Author Topic: Okkultismus (Notizen) ....  (Read 405 times)

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Okkultismus (Notizen) ....
« on: August 27, 2019, 03:56:59 PM »
Okkultismus (von lateinisch occultus ‚verborgen‘, ‚verdeckt‘, ‚geheim‘) ist eine unscharfe Sammelbezeichnung für verschiedenste Phänomenbereiche, Praktiken und weltanschauliche Systeme, wobei okkult etwa gleichbedeutend mit esoterisch, paranormal, mystisch oder übersinnlich sein kann. In einem engeren, vorwiegend in der Wissenschaft gebräuchlichen Sinn wird die Bezeichnung für bestimmte esoterische Strömungen des späten 19. und frühen 20. Jahrhunderts verwendet. Diesem Verständnis schließt sich der vorliegende Artikel an. Im heutigen Sprachgebrauch hat der Begriff vielfach eine abwertende Konnotation. ... Traditionell wird der Okkultismus als Gegenbewegung zur Moderne, als Abkehr von der Vernunft und als Rückfall in vor-moderne Ansichten interpretiert. Besonders drastisch hat das Theodor W. Adorno 1951 in Minima Moralia formuliert, indem er von einer „Rückbildung des Bewusstseins“ und von einer „Metaphysik der dummen Kerle“ sprach. ...
https://de.wikipedia.org/wiki/Okkultismus

https://de.wikipedia.org/wiki/Kategorie:Okkultismus

https://de.wikipedia.org/wiki/Kategorie:Okkultist

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Was heute als westliche Esoterik bezeichnet wird, wurde anscheinend erstmals gegen Ende des 17. Jahrhunderts als eigenständiges und zusammenhängendes Feld erkannt. ... Im weiteren Verlauf des 19. Jahrhunderts wurden derartige Themen weitgehend aus dem wissenschaftlichen Diskurs ausgegrenzt, indem man sie als Produkte irrationaler Schwärmerei betrachtete oder als vor-wissenschaftlich einordnete (die Alchemie als Proto-Chemie oder die Astrologie als Proto-Astronomie). Stattdessen schrieben nun Okkultisten wie Éliphas Lévi oder Helena Petrovna Blavatsky umfangreiche „Historien“ der Esoterik, in denen, wie Hanegraaff schreibt, ihre eigene Fantasie eine kritische Betrachtung historischer Tatbestände ersetzte, was erst recht dazu beitrug, dass ernsthafte Wissenschaftler dieses Themenfeld mieden. ...
https://de.wikipedia.org/wiki/Esoterik#Geschichte_der_westlichen_Esoterik (16. April 2019)

https://de.wikipedia.org/wiki/Kategorie:Esoterik

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Wissenschaft und Esoterik ( ... höhere Welten?!)
Wie könne es sein, dass heute—in einer Zeit, die als aufgeklärt gilt—esoterische Weltbilder und Verschwörungstheorien so stark verbreitet sind, frage ich weiter. Pearce glaubt nicht, dass wir in einer rationalen Welt leben. „Die Menschen sind zum Bullshit veranlagt." Sie leiden unter Anpassungsdruck, dem Wunsch, gemocht zu werden, aber auch persönlichem Frust. Die Narrative des New-Age fallen daher auf ebenso fruchtbaren Boden wie die der Verschwörungstheoretiker oder religiösen Fundamentalisten. „Sobald wir anfangen, diese Geschichten zu glauben, suchen wir nach Beweisen dafür und ignorieren Gegenbeweise. Dann bilden wir Stämme und verteidigen unseren Bullshit gegen den Bullshit der Anderen." Rationalität sei generell selten. ... (Christoph Kluge, 15.12.2015 - Wirres Deutschland: Mit Bullshit in den Untergang. Muss man wissen. ...)
https://www.subf.net/linklist/index.php/topic,198.0.html


« Last Edit: August 27, 2019, 04:26:26 PM by Link »

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Okkultismus (Notizen) ....
« Reply #1 on: August 27, 2019, 04:07:31 PM »
Unter einer Weltanschauung versteht man heute vornehmlich die auf Wissen, Überlieferung, Erfahrung und Empfinden basierende Gesamtheit persönlicher Wertungen, Vorstellungen und Sichtweisen, die die Deutung der Welt, die Rolle des Einzelnen in ihr, die Sicht auf die Gesellschaft und teilweise auch den Sinn des Lebens betreffen. Sie ist damit die grundlegende kulturelle Orientierung von Individuen, Gruppen und Kulturen. ...
https://de.wikipedia.org/wiki/Weltanschauung

https://de.wikipedia.org/wiki/Kategorie:Weltanschauung

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Carl Kiesewetter (* 14. April 1854; † 15. April 1895 in Meiningen; auch Karl Kiesewetter) war ein deutscher Okkultist, Theosoph und Autor von esoterischen Werken. ... Kiesewetter experimentierte auch mit Alchemie, Naturdrogen und Hexensalben. Er stellte fest, dass die Einreibung mit dem von ihm selbst dargestellten Nachtschatten-Alkaloid Hyoscyamin Visionen des Fliegens hervorrief und starb schließlich bei einem Selbstversuch mit Bilsenkraut. ...
https://de.wikipedia.org/wiki/Carl_Kiesewetter

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"Stoßen wir uns nicht an dem Wort »esoterisch«, das aus mancherlei Gründen einen Beigeschmack für uns bekommen hat; was von [Oskar] Adler damit angesprochen wird, ist die Fähigkeit des Menschen, auf dem Wege über die Verinnerlichung Einsichten in jene Zusammenhänge zu erlangen, Einsichten, aus denen Wohl das Wissensgut der Astrologie ursprünglich stammt." - Fritz Riemann (Psychoanalytiker), Lebenshilfe Astrologie - Gedanken und Erfahrungen, dtv Deutscher Taschenbuch Verlag 2005 (20. Aufl.), Seite 19 (ISBN 3-423-34262-5)

"Als ich noch ein junger Mann war, war die Astrologie nur das Vorrecht einiger verrückter komischer Käuze. Heutzutage ist diese Krankheit derart übermächtig geworden, daß die Massenpresse dazu verleitet wird, für das, was in den Sternen steht, Spalten zur Verfügung zu stellen." Bertrand Russell, Denker des Abendlandes - Eine Geschichte der Philosophie, dtv Deutscher Taschenbuch Verlag 1991, Seite 144 (ISBN 3-423-11469X)

Astrologie
Aus wissenschaftstheoretischer Perspektive können astrologische Lehren, wie sie im Laufe der Antike im östlichen Mittelmeerraum und Orient entstanden, als Protowissenschaft betrachtet werden. ... Nach Josef Fried, einem ehemaligen Astronomen am Max-Planck-Institut für Astronomie, arbeitet [Astrologie] mit nicht haltbaren Voraussetzungen, glaubt an verschiedene Dogmen und ist logisch widersprüchlich aufgebaut. Zudem halte sie keiner statistischen Untersuchung stand. Daher gehöre sie seiner Meinung nach in die Kategorie Aberglaube. Martin Mahner, ein Vertreter der Skeptikerbewegung, nennt die Astrologie eine Nicht-Wissenschaft und zeigt die mögliche Einordnung der Astrologie als Parawissenschaft bzw. Paratechnologie auf. ...
https://de.wikipedia.org/wiki/Astrologie

https://de.wikipedia.org/wiki/Kategorie:Astrologie



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Okkultismus (Notizen) ....
« Reply #2 on: August 27, 2019, 04:15:09 PM »
Als Anthroposophie (von altgriechisch ἄνθρωπος ánthrōpos „Mensch“ und σοφία sophίa „Weisheit“) werden eine von Rudolf Steiner (1861–1925) begründete, weltweit vertretene spirituelle und esoterische Weltanschauung sowie der zugehörige Ausbildungs- und Erkenntnisweg bezeichnet. Die Anthroposophie versucht, Elemente des deutschen Idealismus, der Weltanschauung Goethes, der Gnosis, christlicher Mystik, fernöstlicher Lehren sowie der naturwissenschaftlichen Erkenntnisse zu Steiners Zeit miteinander zu verbinden. ... Steiners Anspruch, seine „Geisteswissenschaft“ sei eine exakte Wissenschaft mit empirisch überprüfbaren Ergebnissen wie auch die Naturwissenschaften, wird von verschiedener Seite kritisiert. Der schwedische Philosoph Sven Ove Hansson schreibt 1991, dass Steiner als intersubjektives Kriterium zur Überprüfung der auf übersinnlichem Wege erlangten Erkenntnisse die Übereinstimmung mit den Erkenntnissen eines Lehrers definiert habe, das heißt, mit seinen eigenen. Dieses Autoritätskriterium werfe aber die Frage auf, woran denn der erste, der Geisteswissenschaft in diesem übersinnlichen Sinne betrieben habe, seine Erkenntnisse gemessen habe; auch ließe sich dadurch nicht entscheiden, welche von zwei sich gegebenenfalls widersprechenden übersinnlichen Erkenntnissen älterer Lehrer die richtige sei. Zudem habe nach Steiners Tod 1925 kein Anthroposoph Steiners Grad an Hellsichtigkeit erreicht, und anscheinend habe z. B. keiner wie er in der Akasha-Chronik lesen können, einer Art ätherischem Weltgedächtnis, in dem alles Wissen über Vergangenheit und Zukunft gespeichert sein soll. Hansson schrieb weiter, dass Steiner behauptet habe, die konventionelle Wissenschaft werde mit der Zeit die „Wahrheiten“ seiner Geisteswissenschaft etwa zur Atomphysik, zur Speziellen Relativitätstheorie und zur Syphilistherapie, bestätigen. Das sei jedoch nicht eingetreten. Insgesamt kommt Hansson zu dem Ergebnis, dass die Anthroposophie so gut wie nichts mit Wissenschaft zu tun habe. ... Der deutsche Erziehungswissenschaftler Heiner Ullrich bemerkt, dass Steiners (von Goethe übernommenes) „essentiales“ Wissenschaftsverständnis, das den Anspruch erhebe, das „Wesen“ einer Sache ganzheitlich und abschließend zu erfassen, mit der Forschungspraxis und dem epistemologischen Selbstverständnis der modernen Wissenschaft unvereinbar sei. Wissenschaft sei heute „ein sich ständig weiter ausdifferenzierender und sich revidierender Diskurs“, das „Konzept der Einheitswissenschaft und die Möglichkeit eines abschließenden, einheitlichen Weltbildes“, wie es Steiner vorgeschwebt habe, sei damit nicht mehr vereinbar. ...
https://de.wikipedia.org/wiki/Anthroposophie

https://de.wikipedia.org/wiki/Kategorie:Anthroposophie

https://de.wikiquote.org/wiki/Rudolf_Steiner

https://de.wikipedia.org/wiki/Rudolf_Steiner

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Paranormal als Adjektiv, substantiviert Paranormalität (griech. παρά para, im übertragenen Sinn ‚gegen‘ ‚wider‘ ‚im Vergleich mit‘ ‚neben‘) bezeichnet etwas nicht auf natürliche Weise Erklärbares oder Übersinnliches. ...
https://de.wikipedia.org/wiki/Paranormal

https://de.wikipedia.org/wiki/Kategorie:Parawissenschaft

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Als spiritistische Fotografie bezeichnet man das Fotografieren übersinnlicher und paranormaler Phänomene. Ausgangspunkt ist dabei die Feststellung, dass mit fotografischen Verfahren nicht nur der für den Menschen sichtbare Anteil des elektromagnetischen Spektrums visualisiert werden kann. ...
https://de.wikipedia.org/wiki/Spiritistische_Fotografie

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Tarot ist ein Satz von 78 Spielkarten, der zu psychologischen Zwecken oder als Wahrsagekarten verwendet wird. ...
https://de.wikipedia.org/wiki/Tarot


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Okkultismus (Notizen) ....
« Reply #3 on: August 27, 2019, 04:24:40 PM »
Unter Schlagworten wie Rechtsextremismus und Esoterik, rechte Esoterik, braune Esoterik oder völkische Esoterik werden gelegentliche Bezüge und Überlappungen zwischen esoterischen und rechtsextremen Strömungen diskutiert.
Im Rahmen der Ariosophie fanden im frühen 20. Jahrhundert esoterisch-okkultistische Vorstellungen Eingang in die Völkische Bewegung in Österreich und in Deutschland. Guido von List griff Teile der Theosophie Helena Petrovna Blavatskys auf und integrierte sie in sein rassistisch-mythologisches Weltbild. Auch in die rassistischen Spekulationen des Jörg Lanz von Liebenfels, der den Begriff Ariosophie prägte, flossen esoterische Motive ein.
In der Zeit des Nationalsozialismus wurde die Ariosophie zunächst als „staatsfeindliche Sekte“ beobachtet und ab 1937 verboten. Esoterische Neigungen einzelner bedeutender Politiker wie Heinrich Himmler und Rudolf Heß wurden geduldet, erlangten aber nur einen marginalen Einfluss auf die Symbolpolitik und das äußere Erscheinungsbild politischer Doktrinen und Institutionen des Dritten Reichs. Populäres Interesse erfuhr das Thema in den 1950er Jahren durch kommerziell erfolgreiche Buchveröffentlichungen, wonach esoterische oder okkulte Einflüsse über Lanz von Liebenfels dem Aufstieg und Erfolg Adolf Hitlers und des Nationalsozialismus zugrunde gelegen haben sollen. In den 1990er Jahren kam es zu einer abermaligen Renaissance des Themas, da in der rechtsextremen Szene esoterische Inhalte und Symbole weitere Verbreitung gefunden hatten. ...
https://de.wikipedia.org/wiki/Rechtsextremismus_und_Esoterik

https://de.wikipedia.org/wiki/Kategorie:Rechtsextreme_Esoterik

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Die Theosophische Gesellschaft ist eine 1875 in New York City gegründete okkulte Organisation, die beträchtlichen Einfluss auf nachfolgende esoterische Bewegungen genommen hat.  ... Die TG gilt als Prototyp einer okkulten Gesellschaft, deren unvertraute Denkmuster als Beispiel für Pseudo-Intellektualismus angesehen werden. Die theosophische Denkweise, zahllose nicht-rationale verzerrte Theorien über das Universum zu verbreiten, hatte großen Widerhall gefunden, und die theosophischen Lehrsätze wurden beispielsweise von Heinrich Himmler durchdrungen und adaptiert. ...
https://de.wikipedia.org/wiki/Theosophische_Gesellschaft

Helena Petrovna Blavatsky ... Blavatsky entwickelte eine als Theosophie bezeichnete, synkretistische Weltanschauung, die gleichzeitig die Lehre der TG bildet. Im Unterschied zur christlichen Theosophie verfolgt die anglo-indische Richtung ihres Religionssynkretismus das Ziel, durch esoterisches Erkennen, okkulte Schulung und das Studium fernöstlicher Religiosität eine höhere Form von „Wahrheit“ zu erlangen. Die Bezeichnung Theosophie wird als ein anderer Name für das seit dem 19. Jahrhundert unter der Bezeichnung „Okkultismus“ aufgekommene, primär monistische Deutungssystem moderner spiritistischer oder alter magischer und religiöser Praktiken verwendet. ... Blavatsky wurde schon zu Lebzeiten Betrug nachgewiesen, und man bezichtigte sie insbesondere im Zusammenhang mit den Meister-Briefen (Coulomb-Affäre und Hodgson Report) des Betrugs. ...
https://de.wikipedia.org/wiki/Helena_Petrovna_Blavatsky

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Die Kabbala (auch Kabbalah), übersetzt „das Überlieferte“, ist eine mystische Tradition des Judentums und bezeichnet sowohl bestimmte („kabbalistische“) überlieferte Lehren als auch bestimmte überlieferte Schriften.[1] Sie steht in einer jahrhundertelangen mündlichen Überlieferung, deren Wurzeln sich im Tanach, der Heiligen Schrift des Judentums, finden.
Die Basis kabbalistischer Traditionen ist die Suche des Menschen nach der Erfahrung einer unmittelbaren Beziehung zu Gott. Es gibt verschiedene kabbalistische Schriften und Schulen, aber keine Dogmatik oder abprüfbaren Lehrinhalte, also keine allgemeingültige kabbalistische Lehre. ...
https://de.wikipedia.org/wiki/Kabbala

https://de.wikipedia.org/wiki/Kategorie:Kabbala

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Der Ordo Templi Orientis (‚Orientalischer Templerorden‘), kurz OTO, ist eine zu Beginn des 20. Jahrhunderts gegründete okkulte Organisation, die bis in die Gegenwart als Initiatenorden esoterische Ideen und Praktiken lehrt. Zu den wichtigsten Praktiken gehört die Ausübung der Sexualmagie, die der zentrale Lehrinhalt des OTO ist. Die Ursprünge des OTO lassen sich zu den deutschsprechenden Okkultisten Carl Kellner, Heinrich Klein, Franz Hartmann und Theodor Reuß zurückverfolgen. Später wurde der OTO maßgeblich von Aleister Crowley geprägt. ... Der OTO wurde ganz im Geheimen am 1. September 1901 von dem Wiener Industriellen Carl Kellner, dem deutschen Theosophen und Freimaurer Franz Hartmann und von Heinrich Klein gegründet. Der Orden wurde als Geheimgesellschaft konzipiert, von Kellner maßgeblich finanziert und wohl auch geleitet. ...
https://de.wikipedia.org/wiki/Ordo_Templi_Orientis

Crowley bezeichnete sich als den Antichrist und das Große Tier 666 und führte ein ausschweifendes Leben. Von 1898 bis 1900 war er Mitglied im Hermetic Order of the Golden Dawn, im Anschluss gründete er eigene Gesellschaften, die sich inhaltlich und formell an diesem Orden orientierten. 1904 verfasste er das Buch Liber AL vel Legis (‚Buch des Gesetzes‘), das zur Leitschrift seiner neureligiösen Bewegung Thelema wurde. Crowleys Beschäftigung mit Sexualmagie brachte ihn in Kontakt mit dem Ordo Templi Orientis (O.T.O.). Nach einem Aufenthalt in New York gründete er 1920 in Cefalù auf Sizilien die kurzlebige Abtei Thelema. 1925 übernahm er de facto die Leitung des O.T.O. 1935 schuf er das Thoth-Tarot.
Crowley beeinflusste die Geschichte diverser Geheimbünde und neureligiöser Orden und nahm mittelbar Einfluss auf den Wicca-Kult. Auch aufgrund seiner sexuell aufgeladenen Schriften erlangte Crowley in den 1970er Jahren eine große postume Popularität. ...
https://de.wikipedia.org/wiki/Aleister_Crowley


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Okkultismus (Notizen) ....
« Reply #4 on: August 27, 2019, 04:29:38 PM »
Elisàr von Kupffer (* 20. Februar 1872 in Sophiental, Estland; † 31. Oktober 1942 in Minusio, Schweiz) war Gründer einer religiösen Bewegung, Künstler, Anthologe, Dichter, Übersetzer und Bühnenschriftsteller. Für die meisten seiner schriftstellerischen Arbeiten benutzte er das Pseudonym Elisarion. ... Elisàr von Kupffer rief 1900 eine religiöse Bewegung ins Leben, die dem weit verbreiteten Monismus entgegenwirken sollte und sich zugleich auf zeitgenössische Strömungen, etwa die Theosophie der Helena Petrovna Blavatsky bezog. Eine Institutionalisierung erfuhr dieser Glaube, der Klarismus, in der Gründung verschiedener Gesellschaften: 1911 Klaristengemeinschaft Weimar, 1913 Klaristengemeinschaft Zürich, 1926 Elisarionsgesellschaft. Der Glaube sollte nach ca. drei Generationen staatenübergreifend erblüht sein und eine Eu-Demokratie darstellen. Gottgewolltes Oberhaupt der neuen Wissenschaftsreligion sollte Elisàr von Kupffer (seit 1911 Elisarion) selbst sein. Gleichzeitig ist der Klarismus als Reaktion auf Bewegungen der Lebensreform zu betrachten. Boden- und Ernährungsreform, die politische Form des „dritten Weges“ zwischen Kommunismus und Kapitalismus findet sich auch hier. Trotz misogyner und antisemitischer Tendenzen forderte der Klarismus starke Gesellschaftsreformen bezüglich der Frauen- und Homosexuellenemanzipationsbewegungen. Eine bildhafte Darstellung des neuen Glaubens stellt sich in zahlreichen Gemälden dar, die von Kupffer hauptsächlich ab 1910 malte. Diese Gemälde wurden im Sanctuarium ausgestellt und erzeugten eine kultische Begehungsstruktur des Gebäudes, die an Parzival-Inszenierungen der Zeit erinnert. Endpunkt dieser Begehung war das Rundgemälde 'Die Klarwelt der Seligen', das 1939 erstmals in der Rotunde des Sanctuariums ausgestellt wurde. Mit dem Umbau des Gebäudes wurde es von Harald Szeemann gerettet und am Monte Verità untergebracht.[2] Der Klarismus neigte zu einer starken Theoriebildung. Elisàr von Kupffer und Eduard von Mayer verfassten zahlreiche Werke, die sich mit naturwissenschaftlichen Theoremen, kunstwissenschaftlichen Diskursen und gesellschaftspolitischen bzw. religionstheoretischen Aspekten befassten. ...
https://de.wikipedia.org/wiki/Elisar_von_Kupffer

http://www.elisarion.ch/

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Okkultismus (Notizen) ....
« Reply #5 on: August 27, 2019, 04:45:23 PM »
Quote
[...] Wenn sechzehn Jahre nach seinem Tod ein neues Buch über Federico Fellini publiziert wird, sei die Frage nach relevanten Neuigkeiten erlaubt. Im Falle des von Tullio Kezich verfassten posthum erschienenen Buches der Filme fällt die Antwort positiv aus. Der im August verstorbene Literat war seit dem ersten Film Fellinis in dessen Autorenteam und zeit seines Lebens eng mit diesem befreundet. Er skizziert Fellini als feinsinnigen Philosophen, als Selbstzweifler, als Intellektuellen, der sich und sein soziales Umfeld stets hinterfragte. Fellinis Schaffen unterteilt er, etwas poetisch, in die Phasen des Abschiednehmens, der Wende, der Angst, des Wiedererwachens, der Desillusion und der Melancholie.

.. Im Bereich des Okkulten bleibt das Geheimnis, weshalb das Filmprojekt Giovanni Mastorna einen Tag vor Drehbeginn abgesagt wurde. Kezich seziert wunderbar Fellinis wechselhafte, leicht schizophrene Exzentrik und dessen Verletzlichkeit, dessen inszenierten, impressionistischen Exzesse, dessen Revoltieren gegen den repressiven Katholizismus, gegen den zensierenden Staat. Agent Provocateur in der kollektiven Wahrnehmung öffentlicher Präsenz, privat sensibel, ruhig, besessen von Psychologie und übersinnlichen Phänomenen. ...


Tullio Kezich: "Federico Fellini. Das Buch der Filme" .320 Seiten. Schirmer/Mosel, 2009


Aus: "Bildband: Imagination, Inspiration und Mystifikation" (20. November 2009)
Quelle: https://www.derstandard.at/story/1256745318577/bildband-imagination-inspiration-und-mystifikation

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Okkultismus (Notizen) ....
« Reply #6 on: September 11, 2019, 04:45:06 PM »
Quote
[...] (Rom) Wer waren die treibenden Kräfte des Risorgimento, jener italienischen Einigungsbewegung, die zwischen 1859 und 1870 die staatliche Einheit Italiens durchsetzte? „Eine schöne Ansammlung von Spiritisten, Okkultisten und Freimaurern“, so der katholische Publizist Marco Respinti: „Die Väter des Vaterlandes, zeitlich gesehen von den ersten bis zu den jüngsten, pflegen Ideen, die in direktem Gegensatz zu jenen stehen, die von der katholischen Kirche verkündet werden und die im Volk verankert sind“.  Diese ungewohnte, weder mit den Schulbüchern noch der offiziellen Staatsdoktrin konforme Sichtweise, bietet das Buch von Pierluigi Baima Bollone: „Esoterik und Persönlichkeiten der italienischen Einigung. Von Napoleon zu Napoleone Emanuele III.“((Bollone Baima, Pierluigi: Esoterismo e personaggi dell’Unità d’Italia. Da Napoleone a Vittorio Emanuele III. Priuli e Verlucca editore, Borgaro Torinese 2011))

Der 80jährige Chirurg ist emeritierter Professor für Gerichtsmedizin an der Universität Turin, Mitglied der Konferenz der Ethik-Komitees der Region Piemont, Autor zahlreicher wissenschaftlicher Standardwerke zur Gerichtsmedizin. Baima Bollone ist auch Ehrenpräsident des Internationalen Zentrums zur Erforschung des Turiner Grabtuchs. Unter seinen wissenschaftlichen Publikationen befassen sich mehrere mit dem Grabtuch von Turin.

Der Universitätsprofessor und Arzt Baima Bollone wollte keine Geschichte der italienischen Einigungsbewegung schreiben. Er wollte jedoch den zahlreichen okkulten Spuren nachgehen, die ihn im Laufe der Jahre bei der Beschäftigung mit den führenden Gestalten des Risorgimento stutzig machten. Seine Parallelgeschichte beleuchtet scheinbar bestens bekannte Ereignisse der europäischen und italienischen Geschichte in einer neuen Lesart. Sie kann nicht alles erklären, bietet aber durchaus neue Elemente, um wenig beleuchtete ideengeschichtliche Hintergründe des italienischen Nationalismus des 19. und 20. Jahrhunderts zu erhellen.

Die damals von Hochgradfreimaurern und erklärten Kirchenfeinden geschaffene Staatsdoktrin eines zentralistischen Staatswesens gilt nach wie vor. Sie war das Gegenteil dessen, was Papst Pius IX. 1848 angeregt hatte, als es schien, als würde sich der Papst an die Spitze einer italienischen Einigungsbewegung stellen. Pius IX. schlug einen Bundesstaat vor, der den historischen und kulturellen Eigenheiten der italischen Halbinsel Rechnung tragen sollte. Als kirchenfeindliche Tendenzen bei den Einheitsverfechtern unübersehbar wurden, zum Beispiel das Verbot des Jesuitenordens in Piemont 1848, zog er sich zurück. Der damals entstandene Gegensatz zwischen „staatstragenden“ Kräften und katholischer Kirche bedeutete bis zu den Lateranverträgen von 1929 ein feindliches Gegeneinander und wirkt teilweise bis heute nach.

Was Baima Bollone jedenfalls bestens gelingt, ist es Zug um Zug nachzuweisen, wie sehr die sich selbst als „durch die reine Vernunft erleuchtete“ und vom „mittelalterlichen Aberglauben der Religion“ emanzipierte Elite des geeinten Italiens vielfach okkultistischen und skurrilsten abergläubischen Praktiken anhing.

Mit der unermüdlichen Ausdauer des Forschers nähert er sich auch der okkulten Seite des Risorgimento, die gewissermaßen die dunkle, unbekannte Seite dieses unruhigen Kapitels italienischer, aber auch europäischer Geschichte darstellt. Er stellte eine beeindruckende Sammlung von Fundstücken zusammen, die durch einen Bildteil von noch unbekannten Photographien und Darstellungen ergänzt wird, die eine andere Sprache sprechen als jene offizielle Version, die durch Generationen von Schülern Teil des kollektiven Gedächtnisses wurden.

Der Okkultismus war im 19. Jahrhundert vor allem in sozial höher gestellten Gesellschaftskreisen geradezu eine Mode. Etliche Elemente des Buches waren daher bereits in Biographien einzelner Persönlichkeiten allgemein zugänglich. Erst Baima Bollone fügte sie jedoch zu einer analytischen Gesamtschau zusammen.

Den Ausgangspunkt der Darstellung bildet Napoleon Bonaparte, da für Baima Bollone die gängige Chronologie der italienischen Einigungsbewegung zu kurz greift. Die italienische Einigung hat ihren Ursprung nämlich außerhalb Italiens in der Person des (italienischen) korsischen Franzosen Bonaparte, dem künftigen „Kaiser der Franzosen“, der im Juni 1800 mit der Schlacht von Marengo in Piemont den Prozeß auslöste, der zur politischen Einigung der italischen Halbinsel führen sollte.

1805 proklamierte Napoleon das erste Königreich Italien, das zwar nur einen Teil Norditaliens umfaßte, doch einen Namen trug, der zum Programm wurde. Dieses napoleonische Vasallenkönigreich existierte bis zur Niederlage Napoleons, offiziell mit seiner Abdankung als König von Italien am 11. April 1814. Es war Napoleon, so Baima Bollone, der der italienischen Einheit ein okkultes Gesicht verpaßte, indem er sich wahrscheinlich „während des Ägypten-Feldzugs 1798 in Memphis in die Freimaurerei aufnehmen ließ“ und in Kairo möglicherweise „die Isis-Loge des Memphis-Misraï m-Ritus“ mitbegründete, deren Ursprung meist erst auf die Jahre 1805 beziehungsweise 1814 datiert wird.

Parallel mit den französischen Revolutionstruppen trat in Italien auch eine Vielzahl von Sekten, okkulter Gruppen, Logen und subversiver Kreise auf. Es wimmelte geradezu von wirklichen und vermeintlichen Aufrührern und konspirativen Akteuren. Reguläre, irreguläre und angebliche Freimaurer, Spiritisten verschiedener Obedienzen, Mesmeristen des animalischen Magnetismus, Synkretisten und Theosophen, bayerische Illuminaten, Esoteriker und Okkultisten jeder Couleur sowie zahlreiche Illusionisten vernebeln die Szene, „daß man kaum erkennen kann, wo die wirklich durch Initiation ‚Erleuchteten‘ beginnen (nur wenige, dafür aber gefährliche) und wo hingegen nur die Verkäufer von Staubsaugern handeln (von denen eine große Zahl die Halbinsel abklapperte)“, wie Respinti schreibt.

Ausgestattet mit einer Fülle von neuheidnischen, pseudoantiken und orientalisierenden Symbolen war das von Baima Bollone beschriebene Italien der liberalen Kreise eine Art „russischer Salat des Vor-New-Age“. Das war „ein beliebter Zeitvertreib der Snobs“ der damaligen Zeit, übte gleichzeitig aber einen nicht unbeträchtlichen Einfluß auf jene Elite aus, die Träger des Risorgimento war. Baima Bollone führt den Leser auch in das auf den ersten Blick kurios anmutende Konnubium ein, das Okkultismus und Positivismus in aller Öffentlichkeit eingingen. Der vermeintliche Widerspruch einer solchen „eingetragenen Partnerschaft“ wurde zur Konstante der Moderne. Für nicht wenige Akteure jener Zeit (aber wohl nicht minder heute) scheint jedes Mittel recht, wenn es darum geht, dem Gott der Katholiken den Krieg zu erklären, eben auch die Verherrlichung der Technik und durch spiritistische Séancen gerufene Geister.

So stimmte der Dichter des neuen geeinten Vaterlandes, Giosue Carducci die „Hymne an Satan“ an, um durch die Anrufung des Fürsten der Finsternis die „philosophische Vernunft“ gegen die Religion der Päpste zu behaupten. Ebenso war der bekannte jüdische Gerichtsmediziner Cesare Lombroso, ein überzeugter Sozialist, Positivist, Rassist und Eugeniker, jedenfalls alles andere als ein gläubiger Katholik, der die anthropologische Tätertypenlehre entwickelte und auf den sich der Nationalsozialismus in der Durchführung medizinisch-eugenischer Programme an Kriminellen und Geisteskranken berief, ein faszinierter Anhänger des spiritistischen Mediums Eusapia Palladino.

Camillo Benso Graf Cavour, der als Ministerpräsident die Einheit Italiens verwirklichte und dessen Verfassung entwarf, schneiderte sich ein selbstgemachtes Evangelium zusammen. Cavour verachtete die Kirche und förderte die Freimaurerei soweit es ihm möglich war, und ihm war sehr viel möglich. Maßgeblich durch ihn wurde das geeinte Italien ein Freimaurerstaat. Wer etwas werden wollte, ob in Politik, Verwaltung, Schule oder Heer, mußte eine Logenmitgliedschaft vorweisen können. Dieses masonische Monopol auf einen ganzen Staat dauerte bis zur Machtübernahme des Faschismus an. Cavour selbst gehörte der Freimaurerei allerdings nicht an, wie häufig irrtümlich wegen seiner freimaurerfreundlichen Haltung behauptet wird. Sie war für seinen Geschmack viel „zu religiös“.

„Fest steht“, schreibt Baima Bollone, „daß sich kurz nach seinem Tod die Nachricht verbreitet, Cavour habe am Sterbebett beichten, die Letzte Ölung und die Heilige Kommunion empfangen wollen und es sei sein erklärter Wille gewesen, daß öffentlich bekannt werde, daß er als Katholik gestorben sei, wie er als solcher auch immer gelebt habe. Sollte dies der Wahrheit entsprechen, hätte Cavour mit dieser letzten Erklärung tatsächlich alles verleugnet, was sein politisches Handeln bestimmt hat“.

Giuseppe Mazzini, der andere „Säulenheilige“ vaterländischer Staatsdoktrin, war Zeit seines Lebens hin- und hergerissen zwischen protestantischen Tendenzen und Deismus. Vom Spiritismus wurde er magisch angezogen und es scheint, will man einigen von Baima Bollone aufgefundenen Spuren folgen, als habe er auch an die Existenz von Außerirdischen geglaubt. Gesichert ist, daß er an die Reinkarnation glaubte und die Lehren der Theosophin Helena Petrovna Blavatsky verehrte (der wir das zweifelhafte Wissen über angeblich im Meer versunkene Kontinente „verdanken“, die die New-Age- und Esoterik-Szene noch heute beschäftigen). Petrovna Blavatsky, geborene Helena von Hahn-Rottenstein unterwies selbst den Mahatma Gandhi, wie deren moderne Anhänger nicht müde werden, zu betonen.

Dieselbe Madame Blavatsky war ehrlich bezaubert von Giuseppe Mazzini und Giuseppe Garibaldi (im Bild als Freimaurer, deren Großmeister er war). Der „Held der beiden Welten“, Freimaurer des „ägyptischen“ Ritus, gehörte zu den verbissenen Feinden der Christen und war einer der hemmungslosesten Antiklerikalen. Eines Tages kaufte sich Garibaldi sogar einen „elektrischen Gürtel“, damals die neueste „Erfindung“ findiger esoterischer Geschäftsleute, um seine schwächelnde Potenz wiederzubeleben. Der „kosmischen“ Bauernfängerei gingen Scharen von Leichtgläubigen und Anhänger der pseudowissenschaftlichen Religion des Materialismus auf den Leim.

Die „okkulte Geschichte des Vaterlands“ (Marco Respinti) führt geradewegs zu den Sozialismen und Faschismen, die in der Zeit nach Erreichung der italienischen Einheit das Risorgimento vollendeten, auch in Sachen Esoterik. Der Freimaurer Arturo Reghini, einer „bestimmten Rechten“ nicht unbekannt, „setzt 1924 die ‚Heiligen‘ Mazzini und Garibaldi an die ideelle Spitze ‚einer imperialistischen und laizistischen, heidnischen und ghibellinischen Partei‘, entschlossen, sich der christlichen, römischen Kirche entgegenzustellen, die Mutter aller liberal-demokratischen und sozialistischen Internationalismen“ sei, so Baima Bollone.

Und das Königshaus der Savoyer? Viktor Emanuel II. war ausgesprochen abergläubisch und die Königin Margherita „war offen für den Okkultismus“. Sie wünschte „genau zu wissen, wie das Jenseits ist“.

Baima Bollone äußert zudem den Verdacht, daß jemand das Risorgimento auszunützen versuchte. Verschiedene, der von ihm skizzierten Akteure hätten an Persönlichkeitsstörungen gelitten, an Persönlichkeitsspaltung und seien daher pathologische Fälle gewesen.


Aus: "Eine Ansammlung von Spiritisten, Okkultisten und Freimaurern" BQ/Giuseppe Nardi (28. August 2018)
Quelle: https://katholisches.info/2018/08/28/eine-ansammlung-von-spiritisten-okkultisten-und-freimaurern/

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« Reply #7 on: September 11, 2019, 04:51:38 PM »
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[...] Der moderne Okkultismus beginnt am letzten Märzabend 1848 in Hydeswill, so beschreibt es Thomas Knoefel in seinem Buch. Zwei Schwestern fangen an, per Klopfalphabet mit einer im Hause verstorbenen Entität zu kommunizieren. „Geister haben sich schon immer gezeigt und gemeldet. Aber das gab es zuvor in diesem Ausmaß noch nicht, dass der Verkehr mit den Geistern dialogisch wird.“

Dieses Ereignis habe sich schnell verbreitet, „es fing an, überall zu klopfen“. Es gebe Zahlen, die allerdings nicht ganz sicher seien, dass Ende des 19. Jahrhunderts in Amerika zehn Millionen praktizierender Spiritisten von 30.000 professionellen Medien bedient wurden. Die Bewegung habe sich dann schnell nach Europa verbreitet, Anfang der 1850er Jahre. Vor allem in England und Frankreich und dem badischen Raum in Deutschland haben sich Menschen der Bewegung angeschlossen.

An der amerikanischen Ostküste sei es so gewesen, „dass es da Masseneinwanderung gab, dass es eine bestimmte Form von Anarchie ausgebildet hat, und plötzlich Dinge, die sehr randständig waren, im Mittelpunkt stehen konnten“. Gerade nach den Kriegen hatte es eine Art Konjunktur, so Knoefel. „Manchmal ist es auch so, wenn sehr viel gestorben wird, dass Menschen eine Art von Trost brauchen.“ Gerade, wenn die Toten nicht in der Heimat gefallen seien, habe es noch einen rituellen Abschied gebraucht, um den Tod zu besiegeln.

Beim Spiritismus handelt es sich für Thomas Knoefel nur zum Teil eine reaktionäre Bewegung. „Es ist viel mehr eine wesentliche Unterströmung der Moderne, oft klassenlos, weltoffen, formuliert Sozialutopien“. Auch dass so viele Frauen als Medium gearbeitet haben, sei sehr fortschrittlich gewesen. Es war die Chance eines sozialen Aufstiegs für die Frauen. Bei den vielfältigen Phänomenen, die Thomas Knoefel in seinem Buch beschreibt, gehe es ihm nicht darum, Vermutungen zu äußern, ob es sich um unbewusste Mehrleistungen, Wahrnehmungstäuschung, schlichten Betrug oder doch etwas Übersinnliches handele. „Die Zeichen bleiben in der Schwebe, ich beschreibe einfach nur und versuche mich dabei aller Wertung zu enthalten.“

Thomas Knoefel: „Okkultes Brevier. Ein Versuch über das Medium Mensch“
Matthes & Seitz Berlin, 2019. 394 Seiten



Aus: "Buch über das Paranormale: „Es fing an, überall zu klopfen“" Thomas Knoefel im Corsogespräch mit Ina Plodroch (09.09.2019)
Quelle: https://www.deutschlandfunk.de/buch-ueber-das-paranormale-es-fing-an-ueberall-zu-klopfen.807.de.html?dram:article_id=458394

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Okkultismus (Notizen) ....
« Reply #8 on: September 11, 2019, 05:00:18 PM »
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[...] Göttingen/Lindau. Seit rund vier Monaten verhandelt das Landgericht Göttingen über einen ungewöhnlichen Mord. Ein 27-jähriger Mann aus Landsberg am Lech ist angeklagt, im Dezember 2017 an seinem Wohnort in Lindau einen 37-jährigen Hausnachbarn erdrosselt zu haben.

Später soll er die Leiche zerstückelt und gemeinsam mit einem anderen Mitbewohner vergraben haben. Inzwischen hat das Gericht nicht nur viele Zeugen, sondern auch viel Gruseliges gehört.

Der Angeklagte gehörte ebenso wie mehrere andere Hausbewohner einer obskuren Vereinigung an, die ihr Vermieter initiiert hatte. Dieser hatte gezielt esoterisch Interessierte als Mieter angeworben. Das Gebäude wurde so zu einer Art Geisterhaus, in dem okkultistische Handlungen und Rituale praktiziert wurden.

Die Umtriebe standen in starkem Kontrast zu der vorherigen Nutzung: Das Gebäude war vorher als Gästehaus für Wissenschaftler des Max-Planck-Instituts für Sonnensystemforschung genutzt worden, die mit rationalen Methoden den Geheimnissen des Universums auf die Spur zu kommen versuchen. Nachdem das Institut 2014 nach Göttingen umgezogen war, kaufte ein 31-Jähriger aus dem Raum Hildesheim das leer stehende Gebäude.

Gleichzeitig betätigte sich der neue Besitzer der Immobilie als selbst ernannter Sprecher des „Deutschen Hüterordens“. Dem mit düsteren Videos untermalten Internet-Auftritt zufolge sollte sich dahinter eine „besondere und geheimnisvolle Gemeinschaft“ verbergen.

Folgt man den Aussagen einiger früherer Hausbewohner, verband der 31-Jährige mit seinem „Geheimbund“ indes offenbar auch eine ganz profane Geschäftsidee. Interessenten, die sich von dem Mix aus Mystik, Okkultismus, Germanen-Gedöns und Verschwörungstheorien angezogen fühlten, animierte er dazu, nicht nur dem „Orden“ beizutreten, sondern auch eine Wohnung zu nehmen.

Nach und nach zogen allein lebende Männer aus ganz Deutschland in den Ort, in dem es weder einen Bahnanschluss noch einen Supermarkt gibt. Einige – wie das spätere Opfer – suchten nur eine billige Wohnung, andere nach Gleichgesinnten.

Wer Mitglied im Orden werden wollte, musste zuvor verschiedene Aufnahmerituale durchlaufen. Wie diese abliefen, wollte keiner der Zeugen so genau sagen, weil sie geschworen hätten, nichts über den Geheimbund zu erzählen. Ein in Celle stationierter Bundeswehrsoldat, der trotz der Entfernung ins mehr als 100 Kilometer entfernte Lindau gezogen war, berichtete, dass man verschiedene Stationen vom Keller bis zum Dachgeschoss durchlaufen musste.

Mit der Aufnahme bekam jeder einen Ordensnamen. Der Soldat wählte einen Namen aus einem Computerspiel. Der 31-jährige Initiator trat unter dem Namen „Kronum“ auf, der wohl seine höhere Stellung dokumentieren sollte. Ein 23-Jähriger, der anfangs von der Germanen-Mystik angetan war, nannte sich „Polarwolf“. Später habe ihn der Orden aber nicht mehr interessiert, weil andere Sachen im Vordergrund gestanden hätten, erklärte er vor Gericht. Wegen dieser „anderen Sachen“ rückte zweimal ein Sondereinsatzkommando der Polizei in dem Haus an.

Einige Monate nach dem ersten SEK-Einsatz verurteilte das Landgericht Braunschweig den 23-Jährigen, der sich in dem Prozess als überzeugter Nationalsozialist ausgab, wegen Beihilfe zur Vorbereitung einer schweren staatsgefährdenden Straftat. Aktuell ermittelt die Bundesanwaltschaft gegen ihn wegen des Verdachts der Gründung einer rechtsterroristischen Vereinigung.

Der Vermieter betrieb auch einen okkulten Online-Shop. Ein Ex-Hausbewohner berichtete, dass sie für die Internet-Präsentation im Keller einen Altar hergerichtet hätten, auf dem man die Produkte drapiert habe – „kein hochwertiges Zeugs“, sondern „krasse Dinge“ wie ein Totenkopf für mehrere tausend Euro oder Schriftrollen mit Runen- oder Keilschrift.

Die Polizei fand heraus, dass ein dem Orden angehörender Metzger aus Sachsen-Anhalt die Pergamentrollen hergestellt hatte. Mehrere Zeugen berichteten, dass der Vermieter ihnen nahegelegt habe, diese Pergamentrollen zu kaufen, um diese dann bei den entsprechenden Zeremonien als „Opfergabe“ zu verbrennen.

Ein 33-jähriger aus Baden-Württemberg hatte anfangs an einem Treffen mit anderen Ordensinteressierten in Thale im Harz teilgenommen. Dort hätten sie auf dem Hexentanzplatz und anderen mystischen Orten Spaziergänge „in der Vergangenheit von tausenden von Jahren“ unternommen. Er sei fasziniert gewesen von dem Aufnahmeritual, bei dem sie mit Fackeln im dunklen Wald einen „Schwur vor der Gottheit“ geleistet hätten: „Es gab ein gewisses Zugehörigkeitsgefühl, das ich noch nie in meinem Leben hatte.“

Nachdem er in das Haus gezogen war, sei aus dem Gemeinschaftsgefühl ein Albtraum geworden. Die Geisteranrufungen bei den Séancen, die maskierten und in dunkle Roben gekleideten Ordensmitglieder, die angsteinflößenden Geschichten über verärgerte Gottheiten – all das habe bei ihm einen Horrorflash ausgelöst, der in einen Suizidversuch mündete.

Vor allem der Angeklagte, der immer eine Puppe herumtrug, habe ihm große Angst gemacht: „Für mich war es das Geisterhaus schlechthin“, sagte der 33-Jährige.

Die mysteriöse Puppe trug den Namen Anneliese und war offenbar von großer Bedeutung für den Angeklagten. Die Ermittler vermuten, dass der Name mit einem aufsehenerregenden Exorzismusfall in Zusammenhang steht. 1976 war die Studentin Anneliese Michel nach Teufelsaustreibungen durch katholische Priester gestorben.

Der Angeklagte soll nach dem Mord in Lindau gegenüber einem Mitbewohner geäußert haben, dass es ein erhabenes Gefühl gewesen sei, einen Menschen sterben zu sehen und zu erleben, wie die Seele den Körper verlasse. „Ich hab‘s endlich getan“, habe er erklärt.

Acht Monate später bekam er offenbar Gewissensbisse. Im August beichtete er nach einem Suizidversuch, seinen Hausnachbarn getötet und die Leiche zerteilt zu haben. Anders hätte er die Leiche nicht wegschaffen können, sagte er vor Gericht.

Bei der Bergung stellten die Ermittler fest, dass die beiden Oberarme und ein Oberschenkel fehlten. Angeblich wurden sie im Müll entsorgt. Auch das Messer, mit dem die Leiche äußerst akkurat zerteilt wurde, ist verschwunden, ebenso die mysteriöse Puppe. Ob ihr Verbleib noch geklärt werden kann, ist zweifelhaft.


Aus: "In Lindau: ein Geisterhaus voll Mystik und Okkultismus" (05.06.2019)
Quelle: https://www.hna.de/lokales/northeim/lindau-ort28988/in-lindau-ein-geisterhaus-voll-mystik-und-okkultismus-12354953.html

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Nasenzwerg

Das alles ist doch krank. ...


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Okkultismus (Notizen) ....
« Reply #9 on: September 11, 2019, 05:10:21 PM »
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[...] In Gottfried Kellers Werken herrscht ein ziemlicher Geisterverkehr und ein grosses Gedränge der Untoten. Er exorzierte damit auch seine Zeitgenossen.

Beginnen wir mit einem Ärgernis. Das Ärgernis steht in der Abteilung Alte Drucke der Zentralbibliothek Zürich und trägt die Signatur 43.194. Es handelt sich um ein Konvolut dreier zusammengebundener Drucke aus dem 16. Jahrhundert, nämlich Johann Weyers «De praestigiis daemonum» (1563), Abraham Saurs «Theatrum de veneficis» (1586) und Johann Fischarts Übertragung von Jean Bodins «Daemonomania» (1581) – drei dem Frühneuzeitforscher wohlbekannte Kompendien über die Beschwörung von Geistern, das Hexenwesen, magische Praktiken. Die Faszination dieser Texte liegt in ihrer Doppelbödigkeit beschlossen: Man sammelt das Verbotene, das Okkulte, um vor ihm zu warnen – und tradiert es dadurch. Dieser Widerspruch bleibt indessen nicht unbemerkt, sondern führt insbesondere bei Fischart auch zu poetologischen Reflexionen über den Umgang mit dämonologischer Literatur. Wir haben es demzufolge nicht nur mit mentalitätsgeschichtlichen Dokumenten zu tun, sondern auch mit Werken, aus denen sich so etwas wie eine Theorie der Inspiration, des Verhältnisses von Spiritus und Buchstabe, der Einkörperung von guten und bösen Geistern in der Schrift destillieren liesse.

Nun gehört dieses Konvolut nicht schlichtweg zur Rara-Sammlung der Zentralbibliothek, sondern ist darüber hinaus als Bestandteil jener Bibliothek ausgewiesen, die aus dem Nachlass Gottfried Kellers im Jahre 1890 der Stadt Zürich vermacht wurde. Das weckt die Lust zur Spekulation: Gibt es denn dämonologische Textspuren bei Keller? Für die Literaturwissenschaft wäre das ein wunderbarer Beleg für ihre immer noch intakte Intuition, fand die seltsame Präsenz der Geister in Texten von Raabe, Fontane, Meyer, Storm und Stifter im zurückliegenden Jahrzehnt doch wachsende Beachtung. Führt am Ende gar ein verborgener Tunnel aus dem okkulten Denkraum der Frühneuzeit mitten ins Herz des Realismus? Immerhin: Auch in Storms Husumer Nachlassbibliothek findet man solch einschlägige Drucke (wenn auch aus dem 17. Jahrhundert), etwa Balthasar Bekkers «Die bezauberte Welt» und Peter Goldschmidts «Höllischen Morpheus». Wäre also die «Unterscheidung der Geister», die Differenz von gottergebener und missbräuchlicher Zeichenpraxis womöglich eine relevante Grösse, um Kellers Werk neu oder anders zu verstehen?

Nur allzu gerne würde man dem Rausch der Intertextualität verfallen, wenn, ja: wenn es nicht dieses eine Ärgernis gäbe. Kellers Bibliothek ist nämlich nicht Kellers Bibliothek. Wie wir dank den Recherchen von Peter Villwock wissen, ist das, was da 1890 von den Herren Bächtold und Escher inventarisiert wurde, nur ein Bruchteil dessen, was Keller wirklich an Büchern besessen hat. Und das wiederum, was davon noch übrig ist, gehört nicht zweifelsfrei restlos in Kellers Besitz. Um sicherzugehen, brauchte man entweder ein Exlibris oder die Zusatzsignatur J 136. Über keines von beiden verfügt unser Fund. In Kellers Briefwechseln und Notizbüchern findet keiner der drei Titel Erwähnung. Thematisch steht der Band innerhalb des erhaltenen Nachlasses völlig isoliert. Damit aber ist jede Überlegung hinsichtlich einer dämonischen Übersiedlung von dort in Kellers Werk dem wissenschaftlichen Zweifel schutzlos ausgesetzt. Es ist ein Jammer. Beginnen wir anders.

Ein Gerücht geht um im Aargau: Die Lehnsfrau Kunigunde von Schwarzwasserstelz habe einen heimlichen Liebhaber, so heisst es. «Ihm sei die schöne Frau in Liebe ergeben, und als starker Nekromant wandle er, wenn er in die Gegend komme, nächtlich über das Rheinwasser trockenen Fusses, um sie ungesehen zu besuchen; er gleite auf einer wie Gold leuchtenden Strickleiter oder, wie andere meinten, von Dämonen getragen an der Turmmauer empor bis zum offenen Fenster der Dame.» Bei diesem Mann handelt es sich, so lässt uns Gottfried Kellers Novelle «Hadlaub» bereits zu Beginn wissen, um den späteren Konstanzer Bischof Heinrich von Klingenberg. Dessen doch etwas ungewöhnliche Charakterisierung hat Keller sich nicht aus den Fingern gesogen.

Der Verdacht, dass dieser Mensch dämonischen Umgang pflegte, lässt sich immerhin bis ins 15. Jahrhundert, bis zur «Konstanzer Chronik» zurückverfolgen. Gustav Schwab hat dieses Detail dann im dritten Band von «Die Schweiz in ihren Ritterburgen und Bergschlössern» (1839) aufgegriffen, und dass Keller es dorther hat, ist nicht unwahrscheinlich. Jedoch: Es ist eben nur ein Detail. «Fuit enim Nigromanticus» – darauf beschränken sich die Chronisten, wenn es um Klingenbergs Geisterverkehr geht, und auch Kellers Erzähler hält es nicht für erläuterungsbedürftig. Es mangelt diesem Faktum an Motivation – es wird nicht erklärt und erklärt scheinbar auch nichts. Man möchte es gerne für das dekorative Element einer historistischen Staffage halten und es dabei bewenden lassen.

Indessen darf man Gottfried Keller zugestehen, dass er seine Geschichtsquellen zwar ausgiebig nutzt, aber nicht einfach verschwendet. Er hat ein Auge für den poetischen Wert von Randnotizen, und so dürfte es sich auch lohnen, den Auftritt des Dämonenbeschwörers Heinrich von Klingenberg weniger durch die Welt zu plausibilisieren, der er entnommen ist, als vielmehr durch die Welt, in die er versetzt wurde. Das aber ist die Welt der «Züricher Novellen» (1876/77), deren erster Band zwei historische Prozesse kunstvoll miteinander verschränkt: das Schicksal der Dichtung nach dem «Ende der Kunst» einerseits, die Geschichte Zürichs andererseits.

Am Ausgangspunkt beider Reflexionsstränge steht dabei ein und dieselbe Figur: Klingenberg. Er ist nicht nur Patron der Manessischen Liederhandschrift, deren Grundstock seiner Dombibliothek entstammt und die im Zentrum der Debatten um Originalität und Epigonalität steht. Darüber hinaus ist er auch der verschwiegene Vater der Fides, die am Ende der ersten Novelle an der Seite Hadlaubs «als Bürgersfrau in die aufstrebende Stadt» zieht und darin (und nicht nur darin) zur sozialhistorischen Allegorie Zürichs avanciert. Zieht man aber diese genealogische Funktion der Figur Heinrichs von Klingenberg ins Kalkül, so wird man nicht nur damit beginnen müssen, dem Verweis auf deren magische Fähigkeiten mehr Bedeutung beizumessen, sondern auch damit, die «Züricher Novellen» anders zu lesen: nämlich als die Geschichte eines Exorzismus.

Sieht man einmal genauer hin, dann zeigt sich, dass dieses Erzählen von Anfang an in der Tat «besessen», dem Treiben der Geister ausgeliefert ist und sich vor ihnen zu schützen versucht. Am markantesten zeigt sich dies an zwei der charmantesten Figuren der Kellerschen Novellistik: an Buz Falätscher, dem «Narr auf Manegg», und an Figura Leu, der Vertrauten des «Landvogts von Greifensee». Es handelt sich um Gestalten, die von der Geschichte ausgeschlossen wurden. Buz, den letzten Sprössling des Manesse-Geschlechtes, hält die Vergangenheit gefangen: Den «guten Geist», den ihm das Leben in Form seines «Weibleins» zur Seite gestellt hat, vergrätzt er und ersetzt ihn durch die fixe Idee, das Dasein seiner Vorfahren zu wiederholen – ein Versuch, der in der brennenden Ruine Manegg sein jähes Ende findet. Figura wiederum wäre zur Frau des Salomon Landolt bestimmt gewesen und hätte als solche die Linie einer Zürcher Dynastie verlängern können. Dass sie es nicht tut und die Linie bei Salomon endet, verantwortet ein Familienleiden: Der schwermütigen Mutter muss sie auf dem Sterbebett versprechen, niemals zu heiraten, um der weiteren Vererbung des Defektes Einhalt zu gebieten.

In zweifacher Ausführung begegnet dem Leser hier die Austreibung der Geister aus der Historie. Im Falle der Figura Leu vollzieht sich diese Austreibung durch Verzicht: Eine Frau, die als «elementares Wesen» eingeführt wird und sich «leicht wie ein Geist» durch die Räume bewegt, verzichtet darauf, sich mit den Lebenden zu verbinden – aus Angst davor, diese in den Abgrund hinabzuziehen. Dieser Abgrund aber ist die Schwermut. Die «Irren wurden» einst «in den Familien behalten und lebten langehin als unselige dämonische Wesen in der Erinnerung». So gedenkt Figura des Schicksals ihrer Mutter, und darin steckt ein Doppelsinn: Die am Geist Erkrankten werden nicht nur in den Familien als dämonische Wesen im Gedächtnis bewahrt, sondern sie werden vielmehr erst zu dämonischen Wesen, weil sie in den Familien bleiben und dazu verdammt sind, in der Erinnerung, in ihrer Erinnerung zu leben.

Genau das ist die Diagnose, die dem Buz Falätscher zu stellen ist. Dieser vermacht sein Leben den Ahnen, das er in den Büchern aufgespeichert glaubt, vor allem in dem einen, dem Codex Manesse, den er an sich nimmt und «auszuschreiben» beginnt. Das Resultat ist bezeichnend: Die Verse des Nachfahren sind nicht bloss missraten, sondern besitzen jenen «schauerlichen Klang, der nur in der Geisternacht ertönt und nicht nachgeahmt werden kann».

Dort, wo sie sich mit der Vergangenheit einlässt, droht die Dichtung von Dämonen ergriffen zu werden. Im Lichte dieser Erkenntnis wird nun auch verständlich, warum Keller Heinrich von Klingenberg nicht einfach einen «Nigromanten», einen Schwarzkünstler, hat sein und einen «Nekromanten» hat werden lassen. Hinter der (durchaus geläufigen) Umformung verbirgt sich nämlich das poetische Selbstverständnis dieser Texte: Die Geister der Geschichte zu bändigen, das ist eine hohe Kunst, die nur eine Literatur beherrscht, die im wahrsten Sinne des Wortes über «nekromantische» Fähigkeiten verfügt, also: die Toten zu beschwören vermag. Die Archivare und Bestandswahrer wie Klingenberg, wie Rüdiger von Manesse, wie Hadlaub, das sind Totenbeschwörer, die stets vom «Dämon aller Sammler und Liebhaber» begleitet werden.

Es müssen nicht zwangsläufig die Lieder verblichener Minnesänger, die Stimmen der sterbenden Menschen sein, die dieser Dämon aus den Gräbern an sich zieht. Der Landvogt vom Greifensee etwa sammelt seine zerronnenen Fast-Ehefrauen und zimmert daraus ein «magisches Pentagramma von fünf Häuptern». Andere sammeln wiederum nur ihre eigene Vergangenheit, wie etwa der grüne Heinrich der zweiten Fassung, der das Manuskript seiner Jugendgeschichte nebst einem Totenschädel umherschleppt und deswegen von seinem Gastgeber, dem Grafen, zunächst für einen «Geisterbeschwörer» gehalten wird.

Die «Züricher Novellen» – und hierin erweisen sie sich als das ideologische Zentrum des späten Keller – inszenieren dieses riskante Widerspiel von Beschwören und Bannen der Toten in einer Doppelperspektive, in einer Vor- und einer Nachgeschichte. Zunächst lassen sie erahnen, dass die Dämonisierung der Geschichte eigentlich ein Effekt der Säkularisierung ist: Das Kompilieren von Dokumenten, das Verlangen, sich alles immer «in Copia geben» zu lassen, ist geknüpft an die Überzeugung, dass es ein «Uebel» sei, wenn «alles nur in den Gotteshäusern aufgeschrieben und bewahrt werde». In der Abschrift verlassen die Stimmen der Toten den Schutzraum der Kirche, und wer sich von nun ab schreibend mit den Quellen der Vergangenheit zusammenschliesst, der handelt auf eigene Gefahr und Verantwortung. Die Heilsgeschichte kann ihn nicht mehr retten.

Und da ist man dann auch schon bei der Nachgeschichte, der Erzählung vom «Herrn Jacques», die jenen ersten Band der «Züricher Novellen» moderiert und umschliesst. Jacques, ein junger Mensch, gespannt zwischen den «unbewussten Trieb», sich in die Geschichte der Zürcher Originale einschreiben zu wollen, und das beklemmende Gefühl, aus dieser Geschichte bereits verbannt zu sein – viel aktueller und tagespolitischer kann man es nicht haben.

Auch Jacques umstricken die Dämonen der Schweizer Historie, der mythischen wie der beglaubigten: die Gebeine von Felix und Regula, die «guten Geister des Liederbuchs», der von seiner eigenen Zeit bereits «überlebte» Johann Jakob Bodmer. Gemeinsam mit Fides blickt er hinab in die «Dämmerungen der Tiefe, in welcher unsichtbares Volk waltete, dem die Zukunft gehörte»; gemeinsam mit Buz Falätscher wird er von der Qual erlöst, «sein zu wollen, was man nicht ist».

Doch was meinte man eigentlich zu sein? Wohl doch das: Jemand, der die Vergangenheit als eine Potenz der Gegenwart, des eigenen Schaffens, der eigenen Werte zu erkennen und zu nutzen vermag. Kellers poetische Dämonologie setzt genau an diesem Punkt an. Sie verortet sich in einem historischen Moment, der dem unsrigen gar nicht einmal so unähnlich ist, in einer Zeit des «unechten Lebens, das über hundert Jahre im Verborgenen gewuchert hatte», einer Zeit falsch und halb verstandener nationalkultureller Traditionen. Mit ihnen nichts anfangen zu können, Epigone zu sein, in einer Epoche zu leben, die der Überlieferung nichts zuzusetzen hat, das wäre für sich genommen gar nicht einmal so schlimm.

Verderblich hingegen ist es, diesen Umstand zu leugnen und ein historisches Kontinuum dort zu behaupten, wo gar keines vorliegt. In Kellers Werk kann man in schöner Regelmässigkeit beobachten, was mit denjenigen geschieht, die von der Geschichte Besitz zu ergreifen versuchen und nicht merken, dass sie dabei selbst ergriffen werden: Besessene sind es, wie eben der Narr auf Manegg, die Täufer in «Ursula» oder wie Kurt vom Walde aus den «Missbrauchten Liebesbriefen». Und ihre Rede verrät stets den wahren Urheber.

Im Angesicht einer dämonischen Zeit, deren Ikone die lebenden Toten sind, wissen Kellers Novellen nur ein Schutzritual: das Opfer der Kunst. Am Ende, als der zum Mäzen gewandelte Jacques einen seiner Stipendiaten in Rom aufsucht, um einen «dürstende[n] Faun» zu begutachten, «der schon aus dem Marmor herauswachsen soll», wird er die Dämonen noch einmal vernehmen können. Inmitten der römischen Wildnis ist es ihm, als ob «ein unsichtbares Bacchanal verschollener Geister abgehalten würde». Zurückgelassen haben sie eine Leiche, nämlich besagten Faun, den Gott des Waldes, dessen Enthüllung eher Züge einer Obduktion hat – ein verdorrter, zerfallender Körper, der ohne Weinschlauch geblieben ist und vielmehr «um etwas Flüssiges zu beten» scheint.

Der junge römische Bildhauer hat geheiratet, seine Karriere hinter sich gelassen, und während sich die Hochzeitsgesellschaft nun tatsächlich in den Bacchanalien befindet, ist das marmorne Gefolge des Dionysos darüber verdurstet. In der Kunst, deren Körper man die Geister ausgetrieben hat, begegnen wir nur noch seinen sterblichen Überresten. Es sind die Überreste eines Exorzismus. Eines Exorzismus der Geschichte.


Aus: "Besessen von den Toten" Philipp Theisohn (25.5.2015)
Quelle: https://www.nzz.ch/feuilleton/besessen-von-den-toten-1.18547312

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"Gottfried Kellers Okkultismus" Von Kay Wolfinger (Archiv / Frühere Ausgaben / Nr. 7, Juli 2019 / Schwerpunkt II: 200. Geburtstag von Gottfried Keller / Essays)
„Die Geisterseher“ – eine (Re)Konstruktion und Spurensuche
https://literaturkritik.de/gottfried-kellers-okkultismus-die-geisterseher-eine-rekonstruktion-und-spurensuche,25871.html

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