Author Topic: [Coronavirus Notizen (COVID-19-Pandemie, Mentalitätsgeschichte, etc., ...) ... ]  (Read 23222 times)

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[Coronavirus Notizen (COVID-19-Pandemie, Mentalitätsgeschichte, etc., ...) ... ]
« Reply #340 on: November 13, 2021, 01:12:46 PM »
COVID-19-Todesfälle:  Gesamt 97.617
COVID-19-Fälle:  Gesamt 4.987.971
Robert Koch-Institut: COVID-19-Dashboard
Auswertungen basierend auf den aus den Gesundheitsämtern gemäß IfSG übermittelten Meldedaten
Alle Bundesländer
https://experience.arcgis.com/experience/478220a4c454480e823b17327b2bf1d4 (13.11.2021)

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Quote
[...] Dass ein paar Meter den Flur runter jemand stirbt, bekommt Heinz Pangerl nicht mit. Er nimmt nicht wahr, wie der diensthabende Arzt den Pfleger zu sich ruft, wie der zügig, aber routiniert den Gang runterläuft und im nächsten Zimmer verschwindet. Pangerl ist selbst zu schwach, um das Bett zu verlassen. Ohne den Schlauch unter der Nase, der mit Hochdruck Sauerstoff aus einem blubbernden Beutel pumpt, könnte er kaum atmen. Aber vor allem: Die, die hier sterben, tun das still und allein. Und seit einer Weile sterben hier wieder täglich Menschen.

Die Stationen 6/2 Nord und 6/2 Süd des RoMed Klinikums in Rosenheim sind Covid-Stationen. Je 24 Betten, von der Außenwelt isoliert. "Normalstation" nennt das Klinikpersonal das, um den Unterschied zu den Intensivbetten klarzumachen. "Normal" ist ein harmloses Wort für das, was hier passiert. Wer hier liegt, darf keinen Besuch empfangen. Die meisten sind ohnehin so schlapp, dass sie nicht viel mehr als liegen und fernsehen können. Und darauf warten, gesund zu werden. Die Öffentlichkeit draußen erfährt kaum etwas darüber, was auf der Isolierstation passiert. Um das zu ändern, hat die Klinik sich entschieden, unter großer Vorsicht einen einmaligen Besuch zu ermöglichen.

Wer hier arbeitet, setzt sich permanent der Gefahr aus, sich zu infizieren. Die Vorschriften sind deshalb streng: Um eines der Zimmer zu betreten, braucht man einen speziellen Kittel, Handschuhe, eine OP-Haube, FFP3-Maske und ein Visier. Wenn es nicht unbedingt nötig ist, wird hier nichts angefasst. Die meiste Zeit scheinen alle damit beschäftigt, irgendetwas zu desinfizieren. Wer die Station verlässt, muss die Schutzkleidung in einer bestimmten Reihenfolge ablegen und entsorgen. Es ist brutal warm unter der Montur.

Auf der Intensivstation sind die Vorschriften noch strenger. 97 Prozent der Betten sind hier in Rosenheim derzeit ausgelastet. Und das ist erst der Anfang. Klinikleiter Jens Deerberg-Wittram trinkt zum Interview einen Kakao, "mein Frühstück und Mittagessen", sagt er. Es ist 16 Uhr und draußen schon fast wieder dunkel. "Mit dem Herbst beginnt die Traumahochzeit", sagt er. Soll heißen: Die letzten Mountainbiker des Sommers rutschen auf dem Laub aus, die ersten Skifahrer der Saison sind noch nicht wieder im Training und stürzen. Urlauber, die aus dem Süden zurückkehren, wo sie die letzten warmen Tage des Jahres nutzen wollten, verunglücken auf den Autobahnen. Sie alle landen potenziell auf der Intensivstation.

Doch dort fehlt das Personal. Nach zwei Jahren Pandemie haben viele gekündigt. Wer früher in Rente konnte, ist gegangen, der Krankenstand ist hoch, Nachwuchs fehlt. Statt 50 Betten in idealen Zeiten könne man gerade noch 36 belegen, rechnet der Klinikchef vor.

Und von denen sind an diesem Tag 16 mit Covid-Patienten ausgelastet. Es bleiben also noch 20 für den ganzen Rest. Deerberg-Wittram schließt das Fenster in seinem Büro, das zum Lüften offen stand. Auf dem Dach gegenüber landet lautstark ein Rettungshubschrauber. "Wer da drin liegt, kommt garantiert auf die Intensiv", sagt er, deutet hinüber. Und was, wenn da kein Platz mehr frei wäre? "Dann müssten wir welchen schaffen."

Aufstocken geht nicht, auf der Intensiv braucht es speziell geschultes Personal. Das Team schaut also, welche Patientin oder welcher Patient am ehesten auf eine Normalstation verlegt werden kann. Was dadurch passiert, ist praktisch eine Triage. "Natürlich ist es nicht so, dass da ein Arzt im blutverschmierten Kittel durchs Feldlazarett läuft und auf die Patienten zeigt, die gerettet werden", sagt Deerberg-Wittram. Das Ganze passiere vielmehr im Stillen, wie das Sterben auf Station 6/2 Nord. "Wenn mal einer früher runtergeholt wird, ist das noch nicht dramatisch", sagt der Geschäftsführer. "Aber wenn wir zehn Patienten von der Intensiv runternehmen, wenn wir von unseren Standards abweichen müssen, die es aus guten Gründen gibt, dann sterben von zehn eben vielleicht doch ein oder zwei."

Die Auslastung der Betten liege jetzt schon auf dem Niveau von Dezember 2020. Und damals war Deutschland weitgehend im Lockdown, da fuhr fast niemand Ski, in den Urlaub oder über die Autobahn. Einen erneuten Lockdown hat die Politik bereits ausgeschlossen. Deshalb fürchtet Deerberg-Wittram, dass es diesen Winter noch viel schlimmer kommen könnte.

Will man also die Triage verhindern und die Zahl der Toten verringern, müssen sich die Betten leeren. Und das bedeutet: Die Infektionszahlen müssen runter. Eigentlich eine banale Erkenntnis. Die allerdings umzusetzen, damit tut sich die Region seit Beginn der Pandemie schwer. Seit dem Frühjahr 2020 liegt die Inzidenz im Vergleich zu anderen Regionen in Deutschland stets auf einem oberen Spitzenplatz. Wohl niemand weiß das besser als Wolfgang Hierl. Er leitet das Gesundheitsamt in Rosenheim, jede Woche schreibt er einen aufwendigen Bericht. Für jede Frage hat er ein Tortendiagramm oder eine bunte Grafik vor sich auf dem Konferenztisch liegen.

Erst waren es Skiurlauber, die aus Tirol heimkehrten, dann waren es die Pflegeheime – in Rosenheim gibt es davon 70 Stück, extrem viele pro Einwohner. In diesem Sommer trieben Reiserückkehrer vom Balkan die Zahlen messbar nach oben, die Community ist groß in Rosenheim, viele waren auf Heimatbesuch. Jetzt steigt die Zahl der Impfdurchbrüche, weil bei den Älteren langsam die Wirkung nachlässt, sagt Hierl.

Das erklärt zwar den Zeitverlauf der Pandemie präzise, aber nicht wirklich, warum gerade hier die Zahlen konstant höher sind als etwa in Nordbayern oder Niedersachsen. Auch dort machen Menschen Skiurlaub und auch dort leben Menschen, die ihre Familien im Ausland besuchen. 

Doch es gibt eine Zahl, die darüber Aufschluss gibt: Knapp 58 Prozent der Menschen in Stadt und Landkreis Rosenheim sind vollständig geimpft. Das liegt weit unter dem Bundesdurchschnitt von derzeit knapp 70 Prozent. Und wer nicht geimpft ist, landet mit höherer Wahrscheinlichkeit im Krankenhaus. Die eigentliche Frage ist also: Warum lassen sich hier so wenige Menschen impfen?

Heinz Pangerl, der Patient von Station 6/2 Nord, war auch ungeimpft. Ein Fehler, wie er heute sagt. Es gehört Größe dazu, das einzugestehen. "Ich dachte, ich habe ja nicht viele Kontakte, das Virus werde ich schon nicht kriegen." Und wenn es ihn doch erwischen sollte, dachte er, "wird es schon nicht schlimmer werden als eine Grippe". Angesteckt hat er sich, als er mit zwei Freunden bei einem Bier zusammensaß. Beide waren geimpft. Noch immer wird die Gefahr von Corona von einigen unterschätzt, Pangerl ist da nicht allein.

Und nun lag er fast eine Woche auf der Intensivstation, mal zwei Stunden Bauchlage, mal drei, mal zwölf. Das soll beim Atmen helfen. Blasenkatheter, außerdem einen Zugang für Infusionen am Hals. "Die Angst war größer als jeder Schmerz." Er habe sich gefühlt, "als stünde schon jemand mit der Schaufel da". 

Doch nicht alle auf der Station sind einsichtig. Stephan Budweiser ist der zuständige Chefarzt. Viele Ärzte und Pflegende berichten mittlerweile von immer unverschämteren Patienten, die immer noch an der Krankheit zweifeln, sich beschweren, diskutieren wollen. Ein Patient, erzählt Budweiser, habe trotz schweren Krankheitsverlaufs gesagt: "Ich sehe das Virus nicht. Zeigen Sie es mir, ich glaube das nicht."

Auf dem CT von Pangerls Lunge zum Beispiel kann man die Krankheit deutlich sehen. Weiße Flecken zeigen, wo sich Embolien gebildet haben. Es sieht aus wie ein Rorschachtest, nur dass es hier keinen Interpretationsspielraum gibt. Die Diagnose ist eindeutig und sie ist mies. Pangerl hat einen Fehler gemacht und einen Preis dafür bezahlt. Die Impfung hätte ihn genau davor schützen können, sagt die Wissenschaft.

"Braucht's nicht", sagt ein Landwirt in Schechen, knapp zehn Autominuten nördlich der Stadt Rosenheim. Nicht viel mehr als ein paar Bauernhäuser umfasst die Gemeinde, eigentlich ein unscheinbarer Ort, wäre er nicht vor einer Weile in die Nachrichten gelangt. Auf einem verlassenen Hof hatte eine Frau, die laut Verfassungsschutz zum Reichsbürgermilieu zählt, eine Schule eröffnet. Etwa 50 Kinder kamen, die Eltern wurden angelockt mit dem Versprechen, dass hier keine Masken, keine Abstandsregeln und keine Tests oder Impfungen nötig seien. Das Landratsamt hat die Schule schnell wieder geschlossen.

"Wir sind hier nicht alle Esoteriker", sagt der Landwirt genervt. Namentlich zitiert werden will er nicht. Er sei auch kein Impfgegner, aber er habe ja keine Kontakte zu anderen, also warte er lieber erst mal ab, ob mit dem Impfstoff auch alles in Ordnung sei. Überhaupt, die Treiber der Pandemie, das seien die jungen Leute, die geimpft sind und sich nun wieder in Scharen träfen. Aber ein Querdenker oder so, das sei er nicht.

Sicher hängt sich nicht jeder in Oberbayern gleich einen Traumfänger übers Bett oder trägt Aluhut, aber man muss auch gar nicht zu nah an die Extreme heran, um ein Muster zu erkennen: ein breites Misstrauen in Schulmedizin, Medien und Politik. Und eine ausgeprägte Tendenz dazu, nach Alternativen zu suchen. Nirgendwo in Bayern sind, mit großem Abstand, so viele Heilpraktiker niedergelassen wie in Oberbayern. Heilpraktiker sind keine Mediziner, sie müssen nicht nachweisen, dass sie heilen können, auch wenn das der Name suggeriert. Sie müssen lediglich belegen, dass sie niemandem schaden. "Das scheint ein kultureller Faktor in der Region zu sein. Die hängen hier schon ganz schön in ihrer eigenen Suppe", sagt Klinikchef Jens Deerberg-Wittram. Es gebe eine Skepsis gegenüber allem, was von oben kommt, und ein ausgeprägtes Interesse an Naturheilkunde in der Region.

Das Gefälle verläuft von Norden nach Süden durch den Freistaat. Bei den Heilpraktikern wie beim Impfen. Das gilt für Corona genauso wie fürs Impfen im Allgemeinen. Bei Masern etwa lag der Wert bei vollständig geimpften Kindern 2019 bei 92,3 Prozent, in Rosenheim jedoch nur bei 83,3. "Das sind alles Zutaten für die große Corona-Torte", sagt Deerberg-Wittram. 

Einer, der seit Wochen gegen die Impfmüdigkeit ankämpft, ist Michael Riffelmacher. Er leitet das Impfzentrum in Rosenheim. Reicht zur Begrüßung die Hand, den Fistbump mag er nicht. Jetzt sitzt er in einem Kursraum der Volkshochschule, hier findet an diesem Tag eine Sonderimpfaktion statt.

Obwohl draußen nur ein kleines, unscheinbares Schild im Fenster hängt, ist die Schlange lang. Sie zieht sich zwischenzeitlich über die gesamte erste Etage, über den Köpfen der Wartenden flimmert das Kursangebot auf einem Monitor. Häkeln und stricken im Nähsaal, Integrationskurse, Sprachkurse in Englisch und Spanisch auf verschiedenen Levels. Yoga für Best Ager, Tai-Chi.

Der hohe Andrang überrascht Riffelmacher nicht. Das sei das, was er seit einigen Tagen beobachten könne. Viele seien dabei, die jetzt sagen: "Ich will mich frei bewegen können, will mal wieder abends ausgehen, will verreisen." Bayern hat gerade erst die Regelungen wieder verschärft. Es gilt erneut der Katastrophenfall.

Fragt man sich in der Schlange der Wartenden durch, stehen da vor allem Ältere, die sich den Booster holen wollen, und junge Leute, die nun widerwillig doch zum Impfen kommen. Ein Handwerker mit Dreitagebart und Pferdeschwanz fürchtet, ansonsten im Fall einer Quarantäne keinen Anspruch auf Lohnfortzahlung mehr zu haben. Ein paar Jugendliche wollen sich wappnen, wenn in den Bars nur noch 2G gilt und sie nicht wollen, dass ihre Freundinnen ohne sie rausgehen. Giovanni Cimenis will weiterhin ins Fitnessstudio gehen können. Impfnachweis oder Test sind Pflicht und die werden dem 21-Jährigen auf Dauer zu teuer. "Man kann ja bald nicht mehr aufs Klo gehen ohne einen Test", sagt er und lacht.

Der politische Druck, er scheint zumindest hier zu wirken. Das bemerkt auch Michael Riffelmacher. Von denen, die jetzt noch nicht geimpft sind, könne man die Hälfte noch überzeugen, schätzt er. Das sei viel Arbeit, aber wichtig. Er habe auch Menschen erlebt, die aus medizinischen Gründen oder wegen der jetzt rasant steigenden Zahlen kommen. "Die dachten, da kommen wir so durch. Und jetzt sehen sie, dass es wohl doch nicht so einfach ist."

Die andere Hälfte, vermutet er, werde stur bleiben. Das sind dann tatsächlich eher die aus dem Feld der Impfverweigerer kommen, der Esoteriker und selbst ernannten Querdenker. Es sind die Menschen, die Gesundheitsamtsleiter Wolfgang Hierl, als die Maskenpflicht in Schulen eingeführt wurde, E-Mails schrieben, in denen sie ihm vorwarfen, damit die Kinder zu vergewaltigen. "Total unter der Gürtellinie", sagt er. 

Auf der Station 6/2 Nord im Rosenheimer Klinikum ruft ein Zimmergenosse von Heinz Pangerl zu sich ans Bett. Er kriegt kaum drei Worte am Stück raus, ohne aus der Puste zu kommen. Auch er ist ungeimpft, wegen einer Nierenkrankheit sei das nicht möglich gewesen, sagt er. Er wolle unbedingt was klarstellen: Das Team hier, die Ärztinnen und Pfleger, die machen einen fantastischen Job. Er sagt es so leise, dass die übrigen Personen im Raum es kaum hören können. Mit Lob rechnet hier ohnehin kaum jemand.

Heinz Pangerl kommt, wenn alles gut für ihn läuft, an diesem Wochenende nach Hause. Gesund ist er dann noch nicht, er ist zu schwach für vieles. Arbeiten wird er in diesem Jahr nicht mehr, er will ohnehin lieber die Zeit mit seiner Familie verbringen. Und keine Pläne machen: "Nein. Nur leben."



Aus: "Rosenheim: Die Triage findet im Stillen statt" Eine Reportage von Christian Vooren, Rosenheim (12. November 2021)
Quelle: https://www.zeit.de/gesellschaft/zeitgeschehen/2021-11/rosenheim-corona-inzidenz-intensivbetten-heilpraktiker-impfung

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Dctld #85

Gute Nachrichten für die Naturverbundenen in Rosenheim!
Es gibt da jetzt auch etwas von einer kleinen deutschen Firma aus Mainz. Ist was ganz Natürliches zur Stärkung des Immunsystems. Enthält gesunde Ribose und 4 natürliche Basen. In einem patentierten Verfahren wird das Produkt mit Information aufgeladen (ungefähr so wie bei der Quantenmechanik). Diese Information wird in einzigartiger Weise vom Körper genutzt sich selbst zu schützen. Ganz ohne Antibiotika, Cortison oder Parabene und von Natur aus vegan und sogar glutenfrei. Nur solange der Vorrat reicht!

Jetzt muss Hr Spahn nur noch dafür sorgen dass Heilpraktiker dieses natürliche Tonikum verabreichen können, meinetwegen darf auch der Oberarm auch erst für nur wenige 100€ ausgependelt werden.

Den QR Code könnte man dann auf einen Rosenquarz drucken und gegen den Erdmittelpunkt schütteln.

… Problem gelöst.


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RowErg #85.1

Bester Kommentar heute.


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Dctld #85.4

… außerdem braucht man noch einen griffigen Namen. Z.B. „Professor Sahins Wintertonikum“


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hrtr87 #85.11

Quantenmechanik ist ein Teilgebiet der Physik und hat nichts mit Heilpraktikern zu tun :(


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Dctld #85.12

Sie haben offensichtlich noch nie mit einem Homöopathen diskutiert … da ist man in 2 Schritten von der Verdünnung bei der „Quantenmechanik"


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hansaloisd #91

Now we are hit by reality! ...


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propofol77 #97

Ich arbeite in der Region im medizinischen Bereich und muss leider jeden Satz aus diesem Artikel bestätigen.

Als ich damals in der Region angefangen habe, hat uns unser Chef darüber aufgeklärt, dass die Region hier eine der niedrigsten Impfquoten bezüglich Standardimpfungen (Tetanus, Masern usw) in Deutschland hat. Das merkt man auch deutlich.

Dazu kommen tatsächlich viele Querdenker. Habe schon so manche Diskussion zwischen Querdenker und Supermarktpersonal mitbekommen und konnte mich dann auch nicht beherrschen... Da wird dann mit Mundschutz um den Hals durch den Aldi gelaufen und knapp 10-jährige Kinder laufen ganz ohne Mundschutz wild umher und husten quer durch den Laden.

Was mich aber tatsächlich schockiert ist, dass trotz diverser "Alarmmeldungen" in der Presse die tatsächliche Tragweite noch immer nicht bei der Bevölkerung angekommen ist. Bestes Beispiel: im Klinikum im 1.Stock auf der Intensiv kämpfen Corona-Patienten um ihr Leben - Rettungswägen haben größte Probleme Kliniken zu finden, die ihnen die Patienten abnehmen und verlegen mittlerweile Patienten quer durch Bayern - aber am Ichikawa-Platz direkt neben dem Klinikgelände, in Sichtweite der Intensivstation wird GEGEN IMPFUNGEN demonstriert!!!! Was für ein Hohn! Und dann fragt man sich warum Pflegepersonal frustriert ist? ...


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Baphomet1980 #41

Warum Triage im Stillen?

Zur besten Sendezeit auf allen Kanälen müsste das öffentlich gemacht werden...mit hübschen Bildern nach Luft hechelnder auf den Krankenhausfluren
Warum diese falsche Rücksichtnahme vor harten Realitäten? Sind wir so Verweichlicht und Wohlstandsverwahlost?


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Third Party #41.2

Wertester, auch Patienten und deren Angehörige haben ein Recht darauf, nicht als Warnbilder missbraucht zu werden.


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propofol77 #41.3

Mich erstaunt es auch, dass es nicht viel mehr Dokus wie Station 43 - Sterben gibt. [Trotz hochtechnisierter Intensivmedizin und großem persönlichen Einsatz, stößt das Personal immer wieder an die Grenzen dessen, was der Mensch vermag. Es ist mit einer völlig neuen Erkrankung konfrontiert, die den ganzen Körper schädigen kann und bewährte Therapien versagen lässt. Immer wieder müssen die erfahrenen Ärzte und Pflegenden das Unausweichliche akzeptieren und Menschen gehen lassen. Am Ende einer langen Schicht fühlt es sich oft an wie ein Aufgeben - und hinterlässt Spuren bei denen, die bleiben. https://www.rbb-online.de/doku/c-d/charite-intensiv-station-43/charite-intensiv-station-43-folge-1-sterben.html]

Eigentlich müsste das Fernsehen voll davon sein, damit die Bevölkerung endlich kapiert was hier abgeht. Zu Beginn der Pandemie wollte man sicherlich Presseleute nicht zusätzlich gefährden. Mittlerweile würde ich es aber für vertretbar halten, 3-fach geimpfte Dokumentarfilmer in Schutzausrüstung mitzunehmen.

Was mittlerweile im Rettungsdienst abgeht ist echt der Hammer. Man müsste mal mitschneiden, welche Transportziele da mittlerweile im Gespräch sind und wie lange da oft gesucht wird, während der Corona-Patient beatmet wird und der Sauerstoffvorrat immer weniger wird.


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Umelaphi wakho #28

"Viele Ärzte und Pflegende berichten mittlerweile von immer unverschämteren Patienten, die immer noch an der Krankheit zweifeln, sich beschweren, diskutieren wollen. "

Von Coronaleugnern würde ich keine andere Verhaltensweise erwarten.


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vincentvision #3

Ich habe als Naturwissenschaftler zunehmend Probleme damit, mir anzuschauen, wie sehr sich zu viele von Wahrheit und Aufklärung entfernt haben - wenn sie je nah genug dran waren.

Wenn ich im Zusammenhang mit lebensrettenden Impfungen die Wörter „Abwarten“, „eigene Gedanken machen“ oder gar „Heilpraktiker“ lese, wird mir schlecht. So als hätte es Schulen, Naturwissenschaften, Biologie, Podcasts von Experten, etc. nie gegeben!

Das ist mentales Mittelalter, wo dem fahrenden Bader als Scharlatan mehr geglaubt wurde als allem gesammelten Wissen.

Die Leidtragenden dieser Dummheit und Verblendung sind ungeschützte Schwächere - Ältere, Vorerkrankte, Kinder und zunehmend wieder so viele, dass wir mit Wucht in eine vierte Welle geraten, die diesen Winter unnötig viele Intensiverkrankte und Tote verursachen wird.


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Messor #3.1

Das ist schkn keine Frage der Naturwissenschaften mehr. Mit Fakten erreicht man niemanden mehr. Jetzt können nur noch Psychologen übernehmen.


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hurt #3.4

Esoterik und Geschwurbel wurde viel zu lange als harmlos oder drollig abgetan. ...


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Auric Goldfinger #3.5

Na ja vincentvision, man muss bedenken, dass die Naturwissenschaften und besonders auch die Medizin schon oft schwer voll daneben gelegen haben.

Ist zB noch gar nicht so lange her, da wurden im Namen einer (damals) "fortschrittlichen Medizin" Menschen mit "Elektroschockbehandlung" malträtiert, ein wahrhaft barbarisches, hirnschädigendes Verfahren.

Und wie wird man in 50 Jahren über Chemotherapien urteilen? Ich kenne jedenfalls einen Fall, da hat eine Bekannte ihren Krebs (angeblich) besiegt, dafür sind ihre Nieren kaputt und sie hängt an der Dialyse.

Bei den Corona-Impfstoffen ist es wohl etwas anderes und ich habe mich sofort impfen lassen, aber die Bedenken einiger BürgerInnen verstehe ich schon.


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vincentvision #3.7

@Auric Goldfinger

Niemand behauptet, die Wissenschaft hätte nicht oft danebengelegen, weil sie eben nichts Statisches ist, sondern sich dauernd weiter entwickelt.
Nur - sie liefert eben immer aktuell das am besten verfügbare, systematisch untersuchte Wissen, was wir haben! ...


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Ailui #3.22

Irgendwie hat man das Gefühl die Gesellschaft entwickelt sich zurück…
In den 90er und 2000er Jahren so: „Eindeutige Hinweise für Wasser auf dem Mars! Durchbruch beim Klonen! Das menschliche Genom ist vollständig entschlüsselt!“. Und heute gefühlt: „Ja, Covid19 existiert wirklich. Es gibt keine Belege für eine Korrelation zwischen dem Mobilfunkstandard 5G und dem Coronavirus. Nein, Leute die Erde ist wirklich rund.“

Ich frage mich zunehmend, ob diese groteske Wissenschaftsfeindlichkeit in den letzten Jahren schlimmer geworden ist oder ob sie schon immer da war und einfach jetzt mehr ans Licht kommt.


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Kanndassein #3.24

Wissenschaft entwickelt sich mit neuen Erkenntnissen weiter, Einst wurde angenommen, die Erde sei eine Scheibe und stünde im Mittelpunkt des Universums. Heute weiß jeder - abgesehen von einigen Idioten -, dass das nicht stimmte. Beim Impfen ist es so, dass inzwischen 3 Milliarden Impfdosen verabreicht wurden und tödliche oder auf Dauer schädliche Nebenwirkungen äußerst selten auftraten. ...


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GPK #3.26

Da gerieren sich die Esoteriker als "naturverbunden", kritisch gegenüber der Schulmedizin. Setzen auf einen "gesunden Körper" und was da sonst noch alles so geschwurbelt wird. Wenn man genauer hinschaut, sieht man meistens nur warme Luft. Einige in dieser Szene machen richtig viel Geld, können sich schöne Anwesen im südöstlichen Oberbayern leisten. Aber eigentlich ist "dagegen sein" das Geschäftsmodell. Unterstützt wird das auch, durch oft unkritische und verkitschte Berichterstattung über "im Einklang mit der Natur ...". Da haben sich viele Mitmenschen selbst erfolgreich verblödet. Mit den jetzt heftig zu Tage tretenden Konsequenzen.


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Harald_A #3.31

„Das ist mentales Mittelalter, wo dem fahrenden Bader als Scharlatan mehr geglaubt wurde als allem gesammelten Wissen.“

Mit dem Unterschied das es die Menschen im Mittelalter nicht besser wussten....


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YoginiMuffin #3.38

Jaaaaa! Mein Onkel ist an den Spätfolgen von Kortison gestorben, Leberkrebs. Nachdem es ihm 65 Jahre lang wegen seines schweren Asthmas das Leben gerettet hat ...


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ArribaChinchita #12

Rosenheim, einer der Besenstiellandkreise, wo viele noch glauben, eine Kerze vor der geschnitzten Madonna und ein Kräuterbuschen hinterm Kruzifix schützt vor allen Krankheiten.


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DontPanik #12.1

Das sind keine Krankheiten, sondern „Gottesgeschenke“.


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PeterLustiger #15

Gleiche Korrelation in Österreich, insbesondere Oberösterreich - auch dort ist die Heilpraktiker-Szene sehr groß, die (Apotheker-/lokalen) Zeitungen sind voll von Anzeigen für allerlei zweifelhafte "Therapien". Die Impfrate ist relativ niedrig, die Inzidenz mittlerweile bei 700.


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Zeitdruck1 #15.1

Oberösterreich heute > 1200


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lavendellaus #48

Ich sag's jetzt einfach mal: mein Schwager 55, starker Raucher, wenig Bewegung, ungesunde Ernährung, 150 kg bei 175cm wartet auch lieber erst mal ab,
ob der Impfstoff sicher ist.

Ein eigentlich vernünftiger Mann, der sonst sehr vorsichtig war bezüglich Corona
eben weil er offenbar zu einer Risikogruppe gehört,
hat sich von seiner Frau zum Impfskeptiker machen lassen:
langsam, über Monate hinweg, stetig wie sie ihn auch sonst so vom Junggesellen zum Vater geschliffen hat, vom Stehpinkler zum Duschkabinenabzieher.

Beide nehmen mittlerweile nur noch wahr, was sie wahrhaben möchten: billige Polemiken in der Telegram-"Freundesgruppe" etc. und ja die Homöopathietante fehlt auch nicht.

Um sie mache ich mir keine Sorgen, um die Kinder auch nicht. Aber um ihn. Und ich will nicht, dass er wegdarwinisiert wird - ein Dilemma, da ich auch gerne recht behalte.


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ResponsibleGambling #76

Ein sehr guter Bericht. Einfühlsam, sachlich formuliert, extrem realitätsnah u. ernüchternd in seiner Aussagekraft.


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Poloele #76.1

Einfühlsam und sachlich? Man hat eine ganze Region als Idioten hingestellt.


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Wildbader #76.7

Nein, das erklärt leider die Situation in meinem Landkreis.
Sehr gute Bildungseinrichtungen, sehr wohlhabend, und hohe Idiotendichte.


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Guido Gabriel #76.2

Die Realität ist manchmal nicht so schön.


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ResponsibleGambling #76.6

Manche erschaffen Realitäten, andere beschreiben sie und wieder andere können damit nicht umgehen.


Quote
Dogwalker #84

Man liest es und ist fassungslos ob der Ignoranz vieler Menschen.
Und ich bezweifle, dass Überzeugungsarbeit dabei viel leisten kann.
Bei den Impfverweigerern sind laut einer Umfrage Anhänger der AfD und der Partei "Die Basis" überproportional vertreten.
Und sie sind bekanntermaßen rationalen Argumenten nur begrenzt zugänglich....


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« Last Edit: November 13, 2021, 01:32:15 PM by Link »

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« Reply #341 on: November 16, 2021, 04:51:11 PM »
Quote
[...] Wie verheerend die epidemische Situation in Österreich ist, beweist die höchst eigenwillige Krisenkommunikation vom Freitag. Bundeskanzler Alexander Schallenberg, Gesundheitsminister Wolfgang Mückstein, die ÖVP-Landeshauptleute der beiden am stärksten von Covid-19 betroffenen Bundesländer Salzburg und Oberösterreich gaben nahezu gleichzeitig Pressekonferenzen. Wieder einmal eine Aktion, die als "einmalig" apostrophiert werden kann, sofern das Wort im Zusammenhang mit dem Coronavirus noch Sinn ergibt.

Eigentlich müsste allen Beteiligten klar sein: Wer die Bevölkerung informieren oder auch warnen will und sie zur Mitarbeit im Kampf gegen das Virus aufrufen möchten, sollte dies unbedingt mit klaren und gut verständlichen Aussagen tun. Wenn es hingegen die einzelnen Landeschefs und die beiden Koalitionspartner der Bundesregierung für nötig halten, jeweils zunächst ihre Sicht der Dinge kundzutun und sie dabei auch noch sich widersprechende Aussagen machen, dann wird deutlich, dass Krisenbewältigung nur eine Nebenrolle spielt.

Das vornehmliche Ziel der Politiker scheint im Moment Gesichtswahrung zu sein. Die Realität drastisch steigender Infektionszahlen, die zu einer landesweiten Sieben-Tage-Inzidenz von 775 geführt haben, die in Oberösterreich und Salzburg allerdings schon bei 1.200 liegt, ermöglichen keinen günstigen Spin mehr. Keiner der Politiker kann mehr für sich in Anspruch nehmen, vorausschauend und richtig gehandelt zu haben. Die bisherigen Schutzmaßnahmen müssen somit als gescheitert gelten.

Ein Politprofi in der Mediendemokratie darf dies natürlich niemals eingestehen. Deshalb wird nun unaufhörlich der "Stufenplan" beschworen. Auf den hatten sich Regierung und Länder einigen können, allerdings nur deshalb, weil dieser sehr vage war und mit ausgedehnten Zeitfenstern operierte. Der Grundgedanke des Stufenplans war gewesen, dass man die Frühindikatoren, wie Reproduktionszahlen und Sieben-Tage-Inzidenz bei den Neuinfektionen nicht mehr allein gelten ließ, sondern sie durch das Kriterium der Krankenhausauslastung ergänzte. Wenn also die Infektionen ansteigen, zugleich aber noch genügend Intensivbetten vorhanden sind, müsste nichts getan werden.

Dieses kurzsichtige Konzept ging so lange gut, wie das Wetter schön war. Als es kälter wurde, schlug der hinlänglich bekannte saisonale Umschwung zu. Die Impfdurchbrüche mehrten sich und die Infektionszahlen waren so hoch, dass sie die Krankenhäuser schnell zu füllen begannen. Eine vorhersehbare Katastrophe nahm ihren Lauf.

Wie konnte es zu so einer Fehleinschätzung kommen? Hierfür gibt es mindestens vier Gründe. Erstens war man der eigenen Wohlfühlpropaganda erlegen, die jeweils im Frühjahr und im Sommer die Pandemie für beendet erklärt. Die übergeschnappte Lust am Verbreiten guter Nachrichten hatte den Ex-Bundeskanzler Sebastian Kurz verleitet, periodisch das Ende der Corona-Pandemie zu verkünden.

Im Sommer meinte er, die Pandemie sei vorbei und nun sei das Virus "Privatsache". Energisch widersprochen wurde ihm nicht, insgeheim hatten viele gehofft, er habe Recht. Niemand wollte mit schlechten Nachrichten die fröhliche Stimmung drücken.

Zweitens herrscht in Teilen des Landes bis in höchste Kreise eine ausgewachsene Intellektuellenfeindlichkeit. Man hört lieber auf den eigenen "Hausverstand" und Kräutermönche als auf Wissenschaftler. Der Salzburger Landeshauptmann Wilfried Haslauer warf den Virologen pauschal vor, am liebsten alle Menschen einsperren zu wollen, bis diese verdursten und verhungern.

Der Komplexitätsforscher und Regierungsberater Peter Klimek der MedUni Wien kommentierte, man wolle auf dem Weg zur "Bananenrepublik" auch die letzten Wissenschaftsexperten außer Landes treiben. Landeshauptmann Haslauer hingegen fühlt sich missverstanden ob seiner "pointierten Aussagen" und sieht sich nun wohl als Opfer einer Kräuterhexenjagd.

Drittens gehen die Partikularinteressen im Lande über alles. Österreich verfügt über Bundesländer mit nur einigen Hunderttausend Einwohnern. Hier haben die Wirtschaftstreibenden stets das Ohr der Landesfürsten. Insbesondere für die westlichen Bundesländer, die sich gerne ihrer Innovationskraft und Technologieführerschaft rühmen, ist der Ski-Tourismus die wichtigste Einnahmequelle. Deshalb wurden Instrumente wie die "Corona-Ampel", die die Infektionsgefahren einzelner Bezirke transparent machten, vom Gastgewerbeverband in Abrede gestellt, denn schließlich seien die Hotels sicher und nur das müssten die Besucher wissen.

Damit ist man nun, spätestens nachdem Deutschland Österreich zum Hochrisikogebiet erklärt hat, auf dem Bauch gelandet. Wer aus dem Urlaub in Österreich nach Deutschland zurückkehrt und nicht geimpft ist, muss jetzt in zehntägige Quarantäne. Die deutschen Urlauber, die in Teilen Tirols 80 Prozent der Besucher ausmachen, werden sich die Reise deshalb mehrmals überlegen, zumindest so lange es für ihre Kinder kein ausreichendes Impfangebot gibt.

Der letzte Grund für das Regierungsversagen ist der ärgerlichste und unnötigste. Der durch den Druck mehrerer Anzeigen in die zweite Reihe zurückgetretene Ex-Bundeskanzler Sebastian Kurz, hat die Österreichische Volkspartei sehr geschwächt. Offenkundig will die ÖVP nun dem kleinen grünen Koalitionspartner keine Profilierungsmöglichkeiten mehr geben und zeigt ihrem Gesundheitsminister deshalb geflissentlich die kalte Schulter. Durch dieses ewige Hin-und-her fehlt der Pandemiebekämpfung in Österreich jedwede Langzeitperspektive.

Eine Videokonferenz mit allen Landeshauptleuten soll die Länder auf neue, bundesweite Maßnahmen verpflichten, wie dem Lockdown für Ungeimpfte. Hierbei sieht sich aber zum Beispiel das Burgenland durch neue Einschränkungen betrogen, weil es mit einer Impflotterie und weiteren Maßnahmen immerhin auf eine Impfquote von 71 Prozent gekommen ist, während diese landesweit bei nur 65 Prozent liegt und im stramm rechtskonservativen und impfskeptischen Oberösterreich sogar nur bei 60 Prozent.

Der burgenländische Landeshaupt Hans Peter Doskozil will nun nicht, dass seine Erfolge durch die Säumigkeit der Nachbarn zunichte gemacht werden. Die Interpretation des Sozialdemokraten Doskozil von Solidarität darf hierbei als eigenwillig betrachtet werden.

Virologen halten diese Art der Kleinstaaterei ohnehin für naiv. Zwar sei es von Vorteil, wenn etwa der Wiener SPÖ-Bürgermeister Ludwig in den letzten Wochen, anders als seine Landeshauptmann-Kollegen aus den Bundesländern, zusätzliche Maßnahmen beschlossen hat. Diese Führungsstärke ist aber in der Pandemie nur ein Zeitvorteil. Durch die hohen Zahlen in den anderen Landesteilen, sei es nur eine Frage der Zeit, bis es auch in Wien zu einem drastischen Anstieg kommt.

Auf einer sonntäglichen Sitzung des Nationalratsausschusses sollen nun die gesetzlichen Voraussetzungen für einen Lockdown für Ungeimpfte geschaffen werden. Für diesen Fall haben allerdings schon die Polizeigewerkschaften eindeutig signalisiert, dass sie keine Chancen sehen, diesen zu kontrollieren. Wie soll die Exekutive feststellen, ob ein ungeimpfter Passant auf dem Weg sei, der Großmutter Brennholz zu liefern?

Unklar ist ebenso, ob der grüne Feldherr Mückstein nicht schon längst Garnisonen verschiebt, die es nicht gibt. Die verordnete "2G Plus-Tests"-Regel, nach der auch Geimpfte und Genesene PCR-Tests durchführen sollen, könnte die Testkapazitäten des Landes an seine Grenzen führen. In manchen Regionen dauerte die Auswertung des Tests bis zu 50 Stunden, was bei einem nur 48 Stunden gültigen Testergebnis natürlich absurd ist. Es mögen teilweise Hackerangriffe auf die auswertenden Institute an der zu langsamen Auswertung schuld gewesen sein, die jetzt nötige gigantische Ausweitung der Testkapazitäten bringt die beteiligten Organisationen allerdings sicher ans Limit.

Darüber hinaus zerbröselt an dieser Stelle die Erzählung der Regierung. Man hatte versucht, Menschen mittels eines Freiheitsversprechens zur Impfung zu bewegen. Wer geimpft ist, für den sei die Pandemie vorbei, der müsse keine weiteren Einschränkungen fürchten.

Wenn die Geimpften nun aber doch jeden zweiten Morgen früher aufstehen müssen, um einen Gurgeltest zu machen, dann löst sich dieses Argument in Luft auf. Mal ganz abgesehen davon, dass die zweifach Geimpften jetzt zum dritten Stich gerufen werden, weil die Immunität schneller als erwartet nachlässt.

Lange Zeit hatte auch der kleine grüne Koalitionspartner betont die Bürgerrechte punktgenau zu achten und niemanden zur Impfung zwingen zu wollen. Jetzt wartet Gesundheitsminister Mückstein mit einer Impfpflicht für medizinisches Personal auf. Die mag sachlich gerechtfertigt sein, kommt aber viel zu spät.

Die Belegschaften in den Krankenhäusern sind nach 21 Monaten Pandemie vollkommen ausgelaugt. In Kundgebungen der letzten Woche machte das Personal aus der eigenen Überlastung keinen Hehl. Eindrucksvoll stellten Mitarbeiter ihre Situation dar, dass sie völlig überarbeitet auch in der wenigen Freizeit nur mehr über die logistischen Probleme des Krankenhauses nachdenken würden, um möglichst viele Menschen zu retten. Und nun will Mückstein de facto das Krankenhauspersonal reduzieren, weil die ungeimpften Mitarbeiter freigestellt werden müssen?

Die Widersprüche sind himmelschreiend und das Gebaren der Regierung empörend, da sie offenkundig nur versucht, das eigene Fehlverhalten zu übertünchen, indem sie so tut, als verfolge sie einen Plan, den es schlicht nicht mehr gibt. Uneinigkeit, Inkompetenz und blanke Leugnung der Gefahren haben die Situation immer schlimmer gemacht. Jetzt steht das Land vermutlich vor einem neuen Lockdown auch für Geimpfte. Oder aber man entscheidet sich dazu, so wie beispielsweise Großbritannien, eine deutlich höhere Zahl an Todesfällen in Kauf zu nehmen. Ein guter Ausgang ist kaum mehr in Sicht.



Aus: "Corona-Lage in Österreich nach Schönwetterpolitik außer Kontrolle" Frank Jödicke (13.11.2021)
Quelle: https://www.heise.de/tp/features/Corona-Lage-in-Oesterreich-nach-Schoenwetterpolitik-ausser-Kontrolle-6266163.html

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     Wasnu, 14.11.2021 19:38

28 Jahre alt, FPÖ Funktionär: Corona und auf Intensiv...

https://www.krone.at/2555689
[FPÖ-Funktionär: „Ich musste um mein Leben kämpfen“ ... Er ist schwer an Corona erkrankt, liegt im LKH Feldbach und musste auf der Intensivstation um sein Leben kämpfen. Nun appelliert er: „Passt auf euch auf!“ Er will sich in sechs Monaten jedenfalls impfen lassen. ...]

Jetzt ist er natürlich für die Impfung...


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[...] Die Krankenhäuser im österreichischen Bundesland Salzburg können kaum noch Patienten aufnehmen. Die Landeskliniken gaben bekannt, dass ein Triage-Team zusammengestellt werde, weil die Behandlung aller Patienten nach geltenden Standards schon bald nicht mehr garantiert werden könne.

Triage bedeutet, dass Medizinerinnen und Mediziner aufgrund von knappen Ressourcen entscheiden müssen, wem sie zuerst helfen. Laut dem Sprecher der Kliniken soll das Team künftig darüber beraten, wer noch intensivmedizinisch behandelt werden kann und wer nicht.

Salzburg verzeichnet derzeit mit mehr als 1.500 Neuinfektionen pro 100.000 Einwohnerinnen und Einwohnern die höchste Sieben-Tage-Inzidenz unter den österreichischen Bundesländern. Knapp dahinter folgt Oberösterreich mit einem Wert von mehr als 1.400.

Salzburgs Landeschef Wilfried Haslauer (ÖVP) kündigte an, die Krankenhäuser entlasten zu wollen. Unter anderem sollen manche Corona-Patienten in Zentren für medizinische Rehabilitation untergebracht werden.

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Aus: "15:06" Fabian Albrecht (16.11.2021)
Quelle: https://www.zeit.de/politik/ausland/2021-11/corona-weltweit-news-live

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Matthias Balmetzhofer  (17.11.2021)

Bericht aus Oberösterreichs Spitälern: "Leichen wegen Überfüllung am Gang abgestellt"
Es ist zwar noch recht früh für derart harte Meldungen, aber sie gehören auch zur Realität: Wie die APA in einem Stimmungsbericht nämlich zeigt, gab es von Sonntag auf Montag in einem oberösterreichischen Spital so viele Todesfälle, dass die Prosektur (ähnlich zur Pathologie) am Limit war. "Die Leichen mussten wegen Überfüllung am Gang abgestellt werden", schilderte die Pflegefachkraft Monika (Name von der Redaktion geändert) im APA-Gespräch die aktuellen Zustände.

Jeder Corona-Todesfall sei auch für langdienende Pflegerinnen wie sie eine enorme psychische Belastung. "Keiner draußen kann sich vorstellen, was das bedeutet." Nach einem Sterbefall richtet sie die toten Patienten für Angehörige noch her, macht die Haare, wenn Hinterbliebene im würdigen Rahmen Abschied nehmen wollen. Nicht so bei hochinfektiösen Leichen, wie sie dieser Tage oft vorkommen: "Corona-Tote steckst du nackt in einen luftdicht verschlossenen Plastiksack, zippst zu, und das war's."

Das Personal spricht von einem Ausnahmezustand. Einige Stationen würden geschlossen, um die Belegschaft für Corona-Abteilungen freizuspielen. Andere Belegschaften werden ausgedünnt. Die Stimmung ist erschöpft. "Es brennt, und du nimmst keinen Feuerlöscher, sondern Benzin", sagt sie.



Quelle: https://www.derstandard.at/jetzt/livebericht/2000131206576/1000248352/14-416-neuinfektionen-spital-in-oberoesterreich-leichen-wegen-ueberfuellung-am

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Michael Altenburger

Medien haben eine Mitschuld an der Spaltung der Gesellschaft. Mit solchen Stories wird völlig Unnötig die Wut auf Ungeimpfte zusätzlich geschürt.
Ohne Verhältnis zur Testzahl werden Infektionszahlen kommuniziert. Oder "Leichen im Gang". Das habe ich vor Jahren schon erlebt und ist gar nicht so selten in Krankenhäuser.


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Suchender, nicht Wissender

„Bericht aus Oberösterreichs Spitälern: "Leichen wegen Überfüllung am Gang abgestellt" Einem Laien könnte ob solcher Meldungen mulmig werden. Doch wir, als Erfahrene Standard Foren Leser, wissen, dass in Wirklichkeit keine Gefahr droht: Da Covid nach einhelliger Meinung der einschlägigen Foren Experten nur dann existiert, wenn getestet wird, müssen wir einfach ab jetzt aufhören zu testen, und schwups: Alle Leichen werden wieder munter, nehmen ihr Bett und gehen. ...


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DevilsKitty

solangs in deren eingenem umfeld keine toten gibt checken die nix, und wenn dann müsstens jüngere tote sein sonst findens sies eh normal


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hillgrun

es ist so traurig: wir hätten es in der Hand gehabt das zu verhindern und waren einfach zu deppat.


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[...] Eine Impfung kommt nicht infrage, die Ansteckung durchaus. Mit positiven Tests wird außerdem gehandelt. Und: Herbert Kickls Empfehlung für Ivermectin zeigt Auswirkungen ...

... Wer eine Erkrankung vermeiden will, weicht mitunter aus. Aktuell kursiert in den diversen Kanälen eine Sprachnachricht, in der geschildert wird, wie ein PCR-Test "hundertprozentig" positiv ausfallen werde. Dafür solle man Orangen und Zitronen essen beziehungsweise auf die Zunge legen.

Für die ganz eingeschworenen Corona-Leugner ist aber auch diese Strategie kein gangbarer Weg – denn für eine ausgewiesene Erkrankung müssten sie einen PCR-Test absolvieren, den sie ablehnen.

Neu ist das Phänomen nämlich nicht: Bei den sogenannten "Masernpartys" sollen sich Kinder bewusst anstecken – ihre Eltern wollen mit der Erkrankung die Impfung (ein Lebendimpfstoff, der neben Masern auch gegen Mumps und Röteln schützt) umgehen. Die Partys sind kein breites Phänomen – wie wohl jene zur Ansteckung mit Covid auch nur selten vorkommen –, aber für Ärztinnen und Ärzte dennoch Grund zur Sorge. Manche sprechen in dem Zusammenhang auch von Körperverletzung. Aktuell sorgen die Maßnahmen zur Eindämmung von Covid allerdings für einen starken Rückgang bei Masern: Mit Stand 10. August wurden 2021 noch gar keine Fälle registriert, im Vorjahr waren es insgesamt 25. 2019 gab es noch 151 Masern-Fälle.

Noch eine Strategie macht sich derzeit wieder bemerkbar: Auf Online-Verkaufsbörsen suchen Menschen für dreistellige Beträge nach positiven Ergebnissen. "Suche Speichel von aktuell Corona-Positiven, bevorzugt ungeimpft", heißt es in einer Anzeige. Positive Testergebnisse wurden auch im vergangenen Jahr immer wieder online zum Verkauf angeboten. Hier wird es für den oder die Käuferin allerdings schwer bis unmöglich sein, Behörden davon zu überzeugen, dass das Ergebnis das eigene ist. Testhersteller weisen darauf hin, dass solche Weitergaben ausgeschlossen sind und darauf geachtet wurde, solche Fälschungen zu verunmöglichen.

Bei den an Covid erkrankten Personen selbst gibt es freilich ebenfalls Eigenheiten in der Behandlung: Herbert Kickl, der aktuell selbst an Corona erkrankt ist, empfahl vor einigen Tagen die Einnahme von Vitaminen, von Paracetamol – aber auch von Ivermectin, das hauptsächlich bei Tieren als Entwurmungsmittel zum Einsatz kommt, beim Menschen in seltenen Fällen aber auch eingesetzt wird, etwa gegen Krätze. Die eindeutige Empfehlung des FPÖ-Chefs dürfte nun Auswirkungen zeigen. So berichtet der Chef der Oberösterreichischen Apothekerkammer davon, dass es bereits zu groben Engpässen komme – und das, obwohl das Medikament rezeptpflichtig ist. Ivermectin sei derzeit "ausverkauft". Auch er selbst habe in seiner Apotheke nachbestellen müssen.

Bei der Österreichischen Apothekerkammer kann man derzeit nicht sagen, ob es sich nur um ein regionales Phänomen handelt. "Weil uns die Apotheken ihren Bestand nicht melden müssen und diesen auch nach Gutdünken selber nachfüllen", sagt ein Sprecher dem STANDARD. Es habe allerdings schon Anfang des Jahres einen regelrechten Hype um das Medikament gegeben, auch weil es in der Slowakei nicht zugelassen war. In der Folge seien ganze Busse nach Österreich gekommen, um sich mit Ivermectin einzudecken. Auch ein Rundruf von "Puls24" in allen Landesstellen der Apothekerkammer zeigt, dass es vor allem eine hohe Nachfrage aus dem Ausland gibt. Ausverkauft ist das Mittel in den anderen Bundesländern demnach aber nicht. Sowohl das Bundesamt für Sicherheit im Gesundheitswesen (Basg) als auch die Europäische Arzneimittelbehörde und die Weltgesundheitsorganisation raten von der Einnahme von Ivermectin bei Corona klar ab.

"Natürlich ist wieder viel Dynamik da", sagt ein Sprecher des Basg. Mit jeder größeren Welle sei das Thema wieder aufgeschlagen, so auch jetzt. "Wir bekommen auch immer wieder Anfragen von Bürgerinnen und Bürgern zu dem Mittel und sehen auch, dass das in diversen Kanälen kursiert – inklusive Falschinformationen." An der Warnung habe sich nichts geändert, sie gelte nach wie vor.

Apropos Herbert Kickl: Auch seine Covid-Erkrankung beschäftigt aktuell Fans und Impfgegner. Da die FPÖ für Samstag eine Großdemonstration gegen die aktuellen Corona-Maßnahmen in Wien angekündigt hat, er wegen seiner Erkrankung aber nicht selbst teilnehmen kann, vermuten einige Absicht dahinter. Kickl solle noch einen Test unter einem falschen Namen machen, denn es handle sich gerade wahrscheinlich um einen Versuch der "Herrschaften", ihn aus dem Verkehr zu ziehen, schrieb eine Person auf Facebook. Andere gratulierten zur Erkrankung, immerhin gelte er dann bald als genesen. Personen, die die Demo vom Samstag mitorganisieren, versichern derzeit, dass der Protest auf jeden Fall stattfinde, auch ohne Kickl. Die FPÖ werde nämlich trotzdem "in geballter Ladung mit von der Partie sein". Zuletzt machte auch der Musiker Xavier Naidoo, der seit langem nur noch mit Verschwörungstheorien und antisemitischen Aussagen auffällt, für die Demo in Wien Werbung. (Lara Hagen, Mickey Manakas, 16.11.2021)



Aus: "Die Tricks der Impfgegner, um 2G zu erfüllen" (16.11.2021)
Quelle: https://www.derstandard.at/story/2000131181768/die-tricks-der-impfgegner-um-2g-zu-erfuellen

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Luise Trenker, 16. November 2021, 14:58:31

Realität ist das was nicht weggeht, auch wenn du nicht daran glaubst.


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das eine sag ich euch, 16. November 2021, 15:06:21

Meine Erwartungen an unsere Gesellschaft waren nie besonders groß. Die Corona-Pandemie aber hat mich gelehrt: Die Menschen sind noch viel dümmer, als eh schon angenommen.


« Last Edit: November 17, 2021, 10:58:00 AM by Link »

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« Reply #342 on: November 18, 2021, 12:07:46 PM »
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[...] 32 neue Corona-Fälle registrierte das 1,4-Milliarden-Land China am Dienstag, in Deutschland waren es mehr als 50.000 Neuinfektionen. Während Europa gegen die vierte und bislang heftigste Welle der Pandemie kämpft, scheint sie in der Volksrepublik längst besiegt. Peking ist stolz auf den Erfolg seiner Null-Covid-Strategie. Doch der Preis für die geringen Infektionsraten ist hoch, in der Bevölkerung wächst der Unmut über die drakonischen Maßnahmen.

Besonders leiden die Menschen in der Stadt Ruili an der Grenze zu Myanmar darunter. Schmuggler und Flüchtlinge schleppen das Virus dort immer wieder ein. Beim geringsten Verdacht einer Infektion wird die Stadt abgeriegelt und alle 210.000 Einwohner werden getestet. Ein Kleinkind dort habe bereits 70 Tests über sich ergehen lassen müssen, berichtet die Lokalzeitung. Aus Angst vor Quarantäne traut sich kaum mehr ein Tourist nach Ruili. "Wir arbeiten zwar weiter, aber wir kommen gerade so über die Runden", sagt der Schmuckhändler Lin. Aus Angst vor Repressalien will er seinen vollen Namen nicht nennen. Selbst der frühere Vize-Bürgermeister, Dai Rongli, empört sich über die strenge Pandemie-Politik. Dadurch würde auch noch "das letzte Leben" in der Stadt erstickt, machte er seinem Ärger im Internet Luft. "Nur wer es selbst erlebt, weiß, wie sehr die Menschen leiden", kommentierte eine Einwohnerin den Beitrag.

Seit Beginn der Pandemie vor knapp zwei Jahren in Wuhan zählte China offiziell weniger als 100.000 Covid-Infektionen, den letzten Todesfall gab es im Januar. Dennoch reagieren die Behörden beunruhigt auf jeden kleinen Ausbruch - vor allem mit Blick auf die Olympischen Winterspiele in Peking im Februar. In den vergangenen Wochen wurden wieder ganze Städte unter Quarantäne gestellt, Millionen Chinesen dürfen ihre Wohnung nicht verlassen. Die Stadt Heihe an der russischen Grenze hat eine Belohnung von 100.000 Yuan (13.500 Euro) für Informationen ausgelobt, die den Ursprung des jüngsten Ausbruchs aufklären.

Offiziell wird die radikale Null-Covid-Politik der Volksrepublik nicht infrage gestellt. Ein renommierter chinesischer Virologe kritisierte vor Kurzem dennoch die Strategie der Regierung. Es sei illusorisch, auf diesem Weg das Virus ausrotten zu wollen, sagte Guan Yi in einem Interview mit dem Hongkonger Sender Phoenix TV. Außerdem bezweifelte er die Wirksamkeit der chinesischen Impfstoffe, die als deutlich geringer gilt als die der im Westen verwendeten Vakzine.

Peking sei "einem wachsenden innenpolitischen Druck ausgesetzt, einen flexibleren Ansatz zu verfolgen", sagt Yanzhong Huang von der US-Denkfabrik Council on Foreign Relations. Die meisten Experten bezweifeln jedoch, dass die Regierung vor den Olympischen Spielen und vor dem Parteitag der Kommunistischen Partei Ende 2022 bei der Pandemiebekämpfung umsteuert.

Doch der Widerspruch in der Bevölkerung wächst, auch gegen die Überwachung durch die Gesundheits-App. In Online-Netzwerken sorgte der Fall eines Pekinger Geschäftsreisenden für Wirbel, der wegen der App nicht nach Hause zurück durfte, obwohl er geimpft und negativ getestet war und sich auch nicht in einem Risikogebiet aufgehalten hatte. Inzwischen räumten die Behörden Fehler in einigen Fällen ein.

In Zentralchina prügelten Mitarbeiter des Gesundheitsdienstes einen Hund tot, als seine Besitzer in einem Hotel unter Quarantäne gestellt waren. Auch dieser Vorfall löste einen Sturm der Entrüstung im Internet aus. "Kann man einem Staat noch vertrauen, der behauptet, dem Volk zu dienen, aber das Gesetz so brutal anwendet?", lautete einer der Kommentare.

In Ruili sind mittlerweile manche Menschen so verzweifelt, dass sie wegen der Corona-Maßnahmen die Stadt verlassen. "Die Kinder können nicht mehr normal zur Schule gehen", sagt ein Einwohner namens Wen. "Wir haben beschlossen zu gehen."

Quelle: ntv.de, lno/AFP


Aus: "Kritik an Null-Covid-Strategie Unmut in Chinas Bevölkerung wächst" (Donnerstag, 18. November 2021)
Quelle: https://www.n-tv.de/panorama/Unmut-in-Chinas-Bevoelkerung-waechst-article22938364.html

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[...] Die vehemente Ablehnung einer Impfung gegen das Coronavirus hat Medienberichten zufolge einen Mann in Österreich indirekt das Leben gekostet. Wie die „Kleine Zeitung“ unter Berufung auf eine Ärztin im steirischen Liezen berichtet, ist ein 55-Jähriger nach der absichtlichen Ansteckung mit dem Coronavirus gestorben.

Demnach habe sich der Mann zuvor auf eine sogenannte Corona-Party begeben, um sich bewusst zu infizieren. Ziel des Mannes sei es gewesen, nach einer Genesung von Covid-19 die derzeit in Österreich geltenden Beschränkungen für Ungeimpfte zu umgehen.

Seit Montag sind Menschen ohne Impfschutz zu einem Lockdown verpflichtet. Eine Woche davor wurde eine 2G-Pflicht in vielen Bereichen des öffentlichen Lebens beschlossen.

Trotz dieser Maßnahmen hat die Zahl der Corona-Neuinfektionen am Mittwoch einen neuen Höchstwert erreicht. Binnen 24 Stunden wurden laut Behörden 14.416 Neuansteckungen verzeichnet. Das ist - unter Berücksichtigung der Zahl der Einwohner - in etwa das Zweieinhalbfache des deutschen Wertes.

Ungeachtet der hohen Werte und der Restriktionen kommt für viele Österreicher eine Impfung gegen das Virus weiterhin nicht in Frage. Stattdessen schwören dort einige Impfgegner auf das Antiwurmmittel Ivermectin.

Dabei werden mit dem Wirkstoff eigentlich vor allem größere Tiere – Pferde, Schafe und Rinder – entwurmt. In Oberösterreich ist die Nachfrage nach dem vor allem in der Tiermedizin eingesetzten Stoff mittlerweile so groß, dass es zu Lieferengpässen kommt. Das Mittel sei immer wieder ausverkauft, und das, obwohl es rezeptpflichtig sei, erklärte der Präsident der Oberösterreichischen Apothekerkammer, Thomas Veitschegger, dem Portal „OÖ Nachrichten“. [...]

Die Wirksamkeit des Mittels gegen Covid wird durch Studien nicht bestätigt, vielmehr warnt das RKI vor heftigen Nebenwirkungen. Gefährlich sei es vor allem, weil viele Menschen das Medikament falsch einnähmen: Eine weitaus höhere Dosis, die eigentlich für Pferde gedacht ist, kann zu Vergiftungen führen. In Österreich seien diese Nebenwirkungen bereits vermehrt aufgetreten, erklärte Veitschegger.

Zu den bekanntesten Befürwortern des Mittels als Medikament für eine Covid-19-Behandlung in Österreich gehört der Chef der rechten FPÖ, Herbert Kickl. Er hat sich nach eigenen Angaben mit dem Coronavirus infiziert. „Ich muss euch leider mitteilen, dass ich heute von Seiten der Gesundheitsbehörde die Nachricht bekommen habe, dass ein PCR-Test, den ich (...) abgegeben habe, positiv ist“, schrieb der 53-Jährige auf Facebook.

Die FPÖ hat während der Pandemie die Corona-Maßnahmen der Regierung als Freiheitsbeschränkungen abgelehnt. Anfang November präsentierte Kickl einen „Plan B“ gegen das Virus. Aus seiner Sicht sollte auf die frühzeitige Behandlung von Covid-19 statt auf die Impfung gesetzt werde, die „zu viele schwere Verläufen und Todesopfer produziert hat.“ Er erwähnte dabei auch das Anti-Wurmmittel Ivermectin, das gegen die Krankheit eingesetzt werden könne.

Mit seiner Kampagne gegen Impfungen und für nicht empfohlene Therapien stellte sich Kickl klar gegen die medizinische Lehrmeinung. Ärzte und die Regierung haben Kickl deshalb wiederholt scharf kritisiert.

In Amerika ist die Einnahme von Ivermectin zur Behandlung gegen Covid bereits seit Monaten beliebt, schon im August warnte die US-Behörde für Lebens- und Arzneimittel ausdrücklich davor.

„Du bist kein Pferd. Du bist keine Kuh. Ihr alle nicht. Ernsthaft. Hört damit auf.“, heißt es in einem Tweet der Behörde.

In Florida war am vergangenen Freitag eine an Corona infizierte Frau nach der Einnahme des Wurmmittels verstorben. Der Mann der Lehrerin und zweifachen Mutter Tamara Drock hattes dort sogar das Palm Beach Gardens Medical Center verklagte das Palm Beach Gardens Medical Center, in dem seine Frau am Beatmungsgerät lag, damit sie ihr das Entwurmungsmittel geben, berichtet „The Palm Beach Post“. Er verlor den Prozess, dennoch bekam Tamara Drock eine Dosis von einem der Krankenhausärzte verabreichte.

Der Familienanwalt ist der Ansicht, dass die Dosis möglicherweise zu gering gewesen sei. „Wir wissen nicht, ob Ivermectin ihr das Leben gerettet hätte, aber es hätte sein können“, meint Anwalt Jake Huxtable.


Aus: "Impfgegner stirbt nach absichtlicher Corona-Infektion" (17.11.2021)
Quelle: https://www.tagesspiegel.de/gesellschaft/panorama/corona-party-in-oesterreich-impfgegner-stirbt-nach-absichtlicher-corona-infektion/27807182.html

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schaunmermal 17.11.2021, 13:44 Uhr

Schützt auch gegen Echsenmenschen ;-)


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Popli 17.11.2021, 13:11 Uhr

Das muss doch eine Karnevalsmeldung sein.
Ich kann es einfach nicht glauben.


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Zeh_En 17.11.2021, 12:22 Uhr

    Stattdessen schwören einige Impfgegner auf das Antiwurmmittel Ivermectin.
    Dabei werden mit dem Wirkstoff eigentlich vor allem größere Tiere ... entwurmt.


Genau mein Humor ...


...

"30 Gründe, warum ich mich derzeit nicht impfen lasse"  Christian Felber (11. November 2021)
... Schuld an der Lage sind die „Impfverweigerer“, die „Zauderer & Zögerer“, die eine „Pandemie der Ungeimpften“ verursachen, und leider oft direkt unterstellend und pauschal verunglimpfend: die rechtsextremen und verschwörungstheoretisierenden „Impfgegner“. Die Diffamierung und Ausgrenzung einer Minderheit ist keine Solidaritäts-, sondern eine Divide-et-impera-Aktion, genau das, was üblicherweise von den „Rechten“ kommt.
Solidarität kommt von „solidus“ und heißt „zusammenhalten“, nicht auseinanderdividieren (lassen).
Heute wird als „solidarisch“ geframed, wer einer Meinung mit der Regierung (und der Pharmaindustrie) ist. „Unsolidarisch“ ist, wer dieses Narrativ und diese Politik hinterfragt, kritisiert oder Alternativen dazu anbietet. ...
https://www.nachdenkseiten.de/?p=77850

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"Leserbriefe zu „30 Gründe, warum ich mich derzeit nicht impfen lasse“" (15. November 2021)
https://www.nachdenkseiten.de/?p=77982

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"Stiftung Gurutest - Unter Impfgegnern: Rechte Agitatoren, Biofreaks mit Karmabewusstsein und Gemeinwohlökonomen" (18. November 2021)
Die Seuchenfreunde sind ein buntes Völkchen. Der Bogen spannt sich von weit rechts bis ganz weit links [Christian Kreil bloggt rund um Esoterik, Verschwörungsplauderei und Pseudomedizin. Soeben erschien sein Buch "Fakemedizin". ...]
https://www.derstandard.at/story/2000131152699/unter-impfgegnern-rechte-agitatoren-biofreaks-mit-karmabewusstsein-und-gemeinwohloekonomen

Quote
Bernhard von Bianca

Das liest sich alles sehr lustig, ist aber in der Realität sehr traurig, wenn man z. B. wie ich gerade miterleben muss, wie eine Verwandte in die Szene reinkippt (inklusive samstäglichen Demonstrationsbesuch und flüsternder Stimme, wenn sie davon erzählt)


Quote
Erdäpfelpüree

Ja, es sind Menschen aus allen politischen Lagern und gesellschaftlichen Schichten,
die sich für die Grundrechte und gegen Diskriminierung einsetzen.
Wehret den Anfängen!


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hermeneutisch abgeriegelt

"Ich spüre, dass mein Körper mir derzeit kein grünes Licht gibt für eine Corona-Impfung."
Was für ein unerträgliches, egozentrisches Geraune.


...

Quote
[...] Mittlerweile liegen mehrere Studien aus verschiedenen Ländern vor. Die meisten zeigen, dass der Schutz vor Infektion etwa fünf Monate nach der zweiten Impfung auf etwa 50 Prozent fällt und danach kontinuierlich nachlässt. Und dass auch der Schutz vor Erkrankung sinkt, wenngleich bei Geimpften dann meist nur Erkältungssymptome auftreten. Unklar ist, ob der Schutz irgendwann komplett verschwindet, die Impfung also auch nicht mehr vor schwerem Verlauf und Tod bewahrt.

Die Wirksamkeit lässt indes nicht bei allen Vakzinen gleich schnell nach (und auch nicht mit einem „Stichtag“ von heute auf morgen). Blickt man auf die in der Europäischen Union zugelassenen Produkte, so schneidet der mRNA-Impfstoff von Moderna am besten ab, gefolgt von Biontech/Pfizer. Schlusslichter sind die Vektorimpfstoffe von Johnson & Johnson und Astrazeneca, die bereits mit einer geringeren Anfangswirksamkeit zwischen 65 und 80 Prozent im Vergleich zu mehr als 90 Prozent bei den mRNA-Vakzinen starten.

Eine der großen Studien zum Thema Impfschutz stammt aus Schweden, hier flossen die Daten von 1,6 Millionen Menschen ein, die Hälfte von ihnen geimpft. Es stellte sich heraus, dass der Impfschutz bei Biontech/Pfizer zwischen Tag 121 und Tag 189 nach der zweiten Impfung – also zwischen dem vierten und sechsten Monat – auf Werte von 47 Prozent fiel. Nach dem 211. Tag – sieben Monaten – konnte keine Wirksamkeit mehr festgestellt werden.

Bei Moderna mit der im Vergleich zu Biontech/Pfizer mehr als dreifachen Menge an mRNA lag er nach sechs Monaten noch bei 59 Prozent. Bei Astrazeneca ließ sich bereits nach 121 Tagen – vier Monaten – keine Wirksamkeit mehr feststellen. Allerdings blieb die Wirksamkeit nach 121 Tagen mit 66 Prozent vergleichsweise hoch, wenn eine erste Dosis Astrazeneca mit einem mRNA-Impfstoff als zweiter Dosis kombiniert worden war (heterologes Impfschema).

Das Fazit der Studie: Die Wirksamkeit gegen eine symptomatische Covid-19-Infektion nehme im Laufe der Zeit in allen Untergruppen allmählich ab, heißt es, „jedoch mit unterschiedlicher Geschwindigkeit je nach Art des Impfstoffs und schneller bei Männer und älteren gebrechlichen Personen“. Die Wirksamkeit gegen schwere Erkrankungen scheine „über neun Monate hoch zu bleiben“, allerdings „nicht bei Männern, älteren gebrechlichen Menschen und Menschen mit Komorbiditäten“. Die Studienautorinnen und -autoren sehen in ihren Ergebnissen eine „evidenzbasierte Begründung für die Verabreichung einer dritten Auffrischungsdosis“.

Eine Studie aus Katar auf Basis der Daten von knapp einer Million Menschen kommt zu noch schneller sinkenden Werten. Demnach soll der Schutz vor Infektion durch den Impfstoff von Biontech/Pfizer fünf bis sieben Monate nach der zweiten Dosis nur noch etwa 20 Prozent betragen. Die Wirksamkeit gegen symptomatische Infektionen sei etwas höher, aber ähnlich zurückgegangen. Allerdings grassierte in Katar im Studienzeitraum neben der Delta-Variante auch die Beta-Variante von Sars-CoV-2, die in Verdacht steht, sich der Immunantwort zumindest teilweise entziehen zu können.

... Eine jüngere Studie wies bei Genesenen neutralisierende Antikörper noch nach zwölf Monaten nach, eine andere fand auch nach 15 Monaten noch Gedächtnis B- und T- Zellen des Immunsystems – wenngleich nach sechs Monaten eine signifikante Abnahme beobachtet wurde. Forschende der amerikanischen Cleveland Clinic Ohio zogen in einer weiteren Studie sogar die Schlussfolgerung, dass Genesene nicht von einer Impfung profitierten. Diese Studie lief allerdings nur fünf Monate lang.

... Insgesamt dürfte es auch bei der Immunität nach durchgemachter Infektion große individuelle Unterschiede geben. Viele in der Wissenschaft gehen davon aus, dass eine heftigere Erkrankung in der Regel zu mehr Antikörpern führt als ein leichter Verlauf oder eine symptomlose Infektion.

Die Deutsche Gesellschaft für Virologie schreibt in einer Ende September aktualisierten Stellungnahme: In den ersten sechs Monaten nach durchgemachter Infektion sei der Schutz vor erneuter Sars-CoV-2-Infektion „mindestens so gut ausgeprägt“ wie der Schutz von vollständig Geimpften. Darüber hinaus zeigten Untersuchungen, dass eine durchgemachte Infektion auch nach einem Jahr „noch sehr gut vor Reinfektionen und schweren Covid-19 Krankheitsverläufen schützt“.

...

Boosterimpfstoffe In Deutschland werden für Auffrischungsimpfungen nur die mRNA-Impfstoffe von Biontech/Pfizer und Moderna eingesetzt. Bei Moderna wird die Dosis halbiert.

Nebenwirkungen Nach bisherigen Erfahrungen sind die Impfreaktionen ähnlich wie nach der zweiten Impfdosis. Allerdings wurden lokale Reaktionen wie Schmerzen an der Einstichstelle etwas häufiger beobachtet. Typische Beschwerden sind demnach auch bei der Auffrischung Kopfschmerzen, Abgeschlagenheit, Schüttelfrost und Fieber, die in der Regel etwa ein bis zwei Tage anhalten. Etwas länger andauern kann eine Schwellung der Lymphknoten. Zu möglichen Nebenwirkungen wie einer Herzmuskelentzündung lässt sich derzeit noch nichts sagen.

Symptome Wer sich trotz Impfung ansteckt, merkt oft nichts davon oder erkrankt nur „mild“. Was ist darunter zu verstehen? Durchbruchsinfektionen ähneln häufig einer Erkältung. Symptome können Kopfschmerzen, Schnupfen, Halsschmerzen sowie Geruchs- und Geschmacksverlust sein. Die klassischen Covid-Beschwerden wie Husten und Fieber treten bei Geimpften seltener auf. (Pamela Dörhöfer)


Aus: "Corona-Boosterimpfung schützt besonders die Schwachen" Pamela Dörhöfer (18.11.2021)
Quelle: https://www.fr.de/wissen/corona-coronavirus-booster-impfung-auffrischung-impfschutz-schutz-risiko-infektion-news-91122716.html
« Last Edit: November 18, 2021, 12:47:02 PM by Link »

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« Reply #343 on: November 20, 2021, 10:18:01 AM »
Quote
[....] Einen Tag nach der Ankündigung eines neuerlichen Lockdowns in Österreich kommt es zu Protestkundgebungen. In Wien werden mehrere Tausend Kritiker der Anti-Corona-Maßnahmen erwartet. Zu den Demonstrationen rief die rechte FPÖ auf. Deren Parteichef Herbert Kickl, derzeit selbst an Corona erkrankt, sieht Österreich auf dem Weg in eine "Diktatur". Die Polizei ist nach eigenen Angaben mit 1300 Beamten im Einsatz, unter anderem um die Pflicht zum Tragen einer FFP2-Maske zu überwachen. ...

Unterdessen warnte Österreichs Bundespräsident Alexander Van der Bellen angesichts der Debatten über den neuen Lockdown vor einem Riss in der Gesellschaft. "Lassen wir uns nicht auseinanderdividieren", sagte Van der Bellen in einer Fernsehansprache. Die Reaktionen sollten nicht von Wut, Schmerz und Ärger beherrscht sein, sondern von der Einsicht, dass nur Ausgangsbeschränkungen die massive vierte Corona-Welle brechen könnten.

Das Staatsoberhaupt verteidigte ausdrücklich auch die von der Regierung angekündigte Impfpflicht. Die Bürger hätten Rechte, aber auch Pflichten. Dazu gehöre die Pflicht, die Gemeinschaft zu schützen, sagte Van der Bellen. Österreich hat durch die täglichen Rekordzahlen an Corona-Neuinfektionen inzwischen eine Sieben-Tage-Inzidenz pro 100.000 Einwohner von 1050.


Aus: "FPÖ ruft zu Lockdown-Protesten in Wien auf" (Samstag, 20. November 2021)
Quelle: https://www.n-tv.de/politik/FPO-ruft-zu-Lockdown-Protesten-in-Wien-auf-article22943604.html

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[...] In Wien wollen am Samstag Tausende Gegner und Gegnerinnen der Corona-Impfungen und des ab Montag geltenden landesweiten Lockdowns auf die Strasse gehen. Es sind mehrere Demonstrationszüge geplant, zur grössten Protestveranstaltung hat die rechtspopulistische FPÖ aufgerufen.

Insgesamt werden nach Angaben der österreichischen Nachrichtenagentur APA mindestens zehntausend Teilnehmende erwartet. Das Innenministerium ging im Vorfeld davon aus, dass sich auch Rechtsextreme unter die Demonstrierenden mischen werden.

Es gab laut Presseservice Wien, einem Netzwerk freier Foto- und Videojournalistinnen und -journalisten, auch bereits Gewaltaufrufe. «Es sind Drohungen bis hin zu schwerer Gewalt und Mord», heisst es auf Twitter.

Ebenfalls zur Demo aufgerufen haben laut Heute.at auch rechtsextreme Gruppierungen und Verschwörungstheoretiker – auch aus Deutschland. Darunter etwa der Sänger Xavier Naidoo, die neonazistische Kleinpartei Der dritte Weg und die rechtsextremen Aktivisten der Identitären. Rechtsextreme Unterstützung reise ebenso aus Frankreich, Italien und der Ukraine an.

Bini Guttmann, Präsident der Europäischen Vereinigung jüdischer Studierender, mutmasst: «Am Samstag kommt es wohl zur grössten rechtsextremen Mobilisierung in Wien seit vielen Jahren.»

Mit einem hohen Grad der Mobilisierung rechnet auch die Polizei, die mit 1300 Beamten und Beamtinnen im Einsatz stehen will. Die Exekutive geht von einem heterogenen Teilnehmerfeld aus, weist aber explizit darauf hin, dass mit der Teilnahme von Rechtsextremen und Personen aus der Fussball-Hooliganszene gerechnet wird.

Österreichs Bundespräsident Alexander Van der Bellen hat am Freitagabend eine Rede an die Nation zu der Verhängung des neuen Lockdowns gerichtet. «Es konnte so ganz einfach nicht weitergehen», sagte das Staatsoberhaupt. Die Entscheidung für einen neuerlichen Wellenbrecher-Lockdown sei zum jetzigen Zeitpunkt die richtige gewesen – «auch wenn sie sehr spät kam.» Es gehe jetzt darum, das Richtige zu tun, so Van der Bellen. «Es geht darum, Menschenleben zu schützen und zu retten.»

Der Bundespräsident betonte, dass es jetzt die Gemeinschaft, ein Miteinander brauche. Die Gefahr, dass die Gräben in der Gesellschaft immer tiefer würden, sei gross: «Aber das dürfen wir nicht zulassen. Wir gehören zusammen. Wir brauchen einander. Wir bedingen einander. Wir alle sind doch Österreich.» Gegenseitige Schuldzuweisungen würden nichts lösen, so Van der Bellen. In diesen schweren Zeiten müsse jeder und jede Einzelne das Gemeinsame über das Trennende stellen.

Die Ansprache des Bundespräsidenten endete mit einem Appell: «Wir alle müssen alles dafür tun, dass diese vierte Welle gebrochen wird und die nächste verhindert werden kann. Lassen wir uns nicht auseinanderdividieren. Bilden wir eine starke, solidarische Gemeinschaft. Bitte helfen Sie mit. Ich danke Ihnen.»


Aus: "Corona in den Nachbarländern: «Aufrufe zu Gewalt und Mord» – Wiener Corona-Demo birgt viel Zündstoff" (Freitag, 19.11.2021)
Quelle: https://www.20min.ch/story/in-deutschland-kommt-wohl-bald-die-2g-plus-regel-in-clubs-und-bars-252772380738

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[...] Während sich die Polizei in Wien für eine weitere Corona-Demo am Samstag rüstet, damit Proteste mitten im Lockdown für Ungeimpfte nicht aus dem Ruder laufen, rufen Teile des österreichischen Bundesheers ihre Kameraden dazu auf, ebenfalls am Samstag auszurücken: aber, um sich den Reihen der "Maßnahmenkritiker" und Corona-Leugner anzuschließen und auch gegen Impfungen Stimmung zu machen. Zwei hochrangige Offiziere gaben sich in einem offenen Brief als "Beamte für Aufklärung" und verglichen die Maßnahmen gegen Corona mit einer "Vergewaltigung".

Außerdem verharmlosten die Männer in dem Brief das NS-Regime, weil sie schrieben, dass Ungeimpfte wie Menschen "nach 75 Jahren" nun wieder "stigmatisiert, ausgegrenzt und weggesperrt" würden. Laut Bundesheersprecher Michael Bauer liegt die Causa schon in der Abteilung Disziplinar- und Beschwerdewesen.

Doch im Heer dürfte es mehr Corona-Verharmloser geben. Auch die FGÖ-Bundesheergewerkschaft ruft "Für Freiheit und Menschenwürde" zur Demo am Samstag auf: Sie will sich mit gleichgesinnten Kameraden, wie auch die FPÖ Wien, auf dem Platz der Menschenrechte sammeln.

Bauer sagt dem STANDARD, dass es durch einzelne Unterstützer des offenen Briefes der beiden Offiziere auch Überschneidungen mit der FGÖ gibt. Die FGÖ nennt sich Freie Gewerkschaft Österreichs, ist aber eine kleine burgenländische Gewerkschaft des von der FPÖ ausgeschlossenen Landtagsabgeordneten Manfred Haidinger.

In einem Schreiben von letzter Woche nennt die Gewerkschaft Öffentlicher Dienst (GÖD) Bundesheer die FGÖ einen "nicht-repräsentativen Haidinger-Verein", der eine "aggressive und bösartige" Sprache verwende, und betont weiter, dass die FGÖ "keine Kollektivvertragsfähigkeit" hat und "keine gewerkschaftlichen Anliegen" vertrete. Die GÖD distanziere sich von der FGÖ, die dem "Ansehen der Soldatinnen und Soldaten" schade. Die FGÖ hatte zuvor auch Bundesheereinsätze beim Contact-Tracing kritisiert.

Die Bundes-FPÖ hat ihre Demo auf der Jesuitenwiese angemeldet. Auch Corona-Aktivisten wie Martin Rutter und Hannes Brejcha, die sich auf dem Heldenplatz treffen wollen, haben Demos für Samstag angezeigt, wie es im Amtsdeutsch heißt, und die rechtsextreme Aktivistin Jennifer Klauninger campiert schon einige Tage im Stadtpark, auch dort werde es jedenfalls Kundgebungen geben, so eine Polizeisprecherin: "Vermutlich werden wieder mehrere kleine Demos angemeldet, am Ende treffen sie sich aber vielleicht alle bei der FPÖ auf der Jesuitenwiese."

Auch die Identitären kündigten eine Demo-Teilnahme an. Mit 4.000 bis 10.000 Teilnehmern müsse man rechnen, da auch aufgrund der neuen Verordnungen in ganz Österreich mobilisiert wurde – nicht zuletzt von FPÖ-Chef Herbert Kickl, der wegen einer Corona-Infektion selbst nicht teilnehmen kann. Demonstrationen sind in der Corona-Schutzmaßnahmenverordnung weiter vom Lockdown ausgenommen.



Aus: "Teile des Heeres werben für Wiener Corona-Demo am Samstag" Colette M. Schmidt (18. November 2021)
Quelle: https://www.derstandard.at/story/2000131262909/teile-des-heeres-mobilisieren-fuer-wiener-corona-demo-am-samstag

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wann kommt der karl heinz endlich....

Solche Schwurbler und Faktenleuger bekleiden im Österreichischen Bundesheer einen Generalsrang!  ...

2. November 2021: Gegen die neo-feudale Schreckensherrschaft - Beamte für Aufklärung: „Hören Sie auf, die Menschen zu terrorisieren!“ - Die „Beamten für Aufklärung“ wenden sich in einem mitreißenden, Offenen Brief an die Regierung und den Nationalrat. Sie fordern ein sofortiges Ende der Corona-Diktatur. Sie bezeichnen das Vorgehen der Regierung als „neo-feudale Tyrannei“. In ihrem Brief gehen die Beamten schonungslos mit geballten Fakten gegen die Regierung vor und fordern sie dazu auf, umzukehren, solange es noch nicht zu spät ist. Wochenblick veröffentlicht nachstehend den Offenen Brief. ... Dies ist eine politische „Pandemie“, daher kann sie auch nur politisch beendet werden. Wir fordern Sie daher alle, beginnend beim Herrn „So-sind-wir-nicht“- Bundespräsidenten, auf: Hören Sie unverzüglich auf, die Menschen zu terrorisieren. Beenden Sie unverzüglich alle verfassungs- und menschenrechtswidrigen Einschränkungen. Kehren Sie um! Für die meisten von Ihnen ist es vielleicht noch nicht zu spät. Übernehmen Sie endlich persönliche Verantwortung, seien Sie ehrlich und tragen Sie zur umfassenden Aufklärung aller Vorkommnisse und Vergehen im Rahmen dieser historisch einmaligen Situation bei! Verhindern Sie weitere menschliche und materielle Schäden und Verluste. Machen Sie es freiwillig, so lange Sie noch Zeit dazu haben, bevor Sie von der normativen Kraft des Faktischen eines Tages dazu gezwungen werden! ...
https://www.wochenblick.at/beamte-fuer-aufklaerung-hoeren-sie-auf-die-menschen-zu-terrorisieren/



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Noukker

Danke dafür, aber auch „Teile des Heeres,…“ ist hier unglücklich gewählt. Hätte man nicht einfach „Angehörige (Bedienstete) des Bundesheers“ schreiben können?


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1984_George_Orwell

Corona-Leugner Ist das nun die „neue“ objektive Berichterstattung?


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galiontariaho

Ja es ist tatsächlich etwas unvollständig:
- Coronaleugner
- Impfgegner
- rechtsextreme Propagandisten
- Esoteriker
- FB Opfer

hab ich wen vergessen?


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-lt-

Teile des Heeres ?!?!
Ein Teil des Heeres wäre ein Panzerbataillon...
2 Offiziere (in Worten: ZWEI) und eine rechte Mickey Maus Gewerkschaft aus dem Burgenland sind das nicht...


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Franz Woyzecks liebste Erbse

Diese Überschrift ist sachlich falsch und auf Boulevardmedienniveau.

Das Bundesheer hat zehntausende Mitarbeiter und natürlich wird es dort auch Maßnahmenkritiker, Impfgegner etc. geben. Wenn jetzt einzelne Bedienstete an den Demos teilnehmen, dann bedeutet dies natürlich nicht, dass "Teile des Bundesheers für die Demo mobilisieren", zumal noch dazu der Begriff der Mobilisierung im Zusammenhang mit dem Bundesheer ohnehin völlig falsch verwendet wird. Wir sprechen ja auch nicht davon, dass "die Wiener Stadtwerke für die Demo mobilisieren", bloß weil es sicher auch von dort Einzelne geben wird, die an der Demo teilnehmen.

Ich möchte - vor alle, in diesem Zeiten - zu einem sensibleren Sprachgebrauch aufrufen.


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[Coronavirus Notizen (COVID-19-Pandemie, Mentalitätsgeschichte, etc., ...) ... ]
« Reply #344 on: November 20, 2021, 10:43:56 AM »
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[...] Oliver Janich ist mit knapp 160.000 Followern auf Telegram einer der reichweitenstärksten Verschwörungsideologien im deutschsprachigen Raum. Seit Beginn der Corona-Pandemie verbreitet er über den Messengerdienst alternative Fakten zum Virus, der Impfung und ruft zu Demonstrationen der Querdenken-Bewegung auf.

Am Dienstagabend veröffentlicht Janich in seinem Telegram-Kanal folgenden Beitrag: „Es ist natürlich völlig klar, dass jeder einen Polizisten über den Haufen schiessen (sic) dürfte, der einen zur Zwangsimpfung schleppt. Und nein, das ist kein Aufruf zur Gewalt, sondern Notwehr. ich würde es tun.“

Es ist nicht das erste Mal, dass sich der Verschwörungsideologe so radikal äußert, bereits in der Vergangenheit verbreitete der auf den Philippinen lebende Deutsche Tötungsfantasien über das soziale Netzwerk. Am 20. Januar dieses Jahres, dem Tag als der amerikanische Präsident Joe Biden in sein Amt eingeführt wird, schreibt Janich: „Hängt Biden. Hängt Soros. Hängt sie alle, verdammt nochmal.“

Für den Politikwissenschaftler und Geschäftsführer des Thinktanks „Center für Monitoring, Analyse und Strategie“ (CeMAS) Josef Holnburger sind die neuesten Äußerungen Janichs ein „ernsthafter Grund zur Sorge“. Laut Holnburger reihen sich Janichs Aussagen ein, in eine Vielzahl von Drohungen und Gewaltfantasien, die in den vergangenen Tagen unter deutschen und österreichischen Verschwörunsgsideologen und Impfgegnern verbreitet werden.

Innerhalb kürzester Zeit wurden die Corona-Maßnahmen in beiden Ländern angepasst und verschärft. Während in Deutschland mittlerweile vielerorts der Zutritt nur noch Geimpften und Genesenen gestattet ist, steht die Alpenrepublik vor einem neuen harten Lockdown für alle, der am Montag beginnen soll. Darüber hinaus verkündete die österreichische Bundesregierung am Freitag eine ab Februar geltende allgemeine Impfpflicht.

Viel Zündstoff auch für deutsche Impfverweigerer und Coronaleugner, die in den neuen Regeln für Österreich eine Art Blaupause für die Bundesrepublik sehen, wie Holnburger befürchtet. Innerhalb kürzester Zeit ist die Mobilisierung für eine am Sonnabend geplante Demonstration von Impfgegnern in Wien stark angestiegen, viele deutsche Akteure der Querdenken-Szene rufen ihre Anhänger auf, am Sonnabend ebenfalls in der österreichischen Hauptstadt zu demonstrieren.

Radikale wie Oliver Janich sprechen bei Telegram gar von einem nötigen „Aufstand“, da einfache Demonstrationen nicht mehr reichen würden.

CeMAS-Geschäftsführer Holnburger beobachtet bei der Mobilisierung einen ähnlichen Duktus wie bei der Berliner Demonstration gegen das neue Infektionsschutzgesetz am 18. November vor einem Jahr, als es zu gewaltsamen Ausschreitungen kam und die Berliner Polizei Wasserwerfer gegen Querdenker einsetzte.

Auch jetzt müsse man mit einem Tag X-Szenario rechnen, sagt der Politikwissenschaftler und warnt gleichzeitig vor einem noch höheren Frustrations-Faktor in der Szene: „Frustration ist für einzelne ein noch härterer Radikaliserungsmoment als wenn man glaubt, man könne das Ruder noch rumreißen.“

Die Wiener Polizei bereitet sich mit 1300 Polizisten auf mindestens zehntausend erwartete Demonstranten am Sonnabend im Zentrum der österreichischen Hauptstadt vor. Auch deutsche und österreichische Rechtsextremisten werden am Wochenende bei den Protesten erwartet. Der freie Journalist Michael Bonvalot wurde im Vorfeld in den sozialen Netzwerken massiv angefeindet, mehrere User kündigten an Bonvalot im Rahmen der Demonstration zu suchen und körperlich zu attackieren.

Währenddessen verbreitet sich ein Aufruf unter den Impfgegnern, als Arzt oder Pfleger verkleidet auf der Straße zu erscheinen, um den Anschein zu erwecken, dass auch das Gesundheitspersonal gegen die österreichische Impfpflicht auf die Straße geht.

Für die rechtsextreme, deutsche Partei „Freie Sachsen“ geht die Impfpflicht in Österreich gar so weit, dass Parteiakteure fordern, “verfolgten Bürgern” aus der Alpenrepublik politisches Asyl im Freistaat zu gewähren. Auch hier spiegelt ein Blick in die Kommentarspalten des „Freien Sachsen“-Telegramkanals blanken Hass gegen die Regierenden wider.

Ein User schreibt „es geht nur noch mit Gewalt, bewaffnen bzw. Waffen erbeuten!“, ein anderer: „Ich denke, dass sich ein Bürgerkrieg gegen die Regierenden immer mehr abzeichnet.“

Politikwissenschaftler Holnburger geht davon aus, dass auch in Deutschland die Gewalt von Impfgegnern weiter zunehmen wird: „Dass heißt aber noch lange nicht, dass wir das hinnehmen müssen und uns davon einschüchtern oder erpressen lassen sollten“, sagt der Experte.

Vielmehr müssten besonders gefährdete Berufsgruppen wie Ärzte, Impfteams, Wissenschaftler und Journalisten besser geschützt werden, fordert Holnburger. Dazu bräuchte es jedoch eine systematische Erfassung von Straftaten im Kontext der Corona-Pandemie von staatlicher Seite, um Betroffenen in der Konsequenz einen besseren Schutz anbieten zu können. Bisher existiert jedoch kein einheitliches System der Sicherheitsbehörden für Straftaten dieser Art.



Aus: "Impfgegner machen mobil – wie gefährlich können sie werden?" Julius Geiler (20.11.2021)
Quelle: https://www.tagesspiegel.de/politik/demonstrationen-in-wien-geplant-impfgegner-machen-mobil-wie-gefaehrlich-koennen-sie-werden/27817734.html


"Vorerst zehn Festnahmen bei Corona-Großdemo in Wien, 1.300 Beamte im Einsatz" (20. November 2021)
Die Festnahmen erfolgten laut Polizei sowohl wegen Verwaltungsdelikten als auch strafrechtlich wegen Widerstands gegen die Staatsgewalt. Laut Polizei 35.000 Teilnehmer
https://www.derstandard.at/story/2000131303742/bis-zu-15-000-corona-massnahmengegner-in-wien-erwartet

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[...] Das Wort "Lockdown" vermeidet die sächsische Landesregierung ausdrücklich. Dort spricht man von einem "Wellenbrecher", wenn es um den nächsten Versuch geht, die vierte Corona-Welle in den Griff zu bekommen, die in Sachsen zu entgleiten droht. Zwei weitere Begrifflichkeiten sind am Abend von der Koalitionsregierung aus CDU, SPD und Grünen zu hören: Einerseits wird viel von "harten Maßnahmen" gesprochen, anderseits von "Kompromissen". Das neue Regelwerk, mit dem die Politik die Infektionszahlen senken will, pendelt auch irgendwo dazwischen.

"Wir haben hart gerungen", sagt Sachsens SPD-Wirtschaftsminister Martin Dulig. "Und wie das so ist bei einem Kompromiss, dem einen ist es zu viel, dem anderen zu wenig." Welche Bereiche des Lebens werden heruntergefahren? Wie unterscheidet man zwischen geimpften und ungeimpften Menschen? Was hilft, um die Infektionen zu drosseln? Die Antworten sind kompliziert. Sachsens CDU-Ministerpräsident Michael Kretschmer spricht von "einem besonderen Instrumentenkasten".

Es gab in den vergangenen Tagen drängende Warnungen, dass schnell etwas passieren muss. Die Lage in Sachsen wird immer dramatischer und auch chaotischer. Das Bundesland hat seit Wochen die höchste Corona-Inzidenz in Deutschland, gerade liegt sie bei knapp 1.000. Das ist der offiziell ermittelte Wert, die Dunkelziffer dürfte um einiges höher liegen, denn die Nachverfolgung der Infektionen funktioniert längst nicht mehr. Gesundheitsämter haben die Kontrolle verloren, es gibt einen Rückstau von Tausenden Fällen. Die sächsischen Kliniken haben die Überlastungsstufe von 1.300 Corona-Patienten deutlich überschritten. Schon bald wird in andere Bundesländer verlegt werden müssen.

Auch bei einer Konferenz Anfang der Woche, ausgerichtet von der Landesregierung, warnten Vertreter aus Medizin und Wissenschaft eindringlich. RKI-Präsident Lothar Wieler sprach von einer "ernsten Notlage". Und: "Wir waren noch nie so beunruhigt wie jetzt." Die Empfehlung von Ärzten und Wissenschaftlerinnen in jener Runde: Kontakte so schnell wie möglich reduzieren, um die Lage zu beruhigen.

Außerdem: Die Impfquote erhöhen. In Sachsen ist sie mit knapp 60 Prozent noch immer am niedrigsten. Dass Impfungen einen enormen Unterschied ausmachen, zeigt sich auch in den sächsischen Statistiken: Die Inzidenz bei ungeimpften Menschen liegt laut Landesregierung aktuell bei über 1.800 – bei Menschen mit Impfung beträgt der Wert nur etwa 60. "Die niedrige Impfquote ist der eigentliche Grund für diese Situation", sagt Michael Kretschmer.

Alle Großveranstaltungen werden abgesagt. Im Bereich Kultur und Freizeit wird fast alles geschlossen, Theater, Kinos, Clubs, Bäder. Zudem gilt ein Alkoholverbot in der Öffentlichkeit.

Vor allem um Weihnachtsmärkte wurde viel gerungen. Mehrere Städte hatten sie in den vergangenen Tagen selbst abgesagt. In Dresden sollte der fertig aufgebaute Striezelmarkt am Montag eröffnen, nun kam das Verbot für alle.

Untersagt ist nun auch, Touristen zu beherbergen. Zudem sind nur noch ortsfeste Kundgebungen mit zehn Personen erlaubt, das Versammlungsrecht also stark eingeschränkt.

Schulen und Kitas jedoch sollen so lange wie möglich offen bleiben. Allerdings hat sich das Infektionsgeschehen dort erheblich beschleunigt. Der sächsische Kultusminister Christian Piwarz, CDU, sagte Anfang der Woche, er glaube, die allermeisten Ansteckungen geschähen "in der Freizeit". Doch das dürfte die Realität nicht annähernd treffen, denn in der letzten Woche sind die Corona-Infektionen bei Schülerinnen und Schülern um mehrere Tausend Fälle gestiegen. Immer mehr Schulen müssen vorläufig zumachen wegen zu vieler Fälle.

Und es gibt einige Fußnoten bei den neuen Maßnahmen: Kitas und Grundschulen gehen in den eingeschränkten Regelbetrieb mit festen Gruppen. Außerdem wird die Schulbesuchspflicht ausgesetzt. Eltern, die ihre Kinder zu Hause lassen, haben allerdings keinen Anspruch auf Fernbeschulung.

Vor zwei Wochen ist in Sachsen eine 2G-Regel eingeführt worden, unter anderem für die Gastronomie – Zutritt haben nur noch Geimpfte und Genesene. Daran ändert sich für Restaurants nichts. Allerdings dürfen sie jetzt nur noch bis 20 Uhr öffnen. Die 2G-Regel wird außerdem ausgeweitet auf den Einzelhandel – ausgenommen sind Supermärkte, Tankstellen, Drogerien und Apotheken.

Für Menschen ohne Impfungen gibt es noch mehr Einschränkungen: In Hotspot-Regionen mit einer Inzidenz über 1.000 – in Sachsen betrifft das bereits mehrere Landkreise – gilt für sie eine Ausgangsbeschränkung. Ungeimpfte dürfen ab 22 Uhr ohne triftigen Grund nicht mehr die Wohnung verlassen. Privat darf sich nur noch ein Hausstand mit einer weiteren Person treffen – geimpfte oder genesene Personen zählen nicht mit.

Wie all diese neuen Regeln kontrolliert werden sollen, ist noch fraglich. Erst recht in Sachsen, wo ein Teil der Bevölkerung Corona-Maßnahmen ignoriert und sich nicht wenige im Widerstand sehen. In den vergangenen zwei Wochen, als bereits die erste Phase der 2G-Regel galt, waren Corona-Streifen unterwegs, Teams aus Ordnungs- und Gesundheitsamt sowie Polizei. Einen flächendeckenden Check konnten sie nicht leisten, möglich waren nur Stichproben.

Nun soll weiter aufgestockt werden, kündigt der Ministerpräsident an. "Die Polizei wird stärker tätig sein." Auch der Landesregierung ist klar, dass Kontrollen allein nicht reichen werden. Einmal mehr hört man Appelle für Solidarität und Miteinander, um die Pandemie in den Griff zu bekommen. "Wir brauchen eine kollektive Intelligenz", sagt Kretschmer.


Aus: "Wie Sachsen die vierte Welle brechen will" Doreen Reinhard (20. November 2021)
Quelle: https://www.zeit.de/politik/deutschland/2021-11/corona-massnahmen-sachsen-landesregierung-hotspots-ausgangsbeschraenkungen

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kruzinesn #3

Was heisst "kommt für viele zu spät"?
Fast alle, die jetzt in den Intensivstationen liegen oder gar in den letzten Monaten verstorben sind, gilt: Impfen wäre die Lösung gewesen. Kostenlos.
Hier wird so getan, als wäre die Politik schuld, dass die Impfquote so niedrig ist. Ist sie nicht. Schuld hat jeder einzelne, der -warum auch immer - sich nicht impfen lassen wollte obwohl er es hätte können.
Daher trägt (fast) jeder selbst schuld, der schwer erkrankt oder verstorben ist. Nicht die Politik.


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Susanne Sto Helit #3.7

Oh doch, die Politik ist mitverantwortlich und Mitschuld an dem derzeitigen Desaster. Man hat Erkenntnisse schlichtweg ignoriert, systematisch Flasche Entscheidungen getroffen, dem Thema nicht die ausreichende Priorität eingeräumt (Chefsache da Notfall), falsch oder irreführend oder garnicht kommuniziert bzw. aufgeklärt (Freedom Day), und das Thema zuletzt für billige politische Spielchen missbraucht (CDU als Opposition).
Seht es mal so: Politik und Gesellschaft nehmen 0.8 Tote auf die Zahl der Neuinfizierten billigend Kauf, und diese Zahl verdoppelt sich bisher alle 12 Tage.
Eine Aktie die sich so schnell verdoppelt würde jeder kaufen, das verstehe und glaube man doch, oder?


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nogodsaround #7

"..Sachsen, wo ein Teil der Bevölkerung Corona-Maßnahmen ignoriert und sich nicht wenige im Widerstand sehen."

Die Realität holt uns alle ein.


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RD-6 #8

Es ist ein Trauerspiel, wie dieses Virus wieder vollkommen überraschend für die Akteure in der Politik wieder in Fahrt kommt. Konnte ja niemand erwarten und es hat auch keiner gewarnt. ...


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Achim Hack #8.4

So, wie der jährlich stattfindende Wintereinbruch regelmäßig die Winterreifenskeptiker in den Straßengraben treibt. Hier hoffen wir auf den Klimawandel...


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SpaceKaren #13

Es tut mir sehr leid für die Kinder, diejenigen, die sich nicht impfen lassen können, Impfdurchbrüche und alle, die unverschuldet wegen anderer Dinge auf die Intensivstation müssen. Für ungeimpfte Erwachsene, die "Widerstand" brüllen bis sie ans Beatmungsgerät angeschlossen werden, habe ich keine Empathie mehr übrig.


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rot und juckig #17

"Wir brauchen eine kollektive Intelligenz", sagt Kretschmer.

der mann hat zuversicht.


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Sbahnfahrer #19

Jeder Artikel ignoriert die hohen Inzidenzen bei Kindern und ignoriert die Auswirkung auf die "normale" Inzidenz. Wie hoch ist die Inzidenz ohne Kinder U18 in Deutschland. Ich möchte endlich konkrete Zahlen.


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Calorictus #19.1

Was heißt hier "endlich"? Die Zahlen veröffentlicht das RKI seit Monaten und sind innerhalb von Sekunden auffindbar:
COVID-19-Fälle nach Altersgruppe und Meldewoche (Tabelle wird jeden Donnerstag aktualisiert)
Jeden Donnerstag werden im Wochenbericht die altersspezifischen Anteile als 7-Tage-Inzidenz pro 100.000 Einwohner nach Meldewoche dargestellt. Auf den folgenden Tabellenblättern finden sich die altersspezifischen Fallzahlen sowie die altersspezifischen 7-Tage-Inzidenzen.

https://www.rki.de/DE/Content/InfAZ/N/Neuartiges_Coronavirus/Daten/Altersverteilung.html


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Veritas 01 #19.2

https://www.zeit.de/wissen/corona-karte-deutschland-aktuelle-zahlen-landkreise
Einfach runterscrollen und die entsprechende Altersgruppe anklicken.


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[...] Bei schweren Ausschreitungen in Rotterdam bei einer Kundgebung gegen schärfere Corona-Regeln hat es nach Schüssen der Polizei sieben Verletzte gegeben. "Es gibt Verletzte in Zusammenhang mit den abgegebenen Schüssen", teilte die Polizei in der niederländischen Hafenstadt am späten Freitagabend mit. Später hieß es, auch in den Reihen der Polizei seien Beamte verletzt worden. Beamte hatten mehrere Warnschüsse und weitere Schüsse abgegeben. Bei einem auf Bildern zu sehenden niedergeschossenen Menschen sei noch undeutlich, wie und durch wen die Person verletzt wurde, teilte die Polizei mit. Dutzende Menschen seien festgenommen worden.

Bei der nicht angemeldeten Demonstration Hunderter Menschen gegen eine drohende weitere Verschärfung der Corona-Maßnahmen kam es im Zentrum von Rotterdam zu gewalttätigen Krawallen. Auf Bürgersteigen und Straßen wurden Brände gelegt, Polizeiautos in Brand gesteckt und weitere beschädigt sowie Polizisten und Feuerwehrleute mit Gegenständen beworfen. Auf Bildern des Senders NOS waren lodernde Flammen zu sehen, Stühle wurden geworfen und Müllcontainer auf die Straße geschoben. Ein Streifenwagen stand lichterloh in Flammen. Zurück blieb eine Spur der Verwüstung.

Politiker äußerten sich auf Twitter schockiert über das Ausmaß der Gewalt. Mit einem Großaufgebot versuchte die Polizei nach eigenen Angaben, wieder Ordnung zu schaffen. Dabei kamen auch die Bereitschaftspolizei und ein Wasserwerfer zum Einsatz, Polizeieinheiten aus dem ganzen Land wurden in der Hafenstadt zusammengezogen. Ein Hubschrauber war über den von Rauchschwaden durchzogenen Straßen zu hören. "Ein maximaler Einsatz der Polizei ist möglich, um die Ordnung so schnell wie möglich wieder herzustellen", teilte die Polizei gegen Mitternacht mit.

Der Bürgermeister erließ eine Notverordnung, um Menschen den Aufenthalt am Ort der Krawalle sowie im Hauptbahnhof und einer anderen Station zu verbieten. Der Zugverkehr von und nach Rotterdam sei wegen der Krawalle eingestellt worden, teilten die Niederländischen Eisenbahnen mit. Am frühen Samstagmorgen wurde der Verkehr dann wieder aufgenommen.

Die Kundgebung, zu der mehrere Organisationen aufgerufen hatten, richtete sich gegen Pläne der Regierung, angesichts der sich verschärfenden Corona-Lage eine 2G-Regel einzuführen. Zugang zu Veranstaltungen, Cafés und Restaurants erhielten dann nur noch Geimpfte und Genesene. Nachdem im Januar eine Ausgangssperre in den Niederlanden verhängt worden war, hatte es bereits schwere Krawalle in etlichen Städten mit Millionenschäden gegeben.

Quelle: ntv.de, uzh/dpa


Aus: "Wütender Mob randaliert in Rotterdam" (Freitag, 19. November 2021)
Quelle: https://www.n-tv.de/panorama/Wuetender-Mob-randaliert-in-Rotterdam-article22943481.html
« Last Edit: November 20, 2021, 06:11:36 PM by Link »

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« Reply #345 on: November 22, 2021, 05:42:17 PM »
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[...] BERLIN taz | Im Südwesten Deutschlands sind die anthroposophische Bewegung sowie die langjährig verankerte Alternativszene starke Triebfedern für die Proteste von Querdenken und Co. Zu diesem Ergebnis kommen die Baseler SoziologInnen Nadine Frei und Oliver Nachtwey in der Studie „Quellen des,Querdenkertums'“, die am Montag in Stuttgart vorgestellt wurde.

Frei, Nachtwey und ihr Team konstatieren hingegen ebenfalls, dass es vom in Baden-Württemberg besonders verbreiteten christlich-evangelikalen Milieu nur geringe Schnittmengen zu den Corona-Protestierer:innen gibt [https://taz.de/Evangelikale-Glaubensformen/!5752772/], obwohl sich beide Gruppen durch Staatsskepsis auszeichnen. Noch schwächer sei der Zusammenhang mit dem bürgerlichen Protestmilieu etwa gegen das Bahnhofsprojekt „Stuttgart 21“.

Die Forschungsgruppe des soziologischen Institut der Universität Basel hatte bereits Ende 2020 eine Studie [https://taz.de/!5730562/] zu den Motiven und politischen Einstellungen der Corona-Verharmloser:innen vorgelegt. Ihre neue Untersuchung nun, die im Auftrag der Heinrich-Böll-Stiftung Baden-Württemberg entstand, konzentriert sich auf Baden-Württemberg. Querdenken wurde im Südwesten gegründet und hat am Stammsitz mit der Gruppe „711“ eine Stuttgarter Vorwahl.

Die Bewegung ist hier besonders stark verwurzelt, sowohl auf der Straße als auch im Netz. Das Publikum war zunächst sehr heterogen. Es einte laut den So­zio­lo­g:in­nen der vermeintlich notwendige Widerstand gegen eine angebliche Anmaßung der Regierung, mit ihrer Coronapolitik demokratische Freiheitsrechte außer Kraft zu setzen.

Bei einer Auswertung der Mitgliedschaft in coronaskeptischen Kanälen des Messengerdienstes Telegram ergibt sich, dass Baden-Württemberg – hier vor allem die Region Stuttgart – und Sachsen aktuelle Hotspots der Protestbewegung sind. Es gebe aber, schreiben die Wissenschaftler:innen, grundlegende Unterschiede zwischen beiden Regionen.

Die Querdenken-Proteste hätten sich auch in Ostdeutschland, vor allem in Sachsen, etablieren können – „doch sind diese stärker von der extremen Rechten geprägt und tragen deutlich weniger esoterische und anthroposophische Züge“. Speziell im Osten gelinge es der AfD, über den Widerstand gegen die Coronamaßnahmen neue Milieus zu erschließen.

In Baden-Württemberg seien hingegen unter den Stu­di­en­teil­neh­me­r:in­nen auch viele ehemalige Wäh­le­r:in­nen der Grünen und der Linken. „Somit hat sich aus unterschiedlichen sozio-kulturellen Quellen in Baden-Württemberg und den neuen Bundesländern eine ähnliche Dissidenz gegenüber der Pandemie-Politik herausgebildet“, heißt es in der Studie. Und das, obwohl in Baden-Württemberg das Vertrauen in Politik und Institutionen dem bundesdeutschen Durchschnitt entspricht – anders als in Sachsen, wo die Staatsskepsis deutlicher ausgeprägt ist als im Durchschnitt.

In ihrer Selbstwahrnehmung sehen sich die Corona-Kritiker:innen laut Studie „als nüchterne Ex­per­t:in­nen und mutige Widerstandskämpfer:innen“. Von „Konspirationsdenken“ ist die Rede, und von drastischen Vergleichen, „um ihren widerständigen Mut zu beweisen und ihre politische Praxis zu heroisieren“. Viele der von den Baseler For­sche­r:in­nen Befragten hätten sich inszeniert „als Eingeweihte, geradezu als Erwählte, die auch angesichts gesellschaftlicher Ächtung, Stigmatisierung und Repression an ihrer Expertise festhalten“.

Der Soziologe Nachtwey hatte erst vor wenigen Tagen in einem Interview mit dem Deutschlandfunk deutlich gemacht, dass eine solche Haltung dann in diesen Kreisen auch oft zu Impfskepsis führe. „Da kommen quasi linke kulturelle Merkmale mit rechter Politisierung zusammen und das macht diese extrem toxische Mischung der Impfverweigerung gerade aus“, sagte er dem Sender. Sachliche Aufklärung sei bei den Maßnahmenkritikern „relativ wirkungslos“.

Nachtwey, Frey und ihr Team beobachten in Baden-Württemberg eine Radikalisierung auch der politischen Mitte im Zusammenhang mit der Bewegung gegen die Maßnahmen zur Eindämmung der Pandemie. Sie zitieren die Grünen-Politikerin Heike Schiller, langjährige Vorsitzende der Böll-Stiftung Baden-Württemberg. Diese sagte über Querdenken-Gründer Michael Ballweg, die Wende sei gekommen, als dieser „begonnen hat, diese rechten Zustände nicht nur zu marginalisieren, sondern zu rechtfertigen, damit er die Masse kriegt“. Eine neue Aggressivität habe auf diese Weise Raum bekommen. „Rechte waren nicht auf Krawall gebürstet, sondern auf Präsenz. Auf Krawall gebürstet waren dann eher die, welche nicht hinter rechten Fahnen hinterherlaufen, sondern die, welche ihre Grundrechte überall gefährdet sehen.“

Die Baseler Wis­sen­schaft­le­r:in­nen schlussfolgern in ihrer Studie ähnlich: Es seien nicht unbedingt die extremen Rechten selbst gewesen, die für eine Radikalisierung gesorgt hätten. „Häufig konnten wir affektuelle Aufladungen, emotionale Ausbrüche und die Möglichkeit der Gewalt auch in und aus der Mitte der Coronamaßnahmen-Kritiker:innen beobachten.“


Aus: "Studie zu „Querdenken“ in BaWü: Esoterik als Nährboden für Proteste" 22. 11. 2021 (Matthias Meisner)
Quelle: https://taz.de/Studie-zu-Querdenken-in-BaWue/!5816872/

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Suryo heute, 15:30

Hoffentlich fangen die Grünen mal langsam an, ihr Verhältnis zu Anthroposophie, Homöopathie und anderer Scharlatanerie zu reflektieren und die Verbindungen zu diesem Milieu zu kappen. Soll jeder glauben, woran er will. Aber Vertreter von Politik und Staat sollten Obskurantismus keinerlei Legitimation verleihen.

[ ...

[...] Gemäß der Definition von Marquis de Condorcet bezeichnet Obskurantismus „die Tyrannei der Arglist über die Unwissenheit“. Er ist aufklärungs- und fortschrittsfeindlich und will die Menschen in Unwissenheit und Aberglauben befangen halten. Die Wurzel des Begriffs (obskur: dunkel) erhellt das: Man versucht, durch ungewöhnliches und unverständliches, aber auf Altgewohntes abstellendes Hindeuten das Opfer zum willenlosen Befehlsempfänger seines eigenen Unterbewusstseins zu machen. Heute kommt Obskurantismus z. B. bei Religionsgemeinschaften, Sekten, Verschwörungstheorien, in der Werbung, im Wahlkampf sowie in postmoderner Philosophie vor.

Aus: "Obskurantismus" (03/2007)
Quelle: http://de.wikipedia.org/wiki/Obskurantismus
... ]


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shitstormcowboy

Guter und wichtiger Artikel. Ich möchte dazu noch anmerken, dass die sogenannte esoterische Szene in Deutschland, insbesondere die Anthroposophen, eine sehr unterschiedliche spirituelle Auffassung haben, verglichen mit den spirituellen Kräften z.B. in Indien. Als die theosophische Gesellschaft anno, ich glaub 1929, nicht Rudolf Steiner sondern Jiddu Krishnamurti zum Maitreya, dem große Weltlehrer, ausriefen, da begannen sich indische und europäische Spiritualität zu trennen. Heute lehnen die Anthroposophen das Impfen ab und die Inder Deepak Chopra und Sadhguru rufen dazu auf sich impfen zu lassen. Die Haltung zum Impfen ist eine der viellen Irrungen, die auf Rudolf Steiner zurüch gehen. Auch die Nähe zum Rassismus, also zu den Rechten ist eine davon. Oder die Haltung zur "natürlichen Auslese" rührt daher. Man möchte es der Natur überlassen, ob man Corona übersteht oder nicht.

Kein Gedanke daran, dass die wunderbare Schöpfung es dem menschlichen Geist ermöglichte einen Impfstoff wie die mRNA-Impfstoffe zu entwickeln. Aus spiritueller Sicht ist die menschliche Entwicklung einschließlich der Entwicklung der Impfstoffe vom GEIST, von Brahman, vom Weltbewußtsein, von Allah oder Gott gewollt.


...

usw.
« Last Edit: November 22, 2021, 05:48:25 PM by Link »

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« Reply #346 on: November 25, 2021, 10:57:28 AM »
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[...] Die Corona-Impfstoffe vermindern die Übertragung der hochansteckenden Delta-Variante des Virus nach Angaben der Weltgesundheitsorganisation (WHO) nur um 40 Prozent. "Die Datenlage deutet darauf hin, dass die Übertragung vor dem Auftreten der Delta-Variante durch die Impfstoffe um etwa 60 Prozent reduziert wurde.

Mit Delta ist dieser Wert auf etwa 40 Prozent gesunken", erklärte WHO-Chef Tedros Adhanom Ghebreyesus am Mittwoch in Genf.

Er rief die Menschen deshalb inständig auf, weiterhin Masken zu tragen und Schutzmaßnahmen zu ergreifen. "Wir sind besorgt über das falsche Gefühl der Sicherheit, dass die Impfstoffe die Pandemie beendet hätten und Geimpfte keine weiteren Vorsichtsmaßnahmen ergreifen müssten", sagte der WHO-Chef.

"Die Impfstoffe retten Leben, aber sie verhindern die Übertragung nicht vollständig."

Europa befindet sich derzeit inmitten einer erneuten Corona-Welle, die zum Teil auf zu niedrige Impfquoten und verfrühte Lockerungen zurückzuführen ist. 60 Prozent der Corona-Infektionen und Todesfälle der vergangenen Woche weltweit entfielen laut Tedros auf Europa.

Der WHO-Chef sprach angesichts dieser Entwicklung von einer "unerträglichen Belastung" für die Gesundheitssysteme und das "erschöpfte Gesundheitspersonal".

Laut einer AFP-Zählung auf Grundlage offizieller Daten wurden in Europa binnen einer Woche über 2,5 Millionen Infektionsfälle und fast 30.000 Tote verzeichnet. Damit ist der Kontinent die am stärksten von der Pandemie betroffene Region der Welt.

WHO-Notfalldirektor Michael Ryan kritisierte, Europa befinde sich trotz eines "sehr, sehr starken Wiederanstiegs der Fälle" wieder auf dem gleichen "Niveau sozialer Interaktionen" wie vor der Pandemie. (AFP)


Aus: "Impfstoffe reduzieren Übertragung der Delta-Variante nur um 40 Prozent" (25.11.2021)
Quelle: https://www.tagesspiegel.de/wissen/weltgesundheitsorganisation-impfstoffe-reduzieren-uebertragung-der-delta-variante-nur-um-40-prozent/27832714.html

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« Reply #347 on: November 25, 2021, 12:54:34 PM »
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[...] Die Corona-Pandemie erreicht in Deutschland einen weiteren traurigen Meilenstein: Mehr als 100.000 Menschen sterben im Zusammenhang mit Covid-19. Eine Zahl, die schwer zu fassen ist. Wer sind all die Menschen, die in den vergangenen 20 Monaten wegen Corona ihr Leben ließen?

Man stelle sich vor, ein Asteroid stürzt vom Himmel und schlägt mitten in einer deutschen Großstadt ein. Alle rund 100.000 Einwohner sterben. Es wäre eine Katastrophe biblischen Ausmaßes. Kaum vorstellbar, was das mit einer Gesellschaft machen würde. Doch genau das ist geschehen - nur ging die Katastrophe vergleichsweise langsam, fast wie in Zeitlupe vonstatten: Auch die Coronavirus-Pandemie forderte bisher mehr als 100.000 Todesopfer in Deutschland.

Doch anders als bei großen Unglücken wie Flut, Unfällen und Terrorakten war sie nicht auf einen Ort beschränkt, sondern überall gleichzeitig. Die Corona-Opfer starben im Norden und Süden, im Westen und Osten der Republik. Doch was weiß man eigentlich über sie? Nur wenige der Corona-Toten in Deutschland sind der Öffentlichkeit namentlich bekannt. Jörn Kubicki gehört dazu, Neurologe und Lebenspartner von Berlins ehemaligem Bürgermeister Klaus Wowereit. Er war eines der frühen Opfer im März 2020. Aber wer waren all die anderen?

Was man über die mehr als 100.000 Todesopfer weiß: Ein Großteil war bereits sehr alt. Die Hälfte von ihnen war 84 Jahre und älter. Denn Covid-19, das stellte sich schnell heraus, ist eine Krankheit, die vor allem für Ältere gefährlich ist. Das zeigt auch die Fallsterblichkeit je Altersgruppe, die angibt, für wie viele Menschen eine nachgewiesene Infektion tödlich endet: Bei den über 90-Jährigen traf das auf jeden Vierten zu, auch jeder Sechste im Alter zwischen 80 und 89 Jahren starb. Andersherum waren von den mehr als 100.000 Toten nur 0,03 Prozent jünger als 20 Jahre. Das Risiko für einen 20-Jährigen, an Corona zu sterben, ist mehr als 1000-fach geringer als für einen 80-Jährigen.

Ein weiterer Unterschied zeigt sich beim Geschlecht: Insgesamt starben deutlich mehr Männer als Frauen an Covid-19, obwohl sich etwa gleich viele Männer und Frauen angesteckt hatten. Die Wahrscheinlichkeit, dass ein Mann an einer Corona-Infektion stirbt, ist etwa 40 Prozent höher als bei einer Frau. Studien haben verschiedene mögliche Ursachen dafür gefunden. Demnach kommt ein Rezeptor, über den das Coronavirus Zellen attackiert, bei Männern häufiger vor. Auch scheint die Immunabwehr von Frauen besser gegen das Virus gerüstet zu sein, wie andere Untersuchungen nahelegen.

Männer leiden zudem häufiger an Vorerkrankungen wie Herz-Kreislauf-Beschwerden, Krebs oder chronischen Lungenkrankheiten. Vorerkrankungen erhöhen das Risiko eines tödlichen Verlaufs von Covid-19, was für alle Geschlechter gilt. So zeigte auch eine Studie des Universitätsklinikums Hamburg-Eppendorf (UKE) aus dem Frühjahr, dass die meisten von 735 obduzierten Corona-Todesfällen mindestens eine Vorerkrankung hatten - im Schnitt waren es sogar drei. Zu den häufigsten Leiden zählten Bluthochdruck, chronische Niereninsuffizienz, Diabetes Mellitus oder eine chronische Lungenerkrankung. 20 Prozent waren krankhaft übergewichtig.

Wo starben all die Corona-Toten? Laut der Hamburger Studie mehr als zwei Drittel im Krankenhaus, rund 22 Prozent in Pflegeheimen und der Rest zu Hause. Eine Analyse des Robert-Koch-Instituts (RKI) für ganz Deutschland fand heraus, dass in den ersten beiden Wellen fast jeder Dritte in einem Alten- oder Pflegeheim starb. Dieser Wert ist deshalb erstaunlich, weil nur ein Prozent der Gesamtbevölkerung in solchen Einrichtungen wohnt. Wenn die Inzidenzen hoch sind, steigt jedoch die Gefahr, dass Sars-CoV-2 in Alten- und Pflegeheime gelangt. Einmal drin, verbreitet der Erreger sich rasend schnell. Alle bisherigen Wellen wurden daher von Meldungen über schwere Ausbrüche mit vielen Toten in derartigen Einrichtungen begleitet.

Was man ebenfalls sagen kann: Wer arm ist, für den endet Corona häufiger tödlich - das jedenfalls legen zwei Studien des RKI nahe, die den sozialen Status der Todesopfer berücksichtigen. Grundlage ist der "German Index of Socioeconomic Deprivation" (GISD), der Landkreise und kreisfreie Städte in sozial stärkere und schwächere aufteilt. Während der zweiten Welle zum Jahreswechsel 2020/2021 starben in Regionen mit schlechteren Lebensbedingungen 50 bis 70 Prozent mehr Menschen an einer Corona-Infektion als in Regionen mit besseren, schreibt das RKI. Experten führen das auf Wohn- und Arbeitsverhältnisse zurück, die das Risiko einer Ansteckung und damit eines tödlichen Verlaufs erhöhen. Auch litten ärmere Menschen häufiger an Vorerkrankungen.

Doch starben während der Pandemie 2020/2021 wirklich mehr Menschen als in normalen Jahren? Das lässt sich anhand der sogenannten Übersterblichkeit ermitteln: Sie gibt Auskunft darüber, wie stark die Zahl aller Todesfälle vom mittleren Wert der Vorjahre abweicht. Auffällig veränderte sich die Übersterblichkeit bereits im April 2020, als mit der ersten Welle die Corona-Todesfälle in die Höhe schossen: Die Zahl der Gestorbenen war ebenfalls 10 Prozent höher als in den Vorjahren, wie aus Daten des Bundesamts für Statistik hervorgeht. Mit dem Rückgang der ersten Welle Anfang Mai 2020 sank auch die Zahl der Sterbefälle auf ein normales Niveau.

Dann folgte die zweite Welle ab Herbst 2020 und das Spiel wiederholte sich: Die Corona-Todesfälle stiegen an und mit ihr die Übersterblichkeit in Deutschland. Ihren Höhepunkt erreichte sie im Dezember und Januar 2021, als die Zahl der Toten mehr als 25 Prozent über den Werten der Vorjahre lag. Es waren mit Abstand die beiden schwärzesten Monate der Pandemie - in Summe starben damals fast 44.000 Menschen an Covid-19. Auf diese zweite Welle fielen zusammen mit der dritten Welle im Frühjahr 2021 bislang fast drei Viertel aller Corona-Toten.

Allerdings zeigte sich während der dritten Welle bereits der Effekt der Impfkampagne, bei der zuerst vor allem Ältere und deren Betreuer immunisiert worden waren. Zwar stieg in den Monaten April und Mai 2021 die Übersterblichkeit in Deutschland mit der Zahl der Corona-Toten an, lag aber nur noch leicht über dem mittleren Wert der Vorjahre. Seit September ging es mit der Übersterblichkeit wieder deutlicher nach oben, im November lag sie laut vorläufiger Hochrechnung sogar um 16 bis 17 Prozent über dem Niveau vergangener Jahre. Dies kann jedoch nur zum Teil durch die gemeldeten Covid-19-Todesfälle erklärt werden.

Die Diskussion ist so alt wie die Pandemie: Wie viele der Corona-Toten starben tatsächlich an dem Virus und nicht aufgrund einer anderen Ursache, wie etwa einer Vorerkrankung? Oft wird in dem Zusammenhang der Vorwurf erhoben, die Statistik sei verzerrt und es gebe weniger Corona-Todesfälle als offiziell ausgewiesen. Laut dem RKI ist es im Todesfall tatsächlich oft schwierig zu entscheiden, inwieweit die Infektion oder eine Vorerkrankung daran Anteil hatten. Erfasst werden daher sowohl Menschen, die unmittelbar an Covid-19 verstorben sind als auch solche, die bei ihrem Tod mit Sars-CoV-2 infiziert waren, bei denen sich aber nicht abschließend klären lässt, was die Todesursache war.

Bereits im August 2020 hatte eine Erhebung gezeigt, dass bei der großen Mehrheit der untersuchten Todesfälle Covid-19 die Ursache war. Für die Umfrage des Bundesverbands Deutscher Pathologen, der Deutschen Gesellschaft für Pathologie und der Deutschen Gesellschaft für Neuropathologie und Neuroanatomie wurden 68 Institute befragt, die verstorbene Covid-19-Patienten obduzieren. Die Befragung ergab, dass viele Corona-Toten zwar ernsthafte Vorerkrankungen hatten. Dennoch konnte bei 86 Prozent Covid-19 als alleinige oder wesentliche Todesursache ausgemacht werden.


Die Zahl von 100.000 Corona-Toten ist erschreckend hoch. Doch wie steht Deutschland im internationalen Vergleich da, wenn man die Todesfälle im Verhältnis zur Einwohnerzahl setzt? So betrachtet starben in Deutschland rund 120 von 100.000 Menschen in Zusammenhang mit Covid-19. Das sind 0,12 Prozent der Gesamtbevölkerung. Im europäischen Vergleich ist Deutschland damit relativ glimpflich davongekommen: In der gesamten Europäischen Union starben im Durchschnitt fast 190 von 100.000 Menschen an Corona.

Jedoch gibt es Länder wie Dänemark, Norwegen, Finnland und Island, die deutlich weniger Todesopfer zu beklagen haben - in Finnland sind es etwa nur 22, in Island sogar nur 10 Todesfälle je 100.000 Einwohner. Länder wie Italien und Großbritannien sind hingegen deutlich schwerer betroffen: Die Zahl der Todesfälle liegt dort fast doppelt so hoch wie in Deutschland. Noch deutlicher ist der Unterschied zu Ländern wie Tschechien, Ungarn und Bulgarien, die in etwa dreimal so viele Opfer je Einwohner verzeichnen. Besonders Bulgarien ist mit fast 400 Toten je 100.000 Einwohner in ganz Europa am schwersten betroffen - weltweit verzeichnet nur Peru einen höheren Wert mit rund 620 Todesfällen je 100.000 Einwohner.

Quelle: ntv.de


Aus: "Statistik gibt Aufschluss Wer sind die 100.000 Corona-Toten?" Kai Stoppel (Donnerstag, 25. November 2021)
Quelle: https://www.n-tv.de/wissen/Wer-sind-die-100-000-Corona-Toten-article22940154.html

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[...] Die Sieben-Tage-Inzidenz hat am Donnerstag mit 419,7 einen neuen Höchststand erreicht und erstmals wurden an das RKI mehr als 70.000 Neuinfektionen übermittelt. 75.961 Fälle waren es in 24 Stunden.

 Dass jetzt weniger Infizierte sterben, liegt vor allem daran, dass große Teile der Bevölkerung geimpft sind - insbesondere bei älteren Menschen, die anfälliger für schwere Verläufe sind. So sei der Anteil der Infizierten, die intensivmedizinisch behandelt werden, von sechs Prozent in der ersten Welle auf nun 0,8 Prozent gesunken, erklärte kürzlich Reinhard Busse von der TU Berlin. Wer einmal auf der Intensivstation liegt, für den ist es oft zu spät. Die Sterblichkeit liegt laut Stefan Kluge, Direktor der Klinik für Intensivmedizin am Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf, bei 30 bis 50 Prozent.

Um die Zahl der Corona-Toten aber dauerhaft niedrig zu halten, müssten deutlich mehr Menschen in Deutschland geimpft sein. Sollte es da keinen Fortschritt geben und ohne schärfere Maßnahmen, müsse sich Deutschland auf mindestens 100.000 weitere Corona-Tote vorbereiten, "bevor sich das Fahrwasser beruhigt", sagte Anfang November der Berliner Virologe Christian Drosten. "Das ist eine konservative Schätzung." Er leitet die Zahl durch vergleichende Überlegungen mit Großbritannien her.

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Aus: "Deutschland beklagt über 100.000 Corona-Tote" (Donnerstag, 25. November 2021)
Quelle: https://www.n-tv.de/panorama/Deutschland-beklagt-ueber-100-000-Corona-Tote-article22954017.html

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[...] Deutschland ist gespalten. Sollten in der aktuellen Situation Weihnachtsmärkte stattfinden? Bayern sagt nein. Sachsen auch. Brandenburg sieht es genauso. Damit fallen berühmte Weihnachtsmärkte wie in Dresden oder Nürnberg auch dieses Jahr wegen der hohen Corona-Zahlen aus. Gerhard Scheuch findet diese Entwicklung nicht sinnvoll. Man habe schon im Laufe der ersten Pandemie-Monate relativ schnell festgestellt, dass es in Innenräumen zu den meisten Ansteckungen kommt, wie der Aerosolforscher im ntv-Podcast "Wieder was gelernt" erzählt. Man müsse sich nicht um Weihnachtmärkte kümmern, sondern Innenräume sicherer machen.

Scheuch beschäftigt sich als Biophysiker und Chef eines Aerosol-Unternehmens seit vielen Jahren mit unserer Atemluft, der Lunge und Lufthygiene. Themen, die erstmals nach der Atomkatastrophe von Tschernobyl prominent auftraten, als sich radioaktive Luft ausbreitete. Heute im Zusammenhang mit dem Coronavirus, das vor allem beim Atmen in geschlossenen Räumen übertragen wird.

Das hätten verschiedene Erhebungen gezeigt, sagt der Aerosolexperte. In Irland seien beispielsweise 230.000 Infektionen nachverfolgt worden, nur in 260 Fällen sei es im Freien zur Ansteckung gekommen. Eine ähnliche Untersuchung gab es in China, wo genau eine von 7324 Infektionen auf den Außenbereich zurückging. "Das ist die Relation", sagt Scheuch. Das sei das Mantra, was die Aerosolwissenschaft schon seit letztem Jahr bete.

Diese Ergebnisse überraschen nicht, wenn man sich anschaut, was Aerosole sind und wie sie funktionieren: winzige, unterschiedlich große Partikel, die in einem Gas oder Gasgemisch herumschweben und - leider - Viren und Bakterien enthalten können. Das Gasgemisch ist in unserem Fall die Luft, die wir atmen, und die kann in Innenräumen nicht abziehen. Ist man dann mit dem Coronavirus infiziert, atmet man so lange verseuchte Aerosolteilchen in einen Raum hinein, bis die Luft "schmutzig" wird. Irgendwann ist die Konzentration der Viren so groß, dass andere Menschen im Raum sie einatmen und sich infizieren können.

"Das passiert draußen nicht", sagt Gerhard Scheuch. Die Aerosol-Wolke werde beim Ausatmen im Freien so schnell verdünnt, dass nichts passieren könne. Selbst dann, wenn man stundenlang mit anderen Menschen auf einer Wiese stehe und sich unterhalte. Auch dann nicht, wenn man mit vielen Hundert anderen Menschen auf einem Weihnachtsmarkt unterwegs sei oder dicht gedrängt im vollen Fußballstadion stehe.

Die Erkenntnisse von Aerosolexperten decken sich mit den Zahlen der Deutschen Fußball Liga (DFL), in der die 36 Profiklubs organisiert sind. An den ersten fünf Spieltagen der 2. Bundesliga und den ersten drei Spieltagen der Bundesliga sind demnach 900.000 Zuschauer ins Stadion gegangen, nur sechs von ihnen wurden anschließend positiv auf Sars-Cov-2 getestet.

"Wenn jetzt immer noch kommuniziert wird, dass Fußballspiele potenzielle Superspreader-Events sind und es gefährlich ist, hinzugehen, das ist in der Zwischenzeit vorsätzlich falsch", regte sich DFL-Chef Christian Seifert anschließend auf.

Aber dieser Eindruck wird immer noch erweckt. In Bayern gibt es wieder eine Obergrenze für Zuschauer bei Kultur- und Sportveranstaltungen, in Sachsen sogar Geisterspiele. Eine Entscheidung, die RKI-Chef Lothar Wieler vermutlich gutheißt, denn auch er ist dafür, "Großveranstaltungen abzusagen, ganz klar". Und dort, wo die Stadien voll bleiben dürfen und die Vereine nicht freiwillig darauf verzichten, hagelt es Kritik. Leider scheine die Öffentlichkeit, teilweise auch in Wissenschaft und Medizin, immer noch nicht genau verstanden zu haben, wie sich das Coronavirus verbreite, sagt Gerhard Scheuch.

Im April hat er deshalb gemeinsam mit Kolleginnen und Kollegen der Gesellschaft für Aerosolforschung einen offenen Brief an Kanzlerin Angela Merkel, Gesundheitsminister Jens Spahn und die Länderchefs geschrieben, in dem sie dieses Zerrbild kritisieren: "Wenn wir die Pandemie in den Griff bekommen wollen, müssen wir die Menschen sensibilisieren, dass DRINNEN die Gefahr lauert", heißt es dort deutlich. "In den Wohnungen, in den Büros, in den Klassenräumen, in Wohnanlagen und in Betreuungseinrichtungen müssen Maßnahmen ergriffen werden."

"Wenn ich Politiker wäre, würde ich alles dafür tun, um die Leute zu motivieren, ins Freie zu gehen", erklärt Scheuch den Hintergedanken. "Denn jede Stunde, die ich im Freien verbringe, ist das Risiko, mich zu infizieren, deutlich geringer, als wenn ich mich in irgendeinem Innenraum aufhalte."

Eine Forderung, die sich mit den Daten deckt, die seit dem Ausbruch der Corona-Pandemie gesammelt wurden: Vergangenen Winter, in der zweiten und dritten Welle, waren das größte Problem stickige Büros. Vor allem die Verwaltung hatte Schwierigkeiten, ihre Mitarbeiter nach Hause zu schicken und die Homeoffice-Pflicht umzusetzen, weil die Technik nicht kompatibel war.

Auch Schulen und Kitas sind immer noch ein riesiges Problem. Wird die Sieben-Tage-Inzidenz nach Altersgruppen sortiert, weist die Gruppe der 0-14-Jährigen in Deutschland aktuell die höchste auf. Sie liegt in vielen Regionen im mittleren vierstelligen Bereich.

Das Nachtleben ist ebenfalls ein Hotspot für das Coronavirus, die Luca-App verschickt fast drei Viertel ihrer Warnungen an Club- und Barbesucher. Versucht man diese Orte zu umschreiben, fallen drei Gemeinsamkeiten auf: viele Menschen über lange Zeit in geschlossenen Räumen. Deshalb sei der gefährlichste Ort im vollen Fußballstadion auch die Loge, sagt Aerosolforscher Scheuch. Und deshalb sei es wichtig, sich mit Lufthygiene zu beschäftigen.

"Türen und Fenster öffnen, um frische Luft reinzulassen, ist auf alle Fälle wichtig", erklärt der Luftexperte. Dann komme es zum Luftaustausch, dann würden die Aerosole ins Freie befördert.

Sollten wir die Stadien wieder leeren und Weihnachtsmärkte absagen? Oder gut belüftete Orte wie Kinos wieder schließen? Das kann man machen, der Grund wäre aber nicht, dass Stadien oder Weihnachtsmärkte ein Risiko für die öffentliche Gesundheit sind. Die Kneipe oder die volle Bahn, die man danach ansteuert, sind für das Infektionsgeschehen gefährlich.

Geisterspiele wären somit eine Frage der Solidarität, nicht der Wissenschaft. Darauf deuten allen Daten hin. Eine Art von Solidarität, die uns auf die Füße fallen kann, nämlich dann, wenn man den Nachmittag nicht gemeinsam im Stadion oder auf dem Weihnachtsmarkt verbringt, sondern in einem schlecht gelüfteten Wohnzimmer mit Freunden oder Bekannten.

Und noch aus einem anderen Grund sollten wir darüber nachdenken, ob wir Veranstaltungen an der frischen Luft wirklich absagen wollen: Ein Fußballspiel mit 2G-Regelung kann für einen ungeimpften Fan ein Anlass sein, sich impfen zu lassen. Aber wer lässt sich impfen, wenn das Stadion geschlossen ist?


Aus: "Wo Corona in der Luft schwebt Schulen sind gefährlich, volle Stadien nicht" (Mittwoch, 24. November 2021)
Quelle: https://www.n-tv.de/wissen/Wieder-was-gelernt-zu-Corona-Hotspots-Schulen-sind-gefaehrlich-volle-Stadien-nicht-article22949719.html

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« Reply #348 on: December 01, 2021, 05:26:35 PM »
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[...] Wäre die Gegenwart ein Emoji, dann das Clownsgesicht. Diese bunte Grimasse mit den roten Haaren und den verrückten Augen. Oder der Smiley mit der kleinen Verzweiflungsträne. Denn jede Woche wird ein neuer Schlimmheitsrekord vermeldet: Höchststände bei den Neuinfektionen, eine mutmaßlich noch ansteckendere Virusmutation oder Michael Wendler und Laura Müller, die jetzt einen Onlyfans-Account haben.

Was ist das gerade für eine seltsame Zeit? Dieser Schwebezustand zwischen Vielleicht-Shutdown und Wir-haben-doch-die-Impfung!, zwischen alten und neuen (Nicht-)Entscheider:innen, in dem so vieles unklar ist: Wie können wir als Gesellschaft weitermachen? Wie sollen wir weitermachen? Und warum fühle ich mich mit diesen Fragen so verdammt alleine?

Eigentlich würde ich gerne den winzigen, noch verbleibenden Rest meiner Jugend damit verbringen, mich gegen Anweisungen und Autoritäten zu wehren und mir absolut gar nichts sagen zu lassen, aber die Umstände sind einfach zu wild. Wie schön wären jetzt ein wenig Klarheit und Stabilität? Ein paar Richtlinien, die sagen: Das ist okay, hierbei bitte Vorsicht und jenes kannst du zwar machen, gibt dann aber Ärger. 

Ärger haben wir jetzt eh schon, denn während sich ein Teil der Öffentlichkeit noch über die "Spaltung der Gesellschaft" sorgt, spaltet sich die Jugend gerade selbst. Die meisten von ihnen sind weniger gefährdet, viele bereits geimpft, alle ihrer besten Jahre beraubt und vielleicht sind sie sich gerade deshalb so uneinig, wie mit der aktuellen Situation umzugehen ist.

Das muss man sich mal klarmachen: In diesem Land zerbrechen gerade Freundschaften an Weihnachtsmarktbesuchen und der Frage: drei Glühwein und dann Breakdancer oder doch nur Spazierengehen? Oder an der Geburtstagsfeier und ihrer Ausgestaltung: große WG-Party oder doch nur Treffen an der Parkbank?

Dabei teilt es sich in diejenigen, die jetzt schon vorsichtig sind, bevor die Politik neue Maßnahmen und Beschränkungen beschließt. Sie verhängen sich einfach selbst einen Lockdown. Auf Instagram sieht man Storys, in denen junge Menschen von Impfdurchbrüchen erzählen und nach Buch- und Serientipps fragen. Manche schreiben, wie sehr die Infektion sie getroffen hat und warnen ihre Follower:innen. 

Eine Story weiter sieht man dann aber die anderen, die sich in Bars oder Clubs dicht an dicht drängen und feiern, als wäre es immer noch Sommer und die Welt zumindest ein bisschen okay. Und weil sich diese Extreme oft sogar innerhalb eines Freundeskreises finden, gibt es Diskussion, Unverständnis und Streit.

Ist ja auch klar, schließlich wurde in den letzten eineinhalb Jahren an das Handeln der Jungen so viel Verantwortung geknüpft: Sie mussten solidarisch mit Älteren und Risikogruppen sein. Und während die einen immer noch in diesem Modus sind, denken sich die anderen, dass sie wirklich genug ausgehalten haben. Solange nichts verboten oder eingeschränkt wird, machen sie alles, was geht.

Die Optionen sind dann, bestimmte Freunde nicht mehr zu sehen oder sich Risiken auszusetzen, denen man sich eigentlich nicht aussetzen will. Und dann gibt es natürlich auch noch diejenigen, die sich bis heute nicht vom letzten Shutdown erholt haben. Die Sorgen hören nicht auf. Die Wut auch nicht. Darüber, dass nach drei Wellen und zwei Shutdowns alles schlimmer ist als je zuvor.

Es ist total peinlich, darum zu bitten, ich weiß, aber kann jetzt endlich mal jemand ETWAS entscheiden? Leben retten und auch Freundschaften, damit sich die Jungen wieder dem Alles-scheiße-Finden hingeben können und nicht mehr so dumm erwachsen und verantwortungsbewusst sein müssen. Danke.


Aus: "Generation Z  - Corona-Regeln: Das ist doch alles ein schlechter Witz" Ein Kommentar von Berit Dießelkämper (1. Dezember 2021)
Quelle: https://www.zeit.de/campus/2021-12/jugend-corona-regeln-kritik-politik

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User789 #11

Sind die Jungen nicht fähig selbst Entscheidungen zu treffen? Sicherlich ist es einfacher wenn es jemand anders tut. Auf den kann man dann auch so schön wütend sein wenn es nicht seinen eigenen Vorstellungen entspricht.

Aber zum eigenverantwortlichen Handeln gehört es nun mal dazu selbst zu entscheiden. WG Part ja oder nein, Glühwein zuhause mit einsamen Waldspaziergängen oder am Weihnachtsmarkt mit Freunden.


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gustav noske #10

Der Kommentar ist tatsächlich ein schlechter Witz. All die (jungen) Schlaumeier etc., die jetzt nach Entscheidung(en) schreien, sind doch die Ersten und die Lautesten die wettern, wenn Entscheidungen getroffen werden.

Das sind alles erwachsene, demokratisch und intellektuell geschulte Menschen: Vielleicht mal selbst was entscheiden?

Und ich weiß nicht, was das für "Freundschaften" sind, die am Weihnachtsmarkt "zerbrechen".
Vielleicht sollten manche (junge) Menschen wieder lernen zwischen Realität (Corona) und Wunschdenken (der Weihnachtsmarkt ist lebenswichtig) zu unterscheiden?

das (junge) ist bewußt in Klammern, weil genau so viele "alte" im permanenten "Stressmodus" sind. Ich weiß beim besten Willen nicht, was das für ein Stress für diese Leute wäre, wenn es moderne Medizin und Impfstoffentwicklung, sowie -produktion nicht gäbe.
Sie würden wahrscheinlich wie zu Pestzeiten in langen Kolonnen durch die Städte und Dörfer ziehen, um die Krankheit weiter zu verbreiten.
Heute tun sie dies durch Masken-, Impf- und Rücksichtnahmeverweigerung. Damals wußten sie es wenigstens nicht besser.


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König Kalle Wirsch #12.2

... Es geht hier nicht um persönliche Abwägungen sondern um die fehlende Grundlage gesellschaftlicher Interaktion in der Pandemie, und wie sich dieser Mangel negativ auswirkt. Gerade WEIL derzeit jeder eigenständige Entscheidungen über ein komplexes gesundheitliches Problem treffen muss.

Gesundheitspolitik ist dadurch zum gesellschaftlichen Spaltpilz geworden, man könnte sogar sagen zum Mittelpunkt eines neuen Kulturkampfs. Das ist in Schweden oder in Australien nicht der Fall. Dort haben die Regierungen eine Linie für das Land eingeschlagen und verfolgen diese konsequent, in Schweden einen lockeren Umgang, in Australien einen strikten. Das Land haben beide dabei hinter sich vereint.

Darum geht es hier. Nicht um irgendein "Selbstverantwortung übernehmen"-Blabla. Das ist, mit Verlaub, stumpfes Gequatsche ohne Relevanz.


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HBausOS #18

Es gibt Gegenden in Deutschland, da braucht’s heute für einen Glühwein eine vollständige Impfung, Impfdokumente, Identitätsnachweise, Erkennungsbändchen, Anwesenheitserfassung, Test und Maske. Es gab schon Zeiten, da hat Jugend gegen derartigen Schwachsinn protestiert. Heute überlässt man die Demo irgendwelchen durchgeknallten Impfgegnern und heult sich lieber in Kommentaren aus.


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Dante834 #19

An diesem Artikel sieht man, wie weit es gekommen ist. Nicht "DIE Entscheidung muss her", sondern "Entscheiden Sie doch bitte überhaupt etwas". Ältere können noch nicht einmal ein "Tja, die Welt ist halt nicht so einfach" absondern, denn das ist nicht das Problem. Ihr Jugendlichen und jungen Erwachsenen: Diese Situation ist ein Lehrstück darüber, warum man sehr gut darauf achten sollte, wen man wählt. Die Deutschen haben seit Jahrzehnten nur Status-quo-Verwalter gewählt. Entsprechend hatte kaum jemand mit Krisenbewältigungskompetenz die Chance, an die Schaltstellen zu gelangen, und entsprechend sind Lavieren und Aussitzen die einzigen Lösungsansätze. Das ist im wahrsten Sinne des Wortes tödlich - sowohl im Hinblick auf COVID-19 als auch die Klimakrise. Ich möchte nicht in Eurer Haut stecken.


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StoiBaer #24

Dieser Kommentar zeigt das Dilemma der deutschen Vollkasko-Gesellschaft. Der Nachwuchs wird zur Unselbständigkeit erzogen und kann keine eigenständige Entscheidungen mehr treffen. Eigentlich sollte man meinen, es wäre klar, wie man sich dieser Tage verhalten soll, aber scheinbar Fehlanzeige. Alles muss vorgekaut werden und in Regeln gegossen sein. Die einfachsten Dinge bringt man nicht mehr selbst auf die Reihe. Traurig.


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careforthedonkey #24.1

Wie meinen?

Aber eigentlich haben Sie irgendwo Recht, ein Großteil des Nachwuchses ist genau so geworden wie die "Erwachsenen".


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wertzui #25

Generation Z hat einiges nicht auf dem Kasten: nämlich klare Ziele zu formlieren, sich Über Hintergründe zu belesen und Forderunges zu stellen. Sie sind es gewohnt, dass ihnen gesagt wird, was richtig ist. Und zwar nicht von Menschen, sondern von Geräten. Ohne Navi findet Generation Z den Weg ans Ziel ncht, ohne App wissen sie nicht, wie man die Wäsche zusammenlegt. Stattdessen hängt man sich an andere Meinungsmacher dran und ist dafür oder dagegen. Man folgt irgendwelchen "Bloggern" oder "Aktivisten" MAn verbündet sich virtuell gegen diejenigen, die eine andere Meinung haben. Wenn man dann mit einer Situation unzufrieden ist, die man nicht versteht- und verstehen tut man nichts, wenn man anderen hinterherrennt ohne nachzudenken. Und dieses Mitdenken haben die Menschen im Norden und Westen der Republik einfach bessser drauf als die Menschen in Bayern, Sachsen und BW. Daher sind die Coronazahlen dort schlecht und in anderen Ländern nicht so schlecht. Jeder kann durch seine eigenes Verhalten Beiträge leisten. Und weil Söder und die Kretsches das ihren Stämmen nicht klarmachen können haben wir dieses Chaos, man nicht versteht, wenn der eigene geistige Horizont mit dem Smartphonebildschirm identisch ist.


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careforthedonkey #25.1

Fühlen Sie sich nach dem Rundumschlag jetzt besser?

Oder gäbe es vielleicht nicht doch noch jemanden, irgendwelche Alters- oder regionalen Gruppen, denen Sie gerne noch so richtig einen mitgeben möchten?


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  ansv #29

"Das muss man sich mal klarmachen: In diesem Land zerbrechen gerade Freundschaften an Weihnachtsmarktbesuchen und der Frage: drei Glühwein und dann Breakdancer oder doch nur Spazierengehen? "

Was ist das denn für eine Freundschaft?

Bei mir im Freundeskreis gibt es durchaus unterschiedliche Haltungen, aber Toleranz ist doch hier der Schlüssel zum Glück.


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Bogol #30


Ernsthaft? Ist das die Generation Z? Nach der starken Hand des Staats rufen, weil man unter Freunden nicht damit klarkommt, zum Für und Wider eines Weihnachtsmarkts- oder Partybesuchs zu stehen?!?


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Wir schaffen das - Clownvision activated #31  —  vor 1 Stunde

Der Artikel triggert so einige Boomer.


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Lumilie #31.1

Ja, und so einige Xler und Yler.


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Immerdiesemenschen #38

Der Text spricht mir aus der Seele. Dazu kommt, dass ich mich mit 17 nicht mal bosstern kann im Moment.
Außerdem kotzen mich die Leute an, die jetzt schrieben, dass die alle inkl. 'der Jugend' jetzt einfach faktenbasiert Entscheidungem treffen soll. Das ist ja genau das Problem. Geimpfte Jugendliche haben ein sehr feringes Risiko schwer zu erkranken, sind ja aber trotzdem Treiber der Pandemie. Was ist denn jetzt die faktenbasierte vernünftige Entscheidung? Zuhause bleiben, damit Wolfgang und Gertrude auch noch ihren nächsten Geburtstag feiern können oder Leben genießen und in die Bar gehen?
Wenn ältere Menschen (hier in den Kommentaren) den Konflikt, in dem sich eben gerade all die verantwortungsbewussten jungen Menschen befinden, nicht verstehen wollen und all die Verantwortung auf die Einzelperson schieben, dann hilft niemandem, am wenigsten ihnen selbst.


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baumannager #39

Man kann sich über die Unselbständigkeit der jungen Menschen aufregen (und ihre angesichts '68 nicht nachvollziehbare Jammerei über mangelnde Führung).
Man kann aber auch zugestehen, dass unsere Politiker ein Jammerbild der Desorganisation, Wackelei, Unstetigkeit, Willkür bieten, welches man nicht mehr ertragen mag und kann.


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iw68er #42

Ich kann es nachvollziehen.
Ist man "vernünftig" ist man schnell ausgegrenzt und als Spaßbremse abgestempelt. Feiern, Party, Tanzen. Ist ja nicht verboten - nur manchmal "unvernünftig". Trifft man sich mit Freunden, geht aus, macht Party, kommen von den "vernünftigen" die Blicke und Kommentare. Am Ende hat man dann eh alles falsch gemacht und ist selber schuld.
Wäre es ein schlechter Film, würde ich einfach rausgehen oder umschalten - geht aber nicht.


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[...] Die Situation auf den Intensivstationen im Hochinzidenzland Thüringen bleibt sehr angespannt. Planbare Operationen von Patienten etwa mit Krebs- oder Herzklappen-Erkrankungen würden aufgeschoben, sagte der Intensivkoordinator des Landes, Michael Bauer. "Für die bedeutet das unter Umständen den Tod auf der Warteliste oder eine wesentlich schlechtere Prognose." Einige seien bereits gestorben.

"In dem Moment, wo ich als Arzt priorisiere und sage, jemand muss auf die Warteliste, mache ich natürlich eine milde Form einer Triage", sagte er weiter. Meistens gehe das gut, aber nicht immer. Es sei bei Krebs auch die Frage, wie viele Menschen dadurch aus einem noch heilbaren Stadium in ein Stadium kommen, wo sie etliche Lebensjahre einbüßten. "Wir kommen jetzt schon in Bereiche, in denen wir Medizin machen, die wir eigentlich nicht machen wollen." Das nähmen die Leute in Kauf, die die Realität hartnäckig leugneten, sagte er mit Blick auf den großen Anteil ungeimpfter Corona-Patienten auf den Intensivstationen.

Aktuell liegen in Thüringen laut Bauer rund 217 Corona-Patienten auf den Intensivstationen. Am Universitätsklinikum Jena, wo Bauer die Klinik für Intensivmedizin leitet, sind seit Wochen keine Betten mehr frei. Aktuell werde der "beste Patient", egal ob mit oder ohne Covid-19, von der Station verlegt, wenn etwa ein Unfallopfer komme und ein neues Bett gebraucht werde. Aus der Situation werde man nur mit mehr Impfungen und Kontaktbeschränkungen kommen. Die Verlegungen in andere Bundesländer würden weitergehen.

Angesichts der teils dramatischen Lage in den Kliniken fordern Deutschlands Intensivmediziner von der Politik sofortige bundeseinheitliche Maßnahmen zur größtmöglichen Kontaktbeschränkung. "Das kann - wenn notwendig - auch ein zeitlich begrenzter Lockdown sein", erklärte die Vereinigung für Intensiv- und Notfallmedizin (DIVI). Als Grundlage hierfür müsse die epidemische Lage nationaler Tragweite als Gesetz reaktiviert werden, um bundeseinheitliche Maßnahmen schnell durchsetzen zu können.

Um die Kliniken vor dem Kollaps zu bewahren, müssten - wenn medizinisch vertretbar - umgehend alle bundesweit nicht dringend medizinisch notwendigen Eingriffe und Behandlungen verschoben werden. Das Personal müsse in die Intensiv- und Notfallbereiche umgesetzt werden. Die Lage in der Corona-Pandemie sei noch nie so bedrohlich wie im Moment gewesen. "Schon vor Weihnachten werden wir mehr als 6000 Patienten mit Covid-19 auf den Intensivstationen behandeln müssen", teilte DIVI mit. Damit werde das bisherige Allzeithoch des vergangenen Jahres "mit Sicherheit deutlich überschritten". Allein in der vergangenen Woche seien mehr als 2300 intensivpflichtige Patientinnen und Patienten neu aufgenommen worden.

DIVI-Präsident Gernot Marx sagte im ZDF-"Morgenmagazin", auch mit Blick auf die bereits erforderlich gewordenen bundesweiten Verlegungen von Patientinnen und Patienten: "Wir sind hier in einer besonders bedrohlichen Situation." Es seien nicht mehr viele Betten frei. Bei den intensivmedizinisch betreuten Corona-Patienten machten die Ungeimpften "immer noch eine deutliche Mehrheit" aus. Die Intensivmediziner fordern, dass pro Tag "mindestens eine Million Impfungen und Booster-Impfungen" verabreicht werden. Außerdem müsse die Impfpflicht für alle Erwachsenen umgesetzt werden, "um eine sehr wahrscheinliche fünfte und sechste Welle verhindern zu können".

Quelle: ntv.de, fzö/dpa/AFP


Aus: "In Thüringen sterben Warteliste-Patienten" (Mittwoch, 01. Dezember 2021)
Quelle: https://www.n-tv.de/panorama/In-Thueringen-sterben-Warteliste-Patienten-article22969824.html

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[...] In den Krankenhäusern in Österreich kommt es der Regierung zufolge angesichts der hohen Zahl an Corona-Patienten bereits zu Triagen. Der seit über einer Woche geltende Lockdown würde zwar mittlerweile Wirkung zeigen, die Infektionszahlen wären aber weiterhin auf einem sehr hohen Niveau und die Lage in den Krankenhäusern sei dramatisch, sagte Gesundheitsminister Wolfgang Mückstein am Dienstagabend im Hauptausschuss des Parlaments.

Triagen würden bereits nicht nur bei leichten Operationen, sondern auch bei jenen für Krebspatienten stattfinden, sagte der Grünen-Politiker. In manchen Fällen müsse darüber entschieden werden, welcher Patient mehr Überlebenschancen habe. "Die Intensivstationen waren in der Pandemie noch nie so voll wie heute", sagte Mückstein.

Nach Angaben des Gesundheitsministeriums vom Dienstag befinden sich derzeit 3458 Personen aufgrund des Coronavirus im Krankenhaus in Behandlung, davon werden 642 auf Intensivstationen betreut. Laut Mückstein wird sich die Kapazitätslage in den nächsten ein, zwei Wochen weiter zuspitzen - vor allem im Hinblick auf personelle Ressourcen.

Österreich befindet sich seit über einer Woche in einem landesweiten Lockdown. Die Verordnungsnovelle wurde nun wie erwartet bis 11. Dezember verlängert. Die Zahl der Neuinfektionen ist zuletzt auf rund 8000 gesunken von rund 16.000 Mitte November. 12.492 Menschen sind in Österreich im Zusammenhang mit Covid-19 gestorben.

Quelle: ntv.de, fzö/rts


Aus: "In Österreich kommt es bereits zu Triagen" (Mittwoch, 01. Dezember 2021)
Quelle: https://www.n-tv.de/panorama/In-Osterreich-kommt-es-bereits-zu-Triagen-article22969352.html

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[...] Aus dem Klinikum Rosenheim in Bayern hat die Belegschaft einen farbigen Hilferuf gesendet: Die Pflegekräfte von zwei Intensivstationen des Romed Klinikums Rosenheim schalteten am Dienstagabend die LED-Lampen auf rotes Licht - wie seit Tagen beim Schichtwechsel am frühen Abend.

Die individuell in unterschiedlichen Farben einstellbaren LED-Lichtleisten in den Patientenzimmern der Intensivstationen seien eigentlich zur Therapieunterstützung und Raumgestaltung gedacht, teilte das Romed Klinikum mit. Aufgrund der prekären und angespannten Situation in den Kliniken wolle das Intensiv-Team ein Zeichen setzen und habe deshalb abends in allen Zimmern die Lampen auf die Alarmfarbe gestellt. "Das ist ein Hilferuf nach außen. Die Kliniken sind an der absoluten Belastungsgrenze und es werden dringend Pflegekräfte und Intensivärzte gebraucht, die uns unterstützen", sagte der kaufmännische Leiter des Klinikums, Max von Holleben, laut Mitteilung.

In Bayern bewegt sich die Zahl der Corona-Neuinfektionen weiterhin auf einem hohen Niveau. Das Robert-Koch-Institut (RKI) gab heute Morgen 12.409 Neuinfektionen für den Freistaat an. In ganz Deutschland meldeten die Gesundheitsämter dem RKI zufolge binnen eines Tages 67.186 Ansteckungen. Die bayernweite Sieben-Tage-Inzidenz liegt bei 589,3 - in ganz Deutschland bei 442,9.

Die höchste Inzidenz unter den Regionen im Freistaat weist demnach der Landkreis Rottal-Inn mit 1233,2 aus. Dahinter folgen die Landkreise Freyung-Grafenau (1186,9), Rosenheim (1103,8) und Mühldorf (1025,0). Die Hospitalisierungsinzidenz liegt nach RKI-Angaben in Bayern bei 8,1. Pro 100.000 Einwohner gab es also statistisch innerhalb von sieben Tagen 8 Patienten, die wegen Corona in ein Krankenhaus aufgenommen wurden. Allerdings basieren die Angaben auf unvollständigen Daten, da laufend mit Nachmeldungen zu rechnen ist. Laut Schätzwert liegt die Hospitalisierungsinzidenz im Freistaat bei 15,44.

Quelle: ntv.de, jpe/dpa


Aus: "Klinik sendet Hilferuf mit roten Fenstern" (Mittwoch, 01. Dezember 2021)
Quelle: https://www.n-tv.de/panorama/Klinik-sendet-Hilferuf-mit-roten-Fenstern-article22969344.html


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[...] FFP2-Masken bieten einen extrem hohen Schutz vor einer Corona-Infektion. Dabei kommt es aber auf die richtige Trageweise an, wie Forscher des Göttinger Max-Planck-Instituts für Dynamik und Selbstorganisation nach einer Studie berichten.

"An upper bound on one-to-one exposure to infectious human respiratory particles"
Wearing face masks and maintaining social distance are familiar to many people around the world during the ongoing SARS-CoV-2 pandemic. Evidence suggests that these are effective ways to reduce the risk of SARS-CoV-2 infection. However, it is not clear how exactly the risk of infection is affected by wearing a mask during close personal encounters or by social distancing without a mask. Our results show that face masks significantly reduce the risk of SARS-CoV-2 infection compared to social distancing. We find a very low risk of infection when everyone wears a face mask, even if it doesn’t fit perfectly on the face.
PNAS December 7, 2021 118 (49) e2110117118; https://doi.org/10.1073/pnas.2110117118
Edited by Howard Stone, Princeton University, Princeton, NJ (received June 1, 2021; accepted November 1, 2021)
https://www.pnas.org/content/118/49/e2110117118

Wenn sich ein infizierter und ein gesunder Mensch in einem Innenraum auf kurzer Distanz begegnen, liegt die Ansteckungsgefahr demnach auch nach 20 Minuten bei gut einem Promille (0,1 Prozent). Voraussetzung sei der korrekte Sitz der FFP2- oder KN95-Maske, schreibt das Team um Institutsdirektor Eberhard Bodenschatz in den "Proceedings" der US-Nationalen Akademie der Wissenschaften ("PNAS"). Bei schlecht sitzenden FFP2-Masken liege das Infektionsrisiko im gleichen Szenario dagegen bei rund vier Prozent, berechnet das Team. Für optimalen Schutz muss der Nasenbügel demnach zu einem "abgerundeten W" geformt werden, so dass er seitlich auf die Nasenflügel drückt. Bei OP-Masken reicht eine gute Passform noch, um die Infektionsgefahr auf maximal zehn Prozent zu senken. Die Forscher berechneten das Infektionsrisiko, indem sie diverse Faktoren wie etwa Partikelgrößen, Physik beim Ausatmen, diverse Maskentypen und Risiko des Einatmens von Coronaviren kombinierten.

"Im täglichen Leben ist die tatsächliche Infektionswahrscheinlichkeit sicherlich zehn- bis hundertmal kleiner", wird Bodenschatz in einer Mitteilung des Instituts zitiert. Denn die Atemluft, die an den Rändern aus der Maske strömt, werde verdünnt. Die Forscher hätten das Risiko jedoch so konservativ wie möglich berechnen wollen. "Wenn unter diesen Bedingungen sogar das größte theoretische Risiko klein ist, ist man unter realen Bedingungen auf der ganz sicheren Seite", sagt Bodenschatz.

Im Gegensatz dazu steht das Ergebnis bei Begegnungen von zwei Personen, die keine Maske tragen: Wenn in diesem Fall ein gesunder Mensch mit drei Metern Abstand wenige Minuten in der Atemluft eines Infizierten stehe, werde er sich mit sehr hoher Wahrscheinlichkeit anstecken, so die Forscher. Bodenschatz betont: "Unsere Ergebnisse zeigen noch einmal, dass das Maske-Tragen an Schulen und auch generell eine gute Idee ist."

Quelle: ntv.de, als/dpa


Aus: "Richtiges Tragen ist wichtig: Masken reduzieren Ansteckungsgefahr erheblich" (Samstag, 04. Dezember 2021)
Quelle: https://www.n-tv.de/wissen/Masken-reduzieren-Ansteckungsgefahr-erheblich-article22976558.html