Author Topic: InfoWar, PSYOP, Propaganda...  (Read 7922 times)

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InfoWar, PSYOP, Propaganda...
« Reply #20 on: January 26, 2018, 11:45:13 AM »
https://de.wikipedia.org/wiki/Fake_News

https://de.wikipedia.org/wiki/Alternative_Fakten

https://de.wikipedia.org/wiki/Filterblase

https://de.wikipedia.org/wiki/Informationskrieg

https://de.wikipedia.org/wiki/Medienmanipulation

---

Quote
[...] Mit einem Faceswap-Tool lassen sich Filmszenen aller Art manipulieren und die Gesichter der Schauspieler austauschen.  ... Wir werden uns wohl an eine Welt gewöhnen müssen, in der solche Video-Fakes immer besser und damit auch schwerer zu erkennen werden. Inklusive der dazugehörigen Konflikte mit den Persönlichkeitsrechten der betroffenen Personen. In Zukunft könnten solche Fälschungen als Grundlage von Propaganda oder absichtlich irreführender Nachrichten benutzt werden.

Das Ziel des Entwicklers von FakeApp ist es, dass bald jeder Nutzer ohne Vorwissen ähnliche Videos erzeugen kann: In Zukunft brauche man nur ein beliebiges Video und ein bereits auf ein berühmtes Gesicht trainiertes neuronales Netz, das man herunterladen kann. Die Software soll dann die Gesichter auf Knopfdruck austauschen.

Quote
     Vatikankiller, 25.01.2018 19:16

Was dann sicher boomen wird ...

... "wiederaufgetauchtes" historisches Material, das die Geschichte neu/anders schreibt (oder festigt, je nach Interessenslage).


Quote
     Eric Mueller, 25.01.2018 18:30

Ab welchem Punkt macht das Überwachungvideos wertlos?

Da diese Methode ja nicht nur bei Prominenten und Pornos greift:
Wenn ein Video so gut gefälscht werden kann, dass man den Unterschied nicht mehr sieht, müsste die Beweiskraft stark zurückgehen.

Alternativ wird das DIE Methode, jemandem etwas anzuhängen.


Quote
     Dankeauch, 25.01.2018 16:48

Jetzt wirds ernst

Bei Fake Porn hört der Spass auf!

Revolution!!111



Aus: "Deepfakes: Neuronale Netzwerke erschaffen Fake-Porn und Hitler-Parodien" Fabian A. Scherschel (25.01.2018)
Quelle: https://www.heise.de/newsticker/meldung/Deepfakes-Neuronale-Netzwerke-erschaffen-Fake-Porn-und-Hitler-Parodien-3951035.html

"AI-Assisted Fake Porn Is Here and We’re All Fucked" Samantha Cole (Dec 11 2017, 8:18pm)
Someone used an algorithm to paste the face of 'Wonder Woman' star Gal Gadot onto a porn video, and the implications are terrifying.
https://motherboard.vice.com/en_us/article/gydydm/gal-gadot-fake-ai-porn

https://motherboard.vice.com/de/article/gydydm/diese-ki-kann-wirklich-jeden-zum-unfreiwilligen-pornostar-machen-und-das-ist-ein-problem

https://motherboard.vice.com/de/article/bjye8a/es-ist-soweit-menschen-montieren-massenweise-fremde-menschen-in-pornos


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InfoWar, PSYOP, Propaganda...
« Reply #21 on: February 19, 2018, 08:03:53 AM »
"Rechte Trollfabrik: Infokrieg mit allen Mitteln" (13.02.2018)
 Reconquista Germanica ist eine virtuelle Trollfabrik, die bereits im Wahlkampf die AfD unterstützte. Sich selbst bezeichnet RG als satirisches Projekt von Gamern. Tatsächlich koordinieren Rechtsradikale hier gezielte Online-Attacken.
Im "Nachrichtenzentrum" sammeln sie Presseberichte. In einer anderen Untergruppe produzieren sie täglich Dutzende von sogenannten Memes; manipulierte Fotos oder kurze Bildsequenzen, die über die sozialen Netzwerke ausgespielt werden, um Stimmung zu machen. Zumeist richten sich die Memes gegen Angela Merkel, Flüchtlinge oder etablierte Medien.
Über die Gruppe "Tagesbefehl" geben die Rangoberen Order, wann und wo die Mitglieder mit ihren möglichst vielen Fake-Profilen aktiv werden sollen. Dabei werden nicht nur Gegner attackiert, sondern auch gezielt Bewertungen manipuliert: So sollte in dieser Woche beispielsweise der neue Videoblog eines "Identitären" auf YouTube mit möglichst vielen positiven Rückmeldungen bewertet werden, um Relevanz und Zustimmung zu simulieren. Im "Unterstützungszentrum" wird zudem dazu aufgerufen, ein neues Video von Donald Trump zu verbreiten, um damit "Linke zu triggern".
...  Durch Fake-Accounts sollen die Gegner der Rechtsradikalen gedemütigt werden. Vor allem "junge Frauen, die direkt von der Uni kommen" seien "klassische Opfer", heißt es in dem Handbuch. Um inhaltliche Diskussion geht es den "Medienguerillas" nicht, sondern ausschließlich um die Wirkung:
    Du willst bei Diskussionen im Internet nicht Deinen Gegner überzeugen, das sind eh meist verbohrte Idioten. Es geht um das Publikum. Und es geht hier nicht darum wer Recht hat, sondern wer vom Publikum Recht erhält.
Sollte man an jemand geraten, der diskutieren könne und sich durch bestimmte Strategien nicht vorführen lasse, gebe es nur noch eins, schreiben die rechten Netzaktivisten:
    Beleidigen. Und da ziehe jedes Register. Lass nichts aus. Schwacher Punkt ist oftmals die Familie. Habe immer ein Repertoire an Beleidigungen, die Du auf den jeweiligen Gegner anpassen kannst.
Die Mitglieder von Reconquista Germanica setzen exakt das um, was in dem Handbuch als "memetische Kriegsführung" beschrieben wird: Fotos von politischen Gegner stehlen und manipulieren; möglichst viele gefälschte Profile pflegen - und Kampagnen mit Gleichgesinnten koordinieren.
 Doch die Strategie der rechten Medienaktivisten ist riskant: Sie wollen eine schlagkräftige Troll-Armee aufbauen - und müssen daher möglichst viele Mitstreiter rekrutieren, die auch untereinander oft anonym bleiben. Und so fließen Informationen aus dem Führungskreis der Recoquista Germanica regelmäßig nach außen.
Auf Twitter berichtete beispielsweise Alt-Right-Leaks über Interna und veröffentliche Mitschnitte von RG-Chats. In diesen Chats wurde beispielsweise empfohlen, in sozialen Netzwerken falsche Profile von angeblichen Flüchtlingen anzulegen, die behaupten sollten, in Syrien herrsche kein Krieg.
Zu dieser Strategie passen auch Twitter-Profile von angeblichen Deutsch-Juden, die im November 2017 zeitgleich auftauchten und zahlreiche Tweets von "Identitären" und AfD-Politikern teilten. Weitere mutmaßliche Fake-Profile, genannt Sockenpuppen, lassen sich auf Twitter im Umfeld der Aktivisten von Reconquista Germanica Dutzendfach finden.
 Zuletzt riefen die rechten Medienaktivisten dazu auf, die Diskussion über den ARD-Film "Aufbruch ins Ungewisse" in den sozialen Netzwerken massenhaft und gezielt zu beeinflussen.
In dem fiktiven Spielfilm wird das Szenario eines von rechtsextremen Diktaturen dominierten Europas entworfen, aus dem Dissidenten nach Afrika flüchten müssen. ...
http://faktenfinder.tagesschau.de/inland/organisierte-trolle-101.html

https://de.wikipedia.org/wiki/Reconquista_Germanica


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« Reply #22 on: April 03, 2018, 03:30:59 PM »
Bei der Plutonium-Affäre handelt es sich um die Hintergründe des vom Bundesnachrichtendienst (BND) veranlassten illegalen Transports von mehr als 360 Gramm Plutonium mit einer Maschine der Lufthansa von Moskau nach München im Jahr 1994 im Vorfeld der anstehenden Landtagswahlen. ...
https://de.wikipedia.org/wiki/Plutonium-Aff%C3%A4re

---


"Mission accomplished?" -  Über die Meta-Ebene der Fake-News,
 Ingrid Haselberger, Eingestellt von Ingrid H. Dezember 03, 2018
Vor kurzem hat Michael Eggert auf eine sehr aufschlußreiche Dokumentation der New York Times aufmerksam gemacht. Es handelt sich um drei jeweils etwa viertelstündige Videos (1), in denen einer sehr speziellen Spielart der „aktiven Maßnahmen“ (активные мероприятия) des russischen Geheimdienstes nachgegangen wird – von der Zeit des Kalten Krieges bis zum heutigen Tag. Dabei geht es um gezielte Desinformation. ...
https://egoistenblog.blogspot.com/2018/12/mission-accomplished.html

https://www.nytimes.com/2018/11/12/opinion/russia-meddling-disinformation-fake-news-elections.html

The Worldwide War on Truth
By ADAM B. ELLICK, ADAM WESTBROOK and JONAH M. KESSEL | Nov. 13, 2018 | 17:27
https://www.nytimes.com/video/opinion/100000006188105/countering-disinformation-active-measures.html?smid=pl-share

https://de.wikipedia.org/wiki/Troll-Armee

« Last Edit: December 15, 2018, 01:40:24 PM by Link »

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« Reply #23 on: December 17, 2018, 11:52:13 AM »
Karen U. Kwiatkowski (* 24. September 1960, geborene K. U. Unger) ist eine US-amerikanische Autorin und ein ehemaliger weiblicher Berufsoffizier der U.S. Air Force. Mit ihrem Namen verbunden wird ihr Wirken im Jahr 2003 als Whistleblowerin, die einige Hintergründe zum Beginn des Irakkrieges (März bis Mai 2003) in der Bushadministration bekannt machte und Geheimdienstarbeit kritisierte.
Ihre Enthüllungen wurden auch vom ehemaligen Chef der CIA-Antiterrorabteilung, Vincent Cannistraro, bestätigt. ...
https://de.wikipedia.org/wiki/Karen_Kwiatkowski

"Karen Kwiatkowski erhält Sam Adams Award" Markus Kompa (16. Dezember 2018)
Während 2003 nahezu alle US-Medien für den Irakkrieg trommelten, leistete sich einzig die damalige Mediengruppe Knight Ridder eine kritische Perspektive. So verfügten deren Journalisten über Insiderinformationen darüber, dass dem Nationalen Geheimdienstdirektor James Clapper Lügen über Massenvernichtungswaffen aufgetischt wurden. Tatsächlich bestätigte Clapper in seinen Memoiren, dass ihn der damalige Vizepräsident Dick Cheney dazu gebracht habe, Dinge zu finden, die gar nicht vorhanden gewesen seien. Wesentliche Quelle für die Knight Ridder-Autoren war eine Pentagon-Analystin, die von Kriegslügen genug hatte.
... Kwiatkowski gehörte zu den Gründungsmitgliedern der Veteran Intelligence Professionals for Sanity (VIPS), die nicht müde werden, Missstände in der westlichen Geheimdienstcommunity anzuprangern (Die pfeifenden Spione). Die Gruppe zeichnet seit 2002 Whistleblower mit dem Sam Adams Award aus, der nach einem Geheimdienstanalysten benannt ist, der Regierungslügen im Vietnamkrieg aufdeckte ...
https://www.heise.de/tp/news/Karen-Kwiatkowski-erhaelt-Sam-Adams-Award-4252093.html

Quote
observer3, 16.12.2018 14:14

In den USA gibt es immer wieder Menschen im Aparat, die ihrem Gewissen folgen
und selbst unter teilweise großer persönlicher Bedrohung der Öffentlichkeit die Wahrheit über ihr System sagen.
In Deutschland finden sich in solchen Einrichtungen fast ausschliesslich treue Untertanen und Schreibtischtäter.


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« Reply #24 on: December 18, 2018, 10:24:08 AM »
Quote
[...] Russische Propaganda-Experten haben während des US-Wahlkampfs 2016 sämtliche großen Onlineplattformen benutzt, um das Wahlergebnis zugunsten des heutigen Präsidenten Donald Trump zu beeinflussen. Ihre Kampagnen zielten dabei darauf ab, afroamerikanische und linksgerichtete Wähler durch demotivierende Botschaften von der Teilnahme an der Wahl abzuhalten und konservative weiße Wähler zu mobilisieren.

Diese Erkenntnisse über die mutmaßlichen Methoden der in St. Petersburg ansässigen Internet Research Agency (IRA) sind in zwei unabhängigen Studien für den Geheimdienstausschuss des US-Senats enthalten, die am Montag veröffentlicht wurden. Die IRA gilt als "Trollfabrik" der russischen Regierung. Trolle werden Internetnutzer genannt, die bewusst Online-Debatten stören und manipulieren.

Die Forscher des Computerprogaganda-Projekts an der britischen Oxford-Universität, der auf Analyse der Onlinenetzwerke spezialisierten Firma Graphika sowie des im Kampf gegen Onlineproganda tätigen Unternehmens New Knowledge werteten für ihre Studien Millionen von Internetbotschaften aus.

Demnach nutzte die IRA neben Facebook und Twitter auch die auf die Verbreitung von Fotos spezialisierte Facebook-Tochter Instagram sowie die Video-Plattform YouTube intensiv für ihre Propaganda-Aktivitäten in den USA. Mit ihren Botschaften unter verdeckter Identität auf Tausenden von ihr eingerichteten Onlinekonten habe die IRA eindeutig "der Republikanischen Partei und insbesondere Donald Trump nutzen wollen", heißt es in der Oxford/Graphika-Studie.

Ein Schwerpunkt habe bei diesen Online-Aktivitäten darauf gelegen, Afroamerikaner, Angehörige sexueller Minderheiten und linksliberale Wähler zu "demobilisieren", konstatieren die Experten. So hätten die russischen Trolle die Ansicht propagiert, dass es die beste Entscheidung im Interesse der afroamerikanischen Gemeinde sei, "die Wahl zu boykottieren".

Ein von der IRA geschaffenes Onlinekonto mit dem Namen "Blacktivist" verbreitete Botschaften über Trumps Rivalin Hillary Clinton, die ihr unterstellten, kein wirkliches Interesse an den Afroamerikanern zu haben. "Keine Leben zählen für Hillary Clinton. Nur Stimmen zählen für Hillary Clinton", lautete eine der Botschaften. Damit wurde auf "Black Lives Matter" (Das Leben von Schwarzen zählt) angespielt, den Namen der Bewegung gegen Polizeigewalt.

In anderen Botschaften suchte die IRA den Experten zufolge gezielt konservative weiße Wähler zur Teilnahme an der Wahl anzuspornen, indem sie für diese Wählergruppe wichtige Anliegen wie das Recht auf privaten Waffenbesitz und die Bekämpfung der illegalen Einwanderung in den Vordergrund stellte.

Der republikanische Ausschussvorsitzende Richard Burr erklärte, die Studien zeigten, wie "aggressiv" Russland versucht habe, die US-Bürger entlang ihrer Rasse, Religion und Weltanschauung zu spalten und das Vertrauen in die demokratischen Institutionen zu untergraben. Der Obmann der oppositionellen Demokraten in dem Geheimdienstausschuss, Mark Warner, bezeichnete die mutmaßlichen russischen Online-Kampagnen als "Angriff auf unsere Demokratie".

Aufgrund der Untersuchungen des Russland-Sonderermittlers Robert Mueller hatte die US-Justiz bereits im vergangenen Februar Anklage gegen die IRA wegen ihrer mutmaßlichen russischen Einmischungen in die US-Wahl erhoben. Mueller untersucht auch, ob es damals mögliche illegale Absprachen zwischen Moskau und Trump-Mitarbeitern gab. Trump bezeichnet die Ermittlungen als "Hexenjagd", der Kreml bestreitet seinerseits jegliche Interventionen in die US-Wahl. (Paul Handley, AFP)


Aus: "Russische Kampagnen sollte Afroamerikaner von Wahl abhalten" (18.12.2018)
Quelle: https://www.tagesspiegel.de/politik/studie-zur-beeinflussung-der-us-wahl-russische-kampagnen-sollte-afroamerikaner-von-wahl-abhalten/23772702.html

"Russische Trolle: Manipulations-Kampagne war noch umfangreicher und ist nicht zu Ende" Von Martin Holland (18.12.2018)
Russische Trolle versuchen in den USA weiter, die Debatte zu vergiften. Das geht aus Berichten für den US-Senat hervor. Darin rückt Instagram in den Fokus.
https://www.heise.de/newsticker/meldung/Russische-Trolle-Manipulations-Kampagne-war-noch-umfangreicher-und-ist-nicht-zu-Ende-4254028.html

Quote
     /stand/sysinstall, 18.12.2018 08:02

Ich will das ja nicht 'schön reden', aber

glaubt hier wirklich jemand dass das nur die Russen tun?

Foren zu verfolgen/lesen macht echt keinen Spaß mehr:
es findet nur noch selten eine Diskussion statt.
Die meisten Foren werden als erstes von den Trollen gestürmt, sobald ein kontroverses Thema aufgegriffen wird.
Nicht nur den russischen, die Trump- und Erdogan Trolle sind genauso unterwegs.....

Foren sind auch nicht mehr das, was sie früher mal waren :)

Von Diskussionsforen sind sie zu plakativen Litfasssäulen verkommen.

my 2 cents.

Gruß
sys


...
« Last Edit: December 18, 2018, 10:52:05 AM by Link »

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« Reply #25 on: December 18, 2018, 11:03:20 AM »
Quote
[....] Die von Telepolis bereits erwähnte britische Integrity Initiative, die u.a. vom britischen Außenministerium und der Nato finanziert wird, sich aber als nicht parteiisch und als nichtstaatliches Netzwerk gibt, kommt wieder in die Schlagzeilen. Gegründet wurde sie 2015 vom ebenfalls vom britischen Außenministerium gesponserten Institute for Statecraft (IfS), um die russischen Desinformationskampagnen zu bekämpfen. Dazu wurden nach geleakten Dokumenten europaweit "Cluster" aufgebaut, auch in Deutschland (https://www.heise.de/tp/features/Integrity-Initiative-Britische-Beeinflussungskampagne-gegen-Russland-4232365.html).

Das Budget der Integrity Initiative für den Zeitraum vom 1. April 2018 bis 31. März 2019 beträgt immerhin 2 Millionen Pfund, großteils vom britischen Außenministeríum. Ob man kurz nach dem Nervengiftanschlag auf die Skripals so ausgabefreudig war? 2017/2018 hatte man noch nur 582.000 Pfund vom britischen Außenministerium beantragt und erhalten. Leiter der Initiative ist Chris Donnelly, der auch Direktor vom IfS und Fellow der Defence Academy of the United Kingdom ist, lange an der Royal Military Academy arbeitete und als Sonderberater des Nato-Generalsekretärs (1989-2003) fungierte.

Sunday Mail, Labour nahestehend, hat darauf verwiesen, dass die Initiative des Institute of Statecraft, als "geheime, von der britischen Regierung finanzierte Infowar-Einheit in Schottland" bezeichnet und betrieben von ehemaligen Geheimdienstmitarbeitern, nicht nur anti-russische Propaganda betrieb, sondern auch die Labour Party und vor allem Jeremy Corbin angreifen wollte. So wurde Corbyn auf einem Tweet über einen Link auf eine Zeitung als "nützlicher Idiot" denunziert, der Moskau unterstützt. Offensiv wird von der Initiative der Twitter- Account zur Verbreitung der antirussischen Botschaften verwendet. Die vom Außenministerium finanzierte Organisation verbreitete auch Tweets mit den Worten: "Unlike Galloway Corbyn does not scream conspiracy, he implies it" oder "It's time for the Corbyn left to confront its Putin problem". Tweets richteten sich auch gegen andere Labour-Abgeordnete.

Der Labour-Abgeordnete Gary Williamson hat Ende November den für Europa und Amerika zuständigen Staatssekretär im Außenministerium gefragt, ob das Ministerium die Initiative mit Geld unterstützt hat. Der bestätigte die Summen, die bereits durch die Leaks bekannt wurden, was wiederum deren Authentizität bestätigt.

Die Initiative sei vom IfS gegründet worden, um die Demokratie gegen Desinformation zu verteidigen. Im November 2017 habe die Premierministerin angekündigt, zu dem Zweck über 5 Jahre hinweg 100 Millionen Pfund zu investieren. Das IfS bezeichnete er als eine "unabhängige schottische Stiftung", er machte auch klar, dass er sich damit davon in Distanz bringen will, weil sie ja schottisch ist. Dass mit dieser irgendetwas nicht ganz stimmen kann, scheint ihr heruntergekommener, leerer, teils zerstörter und abgelegener Hauptsitz Gateside Mills in Fife zu demonstrieren.

Nachdem die Tweets bekannt wurden, hakte die Labour-Abgeordnete Emily Thornberry, die als Schattenaußenministerin fungiert, bei Duncan am 11. Dezember noch einmal nach. Der sagte, die Initiative habe die 2 Millionen Pfund erhalten, um Desinformation im Ausland zu bekämpfen und ein Expertennetzwerk aufzubauen. Aktivitäten im Inland würden ebenso wenig finanziert wie die Aktivitäten mit dem - mittlerweile bereinigten - Twitter-Account. Allerdings hatte die Initiative am Tag zuvor noch geschrieben, Twitter sei eine "Hauptmethode, Wissen zu verbreiten", dazu gehöre auch das Retweeten und Liken von Tweets.

Thornberry entgegnete, es sei aber zweifellos klar, dass hier öffentliche Gelder, die nicht für politische Zwecke genutzt werden dürfen, dafür verwendet wurden. Überdies sei die Twitter-Aktivität vom Außenministerium als integraler Bestandteil der Verbreitung begrüßt worden.

Duncan vollzog daraufhin eine Wende und verteidigte das IfS und die Initiative dadurch, dass er behauptete, dass das IfS - nicht die Initiative - "vor einigen Wochen" gehackt worden wäre. Russische Staatsmedien hätten dann die Informationen verbreitet. Klar, man weiß ja nicht, wer hinter Anonymous steckt. Ob der Twitter-Account vom Hack betroffen war, wisse er nicht. Dann folgt aber eine Erklärung, die stutzig macht. Der Hack sei "ein weiteres Beispiel für russische Desinformation, um die Öffentlichkeit zu verwirren und eine Organisation zu diskreditieren, die unabhängig arbeitet, um die Bedrohung durch Desinformation anzugehen". Man wisse, dass es die Russen waren, so Duncan suggestiv, weil es nach denselben Methoden wie bei früheren Angriffen geschehen sein soll.

Zunächst dürfte es keine Desinformation sein, wenn Dokumente einer vom britischen Staat geförderten und damit keineswegs unabhängigen Organisation veröffentlicht werden. Die kann überdies dadurch nur dann diskreditiert werden, wenn geheim gehaltene Informationen an die Öffentlichkeit gelangen. Mit der Geheimhaltung würde dann aber die Öffentlichkeit von dieser Organisation getäuscht, die sich als unabhängig und nichtstaatlich ausgab und erst seit der Verbreitung der Tweets noch hinzufügte, dass sie auch überparteilich sei. Im Übrigen, so der Staatssekretär, gebe es keine Hinweise, dass die Initiative das Parlament, die Regierung oder Parteien beeinflussen wollte. Man habe sowieso letztlich nur Artikel retweeted, die etwas mit Russland zu tun haben.

Labour-Abgeordnete fordern eine Untersuchung. Für Williamson ist klar, dass trotz aller Ausflüchte des Staatssekretärs, der keine Untersuchung will, "die Organisation mit nationalen politischen Angriffen beschäftigt war und sich auch in die Angelegenheiten unseres europäischen Partners eingemischt hat". Nach den Leaks feierte man sich, die Ernennung eines spanischen Offiziers als neuen Nationalen Sicherheitsdirektor durch "significant noise on Twitter" verhindert zu haben. Die Daily Mail verfolgt das Thema weiter, das in Großbritannien fast nur wegen der innenpolitischen Dimension diskutiert wird. Für das Ausland wird damit deutlicher, mit welchen Mitteln die britische Regierung ihre Propaganda verdeckt betreibt. (Florian Rötzer)


Aus: "Infowar oder Absurdistan: Britisches Außenministerium im Strudel der Desinformation" Florian Rötzer (18. Dezember 2018)
Quelle: https://www.heise.de/tp/features/Infowar-oder-Absurdistan-Britisches-Aussenministerium-im-Strudel-der-Desinformation-4253994.html

Quote
     plausibel, 18.12.2018 09:35

Expertennetzwerk

Ob das von der ii aufgebaute "Expertennetzwerk" irgendetwas mit den gefühlt 150 antirussischen Beiträgen pro Tag in den deutschen MSM (Süddeutsche, Zeit, Tagesschau, Tagesspiegel etc.) zu tun hat? Plausibel wäre es in meinen Augen. ...


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« Reply #26 on: December 25, 2018, 10:25:02 PM »
Quote
[...] Was sich die Abgeordneten des EU-Parlaments wünschen, um des leidigen Themas der Desinformation Herr zu werden, haben sie schon im Spätsommer in einer Resolution kundgetan: Wer politische Kampagnen im Netz fährt, soll sie offenlegen, auch wer dafür bezahlt hat und wer dahintersteckt. Noch stark unter dem Eindruck des Skandals um Facebook und Cambridge Analytica setzte sich der zuständige Ausschuss mehrheitlich für eine weitgehende Transparenz ein.

Weil Transparenz im Zweifel aber nur reicht, um im Nachhinein festzustellen, wer hinter einer Desinformationskampagne steht, soll es zusätzlich aktive Maßnahmen geben. Der im Dezember dazu erschienene Aktionsplan der EU-Kommission fordert die Mitgliedsländer vor dem Hintergrund von über fünfzig bis 2020 in Europa anstehenden Wahlen zum aktiven Handeln und Eingreifen auf.

Dazu gehört nach derzeitigem Stand der Dinge auch noch Großbritannien. Dort schwelt allerdings ein hausgemachter Desinformationsskandal, der sich genau um dieses „aktive Handeln“ dreht, das die EU-Kommission einfordert. Unter dem Deckmantel des propagandistischen Abwehrkampfes gegen Russland hat eine von der Regierung finanzierte Social-Media-Einheit eine Kampagne betrieben – auch gegen die Labour-Opposition im britischen Parlament. Es geht also nicht um Russen oder Chinesen, sondern um die eigenen Leute, die hintenrum inländische politische Gegner diskreditierten.

Ganz offiziell war die Aufgabe der bezahlten Social-Media-Klicker, an britische Bürger Nachrichten mit Bezug zu Russland weiterzuleiten. Diesen Auftrag interpretierten sie offenbar auch dahingehend, dass sie versuchten, den Oppositionsführer der Labour Party, Jereym Corbyn, in ein schlechtes Licht zu rücken. Er wurde online als Marionette von Wladimir Putin hingestellt.

Die durchführende schottische Organisation ist als gemeinnützig registriert, gegründet und geleitet von ehemaligen Militärs und Geheimdienstlern. Sie hat sich einen akademisch klingenden Namen gegeben: „The Institute for Statecraft“. Nachdem das Vorgehen aufgeflogen ist, prüft nun die zuständige Behörde in Schottland, ob deren Aktivitäten wirklich dem Gemeinwohl dienen.

Der verantwortliche Minister Alan Duncan musste sich im britischen Parlament einem Verhör stellen, in dem vor allem oppositionelle Abgeordnete ordentlich Dampf abließen. Welche Argumente gegen russische Desinformationskampagnen man eigentlich noch hätte, wenn man es selbst nicht besser mache, wurde er gefragt, und wenn man nicht einmal offenlegen würde, mit welchen Mitteln die eigene Regierung die öffentliche Meinung zu manipulieren versucht.

Duncan erklärte, man habe nicht etwa Oppositionsführer Corbyn diskreditieren wollen, sondern einfach nur Nachrichten mit Russland-Bezug weitergeleitet. Das sei vollkommen unparteiisch gemeint gewesen. Zur Frage, warum nicht nur sein Ministerium, sondern auch die Nato und das Außenministerium der Vereinigten Staaten zu den Geldgebern der professionellen Meinungsmanipulierer gehörten, blieb Duncan allerdings wortkarg.

Der Skandal um das Institute for Statecraft zeigt, auf welch dünnem Eis die Versuche stehen, den ausländischen Desinformationskampagnen mit gleicher Waffe zu begegnen. In vielen westlichen Staaten wurden in den letzten Jahren Entitäten gebildet, die mit Gegenpropaganda den Einfluss von russischen Medienunternehmen wie RT, Sputnik oder RedFish Media auf die öffentliche Meinung eindämmen und kontern sollen. Je nach örtlichen Gegebenheiten sind das staatsfinanzierte Medien, nichtstaatliche Organisationen mit Regierungsfinanzierung oder auch direkt Geheimdienstabteilungen und Militäreinheiten.

Die Idee, den Methoden der Zersetzung des öffentlichen Diskurses und der Abschaffung einer gemeinsamen Wahrheit durch „mehr davon, nur mit anderen Vorzeichen“ zu begegnen, ist jedoch grundlegend falsch – egal ob aus Naivität oder Vorsatz. Natürlich können offene Gesellschaften nicht tatenlos zusehen, wie ihre Meinungs-, Presse- und Informationsfreiheit dazu genutzt wird, sie in immer kleinere Fragmente zu spalten. Die Antworten können jedoch nicht darin bestehen, einfach den jeweiligen politischen Gegner mit den gleichen Mitteln aus dem Arsenal der Desinformationsoperationen anzugreifen.

Denn bei der versprochenen Gegenpropaganda hören die Aktivitäten nicht auf. Der britische Skandal weitet sich bereits auf Spanien auf, wo die von britischen Staatsgeldern reichlich finanzierte Klitsche ebenfalls eine Social-Media-Kampagne vom Zaun brach. Diesmal ging es um einen Mann, den der neue spanische Regierungschef zum nationalen Geheimdienstaufseher benennen wollte. Dokumente, die aus dem Institute for Statecraft nach außen gedrungen sind, erwähnen ein ganzes Netzwerk spanischer Journalisten – für die Kampagne von den Briten gesteuert.

Diese Weiterungen sind angesichts der langen Geschichte der Versuche von Meinungsmanipulation durch Regierungen zwar nicht verwunderlich. Wenn die Mittel einmal vorhanden sind, werden sie auch eingesetzt – für die Ziele, die gerade opportun erscheinen. Ohne den Zwang, diese Einflussoperationen, ihre Akteure und ihre Finanzierung offenzulegen, sind sie aber nicht in demokratisch angemessener Weise kontrollierbar. Genau das hat das EU-Parlament nach dem Cambridge-Analytica-Skandal gefordert – und zwar nicht nur bei Propaganda gegen die Russen, sondern für jede Manipulationsoperation. Und da fangen vielleicht erfahrene Geheimdienstler an zu schwitzen.

Wer denn eigentlich die Brexit-Propagandakampagnen bezahlt hat, wie genau die schattigen Allianzen zwischen nationalistischen Europa-Feinden und russischen Destabilisierungsinteressen aussehen und welche Rolle dabei bestimmte Verlagsgruppen mit ihren Boulevardmedien und Social-Media-Operationen spielen, das sind die wirklich interessanten Fragen. So zu tun, als wären die Zerrüttung des öffentlichen Diskurses und die zunehmende Spaltung der Gesellschaft eine Art Naturgewalt und als ginge es nur um Social-Media-Bots oder Fake News und nicht um Machtinteressen, geht am Kern des Problems vorbei.


Aus: "Der hausgemachte Desinformationsskandal" Constanze Kurz (25.12.2018)
Quelle: https://www.faz.net/aktuell/feuilleton/aus-dem-maschinenraum/debatte-um-gezielte-desinformation-der-britischen-regierung-15957088.html