Author Topic: [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN (Politik)]  (Read 444 times)

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[BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN (Politik)]
« on: June 23, 2009, 11:42:15 AM »
Bündnis 90/Die Grünen (kurz: GRÜNE; auch B’90/Grüne) ist eine politische Partei in Deutschland, die 1993 aus der Vereinigung der Parteien Die Grünen und Bündnis 90 entstanden ist. Das grüne Programm leitet sich aus vier Grundwerten ab. In einem Schlüsselsatz heißt es: „Wir verbinden Ökologie, Selbstbestimmung, erweiterte Gerechtigkeit und lebendige Demokratie. Mit gleicher Intensität treten wir ein für Gewaltfreiheit und Menschenrechte.“ Im Detail geht es zum Beispiel unter anderem um die ökologische Steuerreform, nachhaltige Energienutzung, um Tierschutz und soziale Grundsicherung. Nach dreijähriger Debatte wurde hiermit das alte sogenannte „Saarbrücker Programm“ von 1980 mit einer Mehrheit von 90 Prozent abgelöst. Erarbeitet wurde es von der Grundsatzprogrammkommission, die mittlerweile von der Grundsatzkommission unter der Leitung von Peter Siller ersetzt wurde.
Mit dem Grundsatzprogramm nahmen die Grünen Abschied von der Forderung nach einem Austritt Deutschlands aus der NATO. Die eindeutig pazifistische Grundhaltung gaben sie spätestens 1999 mit ihrer Zustimmung zum Kosovo-Krieg auf. ...
http://de.wikipedia.org/wiki/B%C3%BCndnis_90/Die_Gr%C3%BCnen


BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN
http://www.gruene.de/


https://www.gruene-bundestag.de/ | https://blog.gruene-bundestag.de/

https://www.youtube.com/user/GRUENE

https://twitter.com/Die_Gruenen

https://twitter.com/gruene_europa?lang=de

https://twitter.com/gruenebundestag?lang=de

https://twitter.com/gruene_sh

Ein vermeintlich wichtiger Politiker hat einmal gesagt „Wer Visionen hat, sollte zum Arzt gehen“, wir aber sagen: Mehr Visionen wagen! Wir finden uns nicht damit ab, dass Dinge nun mal so sind, wie sie sind, sondern stellen in Frage, was angeblich unveränderbar ist. Wir haben unseren eigenen Kopf und denken auch mal quer. Das Selbstverständnis ist ein Ausdruck der Vielfalt innerhalb der GRÜNEN JUGEND und dafür, dass wir existierende Strukturen kritisch und unbequem hinterfragen. ...
https://gruene-jugend.de/

https://twitter.com/gruene_jugend?lang=de

Grüne Listen innerhalb von Bündnis 90 / Die Grünen
http://gruenelisten.de/

Hans-Christian Ströbele (MdB Bündnis90/Die Grünen)
http://www.stroebele-online.de/

In diesem Blog schreiben die Mitglieder der Grünen Ratsfraktion zu aktuellen Themen der Kommunalpolitik....
http://gruene-kiel.de/

-.-

BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN @ netzpolitik.org
http://netzpolitik.org/tag/gruene/


Der netzpolitische Leitbeschluss der Grünen
Sonntag, 27. November 2011, von Simon Möller
http://www.telemedicus.info/article/2123-Der-netzpolitische-Leitbeschluss-der-Gruenen.html

« Last Edit: June 22, 2016, 09:00:41 PM by Link »

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[BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN (Politik)]
« Reply #1 on: March 27, 2018, 04:43:24 PM »
Quote
Markus Decker: Herr Habeck, haben Sie manchmal Angst?
Vor dem Krokodil unterm Bett, oder was meinen Sie?

Politische Angst.
Ich habe keine Angst. Aber beunruhigt bin ich schon. Denn es passieren Dinge, die ich vor zwei Jahren noch für ausgeschlossen gehalten hätte. Trump regiert in Washington. Großbritannien verlässt die EU. In Sachsen ist die Mehrheit der Stimmen auf die AfD entfallen. Wir leben in einer Zeit, in der die politische Festplatte neu überschrieben wird. Das ist aber auch Ansporn, einen Beitrag zu leisten, dass die liberale Demokratie sich neu erfindet. Sicher sein, dass sie nicht doch abrutscht, kann man sich nicht mehr.

Erschreckt Sie das?
Eine Erklärung, warum reaktionäre Politik so erfolgreich ist, besagt, dass es Menschen um fehlende Anerkennung geht. Die tiefer liegende Ursache dafür ist jedoch Ungerechtigkeit und eine Verstörung darüber, dass die Politik erkennbar hilflos vor den Herausforderungen der Gegenwart steht. Das Bild dafür lieferte die Flüchtlingskrise. Aber die realen Entwicklungen setzten ja früher und an anderen Stellen an: Die Finanzkrise hat den Eindruck vermittelt, der Staat hilft den Banken, nicht den Menschen. Und ein ähnliches Gefühl ruft die Globalisierung hervor: Der Mensch wird zum Spielball der Wirtschaft.

Was heißt das praktisch? Muss man mit Rechten reden?
Wir müssen schon aufpassen, nicht in einer Blase zu leben, in der alle nicken, wenn man etwas sagt, während sich außerhalb alle fragen, wovon wir eigentlich reden. Politik ist da erfolgreich, wo Politikerinnen und Politiker es schaffen, die Distanz zwischen dem System Politik und den alltäglichen Problemen, die wir alle mit uns rumschleppen, zu verringern. In der Auseinandersetzung mit reaktionären Positionen gilt es, zu sagen, was man selbst will – offensiv und mit Leidenschaft. Die politische Aufgabe der liberalen Kräfte ist größer, als sich nur als Anti-Rechts zu verstehen. Damit macht man sich ja auch automatisch klein.

Fühlen Sie sich da schon sicher?
Ich fühle mich sicher, was die politische Strategie angeht. Aber beim Umgang mit den dauernden Provokationen muss ich immer wieder neu nachdenken. Ich könnte jedes Mal aufschreien, wenn ich bestimmte sprachliche und habituelle Entgleisungen sehe. Und in Talkshows mit Beatrix von Storch muss ich mir immer wieder auf die Zunge beißen!

Ist diese Zurückhaltung nicht auch in Zeichen der Defensive?
Man muss das richtige Maß finden. Das ist schwer. Es war ein starker Moment, als Cem Özdemir kürzlich im Bundestag auf den Putz gehauen und gesagt hat, hier ist die Grenze erreicht. Aber die politische Aufgabe ist eine, die über Empörung hinausgeht.

Sie sprachen über die soziale Ungleichheit als eine Ursache des Rechtspopulismus. Was wollen Sie dagegen unternehmen?
Es geht darum, die Gesellschaft fairer zu machen. Es müssen wirklich alle Steuerpflichtigen auch Steuern zahlen anstatt sich durch irgendwelche Schlupflöcher davonzustehlen. Es darf doch nicht sein, dass ein Buchhändler, der sich mit Lesungen auf dem Land über Wasser zu halten versucht, brav seine Gewerbe- und Einkommenssteuern zahlt – und Amazon nicht. Auch kann es nicht sein, dass jemand, der sein Leben lang gearbeitet hat und mit 62 arbeitslos wird, erstmal seine mühsam gesammelten Ersparnisse aufbrauchen muss, bevor der Staat einspringt. Jeder spürt, dass das unfair ist.

Was folgt daraus?
Wir müssen die sozialen Sicherungssysteme neu justieren: Wir müssen sie stärker von der Würde des Menschen her denken und nicht so sehr von der Logik, Menschen verwertbar zu machen für den Arbeitsmarkt.

Was würden Sie tun, wenn Sie regieren würden?
Die Zeit ist über Hartz IV hinweggegangen. Wir brauchen neue Garantiesysteme – in einem ersten Schritt eine Kindergrundsicherung, über die Eltern mit kleinen und mittleren Einkommen für ihre Kinder die gleiche Unterstützung erhalten wie Eltern mit hohen Einkommen. Ähnliches brauchen wir für sensible Zeiten wie Ausbildung, Rentenalter oder Familienzeit. Aber angesichts der enormen Umbrüche in der Arbeitswelt werden wir auch darüber diskutieren, ob nicht eine Garantiesicherung für Erwachsene erforderlich ist, die bei der Steuer als zusätzliches Einkommen angerechnet wird.

Wollen Sie auch Umverteilung? Die Forderung nach Wiedereinführung der Vermögenssteuer war Teil des Wahlprogramms, wurde aber im Wahlkampf nicht thematisiert.
Umverteilung ist kein Selbstzweck, sondern es geht darum, dass sich Reiche nicht aus der Gesellschaft verabschieden, sondern ihren Anteil leisten. Wir müssen bei der Entstehung von exorbitant hohen Vermögen ansetzen. Findige Finanzberater designen irgendwelche Produkte. Und die Finanzverwaltung kommt gegen diesen globalisierten Finanzentzug gar nicht an. Deshalb brauchen wir eine Anzeigepflicht für Steuersparmodelle. Die Unternehmen müssten dann beispielsweise sagen, wie das Berechnungsmodell für ihre Steuer ist. Dann kann der Staat die Schlupflöcher erkennen und schnell entscheiden: Wollen wir das oder wollen wir das nicht? In der Regel werden wir das nicht wollen. Es ist erstaunlich, dass die große Koalition das nicht vereinbart hat. Die Länder sind da Farben-übergreifend schon sehr viel weiter.

Haben sich die Grünen um diese Fragen zu wenig gekümmert?
Die Forderung nach dieser Anzeigepflicht ist im grün geführten Finanzministerium in Schleswig-Holstein entstanden. Und was die Debatte um Hartz IV anbetrifft: Die Auseinandersetzung über diese Fragen zieht sich durch seit 2007. X Parteitage haben zumindest Teile der Agenda-Politik bearbeitet.

Trotzdem haben die Grünen die Agenda mitgetragen.
Wir haben sie mitgetragen, völlig unstrittig. Aber die selbstkritische Auseinandersetzung ist keine Erfindung von Annalena Baerbock und mir. Die ist tief in der Partei verwurzelt. Jetzt fassen wir das Ganze konzeptionell neu.

In dieser politischen Neuaufstellung ist die Steuerpolitik mit drin?
Dazu muss man erstmal gar nicht so viel neu aufstellen, sondern vor allem machen. Die Anzeigepflicht könnte die Bundesregierung jetzt einführen. Genauso könnte sie die steuerlichen Abschreibungsmöglichkeiten für überhöhte Managergehälter und Boni abschaffen. Dass der Staat das auch noch steuerlich begünstigt, ist unerklärlich.

Bei der Forderung nach offenen Grenzen für Flüchtlinge sind auch die Grünen leiser geworden. Ist das der politischen Opportunität geschuldet? Oder der Einsicht in die eigene Naivität?
Die Zuschreibung, die Grünen sind für das Schöne und Humanitäre zuständig und Law and Order machen andere, gilt, was uns anbetrifft, schon länger nicht mehr. Wir brauchen Humanität und Ordnung bei der Zuwanderung, das ist erkannt, und daran richten sich unsere Konzepte aus. Das heißt auch, zu entscheiden, wer nicht hier bleiben kann. Das ist aber nichts, um stolz drauf sein, weil man oft genug Menschen in Not und Elend zurückschickt.

Ist der Wunsch nach ethnischer und kultureller Vielfalt noch zu halten?
Ich glaube, dass Ängste vor allem da entstehen, wo die geringste Erfahrung im Zusammenleben mit anderen Kulturen besteht. Man kann ja auch nachvollziehen, dass einem das, was man nicht kennt, Angst macht. Der Kern des Problems sind aber nicht die Flüchtlinge, sondern eine soziale Verunsicherung in der Gesellschaft, nicht zuletzt in den ostdeutschen Bundesländern mit den vielen Brüchen in den Biografien, der Enttäuschung, dem Nicht-gesehen-werden, der mangelnden Anerkennung.

Die politische Landschaft ist zerklüfteter denn je. Wie können Grüne den Kopf oben behalten?
Wir haben in Wahrheit keine Regierung, sondern ein zusammen getackertes Bündnis von Parteien, die miteinander weder können noch wollen. Das wird nicht die Zukunft des deutschen Parteiensystems sein. Nun gibt es zwei Gegenkonzepte. Da ist zum einen die linke Sammlungsbewegung von Sahra Wagenknecht. Sie kommt mir vor wie der Plan, auf Biegen und Brechen zu 40-Prozent-Volksparteien zurückzukehren. Ich halte dieses Volksfront-Gerufe für aussichtslos. Unsere Leben sind mittlerweile so differenziert, dass die Idee einer Partei, die alle Widersprüche nivelliert, mir sehr unwahrscheinlich erscheint. Meine Idee ist, dass auch sehr unterschiedliche Parteien miteinander Bündnisfähigkeit beweisen müssen. Das setzt ein dynamischeres Verständnis von Politik voraus.

Was bedeutet das für die Grünen?
Wir sind eine linksliberale progressive Kraft, aber eigenständig. Aus dieser Eigenständigkeit heraus können wir selbstbewusst in unterschiedlichen Bündnissen wie Jamaika, Kenia, in Rot-Rot-Grün oder in Grün-Schwarz agieren. Die Bereitschaft, Probleme zu lösen, ist Voraussetzung dafür, dass die Demokratie nicht erstarrt. Und mal ehrlich: Es kann sein, dass es beim nächsten Mal sogar für eine Große Koalition nicht mehr reicht. Und dann haben wir keine Regierung, oder wie?

Quote
gkrannich • vor 7 Stunden

Ich wünschte mir eine Handvoll Habecks, verteilt auf verschiedene Parteien, aber leider prägen solche wie Dobrindt, Zimiak und Spahn das Gesamtbild.
"Aber die selbstkritische Auseinandersetzung ist keine Erfindung von Annalena Baerbock und mir. Die ist tief in der Partei verwurzelt. Jetzt fassen wir das Ganze konzeptionell neu."
Wenn so etwas einmal von einem SPD-Vorstandsmitglied käme! Wie beschämend für die Sozialdemokraten, dass so etwas aus der Realo-Ecke der Grünen kommen muss !!


Quote
Steinheimer • vor 8 Stunden

Das war eins der besten Interviews mit einem grünen Spitzenvertreter in den letzten Jahren. Da spürt man , das sich einer wirklich Gedanken um das zukünftige Zusammenleben macht und eine echte Alternative zu den AfDschen, Spahnschen rückwärtsgerichteten Steinzeitansichten aufzeigen möchte.


...


Aus: "Die Grünen: Robert Habeck „Wir haben in Wahrheit keine Regierung“" Markus Decker (27.03.2018)
Quelle: http://www.fr.de/politik/die-gruenen-robert-habeck-wir-haben-in-wahrheit-keine-regierung-a-1474900,0#artpager-1474900-1

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[BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN (Politik)]
« Reply #2 on: November 14, 2018, 02:00:55 PM »
Quote
[...] Grundsicherung ohne Arbeitszwang und Sanktionen: Der Grünen-Chef entwirft in einem internen Papier, das ZEIT ONLINE vorliegt, ein neues staatliches Garantiesystem. Erst in der vergangenen Woche hatte SPD-Generalsekretär Lars Klingbeil eine Überwindung von Hartz IV gefordert. Nun machen sich auch die Grünen darüber Gedanken, wie sich die unbeliebte Grundsicherung, die einst von der rot-grünen Regierung unter Gerhard Schröder eingeführt wurde, neu gestalten lässt.
In einem internen Strategiepapier, das ZEIT ONLINE vorliegt, schreibt der Grünen-Vorsitzende Robert Habeck: In den kommenden Jahren werde man einen hoch dynamischen Wandel der Arbeitswelt erleben, deswegen müsse das "Garantieversprechen des Sozialstaats" erneuert werden. Das Papier solle einen Weg skizzieren, "wie wir das Hartz-IV-System hinter uns lassen".
Habeck will die bisherige Grundsicherung durch ein neues Garantiesystem ersetzen. Dieses soll auf Anreiz statt auf Bestrafung setzen, existenzsichernd sein und Zuverdienst attraktiver machen. Das Schonvermögen soll angehoben und alle existenzsichernden Leistungen gebündelt werden.
Anders als in den verschiedenen Modellen eines bedingungslosen Grundeinkommens, die derzeit ebenfalls in unterschiedlichen Parteien diskutiert werden, soll das von Habeck vorgeschlagene Garantiesystem allerdings nur an Menschen ausgezahlt werden, die darauf angewiesen sind. "Nach wie vor gibt es eine Antragstellung und die Bedürftigkeit muss nachgewiesen werden", heißt es im Papier. Gleichzeitig solle aber der Zwang zur Arbeitsaufnahme entfallen.
Im von Habeck anvisierten System soll es demnach keine Sanktionen für Menschen geben, die nicht mit den Jobcentern zusammenarbeiten. Die Teilnahme an Beratung und Weiterbildung sollten freiwillig sein. Dass Menschen diese Angebote dennoch nutzen, soll durch ein System von Anreizen und Belohnungen erreicht werden.
Der bisherige Hartz-IV-Satz soll nach Ansicht von Habeck steigen. Eine bestimmte Höhe nennt er allerdings nicht. Man brauche ein klares, verständliches und einfaches Verfahren für die Berechnung des soziokulturellen Existenzminimums, heißt es in dem Papier vielmehr. Dieses werde dann zu einer Anhebung des bisherigen Satzes führen.
Auch das Nebeneinander von konkurrierenden Sozialleistungen will Habeck beenden. Arbeitslosengeld II, Sozialhilfe, Wohngeld und Bafög sollten nach und nach in die neue Garantiesicherung überführt werden. Auf diese Weise könne man den Betroffenen Hilfe aus einer Hand anbieten und Kosten für Bürokratie sparen.
Die Garantiesicherung solle zudem von einer eigenständigen Behörde und nicht mehr von den Jobcentern ausgezahlt werden, sodass diese sich wieder stärker auf ihre eigentliche Aufgabe, nämlich die Vermittlung von Arbeit, konzentrieren könnten.
Nach Habecks Vorstellungen sollen Menschen, die Anspruch auf die Garantiesicherung haben, auch mehr von ihrem Vermögen behalten dürfen als bisher. Nur wenn jemand mehr als 100.000 Euro besitze, solle dies auf die staatlichen Leistungen angerechnet werden. Geförderte Altersvorsorge und selbstgenutztes Wohneigenturm sollten davon ausgenommen bleiben.

Wenn jemand zusätzlich zu den Sozialleistungen Geld verdient, soll er davon mindestens 30 Prozent behalten dürfen. Heute würden dagegen je nach Einkommenshöhe 80, 90 oder gar 100 Prozent des selbstverdienten Geldes auf Hartz IV angerechnet, schreibt Habeck. Dies führe dazu, dass eine vierköpfige Familie, in der einer 1500 Euro brutto verdiene und die zusätzlich aufstockenden Sozialleistungen beziehe, nur 330 Euro mehr habe als wenn niemand in der Familie arbeiten würde. Nach dem Habeck-Modell wären es dagegen 520 Euro mehr, heißt es im Papier.

Habeck rechnet damit, dass in seinem System der Garantiesicherung vier Millionen Haushalte mehr Anspruch auf eine Garantiesicherung hätten als heute Hartz-IV-Leistungen in Anspruch nehmen. Es werde zwar mehr Empfänger der Garantiesicherung geben, aber weniger Armut, schreibt Habeck. Die Kosten schätzt er je nach Ausgestaltung des Modells auf etwa 30 Milliarden Euro im Jahr. "Die Gegenfinanzierung muss aus einer gerechteren Verteilung der Wohlstandsgewinne dieses Landes erfolgen", heißt es in dem Papier.
Seine Vorschläge will Habeck nun im Rahmen des Grundsatzprogrammprozesses in der Partei zur Debatte stellen. Dieser soll bis 2020 abgeschlossen sein.


Aus: "Die Grünen: Robert Habeck will Hartz IV ersetzen" Katharina Schuler (14. November 2018)
Quelle: https://www.zeit.de/politik/deutschland/2018-11/die-gruenen-robert-habeck-abschaffung-hartz-iv

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[BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN (Politik)]
« Reply #3 on: February 05, 2019, 09:45:32 AM »
Quote
[...] Es war eine kleine Sensation, als der Mann mit dem Schnäuzer beim Grünen-Parteitag auf die Bühne trat. Dieter Zetsche, Vorstandschef von Daimler, war im November 2016 nach Münster gekommen, um mit der Ökopartei über den Ausstieg aus dem Verbrennungsmotor zu streiten. Für die Grüne Jugend war der Auftritt eine Provokation, doch der damalige Parteichef Cem Özdemir versteckte seinen Stolz nicht: Es sei doch „ein Kompliment“, dass einer der wichtigsten Autokonzernlenker zu den Grünen komme und nicht zu anderen Parteien, wenn es um die Zukunft der Branche gehe, rief er den Delegierten zu.

Die Grünen und die Wirtschaft – das war nicht immer eine unkomplizierte Beziehung. Doch inzwischen besetzen die Grünen nicht nur in einigen Ländern das Wirtschaftsministerium (Tarek Al-Wazir in Hessen, Ramona Pop in Berlin, und bis Mai 2016 mit Eveline Lemke in Rheinland-Pfalz). Seit einer Weile steigt auch das Interesse von Unternehmern an der Ökopartei spürbar. Beide Seiten suchen den Dialog, es entstehen neue Initiativen, Grüne und Wirtschaft vernetzen sich.

...


Aus: "Verbündete statt Gegner Wie Grüne und Wirtschaft sich einander nähern" (04.02.2019)
Quelle: https://www.tagesspiegel.de/politik/verbuendete-statt-gegner-wie-gruene-und-wirtschaft-sich-einander-naehern/23945380.html

Quote
Zunke 09:01 Uhr
Der Wirtschaft ist es doch egel, wer ihre Sänfte schleppt. ...


Quote
garno 04.02.2019, 12:13 Uhr
Da sich die Grünen nun zu Volkspartei mausern, gilt es für die Wirtschaft frühzeitig Kontakte zu knüpfen, um bei Bedarf schnell die richtigen und auch gut vorbereiteten Ansprechpartner für ihre Lobbyisten zu haben.



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[BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN (Politik)]
« Reply #4 on: April 09, 2019, 05:08:43 PM »
Quote
[...] Die Grünen kennen das schon. Kaum stehen sie in Umfragen gut da, kommt garantiert irgendein Parteimitlied und fordert, dass der Liter Benzin fünf Euro kosten müsse, auf Hauptstraßen Tempo 30 gelten solle oder die Deutschen weniger Fleisch essen müssten. Mit den schönen Umfragewerten ist es dann meist vorbei. Haben die Grünen diesen Punkt jetzt wieder erreicht?

Parteichef Robert Habeck nahm am Wochenende das Wort Enteignungen in den Mund und sprach sich dann auch noch für eine Flugbenzinsteuer aus. Gleichzeitig revitalisierte Fraktionschef Anton Hofreiter die alte Wahlkampfforderung nach einem Aus für Verbrennungsmotoren bis 2030. Seitdem schießen Union und FDP aus allen Rohren auf die Ökopartei.

"Die Grünen sind eine im Kern linke Partei", entsetzte sich der bayerische Ministerpräsident Markus Söder. Er hatte diese simple Wahrheit über seinem jüngsten Techtelmechtel mit dem baden-württembergischen Ministerpräsidenten Winfried Kretschmann offenbar vergessen. CDU-Generalsekretär Paul Ziemiak erklärte, er sei "fassungslos darüber, dass jetzt die Maske gefallen ist". Auf diese Grundlage sei keine Zusammenarbeit mit den Grünen möglich. Auch die FDP machte bei Habeck ein "Bröckeln der bürgerlichen Fassade" aus.

Diese Empörungswelle ist wohlfeil. Erstens, weil Habeck anders als teilweise dargestellt keineswegs Enteignungen von Wohnungsunternehmen gefordert hatte, sondern diese lediglich als letztes Mittel im Kampf für bezahlbaren Wohnraum nicht ausschloss. Wann er diesen Punkt gekommen sieht, sagte er wohlweislich nicht.

Zweitens ist offensichtlich, wie interessengeleitet das lautstarke Entsetzen von Union und Liberalen ist. Schließlich haben sich die Grünen zuletzt als einzig verbliebener ernstzunehmender politischer Gegner erwiesen. In den Umfragen sind sie seit Monaten die zweitstärkste Partei, in Bundesländern wie Berlin oder Baden-Württemberg haben sie die Union bereits abgehängt. Geschafft haben sie das nicht nur, indem sie Wähler und Wählerinnen der siechen SPD abwarben, sie konnten zuletzt auch der Union Stimmen abnehmen. Der kommt jetzt die Gelegenheit gerade Recht, die Angst vor linken Ökodiktatoren zu schüren.

Doch wird das diesmal funktionieren? Die gesellschaftliche Stimmung hat sich zuletzt gewandelt. Nachdem jahrelang die Angst vor Zuwanderung und Flüchtlingen die politische Debatte bestimmten, ist jetzt das Umweltthema mit Macht zurückgekehrt. Das zeigt sich nicht nur an den Fridays-for-Future Demonstrationen sondern zum Beispiel auch an dem überraschenden Erfolg des Artenschutzvolksbegehrens in Bayern. Und es ist nicht nur ein deutsches Phänomen: Die Auswertung des Bürgerdialogs, die Frankreichs Präsident Emmanuel Macron gerade in Frankreich durchgeführt hat, zeigte: Auch dort steht Klimaschutz bei den Wählern und Wählerinnen ganz oben auf der Agenda.

Ähnlich ist es beim bezahlbaren Wohnraum: Auch hier hat sich in der Vergangenheit viel Frust angestaut, über die Hilflosigkeit der Politik, auf diesem Gebiet echte Verbesserungen zu erreichen. Das schafft Sympathien für harte Forderungen, zumindest als glaubhafte Drohkulisse. Laut einer jüngsten Umfrage unterstützen 49 Prozent der Deutschen Enteignungen, um die Entwicklung am Immobilienmarkt in den Griff zu bekommen.

Anders als früher könnte es diesmal deswegen schwieriger werden, die grünen Forderungen als radikale Spinnereien dastehen zu lassen. Die Union läuft vielmehr Gefahr, sich gegen eine neue gesellschaftliche Mehrheit zu stellen, die zunehmend begreift, dass Selbstverpflichtungen der Wirtschaft weder für soziale Gerechtigkeit noch für effektiven Klimaschutz sorgen.

Für die Grünen wiederum gilt: Sie dürfen sich keine Angst einjagen lassen. An ihrem Veggieday-Trauma haben sie sich jahrelang abgearbeitet. Das darf nicht noch mal passieren. Stattdessen sollten sie selbstbewusst ihre Positionen erklären. Denn eine Partei, die nur deshalb stark ist, weil keiner so genau weiß, was sie eigentlich will, braucht niemand.


Aus: "Die Grünen: Klingt krass, ist aber mehrheitsfähig" Ein Kommentar von Katharina Schuler (9. April 2019)
Quelle: https://www.zeit.de/politik/deutschland/2019-04/die-gruenen-robert-habeck-enteignung-wohnungsmarkt-union

Quote
Schux #16


Wo ist eigentlich das Problem?

Für Kohlegruben ,Autobahnen und Flughäfen wird doch auch feste enteignet.


Quote
meinalterego #14

Das ist weder "Sozialismus", noch "sozialistisch", und die undifferenzierten Reaktionen auf die Debatte zur Enteignung (mehr als eine Debatte ist es nicht), zeigen wieder mal, wie ahnungslos und populistisch CDU,CSU,FDP reagieren.

1. Unser Grundgesetz ist nicht sozialistisch und ermöglicht Enteignungen.

2. Die Debatte respektiert Eigentum nicht? Unsinn! Eigentum verpflichtet. Und wer sich mal anschaut, wie die Wohnungsgesellschaften, um die es in der Debatte geht, agieren, der sieht schnell, dass sie ihrer Verpflichtungen kaum bis gar nicht nachkommen.

3. Markteingriffe in der Größenordnung einer Enteignung finden regelmäßig statt.
Der Unterschied sonst: das Gemeinwohl zahlt für die Verluste der Privatwirtschaft (z.B. Bankenkrise). Ohne Entschädigung!
Und nun soll der Vorteil mal beim Gemeinwohl liegen, wohl bemerkt: gegen eine Entschädigung, und Neoliberale und Konservative kreischen "Sozialismus"? Wie lächerlich!


Quote
Brontodocus #19


Ich weiß nicht, was dümmer ist: der fromme Glaube der FDP, der Markt werde billigen Wohnraum zur Verfügung stellen, oder die Vorstellung von Linken und Grünen, Enteignungen könnten den Wohnungsmarkt entspannen. Es gibt zuwenig billigen Wohnraum, wo er gebraucht wird. Den kann nur der Staat schaffen, weil ein privater Investor sein teures Grundstück nicht mit billigen Wohnungen vollstellen wird. Je mehr private Investoren mit teuren Auflagen belastet werden, desto weniger werden sie investieren, und die Lücke muss der Staat auffangen. Ich glaube nicht, dass die Steuererhöhungen, die notwendig wären, um alle fehlenden Wohnungen vom Staat bauen zu lassen, durchsetzbar sind. Wer private Investitionen haben will, muss entsprechende Rahmenbedingungen bieten. Nur ein Mix ist realistisch. Der fehlt im Moment, weil die öffentliche Hand ihre Wohnungen verschwerbelt hat. Das wird zurecht von links gegeißelt.


Quote
kasinojodeln #32


Die eigentlich Spinner sind sowieso diejenigen, die glauben, ein "Immer-weiter-so" wäre eine Lösung. Hoffentlich bemerken die noch immer viel zu zahlreich vertretenen UnionswählerInnen das irgendwann mal (oder sterben aus). Wem soll denn eine starke (Export-)Wirtschaft helfen, wenn der Klimawandel und die Vermüllung der Erde fortgeschritten ist? Die Grünen hatten mal ein richtig gutes Plakat, das vordergründig nach Sponti-Spruch klang, aber in seiner Wahrheit und Rationalität nicht zu überbieten ist: "Umwelt ist nicht alles, aber ohne Umwelt ist alles nichts". Wer das nicht versteht, hat ein echtes Denkproblem.


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JesuisCharlie #33

"Laut einer jüngsten Umfrage unterstützen 49 Prozent der Deutschen Enteignungen, um die Entwicklung am Immobilienmarkt in den Griff zu bekommen. "

Klar. Das sind meist diejenigen, die derzeit nix besitzen. Die gleiche Personengruppe schreit laut "Hurra" wenn es um die Einführung einer "gerechten" Vermögensteuer geht. Wenn selbst ernannte "Revoluzzer" dann irgendwann eine Immobilie abbezahlt haben oder etwas erben sollten, werden sie auf einmal ganz kleinlaut ;)


Quote
tomari #33.1

Es ging doch meines Wissens um Wohnbau Gesellschaften? Haben Sie kürzlich eine solche geerbt?


Quote
tomari #34


Die Grünen als einziger inhaltlich ernstzunehmender politischer Gegner, hmm. Nachdem schwarz rot in meinen Augen inzwischen fast schon im FDP Spektrum angekommen zu sein scheinen was Lobbyismus und wirtschaftsliberale Wunscherfüllung der Konzerne angeht, würde ich eher sagen, die Grünen haben als einzige überhaupt ein ernstzunehmendes politisches Programm.


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[BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN (Politik)]
« Reply #5 on: May 02, 2019, 10:27:28 AM »
Quote
[...] Den Tisch schiebt Robert Habeck gleich zu Beginn zur Seite. Er steht lieber, wird sich in den kommenden 90 Minuten nicht hinsetzen. Eigentlich sollte er hier im Herforder Lutherhaus aus seinen Büchern lesen. »Als wir ihn vor etwa einem Jahr angefragt haben, wollten wir über Umwelt- und Artenschutz sprechen«, erklärt Herbert Willms, Mitveranstalter aus den Reihen der Kirchengemeinde Herford-Mitte. Doch jetzt steht da ein Mann, der seine Partei zusammen mit seiner Co-Chefin Annalena ­Baerbock laut jüngsten Umfragen bei Werten um die 20 Prozent hält – und damit knapp vor der SPD. »So voll war der Saal noch nie«, sagt Willms. 340 Karten wurden im Vorfeld vergeben, sie waren ruckzuck weg. Dem Vernehmen nach soll es sogar missgelaunte Anrufe von Mitgliedern des örtlichen Grünen-Vorstands gegeben haben, weil sie keine Karten mehr bekommen hätten.

Habeck kommt an, weil er sich ein wenig als Gegenstrom-Politiker inszeniert. In Jeans und Stiefeln ist er nach Herford gekommen. Hier erzählt er auch noch mal, wie und warum er sich von Facebook und Twitter verabschiedet hat. Er sagt Sätze wie: »Seit zehn Jahren bin ich hauptberuflich in der Politik. Davor habe ich etwas Vernünftiges gemacht. Ich war Schriftsteller.« Wohlwollendes Lachen, Applaus. Habeck ist ein Polit-Popstar. Ein kürzlich veröffentlichtes Interview mit der »Bild am Sonntag« wirkt wie der vorläufige Höhepunkt einer gelungenen Selbstvermarktung: Habeck darf über seine pflegeleichte Frisur sprechen – und verrät, bei welchen Filmen er heulen muss.

An diesem Abend ist Sprache sein Thema. Wie Sprache den politischen Diskurs formt. »Man muss sich eingestehen, dass die Sprache des Populismus in der politischen Ökonomie erfolgreich ist«, sagt Habeck wenige Minuten vor einem Auftritt in einer kurzen Presserunde. Er wolle es aber lieber mit einer »positiven Leidenschaft« versuchen. Lieber einladend sprechen statt auszugrenzen. Habecks Beispiel: Unter Baerbocks und seiner Regie sei die Formulierung »Wir Grüne« aus dem Grundsatzprogramm gestrichen. Habeck will seine Partei – einst eher elitäres Klübchen für Besserverdiener – offener machen. Über die Dynamik zwischen den Realos und Fundis, innerparteiliche Kampfbegriffe aus den 80er und 90er Jahren, sagt Habeck: »Die Flügel sind nicht mehr so wichtig.« Und: »Wir haben ein paar der alten Grünen-Fehler abgestellt.«

Es ist warm geworden im Kirchsaal des Lutherhauses. Habeck hat das Sakko ausgezogen und die Ärmel seines blauen Hemdes hochgekrempelt. Er steht auf der obersten von drei Stufen, die Spitzen seiner Stiefel ragen über die Kante hinaus. Habeck wirkt, als würde er gerne noch ein Stück vorwärts gehen. Später wird ein Zuschauer, der Habeck um ein gemeinsames Foto bittet, sagen: »Er wird neuer Vizekanzler.« Überhaupt muss Habeck vor und nach seinem Auftritt viele Selfie-Wünsche erfüllen. Sogar der Herforder Landrat Jürgen Müller (59, SPD) drückt dem Grünenchef sein Smartphone in die Hand. Worüber Habeck an diesem Abend nicht spricht: Inhalte. Für Empörung hat zum Beispiel seine Äußerung zum Thema Enteignung von Wohnungsunternehmen gesorgt – »notfalls« denkbar, fand Habeck. Das hat besonders in den Unionsparteien quasi-allergische Reaktionen ausgelöst.

Doch bislang geht die Strategie des in Lübeck geborenen, ehemaligen Landwirtschaftsministers in Schleswig-Holstein auf. Auf der Liste der beliebtesten Politiker findet er sich regelmäßig in den Top Fünf. Ob er im Moment überhaupt etwas falsch machen könne? »Wir stehen natürlich unter anderer Beobachtung«, sagt Habeck im Vorfeld der Veranstaltung über die grüne Doppelspitze. »Jeder Halbsatz ist auf einmal bedeutsam.« Doch nach seinem Abschiedsapplaus in Herford muss Habeck erst mal nicht viel reden – sondern für diverse Selfies brav grinsen. Popstars tun oft gut daran, erst mal nur die Optik sprechen zu lassen.


Aus: "Warum Parteichef Robert Habeck derzeit nicht viel falsch macht" Jan Gruhn  ( Mi., 01.05.2019)
Quelle: https://www.westfalen-blatt.de/OWL/Kreis-Herford/Herford/3759526-Warum-Parteichef-Robert-Habeck-derzeit-nicht-viel-falsch-macht-mit-Video-Gruener-Prediger
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[...] Stuttgart - CDU-Vize Thomas Strobl hat Äußerungen des Grünen-Bundesvorsitzenden Robert Habeck zu Gott und Religion scharf kritisiert.

Habeck hatte am Wochenende in einem Interview mit der „Bild am Sonntag” erklärt, dass er nicht gläubig ist und nicht in einer Kirche sei, auch wenn für ihn die Mitleidsethik des Christentums wichtig sei: „Um zu glauben, im eigentlichen Sinn, habe ich wohl zu viele Philosophen gelesen.”

Strobl erwiderte im Gespräch mit der Deutschen Presse-Agentur: „Im Klartext bedeutet das: Menschen, die an Gott glauben, sind halt ein bisschen unbelesen. Ja, was ist denn das für eine unglaubliche, peinliche Arroganz?” Mit so viel Arroganz und so wenig Substanz könne man sich in Deutschland nicht dauerhaft Respekt und Anerkennung erarbeiten. Er glaube nicht, dass der Personenkult um Habeck anhalte. „Die Grünen hatten immer mal wieder Höhenflüge, und oft genug gab es dann trotzdem keine Wahlerfolge. Insofern kann das momentan im Bund auch ein modischer Hype sein.” Moden änderten sich jedoch. (dpa)


Aus: "Äußerungen zum Glauben: Strobl wirft Habeck „Arroganz” vor" (01.05.19)
Quelle: https://www.rundschau-online.de/politik/aeusserungen-zum-glauben--strobl-wirft-habeck--arroganz--vor-32454250

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[...] Ich kann Robert Habeck nicht ausstehen. So, jetzt ist es raus. ... In der "Washington Post" habe ich kürzlich einen Text über das Phänomen der "Misophonie" gelesen. Wörtlich bedeutet der Begriff "Hass auf Geräusche" und bezeichnet eine neurologische oder psychische Störung (man ist sich da nicht ganz sicher), die dazu führt, dass Betroffene beispielsweise nicht ertragen können, eine bestimmte andere Person auch nur atmen zu hören. Andere bemerken das Geräusch gar nicht oder finden es sogar angenehm, sie hingegen macht es rasend.

Ich leide offenbar an Misorobertie: Wenn ich Robert Habeck auch nur sehe, stellen sich mir die Nackenhaare auf. ... Meine Abneigung ist gänzlich unpolitisch. Habeck ist gebildet, sagt immer das Richtige und verkörpert den modernen Mann: Soft, aber doch bestimmt. Zart, aber auch hart, wenn's drauf ankommt. Mit anderem Wort: unerträglich.

Ganz offensichtlich bin ich nur eifersüchtig. Auch ich brauche nicht lang im Bad. Auch ich bekomme öfter feuchte Augen, seit ich Vater geworden bin. Aber keine Frau bekommt feuchte Augen, wenn sie von mir spricht. Was hat er, was ich nicht habe?

... Der Gerechtigkeit halber muss ich vermerken, dass auch Robert Habeck selbst der Habeck-Hype unangenehm zu sein scheint. "Die Zuschreibung von Äußerlichkeiten lenkt von den eigentlichen Themen ab. Diese Fragen gehören nicht zu meinen Lieblingsfragen", sagte er der "BamS" auf die Frage, ob gutes Aussehen in der Politik helfe. "Habeck knetet seine Hände, zeigt so sein Unbehagen", kommentiert die Zeitung seine Einlassung in kursiver Schrift. Wie uneitel. Wie menschlich. Es ist zum Haareverwuscheln.

... Übrigens: Viel zu wenig wird zurzeit darüber berichtet, wie freundlich, mitfühlend und sympathisch der junge und gutaussehende FDP-Chef ist.


Aus: "Robert Habeck: Es ist zum Heulen" Stefan Kuzmany (30.04.2019)
Quelle: https://www.spiegel.de/politik/deutschland/robert-habeck-und-der-hype-es-ist-zum-heulen-kolumne-a-1265030.html

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dereineuwe 30.04.2019

Übrigens: Viel zu wenig wird zurzeit darüber berichtet, wie freundlich, mitfühlend und sympathisch der junge und gutaussehende FDP-Chef ist... weil er eben das alles absolut nicht ist. bei dem muss ich immer an den film "wall street" denken.


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Pless1 30.04.2019

70. Ratlos

Der Artikel lässt mich ratlos zurück. Was will Herr Kuzmany uns damit sagen? Mag er Habeck wirklich nicht? ...


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alexaugust 30.04.2019

74. Was soll ich jetzt damit anfangen?

Symphatie ist nun mal subjektiv, mir stellen sich z.B die Nackenhaare bei dem jungen FDP-Chef auf. ...


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zeichenkette 30.04.2019

64. Immer wieder großartig

Es gibt offenbar eine Menge Leser, die einerseits über todernste Dinge schallend lachen, Ironie aber selbst dann nicht erkennen, wenn sie sich auf ihren Schoss setzt.


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[BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN (Politik)]
« Reply #6 on: May 18, 2019, 05:14:00 PM »
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[...] Jetzt haben die Grünen sogar die Marke von 30 Prozent überschritten – die U18-Wahl macht’s möglich. Neun Tage vor der echten Europawahl waren Kinder und Jugendliche am Freitag aufgerufen, ihre Stimme abzugeben. In Berlin waren rund 240 Wahllokale, beispielsweise an Schulen, geöffnet. Nach dem von den Veranstaltern veröffentlichten Ergebnis kommen die Grünen in Berlin auf 30,9 Prozent.

Mit großem Abstand folgen SPD (16,9), Linke (11,8) und CDU (9,5). Die AfD liegt mit fünf Prozent auf dem Niveau von Tierschutzpartei und der Satire-„Partei“, die FDP noch dahinter. ...


Aus: "Grüne siegen bei U18-Europawahl in Berlin" (18.05.2019)
Quelle: https://www.tagesspiegel.de/berlin/was-jugendliche-waehlen-gruene-siegen-bei-u18-europawahl-in-berlin/24357382.html

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[BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN (Politik)]
« Reply #7 on: May 26, 2019, 04:01:12 PM »
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[...] Die Wähler der Grünen bilden eine anwachsende, dann plötzlich aber auch wieder schrumpfende geistige Provinz, die mehr öffentliche Aufmerksamkeit auf sich zieht als andere politische Unterstützungszonen. Gelegentlich tut das grüne Milieu, als könne es Zusammenhänge genauer erkennen als andere, mehr noch, als sei auch seine Lebenspraxis eine bessere, beispielsweise wenn es daran erinnert, dass ein Leben mit Lastenfahrrädern das einzig mögliche sei.

8,9 Prozent der Wähler entschieden sich bei der letzten Bundestagswahl für die Grünen, um die 20 Prozent würden es heute tun, wenn Gelegenheit wäre. Der Europawahl kann die Partei freudig entgegensehen. Theoretisch versierte Vertreter ihres Milieus zitieren gern Antonio Gramscis Begriff der "kulturellen Hegemonie", um die eigene gesellschaftliche Strahlkraft zu unterstreichen. Das ist wahrscheinlich übertrieben, Grünwähler setzen Trends, die im weiten Sinn mit der Nachhaltigkeitswende zu tun haben, aber vielleicht folgen sie ihnen auch nur.

Das Milieu ist demoskopisch gut durchleuchtet: Überdurchschnittlich viele Hochschul- und Fachhochschulabgänger sind darunter, mehrheitlich Frauen und Stadtbürger. Ihr Einkommen ist solide Mitte; viele sind Beamte und Angestellte, ganz viele arbeiten im öffentlichen Dienst. Westdeutschland ist grün, der hohe Norden und der tiefe Süden, vor allem der Südwesten. Die Begünstigten der bundesrepublikanischen Bildungsreformen halten der Partei die Treue, Studenten und Auszubildende kommen immer wieder hinzu, das Ganze ist ein Mehrgenerationenhaus. Grünwähler sind den Angeboten neurechter Ideologen abhold. Das unterscheidet sie von den anderen Parteimilieus.

Als sich die grüne Partei 1980 gründete, ging es außer um Atomkraft, Frieden, Umwelt um die Forderungen einer ganzen Korona sozialer Bewegungen. Es ging um ein breites Spektrum von Themen, und diese Vieldimensionalität oder Weitläufigkeit des Anfangs zieht bis heute eine gewisse Unschärfe nach sich. Parteiobere müssen seither immer wieder nachzentrieren und das Spezifische herausarbeiten. Deswegen deren unermüdliches Bestehen auf "Inhalte". So ist der moralisierende Überschuss, den die Grünen dem Rest der Gesellschaft unter die Nase reiben, auch ein Mittel, um Fliehkräfte zu bändigen.

Rhetorik spielt im grünen Milieu eine große Rolle, die richtigen Schlagworte und Vereinfachungsmuster, Spiele mit Pflichtbewusstsein und Kindlichkeit: Die Grünen sind auch zu Virtuosen der Psychopolitik geworden. Dass dabei das Ökologische noch im Zentrum steht, ist eine Mär. Grünen Wählern geht es längst genauso um andere Dinge, um sichere Jobs, die Bildungschancen ihres Nachwuchses oder um einen zeitgerechten Lebensstil mit gutem Gewissen. So fällt das Grün auch immer blasser aus.

"Wir sind die Partei des neuen Bürgertums", jubelte Renate Künast 2009 nach einer Kommunalwahl in Stuttgart. Mittlerweile ist das "neue Bürgertum" zahlenstark und mächtig geworden. Soziologen haben es als ein neuartiges politisches Umfeld beschrieben, das durch Überzeugungen, aber nicht durch Klasseninteresse geeint sei. Ganz so stimmt es wohl nicht mehr: Der Nachhaltigkeitsumbau schreitet voran, er benötigt Ingenieure, Informatiker, Verwalter, Pädagogen. Grünwähler sind es, die diesen Modernisierungsprozess vorantreiben. Sie profitieren von alternativen Technologien und sauberen Produktionen, von einer renovierten Lebensmittelindustrie oder veränderten Ausbildungsprofilen, von neuer Gesetzgebung und ihren Verwaltungsvorschriften.

Das macht noch kein Klassenbewusstsein, sorgt aber für ein starkes Selbsterhaltungsinteresse. Der Umbau ist inzwischen auch ökonomisch bedeutsam, was dazu führt, dass sich die Interessen auffächern, auch die grünen. Eine Unzahl von persönlichen Subzielen lagert sich über die hehren Zielsetzungen von einst. So wird es immer aufwendiger, den Zusammenhalt des Milieus per Kommunikation zu sichern. Jedenfalls verbringt die Parteiführung viel Zeit damit, darüber nachzudenken, wie sie richtig redet und zuhört. Der weltanschauliche Kern droht weich zu werden, während das Milieu sich munter differenziert.

In den Ländern regieren die Grünen, und zwar in einer erstaunlichen Bandbreite von Positionen. Die Macht in Berlin würde erzwingen, sich zu verdeutlichen und zu vereinheitlichen. Dass es die Grünen im Bund nur einmal in die politische Verantwortung geschafft haben, erspart ihnen bis heute bittere Aufrechnungen, wie man sich im Regieren verschleißt. Das ist ein Vorteil. Noch nach Jahrzehnten können sie das Versprechen aufrechterhalten, neu und anders zu sein. Immer noch sind sie eine Kraft des "Anfangs". Anfangen als vorpolitische Haltung, die auf dem Sprung ist, eine politische zu werden, ist das Gegenteil fauler Kompromisse und ewigen Mitkoalierens. Im Anfangen ("Wir müssen endlich ...") bleibt der ursprüngliche Impuls wirksam. Es ist entscheidend, dass sich der Einzelne mit Herz und Hirn beteiligt. Die charakteristische grüne Haltung wird kleinteilig exerziert. An einen jeden ergeht der Ruf, das eigene Leben gemäß grüner Verhaltensnormierung zu verändern.

Früher reichte es aus, den Joghurtbecher auszuspülen, heute ist das insgesamt anspruchsvoller geworden. Vor allem Verzichtsleistungen sind gefordert: Bestimmte Verkehrsmittel, Nahrungs- und Genussmittel, Kleidungsstoffe oder Verhaltensweisen sind tabu. Politisch anfangen heißt, No-Gos zu respektieren – und täglich kommen neue hinzu. Das Milieu verpflichtet sich auf eine immer unübersichtlichere Askese. Die Regularien des Verzichtes folgen keinem Plan, sondern ihrer Eigendynamik. Die individuelle Norm ist ein Seinlassen, während das Seinlassen als gesellschaftliches Programm eine Art negative Umverteilung nötig macht, für die es in der Marktwirtschaft kaum Muster gibt. Wer darf noch was dürfen? Politik muss dann auch die Zickigkeiten managen, die sie in die Gesellschaft hineinträgt.

Selbst wer für den Klimaschutz ist, staunt inzwischen über die sozialen Folgekosten, die dabei anfallen: Das Leben selbst gilt als lebensvernichtend und Skepsis als Form gedankenloser Verworfenheit. Der Bannstrahl trifft nicht nur jenen, der nachhaltige Politikziele bestreitet. Es genügt schon, sich reserviert gegenüber dem Lebensstil zu verhalten, den das grüne Milieu pflegt. Schwarze Pädagogik ist im Spiel, und die Pädagogen belohnen sich, indem sie sich als moralisch ausgezeichnet fühlen dürfen. Die Belohnung besteht nicht etwa darin, die Kanzlerin zu stellen. In dieser Hinsicht ist das CDU-Milieu bescheidener.

Vermutlich ist Dünkel das notwendige Beiwerk des moralischen Drucks. Wenn es ein Grüner wirklich ernst meint, kann er den eigenen Standards nie entsprechen. Immerfort missachtet er etwas. Im Grunde müsste er viel engagierter sein. Die Welt ist ohnehin widrig organisiert, man hat Auslandstermine, die Flugreisen unaufschiebbar machen, in der Garage steht der alte Diesel und die Kinder lieben Hühnchen. Unerträglich wären die Gewissensqualen, wenn man sich nicht trotz allem einer ethischen Elite zurechnen könnte. Im neuen Kursbuch Das Grün schreibt der taz-Redakteur Peter Unfried, ein ökologisch zentrierter Grüner strenger Observanz: "Ich kenne Grünen-Wähler, die von Frankfurt nach Berlin fliegen, um abends um halb acht statt um halb neun zu Hause zu sein und als guter Vater die Kinder ins Bett bringen zu können. Das gilt in der Peergruppe eben nicht als barbarisch, sondern als vorbildlich und auch normal." Wenn früher der Christ sündigte, riskierte er nur das eigene Seelenheil, wer hingegen universalmoralische Normen wie Flugscham missachtet, droht natürlich gleich alles zu korrumpieren.

Aus solchen Beobachtungen folgt nicht, dass grüne Politikziele die falschen sind. Ein Patent darauf hat die Partei ohnehin nicht mehr. An Klima-, Natur- oder Artenschutz ist nichts auszusetzen, so wenig wie an der Verkehrswende oder an der Kritik der Massentierhaltung. Es stellt sich bloß die Frage, ob das "neue Bürgertum" wirklich die richtige Trägerschicht ist, um diese Ziele zu erreichen. Außerdem: Wer die richtigen Ziele formuliert, kennt deswegen noch nicht den Weg dorthin und sollte sich mit Wegweisung eher zurückhalten. Die Modernisierung von Wirtschaft und Gesellschaft ist mit Nachhaltigkeit vereinbar, aber sie ist mit ihr nicht identisch. Darüber schwebt eine schillernde neubürgerliche Blase, in der man auch höchst egoistische Ziele verfolgen kann. Inzwischen kann ja alles irgendwie grün aussehen, es ist eine Frage der individuellen Perspektive. Der Erfolg hat aber seine Tücken, er begünstigt eine Dialektik, welche die Modernisierung verzerrt und verläppert.

Anders gesagt: An unkalkulierbaren Folgen laboriert, wer mit der Verwirklichung einer ziemlich anspruchsvollen Weltverantwortungsmoral die gesamte Gesellschaft betraut. Früher waren die Anhänger der Grünen eine weltanschauliche Elite, nun ist "das Grün" ein Programm für alle, und die Verbreitung dieser Moral schlägt sich auf einer riesigen Mitmachwiese nieder, auf dem Tempelhofer Feld des guten Gewissens. Feldwebel und Besserwisser treten dort auf, Berufsjugendliche und unbekümmerte Hedonisten. Viele zieht das Schauspiel an, viele schreckt es ab. Weltmoral und Selbstsucht können koexistieren, vielleicht sind es zwei Seiten einer Medaille. In der Milieuwelle kann die Partei nur noch mitschwimmen.

Der Schweif, den "das Grün" nach sich zieht, ist das Beispiel einer reifen demokratischen Gesellschaft, die sich biopolitisch selbst zu organisieren beginnt. Normative Orientierungen sucht sie nach Bedarf und Tagesform und bezieht sie nicht mehr aus politischen Mythologien. Das klingt befreit, befördert aber auch die wechselseitige soziale Kontrolle. Es klingt liberal, fällt aber engherzig und rigide aus, weil vor allem die Freiheiten der anderen hinterfragt werden. Über die Bevormundung wacht keine Instanz mehr.

Politische Avantgarden haben immer so funktioniert: Was ihnen inneren Halt gab, war das Misstrauen anderen und sich selbst gegenüber. Eine Faust musste die Wahrheit umschließen, sonst drohte die zu entwischen. Aus Verzicht musste Sinn werden, und die Emanzipation ließ sich nur durch Unterwerfung erreichen. Im grünen Fall heißt das: Die technische Naturbeherrschung kann nur überwunden werden, indem man die eigene innere Natur beherrscht.

Wenn nun aber die ganze plurale Gesellschaft das Avantgardeverhalten nachmacht oder auch nur nachahmt, droht die Wahrheit tatsächlich abhandenzukommen. Dann muss man kontrollieren und missionieren – oder, wie es der kleine Witz so schön auf den Punkt bringt: Woran erkennt man, dass jemand vegan lebt? Antwort: Er erzählt es einem.

Es ist also nicht klar, ob aus der Mobilisierung von individuellen Lebensverhältnissen etwas Politisches hervorgeht. Es kann sein, dass der ökologische Furor, sobald er bürgerlicher Lebensstil geworden ist, sich selbstzufrieden beruhigt. Das Milieu hat sich von seiner politischen Vertretung längst abgespalten. Ungestraft wird keiner Volkspartei. 2017 veröffentliche ZEIT ONLINE die Ergebnisse des Umfrageinstituts YouGov. Ein Fazit: "Nur knapp die Hälfte der Grünen finden, dass ihre Partei 'fähige Politiker' habe. Nicht einmal die Hälfte glauben, dass die Grünen mit einer Stimme in der Öffentlichkeit sprechen."

Das muss auch nicht sein, möchte man hinzufügen, denn das Weltbild funktioniert auch ohne politische Repräsentation. Entsprechend wird die Partei immer sanfter, empathischer, verständnisvoller für alle und alles. Ihr Markenkern ist populäre Lyrik geworden, etwas zum Mitsingen. Man möchte den Grünen das Regieren ersparen. Schöner wird’s nicht.


Aus: "Das Grün sucht seinen Weg" Thomas E. Schmidt (22. Mai 2019)
Quelle: https://www.zeit.de/2019/22/die-gruenen-waehler-millieu-oekologie-lebensstil/komplettansicht

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Gondo #137

Da kritisiert ein Angehöriger der bürgerlichen Elite die Grünen als Partei der bürgerlichen Elite.


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kinkata #137.1

Ein Whistleblower!


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  Genji #5.10

Bin zwar kein Grün-Wähler, weil mir ihr blinder Aktionismus, teils unbegreiflich ist, aber an weniger billig Fleisch & Zucker ist nix auszusetzen.

Bin schon lange dafür, Fleischsubventionen zu streichen. Feisch stärker zu besteuern und das eins zu eins im Subventionen für pflanzliche Produkte umzulegen.
Dann wäre es auch mal den unteren Schichten möglich eine gesunde Ernährung zu verfolgen (ja täglich Fleisch zu essen ist tatsächlich ungesund)

Kann in mein Augen nicht sein, dass Schweinefleisch teilweise günstiger als Paprika ist.

Allerdings habe ich noch nie gelesen, dass es in irgendeiner Partei solche Pläne gibt. Wahrscheinlich würde man damit zu viel Hass auf sich ziehen. Daher bleibt das wohl noch Jahrzehnte illusorisch.


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CosmoNomad #5.12

Oder “Die da unten” gibt es nicht!


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midran #5.20

Wenn hat das den je Interessiert in den letzten 20 Jahren?
CDU? ne
FDP? Doppel ne
AFD? bestimmt nicht
SPD??? Nur dem Namen nach
Linke? Vielleicht, aber nicht wählbar bei klarem Verstand.


Quote
Mr. Brian #5.21

Nun dann hoffen wir mal, dass Sie Ihre Wahl nicht mal irgendwann ärgert. Massentierhaltung ist verachtenswert und Fleisch sollte deutlich teurer werden, ( wenn das hilft). Aber glauben Sie mir, hier gibts Menschen die " Grün ist toll" defacto auf der Stirn tragen, sich einmal alle 2 Wochen als Alibi eine halbe Ökokiste liefern lassen und dann 21.00 Uhr mit einem 20 Jahre alten stinkenden Auto zum Aldi fahren und schön billig einkaufen. ich bin durchaus für Umweltschutz, aber wenn der langsam eher eine Modeerscheinung wird, die Umweltschäden durch Windräder totgeschwiegen werden, dann nicht mehr. Warten wir mal bis zur Bundestagswahl, ob solche Dinge wie Tempo 130 auf Autobahnen, Erhöhung der Mineralölsteuer, Wegfall des Dienstwagenprivilegs, etc. bei den Grünen im Wahlprogramm stehen....ach ich vergaß , meine Lebenserfahrung ist: Vor der Wahl ist das Eine, nach der Wahl das Andere.


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Nikolaus12345 #5.22

"und weil die nötige Aufklärung fehlt"

Die nötige Aufklärung fehlt doch gar nicht, man kann nun wirklich überall nachlesen, welche Probleme es auf der Welt gibt.
Nur wer nicht aufgeklärt werden will, bleibt heute noch unaufgeklärt.


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casinoservice #6

„Vermutlich ist Dünkel das notwendige Beiwerk des moralischen Drucks. Wenn es ein Grüner wirklich ernst meint, kann er den eigenen Standards nie entsprechen.“

Wunderbar kommentiert. Mehr braucht es nicht, um die Analogie zum Katholizismus aufzuzeigen.


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joe_leads #6.5

"Wasser predigen und Wein trinken. Traurig.“

Sich kommentarlos dem Alkoholismus zu ergeben ist der bessere Lebensstil, um bei ihrem Bild zu bleiben?


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Markino #9

ich soll Plastik vermeiden, ich soll mir ein sparsames Auto kaufen, ich soll mit dem Fahrrad fahren, ich soll nicht Fliegen, ich soll Vegetarier werden, ich soll mir ein Stück Feld mieten für die Bienen, ich soll mein Handy bis zum Hardware Tod nutzen, ich soll nachhaltige Wäsche/Kleidung kaufen, und ich soll am Ende meines Lebens den Anstand haben mich mit meiner Mindestrente nach Rumänien zu verpissen weil ich sinnlos bin sobald ich nicht arbeite.

Und warum, also meine Antwort ist damit die Reichen und Besserverdiener weiter die Umwelt versauen können und weiter in saus und braus leben, ohne auf etwas verzichten zu müßen.


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Tobias87 #9.1

Das ist allerdings nicht die Antwort der Grünen, denn Reiche und Besserverdiener sind von entsprechenden Forderungen mitnichten ausgenommen.


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August S #9.4

Wer, glauben Sie, wird, wenn Sie all das nicht machen, am Ende, wenn es große Verwerfungen auf Grund des Klimawandels gibt, sich die bestversorgtesten und lebenswertesten Grundstücke dieser Welt sichern? ...


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August S #9.10

Wenn die Grünen was durchsetzen würden, wäre es Diktatur, wenn sie es nicht machen, sind sie scheinheilig.


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ohdochnein #14

Ich empfinde die Grünen einerseits als wichtige Bereicherung, andererseits in einigen Politikfeldern als die heuchlerischste Partei überhaupt, bzw.zumindest einen Großteil iherer Wähler. Dort steigt ganz offensichtlich die Bereitschaft grün zu wählen mit dem Abstand zu den Folgen der eigenen Politik, ablesbar an den Wahlergebnissen, besipielsweise in HH. Die zehn besten Wahlergebnisse erzielten die Grünen in innerstädtischen, gut angebundenen Stadtteilen mit geringem bis allenfalls durchschnittlichem Migrantenanteil und mittelhohen bis hohen Mieten. Dort finden sich auch eher gut integrierte bis besser gebildete Zuwanderer und ein dichtes ÖPNV-Netz. Unter diesen Wohlfühlmultikultibedingungen in zentraler Lage lässt sich eine offene Migrationspolitik und der Verzicht aus Auto gleich doppelt gut predigen und leben. Das ganze dann noch mit höherer Moral unterlegt, stößt es mir doppelt negativ auf.

https://www.statistik-nord.de/zahlen-fakten/hamburger-melderegister/dokumentenansicht/bevoelkerung-mit-migrationshintergrund-in-den-hamburger-stadtteilen-ende-2017-60606/

https://www.statistik-nord.de/fileadmin/Dokumente/Wahlen/Hamburg/Bundestagswahlen/2017/Wahlergebnisse/endg%C3%BCltig/Stadtgebiete/e_9_0_BTW17_HH_Zweit_WaBet_Part_Proz_Stadtt.pdf

... Es ist die rigorose Einteilung in Gut und Böse und Intelligent und Dumm zwischen Befürwortern der grünen Politik und Gegnern die mich so stört.


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Christopher.P #53

Wenn man vor 40 Jahren mit den Grünen angefangen hat, damals musste jeder Abgeordnete turnusgemäß seinen Platz an den nächsten Parteifreund abgeben, dann kann man hier nur von einem Abstieg in die Etappe sprechen. Grüne altern heute genauso gerne auf ihren Posten, wie ihre Kollegen anderer Parteien. Auch die politische Farbverschiebung von Grün zu Rot entstellt die Partei zu einen ungesunden Farbton. So bleibt das Feiern von Wahlsiegen im Angesicht einer nie geahnten ökologischen Katastrophe. Aber es reicht nicht zu wissen, dass man selbst zu den denen Guten gehört. Grün wäre mehr, Veränderung, Hoffnung und Zukunft.


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Systemator #57

Der typische Grünenwäher ist risikoscheu und möchte auf hohem Niveau versorgt werden.
Außerdem gibt sich der Grünenwähler gerne umweltbewusst und sozial, jedenfalls so lange er nicht persönlich zur Kasse gebeten wird.


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KommtMalRunter #60

In den gentrifizierten Großstadtvierteln wirkt das Grün auch schnell Gelb ... kann man zumindest in Hamburg beobachten.


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GSXF5 #71

Ein Artikel, der mir aus dem Herzen spricht. In den 80ern (also in der Pre-Handy- und Internetzeit - Kinder: so etwas gab es wirklich, wir haben das auch überlebt, obwohl wir dazu auch noch freitags in der Schule waren...) waren für mich die Grünen sehr wichtig. Umweltbewustsein gab es fast nicht. Sie sind den damaligen "Altparteien" auf die Pelle gerückt und es hat sich zu heute sehr viel zum positiven verändert. Zwischenzeitlich haben sie sich für mich zu einer ideologisch verbohrten Partei entwickelt, die den Umweltgedanken nur noch als Deckmantel nutzt, um der Gesellschaft ihre Ideologie mittels Verboten und der Moralkeule aufzuzwingen. Für mich sind die "Gegrünten" (ist das so politisch korrekt?) unsozial, da sich ihre Politik die Ärmsten nicht leisten können, was man an ihrer Klientel - Wählerschaft sehen kann. Die "Kugel Eis" ist mittlerweile ganz schön schwer und teuer geworden...


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Schlaupilz #71.2

Ha,ha,ha jetzt sind die Grünen auch noch an den Eispreisen schuld!


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Media criticus #77

("..das grüne Milieu...")

Dieser Satzfestzen schon im Aufmacher indiziert die Intention des Verfassers.
Es folgt der Begriff "Milieu" als ausgrenzendes Instrument noch rund ein dutzend Mal. Gemeint sind Anhänger oder Wähler.
Wer so indoktriniert, kann nicht als Berichter sondern eher als Polemiker aufgefasst werden.
Nein, Herr Schmidt. Das war definitiv kein journalistisches Meisterstück.


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sonika #80

"Nach fast vierzig Jahren Aufstieg wandelt sich das Bild der grünen Bewegung. Die politischen Ziele von einst lösen sich langsam in einem bequemen und gleichzeitig elitären Lebensstil auf. "

Wäre auch schlimm, wenn die Grünen sich nach vierzig Jahren nicht weiter entwickelt hätten.
Andere Parteien hingegen leben vom jahrelangem Stillstand.
Ohne die Grünen hätte es bis heute kein Bewußtsein für Ökologie, Umweltschutz... gegeben.
Weder bequemen noch elitär,
näher am Puls der Zeit und der Menschen , wie keine andere Partei.
Die Umfragewerte sprechen für sich.
Das kann auch die ZON mit diesem Bericht nicht kleinschreiben.


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Grenzschutz ist Klimaschutz #98

Bilanz grüner Bundespolitik:
Hartz 4
EEG
Atomausstieg
Beteiligung illegaler Angriffskrieg gegen Serbien

Hoffentlich nie wieder. Ich gebe aber zu, würde Habeck die Partei maßgeblich führen, gehe ich von Besserem aus. Der Mann ist intelligent und kompetent, dabei auf etwas unmännliche Weise mutig und durchsetzungsfähig. ...


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Ambrose B. #99

Grün, das verbinde ich mit krampfhaften Versuchen in gerechter Sprache bis zur
neuen Bibelübersetzung hin, mit unterschwellig moralischem Druck, es doch wohl
auch so zu meinen, alles schön melodisch und sanft, nicht wahr oder ....
Es ist eine schöne neue Konsumwelt der Bioladen - und Naturstoffideologie, wer
es sich nicht leisten kann,gehört dann eher doch nicht dazu.


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Achter_Versuch #103

Die Grünen haben das getan was Sie in den siebziger und achtziger Jahren angekündigt haben: den Gang durch die Institutionen.
Jetzt sitzen Sie ganz oben, an den Schaltstellen der Macht, in Behörden und staatlichen Einrichtungen, Schulen, Universitäten, Medienhäusern.
Sie sind zur herrschenden Klasse aufgestiegen.
Sie leben in einer parasitären Symbiose mit dem produzierenden Gewerbe welches für den Wohlstand in Deutschland verantwortlich ist. ...


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Toby Schmidt #104

Auf jeden Fall sind Die Grünen nicht die Partei für die Interessen der Armen und sozial Benachteiligten. Sie behaupten das gern, aber ihre Projekte richten sich an die gehobene Mittelschicht. ...


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Mäeutiker #113

Schon lustig, was zusammenkommt, wenn man die Kommentare hier liest:

Wenn die Grünen (bzw. ihre Wähler) konsequent dafür kämpfen, dass die Lebensgrundlagen der Menschheit erhalten bleiben, sind sie ideologische Spinner und Spaßverderber. Wenn sie es nicht tun, sind sie angepasste Heuchler.

Doch es geht mittlerweile gar nicht so sehr um die Grünen als Partei und als Milieu, da findet sich immer was zum Belächeln oder Kritisieren. Ein wachsender Teil des Wahlvolks begreift allmählich, dass ein zaghaft modifiziertes "Weiter so" nicht reicht, um die Herausforderungen der Zukunft zu meistern. Insofern profitieren die Grünen tatsächlich von der Schwäche der anderen Parteien, zumal dort ja weit und breit auch keine Lichtgestalten an der Spitze zu erkennen sind. Ob die Grünen als Partei immer die besten Lösungen für die anliegenden Probleme haben (und durchsetzen können), sei dahingestellt, aber es ist bitter notwendig, dass die Themen auf die Tagesordnung kommen. Sonst hinterlassen wir unseren Kindern und Enkeln ein vermüllte, ausgeplünderte, verbrannte Erde.

Und das ist nicht lustig.


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Skepsis80 #118

Ich kann verstehen worauf der Artikel hinaus will. Und sicher, bei vielen Grünen lässt sich eine Diskrepanz zwischen Anspruch und Verhalten feststellen, der dann zu Kritik berechtigt. Wir sind alles Menschen.

Der Autor überspitzt allerdings seine Kritik in dem Sinne, dass die moralische Haltung der Grünen als reine Attitüde dargestellt. Ein paar chice Werte, die auch gegen andere ausgetauscht werden könnten.

Wer allerdings halbwegs bei Verstand ist, wird erkennen müssen, dass die Menschheit den Klimawandel, dem Artensterben, der Umweltverschmutzung etc pp begegnen muss, dass unser jetziger Lebensstil nicht in die Zukunft dauerhaft fortgeführt werden kann. Die Grünen haben zumindest den Anspruch, sich diesen Themen zu stellen. Die anderen großen Parteien weichen diesen Themen aus.

Aus rein politiktaktischer Sicht lässt sich den Grünen viel vorwerfen. Der Autor verbleibt komplett auf dieser Ebene. Insofern argumentiert er zu kurz. Die inhaltliche Auseinandersetzung fehlt.


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bibberbutzke #134

Meine Miete steigt nach Modernisierungsmaßnahmen um circa 40 %. Wohne in Kreuzberg. Genehmigt durch die grüne Bezirksregierung. Bei der Deutsche Wohnen. Ich werde die partei bestimmt nicht wählen. Eine Partei die für 140.000 € grüne Punkte auf einer Straße gemalt ( Bergmannstraße) .Und Parklets aufbaut auf die niemand sitzt außer Touristen nachts mit einer Pulle Korn. Soviel zu den Grünen.


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U. Hermes #164

Thomas E. Schmidt, der von der SPD-Seite auf die Grünen blickt, wirkt irgendwie neiderfüllt und muss diese Partei, die ihre Kernthemen als einzige konsequent bearbeitet, runterschreiben. Das ist keine Analyse, sondern pures Bashing, Das kritisiere ich. Er liefert die Bestätigung sämtlicher Vorurteile, die dann von den Grünenhatern im Forum nachgebetet werden. Nun ja, dafür dass die SPD sich selbst den Boden unter den Füßen weggezogen hat, dass sie auf keine Zukunftsfrage eine Antwort geben kann, können ja die Grünen nichts. Und intern ist die SPD Kaderpartei geblieben, auch hier mehr bröckelnde Vergangenheit als Zukunft.
Für mich als Grüne gilt übrigens: Herkunft Unterschicht. Wieso wurde mir von keiner anderen Partei ein inhaltliches Angebot gemacht, das mir zukunftsfähig erscheint?


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Theo Teernagel #169

Sachlich, durchdacht und gut geschrieben, danke Herr Schmidt. Wollen Sie das nicht auch mal mit der armen SPD machen?


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« Reply #8 on: August 08, 2019, 09:13:24 AM »
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[...] Es klang ein wenig eifersüchtig, als Christian Lindner vor kurzem die Wirtschaft für ihre neue Grünen-Nähe anging. Wer die Grünen lobe, müsse dann auch mit deren Politik klarkommen, kritisierte der FDP-Chef. Dass nun mit Kerstin Andreae ausgerechnet eine Grünen-Politikerin Hauptgeschäftsführerin des mächtigen Energieverbands BDEW wird (und damit die Nachfolge eines FDP-Manns antritt), wird Lindner umso weniger passen.

Es hat auch mit Umfragewerten von mehr als 20 Prozent zu tun, dass in der Wirtschaft das Interesse an den Grünen wächst. Aber das ist nicht der einzige Grund: Zunehmend kommen Unternehmer zu der Überzeugung, dass ihre wirtschaftliche Zukunft in einer CO2-armen und ressourcenschonenden Produktionsweise liegt. Das heißt noch lange nicht, dass sie deswegen jede Gesetzesinitiative der Ökopartei unterstützen, aber die Berührungsängste sind kleiner geworden. Im Wirtschaftsbeirat der Grünen-Bundestagsfraktion, den Andreae vor einem Jahr gegründet hat, sind nicht nur Unternehmer vertreten, die den Grünen traditionell nahe stehen, sondern auch Vorstände von Dax-Konzernen wie dem Chemieriesen BASF oder dem Stahlhersteller Thyssen Krupp.

Die gegenseitige Annäherung hat eine Vorgeschichte. Schon seit Längerem gibt es Grüne in den Wirtschaftsverbänden, beim Industrieverband VDMA ebenso wie bei den forschenden Arzneimittelherstellern. Sie hatten zuweilen auch eine Art Übersetzerfunktion, weil sie erklären konnten, wie die Grünen ticken. So gelangte vor Jahren auch der frühere Verbraucher-Staatssekretär Matthias Berninger zum Schokoriegelhersteller Mars. Mittlerweile ist er Cheflobbyist für Bayer. Als solcher soll er nun das Unternehmen ausgerechnet aus den Negativ-Schlagzeilen holen, in die es seit der – nicht nur von Grünen heftig kritisierten – Übernahme des Glyphosat-Herstellers Monsanto geraten ist.

Die Personalie Andreae hat dennoch eine neue Dimension. Mit der Wirtschaftspolitikerin steht erstmals eine Grüne an der Spitze eines der größten Wirtschaftsverbände in Deutschland. Bisher waren eher Karrieren wie die von Ex-Grünen-Chefin Simone Peter üblich, die nach dem Ausscheiden aus dem Parteiamt im März 2018 die ehrenamtliche Funktion der Präsidentin des Bundesverbandes Erneuerbare Energie übernahm.

Zur Wahrheit gehört allerdings auch, dass Andreae erst zum Zuge kam, nachdem der niedersächsische Umweltminister und SPD-Mann Olaf Lies abgesagt hatte. Gezielt nach einer Grünen hat der BDEW also nicht gesucht. Aber zumindest war Andreaes Parteibuch auch kein Hinderungsgrund, sie als Lobbyistin für die Energiebranche zu engagieren.


Aus: "Kaum noch Berührungsängste: Warum Wirtschaft und Grüne sich annähern" (07.08.2019)
Quelle: https://www.tagesspiegel.de/politik/kaum-noch-beruehrungsaengste-warum-wirtschaft-und-gruene-sich-annaehern/24879890.html