschen“ Autokonzerne diese Abgasnormen nicht erfüllen. Die „normale“ Lösung wäre gewesen, dass diese deutschen Autos den Markt nicht erreichen, dass sie keine Zulassung bekommen.

Doch es geht eben nicht nur um die Einhaltung von Umweltnormen. Es geht auch um gewichtige nationale Kapitalinteressen, aber auch um die Eroberung anderer Märkte, wie den ganz wichtigen US-Markt.

Die Lösung war die, die jetzt als „Dieselgate-Skandal“ in die Geschichts- und Geschäftsbücher eingeht. Die Konzerne entwickelten eine Software, die das vortäuschte, was nun Abgasnorm geworden ist. Und die staatlichen (Kontroll-) Institutionen sorgen dafür, dass dieser Betrug nicht auffliegt.

Anders gesagt: Die Kluft zwischen dem Legitimationszwang des Staates (Deutschland als Weltmeister, Spitzenreiter im Umweltschutz) und dem Schutz von bedeutenden Konzerninteressen wurde so groß, dass man sie nur mit einem organisierten Betrug schließen konnte.

Man wird sich jetzt die Augen reiben: Genau dies wird in den USA als Verschwörung angeklagt und verfolgt – eine Verschwörung wohlgemerkt nur dann, wenn sie „nationalen Interessen“ in die Quere kommt. ...

... In Deutschland noch weitgehend geschützt, setzte in den USA die strafrechtliche Verfolgung ein. Der Vorwurf lautete: „Verschwörung zum Betrug und Verstoßes gegen Umweltgesetze“. Verschwörung. ... Der dort angeklagte VW-Manager Oliver Schmidt wurde Ende dieses Jahres zu sieben Jahren Haft verurteilt: „Der 48-jährige Deutsche hatte seine Mittäterschaft beim ‚Dieselgate‘-Skandal zunächst abgestritten, im August bekannte er sich jedoch schuldig und ging einen Deal mit der Staatsanwaltschaft ein. Dadurch wurden mehrere Anklagepunkte gestrichen.“ (zdf.de vom 06.12.2017)


Aus: "Zwischen Aluhüten und linker Systemkritik Teil II"  Lola Wolf, Wolf Wetzel (19.9.2018)
Quelle: https://wolfwetzel.de/index.php/2018/09/19/zwischen-aluhueten-und-linker-systemkritik-teil-ii/


Link

  • Global Moderator
  • Hero Member
  • *****
  • Posts: 2486
    • View Profile
Zur Thematik von Verschwörungstheorien...
« Reply #84 on: December 17, 2018, 12:11:24 PM »
Verschwörungstheorien: "Für das Ringen um eine bessere Welt verloren" Martin Bauer (12. Dez 2018)
Bernd Harder: Verschwörungstheorien. Ursachen – Gefahren – Strategien. Reihe Kritikpunkt.e. Alibri, 2018. 165 Seiten, kartoniert, ISBN 978-3-86569-123-1
Schlagworte: Interview Verschwörungstheorien Bücher ... Wird die Menschheit von reptilienartigen Wesen regiert? Vergiften uns die Herrschenden mit Chemikalien, die von Flugzeugen versprüht werden? Wird die Weltgeschichte von geheimen Kräften gesteuert? Bernd Harder befasst sich in seinem neuen Buch "Verschwörungstheorien" mit denjenigen, die auf solche Fragen mit "Ja" antworten. Im Gespräch mit dem hpd erläutert er, was unter einer Verschwörungstheorie zu verstehen ist, warum dieses Denken derzeit so viele Anhänger findet und weshalb davon eine Gefahr für die politische Kultur ausgeht. ... subjektiv würden Verschwörungstheorien das leisten, was man von Theorien im Allgemeinen erwartet: Sie erklärten einerseits bereits Geschehenes und erlaubten andererseits Vorhersagen über die Zukunft. Nein – sagt der Politikwissenschaftler Armin Pfahl-Traughber, da Verschwörungstheorien nicht durch gegenteilige Beweise korrekturfähig, also nicht falsifizierbar seien.
Verschwörungsgläubigen sind solche akademischen Diskurse aber eh völlig egal. Denn sie sehen sich selbst ja nicht als "Verschwörungstheoretiker", sondern als "Querdenker", "Aufklärer" oder "Wahrheitssucher". ... Bekannt gewordene echte Verschwörungen wie Watergate oder die Ermordung Cäsars unterscheiden sich signifikant von den imaginären Verschwörungen der Konspirologen. Deren Verschwörungstheorien – zum Beispiel "Chemtrails", "Umvolkung" oder die "New World Order" – zeichnen von politischen, gesellschaftlichen und historischen Prozessen ein realitätsverzerrendes Bild, in dem Zufälle, individuelle Fehleinschätzungen und Versäumnisse, Irrtümer, Unfähigkeit, Kompromisse, Getriebensein und vieles mehr keine Rolle spielen. Verschwörungstheoretiker entwerfen fast immer Szenarien, an denen Dutzende, Hunderte oder noch mehr Verschwörer beteiligt sein müssten. Außerdem behaupten sie nahezu ausnahmslos, dass die Akteure über einen längeren Zeitraum aktiv sind und dass Geschichte mittel- und langfristig planbar ist. Tatsächlich aber haben wir es in unserer multikausalen Gegenwart mit hochkomplexen Systemen zu tun, in denen sich eine Vielzahl von Akteuren mit zum Teil widerstrebenden Interessen, Zielen und Absichten tummeln – und die allesamt mit Problemen der realen Welt zu kämpfen haben. Etwa mit der Tatsache, dass die wenigsten Menschen ein Geheimnis lange für sich behalten können. ...
https://hpd.de/artikel/fuer-ringen-um-bessere-welt-verloren-16285

Quote
Frank am 12. Dezember 2018 - 11:22

"Verschwörungstheoretiker entwerfen fast immer Szenarien, an denen Dutzende, Hunderte oder noch mehr Verschwörer beteiligt sein müssten. "
So etwas nennt sich organisierte Kriminalität und unzählige Organisation mit tausenden von Mitarbeitern sind daran beteiligt, korrupte Personen in einflussreichen Positionen helfen der organisierten Kriminalität. Dagobert Lindlau war ein Journalist, der sich mit der organisierten Kriminalität beschäftigte. Manches was er sagte, klingt nach Verschwörungstheorien.

Die organisierte Kriminalität verschiebt Milliarden und nur selten gelingt den Behörden der große Schlag
"Außerdem behaupten sie nahezu ausnahmslos, dass die Akteure über einen längeren Zeitraum aktiv sind und dass Geschichte mittel- und langfristig planbar ist."
Unzählige Gruppen versuchen es ständig, mit wechselnden Erfolg.


Quote
A.S. am 12. Dezember 2018 - 12:09

Wenn ich der Ansicht bin, dass Kleriker Macht über Menschen wollen (bzw.: Priester wollen, dass möglichst viele Menschen nach ihrer Pfeiffe tanzen, und dazu sind ihnen praktisch alle Mittel recht), bin ich dann Verschwörungstheoretiker oder Realist?


Quote
Roland Weber am 12. Dezember 2018 - 14:43

Ich kann nur schärfstens warnen, wenn es sich um die Kennzeichnung "Verschwörungstheorie" handelt. Gewiss gibt es genug Spinnereien und Spinner, die man damit bezeichnen könnte.
Ich sehe darin aber oft genug, einen Kampfbegriff der Kritiker und Aufklärer diffamieren soll. Abgas-Werte sind o.k.; 9/11 allein Teppichmesser-Experten; Cum-was? - Alles Verschwörungstheoretiker!?
Man sollte jeden bis zum definitiven Beweis (!) des Gegenteils erst man als "Theoretiker" ansehen. Was als Verschwörungstheorie bezeichnet wird, ist oft genug auch der Beginn einer Wahrheit. NSU ein Netz bis in den Verfassungsschutz hinein, ist ja auch so eine - was denn nun?


Quote
Adam Sedgwick am 12. Dezember 2018 - 18:36

Zu diesem Thema habe ich Ihnen doch schon einen Kommentar am 3.12. geschickt. Hier noch einmal:
Es gibt zwei Sorten von Verschwörungstheorien: (a): Die Unsinnigen wie Chemtrails, grüne Marsmännchen etc. die jeglichen physikalischen und chemischen Gesetzen widersprechen.
und dann gibt es (b):die seriösen Verschwörungstheorien: Ersetzt man das Wort Verschwörung durch die Begriffe - geheime Absprache, stillschweigende Übereinkunft - dann sind das äußerst gefährliche Theorien, es gibt sogar eine Bundesbehörde die versucht solchen Absprachen auf die Schliche zu kommen: es ist das Bundeskartellamt.
Die Autoindustrie und auch einige unserer Bundesminister arbeiten hart daran, dass es seriöse Verschwörungen gibt: Wie soll man sonst den Dieselskandal verstehen? Die Geschichte der Bundesrepublik ist voll von solchen aufgedeckten geheimen Absprachen-Verschwörungen.
Man sollte kostbare Zeit nicht durch Diskussionen mit Anhängern der Kategorie (a) verschwenden und sich besser auf den Punkt (b) konzentrieren.


Quote
ThomasC am 15. Dezember 2018 - 12:10

Ich bin auch ziemlich unzufrieden mit dem Terminus "Verschwörungstheorie". Der Begriff ist zwischenzeitlich hochgradig vermint.
Wenn man eine Theorie aufstellt, um deren Wahrheitsgehalt prüfen zu lassen, ist das für mich zunächst eine "Arbeitshypothese", mit sowas fängt man in aller Regel an, das Ergebnis ist ein "Modell" (Beispiel: Wetter/Klima).

Als "Verschwörungstheorie" würde ich es erst dann bezeichnen, wenn die Hypothese widerlegt wurde, aber dennoch weiterhin Anhänger findet, Beispiel "Flatearther": man nehme eine Scheibe (Bierdeckel o.Ä.), eine Taschenlampe als "Sonne", zeichne sich die Weltkarte auf die Scheibe und halte die Taschenlampe dann so, daß die Sonne in unterschiedlichen Ländern unterschiedlich hoch am Horizont steht. Viel Erfolg!

Abseits von solcherlei klaren Fällen finde ich es erstaunlich, daß hier immer wieder von "Verschwörungstheorien" geschrieben wird. Dient das wirklich der Wahrheitsfindung? ...


...

Link

  • Global Moderator
  • Hero Member
  • *****
  • Posts: 2486
    • View Profile
Zur Thematik von Verschwörungstheorien...
« Reply #85 on: January 23, 2019, 12:42:32 PM »
Quote
[...] Dank einer wiederentdeckten Blutprobe können Genetiker eine alte Verschwörungstheorie eindeutig als Unsinn entlarven: Der Mann, der unter dem Namen Rudolf Heß im alliierten Kriegsverbrechergefängnis Berlin-Spandau einsaß und dort 1987 Suizid beging, war tatsächlich Rudolf Heß.

Anhänger der Verschwörungstheorie waren davon überzeugt, dass der Nazi-Politiker und Hitler-Vertraute vom britischen Geheimdienst durch einen Doppelgänger ersetzt worden war. Das glaubte etwa der britische Arzt Hugh Thomas, der Heß in Spandau betreute. Auch der ehemalige US-Präsident Roosevelt soll Anhänger dieser Theorie gewesen sein.

Doch eine Studie im Fachblatt »Forensic Science International Genetics« macht nun kurzen Prozess mit dieser These. Der Vergleich zwischen dem Erbgut aus der Probe und der DNA eines nicht genannten entfernten Verwandten von Heß lasse keine anderen Schlüsse zu, als dass der Insasse »Spandau #7« und Heß ein und dieselbe Person seien, erklärt das Autorenteam um Jan Cemper-Kiedslich von der Universität Salzburg.

Ausgangspunkt der Studie war der Abstrich einer Blutprobe, die der Militärarzt Phillip Pittman im Jahr 1982 dem Insassen »Spandau #7« entnahm. Der Objektträger wurde in den Jahren danach zu Schulungszwecken aufbewahrt und schließlich als das erkannt, was er war: die vermutlich einzige Möglichkeit, Klarheit über die Identität des vermeintlichen Doppelgängers zu erhalten. Denn die sterblichen Überreste von Heß wurden 2011 exhumiert, verbrannt und auf See verstreut, um sein Grab nicht zu einer Neonazi-Wallfahrtsstätte zu machen.

...


Aus: "Hitlers Stellvertreter: Genetiker widerlegen »Doppelgänger-Theorie«" Jan Dönges (22.01.2019)
Quelle: https://www.spektrum.de/news/verschwoerungstheorie-um-rudolf-hess-widerlegt-hitlers-stellvertreter-hatte-doch-keinen-doppelgaenge/1619720

-

Quote
[....] Nun protestieren sie auch hier. Stehen in gelben Westen auf dem Rasen vorm Reichstag, beteuern ihre Solidarität mit den Aufständischen in Paris und rufen Passanten dazu auf, sich anzuschließen. Für Neugierige haben sie zusätzliche Westen mitgebracht. Eine Mitstreiterin fordert, den Reichstag zu besetzen, ein anderer ruft „Revolution!“. Der Wortführer stolziert mit französischer Flagge umher und verkündet: „Ihr müsst wütend werden!“

Was der Mann nicht erwähnt: Mit den Zielen der französischen Bewegung haben die Berliner Gelbwesten wenig gemein. Die regelmäßigen Proteste auf dem Platz der Republik werden von Reichsbürgern organisiert. Federführend ist eine Gruppierung namens „Staatenlos“, die seit Jahren vom Verfassungsschutz beobachtet wird. Bei ihrem Wortführer handelt es sich um einen ehemaligen NPD-Kader, der wegen versuchten Mordes mehrere Jahre im Gefängnis saß.

Rüdiger Hoffmann heißt der Mann. Er gilt als umtriebige Figur in der Szene aus Reichsbürgern und sonstigen Verschwörungstheoretikern. Hoffmann glaubt, Deutschland sei von fremden Mächten besetzt, die Bundesrepublik nur eine Firma. Übers Internet fordert er seine Anhänger auf, die Handlungsfähigkeit des deutschen Reichs wiederherzustellen. Hoffmann warnte auch vor „subhumanen Völkerschaften“, die geschickt würden, um Deutschland zu überrennen. ...


Aus: "Außen Gelbweste, innen Reichsbürger" (25.01.2019)
Quelle: https://www.tagesspiegel.de/berlin/gekaperte-proteste-in-berlin-aussen-gelbweste-innen-reichsbuerger/23911796.html
« Last Edit: July 17, 2019, 12:04:49 PM by Link »

Link

  • Global Moderator
  • Hero Member
  • *****
  • Posts: 2486
    • View Profile
Zur Thematik von Verschwörungstheorien...
« Reply #86 on: February 18, 2019, 12:22:05 PM »
Quote
[...] Eine wissenschaftliche Studie hat ergeben, dass Menschen sich hauptsächlich durch Videos bei YouTube von der Auffassung überzeugen lassen, die Erde sei flach. Diese im englischen Sprachraum als Flat-Earth-Theorie bekannte, wissenschaftlich unhaltbare Behauptung ist zwar seit Langem im Umlauf, gewinnt aber in den letzten Jahren – trotz Gegenaufklärung – stark an Popularität.

Die 'Flat-Earther' sind inzwischen zu einer Bewegung angewachsen und treffen sich sogar regelmäßig auf internationalen Konferenzen. Die Theorie bringt auch abstruse Konsequenzen hervor wie einen Mann, der von einer selbstgebastelten Rakete aus mit Fotos die flache Gestalt der Erde beweisen will. Ein Team der Texas Tech University hat daher auf zwei dieser Konferenzen (2017 und 2018 in den USA) 30 Teilnehmer interviewt und ausgewertet, wie sie sich nach eigener Aussage von dieser Theorie haben überzeugen lassen, berichtet unter anderem der Guardian. https://www.theguardian.com/science/2019/feb/17/study-blames-youtube-for-rise-in-number-of-flat-earthers

Bei allen Befragten zeigte sich das gleiche Muster: Noch zwei Jahre zuvor hätten sie eine flache Erde nicht in Erwägung gezogen, seien aber nach dem Anschauen entsprechender YouTube-Videos dazu übergegangen, diese Ansicht für plausibel zu halten. Der einzige Befragte, der selbst keine Videos dazu angeschaut habe, sei von seiner Tochter und seinem Schwiegersohn überzeugt worden, die ihre Ansichten wiederum aus YouTube-Videos gewonnen hätten, erklärte Studienleiterin Asheley Landrum.

Die Auswertung der Interviews hat auch ergeben, dass die meisten Befragten erst nach dem Betrachten anderer, verschwörungslastiger Videos – etwa mit spekulativen angeblichen Enthüllungen zu den Anschlägen des 11. Septembers 2001 oder mit Zweifeln an den Mondlandungen der NASA – zu den Inhalten der Flat-Earth-Theorie gelangt sind, weil YouTube diese Inhalte vorgeschlagen hat. Manche Interviewten sagten, sie hätten solche Videos zunächst angeschaut, um deren irrige Aussage zu entlarven, seien aber später vom Inhalt überzeugt worden. Die Interviewten haben sich bereits einige Zeit danach Fragen gestellt wie "Warum sieht man die Rundung der Erde nicht?" oder "Warum ist der Horizont immer auf Augenhöhe?".

Landrum erklärt die besonders große Popularität eines bestimmten Flat-Earth-Videos mit dem Titel "200 Beweise, warum die Erde keine rotierende Kugel ist" damit, dass darin viele unterschiedliche Denkweisen angesprochen würden, etwa strikte Bibelauslegungen, Verschwörungstheorien, aber auch eher wissenschaftlich orientierte Weltanschauungen. Die Wissenschaftlerin warf YouTube kein grundsätzliches Fehlverhalten vor, wünschte sich aber, dass die Plattform ihre Algorithmen daraufhin optimiere, korrekte Informationen zu bevorzugen. Eine entsprechende Verringerung von falschen und irreführenden Videos bei den vorgeschlagenen Inhalten hatte YouTube erst kürzlich angekündigt.

Die Wissenschaftlerin schlug ihren Kollegen als passende Reaktion vor, verstärkt Videos mit wissenschaftlich korrektem Inhalt zu verbreiten. Der Glaube etwa an eine Flat-Earth-Theorie sei für sich genommen zwar nicht schädlich, sei aber oft gekoppelt mit einem umfassenderen Misstrauen in Institutionen und Autoritäten. "Die Menschen sollen kritische Konsumenten der Informationen sein, die ihnen vorliegen", sagte Landrum, "aber es sollte doch eine gewissen Balance gehalten werden."

Mit besseren Informationen gegen Verschwörungstheorien anzugehen sei das einzige Mittel, das Wissenschaftler besitzen, meinte Landrum, auch wenn sie einen kleinen Teil der Menschen wahrscheinlich nie erreichen würden, weil manche Anhänger solcher Theorien grundsätzlich nicht auf Wissenschaftler hören wollten. So sei etwa ein Erklärungsversuch des Astrophysikers Neil deGrasse Tyson, warum riesige gekrümmte Oberflächen den in Relation dazu winzigen Betrachtern flach erscheinen, von Flat-Earth-Anhängern als bevormundend und herablassend kritisiert worden. (tiw)


Aus: "Studie: YouTube verantwortlich für Verbreitung von Flat-Earth-Bewegung" Tilman Wittenhorst (19.02.2019)
Quelle: https://www.heise.de/newsticker/meldung/Studie-YouTube-verantwortlich-fuer-Verbreitung-von-Flat-Earth-Bewegung-4311356.html

Quote

    itguru, 18.02.2019 11:56

Hoher Unterhaltungsfaktor ...

Also ich kann solchen Vidoes auf YouTube nichts schlechtes ankreiden. Ich sehe die immer als "Unterhaltungsshows", bei dei denen man sich stellenweise kringeln kann (vor Lachen).

Leute die das für voll nehmen, spielen in userer Gesellschaft (hoffentlich) keine große Rollen.


Quote

    McSCH, 18.02.2019 11:50

„Studie“, dreissig Teilnehmer von zwei Konferenzen... wohl eher aussagelos. Wenn wir mit den gleichen unwissenschaftlichen Methoden vorgehen, wie die Fake-News-Produzenten, begeben wir uns auf das gleiche Niveau herab. Und irgendwie ärgere ich mich jetzt über die Zeit, die ich gerade verplempert habe.


Quote
     TheCOP, 18.02.2019 11:32

Die beste Aussage zu Flat-Earthern die ich bisher gehört habe - stammt von ihrer eigenen Homepage: Sie hätten Anhänger "rund um den Globus" :-D


Quote

    brummelbrummel, 18.02.2019 10:46

Nicht die YouTube Videos sind das Problem - meiner Meinung nach sind es eher die gesellschaftlichen Verhältnisse, aus denen Menschen hervorgehen die solche "Theorien" für bare Münze anzunehmen bereit sind.


...

Link

  • Global Moderator
  • Hero Member
  • *****
  • Posts: 2486
    • View Profile
Zur Thematik von Verschwörungstheorien...
« Reply #87 on: February 26, 2019, 12:01:22 PM »
Quote
[...] Der Brief, den Rentner Rolf am „23. Tage des zwölften Monats anno Domini 2017“ an die Direktorin des Amtsgerichts in Kaufbeuren im Allgäu schrieb, hatte es in sich. „Zu ihrer gefälligen Kenntnisnahme“ versuchte der heute 72-Jährige die Behördenleiterin Rita Ostenried mit seinem Schreiben vom 23. Dezember 2017 zu nötigen, innerhalb von drei Tagen eine „Erklärung unter Eid unter unbegrenzter Haftung“ vorzulegen. Bleibe diese aus, stehe fest, dass die von Rolf S. angeführten Sachverhalte „vollumfänglich wahr“ seien und er „mit 150 Milliarden Dollar der aktuellen amerikanischen Währung zu entschädigen“ sei.

Nein, Rentner Rolf ist kein bescheidener Mann. Vom damaligen bayerischen Justizminister Winfried Bausback forderte er sogar 450 Milliarden US-Dollar, weil dieser sein „privates kommerzielles Instrument zweimal nacheinander entehrt“ habe, wie es so kryptisch wie unsinnig in seinem Brief hieß. Zwischen Ende Dezember 2017 und Anfang März 2018 forderte er so mehr als eine Billion Dollar „Schadensersatz“.

Natürlich waren die bizarren Geldforderungen klägliche Versuche – doch in der Welt von Rolf S. haben sie Konjunktur. Er ist Reichsbürger. Unter Anhängern dieser teils rechtsextremen Strömung kursieren Blankoschreiben, mit denen der Absender behaupten kann, nach internationalem Handels- oder Kommerzrecht Anspruch auf horrende Schadensersatzforderungen zu haben.

Für Rentner Rolf allerdings ging es um seine ganze Existenz, ja sogar um sein Staatsgebiet. Vor 20 Jahren bezog er mit seiner Frau Ingrid das ehemalige Schulgebäude im 500-Seelen-Dorf Sulzschneid im Allgäu. Dort machte er sich zum Wirtschaftsminister einer Kommissarischen Regierung des Deutschen Reiches, das nach dem Glauben von Reichsbürgern weiterhin existiert. In der vergangenen Woche wurde das Gebäude zwangsversteigert, dem Ehepaar droht die Räumung.

Das Reich begann, den Bach runterzugehen, als der von Rolf S. verhasste Staat sich die Forderungen auf Schadensersatz nicht mehr gefallen ließ. Bereits einmal war er für solche Briefe wegen versuchter Erpressung verurteilt worden. Im vergangenen Jahr erhob die Staatsanwaltschaft erneut Anklage wegen des „sozial unerträglichen“ Verhaltens, nachdem er erneut sieben solcher Briefe verschickte. Das Amtsgericht Kaufbeuren verhängte Ende 2018 eine Haftstrafe von sieben Monaten ohne Bewährung. Rolf S. ging in Berufung, legte sich neue schräge Erklärungen für sein Verhalten zurecht.

Angesichts der drohenden Gefängnisstrafe zeigte er sich nun aber reuig. Er habe eingesehen, dass er „das Kommerzrecht falsch verstanden“ habe. Deshalb werde er in Zukunft auf derartige Schadensersatzforderungen verzichten. Unter dieser Prämisse gewährte der Vorsitzende Richter Claus Ammann am Montag vergangener Woche Bewährung. Sollte sich S. innerhalb der nächsten drei Jahre noch einmal derartig verhalten, droht ihm ein Aufenthalt im Knast.

Es wäre eine demütigende Erfahrung für Rentner Rolf, der ja nicht nur ein Ministeramt bekleidet, sondern auch einen Ruf als rechter Meinungsmacher genießt. Das Schulhaus, in dem er wohnt, ist zugleich Sitz des Argo-Verlags, der in Büchern und Magazinen einen skurrilen Mix aus Esoterik, Pseudowissenschaft und rechtsradikalen Themen anbietet. Von „Neuer Germanischer“ und Alternativmedizin, Kornkreisen, „Reichsflugscheiben“ und Außerirdischen ist dort zu lesen. Hinzu kommen Geschichtsrevisionismus, Holocaustleugnung und vor allem antisemitische Weltverschwörungsideologien.

Ingrid S., die auch als Verlagsleiterin fungiert, bezeichnete sich ab 2001 als „Außenministerin“ der Reichsregierung und verschickte „diplomatische“ Schreiben an die Behörden echter Regierungen. Auch sie wurde bereits mehrfach verurteilt und hat Gefängnisaufenthalte hinter sich.

Rentner Rolf war von den Bewährungsauflagen des Landgerichts unterdessen wenig beeindruckt. Nur 24 Stunden nach dem Berufungsprozess polterte er in einem anderen Gerichtssaal mit neuen Schadensersatzforderungen los. Weil er eine Hypothek der Bank nicht begleichen konnte – oder wollte – und Schulden bei Finanzamt, Verwaltung und Justiz angehäuft hatte, wurde sein Haus zwangsversteigert.

Die potenziellen Bieter, im Wissen um den sperrigen Bewohner, waren skeptisch: „Es ist ja bekannt, dass wir es hier mit Reichsbürgern zu tun haben. Wie wirkt sich das auf den Erwerb des Gebäudes aus?“, fragte eine Interessentin vor der Auktion die Vorsitzende Richterin. „Mit dem Zuschlag werden Sie Eigentümerin. Wie Sie sich den Besitz verschaffen, damit hat das Gericht nichts zu tun“, gab diese ratlos zurück. Dennoch erwarb eine Frau aus Schwaben das Haus für 380.000 Euro.

Die neue Eigentümerin signalisierte im Anschluss an die Versteigerung, sie sei bereit, über eine vorübergehende Duldung der bisherigen Bewohner zu sprechen. Doch es läuft ohnehin schlecht im Argo-Verlag, der nach all den juristischen Querelen der Inhaber nur noch auf Sparflamme läuft. Nun droht auch Ingrid S. eine eine erneute Haftstrafe, und das sogar von mehr als einem Jahr. Sie hatte dieselben Briefe verschickt wie ihr Mann. Das Reich der Reichsbürger – es könnte bald nur noch so groß sein wie eine Gefängniszelle.


Aus: "Das Reich geht den Bach runter" Sebastian Lipp (26. Februar 2019)
Quelle: https://blog.zeit.de/stoerungsmelder/2019/02/26/extremismus-verschwoerungstheorie-reichsbuerger-drohbrief_28112

Quote
  Betrand    #4

Offenkundig ist der Mann ja nicht ganz klar im Kopf – ohne den Reichbürger-Kram würde er dann eben an Hohl-Welten oder Prä-Astronautische Aliens glauben


Quote
  frogga    #13

Grausam, was Chemtrails so alles anzurichten im Stande sind 😉


Quote
Karl Josef Schleidweiler    #18

Der liebe Gott hält sich einen eigenartigen Zoo . . .


Quote
Greta Thunfisch    #20

Nazi-Esoterik, ist die beste Esoterik.


Quote
DieNeueMitte    #21

Ich liebe diese Verschwörungstheorien. Ein Gramm schwarzer Afghane und es gibt wirklich nichts besseres… extrem unterhaltsam. Ich empfehle die „Doku“ über Neuschwabenland. Und wer dann noch nicht unter Bauchmuskelkater leidet, sollte sich auf jeden Fall den „promovierten Naturwissenschaftler“ Dr. Axel Stoll (R.I.P) reinziehen. Sorry lieber Stefan Raab – aber da kommst Du nicht im entferntesten ran…


Quote
Havelock Vetinari    #22

„Ein Reichsbürger-Paar im Allgäu betreibt seinen eigenen Staat und verbreitet Verschwörungstheorien. Wegen wirrer Drohbriefe an Behörden droht den beiden jetzt Gefängnis.“

… mit der Durchsetzung der Gefängnisstrafe wird es aber Probleme geben, wenn ihr Reich kein Auslieferungsabkommen mit Deutschland hat !


Quote
Huthi    #29

Das klingt alles eher nach einer psychologischen Disposition, die behandelt gehört.


...

Link

  • Global Moderator
  • Hero Member
  • *****
  • Posts: 2486
    • View Profile
Zur Thematik von Verschwörungstheorien...
« Reply #88 on: February 28, 2019, 12:10:13 PM »
Quote
[...] Facebook-Moderatoren, die auf der Plattform aufräumen und Einträge löschen sollen, die gegen die Community-Regeln verstoßen, treffen bei ihrer Arbeit auch immer wieder auf Verschwörungstheorien – und einige fangen an, diese selbst zu glauben. Das ist ein Detail in einem Artikel über die Arbeitsbedingungen der Moderatoren in den USA.

Wie schon andere vor ihm, beleuchtet Casey Newton von The Verge darin die teilweise unerträglichen Zustände, diesmal aber in den USA selbst. Bislang waren vor allem Moderatoren in Ländern wie den Philippinen Objekt der Berichterstattung. Facebook hat darauf verwiesen, dass man bereits viel getan habe, aber noch einige Arbeit nötig sei.

Newton hat mit ehemaligen Moderatoren gesprochen, die in den USA selbst für den Dienstleister Cognizant im Auftrag von Facebook gearbeitet haben. Trotz aller Automatisierungsversprechen müssten noch immer 15.000 Menschen in aller Welt Inhalte prüfen, die von Nutzern gemeldet wurden. Für ihre Arbeit müssen sie etwa Videos von Morden sichten und über eine Löschung entscheiden. Das beginne bereits vor der Anstellung im Training. Werden Bewerber nicht übernommen, würden sie mit den Erfahrungen allein gelassen. Auch für Angestellte gebe es die angebotene Beratung nur bis zum Ende der zumeist nicht langen Anstellung.

Insgesamt bestätigt der Artikel das Bild der Mitarbeiter zweiter Klasse, die auch nur rund ein Zehntel des durchschnittlichen Gehalts bei Facebook selbst bekommen. In den Großraumbüros – im beschriebenen Fall in Phoenix, Arizona – gibt es demnach festgelegte Pausenzeiten, in denen die Toiletten nicht für alle Mitarbeiter ausreichten. Angesichts der traumatisierenden Inhalte, die im Stakkato zu kontrollieren sind, machen die Mitarbeiter immer wieder Witze über ihr schlechtes seelisches Empfinden, hat Newton erfahren. Gleichzeitig würden von Facebook sehr wenige Fehler toleriert, während es bei aktuellen Ereignissen es oft widersprüchliche Vorgaben gebe.

Darüber hinaus sorgten die zu prüfenden Inhalte auch dafür, dass abwegige Überzeugungen unter den Kontrolleuren Verbreitung finden. Ein ehemaliger Moderator etwa zweifle " an bestimmten Aspekten des Holocaust", ein anderer halte den Anschlag vom 11. September 2001 nicht mehr für eine Terrorattacke. Auf den Fluren des Unternehmens sei außerdem ein Prüfer unterwegs, der für die irrige Vorstellung werbe, dass die Erde flach ist. Nach dem Schulmassaker von Parkland seien die Moderatoren zuerst schockiert gewesen, aber angesichts von Verschwörungstheorien auf Facebook und Instagram hätten einige Zweifel an Geschehnissen geäußert.

Wie das Nieman Lab erläutert, ist ein solcher Ablauf keineswegs ungewöhnlich. So hatte die Professorin Kate Starbird von der University of Washington vergangenes Jahr über ihre Arbeit zur Erforschung von Verschwörungstheorien berichtet. Wer das mache, der solle "ein Seil um seine Fußknöchel binden und jemanden haben, der daran zieht", denn das sei wirklich ein desorientierender Teil des Internets. Auch in ihrem Team hätten einige begonnen jene Verschwörungstheorien zu glauben, die sie eigentlich untersuchen sollten. (mho)


Aus: "Facebook: Auch Moderatoren anfällig für Verschwörungstheorien" Martin Holland  (26.02.2019)
Quelle: https://www.heise.de/newsticker/meldung/Facebook-Auch-Moderatoren-anfaellig-fuer-Verschwoerungstheorien-4320257.html

Quote

    tbreitenb, 26.02.2019 14:02

Re: Gering gebildete unvernetzte Unterschichtler

herzbluten schrieb am 26.02.2019 13:57:

    Gering gebildete unvernetzte Unterschichtler
    neigen fast zwangläufig zu allem möglichen Unsinn.
    Ihnen fehlt das Korrektiv, sie kennen oft nicht einmal Leute in gehobenen Positionen.
    Wer viel mit Entscheidern aus Politik und Wirtschaft zu tun hat, dürfte im Schnitt merklich weniger anfällig sein. Die echten Verschwörungen sind meist weitaus banaler und sehr viel schlechter gemacht als die irren Verschwörungstheorien ;-)


Ich stimme gerne zu.

Aber die Vorstellung eines "Korrektivs" wegen des Kennens von Leuten in gehobenen Positionen oder Entscheidern aus Politik und Wirtschaft klingt zu schön, um wahr zu sein :)


Quote
[...]      pkarl, 28.02.2019 00:27

Kennt ihr das Problem mit Verschwörungstheorien?

Zuviele haben sich, insbesondere in letzter Zeit, als Wahr herrausgestellt.

- Die NSA, GCHQ, die Five Eyes überwachen uns alle? Verschwörungstheorie!
- Bernie Sanders wurde von den Demokraten undemokratisch mit allen Mitteln als Präsidentschaftskandidat verhindert? Verschwörungstheorie!
- Die Regierung, hier CIA, gab LSD an Menschen ohne deren Wissen (Project MKUltra)? Verschwörungstheorie! (Lustig übrigens, dass dies die Hippy Counter-Kultur mitbegründete)
- Der Begriff "Verschwörungstheorie" wurde von der CIA 1967 als Kampfbegriff gegen alles was ihnen missliebig war eingeführt (CIA Dokument #1035-960)? Verschwörungstheorie!

Die im Artikel genannten Beispiele treffen übrigens perfekt das CIA Dokument #1035-960 - es werden Beispiele genannt die kaum jemand als "Verschwörungstheorie" abtun würde damit der Begriff später für alles andere missliebige benutzt werden kann und die Menschen diese mit den Beispielen assoziieren.


...

Link

  • Global Moderator
  • Hero Member
  • *****
  • Posts: 2486
    • View Profile
Zur Thematik von Verschwörungstheorien...
« Reply #89 on: March 05, 2019, 12:41:41 PM »
"Verschwörungstheoretiker fahren bei Rot über die Ampel"  Paul Schreyer (05. März 2019)
Eine Studie von britischen Psychologen versucht nachzuweisen, dass Anhänger von Verschwörungstheorien zu "antisozialem" und "kriminellem" Verhalten neigen. ... So heißt es im Fazit der Studie: "Verschwörungstheorien könnten Menschen dazu bringen, sich aktiv antisozial zu verhalten." Am Ende, soviel wird klar, geht es um Deutungshoheit: Kriminell sind nicht etwa etablierte Kreise an der Spitze der Gesellschaft, sondern vor allem diejenigen Zweifler, die den Etablierten Böses zutrauen. ...
Quelle: https://www.heise.de/tp/features/Verschwoerungstheoretiker-fahren-bei-Rot-ueber-die-Ampel-4325588.html

Quote
     Naturzucker, 05.03.2019 08:27

Bei kriminellem Verhalten denke ich zuerst an die Schweine, die mit gefälschten Steuerbescheiden durch Cum Ex den Steuerzahler um Milliarden betrogen haben
Konzerne, die Milliardengewinne einfahren und durch ein undurchsichtiges Firmengeflecht praktisch keine Steuern zahlen
Milliardäre, die mit ihren Stiftungen die öffentliche Meinung und die Politik manipulieren
Politiker, die sich vor den Karren von Konzernen und Lobbyisten spannen lassen


Quote
     meckerpott, 05.03.2019 11:29

Eine Wirkrichtung unterschlagen

Habe ich das im Artikel überlesen, oder haben die das nicht bedacht?
Meine Theorie: Viele Mitbürger haben schlicht keine Lust, ihre Zigarettenkippen 3 m weiter in einen Mülleimer statt auf die Straße zu werfen, die Kacke ihrer Hunde aufzusammeln, oder 20 Meter weiter zu laufen, weil die Parkplätze direkt vor der Tür für Familien mit Kindern reserviert sind.
Die suchen dann, spätestens wenn sie mit ihrem asozialen Verhalten konfrontiert werden, nach einer Rechtfertigung, die üblicherweise darauf hinausläuft, dass "die anderen" ja auch nicht besser sind. Und dann kommt noch etwas Whataboutism dazu, "die da oben verarschen uns ja sowieso, warum soll ich da besser sein".

Kurz: wer zu asozialem Verhalten neigt, könnte anfälliger sein, aus Bequemlichkeit VT zu verbreiten.


...

Link

  • Global Moderator
  • Hero Member
  • *****
  • Posts: 2486
    • View Profile
Zur Thematik von Verschwörungstheorien...
« Reply #90 on: March 07, 2019, 01:16:44 PM »
Quote
[...] Das Buch "Qanon: An Invitation to the Great Awakening" ("Qanon: Eine Einladung zum großen Erwachen") führt nicht nur die Amazon-Bestsellerliste "Censorship & Politics" an, sondern belegt derzeit auch Platz drei der Neuerscheinungenliste ("Hot New Releases"). Der Autor des Buches ist unbekannt, einige Mitglieder der Verschwörungsgruppe "Qanon" beanspruchen die Inhalte für sich, wie NBC berichtet.

"Q" oder "Qanon" ist ein Verbreiter von Verschwörungstheorien. Gesteuert und organisiert wird das Grundgerüst der Inhalte durch eine Einzelperson oder Gruppe in den USA, die angebliche geheime Daten für sich beansprucht. So seien die Verbreiter im Besitz von Informationen über Trumps Präsidentschaft. Es ist von dubiosen Thesen wie einem sogenannten "Deep State" die Rede.

Das Symbol des Zusammenschlusses an Verschwörungstheoretikern wurde regelmäßig auf "Make America Great Again"-Veranstaltungen Donald Trumps gesichtet. Die Gruppe gewann so an Popularität. Den Anfang nahm sie durch kryptische Posts auf "4chan" oder "8chan". Hier wurden Theorien verbreitet, die beinhalten, dass hochrangige demokratische Beamte sowie US-Politiker und Kontrahenten Trumps einem weitreichenden Netzwerk von "Kinderschändern und Mördern" angehören würden. Die Theorien werden als erfunden und unfundiert eingeschätzt. Sie sind in keiner Form belegt.

Das plötzliche Auftauchen des Buches auf der Amazon-Liste deutet auf die potenzielle Gefährlichkeit hin, die mit algorithmischen Empfehlungen einhergeht. Die durchschnittliche Bewertung des Buches beträgt auf Amazon derzeit fünf Sterne. Nicht nur das Buch ist um 15,52 Dollar auf Amazon erhältlich, auch T-Shirts, Tassen und Kappen stehen zum Verkauf.

Experte Mike Rothschild sieht in der Veröffentlichung des Buches die Möglichkeit für Qanon, dringend nötiges Geld für die Sekte zu lukrieren. Die Verschwöungstheoretiker hätten Lücken im Amazon-Algorithmus erkannt und würden diese gezielt ausnützen.

Der Umgang mit vergleichbaren Gruppen wird viel diskutiert. Youtube steuerte kürzlich gegen und kündigte Änderungen an, welche die Sichtbarkeit von Verschwörungsinhalten besser kontrollieren sollen. Eine Stellungnahme von Amazon steht bisher aus. (red, 6.3.2019)


Aus: "Verschwörungsbuch "Qanon" führt Amazon-Toplisten an" (6. März 2019)
Quelle: https://derstandard.at/2000099033557/QAnon-Verschwoerungsbuch-fuehrt-Amazon-Toplisten-an

Quote
Peter Widzky

Experte Mike Rothschild

auweh - da gehen die Verschwörungstheorien wieder los :-)


Quote
Jane Lane

Ich will ja jetzt nix sagen, aber wenn ein Experte namens Mike ROTHSCHILD davon abrät ein bestimmtes Buch zu kaufen, dann ist das wahrscheinlich für sehr viele Menschen in ganz unterschiedlichen Länder ein Grund dieses Buch erst recht zu kaufen lol ... ich weiß, er kann ja nichts für seinen Nachnamen, aber lustig ist das jetzt halt schon ein bisschen :-)


Quote
Noch ein Einwohner

Dieses Buch müssen Sie lesen !
Intelligente Menschen werden es hassen.


Quote
KenLoach

Was ist eigentlich aus den guten, alten Illuminaten geworden, gibt's die auch noch?


Quote
Lemmie

Logo. Die stecken sowieso immer noch hinter allem.


Quote
Voll in die Kaldaunen!

Verschwörungstheoretiker
Dieser Schwachsinn dient nur dazu, Verschwörungstheorien prinzipiell als absurd und "Verschwörungstheoretiker" als bestenfalls schrullige Esoteriker zu denunzieren. Dabei gibt es in der Geschichte immer wieder Verschwörungen von und gegen Eliten. Ich bin mir sicher, die Habsburger z.B. würden heutzutage nie ernsthaft als Dokumentenfälscher (zum Zwecke der Machterweiterung) zur Verantwortung gezogen werden, weil jeder Historiker sofort mit der Verschwörungstheoretiker-Keule erschlagen würde ...


Quote
Postal

Warum sollte Amazon zu irgendwas Stellung nehmen? Oder ist es verboten das Buch zu verkaufen? Wurde im Artikel gar nicht erwähnt...


Quote
Winston Smith.

Trump arbeitet mit Mueller zusammen, um die gesamte pädophile Elite der USA (Hillary, Obama, etc.) einzusperren.
Im Umfeld von Trump ist jemand mit einer "Q" Security Clearance (deshalb der Name Q), der die Verschwörungstheoretiker auf 4chan und 8chan mit kryptischen Nachrichten versorgt, die diese irgendwie interpretieren.

Das ganze ist eine Mischung aus Pizzagate und dem Teil von "A Beautiful Mind", in dem John Nash geheime Codes in Zeitschriften sucht.
Die Anhänger sind fanatisch und bewaffnet, einige verdienen recht viel Geld damit.

Hier sind alle Posts, die analysiert werden: https://qposts.online/


Quote
christoph hofbaur

Es geht darum, dass man den duemmsten Menschen die abstrusesten G'schichtl erzaehlen kann und es tatsaechlich immer welche gibt, die jeglichen noch so deppaten Stumpfsinn glauben. Da die aber auch alle waehlen duerfen, zeigt die Gefahren von zuviel direkter Demokratie auf.


Quote
ready.player.one.

Kamen schon die üblichen VT-Verwischungen, wie Chemtrails, Echsenmenschen? Ja?
Dann scheint am Buch wohl was dran zu sein. Interessant.


Quote
CosMoe

Das machen die Q-Jünger schon selber, siehe das "Deep State Diagramm" aus dem Twitter Link oben.
"Draco-Reptilians" -> check
"Chemtrails" -> check


Für normale Menschen ist das unterhaltsame Satire, für Euch Kapserln ist es "interessant".


Quote
John Moke


Nö, das is Kunst ;)
https://www.greatawakeningmap.co/news

Kann man auch als Poster kaufen.


Quote
Ausgeflippter Lodenfreak

Weil hier wieder sicher viele von fortschreitender Verdummung schreiben und auf Amazon und das Internet schimpfen: solche Bücher gab es schon immer und sie wurden schon immer gelesen. In den 1980ern und 1990ern als vom Internet noch keine Rede war, wurden die halt per Telefon oder Bestellschein bestellt. Die meisten Verschwörungstheorien sind viele Jahrzehnte alt und eine freie Demokratie hält so etwas leicht aus. Besonders wenn es dann um Nazi-U-Boote unter dem Eis, Echsenmenschen, usw. geht.


Quote
chezgarando

der unterschied - früher standen die allein im dorf mit einem schild "weltuntergang" und wurden eben als "dorfdepp" durchgefüttert. jetzt haben sie sich zum ersten mal vernetzt...


Quote
CosMoe


Bei einigen dieser Q-Anhänger und deren Youtube Channels vermute ich gut gemachte Satire.
So ist auch das "Deep State Diagramm" aus dem Twitter Link im Artikel derart überzogen wirr und voller unzusammenhängender Begriffe, z.B.

- "Draco-Reptilians"
- "Sumatra Tsunami"
- "Foo Fighters"
- "Atlantis", etc. etc.

dass 99 von 100 Menschen dass schnell als Satire erkennen. ...


Quote
Karl Sonnenschein

»Es ist von dubiosen Thesen wie einem sogenannten "Deep State"«

Ich bin weder ein Anhänger von Rechten noch von esoterischen Verschwörungstheorien, aber ich frage mich schon was an der Theorie eines Deep State in den USA dubios sein sollte.

Ein Land in dem Politiker und unzählige Geheimdienste bis aufs Engste unter sich und mit der Wirtschaft, einer aufgeblähten Rüstungs- und Finanzindustrie verbandelt sind soll es keinen Deep State geben?

Zu glauben dass diverse Geheimdienste und sonstige Kreise in dem unüberschaubaren Geflecht nicht ihr eigenes Süppchen kochen und die politische Ausrichtung in ihrem Interesse lenken bzw versuchen das zu lenken ist wohl mehr als naiv.

Selbst in DE das im Vergleich zu den USA wesentlich kleiner ist gibts mehr als genug offene Fragen zum "Verfassungsschutz".


Quote
chezgarando

das problem ist, die verrückten rechnen einen kleinen gewerkschafter zum deep state und verachten leute die ihnen helfen wollen, im gleichen atemzug ist ein milliardär, der noch nie in seinem leben irgendwem geholfen hat aber plötzlich der robin hood :D


Quote
Flusszwerg

Ich schäme mich, dass mein eigener Vater das buch wahrscheinlich bestellt.
Ich wünschte, die Leute wären nicht so dumm, diese einfachen Antworten auf komplexe Fragen, die anderen die schuld geben, zu glauben.
Man sieht aber auch an unserer Regierung, dass der Wahnsinn Methode hat und beim "Volk" greift.


Quote
Hans der Wedler

... Mein Vater ist merklich radikaler geworden nachdem er angefangen hatte FB zu verwenden.


Quote
Gummibam aus Surinam

Diese Phänomen habe ich nicht nur bei alten Leuten schon beobachtet.


Quote
YouAreNotSupposedToBeInHere

"Deep State" ist ein Begrif der alles und nichts sein kein. Gibt es mächtige Menschen und Gruppen, die versuchen im eignen Interesse die Politik zu beeinflussen? Sicherlich. Aber wenn wir uns dann die "Mindmap" von dem Tweet anschauen, dann ist das einfach nur lächerlich. Es gibt eine Grenze wo es von plausible, oder sogar fak,t in einen Sumpf von Dummheit und Blödsinn abrutscht.
Das Problem mit Verschwörungstherorien ist, dass diese schnell aufgestellt sind und kaum zu wiederlegen sind, weil jeder Beweis dagegen sowieso "fake" ist. Und viele Menschen brauchen diesen Glauben, eine Wahrheit zu kennen, die vertuscht wird, weil sie sich dadruch wichtig fühlen und deren Leben nicht so bedeutungslos ist.


Quote
kornkickazz

Richtig, deswegen müssen auch Chemtrails Realität sein, da Hofer darüber durch eine parlamentarische Anfrage diskutieren lies.


Quote
Cures


Wenn man sich als Verschrörungstheorie in solch einem Büchlein neben die anderen altbekannten Jungs in den Sesselkreis der Dummheit setzt (Flat Earth, Ancient Aliens, Reptiloids, ...) sollte man sich nicht wundern, wenn man als das bezeichnet wird, was man ist ;)


Quote
linke emanze

Sesselkreis der Dummheit

Formulierung des Tages!



Link

  • Global Moderator
  • Hero Member
  • *****
  • Posts: 2486
    • View Profile
Zur Thematik von Verschwörungstheorien...
« Reply #91 on: March 07, 2019, 01:20:15 PM »
"Online Conspiracy Groups Are a Lot Like Cults" Renee DiResta  (11.13.2018)
In recent months there’s been an increase in stories in which a follower of radical conspiracies shifts their actions from the web and into the world.
In June, a QAnon conspiracy follower kicked off a one-man standoff at the Hoover Dam in Nevada. Another QAnon supporter was arrested the next month occupying a Cemex cement factory, claiming that he had knowledge that Cemex was secretly assisting in child trafficking—a theory discussed in Facebook groups, in an attempt to push it into Twitter trending topics.
WhatsApp conspiracy theories about pedophiles in India led to murders. Investigations of Cesar Sayoc, dubbed the “Magabomber,” turned up his participation in conspiratorial Facebook groups. There’s the Tree of Life synagogue shooter. The Comet Ping Pong “Pizzagate” shooter. There are, unfortunately, plenty of examples.
Of course it’s expected that people who commit acts of aggression will also have social media profiles. And most people who believe in a conspiracy are not prone to violence. But these social media profiles bear another common thread: evidence that the perpetrators’ radicalization happened within an online conspiracy group.
We used to worry about filter bubbles, which accidentally trap users in a certain sphere of information. ...
https://www.wired.com/story/online-conspiracy-groups-qanon-cults/

-

Quote
Rainer Herzog

»Nicht von außen, so sagte Rudolf Steiner schon 1914/1915, drohe seinem Werke Gefahr. Die Feinde kommen von innen, aus der Mitgliederschaft selbst.« (Adelheid Petersen, „Erinnerungen an Rudolf Steiner“, S. 189)

Ich muss gestehen, dass ich noch bis vor kurzem die diversen Berichte, Mahnungen und Warnungen über die Offenheit der anthroposophischen Bewegung für Verschwörungstheorien (VT) als etwas übertrieben erlebte – auf Facebook und auch vor allem hier auf dem Egoistenblog.

Inzwischen weiß ich: Es ist viel schlimmer, irrer und durchgeknallter, als ich angenommen hatte. Ich war ein halbes Jahr Mitglied in einer geschlossenen anthroposophischen Gruppe auf Facebook *), die unter anderem den Bedürfnissen nach geistiger Erbauung, Erkenntnisvertiefung, wissenschaftlichem Arbeiten und einem vertieften Studium Rechnung tragen will – und bin in diesen Tagen dort ausgestiegen.

Das Resümee schon einmal vorwegnehmend: Es hat sich gelohnt, ich wurde mit Erkenntnissen und Eindrücken bezüglich der zunehmenden VT-Begeisterung in Anthrohausen reich beschenkt. Dafür vielen und herzlichen Dank an die Gruppe! Ich kann es daher jedem unbedingt empfehlen, dieser (oder einer ähnlichen) Gruppe beizutreten, um sich ein lebendiges Bild vom, wie ich finde, desolaten, peinlichen und bedenklichen Zustand der gegenwärtigen anthroposophischen Bewegung zu machen.


Die folgenden skizzenhaften Erinnerungen und, ja, natürlich, auch Deutungen aus meiner Zeit in dieser Gruppe sind selbstverständlich subjektiv und als ergänzungsbedürftig anzusehen. Manche der Dialoge und Äußerungen, auf die ich mich im folgenden beziehe, wurden da wohl auch längst gelöscht, manche Mitglieder, mit denen ich debattiert hatte, sind inzwischen wieder ausgetreten.

Mitte April wurde ich auf FB von Jostein Saether in diese Gruppe eingeladen; da ich Jostein kenne und sehr schätze, war ich neugierig, was mich erwarten würde (Jostein selbst hat die Gruppe dann allerdings ziemlich schnell wieder verlassen). Das Geschehen dort fing an mit dem üblichen, eigentlich freundlichen, manchmal interessanten, irgendwie auch vertrauten und sich wiederholenden Posten von Zitaten oder Wahrspruchworten aus Steiners GA; es folgten Kommentare, Meinungen oder Fragen der Mitglieder dazu. Man kennt das ein wenig, manchmal kann das anregend sein, manchmal erbaulich, mir persönlich bringt so etwas nicht mehr viel. Einige Male wurde auf anthroposophische Seminare hingewiesen, ähnlich wie es in anderen Gruppen auf FB üblich ist. Interessant und unterhaltsam.

Irgendwann, ich glaube im Mai, ging „es“ los: Die Beiträge in der Gruppe kreisten zunehmend mehr und mehr um die diversen Erscheinungsformen der VT. Vor allem die resolute Hauptmoderatorin *), zweifellos die alles dominierende „Chefin“ und treibende Kraft, sowohl im 5er Moderatorenteam, als auch in der gesamten Gruppe (die anderen 4 Moderatoren waren äußerst zurückhaltend und eher bescheiden) – hat eine unermüdliche Energie, fast schon leidenschaftliche Hingabe entwickelt in der Bearbeitung von zahllosen und sich wiederholenden VT-Themen. Es entstand der Eindruck: Ein Mensch hat endlich sein Lebensthema, sein Schicksal gefunden.

Es kristallisierte sich im Laufe der kommenden Wochen und Monate heraus, dass VT-Denkhaltungen für einen größeren Teil der Mitglieder (zum Glück nicht für alle; und für manche mehr, für manche weniger) zu einer fest verankerten und ganz unumstrittenen Selbstverständlichkeit geworden sind: Man kann den „Mainstreammedien“ nicht trauen, da grundsätzlich „NATO-konform“ und von „der Staatsmacht“ gelenkt, man muss „hinter die Kulissen gucken“, man darf „die Wahrheit“ nicht mehr aussprechen, da die Mächtigen in Staat/ Wirtschaft/ Logen/Weltlenkung das zu verhindern versuchen, usw. usf.

Von einem Mitglied wurden in einer Diskussion nicht nur pauschal die „Mainstreammedien“ angezweifelt, sondern, wenn man schon einmal dabei war, auch die „Mainstreamgeschichtswissenschaften“(!). Auf meine diesbezügliche Frage, was denn genau bei den Geschichtswissenschaften anzuzweifeln wäre und welchen Autor etwa er mir denn nennen könnte, wurde herumgedruckst. Klar, so gut kennt man die denn nun doch nicht.

Der selbsternannte „Friedensforscher“ Daniele Ganser wird von vielen Mitgliedern der Gruppe nicht nur als symphatisch erlebt oder geschätzt, er wird regelrecht verehrt, er ist eine absolute und nicht weiter zu hinterfragende Autorität. Es ist wohl vor allem Gansers oft demonstrierte Haltung und Methode, aus seiner von ihm behaupteten „Wahrheitsliebe“ heraus anscheinend „nur unbequeme Fragen zu stellen“ (was sich „Mainstreamwissenschaftler“ aus Rücksicht auf ihre Karriere natürlich nie trauen würden), die dazu führt, dass viele Anthroposophen seine Denkhaltung begeistert 1:1 übernehmen.

Der Umstand, dass R. Steiner innerhalb seiner unüberschaubar großen GA diverse Male seine Zuhörer, Leser und Schüler ermuntert, die zu seiner Zeit gängigen wissenschaftlichen, philosophischen und sozialen Gegebenheiten und Autoren zu hinterfragen, um sie anthroposophisch zu durchdringen und entsprechend zu korrigieren, bzw. zu ergänzen, wird von nicht wenigen heutigen Anthroposophen etwas unbedarft übertragen auf die Person und Methodik des D. Ganser. Dass man sich als eifriger anthroposophischer Ganserist mit den zu hinterfragenden politischen und wissenschaftlichen relevanten aktuellen Autoren und Theorien häufig kaum oder nicht beschäftigt hat, kann dabei den Kampf der „Wahrheitsliebenden“ offenbar nicht stören - in den vielen Diskussionen in den darauffolgenden Monaten konnte ich immer wieder staunend erleben, dass der angenommene „Mainstream“ in Politik und Geschichte so gut wie immer grundsätzlich hinterfragt wurde, parallel zu einer meist auffällig dürftigen Kenntnis der Forschungsresultate eben dieses „Mainstreams“: „Ich denk mir die Welt, wie sie mir gefällt!“ (Pippi Langstrumpf).

Sagte nicht bereits Steiner bei politischen Themen häufig kritische Dinge über die USA? Genau wie Ganser! Spricht Steiner nicht vom Blick hinter die Kulissen? Wie Ganser! Und dann Steiners Aussagen über Geheimlogen! Werden wir nicht heute auch irgendwie alle gelenkt und gesteuert? Meine vorsichtigen Einwände in der Gruppe, dass das ja bei Steiner erstens im Verhältnis zur Gesamt-GA nur sehr wenige Äußerungen waren, die er zweitens vor gut 100 Jahren im finstersten wilhelminischen Zeitalter gemacht hatte, wurden zurückgewiesen; eine solche Unterscheidung wäre allzu willkürlich, wie würde ich darauf kommen, wie kann man nur, wir haben hier Aussagen von Steiner... Als dann irgendjemand mal die naheliegende Frage in den Raum stellte, welche Logen, von denen Steiner damals sprach, heute noch möglicherweise tätig sind, konnte natürlich niemand dazu etwas sagen.

Manchmal hatte ich den Eindruck, dass sich die Gruppenmitglieder in den endlosen Debatten zu dem Thema, ganz nebenbei, aber doch mehr oder weniger bewusst, ein neues aufregendes Selbstbild konstruieren wollten; die entsprechenden Denkmuster der VT lassen sich allerdings erst dann bruchlos in ein anthroposophisches Weltbild einfügen, wenn man letzteres einigermaßen begrifflich festgezurrt und auf einen allzu schlichten Gut-Böse/Wir-Die-Dualismus reduziert hat: Wir stellen die unbequemen Fragen. Wir lassen uns den Mund nicht verbieten. Wir kämpfen für die wahre Anthroposophie. Wir klären auf, kämpfen für die Wahrheit und kommen den Komplott auf die Schliche. usw. Ihr anderen werdet manipuliert und wollt die Wahrheit nicht zulassen.

(Es wurde in der Gruppe übrigens durchaus ernsthaft versucht, bei den VT zu differenzieren: Die „Reptilienmenschen“ und „Flat earth“-Vertreter wurden nicht ernst genommen, ok, zu unseriös. Immerhin, das soll hier nicht unerwähnt bleiben).

Das zentrale Thema, um das es hingegen immer wieder ging, das man sich nicht nehmen lassen wollte, da es längst zum zentralen Baustein des eigenen Weltbildes gehörte, war natürlich auch hier die beliebte „Nine-eleven-inside-job“-These. Dabei war es für mich in gewisser Weise rührend zu erleben, dass einige Teilnehmer (ja, vor allem auch die Chefin) möglicherweise noch nie, oder kaum etwas davon gehört hatten, dass es bereits eine seit 17 Jahren bestehende bekannte und umstrittene (und längst widerlegte) „Forschung“ und entsprechende Bewegung („Truther“) zu dem Thema gibt. Es schien ansatzweise so, dass man in der Gruppe tatsächlich die Hoffnung hatte, „ganz unbefangen“ die Ereignisse von damals „kritisch und sachlich“ völlig neu zu bewerten, „erforschen“, zu können. (Spätestens dann kommt, wie auch in ähnlichen Debatten andernorts, der Hobbyarchitekt im Manne zum Vorschein, mit diversen, schnell gegoogelten Beweisen, wann der Schmelzpunkt von dieser und jener Sorte von Stahlträgerkonstruktionen erreicht ist... – einmal ging es in der Gruppe sogar um die Brennbarkeit von Büromöbeln (!) von WTC 7. Ja, man lernt tatsächlich erstaunliche Dinge in solchen Diskussionen.)

Irgendwann kam auch mal jemand auf die glorreiche Idee, dass kein geringerer als Steiner selbst mit seinen Ausführungen zur 5. Nebenübung den Übenden regelrecht ermuntert, die Welt vor allem „unbefangen“ und somit im Grunde eigentlich auch „VT-mäßig“ zu sehen: Wie sagte Steiner – man solle sich unbefangen vorstellen, dass ein Kirchturm über Nacht ganz schief stehe... Man kann sich daher doch auch ebenso unbefangen vorstellen, dass die US-Regierung damals am 11.09 ...
Seufz. Und das war nicht das erste Mal, dass ich in dieser Gruppe erleben konnte, wie das Werk Steiners gezielt verzerrt und lächerlich gemacht wurde.

So ging das tatsächlich unermüdlich viele Wochen lang. Bei aller Unterhaltsamkeit – das Verfolgen dieser Naivität und Durchschaubarkeit des Denkens bei Menschen, die sich mit der „Philosophie der Freiheit“ verbunden fühlen, war letztendlich zum Fremdschämen.

Apropos PhdF: Ich hatte des öfteren den Eindruck, dass u.a. auch der, wenn auch nicht immer offen ausgesprochene, Bezug auf Steiners berühmtes Hauptwerk, mit seinem leider sehr dehnbar und beliebig auslegbaren Schlagwort „Freiheit“, als willkommene Legitimation für die „man-wird-doch-mal-was-sagen-dürfen“-Haltung herhalten musste. Auch Schillers „Die Gedanken sind frei“ wurde natürlich bei einer VT-Debatte triumphierend ausgegraben.

Auf diesem sehr überschaubaren und etwas schlichten Niveau plätscherten zahllose Debatten etwas ermüdend vor sich hin.
Ganz selten gab es mal ein wirkliches Highlight, einen von mir aufgeschnappten Dialog, der mich zutiefst und vom Herzen her erfreute: Bei Ganser war man sich, wie gesagt, in der Einschätzung seiner Person und der damit verbundenen Verehrung einig, nicht so (wahrscheinlich wegen seiner etwas prolligen Art) bei Ken Jebsen:
Mitglied A: „Wie würdet ihr Ken Jebsen einschätzen?“
Mitglied B: „Manches ist sehr gut bei ihm, er ist auf jeden Fall michaelisch, da er am 29.09. Geburtstag hat.“
Darauf muss man erst einmal kommen. Anthroposophische Geistesforschung 2018.

Der Fairness halber sei an dieser Stelle angemerkt, dass nicht wenige Mitglieder vom „Dauerthema VT“ einigermaßen genervt waren, zumal das meistens nicht nur zu Streitereien und schlechter Stimmung, sondern auch dazu führte, dass viele Mitglieder sich überhaupt nicht mehr trauten, irgedetwas zu kommentieren (Meine Idee, politische oder VT-Themen probehalber für 2 Monate auf Eis zu legen, hat niemanden interessiert). Daher gab es von der Chefin, im Stile einer sich kümmernden Übermutter, in regelmäßigen Abständen eine gutgemeinte pädagogisch-moralische Übung, um den eigenen Kommunikationsstil zu verbessern („4 Nachrichten einer Botschaft“, „Erwachen am anderen Menschen“ usw.). Wurde viel geliked, hat natürlich niemand gemacht.
(Die späteren Aufforderungen, den Kommunikationsstil zu vervollkommnen, waren dann lustigerweise ausschließlich für mich gedacht).


Eingestellt von Ingrid H. Oktober 23, 2018 32 Kommentare
Ein halbes Jahr in einer anthroposophischen Facebook-Gruppe – Ein Selbstversuch
Rainer Herzog

»Nicht von außen, so sagte Rudolf Steiner schon 1914/1915, drohe seinem Werke Gefahr. Die Feinde kommen von innen, aus der Mitgliederschaft selbst.« (Adelheid Petersen, „Erinnerungen an Rudolf Steiner“, S. 189)

Ich muss gestehen, dass ich noch bis vor kurzem die diversen Berichte, Mahnungen und Warnungen über die Offenheit der anthroposophischen Bewegung für Verschwörungstheorien (VT) als etwas übertrieben erlebte – auf Facebook und auch vor allem hier auf dem Egoistenblog.

Inzwischen weiß ich: Es ist viel schlimmer, irrer und durchgeknallter, als ich angenommen hatte. Ich war ein halbes Jahr Mitglied in einer geschlossenen anthroposophischen Gruppe auf Facebook *), die unter anderem den Bedürfnissen nach geistiger Erbauung, Erkenntnisvertiefung, wissenschaftlichem Arbeiten und einem vertieften Studium Rechnung tragen will – und bin in diesen Tagen dort ausgestiegen.

Das Resümee schon einmal vorwegnehmend: Es hat sich gelohnt, ich wurde mit Erkenntnissen und Eindrücken bezüglich der zunehmenden VT-Begeisterung in Anthrohausen reich beschenkt. Dafür vielen und herzlichen Dank an die Gruppe! Ich kann es daher jedem unbedingt empfehlen, dieser (oder einer ähnlichen) Gruppe beizutreten, um sich ein lebendiges Bild vom, wie ich finde, desolaten, peinlichen und bedenklichen Zustand der gegenwärtigen anthroposophischen Bewegung zu machen.

Die folgenden skizzenhaften Erinnerungen und, ja, natürlich, auch Deutungen aus meiner Zeit in dieser Gruppe sind selbstverständlich subjektiv und als ergänzungsbedürftig anzusehen. Manche der Dialoge und Äußerungen, auf die ich mich im folgenden beziehe, wurden da wohl auch längst gelöscht, manche Mitglieder, mit denen ich debattiert hatte, sind inzwischen wieder ausgetreten.

Mitte April wurde ich auf FB von Jostein Saether in diese Gruppe eingeladen; da ich Jostein kenne und sehr schätze, war ich neugierig, was mich erwarten würde (Jostein selbst hat die Gruppe dann allerdings ziemlich schnell wieder verlassen). Das Geschehen dort fing an mit dem üblichen, eigentlich freundlichen, manchmal interessanten, irgendwie auch vertrauten und sich wiederholenden Posten von Zitaten oder Wahrspruchworten aus Steiners GA; es folgten Kommentare, Meinungen oder Fragen der Mitglieder dazu. Man kennt das ein wenig, manchmal kann das anregend sein, manchmal erbaulich, mir persönlich bringt so etwas nicht mehr viel. Einige Male wurde auf anthroposophische Seminare hingewiesen, ähnlich wie es in anderen Gruppen auf FB üblich ist. Interessant und unterhaltsam.

Irgendwann, ich glaube im Mai, ging „es“ los: Die Beiträge in der Gruppe kreisten zunehmend mehr und mehr um die diversen Erscheinungsformen der VT. Vor allem die resolute Hauptmoderatorin *), zweifellos die alles dominierende „Chefin“ und treibende Kraft, sowohl im 5er Moderatorenteam, als auch in der gesamten Gruppe (die anderen 4 Moderatoren waren äußerst zurückhaltend und eher bescheiden) – hat eine unermüdliche Energie, fast schon leidenschaftliche Hingabe entwickelt in der Bearbeitung von zahllosen und sich wiederholenden VT-Themen. Es entstand der Eindruck: Ein Mensch hat endlich sein Lebensthema, sein Schicksal gefunden.

Es kristallisierte sich im Laufe der kommenden Wochen und Monate heraus, dass VT-Denkhaltungen für einen größeren Teil der Mitglieder (zum Glück nicht für alle; und für manche mehr, für manche weniger) zu einer fest verankerten und ganz unumstrittenen Selbstverständlichkeit geworden sind: Man kann den „Mainstreammedien“ nicht trauen, da grundsätzlich „NATO-konform“ und von „der Staatsmacht“ gelenkt, man muss „hinter die Kulissen gucken“, man darf „die Wahrheit“ nicht mehr aussprechen, da die Mächtigen in Staat/ Wirtschaft/ Logen/Weltlenkung das zu verhindern versuchen, usw. usf.

Von einem Mitglied wurden in einer Diskussion nicht nur pauschal die „Mainstreammedien“ angezweifelt, sondern, wenn man schon einmal dabei war, auch die „Mainstreamgeschichtswissenschaften“(!). Auf meine diesbezügliche Frage, was denn genau bei den Geschichtswissenschaften anzuzweifeln wäre und welchen Autor etwa er mir denn nennen könnte, wurde herumgedruckst. Klar, so gut kennt man die denn nun doch nicht.

Der selbsternannte „Friedensforscher“ Daniele Ganser wird von vielen Mitgliedern der Gruppe nicht nur als symphatisch erlebt oder geschätzt, er wird regelrecht verehrt, er ist eine absolute und nicht weiter zu hinterfragende Autorität. Es ist wohl vor allem Gansers oft demonstrierte Haltung und Methode, aus seiner von ihm behaupteten „Wahrheitsliebe“ heraus anscheinend „nur unbequeme Fragen zu stellen“ (was sich „Mainstreamwissenschaftler“ aus Rücksicht auf ihre Karriere natürlich nie trauen würden), die dazu führt, dass viele Anthroposophen seine Denkhaltung begeistert 1:1 übernehmen.

Der Umstand, dass R. Steiner innerhalb seiner unüberschaubar großen GA diverse Male seine Zuhörer, Leser und Schüler ermuntert, die zu seiner Zeit gängigen wissenschaftlichen, philosophischen und sozialen Gegebenheiten und Autoren zu hinterfragen, um sie anthroposophisch zu durchdringen und entsprechend zu korrigieren, bzw. zu ergänzen, wird von nicht wenigen heutigen Anthroposophen etwas unbedarft übertragen auf die Person und Methodik des D. Ganser. Dass man sich als eifriger anthroposophischer Ganserist mit den zu hinterfragenden politischen und wissenschaftlichen relevanten aktuellen Autoren und Theorien häufig kaum oder nicht beschäftigt hat, kann dabei den Kampf der „Wahrheitsliebenden“ offenbar nicht stören - in den vielen Diskussionen in den darauffolgenden Monaten konnte ich immer wieder staunend erleben, dass der angenommene „Mainstream“ in Politik und Geschichte so gut wie immer grundsätzlich hinterfragt wurde, parallel zu einer meist auffällig dürftigen Kenntnis der Forschungsresultate eben dieses „Mainstreams“: „Ich denk mir die Welt, wie sie mir gefällt!“ (Pippi Langstrumpf).

Sagte nicht bereits Steiner bei politischen Themen häufig kritische Dinge über die USA? Genau wie Ganser! Spricht Steiner nicht vom Blick hinter die Kulissen? Wie Ganser! Und dann Steiners Aussagen über Geheimlogen! Werden wir nicht heute auch irgendwie alle gelenkt und gesteuert? Meine vorsichtigen Einwände in der Gruppe, dass das ja bei Steiner erstens im Verhältnis zur Gesamt-GA nur sehr wenige Äußerungen waren, die er zweitens vor gut 100 Jahren im finstersten wilhelminischen Zeitalter gemacht hatte, wurden zurückgewiesen; eine solche Unterscheidung wäre allzu willkürlich, wie würde ich darauf kommen, wie kann man nur, wir haben hier Aussagen von Steiner... Als dann irgendjemand mal die naheliegende Frage in den Raum stellte, welche Logen, von denen Steiner damals sprach, heute noch möglicherweise tätig sind, konnte natürlich niemand dazu etwas sagen.

Manchmal hatte ich den Eindruck, dass sich die Gruppenmitglieder in den endlosen Debatten zu dem Thema, ganz nebenbei, aber doch mehr oder weniger bewusst, ein neues aufregendes Selbstbild konstruieren wollten; die entsprechenden Denkmuster der VT lassen sich allerdings erst dann bruchlos in ein anthroposophisches Weltbild einfügen, wenn man letzteres einigermaßen begrifflich festgezurrt und auf einen allzu schlichten Gut-Böse/Wir-Die-Dualismus reduziert hat: Wir stellen die unbequemen Fragen. Wir lassen uns den Mund nicht verbieten. Wir kämpfen für die wahre Anthroposophie. Wir klären auf, kämpfen für die Wahrheit und kommen den Komplott auf die Schliche. usw. Ihr anderen werdet manipuliert und wollt die Wahrheit nicht zulassen.

(Es wurde in der Gruppe übrigens durchaus ernsthaft versucht, bei den VT zu differenzieren: Die „Reptilienmenschen“ und „Flat earth“-Vertreter wurden nicht ernst genommen, ok, zu unseriös. Immerhin, das soll hier nicht unerwähnt bleiben).

Das zentrale Thema, um das es hingegen immer wieder ging, das man sich nicht nehmen lassen wollte, da es längst zum zentralen Baustein des eigenen Weltbildes gehörte, war natürlich auch hier die beliebte „Nine-eleven-inside-job“-These. Dabei war es für mich in gewisser Weise rührend zu erleben, dass einige Teilnehmer (ja, vor allem auch die Chefin) möglicherweise noch nie, oder kaum etwas davon gehört hatten, dass es bereits eine seit 17 Jahren bestehende bekannte und umstrittene (und längst widerlegte) „Forschung“ und entsprechende Bewegung („Truther“) zu dem Thema gibt. Es schien ansatzweise so, dass man in der Gruppe tatsächlich die Hoffnung hatte, „ganz unbefangen“ die Ereignisse von damals „kritisch und sachlich“ völlig neu zu bewerten, „erforschen“, zu können. (Spätestens dann kommt, wie auch in ähnlichen Debatten andernorts, der Hobbyarchitekt im Manne zum Vorschein, mit diversen, schnell gegoogelten Beweisen, wann der Schmelzpunkt von dieser und jener Sorte von Stahlträgerkonstruktionen erreicht ist... – einmal ging es in der Gruppe sogar um die Brennbarkeit von Büromöbeln (!) von WTC 7. Ja, man lernt tatsächlich erstaunliche Dinge in solchen Diskussionen.)

Irgendwann kam auch mal jemand auf die glorreiche Idee, dass kein geringerer als Steiner selbst mit seinen Ausführungen zur 5. Nebenübung den Übenden regelrecht ermuntert, die Welt vor allem „unbefangen“ und somit im Grunde eigentlich auch „VT-mäßig“ zu sehen: Wie sagte Steiner – man solle sich unbefangen vorstellen, dass ein Kirchturm über Nacht ganz schief stehe... Man kann sich daher doch auch ebenso unbefangen vorstellen, dass die US-Regierung damals am 11.09 ...
Seufz. Und das war nicht das erste Mal, dass ich in dieser Gruppe erleben konnte, wie das Werk Steiners gezielt verzerrt und lächerlich gemacht wurde.

So ging das tatsächlich unermüdlich viele Wochen lang. Bei aller Unterhaltsamkeit – das Verfolgen dieser Naivität und Durchschaubarkeit des Denkens bei Menschen, die sich mit der „Philosophie der Freiheit“ verbunden fühlen, war letztendlich zum Fremdschämen.

Apropos PhdF: Ich hatte des öfteren den Eindruck, dass u.a. auch der, wenn auch nicht immer offen ausgesprochene, Bezug auf Steiners berühmtes Hauptwerk, mit seinem leider sehr dehnbar und beliebig auslegbaren Schlagwort „Freiheit“, als willkommene Legitimation für die „man-wird-doch-mal-was-sagen-dürfen“-Haltung herhalten musste. Auch Schillers „Die Gedanken sind frei“ wurde natürlich bei einer VT-Debatte triumphierend ausgegraben.

Auf diesem sehr überschaubaren und etwas schlichten Niveau plätscherten zahllose Debatten etwas ermüdend vor sich hin.
Ganz selten gab es mal ein wirkliches Highlight, einen von mir aufgeschnappten Dialog, der mich zutiefst und vom Herzen her erfreute: Bei Ganser war man sich, wie gesagt, in der Einschätzung seiner Person und der damit verbundenen Verehrung einig, nicht so (wahrscheinlich wegen seiner etwas prolligen Art) bei Ken Jebsen:
Mitglied A: „Wie würdet ihr Ken Jebsen einschätzen?“
Mitglied B: „Manches ist sehr gut bei ihm, er ist auf jeden Fall michaelisch, da er am 29.09. Geburtstag hat.“
Darauf muss man erst einmal kommen. Anthroposophische Geistesforschung 2018.

Der Fairness halber sei an dieser Stelle angemerkt, dass nicht wenige Mitglieder vom „Dauerthema VT“ einigermaßen genervt waren, zumal das meistens nicht nur zu Streitereien und schlechter Stimmung, sondern auch dazu führte, dass viele Mitglieder sich überhaupt nicht mehr trauten, irgedetwas zu kommentieren (Meine Idee, politische oder VT-Themen probehalber für 2 Monate auf Eis zu legen, hat niemanden interessiert). Daher gab es von der Chefin, im Stile einer sich kümmernden Übermutter, in regelmäßigen Abständen eine gutgemeinte pädagogisch-moralische Übung, um den eigenen Kommunikationsstil zu verbessern („4 Nachrichten einer Botschaft“, „Erwachen am anderen Menschen“ usw.). Wurde viel geliked, hat natürlich niemand gemacht.
(Die späteren Aufforderungen, den Kommunikationsstil zu vervollkommnen, waren dann lustigerweise ausschließlich für mich gedacht).

Zwischendurch hat man übrigens immer mal wieder versucht, ein „richtiges“ anthroposophisches Thema aufs Tapet zu bringen (sinngemäß): „Inwiefern können wir die Aussage Steiners, dass wir Anthroposophen die Wächter der Zeit sind, verwirklichen ... ?“ Auch das wurde ausgiebig und ausnahmsweise sehr einmütig diskutiert.
Meine Güte, liebe Leute: „Wir – die Wächter dieser Zeit“! Geht`s denn vielleicht nicht noch unbescheidener...? Kann man nicht erst einmal versuchen, die eigenen Gedanken und Gefühle halbwegs zu sortieren und ansonsten sehen, dass man eine gewisse anfängliche Grundlagenbildung in Politik und Geschichte erwirbt oder wiederherstellt...?

Im Sommer platzte dann endgültig die Bombe: Info3. Der in anthroposophischen Kreisen reichlich viel Groll, Empörung und Staub aufwirbelnde Artikel: „Die offene Anthroposophie und ihre Gegner“. Die Chefin und einige andere drehten jetzt erst richtig auf; was vorher mehr eine Art „interessiertes, wenn auch leidenschaftliches Engagement“ gewesen war, entwickelte sich in den kommenden Wochen und Monaten für Aussenstehende zu einem beeindruckenden Schauspiel eines etwas irren und teilweise aus dem Ruder laufenden Privat-Djihad. Von „Inquisition“ war ansatzweise die Rede (JSH - Jens Savonarola Heisterkamp?). Nach dem Motto: Gibt es denn eigentlich nichts wichtigeres als diese dauernde „Gefährdung der Demokratie“...?

So ging das noch etliche Wochen weiter. Als vor einigen Tagen dann die Chefin die fröhliche Idee hatte, dass sich jetzt Mitglieder bei ihr persönlich anonym über andere Mitglieder beschweren durften, reichte mir der entwürdigende Klamauk, das ging für mich in Richtung „Aufforderung zur Denunziation“.

Fairerweise möchte ich betonen, dass der grösste Teil der Mitglieder sich überhaupt nicht, oder nur sehr sporadisch, an Diskussionen beteiligt hat. Es gab selbstverständlich auch zahlreiche äußerst positive und anregende Begegnungen. Diejenigen, die es betrifft, werden wissen, dass sie gemeint sind. Die hier dargestellte VT-Offenheit wurde in gewisser Weise nur von einer bestimmten Anzahl von Mitgliedern verbreitet, dieses dann allerdings so vehement und teilweise fanatisch, dass das bald den Stil, Duktus und Geist dieser Gruppe vollständig beherrschte.

Bei aller Ironie und Sarkasmus in der Darstellung meiner Ausführungen: Man kann sich natürlich zu Recht überlegen, ob einem diese Dinge nicht egal sein sollten. Ich hatte allerdings in den letzten Monaten zunehmend den Eindruck (auch durch reichlich ähnliche Beobachtungen in meinem Bekanntenkreis und auf FB), dass die von mir beschriebene Qualität und Vehemenz der VT-Offenheit in dieser Facebook-Gruppe ein durchaus repräsentatives Ergebnis der anthroposophischen Bewegung zeigt.

Wenn man, wie ich, mit der Anthroposophie seit über 30 Jahren so sehr verbunden ist, dass sie zum wesentlichen Bestandteil des eigenen Lebens gehört, kann und will man daher nicht schweigend zusehen, wie sie vollends der Lächerlichkeit und Demagogie preisgegeben wird.

- - -

*) Name der Redaktion bekannt.



Aus: "Ein halbes Jahr in einer anthroposophischen Facebook-Gruppe – Ein Selbstversuch" Eingestellt von Ingrid H. (23. Oktober 2018)
Quelle: https://egoistenblog.blogspot.com/2018/10/ein-halbes-jahr-in-einer.html

« Last Edit: July 17, 2019, 10:11:52 AM by Link »

Link

  • Global Moderator
  • Hero Member
  • *****
  • Posts: 2486
    • View Profile
Zur Thematik von Verschwörungstheorien...
« Reply #92 on: March 12, 2019, 09:45:08 AM »
Quote
[...] Wer auf Google nach "Impfen MMR" sucht, findet eine Fülle von seriösen Informationen zu dieser Impfung, die Kinder unter anderem vor Masern schützt. Ganz oben der Wikipedia-Artikel, dann folgt eine Informationsseite des Robert-Koch-Instituts. Auf der ersten Trefferseite findet sich nicht ein einziger Link zu einer Website von Impfgegnern.

Ganz anders sieht es aus, wenn man dieselben Begriffe in das Suchfeld von YouTube tippt: Zwar steht auch dort ganz oben ein seriöser Film der AOK, aber schon an dritter Stelle kommt ein Filmchen mit dem Titel Aluminium – die verschwiegene Gefahr beim Impfen. Und an Nummer sechs ein Clip, der den längst widerlegten Zusammenhang zwischen Impfen und Autismus propagiert.

Klickt man einen dieser unseriösen Filme an, dann gerät man in einen regelrechten Strudel von Verschwörungstheorien, Esoterik und flacher Lebenshilfe: In der rechten Randspalte nämlich, überschrieben mit dem Hinweis "Nächstes Video", empfiehlt YouTube den Zuschauerinnen und Zuschauern eine Reihe weiterer Bewegtbilder. Und spielt sie auch noch automatisch ab, wenn man nicht auf Stopp drückt. Darunter: ein Video mit dem Ufopropheten Erich von Däniken, eine alternative Erklärung für den Einsturz des World Trade Centers am 11. September und die angeblich wahre Geschichte des Aufstiegs von Angela Merkel.

YouTube verdient Geld mit der Propagierung von Verschwörungstheorien und Müllwissenschaft, dieser Vorwurf ist in den vergangenen Monaten in mehreren Medien erhoben worden. Das allein schon könnte man mindestens aus ethischer Perspektive verwerflich finden. Doch durch die Empfehlung dieser Videos verbreiten sich diese Ansichten auch in der Gesellschaft.

YouTube wurde ursprünglich als soziales Medium entwickelt, auf dem Hobbyfilmer ihre eigenen Videos für andere verfügbar machen können. Seit der Gründung hat sich der Charakter der Plattform aber massiv gewandelt. Heute sind die Filme auf YouTube professionell produziert, und 21 Prozent der amerikanischen Internetuser nutzen das Videoportal laut einer Studie des Pew Research Center als Nachrichtenquelle. Von den Jugendlichen unter 21 Jahren sind es sogar ein Drittel. "Die Nutzer besuchen YouTube nicht nur zur Unterhaltung. Sie kommen, um Informationen zu finden", sagte Google-Chef Sundar Pichai im Februar bei einer Telefonkonferenz zu den Quartalszahlen.

Nur sind diese Informationen häufig von zweifelhafter Qualität. YouTube muss sich nun, ähnlich wie Facebook in den vergangenen Jahren, vorwerfen lassen, dass es die Desinformation der Bevölkerung fördert. Auf der Konferenz der amerikanischen Wissenschaftlervereinigung AAAS im Februar in Washington stellte die Forscherin Asheley Landrum, Assistenzprofessorin für Wissenschaftskommunikation an der Texas Tech University, Ergebnisse einer kleinen Studie vor: Sie hatte auf einer Konferenz von Flat-Earth-Befürwortern Personen befragt, die die Ansicht vertreten, dass die Erde eine Scheibe sei. 29 davon erzählten, dass sie erst in den vergangenen zwei Jahren durch das Anschauen von YouTube-Videos zu dieser Überzeugung gekommen seien. Das Ergebnis dieser nicht repräsentativen Erhebung unterstützt, was Kritikerinnen und Kritiker schon länger besorgt: YouTubes Algorithmus zieht Nutzerinnen und Nutzer in ein Netz von Verschwörungstheorien. Und manche verfangen sich darin, sie finden nicht mehr hinaus.

Ein Beispiel dafür scheint das Thema Impfen zu sein: In elf US-Bundesstaaten hat es in diesem Jahr schon Masernfälle gegeben. In einer Anhörung des Handelsausschusses im US-Repräsentantenhaus machte dessen Vorsitzender, der Demokrat Frank Pallone, die Internetdienste ausdrücklich mitverantwortlich für die neue Epidemie: "Ich bin zutiefst besorgt, dass Eltern mit Desinformationskampagnen überflutet werden, wenn sie ins Netz gehen, um informierte Entscheidungen für die Gesundheit ihrer Kinder zu treffen."

Dass YouTube lange nichts gegen diese Kampagnen unternommen hat, dürfte auch mit dem Geschäftsmodell zusammenhängen. Genau wie Facebook ist die Videoplattform werbefinanziert. Heißt: Je mehr Filme die Nutzerinnen anschauen, desto mehr Werbung sehen sie und desto mehr Geld verdient YouTube damit. Deshalb ist es im Interesse des Unternehmens, die Zuschauer so lange wie möglich auf der Seite zu halten. Das allein ist noch nicht schlimm, ebenso wenig wie die Tatsache, dass der Algorithmus versucht, den Usern Inhalte anzubieten, die ihren Interessen entsprechen.

Doch die Mechanismen seien subtiler, sagte der KI-Forscher Stuart Russell von der University of California in Berkeley auf einer Podiumsdiskussion der Long Now Foundation in San Francisco. Statt nur bestehende Ansichten zu bestätigen, drängt der Algorithmus die Menschen zu immer extremeren Positionen. "Er macht dich vorhersagbarer, um dir dann Dinge zu präsentieren, von denen er weiß, dass du draufklicken wirst", sagte Russell. "Und wer ist berechenbarer als ein glühender Faschist oder Kommunist?" Man darf ergänzen: oder ein Verschwörungstheoretiker?

Es muss gar nicht die Absicht der Programmierer gewesen sein, die Nutzerinnen in immer tiefere Abgründe rutschen zu lassen. Das schafft ein recht simpler lernender Algorithmus durch Versuch und Irrtum ganz von alleine. Es sei aber ein Beispiel dafür, sagt Russell, wie Technologie nicht nur unsere bestehenden Bedürfnisse bediene, sondern uns manche Ideen überhaupt erst nahebringe und so die Gesellschaft verändere. "Dieser einfache Algorithmus hat möglicherweise die EU, die Nato und die westliche Demokratie zerstört – mit nur 50 Zeilen Computercode." Damit spielt Russell vor allem auf die mutmaßliche Beeinflussung der Wählerinnen und Wähler durch die Manipulation der sozialen Medien vor der Brexit-Abstimmung und der US-Präsidentschaftswahl an.

Nun gibt es überall im Internet Verschwörungstheorien und Desinformation. Auf YouTube sind jedoch ganz besondere Biotope entstanden, in denen diese Gewächse wuchern. Im Bereich der Verschwörungstheorien verbreiten Influencerinnen und Influencer hanebüchene Thesen, ohne sich mit Fakten oder der berechtigten Kritik daran auseinandersetzen zu müssen. So entstehen Desinformationsnetzwerke, in denen sich Menschen ihre Theorien gegenseitig bestätigen und sich in ihrem Irrglauben bestärken. Dagegen gibt es kaum Netzwerke von Menschen, die an die Mondlandung glauben, das Impfen für eine sinnvolle Vorbeugemaßnahme halten und dann auch noch mitreißende Filme darüber produzieren. Die historische oder wissenschaftliche Wahrheit ist nicht so erregend wie die Mär von bösen Verschwörerinnen und Verschwörern, sie eignet sich weniger zur Dramatisierung und Skandalisierung.

Plattformen wie YouTube und Facebook gleichen daher aktuell Goethes Zauberlehrling mit ihren Versuchen, die schlimmsten Folgen einzudämmen, die sie der Gesellschaft beschert haben. Sie müssen meist per Hand die Millionen Postings und Filme durchkämmen, die täglich auf ihre Seiten gestellt werden. Das ist noch relativ einfach bei Inhalten, die klar gegen geltendes Recht verstoßen und etwa volksverhetzend sind – die kann man sperren. Ein anderer Fall sind harmlose Videos, die aber von anderen für ihre Zwecke missbraucht werden. So kommentierten offenbar pädophile Nutzer Filme von Kindern und empfahlen einander auch noch die Timecodes der ihrer Ansicht nach schlüpfrigsten Stellen. YouTube stellte kurzerhand die Kommentarfunktion bei vielen Videos mit Minderjährigen ab. Eine schnelle Reaktion, aber keine langfristige Lösung.

Aber wie geht man mit Inhalten um, die nicht verboten sind, sondern "nur" irreführend? Google selbst charakterisiert die Videos recht treffend in einem Dokument, das auf dem Firmenblog veröffentlicht wurde: "Es ist eine Sache, sich zu irren. Aber es ist etwas anderes, wenn man vorsätzlich Informationen verbreitet, von denen man weiß, dass sie falsch sind, in der Hoffnung, dass andere sie glauben, oder um Zwietracht in der Gesellschaft zu erzeugen." Nach eigenen Angaben hat das Unternehmen im Januar begonnen, "grenzwertige" Inhalte seltener weiterzuempfehlen. Und es bedient sich der gemeinnützigen Wikipedia, um zumindest ein Gegengewicht zu manchen Desinformationen zu geben. Wer etwa auf YouTube englischsprachige Videos über den Impfsstoff MMR sucht, der unter anderem vor Masern schützt, der findet in der Kommentarspalte einen Link zum einschlägigen Wikipedia-Artikel. Ähnliche Zusatzinfos gibt es zu Filmen, die den Klimawandel leugnen oder die Filme von der Mondlandung für eine Fälschung halten. Es ist zwar fraglich, ob die meisten Nutzer diese Informationen wahrnehmen, aber es ist ein Anfang.

Trotzdem bleiben die Videos weiter in der Suche auffindbar, auch können Menschen Kanäle, die solche Filme verbreiten, weiterhin abonnieren. Nicht alle Kritiker sind daher überzeugt, dass YouTube das Problem schnell in den Griff bekommen wird. Zu ihnen gehört Guilleaume Chaslot, ein ehemaliger YouTube-Programmierer. Chaslot hat die Website algotransparancy.org ins Netz gestellt, auf der er die Ergebnisse von YouTubes Empfehlungsalgorithmus protokolliert. Sein Programm durchsucht regelmäßig 1.000 populäre, zum größten Teil seriöse YouTube-Kanäle danach, welche Videos in der Randspalte empfohlen werden. Das Resultat stellt er täglich ins Netz, Interessierte können die Ergebnisse auch nach Stichwörtern durchsuchen.

Chaslot erkennt an, dass YouTube sich dem Problem zu widmen beginnt. Aber er glaubt, dass Selbstregulierung allein das Problem der wachsenden Desinformation nicht aus der Welt schaffen wird. Auch die Politik ist seiner Meinung nach gefordert. "Wenn man ein Gesetz schafft, das nach 1.000 Empfehlungen die Plattform mitverantwortlich für den Inhalt macht", sagte der Ex-YouTuber der New York Times, "dann wird das Problem garantiert sehr schnell gelöst."


Aus: "YouTube: Im Netz der Verschwörungstheorien" Eine Analyse von Christoph Drösser (11. März 2019)
Quelle: https://www.zeit.de/digital/internet/2019-03/youtube-verschwoerungstheorien-videos-alghoritmus/komplettansicht


Link

  • Global Moderator
  • Hero Member
  • *****
  • Posts: 2486
    • View Profile
Zur Thematik von Verschwörungstheorien...
« Reply #93 on: March 12, 2019, 09:50:02 AM »
Quote
Schnabeltassenkamerad #1.12

... Zwar gibt es ein recht erschreckendes Bild ab, wenn dort, wo sich die Menschen frei äußern können, zu einem großen Teil Schwach- und Unsinn verbreitet wird, aber letzten Endes sollte auch das gestattet sein. Ich verstehe die Probleme, die benannt werden (z.B. in Bezug auf das Impfen), aber ich finde ebenfalls, dass "Verbieten" da keine Lösung ist. Das würde doch wirkich darauf hinauslaufen, dass irgendwelche Instanzen entscheiden, was wahr und richtig ist und entsprechend verbreitet werden darf. Wo fängt das an und wo hört es auf? Meinungsfreiheit sieht jedenfalls anders aus. Da erschrecke ich am Ende doch lieber über die grenzenlose Dummheit meiner Mitmenschen...


Quote
Computer sagt NEIN #1.17


"Da erschrecke ich am Ende doch lieber über die grenzenlose Dummheit meiner Mitmenschen..."

Und wie isses mit: Lieber ein Ende mit Schrecken, als ein Schrecken ohne Ende?
Meinungsfreiheit muss nicht tolerieren was offensichtlich Unfug und oder Hetze ist.


Quote
slsHyde #1.18

Ach?

Und wer definiert, was Unfug ist? Und wer kontrolliert den, der das definiert?

Es gibt viele "Verschwörungstheorien", die sich als wahr herausgestellt haben. Nach dem hier gegenständlichem Ansinnen wird man über so was dann niemals mehr was erfahren. Dann hat Saddam Massenvernichtungswaffen gehabt und jeder, dem man das unterschieben will, wird sie auch gehabt haben. ...


Quote
fkn1980 #1.20

Und wie glauben Sie entscheiden zu können was Unfug ist und was nicht???
YouTube ist heut zu Tage genauso eine Informationsquelle wie Bücher usw. Wir müssen als Gesellschaft lernen da mit um zu gehen, und zwar ohne Zensur!
Alles andere wäre ein Rückschritt ins Mittelalter... ich sach nur „Blasphemie“! ;)

...


Quote
sonicprisma #1.34

Bei kritischen Themen können Sie Wikipedia in die Tonne treten.

Wikipedia ist ein Lexikon und kein kritischer Blog. Wenn jemand Kreationismus toll findet darf er das aber er kann nicht erwarten dass seine Ansichten in einem Nachschlagewerk gewürdigt werden. Für manche ist es ja schon zuviel wenn die Ursachen der globalen Erwärmung beschrieben werden.


Quote
Amatonio #1.44

"... Etwas gegen aller wissenschaftlich fundierter Fakten zu behaupten ist: Unfug. Da kann man auch nicht mehr mit freier Meinungsäußerung argumentieren."

Ok. Was ist mit Videos, die sich mit Religion beschäftigen und die Meinung vertreten, es gäbe Götter?


Quote
hirmer #1.47

... Des einen Wahrheit ist des anderen Staatswohl-Gefährdung.


Quote
Wetterleuchten #1.50


"sollen dann auch alle Videos gelöscht werden, die Theorien über Götter und Göttinnen verbreiten?"
Nö, weil das Religion, also definitiv Glaube, an wen oder etwas ist, das weder falsifizierbar noch verifizierbar ist und jedes persönliche Freiheit, das zu glauben oder nicht. (Davon ab, dass die wissenschaftliche Erforschung religiöser Weltbilder im im sozialen, gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Kontext, historisch und gegenwärtig, durchaus anspruchsvoll sein kann. Informationen dazu möchte ich nicht missen)

Wenn aber jemand wissenschaftlich belegte Tatsachen (ob jetzt Holocaust oder menschengemachte Klimawandel, Nutzen von Impfungen) leugnet und mittels seiner Fantasie und unzulässiger Zirkelschlüsse einen GLAUBEN dazu, also eine VT verbreitet, ab ins Klo damit!


Quote
Amatonio #1.53

Sie machen es sich etwas zu einfach. Man kann nämlich auch glauben, dass die Erde eine Scheibe ist. Das ist rein - wissenschaftlich betrachtet - völliger Blödsinn, aber man kann trotzdem daran glauben.

Gleiches gilt für den relgiösen Glauben. Wissenschaftlich betrachtet lässt sich die Existenz eines Gottes nicht belegen. Das ist Fakt.

Jetzt könnten Sie sagen, dass sich die Existenz eines beliebigen Gottes wissenschaftlich nicht widerlegen lässt. Das ist richtig. Allerdings lässt sich auch die Existenz von Drachen, Elfen, Zombies, Außerirdischen oder des Sphagettimonsters nicht widerlegen.

Deshalb die Frage: Wären Videos über die Existenz von Drachen, Elfen, Zombies oder Außerirdischen eine unzulässige Verschwörungstheorie?


Quote
NoG #4

Das Zauberwort heißt Medienkompetenz.

Natürlich ist es einfacher sich mit Schrottfilmchen berieseln zu lassen. Früher hätte man dazu Bücher lesen müssen oder E. V. Däniken war mal wieder auf Tour durch die Landgasthäuser. Die VT Szene blieb so wohl kleiner und übersichtlicher.

Trotzdem bin ich nur dann für Zensur wenn wirklich strafrechtlich relevante Dinge verbreitet werden.


Quote
Computer sagt NEIN #4.12

"Trotzdem bin ich nur dann für Zensur wenn wirklich strafrechtlich relevante Dinge verbreitet werden."

Da muss man dort nicht lange suchen. YT ist Mittlerweile ein Sumpf.


Quote
Einar von Vielen #4.14

... Was als Gegenmaßnahme sinnvoll eingesetzt werden könnte, wäre Gegenstand einer weiteren Diskussion. Ich fände es z. B. angemessen, wenn man solche Beiträge als problematisch kennzeichnen würde. Das passiert ja bei Wikipedia auch so. Ich möchte nach Möglichkeit nichts löschen, allerdings wird die Meinungsfreiheit eben auch als Vorwand dafür benutzt, um gezielt Lügen zu verbreiten. Sicher ist es ein Problem wenn "falsche Meinungen" dazu benutzt werden, um Repressionen zu rechtfertigen. Allerdings halte ich es auch nicht für einen Gewinn, wenn man es zulässt, dass man haarsträubenden Unsinn als vermeintliche Wahrheit verbreiten darf. Ich möchte auch nicht unbedingt eine Infrastruktur zum Löschen, mit einer Kennzeichnung wäre man ja auch schon ein wenig weiter.

...


Quote
Adam Kowalski #5

Ich find die Videos klasse. Gerade schlägt mir Youtube vor:

"...Außerirdischer Kontakt erfolgt" Russin gibt Erstkontakt in UN Symposium bekannt #LEAK
Mythos und Wahrheit: Götter und Astronauten (in HD)
Besuch aus dem All - Die geheimen UFO - Akten
In Ägypten Wurden ARTEFAKTE Gefunden, Die Niemand Erklären Kann
¡PROPHEZEIUNGEN, Von Denen NIEMAND Sprechen Möchte!

Gemein haben sie alle witzige Inhalte und eine katastrophale Typo in der Titelbeschreibung. Wer so einen Mist tatsächlich glaubt, dem ist leider nicht zu helfen.

Wobei ich die Kernaussage des Artikels schon unterstütze. Ich bin mir sehr sicher: Ohne Desinformationen über Facebook, Youtube und Co. wären AfD und europäische Schwesterparteien nicht so groß und wahrscheinlich würde uns auch die Brexit-Diskussion erspart bleiben.


Quote
Adlerschwinge #5.1

Ohne Desinformationen über Facebook, Youtube und Co. wären AfD und europäische Schwesterparteien nicht so groß und wahrscheinlich würde uns auch die Brexit-Diskussion erspart bleiben.

Wobei das Beispiel Relotius oder die gefundenen Hitler-Tagebücher zeigen, daß YouTube kein Monopol auf Desinformationen hat.


Quote
amplify #7

"Sie hatte auf einer Konferenz von Flat-Earth-Befürwortern Personen befragt, die die Ansicht vertreten, dass die Erde eine Scheibe sei. 29 davon erzählten, dass sie erst in den vergangenen zwei Jahren durch das Anschauen von YouTube-Videos zu dieser Überzeugung gekommen seien."

Und? Das ist doch kein Grund, an Sperren, Zensur oder ein Verbot von dämlichen und absurden Ideen zu denken. Lass die Menschen doch glauben was sie sehen. Die Theorie der flachen Erde z.B. ist doch völlig harmlos. Es glauben Milliarden Menschen an allmächtige Gottheiten und handeln nach Büchern aus der Bronzezeit. Wollen wir diese Theorien auch eindämmen? Die können nämlich durchaus negativen Einfluss auf Dritte haben.
Oder nehmen wir, noch schlimmer, den Verschwörungstheoretiker Colin Powell, der der gesamtem Welt(!) seine abstruse Theorie unter die Nase reiben durfte, Saddam Hussein habe Massenvernichtungswaffen und das wäre ganz gefährlich für uns alle. Das Ergebnis kennen wir.


Quote
Spottbeutel #7.2

Es geht nicht um die Flaterdler "around the globe".

Problematisch sind Gesundheitsthemen: Krebs, Impfen, Ernährung.
Was da für Schrott und Desinformation vorhanden ist, gefährdet andere.

Das muss aufhören.


Quote
Adlerschwinge #8

Ich finde viel bedenklicher, daß man so auch unliebsame Fakten als "Verschwörungstheorie" diskreditieren kann.
Das ist sehr bequem, und man muß sich nicht damit auseindersetzen. ...


Quote
andresxy #10

" ... "Dieser einfache Algorithmus hat möglicherweise die EU, die Nato und die westliche Demokratie zerstört – mit nur 50 Zeilen Computercode." Damit spielt Russell vor allem auf die mutmaßliche Beeinflussung der Wählerinnen und Wähler durch die Manipulation der sozialen Medien vor der Brexit-Abstimmung und der US-Präsidentschaftswahl an. ..."

Und das ist keine "Verschwörungstheorie?


Quote
BeinhardKeynes #13

... In den USA ist es inzwischen so, dass es völlig egal ist welche Überzeugung die Mehrheit der Bevölkerung hat, Politik wird unabhängig davon gemacht.
Über YouTube gibt es zahlreiche unabhängige Berichterstatter, die objektiv versuchen die Berichterstattung in den Medien zu hinterfragen. Sie organisieren sich und werden zunehmend zu ernstzunehmenden Journalisten.
Vor allem in den USA aber auch hier in Deutschland gibt es kaum noch unabhängige Medien, die dem gesellschaftlichen Spektrum entsprechen. Als ob FOX News nicht Verschwörungstheorien verbreiten würde. CNN nicht ständig für Kriege Politik macht würde...
YouTube bietet die Möglichkeit sich in alle Richtungen zu informieren. Es muss gelernt werden, dass man jede dort gezeigte Meldung hinterfragen muss.
Dazu bietet YouTube die Möglichkeit die Medien in einem kritischeren Licht zu sehen.
YouTube ist ein wichtiges Instrument um die Eliten, die oft den Bezug zur Realität verlieren, unter Kontrolle zu halten. Die Eliten versagen am laufenden Band und führen uns von einer Krise in die Nächste.


Quote
Prosit Sokrates #14

Flache Erde vs flache Argumente
Wer vor Beginn des Irakkriegs behauptet hat, Hussein habe keine Massenvernichtungswaffen, galt als Verschwörungstheoretiker. In den "etablierten" Medien durfte das nicht gesagt werden. Wer es dennoch tat, verlor seinen Job. (Ich rede über sie USA.)
Wer soll denn entscheiden, was eine Verschwörungstheorie ist? Die aktuelle Regierung? Herr Zuckerberg? Die Waffenlobby?
Wenn jemand sich durch Youtube Videos überzeugen läßt, daß die Erde flach ist, dann hat er definitiv Probleme. Youtube dürfte aber das geringste davon sein.
Wenn alles auf Youtube dann zensiert wird (von den Mächtigen, den Reichen, denen mit dem "Rechten Glauben", einem lustlosen Algorithmus....) werden wir zwar nicht mehr dazu verführt, an eine Flacherde zu glauben, dafür haben wir dann aber andere, und zwar richtige Probleme. ...


Quote
wush #18

Manche Themengebiete sind in Youtube derart mit diesem Müll verseucht, dass seriöse Inhalte völlig untergehen. Wer sich beispielsweise für antike oder prehistorische Geschichte interessiert, findet zwischen hunderten Filmchen über Atlantis, Aliens und Pyramiden in der Arktis kaum was anderes. Und dabei ist es nicht so dass seriöse Inhalte nicht vorhanden wären; es gibt zig Kanäle wissenschaftlich interessierter Leute oder aufgezeichnete Lehrveranstaltungen. Geht in Massen von Esoterikzeug aber komplett unter.


Quote
Gutentag #18.3

Kann es sein das sie keine Suchkompetenz haben?


Quote
Cronbachs Alpha #20

Wenn die ganzen Flacherdler von Youtube verschwinden, würde mir irgendwie was fehlen.


Quote
Sinnsuche #24

Youtube macht nur die Vorschläge. Welche Videos man sich ansieht, hängt letztendlich von einem selbst ab. Woher soll die Plattform auch wissen, ob man nur nach Unterhaltung (Verschwörungstheorien können sehr unterhaltsam sein) oder nach Bildung sucht?


Quote
Tordenskjold #24.1

Nein, YouTube macht nicht nur Vorschläge. YouTube trifft eine Vorauswahl.
Ich habe mir (mein Herz schlägt links!) immer mal wieder Filme von AfD („Alexander Gauland zerstört Journalisten“), den Identitären, NPD und ähnlich „seriöse“ Sachen angeschaut und habe mir spaßeshalber auch Beiträge von RT und Sputnik angetan.
Dazu habe ich ausgelotet, was an rechter Musik bei YouTube zu finden ist.
Neben der interessanten Erfahrung, die ein Ausflug in die rechte Echokammer so mit sich bringt, musste ich feststellen, dass YouTube mir inzwischen sehr gezielte Vorschläge macht.
Es ist fast egal, was für ein Stichwort ich in die Suchleiste tippe, ich bekomme überwiegend Vorschläge, die allesamt aus der rechten Ecke kommen.
Neutrale Vorschläge, die einfach zu den Suchwörtern kommen, sehen definitiv anders aus. Und so wirkt YouTube ganz sicher Meinungsverstärkend.
Wer mit geringer Medienkompetenz bei YouTube surft, der kann schnell ziemlich schräge Ansichten und Meinungen entwickeln. Denn der vorgeschlagene Film bestätigt meistens den letzten, den man sich anschaut.
YouTube verstärkt definitiv Echokammern, weil es liefert, was vom Nutzer konsumiert wird. Nach kurzer Zeit kommt nichts mehr aus anderen Richtungen, es werden schnell andere Meinungen gar nicht mehr vorgeschlagen.

Harmlos ist das nicht.


...

Kommentare zu: "YouTube: Im Netz der Verschwörungstheorien" Eine Analyse von Christoph Drösser (11. März 2019)
Quelle: https://www.zeit.de/digital/internet/2019-03/youtube-verschwoerungstheorien-videos-alghoritmus/komplettansicht
« Last Edit: March 12, 2019, 09:56:48 AM by Link »

Link

  • Global Moderator
  • Hero Member
  • *****
  • Posts: 2486
    • View Profile
Zur Thematik von Verschwörungstheorien...
« Reply #94 on: March 20, 2019, 12:39:20 PM »
Quote
[...]  Verschwörungstheoretiker und deren Gegner werden vielleicht gleichermaßen enttäuscht sein: Hier geht es nicht um die Bewertung einzelner Ereignisse der letzten Jahre, sondern um methodische Fragen zum Begriff "Verschwörungstheorie", der immer häufiger Verwendung findet. Dazu lohnt aber doch ein Blick auf ein Beispiel in der Vergangenheit.

....


Aus: "Was bedeutet eigentlich Verschwörungstheorie?" Alexander Unzicker  (20. März 2019)
Quelle: https://www.heise.de/tp/features/Was-bedeutet-eigentlich-Verschwoerungstheorie-4338293.html

Quote
     XXBrain, 20.03.2019 09:48

Die Weihnachtsmannverschwörung und dazu die Sache mit dem Osterhasen sind doch exemplarisch. Wir lernen früh, an offensichtlich absurde Dinge zu glauben und besser den Mund zu halten, wenn es Zweifel gibt. Später werden die Meisten von uns freiwillig Teil dieser Verschwörung.

Das Posting wurde vom Benutzer editiert (20.03.2019 09:50).


Quote
     AllesLuegen, 20.03.2019 08:55

Ein guter Artikel über Verschwörungstheorien und vor allem VT-Keulen

mit denen Andersdenkende und abweichende Meinungen diffamiert werden sollen. Meine Verschwörungstheorie ist, dass die besonders dummen VT's, z.B. flache Erde, Illuminaten, Echsenmenschen, No-Plane bei 9/11 usw. gezielt gestreut werden, um jeden vom Mainstream abweichenden Erklärungsansatz lächerlich zu machen.


...

Link

  • Global Moderator
  • Hero Member
  • *****
  • Posts: 2486
    • View Profile
Zur Thematik von Verschwörungstheorien...
« Reply #95 on: July 20, 2019, 06:22:00 PM »
Quote
[...] Zum 50. Jahrestag ist die erste Mondlandung unglaublicher denn je: Die NASA hatte es ganz knapp geschafft, innerhalb des von John F. Kennedy angekündigten Jahrzehnts, Amerikaner auf den Mond zu bringen. Knapp drei Jahre später war nach der Landung von Apollo 17 dann alles vorbei und seitdem hat kein Mensch mehr den Mond betreten, geschweige denn eine auch nur annähernd ähnliche Leistung bei der Erforschung des Weltalls erbracht.

Ende der 1960er Jahre schien noch alles möglich, der Weltraum stand uns offen – erwartungsgemäß hatten wir längst den Mars betreten haben müssen. Die Enttäuschung, die sich seitdem nicht nur in den USA über ausbleibende weitere Erfolge des Weltraumprogramms breit gemacht hat, erklärt wohl, warum sich Zweifel an der Echtheit der NASA-Mondmissionen hartnäckig halten. Fünfzig Jahre nach der ersten Mondlandung werden diese Zweifler eher mehr als weniger. Einen großen Anteil daran hat auch das Internet.

Angefangen hat wohl alles mit Bill Kaysing, einem ehemaligen US-Marine-Offizier, der einige Jahre vor der Mondlandung beim Raketen-Hersteller Rocketdyne als technischer Redakteur gearbeitet hatte. Rocketdyne produzierte die Raketenmotoren für die bei der Mondmission verwendete Saturn-V-Rakete. Nach seinem Ausscheiden bei der Firma, Jahre vor der eigentlichen Mondlandung, fing er an daran zu zweifeln, dass die USA tatsächlich die technischen Mittel dazu habe, Astronauten sicher vom Mond wieder auf die Erde zurück zu bringen.1976 veröffentlichte Kaysing in Eigenregie ein Heft namens "We Never Went to the Moon: America's Thirty Billion Dollar Swindle" und legte damit wohl den Grundstein für eine Reihe von Verschwörungstheorien, die behaupten, NASA wäre nie auf dem Mond gelandet und hätte die Mond-Missionen mit samt der entsprechenden Fernsehbilder komplett gefälscht.

Immer wieder wurde von Anhängern dieser Theorien behauptet, der bekannte Science-Fiction-Author Arthur C. Clarke hätte das Drehbuch zu dieser Inszenierung geschrieben. Stanley Kubrick soll als Regisseur für die gefälschten Aufnahmen verantwortlich gewesen sein, wohl wegen der damals bahnbrechenden Spezialeffekte seines Filmes "2001: Odyssee im Weltraum". Dieser war ein Jahr vor der Mondlandung in die Kinos gekommen und hatte die Darstellung des Weltraums im Film revolutioniert. Dass James Bond im ebenfalls thematisch von Weltraumthemen beeinflussten Film "Diamantenfieber" aus dem Jahr 1971 über ein Filmstudio der NASA stolpert, in dem Astronauten gerade in Schein-Zeitlupe Mond-Szenen nachstellen, war zwar lustig, hat aber den Verschwörungstheorien damals ziemlich wahrscheinlich noch mehr Aufwind in den Augen der Öffentlichkeit gegeben.

Die Errungenschaften der Apollo-Missionen erschienen auf einmal so unglaublich, dass es für einige einfacher zu sein schien, an eine großangelegte Desinformationskampagne der US-Regierung zu glauben. In der politisch aufgeheizten Situation auf dem Höhepunkt des Kalten Krieges – eben jene Situation, die erst zur Entstehung des waghalsigen Wettrennens zum Mond geführt hatte – ist diese Denkweise weit weniger abwegig, als sie heutzutage erscheint.

Man muss sich dabei vor Augen führen, dass das Vertrauen der US-amerikanischen Öffentlichkeit in die eigene Regierung in den 1970er Jahren einen absoluten Tiefpunkt erreicht hatte. Die Pentagon Papers hatten 1971 gezeigt, dass die Johnson-Regierung das eigene Volk gezielt über die Vorgänge im Vietnam-Krieg belogen hatte. Ein Jahr später brach der Watergate-Skandal über die Folgeregierung Nixon herein. Im Jahr 1979 schließlich kam eine Untersuchung des US-Kongresses zu dem Schluss, dass die Attentate auf John F. Kennedy und Martin Luther King höchstwahrscheinlich auf eine Verschwörung zurück zu führen waren.

Dass auch andere Verschwörungstheorien im Zusammenhang mit der Regierung in diesem politischen Klima an Popularität gewannen, ist nachvollziehbar. Schließlich sind Verschwörungstheorien nicht pauschal immer Blödsinn, denn manchmal finden im politischen Leben tatsächlich Verschwörungen statt – etwa die Planung des Mauerbaus durch die DDR oder der Versuch der Sowjetregierung, das Tschernobyl-Unglück zu vertuschen. Was sich allerdings durch den damaligen Zeitgeist noch einigermaßen erklären ließ, nahm im Laufe der Zeit geradezu groteske Züge an.

Nach Kaysings bahnbrechendem Buch kamen immer mehr Autoren, Filmemacher und eine Ansammlung merkwürdiger Gestalten auf die Idee, die Mondlandung anzuzweifeln. Ihre Erklärungen dafür reichen von den riesigen Kosten des Unternehmens, über angebliche optische oder akustische Anomalien in Fotos und Filmmaterial bis hin zur vermeintlich unüberwindbaren kosmischen Strahlung außerhalb des Magnetfeldes der Erde, die ihren Berechnungen nach sofort zum Tod der Astronauten geführt hätte.

Obwohl Wissenschaftler und Experten seitdem viele dieser Argumente eindeutig widerlegt haben und externe Quellen eigene Beweise für die Hinterlassenschaften der Apollo-Missionen auf dem Mond gefunden haben, hielten sich diese Theorien hartnäckig über die '80er und '90er Jahre hinweg und wurden von ihren Verfechtern stetig weiter ausgebaut. Die Verteidiger der Theorie von der gefakten Mondlandung lassen sich nicht mal dadurch von ihrem Irrglauben abbringen, dass selbst die Daten der Sowjets den Mondflug ihres Erzfeindes bestätigen. Mittlerweile werden selbst Vergleiche zu Filmaufnahmen von Weltraumspaziergängen von ISS-Astronauten dazu herangezogen, die angeblichen Fehler im angeblich gestellten Apollo-Filmmaterial aufzuzeigen.

Mit der Popularisierung des Internets würde die Behauptung vom großen Fake in weitere Bereiche der Gesellschaft getragen und dort weiterentwickelt. Obwohl das Internet seinen Benutzern einen bisher nie dagewesenen Zugang zum gesammelten Wissen der Welt ermöglicht, schafft es zunehmend eben auch einen Raum, in dem jeder seine Theorien in einem ganz neuen Maßstab verbreiten kann. Den Mondlandungs-Zweiflern wurde auf diesem Wege eine Plattform verschafft, bei der es nicht darauf ankommt, wie gut sich eine entsprechende Theorie belegen lässt, sondern eher darauf, wie gerne ihre Empfänger an sie glauben wollen.

Wo Mondlandungs-Verschwörungstheorien früher eher die Domäne von Autoren, Filmemachern und einigen ins Abseits geratenen Journalisten waren, werden sie heute vor allem von Podcastern und YouTubern vorgetragen und auf Reddit und Facebook verbreitet. Diese Theorien sind damit verstärkt aus den Untiefen abseitiger Diskussionsforen direkt in eine sich neu entwickelnde Medienlandschaft übergegangen.

Wohingegen in den '70ern solche Verschwörungstheorien hauptsächlich vom Misstrauen gegenüber der eigenen Regierung vorangetrieben wurden, gesellt sich im Internet dieser Tage das Misstrauen vor der Presse und elitären Wissenschaftlern als wichtigerer Faktor hinzu. Und im Gegensatz zum Glauben an eine flache Erde, an eine Regierungsverschwörung zur gezielten Wetterveränderung oder der Bewusstseinsmanipulation mittels Chemtrails ist das Misstrauen darüber, dass die NASA im Jahr 1969 einen Mann auf den Mond schicken konnte wenn sie es heute nicht mal mehr hinbekommt, selbst Astronauten auf die ISS zu fliegen, noch eine eher naheliegende Denkrichtung. Dass die NASA damals jahrelang knapp vier Prozent des riesigen Staatshaushaltes der Vereinigten Staaten verschluckte, um diese Mammutleistung zu erbringen, blenden viele YouTube-Zuschauer vermutlich einfach aus.

Mal davon abgesehen, wie unwahrscheinlich es ist, dass die NASA bei knapp 400.000 beteiligten Personen ein solches monumentales Geheimnis fünfzig Jahre erfolgreich vertuschen konnte. Ist es wirklich glaubhafter, dass diese angebliche Verschwörung selbst fünfzig Jahre später noch (mit neuen, glasklaren Filmaufnahmen) überzeugende PR-Arbeit leistet als zu akzeptieren, dass Armstrong und Aldrin wirklich den Mond betreten haben? Auf der großen Bühne des Internets, so scheint es, sind alle Theorien gleich. Dem YouTube-Algorithmus sei Dank.

Geschichtswissenschaftlich interessierte Beobachter wird es indes nicht überraschen, dass sich solche abwegigen Theorien nach wie vor beständig halten. Immer wieder müssen wir feststellen, dass mit zunehmendem Abstand zu einem geschichtlichen Ereignis die vorhandenen Fakten von einer wachsenden Anzahl an Überlieferungen und Mythen begleitet oder gar überdeckt werden. Mit der Zeit kommen Originaldokumente unweigerlich abhanden, Augenzeugen sterben und neue Generationen wachsen ohne direkte Erinnerung an die entsprechenden Vorkommnisse heran, was zu Zweifeln und Desinformation führt.

Den Historikern und anderen Wissenschaftlern stehen dann in zunehmendem Maße Stimmen gegenüber, die eine eigene Version der historischen Ereignisse propagieren. Ein gutes Beispiel ist die systematische Vernichtung von Menschen jüdischen Glaubens, Homosexuellen und anderen Bevölkerungsgruppen im Dritten Reich – auch hier wächst mit zunehmender historischer Distanz die Zahl der öffentlichen Zweifler an einem historisch eindeutig belegbaren Ereignis. Zweifel an der Echtheit der Mondlandung scheinen vergleichsweise harmlos zu sein, sie unterliegen aber den gleichen gesellschaftlichen Phänomenen.

Es liegt in der Natur des Menschen, zu zweifeln. Oft handelt es sich dabei um einen guten, gar lebenswichtigen Instinkt. Er ist der Ausgangspunkt allen wissenschaftlichen Denkens und die Grundlage guter journalistischer Berichterstattung. Zweifel können sich aber eben auch verselbstständigen und zu den absurdesten Glaubensvorstellungen führen. Es ist nur zu erahnen, wie frustrierend solche fehlgeleiteten Überzeugungen für die eigentlichen Beteiligten der Mondmissionen sein müssen.

Irgendwie kann man es einem harten Knochen wie Buzz Aldrin in diesem Zuge kaum verübeln, dass er 2002 dem Mondlandungs-Verschwörungstheoretiker Bart Sibrel mit geschlossener Faust ins Gesicht schlug, nachdem dieser Aldrin mit einer Bibel bedrängt und als Feigling und Lügner bezeichnet hatte. Er sei schließlich nie auf dem Mond gewesen. Angesichts der Absurdität der Provokation kam selbst der Richter, der sich später mit diesem Fall auseinandersetzen musste, zu dem Schluss, dass Aldrin nichts vorzuwerfen sei.


Aus: "Die Mondlandung, ein Magnet für Verschwörungstheorien" Fabian Scherschel (19.07.2019)
Quelle: https://www.heise.de/newsticker/meldung/Die-Mondlandung-ein-Hort-fuer-Verschwoerungstheorien-4472198.html?seite=all

Link

  • Global Moderator
  • Hero Member
  • *****
  • Posts: 2486
    • View Profile
Zur Thematik von Verschwörungstheorien...
« Reply #96 on: July 27, 2019, 11:03:18 PM »
Quote
[...] Der Reichstagsbrand war der Brand des Reichstagsgebäudes in Berlin in der Nacht vom 27. auf den 28. Februar 1933. Der Brand beruhte auf Brandstiftung. Am Tatort wurde Marinus van der Lubbe festgenommen. Bis zu seiner Hinrichtung beharrte van der Lubbe darauf, den Reichstag allein in Brand gesetzt zu haben. Seine Alleintäterschaft schien bereits vielen Zeitgenossen unwahrscheinlich und wird weiterhin kontrovers diskutiert. Kritiker der Alleintäterthese vermuten eine unmittelbare Tatbeteiligung der Nationalsozialisten.

Unbestritten sind die politischen Folgen. Bereits am 28. Februar 1933 wurde die Verordnung des Reichspräsidenten zum Schutz von Volk und Staat (Reichstagsbrandverordnung) erlassen. Damit wurden die Grundrechte der Weimarer Verfassung de facto außer Kraft gesetzt und der Weg freigeräumt für die legalisierte Verfolgung der politischen Gegner der NSDAP durch Polizei und SA. Die Reichstagsbrandverordnung war eine entscheidende Etappe in der Errichtung der nationalsozialistischen Diktatur.  ...

Im Zuge der Forschungen über die Anfänge des LKA in Niedersachsen tauchte im Jahre 2019 im Nachlass von Fritz Tobias die Eidesstattliche Erklärung des SA-Mannes Hans-Martin Lennings aus dem Jahre 1955 auf, in der dieser erklärt, er habe van der Lubbe zum Reichstag gefahren. Zu diesem Zeitpunkt habe es dort bereits nach Brand gerochen und es seien Rauchschwaden zu sehen gewesen. Später hätten er und seine Kameraden gegen die Verhaftung van der Lubbes protestiert, weil er seinen Beobachtungen nach nicht der Brandstifter habe gewesen sein können. Daraufhin seien seine Kameraden und er in Schutzhaft genommen worden „und mussten einen Revers unterschreiben mit dem Inhalt, dass wir von nichts etwas wissen“.[53][54][55][56] Sven Felix Kellerhoff hält diese Darstellung für unglaubwürdig, da sie den Ermittlungsakten widerspreche. ...
https://de.wikipedia.org/wiki/Reichstagsbrand (27. Juli 2019)

"Neues zum Reichstagsbrand: Die „Legende“ vom Einzeltäter wackelt erheblich" Conrad von Meding im Gespräch mit Axel Rahmlow (Beitrag vom 26.07.2019)
https://www.deutschlandfunkkultur.de/neues-zum-reichstagsbrand-die-legende-vom-einzeltaeter.1008.de.html?dram:article_id=454909

Quote
[...] Dem Dokument aus den Archiven des Amtsgerichts Hannover zufolge, aus dem das Redaktionsnetzwerk Deutschland zitiert, sagte der ehemalige SA-Mann, er habe van der Lubbe, der einen benommenen Eindruck machte, mit einem Auto von einem SA-Lazarett zum Reichstag gefahren. Bei der Ankunft dort sei ihm und seinen Kollegen aufgefallen, «dass ein eigenartiger Brandgeruch herrschte und dass auch schwache Rauchschwaden durch die Zimmer hindurchzogen».

Später, so erklärt der SA-Mann in seiner Versicherung, deren beglaubigte Abschrift der Deutschen Presse-Agentur vorliegt, hätten er und seine Kameraden gegen die Verhaftung van der Lubbes protestiert. «Weil nach unserer Überzeugung van der Lubbe unmöglich der Brandstifter gewesen sein konnte, da ja nach unseren Feststellungen der Reichstag schon in Brand gesetzt sein musste, als wir van der Lubbe dort ablieferten».

Wegen ihres Protestes seien seine Kameraden und er in Schutzhaft genommen worden «und mussten einen Revers unterschreiben mit dem Inhalt, dass wir von nichts etwas wissen». Später seien fast alle erschossen worden, die zum engeren Kreis der am Reichstagsbrand beteiligten Personen gehörten. Er selber, so der SA-Mann in seiner Erklärung, sei gewarnt worden und in die Tschechoslowakei geflüchtet. Die SA war eine paramilitärische Organisation der Nazi-Partei.

Die Nazis nutzten den Brand am 27. Februar 1933, um Notverordnungen gegen den «kommunistischen Aufstand» zu erlassen und die politischen Grundrechte außer Kraft zu setzen. Mit der Verabschiedung des Ermächtigungsgesetzes verwandelte sich Deutschland dann vollends in eine Diktatur.

Die eidesstattliche Erklärung stammt von Hans-Martin Lennings (1904-1962), der sie 1955 notariell abfassen ließ für den Fall einer damals diskutierten posthumen Wiederaufnahme des Prozesses gegen van der Lubbe. Das Amtsgericht Hannover bestätigte der dpa am Freitag die Authentizität des Dokuments.

Marinus van der Lubbe, der aussagte, das Feuer im Reichstag mit Kohleanzündern allein gelegt zu haben, wurde im Dezember 1933 vom Leipziger Reichsgericht wegen Hochverrats und Brandstiftung zum Tode verurteilt und später hingerichtet. Das 1934 vollstreckte Todesurteil gegen van der Lubbe hob die Bundesanwaltschaft erst 2007 auf.

Nach dem Krieg blieb bei vielen Deutschen die Überzeugung, die Nazis hätten das Feuer gelegt. Erst Ende der 1950er Jahre gewann die These neue Nahrung, van der Lubbe allein habe den Reichstag angezündet. Der hannoversche Hobbyforscher Fritz Tobias vertrat diese Überzeugung, unterstützt vom Historiker Hans Mommsen. Der «Spiegel» startete eine Serie, in der Tobias seine Theorien über Lubbes Alleintäterschaft darlegte. Für Herausgeber Rudolf Augstein erhielt die «Jahrhundert-Legende» über eine Beteiligung der Nazis am Komplott damit den «Todesstoß».

Ausgerechnet im Nachlass von Hobbyforscher und Ex-Verfassungsschützer Tobias, so berichtet das Redaktionsnetzwerk Deutschland, sei nun eine Kopie der eidesstattlichen Erklärung des SA-Mannes entdeckt worden. Dieser hat die Erklärung demnach beiseite geschoben, um seine Alleintäter-These aufrecht zu erhalten.

Damit schützte er, wie das RND schreibt, de facto Männer, die in der NS-Zeit im Staatsdienst waren und in der Nachkriegszeit Karriere machten. Dazu habe der Kriminalbeamte Walter Zirpins gehört, der van der Lubbe verhört und die Ermittlungsprotokolle geschrieben hatte und 1951 Leiter des Landeskriminalpolizeiamts in Niedersachsen wurde, einem Vorgänger des heutigen LKA. Da das LKA derzeit seine Vergangenheit aufarbeitet, stieß es im Nachlass von Tobias auf die Erklärung.


Aus: "Erklärung legt NS-Beteiligung am Reichstagsbrand nahe" (26.07.2019)
Quelle: https://www.welt.de/regionales/berlin/article197502515/Erklaerung-legt-NS-Beteiligung-am-Reichstagsbrand-nahe.html

-

"Funktionen von Verschwörungsideologien: Warum begeistert man sich für Konspirationsvorstellungen?" Armin Pfahl-Traughber (5. Aug 2019)
Auch wenn Konspirationsvorstellungen meist nur falsche und/oder unterkomplexe Deutungsversuche für die soziale Realität sind, fanden und finden sie immer wieder gläubige Anhänger. Warum ist das so? Sie haben für ihre Anhänger und Propagandisten einen Nutzen. Oder simpler formuliert: Es bringt ihnen etwas! Vier Funktionen lassen sich immer wieder ausmachen, was am Beispiel von der erfundenen "jüdisch-freimaurerischen Weltverschwörung" veranschaulicht wird. ...
Quelle: https://hpd.de/artikel/funktionen-verschwoerungsideologien-17076


« Last Edit: August 06, 2019, 10:17:27 AM by Link »

Link

  • Global Moderator
  • Hero Member
  • *****
  • Posts: 2486
    • View Profile
Zur Thematik von Verschwörungstheorien...
« Reply #97 on: August 14, 2019, 09:28:59 AM »
Quote
[...] Nach Google, Apple und Amazon hat einem Medienbericht zufolge nun auch das weltweit größte soziale Netzwerk Facebook eingeräumt, dass Sprachaufnahmen einiger Nutzer von Menschen abgehört und abgetippt wurden. Betroffen seien Anwender des Messenger-Dienstes, die die Transkriptionsfunktion für Sprachunterhaltungen eingeschaltet hätten, wie das Unternehmen in einer Stellungnahme der Finanznachrichtenagentur Bloomberg mitteilte. Facebook beauftragte demnach Hunderte Unternehmen, um die Abschriften zu machen. Deren Mitarbeiter sollten prüfen, ob die Software die Sätze richtig verstanden hat.

Facebook zufolge habe das soziale Netzwerk die Erlaubnis der Nutzer gehabt. Die Nachrichten seien anonymisiert worden und die Praxis inzwischen eingestellt: "Genauso wie Apple oder Google haben wir die Praxis, Tonaufnahmen von Menschen abhören zu lassen, vergangene Woche pausiert", zitierte Bloomberg aus der Mitteilung.

Dem Bericht zufolge zeigten sich Mitarbeiter der beauftragten Firmen irritiert von den privaten Gesprächen mit teils vulgären Äußerungen. Sie hätten weder Informationen über den Ursprung der Aufzeichnungen erhalten, noch erfuhren sie, wofür Facebook die Transkriptionen nutzte.

Wegen der Auswertung von Aufzeichnungen durch Menschen gerieten in den vergangenen Wochen auch Amazon, Apple und Google unter Druck. Apple und Google versicherten, die Praxis mittlerweile beendet zu haben.

Facebook, dem die US-Verbraucherschutzbehörde Ende Juli wegen Datenschutzverstößen eine Rekordstrafe von fünf Milliarden Dollar (4,5 Milliarden Euro) auferlegt hatte, leugnete lange Zeit das Abhören aufgezeichneter Gespräche von Nutzern. Facebook-Chef Mark Zuckerberg tat Warnungen vor einer solchen Geschäftspraxis im April 2018 bei einer Anhörung im US-Kongress als "Verschwörungstheorie" ab. "Wir machen das nicht", versicherte er damals.

Später stellte Facebook klar, dass das Unternehmen nur auf das Mikrofon eines Nutzers zugreife, wenn dieser zugestimmt habe. Laut Bloomberg legte der Konzern aber nicht offen, was er mit solchen Aufnahmen machte.


Aus: "Facebook ließ Sprachaufnahmen von Nutzern abhören und abtippen" (14. August 2019)
Quelle: https://www.zeit.de/digital/datenschutz/2019-08/datenschutz-facebook-sprachaufnahmen-abhoeren-abtippen

Quote
Strawberry Sundae #2.1

"Mensch, wer konnte so etwas ahnen...."

Ich war auch total ueberrascht... ;-)


...

Link

  • Global Moderator
  • Hero Member
  • *****
  • Posts: 2486
    • View Profile
Zur Thematik von Verschwörungstheorien...
« Reply #98 on: Yesterday at 04:03:29 PM »
Quote
[...] Herr Held, Sie haben vor 25 Jahren die Theorie in die Welt gesetzt, dass Bielefeld gar nicht existiert. Jetzt hat die Stadt eine Million Euro für den Beweis ausgelobt, dass diese Theorie stimmt – und wirbt für diese Aktion auf der Homepage, auf der Sie über die Verschwörung berichtet hatten. Sind Sie gekauft worden?

Achim Held: Nein, das war alles immer als Satire gemeint. Ich habe nie an der Existenz der Stadt gezweifelt. Mit meinem Text wollte ich mich im Gegenteil über besonders absurde Verschwörungstheorien lustig machen. Jetzt hat die Stadt Bielefeld mich darum gebeten, meine Internetseite für diese Aktion zur Verfügung zu stellen. Das habe ich sehr gerne gemacht. Ich hatte so lange meinen Spaß, ein bisschen auch auf Kosten der Stadt. Mich hat es immer gefreut, wenn ich zufällig von der Theorie gehört habe. Am Ende werde ich den ursprünglichen Text wieder auf die Homepage stellen, ergänzt durch eine kleine Passage vielleicht. Ich bin gespannt, was uns die Leute da jetzt für Beweise zuschicken.

Was war das Erfolgsrezept Ihrer Theorie?

Achim Held: Die Grundlage ist ganz einfach: Egal wen sie fragen, fast jeder antwortet auf die Frage „Warst du schon mal in Bielefeld?“ mit „Nein“. Das ist mir mit Freunden 1993 auf einer Party in einem Kieler Studentenwohnheim aufgefallen. Ein Student hatte gesagt, er käme aus Bielefeld, ein Bekannter antwortete: „Bielefeld gibt es doch gar nicht.“ Fast jeden, den wir daraufhin danach gefragt haben, war noch nie in Bielefeld – einfach weil es touristisch doch eine recht farblose Stadt ist. Wenig später sind wir zufällig auf der Autobahn an Bielefeld vorbeigefahren – und wegen einer Baustelle war auf allen Schildern „Bielefeld“ durchgestrichen. Daraufhin habe ich den Text mit der Verschwörungstheorie geschrieben, dass „die“ uns die Existenz der Stadt nur vorgaukeln, Landkarten manipulieren und Autos mit gefälschten BI-Kennzeichen überall durchs Land fahren lassen. Bei der Frage, wer dahinter stecken könnte, habe ich die üblichen Verdächtigen genannt: Geheimdienste, Aliens, was man da halt gerne nennt.

Was sollte man nicht machen, wenn man eine Verschwörungstheorie in die Welt setzt?

Achim Held: Auf keinen Fall zu konkret werden. Dafür aber Gegenbeweise schon aufgreifen und ins Gegenteil verkehren: Zum Beispiel, dass es doch auffällig sei, dass überall im Land Autos mit BI-Kennzeichen herumfahren.

Könnte man nach dem Modell #bielefeldmillion auch andere Verschwörungstheorien beerdigen?

Achim Held: Wer ein echter Verschwörungstheoretiker ist, denkt sofort, das sei ein Teil der Verschwörung – zum Beispiel um Leute anzulocken, die der Verschwörung auf der Spur sind und ausgeschaltet werden sollen. Es gab auch in meinem Fall Menschen, die wirklich an die Theorie geglaubt haben. Einer stand sogar mal bei mir vor der Tür und hat erzählt, dass er auch irgendwelchen Verschwörungen auf der Spur sei und verfolgt werde. Da wurde ich als möglicher Mitstreiter angesehen.

Wollen Sie sich jetzt eine neue Theorie ausdenken?

Achim Held: Nein, das war ein Überraschungserfolg, den kann man nicht wiederholen. Da würde ich mich nur lächerlich machen.

Die Bielefeld-Verschwörungstheorie soll am Ende der Aktion offiziell beerdigt werden – wie genau?

Achim Held: Das kann ich noch nicht sagen. Außerdem: Vielleicht kann ja doch jemand beweisen, dass Bielefeld nicht existiert.

Würde Sie das freuen?

Achim Held: Nein, dann wäre mein Text ja hinfällig, weil es allgemein anerkanntes Wissen wäre, dass Bielefeld nicht existiert.

Also ist die Theorie in jedem Fall verloren?

Achim Held: So kann man es sehen. Aber am Ende ist es unmöglich, eine Verschwörungstheorie wirklich aus der Welt zu kriegen. Sie wird weiterleben – da muss ich die Bielefelder leider enttäuschen.


Aus: "Bielefeld-Verschwörung: „Man kann es nicht mehr zurücknehmen“" Sebastian Eder (22.08.2019)
Quelle: https://www.faz.net/aktuell/gesellschaft/menschen/existenz-von-bielefeld-erfinder-der-verschwoerung-im-interview-16345849.html

Quote

Teil des Ganzen

    Dieter Hurth (DieterHurth), 22.08.2019 - 14:14

Wie soll eine Stadt, die nicht existiert, eine Million bezahlen?


Quote

Ein Bielefeld gibt's natürlich...

    Thomas Seifert (Thomas_Seifert)

    22.08.2019 - 13:49

...aber eben nicht als "Großstadt". Es handelt sich um ein Stück landwirtschaftlicher Nutzfläche aus dem ursprünglichen Besitz des ostwestfälischen Kleinbauern Friedrich August Biele (1836 - 1874), der es für den Anbau von Steckrüben nutzte. 1873 wurde dieses Biele-Feld von den umliegenden Dorfgemeinden Schildesche, Stieghorst und Brake gemeinschaftlich aufgekauft, um mit vorgeblichem Großstadtflair Investoren anzulocken und so am Boom der reichsdeutschen Gründerjahre teilzuhaben. Der Plan ging nicht so recht auf (Namensgeber Biele verstarb ein Jahr nach der Transaktion überraschend und unter bis heute nicht geklärten Umständen). Aber das ursprüngliche Bielefeld existiert noch heute - als schlichter Acker, auf dem heutzutage - natürlich! - Mais angebaut wird.


Quote

  Erich Schwarz (BlackBlacky),     22.08.2019 - 14:27

Endlich, ein Insider.


...