Author Topic: Neoliberalismus...? (Notizen)  (Read 171 times)

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Neoliberalismus...? (Notizen)
« on: March 09, 2018, 08:11:46 PM »
Neoliberalismus
https://de.wikipedia.org/wiki/Neoliberalismus

"Walter Ötsch: Die Anfänge des Neoliberalismus" (Am 04.01.2016 veröffentlicht)
Eine Vorlesung von Walter Ötsch aus der Reihe: Kulturgeschiche des Denkens über die Wirtschaft ...
https://www.youtube.com/watch?v=rIgPsGFzG8Y


"Reply: Fault Lines" Daniel Rodgers ▪ January 22, 2018
Words gain political traction when they resonate with immediate experience. “Neoliberalism” does not. ... This reply concludes a forum discussion on the uses and abuses of “neoliberalism,” responding to Daniel Rodgers’s essay in our Winter 2018 issue. Read the preceding responses—by Julia Ott, Mike Konczal, N. D. B. Connolly, and Timothy Shenk... https://www.dissentmagazine.org/online_articles/debating-uses-abuses-neoliberalism-forum
What’s wrong with the word “neoliberalism?” A lot, if these responses are to be believed. ...
https://www.dissentmagazine.org/blog/neoliberalism-forum-daniel-rodgers-reply


"Was bedeutet "neoliberal"?" Uwe Jean Heuser (25. November 2010)
Wie ein Begriff, der früher Gutes meinte, zum Schimpfwort wurde.  ... "Sie sind neoliberal": Damit will ein Abgeordneter sagen, der andere kümmere sich nicht um die Armen und Benachteiligten im Land, sondern mache die Reichen nur reicher und große Unternehmen noch mächtiger. An diesem Beispiel sieht man, wie sich die Bedeutung eines Wortes verändern kann. Denn der Neoliberalismus war Mitte des vergangenen Jahrhunderts eigentlich dazu gedacht, die Unternehmen stärker zu überwachen und allen Menschen zu neuen Chancen zu verhelfen.  ... Merkwürdig, wie der Ausdruck "Neoliberalismus" seine Bedeutung verändert hat. Die Neoliberalen, das waren eigentlich die Gründer der sozialen Marktwirtschaft, heute aber soll der Begriff oft solche Leute bezeichnen, die dieser sozialen Marktwirtschaft den Rücken kehren wollen. ...
http://www.zeit.de/2010/48/Wirtschaft-fuer-Kinder

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allbay #1  —  1. Dezember 2010, 11:45 Uhr

Satire?

"Wenn Ihr also irgendwann mal hört, wie jemand Euch oder einen Freund von Euch als »neoliberal« beschimpft, dann könnt Ihr fragen: Weißt Du denn gar nicht, woher der Begriff stammt?" Ich habe es schon immer geahnt - die ZEIT ist ein Satireblatt.


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redime te captum, #4  —  1. Dezember 2010, 12:09 Uhr

rette sich wer kann!

“Er meint doch gerade die Ideen, aus denen unsere soziale Marktwirtschaft geboren wurde.“ ? Der Autor muss eine aufregende Jugend gehabt haben.


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morgenrot, #6  —  1. Dezember 2010, 12:30 Uhr

Der Author...

wie soviele andere Neolberale Indoktrinerite verwechselt hier, absichtlich oder unabsichtlich, Gesellschaftliche Liberalität mit der Oekonomischen. Die Neoliberalen haben die Oekonomie, die Freiheit (Liberalität des Kapitals) über alles andere gestellt und zudem die Hilfe des Staates in Anspruch genommen um diese partikular Interessen durchsetzen zu können. So ist es gekommen das dem Profit, Effizienz und Renditedenken alle anderen Zivilgesellschafltichen Bereiche unterworfen wurden. ...


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artefaktum
#8  —  1. Dezember 2010, 12:35 Uhr

Ist der Autor so naiv oder tut er nur so?

"Weißt Du denn gar nicht, woher der Begriff stammt? Er meint doch gerade die Ideen, aus denen unsere soziale Marktwirtschaft geboren wurde."

Ein Begriff mit einer ursprünglich anderen Bedeutung kann auch missbraucht werden, indem man ihn verschleiernd erhält aber jetzt etwas anderes damit meint.

Das ist bei Menschen mit neuliberalen Ansichten übrigens recht beliebt. So werden die ehemals ehrenwerten Begriffe "Reform" und "Leistung" auch gerne mißbraucht.

Bei ersterem wird Alternativlosigkeit und Fortschrittlichkeit behauptet, obwohl in Wahrheit egoistische Gruppeninteressen bedient werden. Bei zweitem läßt man nur noch einen (oft angeblicher) Wert am Markt gelten.

Diesen Artikel lass ich mal unter Weihnachtsmärchen laufen. Die erzählt man ja auch gerne kleinen (naiven) Kindern.


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part #16  —  1. Dezember 2010, 17:45 Uhr

Die Kinder können das so nicht verstehen

"Neoliberalismus" als Schimpfwort bezieht sich auf die Ideologie Milton Friedmans, die wesentlich als Kampfmittel gegen den real existierenden Sozialismus konzipiert wurde. Diese Wirtschaftsideen mutierten bei Thatcher, Clinton, Reagan, Kanzler Schröder und vielen anderen zu einer Religion, die den Markt unabhängig von der Realität als Heilmittel für alles und jedes anbetet.


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Kara Bach #18  —  5. Januar 2011, 21:45 Uhr

Dieser Artikel hat mich provoziert

und ich habe mir über die Jahreswende erneut folgende Bücher durchgelesen:
1. Grundsätze der Wirtschaftspolitik, Walter Eucken
2. Wohlstand für alle, Ludwig Erhard
3. Deutsche Wirtschaftspolitik. Der Weg der Sozialen Marktwirtschaft, Ludwig Erhard
4. Kriegsfinanzierung und Schuldenkonsolidierung, Denkschrift von Ludwig Erhard.
5. Deutschlands Rückkehr zum Weltmarkt, Ludwig Erhard
6. Die Marktwirtschaft wird fortgesetzt, Ludwig Erhard In: E.W. Mänken/Mundorf, Hans (Hrsg.). Parteien – Personen – Programme. 12 Interviews aus dem Industriekurier.
7. Das sagte der Bundeskanzler. Prof. Dr. Ludwig Erhard in Reden und Interviews, Osangverlag München
8. Sparsamkeit und Nüchternheit. Regierungserklärung vom 10. November 1965. In: Karl Hohmann, Ludwig Erhard 1988. Ludwig Erhard. Gedanken aus fünf Jahrzehnten. Reden und Schriften, Econ
9. Adjektivlose oder Soziale Marktwirtschaft?, Ludwig-Erhard-Stiftung
Daraus musste ich erneut schliessen:
Erhards gesellschaftliches Leitbild war wirklich die "formierte Gesellschaft":
- keine Klassen und Gruppen mit einander ausschließenden Zielen
- kein autoritärer Zwang
- keine stände-staatlichen Vorstellungen
- Kooperation

Alles was ich fand, war der faktische Ausschluss "neoliberalitischer Thesen und Theorien".

Ich muss daher zu dem Schluss kommen, dass der Verfasser dieses Artikels ein Beitrag zur Desinformationskampagne der INSM und "für mich" ein Musterbeispiel für die heutige Methode der Tatsachenverfälschung ist.



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Neoliberalismus...? (Notizen)
« Reply #1 on: March 09, 2018, 08:26:24 PM »
Noam Chomsky: Neoliberalism Is Destroying Our Democracy (The Nation, Am 02.06.2017 veröffentlicht)
How elites on both sides of the political spectrum have undermined our social, political and environmental commons. ...
https://www.youtube.com/watch?v=tBzSLu3MZ6I


"Noam Chomsky - Neoliberalism & the Global Order"
This is the complete talk (excluding the Q&A) of Noam Chomsky speaking at Yale University on February 25, 1997
https://www.youtube.com/watch?v=jnc1Ay6X1bg

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Philip Mirowski: "Untote leben länger"Neoliberalismus als weltumspannende Verschwörung
Buchkritik / Archiv | Beitrag vom 13.11.2015 - Ernst Rommeney
Der Ökonom Philip Mirowski übt in seinem neuen Buch massive Kritik an seiner eigenen Zunft und am Neoliberalismus. Dieser sei frei von Ethik und höchst manipulativ. Der Autor schafft es, Ideologiekritik so spannend wie einen Thriller zu formulieren. ... Philip Mirowski stellt den Neoliberalismus als eine windige Denkschule vor, liberalen und konservativen Strömungen zwar verwandt, aber nicht annähernd so prinzipientreu oder durchschaubar. Sie entpuppe sich vielmehr als eine doktrinäre, interessengeleitete Strategie, die in einem Geflecht weitverzweigter, sich sogar widersprechender Initiativen agiere.
Gegenüber der eigenen Zunft argumentiert der Wissenschaftsforscher sehr scharf und führt die Ökonomen ausführlich als heillos zerstritten vor, als nicht fähig, die Ursachen der jüngsten Finanzkrise zu erklären, weswegen sie auch nicht wirklich daran interessiert seien.
Philip Mirowski: Untote leben länger
Warum der Neoliberalismus nach der Krise noch stärker ist
Matthes & Seitz, Berlin, September 2015
325 Seiten, 29,90 Euro

http://www.deutschlandfunkkultur.de/philip-mirowski-untote-leben-laenger-neoliberalismus-als.950.de.html
« Last Edit: May 27, 2018, 01:01:14 PM by Link »

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Neoliberalismus...? (Notizen)
« Reply #2 on: May 27, 2018, 12:21:15 PM »
Quote
[...] Aus dem rhetorischen Vokabular derjenigen, die sich gegen Reformen des Sozialstaates wehren, ist der Begriff "Neoliberalismus" nicht wegzudenken. Will man einen Kritiker sozialer Mißwirtschaft diskreditieren, wirft man ihm verkappten Neoliberalismus vor. Neoliberalismus ist demnach gleichbedeutend mit sozialer Kälte.

... Herbert Schui, Professor für Volkswirtschaftslehre an der Hamburger Universität für Wirtschaft und Politik, und Stephanie Blankenburg, Dozentin für Volkswirtschaftslehre an der School of Oriental and African Studies der Universität London, haben sich in ihrem Buch - das bemerkenswerterweise ausgerechnet im Verlag für das Studium der Arbeiterbewegung erschienen ist, der seine Publikationstätigkeit ausdrücklich als "Beitrag zur demokratischen Diskussions- und Aktionskultur der politischen und gewerkschaftlichen Linken" versteht - zweierlei vorgenommen. Zum einen leuchten sie die Entstehung des Neoliberalismus als Kontrahenten der Keynesianer aus. Anders als viele Diatriben, die über schiere Polemik nicht hinauskommen, zeigt dieses Buch die Entstehung des Antagonismus zwischen Keynes und Friedrich August von Hayek. Zweitens erfassen die Autoren in ihrem Blickfeld, daß der Neoliberalismus - darin dem Marxismus ähnlich, aber grundverschieden vom Keynesianismus - auch den Anspruch erhebt, mehr zu sein als eine Wirtschaftstheorie.

Für Neoliberale ist Wirtschaftspolitik nicht nur ein Instrument zur Hebung des Volkswohlstandes, sondern besitzt auch eine emanzipatorische Kraft. Die Rückdrängung der staatlichen Tätigkeit begünstigt die Freisetzung bürgerlicher Eigenverantwortung. Gerade hier dürften die eigentlichen Reizpunkte des Neoliberalismus liegen. Die Angriffsfläche, die dieser bietet, liegt im Vorwurf sozialer Demontage. Dabei belegen die Autoren, daß der geistige Vater der Sozialen Marktwirschaft, Alfred Müller-Armack, nach heutigem Verständnis ein Neoliberaler wäre.

Neoliberale erstreben die Verwirklichung eines steigenden Grades an bürgerlicher Freiheit. Ihre Zielrichtung ist eine politische Utopie. Diesem politischen Ehrgeiz entgegenzutreten bereitet seinen Gegnern Schwierigkeiten - und nicht umsonst fordert Bundeskanzler Gerhard Schröder zur Legitimierung von Staatsinterventionismus mehr "Zukunftsvision". Eine Wirtschaftsprogrammatik, soll sie nicht den Anschluß verlieren, muß sich mit dem Neoliberalismus auseinandersetzen. Die Autoren belegen, mit welchem Eifer gerade populistische Strömungen wie die Forza Italia oder der Front National neoliberales Gedankengut assimiliert haben. Es wäre bedenklich, wenn bürgerliche Parteien agilen Populisten dieses Feld überließen. Den Autoren ist eine gründlich recherchierte Darstellung gelungen. ...


Aus: "Neoliberalismus : Ein Mittel gegen Verelendung und Totalitarismus" Benedikt Koehler (19.12.2002)
Quelle: http://www.faz.net/aktuell/feuilleton/neoliberalismus-ein-mittel-gegen-verelendung-und-totalitarismus-11323334.html


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Stephan Schulmeister (* 26. August 1947) ist ein österreichischer Ökonom.
https://de.wikipedia.org/wiki/Stephan_Schulmeister

Quote
[...] Stephan Schulmeister ist empört, und das seit bereits vielen Jahren. Unentwegt donnert er in Artikeln, Reden und Fernsehauftritten gegen den Neoliberalismus, gegen entfesselte Finanzmärkte und gegen die Griechenlandpolitik der Europäischen Union. Nun hat der prominente Wiener Ökonom, der bis zu seiner Pensionierung im Jahr 2012 am Wiener Wirtschaftsforschungsinstitut arbeitete, seine Thesen in einem umfangreichen Buch zusammengefasst, seinem "Lebensbuch", wie der 70-Jährige sagt: Der Weg zur Prosperität hat er es genannt – und widmet es "den Neoliberalen in allen Parteien, in den Medien und in der Wissenschaft". Das mag auf den ersten Blick ein wenig plump wirken, die 380 Seiten (plus 100 Seiten Anmerkungen) sind es größtenteils nicht.

Der Band ist mehr als ein Wutausbruch. Er ist eine Mischung aus Lehrbuch und Anklageschrift. Für Laien erklärt Schulmeister in den ersten Kapiteln ausführlich die vorherrschenden neoklassischen Wirtschaftstheorien, geizt nicht mit Grafiken und holt zu historischen Exkursen aus – von Adam Smith über die Mont Pelerin Society, die 1947 vom Österreicher Friedrich August von Hayek gegründet wurde und noch heute besteht, bis zur Wirtschaftspolitik der Europäischen Union und ihrer Mitgliedsstaaten.

Vieles davon kennt man aus früheren Texten von Stephan Schulmeister. Seine Grundannahme hat er bereits oft vorgetragen: Der Neoliberalismus, für Schulmeister die größte Gegenaufklärung der Geschichte, dominiert das ökonomische Denken der Eliten und lässt keine Alternativen zu. Ethik und Moral haben in diesem Denksystem keinen Platz, die neoliberalen "Therapien" für Krankheiten, die das System selbst verursacht hat, verschlimmern die Symptome jedoch nur und führen zu Arbeitslosigkeit, prekärer Beschäftigung, sozialer Unsicherheit und Armut.

Man merkt Schulmeister seinen Zorn an. Wenn er etwa darüber schreibt, dass in Spanien die Transferleistungen stagnierten, die Zahl der Arbeitslosen sich aber verdoppelte – und damit Sozialleistungen radikal gekürzt wurden –, wettert er gleich darauf über den "Irr-Sinn" des "Luftschloss-Denkens" abgehobener Mainstream-Ökonomen. Die hätten keine Vorstellung von der Lage jener Menschen, "die sie mit ihren Berechnungen abschreiben", und seien durch ihr abgeschlossenes Denksystem zu keinen empirischen Analysen fähig.

Die Lösung? Der Finanzkapitalismus müsse überwunden, das europäische Sozialmodell erneuert werden, und Ökonomen müssten ihrer "Marktreligiosität" abschwören. Denn bei keiner anderen Gruppe von Intellektuellen sei der Widerspruch zwischen der "Beschränktheit des Wissens" und der Selbstgewissheit, mit der Theorien und Therapien präsentiert werden, so groß wie bei seinen Kollegen, schreibt Schulmeister. Das Herdenverhalten sei jedoch eine logische Folge – da von der Publikationsliste die Karriere abhängt. Wer allerdings vom Mainstream abweicht, hat schlechtere Karten, seine wissenschaftlichen Artikel unterzubringen.

Nicht alles, was Stephan Schulmeister schreibt, ist neu. Die Einbettung in seine große Erzählung über den Neoliberalismus macht die Lektüre trotzdem lohnenswert. Man muss die Analysen und Schlussfolgerungen nicht teilen, und man muss auch nicht so empört sein wie der Autor. An manchen Stellen tritt der Zorn zu sehr zwischen den Zeilen hervor. Trotzdem: Es lohnt, sich auf die Thesen zumindest einzulassen und sich mit ihnen auseinanderzusetzen.

Stephan Schulmeister: Der Weg zur Prosperität; Ecowin Verlag, Salzburg/Wien 2018; 480 S., 28,– €


Aus: "Die Wut des Ökonomen" Eine Rezension von Florian Gasser (26. Mai 2018)
Quelle: https://www.zeit.de/2018/22/der-weg-zur-prosperitaet-stephan-schulmeister-neoliberalismus

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Matt Merkel #26

Die Leute sind selbst schuld, dass sie so wenig verdienen und sich keine Wohnung mehr leisten können. Und das hat nichts damit zu tun, dass der staatliche finanzierte Soziale Wohnungsbau an die Privaten Immobilienspekulanten verkauft wurden.
Hätten halt besser in der Schule aufpassen, was gescheites Lernen und sich nicht in die soziale Hängematte legen sollen!

Wer erst Kinder in Welt setzt und nun darüber jammert, dass man sich die Kitagebühren in staatlichen und schon gar nicht in privaten Kitas leisten kann, ist selbst schuld! Maul halten, weniger vögeln und statt dessen arbeiten gehen soll das jammernde Pack! ...


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vincentvision #27

Seit der "geistig-moralischen Wende" (die hieß tatsächlich so) der Regierungsübernahme von Helmut Kohl 1982 bestätigt sich regelmäßig das Bild konservativer Regierungen denen jedweder sozialpolitischer Anstand abhanden gekommen zu sein scheint und die das Gift persönlicher Gewinnmaximierung wie Opium in die Gehirne der Bevölkerung träufelt.

Vorher gab es eine soziale Marktwirtschaft, die die schlimmsten Auswüchse des Kapitalismus staatlich eingrenzte und dadurch zu einem sozial verträglichen Miteinander führte.

Der seit Jahrzehnten jedoch dominierende Neoliberalismus führt mittlerweile zur Wahrnehmung großer Teile der selbsternannten "Leistungsträger", die dieses Ungleichgewicht in ihrer Gier offenbar als nicht mehr besonders tragisch empfinden.

Schließlich ist ja die alleinerziehende Mutter, der kranke Arbeitslose oder die Hartz 4-Familie am Stadtrand meistens nicht ganz schuldlos an den eigenen Umständen, oder? Hätten sich halt mehr anstrengen müssen, nicht wahr?!

Der Rest versucht mit befristeten Jobs und unbezahlten Praktika irgendwie ins obere Drittel vorzustoßen und betäubt sich ansonsten mit 50 Fernsehkanälen und jeder Menge "Fun"-Angebote...

Oder - es dominiert der schlimmste der Effekte für neoliberal verseuchte Gesellschaften:

Die vom Raubtierkapitalismus abgehängten Mitbürger resignieren politisch, wählen nicht, oder aktuell eben die menschenfeindlichen Rechtspopulisten, die ihnen bequeme Nebelkerzen und unschuldige Sündenböcke liefern.


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Unverblümt #25

Der Begriff Neoliberalismus trifft es einfach nicht genau.

Viel treffender ist der Begriff Neo-Feudalismus.

Es ist mir vollkommen klar das viele Menschen bzw. Leser die Wut von Stefphan Schulmeister nicht nach vollziehen können, weil sich die meisten Menschen von diesem politischen und wirtschaftlichen System haben einlullen lassen oder eingerichtet haben.

Wir sortieren nach - rechts- links- grün oder konservativ- als liefen die Konfliktlinien entlang solcher Unterscheidungen. Grün sind aber inzwischen alle oder wollen alle sein, sozial wollen auch alle sein, liberal sowieso und konservativ auch. Man findet jede Art in jedem politischen Lager.

Ich verspüre diese Wut, die Schulmeister verspürt jedoch auch. Und sie ist sehr groß. Und wer sich umfangreich, jenseits des allgemeinen Mainstream, informiert, den kann nur die Wut packen. Und die meisten Menschen spüren auch, das etwas nicht mehr stimmt, das etwas Gründsätzliches aus aus den Fugen geraten ist. Sie können es nur nicht formulieren, weil das Unbehagen ALLES betrifft und ALLES mit ALLEM zusammen hängt. Die Politik tut jedoch so, als wenn jedes Problem einzeln zu lösen sei,man muss es nur seperat betrachten.

Das neue Buch von Harald Welzer - die Smarte Diktatur - beschreibt den Zustand unserer Gesellschaft bzw. Europas für jeden verständlich. Nur lesen muss man es, um endlich zu begreifen, was hier geschiet. Das Buch ist eine Anklage. Und so ist auch das Buch von Schulmeister zu verstehen.


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Frido Lehar #32.1

Es gibt so viele auch divergierende Denkansätze die mit dem Begriff "Neoliberalismus" belegt werden weil es ein "Etikett" von links ist. Es gibt keine Gruppe die sich so selbst bezeichnet. Und es gibt auch keine "neoliberale" Idee oder Ideologie. Das ist ein Ersatzbegriff für "Kapitalist".


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Heinz_K #33

Das ein Manchester Kapitalismus pur nicht funktionieren kann, hatten schon Erhard u Co nach dem Krieg gelernt. Auch in den USA wurden viele regulierende Gesetze eingeführt und erst unter Reagan wieder aufgehoben. Das Prinzip des vollkommen liberalisierten Marktes ist eben: " The Winner takes All " . Und wer hat bittesehr in den letzten 20 Jahren dazugewonnen? ... Mit dem Kapitalismus ist es wie mit dem Feuer, man kann sich daran wärmen aber unkontrolliert kann man auch darin verbrennen.


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« Last Edit: May 27, 2018, 12:26:29 PM by Link »

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Neoliberalismus...? (Notizen)
« Reply #3 on: May 27, 2018, 01:09:15 PM »
Hans-Jürgen Jakobs (* 28. Oktober 1956 in Wiesbaden) ist ein deutscher Volkswirt und Journalist.
https://de.wikipedia.org/wiki/Hans-J%C3%BCrgen_Jakobs

"Hans Jürgen Jakobs - Die Machtverhältnisse im globalen Kapitalismus" (Am 19.05.2017 veröffentlicht)
Conférence Die Machtverhältnisse im globalen Kapitalismus Montag, 15. Mai Uhr Hans-Jürgen Jakobs Hans-Jürgen Jakobs der ehemalige Chefredakteur des Handelsblatts hat kürzlich das Buch « Wem gehört die Welt? » geschrieben. Er wird uns die Machtverhältnisse im globalen Kapitalismus erläutern. Wirklich globale Macht haben nur Personen, die über richtig hohe Summen Geld disponieren. Das sind nicht Donald Trump, Angela Merkel oder Xi Jinping. Und auch nicht wirklich die zuletzt viel zitierten Milliardäre. Sondern Larry Fink, Stephen Schwarzman oder Abdullah bin Mohammed bin Saud al-Thani. Mit ihren Billionen schweren Fonds legen sie über Vermögensverwaltungsfirmen und Staatsfonds wie Blackrock, Blackstone oder Qatar Investment mehr Geld an als Staaten wie Deutschland erwirtschaften. Längst dominieren sie über das Investieren und Spekulieren der ihnen anvertrauten Gelder in Höhe von 47.000.000.000.000 US-Dollar die zentralen Felder der Weltwirtschaft und konzentrieren Geld und Einfluss wie nie zuvor einzelne Personen oder Institutionen. Doch wer diese Vermögensverwalter und Staatsfonds sind, wer sie leitet und welche Ziele sie verfolgen, ist erst mit der Ende 2016 erschienenen Publikation „Wem gehört die Welt?“ des früheren Chefredakteurs des Handelsblatts, Hans-Jürgen Jakobs, gründlich recherchiert worden. In diesem ersten umfassenden Report über die heutigen Machtverhältnisse im globalen Kapitalismus werden über 200 der mächtigsten Akteure des Weltfinanzwesens im Porträt vorgestellt, die zusammen 60 % des Bruttoinlandsprodukts der Welt versammeln. Das Gesamtbild dieses neuen Kapitalismus, den Jakobs „Blackrock Kapitalismus“ nennt, ist bedrohlich: Denn die nächste große Krise wird ihm zufolge vom „grauen“ Kapitalmarkt und den „Schattenbanken“ ausgehen, die in ihrer Gier nach Rendite ungeregelt und ungezügelt wachsen. Hans-Jürgen Jakobs schlägt den Bogen zwischen den globalen Machtverhältnissen früherer Jahrhunderte zu einer Neubetrachtung dieser Welt, in der politische Institutionen gegenüber diesem über die Finanzmärkte gesteuerten Neokapitalismus längst die Kontrolle verloren haben. Weitgehend unbemerkt von der Öffentlichkeit haben sich schrankenlos agierende Finanzmagnate eine dominante Stellung in der globalisierten Wirtschaft erarbeitet. Welche Rolle spielt der hiesige Finanzplatz in diesem System? Und wie können wir Bürger hier die Welt für uns zurückgewinnen? Als Angestellte am Finanzplatz Luxemburg? Als Wutaktionäre und Aktivisten auf Hauptversammlungen? Als Akteure der Zivilgesellschaft gegenüber Staaten, die der Steuervermeidung viele Türen geöffnet haben? Durch die Einführung einer Finanztransaktionssteuer? Und eine Regulierung des Shadow-Bankings? Oder auch durch das Erzwingen der Befolgung von ESG-Kriterien? Diese Fragen wollen wir nach dem Vortrag mit Hans-Jürgen Jakobs debattieren.
https://www.youtube.com/watch?v=7AfU8hROzrU