Author Topic: Coronavirus Notizen (COVID-19-Pandemie)  (Read 14193 times)

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Coronavirus Notizen (COVID-19-Pandemie)
« Reply #300 on: January 25, 2021, 09:29:16 AM »
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[...] Die verschärften Coronamaßnahmen und die neue Ausgangssperre haben in mehreren niederländischen Städten Krawalle ausgelöst. Kurz vor Beginn der Ausgangssperre um 21 Uhr am Sonntag kam es nach Angaben der Polizei in etwa zehn Städten zu Ausschreitungen. Polizisten wurden mit Feuerwerkskörpern und Steinen angegriffen. In Den Haag wurden Autos in Brand gesteckt. Unruhen wurden unter anderem auch aus Tilburg, Enschede, Venlo, Roermond, Breda, Arnheim und Apeldoorn gemeldet.

In der südöstlichen Provinz Limburg an der deutschen Grenze wurde die Militärpolizei zu Hilfe gerufen. In Enschede griffen Randalierer ein Krankenhaus mit Steinwürfen an. Mehr als 200 Personen wurden landesweit festgenommen. Erst gegen Mitternacht kehrte nach Mitteilungen der Einsatzkräfte an den meisten Orten Ruhe ein.

In sozialen Medien war am Sonntag zu Krawallen aufgerufen worden. Politiker verurteilten die Gewalt. Dies habe nichts mit legitimen politischen Demonstrationen zu tun, erklärte Justizminister Ferd Grapperhaus. „Das ist schlicht kriminelles Verhalten.“

Zuvor hatte die Polizei bereits in Amsterdam und Eindhoven mit Wasserwerfern verbotene Demonstrationen beendet. Hunderte Demonstranten hatten nach Polizeiangaben gegen die Corona-Maßnahmen protestiert und die Polizei mit Feuerwerkskörpern und Steinwürfen angegriffen. In Eindhoven wurden Geschäfte geplündert und Brände gelegt.

Der Bürgermeister von Eindhoven, John Jorritsma, äußerte sich in drastischen Worten über die Eskalation der Proteste. Wenn die Lage sich weiter derart entwickle, „bewegen wir uns auf einen Bürgerkrieg zu“, sagte er vor Journalisten.

In Amsterdam ging die Polizei mit Pferden, Hunden und Schlagstöcken gegen die Demonstranten vor. Allein in Amsterdam gab es etwa 170 Festnahmen. In Eindhoven wurden mehr als 30 Menschen festgenommen.

Bereits am Abend zuvor hatte es in der Kleinstadt Urk nördlich von Amsterdam Krawalle gegeben. Dort hatten Jugendliche nach Polizeiangaben ein Corona-Testzentrum des Gesundheitsamtes in Brand gesteckt.

Am Samstagabend war erstmals seit Beginn der Corona-Pandemie eine Ausgangssperre in Kraft getreten. Die Bürger müssen von 21.00 bis 4.30 Uhr in ihren Wohnungen bleiben. Verstöße werden mit Geldbußen von 95 Euro bestraft. (dpa)


Aus: "Viele Festnahmen bei Krawallen in den Niederlanden" (25.01.2021)
Quelle: https://www.tagesspiegel.de/politik/protest-gegen-strengere-corona-massnahmen-viele-festnahmen-bei-krawallen-in-den-niederlanden/26848196.html

https://www.zeit.de/politik/ausland/2021-01/niederlande-krawalle-corona-massnahmen-amsterdam-eindhoven


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Coronavirus Notizen (COVID-19-Pandemie)
« Reply #301 on: January 25, 2021, 12:01:44 PM »
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[...] 8:25   Ina Lockhart

In mehreren israelischen Städten ist es erneut zu Krawallen strengreligiöser Juden gegen die polizeiliche Durchsetzung von Corona-Schutzmaßnahmen gekommen. In der mehrheitlich von strengreligiösen Juden bewohnten Stadt Bnei Brak nahe Tel Aviv griffen am Sonntagabend Anhänger der radikalen ultraorthodoxen „Jerusalem-Fraktion“ laut örtlichen Medien unter anderem Busfahrer, Journalisten und Polizisten an. Die Polizei setzte Blendgranaten ein. Ein Beamter feuerte demnach einen Warnschuss in die Luft.
 
Hunderte Anhänger der radikalen Gruppierung blockierten demnach die Hauptverkehrsstraßen der Stadt. Sie warfen mit Steinen auf die Beamten, entzündeten Feuer und zerstörten Straßenschilder und Laternenmasten. Unter anderem beschädigten sie zwei Busse. Einer der Fahrer konnte fliehen, der zweite wurde verletzt. Unterdessen stellten sich vier Personen, die verdächtigt werden, an einem Angriff auf Polizisten am vergangenen Donnerstag in Bnei Brak beteiligt gewesen zu sein.
 
Parlamentsabgeordnete strengreligiöser Parteien kritisierten in einer Dringlichkeitssitzung in der Stadtverwaltung von Bnei Brak das Vorgehen der Polizei. Der Bürgermeister der Stadt verurteilte die Gewalt der Demonstranten. Zugleich rief er die Polizei auf, die Stadt zu verlassen, damit diese ihren seit Jahrzehnten gewohnten Lebensstil fortsetzen könne.
 
Zu Angriffen auf die Polizei kam es laut Berichten auch in Beit Schemesch. Dort hatten die Beamten eine gegen die Regeln verstoßende Hochzeit mit zahlreichen Gästen aufgelöst. In der südisraelischen Hafenstadt Aschdod wurden 13 Polizisten bei Zusammenstößen mit strengreligiösen Juden verletzt. Die Beamten hatten eine ultraorthodoxe Lehreinrichtung geschlossen, die trotz behördlichen Verbots den Lehrbetrieb aufrechterhalten hatte. 15 Demonstranten wurden festgenommen.
 
Im strengreligiös-jüdischen Stadtviertel Mea Schearim in Jerusalem löste die Polizei eine gegen die Corona-Regeln verstoßende Versammlung auf. Bewohner bewarfen die Beamten mit Steinen, Eiern und Abfall. Sie beschädigten eine Station der Straßenbahn sowie die Fenster mehrerer Züge. Die Polizei setzte Wasserwerfer gegen die Menge ein.
 
Am Samstagabend hatten zwei prominente ultraorthodoxe Rabbiner gegen die behördlichen Vorgaben die Öffnung aller Schulen und Einrichtungen angeordnet.


Aus: "Corona-Liveblog : Corona-Protest: Ultraorthodoxe greifen in Israel Polizei an" (25.01.2021)
Quelle: https://www.faz.net/aktuell/gesellschaft/gesundheit/coronavirus/liveticker-zum-coronavirus-ultraorthodoxe-greifen-in-israel-polizei-an-17035419.html


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Coronavirus Notizen (COVID-19-Pandemie)
« Reply #302 on: January 25, 2021, 12:06:04 PM »
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[...] Wissen rettet Leben (Montag, 25. Januar 2021)

Die größte Stärke der Wissenschaft ist ihre Offenheit. Ihre Fähigkeit, neue Erkenntnisse aufzunehmen und alte Erkenntnisse zu verwerfen. Ein Wissenschaftler wird von seiner Unwissenheit angetrieben. Er hat Fragen, er hat Zweifel und er begibt sich auf die Suche nach Antworten. Er muss in der Lage sein, im Licht neuer Erkenntnisse seine Meinung zu einer Forschungsfrage zu ändern. Flexibilität und Diskursfähigkeit sind, neben Intelligenz und Ausbildung, für ihn elementar.

Religionen und Ideologien sind im Gegensatz zur Wissenschaft geschlossene Systeme. Ihre Anhänger glauben, sie befänden sich exklusiv im Besitz der Wahrheit. Sie haben keine Fragen, weil sie alle Antworten in ihren heiligen Schriften besitzen. Sie haben auch keine Zweifel. Wer zweifelt, ist für religiöse und ideologische Organisationen untauglich. Ein gläubiger Christ oder Muslim, ein Marxist oder ein Faschist werden ihre Meinung niemals ändern. Sie haben die Bibel und den Koran, Das Kapital und Mein Kampf.

Der Laie hält die Offenheit und Wandlungsfähigkeit der Wissenschaft für eine Schwäche. „Erst war die Erde eine Scheibe, jetzt ist sie plötzlich eine Kugel. Entscheidet euch endlich mal!“ Das Wissen ist für ihn in Stein gemeißelt. Es kann für ihn in der Wissenschaft keine unterschiedlichen Meinungen geben. Er begreift nicht, dass es ohne offenen Diskurs keinen Fortschritt gibt. Was der Laie als Fehler betrachtet, ist in Wirklichkeit einer der größten Revolutionen der Menschheit. Es gibt keine absolute Wahrheit. Jeder kann sich irren. Wir können unser Wissen weiterentwickeln.

Wer hat die rettenden Impfstoffe gegen Covid-19 entwickelt? Waren es Priester oder Politiker, Demonstranten oder Volksverhetzer? Es waren Wissenschaftler aus aller Welt. Ihnen sind wir zu Dank verpflichtet und nicht den Schwätzern, die glauben, sie wären im Besitz der absoluten Wahrheit. Sie haben zur Lösung des Problems nichts beigetragen. Forschungserfolge sind der einzige Weg aus der Krise.

P.S.: Vor vielen Jahren, als ich noch in einem Forschungsinstitut gearbeitet habe, war ich einmal mit einer Frau zum Abendessen verabredet, die bei RTL gearbeitet hat. Als sie mir in vorwurfsvollem Ton erklärte, die Wissenschaftler wüssten auch nicht alles, musste ich sehr lachen. Dann habe ich ihr den Grund meiner ausgelassenen Heiterkeit genannt: Niemand kennt die eigene Unwissenheit und Unzulänglichkeit besser als ein Wissenschaftler. Die größten Vollidioten erkennen Sie zuverlässig daran, dass sie ihre persönliche Meinung für ein unwiderlegbares Naturgesetz halten.


Aus: "Wissen rettet Leben" Matthias Eberling (Januar 25, 2021)
Quelle: https://kiezschreiber.blogspot.com/2021/01/wissen-rettet-leben.html

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[...]  Im 18. und 19. Jahrhundert hielt man künstliche Eingriffe in den menschlichen Körper für nicht gottgewollt. Impfungen lehnten manche daher als unchristlich ab

... 1881 propagierte der Philosoph und Mitbegründer des Rassenantisemitismus im Deutschen Kaiserreich, Eugen Dühring (1833–1921), in der Kampfschrift "Die Judenfrage als Racen-, Sitten- und Culturfrage. Mit einer weltgeschichtlichen Antwort" die Impfung als einen Aberglauben und von jüdischen Ärzten angeblich zum Zwecke der persönlichen Bereicherung eingeführt.

...


Aus: "Geschichte Österreichs: Die Impfmuffel vor 200 Jahren" Daniela Angetter-Pfeiffer (16. Februar 2021)
Quelle: https://www.derstandard.at/story/2000123992112/die-impfmuffel-vor-200-jahren

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[...] Christian Kreil bloggt seit drei Jahren rund um Esoterik, Verschwörungsplauderei und Pseudomedizin. Am 15. Februar erscheint sein Buch "Fakemedizin".

Norbert Hofer hat den durch Fraktionschef Herbert Kickl verkörperten strammen Anti-Impfkurs der Partei durchkreuzt. Kurz zuvor gab der freiheitliche Welser Bürgermeister Andreas Rabl (FPÖ) in den Medien bekannt, sich sicher impfen zu lassen. Das ist gut. Und er empfiehlt, "Impfungen nicht zur ideologischen Frage zu machen." Das ist naiv. Impfungen und der Widerstand dagegen sind eine Frage von Ideologien und Werten seit 200 Jahren.

Ende des 18. Jahrhunderts hat der britische Arzt Edward Jenner die Immunisierung mit den für den Menschen ungefährlichen Kuhpocken-Viren etabliert. Auch in Wien wurde ab dem Jahr 1800 gegen Pocken geimpft. In allen Ländern, in denen man die Menschen damit zu schützen begann, sank die Anzahl der Opfer der tödlichen Krankheit rasant und merklich.

Man konnte den Erfolg einer Impfung schon damals erklären, sehen und zählen. Doch die Freunde diverser Seuchen zeigten sich schon damals unbeeindruckt: In Tirol setzte der Rebell Andreas Hofer zu Beginn des 19. Jahrhunderts in seiner kurzen Herrschaft über das heilige Land die von der bayerischen Herrschaft eingeführte Pockenimpfungen aus - offenbar auf Anregung seines Mitkämpfers Joachim Haspinger. Dieser rabiate Kapuzinerpater hatte die Vakzinen schon länger bekämpft, wäre doch der reinen und naturwüchsigen Tiroler Seele damit "bayerisches Denken" eingeimpft worden. Diese Fußnote zeigt, dass der Tiroler Widerstand zu einem guten Teil auch reaktionäres Aufbegehren gegen die napoleonische Moderne war. Die war manchem in der Lederhose zuwider. Religiös verbrämtes Sektierertum gegen die Aufklärung, das gibt es auch heute. Bei der Demo am 16. Jänner in Wien sah man eine Frau mit einem Plakat, auf dem zu lesen war: "Jesus Blut heilt Euch, nicht die Impfung."

In England erschien im Jahr 1869 mit dem "The Anti-Vaccinator" die wohl erste Zeitschrift der Impfgegner. In einer Art Leitartikel stellen die Impfgegner die Frage, warum das "Glaubensbekenntnis einer medizinischen Sekte" per Impfpflicht durchgesetzt werden sollte.

Das wohl älteste bekannte Sujet von Impfgegnern stammt aus dem Jahr 1869: Es zeigt eine Mutter, die mit ihrem kleinen Kind im Arm flüchtet, vor einer Schlange mit der Aufschrift "Vaccination". Der stilisierte Tod hält sich im Hintergrund, doch er frohlockt. Suchte eine Weltanschauung einen Sündenbock, so wusste sie die Schlange zu benennen. Der deutsche Philosoph Eugen Dühring, ein rabiater Vordenker des nationalsozialistischen Antisemitismus, schrieb 1881: "Auch von dem Impfaberglauben selbst abgesehen, ist der Impfzwang immer ein Mittel, durch welches dem ärztlichen Gewerbe eine unfreiwillige Kundschaft zugeführt wird." Und natürlich ortete Düring "die Juden" hinter Impfungen und Impfzwang: "Der ärztliche Beruf ist wohl unter allen gelehrten Geschäftszweigen nächst der Literaten am stärksten von Juden besetzt."

Der Zugang der Nationalsozialsten zu Impfungen war von Zweifeln geprägt. Pragmatische Überlegungen für einen widerstands- und wehrfähigen "Volkskörper" sprachen für Impfungen. Die Idee einer Immunisierung der Massen widersprach indes dem Gedanken von Auslese und Abhärtung. Dass der "Herrenmensch" mit einer Impfung den "Untermenschen" schützt und vice versa, das war offenbar ein unerträglicher Gedanke. Julius Streicher schrieb im Jahr 1935: "Die Impfung ist eine Rassenschande". Hinter einer gesetzlichen Impflicht aus dem Jahr 1874 verortete Streicher jüdische Abgeordnete. Streichers Hetzblatt "Der Stürmer" illustrierte den Zeitgeist in einem Sujet: Ein Arzt mit Hakennase, er lächelt verschlagen, hält eine Spritze in der Hand. Seine Patientin hat ein Kind im Arm, sie sieht sehr deutsch aus und äußert Bedenken: "Mir ist so komisch zu Mut, Gift und Jud tut selten gut."  Der Deutsche Impfgegner-Ärztebund reimte im Jahr 1935:  „Deutsches Volk, hab‘ nichts mit dem Impfen gemein, / Es ist jeder wahren Gesundheitspflege Hohn, / Und willst Du nicht selbst Dein Totengräber sein, / Dann bekenn‘ Dich entschlossen zur Anti-Vakzi-Nation!“

Der rechte Narrensaum im Lande hält auch im Jahr 2021 die Reihen hinter einem "Volksbegehren gegen Impfpflicht" dicht geschlossen. Diese Attitüde ist nur mit viel Fantasie von einem historischen Kontinuum zu trennen. Die Sektion Straßentheater der rechtsextremen Identitären zog im Sommer 2020 mit einer Gesichtsmaske von Bundeskanzler Sebastian Kurz durch die Straßen, ausgestattet mit einer großen Spritze und mit der rhetorischen Frage: "Wer will sich von Kurz impfen lassen?"

Rührig ist auch die rechte Politseniorin Inge Rauscher mit ihrem Verein "Heimat & Umwelt". Rauscher wollte vor zwei Jahren mit einer EU-Austrittsbewegung in das EU-Parlament einziehen. Derzeit macht sie sich für das "Volksbegehren gegen Impfpflicht" stark. Die stark rechtslastige "Wegwarte", eine Publikation von Rauschers Initiative, wagt sich weit vor in das Metier der Medizin. In der Ausgabe vom September 2020 steht, "dass diese Coronaimpfung erstmals in der Geschichte der Menschheit in die Erbsubstanz jedes Einzelnen eingreifen und diese verändern wird." Und: "Was sollen Impfungen nützen gegen einen Virus, der noch nie nachgewiesen wurde?" Weiter hinten in dem Intelligenzblatt liest man, der Mobilfunkstandard "5G kann Coronaerkrankungen verursachen".

Die rechte Postille "Wochenblick" surft seit Wochen mit bewundernswerter Penetranz auf der Welle der Impfgegner. Kaum ein Tag vergeht, an dem nicht eine Horrormeldung über die Impfung verkündet wird. Das Blatt kann getrost als Echokammer an der Schnittmenge von FPÖ und Neuen Rechten bezeichnet werden. Nun gefällt man sich auch als Sprachrohr der "Querdenker", Corona-Verharmloser und Impfgegner. Den 31. Jänner, bei dem eine Freakshow als Demonstrierende durch Wien zog, bejubelt das Blatt als "Tag der Freiheit".

Der Sprung zum nächsten Impfgegner ist scheinbar weit: Die indische Unabhängigkeitsikone Mahatma Gandhi schrieb im Jahr 1924: "Der Impfstoff ist eine schmutzige Substanz und es wäre närrisch zu erwarten, dass eine Art Schmutz eine andere entfernen kann." Die Krankheit Pocken verklärte der Inder zu einer Art Stahlbad. Sie seien als "eines der besten Hilfsmittel der Natur dafür anzusehen, das im Körper angesammelte Gift loszuwerden und eine normale Gesundheit wiederherzustellen." So brutal und zynisch kann Gewaltfreiheit sein.

Brüder Gandhis im Geiste sind die Anhänger der "anthroposophischen Medizin". Die Ärztin Daphne von Bosch bringt das in einem Aufsatz für die Zeitschrift "Erziehungskunst" der Waldorfpädagogik auf den Punkt: "Ein Problem der Impfungen besteht darin, dass sie auf der festen Überzeugung beruhen, Krankheit habe keinen Sinn." Anthroposophische Medizin und Waldorfpädagogik basieren auf den Lehren des esoterischen Sektierers Rudolf Steiner. Der lehrte einst, dass man "gegen das Karma nicht heilen kann" - und vermutlich auch nicht impfen. Der Arzt Volker Fintelmann orakelt in der aktuellen Ausgabe der Erziehungskunst: "Soll durch das Coronavirus die Seele fester an den Leib angeschmiedet, sollen ihre Flügel zum Geist gestutzt werden?" Der Arzt rät nicht zur Impfung, sondern zu "spiritueller Immunologie."

Leider sind die Erfolge der spirituellen Immunisierung, von der die Steiner- Jünger träumen, durchwachsen. Die ungeimpften Oberschichtsgören in den Waldorfschulen entpuppten sich in den letzten Jahren stets als wahre Superspreader, wann immer die Masern in Mitteleuropa ausbrachen.   

Fernab der Anthroposophie und nur etwas weiter nordwestlich von Gandhis Heimat hissen heute die islamistischen Taliban die Fahne des Impfverweigertums. Die bärtigen Herren im Karakorum vermuten hinter Impfungen eine westlich-jüdische Verschwörung, die Impfstoffe würden die biologische Reproduktion der Rechtgläubigen gezielt stören.

Auch im Norden Nigerias hatten islamische Würdenträger Impfkampagnen kritisiert. Demnach würden "die Amerikaner" damit versuchen, junge Frauen unfruchtbar machen. Die Impfkampagnen der Regierung mussten in den letzten Jahrzehnten nach Übergriffen der blutrünstigen Islamisten von Boko Haram auf Impfteams immer wieder unterbrochen werden. Nigeria, Pakistan und Afghanistan sind die einzigen Länder, in denen die Kinderlähmung nach wie vor endemisch ist. Mit anderen Worten: Unschuldige Kinder zahlen die Zeche für islamistische Verschwörungstheorien. 

Von Andreas Hofer zu den Taliban, von den Nazis bis zu Boko Haram und über Gandhi zu Anthroposophen und von dort in die Wiener Innenstadt zu Aufmärschen von Alt-Hippies und Neurechten und Querdenkern, die sich allesamt zu Opfern einer vermeintlichen Impf-Diktatur hochstilisieren. Was eint diese Leute? Eine Opposition gegen die Werte der Aufklärung, die über der Inferiorität der eigenen Weltanschauung hinwegtäuschen soll, ein Widerwille gegen solidarisches Handeln sowie die Lust am vermeintlichen Entlarven sinistrer Sündenböcke.

Das alles muss im Hinterkopf haben, wer eine Impfkampagne führt. Die inhaltlichen Kontroversen der Gegenwart sind ein Scheingefecht. Die gegenwärtigen Impfgegner schieben gerne und unter anderem das Argument einer zu kurzen Entwicklungsdauer des Impfstoffes vor. Dem kann man inhaltlich treffsicher begegnen - und trotzdem das Ziel verfehlen. Ideologen lassen sich nicht von Argumenten beeinflussen, die sie selbst nur zum Schein vorschieben. Die Begeisterung für Seuchen ist knallharte Ideologie. (Christian Kreil, 11.2.2021)



Aus: "Stiftung Gurutest: Impfgegner: Reaktionärer Widerstand seit 200 Jahren" Christian Kreil (11. Februar 2021)
Quelle: https://www.derstandard.at/story/2000123455429/impfgegner-reaktionaerer-widerstand-seit-200-jahren

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Freigeist

Es liegt in der menschlichen Natur nur zu sehen was man sehen will
Dem Autor geht es nicht anders als jenen über die er schreibt.

Komplexe Probleme "einfach" erklärt. So "wirbt" jede Seite erfolgreich um ihre Anhänger


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stay calm

Das is gar nix komplex.

Die Geschichte der Impfungen ist wohl eine der erfolgreichsten medizinischer Leistungen.
Typhus, Cholera, Masern, Kinderlähmung, Pocken und dann kommen so Vollkoffer und quasseln was von Selbstbestimmung. Beim nächsten Virus mit einer Sterblichkeitsrate ich denk es war MERs mit 20% gibts kein Fragen nach Freiheit - jeder der dann eine Impfung verweigert tötet andere. ...


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M. Treuhold

11. Februar 2021, 08:23:22

Einen Impfgegner zu überzeugen ist unglaublich mühevoll

Das braucht viel Geduld, Beharrlichkeit, Empathie und Liebe. Meine Freundin ist Impfgegnerin. Hochintelligent, sehr sozial, empathisch, konfliktfähig und eine liebevolle Mutter und dennoch ist sie Impfgegnerin. Das ist von außen kaum zu begreifen und sie ist bei dem Thema logischen Argumenten nicht zugänglich. Diese Position aufzugeben ist harte Persönlichkeitsarbeit. Das Vertrauen in Gesellschaft, Staat und das Gute im Menschen ist meist nachhaltig zerstört. Da ist oft auch das ganze soziale Umfeld auf dem gleichen Dampfer und die Angst, sich davon zu entfernen und die eigenen Freunde nicht mehr für voll nehmen zu können, spielt da eine gewichtige Rolle. ...


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TheCheeseStandsAlone

11. Februar 2021, 07:50:21

An dieser Stelle möchte ich Herrn Kreil zu seinem Homöopathie-Preis gratulieren.

" ... Auszeichnung für unwissenschaftlichen Unsinn 2020
Die österreichischen Ärztegesellschaften für Homöopathie haben die „Auszeichnungen für unwissenschaftlichen Unsinn“ für 2020 vergeben. Sie gehen diesmal an drei AktivistInnen namens Natalie Grams als Erstgereihte und ex aequo auf Platz zwei an Florian Aigner und Christian Kreil für subjektive, faktenwidrige, unbelegte und unhaltbare Aussagen in medialen Beiträgen, öffentlichen Auftritten und Publikationen.
Die Ausgezeichneten lagen bei der Beurteilung länger mit großem Abstand zu anderen gleichauf, schließlich setzte sich Frau Grams als Erste durch.
Unwissenschaftliche Dogmatik
Die Begründung der Mediziner lautet, dass die genannten Personen für ihre Agitation willkürlich eine — in der Praxis funktionierende und mit zwei Drittel der Bevölkerung breit genutzte — Heilmethode herausgreifen und mit ungezügelter emotionaler Abneigung verfolgen. Mit ihren Aussagen, dass die Wirkungslosigkeit der Homöopathie bewiesen wäre, verletzten sie die wissenschaftliche Logik. Sie täuschen Wissenschaftlichkeit vor, tatsächlich ignorieren sie aber bewusst vorliegende Evidenz. Trotz neuester wissenschaftlicher Erkenntnisse zum Wirkungsmechanismus und aktueller, positiver Studienlage zur Wirksamkeit der Homöopathie, werden Homöopathieanwendern unverhohlen Verschwörungstheorien unterstellt.
Statt eines wissenschaftlichen Diskurses zeigt sich in einer selbstgewählten Ignoranz sämtlicher klinischer Studien und Übersichtsarbeiten renommierter Wissenschaftler lediglich eine wissenschaftsfeindliche dogmatische Haltung. Und obwohl die pseudoskeptischen Aussagen vielfach widerlegt sind, werden diese dennoch ständig wiederholt. Die spekulative Vorgangsweise und haltlosen Argumentationen unter Wahrheitsanmaßung haben nichts mit seriösem Skeptizismus zu tun.
Angebrachte Kritik, wie zuletzt in Medien, verhallt und man nimmt in Täter-Opfer-Umkehr die Rolle schuldlos Angegriffener ein.
Bedenklich ist weiters, dass die Personen oft nicht über die fachliche Qualifikation und ausreichende praktische ärztlich-homöopathische Erfahrung verfügen, um über medizinische und gesundheitliche Angelegenheiten Aussagen zu treffen und Rat zu geben.
Vermarktung auf dem Rücken der Allgemeinheit
Das Motiv ist ersichtlich, sich selbst mit einem alten, vermeintlichen Aufregerthema in Szene zu setzen und zu vermarkten. Es wird jedoch auf verantwortungslose Weise den PatientInnen, den ÄrztInnen und dem Gesundheitssystem Schaden zugefügt.
Im Gegensatz dazu sollten die Pluralität in der Medizin mit einem integrativen Ansatz und die Wahlfreiheit für die Menschen geschützt und ausgebaut werden. Ärztliche Homöopathie folgt immer dem komplementären Prinzip und arbeitet mit konventionellen Methoden zusammen, zumal sie in Österreich ausgebildeten ÄrztInnen mit Zusatzausbildung vorbehalten ist und die Arzneimittel nach den strengen Arzneimittelvorschriften zugelassen sind.
Im Namen der Österreichischen Homöopathie Gesellschaften ÄKH, ÖGHM, ÖGVH, 01.02.2021 ..."
https://www.aekh.at/allgemein/auszeichnung-fuer-unwissenschaftlichen-unsinn-2020/

Kann man nicht erfinden.

Homöopathen wissen wie man sich lächerlich macht.


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Christian Kreil

Danke!

Meine Dankesrede schreibe ich gerade. Sie beginnt jedenfalls mit dem Satz: "Ich habe nichts gegen ganzheitliche Medizin. Mir gefallen nur die Kasperl nicht, die sie für sich reklamieren."


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wahrheitODERpflicht

wortfetzen

...Die ungeimpften Oberschichtsgören in den Waldorfschulen entpuppten sich in den letzten Jahren stets als wahre Superspreader, wann immer die Masern in Mitteleuropa ausbrachen... WAS SOLL DENN DER SCHUND?
Christian Kreil, einfach nur ein armer Irrer!


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Christian Kreil

Die anthroposophische Bewegung ist einer der größten esoterischen Sekten der Gegenwart, wirtschaftlich gut aufgestellt in Sachen Pseudopharmazie, verschleiert ihre Agenda recht geschickt, mischt - vor allem in Deutschland engagiert mit bei den rechten Leerdenkern.

Ich sage es ganz ehrlich: Mir sind diese Karma-Fritzen einfach zuwider.


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Ohne Dings kein Bums

Naja - da muss man schon unterscheiden - Ganz so einfach ist das nicht
Einerseits ist Esoterik seit jeher die Religion der Rechten andererseits stimmt auch oft der Ansatz dieser Religion . Wie bei allen Religionen . Dass der Mensch nicht nur aus Körper sondern vor Allem ein spirituelles Wesen ist kann ja niemand bestreiten . ...


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Ohne Dings kein Bums

Rechts sein ist keine Ideologie - Sondern eine Charakter Schwäche und die Unfähigkeit auf Situationen die sich verändern angemessen reagieren zu können -------- Quasi aus Not eine Tugend zu machen - oder zumindest zu versuchen ...


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am Tag danach

Fast 9 Milliarden Menschen. Nur noch Habgier, Macht und Egoismuss, Hass, Zorn.
Wir brauchen einen noch viel schlimmeren Virus, einen der die Welt wieder reguliert und ihn auf jenen Ebene stellt, wo er hingehört. Der Tod ist so natürlich wie das Leben und wenn man sich den Menschen ansieht, dann besteht er eben nur aus Fleisch, Flüssigkeiten, Schleim, Sehnen und Knochen. Wen man noch genauer hinsieht, dann könnte man sagen nur aus Zellen. Der Mensch nimmt sich einfach nur zu wichtig. Im Prinzip ist er nicht mehr als ein Wurm, ein Käfer, eine Made.


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-lt-

Ich bin nur wegen der Kommentare hier und ich wurde nicht enttäuscht.


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LukasA.

Als Impfgegner, Anthroposoph und Nicht-Rechter gäbe es für mich so einiges an diesem Artikel auszusetzen. Doch die Schreibweise des Autors: "Freakshow", "Brüder Ghandis im Geiste", "ungeimpften Oberschichtsgören" zeigt wie sehr der Hass gegen Andersdenkende schon vorangeschritten ist, dass ich Ihnen nur mein Beileid aussprechen möchte und hoffe sie akzeptieren andere Meinungen vielleicht in einem nächsten Leben.


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lux ferre

Conclusio: Wer kritisch eingestellt ist gegenüber Impfstoffen, deren Wirksamkeit noch höchst unklar ist, ist ein katholischer Fanatiker, Nazi, Esoterik-Spinner oder Taliban. Wer ist jetzt da der Ideologe?
Für viele gibt es echt nur noch Schwarz und Weiß, und sie merken ihre eigene Verblendung gar nicht.


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Ratz Fatz

Nicht unbedingt ein katholischer Fanatiker, Nazi etc., aber ein ungebildeter Sturschädl, der sich rationalen Argumenten mit pseudowissenschaftlichem und esoterischem Geschwurbel verschließt.


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Ernest Niedermann

Sie lehnen sich sehr weit aus den (verbalen) Fenster, wenn sie behaupten: "... Impfstoffen, deren Wirksamkeit noch höchst unklar ist ...".
Begriffe wie "Evidenzbasiert", oder "wissenschaftliche Ansprüche" oder schlicht "Faktenlage" scheinen in ihrem möglicherweise reichlich esoterisch gefärbten Geist nicht vorzukommen.
Aber, es muss sie niemand ernst nehmen!

Nur spannend, dass ausgerechnet SIE den Begriff "Verblendung" artikulieren.


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JulieAnn

Lernen Sie Geschichte - Teil 1

Diese unvorstellbare Hybris, dieses von oben herab, mit dem hier argumentiert wird, ist genau der Grund, warum es keine sinnvolle offene Diskussion zwischen beiden Lagern geben wird. Ich bin kein Impfgegner, sondern ein Impfskeptiker, der gegen die größten Geißeln der Menschheit wohl geimpft ist (früher hatte man da keine große Wahl), aber sich sicher keine Spritze mehr geben lassen wird. Was ich mich bei all dem polemischen Geschwafel wirklich frage, ist, warum haben wir Menschen denn ein Immunsystem, das uns Jahrtausende gegen manches besser, gegen manches schlechter geschützt hat?


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DrivingWithTheBrakesOn

"Was ich mich bei all dem polemischen Geschwafel wirklich frage, ist, warum haben wir Menschen denn ein Immunsystem, das uns Jahrtausende gegen manches besser, gegen manches schlechter geschützt hat?"

Eugenik lässt grüßen. Zuwas haben wir überhaupt Medizin, Technik etc. - haben wir vor 10.000 Jahren ja auch nicht gebraucht. Und wer das net übersteht, hat halt Pech gehabt.


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Shalimar der Narr

... Etwas Basiswissen Immunologie wär auch ganz gut.


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JulieAnn

Lernen Sie Geschichte - Teil 2

Aber ich will hier mit einem berühmten Zitat aufwarten – „Lernen Sie Geschichte!“ Denn die Medizin ihrer Zeit, war meist eben nicht die Rettung der Menschheit, sondern eher deren Untergang. Während des Aufkommens der Syphilis nach der Entdeckung Amerikas in Europa haben sich leider nicht die „reaktionären“ Behandlungswege durchgesetzt (die Indianer haben die Lustseuche sehr erfolgreich mit Sauna, Fasten und Heilkräutern behandelt) – nein, die modernen Mediziner sind mit ihrem Quecksilber gekommen. Dass die Behandlung mindestens so schlimm war wie die Krankheit, war ihnen recht egal – Haarausfall, chronische Obstipation, Ekzeme, extremer Juckreiz, blasse Gesichtsfarbe bis zu Wahnsinn waren die Folge.


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Ich sag ja nix, ich mein ja nur

"Denn die Medizin ihrer Zeit, war meist eben nicht die Rettung der Menschheit, sondern eher deren Untergang."

Warum um alles in der Welt lernen Sie nicht selbst Geschichte?

Nein, die Medizin war bis ins 18. Jahrhundert hinein nicht perfekt, aber sie hat es geschafft, eine evidenzbasierte Wissenschaft zu werden, welche Krankheiten heilen kann, Verletzte wiederherstellen kann und sogar Körperteile transplantieren kann.

Wenn das Immunsystem der Menschheit so toll war und die medizin der Untergang der Menschheit, da drängt sich doch die Frage auf, warum die Pest Europas Bevölkerung fast halbieren konnte. Haben da keine Kräuter geholfen?


Quote
JulieAnn

Lernen Sie Geschichte - Teil 3

Als die moderne Wissenschaft anfing ins Handwerk der „reaktionären“ Hebammen zu pfuschen, führte diese die fortschrittlichsten Operationen an den werdenden Müttern durch. Da wurden Beckenknochen durchsägt, lebende Kinder im Mutterleib durchteilt und andere Grauslichkeiten. Nun ja, sie lernten auch irgendwann einen sauberen Kaiserschnitt durchzuführen und wenn die Mutter dann die darauffolgende Infektion überlebte, war das ein Erfolg der modernen Medizin. Aber auch heutzutage denken wir der Natur mit unserer geplanten Geburt voraus zu sein, und ignorieren Studien, die zeigen, dass allein Hebammen geführte Geburten komplikationsärmer sind, als solche, die von Ärzten geführt werden.


Quote
JulieAnn

Lernen Sie Geschichte - Teil 4

Ich denke etwas Demut würde der modernen Medizin und Wissenschaft guttun. Denn viele unheilbare Krankheiten, können mittlerweile mit den verpönten „reaktionären“ alternativen Behandlungsmethoden therapiert werden. Aber das interessiert niemand – es verdient halt niemand Geld an Heilkräutern oder Ernährungsumstellungen. Dass es mittlerweile sogar die ersten Studien darüber gibt, dass ein guter Vitamin D Spiegel schwere Verläufe an Corona verhindern kann, selbst wenn die Gaben erst bei Ausbruch gegeben werden, wird im besten Fall ignoriert, im schlimmsten Fall diskreditiert. Aber ja, der Fortschritt wird uns helfen, ebenso wie eine unausgegorene Impfung!


Quote
DrivingWithTheBrakesOn

Die Medizin des 18. und 19. Jhdt. war mit Sicherheit aus heutiger Sicht betrachtet eher eine Schlachtbank als sonst was. Aber die Medizin hat sich massiv weiter entwickelt. Und wenn sie jetzt einen medizinisch notwendigen Kaiserschnitt mit der Modeerscheinung Kaiserschnitt gleichsetzen wollen, dann bin ich die Erste, die sie mit nassen Fetzen aus dem Forum prügeln wird. Ich habe Verwandte, die hätten ohne Kaiserschnitt keine Kinder bzw. wären nicht mehr am Leben. Und bei diesen Geburten waren übrigens auch Hebammen involviert.


Quote
Karl Schreckt

Mama was hast du da am Oberarm?
Das kommt von der Pockenimpfung.
Und warum hab ich das nicht?
Weil sie funktioniert hat!

...


Quote
Henio

Was kann man machen, wenn Leute sich weigern den Unterschied zwischen Impf-Gegner und Impf-Hinterfrager zu akzeptieren?


Quote
Morpheus Sandman

Nicht viel, da sich Impf-Gegner meist selber "kritische Impf-Hinterfrager" nennen und meist von Unwissen und Ignoranz nur so strotzen.


Quote
Stormtrooper87

Was kann man machen wenn Leute sich weigern den Unterschied zwischen Flacherdlern und Menschen die die runde Erde anzweifeln zu akzeptieren?


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Mattersburger

... Gerade die Eso-Schiene tut immer so, als ob sie um die ganze Welt besorgt wäre, aber "dann wird halt jemand krank", "dann sterben halt Menschen" sind Aussagen von solchen Eso-Fans, die ich laufend höre.


Quote
tock tock tock

Ängste vor Nebenwirkungen und Langzeitschäden vor denen wird sich komischerweise nur bei der Impfung gefürchtet. Die viel Realere Gefahr von Langzeitschäden durch die Krankheit wird aber völlig ignoriert. Warum?


Quote
Marcus Trullus

Weil die Krankheit "gute Natur" ist und die Impfung "böse Künstlich- technisch". Und dagegen ist man, egal ob Links, Rechts, ...


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schafskopf

Also ich lasse mich impfen, sobald ich die Möglichkeit bekomme! Mein Vater nicht. Er denkt ähnlich wie Ghandi und ist mit seinen Argumenten kaum auszuhalten... Aber es gibt eben verschiedene Sichtweisen und Problemösungsansätze. Damit muss unsere Gesellschaft umgehen können! Eine Impfpflicht kommt für mich nicht in Frage!


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Schnitzelliebhaber

Nein !!! Weil Ihr Vater und die anderen, die so handeln, eine MITVERANTWORTUNG für die Gesellschaft und für die Ausbreitung von Seuchen tragen.
Den Luxus einer freien Entscheidung gegen eine Impfung kann man nur jemandem gewähren, der der Gesellschaft zu 100% garantieren kann, dass er niemals auch nur ein einziges Virus verbreiten wird.

Und das geht wohl technisch und moralisch kaum - (außer Sie wollen Ihren Vater wegsperren).
Seuchenbekämpfung und -Vermeidung ist nunmal eine Frage der SOLIDAREN Pflicht, weil es in erster Linie um die Mitmenschen geht.
Oder haben Sie geglaubt, dass gesetzliche Impfpflichten erfunden würden, um den EINZELNEN zu schützen?


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JustusJonas

Die Welt ist nicht immer schwarz und weiß

Herr Kreil malt uns hier ein Weltbild vor die Augen als gäbe es auf der einen Seite die religiös verbrämten reaktionären ungebildeten Impfgegner und auf der anderen Seite die gebildeten aufgeklärten Impfgegner. Dieses Weltbild hapert an so manchen Ecken.
1. Gerade Pfarrer und Kirche haben der Pockenimpfung zum Durchbruch verholfen selbst Kirchenlieder gab es die den Wert der Pockenimpfung besangen.
2. Die Nazis reaktionäre Impfgegner? Selbst fühlten sie sich meist als modern dem Geist der Aufklärung und Wissenschaft verpflichtet. Es waren übrigens die Nazis die 1939 die Impfpflicht in Österreich einführten.
3. Bildung schützt vor Torheit nicht zb. Akademikerquote bei Homöophatie. Kants Sonnenabstandstheorie.


Die ursprüngliche Bedeutung war in Österreich '(eine kleine Menge) Kautabakʼ bzw. 'Zigarren-, Zigarettenstummelʼ. Schließlich wurde Tschick zunehmend als Bezeichnung für die Zigarette (als Ganzes) verwendet, wahrscheinlich zuerst in der Jugendsprache.

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Eder 1

Die rechte Postille "Wochenblick" surft seit Wochen mit bewundernswerter Penetranz auf der Welle der Impfgegner.
Der linke Standard surft seit Wochen mit bewundernswerter Penetranz auf der Welle der Impffetischisten. ...


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Doc Steel

man muss nicht gegen alles geimpft sein.


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taps2017

Gegen Dummheit wäre aber super.


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Doc Steel

... das heißt Bildung, da gibts auch viele Gegner.


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Lasker

Seit "200 Jahren reaktionärer Widerstand"

Völlig unverständlich, dass sich die Menschen gegen Aderlass und schwer giftige Anwendungen wehrten... Oder gab es damals noch andere tolle Behandlungen?


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tommy 4009

Über 22 Millionen Menschenleben
konnten in den letzten 20 Jahren,
alleine durch Masern-Impfungen gerettet werden.

Kaum eine Medizinische Entdeckung hat mehr
Schmerz und Leid verhindert
als die der Impfung.


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peter737

Schlechtes Beispiel , gegen Masern wird man einmal geimpft und ist sein Leben lang geschützt . Bei Corona kann es möglicherweise sein, dass die Impfung wirkt und das auch nur bis zur nächsten Mutation.


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feuer und eis

Ich meine mich zu erinnern, dass meine Kinder 2x gegen Masern geimpft wurden.

Ich lass mich auch regelmäßig gegen Tetanus und Keuchhusten impfen.
Und ich will endlich raus aus dem ständigen lockdown schmarrn an den sich die meisten eh nicht halten. Andere dafür umso mehr und die Spaltung in der Gesellschaft immer schlimmer wird.


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markus, telfs

Sag mal, Standard, geht’s eigentlich noch? Freaks, Sektierer, was geht denn bei euch ab? Eine derartig herablassende Schreibe hab ich wirklich selten gelesen. Meinungsfreiheit heißt bei euch wohl, man darf eure Meinung frei vertreten.


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drizztdourdenn

Die "Sektierer, Freaks" dürfen ihre Meinung eh gern vertreten. Wenn's nachhaltig evidenzlosen Geschwurbel mit gefährlichen Konsequenzen für die Gesellschaft ist, darf man aber auch mal dagegen auftreten.

Wir bräuchten ohnehin einen gesellschaftlichen Schulterschluss, der diese kruden Meinungen zwar zulässt, aber auch ganz klar dagegen aufsteht und anschreibt.


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Herbert Hartschusterer

Und ein "gesellschaftlicher Schulterschluss" bedeutet dann, dass man diese Leute in angeblichen Qualitätsmedien als "Freakshow" beschimpft und alle johlen?

Klingt nach einer ganz wunderbar zivilisierten und reifen Gesellschaft, von der Sie da träumen...


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MemoryDragon

Tjo die Wahrheit schmerzt!


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markus, telfs

Das tut mir leid, wo tut es dir weh?


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Big Head

Truth hurts?

Auszug aus dem Volksbegehren "Für Impf-Freiheit":

"Es ist auch zu befürchten, dass es in absehbarer Zeit zur „sozialen Pflicht“ wird, sich einen Chip (RFID) einsetzen zu lassen oder ständig eine Tracking-App mitzuführen. Durch die sodann mögliche lückenlose Überwachung und Kontrolle ist das Recht auf Privatsphäre nicht mehr gewährleistet. Mit der Einführung des 5G-Mobilfunknetzes werden wesentliche technische Voraussetzungen dafür geschaffen."

Wer so etwas unterschreibt, bei dem ist Hopfen und Malz verloren!


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makaberich

Hab ich nicht hier im Standard gelesen, dass die Kapitolstürmer aufgrund der Handydaten verfolgt werden konnten?


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Big Head

Es geht hier darum sich einen Chip in den Körper einsetzen zu lassen.


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MemoryDragon

Tjo wenns so deppert sind ihr Handy mitzunehmen!


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Primehunter

Toller Artikel, vielen dank. Ich hatte dabei leider durchgehend Teile meiner eigenen Verwandtschaft vor Augen auf die praktisch jeder Punkt zutrifft. Angefangen von "in Impfungen ist so viel Gift", über "Krankheiten sind wichtig für die Evolution", bis "Corona wird sowieso nur von 5G Masten ausgelöst".


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Freibeitrag

Da Otto Normalverbraucher die Vakzine nicht nachprüfen kann, muss er GLAUBEN was andere vorgeben. WISSEN ist nicht möglich.
Es ist halt eine Vertrauensfrage.
Und Vertrauen in gewinnorientierte Pharmakonzerne ist nicht leicht.

Nur: Ich verstehe den Computerprozessor auch nicht. Und trotzdem vertraue ich ihm.
Meistens. Dem blöden Blechkastel. :)


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Primehunter

Man muss vor allem dem wissenschaftlichen Erkenntnisprozess vertrauen und mit etwas Verständnis wie Studien aufgebaut sein müssen, kann man auch ohne Fachkenntnis beurteilen ob eine Studie brauchbar war. Leider gehören genau diese Dinge in Österreich nicht zur Allgemeinbildung und deswegen werden wir auch weiterhin von einer Katastrophe in die nächste Laufen.

Aber ja, Pharmariesen sind keine Charities, das sollte man auch nicht vergessen.


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Shutdown Matrix

Man kann sich eigentlich nur schämen, wenn man einen derart miesen Text verfasst und dann eines Tages auf ein Kind, dessen Eltern und Geschwister trifft, dass schwer behindert ist, weil es eine Impfung nicht vertragen hat.
Ob sich ein Mensch einer medizinischen Behandlung - welcher Art auch immer - unterziehen will oder nicht, ist in unserem Rechtsstaat seine Entscheidung.
Es gibt Argumente für Impfungen und es gibt Argumente gegen Impfungen, aber dieser Artikel ist einfach nur letztklassige exoterische Hetze.


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Groschenglauber

Nein ist er nicht, er zeigt viel mehr auf dass die meisten die laut gegen Impfungen aufbegehren, das ideologisch geprägt tun und nicht primär aus Angst vor Nebenwirkung. Ihr Beispiel ist dramatisch und sicher sehr belastend für die Familie, aber sind jene die aus medizinischen Gründen nicht geimpft werden können und dann erkranken weil ideologisierte Impfverweigerer die Krankheit verbreiten, Opfer 2ter Klasse?


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Ray Davies

Hetzer sind vor allem auch die, die andere vollkommen unnötig und unter dem Deckmantel einer vollkommen falsch verstandenen Solidarität dazu zwingen wollen, eine medizinische Therapie in Anspruch zu nehmen, die sie nicht wollen. Es soll sich jeder impfen lassen, der sich selbst schützen will oder zu einer Risikogruppe gehört, wenn er/sie das will und gut ist es. Es braucht dazu nicht die beinahe täglichen Missionierungen.


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Groschenglauber

Falsch verstandene Solidarität?

Was wär denn richtige Solidarität in ihren Augen?


...
« Last Edit: February 16, 2021, 10:15:24 AM by Link »

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Coronavirus Notizen (COVID-19-Pandemie)
« Reply #303 on: February 12, 2021, 10:10:22 AM »
Quote
[...] In Deutschland sinkt die Zahl der neu gemeldeten Corona-Fälle weiter. Aber nicht nur hierzulande - von der Öffentlichkeit weitgehend unbemerkt gehen weltweit die Fallzahlen zurück und das zum Teil massiv. Der aktuelle Lagebericht der Weltgesundheitsorganisation WHO bestätigt: Die vierte Woche in Folge ist die Zahl der weltweit neu gemeldeten Fälle gesunken. Ihren Höhepunkt hatte die Pandemie Anfang Januar mit fast fünf Millionen Neuinfektionen in einer Woche. Anfang Februar waren es nur noch rund drei Millionen - fast 40 Prozent weniger. Zwar gibt es in vielen Ländern noch steigende Fallzahlen, aber auf globaler Ebene sei der Trend "ermutigend", heißt es in dem WHO-Bericht.

In absoluten Zahlen sinken vor allem in Europa und Nord- sowie Südamerika die Fallzahlen, auf Wochensicht zuletzt um fast eine halbe Million Neuinfektionen. Der Großteil des Rückgangs geht auf die USA zurück, wo fast 200.000 weniger Fälle gemeldet wurden. Aber das Phänomen ist nicht auf diese Kontinente beschränkt: Fünf der sechs WHO-Regionen verzeichneten zuletzt einen Rückgang der neuen Corona-Fälle von mehr als 10 Prozent pro Woche. Die Zahl der neu gemeldeten Todesfälle sank laut WHO ebenfalls die zweite Woche in Folge. Mit 88.000 neu gemeldeten Todesfällen waren es zuletzt rund 10 Prozent weniger im Vergleich zur Vorwoche.

Aber was sind die Gründe für diese Entwicklung? Die globale Impfkampagne kann aus Sicht von Experten noch keinen Einfluss auf die Fallzahlen haben - bislang verfügen nur 0,24 Prozent der Weltbevölkerung über einen vollen Schutz. Selbst in den bevölkerungsreichen USA, die massiv impfen, sind es erst knapp 3 Prozent aller Einwohner.

Für den Epidemiologen Klaus Stöhr, der mehrere Jahre lang das Global-Influenza-Programm der WHO geleitet hatte und dort auch Sars-Forschungskoordinator war, ist der deutliche Rückgang der Fälle weltweit ein "überraschendes Phänomen". "Auch meine Kollegen von der WHO haben mich angerufen und gefragt, was ich davon halte." Eine eindeutige Erklärung gebe es aber nicht, so Stöhr zu ntv.de. "Wie bei allen Naturereignissen gibt es auch bei einer Pandemie Phänomene, zu deren Erklärung man nur spekulieren kann."

Aber eine Sache falle auf: Bei den Influenza-Pandemien in den Jahren 1957 und 1968 sei Ähnliches beobachtet worden: "Ausbruchswellen, die eine Länge von zehn bis zwölf Wochen haben und dann zurückgehen", so Stöhr. Es sei möglich, dass dies mit der eingeschränkten Mobilität während einer Pandemie, etwa durch Lockdowns, zusammenhänge. Auch die fortgeschrittene Immunisierung der Bevölkerung könne eine Rolle spielen, wenn sich also ein großer Teil der Bevölkerung bereits einmal angesteckt hat. Stichwort: Herdenimmunität.

Eben dieser Effekt einer einsetzenden Herdenimmunität sei wahrscheinlich aktuell bereits in den USA zu beobachten, so Stöhr. Bisher geht man davon aus, dass 60 bis 70 Prozent der Bevölkerung immun sein müssen, um eine Herdenimmunität gegen den Wildtyp von Sars-CoV-2 zu entwickeln. Dann findet ein Erreger nicht mehr genug neue Wirte, die Pandemie kommt zu erliegen. Doch laut offiziellen Daten haben sich in den USA bisher erst rund 27 Millionen Menschen infiziert, weitere 10 Millionen haben einen vollen Impfschutz - bei 330 Millionen Einwohnern also nur etwa 11 Prozent der Bevölkerung. Wie passt das zusammen?

Stöhr erklärt es so: "Verschiedene punktuelle serologische Studien aus den USA und Europa lassen eine Dunkelziffer um den Faktor vier bis sechs vermuten." In den USA hätten also womöglich bereits 30 bis 48 Prozent der Bevölkerung einmal Covid-19 gehabt und eine Immunität dagegen aufgebaut, was einen bremsenden Effekt auf das Infektionsgeschehen haben könnte. Hinweise darauf gibt es jedenfalls: Die Zahl der gemeldeten Fälle ist in den USA seit Anfang Januar massiv zurückgegangen - um rund 60 Prozent. Dabei werden die Corona-Maßnahmen in den Vereinigten Staaten von Experten als weniger streng gewertet als in vielen europäischen Ländern.

In Deutschland sei die Situation jedoch eine andere, so der Epidemiologe: "Was die Populationsimmunität angeht, sind uns die USA, aber auch Länder wie Schweden und Israel, wohl um Monate voraus." Grund seien die schärferen Maßnahmen, mit denen hierzulande auf das Infektionsgeschehen reagiert worden sei. Stöhr warnt deshalb auch vor falschen Schlüssen aus den weltweit sinkenden Zahlen auf die Lage in Deutschland. Die bisher geltenden Maßnahmen wie Kontaktbeschränkungen und die AHA+L-Regeln müssten weiter berücksichtigt werden, um ein erneutes Aufflackern der Infektionen zu verhindern.

Trotz der positiven Entwicklung sei die Pandemie noch lange nicht vorbei, mahnt Stöhr. Und im Sommer sei auf der Südhalbkugel - mit der dort einsetzenden Winterzeit - wieder mit steigenden Fallzahlen zu rechnen. Auch WHO-Chef Tedros Ghebreyesus warnte angesichts des zuletzt positiven weltweiten Trends vor voreiligen Lockerungen der Corona-Maßnahmen. Viele Länder hätten in der Vergangenheit auf einen Rückgang der Fälle mit Lockerungen reagiert, die Menschen seien unvorsichtig geworden. "Das Virus kam zurück, wie ein Waldbrand, der neuen Brennstoff gefunden hat." Positive Trends könnten sich leicht umkehren, und "hart erkämpfte Gewinne können verloren gehen".

 Auch die neu aufgetauchten Varianten von Sars-CoV-2, die als viel ansteckender gelten, sind vielerorts Grund zur Beunruhigung. In den USA etwa breitet sich die zuerst in Großbritannien entdeckte Variante B.1.1.7 laut einer Studie rasend schnell aus. Bis März könnte sie demnach dort die dominierende Version des Coronavirus sein. In Deutschland sind laut Robert-Koch-Institut etwa sechs Prozent der Fälle auf diese Variante zurückzuführen. Eine Verlängerung des Lockdowns hierzulande wird oft mit der Gefährlichkeit der Mutationen begründet.

Auch die WHO beobachtet eine "geografische Ausdehnung" der Varianten. So sei B.1.1.7 mittlerweile in 86 Ländern nachgewiesen worden. Die zuerst in Südafrika entdeckte Variante 501Y.V2 sei schon in 44, und die Variante P.1 aus Brasilien bereits in 15 Ländern aufgetaucht. WHO-Chef Tedros ist jedoch überzeugt, dass der deutliche Rückgang der Fallzahlen Beleg dafür ist, dass die "bewährten Maßnahmen der öffentlichen Gesundheit" wirken. "Selbst mit den neuen Varianten, die im Umlauf sind, können wir diese Pandemie unter Kontrolle bringen", so Tedros. In Großbritannien etwa machte B.1.1.7 Ende Januar bereits rund 90 Prozent aller neuen Fälle aus - dennoch gehen auch dort die Fallzahlen zuletzt deutlich zurück.

Quelle: ntv.de


Aus: "Corona weltweit auf dem Rückzug" Kai Stoppel (Donnerstag, 11. Februar 2021)
Quelle: https://www.n-tv.de/wissen/Corona-weltweit-auf-dem-Rueckzug-article22351151.html
« Last Edit: February 22, 2021, 06:31:44 PM by Link »

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Coronavirus Notizen (COVID-19-Pandemie)
« Reply #304 on: February 23, 2021, 09:22:30 AM »
Quote
[...] Die USA überschritten am Montag die Schwelle von mehr als einer halben Million Corona-Toten. „Heute markieren wir einen wirklich düsteren, erschütternden Meilenstein - 500.071 Tote. Das sind mehr Amerikaner, die in einem Jahr an dieser Pandemie gestorben sind, als im Ersten Weltkrieg, im Zweiten Weltkrieg und im Vietnamkrieg zusammen“, erklärte er.

... Die Schwelle von einer halben Million Corona-Toten erreichten die USA am Montagnachmittag (22.45 Uhr MEZ). Demnach hatten die US-Behörden nach Daten der Universität Johns Hopkins 500.071 Todesfälle nach einer Infektion mit dem Erreger Sars-CoV-2 gemeldet. In absoluten Zahlen gibt es in keinem anderen Land der Welt so viele bestätigte Corona-Todesfälle. (Reuters/dpa)


Aus: "Biden warnt vor gefühlloser Gesellschaft durch Pandemie" (23.02.2021)
Quelel: https://www.tagesspiegel.de/politik/usa-zaehlen-mehr-als-500-000-corona-tote-biden-warnt-vor-gefuehlloser-gesellschaft-durch-pandemie/26941096.html

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Quote
[...]  Andrew Cuomo inszenierte sich als Kümmerer, als die Corona-Pandemie im vergangenen Jahr die USA erreichte. Der Gouverneur von New York machte sich zum demokratischen Gegenentwurf des inzwischen auch deshalb abgewählten republikanischen Präsidenten Donald Trump, der Covid-19 verharmloste und so dazu beitrug, dass sich das Virus flächendeckend im Land ausbreitete. Doch es scheint, als habe Cuomos Außendarstellung als "Corona-Held" wenig mit der Realität zu tun. So wenig, dass die Generalstaatsanwältin Leticia James einen vernichtenden Bericht vorlegte, demzufolge Cuomo die Zahl der Todesopfer im Zusammenhang mit Covid-19 massiv geschönt haben soll. Sogar das FBI ermittelt.

Dabei geht es vor allem um Seniorenheime, in denen deutlich mehr Menschen gestorben seien als bisher bekannt. "Die vorläufigen Daten zeigen, dass die Zahl der Verstorbenen in Pflegeeinrichtungen in New York um rund 50 Prozent höher liegt", ist die erste Erkenntnis der Untersuchung. Erst kürzlich war die offizielle Zahl von 8500 auf mehr als 15.000 nach oben korrigiert worden. "Das ist Betrug am Vertrauen der Öffentlichkeit", twitterte Cuomos New Yorker Parteikollege Andrew Gounardes dazu.

Eine an die Öffentlichkeit gedrungene interne Konferenz legt mehr als nur nahe, dass hinter der künstlich klein gehaltenen Zahl vor allem eins steckt: politisches Kalkül. In dieser Konferenz nennt Cuomos enge Beraterin Melissa DeRosa als Motivation dafür, man habe gefürchtet, Trump würde die echten Zahlen "gegen uns einsetzen", wie die "New York Post" berichtet. Immer wieder hatte sich Cuomo bewusst als Antithese zum Präsidenten aufgeschwungen, der die Pandemie wiederholt verharmlost hatte.

 Um diese Trump-Schelte zu vermeiden, sind US-Medienberichten zufolge nur die Todesopfer offiziell angerechnet worden, die auch in Pflegeheimen verstarben. Wer aber (kurz) vor seinem Tod in eine Klinik eingeliefert wurde und dort starb, blieb ungezählt. Cuomo, für seine harschen Reaktionen auf Kritik bekannt und gefürchtet, erklärte dazu Ende Januar noch: "Wen kümmert es, ob sie im Krankenhaus oder im Seniorenheim gestorben sind", am Ende stehe ja schließlich so oder so unverrückbar fest: "Sie sind gestorben." Auch das passt so gar nicht zum Image als Kümmerer.

Entsprechend groß ist die Kritik, und das nicht wie so oft an den Parteilinien entlang - Republikaner und Demokraten sprechen in seltener Einigkeit fast schon mit einer Stimme. Der demokratische Kongressabgeordnete Antonio Delgado fordert nicht nur "Antworten" über diesen Sachverhalt, sondern auch "Verantwortung" - also politische Konsequenzen. Aus beiden Parteien kommen Rücktrittsforderungen, Cuomo könnte sogar das gleiche Schicksal ereilen wie Trump, nämlich ein Amtsenthebungsverfahren.

Mehrere Medien - darunter die "New York Times" - berichten, dass Abgeordnete des Staates planen, Cuomos Machtbefugnisse zum direkten Erlassen von Notfallmaßnahmen einschränken zu wollen. Richard Azzopardi, ein Sprecher des Gouverneurs, tat die Ermittlungen von FBI und Staatsanwaltschaft gegen seinen Chef derweil ab: "Wir wissen, dass die Justizbehörden sich das genauer anschauen" und "wir kooperieren". Der ortsansässigen Zeitung "Times Union" zufolge habe er die Frage nicht beantwortet, ob Mitglieder der Regierung aussagen mussten oder vorgeladen wurden.

 Cuomo, dem Ambitionen auf eine Kandidatur für die Präsidentschaftswahl 2024 nachgesagt werden, droht also mächtig Ärger. Denn der Fall ist umso gravierender angesichts der Selbstdarstellung, mit der sich der 63-Jährige weit über die Staats- und Landesgrenzen hinaus feiern ließ und lassen durfte. Sogar der Top-Immunologe der USA, Anthony Fauci, hatte sein Krisenmanagement gelobt. Doch dieses vermeintlich bemerkenswerte Krisenmanagement ist offenbar unter mindestens fragwürdigen, womöglich justiziablen Umständen zustande gekommen.

Denn seine Beraterin DeRosa wird von der "Times Union" außerdem mit den Worten zitiert, dass die Administration die echten Zahlen bewusst zurückgehalten habe, als diese von übergeordneten Stellen angefordert wurden: "Wir sind gewissermaßen erstarrt" aus Sorge, das wahre Ausmaß der Pandemie würde "gegen uns verwendet".

Wohl auch deshalb haben laut "New York Times" zahlreiche Corona-Experten ihre beratenden Tätigkeiten für die Cuomo-Regierung aufgegeben, obwohl der Demokrat sich im vergangenen Jahr damit brüstete, seine Politik strikt nach wissenschaftlichen Notwendigkeiten auszurichten. Die ordnungsgemäße Registrierung der Todesopfer zählte da nach den ersten Erkenntnissen der Untersuchungen nicht dazu. Weshalb ein Zitat des Gouverneurs von Anfang Februar wohl eher die Wahrheit abbildet, demzufolge er "Experten nicht wirklich vertraut".

Alessandra Biaggi, als Demokratin im New Yorker Senat vertreten, fällte angesichts der jüngsten Entwicklungen laut "Forbes" ein vernichtendes Urteil: "Wir sehen zum wiederholten Male, dass der Gouverneur sein Ego über die Belange der Menschen in New York stellt."

Quelle: ntv.de


Aus: "Gouverneur: "Wen kümmert es?" - New York soll Todeszahlen manipuliert haben" Torben Siemer (Montag, 22. Februar 2021)
Quelle: https://www.n-tv.de/politik/New-York-soll-Todeszahlen-manipuliert-haben-article22377605.html
« Last Edit: February 23, 2021, 10:43:53 AM by Link »

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Coronavirus Notizen (COVID-19-Pandemie)
« Reply #305 on: February 23, 2021, 10:15:26 AM »
Quote
[...] Alle Welt wird vom Run auf Impfstoffe beherrscht. Alle Welt? Nein, ein von einem unbeugsamen Machthaber geführter Staat im Osten Afrikas pfeift auf den Trend und lehnt jedes Serum kategorisch ab. "Wir brauchen das nicht", gab Präsident John Magufuli jüngst seinen Landsleuten zu verstehen: "Tansania ist nämlich virenfrei." Angeblich machte sich der Erreger aus dem Staub, nachdem der Präsident die rund 60 Millionen Tansanierinnen und Tansanier im Juni vergangenen Jahres durch einen dreitägigen Gebetsmarathon geführt hatte. "Gott hat uns erhört", will Magufuli seitdem wissen: "Unsere Feinde mögen sagen, was sie wollen. Wir sind hier sicher."

Andere Staatschefs Afrikas klagen derzeit darüber, dass die im Westen entwickelten Impfstoffe zuallererst den reichen Industrienationen zugutekommen: Die 1,3 Milliarden Afrikanerinnen und Afrikaner müssen auf den Schutz womöglich sogar noch mehrere Jahre verzichten. Tansanias Staatschef kommt das gerade recht: Die Vakzine seien ohnehin unwirksam oder sogar gefährlich: Könnte der reiche Westen tatsächlich so ohne weiteres Impfstoffe entwickeln, hätte er längst schon welche gegen Aids und Tuberkulose, gegen Malaria und Krebs gefunden, meint er.

Mit lediglich 300 Covid-Infektionen steht Tansania an 194. Stelle der Corona-Charts: Das liegt allerdings vor allem daran, dass Magufulis Regierung seit Mai vergangenen Jahres keine Corona-Zahlen mehr meldet. Er stoppte die Tests, nachdem eine Ziege und eine Papaya angeblich ein positives Ergebnis geliefert haben sollen. Eine missbräuchliche Verwendung von Tests freilich, die auch in Österreich von populistischen Politikern verwendet wird, um diese zu diskreditieren.

Vermutlich hat sie die Zahlen auch selbst nicht. Denn seit es in Tansania offiziell kein Coronavirus mehr gibt, dürfen auch Krankenhäuser keine derartigen Fälle mehr haben. "Wir nennen sie jetzt virale Lungenentzündungen", sagt ein Arzt des größten Krankenhauses des Landes, des Muhimbili National Hospital, der Publikation "Africa Report". Statt Covid-19 wird aus den Krankenhäusern nun eine ungewöhnlich hohe Zahl viraler Lungenentzündungen gemeldet: Überfüllte Hospitäler weisen in Daressalam schon seit Wochen regelmäßig Patienten ab.

Wegen der außergewöhnlichen Nachfrage wird bei der örtlichen Gasfirma Tanzania Oxygen der Sauerstoff knapp. Und im privaten Radiosender Radio One dauert die Verlesung der Namen der Verstorbenen mittlerweile nicht mehr fünf, sondern dreißig Minuten. Kürzlich starben gleich fünf Generäle mit denselben Symptomen: Atemnot, Husten und hohes Fieber. Der Vizepräsident des Inselteilstaats Sansibar starb sogar offiziell an Covid-19: Maalim Seif Sharif Hamad gehörte der Oppositionspartei an, die das Vertuschungsspiel nicht mitmachen wollte.

Jüngst sah sich auch die katholische Kirche, deren Priester mit einer Flut an Beerdigungen fertigwerden müssen, zur Intervention gezwungen. "Covid ist nicht geschlagen, die Krankheit ist noch immer hier", sagte Daressalams Bischof Yuda Ruwaichi: "Lasst uns nicht unbesonnen sein!" Auch die US-Botschaft sprach unverblümt von einer "stark ansteigenden Zahl an Covid-Fällen". Und selbst einem Abgeordneten der Regierungspartei, Zacharia Issay, platzte kürzlich im Parlament der Kragen. "Ich habe es satt, zu immer neuen Beerdigungen zu gehen", klagte Issay: "Die Regierung muss mit der Geheimnistuerei endlich Schluss machen."

Magufulis Vogel-Strauß-Politik droht nicht nur seiner Heimat zum Verhängnis zu werden. Expertinnen und Experten warnen davor, dass auch der Rest der Welt nicht sicher ist, solange die Tansanier nicht "durchgeimpft" seien: Der ostafrikanische Staat könne sogar zu einer Brutstätte mutierter Coronaviren werden, gegen die bisher entwickelte Impfstoffe nichts auszurichten vermögen.

Dann wäre auch der geimpfte Großteil der Welt wieder am Nullpunkt angelangt. Matshidiso Moeti, Afrika-Chefin der Weltgesundheitsorganisation (WHO), weiß, was auf dem Spiel steht. Ihre Organisation führe auf "höchster Ebene" Gespräche mit der tansanischen Regierung, sagt die Ärztin: "Um der dortigen Bevölkerung willen, aber auch für das Wohl der Nachbarstaaten und überhaupt der ganzen Welt." Noch ist beim Covax-Fonds in Genf keine Bestellung aus Tansania eingetroffen: "Es gibt keine Pläne zur Beschaffung von Impfstoffen", versichert Gesundheitsministerin Dorothy Gwajima. Man könne nur hoffen, dass Präsident Magufuli (Spitzname: der Bulldozer) dem internationalen Druck in letzter Minute doch noch nachgibt, meint ein Kenner des Landes: "Wenn nicht, dann Gnade Gott." (Johannes Dieterich, 22.2.2021)


Aus: "Tansania verzichtet auf Covid-Impfstoff und vertraut stattdessen auf Gott" Johannes Dieterich (22. Februar 2021)
Quelle: https://www.derstandard.at/story/2000124381054/tansania-verzichtet-auf-covid-impfstoff-und-vertraut-stattdessen-auf-gott

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Milchleber

Beten hat schon damals bei der Pest hervorragend geholfen...


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ProfessorOfMathDestruction

Ein bisserl eine andere Situation. Damals hattens eben das Wissen nicht, obwohl Ärzte ihr bestes Wissen gegeben hatten. Die Regierungsleute in Tansania wissen, was los ist, ...


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inent

Viel Glück, Tansania! Nichts anderes braucht man, wenn man auf Gott vertraut!


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Beta Status, 23. Februar 2021, 05:58:40

Ein weiteres Beispiel was Religion anrichten kann.



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Helmut Wolff

Übrigens ein Katholik

Fundamentalisten sind einander sehr ähnlich...


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cordings

arbisches sprichwort

vertraue auf allah, aber binde dein kamel an


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Coronavirus Notizen (COVID-19-Pandemie)
« Reply #306 on: March 10, 2021, 10:00:14 AM »
Quote
[...] Hamburg – In Markus Lanz‘ Sendung vom 9. März 2021 ging es darum, zu diskutieren, wie sich die deutsche Politik in der Bewältigung der Corona-Pandemie bisher hervorgetan hat und was als Nächstes in diesem Punkt zu erwarten sei. Zu Gast waren Ralph Brinkmann, CDU/CSU-Bundestagsfraktionschef, Sascha Lobo, Autor und Blogger, Dr. Tankred Stöbe, Intensivmediziner und Prof. Mariam Klouche, Laborärztin.

Von Anfang an sah sich Ralph Brinkhaus bei Markus Lanz (ZDF) mit schweren Vorwürfen in Bezug auf das aktuelle Krisenmanagement der Bundesregierung konfrontiert und hatte bis zuletzt einen „harten Stand“, wie es Lanz ausdrückte. Insbesondere der Journalist Sascha Lobo warf ihm wiederholt vor, dass die Union zum jetzigen Zeitpunkt Probleme erkenne, die bereits in den letzten 15 Jahren hätten angegangen werden müssen. Darunter falle vor allem die mangelnde Digitalisierung des Landes und eine Verschlankung der Bürokratie und damit eine Anpassung des föderalistischen Systems.

Unter Beschluss war Brinkhaus bei Markus Lanz anfänglich wegen der Korruptionsvorwürfe gegenüber zwei seiner Parteimitglieder, Georg Nüsslein und Nikolas Löber, die sich erhebliche finanzielle Vorteile mit dem privaten Handel von Hygienemasken verschafft hätten. Um solche Szenarien in Zukunft zu vermeiden, dränge Brinkhaus nun auf die Verabschiedung eines strengeren Transparenzgesetzes. In den Augen von Sascha Lobo kämen solche Maßnahmen sehr spät und seien ein eindeutiger Hinweis für politisches Versagen.

Im Laufe des Abends fiel das Wort „versagen“ mehrfach und Brinkhaus störte sich zunehmen daran. Auch wenn Markus Lanz klarstellte, dass die Diskussion nicht darauf hinauslaufe, einzelne Menschen persönlich Fehlverhalten zu unterstellen, sah sich Brinkhaus verpflichtet, in die Verteidigungshaltung zu gehen. Für ihn stehe fest, dass die Hauptschwierigkeit im Umgang mit Corona darin bestehe, dass keine Erfahrungswerte bestünden, nach denen gehandelt werden könne. Entscheidungen müssten auf der Basis unsicherer und weniger Informationen getroffen werden und in Anbetracht der Lage, habe man es in Deutschland auch recht gut gemeistert.

Hier hakten sowohl Lobo, aber vor allem die beiden Mediziner in der Runde ein. Prof. Mariam Klouche bemängelte, dass der politische Apparat viele Prozesse schlichtweg verkompliziert und verlangsamt habe. Statt die Kompetenz an den Stellen zu belassen, die sich mit Expertise hätten hervortun können, seien seitens der Politik unnötige Verfahren zwischengeschaltet worden.

Ihr gab Dr. Tankred Stöbe bei Markus Lanz (ZDF) vollumfänglich recht. Betrachte man die Infektions- und Todeszahlen in Deutschland, stehe es überhaupt nicht besonders gut. Es sei unsinnig sich mit den Ländern zu vergleichen, denen es schlechter gehe, statt sich an denen zu messen, denen es eben besser gelungen sei, mit der Pandemie umzugehen. Europa stehe insgesamt schlecht da. Seiner Meinung nach stehe man vor einer dritten Welle und um das Ruder herumreißen zu können, brauche es jetzt vor allem eine gute Regierung, eine starke Regierung, die sich durch hohe Kompetenz, Transparenz und Glaubwürdigkeit auszeichne.

Dass die Politik nicht mutig sei, bemängelt auch Lobo. Gemeinsam mit Markus Lanz fühlte er Brinkhaus auf den Zahn, woran die deutsche Politik denn genau lahme. Nachdem Brinkhaus sich vehement gegen den Eindruck wehrte, in Deutschland sei alles nur „Schrott“ und den bemerkenswerten Einsatz vieler seiner Kollegen herausstellte, gab er zu, dass Deutschland ein gewisses systemisches Problem aufweise, das gerade in der Krise in vielerlei Hinsicht hemmend sei. Er setze sich für klare Zuständigkeiten, klare Verantwortlichkeiten und eine strenge Überwachung von klaren Zielsetzungen ein, sagte Brinkhaus.

Die aktuelle föderalistische Struktur habe zur Konsequenz, dass man viel zu langsam in den Entscheidungen und ihre Umsetzung sei. Dies sei in der Krise klar geworden, aber es betreffe viele andere Bereich der Verwaltung. Beispielsweise stehe längst Geld für eine breitere Digitalisierungskampagne bereit, doch sei dieses nicht zugesprochen und abgerufen worden, weil es an Kapazitäten fehle. Gemäß Brinkhaus brauche es eine Jahrhundertreform, eine regelrechte „Revolution“, die Mechanismen schaffe, um als Regierung schneller zu werden. Verantwortung muss zugeordnet und damit Entscheidungsabläufe optimiert werden.

In diesem Punkt waren sich die Anwesenden bei Markus Lanz (ZDF) weitgehend einig. Klouche stelle fest, dass die Prozesse aktuell zu zäh seien. Dafür führte sie das Beispiel des Meldewesens der Gesundheitsämter an. Bisher war dieses analog organisiert, für Corona habe man eine digitale Lösung gefunden, doch das betreffe alle anderen Krankheiten nicht. Statt die Pandemie als Anlass zu nehmen, um grundsätzlich etwas zu verbessern, bleibe man beim alten, umständlichen Weg, bemerkte sie resigniert. Stöbe bestätigte ebenfalls, dass er kein problemorientiertes Verhalten feststellen könne, sondern ein von Langsamkeit bestimmtes Handeln, das in der Krise jede Hilfemaßnahme behindere.

Als sich bei Markus Lanz (ZDF) schließlich die Frage über die Sinnhaftigkeit der in größerer Menge zu erwartenden Corona-Schnelltests stellte, mit der sich in Zukunft die Menschen selbst testen könnten, warnte Klouche eindringlich. Die Tests hätten den Vorteil, dass die Menschen das Gefühl bekämen, sich aktiv an der Bekämpfung der Pandemie beteiligen zu können, doch seien die Tests ausschließlich als Hinweise zu nehmen. Sie seien im Vergleich zu im Labor ausgewerteten und von Fachpersonal durchgeführten Tests, weit weniger zuverlässig.

Ein positiver Test, könne falsch positiv und ein negativer, falsch negativ sein. Ein Schnelltest sei nur ein Verdacht und müsse, egal bei welchem Resultat, von einem Arzt bestätigt werden. Diese Aussage relativierte im Grunde den Nutzen dieser Tests und auch die damit verbundene Hoffnung, damit ein effektives Mittel zur Eindämmung der Infektionen zur Hand zu haben.

Um den Talk bei Markus Lanz (ZDF) mit einem noch weniger optimistischeren Gefühl zu schließen, berichtete Stöbe von der Corona-Situation in Malawi, das zu einem der ärmsten Ländern in Afrika und der Welt gehört. Dort habe eine intensive zweite Welle die sehr junge Bevölkerung, die ein Durchschnittsalter von 17 Jahren aufweist, massiv gebeutelt. Die Toten wegen Corona seien durchschnittlich 30 Jahre alt und betreffe Menschen mit kaum Vorerkrankungen. Während in Malawi zwei Ärzte auf 10‘000 Menschen fallen, seien es in Deutschland 42 Ärzte, führte Stöbe zudem an. Damit unterstrich er die grundsätzlich privilegierte Lage in Deutschland, machte aber auch einmal mehr klar, wie unberechenbar der Virus in Verlauf, Symptomen und Mutationen sei.


Aus: "„Versagen“ in der Corona-Krise - Markus Lanz knöpft sich im ZDF die Bundesregierung vor" Teresa Vena (10.03.2021)
Quelle: https://www.fr.de/kultur/tv-kino/markus-lanz-zdf-corona-virus-krise-pandemie-moderator-talkshow-tv-brinkhaus-90235380.html

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Leon Grünwalder

Lanz und Lobo haben das übliche Politsprech gekonnt entlarvt und ausgehebelt.


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Gerhard Walter Kell

Die Sendung war ein Paradebeispiel dafür, wie guter Journalismus die oft so dürftige Argumentation von Politikern entlarvt. Und - natürlich wird ein Sascha Lobo nicht eingeladen, um zu schwafeln und um die Dinge herum zu reden. Brinkhaus hat versucht, Fehler schön zu reden und auf systemische Probleme mit der politischen und Verwaltungs - Struktur der Republik zu reduzieren, was natürlich Lobo mit provokativen Fragen gekontert hat. Unbestreitbar ist, dass in allen Regierungserklärungen zu Beginn der Legislaturen von Merkel eine schnelle Digitalisierung angekündigt wurde, aus der bis heute nichts wurde.
Die Selbstbeweihräucherung des Politikers wegen der "schnellen Reaktion" der CDU auf das Fehlverhalten der beiden Fraktionsmitglieder konnte auch so nicht stehen bleiben, obwohl die Implikation der bayrischen Amigos, die in Form von Hohlmeier und Tandler in der nächsten Generation weiter besteht, nur angerissen wurde. ...


...

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[...] Vor der Residenz des brasilianischen Präsidenten warten Dutzende Menschen auf ihr Idol. Sie jubeln, als Jair Bolsonaro aus dem Autos steigt. Weder er noch seine Bodyguards tragen Masken.

Auch viele seiner Fans halten das nicht für nötig. Stattdessen werden Hände geschüttelt und Selfies gemacht. Einige übermitteln Grüße aus ihren Heimatorten, man scherzt und lacht. Nichts deutet an diesem sonnigen Morgen in Brasília darauf hin, dass das Land gerade auf die kritischste Phase seit Beginn der Pandemie zusteuert. Experten warnen sogar vor einer verheerenden „Mega-Epidemie“ mit täglich mehr als 2000 Toten.

Entgegen der weltweiten Tendenz steigt in Brasilien derzeit die Zahl der Toten und erreicht neue Höchstwerte. Vor einigen Tagen wurde mit 1900 Toten ein neuer trauriger Rekord erreicht. Durchschnittlich sterben derzeit täglich 1225 Brasilianer an Covid-19. Die Situation ist damit schlimmer als je zuvor. Auch die Zahl der Infizierten steigt im globalen Vergleich überdurchschnittlich.

Seit Beginn der Pandemie hat Brasilien fast 265.000 Covid-19-Tote zu verzeichnen. Absolut gesehen hat das Land weltweit die zweithöchste Totenzahl nach den USA. Allerdings liegt die Todesrate pro einer Million Einwohner unter der vieler EU-Länder, etwa Belgien, Italien, Portugal und Spanien. Experten weisen jedoch darauf hin, dass viele arme Brasilianer sich nicht testen lassen und an Covid-19 sterben, ohne in die Statistik aufgenommen zu werden. Brasiliens Gesundheitssystem steht nun vor dem Kollaps

Landesweit melden Krankenhäuser, dass es keine Betten mehr auf den Intensivstationen gibt. Mancherorts wurden Wartelisten für schwere Covid-19-Fälle erstellt. Auffällig ist, dass die Patienten immer jünger und die Verläufe immer gravierender werden.

Es würden zunehmend schwere Fälle im Alter zwischen 30 und 50 Jahren eingeliefert, meldete der Gesundheitssekretär des Bundesstaats São Paulo, Jean Gorinchteyn. Seine Erklärung: Die Jüngeren seien zu risikofreudig. Viele hätten das Verbot des Karnevals ignoriert und private Partys veranstaltet. Die Quittung bekomme man jetzt. „Die jungen Leute glauben, sie würden nur ihren Geruchssinn verlieren“, sagte er. „Aber dann sterben sie.“

Wie gering in Brasilien die Chance auf das Überleben bei einem schweren Verlauf ist, zeigt eine Studie des brasilianischen Verbands für Intensivmedizin. Demnach sterben auf den Intensivstationen mehr als 60 Prozent der eingelieferten Covid-19-Patienten.

Ein weiterer Grund für die verschlechterte Situation ist die Manaus-Variante des Virus, auch P.1. genannt. Die Mutation tauchte erstmals in der Amazonasregion auf und führte dort zu dramatischen Zuständen, weil in den Krankenhäusern der klinische Sauerstoff ausging. Viele Menschen erstickten.

Die Mutante ist so gefährlich, weil sie ansteckender ist und Infizierte eine höhere Virenlast aufweisen als beim bisherigen Virus. Die Manaus-Variante unterlaufe außerdem das Immunsystem von mindestens 25 Prozent der Menschen, die schon einmal an Covid-19 erkrankt waren und immun sein müssten, wie das Institut für Tropenmedizin der Universität São Paulo ermittelt hat.

Man sollte meinen, dass Brasiliens Präsident in dieser Situation alles tut, um das Virus zu bekämpfen. Das Gegenteil ist der Fall. Seit Beginn der Pandemie sabotiert Jair Bolsonaro die Anstrengungen von Gouverneuren und Bürgermeistern, das Virus einzudämmen.

Erst kürzlich hat er seine Anhänger dazu aufgerufen, sich nicht an Lockdowns zu halten. Er fragte: „Warum soll man zu Hause bleiben und heulen?“ Vor Fans sagte er, dass die Toten „nur bestimmte Leute“ interessierten, die ihm schaden wollten.

Wöchentlich reist Bolsonaro durchs Land und begibt sich ohne Maske unter Leute. Es wirkt, als mache es ihm Spaß, zu provozieren. Zusätzlich verzögert er die Impfkampagne. Seine Regierung lehnte verschiedene Angebote zur Lieferung großer Mengen an Impfstoff ab. Stattdessen wurde viel Geld zum Kauf unwirksamer Medikamente verwendet, die Bolsonaro bis heute anpreist, etwa Cloroquin.

Vor einer Impfung warnt er hingegen, seine Regierung übernähme keine Verantwortung, wenn Männer danach mit hoher Stimme sprächen oder Frauen ein Bart wüchse. Jüngst hat Bolsonaro sogar ein Veto gegen die Anträge verschiedener Bundesstaaten auf eine Schnellzulassung ausländischer Impfstoffe eingelegt. Dabei fehlen in Brasilien Impfstoffe, verschiedene Städte mussten die Impfungen bereits aussetzen. ...


Aus: "Präsident Bolsonaro sabotiert den Kampf gegen Corona" Philipp Lichterbeck (09.03.2021)
Quelle: https://www.tagesspiegel.de/politik/brasilien-steuert-auf-mega-epidemie-zu-praesident-bolsonaro-sabotiert-den-kampf-gegen-corona/26985494.html

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Coronavirus Notizen (COVID-19-Pandemie)
« Reply #307 on: March 10, 2021, 01:49:05 PM »
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[...] Wien – Die Impfkampagne sowie die Schutzvorkehrungen in den Alten- und Pflegeheimen machen sich deutlich bemerkbar. Während in Wien zuletzt ein signifikanter Anstieg bei den Corona-Neuinfektionen festzustellen war, gibt es diese Entwicklung derzeit in den Heimen nicht. Das belegen Zahlen aus dem Gesundheitsressort der Stadt Wien, die dem STANDARD vorliegen.

So waren am 23. Jänner noch 437 Bewohnerinnen und Bewohner von Wiens Alten- und Pflegeheimen (APH) aktiv an Covid-19 erkrankt. Am Montag (8. März) gab es nur noch 39 aktive Fälle. Das ist ein Rückgang um mehr als 91 Prozent in nur eineinhalb Monaten. Die Durchimpfungsrate bei den Bewohnern beträgt laut Gesundheitsstadtrat Peter Hacker (SPÖ) rund 95 Prozent. Es fehlen nur noch wenige Zweitstiche; bis Mitte März soll in den Wiener APHs die Impfkampagne abgeschlossen sein.

Auch bei den aktiv infizierten Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern ist eine deutliche Abnahme festzustellen. Am 23. Jänner gab es 158 aktive Fälle, am Montag waren es nur noch 42. In beiden Bereichen konnte auch in den letzten Tagen und Wochen im Sieben-Tage-Schnitt tendenziell ein weiterer Rückgang registriert werden.

Dieser Trend hebt sich deutlich von der allgemeinen Fallzahlentwicklung in Wien ab: So nahm die Zahl der Neuinfektionen pro 100.000 Einwohner seit etwa Anfang Februar von einem Wert unter 100 zuletzt wieder auf eine Sieben-Tage-Inzidenz von mehr als 220 zu. Das lässt den Schluss zu, dass Impfungen und Schutzvorkehrungen wirken – und sich gleichzeitig positiv auf die Todesfallstatistik in den Alten- und Pflegeheimen auswirken.

Auch österreichweit setzt sich die Entwicklung in den Alten- und Pflegeheimen im März fort: Anfang des Monats waren noch genau 299 Bewohnerinnen und Bewohner aktiv infiziert. In nur zehn Tagen verringerte sich diese Zahl nach Angaben aus dem Gesundheitsministerium um die Hälfte auf 151 Personen.

Bei den Mitarbeitern in den APH österreichweit ist die Abnahme bei den aktiven Fällen nicht ganz so deutlich: Von 1. bis zum 10. März reduzierte sich diese von 235 auf 191 Personen.

Katharina Reich, Generaldirektorin für die Öffentliche Gesundheit im Gesundheitsministerium, nahm am Dienstag auf die Impferfolge in den Alten- und Pflegeheimen in Österreich Bezug und stellte in Aussicht, dass deswegen in Kürze auch etwas lockerere Besuchsregeln möglich seien. Diese forderte bereits Wiens Gesundheitsstadtrat Hacker im STANDARD-Interview.

Laut Dashboard des Gesundheitsministeriums wurden bis inklusive Dienstag 860.000 Impfungen in Österreich verabreicht. 608.000 Menschen, das sind 7,8 Prozent der impfbaren Bevölkerung über 16 Jahren, haben eine erste Dosis erhalten. 252.000 Personen bekamen zwei Stiche und gelten als immunisiert.

Von einer Entspannung durch die Impfung bei den älteren Personengruppen kann in Österreich außerhalb von Alten- und Pflegeheimen aber noch keine Rede sein: So erhielt im Alterssegment "85 plus" erst knapp die Hälfte zumindest die erste Impfung. Vollimmunisiert sind hier nur 14 Prozent der Männer und 19 Prozent der Frauen.

Im Altersbereich zwischen 75 und 85 Jahren erhielten erst rund 19 Prozent der impfbaren Personen einen Erststich. Bei der Vollimmunisierung ist man bei den 75- bis 85-Jährigen erst bei knapp sechs Prozent unterwegs.

Positivere Nachrichten als erwartet gibt es derzeit bei der Belegung der Intensivbetten in Österreich. Am Mittwoch benötigten 315 Patienten intensivmedizinische Betreuung, das waren um nur zwei Personen mehr als vor sieben Tagen. Im Vergleich zum Wert vom Dienstag bedeutete das einen Rückgang um 23 Personen. Einen Anstieg gibt es bei den Infizierten in Spitalsbehandlung: Hier stieg die Zahl im Wochenvergleich um 13 Prozent auf 1.605 Personen.

Innerhalb von 24 Stunden wurden 2.528 neue Fälle registriert, die Sieben-Tage-Inzidenz stieg auf 186 an. Allerdings hatte das Covid-Prognose-Konsortium vergangene Woche für 10. März noch mit einem Anstieg auf 228 gerechnet. (David Krutzler, 10.3.2021)


Aus: "Corona-Fälle in Wiens Altenheimen um 91 Prozent zurückgegangen" David Krutzler (10. März 2021)
Quelle: https://www.derstandard.at/story/2000124780196/corona-faelle-in-wiens-altenheimen-um-91-prozent-zurueckgegangen

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mightypirate

Mein Kopf kann gute Nachrichten zu Corona nicht mehr verarbeiten
Wo ist da die Panikmache?


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What would Rambo do?

Schlechte Nachrichten für die Covid Paniker Lockdown4ever und die Aluhut Impfgegner Fraktion zugleich ...


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Coronavirus Notizen (COVID-19-Pandemie)
« Reply #308 on: March 10, 2021, 02:00:41 PM »
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[...] Christina von Dreien weiß Bescheid, was Impfungen gegen Corona betrifft: "Die Impfung ist ein Menschenexperiment und sie greift in die DNA ein." Die mittlerweile 19-jährige Schweizerin tingelt seit Jahren als melancholische-naive und feinstoff-schlaue Esoterik-Lolita durch diverse Aluhut-Kanäle und bekämpft das "Unlicht". Der Kampf scheint gemütlich zu sein, denn von Dreien bekämpft das Finstere fast ausschließlich vom Sofa aus. Zumindest lassen die unzähligen Retreats mit der jungen Dame, die auf Youtube dokumentiert sind, keinen anderen Schluss zu. Aber das ist nicht unser Problem. Sollte die Impfung gar nicht vermieden werden können, so empfiehlt die Aluhut-Göre: "Dann kann man der geistigen Welt sagen, dass sie all die schädlichen Dinge im Impfstoff neutralisiert."

Ausschnitt aus LoveStream Nr 01 vom 19 01 2021 Live aus dem PLANeT ONE
https://youtu.be/SxdyZonOHKk

Die Anweisungen sind detailliert, der Kontakt zur "geistigen Welt" müsse aufgenommen werden, "bevor man die Impfung bekommt." Nach der Impfung indes ist der Käse noch nicht gegessen. Dann gehe es darum, feinstoffliche Ausdauer zu beweisen, von Dreien empfiehlt dem vermeintlichen Impfopfer, zu imaginieren, "dass die DNA ganz ist." Das klingt plausibel. In Österreich ist der Kontakt zur geistigen Welt auf der Webseite "Österreich impft" leider noch nicht angeführt.

Bitter wird es, wenn man diese Tricks der Expertin nicht bedenkt oder keinen Zugang zu den wertvollen Informationen hat! Denn dann droht ob der Impfungen: der Genozid.

Vor dem warnt Professor Stefan Hockertz. Bei seinem Alert zum Genozid ob der tödlichen Impfungen beruft sich der Professor auf valide Quellen: Auf "Malaikas"-Twitter-Account zum Beispiel. Der Toxikologe Hockertz ist einer derjenigen, die sich mit großem Engagement für den Mumpitz einsetzen, dass der Coronavirus eh nur eine bessere Grippe ist. Hockertz hat auch ein Buch geschrieben: "Generation Maske". Es ist im Kopp-Verlag erschienen, der ersten Adresse für jenes klandestine Wissen, das der Masse von der Elite vorenthalten wird.

Dass Impfungen eine Spaßbremse sind für Seuchenfreunde, die einen tieferen Sinn in Krankheiten erkennen können, davon ist wiederum eine Autorin der oberösterreichischen Intelligenzplattform "Wochenblick" überzeugt. Das Periodikum lässt Alina Adair zum Thema Impfung philosophieren: "Impfgegner bezweifeln den Sinn von Impfungen, da Impfungen auf der Annahme beruhen, dass Krankheiten keinen Sinn machen." Erst weiter unten im Text erfahren wir, dass der Aufsatz in der Postille als Hommage an den Universaldilettanten Rudolf Steiner gedacht ist. Der Begründer der "Anthroposophie" verkündete vor gut 100 Jahren, dass man "gegen das Karma nicht heilen" könne. Andersrum gesagt: Wer krank ist, ist selber schuld. Davon sind zumindest allerlei anthroposophische Juxmediziner überzeugt, die auch in Österreich ihre Dienste anbieten. Wenigstens von einer rechten Illustrierten werden sie ernstgenommen.

Leider lässt der Aufsatz Adairs im "Wochenblick" offen, ob ein gegen den Wind aus dem Bauch-Chakra gechantetes Ohm ein adäquater Impfersatz ist. Ganz am Puls der Zeit scheint der "Wochenblick indes, was den neuesten heißen Scheiß in Sachen Impfstoffentwicklung betrifft. Wir lesen in dem Blatt: "Die WHO träumt von Impfungen gegen Masern, Mumps, Röteln usw." Und wir sind gespannt, wie die Träumereien der weltfremden Schulimpfmediziner ausgehen werden. Stehen die Entwickler von Vakzinen gegen Masern, Mumps und Röteln gar schon schon in den Startlöchern? Oder andersrum: Ist Christina von Dreien rechtzeitig am Damm, um die geistige Welt schon mal vorzubereiten auf allerlei energetische Aufräumarbeiten, wenn uns einst Teufelszeug gegen Masern, Mumps und Röteln gespritzt wird? (Christian Kreil, 10.3.2021)

Christian Kreil bloggt seit drei Jahren rund um Esoterik, Verschwörungsplauderei und Pseudomedizin. Soeben erschien sein Buch "Fakemedizin".



Aus: "Stiftung Gurutest: Die geistige Welt, der Kopp-Verlag und der "Wochenblick" helfen, wenn geimpft wird" (10. März 2021)
Quelle: https://www.derstandard.at/story/2000124588024/die-geistige-welt-der-kopp-verlag-und-der-wochenblick-helfen

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Stagger83

Dieser Artikel ist so herablassend geschrieben, dass er genauso gut von einem pubertierenden Außenseiter geschrieben, der sich über die Mobber seiner Klasse aufregt.

Wenn schon ein Artikel, dann objektiv und ohne Beschimpfungen.


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Christian Kreil

Ich nehme die Kritik ernst. Mir ist bewusst, dass meine Terminologie nicht ins Lehrbuch des achtsamen Dialogs aufgenommen wird.
Warum ich dennoch zu Pejorismen greife: Ich tue das bei Personen, die objektiv gesehen mit ihrem Unsinn auf die Butterseite des Lebens gefallen sind. Personen. die Geld mit der Verunsicherung von Menschen machen. CvD gehört da definitiv dazu.
Mit Scharlatanen darf und soll man schon mal härter ins Gericht gehen, denke ich.


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koradora

Rudolf Steiner war tatsächlich ein großer Fan der Pockenimpfung. Dazu gibt es Texte, die gerade in der antroposophischen Szene weit verbreitet werden, z.B. auch in großen antroposophischen Zeitschriften. Immer ein bisserl blöd, alles über einen Haufen zu werfen.


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Lord of the waves

Wurde letzte Woche mit dem Bill Gates Impfstoff geimpft und werde nun von ihm persönlich ferngesteuert,
nur wenn der Nanochip abstürzt und es kurz blau vor meinen Augen wird, solange das Reboot dauert, kann ich schnell was posten...


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Coronavirus Notizen (COVID-19-Pandemie)
« Reply #309 on: March 10, 2021, 02:08:55 PM »
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[...] Dreizehneinhalb Monate nach dem ersten Abriegeln chinesischer Städte greift auch die österreichische Staatsführung zu dieser Maßnahme, um die Corona-Pandemie einzudämmen. Mit solchen "chirurgischen Eingriffen" will die Regierung der Alpenrepublik den Ausführungen ihres grünen Gesundheitsministers Rudolf Anschober nach das Verhängen neuer strenger Lockdown-Maßnahmen für das ganze Land vermeiden.

Nachdem der Inzidenzwert in Wiener Neustadt, einer 50.000-Einwohner-Ortschaft in Niederösterreich, auf 563 stieg, dürfen die Stadt ab Morgen nur noch Personen verlassen, die einen entweder einen höchstens 48 Stunden alten negativen Coronatest Antigen- oder PCR-Test oder eine ärztliche Bescheinigung über eine maximal sechs Monate zurückliegende und vollständig überstandene Infektion vorzeigen können. Ein Impfzertifikat reicht nicht aus.

Von Mittwoch bis Freitag soll die Polizei mit Unterstützung von 300 Bundesheersoldaten Personen, die das nicht vorweisen können, lediglich zurückschicken. Ab Samstag werden dann auch Bußgelder verhängt. Klaus Schneeberger, der Bürgermeister von Wiener Neustadt, zeigte im ORF Zweifel, ob die Testkapazitäten bis dahin von den bestehenden 2.000 auf die erforderlichen 15.000 täglich erhöht werden können. Personen "zu kontrollieren, die gar nicht die Möglichkeit haben, einen Test zu erlangen", hält er für "unverantwortlich".

Ähnlich abgeriegelt wie Wiener Neustadt ist bereits seit Freitag der Bezirk Pongau im Salzburger Land (der deinen Inzidenzwert von 486,5 hatte), und seit heute Mitternacht der Kärntner Bezirk Hermagor (in dem die Sieben-Tages-Inzidenz bei 592,7 liegt). Hier kontrolliert die Polizei die Bundesstraßen B87, B110 und B111, die Landstraßen L27, L33 und L36 sowie die Bahnverbindung mit dem Villacher Land.

Die Bürger wurden vorher über die Kontrollpunkte informiert, damit sie die erforderlichen Papiere bereithalten. So sollen größere Staus vermieden werden. Trotzdem rät man ihnen, "Verzögerungen bei der Fahrzeit vorab einzuplanen". Ohne Zertifikat wird hier nur durchgelassen, wer glaubhaft geltend machen kann, dass er die Straßen lediglich zur Durchreise benutzt und im abgesperrten Bezirk nicht länger als zum Wasserlassen anhalten will.

Die Kontrollen sollen noch mindestens bis zum 18. März dauern. Bis dahin soll der Inzidenzwert in Hermangor unter 200 gesunken sein. Am selben Tag wird sich der Gesundheitsausschuss des österreichischen Nationalrats mit Anschobers Epidemiegesetzpaket befassen, zu dem die Begutachtungsfrist heute Mittag ablief. Der grüne Gesundheitsministers versicherte, er werde die dazu eingegangenen Stellungnahmen "ernst nehmen […] und selbstverständlich begründete Änderungsvorschläge oder Ergänzungen berücksichtigen".

Vorher hatte Beate Meinl-Reisinger, die Parteichefin der liberalen Neos, von einem "ungeheuerlichen Angriff auf die Grund- und Freiheitsrechte" gesprochen. Außerdem sei das Gesetzespaket ein indirektes "Eingeständnis, dass viele der bisherigen Verordnungen des Gesundheitsministers rechtswidrig waren" - zum Beispiel das Verhängen von Ausgangssperren, "obwohl nicht der Zusammenbruch des Gesundheitssystems droht".

Ob die Zahl der Positivtests im Frühjahr wie erhofft zurückgeht ist noch unklar, und hängt von mehreren Faktoren ab. Einer aktuell in den Proceedings of the National Academy of Sciences veröffentlichten Studie unter der Leitung von Forschern der Technischen Universität München (TUM) und des überwiegend von der deutschen Staatsführung finanzierten Helmholtz-Zentrums nach müssen mildere Temperaturen im Frühjahr nicht zwangsläufig für eine Entspannung der Lage sorgen:

Mit den steigenden Temperaturen fliegen nämlich auch die Pollen von Pflanzen - und wenn deren Zahl um 100 in einem Kubikmeter Luft zunimmt, nimmt die Infektionsrate der Studie nach zu: In Gegenden ohne Lockdown um durchschnittlich vier Prozent, und in Gegenden mit Lockdown um durchschnittlich zwei. Bei einer Zunahme um 500 Pollen pro Kubikmeter wurden Steigerungen um mehr als 20 Prozent (ohne Lockdown) beziehungsweise zehn Prozent (mit Lockdown) festgestellt.

Dem Einwand, dass das eine bloße Korrelation sein könnte, halten die Forscher eine mögliche Kausalität entgegen: Ihren Ausführungen nach produziert der menschliche Körper bei zunehmender Pollenkonzentration in der Luft weniger antivirale Interferone, die potenziell vor einer Ansteckung schützen. (Peter Mühlbauer)


Aus: "Corona: Österreich riegelt erstmals ganze Stadt ab" Peter Mühlbauer (09. März 2021)
Quelle: https://www.heise.de/tp/features/Corona-Oesterreich-riegelt-erstmals-ganze-Stadt-ab-5075629.html


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Coronavirus Notizen (COVID-19-Pandemie)
« Reply #310 on: March 17, 2021, 02:57:37 PM »
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[...] Sonja Schuhmacher sagt: "Das naturwissenschaftliche Denken, das die Natur zerlegt, ist eine Wurzel unserer Probleme. Es wird ja überall gerechnet. Das Atomgewicht, die Blutwerte, die Knochendichte. Es wird versucht, die Natur mit wissenschaftlichen Mitteln in die Knie zu zwingen."

Dieses Denken stehe auch hinter der mRNA-Corona-Impfung, sagt Schuhmacher: Der Mensch sei verbesserungswürdig. Sein Immunsystem sei nicht genug. Der Technokratie gehe es darum, den Menschen zu verbessern und die Unvollkommenheit auszurotten.

Sonja Schuhmachers Denken, die Idealisierung der Natur, die Betonung ganzheitlichen Denkens, Zivilisationskritik – all das ist unter den Demonstranten gegen die Corona-Maßnahmen weit verbreitet. Und es ist ein Schlüssel zum Verständnis der Bewegung. Forscher fanden lange vor der Corona-Krise heraus, dass es einen starken Zusammenhang zwischen der Ablehnung von Impfungen und der Befürwortung von Spiritualität und alternativer Heilmethoden gibt – ebenso einen Zusammenhang zwischen geringer Impfbereitschaft und magischem Denken. [2018 Feb 21;36(9):1227-1234.
doi: 10.1016/j.vaccine.2017.12.068. Epub 2018 Feb 1. Anti-vaccination and pro-CAM attitudes both reflect magical beliefs about health Gabrielle M Bryden  1 , Matthew Browne  2 , Matthew Rockloff  1 , Carolyn Unsworth  1 https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/29395527/]

Forscher der Uni Basel haben Endes des letzten Jahres die Demographie der Querdenker erforscht. Sie werteten 1.150 Fragebögen aus, die sie in Telegram-Gruppen verteilt hatten. Die Studie ist nicht repräsentativ, in einigen Gruppen warnten Nutzer, an ihr teilzunehmen, und vermutlich wollten die, die es dennoch taten, die Bewegung in einem guten Licht darstellen, und doch liefert die Arbeit der Forscher einen Einblick ins Weltbild der Demonstranten, die alte Gewissheiten erschüttern könnten.

Die Befragten sind gebildet, es sind nur wenig Junge darunter, mehr Frauen als Männer, 25 Prozent sind selbstständig, weit mehr als im Durchschnitt der Bevölkerung. Und für 50 Prozent der Befragten waren die Corona-Proteste die ersten Demos ihres Lebens.

Die Befragten sind weder besonders islamfeindlich noch rassistisch. Sie verharmlosen den Nationalsozialismus seltener als die Gesamtbevölkerung, nur wenige leugnen den Klimawandel. Viele der Befragten verstehen sich als politisch links. Bei der letzten Bundestagswahl wählten 23 Prozent die Grünen, 18 Prozent die Linken, 15 Prozent die AfD. Heute würde fast niemand von ihnen mehr grün wählen, nur noch wenige die Linke, 18 Prozent die Querdenker-Kleinpartei Die Basis, und: 27 Prozent die AfD.

Die Forscher schreiben: "Mit Blick auf die Wahlabsichten lässt sich sagen, dass es sich um eine Bewegung handelt, die eher von links kommt, aber stärker nach rechts geht."

Der Soziologe Robert Schäfer, der die Studie zusammen mit Nadine Frei und Oliver Nachtwey durchgeführt hat, interviewte danach einige Demonstranten. Er sagt: "Teilweise sind die Leute in den Interviews selber erschrocken. Sie sagten mir: 'Ich habe immer links gewählt und plötzlich sympathisiere ich mit einer rechten Partei. Die sind mittlerweile die einzigen, die der Regierung kritisch gegenüberstehen.'"

Über 60 Prozent der Befragten finden, dass die natürlichen Selbstheilungskräfte stark genug seien, um das Virus zu bekämpfen, und dass mehr ganzheitliches Denken der Gesellschaft guttun würde. Sie sind auch dafür, Alternativmedizin mit der Schulmedizin gleichzustellen. Und: Ihrer Meinung nach zeigt die Krise, wie weit wir uns von der Natur entfernt haben.

Die Yogalehrerinnen, Gandhi-Verehrer, Anthroposophen, Heilpraktikerinnen und Impfgegner, die im vergangenen Jahr in Berlin tanzten, sind, so schreibt der Kinderarzt Herbert Renz-Polster, Bewohner eines "sanften Planeten". Renz-Polster schreibt Bücher über antiautoritäre Kindererziehung, die in den Regalen vieler Demonstranten stehen. Er ist besorgt darüber, wie viele esoterische Grüne in seiner Umgebung in die Querdenkerszene gerutscht sind. Renz-Polster hat sich schon mit der Querdenker-Ikone Bodo Schiffmann angelegt. Er veröffentlicht Broschüren, die das Coronavirus in verständlicher Sprache erklären. Er nimmt das alles persönlich.

Auf seinem Blog veröffentlichte Renz-Polster Ende des letzten Jahres eine Analyse über das Weltbild dieser Demonstranten. Es ist eine Erzählung der Verbindung und Hoffnung: "Das Universum ist gut, die Natur ist gut – wenn wir mit ihr Verbindung halten, wie sollte sie uns schädigen wollen? Wie sollte dieses Virus denn diejenigen treffen, die 'natürlich' leben – die sich zum Beispiel seelisch und körperlich gesund halten?"

Dieses Denken ist auf Demos omnipräsent. Am Valentinstag feierten Querdenker in Hannover den "Tag der Liebe". Im vergangenen Herbst versuchten Demonstranten, einander an den Händen fassend eine Menschenkette um den Bodensee zu spannen.

Eine Variante des esoterischen Querdenkers ist der Herzmensch. Ein typisches Beispiel dafür ist Nana Domena. Der Moderator aus Köln tritt bei Demos häufig als Anheizer auf der Bühne auf. Auf seinem Telegram-Account nennt er sich "Herzens-Connecter der Bewegung". Ein Bild auf Telegram zeigt ihn mit einem Schild: "Wie wär’s mit dem Ausbruch des Weltfriedens? Menschheitsfamilie". Seine Mission: Den Menschen mit guter Laune Kraft geben.

"Gute Laune" ist eine magische Formel für Querdenker. Immer wieder hört man: Wir dürfen uns nicht von der Angst bestimmen lassen. Dem Soziologen Robert Schäfer ist dieses Denken in seinen Interviews häufig begegnet. Eine typisch esoterische Antwort auf seine Einstiegsfrage "Was stört Sie an den Maßnahmen?": Social Distancing verunmögliche spontane Interaktion, Umarmungen, Berührungen. Berührungen aber seien ein Weg zum Frieden und Liebe zwischen den Menschen, fundamental wichtig für eine menschliche Gemeinschaft.

Deswegen ist die Maske so ein Hasssymbol der Querdenker. Für sie ist sie eine Mauer zwischen den Menschen. Kinder könnten die Mimik nicht mehr erkennen. Sie lernen, dass andere Menschen gefährlich sind, dass sie selbst gefährlich sind. Sie entwickeln Angst vor den Menschen. In einem ganzheitlichen Denken aber, das nicht zwischen Geist und Materie, zwischen Sein und Bewusstsein unterscheidet, macht Angst krank. Und positives Denken gesund.

Das Denken mit dem Herzen hat zwei Dimensionen: Einerseits wirkt es nach außen und dient der Verbindung der Menschen miteinander. Und andererseits wirkt es nach innen. In unübersichtlichen Zeiten, in denen immer mehr Menschen mit Entscheidungen überfordert sind, sagt das Herzmenschentum: Hört auf euer Herz und die innere Weisheit eures Körpers. Es ist politische Intuition, Medienintuition und Gesundheitsintuition in einem. Heraus kommen Hygienedemos.

In diesem Weltbild ist das Virus ungefährlich – der Umgang damit aber nicht. Herbert Renz-Polster schreibt, wie er bei den esoterischen Corona-Skeptikern immer wieder einem Bestrafungsmythos begegne: "Dieses Virus bestraft in Wirklichkeit doch nur diejenigen, die ihr Leben falsch leben und sich dadurch selbst schwächen: die zu dick sind, die sich gehen lassen, sich falsch ernähren oder sich mit Antibiotika und Impfungen vollpumpen. Die also nicht gut auf sich aufpassen. Kurz: Wenn diese Pandemie jemanden trifft, dann diejenigen, die gegen die natürliche Ordnung verstoßen."

Wenn man über Esoterik in Deutschland recherchiert, stößt man früher oder später auf den Namen Rudolf Steiner. Seine Anthroposophie, die sich aus der okkulten Szene des Kaiserreichs entwickelt hat, ist mittlerweile eine der erfolgreichsten esoterischen Bewegungen Europas geworden. Steiner ist der Begründer der Waldorfschulen, deren Ziel die "Erziehung zur Freiheit" ist. Knapp 90.000 Schülerinnen und Schüler gehen in Deutschland auf Waldorfschulen. Den Unterricht beginnen Grundschüler seit 100 Jahren mit den Zeilen: "Der Sonne liebes Licht, es hellet mir den Tag. Der Seele Geistesmacht, Sie gibt den Gliedern Kraft."

Überall im Land, besonders im Südwesten, streiten Waldorfschulen intern und öffentlich darüber, wie gefährlich das Coronavirus ist. In Überlingen am Bodensee organisiert der ehemalige Schulleiter einer Waldorfschule seit dem Frühjahr Demonstrationen gegen die Corona-Maßnahmen. An einer Waldorfschule im badischen Müllheim weigere sich ein Viertel des Lehrerkollegiums, Masken zu tragen, berichtete jüngst der Spiegel. Anderswo an Schulen ist das Virus zum Prüffall für Digitalisierungsprozesse geworden. An Waldorfschulen ist es Prüffall für eine Weltanschauung geworden.

Das zeigt sich exemplarisch an einem Vorfall, der ganz im Süden der Republik spielt, in Schopfheim, einem Schwarzwaldstädtchen im sogenannten Dreiländereck. Frankreich ist nah, die Schweiz noch näher, hinter dem Schulhof erheben sich die Schwarzwaldhügel. "Freie Waldorfschule", so steht es in einen Stein gemeißelt am eingeschneiten Schulgebäude. Die schuleigenen Hühner haben sich in ihren Stall zurückgezogen, im Gewächshaus zieht Wintergemüse, vom Himmel rieselt es weiter. Ein Idyll.

"Also, in den letzten Wochen war es hier ziemlich unidyllisch", sagt Freia Arncken.

Arncken ist Schülerin an dieser Schule, eine höfliche junge Frau mit blonden Haaren, sie geht in die 13. Klasse. Eigentlich sollte sie zu Hause für das Zentralabitur lernen, stattdessen steht sie hier, Anfang Februar, in einem dicken Mantel – und soll die Frage beantworten, was da eigentlich los ist an ihrer Schule. Wieder mal.

Grob gesagt gibt es im Streit an der Freien Waldorfschule Schopfheim zwei Lager. Da stehen auf der einen Seite ein Teil der aktiven und ehemaligen Lehrerschaft, einige Eltern und weitere Personen aus dem Umfeld der Schule. Dieses Lager hält wenig bis gar nichts von den Corona-Bestimmungen der Bundesregierung, lehnt die Maskenpflicht ab und vertritt diese Positionen seit einem knappen Jahr bei sogenannten Corona-Mahnwachen auf dem Schopfheimer Marktplatz.

Das andere Lager distanziert sich von diesen Mahnwachen. Die Schulleitung der Waldorfschule zum Beispiel. Einige besorgte Eltern haben sich an die Badische Zeitung gewandt und klagen darin über rund 30 bis 40 Schülerinnen und Schüler, die per Attest von der Maskenpflicht befreit seien und damit, als die Schule noch offen war, zur Gefahr für alle anderen geworden seien. Und dann sind da noch die Schülerinnen und Schüler aus der Oberstufe. Freia Arncken zum Beispiel.

Als vor einem Jahr bekannt geworden sei, dass ein Virus um die Welt gehe, sagt Arncken, habe sie sich zunächst an die Schweinegrippe erinnert gefühlt. "Ich hatte das Gefühl, dass wir panisch reagieren." Dann habe sie sich eingelesen, Experten gehört und beschlossen: "Wenn führende Virologen größtenteils einhellig vor dieser Krankheit warnen, dann muss ich Vertrauen haben." Vertrauen in deren Sachverständnis, Vertrauen in die Maßnahmen der Regierung.

Bei YouTube sieht sie Lehrerinnen ihrer Schule, aktive und ehemalige, die auf dem Marktplatz einen Corona-Untersuchungsausschuss fordern, die das "Edle, Wahre und Gute" beschwören, das in der Welt der Masken keinen Platz mehr habe.

Im Dezember liest Arncken einen offenen Brief, den eine ehemalige Lehrerin ihrer Schule und aktuelle Begleiterin eines Waldorf-Kinds an Schulleitung und Lehrerkollegen adressiert und über Telegram-Kanäle verbreitet hat. Arncken stutzt. "Damals waren es die Juden, die Kommunisten, die Schwulen, die behinderten Menschen und es fing genauso an", liest sie. "Diesmal sind es die Kritiker, die Maskenlosen, die Impfverweigerer."

Freie Arncken habe kurz zuvor ein Referat über die Weiße Rose gehalten, erzählt sie. Für sie verharmlosen die Worte der Lehrerin den Holocaust. Da habe sie begriffen: "Dagegen muss ich was machen."

Ihre Antwort auf den Brief der Pädagogin schreibt Arncken an einem Nachmittag. Zusammen mit ihren Klassenkameraden feilt sie noch an Begriffen, dann sammeln sie Unterschriften und verbreiten den Brief an der Schule. Darin heißt es: "Wir positionieren uns gegen respektlose und faktisch falsche Vergleiche der Corona-Politik mit dem NS-Terrorregime von 1933-45. Wir fordern mehr Weitsicht im Umgang mit schwerwiegenden Begriffen. Wir fordern akribisches Prüfen von Fakten." Am Ende sind es 80 Schülerinnen und Schüler, die ihren Brief unterschreiben.

Es ist nicht einfach, Anthroposophie in eine Definition zu packen. Steiners Gesamtausgabe umfasst mehr als 360 Bände. Sein Denkgebäude hat den Anspruch, die ganze Welt erklären zu können. Es bedient sich der Farbenlehre Goethes, an Elementen aus Hinduismus und Buddhismus, christlicher Mystik, Erkenntnissen der Naturwissenschaften. Rudolf Steiner war davon überzeugt, hellsehen zu können. Er glaubte, Einsicht in eine höhere Welt erlangt zu haben, eine übersinnliche Welt, aus der wir kommen und in die wir gehen, bevor wir wieder auf die Erde zurückkehren. Wiedergeburt.

Nach dem Ersten Weltkrieg leitete Steiner aus seiner Weltanschauung konkrete Praktiken ab. Das Waldorf-Schulsystem, Demeter-Bauernhöfe mit biodynamischer Landwirtschaft, die anthroposophische Medizin, Kosmetikfirmen, den Ausdruckstanz Eurythmie, ein eigenes Bankensystem, die goetheanische Architektur. Die Schopfheimer Waldorfschule, errichtet nach Steiners Ideen, kommt ohne 90-Grad-Winkel aus.

Echte Vollanthroposophen, die sich Steiners Ideen vollumfänglich zu eigen machen, gibt es auch im Waldorf-Umfeld eher wenige. Der Normalfall ist das, was Experten "Anwendungs-" oder "Teilanthroposophen" nennen. Menschen, die nicht zwingend an Wiedergeburt glauben, dafür aber gerne Demeter-Tomaten kaufen und ihre Kinder auf Waldorfschulen schicken.

Helmut Zander ist Steiner-Biograf, Professor für Religionswissenschaften an der Université de Fribourg in der Schweiz und Autor des Grundlagenwerks Die Anthroposophie. Rudolf Steiners Ideen zwischen Esoterik, Weleda, Demeter und Waldorfpädagogik. Der Riss, der durch die Waldorf-Bewegung heute gehe, sagt Zander, verlaufe zwischen jenen, die den esoterischen Steiner in der Pädagogik haben wollen, und jenen, die Esoterik und Pädagogik trennen wollen. Etwas plastischer könnte man sagen: Der Riss verläuft zwischen Voll- und Teilanthroposophen.

Zwei zentrale Elemente im Werk Steiners hat Zander ausgemacht, die Vollanthroposophen heute auf die Marktplätze der Republik treibe. Das erste sei Steiners Verhältnis zum Impfen. Der schrieb: "Die Seele wird man abschaffen durch ein Arzneimittel. Man wird (…) einen Impfstoff finden, durch den der Organismus so bearbeitet wird (…), dass dieser menschliche Leib nicht zu dem Gedanken kommt: Es gibt eine Seele und einen Geist." Impfen als Seelenmord. Eine Krankheit, davon war Steiner überzeugt, gelte es durchzustehen, daran wachse der Mensch.

Das zweite Element, so Zander, sei die tief in Steiners Werk verankerte Überzeugung, dass es geheime Gesellschaften gebe, die im Hintergrund die Fäden in der Hand halten. "Steiner sprach noch vor dem ersten Weltkrieg von Freimaurern und geheimen Verbünden, die es auf Deutschland abgesehen hätten", sagt Zander. Ihn wundere es daher kaum, wenn anthroposophische Querdenker heute Strippenzieher hinter den Kulissen vermuteten. "Die Überzeugung eines höheren Wissens führt bei vielen Anthroposophen dazu, dass sie leicht der Überzeugung sind, gegen jedwede Mehrheit Recht zu haben."

Die Pädagogin, die an der Schopfheimer Waldorfschule den offenen Brief geschrieben hat, überlegt lange, ob sie in diesem Artikel äußern möchte, entscheidet sich schließlich dagegen. Menschen, die sie kennen, sagen, dass sie sich ernsthaft um die Zukunft der Waldorfschulen sorge. Auf ihrer Website, inzwischen abgeschaltet, bot die ehemalige Lehrerin Familienberatungen an, Coachings zu "heilender Erziehung", Unterrichtsbegleitung für Schülerinnen und Schüler sowie Unterrichtsbesprechungen für aktive Lehrer, unter anderem mit Blick auf die Themen "Kinderbetrachtung und menschenkundliche Grundlagenarbeit". Gerade die anthroposophische Menschenkunde nach Rudolf Steiner sei dabei ihre "innere Basis und Richtschnur".

Steiner-Experte Helmut Zander sagt, es seien oft solche Vollanthroposophen, die mit allen Mitteln für ihre Weltanschauung einstehen möchten. "Darum ist der Einfluss der Steiner-Anhänger, obwohl deutlich in der Minderheit, auch bis heute so groß an den Waldorfschulen."

Freia Arncken erzählt, wie sie nach ihrem Brief den Kontakt zur Pädagogin gesucht habe. Die beiden haben lange telefoniert und sich Nachrichten bei Telegram geschrieben. Arncken sagt, dass ihr Verständnis für die andere Seite dadurch gewachsen sei.

"Ich glaube, die Menschen suchen gerade alle nach Sicherheit. Manche wollen sich so schnell es geht impfen lassen, andere gehen nicht mehr ohne Maske aus dem Haus und wieder andere verdrehen die Tatsachen so lange, bis die Welt wieder zu ihrem Weltbild passt." Gerade weil sie jünger sei, sagt Arncken, fiele es ihr vermutlich leichter, Unsicherheiten auszuhalten.

Vielleicht bringt die Pandemie nicht nur zum Vorschein, wie einflussreich anthroposophisches und esoterisches Denken in Deutschland ist. Vielleicht verstärkt sie dieses Denken auch. Ein Kleinverlag brachte jedenfalls im März 2020 ein neues Buch von Rudolf Steiner heraus: Zum Corona-Rätsel. Ein Beitrag der Geisteswissenschaft. Es enthält einen Vortrag Steiners, den er 1920, fünf Jahre vor seinem Tod hielt, unter neuem Titel. Mittlerweile ist das Buch in der 13. Auflage erschienen.

Im Winter war es erstaunlich ruhig um die Querdenker und Gegner der Corona-Maßnahmen geworden. Viele lokale Querdenker-Gruppen trafen sich zu wöchentlichen Autokorsos. Michael Ballweg, der Gründer der Querdenker-Bewegung, hatte Ende Januar in einer Videobotschaft dazu aufgerufen. Das Kalkül war wohl: Wenige Menschen sehen in Autos beeindruckender aus als zu Fuß. Aber: Aus Autos kann man keine interessanten Livestreams zeigen, die im Sommer Zehntausende Zuschauer erreichten.

"Ein Stau in Stuttgart ist keine Schlagzeile", sagt Josef Holnburger.

Holnburger ist einer der besten Kenner der Querdenker. Als Politikwissenschaftler und Datenanalyst beschäftigt er sich mit der sich schnell wandelnden Welt der Corona-Proteste in den sozialen Medien. Eigentlich möchte der 31-Jährige noch sein Politikstudium beenden, aber es ist ein Fulltime-Job, zu verfolgen, wann aus dem dauernden Hintergrundrauschen auf Telegram der nächste große Protest entsteht.

Holnburger hat beobachtet, dass der wichtigste Telegramkanal der Querdenker seit Mitte September kaum neue Mitglieder dazugewonnen hat. Holnburger meint: "Es brodelt unter der Oberfläche."

Aus dem ewigen Geblubber der Telegramchannel, in denen teilweise Tausende Nachrichten täglich durchlaufen, schafft es ein Thema immer wieder an die Oberfläche: die Corona-Impfung. Mitte Februar zum Beispiel veröffentlichte Reiner Fuellmich, ein Rechtsanwalt und Szene-Bekanntheit, ein Video, in dem er davon erzählte, dass eine Corona-Impfung 25 Prozent der Menschen umbringe. Zuvor hatte er mit einem angeblichen Whistleblower aus einem Berliner Altenheim gesprochen. Das Video wurde innerhalb von 24 Stunden 200.000-mal abgerufen.

Holnburger befürchtet, dass im Frühling Demos vor den Impfzentren zunehmen werden – gerade, wenn die Alterskohorte der um die 50-, 60-Jährigen, die einen großen Teil der Querdenker ausmachen, geimpft werden sollen. Schon am vergangenen Wochenende musste die Polizei das Dresdener Impfzentrum mit Wasserwerfern sichern.

Bereits jetzt plant Ballweg mit den Stuttgarter Querdenkern die nächsten Großdemos: Zu Ostern in Stuttgart und Anfang und Ende August in Berlin – genau wie im letzten Jahr.

Wenn man sich länger mit Corona-Skeptikern, Esoterikern und Spirituellen unterhält, dann merkt man, dass in ihren Worten ein Leitmotiv mitschwingt. Sie sprechen davon, dass sie durch die Krise einen klaren Blick bekommen haben. Sie haben Worte gefunden für etwas, was sie früher nur als Unbehagen spürten. Corona hat für sie ans Licht gebracht, was schon lange falsch läuft in der Gesellschaft.

Auf der Mahnwache in Weiden spricht jetzt eine ehemalige Lehrerin. Vor Kurzem sei sie Großmutter geworden und habe bemerkt, wie hilflos junge Eltern im Umgang mit ihren Kindern geworden seien, weil die Gesellschaft sie verunsichere. Alles solle im Durchschnittsbereich bleiben, sagt sie, Schulkinder sollen durchschnittlich denken, ganz normale zierliche Babys seien "am unteren Ende der Durchschnittsgröße", und wenn ein Kind etwas lebhaft sei, dann werde ihm garantiert ADHS diagnostiziert. "Wohin haben wir uns entwickelt?", fragt sie. "Das ist entsetzlich."

Ein Heilpraktiker mit Spezialisierung auf chinesische Medizin erzählt, dass er nach einem Modell arbeite, das besagt: Der größte Feind der Heilung ist die Gesellschaft. Wer Dinge nur tue, weil das alle tun, erzeuge Ungleichgewicht, ein Vorbote von Krankheit. Er sagt: "Wir diskutieren als Gesellschaft über die ganzen Maisfelder da draußen, die ganzen Monokulturen, und laufen selbst monokulturell durch die Gegend als Mensch."

Ein ehemaliger Unternehmer sagt: "Das Natürliche wird uns nicht mehr gelassen. Das ist eine transhumanistische Agenda. Monsanto macht Weizen und Soja zu Einjahrespflanzen und genau das versuchen sie jetzt mit der Menschheit."

Einer sagt: "Die handwerklichen Berufe gehen verloren."

"Es gibt bald keine Bäcker und Metzger mehr."

"Wir werden komplett abhängig gemacht."

Hier in Weiden steht die Umweltschützerin neben dem AfDler, der Heilpraktiker neben dem Ex-Unternehmer. Wenn sie das Coronavirus nicht hätten, würden sie sich streiten, sagen sie. Über das neue Gewerbegebiet, über Flüchtlinge, über den Steuersatz. Die Querdenker von Weiden sind rechts, links, vor allem aber sind sie eine romantische Bewegung. 

Romantiker, im historischen Sinne, sind Kritiker. Wehmütig wünschen sie sich die Gesellschaft zurück, wie sie mal war, verdrossen wenden sie sich von der jetzigen ab. Deswegen ist es kein Zufall, dass romantische Bewegungen immer dann entstehen, wenn gesellschaftliche Verhältnisse ins Rutschen kommen.

Die Industrialisierung brachte Deutschland nicht nur drastische Veränderungen, sondern auch die sogenannte Lebensreformbewegung, die das kalte und verrauchte Leben in den Städten anprangerte und die übergewichtigen und stets besoffenen Kaiserdeutschen mit Freikörperkultur, pflanzlicher Ernährung und Naturheilkunde retten wollte. Auch sie protestierten gegen das Impfen, denn Bismarck hatte die Pockenimpfpflicht eingeführt.

Wenn man sich in die Perspektive derer versetzt, die heute eine Rückkehr zum Natürlichen fordern, spürt man ein großes Leiden an der Moderne. Die vertrauten Dinge verschwinden, Big Pharma ersetzt die Apotheke, Discounter den Metzger, Amazon den Einzelhandel, Smartphones die Begegnung. In den Altenheimen vereinsamen die Menschen. Auf den Feldern Monokulturen, in den Köpfen der Menschen Durchschnittswissen.

Diese Querdenker sind spirituelle Modernisierungsverlierer. Sie verbindet ein großes, wirkliches Leiden an Kapitalismus, Digitalisierung, industrieller Landwirtschaft. Sie haben Angst vor der normierenden Kraft der neuen Verhältnisse, die kleine Geschäfte vernichtet, Unterschiede einebnet und Menschen zu unselbstständigen Einzelgängern macht. Ein orchestrierter Angriff auf die vermeintliche Natürlichkeit, Unabhängigkeit und Freiheit des Einzelnen.

Die Pandemie stellt Bilder bereit für diese Dystopie vom vereinzelten Menschen, der einer Technokratie ausgeliefert ist: Maskentragende Gebärende. Einsame Sterbende. Ärzte in Plastikanzügen mit Spritzen in den Handschuhhänden.

Querdenken ist auch eine Ermächtigungsbewegung gegen die Ohnmacht. Sie suchen Sinn, wo wahrscheinlich nur Zufall zu finden ist. Eine innere Richtung gegen die Überforderung, ein Weltbild, das auf alles eine Antwort hat. Sie fürchten Mehrdeutigkeit, Kontingenz, Unordnung.

Vor allem aber fürchten sie die lähmende Vorstellung, dass kein Plan hinter dieser Pandemie steht und all das Leid keinen tieferen Sinn hat.

Am kommenden Samstag sind wieder Demonstrationen auf der ganzen Welt angekündigt. Im amerikanischen Colorado und in Athen, in Vancouver, Stockholm und Innsbruck. Hier wollen sie sich in Kassel treffen, "in der Mitte Deutschlands". Der 20. März ist kein willkürliches Datum, es ist Frühlingsanfang. Oder wie die deutschen Querdenker schreiben: Frühlingserwachen.

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Dieser Artikel ist Teil des ZEIT-ONLINE-Schwerpunktes "Aberglauben Sie das wirklich?" aus unserem Ressort X. ...

Text: Marius Buhl, Philipp Daum


Aus: "Querdenker: Radikale Herzmenschen" Aus einer Reportage von Philipp Daum und Marius Buhl (17. März 2021)
Quelle: https://www.zeit.de/gesellschaft/2021-03/querdenker-corona-esoterik-spiritualitaet-leugner-demonstration/komplettansicht

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IMM #23

Eine behutsame, ehrliche Analyse, dankeschön!


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Pappel. #53

Danke, ich finde das ist eine mit Fingerspitzengefühl geschriebene Recherche und man merkt, dass dahinter ein großes Interesse steckt die Bewegung zu verstehen. Ohne sie gutzuheißen aber auch ohne sie völlig lächerlich zu machen.


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WTE #31

Sehr schöne Zusammenfassung, was bei dieser Sektenbewegung schief läuft - und zwar nicht erst seit Corona.


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mit schal #39

„Rudolf Steiner war davon überzeugt, hellsehen zu können. Er glaubte, Einsicht in eine höhere Welt erlangt zu haben.“
Wenn ich sowas lese gruselt es mich, aber immerhin streiten die an der Waldorfschule.


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Superlative #34

"Seit einem knappen Jahr gehen Yogalehrer und Impfgegnerinnen auf die Straße, Heilpraktiker und Anthroposophen, Umweltschützer, Grünen-Wählerinnen."

Ich halte nichts von der Querdenker-Bewegung (sofern man hier von einer Organisation ausgehen kann). Was die Autoren in dieser "Reportage" allerdings propagieren, ist reine Meinungsmache. Schon der obige Absatz disqualifiziert mit platten Rollenbildern.

"Querdenken, das ist mittlerweile klar, ist auch radikalisierte Esoterik"

Was für ein Quatsch. Esoterik ist in seiner ursprünglichen Begriffsdefinition eine "philosophische Lehre, die nur für einen begrenzten „inneren“ Personenkreis zugänglich ist", was für eine Lehre soll das im Falle der Querdenker sein? Kritik am System? An den politischen Entscheidungen?

Man versucht hier zwanghaft eine heterogene Gruppe einer Hippie-Ideologie unterzuordnen, statt zu erkennen, dass das Gegenteil der Fall ist (eine Minderheit der Teilnehmer sind entsprechend ideologisch gepolt).

Für mich zeigt der Bericht lediglich auf, wie schwierig es geworden ist eine oppositionelle Meinung an die Öffentlichkeit zu bringen. Todschlagargumente und platte Klischees werden als Reportage verkauft.


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Bruckmandl #29

Aus psychologischer Sicht ist die Sache eigentlich klar: Wer mit einer Situation geistig überfordert ist, sucht sich eine einfache Erklärung. Am einfachsten ist natürlich immer, dass alles, was einen überfordert, gelogen ist.


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peter.linnenberg #6

Die Querdenker sind ein Sammelsurium von sehr verschiedenen Menschen. Einige sind Esotheriker, wie sehr ausführlich im Artikel beschrieben. Aber es gibt auch die Nazis, die diese Bewegung für sich nutzen. Und es gibt auch schlichtweg grosse Egoisten, die sich sagen: Ich bin noch relativ jung, und die Wahrscheinlichkeit, dass mich Corona hart erwischt, ist gering. Also will ich meine Freiheit haben, egal was mit den Älteren passiert.


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Illoran #6.1

Ich finde es auch ausgesprochen schwierig die Esotherikerszene von Rechtsradikalen zu entflechten. Wenn man mal in die Esotherik reinschaut findet man häufig sehr schnell extrem rechtes Gedankengut. Selbstverständlich sind nicht alle Esotheriker und Wunderheiler rechtsradikal, aber es gibt eine ganz ordentliche Schnittmenge. Und Interviews innerhalb der Szene zeigen immer wieder, das das Problem ignoriert wird. Zitat: "Ja wieso, was hab ich damit zu tun, dass der Autor rechtsextrem ist ... wir meinen es soll jeder glauben was er will, deshalb bin ich ja nicht rechts." ... nur um Sekunden später anzufangen von der Arischen Herrenrasse und niedrigem Leben zu schwadronieren.

Die Esotheriker nur als zottelige Kuschelhippies zu betrachten die einfach nur an Energiesteine und Chakren glauben wird der Sache nicht gerecht.


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foobar23 #5

Nicht jeder, der sagt, dass es Alternativen zu den Maßnahmen gibt und gegeben hat, ist ein Coronaleugner.


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Heinrich Reisen #5.1

Nein, aber von denen ist im Artikel auch nicht die Rede.
Fehler der Verantwortlichen müssen wir kritisieren - was kann man besser machen z.b. bei den Impfungen gerade.
Wenn wir allerdings den Bereich des Belegbaren und der Wissenschaft verlassen, dann kann man es schon unter Corona Leugner sehen.


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  redshrink #15

Um es ganz schnell auf den Punkt zu bringen. Ich bin 57 Jahre alt, Arzt, mit erheblichen Vorerkrankungen und eingeschränktem Immunsystem, und ich leiste auch in der Pandemie ehrenamtliche Arbeit.

Impfgegner, Maskenverweigerer und Leute, die ihren Aberglauben auf Kosten anderer ausleben betrachte ich als meine natürlichen Feinde. Sie setzen mich durch ihr selbstbezogenes und ignorantes Verhalten bekannten und gut belegten Risiken aus, die mich erheblich gefährden. Dass „quer“ etwas mit „denken“ zu tun hätte, ist ja nicht erst seit gestern ein Witz. Wer die öffentlichen Auftritte dieser Verschwörungs- und Esoterikgläubigen erlebt hat, weiß, dass “denken” nicht auf deren Planeten stattfindet.

Da hilft auch mein ansonsten sehr mitfühlendes Wesen nichts; wo Einsicht auch mit viel Wohlwollen nicht zu erreichen ist, kümmere ich mich um meinen Selbstschutz, und erwarte von den Behörden, dass sie das Grundrecht auf körperliche Unversehrtheit der Mehrheit der Bevölkerung mit allen Mitteln gegenüber diesen Leuten verteidigen.



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Heinrich Reisen #16

In den USA gibt es die "Mutter aller Verschwörungstheorien" QAN die durch ihre flexible Struktur und die maximale Verbreitung via Social Media alle Verschwörungen links und rechts aufsaugt und integriert - dabei noch as Religionsersatz dient.

Manche Agenda Punkte sind sehr USA zentrisch. Allerdings sind sie auch hier erfolgreich. Tendenziell eher weniger Gebildete und weniger Privilegierte.

Man kann drüber lachen oder es als Problem ernst nehmen und dagegen agieren.

Wenn jemand bewusst Lügen, Falschheiten und unbegründete Theorien verbreitet - und dabei Menschen zu Schaden kommen - dafür müssen wir diese Mechanismen und Menschen die dahinter stecken auch verantwortlich machen können.

Das ist mittlerweile ein großer industrieller politischer Komplex, das ist keine unschuldige Spinner Bewegung mehr, es wird damit eine Menge Geld und Macht produziert - in den USA gehen damit Kandidaten in den Wahlkampf und werden sogar gewählt.

Das können wir uns (noch) nicht vorstellen, sollten wir nicht ausprobieren.


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Burk W. #21

"Das Universum ist gut, die Natur ist gut – wenn wir mit ihr Verbindung halten, wie sollte sie uns schädigen wollen? Wie sollte dieses Virus denn diejenigen treffen, die 'natürlich' leben – die sich zum Beispiel seelisch und körperlich gesund halten?"

Demnach sind alle chronisch Kranken und Alten seelisch und körperlich krank.
Ich kann echt nur noch mit dem Kopf schütteln. Das ist genauso irre, wie der Spruch "Jeder ist seines Glückes Schmied", der sich leider auch nicht auf die hilflosen und unterversorgten in Krisengebieten anwenden lässt. Aber Hauptsache, die Leidenden sind ja selber Schuld!


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ChaosRhino #21.1

Mir fällt da immer die Überzeugung einer Esoterikerin ein, die mich damit vor 20Jahren "anfixen" wollte:
Juden sind am Holocaust selbst schuld, weil sie in der Vergangenheit als Mörder am Erlöser, als ewige Beutelschneider und Zinserpresser die anderen Menschen unterdrückt hätten.
Man fasst nicht, zu welchen Überzeugungen die Leute fähig sind.


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pomerius #21.3

Das ist zutiefst vormodernes, archaisches Denken: wenn es mir gut geht, ist das der Beweis, daß ich ein Liebling der Götter (der Natur, der Höheren Macht, des Kosmos) und ebenfalls gut bin, wenn es mir (oder besser: einem anderen) schlecht geht, ist das der Beweis, daß mich (oder den anderen) die Götter (die Natur, die Höhere Macht, der Kosmos) strafen wollen, weil ich gesündigt habe.


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mk70666 #22

Jaja, Grippe 2018 gab es auch 25.000 Tote... So konnte man von mir aus letzten Sommer noch argumentieren. Jetzt sind wir trotz aller Maßnahmen bei ~75.000 Toten, aber es trifft ja gewissermaßen "nur die die es verdient haben", wie ich in dem Artikel gelernt habe.

Die Mutter meines engsten Kollegen ist an Covid-19 gestorben, die Großtante meiner Lebensgefährtin ebenfalls und ich kenne mittlerweile fünf 30-50-jährige, die an Long-Covid leiden, einer davon ist seit 10 Monaten komplett arbeitsunfähig.

Also wer es jetzt immer noch nicht begriffen hat... Und deshalb als ehemals grüner Esoteriker Rechtsaußen-Parteien wählen... Unfassbar.


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Günther Knauthe #22.1

So ist das eben mit dem Glauben – die hartnäckigsten Vertreter gehen bereitwillig mit ihm unter.


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ChaosRhino #28.3

Eine der Urideen hinter der Esoterik - das Karma-Denken, sowie die andere Idee - das selbstverschuldete Unglück, sind schon zutiefst menschenverachtend, wenn sie so interpretiert werden, wie es viele dieser "Gläubigen" tun.


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Alexxis #43

„Querdenken, das ist mittlerweile klar, ist auch radikalisierte Esoterik.“

Esoterik basiert auf einer entwickelten Sensibilität der Wahrnehmung. Menschen, die diese Sensibilität nicht entwickelt haben, neigen leider dazu, alles, was jenseits der Grenzen ihrer Wahrnehmung liegt, zu diffamieren. Unterstützt werden sie in dieser Hinsicht von den Wissenschaften, die durch Verifikation und Falsifikation die Wirklichkeit lediglich auf das reduzieren, was wiederholt werden kann. Einmalige subjektive Erfahrungen sind also ausgeschlossen.

Damit öffnet die Esoterik der Spekulation und dem Missbrauch natürlich Tür und Tor. Vor allem in einer Gesellschaft, die darauf programmiert ist, aus allem Profit rauszuschlagen. In Regionen/Kulturen, in denen traditionell Meditation gelehrt wird, ist die Bedeutung subjektiver Erfahrungen klarer und gegen Schwachsinn und Betrug gefeit.


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Barbara F #43.1

Sie haben den Punkt genau getroffen, auch mir fehlt jegliche Sensibilität, und ja, das ist für mich alles menschgemachter Humbug und Hokuspokus. Als Diffamierung würde ich das nicht bezeichnen, aber wenn jemand zu mir sagt, die Erde ist eine Scheibe, dann darf ich denjenigen doch schon ein klein wenig beleidigen ? ... oder zumindest etwas an Verachtung schenken, vielleicht aber auch etwas Mitleid.
In den USA glauben mehr als 40 % !! der Bevölkerung, Gott hat die Erde vor ca. 5000 Jahren in einer Woche erschaffen, einschl. aller Lebewesen samt Dinosaurier, Die Evolutionslehre wird komplett geleugnet. Dass dann bei der Präsidentenwahl ein ein verrückter "Trump" rauskommt, muss man sich nicht wundern.
Ich habe es nicht so mit den Krummdenkern und Verschwörungsspinnern .....


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schmidtds #48

Besonders problematisch ist mMn, dass einerseits ganzheitliches Denken gefordert wird, weil doch "alles mit allem zusammenhänge" - was im Prinzip richtig ist, dann aber andererseits überhaupt nicht hingeschaut wird, wie(!) diese Zusammenhänge aussehen.

Dabei ist systemisches Denken, das Verstehen der Dynamik komplexer Zusammenhänge und die Erforschung nichtlinearer Systeme gerade für das Verständnis einer Pandemie essentiell, und nicht von ungefähr äußert sich die Physikerin Viola Priesemann vom Max-Planck-Institut für Dynamik und Selbstorganisation profiliert zum Thema. Das Institut ist einer der Orte, wo wirklich ganzheitlich gedacht und geforscht wird.

Ganzheitliches Denken(!) braucht viel naturwissenschaftliches Wissen, die Fähigkeit, umfassende Strukturen erkennen zu können und einen sehr genauen Blick für die kleinen Details, die in komplexen Strukturen große Wirkung entfalten können.

Ganzheitliches Raunen, das diese Entwicklungen in der Naturwissenschaft ignoriert, hat mit Denken nur wenig zu tun, weil es Wissen ausblendet.


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Schlophia #45

Esoteriker mit Illusionen sind noch immer mit Krebs zum Heilpraktiker gegangen um sich die Kirlian-Aura lesen zu lassen, kein Wunder, dass sie auch alle geborene Virologen sind.
Haben wir keine Insel für die Unbelehrbaren, wie Mary Mallon? [https://de.wikipedia.org/wiki/Mary_Mallon]


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derLordselbst #65

Warum werden Esoteriker, Verschwörungsgläubige, Quäldenker und Hassprediger als etwas Besonderes dargestellt, dass die Pandemie hervorgebracht hat?
Wo ist der qualitative Unterschied zu denjenigen, die an Hexen, Untermenschen, Hautfarben, heiligen Krieg, seelische Erkenntnis durch Widerstandsmessung und ähnlichen glauben?
Und warum sollen diejenigen, die das kritische Denken nicht komplett verweigern, voller Fürsorge und Mitgefühl auf diese verirrten Schafe schauen, wenn sie uns mit ihren Handeln gefährden und die tollwütigen Wölfe in ihren Reihen dulden?


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tychobrahe2015 #71

Angst vor dem Unbekannten, Angst vor der Rückseite einer vermeintlich stabilen Gesellschaft das ist eine der Problempunkte. Der Anthroposoph möchte ebenso einen Erklärbär wie der Jurist alles in seine Logik packen möchte. In meinem Umfeld sind viele, die sich von Teilen der gesellschaftlichen Entwicklung abgestoßen oder teilentwurzelt fühlen. Warum? Weil ihnen der historische Tiefenblick und die Demut fehlt. ...


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Hainuo #79

Man muss wohl der Menschheit attestieren, dass sie zum großen Teil nicht in der Lage ist, mit unerwarteten Schicksalsschlägen umzugehen, ohne auf vereinfachende Erklärungsmuster zurückzugreifen. Da wird dann nach dem großen Ganzen gesucht, dass alles wieder in verständliche Bahnen lenkt.


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Nur Vernunft #85

Esoterik?

„Verachte nur Vernunft und Wissenschaft,
Des Menschen allerhöchſte Kraft,
Laß nur in Blend- und Zauberwerken
Dich von dem Lügengeiſt bestärken,
So hab’ ich dich schon unbedingt.“

Mephistopheles.


...

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Coronavirus Notizen (COVID-19-Pandemie)
« Reply #311 on: March 23, 2021, 05:27:04 PM »
"Coronavirus: So viele Fälle gibt es in den Wiener Bezirken" von Laura Schrettl  (15.03.2021)
Wie verbreitet sich das Virus in der Bundeshauptstadt? Welche Bezirke sind am meisten Betroffen? Die interaktive Karte zeigt, wie viele Fälle es in Wien bisher (Stand: 25. März) gibt.
https://kurier.at/chronik/oesterreich/coronavirus-so-viele-faelle-gibt-es-in-den-wiener-bezirken/400791371

"Covid-19: Aktuelle Zahlen zum Coronavirus" (23. März 2021, 13:45 )
Wie sich die Fallzahlen in Österreich und der Welt entwickeln ...
+3.415 neu gemeldete Fälle
Wochenschnitt: +3.142
246 7-Tage-Inzidenz
pro 100.000 EW
+49.167 PCR-Tests seit Vortag
Wochenschnitt: +51.138
437 Erkrankte in Intensivbetten
493 Intensivbetten verfügbar
...
https://www.derstandard.at/story/2000120049733/aktuelle-zahlen-coronavirus-oesterreich-corona-ampel-in-ihrem-bezirk


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[...] Wien – Die Lage in Wiens Spitälern wird zunehmend ernster: "Unsere Ressourcen erschöpfen sich zusehends", sagte eine Sprecherin des Wiener Gesundheitsverbunds der APA. Die Zahl der Corona-Patienten, die intensivmedizinisch versorgt werden müssen, ist am Dienstag in der Bundeshauptstadt auf einen neuen Höchstwert geklettert. Laut Daten des Gesundheits- und Innenministeriums liegen 168 Menschen aufgrund einer Corona-Infektion auf der Intensivstation – um drei mehr als am Montag und so viele wie noch nie zuvor.

"Es gibt noch kleine Puffer. Wir sehen aber, dass es jeden Tag mehr wird. Wir haben zu viele kranke Patientinnen und Patienten zeitgleich. Deswegen ist bei uns die Lage sehr angespannt", warnte die Sprecherin. In der Klinik Floridsdorf, im AKH und im Krankenhaus Hietzing ist der Intensivbereich bereits ausgelastet. Insgesamt werden 636 Menschen aufgrund einer Covid-19-Erkrankung im Spital behandelt. Hier liegt der bisherige Höchstwert bei 756 Patientinnen und Patienten (17. November 2020).

Wie ernst die Situation in Wien ist, veranschaulichte jüngst Internist Wolfgang Hagen von der Klinik Hietzing via Twitter. Der Mediziner schildert, dass er zu Dienstantritt am Sonntag darüber informiert wurde, "dass es in ganz Wien nur mehr ein einziges reguläres COV+ Intensivbett" gebe und "einzelne Notbetten ohne Personal", eines davon auf seiner an sich voll belegten ICU (Intensivstation, Anm.).

Danach erläutert der Arzt, warum er sein Notfallbett nicht für einen 70-jährigen Diabetiker "opfern" konnte, da er sonst keine Möglichkeit mehr hätte, eine jüngere, nicht vorerkrankte Person auf der ICU zu versorgen. Dann gibt der Mediziner offen zu, dass er den Patienten und dessen Tochter mit den Worten "Wir tun alles für Sie" angelogen habe. Schließlich habe er dem Mann ein Bett auf der ICU "verwehrt".

Am frühen Morgen wird das Notfallbett dann doch benötigt. Ein 57-Jähriger muss deshalb abgewiesen und in ein anderes Spital gebracht werden. "Das ist der Bericht aus einem einzigen Spital. (...) Ich will mir gar nicht ausmalen, was in einigen anderen Spitälern los war", schreibt der Arzt abschließend.

Die Gesundheitsverbund-Sprecherin sagte über diese Schilderungen zur APA: "Wir sind jetzt in der Situation, dass es in unseren Kliniken zu solchen Situationen kommen kann. Sie sind aber noch nicht an der Tagesordnung." Sie fügte auch hinzu: "Wir sind nicht weit entfernt davon, dass es zur Tagesordnung wird. Wir setzen aber alles daran, dass das nicht der Fall sein wird." Der 70-jährige Mann hätte schließlich statt eines Intensivbetts ein intensivmedizinisches Überwachungsbett bekommen. "Es gibt einen leichten Unterschied bei den Betten, aber es sind intensivmedizinische Behandlungen."

Im APA-Gespräch bestätigte die Sprecherin außerdem die Aussagen von Gesundheitsminister Rudolf Anschober (Grüne), wonach vom Virus zunehmend auch junge Menschen betroffen seien, die auf Intensivstationen gebracht werden müssten. Das Alter der Corona-Patientinnen und -Patienten in Wiens Spitälern würde zwischen 40 und 60 Jahren liegen. "Im AKH beträgt das Durchschnittsalter 52 Jahre", berichtete die Sprecherin. Bei diesen Angaben handle es sich allerdings um eine Momentaufnahme, unterstrich sie weiters, da die dritte Welle noch zu kurz sei, um sie statistisch auszuwerten.

Auch die aktuellen Zahlen an Neuinfektionen unterstreichen die Lage in Wien. Laut medizinischem Krisenstab der Stadt gibt es seit Beginn der Pandemie 108.061 positive bestätigte Testungen. Darin enthalten sind 1.091 neue Fälle, inklusive Nachmeldungen der vergangenen Tage, hieß es in einer Aussendung am Dienstag. Weiters sind 1.833 Todesfälle aufgrund von bzw. an den Folgen von Covid-19 dokumentiert. In den vergangenen 24 Stunden gab es dabei 15 Todesfälle zu beklagen. Wieder gesund sind 96.659 Personen. Aktiv an der Erkrankung laborieren 8.493.

Am Montag wurden in Wien 30.525 Corona-Testbefunde eingemeldet, davon 4.453 PCR-Tests und 26.072 Antigen-Schnelltests. Insgesamt wurden seit Beginn der Pandemie 4.149.666 Testungen durchgeführt.

Vorsichtige, in der Wirkung aber dennoch dramatische Worte über die Situation in Niederösterreich fand im Ö1-"Mittagsjournal" auch der Leiter der Covid-Abteilung in Melk, Primar Harald Stingl. Er schilderte im Interview zunächst ausführlich die Situation, sagte dabei auch, dass er aktuell "nicht Politiker" sein wolle, da zwar eine Verschärfung der Maßnahmen medizinisch geboten scheine, gesellschaftlich aber schwierig sei.

Am Ende wurde er gefragt, wie lange es seiner Ansicht nach dauern könne, bis es in der Region zu Triagen kommen werde, sollte sich am Anstieg der Zahlen nichts ändern: "Ich glaube, wir haben noch ein bisschen Reserve. Aber ich würde sagen: Tage bis Wochen." (red, APA, 23.3.2021)


Aus: "Ressourcen in Wiens Spitälern erschöpfen sich "zusehends"" (23. März 2021)
Quelle: https://www.derstandard.at/story/2000125285512/ressourcen-in-wien-spitaelern-erschoepfen-zusehends

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sciences 2070

Die Inszenierung geht weiter ...
Die selben Erzählungen hatten wir schon vor einem Jahr.
Wenn es wirklich ein großes Problem geben sollte dann hätte man schon längst an Intensivbetten aufgestockt.
Die Angst und Verunsicherungstaktik ist einfach nur schlimm.
Leider glauben dass viele Menschen und dass bestärkt noch die verantwortungslosen und populistischen Politker.
Lockdowns und drastische Maßnahmen sind völlig überzogen und unverhältnismäßig.


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Mehr Freiheiten und unsere Grundrechte zurück! Jetzt! Alle zur Demo!!!


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pibyte, 23. März 2021, 14:08:14

Es tut mir leid für das Personal, dass sie in den nächsten Wochen die Konsequenzen der Unfähigkeit unserer Politiker und der Ignoranz eines Teils unserer Bevölkerung zu spüren bekommen werden.
Mehr, außer mich so gut wie möglich aus dem Infektionsgeschehen heraus halten, kann ich leider nicht tun.


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vaikunthaloka

Das eigentlich Tragische daran ist, dass diese Entwicklung ja nicht vom Himmel gefallen ist, sondern vorhersagbar war und vorhergesagt wurde - von eben jenen Komplexitätsforschern, die sich u.a. auch hier in den Foren alles Mögliche anhören mussten dafür, dass sie eine unbequeme Wahrheit ausgesprochen haben.

Und so wird es weitergehen mit der infantilen "ich mach nicht mehr mit"-Mentalität, bis noch einige mehr die Haimbuchner-Route zur Erkenntnis nehmen. Nur leider noch ein paar andere dabei mitreißen, die sich das nicht aussuchen konnten.


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havlaz

Meine Frage: Hat die Regierung veranlasst dass Intensiv Kapazitäten erhöht werden (sie hatten ja ein Jahr Zeit) ...


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Janus Wien

aha... und das personal zauberns woher her? lassen sie sich umschulen? will doch keiner den job machen! ...


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Phil O'Soph

Ich würde das Bett dem 70 jährigen geben
Bevor ich es einem jüngeren gebe der sich Corona auf einer Demo geholt hat.
Alle Demonstranten sollte man sowieso die Intensivbetten verweigern.


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1703

und wenn der jüngere ein lehrer ist, der sich das von einem schüler geholt hat, dessen eltern auf einer demo waren?


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Canary Biker

Vorschlag: Jeder Maßnahmengegner sollte sich selbst entsprechend kennzeichnen - und wird dann bei Behandlungs-Knappheit einfach hinten gereiht. Fertig.


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Bienenfreund

Diese Herrschaften werden sich hüten, derartiges auch nur im stillen Kämmerchen zu denken, aber dafür schreien sie umso lauter gegen Maßnahmen. Wenns ernst wird, haben sie nie was gesagt, ganz im Gegenteil, war es unverantwortlich zu öffnen und die Regierung ist schuld!. Ich befürchte, dass diese Gattung der "Retrospektiv-Besserwisser" gerade in diesem Forum überproportional vorhanden ist, weil sehr viele ihrem "Gottseibeiuns" Kurz irgendwas noch extra anhängen wollen!


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lakonischer bellerophon

Bei aller Dramaturgie und dem persönlichen Leid, auch in der gehäuften Form jetzt - wir sind uns schon einig, dass diese Entscheidungen bei vielen Patienten nicht mehr jede mögliche lebenserhaltenede Massnahme zu ergreifen um das Leben zu verlängern teil des Berufsbildes von Intensivmedizinern ist und auch immer schon war. Mir ist die Intention oder vielmehr das Zielbild nicht klar - wollen wir als Gesellschaft die Notwendigkeit einer Triage künftig komplett ausschließen und die medizinische Infrastruktur auf ein gemeinnütziges und nicht kaufmännisch geführtes Modell ändern? Ist OK für mich aber die ganzen Bedenkenträger und Schuldzuweiser im Forum sind dann die Ersten die dann ganz andere Töne anschlagen werden.


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Letzter Klassenkämpfer

"Ginge es nach Rechnungshof, OECD und ÖVP hätte Österreich nur halb so viele Intensivbetten" (8. April 2020)
Der Rechnungshof, die ÖVP und die OECD verlangten jahrzehntelang eine Senkung der Anzahl an Intensivbetten in Österreichs Krankenhäusern. Der Rechnungshof hat immer wieder auf den EU-Schnitt hingewiesen und auf Einsparungen gedrängt. Jetzt profitiert Österreich von der zögerlichen Umsetzung. Denn die hohe Zahl an Intensivbetten federt die Corona-Krise im Vergleich zu anderen Ländern ab. Auch der RH-Sprecher verspricht nun: Man wolle die Ansätze neu bewerten und den „Bürgernutzen“ wieder mehr beachten.
https://kontrast.at/intensivbetten-oesterreich-coronavirus/


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Mortimenia

Maßnahmenverweigerung - das Krebsgeschwür das diese Pandemie am Laufen hält.
Mich hat's unlängst auch erwischt, ...und ich musste ins Spital. In der Isolierabteilung gab's keine 'Klassen'unterschiede, und da bekommt man so einiges mit. Außer mir haben alle Sauerstoff bekommen, und die Hälfte eine maschin. Atemunterstützung. Die rauscht nicht nur laufend, sondern gibt auch ständig nervende Pieptöne von sich. Als dann der Jüngste im Zimmer auf die Intensiv verlegt wurde, wird man sehr, sehr nachdenklich.

Eine Geburtstagsparty mit 50 Teilnehmern, wo dann über die Hälfte positiv war, war höchstwahrscheinlich der Ausgangspunkt meiner Infektion. Der berufl. Kontakt mit einem dieser Teilnehmer hat das wahrscheinlich ins Rollen gebracht.

Bleibt vernünftig, und achtet bitte alle auf die Schutzmaßnahmen, sonst wird's nix.


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Coronavirus Notizen (COVID-19-Pandemie)
« Reply #312 on: April 05, 2021, 10:20:43 AM »
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[...] Im Rahmen der Proteste rund um die Corona-Pandemie kommt es immer wieder zu antisemitischen Zwischenfällen. Nun sind auch für Bochum zwei solcher Fälle bekannt.
Am Samstag, den 27. März 2021 bezeichnete ein Teilnehmer der örtlichen Querdenken-Proteste einen der eingesetzten Polizeibeamten als „KZ Wächter“. Durch diese direkte Bezugnahme auf die Shoah handelt es sich um eine direkte Täter-Opfer-Umkehr: Ein Teilnehmer einer verschwörungsideologischen und somit strukturell antisemitischen Kundgebung vergleicht sich mit den Opfern der Shoah, indem die Polizei als Teil der demokratischen Exekutive mit den Wachmannschaften nationalsozialistischer Konzentrations- und Vernichtungslager dargestellt wird.
Der entsprechende Vorfall wurde in der öffentlichen Telegram-Gruppe der Initiative „Querdenken 234“ publik gemacht und von einem Nutzer auf Twitter weiter verbreitet ... Der zweite Vorfall ereignete sich ebenfalls am Wochenende vom 26.
auf den 28. März 2021: Im Bereich der Erzbahntrasse vom Westpark bis Bochum Hordel sowie an der Graffiti-Wand im Westpark wurden zahlreiche verschwörungsideologische Graffiti angebracht. Unter anderem war dort zu lesen: „No Media No Virus“ und "BRD AG = KZ“.

Bei beiden Inhalten handelt es sich um Verschwörungsmythen, hinter denen antisemitische Topoi zu erkennen sind. Die Corona-Pandemie wird als eine Erfindung der Medien dargestellt, vornehmlich, um die Gesellschaft zu unterdrücken und die Bundesrepublik Deutschland wird als eine von Mächten im Hintergrund fremdbestimmte Firma bezeichnet, die darüber hinaus noch mit einem Konzentrationslager verglichen wird.

Während erstere Aussage erst auf den zweiten Blick dem strukturellen Antisemitismus zuzuordnen ist, handelt es sich bei der zweiten Behauptung um einen Inhalt der so
genannten Reichsbürgerbewegung, die die Bundesrepublik Deutschland nicht anerkennt und wahlweise glaubt, noch immer im so genannten „Dritten Reich“ oder in einer von den
Siegermächten fremdbestimmten GmbH zu leben.

„All diese Verschwörungserzählungen gehen von mehr oder minder geheimen Mächten im Hintergrund aus, die Deutschland fremdbestimmen würden“, erläutert Justin Mantoan,
Mitarbeiter der Integrationsagentur ZIVA – Zusammen für Vielfalt und Integration, gegen Antisemitismus der Jüdischen Gemeinde Bochum-Herne-Hattingen und fährt fort:

„Verschwörungsmythen sind stets strukturell antisemitisch, wenn sie eine solche geheime Macht herbeiphantasieren, die im Dunkeln arbeite und von dort aus die Macht übernehmen
wolle oder schon übernommen habe. Zahlreiche dieser Mythen haben ihren Ursprung in antisemitischen Erzählungen des Mittelalters oder, seit Beginn des 20. Jahrhunderts, in den
so genannten Protokollen der Weisen von Zion.“

Wenn diese strukturell antisemitischen Erzählungen darüber hinaus noch mit direkten Bezügen zur Zeit des Nationalsozialismus und zur Shoah versehen seien, so Mantoan, habe
man es zu allem Überfluss noch mit Formen des strukturellen Antisemitismus zu tun. „Dies ist keine Kritik an den Corona-Maßnahmen, sondern ein direkter Angriff gegen das Judentum
mitten in Bochum.“


Aus: "Bochum: Antisemitische Vorfälle im Rahmen der Corona-Pandemie" (In Bochum, Politik | Am 2. April 2021 | Meldung )
Quelle: https://www.ruhrbarone.de/bochum-antisemitische-vorfaelle-im-rahmen-der-corona-pandemie/197855#more-197855

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ccarlton
2. April 2021 um 14:45

Die Behauptung, der entsprechende Vorfall wäre in der öffentlichen Telegram-Gruppe der Initiative
„Querdenken 234“ publik gemacht und von einem Nutzer auf Twitter weiter verbreitet worden ist irreführend.

Die Macher der Gruppe haben sich distanziert, was aus dem sehr unvollständigen Screenshot nicht klar ersichtlich ist. Zum Glück ist die Gruppe öffentlich, sodass jeder den Rest der Stellungnahme finden kann.

"…solche Aussage ist komplett unangemessen, und wir möchten euch wirklich bitten, jegliche Vergleiche mit der NS-Zeit zu unterlassen."

Werden hier bewusst Informationen unterschlagen, um den politischen Gegner in ein schlechtes Licht zu rücken?


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[...] Rund 15.000 Menschen, größtenteils ohne Masken und Mindestabstand, versammelten sich bei einer Kundgebung der „Querdenken“-Bewegung gegen die Corona-Politik am Samstag in Stuttgart. ... Erneut lösten – wie bei vorangegangenen Demonstrationen der „Querdenker“ in anderen Städten – reale oder vermeintliche Solidaritätsbekundungen der Polizei mit den „Querdenkern“ für Kritik, vor allem in den sozialen Netzwerken. ... Die Gesprächsatmosphäre zwischen Fiechtner und den Polizisten ist augenscheinlich gut. Die Beamten lachen mehrere Male. Auch kurz nachdem Fiechtner Frieß eine „antidemokratische Ratte“ nennt. Zum Abschied wünschen sich alle frohe Ostern.

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Aus: "Ex-AfD-Mann scherzt mit Stuttgarter Beamten: Polizisten lachen nach „Ratten“-Beleidigung gegen Landtagsdirektor" (04.04.2021)
Quelle: https://www.tagesspiegel.de/gesellschaft/ex-afd-mann-scherzt-mit-stuttgarter-beamten-polizisten-lachen-nach-ratten-beleidigung-gegen-landtagsdirektor/27066990.html

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macmacmac 04.04.2021, 17:07 Uhr

Wenn ich mir überlege, wie man damals auf uns Brockdorf Anti-AKW-Demonstranten eingeprügelt hat. Da war anscheinend die "Verhältnismäßigkeit" eines massiven Polizeieinsatzes gegeben. Oh Mann! Es zeigt nur, welche Sympathien offensichtlich von Polizeiseite und Stadtverwaltung für die ganzen Anti-Covid-Spinner haben.

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[...] Der Virus tobt in der mittlerweile dritten Welle durchs Land, und die Anti-Corona- oder sogenannten Grundrechte-Demos nehmen ebenfalls zu. Rein medizinisch betrachtet ist es eine geradezu pathologische Realitätsverweigerung, mit Tausenden von Anderen ohne Abstand und Maske durch Innenstädte zu pilgern und dabei, bei Anwesenheit von Nachwuchsnazis und Antisemiten, das Ende einer subjektiv empfundenen Diktatur zu fordern. Dabei erkennen wir die Teilnehmer dieser Umzüge keineswegs als Unzufriedene, Benachteiligte, Marginalisierte, sondern als typische Vertreter der „Mitte der Gesellschaft“, einem Bevölkerungsteil ohne materielle Sorgen, ohne Not, ohne Angst.

Entsprechend fordern die Protestierenden in keiner Verfassung verzeichnete Rechte wie „Herumlaufen ohne Maske“, „Einkaufen, wann man möchte“, „Sofort in den Urlaub fliegen“ oder „Nicht mehr über den Virus reden“. Und das, obwohl die aktuelle Covid19-Pandemie in unserem Land bislang bereits 77.000 Menschenleben gefordert hat? Wenn man die erschreckende Zahl allerdings umrechnet, bedeutet das weniger als ein Todesopfer auf 1000 Bewohner Deutschlands. Und wer kennt schon 1000 Menschen persönlich, wer hat eine subjektive Erfahrung mit der ansteckenden Krankheit? Oder wer macht sich Gedanken über die doppelte Zahl an Todesfällen durch Rauchen, und fordert gesetzliche Regelungen? Niemand, zumindest nicht unter den plötzlich als Grundrechtsfans auftretenden Ottonormalbürgern. Weil: Sterben müssen immer nur die anderen. Man selbst möchte davon nicht betroffen sein, und deswegen auch nichts davon hören. Deswegen treibt es Tausende auf die Strasse, wo sie ein Ende der Pandemieberichterstattung, des Konsumverzichts, und das Einlösen aller Wohlstandsversprechen einfordern.

Man muss sich nicht wundern, dass die Polizeikräfte fast aller Bundesländer untätig bis wohlwollend am Rand dieser Proteste gegen die Unbequemlichkeit stehen – ist die Polizei doch der sinnbildliche Garant für die konsumfreudige, problembefreite Normalität eines deutschen Staates, dessen Bewohner gemeinsam von einer ewigen Fortsetzung des Wirtschaftswunders träumen. Eines Wunders, das für alle gelten soll, die so sind wie man selbst. Nicht für Minderheiten, für Arme, für chronisch Kranke, für alle, die das schöne Bild trüben könnten. Ja, die Haltung der Coronaprotestierer wirkt extrem egoistisch. Aber es ist ein kollektiver Egoismus, der sich aus der nachkriegsdeutschen Identität des Bürgers als unpolitisches Rädchen eines grossen, mächtigen, Nahrung und Schutz spendenden Wirtschaftssystems speist. Was da auf die Strasse geht und sich an keine Regeln hält, ist das deutsche Bürgertum, einschliesslich der Polizeibehörden, der bürgerlichen Parteien, der bürgerlichen Medien, aller Vertreter einer mühsam aufrecht gehaltenen Normalität. Deswegen werden tätliche Angriffe und Steinwürfe gegen Pressevertreter ebenso geduldet wie Nazisymbole und antisemitische Parolen – weil das alles zur Mitte der Gesellschaft zählt. Die nun mal aggressiv reagiert, wenn ihr die Hostien der Konsumreligion vorenthalten werden. Gibt es einen Weg aus dieser unschönen Situation?

Ja, natürlich, indem wir uns klarmachen, dass alle Fortschritte und Freiheiten, die wir heute geniessen, gegen die Trägheit der gesellschaftlichen Mitte erkämpft werden mussten. Deswegen muss dieser Kampf für Fortschritt weitergeführt werden, mit den Mitteln, die uns zur Verfügung stehen, damit unser Land (das gilt aber für alle Länder) nicht unter der trägen Masse des Konsumbürgertums erstickt. ...


Aus: "Corona und der Aufstand des Mainstreams" Autor: Fritz (4. April 2021)
Kategorien: planet . Schlagwörter:Corona, Grundrechte-Demos, Mitte der Gesellschaft
Quelle: https://11k2.wordpress.com/2021/04/04/corona-und-der-aufstand-des-mainstreams/#more-47302

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Cihan Sinanoğlu @devrimX1925

nächste film idee:eine pandemie tötet hunderttausende menschen. eine allianz aus nazis,hippies u. esoteriker*innen leugnet das. patente von impfstoffen werden nicht herausgegeben,weil aktionäre geld verdienen wollen.währenddessen bereichern sich korrupte politiker an maskendeals.

3:07 nachm. · 4. Apr. 2021


https://twitter.com/devrimX1925/status/1378695837698691080

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Hans Castorp @HansCastorp14
Antwort an  @devrimX1925

Vollkommen absurd und unglaubwürdig!!11!!11!!


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Marian Wirth, "Atmende Öffnungsmatrix"-Skeptiker @mtwirth
Antwort an  @devrimX1925

Ist mir als Plot einfach zu überladen und kapitalismusfeindlich...


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Hilde @Hilde54151430 @devrimX1925  und @FERROCORTILER

Mittendrin in der Handlung fliegen alle nach Malle.


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zynikus,mit verlaub.... @zynikus1
Antwort an @devrimX1925

"ein schwank aus dem leben"


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Gianoia @Gianoia Antwort an
@devrimX1925
 und @LEN_1977

Dokumentationen sind recht populär. Könnte man locker ins Kino bringen, aber es ist für die meisten Zuschauer wohl zu wenig Neues dabei. Wäre vll was für den Geschichtsunterricht in 10 Jahren oder so. "The fall of Europe"


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SolarRandaline @LilaLapras Antwort an
@devrimX1925

Hahaha, viel zu absurd.


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Tina @wunder2welt
Antwort an @devrimX1925

Und die Polizei bekämpft die, die gegen Leugnungsallianz demonstrieren.


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MJ @MissesJones12
@devrimX1925  und @journelle

Das musst du aber auf mindestens drei Serien-Staffeln verteilen, sonst sagt jeder, das sei viel zu konstruiert. Ernsthaft, wer soll denn das glauben


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« Last Edit: April 05, 2021, 01:19:25 PM by Link »