Author Topic: Sprache (Notizen)...  (Read 5802 times)

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Sprache (Notizen)...
« on: August 22, 2017, 03:08:44 PM »
Unter Sprache versteht man die Menge, die als Elemente alle „komplexen Systeme der Kommunikation“ beinhaltet. Der Term wird meist verwendet, um anzuzeigen, dass konkrete Zeichensysteme Elemente dieser Menge sind (z. B. die deutsche Sprache, die Programmiersprache Basic); umgekehrt, um anzuzeigen, dass diese konkreten Zeichensysteme den Eigenschaften einer Definition des Begriffs „Sprache“ genügen. Eine andere Definition ist: Sprachen sind „die Systeme von Einheiten und Regeln, die den Mitgliedern von Sprachgemeinschaften als Mittel der Verständigung dienen“.
https://de.wikipedia.org/wiki/Sprache

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Wittgenstein "Die Grenzen meiner Sprache bedeuten die Grenzen meiner Welt"
... Mit dem Analysieren von Sätzen in Elementarsätze erhofft sich Wittgenstein, philosophische Probleme auflösen zu können, die nach Wittgenstein durch den irrigen Gebrauch der Sprache entstehen. Unsere Alltagssprache ist mehrdeutig, unklar und unpräzise und die Zerlegung unserer Alltagssprache in eindeutige und klare Elementarsätze verhindert nach Wittgenstein die Verursachung von Verwirrungen oder Unklarheiten. Interessanterweise bringt Wittgenstein keine Beispiele für Elementarsätze und er weiss selber nicht, wie solche Elementarsätze aussehen werden. Wittgenstein sieht es als Ziel der Logik an, eben solche Elementarsätze ausfindig zu machen. ... Der frühe Wittgenstein deutete das Verhältnis von Sprache und Welt in Form eines Bildes, dass die Welt richtig oder falsch repräsentiert. Der späte Wittgenstein kritisierte selber diese Auffassung und vertrat nun die Idee, dass Sprache weit mehr Zwecke erfüllt, als nur das Repräsentieren der Welt. Wir brauchen die Sprache auch, um Emotionen, Empfindungen und Gefühle auszudrücken, Regeln und Konventionen festzumachen oder zu diskutieren und um moralische, religiöse oder politische Haltungen oder Meinungen bekanntzugeben. Wittgenstein sah in seiner „logisch-philosophischen Abhandlung“ das Problem, dass sie eine einzelne Verwendung der Sprache herausgriff und diese eine Verwendung als das Paradigma für die gesamte Sprache verwendete. Die Erkennung dieses Problems führte Wittgenstein später zur Auffassung, dass philosophische Probleme nicht durch eine Analyse von Sätze in Elementarsätze aufgelöst werden, sondern, indem man sich die verschiedene Verwendungen der Sprachen vor Augen hält. ...
https://www.philosophie.ch/philosophie/themenbereiche/theoretische-philosophie/wittgenstein

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Die Sprachphilosophie ist die Disziplin der Philosophie, die sich mit Sprache und Bedeutung beschäftigt, vor allem mit dem Verhältnis von Sprache und Wirklichkeit und dem Verhältnis von Sprache und Bewusstsein (bzw. Denken).  ... Die Linguisten Edward Sapir und Benjamin Whorf vertreten wie vor ihnen Wilhelm von Humboldt die These der sprachlichen Relativität: Sie behaupten, dass die Gedanken insofern relativ zu einer Sprache sind, als sich gewisse Gedanken nur in bestimmten Sprachen formulieren und verstehen lassen. Sie glauben, dies unter anderem mit empirischen Studien der Sprache von Indianern und Eskimos belegen zu können. Donald Davidson vertritt dagegen die These, dass alle Menschen, insofern sie miteinander kommunizieren, über dasselbe Begriffsschema verfügen, weil ein grundsätzlich anderes Begriffsschema für uns gar nicht verständlich wäre. ...
https://de.wikipedia.org/wiki/Sprachphilosophie

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Liste deutscher Wörter aus dem Hebräischen und Jiddischen
https://de.wikipedia.org/wiki/Liste_deutscher_W%C3%B6rter_aus_dem_Hebr%C3%A4ischen_und_Jiddischen

https://de.wikipedia.org/wiki/Jiddisch

http://www.jiddisch.org/yiddish/jidisch.htm

« Last Edit: March 17, 2020, 03:42:58 PM by Link »

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« Reply #1 on: March 17, 2020, 03:41:49 PM »
Umberto Eco (* 5. Januar 1932 in Alessandria, Piemont; † 19. Februar 2016 in Mailand, Lombardei) war ein italienischer Schriftsteller, Kolumnist, Philosoph, Medienwissenschaftler und wohl der bekannteste zeitgenössische Semiotiker. Durch seine Romane, allen voran Der Name der Rose, wurde er weltberühmt.
https://de.wikipedia.org/wiki/Umberto_Eco

Quote
[...] Umberto Eco: [...] Die Semiotik ist die beste Art, mit jener Wendung umzugehen, die im Zentrum der Philosophie des 20. Jahrhunderts steht und die man „linguistic turn“ genannt hat. Um es mit einfachen Worten zu erklären: Wie ordne ich die Bedeutung „Glas“ dem Wort „Glas“ zu? Die analytischen Philosophen, die in der angelsächsischen Welt vorherrschen, haben darauf versucht zu antworten, indem sie die Sprache gesäubert haben: Sie sollte nur noch Begriffe enthalten, die exakt den äußeren Gegenständen oder Situationen entsprechen, die sie bezeichnen. Als ob Worte Etiketten wären. Die Semiotik geht das Problem anders an. Sie interessiert sich weniger für die Referenz zur externen Welt als vielmehr für den Prozess, der zu Bedeutung führt, semiotisch gesprochen den Prozess der Signifikation. Nehmen wir ein Einhorn. Ein analytischer Philosoph hätte überhaupt kein Interesse daran, über Einhörner nachzudenken: Es gibt sie nicht. Für einen Semiotiker hingegen haben Einhörner eine fundamentale Bedeutung, denn sie gehören zur Ausstattung unserer mentalen Welt. Die Tatsache, dass ich Einhörner denken kann, ebenso wie die Tatsache, dass ich Gott denken kann oder Harry Potter, stellt einen grundlegenden Aspekt unseres Geisteslebens, unserer Kultur, unserer Moral und Ethik dar, den man nicht eliminieren darf. ... Das Faktische ist immer das, was ich den „harten Sockel des Seins“ nenne. Das ist keine metaphysische, sondern eine wissenschaftstheoretische These. ...

... Die Sprache ist eine menschliche Anpassungsleistung an eine gegebene Situation, daher auch Epikurs Hypothese, dass die Sprache mehrfach entstanden ist und noch immer in verschiedenen Situationen entsteht, weshalb es verschiedene Sprachen gibt. Das ist die beste anthropologische Lösung für das Problem des Sprachursprungs. Chomsky zufolge gibt es Hirnstrukturen, die bei allen Sprachen gleich sind. Intuitiv wäre ich damit einverstanden, sonst könnte man nicht erklären, wie ein Kind von Geburt an beginnt, eine Sprache zu lernen. Chomskys einziger Fehler ist, dass er das ausgehend von einer bestimmten Sprache verallgemeinert, nämlich seiner eigenen. Er vertritt zum Beispiel die Auffassung, dass das Konzept des Malens immer mit dem Konzept eines Malens von außen verbunden ist. „I paint my house“ heißt, dass ich mein Haus von außen anstreiche. Das gilt vielleicht für Amerika, wo die meisten in einem Haus leben, aber nicht in Europa. Dort streicht man eher seine Wohnung: von innen ...


Aus: "Umberto Eco im Gespräch: „Die Sprache ist eine permanente Revolution“" (2013)
Quelle: https://philomag.de/eco-sprache-revolution/

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Quote
[...] Der Begriff des linguistic turn bezeichnet damit eine Reihe sehr unterschiedlicher Entwicklungen im abendländischen Denken des 20. Jahrhunderts, denen allen gemeinsam eine grundsätzliche Skepsis gegenüber der Vorstellung zugrunde liegt, Sprache sei ein „transparentes Medium“, um die Wirklichkeit zu erfassen bzw. zu vermitteln. An die Stelle dieser Sichtweise tritt stattdessen die Auffassung, Sprache sei eine „unhintergehbare Bedingung des Denkens“. Demnach ist „alle menschliche Erkenntnis durch Sprache strukturiert“; die Realität jenseits von Sprache wird als „nicht existent“ oder aber „zumindest unerreichbar“ angesehen. Die Reflexion des Denkens, vor allem die Philosophie, wird damit zur Sprachkritik; eine Reflexion sprachlicher Formen – auch in der Literatur – kann so gesehen nur unter den Bedingungen des reflektierten Gegenstandes, eben der Sprache, erfolgen. ...


https://de.wikipedia.org/wiki/Linguistische_Wende (7. August 2019)

« Last Edit: March 17, 2020, 03:45:19 PM by Link »

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Sprache (Notizen)...
« Reply #2 on: March 17, 2020, 03:48:49 PM »
Quote
[...] Umberto Eco ist, trotz allem Bestseller-Ruhm, in erster Linie Wissenschaftler. Die beiden Schwerpunkte seines riesigen Forschungsgebiets sind die Ästhetik und die Semiotik (die Wissenschaft von den Zeichen). Eco lehrte in verschiedenen Ländern und ist in Fachkreisen seit den frühen sechziger Jahren ein Begriff. In Italien wurde er populär durch eine rege Kolumnistentätigkeit bei mehreren Zeitungen und Zeitschriften.

Der große Erfolg seiner Romane hatte zur Folge, daß seine wissenschaftlichen Arbeiten heute sehr bald nach Erscheinen des Originals übersetzt und einem breiteren Publikum angepriesen werden. Zu Recht? Das "Kritische Lexikon der Gegenwartsliteratur" meint: "Nicht oft trifft man in wissenschaftlicher Literatur auf eine flüssige, leicht zugängliche, zugleich aber geschliffene Schreibweise, die auch das Schwere und Abstrakte verständlich macht, ohne dabei in unzulässiger Weise zu vereinfachen" und nennt Eco einen "ausgesprochen seltenen Glücksfall". Das stimmt nun sicherlich nicht für alle seine Bücher. Aber in diesem Falle schreiben er und sein brillanter Übersetzer Burkhart Kroeber eine Sprache, die auch für Laien mit einer guten Allgemeinbildung verständlich ist.

Die Bedeutung der von Eco beschriebenen Suche reicht weit über die bloße Sprachforschung hinaus. Das wird schon ersichtlich, wenn man schaut, wer sich an der Suche beteiligt hat: Alchimisten, Mediziner wie Paracelsus, Kosmologen wie Giordano Bruno, Mathematiker wie Gottfried Wilhelm Leibniz. Wenngleich die Suche vergeblich war, so hat sie doch als Nebenwirkungen Theorien und Methoden hervorgebracht, die in Fächern wie Linguistik, Forschung zur künstlichen Intelligenz, Informatik und Ägyptologie zur Grundausrüstung gehören.

Wissenschaftsgeschichte, normalerweise als Geschichte der Erfolge geschrieben, erscheint uns als ein Triumphzug der Ratio, als ein kontinuierlicher Fortschritt. Ecos Geschichte eines Scheiterns zeigt uns eine andere, mindestens so interessante Seite. Sie berichtet von Irrtümern und Sackgassen, von Verheimlichungen, Irreführungen und von Denkparadigmen, die uns heute völlig fremd sind; und sie zeigt uns Einflüsse auf die Wissenschaft, die man gerne vergißt: Kabbala und Magie, religiöser Wahn und nationalistische Beschränktheit, Machtstreben und romantische Träumerei.

Streckenweise liest sich die Geschichte dieses Abenteuers fast so lustvoll wie Ecos Romane. Ein paar Kostproben: Im Mittelalter wurde unter Gelehrten heftig diskutiert, ob Kinder, die ohne Kontakt zu sprechenden Menschen aufwüchsen, wohl hebräisch sprächen. Im 16. Jahrhundert bewies ein Autor, daß der Dialekt von Antwerpen die vollkommenste Sprache überhaupt sei, während ein anderer im 17. Jahrhundert herausfand, daß Gott schwedisch, Adam dänisch, die Schlange aber französisch gesprochen habe; ein dritter wußte zu berichten, daß Noahs Sohn Japhet sich nach der Sintflut im Fürstentum Anhalt niedergelassen und Karl der Große zu seinen Nachfahren gehört habe. Nach dem Barock-Dichter und Gelehrten Georg Philipp Harsdörffer gebührt der deutschen Sprache der Vorzug, denn sie spreche wie die Natur selbst: "Sie donnert mit dem Himmel, sie blitzet mit den schnellen Wolken, stralet mit dem Hagel, sausset mit den Winden,... mauet wie die Katz, schnattert wie die Gans, qwacket wie die Ente, summet wie die Hummel, kacket wie das Huhn" (Seite 109).

Eine Geschichte von Irrtümern erscheint uns oft als grotesk und gar lächerlich, und man fragt sich beim Lesen manchmal, über welche unserer wissenschaftlichen Annahmen wohl die Menschen der Zukunft lachen werden.


Aus: "Die Suche nach der vollkommenen Sprache" Marcel Hänggi (Aus: Spektrum der Wissenschaft 2 / 1995, Seite 107)
Quelle: https://www.spektrum.de/magazin/die-suche-nach-der-vollkommenen-sprache/822137

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« Reply #3 on: March 19, 2020, 03:40:56 PM »
Quote
[...] Cassirer  hat  die  moderne  Sprachwissenschaft  trotz  der  intensiven  Rezeption  typologischer  Ergebnisse  (1923)  immer aus der Perspektive zuerst des Neukantianismus und dann eines aktualisierten Humboldt gesehen. Die neuralgischen Punkte der modernen Linguistik hat Cassirer mit dem scharfen Blick des ideengeschichtlichen Forschers erkannt und in seinem Vortrag 1945 benannt:

* Sprache ist weder ein Organismus noch ein Mechanismus
* Sprache existiert primär als sprachliches Handeln, als Energie des Geistes (gemäß Humboldt).
* Es fehlte nach Cassirers Diagnose eine „Logik der Linguistik“

Alle drei Punkte sind immer noch Gegenstand grundlagentheoretischer Debatten in der Linguistik des 21. Jahrhunderts und man kann Cassirers Scharfblick in dieser Hinsicht nur bewundern.

...


Aus: "Kultur und Symbol" Ein Handbuch zur Philosophie Ernst Cassirers - In Zusammenarbeit mit Silja Freudenberger, Barend van Heusden Arend Klaas Jagersma, Martina Plümacher und Wolfgang Wildgen herausgegeben von Hans Jörg Sandkühler und Detlev Pätzold Metzler, 2003
Quelle: http://www.fb10.uni-bremen.de/homepages/wildgen/pdf/cassirers.pdf

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« Reply #4 on: May 13, 2020, 09:03:07 PM »
Karl Bühler (* 27. Mai 1879 in Meckesheim; † 24. Oktober 1963 in Los Angeles) war ein deutscher Denk- und Sprachpsychologe und Sprachtheoretiker. Er gilt als Vertreter der sogenannten Würzburger Schule der Denkpsychologie, eines ganzheitspsychologischen Ansatzes, der mit der Gestaltpsychologie verwandt ist.
https://de.wikipedia.org/wiki/Karl_Bühler