Author Topic: Diskursanalyse ...  (Read 407 times)

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Diskursanalyse ...
« on: November 26, 2017, 02:26:14 PM »
Diskursanalyse ist ein Oberbegriff für die sozial- und geisteswissenschaftliche Analyse von Diskursphänomenen. Je nachdem, was als Diskurs betrachtet wird, gibt es hierfür unterschiedliche Herangehensweisen. ... Die sozialwissenschaftliche Diskursforschung untersucht die Regeln und Regelmäßigkeiten des Diskurses, seine Möglichkeiten zur Wirklichkeitskonstruktion, seine gesellschaftliche Verankerung und seine historischen Veränderungen. ...
https://de.wikipedia.org/wiki/Diskursanalyse

https://de.wikipedia.org/wiki/Kategorie:Diskursanalyse

https://de.wikipedia.org/wiki/Gespr%C3%A4chsanalyse

Deutungsrahmen sind gesellschaftlich verbreitete und individuell angeeignete Wissensstrukturen, auf die Prozesse des Verstehens aufbauen. Deutungsrahmen sind vor allem auch für das Verständnis von sprachlicher Kommunikation bedeutsam, indem sie in der meist ungenauen Alltagskommunikation das Gesagte oder Geschriebene mit Kontextinformationen anreichern, die ihm erst seinen vollen Sinn verleihen. ...
https://de.wikipedia.org/wiki/Deutungsrahmen

Konsenstheorie der Wahrheit
https://de.wikipedia.org/wiki/Konsenstheorie_der_Wahrheit

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Diskursanalyse ...
« Reply #1 on: November 26, 2017, 02:32:51 PM »
"Diskursanalyse - Aktueller theoretischer Ort und methodische Möglichkeiten" Andreas Gardt (Datum ?)
Zu Beginn des Beitrags soll der Begriff der Diskursanalyse in einem Feld von  drei  Kategorien  betrachtet ....
https://www.uni-kassel.de/fb02/fileadmin/datas/fb02/Institut_f%C3%BCr_Germanistik/Dateien/DISKURSANALYSE_gardt.pdf

"Rechtspopulismus: Eigentlich waren wir religiös" Anselm Neft (25. November 2017)
Wie soll man mit Rechten umgehen? Argumente blocken sie ab, sagt unser Autor, der früher selbst ein Rechter war. Er empfiehlt das Schwierigste überhaupt: Menschlichkeit.
http://www.zeit.de/kultur/2017-11/rechtspopulismus-rechtsextremismus-debatte-reden-anselm-neft

Anselm Neft (* 6. Juli 1973 in Bonn) ist ein deutscher Romanautor, Satiriker und Publizist.
https://de.wikipedia.org/wiki/Anselm_Neft


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Diskursanalyse ...
« Reply #2 on: August 26, 2018, 11:00:15 AM »
""Desintegriert euch!": Gegen das deutsche Wir" Eine Rezension von Ann-Kristin Tlusty (23. August 2018)
Ein Buch im richtigen Moment: Der Autor Max Czollek rechnet in seinem furiosen Essay mit einem verklärten deutschen Selbstverständnis im Integrationsdiskurs ab.  Desintegriert euch! heißt eine nun erschienene Polemik, die die Integrationsdebatte allein deshalb neu beleben wird, weil sie ihre zentrale Vokabel ablehnt. Der Autor: Max Czollek, 31 Jahre alt, Publizist, Lyriker und Kurator im Umfeld des Berliner Maxim-Gorki-Theaters. Sein Buch, leitet Czollek ein, sei zudem das "von einem, der auszog, kein Jude zu werden. Sondern ein Politikwissenschaftler, ein Schriftsteller und Intellektueller. Und von einem, der schließlich auch Jude wurde".  ...
Czollek schreibt also aus jüdischer Perspektive gegen das Integrationsparadigma an. Um ihm in seinem Appell zur Desintegration folgen zu können, muss man erst einmal verstehen, worin sein Problem mit der Integration besteht: Czollek spricht von einem "Integrationstheater", der stetigen Inszenierung einer Denkweise, für die die Idee eines gesellschaftlichen Zentrums maßgeblich ist. Ein monolithisches deutsches "Wir" spiele in dieser Inszenierung die Hauptrolle, das komplementäre "Ihr" sei vertreten durch zwei Nebenrollen. Auf der einen Seite die guten (das heißt: hervorragend integrierten) Migrantinnen und Migranten, auf der anderen Seite die bösen (also: gruppenvergewaltigenden, barbarischen, integrationsunfähigen). Ein deutsches Selbstverständnis speise sich vor allem aus der Abgrenzung zu diesem bösen "Ihr", während das gute "Ihr" die Weltoffenheit der eigenen Gesellschaft demonstriere.
Die Beobachtung einer romantischen Verklärung von Migranten, ihrer Funktion als "Superdeutsche" ist vermutlich so alt wie der Integrationsdiskurs selbst. Czollek geht jedoch weiter: Das Integrationstheater sei nur eine von zwei Inszenierungen der deutschen Öffentlichkeit, denen er Publikum und Darsteller abtrünnig machen möchte: Eng verwandt sei das "Gedächtnistheater". Diesen Begriff prägte der Soziologe Michal Bodemann, um die Zurschaustellung einer betont vergangenheitsbewussten Erinnerungskultur zu beschreiben, die die jüdische Bevölkerung nach 1945 bis heute in eine perfide Rolle drängt. ...
https://www.zeit.de/kultur/literatur/2018-08/desintegriert-euch-max-czollek-migranten-juden-deutschland/komplettansicht

Max Czollek: "Desintegriert euch!" Hanser, München 2018, 208 Seiten

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Diskursanalyse ...
« Reply #3 on: August 29, 2018, 12:29:47 PM »
Quote
[...] In Wiesbaden steht eine riesige Erdogan-Statue. Die Kunstaktion der Wiesbaden-Biennale bringt Migranten in Rage. ... Trotz der Aufregungen entschied der Magistrat, sie aus Gründen der Kunstfreiheit stehen zu lassen, solange davon keine Gefahr für die öffentliche Ordnung ausgehe. Polizisten bewachen das Kunstwerk.

„Die Statue steht da, damit die Leute über die Figur diskutieren“, erklärt Uwe Eric Laufenberg, Intendant des hessischen Staatstheaters und verantwortlich für die Biennale, einem Jugendlichen, der an Deutschland kein gutes Haar lässt. „Ihr mit eurer Meinungsfreiheit“, schleudert dieser dem Intendanten entgegen. Warum da nicht Merkel stehe oder Trump? Über eine Stunde stellt sich Laufenberg den Fragen und Beschimpfungen der aufgebrachten Leute. „Kunst zeigt, was ist, das müssen wir aushalten“, wiederholt er sich.
Manche Menschen freuen sich, dass „ihrem Präsidenten“ so viel Ehre zuteil wird; einige Frauen lassen sich vor der Statue fotografieren. Andere erbost zutiefst, dass Erdogan für Kunst herhalten solle, um ihn damit zu kritisieren. ...


Aus: "Der goldene Erdogan" Madeleine Reckmann (29.08.2018)
Quelle: http://www.fr.de/rhein-main/erdogan-in-wiesbaden-der-goldene-erdogan-a-1572161

-

Quote
[...] "Nach Einschätzung der Ordnungskräfte wäre eine ruhige und friedliche Atmosphäre nur durch den dauerhaften Einsatz starker Polizeikräfte zu erreichen gewesen." Nach Angaben der Polizei sind am Abend rund einhundert Beamte vor Ort gewesen. Die Lage habe sich zwar hochgeschaukelt, etwas strafrechtlich Relevantes sei allerdings nicht passiert, sagte ein Polizeisprecher.

Im Laufe des Tages sei dann zudem bekannt geworden, dass kurdische Kreise dazu aufgefordert hätten, überregional zu Protestaktionen nach Wiesbaden anzureisen, sagte Stadtsprecher Munser. Das hätte nach Einschätzung der Stadt "einen massiven dauerhaften Polizeieinsatz" nötig gemacht.

In dieser Situation hätten Oberbürgermeister Sven Gerich (SPD) und Ordnungsdezernent Oliver Franz (CDU) kurz vor 21 Uhr den Abbau beschlossen ...


Aus: "Goldene Erdogan-Statue abgebaut: Das war der Grund" (29.08.2018)
Quelle: https://www.tag24.de/nachrichten/wiesbaden-hessen-grund-abbau-der-goldenen-erdogan-statue-kurden-aufmaersche-polizei-auseinandersetzung-754337

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Quote
[...] An Recep Tayyip Erdogan ist so gar nichts Witziges. Aber die Kunstaktion in Wiesbaden, bei der der türkische Präsident jetzt die Hauptrolle spielte, steckt voller Witze. Es sind keine guten.

Der erste schlechte Witz ist die goldene Statue selbst, die ein unbekannter Künstler im Rahmen der Wiesbadener Biennale aufgestellt hatte. Wenn er provozieren wollte, hätte er sich sicher etwas Intelligenteres ausdenken können. Die halbwegs naturgetreue Wiedergabe des Autokraten, die das „Denkmal“ darstellte, erschien doch allzu platt, um in die Kunstgeschichte einzugehen.

Der zweite schlechte Witz besteht darin, dass die Provokation trotzdem gelang. Auf dem Wiesbadener Platz der Deutschen Einheit versammelten sich nicht nur, aber offenbar zahlreich, diejenigen Menschen, denen in ihrer verbohrten Denke jede ironische Distanz abhandengekommen ist, falls je vorhanden. Statt sich auch nur einen einzigen Gedanken zu machen, ob sich hinter dem Abbild nicht doch eine Botschaft verbirgt, warfen sie sich ihre Meinung zu dem Menschenrechtsverächter gegenseitig an die Köpfe – brüllend und offenbar bis nah an die Grenze zur Gewalt. Meinungen, die, nicht zu erweichen durch Argumente, so fest in Stein gemeißelt sind wie ein Standbild.

Der dritte schlechte Witz ist der Umgang der Stadt mit dem Thema: Den ganzen Dienstag lang – auch, als schon Polizeipräsenz notwendig geworden war –, beteuerten die Verantwortlichen, die Kunstfreiheit habe Vorrang, solange die öffentliche Sicherheit nicht in Gefahr sei. Aber dann, abends um viertel vor elf, fiel ihnen ein, dass ihnen die Sache doch zu riskant erschien. Wie prekär die Lage zu diesem Zeitpunkt war, ist von außen schwer einzuschätzen, es gab unterschiedliche Angaben dazu.

So oder so: Das war der Moment, in dem das gar nicht witzige Endergebnis des Vorgangs amtlich wurde. Mit der Statue verschwand ein Stück Kunstfreiheit aus dem öffentlichen Raum. Es verschwand deshalb, weil das Geschrei der Empörten (und der Erdogan-Fans) offenbar stärker war als die Macht des Staates, Schlimmeres zu verhindern. Insofern hat die Statue, unabhängig von ihrer Qualität, ein Stück Aufklärung über die unerfreuliche Lage im Land geleistet.

An eines muss offenbar erinnert werden: Kunstfreiheit erweist sich gerade darin, dass sie auch „schlechte“ Kunst, selbst schlechte Witze, schützt. Kunst, die keinen stört, kann jeder schützen. Dass Kunst auch polarisieren können muss: Dieses Grundprinzip von Demokratie hat in Wiesbaden eine Niederlage erlitten.


Aus: "Mit Erdogan verschwindet die Kunstfreiheit" Stephan Hebel (29.08.2018)
Quelle: http://www.fr.de/politik/meinung/kommentare/streit-um-erdogan-statue-mit-erdogan-verschwindet-die-kunstfreiheit-a-1572425
« Last Edit: August 29, 2018, 12:59:13 PM by Link »