Author Topic: Zur Anti-Atomkraft-Bewegung...  (Read 7340 times)

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Zur Anti-Atomkraft-Bewegung...
« on: February 02, 2019, 04:47:15 PM »
Anti-Atomkraft-Bewegung bezeichnet weltweite soziale Bewegungen und zivilgesellschaftliche Engagements, die sich für einen Atomausstieg und gegen die Nutzung der Kernenergie wenden.
https://de.wikipedia.org/wiki/Anti-Atomkraft-Bewegung

Kernenergie nach Ländern
Dieser Artikel beschreibt die aktuelle Situation der zivilen Nutzung der Kernenergie in einzelnen Ländern.
https://de.wikipedia.org/wiki/Kernenergie_nach_L%C3%A4ndern

Die Anti-Atomkraft-Bewegung in Deutschland ist eine in den 1970er Jahren entstandene soziale Bewegung, die sich gegen die zivile Nutzung der Kernenergie wendet. Im europäischen Vergleich zeichnet sich die deutsche Anti-Atomkraft-Bewegung durch ihre Stärke und insbesondere durch ihre Kontinuität aus. ...
https://de.wikipedia.org/wiki/Anti-Atomkraft-Bewegung_in_Deutschland

« Last Edit: February 02, 2019, 04:51:48 PM by Link »

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[Zur Anti-Atomkraft-Bewegung... ]
« Reply #1 on: February 02, 2019, 04:51:25 PM »
Kategorie:Antiatomkraftbewegung in Deutschland
https://de.wikipedia.org/wiki/Kategorie:Antiatomkraftbewegung_in_Deutschland

Die Großdemonstration bei Brokdorf fand am 28. Februar 1981 in der Wilstermarsch nahe Brokdorf in Schleswig-Holstein statt. Die von Bürgerinitiativen aus der Anti-AKW-Bewegung organisierte Versammlung richtete sich gegen den Bau des Kernkraftwerks Brokdorf. Sie erfolgte trotz eines gerichtlich bestätigten Versammlungsverbotes unter Teilnahme von etwa 50.000 bis 100.000 Demonstranten und gilt bis dahin als größte Demonstration in der Bundesrepublik. ...
https://de.wikipedia.org/wiki/Gro%C3%9Fdemonstration_bei_Brokdorf

Atomkraft ? Nein Danke ! (1976)
In Brokdorf formierte sich 1976 erstmals breiter und vor allem gewaltsamer Protest gegen den Bau eines Atomkraftwerks. Bilder von Großdemonstrationen und bürgerkriegsähnlichen Schlachten am Bauzaun flimmerten durch die Wohnstuben. Trotz allem ging der Meiler 1986, als erstes AKW nach dem Unfall von Tschernobyl, ans Netz. Bilanz der Auseinandersetzungen um den Kraftwerkbau: Hunderte verletzte Polizisten und Demonstranten, das politische Aus für den Hamburger Bürgermeister und einen Innensenator sowie ein wegweisendes Urteil des Bundesverfassungsgerichts zur Versammlungsfreiheit. ...
https://youtu.be/zqdmqonME7s

Brokdorf -- wie alles anfing BRD Siebziger Jahre · 13 min · Regie: DFFB Produktion
https://youtu.be/eVavbYAyXfw

https://umweltfairaendern.de/2019/01/akw-brokdorf-beitraege-aus-der-geschichte-des-widerstands/

Das geplante Kernkraftwerk Wyhl (auch Kernkraftwerk Süd, KWS) bei Wyhl am Kaiserstuhl sollte zwei Reaktorblöcke der 1300-Megawatt-Klasse (elektrische Leistung) umfassen, erhielt jedoch nur für Block I eine Teilerrichtungsgenehmigung. Mit dem Bau eines Reaktorgebäudes für Block I war bereits begonnen worden; infolge massiver Proteste der sich zu der Zeit noch im Entstehungsprozess befindenden Anti-Atomkraft-Bewegung und eines vom Verwaltungsgericht Freiburg veranlassten Baustopps wurden die Bauarbeiten 1977 eingestellt. ...
https://de.wikipedia.org/wiki/Kernkraftwerk_Wyhl

Wyhl - Der Widerstand gegen das Atomkraftwerk | Geschichte im Südwesten
Es ist der erste große Atomkraftkonflikt in der Bundesrepublik Deutschland: Zum ersten und einzigen Mal verhindern Bürger den Bau eines Atomkraftwerks. (SWR, Am 24.12.2016 veröffentlicht)
https://youtu.be/uJNcILIuiEI

« Last Edit: February 02, 2019, 05:04:52 PM by Link »

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Zur Anti-Atomkraft-Bewegung...
« Reply #2 on: February 02, 2019, 05:04:28 PM »
"Die Anti-Atom-Bewegung: Geschichte und Perspektiven" Taschenbuch (2015) von Tresantis (Herausgeber)
Keine andere soziale oder politische Bewegung in diesem Land war so erfolgreich wie die Anti-Atomkraft-Bewegung. Ihre Geschichte beginnt in den frühen 1970er Jahren und ihr Ende ist nicht in Sicht – der 'Energiewende' und der Stilllegung einiger Atomkraftwerke zum Trotz. Nie zuvor und in keinem anderen politischen Zusammenhang kämpften so unterschiedliche Protagonisten neben- und miteinander: Bäuer*innen, Winzer, linke Student*innen und Jugendliche, Alte und Junge, Hippies, K-Gruppenmitglieder und Autonome, Konservative und Militante. Nie zuvor waren die Mittel des Kampfes so unterschiedlich, umfassend und fantasievoll. Nie zuvor beteiligten sich so viele an Info- und Aufklärungsaktionen, strömten zu Demos, kämpften an Bauzäunen, besetzten Bauplätze und blockierten Transportwege. Dieses Buch berichtet nicht nur über einen großen Zeitraum hinweg von diesem breiten Spektrum der Kämpfe und lässt damalige und heutige Protagonist*innen selbst zu Wort kommen, sondern gibt auch einen Ausblick auf die Zukunft der Atompolitik und die zu erwartenden neuen Auseinandersetzungen.
Taschenbuch: 384 Seiten
Verlag: Assoziation A; Auflage: 1 (6. Oktober 2015)
Sprache: Deutsch
ISBN-10: 3862414469
ISBN-13: 978-3862414468

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"... und auch nicht anderswo!: Die Geschichte der Anti-AKW-Bewegung" (1997)
von Reimar Paul (Autor), Atom Express (Autor)
Broschiert: 288 Seiten
Verlag: Verlag Die Werkstatt GmbH (1. Juli 1997)
Sprache: Deutsch
ISBN-10: 3895331864
ISBN-13: 978-3895331862


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Zur Anti-Atomkraft-Bewegung...
« Reply #3 on: June 10, 2019, 12:55:15 AM »
"Der Atomkonflikt: Eine unendliche Geschichte" Manfred Ronzheimer (9.6.2019)
Mit riesigen Subventionen wurde einst in Deutschland die Atomenergie durchgedrückt. Jetzt geht der Streit beim Umgang mit dem Atommüll weiter.
http://www.taz.de/Der-Atomkonflikt/!5598552/

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Zur Anti-Atomkraft-Bewegung...
« Reply #4 on: September 17, 2020, 01:47:39 PM »
Quote
[...] Das Kernkraftwerk Kalkar zählt zu den sympathischen, weil gescheiterten Projekten der deutschen Atomära. Trotz massiver Proteste seit 1973 errichtet, ging es nie ans Netz. Explodierende Kosten und die spätestens nach dem GAU von Tschernobyl kippende politische Stimmung ließen es 1991 als Investitionsruine enden. Dass der Widerstand gegen die Wiederaufbereitungsanlage im oberpfälzischen Wackersdorf durch den Tod von Franz Josef Strauß letztlich erfolgreich war, würdigte vor zwei Jahren ein Film von Oliver Haffner: Den Kampf gegen den „Schnellen Brüter“ am Niederrhein verewigt jetzt der „Dorfroman“ von Christoph Peters.

Beides sind Arbeiten mit klarem Gegenwartsbezug. Ob beabsichtigt oder nicht, sie schärfen uns ein, dass der Klimaprotest seine Vorläuferin in der Antiatomkraftbewegung der siebziger und achtziger Jahre hat, und werfen damit ein vorteilhaftes Licht auf jene Generation, die damals die meisten Aktivist:innen stellte, heute aber übel beleumundet ist. Die Boomer sollen so schlimm sein? Haffner und Peters erinnern an okaye Boomer.

Dennoch trennen Film und Buch Welten, nicht nur medial. Wo „Wackersdorf“ letztlich Renitenz und Zusammenhalt einer ländlichen Region feierte – gegen ein Außen, die bauwütige bayerische Staatsregierung –, kreist „Dorfroman“ um die Entzweiung einer technokratisch belagerten Provinz.

Peters, der 1966 geborene und heute in Berlin lebende Autor, bekannt vor allem durch seine famosen deutsch-japanischen Geschichten, wuchs in Kalkar-Hönnepel auf, genau zu der Zeit, als in dem Landstrich mit Ackerbau und Viehzucht der „Brüter“ hochgezogen wurde. Er erzählt, was er erlebte: Wie ein sozialliberal abgesegnetes Unternehmen die stabil geglaubte Dorfgemeinschaft spaltete, als sei sie Plutonium 239.

Plötzlich kauft ein Bauer, langjähriger Kunde des Vaters, Maschinen bei der Konkurrenz, zerbricht selbst Mutters Kaffeeklatsch. Dann geht der Riss zwischen Gegnern und Befürwortern des AKWs auch noch durch Peters’ eigene Familie. Gibt es vergleichbare Literatur aus Wackers-, Brok- oder Mörfelden-Walldorf? Die Innenansicht eines Standorts dürfte neu sein; umso besser, dass Peters sie verdreifacht. Ausgangspunkt ist eine Fahrt des Ich-Erzählers aus der Hauptstadt nach Hülkendonck (Orts- und Personennamen werden dezent verfremdet), wo die Eltern immer noch leben. Beide sind über 80, er schon leicht dement, lange werden sie nicht mehr unbetreut wohnen können.

Den beunruhigenden Gegenwartsstrang verschränkt Peters mit zwei Vergangenheitsebenen. Mitte der siebziger Jahre ist der Erzähler im Grundschulalter und völlig eins mit dem tief katholischen Elternhaus, teilt mit ihm auch den Glauben an den Fortschrittsgaranten „Brüter“, die Weisheit der Experten. 1981/82 aber begehrt das 15-jährige Ich auf, schließt sich den verrufensten AKW-Gegnern an, einer Scheunenkommune auf dem Gelände von Bauer Praats. „Wir sind die Leute, vor denen uns unsere Eltern immer gewarnt haben!“ als Roman.

Zumal Peters mit dem Seitenwechsel seine eigene Emanzipationsgeschichte erzählt, hätte sie schnell in Schwarz-Weiß-Malerei abgleiten können: Demonstranten gut, brave Katholiken schlecht. Stattdessen gelingt ihm Balancekunst, lässt er einen grundvernünftigen, wenn auch lilabehosten Protest wiederaufleben, ohne aufs Herkunftsmilieu herabzuschauen.

Im Gegenteil. Es bereitet ihm diebisches Vergnügen, die Welt eines siebenjährigen Katholikenjungen pur wiederzugeben, bloß nicht „aufgeklärt“ dazwischenzuquatschen. Eine Welt, in die manchmal Exotisches dringt („am Strafraum lauert Allan Simonsen, der Däne“), in der Evangelische eher nicht in den Himmel kommen, ständig die Ermordung durch die Baader-Meinhof-Bande droht und selbst Rinder die kommunistische Gefahr bemerken. Am amüsant Reaktionären bleiben die Reminiszenzen aber nicht kleben.

Vielmehr leistet Peters die differenzierte Beschreibung, die man von einem politischen Roman erwarten darf. Ambivalent gezeichnet ist schon die Mutter, eine Religionslehrerin, die SPD-Kanzler Brandt für einen sowjetischen Spion hält, sich aber über die Geschlechtertrennung in den Kirchenbänken hinwegsetzt. Die findet, dass es Frauen nicht steht, wenn sie rauchen, aber dem Pastor den Kommunionsunterricht aus der Hand nimmt. Nennen wir’s Mikrorevolte.

Selbst der Vater taugt nicht recht zu dem Finsterling, den sein Teenagersohn aus ihm macht – auch wenn er als Kirchenvorstand für den Verkauf des Gemeindelands an die Brütergesellschaft mitverantwortlich war. Die Gründe seines Votums sind nun mal unskandalös, der Monteur für Landmaschinen spricht für viele Handwerker im Ort: „Es gibt keine Kanalisation, keine Straßenlaternen, und wenn man nicht von den Buren abhängig sein will, muss man fünfzehn, zwanzig Kilometer fahren, um eine Arbeit zu finden.“

Dass der wirtschaftliche Aufschwung durchs Kraftwerk ein Strohfeuer bleibt, erfahren auch der Erzähler und wir erst im Nachhinein; „Dorfroman“ verzichtet auf Besserwisserei. Also ein versöhnlicher Blick auf den Herkunftskomplex? Nicht ganz. Peters’ merkliche Verachtung, noch Dekaden später, gilt der katholischen Amtskirche. Dass dieser Verein beim Landverkauf vor keinem Winkelzug zurückschreckte und beim Kassieren die Vernunft im Munde führte, hätte im Grunde schon gereicht, den Heranwachsenden in die Arme der Reformation zu treiben.

Aber die Ökos waren sowieso unwiderstehlich, unterstreicht der Roman. Einfach, weil ihre Argumente die habituellen Macken entschuldigten. In einer großartigen Szene lauscht das jugendliche Ich einem Horror von Plenum: Gewaltfreie, Autonome und Feministinnen scheint überhaupt nichts zu einen, außer der fatalen Vorliebe fürs Adverb „echt“.

Aber eine Kernschmelze wäre noch schrecklicher, besonders eine vor der Haustür. Eine Technologie, bei der selbst ohne Unfall Müll mit jahrtausendelanger tödlicher Strahlung übrig bleibt, kann nicht die Zukunft sein. („Haus ohne Klo“, sagt man in Japan.) Die Beobachtung von Polizeischikanen, geschickt kontrastiert mit der Freund-und-Helfer-Sicht des Siebenjährigen, nimmt den Erzähler erst recht für die Kommunard:innen ein.

Auch hängt für ihn plötzlich alles zusammen, Atomkraft, toter Rhein, Waldsterben, Verlust der Artenvielfalt. Für die Umwelt wollte er immer schon kämpfen, als kindlicher Bernhard-Grzimek-Fan wie als pubertierender Schmetterlingsfänger. Der mentale Weg ins Protestcamp ist so gesehen kurz, deshalb wirkt der Gleichklang mit Juliane, der sieben Jahre älteren Aktivistin, völlig glaubhaft. Noch realistischer, dass der arg junge Mann seine große Liebe mit einem Eins-a-Problembewusstsein beeindrucken will. Kommt mir sehr bekannt vor, der Versuch, bis auf seinen Erfolg.

Die ersten Besprechungen haben in Julianes apokalyptischer Weltsicht, ihrer Erbitterung über einen viel zu langsamen ökologischen Wandel, die Haltung von Fridays for Future wiedererkannt. Ja, „im Grunde muss die Menschheit ganz weg von diesem Planeten. Wir sind eine Krankheit“ markiert eine Zeitschleife. Im Gedächtnis bleibt einem die verzweifelnde Heldin jedoch auch als Kontrastfigur. In den Polizeiknüppeln, die ihrer Psyche den Rest geben, spiegeln sich die Schläge des Vaters, eines Richters, der auch 1933 gut funktioniert hätte. Wie anders das Elternhaus des Erzählers.

Als zwischen Vater und Sohn politisch längst die Fetzen fliegen, schauen sie immer noch zusammen Fußball, ungläubig beobachtet von der Mutter. Es ist die vielleicht schönste und tückischste Erinnerung dieses wunderbaren Buches, denn wegen ihr fährt das Ich mit noch schlechterem Gewissen zurück nach Berlin. Nur sein Problem? Schön wär’s.


Aus: "Anti-AKW-Geschichte als Roman: Als die Zukunft noch strahlend war" Markus Joch (16. 9. 2020)
Quelle: https://taz.de/Anti-AKW-Geschichte-als-Roman/!5714034/

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Zur Anti-Atomkraft-Bewegung...
« Reply #5 on: September 28, 2020, 04:33:27 PM »
Quote
[...] Die Bundesgesellschaft für Endlagerung (BGE) hat auf der Suche nach einem Atommüllendlager ihren Zwischenbericht Teilgebiete vorgelegt. Daraus geht hervor, dass das Zwischenlager in Gorleben nicht mehr als Atommüllendlager infrage kommt. Unter anderem weise der Salzstock ein nicht intaktes Deckgebirge auf, auch die Gewässerchemie spreche gegen den Standort, sagte BGE-Geschäftsführer Steffen Kanitz.

Stattdessen werden in dem Bericht insgesamt 90 Regionen ausgewiesen, "die günstige geologische Voraussetzungen für die sichere Endlagerung radioaktiver Abfälle erwarten lassen", wie es auch im entsprechenden Standortauswahlgesetz (StandAG) geregelt ist. Die Teilgebiete finden sich deutschlandweit unter anderem in Bayern, Baden-Württemberg, Niedersachsen und in ostdeutschen Ländern wieder.

Die meisten Flächen liegen in Bayern und Niedersachsen. Beide Bundesländer sind flächenmäßig fast in gleichem Umfang betroffen: Die gebiete in Bayern umfassen zusammengerechnet 41.818 Quadratkilometer, die in Niedersachsen 41 507. Berücksichtigt man die Überlagerung einiger Gebiete, ist laut Bericht in Deutschland ein Anteil von 54 Prozent der Landesfläche als Teilgebiet ausgewiesen, insgesamt rund 194.000 Quadratkilometer.

"Wichtig ist: Der Zwischenbericht Teilgebiete ist kein abschließendes Ergebnis, sondern ein erster Zwischenstand", sagte Kanitz. Dabei erlaube die Geologie in Deutschland nach Ansicht des BGE in jedem Fall den Bau eines Endlagers. "Die Geologie ist von Nord bis Süd und Ost bis West so günstig, dass sich ein Standort wird ermitteln lassen", sagte Kanitz. Die Basis über den geologischen Untergrund beinhaltet insgesamt 1.040.605 Dateien, die das BGE aus Bundes- und Landesbehörden erreicht hat. 

Die möglichen Standorte sollen in den kommenden Jahren nach und nach weiter eingegrenzt werden. Dabei sollen auch Kriterien wie etwa die Bevölkerungsdichte berücksichtigt werden.   

Als Ausschlusskriterium für die Identifizierung eines Teilgebiets gelten für die BGE Regionen, in denen sich beispielsweise das Gestein verschiebt. Hierzu zählen Gebiete, in denen es in den letzten eins bis fünf Millionen Jahren vulkanische Aktivitäten gegeben hat. Auch Regionen, in denen seismische Bewegung registriert wurden und werden, fallen raus. Bergbau und Bohrungen gelten ebenfalls als Ausschlusskriterium für Teilgebiete.

Um sich als Standort für ein Endlager zu qualifizieren, setzt die BGE bestimmte Mindestanforderungen voraus. Dazu zählt unter anderem der Abstand zur Erdoberfläche. Außerdem darf sich das Gestein innerhalb von einer Million Jahren kaum verändern, wie Jörg Tietze, BGE-Bereichsleiter Standortauswahl, erklärte. Erst wenn alle Mindestanforderungen erfüllt sind, wird eine Region als Teilgebiet ausgewiesen.

Die BGE will ihre Ergebnisse bei der Fachkonferenz Teilgebiete im Oktober erneut vorstellen und erläutern. Dabei will die BGE nach eigenen Angaben auf Nachvollziehbarkeit und größtmögliche Transparenz setzen. Auch Vorschläge und Anmerkungen von Bürgerinnen und Bürgern sowie von Gemeinden und Organisationen können laut BGE in die Arbeit mit einfließen.

Die bayerische Landesregierung zweifelt den Suchprozess allerdings an. Der Untergrund sei nicht für ein Atommüllendlager geeignet. Bayerns stellvertretender Ministerpräsident Hubert Aiwanger glaubt darüber hinaus nicht an eine rein wissenschaftliche Suche. "Ich glaube, dass am Ende die Wissenschaft wieder politischen Kriterien ausgesetzt ist", sagte Aiwanger. Vor allem die aktuelle Corona-Krise zeige, welchem Einfluss die Wissenschaft bei der Lösung von gesellschaftlichen Problemen ausgesetzt sei.

Die Suche nach einem Endlager wurde nach längerem Streit um das Zwischenlager Gorleben komplett neu gestartet. Die möglichen Standorte werden seitdem nach wissenschaftlichen Kriterien bewertet. Basierend auf den Erkenntnissen der Geologie soll die Politik dann entscheiden, an welchem Standort ein neues Endlager entsteht. Bis zum Jahr 2031 soll ein neuer Standort gefunden sein.

In Gorleben war es in den vergangenen Jahrzehnten immer wieder zu Protesten gegen die Atomindustrie gekommen. Das Atommülllager im Wendland hatte bereits 1995 seinen Betrieb aufgenommen. Für eventuelle Ereignisse wie Terroranschläge oder Flugzeugabstürze wurde vorgebaut. Der Betonboden des Zwischenlagers fällt zu den Seiten hin leicht ab.

Im Fall einer Katastrophe soll Kerosin oder Brandbeschleuniger möglichst schnell durch kleine Löcher in den Außenwänden abfließen. Dadurch soll eine Überhitzung der Castoren verhindern werden. Tests haben jedoch gezeigt, dass die Stahlbehälter nur eine halbe Stunde Temperaturen von 800 Grad überstehen. Was danach geschieht, weiß niemand.

Die Entscheidung gegen Gorleben ist laut Kanitz rein wissenschaftlicher Natur, es habe keinen politischen Druck gegeben. Gorleben habe zwar bei der ersten Prüfung der Geologie die Hürde genommen, weise aber keine "günstige Gesamtsituation" auf, sagte Kanitz.

Hochradioaktiver Müll muss möglichst eine Million Jahre lang möglichst sicher gelagert werden. Das unterirdisch geplante Endlager soll in Salz, Ton oder Kristallin, also vor allem Granit entstehen. In der Endlagerfrage geht es um etwa 1.900 Castorbehälter mit etwa 27.000 Kubikmeter Atommüll, für die nach dem für Ende 2022 beschlossenen Atomausstieg ein sicherer Verbleib gefunden werden muss. Aktuell ist Finnland der weltweit einzige Staat, der mit dem Bau eines Endlagers begonnen hat.



Aus: "" ()
Quelle: https://www.zeit.de/politik/deutschland/2020-09/atommuell-endlager-bge-benennt-90-regionen-als-geologisch-geeignet


Quote
explore the world #1

Bitte mit interaktiver Karte wie bei den Corona-Infektionen 😉


Quote
Meierei #1.6

Voilá

https://www.bge.de/de/endlagersuche/zwischenbericht-teilgebiete/



Quote
sandor123 #1.17

interaktiv oder radioaktiv?


Quote
xl8lx #3

Es gibt keine geologisch geeigneten Regionen für diesen gefährlichen Müll ... nur besser oder gar nicht geeignet.


Quote
Calorictus #6

Am Ende wird sowieso nicht die geologische Eignung, sondern die geringe politische Abwehrkraft der Region den Ausschlag geben. Absolute Sicherheit gibt es nicht, also dorthin mit dem Müll, wo die wenigsten Proteste zu erwarten sind.


Quote
Pedroleum #24

Das werte ich als Zwischenerfolg für die Protestbewegung im Wendland.


Quote
Karl Josef Schleidweiler #15

... Es gibt auf diesem Planeten keinen Flecken, der über Jahrhunderttausende sicher wäre.


...

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« Reply #6 on: March 01, 2021, 08:15:36 PM »
Quote
[...] Rund 100.000 Menschen kommen am 28. Februar 1981 zur bis dahin größten deutschen Anti-Atom-Demo an die Unterelbe. Sie protestieren gegen den Bau des AKW Brokdorf - trotz Verbots. 1976 war es bei der "Schlacht um Brokdorf" zu massiven Ausschreitungen gekommen.

28. Februar 1981: Ein Sonnabend, Minusgrade, über Norddeutschland fegt ein eisiger Ostwind hinweg. Aus allen Teilen der Republik machen sich Menschen auf in die Wilstermarsch. In der flachen Region an der Unterelbe gut 60 Kilometer nordwestlich von Hamburg liegt ein kleiner Ort, der seit Mitte der 70er-Jahre in den Fokus der Öffentlichkeit gerückt ist: Brokdorf. 1972 hatte die Kraftwerk Union AG beschlossen, dort ein Atomkraftwerk zu bauen. Dagegen formiert sich in den Folgejahren ein breiter Protest: Im November 1976 kommt es bei einer Großdemonstration mit rund 30.000 Teilnehmern zu Gefechten zwischen Polizei und Demonstranten. Im Oktober 1977 verfügt das Oberverwaltungsgericht Lüneburg einen unbefristeten Baustopp, weil die Entsorgung noch nicht geklärt ist. Gut drei Jahre herrscht Ruhe, bis das Gericht am 22. Januar 1981 den Baustopp aufhebt.

Daraufhin kündigen Atomkraftgegner eine Großdemonstration für den 28. Februar an, die der Landrat des betroffenen Kreises Steinburg für die gesamte Wilstermarsch verbieten lässt. Einen Tag vor den geplanten Protesten hebt das Verwaltungsgericht Schleswig das Verbot zum größten Teil auf. Doch nur wenige Stunden später - in der Nacht zum Sonnabend - verhängt das Oberverwaltungsgericht Lüneburg erneut ein Demonstrationsverbot für die ganze Region. Zahlreiche Demonstranten sind zu diesem Zeitpunkt bereits angereist.

Dennoch strömen am Sonnabendmorgen Tausende Demonstranten aus verschiedenen Richtungen in die Wilstermarsch. Die Polizei, die damit rechnet, dass die Protestierenden zum Baugelände gelangen wollen, hat großräumige Straßensperren errichtet. So blockiert sie etwa stundenlang die A7 in der Nähe des Horster Dreiecks für Fahrzeuge, die aus Süden kommen, und errichtet eine Straßensperre in Itzehoe. Viele Atomkraftgegner erreichen trotzdem ihr Ziel - sie haben in der Region übernachtet, kommen mit der Bahn oder umgehen die Sperren.

Um 10 Uhr findet eine Auftaktkundgebung des Bundesverbands Bürgerinitiativen Umweltschutz (BBU) in der Stadt Wilster mit etwa 10.000 Teilnehmern statt. Nach deren Ende setzen sich die Demonstranten in zwei Märschen in Richtung Brokdorf in Bewegung. Eine Gruppe wählt den Weg über Dammfleth. Dort hat die Polizei eine Sperre aus Containern errichtet. Demonstranten, die sich einzeln auf Waffen kontrollieren lassen, werden allerdings durchgelassen. Später wird die Sperre ganz aufgehoben.

Etwa 35.000 Demonstranten kommen schließlich bis zum bewachten Baugelände durch. Viele haben die Sperren umgangen und sich einen Weg über Felder und zugefrorene Gräben gebahnt. Alles verläuft friedlich, bis es am Nachmittag direkt am Bauzaun zu gewaltsamen Auseinandersetzungen kommt. Während ein Großteil der Protestler bereits den Rückweg angetreten hat, werfen circa 3.000 militante Demonstranten Steine, Brandflaschen und Wurfgeschosse gegen die Beamten. Die Polizei setzt Tränengas, Wasserwerfer und Hubschrauber ein und vertreibt die Demonstranten aus der Umgebung des Baugeländes. Der weitere Rückzug der Atomkraftgegner verläuft ohne größere Zwischenfälle. Die Polizei meldet später 128 verletzte Beamte, der BBU 45 verletzte Demonstranten, andere Quellen sprechen von rund 70.

Mit insgesamt bis zu 100.000 Teilnehmern geht die Anti-AKW-Demonstration als bis dato größte in die Geschichte der Bundesrepublik ein. Auch der Einsatz von rund 10.000 Polizisten ist ein Rekord.

Die Bewertung der Ereignisse fällt hingegen recht unterschiedlich aus. Politiker loben den Einsatz der Polizei als besonnen und deeskalierend. Der Polizei sei es zu verdanken, so Schleswig-Holsteins damaliger Innenminister Uwe Barschel (CDU), "dass es nicht zu noch schlimmeren Ausschreitungen gekommen ist". Gleichzeitig werfen sie den Atomkraftgegnern vor, das Demonstrationsverbot missachtet zu haben.

Auch die Atomkraftgegner werten den Tag als einen Erfolg. Grünen-Sprecher Roland Vogt spricht von einem "Triumph des politischen Grundrechts auf freie Demonstration". Das Verhalten der Polizei sehen die Initiatoren der Proteste hingegen kritisch. Die Polizei habe Wasserwerfer gegen die Demonstranten zu einem Zeitpunkt eingesetzt, als "überhaupt kein Anlass dazu bestand", moniert etwa BBU-Vorstand Josef Leinen. Außerdem wirft der BBU der Polizei vor, die gewalttätigen Auseinandersetzungen bewusst provoziert zu haben, um "den bis dahin friedlichen und gewaltfreien Charakter der Demonstration doch noch in Misskredit zu bringen".

War das Verbot der Demonstration zulässig? Hat die Polizei angemessen gehandelt? Haben sich die Demonstranten strafbar gemacht? Was bleibt, sind jede Menge Widersprüche und unbeantwortete juristische Fragen. "Macht sich strafbar, wer an einer verbotenen Demonstration teilnimmt, aber von der Polizei Einlass ins Sperrgebiet erhält?“, fragt der Spiegel in einem Beitrag vom 9. März 1981 ironisch.
http://www.spiegel.de/spiegel/print/d-14317148.html

Diese und weitere Grundsatzfragen des Demonstrations- und Versammlungsrechts beschäftigen in den folgenden Jahren das Bundesverfassungsgericht, das über die Verfassungsbeschwerde eines Ehepaars aus Itzehoe wegen Grundrechtsverletzung urteilen muss. Am 14. Mai 1985 legen die Karlsruher Richter ihr Votum vor. In dem sogenannten Brokdorf-Urteil kommen sie zu dem Schluss, dass das Verbot der Demonstration 1981 unzulässig war. Friedfertige Bürger hätten ein Recht auf Versammlungsfreiheit. Dieses bleibe auch dann erhalten, wenn mit Ausschreitungen Einzelner oder einer Minderheit zu rechnen sei. Ein später Sieg für die Demonstranten.

Im Oktober 1986 wird das Atomkraftwerk Brokdorf - nur wenige Monate nach der Reaktorkatastrophe von Tschernobyl - in Betrieb genommen. Im Dezember 2001 beschließt die rot-grüne Mehrheit im Bundestag den Ausstieg aus der Atomenergie. Demnach soll das AKW Brokdorf 2018 vom Netz gehen. Als die schwarz-gelbe Bundesregierung den Ausstieg im Oktober 2010 rückgängig macht, werden die Karten neu gemischt: Das stets umstrittene Kraftwerk an der Unterelbe soll noch viel länger Strom produzieren - nach den Plänen der schleswig-holsteinischen Landesregierung etwa bis 2033. Der schwerwiegende Atomunfall im japanischen Fukushima im März 2011 bringt eine erneute Wende: Ende Mai 2011 beschließt die Bundesregierung den kompletten Ausstieg aus der Atomenergie bis 2022. Das AKW Brokdorf soll nun noch bis Ende 2021 Strom liefern.



Aus: "Dem Verbot zum Trotz: Großdemo gegen AKW Brokdorf 1981" Kathrin Weber (01.03.2021)
Quelle: https://www.ndr.de/geschichte/schauplaetze/Dem-Verbot-zum-Trotz-Grossdemo-gegen-AKW-Brokdorf-1981,brokdorfdemonstration101.html