Author Topic: Liberalismus...? (Notizen)  (Read 222 times)

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Liberalismus...? (Notizen)
« on: June 07, 2018, 09:14:59 AM »
Der Liberalismus steht im Gegensatz zum Totalitarismus und gilt in der modernen westlichen Welt oftmals als Voraussetzung für eine moderne, pluralistische Demokratie. Bis in die Gegenwart betrachten sich auch Vertreter von nicht explizit liberalen Parteien als Liberale im Sinne der aufklärerischen Definition des Liberalismus. Der Liberalismus begründete eine Rechtfertigung dafür, sich von alten Lehren zu befreien, die sich für die Unfreiheit und rechtliche Ungleichheit des Menschen aussprachen. Beispiele solcher Lehren sind der Feudalismus, weil er den Menschen an einen Lehnsherren band, und der Absolutismus, der politische Macht nur dem König zugestand. Im Unterschied zum Anarchismus lehnt der Liberalismus den Staat nicht ab, sondern sieht im Nationalstaat den Garanten für Freiheit und Eigentum. ...
https://de.wikipedia.org/wiki/Liberalismus


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Liberalismus...? (Notizen)
« Reply #1 on: June 07, 2018, 09:27:07 AM »
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[...] Liberalismus entstand, als sich im England des 17. Jahrhunderts der Gedanke durchzusetzen begann, dass das "Gottesgnadentum" eines absoluten Herrschers und die "allein selig machende Kirche" eher Hindernisse der menschlichen Entwicklung als die gottgewollte Ordnung seien.

... Der Liberalismus ist ein Kind der Aufklärung, also schon einige Jahrhunderte alt. Aber seine Ideen haben sich breitflächig durchgesetzt. Die liberale Demokratie ist in Wirklichkeit das Fundament der modernen westlichen Gesellschaft. In ihr verkörpert sich die freie Teilnahme aller Bürger am ungehinderten, aber fair geregelten Wettbewerb um politische Vertretung. Freie und faire Wahlen, Versammlungs- und Vereinigungsfreiheit, Medienfreiheit sowie der Schutz fundamentaler Rechte sind ihre Prinzipien.

... Ein Blick in die Internetforen (auch des STANDARD) beweist: Wenn man in Österreich gegen Nationalismus, Autoritätsgläubigkeit, Intoleranz und Frauenhass ist, gilt man nicht als liberal, sondern als Linker. Mit abwertendem Unterton. Einerseits. Andererseits findet in Wien seit 25 Jahren ein Life Ball statt, unter Beteiligung politischer Prominenz, der in seiner ostentativen Tabubrecherei vor 40 Jahren, zur Regierungszeit des "Sonnenkönigs" Kreisky, zu kollektiven Hassausbrüchen geführt hätte.

... Haben nicht der Liberalismus und eine liberale Politik versagt, und zwar in den Augen der Linken wie der Rechten? Für die europäische Linke ist der Wirtschaftsliberalismus oder "Neoliberalismus" schuld am "Sozialabbau" und der "Macht der Konzerne", symbolisiert durch die Finanzkrise und Freihandelsverträge wie Ceta oder TTIP. Für die europäische und amerikanische Rechte ist der gesellschaftliche Liberalismus schuld an der "Überfremdung", "Umvolkung" etc. durch (muslimische) Zuwanderer und Flüchtlinge. Gleichzeitig ist er aber auch schuld am Verlust vertrauter Zustände, Lebensformen, der "Heimat". Schuld an der Überwältigung durch "bunte", aber viel zu anstrengende "Vielfalt".

... Im Spiegel macht die Soziologin Cornelia Koppesch die "kosmopolitische Elite" und ihre Meinungsführerschaft dafür verantwortlich, dass "die traditionelle Mittelschicht um ihren Platz im System fürchtet – nicht nur wirtschaftlich, sondern auch kulturell".

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Spiro1

Liberal heißt für mich, die Menschen von Fesseln zu befreien und jeder kann, im Rahmen der Gesetze, seine Fähigkeiten und seine Kraft zu seinem eigenen Vorteil und Wohlergehen, möglichst ungehindert einsetzen.
Das hört sich gut und vernünftig an, führt aber nach einer längeren Phase zu einer sozialen Schräglage, an der viele schwächere und beladene Menschen abrutschen und scheitern. Von Zeit zu Zeit braucht es da ein Regulativ, eine Gegenbewegung, um den notwendigen Ausgleich zu mehr sozialer und politischer Gerechtigkeit zu schaffen. Mehr Liberalismus nutzt den Starken und den Gewinnern, und ist nur für einen begrenzten Zeitraum sozial verträglich.


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@ll_other_names_were_taken_2

Ich denke, Sie verwechseln liberal mit Turbokapitalismus. Ein funktionierender Sozialstaat, der die von ihnen angesprochenen Schräglagen reduziert, ist für mich wichtiger Bestandteil eines liberalen Systems.


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Fingerzeig

"Die liberalen Demokratien des Westens sorgen nun seit 70 Jahren für Frieden und Wohlstand."


Nein, das taten sie nur bis etwa Beginn der 80er Jahre. Danach begann man Liberalismus mit Neoliberalismus (=Raubtierkapitalismus oder faschistoider Kapitalismus) zu verwechseln, die Großunternehmen und Banken zu bevorzugen, sowie lokale Kleinunternehmen, Arbeiter und Angestellte und die gesamte Mittel- und Unterschicht immer mehr unter Druck zu setzen. ...


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average

"Der Liberalismus ist das Fundament der westlichen Demokratien."

Das Christentum ist wiederum das Fundament des Liberalismus. Westliche Demokratien sind christlich geprägt.


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Hans Rauscher

Nein, das Christentum , bzw.die Vorherrschaft der Religion wurde von den Gründervätern des L. als Entwicklungshindernis angesehen.
Papst Pius IX. zählte im Syllabus Errorum von 1864 den Liberalismus zu den größten Irrtümern, wenn nicht als Sünde


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singularitynet

Dass der vermeintlich "Liberale" als Linker bezeichnet wird, liegt daran, dass zusätzlich zur Freiheit die dazu widersprüchlichen Forderungen nach staatlicher Umverteilung (aka Solidarität), Enteignung (aka Vermögenssteuer), nach mehr Regulation und Dirigismus zugunsten der vermeintlich Guten, nach Gleichheit und Gleichmacherei ausgesprochen werden. Das ist als Liberalismus verkleideter Sozialismus.


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Flotsam

Joa ich muss auch sagen... richtig ekelhaft, dass man fordert, niemanden hungern zu lassen und einen bescheidenen Grundstandard zu bieten. Ich hätte auch lieber weniger Steuern und gated communities.


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lilawald

sensationell, wie man in so wenigen zeilen so viel unsinn packen kann! selbstverständliche widersprecht hilfe und unterstützung für schwächere nicht liberalen prinzipien, außer natürlich man nimmt eine extremposition ein und versteht unter liberalismus ausschließlich das prinzip "survival of the fittest".

ebensowenig widerspricht es den ideen, dass staatsgebilde durch steuern zu finanzieren. wir haben derzeit ja zb. in österreich sogar die kuriose situation, dass leistung insofern bestraft wird, als einkommen durch arbeit extrem hoch, einünfte aus veranlagungen mäßig und leistungsloses einkommen wie erben kaum besteuert wird. DAS widerspricht eigentlich liberalen prinzipien!


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Aus: "Was bedeutet heute liberal?" AnalyseHans Rauscher (7. Juni 2018)
Quelle: https://derstandard.at/2000081115911/Was-bedeutet-heute-liberal