Author Topic: Umweltschutz | Naturschutz | Umweltgefährliche Stoffe (Ökotoxikologie)  (Read 14698 times)

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Umweltschutz | Naturschutz | Umweltgefährliche Stoffe (Ökotoxikologie)
« Reply #60 on: May 31, 2021, 01:58:03 PM »
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[...] Am 20. Mai berieten die EU-Handelsminister im Rahmen des Rates für Auswärtige Angelegenheit über das EU-Mercosur-Abkommen. Derzeit unterstützt die Bundesregierung die Bestrebungen der EU-Kommission, das umstrittene Vorhaben durch ein Zusatzabkommen zu retten. Dagegen protestiert ein Bündnis aus Umweltschutz-, Landwirtschafts- und Menschenrechtsorganisationen. In einem gemeinsamen Aufruf forderten die Organisationen die Bundesregierung auf, das geplante Handelsabkommen mit Argentinien, Brasilien, Paraguay und Uruguay zu stoppen.

Mit dessen Inkrafttreten werden nicht nur die billigen Fleischimporte befeuert und weiterhin Regenwald zerstört, sondern europäischen Herstellern von Pestiziden werden auch bessere Absatzmärkte verschafft. Über Laboranalysen konnte die Umweltorganisation Greenpeace nachweisen, dass die in der EU verbotenen Wirkstoffe über das Obst nach Deutschland zurückkommen.

Im April und im Mai diesen Jahres hatte ein Greenpeace-Team Mangos, Limetten, Papayas, Melonen und Feigen aus Brasilien in Discountern und Supermärkten und Feinkostläden in ganz Deutschland eingekauft. Anschließend wurde das Obst in einem akkreditierten, unabhängigen Labor auf Rückstände von Schadstoffen untersucht. Das Ergebnis war alarmierend: Von 70 getesteten Papayas, Mangos, Melonen, Limetten und Feigen enthielten 59 Proben Rückstände von insgesamt 35 verschiedenen Pestizidwirkstoffen.

Mehr als die Hälfte der Proben war mehrfach belastet, auf manchen fanden sich bis zu neun verschiedene Pestizide. Vier Proben überschritten die zulässigen Höchstmengen. Analysiert wurden sowohl die Schale als auch das Fruchtfleisch. Darüber hinaus fanden sich in den Proben vier Desinfektionsmittel und 21 Wirkstoffe, die auf der Liste der giftigsten Pestizide der Organisation PAN (Pesticide Action Network International) vom März 2021 in der Kategorie "hoch gefährliche Pestizide" (Highly Hazardous Pesticides, kurz: HHP) geführt werden. Lediglich elf von 70 Früchten waren pestizidfrei. Elf der gefundenen Wirkstoffe sind in der EU nicht erlaubt. Einige werden von Bayer beziehungsweise von BASF vertrieben.

Mit 41 Prozent stellten Insektizide und Akarizide den größten Teil der nachgewiesenen Pestizide, dicht gefolgt von den Fungiziden mit 38,5 Prozent. Insektizide sind für fast alle Insekten tödlich, auch für Nützlinge, wie zum Beispiel Bienen. Auch für Menschen sind Fungizide und Insektizide gefährlich. Dabei hängt der Grad der Gefährlichkeit nicht nur von den gefundenen Rückstandsmengen und deren Giftigkeit ab. Entscheidend ist auch, ob sich in der Schale oder im Fruchtfleisch Rückstände finden. Ungeklärt ist noch, ob sich bei Mehrfachbelastungen in einer Probe die gesundheitlichen Auswirkungen gegenseitig beeinflussen.

Sieben der gefundenen Wirkstoffe finden sich in Produkten, die die BASF in Brasilien vertreibt. Zwölf Wirkstoffe sind in Handelspräparaten von Bayer in Brasilien zugelassen, darunter solche, die als hochgefährlich eingestuft werden und in der EU nicht zugelassen sind. Insgesamt 19 der festgestellten Wirkstoffe werden sowohl von Bayer als auch von der BASF in Brasilien vertrieben.

Mehr als zwei Drittel der Wirkstoffe, die deutsche Unternehmen in Brasilien verkaufen, sind als hochgefährliche Chemikalien einzustufen. In den armen Ländern Südamerikas vergiften sie Böden und Wasser, töten Pflanzen und Tiere - und gefährden die Gesundheit der Menschen, die ihnen ausgesetzt sind. Von den insgesamt 16 EU-Mitgliedsländern, die im Jahr 2019 Pestizide im Wert von mindestens 915 Millionen Euro in die Mercosur-Länder exportierten, liegt Deutschland immerhin auf Platz Drei der Top-Exporteure.

BASF und Bayer wiesen die Vorwürfe weit von sich: Alle Pflanzenschutzprodukte würden ausführlich getestet, evaluiert und von den Behörden auf Basis der in den jeweiligen Ländern geltenden offiziellen Richtlinien zugelassen, bevor sie verkauft werden. So verkaufe die BASF die Pflanzenschutzmittel nur, wenn sie die Anforderungen des internationalen Verhaltenskodex der Weltgesundheitsorganisation (WHO) sowie der Ernährungs- und Landwirtschaftsorganisation der Vereinten Nationen (FAO) erfüllten, wird eine BASF-Sprecherin in der Frankfurter Rundschau zitiert.

Bayer verkaufe bereits seit 2012 keine Pflanzenschutzmittel mehr, die von der WHO als "besonders toxisch" eingestuft seien. Man habe sich seit 2016 dazu verpflichtet, nur Pflanzenschutzprodukte zu vertreiben, deren Wirkstoffe in mindestens einem OECD-Industrieland registriert sind. Zudem verfüge Brasilien über strenge Zulassungsbestimmungen. So seien zahlreiche in Brasilien verbotene Pflanzenschutzmittel in der EU zugelassen.

Auch andere Chemiekonzerne wie Syngenta sind gut im Geschäft - zum Beispiel in Indien. Offiziell erfolgen Herstellung und Export gefährlicher Pestizide unter hohen Sicherheitsauflagen. Chemikalien würden "verantwortungsbewusst" und unter den richtigen Vorsichtsmaßnahmen eingesetzt, durch Befolgen aller Anweisungen, dem Tragen persönlicher Schutzausrüstungen sowie ordnungsgemäßer Lagerung, Anwendung und Entsorgung. Doch viele Landwirte können die Sprache, in der die Etiketten gedruckt sind, nicht lesen. So fehlt ihnen zum Einen schlicht die Information über die Gefahren. Zum Andern fehlt häufig die notwendige Schutzausrüstung.

Zum Beispiel in Yavatmal im indischen Bundesstaat Maharashtra: Hier leben tausende arme Bauern mit geringer Schulbildung vom Baumwollanbau. Zwischen Juli und Oktober 2017 hatten sich in Vidarbha, einer Region im Osten von Maharashtra, mehr als fünfzig Männer beim Ausbringen von Pestiziden tödlich vergiftet. Insgesamt sollen in Yavatmal mehr als 800 Bauern oder Landarbeiter wegen akuter Vergiftungen ins Spital eingeliefert worden sein, nachdem sie Pestizide versprüht hatten. Mehrere Hundert von ihnen erblindeten vorübergehend. Mindestens 65 Menschen starben infolge des Versprühens von Insektiziden. Genutzt hatten sie das Produkt "Polo" - allein oder im Mix mit anderen Produkten.

Grundlage des Insektizids ist der Wirkstoff Diafenthiuron, der als Gefahr für die menschliche Gesundheit eingestuft wird. Er kann bereits beim Einatmen Organschäden verursachen. Wegen der schädlichen Auswirkungen auf menschliche Gesundheit und Umwelt wurde das Produkt in der Schweiz vom Markt genommen und auf der Liste der verbotenen Pestizide aufgeführt. Dennoch wird es von der Hersteller-Firma Syngenta in andere Länder weiterverkauft.

Ein Team der konzernkritischen Schweizer Organisation Puplic Eye kam nach einer Befragung von Betroffenen vor Ort zu dem Schluss, dass viele der Baumwollbauern das Syngenta-Pestizid Polo in Kombination mit unterschiedlichen anderen Insektiziden, Fungiziden, Wachstumsreglern versprüht hatten. Welche spezifische Substanz oder welche Kombination von Substanzen zu welchen Teilen für ihre Vergiftungen verantwortlich war, war im Nachhinein nicht mehr nachzuvollziehen.

Das bedeutet keinesfalls, dass das Produkt Polo harmlos ist, wie sich im Fall von Hiroman Soyam zeigt: Der Bauer hatte das Produkt in Reinform mit Wasser angerührt. Am nächsten Tag wachte er mit geschwollenem Gesicht, Brustschmerzen, Fieber und Durchfall auf. Nach mehrtägiger Behandlung im Krankenhaus ist er bis heute zu schwach zum Arbeiten.

Immer wieder kommt es in Indien zu Vergiftungen durch Pestizide, erklärt Dr. Narasimha Reddy. So kamen 2002 in Warangal im Staat Telangana etwa 50 Bauern ums Leben. Rund 500 Menschen mussten im Krankenhaus behandelt werden. Verantwortlich sind multinationale Agrarkonzerne, die diese Produkte vermarkten. Die Konzerne haben damals genauso weggeschaut wie die indische Regierung im Fall der Tragödie, die sich in Yavatmal abspielte, erklärt der Direktor des Pesticide Action Networks India.

Es gebe keinen sicheren Weg, die Giftstoffe auszubringen. In Indien liegen die Felder direkt neben den Siedlungen. Selbst wenn die Bauern durch Schutzanzüge geschützt wären, geraten die Giftstoffe in den Wasserkreislauf. Ein Verbot wäre die einzige Lösung. Nur abschreckende Strafen können multinationale Firmen daran hindern, mit Falschbehauptungen und auf Kosten von Leben und Nachhaltigkeit Profit zu erwirtschaften, glaubt Kavitha Kuruganti, die nach der Vergiftungswelle in der Region eine Recherche nach den Ursachen angestoßen hatte. Längerfristig müsse sich Indien von der Chemie in der Landwirtschaft verabschieden, fordert die indische Landwirtschaftsaktivistin und Sprecherin der "Allianz für nachhaltige und ganzheitliche Landwirtschaft". Die indischen Bauern kämen auch ohne die Produkte von Syngenta gut zurecht.

Der Wirkstoff Paraquat ist im Unkrautvernichter Gramoxone enthalten und wird, seit dieser von der britischen Firma Imperial Chemical Industries (ICI) 1962 auf den Markt gebracht wurde, auf Reisfeldern in allen Weltregionen ausgebracht. ICI gehört seit den 1990er Jahren zu Zeneca und ist seit 2000 ein Teil von Syngenta. Obwohl die Verwendung des Herbizids sowohl in Grossbritannien wie in der Schweiz verboten ist, exportiert der Schweizer Konzern jedes Jahr Tausende Tonnen Paraquat aus seinem Werk in Nordengland.

Glaubt man Michael Eddleston, Professor für klinische Toxikologie an der Universität Edinburgh, verstarben im Laufe der letzten Jahrzehnte zehntausende Menschen in Ländern aller Weltregionen an Paraquat. Die Beigabe eines Brechmittels konnten die tödlichen Vergiftungen nicht verhindern. Doch Syngenta und seine Vorgänger ignorierten wiederholt die Warnungen ihrer eigenen Wissenschaftler, kritisiert Public Eye. Sie lehnten die flächendeckende Einführung von sichereren Paraquat-Produkten vehement ab, weil sie darin keine wirtschaftlich akzeptable Lösung sahen. Mittlerweile reichte eine Gruppe von Bauern und Bäuerinnen in den USA, die Paraquat für ihre Parkinsonerkrankung verantwortlich machen, eine Klage gegen den Hersteller Syngenta ein.

Mit dem Handel von Pestiziden machen Chemiekonzerne weltweit große Geschäfte. Gleichzeitig werden Jahr für Jahr Millionen Menschen weltweit Opfer von Pestizidvergiftungen. Die Gifte belasten nicht nur Böden und Gewässer, sondern schaden vor allem auch den Menschen, die sie anwenden. Sie schwächen bestäubende Insekten wie Bienen, die insbesondere durch Neonikotinoide gefährdet sind. Ist der Organismus der Biene einmal durch Agrochemikalien geschwächt, haben Varroamilben leichtes Spiel, wie Schweizer Insektenforscher herausfanden.

Was die Pestizid-Exporte angeht, sollte ein 2019 veröffentlichter Faktencheck von PAN Germany Licht ins Dunkel bringen. Mit einer Unterschriftenaktion fordert die Initiative Campact e. V. deutsche Chemiekonzerne wie Bayer und BASF auf, den Export von Pestiziden nach Afrika, Asien und Lateinamerika zu beenden. Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier (CDU) stelle die Interessen weniger deutscher Großkonzerne über die Gesundheit der Menschen und den Umweltschutz, kritisiert Greenpeace-Handelsexperte Jürgen Knirsch. Tritt das geplante EU-Mercosur Abkommen in Kraft, werden auch die Zölle auf Pestizide aufgehoben. Das wiederum dürfte den Handel mit den in der EU verbotenen giftigen Pestiziden aus Deutschland befeuern. Vor diesem Hintergrund fordert Greenpeace den Wirtschaftsminister auf, das Mercosur-Handelsabkommen zu stoppen. (Susanne Aigner)


Aus: "Wenn Rückstände von Giftexporten in Südfrüchten zurückkehren" Susanne Aigner (30. Mai 2021)
Quelle: https://www.heise.de/tp/features/Wenn-Rueckstaende-von-Giftexporten-in-Suedfruechten-zurueckkehren-6057256.html?seite=all

https://www.gerechter-welthandel.org/2021/05/20/zivilgesellschaftliche-organisationen-fordern-den-stopp-des-geplanten-eu-mercosur-abkommens-und-eine-kehrtwende-in-der-eu-handelspolitik/

https://www.greenpeace.de/sites/www.greenpeace.de/files/publications/giftiger_handel_greenpeace.pdf

http://pan-international.org/wp-content/uploads/PAN_HHP_List.pdf

https://www.fr.de/wirtschaft/greenpeace-pestizide-gift-supermarkt-obst-brasilien-mango-melone-mercosur-90652437.html


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« Reply #61 on: June 03, 2021, 10:59:36 AM »
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[...] Der Europäische Gerichtshof hat Deutschland verurteilt, weil jahrelang in vielen Städten die Grenzwerte für den Luftschadstoff Stickstoffdioxid erheblich überschritten wurden. Die Bundesrepublik habe damit EU-Recht gebrochen, entschieden die höchsten EU-Richter am Donnerstag in Luxemburg. Hintergrund ist eine Klage der EU-Kommission. Sie bezieht sich auf die Jahre 2010 bis 2016. (Rechtssache C-635/18)

Mit dem Urteil gegen die Bundesrepublik sind neue Auflagen zum Beispiel für Dieselfahrzeuge an bestimmten Orten nicht ausgeschlossen. Allerdings hat sich die Luftqualität in deutschen Städten zuletzt verbessert, unter anderem wegen der Corona-Krise. Nach Angaben des Bundesumweltministeriums waren 2016 in 90 Städten die Grenzwerte teils deutlich überschritten worden. Seither sei die Zahl jedes Jahr gesunken. 2019 waren es den Angaben zufolge noch 25, im Corona-Jahr 2020 dann sechs, darunter München und Hamburg.

Die EU-Kommission hatte die Klage gegen Deutschland 2018 beim obersten EU-Gericht eingereicht. Sie begründete dies damals damit, dass die seit 2010 in der EU gültigen Jahresgrenzwerte für Stickstoffdioxid in 26 Gebieten systematisch und fortdauernd überschritten worden seien. Dazu gehörten Berlin, Hamburg, München und Stuttgart. In zwei Gebieten seien auch Stundengrenzwerte nicht eingehalten worden.

Den Argumenten folgte der EuGH jetzt. Deutschland habe dadurch gegen seine Verpflichtungen aus der Luftreinhalterichtlinie verstoßen, „dass keine geeigneten Maßnahmen ergriffen wurden, um ab dem 11. Juni 2010 in allen Gebieten die Einhaltung der Grenzwerte für NO2 zu gewährleisten“, erklärte das Gericht.

Der Jahresgrenzwert für Stickstoffdioxid liegt bei 40 Mikrogramm je Kubikmeter Luft im Jahresmittel. Daneben gibt es einen Ein-Stunden-Grenzwert von 200 Mikrogramm, der nicht öfter als 18-mal pro Jahr überschritten werden darf. Stickstoffdioxide entstehen vor allem bei Verbrennungsprozessen sowohl in Motoren als auch in Öfen für Kohle, Öl, Gas, Holz und Abfälle. Sie gelten unter anderem für Asthmatiker als schädlich.

Die Deutsche Umwelthilfe hatte schon vorab erklärt, der Richterspruch aus Luxemburg habe „grundlegende und weitreichende Bedeutung im Kampf für die saubere Luft“. Der Verband bedauerte allerdings, dass das Urteil erst mehr als zehn Jahre nach Inkrafttreten der Grenzwerte komme. Die DUH habe seit 2011 in insgesamt 40 Städten und neun Bundesländern geklagt und Maßnahmen wie Dieselfahrverbote, die Nachrüstung von Bussen, die Verbesserung des öffentlichen Nahverkehrs, Fahrrad- und Fußverkehr sowie Tempo 30 durchgesetzt. (dpa)


Aus: "Europäischer Gerichtshof verurteilt Deutschland" (03.06.2021)
Quelle: https://www.tagesspiegel.de/wirtschaft/-zu-schmutzige-luft-in-staedten-europaeischer-gerichtshof-verurteilt-deutschland/27252366.html

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« Reply #62 on: June 03, 2021, 11:09:06 AM »
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[...] Eigentlich wollten die Forschenden um Jon Hawkings vom Deutschen Geoforschungszentrum Potsdam (GFZ) und der Florida State University herausfinden, welchen Einfluss Nährstoffe im Wasser des schmelzenden Grönlandeises für das Leben im arktischen Ozean und die Umwelt haben.

Dabei machten sie eine unerwartete Entdeckung: Bei der Analyse des Wassers stießen sie auf extrem hohe Quecksilberkonzentrationen. Die Werte seien vergleichbar mit denen in industriell stark belasteten Flüssen in China, schreiben die Forschenden im Fachjournal „Nature Geoscience“.

In den Schmelzwasserflüssen des südwest-grönländischen Eisschildes fanden die Wissenschaftler:innen Werte von 150 Nanogramm gelöstem Quecksilber pro Liter – die Konzentrationen waren mindestens zehn Mal so hoch wie in durchschnittlichen Flüssen. Eigentlich liegt dieser Wert des hochgiftigen Stoffes in Flüssen bei 1 bis 10 Nanogramm. Ungelöste Quecksilberpartikel fanden die Forschenden sogar in Konzentrationen von mehr als 2000 Nanogramm pro Liter Schmelzwasser.

Insgesamt würden 42 Tonnen Quecksilber pro Jahr von den schmelzenden Gletschern in Südwestgrönland in die umgebenden Flüsse gespült – rund zehn Prozent des gesamten mit Flüssen ins Meer transportierten Quecksilbers weltweit. Die Forschenden schreiben, dass damit erhebliche Mengen des Schwermetalls in den arktischen Ozean gelangen.

So große Mengen des Schwermetalls hatten die Geolog:innen in der unberührten Umgebung Grönlands nicht erwartet. Sie schätzen die gefundenen Mengen als „global signifikant“ ein. Denn aufgrund seiner toxischen Wirkung sei Quecksilber ein Thema von globaler Bedeutung.

„Wir zeigen, dass die Konzentrationen von gelöstem Quecksilber zu den höchsten gehören, die in natürlichen Gewässern aufgezeichnet wurden, und dass die Quecksilberausbeute aus diesen um zwei Größenordnungen höher ist als aus arktischen Flüssen“, so die Forschenden.

Die Frage ist nun, woher die giftige Substanz überhaupt stammt. Quecksilber kann aus Ablagerungen auf dem Eis durch Luftverschmutzung – etwa aus der Nutzung fossiler Brennstoffe oder aus anderen industriellen Quellen – ins Tauwasser gelangen.

Doch die Forschenden haben herausgefunden, dass die Konzentrationen von gelöstem Quecksilber in dem Schmelzwasser die gemessenen Werte der Substanz auf Oberflächenschnee und Eis übersteigen. Das Team hat eine andere Vermutung: „Unsere Ergebnisse deuten auf eine geologische Quelle von Quecksilber am Boden des Eisschildes hin.“

Denkbar ist demnach, dass das Schwermetall aus dem Bodengestein unterhalb des Gletschers stammt und durch die Bewegung der abtauenden Eismassen freigesetzt wird. Das Eisschild zermahlt bei seiner Bewegung das unter ihm gelegene Felsgestein, womit auch Schwermetalle wie Quecksilber freigesetzt werden können.

Damit wäre der Mensch indirekt an dieser Umweltkatastrophe beteiligt, ist es doch die Erderwärmung, die das Schmelzen der Gletscher in der Arktis vorantreibt. Zudem sei es aber auch möglich, dass geothermische Prozesse unter dem Eisschild eine Rolle spielen.

Die Ergebnisse zeigen, dass offenbar auch natürliche Schwermetallquellen auf Prozesse des Klimawandels reagieren können. Bislang wird weitgehend davon ausgegangen, dass die steigenden Konzentrationen von Quecksilber, die weltweit gemessen werden, in erster Linie von direkten Aktivitäten der Menschen – etwa der Industrie – stammen.

„Aber Quecksilber, das aus klimatisch empfindlichen Umgebungen wie Gletschern stammt, könnte eine Quelle sein, die viel schwieriger zu handhaben ist“, sagt Leitautor Hawkings. Die Ergebnisse könnten nun für Wissenschaft und Politik wichtig für den Umgang mit der Quecksilberverschmutzung sein.

Durch den starken Eintrag von Quecksilber in stromabwärts gelegene Fjorde sind Auswirkungen auf die arktischen Ökosysteme zu befürchten. Das Schwermetall kann sich in den Meeres- und Flusstieren als hochgiftiges Methylquecksilber anreichern und so über die Nahrungskette auch andere Tiere wie Robben und Möwen erreichen.

Über den Verzehr der Fische kann es auch Menschen betreffen, in den fischreichen Gewässern des Nordatlantiks werden große Mengen an Fisch – etwa Kabeljau und Heilbutt – gefangen. Vor allem könne das Gift auch die indigenen Einwohner Grönlands gefährden, die sich zum Großteil aus dem Meer und von Robbenfleisch ernähren, in dem sich Quecksilber besonders stark anreichert.

„Die Entdeckung, dass Gletscher auch potenzielle Giftstoffe transportieren können, enthüllt eine besorgniserregende Dimension der Einflussnahme von Gletschern auf die Wasserqualität und auf flussabwärts gelegene Gemeinschaften“, sagt Co-Autorin Jemma Wadham.

Das könne sich durch den Klimawandel noch weiter verändern. Weitere Untersuchungen dazu seien notwendig, um die Dynamik des Quecksilbers im Eisschildabfluss unter Bedingungen der globalen Erwärmung besser zu verstehen.

Die beiden Wissenschaftler Günter Köck, Mitglied der Österreichische Akademie der Wissenschaften, und Derek Muir (Environment and Climate Change Canada), die seit mehr als 20 Jahren Quecksilberkonzentrationen in Seen der kanadischen Arktis untersuchen, bezeichnen die Ergebnisse gegenüber dem Tagesspiegel als „durchaus dramatisch“.

Tatsächlich seien die Quecksilberkonzentrationen im Abfluss der grönländischen Gletscher mindestens zehnmal höher als jene in Gletscherabflüssen auf der gegenüber Grönland gelegenen kanadischen Insel Ellesmere Island.

„Da selbst diese niedrigeren Konzentrationen Auswirkungen auf das Ökosystem haben können, ist der Quecksilbereintrag durch das Abschmelzen der grönländischen Gletscher und seine Umwandlung in das hochgiftige Methylquecksilber sicherlich alarmierend“, schreiben die Forscher, die an der Studie nicht beteiligt waren.

Angelika Humbert vom Alfred Wegener Institut für Polar- und Meeresforschung (AWI) bezeichnete die Studie als hochspannend: „Eine bisher ungewöhnliche Seite in der Betrachtung der Wechselwirkung zwischen Eisschilden und Menschen.“

Aus der Sicht der Gletscherforschung sei interessant, dass Schmelzwasser an der Basis der Gletscher hier zum Transportmedium wird. „Es bilden sich unter dem Eisschild verschiedene Typen von hydrologischen Systemen, von einem dünnen Wasserfilm zwischen Eis und Festgestein, wassergesättigtem Sediment bis hin zu Kanälen, in denen Wassertransport auch schnell sein kann – Flüsse unter dem Eis“, erklärt die Glaziologin.

Sie verweist auch auf andere Studien, die hohe Konzentrationen von Quecksilber in arktischen Gewässern nachgewiesen haben. „So faszinierend das ist, so bitter ist es auch: Quecksilber gelangt so ja in die Nahrungskette, die über Fische dann wiederum den Menschen beeinflusst“, so Humbert.

Quecksilber ist eine biologisch kaum nützlich Substanz, die aber in Form diverser chemischer Verbindungen hoch giftig ist. Das Schwermetall reichert sich in der Nahrungskette an und wird durch den Verzehr von Fisch und Meeresfrüchten auch zu einer Gefahr für den Menschen.
Organischen Quecksilberverbindungen werden fast vollständig resorbiert und in fetthaltiges Gewebe eingebaut.

In arktischen Organismen wurden bereits zuvor hohe Werte an Quecksilber gemessen. Der Gehalt des Schwermetalls soll in Meeresorganismen dort in den vergangenen 150 Jahren stark angestiegen sein. Dass der Grönländische Eisschild dafür eine mögliche Quelle ist, wurde bislang nicht berücksichtigt.

Nun erweise sich die Arktis in doppelter Hinsicht als besondere Problemzone: „Über die Atmosphäre gelangen Staubteilchen und Aerosole in diese Region, und der Klimawandel und die damit verbundene Erwärmung der Arktis führen zu höheren Einträgen durch mehr und stärkere Schmelzwässer“, schreiben die Autor:innen der Studie.



Aus: "Tonnenweise Schwermetall in Gletscherwasser" Jan Kixmüller (02.06.2021)
Quelle: https://www.tagesspiegel.de/wissen/alarmierende-mengen-an-quecksilber-tonnenweise-schwermetall-in-gletscherwasser/27250326.html

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« Reply #63 on: July 21, 2021, 01:00:09 PM »
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[...] Frankfurt – Die Zähne tun weh, sie sind fleckig und ihre Oberfläche fühlt sich nicht mehr glatt an. Dabei könnte es sich um eine neue „Volkskrankheit“ handeln. Fachleute warnen davor – und verweisen darauf, dass diese sowohl junge als auch alte Menschen betreffen kann. Es handelt sich um die Molaren-Inzisiven-Hypomineralisation (MIH) – auch Kreidezähne genannt.

Laut Angaben der Deutschen Gesellschaft für Zahn-, Mund- und Kieferheilkunde (DGZMK) sind bereits zehn bis 15 % aller Kinder davon betroffen. Bei Zwölfjährigen liegt dieser Wert sogar bei 30 %. Kreidezähne machen sich durch Schmerzen beim Essen, Trinken oder Zähneputzen bemerkbar. Hinzu kommt die optische Komponente: Es bilden sich weißliche, bräunliche oder gelbliche Stellen auf der Zahnoberfläche.

Das Phänomen entsteht, sobald eine Schicht des Zahnschmelzes zerstört wird, konkret: die Mineralisation. Die Ursachenforschung dazu ist längst nicht abgeschlossen, Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler betonen die Notwendigkeit weiterer Studien auf diesem Feld. „Eine wesentliche Rolle bei der Entstehung scheinen Weichmacher aus Kunststoffen zu spielen, die mit der Nahrung aufgenommen werden“, teilt die DGZMK mit. Plastik ist also ein zentraler Faktor. Hinzu kommen weitere Faktoren, wie Antibiotika, Dioxine oder Infektionskrankheiten.

Plastik scheint jedoch einen großen Anteil zu haben. Ein Weichmacher, der in zahlreichen Produkten enthalten ist, ist Bisphenol-A – kurz: BPA. BPA ist eines der am häufigsten verwendeten Chemikalien. „Bisphenol A ist vor allem dadurch bekannt geworden, dass es in sehr vielen Produkten für Verbraucher, wie etwa in Camping- und Mikrowellengeschirr sowie Kofferhüllen enthalten ist. Es ist ein Grundbaustein des Kunststoffs Polycarbonat. Beim Erhitzen oder wenn der Kunststoff nicht sorgfältig produziert wurde, kann es sich daraus lösen“, erklärt die Verbraucherzentrale diesbezüglich. BPA kann des Hormonhaushalts stören und Schäden an Organen, wie der Leber oder der Niere, hervorrufen.

Das Plastik wird natürlich nicht direkt über die Nahrung aufgenommen, sondern über die Verpackung. Es lässt sich den Fachleuten zufolge im Alltag nur schwer vermeiden. Verpackungen, Plastikgeschirr, Kassenbons, Parkscheine, Schnuller, Getränkedosen – die Liste an Beispielen ist lang.

Die DGZMK empfiehlt vor allem Eltern, bei Kleinkindern darauf zu achten, den Kontakt zu den genannten Beispielen zu vermeiden. Bis zum vierten Lebensjahr entwickelt sich der Zahnschmelz maßgeblich. In dieser Phase sind die Zähne am anfälligsten. Allerdings gilt diese Empfehlung auch für alle anderen Menschen.

Falls Kreidezähne auftreten, empfehlen die Fachleute eine Behandlung beim Zahnarzt. „Eine professionelle zahnärztliche Behandlung [...] ist unerlässlich. Die gewählte Therapie ist abhängig vom Ausprägungsgrad der MIH“, heißt es. Als Basisbehandlung werden regelmäßige Zahnreinigungen, Mundhygieneanleitungen und die Verwendung hoch konzentrierter Fluoridpräparate genannt. (tu)


Aus: "Neue „Volkskrankheit“ macht sich in Deutschland breit – Bereits Kinder sind betroffen" Tobias Utz (21.07.2021)
Quelle: https://www.fr.de/ratgeber/gesundheit/neue-volkskrankheit-kreidezaehne-gesundheit-warnung-krankheit-kinder-fachleute-experten-verbraucher-zr-90870398.html

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« Reply #64 on: August 10, 2021, 03:55:29 PM »
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[...] In Deutschland werden rund 37 Prozent der Ackerflächen jährlich mit Glyphosat behandelt (Stand 2017). Die ausgebrachte Wirkstoffmenge wird auf etwa 5000 Tonnen abgeschätzt. Im Jahr 2014 wurden 5330 Tonnen Glyphosat auf deutschen Äckern ausgebracht, 2012 waren es noch 5941 Tonnen. Im privaten Bereich, also von Haus- und Kleingartenbenutzern, wurden 2014 insgesamt 95 Tonnen verwendet, 2012 waren es noch 40 Tonnen.

...


Aus: "Glyphosat" (15. Juli 2021 um 10:37)
Quelle: https://de.wikipedia.org/w/index.php?title=Glyphosat&oldid=213895115

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[...] Der Agrarchemie- und Pharmakonzern Bayer hat auch im dritten seiner US-Berufungsverfahren wegen angeblicher Krebsrisiken des Unkrautvernichters Glyphosat eine Schlappe kassiert. Das zuständige Gericht in San Francisco bestätigte am Montag ein Urteil, wonach Bayer für Krebserkrankungen der Kläger Alberta und Alva Pilliod haften muss.

Geschworene in Kalifornien hatten den Konzern 2019 zunächst zu Schadenersatz- und Strafzahlungen von rund zwei Milliarden Dollar an das Ehepaar verurteilt. Später war der Betrag vom Gericht auf 86,7 Millionen Dollar (73,9 Mio Euro) reduziert worden.

Ein Sprecher von Bayer erklärte, das Unternehmen respektiere die Entscheidung des Gerichts, sei damit aber nicht einverstanden. Das Urteil sei nicht durch die Beweislage beim Prozess oder geltendes Recht gedeckt. Der Konzern sondiere seine Optionen für eine erneute Überprüfung des Falls.

Bayer hatte sich diesen und viele andere Rechtskonflikte 2018 mit dem über 60 Milliarden Dollar teuren Kauf des amerikanischen Saatgutriesen Monsanto ins Haus geholt. Bayer ist in den USA mit zahlreichen weiteren Glyphosat-Klagen konfrontiert, die der Konzern eigentlich gerne mit einem großen Vergleich beilegen würde.

Nur drei Fälle wurden bislang abschließend vor US-Gerichten verhandelt, alle drei Prozesse verlor der Dax-Konzern. Auch in Berufungsverfahren hatte Bayer bislang keine Erfolge. Ein vierter Prozess gegen den Konzern läuft seit Kurzem in Kalifornien. Die Leverkusener setzen aber große Hoffnungen darauf, eines der Urteile vom Obersten Gerichtshof der Vereinigten Staaten kippen zu lassen.

Für den Fall, dass der Supreme Court sich mit dem Glyphosat-Verfahren nicht befassen will oder gegen Bayer entscheidet, bildete der Konzern jüngst weitere Rückstellungen von 4,5 Milliarden Dollar. Zuvor hatte Bayer bereits mehr als elf Milliarden Dollar für ein Vergleichspaket zur Beilegung von US-Klagen zur Seite gelegt.


Aus: "Bayer verliert weiteres US-Verfahren" (10.08.2021)
Quelle: https://www.faz.net/aktuell/wirtschaft/unternehmen/bayer-verliert-weiteres-us-verfahren-wegen-unkrautvernichter-17478401.html

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« Reply #65 on: August 13, 2021, 09:55:21 AM »
Die Explosion im Chempark Leverkusen ereignete sich am Morgen des 27. Juli 2021 ... Über die Medien wurde bekannt gegeben, dass das zuständige Landesamt für Natur, Umwelt und Verbraucherschutz Nordrhein-Westfalen (LANUV) mit Stand vom 28. Juli 2021 von der Bildung von Dioxinen und Furanen ausgehe. Daher wurde davor gewarnt, möglicherweise über den Rauch verbreitete Verbrennungsrückstände (Flocken, Brocken, Pellets etc.) mit den Händen anzufassen. In den betroffenen Regionen sollten Gartenmöbel, Spiel- und Sportgeräte und Swimmingpools nicht berührt werden. Obst und Gemüse aus der betroffenen Region sollte vorerst nicht verzehrt werden.[16] Die Stadt Leverkusen empfahl, die Schuhe vor Betreten von Wohnungen auszuziehen, um keinen Ruß in die Wohnungen zu tragen.[17]
Nach Analysen von Böden und Pflanzen in der Region wurden keine relevanten Konzentrationen und keinerlei Grenzwertüberschreitungen durch das Landesumweltamt Nordrhein-Westfalen festgestellt.[18] ...
https://de.wikipedia.org/wiki/Explosion_im_Chempark_Leverkusen_2021 (11. August 2021 um 09:23)


"Greenpeace-Probenahmen nach Explosion in Leverkusen" (06.08.2021)
Auf den zweiten Blick - Welchen Schadstoffen ist die Bevölkerung nach der Explosion in Leverkusen ausgesetzt? Nach Greenpeace-Analysen kommt die Entwarnung durch das Landesumweltamt verfrüht. ...
https://www.greenpeace.de/themen/endlager-umwelt/auf-den-zweiten-blick

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« Reply #66 on: August 23, 2021, 12:48:36 PM »
Der Kolontár-Dammbruch war eine Umweltkatastrophe, die sich am 4. Oktober 2010 bei Kolontár in Westungarn ereignete. Infolge dieses Unfalls wurden 150 Menschen verletzt, zehn starben. 40 Quadratkilometer wurden in Mitleidenschaft gezogen, als rund eine Million Kubikmeter Rotschlamm das Land überschwemmte. ...
https://de.wikipedia.org/wiki/Kolont%C3%A1r-Dammbruch


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[...] Als am 4. Oktober 2010 ein Deponiebecken des Industriebetriebs Magyar Aluminium brach, wälzte sich eine meterhohe, hochbasische Rotschlammflut über die westungarischen Dörfer Kolontar und Devecser. Zehn Menschen starben, 200 weitere wurden verletzt. Der giftige Schlamm verseuchte ein Gebiet von rund 40 Quadratkilometern und hinterließ eine Spur der Verwüstung.

Die Katastrophe von Kolontar veränderte nicht nur das Leben vieler Menschen – sie warf auch ein Schlaglicht auf die Umweltgefahren, die mit der Produktion von Aluminium verbunden sind. Bei der industriellen Herstellung des Metalls wird Bauxit verwendet, ein Erz, das hauptsächlich aus Aluminiumoxid und Eisenoxid besteht. Mithilfe des sogenannten Bayer-Verfahrens wird aus dem Rohstoff das Aluminiumoxid herausgelöst und anschließend weiterverarbeitet.

Übrig bleibt eine Natronlauge, vermischt mit Eisenoxid und Schwermetallen wie Arsen, Blei, Chrom oder Quecksilber – der sogenannte Rotschlamm. Wie viel Abfall dabei je produzierter Tonne anfällt, hängt von der Zusammensetzung des Rohmaterials ab. Im Schnitt werden für eine Tonne Metall zwischen zwei und drei Tonnen Bauxit benötigt.

Weltweit wird etwa 95 Prozent des neuen Aluminiums mithilfe des Bayer-Verfahrens erzeugt. Schätzungen zufolge fallen jährlich rund 150 Millionen Tonnen Rotschlamm an – nicht aber in Österreich: Hierzulande wird kein Primäraluminium erzeugt, auch relevante Deponien gibt es nicht. Aufgrund der großen Nachfrage wird das Metall allerdings zur Weiterverarbeitung nach Österreich importiert – und die mit der Herstellung verbundenen Umweltprobleme auf andere Weltregionen wie Osteuropa, China oder Brasilien ausgelagert.

Gefahr geht vom Rotschlamm zunächst von der darin enthaltenden hochbasischen Natronlauge aus. Dazu kommt der hohe Gehalt an giftigen Schwermetallen und die schlammige Konsistenz, erklärt Roland Pomberger, Professor für Abfallverwertungstechnik an der Universität Leoben. All das mache die Endlagerung schwierig.

Früher wurden die Schlämme teilweise in Teiche, Flüsse oder ins Meer geleitet. Bedenken gegen diese Form der Entsorgung führten dazu, dass die Bauxit-Abfälle seit den 1980er-Jahren in abgedichteten Deponien gelagert werden. Das ist – international gesehen – auch heute noch die gängige Form der Entsorgung", sagt Pomberger.

"Der Schlamm wird in große künstliche Becken gepumpt. Dann hofft man, dass das Wasser verdampft und sich das Material verdichtet. Das gelingt aber oft nur bis zu einem gewissen Grad, die Konsistenz bleibt." Dass Deponien nach wie vor die häufigste Methode der Abfallentsorgung sind, liegt schlicht daran, dass sie günstig sind. Es gibt zwar Alternativen, wirtschaftlich sinnvoll ist allerdings kaum eine.

"Eine Möglichkeit ist es, die Schlammeigenschaft ganz loszuwerden und das Material so weit wie möglich zu verfestigen", erläutert Pomberger. In der Praxis spiele das aufgrund der hohen Kosten allerdings kaum eine Rolle.

Auch die Wiederverwertung der Bauxit-Abfälle kommt infrage, erwies sich aber als zu aufwendig und nicht rentabel. So hat man versucht die Hauptbestandteile, darunter vor allem Eisen, aus dem Material herauszulösen und aufzubereiten. Abgesehen davon könnte Rotschlamm als Rohstoff für die Herstellung von Zement oder Ziegeln oder als Füllmaterial im Straßenbau dienen.

Laut Pomberger sind die Abfallmengen für eine vernünftige Kreislaufwirtschaft zu groß. "Es bräuchte ein Verfahren, bei dem das rückgewonnene Material wieder in ein Massenprodukt fließt." Derzeit gebe es dazu eine Reihe von Forschungsaktivitäten. "Den Stein der Weisen hat man aber noch nicht gefunden."

Aktuell fördert die EU-Kommission mehrere Projekte, die sich mit der Verwertung von Bauxit-Abfällen beschäftigen. Auch in Österreich gab es Versuche. So stellte etwa ein Forscherteam des Austrian Institute of Technology (AIT) fest, dass sich Rotschlamm dafür eignet, stark verseuchten Boden zu stabilisieren. Durch Zugabe des Abfallmaterials können Schwermetalle im Erdreich "immobilisert" werden. Damit werden sie nicht mehr ins Grundwasser gewaschen und von Pflanzen aufgenommen. Die Methode ist in der Praxis allerdings nur sehr eingeschränkt anwendbar.

Das Wichtigste wäre, möglichst viel Aluminium zu recyceln. Das hat extreme Vorteile", sagt Pomberger. "Man spart dadurch unglaublich viel Energie." Wenn man Schrott aufbereite, brauche man um 95 bis 97 Prozent weniger Strom als bei der Erzeugung von neuem Metall. Damit wären massive CO2-Einsparungen verbunden, und der problematische Rotschlamm entstehe erst gar nicht.

Die Katastrophe im ungarischen Kolontar dürfte zumindest in Europa für Bewusstseinsbildung gesorgt haben, glaubt Pomberger. Vor allem bei der Kontrolle und Wartung der Dämme sei man sensibilisiert worden. "Das Problem ist aber, dass die Deponien von Unternehmen für die Ewigkeit angelegt werden. Irgendwann gibt es die Unternehmen aber nicht mehr. Dann wird das eine Aufgabe der Allgemeinheit."


Aus: "Die dunklen Seiten des Aluminiums" Jakob Pfügl (20.8.2021)
Quelle: https://www.derstandard.at/story/2000129038670/die-dunklen-seiten-des-aluminiums

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Maingano
20. August 2021, 16:39:13

In dem Artikel steht: "Osteuropa, China oder Brasilien"
Die größten und schlimmsten Umweltverschmutzungen passieren in Guinea, wo auch die Weltweit größten Reserven liegen.
In Osteuropa wir in Relation nur ein verschwindend geringer Anteil an Bauxit abgebaut. China und Brasilien fördern zusammen nur unwesentlich mehr als Guinea, haben aber weit weniger Reserven.
Wenn es um Umweltverschumtzung geredet wird, blendet man Afrika wieder einmal geflissentlich aus. Schade dass der Kolonialismus immer noch so tief im Unterbewusstsein steckt.


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die Wahrheit ist zumutbar
20. August 2021, 15:49:04

Ich erinnere mich gut an die Fernsehbilder der Rotschlammflut in Ungarn. Ich war in einem Vereinslokal und eine Gruppe von Männern sahen fern und waren von den Bildern schockiert, und kommentierten "was das für eine Schweinerei abläuft". In den Händen der kommentierenden Fernsehenden waren RB-Dosen und frisch gekapselter Nespresso. Ich werde das nie vergessen.


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Hobbitelchen

Ein Satz in dem Bericht um das ganze Übel der Wirtschaft und des Systems aufzuzeigen.
"In der Praxis spiele das aufgrund der hohen Kosten allerdings kaum eine Rolle."

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« Reply #67 on: August 31, 2021, 04:15:20 PM »
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[...] Der Nahrungsmittelkonzern Mars hat mehrere Eiscreme-Chargen der bekannten Marken Snickers, Bounty, M&Ms und Twix zurückgerufen. Der in den Produkten verarbeitete Zusatzstoff Johannisbrotkernmehl (E410) sei mit dem krebserregenden Stoff Ethylenoxid belastet, erklärte das Unternehmen. Die Warnung kommt spät: Bereits vor mehreren Wochen rief Mars die gleichen Chargen in anderen Ländern, darunter Österreich, Rumänien und Schweden zurück. In Deutschland verkaufte das Unternehmen die Produkte jedoch weiter, wie foodwatch-Recherchen ergeben hatten.
https://www.foodwatch.org/de/aktuelle-nachrichten/2021/mars-verkauft-snickers-eis-mit-krebserregendem-ethylenoxid/

Der öffentliche Druck wurde nun offenbar zu groß. Folgende Produkte sind vom Rückruf betroffen:

SNICKERS Ice cream bar, 6-Pack Box
•    EAN/ GTIN: 5000159344081
•    Mindesthaltbarkeitsdaten: 31.10.2022; 30.11.2022; 31.01.2023; 28.02.2023; 31.03.2023; 30.04.2023
SNICKERS Ice cream bar, Single
•    EAN/ GTIN: 5000159460873
•    Mindesthaltbarkeitsdaten: 31.10.2022; 30.11.2022; 31.12.2022; 31.01.2023; 31.03.2023; 30.04.2023
SNICKERS CRISP Ice cream bar, 6-Pack Box
•    EAN/ GTIN: 5000159526074
•    Mindesthaltbarkeitsdaten: 30.11.2022; 31.12.2022; 28.02.2023; 30.04.2023
SNICKERS CRISP Ice cream bar, Single
•    EAN/ GTIN: 5000159526128
•    Mindesthaltbarkeitsdaten: 30.11.2022; 31.12.2022; 28.02.2023; 30.04.2023
SNICKERS WHITE Ice cream bar, 6-Pack Box
•    EAN/ GTIN: 5000159509626
•    Mindesthaltbarkeitsdaten: 31.12.2022; 28.02.2023; 31.03.2023
SNICKERS WHITE Ice cream bar, Single
•    EAN/ GTIN: 5000159509664
•    Mindesthaltbarkeitsdaten: 31.12.2022; 28.02.2023
BOUNTY Ice cream bar, 6-Pack Box
•    EAN/ GTIN: 5000159483056
•    Mindesthaltbarkeitsdaten: 28.02.2022; 31.03.2022; 30.04.2022; 31.12.2022; 28.02.2023; 31.03.2023; 30.04.2023
BOUNTY Ice cream bar, Single
•    EAN/ GTIN: 5000159483032
•    Mindesthaltbarkeitsdaten: 28.02.2022; 30.04.2022; 31.10.2022; 31.12.2022; 28.02.2023; 30.04.2023
TWIX Ice cream bar, 6-Pack Box
•    EAN/ GTIN: 5000159484688
•    Mindesthaltbarkeitsdaten: 31.10.2022; 31.12.2022; 28.02.2023; 31.03.2023; 30.04.2023
TWIX Ice cream bar, Single
•    EAN/ GTIN: 5000159484633
•    Mindesthaltbarkeitsdaten: 31.03.2022; 30.04.2022; 31.12.2022; 28.02.2023; 30.04.2023
M&M's choco Ice cream stick Stieleis, Single
•    EAN/ GTIN: 5000159509367
•    Mindesthaltbarkeitsdatum: 31.01.2023
M&M's peanut Ice cream Stieleis, Single
•    EAN/ GTIN: 5000159509343
•    Mindesthaltbarkeitsdaten: 31.08.2021; 31.10.2021; 31.05.2022; 31.07.2022

Im Zuge des Produktrückrufs erklärte Mars,  die Produkte seien nach wie vor „sicher“ und der Verzehr „nicht schädlich“. Diese Behauptung steht im Widerspruch zur Einigung der EU-Staaten, wonach „keine sichere Aufnahmemenge“ von Ethlenoxid festgelegt werden kann und auch kleinste Mengen des krebserregenden Stoffs ein Gesundheitsrisiko darstellen können. Am 13. Juli verständigten sich die Mitgliedsländer der EU darauf, dass alle Lebensmittel öffentlich zurückgerufen werden müssen, die mit Ethylenoxid belastetes E410 enthalten.  Während in Ländern wie Frankreich, Österreich und den Niederlanden konsequent zurückgerufen wird, erging in Deutschland bis heute jedoch keine einzige Warnung.

Der Rückruf von Mars ist nur die Spitze vom Eisberg. E410 wird als Verdickungsmittel und Stabilisator in vielen Eiscremes, Konfitüren, Fleisch- und Backwaren verwendet. Wir können also davon ausgehen, dass noch weitere Produkte betroffen sind. In einem Brief an die Verbraucherminister*innen der Länder äußerten wir bereits Ende Juli die Sorge, „dass Lebensmittelunternehmen die Problematik nicht mit ausreichender Priorität behandeln“.

Die zuständigen Behörden müssen jetzt endlich alle Hersteller, die E410 verwenden, überprüfen und notfalls Rückrufe anordnen. Ein krebserregender Stoff hat in unserem Essen nichts verloren.

...

Das Gas Ethylenoxid ist laut dem Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) krebserregend und erbgutschädigend. Rückstände in Lebensmitteln seien grundsätzlich „unerwünscht“. Einen Richtwert ohne Gesundheitsrisiko gebe es nicht. Während Ethylenoxid in der Lebensmittelproduktion der EU verboten ist, wird es jedoch in etlichen Drittstaaten zur Bekämpfung von Pilzen und Bakterien eingesetzt.


    Rückruf von Mars (10.08.2021)
    https://www.presseportal.de/pm/148335/4990806

    Zusammenfassung des Meetings der EU-Mitgliedsstaaten am 13. Juli zum Umgang mit E410:
    https://ec.europa.eu/food/system/files/2021-07/rasff_ethylene-oxide-incident_e410_crisis-coord_sum.pdf

    BfR zu Ethylenoxid in Lebensmitteln:
    https://www.bfr.bund.de/cm/343/gesundheitliche-bewertung-von-ethylenoxid-rueckstaenden-in-sesamsamen.pdf   

    foodwatch-Pressemitteilung: Mars bestätigt: Krebserregendes Ethylenoxid auch in Snickers-Eis in Deutschland
    https://www.foodwatch.org/de/pressemitteilungen/2021/mars-bestaetigt-krebserregendes-ethylenoxid-auch-in-snickers-eis-in-deutschland/

    Liste der zurückgerufenen Produkte in Frankreich (wird laufend aktualisiert)
    https://www.economie.gouv.fr/dgccrf/sesame-psyllium-epices-et-autres-produits-rappeles-comprenant-ces-ingredients

    Portal Lebensmittelwarnung.de mit Rückrufen zu Ethylenoxid:
    http://www.lebensmittelwarnung.de/


...



Aus: "Nach foodwatch-Kritik: Mars ruft belastetes Eis zurück" (10.08.2021)
Quelle: https://www.foodwatch.org/de/aktuelle-nachrichten/2021/nach-foodwatch-kritik-mars-ruft-belastetes-eis-zurueck/


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« Reply #68 on: September 08, 2021, 07:09:27 PM »
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[...] Ende Juli sah noch alles aus wie immer am Tshikapa River in der Demokratischen Republik Kongo. Der Fluss mäanderte über die gemeinsame Grenze mit Angola, zog dann rund 60 Kilometer Luftlinie Richtung Norden, bis er in der Stadt Tshikapa in den Kasai mündete, den größten Nebenfluss des Kongo.

Doch Anfang August zog plötzlich eine rote Brühe den Fluss hinauf – erst den Tshikapa und dann in den Kasai. Und sie brachte Tod und Verderben: Bald trieben Tonnenweise tote Fische im Fluss, dazu Kadaver von anderen Wassertieren. Sogar Flusspferde sollen umgekommen sein. Die Menschen aus den Dörfern am Fluss litten an Durchfallerkrankungen, nachdem sie das Wasser getrunken oder verseuchten Fisch gegessen hatten. Tausende klagten über Beschwerden, zwölf Todesfälle werden laut dem Umweltministerium der Demokratischen Republik Kongo mit den Vorfällen in Verbindung gebracht.

Wissenschaftler der Universität Kinshasa untersuchten den Vorfall und entdeckten eine enorme Verschmutzung des Flusses – möglicherweise mit Schwermetallen. Sie glauben, dass bis zu zwei Millionen Menschen von der Umweltkatastrophe betroffen sein könnten. »Wir haben noch nie eine so große Verschmutzung des Kongo gesehen«, sagte Raphael Tshimanga, Direktor des Congo Basin Water Resources Research and Capacity Building Center (CRREBaC), der Nachrichtenagentur Reuters.

Satellitenbilder, die der SPIEGEL geprüft hat, zeigen, dass sich der Tshikapa zwischen dem 25. und dem 30. Juli rot gefärbt haben muss. Zwar ist es auf den Aufnahmen diesig, und die Erdoberfläche, die der Esa-Satellit »Sentinel-2A« abgetastet hat, ist nicht gut zu erkennen. Aber in Tshikapa ist zu sehen, wie auch der Kasai einige Tage später seine Farbe veränderte, nachdem er sich mit dem Tshikapa zu einem gemeinsamen Strom vereint. Unterhalb des Zuflusses hat der Fluss eine andere Farbe, das Wasser ist grün-bläulich gefärbt. Auf etwas älteren Aufnahmen aus der Region ist dagegen kein Farbunterschied bei den beiden Gewässern zu erkennen.



Laut den Forschern liegen die Ursachen für die rötliche Färbung und die Vergiftung des Wassers im Nachbarland Angola, rund 350 Kilometer von der Stadt Tshikapa entfernt. Hier liegt die Catoca-Mine, eine der größten Minen für Rohdiamanten der Welt. Auf den Bildern aus dem All ist sie als riesiger Tagebau in der Nähe der Stadt Saurimo im Nordosten des Landes zu erkennen. Hier wird für die Gewinnung von einem Karat Rohdiamanten rund eine Tonne Abraum bewegt, berichtete die Nasa. Jährlich werden rund 6,8 Millionen Karat aus der Erde geholt, das entspricht ungefähr 360 Kilogramm Diamanten. Offenbar hat ein Leck in einem der Absatzbecken zu dem Umweltschaden geführt, nachdem ein Damm gebrochen war.

Catoca, ein internationales Konsortium aus Angolas staatlicher Bergbaugesellschaft Endiama sowie dem russischen Unternehmen Alrosa und noch weiteren kleineren Teilhabern, hat inzwischen eingeräumt, dass Ende Juli Abraum in den Lova-Fluss, einen Nebenfluss des Tshikapa, der hier auch Chicapa genannt wird, ausgetreten ist. Giftstoffe seien aber nicht ausgetreten. In einem Bericht schreiben die Forscher, dass sie die Verschmutzung bereits seit dem 15. Juli 2021 von der Quelle in Angola aus beobachtet hatten und die Schadstoffe 15 Tage brauchten, um die Stadt Tshikapa zu erreichen.

Tatsächlich ist die Färbung unterhalb des Zuflusses aus den Bildern aus dem All etwas später zu erkennen. Allerdings zeigen auch ältere Aufnahmen immer mal wieder bräunlich bis rötliche Verfärbungen. Ob tatsächlich Giftstoffe wie Arsen oder Quecksilber, die im Bergbau verwendet werden, ausgetreten sind, soll durch Laboruntersuchungen in Kinshasa geklärt werden.

Die Regierung der Demokratischen Republik Kongo hat angekündigt, von den Eigentümern der Diamantenmine eine Entschädigung zu fordern. Nach dem Verursacherprinzip solle derjenige, der die Verschmutzung herbeigeführt hat, die Kosten für deren Eindämmung tragen, sagte Vizepremierministerin Ève Bazaiba auf einer Pressekonferenz, nachdem sie die Region besucht hatte. Wie hoch die Entschädigung ausfallen soll, ist noch nicht bekannt.

Catoca hatte bereits erklärt, man habe Lebensmittel an die betroffenen Gemeinden gespendet. Laut Endiama werde an weiteren Maßnahmen gearbeitet, Einzelheiten nannte das Unternehmen aber nicht. Doch die Forscher aus Kongos Hauptstadt Kinshasa vermuten, dass es damit nicht getan ist. Möglicherweise beschäftigen die Folgen der Katastrophe das Land noch jahrelang. Denn wenn natürliche Wasserreservoire und Grundwasserleiter verschmutzt sind, könnte sich das Gift Jahrzehnte in besorgniserregenden Konzentrationen in der Umwelt halten. Klären können das nur weitere Untersuchungen.

Es ist nicht das erste Mal, dass durch den Bergbau Mensch und Natur Schaden nehmen. 2015 zerbarst in Brasilien ebenfalls ein Damm einer Eisenerzmine. Giftiger Schlamm gelangte in den Rio Doce und verunreinigte den Fluss mit Blei, Quecksilber und Arsen. Das Wasser des Flusses, das Lebensgrundlage für viele Dörfer in der Region ist, durfte weder getrunken noch zur Bewässerung von Feldern eingesetzt werden. Auch für die Goldgewinnung werden durch Unfälle oder auch mutwillig große Mengen Quecksilber in die Umwelt freigesetzt.

Um solche Unglücke wie das in Angola zu verhindern, arbeiten Umweltschützer, Politiker, Bergbauindustrie und Investoren an gemeinsamen Sicherheits- und Inspektionsstandards. Doch nicht alle Unternehmen unterstützen diese Selbstverpflichtungen. Catoca hat sich bisher nicht dazu bekannt.


Aus: "Umweltkatastrophe im Kongo: Die Giftbrühe, die Tod und Verderben brachte " Jörg Römer (06.09.2021)
Quelle: https://www.spiegel.de/wissenschaft/weltall/kongo-leidet-unter-umweltkatastrophe-diamanten-rote-fluesse-und-tote-flusspferde-a-1d9da756-ae0c-496b-a989-e6f3e844badf

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« Reply #69 on: September 15, 2021, 10:26:27 AM »
Quote
[...] Spital am Pyhrn – Die Umweltorganisation Global 2000 hat in Eierschwammerln von der Stubwiesalm bei Spital am Phyrn (Bezirk Kirchdorf) in Oberösterreich besorgniserregend hohe Werte des Radioisotops Cäsium-137 gefunden, die aus dem Tschernobyl-Fallout vor 35 Jahren resultieren. Gemessen wurden 7.563 Becquerel pro Kilogramm (Bq/kg), das ist mehr als das Zwölffache des in der EU geltenden Grenzwerts von 600 Bq/kg, berichtete Global 2000 am Mittwoch.

Das radioaktive Cäsium ist seit dem Reaktorunfall 1986 zwar von der Bodenoberfläche in darunterliegende Schichten abgesunken, von dort kann es aber zum Beispiel von Pilzen aufgenommen und in ihnen angereichert werden. Tiere, die diese Pilze fressen, können dadurch sehr stark belastet werden. Beim Menschen lagert sich Cäsium-137, wenn es durch die Nahrung in den Körper gelangt, vor allem in Muskeln ab und kann Genschäden oder Krebs verursachen. Die Halbwertszeit beträgt 30,1 Jahre.

Die Umweltorganisation forderte Gesundheitsminister Wolfgang Mückstein (Grüne) auf, klar zu informieren, wo Pilze problemlos genossen werden können und "wo man aus Vorsorgegründen lieber nicht in den Wald auf Schwammerlsuche geht". Denn laut Gesundheitsministerium werden nach wie vor bei rund zwölf Prozent der Eierschwammerl Grenzwertüberschreitungen festgestellt.

Darüber hinaus pocht Global 2000 auf eine Abschaltung des grenznahen AKW Krško. Denn dieses sei nur 71 Kilometer von der österreichischen Grenze entfernt. Tschernobyl, auf das die aktuelle Verstrahlung zurückzuführen ist, sei hingegen 1.000 Kilometer weit weg.

Ein Unglück "im altersschwachen Krško-Reaktor im slowenischen Erdbebengebiet" hätte laut Modellen der Wiener Universität für Bodenkultur mit hoher Wahrscheinlichkeit "eine sehr starke Kontaminierung Österreichs mit radioaktivem Fallout" zur Folge. Bei einem Fünftel der möglichen Wettersituationen hätte man mit mehr als 37.000 Becquerel Cäsium-137 pro Quadratmeter zu rechnen, so Global 2000. (APA, 15.9.2021)


Aus: "Tschernobyl wirkt nach: Stark radioaktive Eierschwammerl in Oberösterreich" (15. September 2021)
Quelle: https://www.derstandard.at/story/2000129660894/tschernobyl-wirkt-nach-stark-radioaktive-eierschwammerl-in-oberoesterreich