Author Topic: [Politische Mythologie (Notizen) ... ]  (Read 270 times)

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[Politische Mythologie (Notizen) ... ]
« on: September 30, 2020, 04:22:58 PM »
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[...] Der Mensch, so Ernst Jünger, sei nun einmal ein Bildertier. Er hungert nicht, wie die Linke glaubt, nach Gerechtigkeit. Er hungert nach mythischem Stoff.


Aus: "Donald Trump: Der Geist des Kapitalismus" Thomas Assheuer (10. November 2020)
Quelle: https://www.zeit.de/kultur/2020-11/donald-trump-kapitalismus-max-weber-georg-simmel/komplettansicht

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[...] Ein politischer Mythos ist eine intellektuelle und emotionale Erzählung über eine historische Person, einen politischen Sachverhalt oder ein politisches Ereignis mit einem kollektiven, sinn- und identitätsstiftenden Wirkungspotential. Sein integratives Potential entfaltet dieser Mythos dabei über soziale und kulturelle Gräben hinweg, wobei er eine selbstverständlich-fraglose Geltung erlangt. Seine Wirkung ist komplexitätsreduzierend; unüberschaubare Zusammenhänge werden mit Hilfe einfacher Wahrnehmungsschemata in geordnete Strukturen gebracht. Charakteristisch für einen politischen Mythos ist, dass das kommunizierte politisch-soziale Geschehen nicht gemäß den empirisch überprüfbaren Tatsachen interpretiert wird, sondern auf eine erzählerisch selektive und stereotypisierte Weise. ... Im Gegensatz zum religiösen Mythos fehlt dem politischen Mythos der Bezug zu einer transzendenten, jenseitigen Welt.

... Der Berliner Politikwissenschaftler Herfried Münkler unterscheidet drei Erscheinungsformen politischer Mythen, die stets eng aufeinander bezogen seien: Erzählung, Bild und Inszenierung. Die Erzählung mache den eigentlich Wesensgehalt des Mythos aus; er müsse immer wieder neu und auch immer wieder anders erzählt werden. Diese narrative Variation sei die eigentliche „Arbeit am Mythos“ im Sinne Hans Blumenbergs, ohne die der Mythos zum Dogma erstarre. Im Gegenzug dazu stelle seine Verbildlichung in der Historienmalerei oder im Denkmal eine Verfestigung dar: Im einmal geschaffenen Bild lege sich der Künstler auf eine für verbindlich erklärte Variante der mythischen Erzählung fest. Die dritte Erscheinungsform sei die rituelle Inszenierung, etwa in Form von jährlich begangenen Gedenk- und Feiertagen mit ihren Festreden, Umzügen und Paraden.

... Unter dem Eindruck seiner politischen Erfahrungen in den 1940er Jahren legte sich Ernst Cassirer auf eine Neubestimmung des Staates unter dem Aspekt des politischen Mythos fest. Nunmehr differenzierte er zwischen einem Mythos im Sinne einer unbewussten Symboltätigkeit und einem Mythos, der auf dem Hintergrund eines politischen Interesses bewusst erzeugt wird. In seinem 1949 posthum herausgegebenen Werk Vom Mythos des Staates beschrieb er eine besondere Gefahr, die von modernen politischen Mythen ausgehen würde, im direkten Vergleich mit menschlichen Affekten, Zwang und Unterdrückung; eben so, wie sich diese Phänomene in der Geschichte der Politik und Geschichte der Religion gezeigt hätten:

    „Sie unternahmen es, die Menschen zu wandeln, um imstande zu sein, ihre Taten zu regulieren und zu beherrschen. Die politischen Mythen handelten auf dieselbe Weise wie eine Schlange, die versucht, ihre Opfer zu lähmen, bevor sie angreift. Die Menschen ... wurden besiegt und unterworfen, bevor sie sich klar gemacht hatten, was eigentlich geschah.“


... Gegen eine Perspektive, die den politischen Mythos ausschließlich im Licht der Unwahrheit, Geschichtsklitterung, Täuschung und des Betruges auffasst und daraus eine Politik der Aufklärung ableitet, wendete 2004 der Politikwissenschaftler Herfried Münkler in einem Aufsatz zum Thema „Der Antifaschismus als Gründungsmythos der DDR“ ein, dass in diesem Diskurs häufiger mit polemischen als mit analytischen Begriffspaaren gedacht werde. Bei seiner Untersuchung nahm er sich vor, in Anlehnung an den Philosophen Hans Blumenberg politische Mythen danach zu befragen, „inwieweit sie durch sinnhaft strukturierte Erzählungen Sinn verbürgen, dadurch Vertrauen in die eigene Handlungsmächtigkeit stiften und somit politisches Handeln im Sinne eines Zusammenhandelns von Menschen überhaupt erst ermöglichen.“ Dabei erwog er zugleich, dass dem Nutzen von politischen Mythen fast immer auch Kosten gegenüber stünden – „und die Kosten der politischen Mythen sind zumeist hoch“. Da Münkler allerdings den politischen Mythos, den er begrifflich als eine „riskante Erzählung“ fixierte, als Bedingung für politisches Handeln auffasste und den von ihm diagnostizierten positiven Aspekten des Mythos etwas abgewinnen wollte, folgerte er: „Erst eine Welt ohne Politik würde eine Welt ohne politische Mythen sein. Aber das heißt bei weitem nicht, daß Mythos gleich Mythos ist.“ Erforschung des politischen Mythos könne deshalb auch bedeuten, dass sie als „Suche nach Erklärungen für das Gelingen und Scheitern politischer Gemeinschaften [...] im Bereich des ihnen jeweils zugrundeliegenden Orientierungswissens“ begriffen wird. ...



Quelle: https://de.wikipedia.org/w/index.php?title=Politischer_Mythos&oldid=197966008 (21. März 2020)
// https://de.wikipedia.org/wiki/Politischer_Mythos

« Last Edit: November 11, 2020, 10:14:59 AM by Link »

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[Politische Mythologie (Notizen) ... ]
« Reply #1 on: September 30, 2020, 04:55:54 PM »
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[...] [Nils Markwardt - Redakteur des "Philosophie Magazins", freier Autor von ZEIT ONLINE - geboren 1986 in Grevesmühlen, studierte Literatur- und Sozialwissenschaft an der Berliner Humboldt-Universität. Er ist Redakteur des "Philosophie Magazins" und schreibt unter anderem für ZEIT ONLINE und die "taz".]

Es gab in den vergangenen Jahren kaum einen Begriff, der politisch so steil Karriere machte wie "postfaktisch". Das lag daran, dass er eine prägnante Erklärung für den globalen Aufstieg des Rechtspopulismus zu liefern schien. Und einerseits stimmt es ja auch: Der Erfolg von etwa Donald Trump und der AfD hat auch mit deren flexiblen Verhältnis zur Wahrheit zu tun. Andererseits verstellt die Fokussierung auf das Postfaktische den Blick auf einen anderen, möglicherweise zentralen Aspekt des Rechtspopulismus. Im Kern ist dieser nämlich weniger postfaktisch als präfaktisch.

Das reaktionäre Denken greift die pluralistische Demokratie vor allem an einem Punkt an. Und zwar an der Tatsache, dass diese nur über eine relativ abstrakte "Wir"-Erzählung verfügt. Garantiert die pluralistische Demokratie die freie Entfaltung des Einzelnen, unabhängig von Herkunft, Glauben oder sexueller Orientierung, überlässt sie Identitätsfragen weitgehend dem Individuum. Anders gesagt: Die Grundlage des demokratischen "Wir" ist allein die Verfassung, nicht das Teilen einer Abstammung, einer Religion oder weltanschaulichen Haltung.

Was auf der einen Seite die fundamentale Voraussetzung für Freiheit und Gleichheit ist, zeigt sich in Krisenzeiten zuweilen als systemischer Wettbewerbsnachteil. Im Moment, in dem Identitäten vermehrt brüchig werden, sei es durch wirtschaftliche Krisen oder technologischen Wandel, verfügt die pluralistische Demokratie nicht über die ideologische Füllmasse einer "höheren Idee", um diese Brüche zu kitten.

Genau an dem Punkt setzt das reaktionäre Denken an. Schon seit der Gegenaufklärung des 18. Jahrhunderts zeichnet es sich durch eine radikale Kritik am kalten, zersetzenden Rationalismus der Moderne aus. Von Edmund Burke über Joseph de Maistre bis Carl Schmitt besteht die Grundidee, grob gesagt, darin, dass der Mensch, dieses sündhafte Mängelwesen, vom dekadenten anything goes bedroht wird. Dort, wo sich Universalismus und Humanismus ungehindert Bahn brechen, wo Autorität, Tradition und Hierarchie schwinden, verfalle der Mensch der Hybris und gleiten Gesellschaften ins Chaos. Deshalb brauche das Subjekt eine höhere, schicksalhafte Idee, der es sich buchstäblich unterwerfen kann.

Ein aktuelles Beispiel dieses Denkens konnte man jüngst in der ZEIT lesen. In einem Essay beklagte sich der Dramatiker Botho Strauß über den "Kitsch der Menschenrechte" und die "billige Rationalität" der Gegenwart, denen man den Glauben an das "Unerreichliche" entgegensetzen müsse. Dementsprechend gipfelt der Essay in der raunenden Forderung: "Was der Romantiker gegen die beginnende Industrieepoche war, muss der poetische Myste gegen die amusische Intellektualität der Wissensgesellschaft sein."

Bei Strauß wird deutlich, dass reaktionäres Denken zuvorderst eine Art reflexiver Irrationalismus ist. Das heißt: Ein Irrationalismus, der sich nicht einfach aus Unwissen oder Verblendung speist, sondern aus dem Bedürfnis nach der Erklärung durch das Unerklärliche. Es ist der Glaube an etwas Höheres, das rational eben nicht zu fassen sei. Oder anders gesagt: Es ist politische Mythologie. Während dieses Höhere bei Strauß jedoch noch im Ungefähren bleibt, wird es im rechtspopulistischen Diskurs sehr konkret.

Das zeigt sich etwa bei Götz Kubitschek, dem hierzulande vielleicht einflussreichsten Denker der neuen Rechten. Der Historiker Volker Weiß schildert in seinem jüngst veröffentlichten Buch Die autoritäre Revolte, dass Kubitschek ganz offen zugibt, dass ihn Nebensächlichkeiten wie Wirtschafts- oder Sozialpolitik überhaupt nicht interessieren. Kubitschek sagte: "Das ist mir völlig egal, wenn ich über den Zustand der deutschen Seele nachdenke oder den Zustand der Tiefenstruktur unserer Psyche unseres kulturellen Dasein. […] Das ist die eigentliche Substanz des Volkes."

Hier verdeutlicht sich der erste Aspekt reaktionärer Mythologie: Der Glaube an Völkerpsychologie und nationale "Substanzen". Dementsprechend wird im neurechten Denken bisweilen auch Nazijargon reanimiert und von "Trägervölkern" oder, so etwa Alexander Gauland, "Volkskörper" gesprochen. Der Begriff des Volkes wird nicht im demokratischen Sinne des Staatsvolkes verwendet, sondern als Träger eines ethnischen Gemeinwillens mystifiziert.

Der zweite Aspekt zeigt sich in einer Art national-mythischem Geschichtsverständnis. Das ist Björn Höckes Spezialdisziplin. Im Jahr 2015 grüßte er in einer Rede vor dem Magdeburger Dom nicht nur demonstrativ den 973 verstorbenen Kaiser Otto I., sondern beschwor daraufhin auch eine "tausendjährige Zukunft" Deutschlands. Im Jahr 2016 trafen sich Höcke und Jörg Meuthen, Bundessprecher der AfD, wiederum mit rund 200 AfD-Mitgliedern höchst symbolisch am Kyffhäuser-Denkmal. Geradezu komisch wird die Re-Mythisierung der Gegenwart in einem 2015 veröffentlichten Gesprächsband zwischen Walter Spatz und Martin Sellner, beide führende Köpfe der "Identitären Bewegung". Dort heißt es: "Wir wollen die Herzen in Brand setzen […]. Die geistige Unruhe, der schlafende Furor teutonicus, das ewig unzivilisierbare, urdeutsche Fieber, das uns aus germanischen Urwäldern wie aus gotischen Kathedralen entgegenstrahlt, versammelt sich in uns."

Bei Stephen Bannon, dem einflussreichen Berater Donald Trumps, findet sich strukturell ähnliches, gleichwohl mit anderem Akzent. Der Ex-Chef von "Breitbart News" pflegt ein gleichermaßen zyklisches wie apokalyptisches Geschichtsverständnis. Wie er selbst mehrfach betonte, folge er darin dem 1997 von Neil Howe und William Strauss veröffentlichen Buch The Fourth Turning, das behauptet, die US-Geschichte verlaufe in 80 Jahre währenden Zyklen, deren Enden stets im Krieg münden. Nach der amerikanischen Revolution (1763), dem Bürgerkrieg (1861) und dem Zweiten Weltkrieg (1939-1945) stehe nun bald wieder ein historischer Showdown an, auf den es die Amerikaner einzuschwören gelte. Allein gegen wen es da genau gehen soll, weiß Bannon offensichtlich selbst noch nicht. So sieht er die USA zwar einerseits schon in einem "Krieg gegen den radikalen Islam", bemerkte im letzten Jahr aber auch: "In den nächsten fünf bis zehn Jahren ziehen wir in den Krieg im Südchinesischen Meer."

 Schließlich zeigt sich das reaktionäre Mythologisieren in einer bisweilen obskuren wie historisch verdrehten Bezugnahme zum "Abendland". Schon deshalb, so bemerkt Historiker Volker Weiß in seinem Buch, weil der Begriff ursprünglich weniger einen Widerspruch zwischen Okzident und Orient noch zwischen Christentum und Islam formulierte – er entstand vielmehr im Zuge der römisch-byzantinischen Spaltung der katholischen Kirche. Die sogenannte identitäre Bewegung bedient sich symbolisch bisweilen aber auch direkt in der Antike. Ihr an den griechischen Buchstaben Lambda angelehntes Symbol soll an die Schilder jener spartanischen Hopliten erinnern, die in der Schlacht bei den Thermophylen gegen das persische Heer Xerxes I. kämpfte.   

Vor diesem Hintergrund wird deutlich, dass die anhaltenden Diskussionen über Postfaktizität am Selbstverständnis des reaktionären Denkens zumindest teilweise vorbeigehen. Denn im Kern zeichnet dieses sich weniger durch das Postfaktische als das Präfaktische aus: Der aus Völkerpsychologie, Geschichtsmythologie und Abendlandkitsch zusammengeschraubte Glaube an die identitäre Wesenhaftigkeit von Völkern und Nationen. Es ist die Sehnsucht nach einer völkischen, verzauberten Welt, in der sich Interessen aus der Abstammung ableiten.

In der Hardcore-Variante mag sich dieses Denken auf die identitäre Bewegung und Teile der AfD-Anhängerschaft beschränken. Setzen die Neurechten um Kubitschek stark auf das, was sie Metapolitik nennen, also den Kampf um kulturelle Hegemonie, so geht es bei dieser Mythologisierung des Politischen auch darum, Stück für Stück gesellschaftliche Debatten zu verändern. Diskursive Anschlussmöglichkeiten gibt es schließlich viele, allen voran die publizistisch zuletzt wieder häufig diskutierte Frage nach der Bedeutung von Heimat. Und das betrifft nicht nur das bürgerlich-konservative, sondern auch das linke Lager, wie kürzlich eine Spiegel-Online-Kolumne von Jakob Augstein zeigte.

In dem Unsere Heimat betitelten Text fordert Augstein das Recht auf Identität gegen die Migration zu verteidigen. Da, so Augstein, jeder wisse, dass Zuwanderer erst einmal Probleme machen und schließlich "Konkurrenten im Lebensstil" seien, sollte es hierzulande keine Schulklassen mit mehr als 25 Prozent Nicht-Muttersprachlern geben. Was als sogenannter Klartext daherkommt, ist allerdings die selbstbewusste Ausstellung eines Denkfehlers. Denn ganz abgesehen davon, dass unklar bleibt, ob Augsteins Obergrenze dann bedeutete, dass einem ausländischen Kind hierzulande im Zweifelsfall die Schulbildung versagt werden sollte, unterstellt er ein Zusammenfallen von Heimat und nationaler Identität.

Wie wenig das sowohl praktisch als auch theoretisch miteinander zu tun hat, zeigt eine eingängige Passage aus Robert Menasses 2012 erschienenem Essay Der europäische Landbote. Der österreichische Schriftsteller erzählt, wie er nach einer Diskussionsveranstaltung mit einer deutschen Journalistin ins Gespräch kommt, worin diese bekennt, wie wichtig es für sie sei, eine nationale Identität zu haben. Menasse bittet sie daraufhin, ein konkretes Beispiel für etwas zu nennen, das Teil ihres Wesens ist und sie gleichzeitig mit allen anderen Deutschen verbindet.

Menasse fährt fort: "Aber sagen Sie bitte nicht, die schöne Landschaft, das finde ich schon in Österreich lächerlich, außerdem ist Landschaft nie national, national an Landschaft ist höchstens je eine besondere Art ihrer Ästhetisierung und ideologischen Aufladung, und sagen Sie bitte nicht, die Sprache, es gibt Deutschsprachige in anderen Nationen, und sagen Sie bitte nicht, der Rechtszustand, das Deutsche Grundgesetz, oder können Sie sich keinen europäischen Verfassungspatriotismus vorstellen? Und sagen Sie bitte nicht, die deutsche Kultur, Sie als Rheinländerin sind doch nicht im geringsten von bayrischer oder hanseatischer Kultur geprägt worden, Sie sind geprägt worden von regionaler Lebenskultur und dann von Ihrem Interesse an der kulturellen Vielfalt der Welt."

Natürlich kann, muss man über Heimat nachdenken, aber wie Menasse pointiert zeigt, hat diese mit nationaler Identität wenig zu tun. Heimat ergibt sich vielmehr aus einer Mischung regionaler und transnationaler Faktoren. Dementsprechend lässt sie sich auch weniger als Ort denn als soziale – genauer: kommunikative – Situation beschreiben. Als ein Gefühl der Vorverständigung, eines Sich-Nicht-Erklären-Müssens. Deshalb, da hat Augstein wiederum recht, ist das Erlernen von Sprache ungemein wichtig. Dies jedoch mit einem geraunten Recht auf Identität und dem Aufruf zur Verteidigung "unserer Heimat" zu verknüpfen, ohne sich dafür zu interessieren, was letzteres denn eigentlich genau sein soll, ist die Vorstufe jenes Identitätskitsches, den die politische Mythologie des reaktionären Denkens produziert.

Dass es notwendig ist, über Heimat ohne Identitätskitsch nachzudenken, zeigt im Übrigen auch der Schluss der Passage aus Menasses Essay. Nachdem dieser die Reporterin nun also gefragt hatte, was ihr denn konkret eine beglückende nationale Identität verleihe, antwortet diese entnervt: "Da gibt es vieles. Kleinigkeiten vielleicht, aber sie sind wichtig. Deutsches Brot zum Beispiel." Daraufhin beendet Menasse den Absatz wie folgt: "In diesem Moment stellte der Kellner Brotkörbchen auf den Tisch. Sie warf einen Blick darauf und – ich dachte: Dieses deutsche Brot nennt man Baguette!"


Aus: "Politische Mythologie: Im Geisterreich des Völkischen" Nils Markwardt (15. April 2017)
Quelle: https://www.zeit.de/kultur/2017-04/politische-mythologie-rechtspopulismus-identitaere-bewegung-heimat-volk-fakten/komplettansicht

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Dogwalker #26  —  15. April 2017, 14:29 Uhr

Es gibt keinen Grund für die mythologische Überhöhung des "Nationalen " - ins besondere weil sie zwangsläufig mit der Herabwürdigung anderer Nationen verbunden ist.
Eine Fluchtreaktion schwacher Persönlichkeiten.


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vincentvision #3  —  15. April 2017, 13:53 Uhr

Eine furchtbare Erkenntnis des Jahres ist, dass selbst gebildete Menschen gegen offizielle Fakten immun zu sein scheinen.
Dabei haben wir so leichten Zugang zu Fakten wie noch nie zuvor. Wir können uns online in Statistiken, Daten und sonstige Fakten einwählen und nach Herzenlust daraus lernen.
Aber selbst promovierte, gebildete Nationalsozialisten waren nicht immun gegen Massensuggestion, Rassenwahn und der Billigung des von ihnen verursachten Genozids...
Für uns muss das bedeuten, dass wir massiver die Errungenschaften der Aufklärung einfordern, in den Schulen lehren und sie positiv zu verkaufen lernen.
Denn Vernunft kommt nicht von alleine. Sie muss in jeder Generation neu erarbeitet werden.
Und niemand der noch bei rationalem Verstand ist, kann bezweifeln, dass sich die Menschheit fairer und weniger brutal entwickelt hat, wenn Entscheidungen oder Meinungen mit einem Mindestmaß an faktischer Vernunft getroffen wurden.
Dann wären wir nämlich schnell wieder mental im Mittelalter, wo Hexen verbrannt wurden, Scharlatanen alles geglaubt wurde und Hunderttausende durch Aberglauben ums Leben kamen.
Und in Zeiten, wo diese Verzerrungen der Wirklichkeit wieder salonfähig geworden sind, gilt es für denkende Menschen gegenzusteuern und die Postfaktiker vorerst dorthin zu schieben, wo sie sich selbst durch ihr Verhalten hinschoben:
In die Ecke derer, die ssich selber ins intellektuelle Aus geschossen haben und deren Bauchgefühl keinesfalls schweigend gebilligt werden darf.


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Betta-Splendens #30  —  15. April 2017, 14:37 Uhr

Der Autor ignoriert die (vorgetäuschte?) Religiosität sehr vieler führender westlicher Politiker. Egal ob George W. Bush, Barack Obama, Winfried Kretschmann, Katrin Göring-Eckardt, Joachim Gauck, Angela Merkel und unzählige andere Politiker die nicht als Rechtspopulisten gelten - sie alle geben sich sehr christlich. Und reden sehr gern von christlichen Werten und vom Beten.

Da ist nichts mit Aufklärung. Natürlich streben sie alle mit kalter Rationalität nach Macht und Geld aber zugleich beschwören sie die Lügengeschichten von höheren göttlichen Idealen.

"""Deshalb brauche das Subjekt eine höhere, schicksalhafte Idee, der es sich buchstäblich unterwerfen kann."""

Dieser Vorwurf des Autors an die "bösen Rechten" sie würden der Furcht vor dem sittlichen Verfall eine Mythologie entgegensetzen trifft 1zu1 auf alle sich christlich gebenden Politiker zu. Und das sind fast alle außer den Kommunisten - die ein anderes höheres Ideal vor Augen haben. ...


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tulliusnixalsverdruss #33  —  15. April 2017, 14:42 Uhr

Die weitverbreitete Ablehnung einer "deutschen Kultur" oder "Nation" in weiten Kreisen der linksliberalen Mehrheitsgesellschaft speist sich meiner Meinung vor allem aus der Scham und dem Selbsthaß der Deutschen seit dem Ende der 12 Jahre des " tausendjährigen Reiches". Selbstauslöschung oder Unkenntlichmachen des ursprünglichen Staatsvolkes durch " Bunt statt braun" etc -scheint erstrebenswerter zu sein als eine neue Auseinandersetzung mit dem eigenen Schatten. Die eigene dunkle Geschichte wird in den noch dunkleren Keller verbannt. Identität oder Identifikation über die eigene Geschichte wird zum Tabu. Das erledigen dann die neuen Rechten die im Umgang mit der Geschichte auf aktive Verdrängung durch Glorifizierung setzen. Bei den Linken funktioniert die Verdrängung durch Abspaltung und Projezierung der eigenen Schuld auf die bösen neurechten Prügelknaben AfD, Pegida und Co, durch deren Verdebtheit man sich moralisch reinwaschen und schuldfrei fühlen darf. Das ganze ist ein oberflächliches Trauerspiel- so oder so. Und die daraus resultierende Oberflächlichkeit der Debatte lässt daran zweifeln ob das " Volk der Dichter und Denker" jemals existierte.


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Globuli gegen Pest #35  —  15. April 2017, 14:46 Uhr

Die Kritik trifft. Trotzdem ist der linke Materialismus nicht weniger lächerlich. Homo oeconomicus und mündiger Bürger sind auch mythologische Konstrukte, die mit der Lebenswirklichkeit wenig zu tun haben. Kultur macht einen Unterschied. Deshalb bricht Demokratie an einem Mangel an Homogenität zusammen. Am deutlichsten wird das in Nordirland. Da geht es nicht um Klassengegensätze, nicht mal um Sprache, es geht um religiös geprägte Mentalität. Im Unterschied zu Deutschland, wo das von extremistischen Schreihälsen von links und rechts unisono behauptet wird, ist Wählen in Nordirland tatsächlich sinnlos, denn wer auch immer eine Mehrheit bekommt, muss mit der Minderheit im Hinterzimmer irgendeinen Kuhhandel finden, weil die Minderheit sonst Bomben legt. Die Situation ist in Belgien zwischen Flamen und Wallonen ähnlich, nur legt da niemand Bomben, weil sich alle irgendwie mit der konstitutionellen Lähmung abgefunden haben. In Afrika führt diese Art Tribalismus regelmäßig zu Gewalt und ist mit der Machete, wie wir gesehen haben, nicht weniger blutig als mit der Kalaschnikow.
Die multikulturelle Gesellschaft bedeutet Zerfall und wir sind bedroht. Bis jetzt beschränkt sich das auf einelne Terrorakte, die wir als Gesellschaft wegstecken - brennende Flüchtlingsheime, NSU gegen Breitscheid-Platz und die gescheiterten Vorläufer. Wir brauchen mehr gesellschaftliche Homogenität, nicht rechte Rassereinheit, sondern soviel Wir-Gefühl, dass nur Individuen, nicht aber Gruppen herausfallen.


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Globuli gegen Pest #35.1  —  15. April 2017, 14:55 Uhr

Wie sollen wir dieses Wir-Gefühl herstellen? Das weiß niemand so recht. Der papierne "Verfassungspatriotismus" eines Habermaß wärmt nicht mal Volljuristen das Gemüt. Wann immer die Linke ein Wir-Gefühl erzeugt hat, entstand es auch aus der extremen Homogenität eines Milieus, ob nun unter streikenden Bergarbeitern, oder in der sektiererischen Enge der vom eigenen revolutionären Avantgardismus besoffenen RAF.
Ansonsten ist da die große Leere, in die selbst ein putziger Wagner-Epigone wie Botho Strauß stoßen kann.


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Staatsei Nr.1 #36  —  15. April 2017, 14:47 Uhr

"eigenwilliger Umgang mit Fakten"

Diesen eigenwilligen Umgang mit Fakten pflegen aber genau so gut die Popolist in Parlament und Regierung. Also ist das kein Alleinsteilungsmerkmal des außerparlamentarischen Popolismus.


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Zeit-zeichen #37  —  15. April 2017, 14:48 Uhr

"Selig die Armen im Geiste!" So steht es schon in der Bergpredigt. Der Glaube setzt einfach unterentwickelte Netzwerke im Hirn voraus. Daher ist ja auch der Kinderglaube der reinste. Die Machtelite nutzt systematisch das Dumm-(Naiv-)Halten des dann umso gläubigeren Stimmviehs. Die Kirchen machen vor, wie man schon in frühester Kindheit die Autoritätsgläubigkeits prägt, die dann elegant im Hirten- resp. Führerkult mündet! Seit Jahrtausenden erprobte und bewährte Konzepte der Eliten!


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berlin-rustikal #41  —  15. April 2017, 14:57 Uhr

"Das reaktionäre Denken greift die pluralistische Demokratie vor allem an einem Punkt an. Und zwar an der Tatsache, dass diese nur über eine relativ abstrakte "Wir"-Erzählung verfügt. Garantiert die pluralistische Demokratie die freie Entfaltung des Einzelnen, unabhängig von Herkunft, Glauben oder sexueller Orientierung, überlässt sie Identitätsfragen weitgehend dem Individuum."

Und was wird hier anders gemacht als politische Mythologie, nur in einer anderen Form?

Dies fängt schon mit dem Begriff der pluralistischen Demokratie an, die gar nicht näher definiertn, nur über eine schöne Geschichte über die "freie entfaltung des Einzelnen" umschrieben wird, von vornherein schon als letzte Wahrheit der Demokratie hingestellt wird, alternativlos.

Die "pluralistische Demokratie" gehört zur Mythologie der Deutschen, genau wie die "republikanischen Werte" und die "Laicité" bei den Franzosen. Beides sind nationale Mythologien, die die gleich Funktion erfüllen, staatlich forcierte Entwicklungen, wie die der Zuwanderung und ihrer Folgerscheinungen, zu tabuisieren.


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Gabriele MM #49  —  15. April 2017, 15:13 Uhr

"Treffen zwei Gruppen aufeinander, die zuviele konkurrierende und gleichzeitig nicht verhandelbare Positionen haben, so ist Demokratie nicht (mehr) möglich."

Danke! Das ist ein hervorragendes Statement.


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Kapaster d.J. #55  —  15. April 2017, 15:29 Uhr

Ja, es ist Kitsch.

Aber er erzeugt Brutalität und Dominanzwillen gegen alle, die diesen Kitsch nicht teilen.
Und weil sich immer auch ein gegenläufiger Kitscher findet, führt er letztlich und zwangsläufig zu Krieg.

Und man muss den Erzählungen dieser völkischen Esoteriker (mE nicht Mystiker) auch nur eine kurze Weile zuhören, um zu bemerken, dass sie ganz scharf (man könnte auch sagen: geil) auf diesen Krieg sind. Denn so richtig sichtbar ist der "Volkskörper" erst im Krieg.


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time4democracy #60  —  15. April 2017, 15:56 Uhr

Ein wirklich guter Artikel. Es stimmt, dass es der Demokratie zuweilen an einem übergeordneten moralischen Konzept fehlt mit dem man sich identifizieren kann. Nichtsdestotrotz kann die Antwort darauf nicht sein diese Lücke mit irrationalen Ideologien oder stumpfsinnigen Nationalismus mit bewusster Ignoranz gegenüber von Fakten zu füllen. Es wundert mich ehrlich gesagt dass Menschen die so etwas propagieren nicht schon beim Sprechen merken wie merkwürdig das klingt.


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[Politische Mythologie (Notizen) ... ]
« Reply #2 on: September 30, 2020, 04:57:25 PM »
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[...] Düsseldorf - Seit Jahrzehnten gibt es in der Türkei eine gewalttätige, ultranationalistische und rassistische Bewegung, die sich türkischer Mythologie bedient. ...


Aus: "Graue Wölfe: Gewaltbereite Erdogan-Fans wollen in die NRW-Stadträte - und das nicht mit offenen Karten" (13.09.2020)
Quelle: https://www.merkur.de/politik/nrw-kommunalwahl-2020-stadtrat-erdogan-graue-woelfe-rechtsextremismus-gewalt-duisburg-bonn-cdu-zr-90043074.html

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[Politische Mythologie (Notizen) ... ]
« Reply #3 on: September 30, 2020, 05:00:17 PM »
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[...] Dass unter der schieren Vielzahl existierender Verschwörungserzählungen ausgerechnet QAnon in Deutschland so erfolgreich ist, hängt auch mit einem bekannten Fürsprecher zusammen: Im April 2020 sorgte der Sänger und Verschwörungsideologe Xavier Naidoo mit einem Video für Aufsehen. Weinend und sichtlich um Worte ringend erzählt er darin, dass „in diesen Momenten in verschiedenen Ländern der Erde Kinder aus den Händen pädophiler Netzwerke befreit“ würden. Auch diese Befreiungserzählung ist Teil der QAnon-Mythologie. Von den angeblich befreiten Kindern war seitdem nichts zu hören. Doch Naidoo outete sich immer weiter als „Q“-Gläubiger, veröffentlichte zahlreiche Videos und gab mehreren Influencern der rechtsextremen deutschen Verschwörungsszene Interviews. ...

... „Die Reichsbürgerszene zeigt einen ähnlich starken Realitätsverlust und eine ähnliche Faktenresistenz wie QAnon“, sagt Miro Dittrich von der Amadeu-Antonio-Stiftung, die sich gegen Rechtsextremismus einsetzt. Dittrich beobachtet Rechtsextreme und Verschwörungsideologen im Internet. „Außerdem passen mehrere Erzählungen von QAnon mit denen der Reichsbürger sehr gut zusammen“, erklärt er. Die Erzählung vom „Tiefen Staat“ auf der einen Seite und jene von der illegitimen Regierung einer angeblich gar nicht existenten Bundesrepublik auf der anderen.

Lange haben weite Teile der deutschen Rechtsextremen in den USA vor allem ihren Feind gesehen. Den Reichsbürgern gelten sie als „Besatzer“, die das deutsche Volk unterjochen. Doch dann kam Trump. Auch viele Reichsbürger sehen in dem amerikanischen Präsidenten einen potenziellen Heilsbringer. Er müsse nur einen „Friedensvertrag“ für Deutschland unterschreiben, dann seien „Besatzung“ und Bundesrepublik Geschichte, und dann erstehe das Kaiserreich wieder auf – so lässt sich ihr Glaube zusammenfassen. Einen solchen „Friedensvertrag“ fordern am 29. August auch die Demonstranten vor den Botschaften in Berlin.

...


Aus: "QAnon: Wie eine gefährliche Verschwörungserzählung in Deutschland Fuß fassen konnte" Felix Huesmann (Dienstag, 29. September 2020)
Quelle: https://www.nationalgeographic.de/geschichte-und-kultur/2020/09/qanon-wie-eine-gefaehrliche-verschwoerungserzaehlung-in-deutschland

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« Reply #4 on: October 03, 2020, 11:06:26 AM »
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[...] „Gott war so gnädig, dass er uns Hydroxychloroquin geschenkt hat, um denen zu helfen, die krank sind“, rief er der jubelnden Menge zu, die sofort einen Sprechchor anstimmte: „Mito, Mito!“ Es heißt Mythos und ist der Name, den Bolsonaro-Fans gerne für ihr Idol verwenden. ...


Aus: "Was die Corona-Infektionen bei Bolsonaro und Johnson bewirkt haben"  Sebastian Borger Philipp, Lichterbeck (02.10.2020)
Quelle: https://www.tagesspiegel.de/politik/trumps-brueder-im-geiste-was-die-corona-infektionen-bei-bolsonaro-und-johnson-bewirkt-haben/26239628.html

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« Reply #5 on: October 05, 2020, 09:47:30 AM »
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[...] Oliver Rathkolb hat mit "Schirach" eine aufwendig recherchierte und lesenswerte Biografie über den Reichsjugendführer und Gauleiter Wiens vorgelegt

... Mit zahllosen Gedichten, Broschüren, Büchern und Events trägt von Schirach sowohl zum Führermythos wie auch zur nationalsozialistischen Verführung der deutschen Jugend bei. ... Nach internen Machtkämpfen löst von Schirach 1940 den in Wien unbeliebten Josef Bürckel als Reichsstatthalter ab. Im engsten Hitler-Umfeld sinkt zwar von Schirachs Stern, da er bald als "verwienert" gilt, wie Goebbels in seinem Tagebuch notiert. Zu diesem Eindruck kommt es auch deshalb, weil von Schirach in Wien eine aufwendige Kulturpolitik betreibt, um auf diese Weise die NS-Herrschaft – etwa mit Mozart- oder Grillparzer-Wochen – hochkulturell abzusichern. Parallel dazu werden fast 50.000 Juden aus Wien deportiert.

Von deren systematischer Vernichtung will von Schirach erst spät erfahren haben – eine Lüge, wie Rathkolb anhand von Dokumenten im kürzlich digitalisierten Gaupressearchiv nachweist. Wenig heroisch sind von Schirachs weitere Lebensstationen: seine feige Flucht aus Wien in den letzten Kriegstagen, seine Ausflüchte beim Nürnberger Prozess, seine teuer verkauften Erinnerungen nach der Haft und sein Tod 1974 als verarmter Alkoholiker.

Auch wenn die Psychologie von Schirachs ein wenig im Dunkeln bleibt, so ist Oliver Rathkolb mit diesem aufwendig recherchierten und üppigst illustrierten Band ein großer Wurf gelungen: Schirach ist nicht nur eine beeindruckende politische Biografie eines führenden Nationalsozialisten. Das Buch bietet am Beispiel dieses "NS-Influencers" auch gute Einblicke in die raffinierte Propagandamaschinerie der Nazis und zeigt eindrücklich, wie Hochkultur und NS-Terror in Wien koexistierten – mit Nachwirkungen bis in die Zweite Republik.


Aus: "Ein adeliger Bildungsbürger als Hitlers Jugendverführer" Klaus Taschwer (4. Oktober 2020)
Quelle: https://www.derstandard.at/story/2000120475509/ein-adeliger-bildungsbuerger-als-hitlers-jugendverfuehrer

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cybernaut

Das Buch zur These George Steiners, der immer wieder darauf hinwies, Weimar und Buchenwald liegen nicht nur geographisch nebeneinander. Bildung ist kein Schutzwall vor dem Absinken in die Barbarei. Die ärgsten Schwergen waren hochgebildet und äußerst kunst- und kulturbeflissen.


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[Politische Mythologie (Notizen) ... ]
« Reply #6 on: October 05, 2020, 10:56:22 AM »
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[...] Wer hat euch wehgetan, Männer? Das darf doch echt nicht wahr sein, dass ihr da draußen immer noch rumlauft und faschistische Milizen gründet. Habt ihr sonst keine Hobbys? Wie wärs mal mit Backen?

Nehmen wir die „Proud Boys“ als Beispiel. Diese Schlägertruppe, die in den Nachrichten ist, weil sie in Portland bewaffnet aufläuft und sich der US-Präsident nicht von ihnen distanzieren wollte. Diese „Stolzen Jungs“ sind zu einem nicht zu vernachlässigenden Teil Familienväter in der Midlife-Crisis, denen Bartpflege und männlich-weiße Weltherrschaft wichtig sind. [https://taz.de/US-Praesident-Trump-und-die-Proud-Boys/!5713246/], [https://taz.de/Antifeminismus-in-Nordamerika/!5524323/]

Gegründet hat sie 2016 ebenfalls ein Familienvater in der Midlife Crisis; als eine Art Deppenwitz der Geschichte, und das sind sie auch geblieben, außer, dass sie eben eine unkontrollierte Miliz sind, denen der Präsident diese Woche zugerufen hat, sie sollen sich bereithalten – auch wenn er später angeblich nichts mehr von ihnen wissen wollte. [https://www.fr.de/politik/proud-boys-neonazis-donald-trump-usa-tv-debatte-bereithalten-joe-biden-90056880.html]

Aber lassen Sie sich gar nicht erst in ihren „Ach, die USA …“-Lehnstuhl fallen. Hier drüben im Heiligen Römischen Reich haben wir die rechtsextremistischen „Identitären“, die sich im Sommer in einem Sägewerk in der Lausitz getroffen haben, um nach antikem olympischen Vorbild Nahkampf zu trainieren und sich im Lagerfeuerschein gegenseitig ihre gestählten Herrenrasse-Waden zu bewundern. [https://twitter.com/ibdoku/status/1297125565519060992]

Die „Identitären“, ebenso wie die „Proud Boys“, Prepper und andere Iterationen der maskulinistischen Neuen Rechten, versuchen ihr Tun mit Historie, mit Mythos aufzuladen, mit Rückgriffen auf projizierte alte Ideale und angebliche Former Glory – dabei geht es bloß um Sport, Minderheitenhass und homoerotische Spannung. Also nichts weiter als deutsches Vereinswesen. [https://taz.de/Neue-Rechte/!t5020823/]

Sich selber und uns, die Beobachter*innen und Analyst*innen, wollen sie überzeugen, dass da noch mehr ist: eine Tradition, ein inneres Narrativ. Die „Proud Boys“ pflegen deshalb Rituale (oder behaupten es) wie die Einschränkung des Masturbationsverhaltens, um daraus angebliche innere Stärke und Ruhe zu generieren. Das ist übrigens christlich-abendländischer Unsinn – bei der Kontrolle von Sexualität geht es immer nur um Kontrolle, nichts weiter. Und die „Identitären“ geben sich gerne Spitznamen aus Zach Snyders Sparta-Softporno-Blockbuster „300“.

Ich frage mich dann oft: Wie kann man euch heilen? Worum geht es euch wirklich? Vielleicht ist es ja doch diese Zukunfts-, diese Globalisierungsangst oder die Furcht vorm Machtverlust. Adressierbare, bearbeitbare Themen also. Maybe you should talk to someone?

Aber erstens würde ich alle diese Typ-A-Klemmschwestern nur therapieren, wenn man mich so richtig obszön dafür bezahlt (Honorar im Bereich Luxus-Ledermantel müsste das schon sein). Und zweitens ist dies ja genau Teil des Spiels. Bedeutung suggerieren, wo es bloß um infantile Instinkte geht: erniedrigen, einschüchtern, verängstigen, herrschen.

Man tut aber so, als ginge es um männliche Identität, Nationalstolz, Bruderschaft und Anti-Globalisierung. Mag sein, dass alle diese Dudes ihre individuellen biografischen Gründe haben, Dicks geworden zu sein. Der eine ist vielleicht wirklich einfach ganz doll gegen entgrenzten Kapitalismus. Der nächste hatte einen cholerischen Dad, der dritte hat Erektionsprobleme und noch einer ein leicht behandelbares, aber bislang undiagnostiziertes psychisches Problem.

Mag ja alles sein. Aber nichts davon führt unweigerlich dazu, dass Leute Arschlöcher, Chauvis und Schläger werden. Sorry aber, baby, we ain’t born this way. Arschlöcher, Chauvis und Schläger sind Arschlöcher, Chauvis und Schläger, weil sie sich entschieden haben, Arschlöcher, Chauvis und Schläger zu sein. Da gibt es nichts hineinzudeuten. Und diesen Gefallen sollten wir ihnen auch nicht tun.


Aus: "Rechtsextremismus und Midlife-Crisis: Die Infantilität des Bösen " Kolumne von Peter Weissenburger (4. 10. 2020)
Quelle: https://taz.de/Rechtsextremismus-und-Midlife-Crisis/!5718223/

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Coriolis - 04.10.2020, 20:23

Proud Boys, Identitäre, Graue Wölfe, Schwarzer Block, Wehrsportgruppe Hoffman usw.

Es gibt in jedem Alter und in jeder Gruppe Menschen, die beim Denken nicht so viel Glück haben. Damit müssen wir wohl leben....



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[Politische Mythologie (Notizen) ... ]
« Reply #7 on: October 06, 2020, 12:35:23 PM »
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[...] Anthony Scaramucci war 2017 Donald Trumps Kommunikationsdirektor – und musste nach elf Tagen wieder gehen. Heute kämpft er als Republikaner für Joe Biden. ...

... Scaramucci: Trump ist eine demografische Anomalie. Die Wut der alten weißen Wähler hat ihn getragen, die längst die Minderheit sind. Und Fox News hat den Rahmen erschaffen für das, was wir heute erleben. Fox zeigt ein heiles, weißes Amerika, das es so auch früher nie gegeben hat, und Fox erzählt Geschichten, die unseren Großmüttern Angst machen: Wir dürften in diesem Land bald nicht mehr 'Frohe Weihnachten' sagen, all diesen Unsinn, ...

... ZEIT ONLINE: Wie war es im Weißen Haus in diesen elf Tagen?

Scaramucci: Niemand außer dem Präsidenten darf dort drinnen für irgendetwas gelobt werden, niemand darf im Scheinwerferlicht stehen. Klar, er sagte, er würde die besten Leute anheuern, aber mit den Besten kann er nicht umgehen. Verstehen Sie, wie albtraumhaft das ist? Der Mann kann kein Problem definieren, keinen Konsens bilden, er hat nur seinen Twitter-Feed und schreit. Wir alle versuchten, das schönzureden, weil wir Respekt vor diesem Amt haben, vor Abraham Lincoln und Thomas Jefferson und George Washington, aber was dort geschieht, ist pathologisch instabil.

ZEIT ONLINE: Wird nach Trump automatisch alles gut und besser werden?

Scaramucci: Nein, nein, nein, nein, nein. Ich sage zwar voraus, dass die Republikaner sich nach Trump ein wenig normalisieren und weniger aggressiv gegenüber Medien oder Fremden sein werden, aber wir haben es mit systemischen Problemen zu tun. Trump ist nur ein Symptom. [...]  Man darf die Trump-Wähler nicht einfach weiße Nationalisten nennen. Diese Leute wollen Arbeitsplätze. Gute Schulen für ihre Kinder. Chancen für sich selbst. Wenn man etwas erreichen will, muss man das Narrativ verändern und anders mit den Menschen sprechen. Man darf nicht in einer elitären Blase leben.

Ich weiß schon auch: Vieles im globalisierten Kapitalismus funktioniert bestens, ich profitiere selbst davon, aber leider funktioniert es nicht für alle. Es ist gar nicht so schwer: Man muss sich mit schlauer Steuerpolitik und schlauer Sozialpolitik um Menschen kümmern, denen es nicht so gut geht wie einem selbst.

ZEIT ONLINE: Und wenn man all das nicht tut?

Scaramucci: Dann bekommt man Donald Trump.

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Aus: "Anthony Scaramucci: "Nein, nein, nein, nein, nein"" Interview: Klaus Brinkbäumer und Stephan Lamby (8. Oktober 2020)
Quelle: https://www.zeit.de/politik/ausland/2020-10/anthony-scaramucci-republikaner-fuer-joe-biden-us-wahl/komplettansicht

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[...] Im gepanzerten Wagen lässt sich der mutmaßlich hochinfektiöse Präsident an jubelnden Sympathisanten vorbeichauffieren. Aus dem Wagen heraus winkt der 74-Jährige, der eine Stoffmaske trägt. Auf Fernsehbildern ist zu sehen, wie er beide Daumen nach oben reckt. Dann kehrt der Konvoi zum Krankenhaus zurück. Unmittelbar vor dem Kurzausflug hatte Trump die Stippvisite via Twitter angekündigt. „Ich verrate es niemandem außer Ihnen, aber ich mache gleich einen kleinen Überraschungsbesuch“, sagt er in einem Video, das er an seine knapp 87 Millionen Twitter-Abonnenten schickt. ... Zur Unterstützung Trumps hat sich vor dem Krankenhaus auch John Maxwell eingefunden. Der 46-Jährige trägt ein Plakat mit der Aufschrift „Donald Trump ist der beste Präsident in der Geschichte der USA“. Was er - wie die meisten seiner Mitstreiter hier - nicht trägt: eine Maske. Ob Trumps Erkrankung nicht ein Umdenken erfordere? „Ich will keine Maske tragen, Punkt. Wenn du denkst, dass ich dich anstecken werde, dann hast du das Recht, nicht in meiner Nähe zu sein“, sagt Maxwell. Seine Freiheit gehe ihm über alles und schließe die Freiheit auf Maskenverzicht ein. „Und wenn ich Covid habe und es jemandem weitergebe, dann ist das Amerika, Mann. Das ist Amerika.“ ...


Aus: "Trumps Corona-Infektion: Verschwörungstheorien und Legendenbildung"  Can Merey, dpa (5.10.2020)
Quelle: https://www.berliner-zeitung.de/politik-gesellschaft/trumps-corona-infektion-verschwoerungstheorien-und-legendenbildung-li.109510

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[...] Nesrine Malik | The Guardian

Wären die vergangenen Tage in der US-Politik ein Theaterstück, würde man die Handlung für zu unglaubwürdig halten. ... Trotz aller Lügen wird die Realität sich am Ende durchsetzen.


Aus: "Wirklichkeit sticht" Nesrine Malik (05.10.2020)
Quelle: https://www.freitag.de/autoren/the-guardian/wirklichkeit-sticht

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WuMing | Community

Wirklichkeit sticht leider nicht, ... !

Irrationalismus wirkt, Trump wirkt, leider...



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[...]  Er verhält sich, als wäre diese Phase des Wahlkampfs eine „Soap Opera“. Hauptsache, er verbreitet mit Tweets und Bildern den Eindruck eines gesunden und tatkräftigen Präsidenten, selbst wenn die in auffälligem Widerspruch zu den Fakten stehen.

Schon im Walter Reed Hospital war er auf seine Außenwirkung bedacht. Er setzte 18 Tweets binnen einer Stunde ab, ließ sich kurz im Auto herumfahren, um sich seinen Anhängern hinter den Panzerglasscheiben zu zeigen – und inszeniert seine Ankunft im Weißen Haus wie ein Heldenepos. ...


Aus: "Realität schlägt „Soap Opera“" Christoph von Marschall (06.10.2020)
Quelle: https://www.tagesspiegel.de/politik/gelingt-trump-ein-comeback-realitaet-schlaegt-soap-opera/26248310.html

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[...] Was seine Patientenakte angeht, folgt Donald Trump demselben Muster wie zuletzt bei seiner Steuererklärung: mauern, täuschen, weglächeln. Noch immer gibt es keine offizielle Auskunft darüber, wann Trump zuletzt negativ getestet wurde, ob er also wirklich erst seit Donnerstagabend von seiner Erkrankung weiß oder ob er über seinen Gesundheitszustand täuschte und andere gefährdete. Auch weigern sich die Ärzte weiterhin, mitzuteilen, wie genau es um Trumps Verfassung steht, in welchem Zustand etwa seine Lunge ist. Expertinnen und Experten warnen, dass er sich jetzt in einer kritischen Phase der Erkrankung befindet; sein Befinden könnte sich plötzlich verschlechtern und Notfallmaßnahmen nötig machen, für die er wieder ins Krankenhaus geflogen werden müsste.

Trump aber scheint fest entschlossen, seine gesundheitliche Verfassung seinem Image unterzuordnen anstatt umgekehrt. "Ich werde bald wieder auf Wahlkampftour sein", twitterte der Präsident am Montag. Mehr noch: Seine vermeintliche Genesung instrumentalisiert er als Teil seiner Kampagne, unterstützt von ihm loyalen Republikanern wie der Senatorin Kelly Loeffler aus Georgia. Sie verbreitete auf Twitter eine Videomontage des Präsidenten, der bei einem Boxkampf ein stilisiertes Virus zu Boden ringt, und schrieb dazu: "Covid hatte gegen Donald Trump KEINE Chance!"

Nach dem Auftritt auf dem Balkon veröffentlichte Trump ein Video, in dem er mehrfach seine Aussage wiederholt, man solle sein Leben nicht durch das Virus dominieren lassen, und unter anderem sagte: "Vielleicht bin ich ja immun, ich weiß es nicht." Das ist eine deutlich verschärfte Fortsetzung von Trumps verharmlosender Rhetorik zur Pandemie. Es wirkt, als sei sein Motto: 'Man muss nur wollen' – eine Haltung, die im Zweifelsfall Menschenleben gefährden könnte, wenn sie von seinen Anhängerinnen und Anhängern übernommen werden sollte. Trump markiert den Unbesiegbaren, geht damit aber auch vier Wochen vor der Wahl ein politisches Risiko ein.

... Donald Trump setzt darauf, mit der Illusion einer mit politischer Durchsetzungsstärke bezwingbaren Virusinfektion Präsident zu bleiben. Dabei hätte seine Erkrankung die Chance sein können, sich empathisch gegenüber den Betroffen und demütig gegenüber den Folgen des Virus zu zeigen, nachdem seine Zustimmungswerte in den Umfragen gesunken sind, je weiter die Pandemie voranschritt. Stattdessen – und, so heißt es, zum Unmut seiner Berater – lässt der Präsident sich selbst dann nicht von seinem bisherigen Kurs abbringen, wenn er nicht mehr richtig atmen kann.

...


Aus: "Donald Trump: Inszeniert wie eine Auferstehung"  Johanna Roth, Nashville (6. Oktober 2020)
Quelle: https://www.zeit.de/politik/ausland/2020-10/donald-trump-coronavirus-erkrankung-usa-krankenhaus-entlassung/komplettansicht

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FormSinn #3

Hollywood lässt grüßen - Insziniert wie der billigste Schmierenstreifen. Aber ein Teil der US-Bürger wollen das so und wählen ihn genau deshalb. ...


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Dekonstrukteur #3.19

Ach ja, viele Menschen scheinen das Echauffieren über Trump zu lieben. Genau das gibt ihm Macht. ...


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Hauptsache Haltung zeigen #3.24

In Amerika leben nun mal sehr viele Menschen, denen das Verständnis dafür fehlt, dass Trump nicht gut für sie ist.
Auf diese Leute geht man auch seit Jahrzehnten überhaupt nicht zu, man blickt einfach auf sie herab. Wir machen hier genau das Gleiche.

O-Ton auf ZON : Wie können diese dummen dummen Amerikaner nur diesen dummen Trump wählen.

Wenn sie so wollen, ist es mMn nur legitim wenn dumme Menschen sich einen dummen
Präsidenten wählen.
Darüber hinaus kann ich den Wunsch der vielen Abgehängten in den USA verstehen, die einfach keinen Bock mehr haben die schweigende Unterschicht und der verschmähte Bodensatz zu sein.

Ich kann verstehen, dass die unterste Schicht einer Mannschaft nach Jahren der Herablassung, der fehlenden Anerkennung und des Plankenschrubbens, das Schiff, auf dem sie segelt, nur noch anzünden will und eine letzte Nacht die Vorratskammer plündern will.


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N-Mode #4

Das ist ganz mieses Theater, das selbst einem nordkoreanischen Diktator die Schamesröte ins Gesicht treiben würde.


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Respublicaforever #4.1

Theater hin, Theater her, es ist Wahlkampf, aber dem lustigen dicken Mann in Nordkorea würde es ein Lächeln auf die gestrengen Mundwinkel zaubern und tut es bestimmt auch. ...


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Falubor #9

Trumps Freund Bolsonaro hat aber COVID-19 bedeutend souveräner „besiegt“. Das wird Trump schon wurmen.


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Es_saugt_und_bläst_der_Heinzelmann #9.1

Ja, und viel früher als der gesalbte!


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Karf #11

The show must go on – die Essenz Amerikas.


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deepblueheaven #11.1

Brot und Spiele war das Mittel der alten Diktatoren. ...


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s062012 #20

Dass Trump die Infektion instrumentalisieren wird dürfte jetzt nicht überraschend sein. Ist ja Wahlkampf. Also so what.


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Raymond Luxury-Yacht #22

Man verkennt in meinen Augen, dass die Maske selbst zum Symbol für den Umgang mit der Erkrankung geworden ist. Das Trump jetzt nach der Erkrankung nicht umdenken würde war absolut klar.
Der Umgang mit dem Virus lässte eben auch Rückschlüsse auf die unterschiedlichen Reaktionsweise und damit Charaktäre der Menschen auf Bedrohungen zu.

Bin ich eher defensiv, vermeide Risiken, verschanze mich und bin eher ängstlich, nenne es aber "verantwortungsvoll".

Oder bin ich eher offensiv und bereit das Risiko in Kauf zu nehmen. Mit der Hoffnung, dass es mich schon nicht erwischt. Als Symbol dafür, dass ich mich nicht "unterkriegen" lasse. Werde dafür aber als "verantwortugslos" gebrandmarkt.

Da wir objektiv erstaunlich wenig über die Infektionswege sowie die Wirksamkeit der Schutzmaßnahmen wissen, wird diese ganze Erkrankung tatsächlich auch die Wahlentscheidung beeinflussen.

Auf der einen Seite Trump, der das Schicksal vielleicht mutwillig herausgefordert hat, aber eben vielleicht auch weggesteckt, also auch "Stärke" gezeigt, hat. Und auf der anderen Seite Biden, der brav allen Vorsichtsmaßnahmen folgt, seine Maske zeigt und behauptet er hätte alle gerettet.

Beide Kandidaten sprechen zwei vollkommen unterschiedliche Lebensvorstellungen an. Finde ich hochinteressant, wie sich das alles auswirken wird...


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muepf #27

Ich hätte vom Drehbuchautor etwas weniger Vorhersagbares erwartet. Die erste Staffel endet recht langweilig. Da braucht es wirklich keine zweite. Der Hauptdarsteller sollte ausgewechselt werden.


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Autonomie #28

"Habt keine Angst vor Covid. Lasst es nicht Euer Leben bestimmen."

Das Leben von 210.181 Amerikanern wurden von Covid19 nicht bestimmt, aber ihr Tod.


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docaffi #30

Die Botschaft ist eindeutig: Sieht mal, diese Krankheit ist so harmlos wie eine Erkältung und vergisst die Regeln dagegen und die, die daran gestorben sind waren einfach schwach. ...


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Goldfuchs #37

""Habt keine Angst vor Covid. Lasst es nicht Euer Leben bestimmen." Fragwürdige Sätze..."

Nichts daran ist fragwürdig. Recht hat er.


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jut-jut #37.5

ist ja gut.


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tgamank #41

Vor der ersten TV Debatte hatte Trump noch Biden unterstellt, er würde sich mit Drogen oder Medikamenten dopen, jetzt nimmt Trump selbst Stereoide. Kein Wunder, dass er einmal mehr manisch agiert. Steroide können fatale Folgen haben; zu Anfang fühlt man sich noch großartig, aber dann wird es schwierig. Unkontrollierte emotionale Ausbrüche, Angstzustände, psychische Irritationen können die Folgen sein, wie ich aus leidvoller Erfahrung weiß. ...


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Frau. Huber #44

Demut und das Zugeben von Fehlern sind für Menschen wie Donald Trump nur etwas für Loser. Trump hat das Selbstverständnis eines absolutistischen Herrschers, Fehler machen andere und er selbst ist von Gott auserwählt, um über dem Rest der Menschheit zu stehen und natürlich über dem Gesetz.


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[...] Seine Tweets sind berüchtigt, seine Reden bissig: Obwohl US-Präsident Donald Trump nicht unbedingt als sprachgewandt gilt, erreicht er mit seiner Rhetorik Millionen Amerikaner. Die beiden Mainzer Linguisten Ulrike Schneider und Matthias Eitelmann haben in Zusammenarbeit mit Sprachwissenschaftlern aus der ganzen Welt einen Sammelband herausgegeben, der die rhetorischen Tricks und besonderen Eigenheiten in der Sprache des Republikaners aufdeckt. Im Interview mit ntv.de erklären sie aber auch, was er mit seinem Körper sagen will.

Judith Görs: Kurze Sätze, einfache Sprache, viele Wiederholungen - das ist bekannt über Trumps Redestil: Was macht seine Rhetorik darüber hinaus noch aus?

Matthias Eitelmann: Trumps Sprache wurde oft betitelt als die eines Fünft- oder Sechstklässlers. Diese Annahme beruht auf einem Test, der vor allem die Lesbarkeit von schriftlichen Texten misst. Aus wissenschaftlicher Perspektive ist gesprochene Sprache aber nicht vergleichbar mit geschriebener. Insofern sind solche pauschalen Annahmen mit Vorsicht zu genießen.

Judith Görs: Also ist Trumps Rhetorik besser als ihr Ruf?

Eitelmann: Nicht unbedingt. Man kann schon sagen, dass sich Trump einer einfachen Sprache bedient und zu wiederholenden Mustern neigt. So kann er seine Botschaft sehr einfach ans Publikum vermitteln - auch wenn sie oftmals eher inhaltsleer ist.

Judith Görs: Wer Trumps Wahlkampfauftritte verfolgt, könnte meinen, er rede einfach drauflos - ohne roten Faden. Wie überlegt ist denn seine Sprache?

Ulrike Schneider: Oft hat er einen Teleprompter. Dann ist der Text von seinen Mitarbeitern vorbereitet und natürlich sehr überlegt. Er weicht aber gern mal davon ab. Wenn er das tut, wiederholt er sich stärker. Vieles, was wie Drauflosreden wirkt, hat er aber in seinen Wahlkampfreden erprobt.

Judith Görs: Trumps Interviews sind - wortwörtlich aufs Papier gebracht - oft kaum lesbar. Warum hören ihm seine Anhänger trotzdem so gern zu?

Schneider: Das funktioniert ein bisschen wie eine Unterhaltung unter Freunden. Da gibt's ja oft einen Moment, wo man lachen muss und sagt: "Wenn das jetzt einer von außen hören würde!" Im Freundeskreis sind wir alle eingeweiht. Wir wissen, wovon wir reden und wie etwas gemeint ist. Ein Außenstehender kann dem oft nicht mehr folgen. Wenn ein Präsident so mit mir redet, schafft das Nähe - ein Gemeinschaftsgefühl.

Judith Görs: Sie meinen, es macht ihn nahbarer.

Schneider: Genau. Das ist ein spannender Effekt. Bis vor 100 Jahren haben Politiker versucht, eine sehr eloquente Syntax zu benutzen - gerade in den großen, wichtigen Reden. Diese Transkripte waren unglaublich komplex. Das ist etwas, was wir heute eher in geschriebener Sprache erwarten würden. Früher redeten Präsidenten vor geladenen Gästen - also der gebildeten Elite. Erst als das Radio kam, hat man gemerkt, dass man zum Volk sprechen muss. Die Reden wurden also auf das Volk zugeschnitten. Es ging nicht mehr vorrangig darum, Kompetenz, sondern eher Volksnähe zu vermitteln. Dieser Trend hat sich mit dem Fernsehen fortgesetzt. Donald Trump ist mit seinen Tweets heute die extremste Weiterführung dieses Wandels. Er versucht, seine Volksnähe über ein Medium auszudrücken, das scheinbar ungefiltert seine Botschaften sendet, und über eine Sprache, die der aus der Kneipe näher ist als dem, was man sonst von Politikern gewöhnt ist.

Judith Görs: Im Buch gehen Sie auf Trumps inflationären Gebrauch des bestimmten Artikels "the" ein. Auch "very" sagt er achtmal öfter als andere Politiker. Was bezweckt er damit?

Schneider: Das sind zwei ganz unterschiedliche Prinzipien. Bei "the" geht es darum, dass er den Definitartikel in Kombination mit Gruppen benutzt. Es macht einen Unterschied, ob ich sage: "Moslems feiern kein Weihnachten" oder "Die Moslems feiern kein Weihnachten". Letzteres suggeriert viel stärker, dass es sich um eine homogene Gruppe handelt, zu der man selbst nicht gehört: Im Fall von "die Moslems" sind alle gleich. Sie sind die anderen. Trump macht das nicht nur häufig bei ethnischen Minderheiten (wie etwa "the Hispanics" oder "the African-Americans"), sondern er sagt auch "the Democrats". Was er aber selten sagt, ist "the Republicans". Er benutzt den Artikel also nicht zufällig. Dahinter steckt ein linguistisches System.

Eitelmann: Intensivierer wie "very" werden in der Regel eingesetzt, um eine Botschaft zu unterstreichen. Was Trumps Gebrauch des Wortes so ungewöhnlich macht, ist, dass er es mit quantifizierenden Adjektiven verwendet - zum Beispiel mit "many" für "very many people" - oder mit nicht steigerbaren Adjektiven: "dishonest" oder "true". Die Begriffe "unehrlich" und "wahr" kann ich eigentlich nicht noch weiter überhöhen. Dass Trump es trotzdem macht, zeigt die besondere Emotionalität seiner Sprache. Auch andere Intensivierer wie "totally" nutzt er gern zusammen mit negativen Adjektiven, um seine Haltung zu Personen oder Institutionen zu unterstreichen.

Judith Görs: Des Öfteren wurde Trump vorgeworfen, Menschen mit seiner Gut-Böse-Rhetorik zur Gewalt gegen Andersdenkende anzustacheln. Für wie gerechtfertigt halten Sie das?

Eitelmann: Dieses Abgrenzen in Gut und Böse, Schwarz und Weiß, erkennt man sehr deutlich in seiner Rhetorik. Das ist typisch populistisch: Trump betont den Gegensatz zwischen Elite und Volk, wobei er das sehr stark auf sich selbst bezieht. Er sei derjenige, der gegen die Elite kämpft - als Retter des Volks.

Schneider: Für Trump ist die Elite eine politische, keine finanzielle - denn der gehört er ja selbst an. Sie attackiert er nicht, sondern er verschafft ihr Steuererleichterungen. Und auch der Bildungselite steht er eher skeptisch gegenüber, gerade wenn es um Corona-Befunde geht. Dieses System ist aber durchlässig. Einzelne Journalisten, die er anfangs sehr positiv bewertet hat, brachten einen Bericht, der ihm nicht passte - und plötzlich bekamen sie einen negativen Spitznamen und wurden der Elite zugerechnet. Wer Freund und wer Feind ist, kann sich sehr schnell ändern.

Judith Görs: Trotzdem halten Sie Trump nicht für einen lupenreinen Populisten. Wieso nicht?

Schneider: Trump bedient sich zwar dieser standardrhetorischen Muster von einem klaren Gut und Böse. Er sagt zum Beispiel, dass dringendes Handeln erforderlich sei, um einen früheren, nicht näher benannten gloriosen Zustand wieder herzustellen. Aber er tut das alles nicht vordergründig für das Volk, sondern für den eigenen Wahlerfolg.

Judith Görs: Wenn Sie auf die aktuelle Wahlkampfphase schauen: Haben Sie den Eindruck, dass Trump seine Sprache noch einmal weiterentwickelt hat?

Eitelmann: Er bleibt eher bei seinen bewährten Strategien - und führt sie in neue Extreme. Diese starken Abgrenzungen, seine Spitznamen für Gegner, das Ablehnen von wissenschaftlichen Meinungen zugunsten des anekdotischen Erzählens sind immer noch seine Mittel der Wahl.

Judith Görs: Sie beschreiben ihn als Geschichtenerzähler.

Eitelmann: Das zeigt sich immer wieder im Diskurs um Umweltpolitik. Trump leugnet, dass es den Klimawandel gibt. Er diskreditiert sämtliche wissenschaftliche Befunde dazu und redet stattdessen darüber, was er mit eigenen Augen gesehen hat. Er sei zum Beispiel selbst in brennenden Wäldern gewesen und habe festgestellt, dass schlechtes Forstmanagement die Ursache für die Feuer war. Er verpackt das in nette Anekdoten und ersetzt damit die Wissenschaft in ihrem Elfenbeinturm.

Judith Görs: Was halten Sie davon, wie er seine Anhänger in der Corona-Pandemie anspricht? Er bezeichnet das Virus ja häufiger auch als "China Virus"...

Schneider: Neben der politischen Elite können "die anderen", von denen Trump sich abgrenzen will, natürlich auch Leute von außen sein. Das Coronavirus "China Virus" zu nennen, ist da nützlich. Das macht das Virus zu etwas fremdem, unamerikanischem. In Trumps Umgang mit der eigenen Corona-Erkrankung steckt auch ein interessantes Symbolbild: Als Führerfigur muss er sich einerseits als außergewöhnlich präsentieren, weil er gewählt werden will. Andererseits führt die starke Trennung zwischen Elite und Volk dazu, dass er gewöhnlich wirken muss, um nicht der falschen Seite zugerechnet zu werden. Trump präsentiert sich teils sogar als eine Art Inkarnation des Volkes. Sein physischer Körper steht quasi für das Volk. Nach seiner Corona-Infektion stellt er es in seinen Reden jetzt so dar, als habe er die Erkrankung mit minimalen Symptomen hinter sich gebracht und das bedeute für ganz Amerika: Es ist gar nicht so schlimm. Nach dem Motto: Wenn es mir gut geht, geht es allen anderen auch gut.

Judith Görs: Das erinnert ein bisschen an seinen Auftritt auf dem Balkon des Weißen Hauses, als er sichtlich nach Luft rang. Was sagt denn sein Körper, wenn Trump nichts mehr sagt?

Schneider: Als Linguisten schauen wir natürlich in erster Linie auf seine Wortwahl. Aber Trump spricht ja über seinen Körper - auch vor Corona schon. Die früheren Debatten um die Größe seiner Hände oder über seine Frisur wirkten zwar erst einmal lächerlich, aber sie passen in das Bild von seinem physischen Körper als Symbol für seine Politik: Wenn sein Körper schwach ist, ist auch seine Politik schwach. Er muss also argumentativ erreichen, dass er als stark empfunden wird. Deshalb lässt er sich auch auf diese Körperdiskussion ein.

Judith Görs: Und es hilft ihm dabei, nicht inhaltlich werden zu müssen.

Eitelmann: Inhaltliches ist nicht Trumps Stärke. Er argumentiert nicht sachlich oder empirisch. Von daher sind solche Debatten für ihn eher eine Steilvorlage, auf emotionale Themen überzuschwenken.


Aus: "Sprache entlarvt US-Präsidenten: "Trump sieht sich als Inkarnation des Volkes"" Mit Ulrike Schneider und Matthias Eitelmann sprach Judith Görs (Sonntag, 25. Oktober 2020)
Quelle: https://www.n-tv.de/politik/Trump-sieht-sich-als-Inkarnation-des-Volkes-article22120318.html

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[...] Wenige Tage nach einer aufsehenerregenden Pressekonferenz zum angeblichen Wahlbetrug hat US-Präsident Donald Trump die Zusammenarbeit mit der Anwältin Sidney Powell beendet. Sie hatte in den vergangenen Wochen immer wieder krude Verschwörungstheorien verbreitet.

Powell war zuletzt gemeinsam mit Trumps Privatanwalt Rudy Giuliani aufgetreten und hatte zu erklären versucht, wie Trumps Gegenkandidat Joe Biden zu Unrecht die Wahl zum Präsidenten gewonnen habe. So behauptete Powell, Biden habe seinen Erfolg durch Manipulation erwirkt – finanziert von südamerikanischen und asiatischen Kommunisten. »Womit wir es hier wirklich zu tun haben, ist ein massiver Einfluss kommunistischen Geldes über Venezuela, Kuba und vermutlich China.«

Powells These war dabei, dass der 2013 verstorbene venezolanische Präsident Hugo Chávez die Software zur Auszählung der Stimmen habe manipulieren lassen. So seien für Biden abgegebene Stimmen das 1,25-Fache wert gewesen und einige Stimmen für Trump automatisch in Stimmen für seinen Gegenkandidaten umgewandelt worden. Für ihre Behauptungen führte sie keinerlei Belege an. Sie sind widerlegt.

Außerdem sollen sich Powell zufolge hochrangige Republikaner in Georgia – der dortige Gouverneur und ein Minister – als Teil des Wahlbetrugs haben bestechen lassen, sagte sie dem Nachrichtenkanal Newsmax. In Georgia hatte Biden mit einer hauchdünnen Mehrheit von 14.000 Stimmen die Wahl gewonnen. Traditionell regieren die Republikaner den Bundesstaat – sie zweifeln das Ergebnis teilweise an.



Aus: "Wirre Verschwörungstheorien: Trump-Team trennt sich von Anwältin Powell" (23.11.2020)
Quelle: https://www.spiegel.de/politik/ausland/donald-trump-juristen-team-trennt-sich-von-umstrittener-anwaeltin-sidney-powell-a-cf1943c8-885e-4442-9fbb-e79d67df50d1

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Andreas

>> Das war selbst den Juristen des US-Präsidenten zu viel. <<

Und das will - weiß Gott - was heißen!


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42_bo

Soweit ich mich erinnere hat Giuliani persoenlich diese Biden-Venezuela-Kuba-China-Alien Geschichte selbst vorgetragen. Als er gemerkt hat, dass das eine der groessten Lachnummern wurde, hat er Schuldige gesucht und Frau Powell gefunden. Grosser Gag des groessten Juristenteams ever. Die Frau wurde gefeuert, es trifft nicht unbedingt die Falsche. Und dann wird bekannt, dass die gar nicht zum Team gehoert und scheinbar keiner weiss wieso die ueberhaupt bei der Pressekonferenz dabei war. Wenn ich Richter bei den anhaengigen Verfahren waere, wuerde ich mir von jedem Einzelnen eine durch Donald unterzeichnete Verfahrensvollmacht zeigen lassen um sicher zu sein, dass er den Anwalt/Anwaeltin ueberhaupt kennt.


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Ulli

Die Reps gehen jetzt auf Distanz zu Trump. Aber auch nur, weil sie sehen, dass das ganze aussichtslos ist. Würde eine Chance bestehen, würden sie alles mitmachen, jede Lüge unterstützen. ...


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Samothrake

Das ist natürlich Unfug, was die liebe Dame da erzählt. Weiß doch jeder, dass das in Wirklichkeit die Echsenmenschen waren, die Stimmzettel aufgegessen haben. ...


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Idalp2020

Wenn wir hier über die Escapaden eines unter Medikamenteneinfluss stehenden Häuptling einer versprengten Südsee Insel sprechen würde könnte ich dem Ganzen etwas Witziges abgewinnen. Leider sprechen wir über den Präsidenten der Weltmacht USA, der zumindest noch ein paar Wochen den Code zu den Nuklearwaffen hat.


Quote
Wmeinberg

Dieser Auftritt von Giuliani und Powell hatte wirklich etwas von einer unfreiwilligen Groteske ...


Quote
Stephan

Gerüchte besagen er hat nur eine Attrappe des Koffers. Kann das bitte, bitte jemand bestätigen. Das würde mich sehr beruhigen...


Quote
Eberhard

Guillani, Powell und natürlich Trump schaden den USA schon jetzt auf viele Jahre. Denn wo immer Biden aucn hinkommt, zunächst muss er das Verhalten von Trump korrigieren. Viele werden skeptisch sein,ob Biden auch wirklich die Wahl gewonnenen hat. Bei solchen Fragen kann es kein entspanntes Gespräch geben. Trump hatdie USA nachhaltig beschädigt.


Quote
Jörn

Das Trump-Lager glaubt nun also auch nicht mehr an die bisher von ihnen verbreiteten Lügen, für die es keinerlei Beweise gab oder gibt. Das ist eine Zäsur.


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« Last Edit: November 23, 2020, 02:51:58 PM by Link »

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[Politische Mythologie (Notizen) ... ]
« Reply #8 on: October 13, 2020, 01:43:38 PM »
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[...] Zu:  Roman: Christian Kracht "Die Toten" (Kiepenheuer und Witsch Verlag, Köln 2016, ISBN 9783462045543, Gebunden, 224 Seiten)

Klappentext
"Die Toten sind unendlich einsame Geschöpfe, es gibt keinen Zusammenhalt unter ihnen, sie werden alleine geboren, sterben und werden auch alleine wiedergeboren." Christian Krachts "Die Toten" führt uns mitten hinein in die gleißenden, fiebrigen frühen dreißiger Jahre, als die Moderne, besonders die Filmkultur, ihre vorerst letzte Blüte erlebte. In Berlin, "dem Spleen einer unsicheren, verkrampften, labilen Nation", versucht ein Schweizer Filmregisseur, euphorisiert durch einen gewissen Siegfried Kracauer und eine gewisse Lotte Eisner, den ufa-Tycoon Alfred Hugenberg zur Finanzierung eines Films zu überreden, genauer gesagt: eines Gruselfilms, genauer gesagt: in Japan. Dort, auf der anderen Seite des Globus, bereitet zur selben Zeit der geheimnisvolle Japaner Masahiko Amakasu ein Komplott gegen die internationale Allmacht des Hollywoodfilms vor.


 Rezensionsnotiz zu Die Tageszeitung, 14.09.2016
Zum "raffinierten Realismus" adelt Moritz Baßler die kontrastreiche Prosa Christian Krachts, der komplex und doch süffig Fakten und Fiktion mische, den "Glauben ans Unechte" mit der Liebe zum obskuren Detail verbinde und dabei auch noch alle Gegenstimmen zu Wort kommen lasse. Für Baßler ist das große Kunst und vor allem ein Kontrapunkt zu dem, was er als den "banalen Realismus" der Nachkriegsliteratur brandmarkt. Wem dagegen der literaturgeschichtlich und popkulturell aufgeladene Plot um Nazis und Film, Japan und Seppuku in den dreißiger Jahren nicht geheuer ist, der verwechsele Literatur mit Identitätspolitik, bescheidet Baßler möglichen Verächtern. Kracht nämlich verweigere dem Wirklichen das Anrecht auf die Sprache, stellt der Kritiker klar, der dies auch "links-politisch-korrekten" oder "pegidesk-empörten" Lesern empfiehlt.

 Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 10.09.2016
Rezensent Philipp Theisohn hat Christian Krachts neuen Roman verstanden. Der Autor schafft das in der Literatur, was die Band Laibach in der Popmusik vermochte: eine Analyse der Selbstinszenierung des Totalitarismus'. Das ist radikal politisch, findet Theisohn, nicht literarisch-faschistisch. Das Risiko, das der Autor eingeht, indem er mit "ästhetisch-apathischem" Gestus vom Vorabend der nationalsozialistischen Machtübernahme erzählt, scheint dem Rezensenten beachtlich. Doch indem Kracht mit Kracauer auf den Stummfilm und das stumme Grauen des aufziehenden Nazi-Terrors blickt, meint Theisohn, bringt er die Barbarei zum Sprechen.

 Rezensionsnotiz zu Die Welt, 10.09.2016
Für den Autor und Kritiker Carl von Siemens ist dieser Roman vor allem vom Buddhismus und Hinduismus geprägt: Nichts ist wirklich. Und weil es für den Autor keine Gewissheiten gibt, oszilliert er ebenso wie seine Protagonisten, meint Siemens. Real sei nur das Leiden und der Schmerz. Deshalb finde Kracht auch jede Ästhetisierung der Gewalt fragwürdig und lote sie in seinem Roman bis an die Grenze aus, spüre dabei auch noch den kulturellen Unterschieden in der Darstellung von Gewalt nach. Ob es dem Rezensenten wirklich gefallen hat? Fasziniert und beeindruckt ist er auf jeden Fall.

 Rezensionsnotiz zu Frankfurter Rundschau, 08.09.2016
Was für ein ärgerlicher Stuss, schimpft Rezensentin Sabine Vogel über Christian Krachts neuen Roman. Von wegen großer Stilist! Nichts als maniriert, meint sie. Die blutrünstige Geschichte um eine fiktive cinematografische Achse zwischen Berlin und Tokio im Jahr 1933, angeleiert von einem deutschen Regisseur, sagt ihr nichts oder nichts Sinnvolles. Und warum reitet der Autor so insistierend auf dem Deutschtum herum und lässt Lotte Eisner über den deutschen Wald raunen? Für Vogel ein Rätsel bzw. verquerer deutschnationaler Mythenmuff.

 Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 08.09.2016
Warum bloß muss es immer ums ganz große Ganze gehen in einer Kracht-Kritik, fragt sich Rezensent Jens-Christian Rabe. Warum Christian Kracht wieder in allen Medien rumpost, ob er damit die Kritik eventuell aufs Glatteis führen möchte, ob der Autor durch und durch Popist oder doch bloß Pop-Literat ist und was all die rästelhaften Instagram-Fotos sollen? Symbolik? Unbedingt, unbedingt, ruft Rabe und rät dem Leser, lieber am besten zu oszillieren zwischen Ohrensesselgemütlichkeit und alerter Leserakribie, um doch noch Freude zu haben an diesem Buch, an seinen erzählerischen Kapriolen, seinem Herumeiern zwischen Historie und Klamauk und seinem prätentiösen Stil.

 Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 03.09.2016
Jan Wiele macht gleich klar, dass es bei dem neuen Roman von Christian Kracht für den Leser wiederum darum geht, Autor und Erzähler fein säuberlich voneinander zu trennen. Anderenfalls dürfte Kracht irrigerweise erneut als Gewaltverherrlicher dastehen, meint Wiele. Denn was der Autor in seiner neuen "Historien-Farce", die sich um den Clash von westlicher und japanischer Kultur im verhängnisvollen Jahr 1933 dreht und in der u. a. Chaplin, Heinz Rühmann, Lotte Eisner, ein diabolischer UFA-Boss und ein Schweizer Filmregisseur auftreten, an Gewaltszenen auffährt, reicht laut Wiele gut für mehrere Bücher. Oder Filme. Anspielungs- und fantasiereich und mittels einer reich überzuckerten Sprache setzt der Autor das um, erklärt Wiele weiter. Krachts Dandy-Stil könnte Kopfzerbrechen bereiten, meint er, doch zum Glück spricht ja nicht Kracht, sondern sein Erzähler.

 Rezensionsnotiz zu Die Zeit, 01.09.2016
"Jetzt will er's wirklich wissen!", jubelt Ijoma Mangold nach der Lektüre von Christian Krachts neuem Roman, den er als ganz "außerordentliches Kunstwerk" würdigt. Da ist zum einen die Sprache, "preziös und präzise", Eleganz mit Spielereien, weit weg vom Wirklichkeitswahn der Gegenwartsliteratur, schwärmt der Kritiker. Und dann die Handlung, kunstvoll und von virtuoser Exzentrik, so Mangold, der sich von Kracht mit ins Berlin, Tokio und Hollywood der dreißiger Jahre nehmen lässt und die parallele Eroberung von Welt und Kino durch den Nationalchauvinismus erlebt. Allein, wie Kracht Geschichte und Fiktion verknüpft, einen Kulturkampf imaginiert, in dem der Film über die Deutungshoheit der Bilder entscheidet, einmal mehr Mut zum Betreten von "vermintem Terrain" aufbringt, wenn er seine Figuren über die "Bedrohung des kulturell Eigenen" sinnieren lässt, ringt dem Rezensenten Anerkennung ab. Wenn Mangold schließlich noch die Beschreibungen von japanischen Interieurs liest, kann er nur noch rufen: Was für ein Wunder von einem Roman!

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Aus: "Roman: Christian Kracht "Die Toten"" (2016)
Quelle: https://www.perlentaucher.de/buch/christian-kracht/die-toten.html
« Last Edit: October 26, 2020, 01:26:13 PM by Link »

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[Politische Mythologie (Notizen) ... ]
« Reply #9 on: October 31, 2020, 04:18:38 PM »
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[...] On August 31 President Trump told Fox News host Laura Ingraham that people in “dark shadows” were controlling Joe Biden. When pressed by Ingraham, Trump elaborated, “We had somebody get on a plane from a certain city this weekend and in the plane it was almost completely loaded with thugs wearing these dark uniforms, black uniforms with gear and this and that.”

The president’s ravings might have seemed psychotic had they not fit a Zeitgeist of paranoid, conspiratorial, and even magical thinking that has arced across our land over the last four years. Earlier this year, Trump praised Stella Immanuel, a Houston minister and pediatrician who believes, among other things, that ovarian cysts are caused by sexual intercourse with demons. A swell of right-wing voters have taken to the QAnon conspiracy, the belief that a cabal of left-wing politicians and Hollywood elites lead an international child sex ring. In response to the swelling number of deaths caused by COVID-19, Vice President Mike Pence told the Republican National Convention, “America is a nation of miracles,” and that there would be a COVID-19 vaccine “by the end of this year.” Trump has also recommended injecting sunlight and bleach as possible COVID cures.

While such thinking is undoubtedly on a tear among right-wing Americans, the left too has indulged in its share of conspiratorial and mystical thought. The anti-vaxxer movement started among well-to-do liberals. High concentrations of unvaccinated children are to be found in some of the country’s wealthiest cities and suburbs, and Democrats are more likely to believe in astrology than the average American.

This preponderance of the mystical, the miraculous, and the conspiratorial may seem at odds with our supposedly rational, modern democracy. Yet a new book by historian Monica Black suggests that the irrational was never absent from the postwar order—and, moreover, that florid eruptions of mystical thinking often accompany periods of extreme political upheaval. Black’s A Demon-Haunted Land makes this case by examining the spasm of magical thinking that convulsed West Germany in the decade after World War II. During this time, the Federal Republic of Germany, which today stands as a beacon of liberal democracy, was beset by witch scares and false messiahs. Painting a portrait of a land unable to come to terms with its violent past—and with the crimes of Nazism in particular—Black also suggests troubling parallels between the young republic and our own.

Black is an evocative writer, and, as befits her subject, she describes Germany at the cataclysmic end of World War II in epic terms. As it became clear that the Allies would win, Nazi leaders, many of whom had long held an interest in the occult, began to hold out hope for “wonder weapons” that might save the collapsing country. Meanwhile, ordinary Germans turned to magical thinking:

People did what human beings have long done when faced with a void of understanding: they scanned nature for portents. . . . In fall 1944, in the Sudetenland, people reported an enormous cloud of smoke in the eastern sky, and a bloody fist, shaking threateningly. In Lower Silesia, people saw the sun ‘dance’ and look as though, at any moment, it would collide with the earth. Those who witnessed it believed that the world would soon ‘sink in flames and death.’ A fiery sword materialized over the Bohemian Forest. Someone witnessed an immense cross in the heavens, with the full moon at its center. In Friesoythe, in Lower Saxony, a local man with the gift of second sight had a vision: his whole town consumed in flames.

Apocalyptic portents abated with the war’s end in 1945, but belief in the supernatural remained alive and well. Between 1947 and 1956, there were seventy-seven recorded trials that involved accusations of witchcraft in West Germany, a number that does not account for the scores more accusations of witchcraft that never ended up in court. At the time of West Germany’s founding in 1949, the new country’s newspapers and tabloids were full of reports of witches and medicine men roaming the countryside. Black asks readers to consider how it changes our perspective of the young German democracy—and its relationship to the Nazi past—if we treat these incidents not as fringe occurrences, but as moments when something true about its culture was revealed.

Scholars long painted West Germany as a success story: in the ruins of National Socialism, the country forged a stable parliamentary democracy. While the land was devastated in 1945—Allied firebombing had reduced some 80 percent of all urban buildings to rubble—the West German economy rebounded aggressively in the late 1940s and through the 1950s, a period of growth that contemporaries termed “the economic miracle.” In 1955, restored to most of its sovereign rights, West Germany remilitarized and joined NATO as a partner in the Western globalist project.

But over the last twenty years or so, historians have increasingly cast doubt on these simplified success narratives, especially as they relate to West Germany’s first decade. Scholars now point to the country’s extreme misogyny and patriarchal structures as well as its persecution of gay men (over 50,000 men were convicted under Nazi-era homosexuality statutes before they were abolished in 1969). The idea that a “zero hour” starkly separated the Nazi era from the postwar seems now to have been primarily a product of midcentury optimism.

For Black, who shares this skepticism, it is of paramount importance that West Germany did little to purge itself of Nazism. Most historians today agree that denazification efforts in West Germany were failures. Few Nazis were put on trial and even fewer were convicted. Most of those convicted were released in the 1950s under new amnesty laws. The government of Konrad Adenauer, West Germany’s first chancellor, allowed many former Nazi bureaucrats to reclaim their pensions and their jobs, leading to what some have called a “renazification” of the civil service and the judiciary.

At the same time, a profound silence hung over the crimes of the Nazi era, a tacit understanding that one simply did not speak of those years. “Silence,” writes Black, “was what allowed a society riven by the knowledge that it contained all sorts of people—those who had worked to support the Nazis, those who had actively opposed them, and everyone in between—to rebuild a country together.” But the repression of one kind of memory, Black contends, is precisely what gave rise to another. “The past often slipped into view,” in the form of witches, wonder doctors, and miracle workers, “like a ghost that wants to remind the living that its work on earth is not done.”

Black’s narrative is chock-full of colorful anecdotes and charismatic figures. One of its chief protagonists is Bruno Gröning, a miracle worker who roved West Germany for a decade, from 1949 until 1959. He first surfaced in the Westphalian city of Herford, where he had allegedly cured Dieter Hülsmann, a nine-year-old boy who had never been able to walk properly. When the Hülsmann family brought Gröning to see their son, in March of 1949, “the boy suddenly had feeling back in his legs. . . . There was a burning sensation in his legs and back. His cold limbs had suddenly warmed. The next morning, however unsteadily or hesitantly, Dieter, who had spent much of that bleak postwar winter in bed, got up and walked.”

News of the “messiah of Herford” spread like wildfire across the land. Black recounts how West German media eagerly began covering the new “wonder doctor” and how crowds ravenous for salvation flocked to the small hamlet in northwest Germany. Over the next several years, Gröning traveled around the country, falling in with different businessmen and ne’er-do-wells looking to profit off his mystical powers. Lawsuits too trailed Gröning wherever he went, as well as accusations that he had violated German medical law. Eventually, Gröning stood trial in Bavaria, accused, among other things, of negligent homicide. Before the court cases and appeals were wrapped up, though, he died of stomach cancer in 1959.

Gröning was only the most prominent of the many West German wonder doctors in the 1950s. Black’s approach to these events is psychoanalytic: in her estimation, these faith healers represent a “vertical” form of “the haunting of postwar West German society.” That is, “individuals who felt afflicted, guilty, or damned looked up to a savior, who just happened to show up in the moment of their direst need.” The salvation that figures such as Gröning offered was not purely physical, it was a salve on the conscience of those who knew themselves to be guilty of complicity in the crimes of National Socialism.

Belief in wonder doctors was not the only way that this “haunting” manifested. In the same years that Gröning worked his magic in front of large crowds, accusations of witchcraft rocked West Germany, especially in small communities in the country’s northern marches. Black transports her reader to the far reaches of Dithmarschen, “one of the more rural parts of an overwhelmingly urbanized country, a singular and sometimes uncanny landscape of tidal flats and heaths and bogs.” In October 1952, Hans and Erna, who were innkeepers in a Dithmarschen village, asked Waldemar Eberling, a cabinetmaker endowed with certain magical abilities, to heal their sick baby. “Eberling came to the family’s home and treated the baby with Besprechen, medicine that relied on charms, gestures, and words,” Black reports. Later on, Eberling informed the family that they “were in the clutches of an evil force,” and identified the former mayor, Claus, as well as one Frau Maassen as witches.

While these sorts of accusations did not lead to torture, trials by fire, or executions, they did tear communities apart. Frau Maassen in Dithmarschen became physically ill after hearing the allegations. Claus filed suit against the rumormongers. The accusations intersected in complex ways with denazification. Another of Eberling’s patients in the town was the daughter of the former Nazi-era mayor. She said that people had treated her father “very badly” after “the ‘downfall’,” and buttressed the claims that Claus—who had been installed as mayor under the Allied occupation and overseen the redistribution of seized property—was an “evil force.”

Such allegations—dozens of them in the years after West Germany’s founding—rippled across northern Germany in the early 1950s. They had been “stirred up by unresolved grievances, fears of exposure, and suppressed hostilities related to the Nazi era and to denazification.”

A Demon-Haunted Land not only offers a brilliant rethinking of postwar German history, but also asks us to see the irrational as an integral part of modernity. Black urges us to understand that such eruptions of magical thinking were not only real to West Germans at the time, but gave their lives and actions meaning. Without them, we miss something critical about the period.

It’s a good lesson for understanding our current politics as well. Magical thinking and witchcraft, Black tells us, “are more likely to surface in moments of instability, insecurity, and malaise.” She might as well be writing about the present-day United States. In a country hollowed out by decades of neoliberal policies—with a yawning wealth gap that separates the very privileged from the rest—it seems little surprise that Americans have turned to irrational and conspiratorial explanations, from QAnon to fears of poisonous vaccinations, for all that ails them.

Present economic and political woes may only tell part of the story, though. As Black argues throughout A Demon-Haunted Land, a lingering sense of guilt for the Holocaust and other Nazi crimes helped to inspire both the rapturous reception of wonder doctors such as Gröning and frenetic accusations of witchcraft. Hermann Zaiss, another of the 1950s messiahs who roamed West Germany, told his followers: “We knew that . . . the Jewish people among us were despised, mocked, beaten, and robbed—one only has to think of Kristallnacht—everyone knows what happened then. . . . Six million Jews were killed, and our people did that.” His mass healing sermons held out hope for redemption.

Just as Germans were forced to reckon with their own complicity in murder, so too Americans have begun to reckon with our country’s centuries-long legacy of racist violence and dispossession. “Tales of hauntings express an otherwise unspoken and sublimated terror at the center of white American life,” Black suggests, “that vengeful ghosts will come back and reclaim what’s theirs.” Magical thinking offers a way of refracting responsibility for such evils—either by seeking spiritual salvation or by sublimating guilt into a mysterious and demonic other.

How do societies that commit monstrous atrocities recover from them? An escape into the realm of the mystical was, as Black shows, one of the answers West Germans had recourse to in the late 1940s and early 1950s. To say that these avenues were irrational is not necessarily the same as saying they were ineffective: for West Germans, they may well have functioned as part of the healing process, an escape valve for those things that could not be admitted, could not be discussed, could not even be whispered.

But for us Americans, it is difficult to arrive at the same conclusion. Magical thinking does not look like a release valve. Rather it looks like a way to turn on one another, to undermine our political, medical, and social systems. In the person of Donald Trump, and the Republican Party that enables him, such magical thinking is a tool for toppling the liberal, democratic order. For those who follow the pied pipers of the extremist right, this effect may indeed be part of the appeal. Many Americans evidently prefer to believe in conspiracy theories and apocalyptic prophecies than to confront our country’s racism or its social inequities: perhaps it is easier for them to believe in magic than to accept that they live in an unjust society.


From: "Politics: When Democracy Ails, Magic Thrives" Samuel Clowes Huneke (October 29, 2020)
Source: https://bostonreview.net/politics/samuel-clowes-huneke-when-democracy-ails-magic-thrives

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"A Demon-Haunted Land: Witches, Wonder Doctors, and the Ghosts of the Past in Post-WWII Germany" - by Monica Black (Video Uploaded Oct 26, 2020)
A panel discussion on Monica Black's new book, "A Demon-Haunted Land: Witches, Wonder Doctors, and the Ghosts of the Past in Post-WWII Germany"  (Holt, Henry & Company, Inc., 2020)
https://youtu.be/EzqFw6YXGBk

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[...] Es gibt Momente, da haben sogar Republikaner einen Moment der Wahrheit. Bei Chris Christie war es am gestrigen Sonntag so weit, bei Ted Cruz schon am 3. Mai 2016.

Christie und Cruz gehörten 2016 zu den Bewerbern um die republikanische Präsidentschaftskandidatur. Christie stieg früh aus, Cruz als einer der letzten. Beide waren in den letzten vier Jahren treue Trump-Unterstützer - Cruz im Senat, Christie, Ex-Gouverneur von New Jersey und heute ohne politisches Amt, als informeller Berater.

Doch während Cruz noch zu Donald Trump hält, hat Christie deutlich gemacht, was er von dessen Versuchen hält, das Ergebnis der Präsidentschaftswahl zu delegitimieren. Das Verhalten der Trump-Anwälte sei eine "nationale Peinlichkeit", sagte er im Sender ABC. "Wahlen haben Konsequenzen, und wir können nicht so weitermachen, als sei hier etwas passiert, das nicht passiert ist."

 Er meinte damit Trumps offenkundig erlogene Behauptung, bei der Wahl am 3. November habe es relevanten Betrug gegeben. Beweise dafür haben weder Trump noch seine Rechtsanwälte vorgelegt, wie Christie richtig anmerkte. "Außerhalb der Gerichte unterstellen sie Betrug, aber wenn sie in den Gerichtssaal gehen, dann klagen sie nicht auf Betrug." Das könne nur bedeuten, dass es keine Beweise gebe.

Das ist alles richtig - mit einer Ausnahme: Die nationale Peinlichkeit sind nicht Trumps Rechtsanwälte, es ist der Mandant, den sie vertreten. Und das nicht erst jetzt, sondern seit vier Jahren, seit er zum Präsidenten gewählt wurde und aus dem Weißen Haus heraus Lügen, Hetze und Unfug verbreitet.

Ja, es gibt Gründe, warum Trump gewählt wurde. Das ändert nichts daran, dass Trump für die USA eine Schande ist. Seine stumpfe Weigerung, Fakten anzuerkennen, seine absolute Indifferenz für alles, was außerhalb seiner eigenen Welt stattfindet, seine Skrupellosigkeit, wenn es um die Folgen seines Handelns geht, machen ihn zu mehr als einer Blamage. Trump war und ist eine Bedrohung für die älteste Demokratie der Welt.

Damit wären wir bei Ted Cruz, der politisch mindestens so weit rechts steht wie Trump. Im Vorwahlkampf 2016 war er von Trump schwer beleidigt worden, er nannte ihn den "Lügenden Ted" und behauptete, Cruz' Vater sei an der Ermordung von John F. Kennedy beteiligt gewesen. Er drohte zudem damit, "mal ein bisschen was über deine Frau zu erzählen", und verbreitete auf Twitter ein unvorteilhaftes Bild von Heidi Cruz neben einem Foto seiner eigenen Frau. Cruz reagierte darauf mit einer Schimpfkanonade vor laufenden Kameras. [https://www.n-tv.de/politik/Trump-hat-ein-Problem-mit-Frauen-article17316661.html]

 "Dieser Mann ist ein pathologischer Lügner", sagte Cruz damals, am 3. Mai 2016. "Er kennt den Unterschied zwischen Wahrheit und Lügen nicht. Praktisch jedes Wort, das aus seinem Mund kommt, ist eine Lüge. Das ist ein Muster, das direkt aus einem Psychologie-Lehrbuch kommen könnte: Seine Reaktion ist, jedem anderen Lügen vorzuwerfen."

Die Analyse trifft den Nagel bis heute auf den Kopf. "Was immer er tut, wirft er jedem anderen vor", sagte Cruz. Trump und die Republikaner haben versucht, die Wahl mit Tricks und Betrugsvorwürfen zu gewinnen - also wirft er jetzt den Demokraten vor, betrogen zu haben. "Der Mann kann nicht die Wahrheit sagen, aber das kombiniert er damit, ein Narzisst zu sein. Ein Narzisst auf einem Niveau wie es dieses Land noch nicht gesehen hat." Trump sei außerdem "vollkommen amoralisch". Moral existiere für ihn nicht.

Vier Monate nach diesem Auftritt erklärte Cruz seine Unterstützung für Trump. Wie Cruz, Christie und andere Republikaner sich von Trump hat korrumpieren lassen, zeugt von grenzenlosem Opportunismus. Aber das ist nur ein Nebenstrang der eigentlichen Geschichte. Die lautet: Trump war und ist eine nationale Schande. Solange die Republikaner das nicht offen einräumen, wird er seine Macht über diese Partei behalten.


Aus: "Ein Lügner und eine Schande: Zwei Mal die Wahrheit über Trump" Ein Kommentar von Hubertus Volmer (Montag, 23. November 2020)
Quelle: https://www.n-tv.de/politik/politik_kommentare/Zwei-Mal-die-Wahrheit-ueber-Trump-article22187266.html

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[...] Am Rande von Kundgebungen der Anhänger des scheidenden US-Präsidenten Donald Trump sind mindestens fünf Menschen verletzt worden. In der Stadt Olympia im Bundesstaat Washington sei es in der Nähe des Kapitolgebäudes zu einer Schießerei mit einem Verletzten gekommen, teilte die Polizei auf Twitter mit. In der Hauptstadt Washington wurden nach Angaben der Feuerwehr vier Menschen niedergestochen. Unklar ist bislang, ob die Verletzten an den Protesten beteiligt waren und die Taten mit diesen in Zusammenhang stehen.

Die Opfer der Stichattacke lägen "mit schweren Verletzungen" im Krankenhaus, sagte der Kommunikationschef von Washingtons Feuerwehr, Doug Buchanan, der Nachrichtenagentur AFP. Die "New York Times" berichtete von 23 Festnahmen im Laufe des Tages. In Olympia sei ein Verdächtiger festgenommen worden, twitterte die Polizei.

Tausende Anhänger des scheidenden US-Präsidenten Donald Trump protestierten am Samstag erneut gegen dessen Wahlniederlage. Dabei kam es in mehreren Städten der USA zu Zusammenstößen zwischen Anhängern des Präsidenten und Gegendemonstranten. Bei der Kundgebung in Washington beklagten sie einen angeblichen Betrug bei der Präsidentschaftswahl Anfang November. Die Unterstützung für den Amtsinhaber, der seine Niederlage gegen den Demokraten Joe Biden nach wie vor nicht eingeräumt hat, fiel aber deutlich geringer aus als vor einem Monat, als 10.000 Demonstranten zur Freedom Plaza nahe dem Weißen Haus geströmt waren.

Die Teilnehmer der Kundgebung forderten "vier weitere Jahre" für Trump im Weißen Haus. "Wir werden nicht aufgeben", sagte der Demonstrant Luke Wilson, der aus dem Bundesstaat Idaho angereist war. Trump-Fan Dell Quick nannte Trumps Abwahl eine "große Ungerechtigkeit" und schwenkte eine Fahne zur Verteidigung des Rechts auf Waffen. Unter den Demonstranten waren auch Mitglieder der rechtsradikalen Gruppierung "Proud Boys". Sie waren an ihrer schwarz-gelben Kleidung zu erkennen, einige von ihnen trugen schusssichere Westen. Teilnehmer einer Gegenkundgebung in der Nähe skandierten "Nazis raus!".

Zu den Rednern, die zu den Trump-Anhängern sprachen, war auch der ehemalige Sicherheitsberater Michael Flynn, der sich in der Russland-Affäre schuldig bekannt hatte und Ende November von Trump begnadigt worden war. Die Kundgebungsteilnehmer beharrten darauf, dass es umfassenden Betrug bei der Wahl gegeben habe. Einige deuteten eine "Einmischung von außen" an, andere behaupteten, dass Millionen Stimmen für den Präsidenten durch Software vernichtet worden seien. Dell Quick sagte AFP, ein Wahlsieg Bidens sei "unmöglich". Die 62-jährige Trump-Anhängerin Susan Bowman aus Hampton, Virginia, sagte: "Dies ist keine Bananenrepublik. Wir müssen die Wahl in Ordnung bringen."

"Wow! Tausende Menschen versammeln sich in Washington (D.C.), um zu verhindern, dass die Wahl gestohlen wird", kommentierte Trump die Kundgebung auf Twitter. "Wusste nichts davon, aber ich werde sie sehen!" Wenig später flog Trump - auf dem Weg zu einer Sportveranstaltung in New York - in seinem Hubschrauber über die Menge hinweg. Viele seiner Anhänger stimmten daraufhin die Nationalhymne an.

Trump spricht seit Wochen von "Wahlbetrug", der seinem Herausforderer Biden angeblich zum Sieg verholfen habe. Das Trump-Lager ist allerdings mit einer Reihe von Klagen gegen die Wahl gescheitert. Auch vor dem Obersten Gerichtshof der USA erlitt er zwei Niederlagen. Inzwischen haben alle Bundesstaaten die Wahlergebnisse zertifiziert. Biden hatte sich bei der Wahl 306 von insgesamt 538 Wahlleuten gesichert, die am Montag den Präsidenten wählen. Für einen Wahlsieg brauchte der frühere Vizepräsident mindestens 270 Wahlfrauen und -männer. Am 20. Januar soll Biden als 46. Präsident der US-Geschichte vereidigt werden.

Quelle: ntv.de, jhe/AFP


Aus: "Schießerei und Verletzte bei Trump-Demo" (Sonntag, 13. Dezember 2020)
Quelle: https://www.n-tv.de/politik/Schiesserei-und-Verletzte-bei-Trump-Demo-article22232320.html
« Last Edit: December 13, 2020, 02:03:11 PM by Link »

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[Politische Mythologie (Notizen) ... ]
« Reply #10 on: December 31, 2020, 02:11:38 PM »
The witty Briton stands up to the European bully. How a populist myth helped the British Eurosceptics to win the 2016 EU referendum
Imke Henkel - In Politique européenne Volume 66, Issue 4, October 2019, pages 72 to 94
The British press has been reporting a uniquely distorted image of European affairs and institutions for decades. This article argues that the twisted narrative some British media offered about the relationship between the United Kingdom and mainland Europe was as influential as were the discursive strategies which they employed. Using Critical Discourse Analysis (CDA) to investigate three sample texts, and drawing on Jack Lule’s and Roland Barthes’ theories of myth, I find that two of these texts construct a populist myth of a witty British people eternally alien to the EU. This narrative ultimately contributed to the vote for Brexit.
https://www.cairn-int.info/article.php?ID_ARTICLE=E_POEU_066_0072#

"Europe’s dream? It crumbled and died" ( By TONY PARSONS, Sun on Sunday Columnist, 1st November 2015)
25 years after The Sun’s famous message to Jacques Delors, our columnist predicts migrant crisis will finally finish EU
https://www.thesun.co.uk/archives/politics/116590/europes-dream-it-crumbled-and-died/

"Brussels chuckles as reality hits mythmaker" Sarah Helm (Sunday 23 October 2011)
... Officials are clearly frustrated by their inability to respond effectively to the British right-wing press. "We answer them but the trouble is our answers aren't funny," said a senior Eurocrat.
Whether Boris Johnson changed the course of European history is debatable. What is sure is that the EU is now readier to reply, with a whole office dedicated to countering Euro-myths. A spokesman said: "We put out 134 press releases this year and killed two myths this week." ...
https://www.independent.co.uk/news/uk/home-news/brussels-chuckles-reality-hits-mythmaker-1592828.html

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[...] Die Wende kam mit Kommissionspräsident Jacques Delors und der von ihm betriebenen Reform des europäischen Projekts in den Maastrichter Verträgen. Maastricht schuf die EU mit gemeinsamer Währung und Staatsbürgerschaft und insgesamt mehr Integration, als die damals in Großbritannien regierende konservative Partei mitvollziehen wollte. Den Streit um die Ratifizierung der Verträge gewann der damalige britische Premier John Major nur knapp und mit Tricks. Zugleich begannen die "Maastrichter Rebellen" den zunehmend erbittert geführten Grabenkrieg innerhalb der konservativen Partei, den David Cameron durch ein Referendum zu beenden hoffte und der stattdessen Großbritannien aus der EU trieb. Die britische Euroskeptis ist im Wesentlichen eine englische Europhobie der Tories. Wie der Economist kürzlich vorschlug, kann die britisch-europäische Entfremdung auch als Streit zwischen einem sozialdemokratisch ausgerichteten Kommissionspräsidenten – Delors war Mitglied der Parti Socialiste Frankreichs – und einer konservativen britischen Regierungspartei verstanden werden. Doch Europa ist nicht schuldlos an dieser Entfremdung. Zum Beispiel waren die Bedenken der Briten gegen den Euro keineswegs nur unberechtigt. Es hätte dem europäischen Projekt gut getan, wenn die Briten nicht vorschnell belächelt und als Sonderlinge ohne europäisches Verständnis abgetan worden wären.

Die schrillen national-patriotischen Töne aus Großbritannien erleichterten es freilich, britische Euroskeptiker in diese Ecke zu stellen. Der Tory-Traum von uneingeschränkter Souveränität hat hier seinen Anfang. Margaret Thatchers berüchtigte Rede vor dem Europakolleg in Brügge formulierte 1988 das konservative Verständnis nationaler Souveränität, das Delors' Europavision für eine Horrorvorstellung hielt: Ihre Regierung, sagte Thatcher, habe nicht die Rolle des Staates zurückgefahren, nur um jetzt einem europäischen "Superstaat" dabei zuzuschauen, wie er den Briten eine neue Oberherrschaft von Brüssel aus aufzwänge. Dieses konservativ-libertäre Staatsverständis mündete in den erfolgreichen Brexit-Kampfruf "take back control".

Es fand Unterstützung durch eine zunehmend rabiat-europhobe Presse, die britische Patrioten aufforderte, per Megaphon von der englischen Küste aus über den Kanal Jaques Delors das englische Äquivalent des Götz-von-Berlichingen-Spruchs zuzuschreien und die zugleich über Jahrzehnte durch Falschmeldungen den nationalistischen Mythos einer tyrannischen EU pflegte, wenn sie behauptete, die EU verbiete gekrümmte Bananen oder schriebe britischen Männern vor, ihre Pracht in zu kleine Kondome einzuzwängen. Dass dergleiche Desinformationen zugleich lustig waren, gehörte zum Programm, zeigte der Humor doch, wie sehr die Briten der EU und ihren tyrannischen Vorschriften überlegen waren.

Das Souveränitätsverständnis, das Johnsons Regierung dazu gebracht hat, das wirtschaftliche Wohl des Landes einer vermeintlichen Unabhängigkeit zu opfern, wurzelt in den Verzerrungen und Unwahrheiten solch nationalistisch-antagonistischer Wahrnehmung der EU. Es ist kein Zufall, dass Johnson in den späten Achtzigern als Europakorrespondent des Telegraphs in Brüssel mit seiner Berichterstattung zu den Unwahrheiten beigetragen hat. Ebenso wenig wie es ein Zufall ist, dass die Brexit-Kampagne mit Lügen wie dem 350-Millionen-Pfund-in-der-Woche-Bus warb. Denn das Verständnis nationaler Hoheit, auf dem Radikal-Brexiter wie Johnson ihre Vision eines von der EU vermeintlich unabhängigen Königreichs aufbauen, hält den Fakten nicht stand.

... Demokratische Rechenschaft fehle der EU, hatten die Brexiter einst behauptet. Großbritannien müsse wieder souverän werden, damit die britische Regierung direkt Verantwortung für ihre eigenen Bürger übernehmen könne. Die Realität des neuen souveränen britischen Staates straft auch dieses Versprechen Lügen. Das Parlament wurde am Mittwoch gezwungen, in wenigen Stunden den Handelsvertrag mit der EU durchzupeitschen – für eine demokratische Kontrolle reicht das nicht. Als vor 30 Jahren euroskeptische Tories gegen den Maastricht-Vertrag rebellierten, durften sie noch an 41 Debattentagen ihre Einwände vorbringen.


Aus: "Brexit: Großbritannien wird die EU nicht los" Eine Analyse von Imke Henkel (31. Dezember 2020)
Quelle: https://www.zeit.de/politik/ausland/2020-12/brexit-grossbritannien-eu-wirtschaft-souveraenitaet-handelsabkommen/komplettansicht

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Am Anfang war Vernunft #3

Ich habe lieber "meckernde" Briten als Nachbarn als heimliche Diktatoren in der EU. Ich wünsche den Briten, dass sie die Realität einholt ... und dass das dann positive Auswirkungen auf die beiderseitigen Nachfolgeverhandlungen hat. Wer in der noch globalisierten Welt seine Rechnungen ohne die anderen macht, hat bald erhebliche Schwierigkeiten. Leider bestimmen wirtschaftliche und nicht ethische Richtlinien die Weltpolitik ... und das ist unser gemeinsames Übel, das es eigentlich zu bekämpfen gilt.

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